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I. Ursprung und Bedeutung der Mythologie im Allgemeinen.

Inhalt der Mythologie. Alter derselben. Die Naturwissenschaften. Die Materialisten.


Darwin und Häckel. Die Affen und die Menschen. Die geistige Anlage der Menschen und
ihre Entwicklung. Das erste Ahnen eines Gottes. Anerziehung und Anlage. Das Gewissen.
Die Religion und die Priester.

Unter dem altgriechischen Worte »Mythologie« verstehen wir die »Sagengeschichte« der
Menschheit oder den Inhalt der geistigen Vorstellungen, welche in alten Zeiten die Völker
von außergewöhnlichen Wesen hatten. Das bezieht sich auf die Vorstellungen von Göttern
und Göttinnen, Halbgöttern und Halbgöttinnen, Helden und Heldinnen, Riesengeschlechtern
und Wundern. An der Spitze standen die Götter – so könnte man von der Mythologie als von
der Götterlehre sprechen: eine Lehre, welche die zum Teil noch geltenden Religionen der
verschiedensten Völker an den verschiedensten Orten seit der Urzeit umfasst, ehe es das
Christentum gab.
Oberflächlich pflegt man aber zu sagen: das ist »Heidenthum«, was die alten Völker sich
vorstellten! So nämlich drückt man sich seit der Erscheinung des Christentums aus, alles was
nicht dazu gehört, ist Heidentum, und was nicht zur christlichen Lehre gehört, ist Irrlehre.
Zunächst wenden wir uns zu der doppelten Frage: Erstens, wie alt ist die Mythologie
oder wann hat sie begonnen, und zweitens, wie ist sie entstanden? Die Frage nach dem Wie
und Wann der Entstehung hängen eng zusammen. Da sieht man sich gezwungen, in die
fernsten, abgelegensten Zeiten der Geschichte zurückzublicken.
Das Alter der Mythologie hängt vom Alter der Menschheit ab. Es bleibt aber auch
heute noch ein Rätsel, der Ursprung der Welt zu erfassen. Da gibt es die
Naturwissenschaften, die verschiedenste Erklärungen abgeben – die Theorie des Big-Bangs,
der organischen Entstehung, Fortpflanzung und Umwandlung der Geschöpfe, in der
Hoffnung, unser heutiges Dasein erklären zu können. Die Wissenschaft stellt aber
Hypothesen, die auch Lücken aufweisen. So lange aber die Schritte der Naturforschung nicht
eindeutig sind, lassen sich Vermutungen auf dem mythologischen Bereich nicht ausblenden.
Ob mündlich oder schriftlich überliefert, gibt es Geschichten, die so alt sind wie die
Menschheit selbst.
• Materialisten - alle Vorgänge und Phänomene der Welt auf Materie und deren
Gesetzmäßigkeiten und Verhältnisse lassen sich auf die Materie zurückführen.
Alles ist nur Materie. Der Materialismus geht also davon aus, dass auch
Gedanken und Ideen Erscheinungsformen der Materie sind bzw. auf solche
zurückgeführt werden können. Geistige oder immaterielle Elemente gibt es in
den materialistischen Erklärungen nicht.
• Materialisten bemühten sich den Ursprung der Welt durch Physik, Chemie,
Biologie und andere Teildisziplinen der Naturwissenschaften zu erklären, und
nicht durch Immaterielles wie Gott.
• Geist sei nichts, Materie alles
Vernunft - Der von der Vernunft ausgehende Denker sieht das All anders an, als die
Materialisten und diejenigen, welche an Gott und Unsterblichkeit zweifeln. Er findet, so weit
der menschliche Verstand und die menschliche Erfahrung heutzutage blickt, überall Ordnung
in allen Stücken, überall Gesetz und Harmonie in der Natur. Er findet eine vollkommene
Natur nach festen und unwandelbaren Normen: er findet bei dieser Wahrnehmung auch ein
vernünftiges Ziel der Dinge, so weit er dem Gange der Natur nachzurechnen vermag.
Darwin: Origin of Species – von Affen und Menschen
Die Aussage dieser Theorie: der Affe sei der Vorfahre des Menschen, das wurde laut Darwin
auch biologisch belegt. Evolutionstheorie – Geschöpfe allgemein machen Fortschritte.
Determinismus: Die am stärkeren oder weiter ausgebildeten Individuen siegten im
Überlebenskampf über die schwächeren, sei's mittelst ihrer Leibesstärke, oder ihrer
vorzüglicheren Organe, oder weil sie überhaupt begabter waren. Die besten Arten,
Geschlechter und Gattungen blieben übrig, erhielten sich unversehrt und setzten, unter
Bewältigung der ihnen entgegentretenden Hindernisse, ihre Nachkommenschaft, ihre weitere
Bildung und Veredlung glücklich fort, von Epoche zu Epoche ihre Eigentümlichkeiten
entwickelnd, abwandelnd und ihre Formen umgestaltend. – Urzelle

Schöpfer, Energie, die die Hand im Spiel hatte – und die Entwicklung in festgelegten
Bahnen stattgefunden hat. Wenn die Menschen, wie wir gesagt haben, so alt wie die Welt
sind, dann wagen wir nichts, wenn wir die Behauptung aussprechen, dass die Mythologie
ebenso alt ist. Denn die Reihen von Vorstellungen, welche den Inbegriff der Mythologie
ausmachen, hängen unmittelbar mit dem geistigen Erwachen des Menschengeschlechts
zusammen. In Jahren erweiterte sich der Horizont und die Wahrnehmung, und als erstes was
sie geistig erfassten war die Sonne, die am Osthimmel aufging und am Westhimmel
niederging – das erste Ahnen vom Dasein eines Gottes, die Sonne und ihr Lichtstrahl. Das
Bedürfnis eins Haltes trieb den Menschen, es war schon in der Urzelle programmiert. Es
entstand ein Gewissen. Es gruppierten sich Sterblichkeit, Unsterblichkeit, Hoffnung, Furcht –
alle Gefühle, die an die Geistentwicklung gebunden sind. Sie ersannen ein Reich von höheren
und höchsten Göttern, Geistern und Dämonen, welche in das Diesseits hineinragten, Einfluss
ausübten auf den Ursprung von Sein und Werden, die Geschicke beherrschten, belohnten und
straften und irgend ein Fortleben nach dem Tode erwarten ließen. Der endliche Sieg des
Guten wurde fast ohne Ausnahme voraus verkündigt, besonders bei den Persern und
Germanen. In der materiellen Wirklichkeit gab es aber weder Götter noch Geister, aber man
glaubte an sie, meinte sie zu sehen oder gesehen zu haben, mit ihnen zu verkehren und ihre
Hand zu empfinden. Man rief sie betend an, um die einen zu versöhnen, die andern zu
beschwören und unschädlich zu machen. Selbst die Natur war den Göttern unterworfen,
zumindest so glaubte man. Alles hing von den Entscheidungen der Götter ab wie
Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit der Erde; Krankheit und Tod, Gesundheit und Leben, Sieg
und Niederlage, man war ihrer Gnade und in ihrem Zorn ausgeliefert. Das, was man heute
unter Religion versteht, kam allmählich zusammen. Warnungen, Vorschriften und Gebräuche
erhielten Geltung, allerlei teils sinnvolle, teils unsinnige Moden wurden gäng und gäbe,
freiwillige Peinigungen, Opfer, heilige Einrichtungen, priesterliche Dienste, Bekenntnisse der
Sünden und deren Vergebungsweisen. Durch Religion wurde der Mensch regularisiert,
eingedämmt. So war der Kampf um Kultur begonnen, obwohl im Laufe der Geschichte die
Barbarei abermals siegte.

Das ist der Gang und Verlauf der Mythologie, welche mit dem ersten geistigen Erwachen
beginnt, und ein Produkt unzähliger Geschlechter ist. Ein weiter, ein sehr weiter Schritt war
es, von der Verehrung irgend eines Dinges, das verehrungswürdig schien, bis zur erhabenen
Annahme eines Gottes emporzusteigen oder sich ein unsichtbares Wesen vorzustellen,
welches die Welt beherrscht.