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- Vorwort -

W
arum stehst Du morgens auf? Vielleicht hast Du
dir diese Frage schon einmal gestellt und dich in
philosophischen Gedankenspielen verloren, die dich ir-
gendwie nicht weitergebracht haben. Diese Frage wird dir
dieses Buch nicht beantworten können.
Stattdessen solltest Du dich eher fragen: Wie schaffe ich es,
morgens noch ein Stückchen lieber aufzustehen? Denn da-
für müssen so einige Hürden überwunden werden. "Hür-
den?", fragst Du vielleicht. Durch den Fortschritt der
Menschheit ist es nicht zwangsläufig leichter geworden
glücklich zu sein, sondern eher schwieriger – aber woran
liegt das? Warum klagen so viele über ihre Arbeit, die ka-
pitalistische Gesellschaft oder das unfaire Leben? Wann -
wenn nicht heutzutage - war jemals alles so erreichbar für
uns, und trotzdem sind zahlreiche Menschen unglücklich?
Wenn Dich diese Fragestellung interessiert und Du dich
nach bedeutungsvoller Selbstverwirklichung sehnst, dann
ist dieses Buch genau richtig für dich. Es soll zum Denken
anstoßen, motivieren und Dir Leitlinien geben, anhand de-
rer Du deine Lebensweise orientieren kannst.

-1-
- Das Problem -

-2-
- Das Problem -

N
ie gab es mehr Frieden, Überfluss und Wohlstand auf
der Welt als heutzutage und trotzdem verfällt ein
Teil der Gesellschaft in pessimistische und depressive Ver-
stimmung. Noch vor 100 Jahren wäre selbst der reichste
Bürger neidisch auf den Ärmsten unserer heutigen Gesell-
schaft gewesen.
Wir haben alles: Jeder Hartz-IV-Empfänger hat ein Dach
über dem Kopf, Strom, fließend Wasser sowie genug Aus-
wahl an Essen - und das alles in Zeiten des Friedens. Nichts-
destotrotz leidet die Hälfte der Hartz-IV-Empfänger laut
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung unter psy-
chischen Problemen, hauptsächlich unter Depressionen.
Aber nicht nur die Armen unserer Gesellschaft fühlen sich
schlecht, nahezu jeder von uns hat längere Perioden von
zumindest leichten Depressionen erlebt. Die negative
Grundstimmung kann als eine unsichtbare Pandemie des
21. Jahrhunderts angesehen werden.
Wie kommt es, dass wir uns - trotz des Wohlstandes in dem
wir leben - von subjektiven Problemen soweit herunterzie-
hen lassen, sodass diese alles Schöne und Gute in den Schat-
ten stellen können? Um diese Frage zu beantworten, müs-
sen wir uns mit der Entwicklung unseres Gehirns vertraut
machen und uns die Rahmenbedingungen unserer Spezies
- des Homo Sapiens - anschauen, welche sich genetisch seit
70.000 Jahren kaum verändert hat.
- Das Problem -

Der Mensch entspringt der Natur. Der Sinn aus der Per-
spektive der Natur - vielleicht sogar die ehrlichste und fun-
damentalste Erklärung - besteht im Erhalt der Spezies.
Praktisch bedeutet dies: Nahrungsaufnahme, Fortpflan-
zung und Überleben. Diese drei Urinstinkte bestimmen die
Existenz eines jeden Lebewesens - vom einfachen Fungus
bis hin zum Homo Sapiens. Dabei bestimmt die Intelligenz
der Lebensform die Komplexität der Ausprägung: Wäh-
rend das Leben von Insekten sich primär um Nahrungsauf-
nahme und Fortpflanzung dreht, belohnt das Gehirn von
Antilopen soziales Verhalten, welches zur Herdenbildung
führt, um so die Überlebenschance der gesamten Gruppe
zu erhöhen.
So können soziale und individuelle Verhaltensweisen des
modernen Menschen oft auf Urinstinkte zurückgeführt
werden. Warum ist beispielsweise der Karriereweg eines
Arztes so beliebt? Zwei denkbare Urinstinkte werden beim
Ausüben dieses Berufes bedient: Zum einen wird das soziale
Bedürfnis, anderen Menschen zu helfen, gestillt. Das Ge-
hirn belohnt soziales Verhalten, da dies zu einer Gruppen-
bildung führt und damit die Überlebenschancen erhöht.
Gleichzeitig wird aber auch der gesellschaftliche Status ei-
nes Arztes angestrebt, denn ein hoher gesellschaftlicher Sta-
tus erhöht die Attraktivität gegenüber potentiellen Part-
nern und sichert somit die Fortpflanzung und den Erhalt
seiner Spezies.
Das Gehirn belohnt gewisse Aktivitäten, die zum Erhalt der
- Das Problem -

Spezies beitragen, und zwar durch Ausschüttungen von


Neurotransmittern im Gehirn Botenstoffe wie Dopamin,
Serotonin, Noradrenalin, Endorphine und weitere).

Vor 70.000 Jahren waren diese Mechanismen von großer


Wichtigkeit und somit mit der damaligen Umwelt syn-
chronisiert: So kam es zu der Entwicklung, dass große
Mengen an Dopamin im Gehirn ausgeschüttet wurden,
wenn beispielsweise ein Mann es schaffte, eine paarungs-
willige Frau zu überzeugen und den Akt der Fortpflanzung
einzugehen. Auch war es sinnvoll, dass in einer Zeit von
konstanter Nahrungsknappheit, das Gehirn den übermäßi-
gen Konsum an kohlenhydrathaltiger Nahrung belohnt
hat: Sobald man in der glücklichen Position war einen
Pflaumenbaum mit reifen Früchten zu finden, war es sinn-
voll, so viele Kalorien zu sich nehmen wie nur möglich, da
zuckerhaltige Früchte nicht lange haltbar sind. Es stellt sich
nun die Frage, was zu den heutigen Problemen führt.
- Das Problem -

Während sich unsere Genetik langsam und über Jahrmilli-


onen iterativ den äußeren Umständen anpasste, stieg der
Wohlstand und der technologische Fortschritt unserer Ge-
sellschaft in den letzten 10.000 Jahren – seit der neolithi-
schen Revolution – exponentiell an.
Unsere Spezies Homo Sapiens ist ca. 300.000 Jahre alt. Un-
ser Handeln ist aber nach wie vor abhängig von den Aus-
schüttungen der Neurotransmitter, die auf das Überleben
in der wilden Natur während der Nomadenzeit (Jäger- und
Sammler-Zeit) ausgerichtet ist. Nach dem VIE-Modell von
Vroom (1964) basiert unsere Motivation und Leistungsbe-
reitschaft maßgeblich auf einer in unserem Unterbewusst-
sein ausgeführten Berechnung, wieviel Dopamin und En-
dorphin eine gewisse Tätigkeit freisetzt. Was einst das
Überleben der Spezies sicherstellte, ist nun in Zeiten des
reinen Überflusses zu unserer Achillesferse geworden. Wir
streben nach einer konstanten Botenstoff-Ausschüttung,
können nicht genug davon erleben und sind quasi zu Do-
pamin-Junkies geworden.
Die gewinnmaximierende Industrie macht sich genau die-
ses Phänomen zu Nutzen und erzeugt Produkte - virtuell
sowie real - die für höchstmögliche Stimulation und somit
Ausschüttungen der Glückshormone sorgen. Je intensiver
und konzentrierter das Erlebnis, desto höher der Stimulus
und somit die Dopamin-Belohnung. Wir sehnen uns nach
den höchstmöglichen Reizen.
- Das Problem -

Zucker und Geschmacksverstärker in Fastfood sollen Essen


intensiver schmecken lassen, während “normales” und ge-
sundes Essen für viele einfach nicht mehr intensiv genug
schmeckt. Der Konsum von immer härterer Pornographie
führt zur Abstumpfung der normalen Sexualität. Das stun-
denlange Spielen von Games auf dem Handy oder am PC
macht Bücher lesen einfach nur langweilig. Soziale Medien
machen uns erwiesenermaßen unglücklicher, trotzdem
sind wir Stunden auf diesen Seiten, um uns den nächsten
Dopaminkick des nächsten Likes oder des nächsten Fotos
zu holen. Kurz gesagt:

1. Die Sucht nach intensiven Stimuli befördert de-


struktive Gewohnheiten: Wir können leicht in ei-
nen Teufelskreis gelangen und damit in eine Dopa-
minsucht. Wir werden beispielsweise Binge-Eater,
können nicht aufhören, das Computerspiel zu spie-
len oder scrollen stundenlang sinnlos durch unsere
Social-Media-Seiten.
- Das Problem -

2. Wir haben Schwierigkeiten, Tätigkeiten auszufüh-


ren, die nicht sofort zu einem Dopamin-Kick füh-
ren, aber eine initiale Anstrengung erfordern, z. B.
sich zum Sport zu motivieren oder notwendige Auf-
gaben zu erledigen. Um Neurotransmitter für eine
erfolgreiche Lernsession ausgeschüttet zu bekom-
men, muss man erst einmal das unangenehme Ge-
fühl der Anfangsfrustrationen und eventueller Nie-
derlagen überstehen, während die sofortige Dopa-
minausschüttung zum Greifen nahe ist. Deswegen
scrollen wir lieber auf Instagram und vernachlässi-
gen unsere Arbeit.

3. Die sofortige Befriedigung unserer Bedürfnisse


kann als eine Flucht vor unangenehmen Aufgaben,
Gefühlen und Problemen verstanden werden, was
dich in ein immer tieferes Loch fallen lässt und das
Problem nur noch schlimmer macht.
- Das Problem -

Befriedigung von Lust vs. wahres Glück .

Wenn Du dich fragst, warum das ein Problem ist, bitten


wir dich darüber nachzudenken, auf was Du besonders stolz
bist in deinem Leben. Hierbei soll es um Dich als Person
gehen. Nimm dir dafür einen Moment Zeit.

Du wirst merken, dass die Dinge, auf die Du stolz bist, mit
persönlichen Herausforderungen - wie auch immer diese
ausgesehen haben - zusammenhängen. Sei es, dass Du dei-
ner individuellen Persönlichkeit in einer Mainstream-Ge-
sellschaft treu geblieben bist. Sei es, dass Du dich trotz eines
konservativen und vorurteilsbehafteten Umfeldes als ho-
mosexuell geoutet hast. Sei es, dass Du in der Schulzeit für
ein Mobbingopfer eingestanden bist. Sei es, dass Du groß-
zügig geblieben bist und z. B. deinen Eltern verziehen hast,
während Du allen Grund hattest, sie zu hassen. Sei es, dass
Du eine konfliktvermeidende Persönlichkeit bist und Du es
aber geschafft hast, dich gegenüber deinem Chef durchzu-
setzen und endlich etwas für dich einzufordern oder, dass
Du es von unten nach oben im Sport, der Karriere oder im
Liebesleben geschafft hast. Du bist stolz auf diese Dinge,
weil sie für Dich schwer zu erreichen und nicht selbstver-
ständlich waren. Du musstest Hindernisse überwinden und
aus deiner individuellen Komfortzone hinaustreten. Doch
- Das Problem -

es sind genau die Hindernisse und die Tatsache, dass Du


dich dem unangenehmen Gefühl außerhalb der Komfort-
zone gestellt hast, welche dein Selbstbewusstsein und deine
Persönlichkeit ausmachen. Hindernisse und Herausforde-
rungen verleihen Bedeutung. Heldentum kann es per De-
finition nur in schwierigen Situationen geben.
Dagegen sind Neurotransmitter, die dem Gehirn ohne
große Anstrengung zur Verfügung gestellt werden relativ
bedeutungslos: Die “geschenkten” Dopamin-Ausschüttun-
gen durch süßes und fettiges Essen, durch Pornos oder
durch Social Media sind wertlos, auch wenn sie uns in den
Momenten des Verlangens als so wichtig vorkommen. Wir
verspüren aber im Gegenteil Leere, wenn wir uns diesem
bedeutungslosen Verlangen hingeben - wie ein Junkie
nach dem Einnehmen von Drogen.
- Das Problem -

Stelle dich deiner Angst und flüchte nicht! .

Sicherlich kennt jeder eine ähnliche Geschichte wie die


Meine: Den Englischunterricht in der Schule habe ich ge-
hasst. Irgendwann in der Mittelstufe wurde ich abgehangen
und seither kam ich nicht mehr wirklich mit in der Schule.
Dazu kam, dass ich einen Lehrer hatte, der mich jedes Mal
zum Vortragen auswählte – vorzugsweise dann, wenn ich
etwas nicht wusste. Anstatt den Lerninhalt aufzuholen,
schwänzte ich den Unterricht, was mich noch weiter zu-
rückwarf. Tief in mir drin wusste ich, dass ich es endlich
aufholen müsste, aber die negativen Emotionen waren zu
stark, als ich an den schier unüberwindbaren Berg Arbeit
dachte.
So unterdrückte ich über Jahre diese Emotionen, bis ich
schließlich schwere Bauchschmerzen bekam, wann immer
ich an die englische Sprache denken musste. Die Folgen
waren Minderwertigkeitskomplexe, eine sehr schlechte
Abiturnote in Englisch und so starke Bauchschmerzen über
Jahre hinweg, dass ich noch 2 Jahre später im Studium allem
aus dem Weg gegangen bin, was mit Englisch zu tun hatte.
In meinem fünften Semester im Studium bekam ich ein
englischsprachiges Buch („The Count of Monte Christo“)
von meinem besten Freund geschenkt. Ich nahm meinen
Mut zusammen und las die erste Seite (lächerlich, nicht
wahr?). Nachdem ich auf den ersten Seiten kaum etwas
- Das Problem -

verstand, nahm ich einen Stift und schrieb mir alle Wörter
auf, dessen Bedeutung ich nicht kannte. Nach zwei Seiten
merkte ich den ersten Fortschritt und ein tiefes Glücksge-
fühl machte sich breit: Ein Gefühl von Kontrolle breitete
sich aus - der Hoffnungsschimmer, dass ich selbst in der
Lage sein könnte, mich aus dem Teufelskreis zu befreien.
Was wäre passiert, wenn ich mich bereits zu einem frühe-
ren Zeitpunkt direkt meinen Problemen gestellt hätte?
Was, wenn ich es als Chance gesehen hätte? Wenn mich
der Nachteil sogar motiviert hätte?

Ich lebe in der sichersten Zeit, ich weiß, dass ich mir nie
um Essen oder einem Dach über dem Kopf Gedanken ma-
chen muss und trotzdem hatte ich Stressattacken und Ma-
genkrämpfe wegen eines Schulfaches (!). Mein Gehirn aus
Jäger-und-Sammlerzeit kann nicht zwischen irrelevanten
„Nichtigkeiten“ aus der heutigen Zeit sowie lebensbedroh-
lichen Gefahren unterscheiden, sodass bei dem Gedanken
an das Schulfach dieselbe körperliche Reaktion ausgelöst
wurde, wie bei meinen Vorfahren im Überlebenskampf mit
einem Säbelzahntiger.

Mach dir klar, wie dein Gehirn dir Tricks spielt und dich
für „virtuelle“ Gefahren leiden lässt und mit unnötiger
Angst, Stress und Adrenalin bestraft, obwohl dein Leben in
keiner Weise bedroht wird.
- Das Problem -

Aus psychologischer Sicht hat fast jeder Mensch Angst vor


brutaler Ehrlichkeit zu sich selbst. Im Laufe unseres Lebens
setzt sich unsere Identität aus verschiedenen Facetten zu-
sammen, die wir zu schützen versuchen. Ein Beispiel von
mir, um zu unterstreichen was ich meine: Durch das Über-
springen zweier Schulklassen genoss ich die damit verbun-
dene Anerkennung von Freunden und Familie. Dies ließ
mich den Identitätsanteil entwickeln, dass ich schneller
lerne als meine Mitschüler. Meine unterdurchschnittliche
Leistung im Fach Englisch stand so im Wiederspruch mit
meiner Identität als superschlauer Schüler. Diesen Wieder-
spruch nennt man kognitive Dissonanz und wurde von mir
als extrem unangenehm empfunden. Das Gehirn versucht
nun automatisch, diesen Wiederspruch aufzulösen und
Ordnung und Logik herzustellen: Entweder gebe ich die
Identität des schlauen Schülers auf oder ich finde Gründe,
warum der Lehrer schlecht ist, warum Englisch unwichtig
ist oder warum die Form von Unterricht keinen Sinn
macht. Dies ist der Punkt, wo ich scheiterte. Anstatt
mich dem Widerspruch in meiner Identität zu stellen und
mich möglicherweise mit tiefer Scham auseinandersetzen
zu müssen, fand ich gute Ausreden und bezahlte einen ho-
hen Preis: Jahrelanges unterbewusstes Leiden, bis mich die
Realität schlussendlich einholte.

„Das Richtige im Hier und Jetzt zu tun wiegt wenige Gramm,


die Reue später wiegt Tonnen“ - Jeff Olson
- Das Problem -

Die Angst vor dem Gesichtsverlust, vor der Infragestellung


der eigenen Weltanschauung oder der Identität führt nicht
nur zur Stagnation der individuellen Entwicklung wie in
meinem Beispiel, sondern zerstört regelrecht Familien
(wenn Familienmitglieder nicht bereit sind, Fehler und fal-
sches Handeln einzugestehen) und ist in der schlimmsten
Ausprägung Ursprung von Ausgrenzung, Rassismus und
Krieg.

Sich seinen tiefliegenden Ängsten zu stellen erfordert wah-


ren Mut und ist weit außerhalb unserer Komfortzone. Eine
fundamentale „Lesson Learned“: Das schmerzhafte Hinter-
fragen „ruhmreicher“ Identitäten zugunsten der Wahrheit
führt immer zu persönlicher Entwicklung und schlussend-
lich zu tieferer Selbstzufriedenheit. Das Unterbewusstsein
signalisiert dir sofort, wenn eines deiner „Egos“ angegriffen
wird und versetzt dich automatisch in den Verteidigungs-
modus. Versuche hier innezuhalten und objektiv die „Iden-
tität“ zu verbalisieren, die gerade bedroht wird. Wichtig ist,
dass Du genau herausfindest, was dich so emotional berührt
und warum. Ist es das wert, an dieser Identitätsfacette fest-
zuhalten?
- Das Problem -

Die Bedeutung deines Lebens .

Alpha und Beta sind zwei gute Freunde und gehen in die-
selbe Klasse. Der ähnliche Hintergrund - beide kommen
aus ärmlichen Verhältnissen, wo das Geld stets knapp ist –
schweißt zusammen und lässt sie zu sehr guten Freunden
werden. Weil es oft nur Streit zuhause gibt, verbringen sie
tagsüber Zeit auf der Straße und philosophieren über ihren
Platz in der Gesellschaft. Sie verstehen sich gegenseitig und
doch gibt es Meinungsverschiedenheiten. Während Alpha
an eine optimistischere Zukunft glaubt, nimmt Beta die
momentane Situation als ungerecht wahr und sucht die
Schuldigen.
5 Jahre vergehen. Beta befindet sich in einem Teufelskreis:
Alte Freunde wenden sich von ihm ab und er wendet sich
von allen alten Freunden ab, die versuchen ihr Leben auf
die Reihe zu bekommen. Anstatt sich an ebendiese zu hal-
ten und sich seinen Problemen zu stellen, verzichtet er be-
wusst auf den Kontakt mit diesen Freunden. Denn es ist
unbequem, in den Spiegel seines Lebens blicken zu müssen,
den seine alten Freunde ihm vorhalten. Dabei sagt ihm
seine innere Stimme doch eigentlich, was zu tun ist: The-
rapeutische Hilfe bei der Bewältigung der Alkoholsucht zu
suchen. Und höhere Zielen anzustreben, wie die Hingabe
für die Familie, bedeutungsvolle Kontakte zu knüpfen oder
die berufliche Selbstverwirklichung. Er geht immer den auf
- Das Problem -

den ersten Blick leichtesten Weg. Fernsehen gucken anstatt


zu Lernen, liegen bleiben, anstatt zum Sport zu gehen und
Pornos zu schauen anstatt persönlicher Weiterentwick-
lung.
Diese Unterdrückung führt zu einer großen Selbstlüge,
dass das Leben zu kurz ist und dass man “auch mal Dinge
genießen kann”. Diese Negativität spiegelt sich auch in sei-
nem Beruf wider. Auf erfolgreiche Leute reagiert er nei-
disch, anstatt sich inspirieren zu lassen. Nach 5 Jahren ver-
liert er seinen Job.
An seinem 40. Geburtstag reflektiert er sein Leben. Er ist
seit 15 Jahren arbeitslos und lebt von Hartz IV. Er hatte es
nie leicht, seine Eltern haben ihm damals nicht gesagt, wo-
rauf es im Leben ankommt. Sie waren ihm keine Vorbilder,
sonst wäre er heute an einer anderen Stelle, denkt er in sei-
ner Opferrolle. Generell war das Leben sehr ungerecht und
unfair zu ihm. Schuld sind die verdammten Politiker, sein
ehemaliger Chef und die Ausländer, die ihm seine Arbeit
weggenommen haben. Er versucht sich zusammenzurei-
ßen, doch auf einmal kommt alles in ihm hoch. Er weint
bitterlich.
Alpha startete ähnlich wie Beta. Aufgewachsen bei seiner
alleinerziehenden Mutter kennt er es genauso wie Beta,
nicht auf Klassenfahrten mitzufahren und die Anziehsachen
der großen Schwester auftragen zu müssen.
Während andere Kinder von ihren Eltern zu privater
Nachhilfe geschickt werden, muss er sich um seine
- Das Problem -

Geschwister kümmern. Genau wie Beta machten ihn diese


Ungerechtigkeiten im Leben wütend. Er verspürt Neid. Er
verspürt den Drang, aus dieser Situation endlich rauszu-
kommen. Er nutzt diese Energie, um sich am Abend hin-
zusetzen und sich auf die anstehende Mathematikprüfung
vorzubereiten. Er denkt nach, wie er ohne Nachhilfelehrer
das nicht Verstandene erklärt bekommen kann. Er recher-
chiert im Internet. Er stößt auf YouTube und die Khan
Academy. Er verspürt starke Motivation als er merkt, dass
die weltbeste Bildung heutzutage kostenfrei im Internet zur
Verfügung steht.
In der nächsten Klausur schneidet er - im Vergleich zu vor-
her und auch im Vergleich zum Klassendurchschnitt -
deutlich besser ab. Einer der Klassenkameraden aus wohl-
habendem Hause beschwert sich darüber, dass er heute zur
Nachhilfe gehen muss und darauf überhaupt keine Lust hat.
Anstelle von Ärger verspürt Alpha auf einmal Stolz, dass er
smart genug war und einen Weg gefunden hat, sich quali-
tativ hochwertige Nachhilfe kostenfrei aus dem Internet zu
organisieren, während andere Eltern 25€ pro Stunde für
Nachhilfe an ihren Kindern verschwenden, die dafür nicht
einmal dankbar sind. Auf einmal fiel es ihm wie Schuppen
von den Augen: Wie gut es ihm doch geht, dass er die
Dinge, die er hat, wertzuschätzen weiß. Während andere
den Wohlstand, den sie haben, nicht wertschätzen können.
Motiviert von dieser Erleuchtung hielt er einen Moment
inne: Früher war er neidisch und ärgerlich auf die Welt,
- Das Problem -

weil andere mehr hatten. Es gibt aber so viele Menschen auf


der Welt, die überhaupt erstmal gerne hätten, was er hat:
Gesundheit, die Möglichkeit zur Schule zu gehen, ein Dach
über dem Kopf sowie den Luxus, sich in keiner Weise über
sein Mittagessen Gedanken machen zu müssen. Auch, dass
er einen Computer mit dem Zugang zu unendlichen Infor-
mationen aus dem Internet hat, ist der Wahnsinn. Wie
kann es sein, dass es trotzdem so vielen Menschen in einer
überflussreichen Gesellschaft so schlecht geht? Alpha
schwor sich, das wertzuschätzen, was er schon alles hat und
sich mit aller Kraft auf das zu konzentrieren, was in seiner
Kontrolle steht, um noch mehr aus dem Leben zu holen.
Fünf Jahre später hat Alpha einen sehr gut bezahlten Job.
Seine wertschätzende Einstellung zum Leben und sein
pragmatisches Mindset, sich auf das zu konzentrieren, was
er kontrollieren kann, brachte ihm viel Respekt und gleich-
zeitig viele aufrichtige Freundschaften von Gleichgesinn-
ten ein, die sich gegenseitig inspirieren. Das Wissen, dass
er sich das alles selbst erarbeitet hat, verstärkte sein Selbst-
vertrauen immer weiter. Aufgrund seiner Erfolge und sei-
ner tollen Art, konnte er die schönste Frau - innerlich wie
äußerlich - für sich gewinnen.
Die ständige Konfrontation und Lösung von Problemen
ließen seinen Horizont wachsen. In diesen fünf Jahren Be-
rufserfahrung hat er gemerkt, dass es ein Produkt gibt, wel-
ches das Leben von vielen Menschen erleichtern und ver-
bessern würde. Er gründete ein Unternehmen. Aus
- Das Problem -

Erfahrung weiß er, dass schwere Zeiten zum Leben dazu-


gehören und eine Chance darstellen, seine Disziplin und
sein Durchhaltevermögen zu trainieren, sowie sich selbst zu
reflektieren und weiter zu verbessern.
An seinem 40. Geburtstag reflektiert er sein Leben. Er hat
mit seinem Produkt mehreren hundert Tausend Menschen
das Leben erleichtert. Er hat durch sein Unternehmen ein-
tausend Leuten einen Job geben können. Er öffnet eine Fla-
sche edlen Wein, den er von einem seiner zufriedenen
Kunden geschenkt bekommen hat. Er denkt darüber nach,
wo er herkam, wo er gestartet ist. Wie benachteiligt er war.
Wie unfair und ungerecht er die Welt zuerst empfand, bis
er seine Denkweise änderte. Diese Hindernisse haben ihn
dazu gebracht, sich weiterzuentwickeln. Diese vermeint-
lich unfaire Startposition hat ihn wertschätzend, selbstre-
flektiert und willensstark gemacht. Niemals wäre er dort,
wo er heute ist, wenn es keine Hindernisse und harte Zei-
ten gegeben hätte. Die Ungerechtigkeiten haben ihn dazu
gebracht, sich auf das zu konzentrieren, was man ändern
kann und daraus Stolz und Selbstzufriedenheit zu ziehen.
Freudentränen laufen ihm vor Dankbarkeit die Wangen
hinunter.
- Das Problem -

Warum lerne ich nichts aus Büchern? .

Als Abschluss des ersten Kapitels möchten wir dich auf die
Fehler hinweisen, die wir (die Autoren Leon und Jan) wie-
derholt beim Lesen von Büchern gemacht haben, sodass Du
hoffentlich daraus lernen kannst. Ein Buch kann reine Zeit-
verschwendung sein oder dein Leben verändern. Wenn Du
ein inspirierendes Buch liest, gibt es vier Phasen nach des-
sen Überwindung es zu einer nachhaltigen Veränderung in
deinem Leben kommen kann:

I. Du wirst durch das Lesen des Buches motiviert und


fühlst Tatendrang.
II. Nach den ersten Tagen wirst Du noch keine welt-
bewegenden Resultate erzielen und der anfängliche
Motivationsschub wird nachlassen. Alltägliche
Dinge sind auf einmal wichtiger.
- Das Problem -

III. Pflegen und Kultivieren: Hier scheiterten wir


in 95% der Fälle. Über einen relativ langen Zeit-
raum muss man nun die neue Erkenntnis oder die
neue Angewohnheit leben. Erwarte keine großen
Resultate und bleibe am Ball!
IV. Erleuchtung: Die ersten Ergebnisse und Kettenef-
fekte fangen an einzusetzen. Man erkennt, wie po-
sitiv sich die Entwicklung des einen Bereiches auf
das gesamte Leben ausgewirkt hat. Die Lebensphi-
losophie passt sich an und der Blickpunkt fängt an
sich zu wandeln. Diese Erkenntnis wird sich tief in
der Persönlichkeit verankern: Man fühlt sich
schlecht, wenn man nicht mehr nach ihr lebt.

Das Wichtigste ist daher, dass Du die Konzepte, die dir aus
diesem Buch am besten gefallen nicht nur liest, sondern sie
in deinem Leben kontinuierlich anwendest!
Wenn dieses Buch auch nur den bescheidensten Teil dazu
beitragen konnte, dich in eine bessere Version von dir selbst
zu entwickeln, bedeutet das die Welt für uns. Selbst wenn
Du einige Konzepte schon kennst, hoffen wir, dass durch
erneutes „ins Bewusstsein rufen“ ein Mehrwert generiert
werden kann. Über jegliche Art von Feedback freuen wir
uns sehr:

feedbacklessonslearned@gmail.com
- Das Buch -

Dir hat die Leseprobe gefallen?

Das gesamte Buch ist bei Amazon erhältlich:

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- 22 -
- Inhaltsverzeichnis des Buches -

Vorwort.........................................................................................4

一 ..................................................................5

Befriedigung von Lust vs. wahres Glück......................12

Stelle dich deiner Angst und flüchte nicht!...................14

Die Bedeutung deines Lebens.......................................18

Warum lerne ich nichts aus Büchern?..........................23

二 ...........................................25

Das Gras ist immer grüner auf der anderen Seite.........27

Unglücklich im Glück...................................................32

Paradoxon der Möglichkeiten.......................................34

三 ............................................37

- 23 -
- Inhaltsverzeichnis des Buches -


................................................................................54

Finde deinen Stamm und liebe ihn!..............................57

Warum, warum, warum?!..............................................60

Woher nehme ich ein ‚Warum‘?...................................64

Verantwortung übernehmen.........................................66

Lebe im Hier und Jetzt...................................................70

Systematisches Journaling..............................................75

Retrospektives Journaling..............................................77

Präventives Journaling...................................................79

Action, Action, Action! .................................................81

Gewohnheiten................................................................85

Nach der Morgenroutine...............................................90

五 ........................94

Ernährung - unsere Droge............................................96

Im Einklang mit den Neurotransmittern....................101

六 ...........................................................108

Über die Autoren......................................................................111


Appendix: Empfehlungen.........................................................113