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L A N D E S A M T FÜR DENKMALPFLEGE

IM REGIERUNGSPRÄSIDIUM STUTTGART

FUNDBERICHTE
AUS
BADEN-WÜRTTEMBERG

BAND 32/1

Aufsätze

2012
KO N R AD TH E I S S VE RLAG · STUTTGART

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Redaktion:
Gerhard Wesselkamp

unter Mitarbeit von


Lucie Siftar

Die Deutsche Bibliothek – CIP-Einheitsaufnahme

Ein Titeldatensatz für diese Publikation


ist bei Der Deutschen Bibliothek erhältlich.

Gefördert vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg – Oberste Denkmalschutzbehörde

© Landesamt für Denkmalpflege, Esslingen 2012


Alle Rechte, auch das der Übersetzung, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung
einschließlich fotomechanischer Wiedergabe nur mit ausdrücklicher Genehmigung
des Landesamtes für Denkmalpflege Baden-Württemberg.
Druck: schwarz auf weiss · 79104 Freiburg · info@sawdruck.de
Gesamtherstellung: folio · 79206 Breisach · gw@wesselkamp.de
Printed in Germany
ISBN 978-3-8062-2549-5 · ISSN 0071-9897

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Über Bücher und Sondengänger: Statt eines Vorworts

Bei der Betrachtung dieses mit einem Gesamtumfang von fast 1600 Seiten sehr voluminösen Dop-
pelbands 32 der „Fundberichte aus Baden-Württemberg“ mag sich gerade Laien, aber auch jüngeren
Fachkollegen eine Frage aufdrängen: Ist es im Zeitalter des Internets überhaupt noch sinnvoll, mit
großem Aufwand solche Mengen an Papier zu bedrucken, um sie zwischen zwei Buchdeckeln ge-
bunden in die Regale von Fachbibliotheken zu stellen?
Die Antwort lautet eindeutig: Ja. Von archäologischen Denkmälern bleibt in aller Regel nach der
Ausgrabung nur ein Teil der Funde erhalten. Das Denkmal selbst, die Befunde, Schichten und
Fundkontexte werden dagegen bei der Ausgrabung fast immer unwiederbringlich zerstört. Nur der
Bruchteil eines Promilles der bei Ausgrabungen geborgenen Funde gelangt tatsächlich als Exponate
in die Ausstellungen der Museen. Die Masse des Fundmaterials wird dagegen in z.T. riesigen Ar-
chiven eingelagert und ist damit faktisch der Öffentlichkeit entzogen. Gleiches gilt für die auf der
Grabung angefertigte Dokumentation. Die Hoffnung, dass diese Funde und Dokumente in unseren
Archiven Jahrhunderte oder gar Jahrtausende überdauern, dürfte sich in den meisten Fällen als
trügerisch erweisen: Abgesehen davon, dass Archive abbrennen oder einstürzen können, lehrt die
Erfahrung, dass ein erheblicher Teil der Funde und Dokumente auf weniger spektakuläre Weise
durch Umzüge, Verstellen, Verrosten, falsche Beschriftung, falsche Barcodes oder Änderungen in der
Fundverwaltung mittel- und langfristig verloren gehen wird. Dies gilt auch für digitale Dokumente,
denn ob unsere in den letzten zwei Jahrzehnten archivierten Datenbanken, Foto- oder Filmdateien
in 50 oder 100 Jahren ohne enormen Aufwand noch lesbar sein werden, darf bezweifelt werden. Aus
diesem Grund stellt die Online-Publikation von archäologischen Werken zwar eine willkommene
und sinnvolle Ergänzung, aber keineswegs eine Alternative zum konventionellen Buch dar.
Die wichtigste Form der Langzeitarchivierung und Inwertsetzung ausgegrabener archäologischer
Denkmäler ist daher ihre Publikation in Buchform. In angemessener Höhe aufgelegt, auf bestän-
digem Papier qualitätvoll gedruckt und in bewährter Technik gebunden werden unsere Bücher
voraussichtlich auch noch in Hunderten von Jahren erhalten und leicht und ohne jedes Hilfsmittel
nutzbar sein. Materialeditionen archäologischer Denkmäler sind daher eine der vordringlichsten
Kernaufgaben der archäologischen Denkmalpflege. Vor diesem Hintergrund erschließt sich der
Wert der vorliegenden Bände der Fundberichte aus Baden-Württemberg: Gleich mehrere durch
Ausgrabungen und ggf. nachfolgende Baumaßnahmen zerstörte archäologische Denkmäler werden
hier in ihrem Fund- und Befundbestand editiert und der Öffentlichkeit vorgelegt. Die 13 Beiträge
des Doppelbandes decken dabei ein breites thematisches und zeitliches Spektrum, vom bedeu-
tenden Gräberfeld der ersten steinzeitlichen Ackerbauern von Schwetzingen, über keltische Fund-
komplexe aus den letzten Jahrhunderten v. Chr. bis hin zu frühmittelalterlichen Siedlungen der
Alamannen ab.

Ein Schwerpunkt des Bandes liegt auf der Vorlage und der Anlayse von Funden aus Altenburg
bei Jestetten am Hochrhein. Ein großer Teil dieser Funde wurde aber nicht bei Ausgrabungen,
sondern bei Begehungen zwischen 1999 und 2006 mit der Metallsonde gefunden. Hintergrund
dieses in Baden-Württemberg bisher singulären Projektes der damaligen Außenstelle Freiburg des
Landesdenkmalamtes waren illegale Aktivitäten von Raubgräbern und Sondengängen, die das auf
der deutsch-schweizerischen Grenze liegende keltische Oppidum von Altenburg unter Verwendung
von Metalldetektoren ausplünderten. Dabei wurden nicht nur Metallfunde aus Ackerflächen ent-
wendet, sondern auch ungestörte Bereiche im Wald gefährdet. Um den illegalen Sondengängern zu-

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vorzukommen, entschloss sich das Landesdenkmalamt damals, selbst systematische Prospektionen
mit der Metallsonde durchzuführen. Ohne diese Prospektionen wäre ein Großteil der jetzt vorge-
legten Münz- und Metallkleinfunde sehr wahrscheinlich zur Beute der Sondengänger geworden
und im privaten Münz- und Antikenhandel verschwunden. Vor diesem Hintergrund betrachtet, war
das damalige Vorgehen der Denkmalpflege sicherlich sinnvoll. Als Modell für ähnliche Situationen
oder für die Zukunft taugt es hingegen nicht: Im Schulterschluss mit den Unteren Denkmalschutz-
behörden, mit Polizei und Forst muss die Landesdenkmalpflege vielmehr versuchen, den unver-
sehrten Schutz der Metallfunde in ihrem Fundkontext (auch eine durchpflügte Fundschicht über
einer Fundstätte ist ein Kontext!) zu erhalten. Nachforschungen mit dem Ziel, Kulturdenkmale zu
entdecken, sind nach Denkmalschutzgesetz Baden-Württemberg genehmigungspflichtig. Entspre-
chende Genehmigungen können in aller Regel nur dann erteilt werden, wenn ein öffentliches In-
teresse an den Forschungen besteht und diese fachgerecht durchgeführt werden. Dies trifft aber auf
das gezielte Suchen und Ausgraben von Münz- und Metallfunden durch private Sondengänger nicht
zu. Der ungenehmigte Einsatz von Metallsonden ist daher in Baden-Württemberg streng verboten.
Dies gilt nicht nur auf bekannten archäologischen Denkmälern, sondern auch in Arealen, in denen
bisher keine archäologischen Fundstellen oder Verdachtsflächen bekannt geworden sind. Angesichts
der Tatsache, dass nach empirisch gestützten Erhebungen bei Trassenprojekten, auf ein bekanntes
archäologisches Denkmal je nach Landschaft fünf bis zehn noch unentdeckte archäologische Fund-
stätten entfallen, ist das nachvollziehbar: Beim Einsatz eines Metalldetektors wird immer billigend
in Kauf genommen, dass archäologische Denkmäler entdeckt und ggf. zerstört werden.
Anders steht es beim Einsatz von Metallsonden in Arealen, die bereits durch genehmigte oder ge-
nehmigungsfähige Baumaßnahmen überplant sind. Hier kommt es durch die Baumaßnahmen ohne-
hin zu einer Zerstörung etwaiger archäologischer Strukturen und Denkmäler. In einem Pilotprojekt
führt das Landesamt für Denkmalpflege deshalb seit etwa zwei Jahren regelmäßig Prospektionen
auf überplanten Bereichen durch, wobei private, kooperationsbereite Sondengänger die Arbeit der
Archäologen unterstützen. Dieses Projekt ist auch deshalb wichtig, um „Hobbyarchäologen“ und
privaten Sondengängern ein sinnvolles und legales Betätigungsfeld zu eröffnen. Die bei diesen Pro-
spektionen gemachten Sondenfunde gehen selbstverständlich ins Eigentum des Landes über.
Es bleibt zu hoffen, dass es uns auf diesem Weg gemeinsam gelingt, die illegale Sondengängerei
einzudämmen, damit sich Zerstörungen wie sie im Oppidum von Altenburg zu beklagen sind, nicht
wiederholen.

Abschließend möchte ich mich im Namen der Archäologischen Denkmalpflege ganz herzlich bei
allen bedanken, die zum Gelingen des Bandes beigetragen haben. Unser besonderer Dank gilt da-
bei den Autoren der Beiträge für ihre sorgfältigen und fundierten Beiträge. Darunter befinden sich
mehrere universitäre Examensarbeiten, wobei wir auch den Professoren und Dozenten für die Be-
treuung der Kandidaten zu Dank verpflichtet sind. Danken möchte ich auch den wissenschaftlichen
Ausgräbern für die Übertragung ihrer Publikationsrechte an die Autoren. Erinnert werden muss
schließlich an die Grabungstechniker und Grabungsarbeiter, deren Einsatz bei Wind und Wetter das
hier vorgelegte Fund- und Datenmaterial verdankt wird.
Die fachwissenschaftliche Durchsicht der Beiträge lag bei Dr. C. Oeftiger vom Landesamt für Denk-
malpflege. Die redaktionelle Betreuung und die Koordination der Gesamtproduktion leistete in
bewährter Qualität das Verlagsbüro folio und sein Leiter Dr. G. Wesselkamp.

Esslingen, im Februar 2012 Prof. Dr. Dirk Krausse

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Inhaltsverzeichnis

Aufsätze

Claudia Gerling Das linearbandkeramische Gräberfeld von Schwetzingen, 7


Rhein-Neckar-Kreis

Martin Trautmann Die schnurkeramischen Bestattungen 265


von Lauda-Königshofen –
Steinzeitliche Hirtennomaden im Taubertal?

Beiträge zu den Neufunden 1999–2006 aus der spätlatènezeitlichen Großsiedlung 477


bei Altenburg, Gem. Jestetten, Kreis Waldshut

Andrea Bräuning Forschungsgeschichtlicher Überblick zu der spätlatènezeitlichen


Großsiedlung bei Altenburg, Gem. Jestetten, Kreis Waldshut 479
Michael Nick Die keltischen und römischen Fundmünzen aus der
spätlatènezeitlichen Großsiedlung
in der Rheinschleife bei Altenburg (‚Schwaben‘) 497
Andreas Burkhardt Die Analysen der keltischen Münzen und Metalle 673
Johannes Lauber Kommentierter Katalog zu den Kleinfunden (ohne Münzen)
von der Halbinsel Schwaben in Altenburg,
Gemeinde Jestetten, Krs. Waldshut 717
Daniel Penz Die chemische Analyse der Produktionsreste von Altenburg 805
Rolf Dehn Die Detektorfunde von Altenburg, Gem. Jestetten, Kreis Walds-
hut – Bemerkungen zur denkmalpflegerischen Problematik 839
Literaturverzeichnis 841
Abkürzungen und Zeichen (Beitrag Nick) 858

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