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E2-E2p: Experimentalphysik 2 SS 2018

Prof. J. Lipfert Elektrodynamik

Übungsblatt Elektrodynamik 1 - Musterlösung


Besprechung in der Woche vom 04.06.18 bis 08.06.18

Teil A: Verständnisaufgaben

Aufgabe 1 – Ladungen auf einem Kreisumfang


Diese Aufgabe bringt bis zu 2 Punkte

(a) Fünf Ladungen jeweils mit Ladung q sind symmetrisch, also äquidistant, auf einem Kreis mit
Radius R verteilt. Wie stark ist das elektrische Feld E in der Mitte des Kreises?

Lösung:

Abbildung 1: Skizze der 5 Punktladungen auf einem Kreis mit Radius R

Anmerkung: Diese Aufgabe kann man auf zwei Arten lösen. Einmal, durch eine einfache
Überlegung oder über eine ausführliche Rechnung. Es ist völlig ausreichend, nur die Überle-
gung hinzuschreiben, zur Vollständigkeit, soll aber auch der Rechenweg aufgeführt werden.

Einfache Überlegung
Eine Probeladung, die sich genau in der Mitte des Kreises befindet, dürfte sich gar nicht
bewegen, denn alle Ladungen drücken über ihre Coulombkraft gleich stark an der Ladung.

1
Dabei drücken alle isotrop verteilt, da die Ladungsverteilung auf dem Kreis symmetrisch ist,
also müssten sich die Gesamtkraftwirkungen aufheben. Daher gilt:


E (0) = 0

Rechung:
Da diese Lösung vor allem bei 5 oder jeder weiteren ungeraden Ladungsanzahl unanschalich
ist, möchten wir hier nun das Feld im Mittelpunkt expizit ausrechnen.

Das elektrische Feld einer Ladungsverteilung beträgt:


− → 1 →
−r −→
−ri
E (−
X
r)= · Qi ·
4π0 i →
− →

r − ri 3

Hierbei bezeichnet →

r den Punkt an dem wir uns befinden, also →

r = 0 und →

ri den Ort der i.
Ladung.


− 1 X −→−ri
E (0) = · q · 3
4π0 i →

ri

Diese Aufgabe lässt sich deutlich einfacher in Polarkoordinaten rechnen. Dazu definieren wir
die oberste Ladung als φ = 0 (Das System ist dann rechtshändig, also gegen den Uhrzeigersinn,
wie der schwarze Pfeil anzeigt). Ein Punkt auf dem Ladungskreis ist definiert als:
 

− cos (ϕ)
r (ϕ) = R ·
sin (ϕ)

Das praktische an diesem Vektor ist, dass der Betrag unabhängig vom Winkel ist: Die 5 Winkel
sind ϕ = {0◦ , 72◦ , 144◦ , 216◦ , 288◦ }
Damit ergibt sich


− q X R  cos (0◦ ) + cos (72◦ ) + cos (144◦ ) + cos (216◦ ) + cos (288◦ ) 
E (0) = · · ·
4π0 i R 3 sin (0◦ ) + sin (72◦ ) + sin (144◦ ) + sin (216◦ ) + sin (288◦ )

 

− q 0
E (0) = · =0
4π0 R 2 0

Dieses Ergebnis entspricht exakt dem, was wir aus unserer Überlegung erwarten würden.

(b) Was ist das elektrische Potential in der Mitte des Kreises?

Lösung: Für das elektrostatische Potential gilt:



− →
E (−
r ) = −∇φ

Wenn das Feld E in der Mitte des Kreises 0 ist, wie in Aufgabenteil (a) ausgerechnet, dann
muss das elektrostatische Potential φ an dieser Stelle folglich konstant sein. Ob es 0 ist, hängt
davon ab, wo man die Erdung wählt. Dies ist in dieser Aufgabe aber nicht klar definiert. Weiter
als φ = const kommen wir hier nicht hinaus.

2
Aufgabe 2 – Feldlinien
Diese Aufgabe bringt bis zu 2 Punkte

(a) Beschreiben Sie kurz was sogenannte Feldlinien sind. Warum wurden Feldlinien eingeführt?
Von welcher Ladung gehen sie zu welcher Ladung? Warum wurde diese Richtung gewählt?

Lösung: Im Gegensatz zur klassischen Mechanik, in der wir uns für Pfade von Teilchen ~xi (t)
interessieren, geht es im Elektromagnetismus um die Dynamik des elektromagnetischen Feldes
zwischen geladenen Teilchen selbst. Mathematisch betrachten wir nun nicht mehr Pfade ~xi (t),
~ (x , t).
sondern Vektorfelder, d.h. Funktionen vom Ort und der Zeit E
Man kann sich diese durch sog. Feldlinien, aus denen man sowohl den Betrag als auch die
Richtung des Felds ablesen kann, veranschaulichen. Diese sind definiert als Pfade von po-
sitiven Probeladungen, welche in jedem Punkt und zu jeder Zeit tangential zum
Feldvektor E ~ (x , t) verlaufen und differenzierbar sind. (Man kann daher die Feldlinien
auch Kraftlinien nennen, da sie in die Richtung der Kraft zeigen, die auf eine positive Probela-
dung wirkt). Folglich zeigen elektrische Feldlinien von positiven zu negativen Ladungen. (Vgl.
Tipler, Kapitel 18.5)

(b) Skizierren Sie die Feldlinien, wenn nur eine einzelne punktförmige positive Ladung in einem
Volumen V zu finden ist.

Lösung:

(c) Skizzieren Sie die Feldlinien zwischen einer positiv geladenen Platte und einer negativ gelade-
nen Platte.

Lösung:

3
4
Aufgabe 3 – geladene Kugelschalen
Zwei sehr dünne Kugelschalen mit Radius d mit konstanter Ladungsdichte ρ0 und Gesamtladung Q
befinden sich in einem Abstand von 10d . Nun wird eine Probepunktladung q innerhalb der einen
Kugelschale und d /2 rechts vom Mittelpunkt der linken Kugelschale positioniert (siehe Abbildung).
Welche Kraft wirkt auf die Probeladung q unter der Annahme, dass die Kugelschalen ortsfest sind?
In welche Richtung wirkt diese Kraft?

Abbildung 2: Skizze der geladenen Kugelschalen mit Radius d und der Probeladung q innerhalb der
einen Kugelschale.

Lösung: Wir benutzen nun das Superpositionsprinzip, welches besagt, dass die resultierende Kraft
von N Ladungen auf eine Probeladung gleich der Summe der einzelnen Kräfte auf die Probeladung
ist. In dieser Aufgabe wäre N = 2, jedoch erzeugt die linke Kugelschale kein Feld in ihrem Inneren,
sodass wir lediglich einen Term haben:
qQ qQ qQ
F = 2
= 2
= .
4π0 |0, 5d − 10d | 4π0 | − 9, 5d | 361π0 d 2

Wenn Q und q beide positiv oder beide negativ geladen sind, dann wird die Probeladung abgestoßen,
während sie angezogen wird, wenn eine der beiden positiv und die andere negativ geladen ist.

5
Aufgabe 4 – Integralsatz von Gauß
Eine in der y-z-Ebene unendlich ausgedehnte Fläche mit konstanter Flächendichte σ schneidet eine
Kugel mit Radius R im Abstand x (siehe Abbildung). Bestimmen sie den elektrischen Fluss Φ durch
die Kugel, die sie als Gaußfläche betrachten dürfen.

Abbildung 3: Skizze der Kugel und der unendlich ausgedehnten Fläche in 2D

Lösung: Wir benutzen die Definition des Flusses Φ, den Satz von Gauß und das Gaußsche Gesetz:
Z Z Z
~ ·E
~ = ~ ·E~ = ρ Qin
Φ= dS dV ∇ dV = ,
∂Ω Ω Ω 0 0

wobei Ω das innere und ∂Ω den Rand der Kugel bezeichnen. Die Ladung im inneren der Kugel ist
das Produkt aus der Flächendichte und der Fläche, sodass
Qin σAin σ
= π R2 − x 2 .

Φ= =
0 0 0

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Aufgabe 5 – Elektrostatisches Potential
Ein dünner, nicht leitender Ring mit Radius R, konstanter Ladungsdichte und mit Gesamtladung
Q befindet sich ortsfest in der y-z Ebene. Bestimmen sie das elektrostatische Potential φ im Punkt
P , der auf der Symmetrieachse durch den Ring liegt und der einen Abstand x vom Ringmittelpunkt
entfernt ist (siehe Skizze).

Abbildung 4: Ring mit Gesamtladung Q und Punkt P auf der Symmetrieachse des Kreises

Lösung: Wir wissen, dass das Potential einer Punktladung mit Gesamtladung q im Abstand r
gegeben ist durch
q
φPL (r ) = .
4π0 r
Wir benutzen nun wieder das Superpositionsprinzip. Da wir hier ein ,,Kontinuum von Punktladun-
gen” haben, entspricht eine Punktladung einer infinitesimalen Ladung im Ring und wir müssen die
Summe mit einem Integral ersetzen:
Z Z Z
1 1 Q
φ(r ) = d φ = dq = dq = + φ(∞).
4π0 r 4π0 r 4π0 r

Hierbei entspricht φ(∞) dem elektrostatischen Potential im Unendlichen (von da haben wir implizit
unsere Integration gestartet). Da wir die Erdung belibig wählen dürfen, setzten wir der Einfachheit
φ(∞) = 0 und um die x-Abhängigkeit des Ergebnisses explizit zu schreiben, nutzen wir den Satz des
Pythagoras. Dann erhalten letztlich
Q
φ(x ) = .
4π0 (R 2 + x 2 )1/2

Anmerkung: Mit obigem Lösungsverfahren können wir lediglich das Potential auf der x-Achse auf
diese relativ einfache Weise bestimmen, da der Punkt P zu allen ,,Punktladungen” den gleichen
Abstand r hat. Für einen beliebigen Punkt würde jede der ,,Punktladungen an den Orten ~r 0 ” einen
anderen Beitrag zum Gesamtpotential bringen, d.h r → |~r − ~r 0 | und dq → dq(~r 0 ) = ρ(~r 0 )d 3 r 0 , was
die Rechnung deutlich schwieriger macht.

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Teil B: Rechenaufgaben

Aufgabe 6 – Diffusion

(a) Was sind die Diffusionskoeffizienten für ein kleines Molekül (z.B. Glukose; R ∼ 1 nm), ein
typisches Protein (R ∼ 5 nm) und ein Bakterium (R ∼ 1 µm), die sie jeweils als Kugeln nähern
können, bei Raumtemperatur in wässriger Lösung.
Hinweis: Die Viskosität von Wasser bei Raumtemperatur ist 0, 001 Pa·s.

Lösung: Aus der Vorlesung wissen, wir, dass wir für kleine kugelförmige Objekte in Lösung
und für kleine Reynoldszahlen folgende Formulierung der Diffusionskoeffizienten verwenden
können:
kB T kB T
D= =
γ 6πηR
wobei γ der Reibungskoeffizient ist, η die Viskosität des Lösungsmittels und R der Radius
des kugelförmigen Objektes. Verständnisfrage: Warum nur für kleine Objekte und kleine
Reynoldszahlen?

Jetzt müssen wir nur noch einsetzen:

Glukose:

kB T kB T 1, 381 · 10−23 K J
· (273, 15 + 20) K m2
DG = = = −9
≈ 2, 147 · 10−10
γ 6πηR 6 · π · 0, 001 Pa · s · 10 m s

Protein:

kB T kB T 1, 381 · 10−23 KJ
· (273, 15 + 20) K −11 m
2
DG = = = ≈ 4, 295 · 10
γ 6πηR 6 · π · 0, 001 Pa · s · 5 · 10−9 m s

Bakterie:

kB T kB T 1, 381 · 10−23 K J
· (273, 15 + 20) K −13 m
2
DG = = = ≈ 2, 147 · 10
γ 6πηR 6 · π · 0, 001 Pa · s · 10−6 m s

(b) Wie weit diffundieren das Molekül, das Protein und das Bakterium in 1D in 1 s, 1 h, einem
Tag?

Lösung: Um das auszurechnen setzen wir die Transportgleichung aus der Vorlesung an. Da
es sich in 1D um einen Random Walk handelt (Brownsche Bewegung), können wir die Formel
aus der Vorlesung anwenden:

2
x = 2Dt
p √
Wir nähern: hx i = hx 2 i = 2Dt und setzen die verschiedenen Werte ein. Dabei berüchsich-
tigen wir, dass 1h = 3600 s und 1d = 86400 s. Zur Übersichtlichkeit werden die Ergebnisse
hier in einer Tabelle angegeben:

8
Objekt Difussionskoeffizient hx i1s hx i1h hx i1d
Glukose 2, 147 · 10−10 m 2 /s 2, 072 · 10−5 m 1, 243 · 10−3 m 6, 091 · 10−3 m
Protein 4, 295 · 10−11 m 2 /s 9, 268 · 10−6 m 5, 561 · 10−4 m 2, 724 · 10−3 m
Bakterie 2, 147 · 10−13 m 2 /s 6, 550 · 10−7 m 3, 932 · 10−5 m 1, 926 · 10−4 m

Tabelle 1: Ergebnistabelle Aufgabe 6b)

(c) Warum haben große Lebewesen (z.B. Menschen) eine Blutzirkulation nötig, Bakterien aber
nicht?

Lösung: Weil Bakterien klein genug sind, dass alle Stoffwechseltransporte alleine durch Dif-
fusion ablaufen können, während größere Lebewesen darauf angewiesen sind den Stoffwechsel-
transport mit einem zusätzlichen Transportprozess aufrechtzuerhalten.

9
Aufgabe 7 – Gravitation vs. Elektrisches Feld

(a) Ein Elektron wird durch die Coulombkraft eines über ihm befindlichen, ortsfesten Protons
gegen das Gravitationsfeld der Erde in der Schwebe gehalten. Unter der völlig unrealistischen
Annahme, dass keine anderen geladenen Teilchen in der Nähe sind: wie groß ist der Abstand
zwischen Elektron und Proton?

Lösung:
Der Lösungsansatz zu dieser Aufgabe ist der aus E1 bereits bekannte und bewährte Ansatz
des Kräftegleichgewichts:
FCoul = FG
Wir nehmen an, dass wir uns auf der Erdoberfläche mit unserem Elektron befinden. Da nach
der Aufgabenstellung die Position des Elektrons als unveränderlich angenommen wird, können
wir FG = m · g annehmen.

q1 · q2 1 e2 1
− · 2 = · =m ·g
4π0 r 4π0 r 2
Umgestellt s
e2
r= ≈ 5, 1m
4π0 · m · g
Wir wir sehen können, reicht die Ladung eines einzelnen Protons aus um das Elektron in einem
viel kleineren Abstand zum Proton als zum Erdmittelpunkt zu halten. Die elektrische Feldkraft
ist also sehr viel stärker als die Gravitationskraft.

(b) Zwei Protonen befinden sich 10 m von einander entfernt. Berechnen Sie das Verhältnis von
Gravitationskraft und elektrischer Kraft, die beide aufeinander ausüben. Was ist stärker?

Lösung: Wir verwenden das Coulombgesetz, um die elektrische Abstoßung zu berechnen:


1 q1 q2
FC = − ·
4π0 r 2
Und das Newtonsche Gravitationsgesetz, um die gravitative Anziehung auszurechnen:
m1 m2
FG = G ·
r2
Dann berechnet sich das Verhältnis als:
2
1
|FC | · e2 1 e2
= 4π0 mr2 = · 2
|FG | G · r 2p 4πG0 mp

2
1 1, 602 · 10−19 C
= m 3 · 2 ≈ 1, 236 · 1036
4π · 6, 674 · 10−11 kg·s −12 As (1, 672 · 10−27 kg)
2 · 8, 854 · 10 Vm

(c) Wie schwer müsste jeweils ein Proton sein, damit es sich bei gleichbleibender Ladung mit
einem anderen (gleichartigen) Proton bei 10 m Abstand in einem Kräftegleichgewicht zwischen
elektrischer Abstoßung und gravitativer Anziehung befände?

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Lösung: Wir setzen ein Kräftegleichgewicht an, denn genau, das fordert die Aufgabe:

FG = FC

Ab jetzt setzen wir nur noch ein:


m1 m2 1 q1 q2
G· = ·
r2 4π0 r 2
Und formen um: s
m̃p2 1 e2 e2
G· 2 = · 2 ⇒ m̃p =
r 4π0 r 4πG0
v
u 2
(1, 602 · 10−19 C )
≈ 1.859 · 10−9 kg ≈ 1.11 · 1018 · mp
u
=t m3
4π · 6, 674 · 10−11 kg·s −12 As
2 · 8, 854 · 10 Vm

Das Ergebnis 1.859 · 10−9 kg mag klein wirken, wenn wir uns aber klarmachen, dass dies 1018
Protonmassen entspricht, sehen wir, wie groß dieser Massenzuwachs sein müsste.

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Aufgabe 8 – Rotationsfreiheit des elektrischen Feldes
Zeigen Sie, warum das Integral
− −
→ →
I
E · dr = 0

− →
− →

aus der Beziehung E = − ∇φ folgt. Dabei bezeichnet E das elektrische Feld und φ sein elektrosta-
tisches Potential. Was bedeutet das? Warum gilt diese Aussage nur im elektrostatischen Fall?

Hinweise: Sie werden folgende Identitäten brauchen:



− →

- ∇ × ( ∇φ) = 0 (Diese Identität wurde mehrfach in T0 bewiesen.)
∂2 ∂2
- ∂x ∂y φ(x , y) = ∂y∂x φ(x , y) (Satz von Schwarz)

Lösung:
Nach dem Satz von Stokes gilt:
− −
→ → − −
→ →
I Z
E · dr = rot E · dA


− →

Wir setzen nun E = − ∇φ ein und erhalten:
− −
→ →  →−  −
→ − →
→ −  −→
I Z Z
E · dr = rot − ∇φ · dA = − ∇ × ∇φ · dA = 0


− →

Da ∇ × ( ∇φ) = 0

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Aufgabe 9 – Feld innerhalb eines halbkreisförmigen Halbleiters
Eine Ladung Q ist gleichmäßig verteilt über einen genügend dünnen ringförmigen Draht mit halb-
kreisförmiger Form (Radius a). Der Drahtring liegt in der x-y-Ebene, sein Mittelpunkt im Koor-
dinatenursprung. Welche elektrische Feldstärke herrscht im Mittelpunkt des Halbkreises, also am
Koordinatenursprung?

Lösung:

Abbildung 5: Skizze zu Aufgabe 9

Wir berechnen die Feldstärke mithilfe des Coulombgesetzes:


Q 1
E (r ) = · 2
4π0 r
Blöderweise haben wir hier verschiedene r, da die Ladung im Halbkreis um unseren
P Mittelpunkt
verteilt ist. An sich ist E also die Summe aller wirkenden Feldkräfte. E = Ei wobei wir die
Summe als Integral approximieren:
Z Z
λ 1
E = Ex · dx = · · dx
4π0 r 2

wobei λ die Menge an Ladung pro Wegelement (Linienladungsdichte) ist.

Als nächstes überlegen wir uns diese Ladungsdichte auf dem Draht:
Q 2·Q Q
λ= = =
l u π·a
Das Integral kann vereinfacht werden, wenn wir uns die Kreissymmetrie des Problems ausnutzen:
dx = r · cos(φ) · d φ. Der Halbkreis gibt uns dabei die Integralgrenzen φ ∈ [−π/2, π/2] und r = a vor:
Z +π/2 Z +π/2
Q 1 1 Q 1 Q 1
E= · · 2 · a · cos(φ) · d φ = 2
· 2· cos(φ) · d φ = 2
· 2
−π/2 π · a 4π0 a 4π 0 a −π/2 2π 0 a

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Aufgabe 10 – Feld einer geladenen Kugel
Diese Aufgabe bringt bis zu 4 Punkte

(a) Leiten Sie aus dem Gaußschen Satz das elektrische Feld einer im inneren homogen gelade-
nen Kugel (unbewegliche Ladungsträger) mit konstanter Ladungsdichte ρ0 und Radius a ab.
Betrachten Sie die Fälle r < a und r ≥ a gesondert und skizzieren Sie E (r ).

Lösung:
Wir müssen in dieser Aufgabe das Innere und das Äußere der Kugel unterscheiden, weil die
Ladung im Inneren mit steigendem r zunimmt, während sie außerhalb der Kugel für jedes r
konstant bleibt: (
ρ0 · V0 = Q0 = const f ür r > R
Q(r ) = Q ·r 2 V (r )
R2 = ρ0 · V0 · V0 f ür r ≤ R
0

4 3
Unsere Kugel hat dabei ein Volumen V (r ) = 3 πr ; V0 = V (r = R) und eine Oberfläche
A = 4πR 2

Wir setzen den Satz von Gauß an:


Q Q(r )
E (r ) · A = →E =
0 A0
Dabei haben wir wieder angenommen, dass E ausschließlich von r abhängt und wir daher E
aus dem Integral herausziehen dürfen
Z Z
Q
EdA = E dA = E · A =
0
Setzen wir hier nun unsere oben bestimmten Q(r) ein, erhalten wir
(A3) ρ0 · r 3 /R 3 · 4/3π · R 3 ρ0 · r
f ür r ≤ R : E (r ) = 2
= ∼r
4πr · 0 30
(A3) ρ0 · 4/3π · R 3 ρ0 · R 3 1
f ür r > R : E (r ) = 2
= 2
∼ 2
4πr · 0 30 · r r

Abbildung 6: Skizze von E(r) einer Kugelladung

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(b) Wie groß ist das elektrische Feld auf der Oberfläche der Kugel für den Fall, dass die Elemen-
tarladungen in der Kugel mit einer Gitterkonstante von 0.5 nm in einem kubischen Gitter
angeordnet sind und die Kugel einen Radius von a = 1 µm hat?

Lösung: Zunächst sollten wir um E(r=R) zu berechnen die Ladungsdichte ρ0 = Q/V be-
rechnen. Im Falle eines würfelförmigen Gitters ergibt sich das Volumen natürlich trivial als
V = g3
e 1, 602 · 10−19 C 9 C
ρ0 = 3 =
g 3 ≈ 1, 28 · 10 m 3
(0, 5 · 10−9 m)
Nun müssen wir nur noch in unsere Formel aus der Teilafugabe a) einsetzen:

ρ·a 1, 28 · 109 mC3 · 1 · 10−6 m N


E= = −12 As
≈ 4, 8 · 1013
30 3 · 8, 854187 · 10 Vm
C

Wenn wir noch das elektrische Potential an der Oberfläche ausrechnen wollen, können wir
einfach Z a
ρ · a2 J
φ=− E (r 0 ) · dr 0 = − = −2, 41 · 107
r0 =0 6 0 C
rechnen.

(c) Vergleichen Sie das Feld für r > a mit dem eines Coulombfeldes einer Punktladung.

Lösung: Spannenderweise ist das Feld einer Punktladung identisch mit dem Feld einer Kugel-
ladung, wenn man sich außerhalb der Kugel befindet. Wie also schon in E1, wo wir Massen als
Punktamassen auffassen durften, können wir in Zukunft Ladungen, wenn wir uns ausreichend
weit entfernt von diesen befinden, als Punktladungen auffassen.

(d) Hätte man das elektrische Feld nicht einfacher aus der Poissongleichung ∆φ = −ρ/0 erhalten?
Rechnen Sie am besten in Kugelkoordinaten, in denen für die radiale Abhängigkeit gilt:
1 ∂ 2 ∂
∆φ = r φ
r 2 ∂r ∂r

Lösung: Wir machen das, was uns in der Aufgabenstellung gesagt wurde und schreiben einfach
mal die Poissongleichung in Kugelkoordinaten hin:
1 ∂ 2 ∂ ρ
∆φ = 2
r φ=−
r ∂r ∂r 0

1. Wir wir sehen, können wir die Gleichung aufintegrieren. Dabei müssen wir wieder beachten,
ob wir uns innerhalb oder außerhalb der Kugel befinden: Bitte beachte, dass wir das Potential
so geeicht haben, dass φ(0) = 0
innerhalb:
1 ∂ 2 ∂ ρ
2
r φ=−
r ∂r ∂r 0
Z r
∂ ρ0 −ρ0 r 3
r2 φ = − · r 02 · dr 0 =
∂r 0 0 30
Z r
−ρ0 r 0 −ρ0 r 2
φ= · dr 0 =
0 30 60

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Check:
ρ0 r
E = −∇φ =
30
außerhalb: Hier gilt ρ = 0 weil außerhalb der Kugel keinerlei Ladung mehr ist
1 ∂ 2 ∂
r φ=0
r 2 ∂r ∂r
Z
2 ∂
r φ = 0dr 0 = const
∂r
Wichtig ist, dass diese Konstante noch unbekannt ist. Sie folgt aus der Stetigkeitsbedingung
von φ(r = R) = φ(r = R) in beiden Beschreibungen. In dieser Konstante steckt also die
Information über weitere Ladungen in der Nähe.
Z ∞
const const
φ= 2
=−
r r r

Die Integralgrenzen folgen hier aus der Definition des Potentiales. Wir müssen also nur noch
die Konstante bestimmen. Dies gelingt wie oben angedeutet mit der Stetigkeitsbedingung:

φ(r = R) = φ(r = R)

−ρ0 R 2 const
=−
60 R
−ρ0 R 3
⇒ const =
60
−ρ0 R 3 1
φ(r ≥ R) = ·
60 r

2. Dieses Ergebnis deckt sich mit Teilaufgabe b)

(e) Nehmen Sie nun an, dass die Elementarladungen in der Kugel jetzt doch beweglich sind und an
die Oberfläche der Kugel getrieben werden. In der Kugel findet sich also keine Ladung mehr,
stattdessen ist die gesamte Ladung der Kugel auf der äußersten Kugeloberfläche. Wiederholen
sie die Berechnung des elektrischen Feldes für die Fälle r < a und r ≥ a. Was ändert sich?

Lösung: Innerhalb der Kugel gilt wegen der beweglichen Ladungen Q = 0


Außerhalb gilt: Z Z
Q
EdA = E dA = E · A =
0
Also gilt:
Q σ
E= =
0 · A 0
Q
Aus b) σ = A = 4, 3 · 102 mC2 . Und so ergibt sich:

E = 4, 8 · 1013 N /C

Wir können von außern also nicht entscheiden, wie die Ladungsverteilung innerhalb unserer
Kugel ist. Von außen sieht die homogengeladene Kugel gleich aus, wie eine Kugel mit der
gleichen Ladung ausschließlich auf der Oberfläche.

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