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DIE

AUSGRABUNGEN VON
SAMARRA/SECHSTER BAND

E HERZFELD
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GESCHICHTE
DER STADT SAMARRA

VERLAG VON
ECKARDT & MESSTORFF IN HAMBURG

BUCHHÄNDLERISCHER VERTRIEB:
DIETRICH REIMER . ANDREWS & STEINER
IN BERLIN
FORSCHUNGEN ZUR ISLAMISCHEN KUNST
HERAUSGEGEBEN VON FRIEDRICH SARRE
II

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DIE AUSGRABUNGEN
VON SAMARRA

BAND VI
ERNST HERZFELD
GESCHICHTE DER STADT SAMARRA
Alle Rechte vorbehalten

Druck von J.J. Augustin in Glückstadt in Holstein


ERNST HERZFELD
GESCHICHTE DER STADT
SAMARRA

MIT 55 T E X T A B B I L D U N G E N
33 T A F E L N , 5 LU F T B I L D A U F N A H M EN U N D 5 K A R T E N

VERLAG VON ECKARDT & MESSTORFF, HAMBURG 19


BUCHHÄNDLERISCHER VERTRIEB DURCH DIETRICH REIMER
/ ANDREWS & STEINER / IN BERLIN
LIBRARIES

INHALTSVERZEICHNIS
DIE L A N D S C H A F T

Der N a m e Samarra i Mandall 41


Tukulti-Ninurta 3 Djalüla und Altynköprü 42
Xenophon 3 Artemita-Dastagird 44
Medische Mauer 5 Chalonitis 45
Königskanal 7 Die Zagros-Tore 51
Sittake 16 Ptolemaios 54
Opis 22 Der Tigris 59
Baghdad 26 Tabula Peutingeriana 60
Ktesiphon 29 Julianus Apostata 63
Seleukeia 32 Die Araber 67
Dörfer der Parysatis, Takrit, NöSardashir 34 Die Qätüle 71
Antiochos III 36 Band i 'Adaim 76
Apolloniatis und die Königstraße 37 Al-Mutabbaq und Al-Hait Al-Abyad ... 80
Alexander in Agbatana 39 Al-Mutabbaq 81
Karische Dörfer — Charax Spasinou ... 39 Calu 84
Nisäya 40

DIE S T A D T

Gründung der Stadt des Mu'tasim 91


Beschreibung des Straßennetzes bei Yacqübi 102

DIE MENSCHEN

Regierung des Mu'tasim Billah 138


Regierung des Härün al-Wäthiq Billah 160
Khalifat des Mutawakkil 'Ala'llah 178
Khalifat des Muhammad ibn Dja'far al-Muntasir Billah 211
Khalifat des Abu 'Abdallah ibn Dja'far al-Mu'tazz Billah 238
Khalifat des Muhammad ibn al-Wäthiq al-Muhtadi Billah 249
Khalifat des Abu l-'Abbäs Ahmad ibn Dja'far al-Mu'tamid 'ala 'llah 261

EPIGRAPHISCHES

Einzelfunde 275
Ghaibat al-Mahdi 286
Harbä, Brücke des Mustansir 289

33 BILDERTAFELN am Schluß
5 LUFTBILDAUFNAHMEN am Schluß
5 KARTEN am Schluß
16583%
ERNST HERZFELD f
Am 21. Januar 1948 ist Ernst Herzfeld im Alter von 68 7s Jahren in Basel einem standhaft
ertragenen schweren Leiden erlegen. Wir haben an ihm einen Forscher verloren, der sich unter den
orientalischen Archäologen unserer Zeit durch eine Staunen erregende Vielseitigkeit auszeichnete. Den
er hat sich nie auf eine bestimmte Gegend oder ein separates Spezialgebiet festgelegt; sein Forschungs
bereich umfaßte vielmehr beinahe die gesamte vorderasiatische Welt. In Syrien, in den Euphrat- und
Tigrisländern und in ganz Iran hat er ungezählte Forschungsreisen unternommen und dabei auch
Grabungen ausgeführt, die schon am äußeren Umfang gemessen zu den bedeutendsten archäologischen
Unternehmungen aller Zeiten gehören. Außerdem hat er sich nie auf das engere Gebiet der reinen
Archäologie beschränkt; er war zugleich auch ein hervorragender Historiker, dem alle Äußerungen
politischen, kulturellen, künstlerischen und religiösen Lebens wohl vertraut waren.
Wenn ich nun einen kurzen Überblick über die gewaltigen Arbeitsleistungen dieses selten reiche
Lebens geben soll, so möchte ich zunächst mit seinen Forschungen in MESOPOTAMIEN beginnen;
denn hier hat er in jungen Jahren sein Lebenswerk begonnen und mit seinem letzten Werk, dem hier
vorliegenden Band über die Geschichte der mesopotamischen Ruinenstadt Samarra, die er wie ein
organisches Gebilde aus der älteren Geschichte der Zweistromländer hervorwachsen läßt, nimmt er von
uns Abschied.
Es war im Jahre 1903, als er nach Beendigung seiner Ausbildung als Architekt nach Assur zog,
um dort unter Prof. W. Andrae als Mitglied der Expedition zu arbeiten, die sich die Ausgrabung der
ältesten Haupt- und Residenzstadt des Assyrerreiches zum Ziel gesetzt hatte. Dort traten ihm nun nich
nur der alte Orient, sondern auch andere Perioden der alten Geschichte, wie die parthische, entgegen;
außerdem aber hatte er hier auch Gelegenheit, die Ausgrabungstechnik von allen Seiten kennenzulernen.
Und als er dann, noch im gleichen Jahre, typhuskrank auf einem Floß den Tigris hinunter nach Baghdad
fuhr, zogen am 1. Dezember 1903 zum erstenmal in seinem Leben die damals kaum dem Namen nach
bekannten unermeßlichen Ruinen der frühislamischen Riesenstadt Samarra an ihm vorüber; er sah aus
Schutt und Trümmern die urweltliche Malwiyyah und die in Gold und Fayencesclimuck erglänzenden
Kuppeln über den Gräbern der heiligen Imame aufragen, und dies hinterließ bei ihm einen unauslösch-
lichen Eindruck, der schicksalbestimmend für sein ganzes späteres Leben wurde. Schon bald darauf
stattete er denn auch dem gewaltigen Ruinenfeld von Samarra zwei eingehendere Besuche ab, deren
Ergebnisse er nach seiner Rückkehr in die Heimat in einer „Samarra, Aufnahmen und Untersuchungen
zur islamischen Archäologie" betitelten Broschüre veröffentlichte. Hierund in einem weiteren, als Fru
der damaligen Zeit erschienenen Aufsatz „ Untersuchungen über die historische Geographie der Land-
SJ. ..- J n. I
imrin" tritt uns schon der ganze Herzfeld entgegen: der
Vorliebe als Pionier in unerforschtes Neuland vorstößt;
fschlußreichen Skizzen stets die ganze Situation und Um-
nen erregend bei einem jungen Techniker - der gewiegte
ischenden Sprachen- und Quellenkenntnis imstande ist,
Durch Kriegseinwirkungen
ihren Aspekten vor uns aufzurollen. Nach Hause zurück-
sind die Steine zu der v o n H a u p t m a n n ißkule von Stradonitz bei der philosophischen Fakultät
ne Zeit lernte er auch Friedrich Sarre kennen, und bald
L u d l o f f ausgeführten Meßtisch-Auf-
ße Reise nach den Zweistromländern, „um ein Urteil zu
n a h m e von Samarra (4 Blätter) verloren rsuchungen islamischer Denkmäler Erfolg versprächen".
Hentlichung der Reiseergebnisse zeigte es sich, daß die
gegangen, so d a ß es leider nicht möglich
leck der Reise hinausgewachsen war: sie hatte zu einer
ist, diese Karten — wie geplant — d e m ehmlich islamischen) Baudenkmäler des Euphrat- und
lie feste Grundlage für alle weiteren Forschungen bilden.
B a n d e beizugeben.
fessor für historische Geographie an der Berliner Univer-
r wichtigsten Aufgaben seines Lebens: die Ausgrabung
ubnis von Seiten der türkischen Regierung erwirkt und
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fahrenen Rat und seine Mitarbeit bei der Bearbeitung
allem dem gewaltigen Pensum unterzog, die ivichtigeren
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ERNST HERZFELDf
Am 21. Januar 1948 ist Ernst Herzfeld im Alter von 68 Vi Jahren in Basel einem standhaft
ertragenen schweren Leiden erlegen. Wir haben an ihm einen Forscher verloren, der sich unter den
orientalischen Archäologen unserer Zeit durch eine Staunen erregende Vielseitigkeit auszeichnete. Den
er hat sich nie auf eine bestimmte Gegend oder ein separates Spezialgebiet festgelegt; sein Forschungs
bereich umfaßte vielmehr beinahe die gesamte vorderasiatische Welt. In Syrien, in den Euphrat- und
Tigrisländern und in ganz Iran hat er ungezählte Forschungsreisen unternommen und dabei auch
Grabungen ausgeführt, die schon am äußeren Umfang gemessen zu den bedeutendsten archäologischen
Unternehmungen aller Zeiten gehören. Außerdem hat er sich nie auf das engere Gebiet der reinen
Archäologie beschränkt; er war zugleich auch ein hervorragender Historiker, dem alle Äußerungen
politischen, kulturellen, künstlerischen und religiösen Lebens wohl vertraut waren.
Wenn ich nun einen kurzen Überblick über die gewaltigen Arbeitsleistungen dieses selten reiche
Lebens geben soll, so möchte ich zunächst mit seinen Forschungen in MESOPOTAMIEN beginnen;
denn hier hat er in jungen Jahren sein Lebenswerk begonnen und mit seinem letzten Werk, dem hier
vorliegenden Band über die Geschichte der mesopotamischen Ruinenstadt Samarra, die er wie ein
organisches Gebilde aus der älteren Geschichte der Zweistromländer hervorwachsen läßt, nimmt er von
uns Abschied.
Es war im Jahre 1903, als er nach Beendigung seiner Ausbildung als Architekt nach Assur zog,
um dort unter Prof. W. Andrae als Mitglied der Expedition zu arbeiten, die sich die Ausgrabung der
ältesten Haupt- und Residenzstadt des Assyrerreiches zum Ziel gesetzt hatte. Dort traten ihm nun nich
nur der alte Orient, sondern auch andere Perioden der alten Geschichte, wie die parthische, entgegen;
außerdem aber hatte er hier auch Gelegenheit, die Ausgrabungstechnik von allen Seiten kennenzulernen.
Und als er dann, noch im gleichen Jahre, typhuskrank auf einem Floß denTigris hinunter nachBaghdad
fuhr, zogen am 1. Dezember 1903 zum erstenmal in seinem Leben die damals kaum dem Namen nach
bekannten unermeßliclien Ruinen der frühislamischen Riesenstadt Samarra an ihm vorüber; er sah aus
Schutt und Trümmern die urweltliche Malwiyyah und die in Gold und Fayenceschmuck erglänzenden
Kuppeln über den Gräbern der heiligen Imame aufragen, und dies hinterließ bei ihm einen unauslösch-
lichen Eindruck, der schicksalbestimmend für sein ganzes späteres Leben wurde. Schon bald darauf
stattete er denn auch dem gewaltigen Ruinenfeld von Samarra zwei eingehendere Besuche ab, deren
Ergebnisse er nach seiner Rückkehr in die Heimat in einer „Samarra, Aufnahmen und Untersuchungen
zur islamischen Archäologie" betitelten Broschüre veröffentlichte. Hierund in einem weiteren, als Fru
der damaligen Zeit erschienenen Aufsatz „Untersuchungen über die historische Geographie der Land-
schaft am Tigris, am kleinen Zäb und Gebel Hamrin" tritt uns schon der ganze Herzfeld entgegen: der
unermüdliche Forscher, der immer wieder mit Vorliebe als Pionier in unerforschtes Neuland vorstößt;
der talentvolle Zeichner, der uns in schönen aufschlußreichen Skizzen stets die ganze Situation und Um
gebung eines Bauwerks nahebringt und - Staunen erregend bei einem jungen Techniker - der gewiegte
Historiker, der dank einer schon damals überraschenden Sprachen- und Quellenkenntnis imstande ist,
die Geschichte der betreffenden Gegenden in all ihren Aspekten vor uns aufzurollen. Nach Hause zurück-
gekehrt, erlangte er unter Eduard Meyer und Kekule von Stradonitz bei der philosophischen Fakultät
der Universität Berlin die Doktorwürde; um jene Zeit lernte er auch Friedrich Sarre kennen, und bald
darauf unternahmen beide zusammen eine große Reise nach den Zweistromländern, „um ein Urteil zu
gewinnen, an welchem Orte eingehendere Untersuchungen islamischer Denkmäler Erfolg versprächen".
Die Wahl fiel auf Samarra; aber beider Veröffentlichung der Reiseergebnisse zeigte es sich, daß di
geleistete Arbeit weit über den eigentlichen Zweck der Reise hinausgewachsen war: sie hatte zu einer
gründlichen Aufnahme aller wichtigeren (vornehmlich islamischen) Baudenkmäler des Euphrat- und
Tigrisgebietes geführt; Aufnahmen, die seither die feste Grundlage für alle weiteren Forschungen bild
Nachdem inzwischen Herzfeld ordentlicher Professor für historische Geogiaphie an der Berliner Univer
sität geworden war, eröffnete sich ihm eine der wichtigsten Aufgaben seines Lebens: die Ausgrabung
von Samarra. F. Sarre hatte die Grabungserlaubnis von Seiten der türkischen Regierung erwirkt und
hat in der Folge dem Unternehmen seinen erfahrenen Rat und seine Mitarbeit bei der Bearbeitung
der Funde geliehen, ivährend Herzfeld sich vor allem dem gewaltigen Pensum unterzog, die ivichtigere
Bauwerke der Riesenstadt auszugraben und genauer zu untersuchen. Mit der großen Moscliee Mutaivakkils
wurde begonnen, die ein ganzes frühislamisches Pompeji darstellenden Privathäuser und das große
Balkuwaraschloß folgten; der Djausaq al-Khäqäni, der ungeheure Kalifenpalast, bildete den Abscliluß.

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Durch die bis jetzt in sechs Bänden erfolgte Veröffentlichung dieser Entdeckungen sind uns bisher vo
ständig unbekannte Welten erschlossen worden; vor allem liegen heute die Quellen klar zu Tage, die die
frühislamische Baukunst und ihre Ornamentik erstehen ließen. Aber auch mit Denkmälern der weiteren
Umgebung hat sich Herzfeld wiederholt befaßt; so veröffentlichte er wertvolle Notizen über die Ruine
der Wüstenstadt Hatra, die er während des ersten Weltkrieges besucht hatte.
Neben Mesopotamien hat sich Ernst Herzfeld aber auch mit Denkmälern des benachbarten
SYRIEN beschäftigt; immer wieder nahm er dort auf seinen Reisen nach dem Osten Aufenthalt und
noch in jungen Jahren gelang es ihm, eines der heiß umstrittensten Probleme der syrischen Archaeologie
zu lösen: das Problem von Mschatta. Trotz Strzygowskis kraus-phantastischen Ausführungen hatten
zwar schon früher einzelne Forscher vermutet, daß die als Geschenk des Sultans Abdul-Hamid an Kaiser
Wilhelm IL nach Berlin gekommenen reich ornamentierten Fassadenreliefs dieses Wüstenschlosses früh-
islamischen Ursprungs seien; aber Herzfeld hat dann mit verblüffender Sicherheit in einer seine unüber-
troffenen Kenntnisse dokumentierenden Stilanalyse die Entstehung unter dem Ummayaden Walid IL
fast auf Tag und Stunde (744) genau fixiert und damit war diesem ganz einzigartigen Denkmal sein
seither beinahe von allen Forschern anerkannter Platz in der Kunstgeschichte endgültig angewiesen.
Daneben äußerte er sich im „Islam" auch über den Felsendom von Jerusalem; seine eingehendsten
Studien auf syrischem Boden aber galten vor allem den arabischen Denkmälern von Damaskus, Hama,
Homs und Aleppo.
Herzfeld ist nun aber von Syrien und Mesopotamien aus noch weiter nach Osten vorgedrungen.
Schon auf seiner Heimreise von Assur hat er auf gefahrvoller Fahrt durch Luristan die persischen Rand-
gebirge überschritten und PASARGADAE und PERSEPOLIS besucht —zwei Ruinenstätten, deren
Erforschung für immer mit seinem Namen verbunden bleiben werden. Als Ergebnis dieser ersten persischen
Reise erschien eine alle topographischen, historischen und archaeologischen Gesichtspunkte berück-
sichtigende Arbeit über Pasargadae, die ihm damals auch als Dissertation zur Erlangung der Doktor-
würde diente. Schon bald später gab er dann gemeinsam mit F. Sarre die „Iranischen Felsreliefs" herau
und ebenfalls noch vor dem ersten Weltkrieg erfolgten die nicht ganz gefahrlose genauere Aufnahme de
sassanidischen Denkmals von Paikuli und die Ausgrabungen in Pasargadae, deren Ergebnisse in den
von Herzfeld gegründeten und redigierten „Mitteilungen aus Iran" veröffentlicht wurden; erst nach dem
ersten Weltkrieg erschien das schöne Buch „Am Tor von Asien. Felsendenkmale aus Irans Heldenzeit".
Nachdem dann Herzfeld anfangs der 30er Jahre Professor am Institute of advanced studies in Prince-
ton (USA) geworden war, erfolgte von dort aus die mehrere Jahre in Anspruch nehmende Ausgrabung
und Untersuchung der Königspaläste von Persepolis mit Mitteln des Oriental Institute in Chicago. Zu
den Ergebnissen seiner Reisen in Iran gehören u. a. auch die erst kürzlich erschienenen religionsgeschi
lichen Untersuchungen „Zoroaster and his world".
Aber auch die rein menschlichen Seiten dieser einzigartigen Persönlichkeit sollen hier nicht
unerwähnt bleiben. Besonders wenn ich an die schönen Zeiten zurückdenke, da wir miteinander in
Samarra und an den sonnigen Gestaden Kilikiens arbeiteten, gewinnen in meiner Erinnerung geivisse
Züge seines Wesens immer wieder neues Leben: seine jugendlich frische Tatkraft, mit der er in jede
Diskussion eingriff und jedes Problem anpackte; sein scharfes und merkivürdig prägnant formuliertes
stets treffendes Urteil über die Menschen; sein Sinn für Humor, der ihm über die unerquicklichsten un
schwierigsten Lagen hinweghelfen konnte; seineUneigennützigkeit, diekein persönliches Interesse kannte
und ganz in der Wissenschaft aufging; seine unwandelbare Treue Freunden gegenüber. Das, was ivir unter
einem Stubengelehrten oder gar einem Schulmeister verstehen, war der Verstorbene trotz seines staunen
erregenden Wissens jedenfalls in keiner Weise; es ist kein Zufall, daß die Lehrtätigkeit in seinem Lebe
eine untergeordnete Rolle gespielt hat. Seine Seele gehörte eben ganz und gar der reinen Forschung an
und in diesen Bereichen gelang es seinem unermüdlich tätigen, klaren und scharfen Geist, immer wieder
neue Probleme zu entdecken, sie zu lösen und so stets neue unbekannte Welten unserm Wissen zu
erschließen. Dabei war er ein echter Humanist, der alles nacli menschlichen Maßstäben beurteilte un
der die Zusammenhänge des Ostens mit Alt-Europa nie aus den Augen verlor — eine Fähigkeit, die ihn
in Stand setzte, allen neuen Entdeckungen stets mit untrüglicher Sidierheit den ihnen zukommende
Platz in der kunstgeschichtlichen Entwicklung anzuweisen. So wird er uns sowohl als rastloser Forscher
als auch als treuer Freund immer unvergeßlich bleiben.
Samuel Guyer
DIE LANDSCHAFT

Schick mich in deine leeren Länder,


durch die die weiten Winde gehn,
wo große Klöster wie Gewänder
u m ungelebte Leben stehn.
Rainer Maria Rilke

DER N A M E SAMARRA
Y a ' q ü b l , kit. al-buld. 255:
"Surra man rä'a war in alten Zeiten eine öde Ebene der Landschaft al-Tlrhän, ohne
Bebauung. Ein christliches Kloster, dair, stand an der Stelle, w o sich später der Re-
gierungspalast, dar al-sultän1, genannt dar al-ämma, erhob; aus d e m Kloster wurde das Schatz-
haus, bah al~mäl".
Surra man rä'a ist der amtliche N a m e der islamischen Stadt, wie madinat al-saläm der von
Baghdad. I m Gebrauch solcher N a m e n folgen die Araber den Sasaniden, Achaemeniden und
Assyrern. Nach ibn al-A'räbl, bei Bakri 771, ist al-surra im beduinischen Sprachgebrauch
gleich al-surür. A h m a d al-Bashshäri, bei Yäqüt III, 15: "Samarra wurde surüru man rä'a
'Freude des, der es sieht' genannt, dann zu surra man rä'ä gekürzt; als es in T r ü m m e r fiel ...,
nannte m a n es sä'a man rä'a 'Trauer des, der es sieht', und abgekürzt sämarrä'u". Andre arabische
Schriftsteller wiederholen dies Wortspiel. Nach einem Bericht des Schreibers Isma'il b. Yahyä
im kit. al-Aghäni xxi, 45 wäre die Bezeichnung surra man rä'a, vor der eigentlichen Gründung der
Stadt von d e m wahnsinnigen Dichter abu 1-Haitham Khälid b. Yazid in Versen gebraucht
worden, die der Wazlr al-Fadl b. Marwän, der unmittelbar vor der Gründung der Stadt ab-
gesetzt wurde, d e m Khalifen al-Mu'tasim vortrug, als dieser einmal in Mähüza war:

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»\JL\ i^ül) (J*jV1 <j j>—" 4-^1 e\jJ'j

"Möge Freude dauernd wohnen dem Imäm in Surrmanrä,


möge Frohsinn ihn belohnen mit d e m Schönsten, was m a n sah!
Diese Stadt gleicht wie ein Eden denen, die uns heilig sind,
Allah, D u begnadest jeden, der dort seinen T a g beginnt!"
Für dies 'Lied an die Freude' erhielt der unglückliche Dichter 5000 Dirham. Ya'qübl 266
bestätigt, daß al-Mu'tasim die Erbauung einer Residenz in Mähüza geplant hatte. Aber die
Verse sagen ja selbst, daß sie — vor der Erbauung — aber auf den Beschluß der Erbauung von
Samarra gedichtet sind. In diesem Sinne hat Khälid al-bärid den N a m e n geschaffen. Aber
Surra m a n räJa ist nur die arabische Umdeutung eines viel älteren Namens.
1
sultän ist in jener Zeit nur Abstractum, nicht Sultan; dar al-'ämma, der öffentlich zugängliche Teil des
Palastes, entspricht türk. sarai, pers. birän.
* 2 *

Dieser wird zweimal in assyrischen Urkunden erwähnt1), ohne nähere Angaben, als äl su-ur-
mar-ra-a-te 'Stadt Surmarrate' und als äurmirräte, Zeit des Asurbanipal und Samassumukln.
Eine andre vorarabische F o r m benutzen die Syrer solange die Stadt blühte: süm'rä2. Assyr.
surmarrate: syr. süm'rä: ar. Sämarrä stehen sich wie die N a m e n des in derselben Landschaft
gelegenen Flusses assyr. turnat: syr. törmarä: ar. Tämarrä gegenüber. Es handelt sich u m Laut-
wandel beim Übergang der N a m e n in verschiedene Sprachen. Die vulgär-arabische Form
Sämarrä ist, z. B. in Versen des Buhturi bei Bakri 772 und Yäqüt III, 14, ebenso alt bezeugt
wie die amtliche, ist also keine Abkürzung von Surra m a n rä'a, sondern dies eine zufällig dem
uralten N a m e n nahe kommende Deutung. O b die Grammatiker tl^U oder lj*U für korrekter
erklären, ist bedeutungslos.
Der vorislamische Ort gehörte zur Diözese Tirhän, deren U m f a n g G. Hoffmann bestimmt hat.
Dieser d e m Ostufer zugehörige Landschaftsname erscheint bei den Arabern nicht oft3, die
Syrer schreiben auch Trlhän4: der N a m e klingt unsemitisch und k o m m t als Tirhän in Luristan
vor. Nach ibn al-Faqih 179 eroberte 'Utba b. Farqad Tirhän und Takrit, machte einen Ka-
pitulationsvertrag mit den Leuten der hisn, Burg (syr. birthä) von Takrit und zog weiter nach
Bädjarmaq und Shahrazur. Nach den christlichen Quellen5 öffnete der nestorianische Patriarch
Märüthä die Tore der hesnä Tagrith nach d e m Fall von Ktesiphon.
G. Hoffmann zweifelte, p. 191, w o die Stadt al-Tirhän und die Residenz der Bischöfe von
Tirhän war, anmerkend: Sollte es Samarra gewesen sein ? Es war sicher al-Mähüza, syr. mähözä,
die Stadt schlechthin von Tirhän, die von al-Mutawakkil in seine neue Nordstadt einbezogen
wurde. Ihre genaue Lage westlich der Gr. Moschee von al-Dja'fariyya kann m a n im Ruinen-
gebiet deutlich erkennen. Mas'üdi begeht einen seltsamen Irrtum, indem er VII, 391 sagt:
"Der Ort, an d e m al-Mutawakkil ermordet wurde, war eben der Ort, an dem Sheröe seinen Vater
Khusrau Parwez ermordet hatte, nämlich al-Mähüza". Das ist nur eine Namensgleichheit:
mähözä (sg.) 'die Stadt' von Tirhän, und mähöze (pl.) 'die Städte' von Ktesiphon, ar. al-Madä'in6
In vorislamischer Zeit war die wasserarme Steppe nur dünn oder garnicht besiedelt; dauernde
Kulturen gab es nur im Tigristal. Die Bevölkerung war aramäisch und christlich, daher die
vielen Klöster, die in und u m Samarra erwähnt werden. Die Araber nennen diese Aramäer
Djarämiqa, Garamäer, oder Nablt, Nabatäer, so in Versen eines Soldaten bei Mas'üdi VII,
119—20 7 .

1
In der Ortsliste K.4383 Br. M . col. I, 11 und dem 'die Städte', auch mähözä dh beth Armäye, die
Brief Harper 944, 5, vgl. E. Forrer, 'Provinzein- 'Stadt von Nord-Babylonien', daneben m'dhlnäthä,
teilung d. assyr. Reichs' 1921, 52 und 104, und bei Thomas v. Marga, ed. Budge 1,82, 14. Madina
M . Streck, 'Asurbanipal' p. cxxvii. Der N a m e hat, ist Hauptstadt als Sitz des Gerichtshofs, pl. madä'in.
wie Utu'äte, Gananäte u. a. die Form eines assyr. Manchmal werden die Bezirksnamen, wie dh Are-
plur. fem., von *Surmar(ra), ist aber subaraeisch, wän, oder Attribute, wie hdhattä 'die neue' zu-
vgl. Hasmar, Namar u. a. Auch die Endung kann gefügt.
epichorisch sein. Die Garamäer sind der von den Assyrern Gurumu
2
G. Hoffmann, Syr. Akt. p. rgof. genannte Stamm, mp. gararmk > ar. djarmaq ; nach
:i
und meist falsch punktiert; die obige Notiz des ihnen heißt das assyr. Gebiet östl. d. Tigris beth
Ya'qübl übernehmen ibn al-Athir und Mas'üdi; Garme, ar. Bädjarmä, N a m e der Diözese Karkük,
Yäqüt IV, 673 zählt Tirhän zu den Bezirken von w o noch heute ein Stadtteil Begerme genannt wird,
Mausil. als 'Wärme-Haus' verstanden. Sie grenzte östl. an
1
Z. B. Nöldeke-Guidi, 'Syr. Chron.' 38, u. ö. Tirhän. — Auch der zu einer Sagenfigur ge-
• Labourt, 'Christianisme dans 1'EmpirePerse', 246. wordene Gründer von Hatra, al-Sätirün, Sanatrük,
" Assyr. mahäzu, term. für eine große befestigte wird Djarmaql genannt, vgl. mein 'Hatra', ZDMG
Stadt, Hauptstadt, daher mähöze für Ktesiphon, lxviii, 1914, 659.
* 3 *
TUKULTI-NINURTA
Die älteste Schilderung eines Teiles des Gebietes von Samarra findet sich in den Annalen
Tukulti-Ninurta's II (ed. P. Scheil), Bericht über seinen sechsten Feldzug, also wohl in 834
a. Chr. — Der König k o m m t von Assur den Tharthär herab (z. 47): du Tartar je partis et descen-
dis en plein hamäte, lieux difficiles; dans les champs de Margani (48) je decouvris de canaux,
tout un jour et la nuit on puisa de l'eau, (49) j'approchai les maskanäte du pays de Utu'äte, la
ville de leurs tombes (? äl qabränisu), sise sur (50) le Tigre, je conquis". Vier Tage später gelangt
er nach Dür Kurigalzu, hod. 'Aqrqüf, bis wohin sich einst die Weststadt von Alt-Baghdad er-
streckte.
z. 51 hebt die reiche Vegetation, Hb kisti, hervor. — margäni ist trotz des Alters des Worts wohl
aram. margä, ar. mardj 'Weide', dawäre ist dasselbe wie ar. hammät, pl. v. hamma, das ibn Shu-
mail bei Yäqüt II, 340 erklärt als "Erde, bedeckt von in einzelne Steine zerrissenen Basaltdecken",
allgemeiner von Steinen besätes, wüstes Land. Yäqüt sagt: "Es gibt in den Ländern der Araber
viele hammät" 1 . Nach dem schweren Marsch durch solches Gelände sind die Assyrer froh,
auf die ersten Kanäle zu treffen. Diese können nur v o m Tigris kommen, m a n befindet sich also
auf d e m Westufer gegenüber dem Südende von Samarra. Utu'äte, der Form nach wie ein
PI. v. Utu'a, später Itu'a, ist der N a m e eines Aramäerstammes, als dessen Ort E. Forrer /. c. die
Landschaft auf dem Westufer des Tigris v o m Durchbruch durch den Hamrin bei al-Fatha bis
herab in den Dudjail-Bezirk erkannte. Dies Gebiet war lange zwischen Assyrien und Babylonien
geteilt; der Vorort war Takrit.
maskanäte, pl. v. maskänu, unterscheidet die dauernden Ansiedlungen, ]/ sakana, dieses Ge-
bietes von den nomadischen, / nazala, der inneren Djazira a m Tharthär, und ist der Ursprung
des späteren Namens maskenä, Maskin, nahe S O vom heutigen Sumaica. D a ß äl qabränisu
'Gräberstadt' bedeute, ist wenig einleuchtend. Die ganze Geschichte hindurch tritt maskenä
immer mit luqbarä zusammen auf, d. i. aram. 'Maus'. Zwischen 'uqbarä und äl qabräni m u ß es
irgend eine Beziehung geben, vielleicht Wortspiel oder Volksetymologie.

XENOPHON
U m 401/400 a. Chr. zogen die Zehntausend Griechen durch das Gebiet von Samarra, Xeno-
phon, Anab. II, 4, 12—13.
Innerhalb der Medischen Mauer werden sie in 2 Tagemärschen 8 Parasangen (44 k m ) über zwei
vom Tigris abgeleitete Kanäle, der eine mit Schiffbrücke, der andre mit Fähre, z u m Tigris geführt,
an dessen Ostufer, 15 Stadien (2,75 k m ) vom Fluß, die große Stadt Sittake lag. Sie lagern vor dem
Fluß neben einem paradeisos zwischen einem Kanal und dem Strom, und (24) überschreiten a m
nächsten Morgen die Schiffbrücke von 37 Schiffen. (25) Vier Märsche von 20 Parasangen
(110 k m ) bringen sie zu dem mit Schiffbrücke versehenen, nur 1 Plethron (100 Fuß) breiten
Physkos bei der großen Stadt Opis. (27) Von da an zogen sie durch Medien ; zuerst 6 Märsche von
30 Parasangen (165 k m ) durch Steppe, o-Ta&fxol ipr\\Loi, zu den Dörfern der Parysatis, einem
reichen Ackerbaugebiet (28), dann 4 weitere Steppenmärsche von 20 Parasangen (110 k m )
"den Tigris zur Linken habend". Auf dem ersten lag, a m Westufer, die große Stadt Kainai,
von w o die Einwohner viel Lebensmittel und Futter auf ayz'&'w.ic, Sicpikpiva!.?, d. i. kalak's,
herüberbringen. (5,1) Darauf [ohne Entfernungsangabe] kommensiezudem4Plethren(i25 m )
breiten Zapatas-Fluß. Bei dem dreitägigen Aufenthalt dort wurden Klearchos und die andren
Führer bei Verhandlungen im Zelt des Tissaphernes gefangen und ermordet.
1
Vgl.'Arch. Reise' I, 165 u. 191.
1*
* 4 *
Die Topographie dieses Teils der Anabasis wird seit 1779 erörtert. D a Xenophons Bewegungen
unmittelbar nach der Schlacht, diePlutarch, Artox. 8, 'bei Kunaxa' nennt, unklar sind, und er nur
v o m Übergang über einen der beiden Zäb spricht und dort eine Entfernungsangabe ausläßt,
kann m a n den Marsch nicht mechanisch, sondern nur mit Kritik des Stoffes festlegen. Inter-
polation von Orten hat auch sonst wenig Wert, erst die Geschichte der Einzelorte mit ihren durch
die Geographie bedingten Beziehungen zu ihren Nachbarn hat beweisende Kraft.
Nach Anab. 1,7 lag der Ort der Schlacht 15 Parasangen von den Babylonischen Toren (ixüm).
Das ist das madiq al-Hit, 10 k m unterhalb Hit, w o auf eine lange Strecke nur ein ganz schmaler
Pfad an der Steilküste des Euphrat bleibt. Aus unzureichendem Stoff hatte das schon Ritter,
'Erdkunde' X I , 763 u. 765 ganz richtig erkannt. 15 Par. = 83 k m führen von da gerade nach
Fallüdja. Anab. II, 2, 6, ein späterer Zusatz, gibt als Entfernung des Schlachtfeldes von Babylon
360 Stadien = 12 Par. = 66 k m an. 300 Stad. ist die Entfernung Babylon—Sippar. Danach
läge Kunaxa 60 Stad., 11 k m nördl. von Sippar. Die Entfernung von den Toren bis Babylon, am
alten Euphratlauf gemessen, ist über 190 km, 35 Par. — Bei nur 360 Stad. bliebe eine Lücke von
240 Stad., 8 Par., 44 km. M a n kann sich also nur an Xenophon's eigene Angabe halten, nach der
die Schlacht beim heutigen Fallüdja stattfand, a m wirklichen Eintritt in den Träq.

MEDISCHE MAUER
Die Medische oder Semiramis-Mauer hat zuerst d'Anville, L'Euphrate et le Tigre, 1779, als
eine hypothetische Linie vor Fallüdja a m Euphrat zur M ü n d u n g des 'Adaim in den Tigris in
seine Karte eingetragen. Topographische Aufnahmen fanden erst auf H. Rawlinson's Anregung
zwischen 1846 und 1850 durch J. F. Jones, und 1860—1865 durch Collingwood, Selby und
Bewsher statt1. Vorher hatte John D. Ross M . D. mit Layard's und Rawlinson's Billigung in der
Sidd Nimrüd oder Calu genamiten Mauer- und Kanalruine südwestlich von Samarra — ungefähr
in d'Anville's Linie — Xenophons Mauer und in den Ruinen al-Muhassil ( = 'Steuereinnehmer')
oder al-Qanätir ( = 'Brücken') an der Vereinigung der zwei großen Qätüle oberhalb der
heutigen 'Adaim-Mündung Xenophons Opis erkennen wollen2. H. B. Lynch, der die Gegend
kurz darauf besuchte3, hatte Bedenken gegen die Gleichsetzungen. J. F. Jones lehnte beide auf
Grund seiner Ortsstudien ab: er erkannte den großen Wechsel im Tigrislauf, glaubte aber
an die Identität von Xenophons Physkos mit d e m 'Adaim und meinte daher, in der Gegend von
heut. Balad gegenüber der 'Adaim-Mündung Opis entdeckt zu haben. U m 1850 war man in
der Vorstellung von der fabelhaften Größe von Babylon und Ninive befangen und sah in ge-
ringen, unzusammenhängenden Resten große alte Stadtgebiete. So verband Jones die Reste von
Yäzür, Mandjür und andre zu seinem Opis1. Die unlösliche Verbindung der Probleme von Opis,
der Medischen Mauer und des Königskanals war damals, w o m a n nur die klassischen Nach-
richten hatte, unklar: erst die Keilinschriften erhellten diesen Sinn auch der klassischen Stellen.
D e n topographischen Stoff hatte H . Kiepert 1883 in seiner 'Karte der Ruinenfelder von
Babylon'' allgemeiner zugänglich gemacht, sich dabei Jones' Auffassung anschließend. G.Hoff-
m a n n 0 suchte die Gleichung Teil Mandjür = Opis auch philologisch zu stützen: bei Mandjür
1
Bombay Records( Memoir XLIII, 1857 und Trigon. ;l JRGS IX, 1839.
Survey of a Part of Mesopotamia in 1 $440000, dazu ' Über diese Orte siehe unten p.170.
Bericht in JRGS X X X V I I , 1867. « Mit'Begleitworten' ZDGE XVIII, in denen er ein
2
'Journey from Baghdad to the Ruins of Opis and unbegründet ablehnendes Urteil über Bewsher
the Median Wall in 1834',/ÄGS XI, 1841,121—36, in JRGS X X X V I I fällt.
und 'Two Journeys .. . to the Ruins of al-Hadhr in ° In 'Nachträgen zu den Begleitworten' ZDGE 1883
Mesopotamia, in 1836 and 37', JRGS IX, 1839, XVIII 444SS.
443—70.
* 5*

sei das ar. Bähamshä zu suchen, aus syr. *beth hömesh 'Bauch, Magen', gr. cpiKrxY], also QÜGXOC,
eine Übersetzung dieses Namens. — Bä-hamshä ist zunächst die regelrechte Umsetzung von Be-
hamshä 'Fünf-Haus'. Hoffmanns Deutung setzt voraus, daß die Stadt — eine junge Nach-
folgerin des alten Opis — ihren N a m e n von d e m Fluß erhalten hätte, während die Flüsse nach den
Städten genannt zu werden pflegen. Viel wahrscheinlicher istPhyskosGräzisievungvonass. hubuskia,
oft genannter topographischer N a m e für das Gebiet der Quellflüsse des Turnat = Diyäla1.
H . Kieperts Autorität gab der Gleichung Opis-Mandjür fast allgemeine Geltung. N u r
H . Winckler,wie immer selbständig und unbeeinflußt arbeitend, verfocht in demAufsatz 'Käsiphya
= Ktesiphon'2 unter ziemlich allgemeiner Ablehnung die richtige These: Opis im Gebiet von
Seleucia. W e n n A. Musil 19123 den Calu ohne weiteres 'Medische Mauer' nennt, folgt er nur
der damals herrschenden Annahme. Nachdem neue Inschriften Nebukadnezars über seinen
Mauerbau authentische Daten geliefert und Opis als Ostende dieser Mauer festgelegt hatten,
n a h m Eduard Meyer 1912 die vernachlässigte Untersuchung auf4. Er hielt wie H . Kiepert an
Jones' Bestimmung der Lage von Opis a m 'Adaim fest, mußte also die Medische Mauer wieder
in jener nördlichen Gegend suchen5. Die Ergebnisse sind verfehlt, regten aber neue Durch-
forschung des keilinschriftlichen Stoffes an, eine ganze Literatur, mit neuen Daten, aber keine
frei von Fehlschlüssen6.
1
Die Lage geht am deutlichsten aus den Stellen her- 1916—17: Kartogr. Abtlg. d. Stellvertr. General-
vor: Asurnasirpal, annal. Jahr 4, kommt von stabes der Armee, Karte v. Mesopotamien
Assyrien nach Zamua; viele durch dies Anrücken 1:400000 (unter meiner Mitarbeit), Blätter
Bedrohte bringen Tribut, darunter Hubuskia; andre 4 c Samarra, 5 c Sulaimaniyya, 4d Kerbela,
fliehen und werden verfolgt: "vom Berg Simaki 5d Baghdad.
bis zum Fluß Turnat [in Hubuskia] streute ich die 1917: M . Streck, Seleucia und Ktesiphon, in Alt.
Leichen", im ganzen 500.— Oder: Salmanassar II, Orient n. 16
Jahr des Regierungsantritts, dringt in den Simesi, 1922: A. Ungnad, Rekonstr. d. altbab. Königslisten,
d. i. Täq i Girrä-Paß ein, erobert die Festung in Z-Ass. 34.
Aridi, und 'nähert sich' zurückkehrend Hubuskia. Dazu die Artikel von O. Schroeder 'Opis' in
Jahr 3: der turtän Daian-Assur rückt über den Un- Reall. Vorgesch. 1927; von Unger 'Akshak' in
teren Zäb nach Hubuskia, von da über Malhis Reall. Assyr. 1928.
nach der Stadt Zirta (wahrschl. Saqyz) von Mannai, W . H. Lane's 'Babylonian Problems', London
dann südl. über Surdira (Surgadia in Ardilän) 1923, sind mehr 'Babylonische Sorgen', in Unkennt-
nach Parsuas-Kirmänshähän. — Zur Zeit Sargons nis dieser Untersuchungen geschrieben und ganz
wird mehrmals Hubuskia 'die Königsstadt des verfehlt, kein Vorwurf gegen den Verfasser, Lieut.-
ianzu von Nä'iri' erwähnt; ianzu ist der kossäische colonel Indian Army, aber gegen St. Langdon,
Titel. der ihm das babylonische Material lieferte und eine
2
In Altorient. Forschg. II, 512 (1900). Introduction schrieb; p. xvii: "It is unnecessary to
3
'Vorbericht über eine Forschungsreise 1912' in say for nie that I agree with the facts and theories
Anz. phil.-hist. Klasse k. Ak. d. W. Wien, 8. Jan. contained in this book", z. B. Opis sachlich und
1913. sprachlich gleich Teil 'Äbir zw. Harba und Balad;
J
'Untersuchung über die Lage von Opis und Kish die Medische Mauer ein hypothetische Verlän-
und die Verteidigungsanlagen Nebukadnezars' in gerung nach Süden der mutabbaq genannten Mauer
"Unters, z. ältest. Gesch. Babyloniens", Sb.Pr.Ak. bei Samarra; Sittake sachlich und sprachlich gleich
d.W. 1912, XLVII, 21. Nov. 1912. Tädji, 20 k m N . v. Baghdad. Andre Beispiele sind
5
Auf warnende Berichte von mir gehen die An- schlimmer. Ein Satz wie Langdon's (p. xxi):
merkungen auf p. 1098 und 1100 zurück. "A canal known as the Royal Canal, när sarri, left
6
1913: A. Ungnad, 'Zur Lage v. Opis' in ZDMG 67, the Tigris at Opis and joins the Euphrates at Agade
133SS (near Sippar). Therefore Opis lay considerably
1915: E. Unger und F. Weißbach in Z. Assyr. 29, north of the latitude of Sippar" dürfte nicht vor-
195 ss kommen: der Kanal kam von Euphrat und floß
1916: Landsberger in OLZ 19, 34SS nicht bergauf.
* 6 *

1928 und 1930 teilte Leroy Waterman als Ergebnis seiner Grabungen in Teil 'Umar-Seleucia
mit1, in d e m jungen Tempel a m Teil 'Umar mehrere wiederverwandte Bruchstücke mit früh-
geschichtlichen Inschriften gefunden zu haben, auf denen der Ortsname U H ^ i. e. Aksak, Opis
vorkäme, und unter einem Begräbnisplatz römischer Zeit ein als Türangel benutztes Stelen-
bruchstück mit "Un-da-lu-lu lugal kur U H * 1 , Undalulu König des Landes der Stadt Aksak",
das wäre der zweite König der mythisch gewordenen Dynastie von Aksak-Opis nach der sumeri-
schen Liste. Der Preliminary Report2 widerholt das ohne nähere Ausführung und ohne Vorlage
von Urkunden; der zweite Report schweigt ganz. Das ist keine Bestätigung, und es ist schade,
daß E. Weidner die Notiz als Beweis für die Identität von Teil 'Umar mit Aksak-Opis in den
AOF anzeigte und F. H . Weißbach seinen Artikel M-/)8ia<; rst^o? in Pauly-Wissowa haupt-
sächlich darauf auf baute. Aber der Teil 'Umar ist Istakhri's qasr 'Umar b. Hubaira, bei dem ein
nördlicher A r m des nähr al-malik in den Tigris fiel; das bedeutet, Opis lag wirklich nicht weit
oberhalb, dicht neben oder noch innerhalb des Gebietes, das die Städte Seleukeia-Ktesiphon
im Laufe ihrer Geschichte bedeckten.
In West-Madä'in fand Francois Michaux in 1800 den caillou Michaux 3 , der die nördlich an den
närsarri stoßende Flur Bag-da-da nennt (siehe unten) .1911 erwarb Samuel Guyer bei einem Aus-
flug von Samarra nach Ktesiphon an Ort und Stelle das Bruchstück eines kudurru, Taf. XXXIII,
dessen Bilder d e m caillou Michaux ganz nahe stehen, bei altertümlicherer Schrift. 1824 fand
George Keppel in West-Madä'in das Unterteil einer altsumerischen sitzenden Statue aus 'Gra-
nit'4. Diese Stücke symbolisieren die altsumerische und die kossäische Epoche, in denen Aksak-
Opis gerade blühte. I m Gelände und auf den Karten kann m a n studieren, wie viele Quadrat-
kilometer der Tigris von al-Madä'in fortgeschwemmt, und wie viele der Euphrat wieder ange-
schwemmt hat. W e n n der genaue Punkt von Opis noch nicht durch beschriftete, monumentale
Reste festgelegt ist, ist das kein Wunder.
Ich habe meine topographischen Aufnahmen meist 1911—13 gemacht und 1917—18 die
Karten bearbeitet5. I m Folgenden will ich nur einige Punkte klarer stellen, als bisher möglich
war, und zeigen, wie sinnvoll die Nachrichten sind. Die Untersuchung der bei Samarra gelege-
nen, fälschlich für vorislamisch angesehenen Ruinen mutabbaq, calu u. a. folgt später.
Zwei Angaben Xenophons, beide übersehen oder mißdeutet, machen von vornherein klar,
in welcher Gegend Babyloniens er war. Die Kanäle, die er vor Sittake auf einer Brücke und in
Booten überschreitet, und an deren einem er lagert, waren v o m Tigris abgeleitet, und bis unter-
halb von Ktesiphon läuft noch das Euphratwasser z u m Tigris. Erst unterhalb ändert sich
das Verhältnis: große Kanäle, das habl al-dhahab genannte System, laufen nach S S O und S
bis z u m nähr al-Nil herab, scheinbar in Fallrichtung eines uralten Tigrislaufs. Ein Irrtum
Xenophons ist unmöglich (Ed. Meyer 1. c. 1099, A n m . ) , denn er spricht gerade an der Stelle
über die Art der Irrigation. Sittake m u ß daher beträchtlich südlicher als Ktesiphon gesucht
werden'1.
1
BASOR 30, 6—8 und 32, 18. Karten in Paikuli und noch einiges nicht dafür
- Prel. Rep. upon the Excav. at Teil Umar, Ann benutztes Material.
Arbor, Univ. of Michigan Press, 1931. 11
Wie Willcocks' Nivellement zeigt, fällt der Königs-
3
Im Cabinet des Medailles, Paris; I. Rawl. 70; kanal von 34 m bei abu Habba auf 31 bei Teil
Oppert-Menant, 'Documents jurid.' u. ö. 'Umar. Aber auf der nordsüdlichen Linie Seleu-
' 'Personal Narrative of a Journey from India to keia-Babylon fällt das Gelände von 30 m a m Tigris,
England', 2nd ed. London, 1827 vol. II, 124—27. der auf seinem selbst angeschwemmten D a m m
' In der deutschen Generalstabskarte von Mesopo- läuft, in 17 k m auf 25 m , steigt dann, u m den eben-
tamien, 1:40c) 000, Blätter 'Ana, Samarra, Sulai- falls angeschwemmten D a m m des Küthä-Armes
mäniyya, Kerbelä und Baghdad. Dazu meine des Euphrat zu überwinden auf 27 m , und fällt
* 7 *

Zweitens: Xenophons Worte "sie marschierten durch Medien" sind ganz genug, u m den
Physkos mit der Diyäla zu identifizieren. In dieser Weise bezeichnet er jedesmal die Überschrei-
tung einer Provinz grenze1. Das eigentliche, osttigritanische Assyrien war nach der Zerstörung
von Ninive an Medien gefallen2. Für die Karte der iranischen Satrapien sind Xenophons Angaben
so bedeutungsvoll wie der wiederholte Passus der Blstün-Inschrift "dies ist, was von mir in
getan wurde". Mit d e m Physkos-Ubergang betreten die Griechen den Boden von Medien, bei
Ktesias MYJSIOC XOU riapouTax^vY), i. e. Isfahän, bei Eratosthenes ähnlich IlapaiTaxTjv^ xai MvjSia
genannt, und seit 612 a. Chr. war dessen Westgrenze gegen Mesopotamien (achäm. Athürä und
Arbäyä) der Tigris, von der M ü n d u n g des Kentrites bis zu der der Diyäla, und gegen Babylon
eben dieser Fluß, dessen Südufer die Königsstraße nach Medien folgte3. Natürliche Grenzen
sind beständig, und diese alte Provinzgrenze bestand noch im Mittelalter als Bezirks grenze,
Yäqüt II, 639: "Die Diyäla ist die Scheidelinie zwischen d e m Bezirk tariq Khuräsän (S.) und
d e m Khälis (N.)".

KÖNIGSKANAL
U m die Medische Mauer zu verstehen, braucht m a n Klarheit über den Königskanal4. Dieser
verlief von Sippar a m Euphrat, heute abu Habba östlich v o m Euphrat, z u m Tigris bei Opis, über
die Stelle der größten Annäherung der beiden Ströme, die seit fast 3000 Jahren die Tendenz
haben, sich von einander zu entfernen. Schon Nabupolassar mußte ein künstliches Bett für den
Euphrat graben, der sich von Sippar zu weit nach Westen entfernt hatte, und der Tigrisfloßnicht
weiter auf 23 m , in den letzten 7 k m vor Babylon Reichs grenze durch diese Länder lief, wurden die
auf den angeschwemmten D a m m des dortigen zu Iran gehörigen Teile von Syrien und Mesopo-
Euphrat zu 28 m steigend. V o m ganzen Küthä- tamien Babylonien angegliedert, das den amtlichen
A r m läuft kein Wasser zum Tigris. Das geht erst Namen Asüristän > Süristän erhielt. Daraus
wieder von Babylon an in Linie des shatt dl-NU. erklärt sich der nur scheinbar ganz verworrene
Daß die Ströme im Gegensatz zu den Kanälen auf Gebrauch der Landes- und Einwohnernamen von
selbstgeschaffenen D ä m m e n fließen, erklärt die der nach-alexandrischen bis zur arabischen Zeit.
4
Unbeständigkeit ihres Laufs. Zuerst bei Nazimaruttas, Ende des 14. sei. a. Chr.
So I. 4,6: kilik.-syr. Thore, 81a Eupia?; I, 51, genannt, als när sarri. Dann bei Melisipak, Nebu-
Thapsakos, 8wc 'Apaßia?; I, 7, 1, babylonische kadnezar I, oft in der neubab. und achaem, Epoche;
Thore, d. i. madlq al-Hlt, 10 k m unterhalb Hit, später aram. nahar malkhä; daher nach alter
§iä T % BaßuXaivtou; II, 4, 27, Physkos, Sia T^C Quelle bei Ptolemaios 1j.aapa7.py;:, falsch vom
MvjSiac: IV, 4, 1, Kentrites, Sia T % 'Ap^svia«;: für [iv.aikzi.oc, 7IOT<X(J.6C: getrennt; Abydenos bei Euse-
Eratosthenes sind die Gordyaeischen Berge diese bius entstellt >Ap;j.<y.y.a.Är;v = Ndcap[i.«XxY)V5 Isidoros
Grenze. Hekataios drückt sich bei Beschreibung Char. •S7.p[j.7J,yrlc; Plinius Narmalcha; Zosimos
der Königsstraße entsprechend aus, bei Herodot Xocp^äXä/r^; Ammian Marc. Naarmalcha ; ar. nähr
V, 52. al-malik, dem die Araber ein mythisches Alter zu-
; schreiben; Yäqüt IV, 846 nach al-Khatib al-
Sehr wichtig, denn es erlaubt die vor-zarathustri-
schen Verse Yt. 10, 104, die den Tigris als West- Baghdädi: „von Salomo S. d. David oder von
grenze des Mederreichs beschreiben, zwischen 612 Alexander gegraben, oder von Afqürshäh b. Baläsh,
und 539 zu datieren. dem letzten Nabatäerkönig, der 200 Jahre König
;
Der N a m e Assur, ap.Axiürä < aram. Athürä, blieb gewesen war, als Ardashir I ihn tötete". Dazu
an Harrän, Nordmesopotamien, haften. Dann vgl. cod. Sprenger, bei Nöldeke Tab. 14: "von
infiltrieren die Araber in die Steppen zwischen H u m ä y eingesetzter König von Kaskar (Mesene),
Euphrat und Tigris, die djazira, sodaß deren süd- Aqfür b. Baläsh, der Jahrhunderte König war".
licher Teil beth carbäye, ap. Arbäyä wurde. Dies Eine merkwürdige Erinnerung an jene Dynastie
bildete eine Satrapie mit Syrien, akk. Ebirnari, von [Aaxpoßioi. Die Namen sind Pacorus und
aram. 'abarnaharä 'jenseits des Euphrat' (von Volagases, aber sie sind nicht die arsakidischen
Babylon gesehen). Zugleich wird Nordbabylonien Großkönige.
von Aramäern besetzt zu beth Armäye. Seit die
* 8 *

erst heute, sondern schon u m 363 p. Chr. östlicher als in der Alexanderzeit, wie aus Zosimos H I ,
23, 3 folgt: "kamen zu d e m Trajanskanal, in den einfallend der Narmalaches sich in den Tigris
ergießt". Ähnlich A m m i a n X I V , 6,1. Der Trajanskanal verband das Ostende des Königskanals
mit d e m nach Osten gewanderten Tigris. Sippar und Seleukeia sind 27,5 k m von einander ent-
fernt, 5 Parasangen, das M a ß , das Nebukadnezar für die Länge seiner Mauer angibt: 5 beru.
Strabons Abhandlung über das, was die Griechen von der Alexanderzeit her wußten, könnte
nicht klarer sein. In der großen Auseinandersetzung mit Hipparchos sagt er II, 1, 245s: "Era-
tosthenes konstruiert seine 'dritte Sphragis' so: Nordseite: Kaspische Tore bis Euphrat 10000
Stadien, zusammengesetzt aus Alexanders Zug v o m Euphrat z u m Tigris (Saphe-Sufandere)
2400 Stadien, von da über Gaugamela und Arbela nach Agbatana, wie Dareios floh, womit die
10000 voll werden. — Südseite: Linie Babylon-Susa-Persepolis-Grenze von Karmania gleich
9200 Stad., nicht parallel zur Nordseite und kürzer als diese, weil der Tigris erst südlich, dann
aber südöstlichfließt.— Westseite: Thapsakos-Babylon 4800 Stad., plus Babylon-Teredon an der
Euphratmündung 3000 Stadien, plus 1100 Stad. von Thapsakos nach Norden zu den Armenischen
Toren [also 8900 Stad.]. -- Ostseite: Erythräisches Meer—Persis—Media nicht weniger als
8000, vielleicht über 9000 Stadien, plus Strecke von IIocpaiTaxTjvy] xal M^Sia [Name der Satrapie
Isfahän-Hamadän] bis zu den Kaspischen Toren [bei Ragä] ca. 3000 Stadien. — Innerhalb der
so umgrenzten Karte fließen der Tigris und der Euphrat, Mesopotamia bildend und in Era-
tosthenes' Zeichnung das Bild eines Ruderbank-Kissens, U7ry]peariov [wir würden 'Sattelkissen'
sagen] ergebend. Die Ströme nähern sich, bis sie bei der Mauer der Semiramis und der XCOUTJ
Opis nur noch 200 Stadien [37 k m ] von einander entfernt sind". Dazu XI, 14, 6 nach den Einzel-
heiten der Beschreibung des Quellgebietes des Tigris: " V o n dortfließtder Strom nach Opis und
der sog. Mauer der Semiramis, die Gordyaeer und ganz Mesopotamia zur rechten lassend.
N a c h d e m sich beide Ströme einander immer genähert und Mesopotamia gebildet haben, strömt
jener durch Seleukeia, dieser durch Babylon d e m Persischen Meer zu, wie wir bereits in der
Bemerkung gegen Eratosthenes und Hipparchos erwähnt haben". Das ist die Beschreibung des
'Ruderbankkissens'; er spricht von d e m breiten Sitz, der Einschnürung und dem schmalen Ende.
Südlich außerhalb Mesopotamiens, an der Einengung, liegt die Alauer, mit Opis als ihrem Ende
a m Tigris. V o n Opis springt der Gedanke sofort zu Seleukeia über. Ebenso X V I , 1, 21: „Der
geringste Abstand der beiden Ströme in der Gegend von Seleukeia und Babylon ist wenig mehr
als 200 Stad. (nach Eratosthenes)", das ist weiter als z. Z. Nebukadnezars und wenig enger als
heute. X V I , 1, 5: "Der Abstand von Seleukeia und Babylon ist 300 Stadien (auch nach Era-
tosthenes)", 55,5 k m ganz genau. Es ist unmöglich, mit Ed. Meyer in Strabons (d. i. Eratosthe-
nes') 200 Stad. eine "fälschliche Übertragung der Distanz, die erst unterhalb [bei Seleukeia]
zutrifft" auf einen viel nördlicheren Punkt, Opis, zu sehen. In Eratosthenes' und Strabons Vor-
stellung sind Seleukeia und Opis vielmehr identisch. Die Masse sind für Opis geltende Messungen
der Bematisten Alexanders, L'K ävaysypocj.ujivYjv cups TTJV ixivprjoiv oder fj Suvaroc rtv supslv
[xe(XSTp7]|/iv7]V 68öv, wie sie Eratosthenes seiner Kartenkonstruktion zugrunde legte, ein authen-
tisches Material. Seleukeia ist in X V I , 1, 21 nur der zeitgemäße N a m e von Opis. Opis war in
d e m gemessenen System der Bematisten ein Hauptpunkt wie Thapsakos, w o Alexander den
Euphrat überschritt. Die Stadt ist ein Punkt des Alexanderzuges, der von Arbela k o m m e n d wie
Kyros durch Opis in Babylonien einzog.
In diesen Zusammenhang gehört die bei Plinius V, 90 erhaltene Zahl über den Abstand der
Abzweigung des Königskanals aus d e m Euphrat von Thapsakos, eine Beziehung zweier Punkte
aufeinander, die außer in diesem System keinen Sinn hat: "Scinditur enim Euphrates a Zeuemate
D L X X X X I I I I p. circa vicum Masken et parte laeva in Mesopotamiam [djazira 7 vadit ner '
* 9 *

Seleuciam circa eam praefiuenti infusus Tigri, dexteriore autem alveo Babyloniam quondam
Chaldeae caput petit etc". V o n vornherein kann die Nachricht nur aus alter griechischer Quelle
stammen. 594 P. sind 4752 Stad., nur 48 weniger als Eratosthenes' 4800. In Wirklichkeit
haben Sippar und Seleucia den gleichen Abstand von Babylon, genau 300 Stadien. Aus 4500
umgesetzt müßte die Zahl bei Plinius D L X I I I lauten. Entweder ist 594 aus D L X I I I verderbt,
oder es ist aus einer der Veränderungen entstanden, die Eratosthenes' Nachfolger an seinen Grund-
zahlen vornahmen. Auf jeden Fall folgt daraus, daß Eratosthenes Sippar-Seleukeia-Babylon als
gleichschenkliges Dreieck von 300 Stad. Seitenlänge und 200 Stad. Basis gezeichnet hatte.
Julianus Apostata zog a m Königskanal von Sippar nach Ktesiphon1. Zosimos gibt dabei zwei
Maße, III, 21, 5: von Brpouyic, [=-- Plinius' Masice] 90 Stad. nach Ktesiphon [Madä'in], das
wäre nur 16,7 statt 27,8 km. Entweder meint er die äußersten westlichen Vororte, und die in
23,3 gegebenen 30 Stad. [genau] von Meivac, Xocßa&a (Säbät al-Madä'in) nachZciyy.aq (Kökhe,
südl. Vorort des 'öden Seleukeia') und die nicht erwähnten Stücke von da bis Ktesiphon selbst
sind hinzuzuzählen, so daß die 120 überschritten würden — m a n gebraucht 150 — oder die Zahl
war in Ziffern überliefert und C,' ist aus px' entstellt.
A m Ende des dritten islam. Jahrhunderts beschreibt ibn Serapion den Königskanal: "Der
dritte Kanal, nähr al-malik, beginnt 5 Fars.unterhalb des nähr Sarsar [der erste ist der von ober-
halb von Anbär nach Baghdad laufende Saqlawiyya] aus dem Euphrat . . . hat eine Schiffbrücke
[auf der Straße Baghdad—Küfa] . . . und mündet im Osten 3 Fars. (16,7km) unterhalb von
al-Madä'in [Ktesiphon] in den Tigris". Wie bei Nebukadnezar das Ostende der Mauer, wird
hier das Ostende des Kanals auf einen Punkt a m gegenüberliegenden Ufer des Tigris bezogen.
Istakhri 85 fügt hinzu: "ein A r m geht nach d e m qasr des 'Umar b. Hubaira, der andre fällt
gegenüber d e m Dorf al-Kll neben Küthä in den Tigris".
'Umar b. Hubaira al-Fazäri war von 102—06 und nochmals u m 128 umayyadischer Statthalter
des Träq, Erbauer der Brücke von Küfa2. Noch populärer war sein Sohn und Nachfolger Yazld,
Gründer der Stadt Qasr ibn Hubaira a m Küfa-Arm des Euphrat. Er befehligte das Heer des
M a r w ä n II, wurde aber von Hasan b. Qahtaba, d e m Heerführer des abu Muslim, bei Karbalä
geschlagen. Nach d e m Sturz des Umayyaden ließ sich al-Saffäh in Qasr b. Hubaira nieder und
gab d e m den N a m e n al-Häshimiyya, der sich aber beim Volke nicht durchsetzen konnte. Ich
weiß nicht, ob irgend eine Spur davon geblieben ist, aber die Erinnerung an das qasr des 'Umar
lebt bis heute im Teil 'Umar, d e m Hügel an der Nordseite von Seleukeia, nahe der Nordostecke.
Der seltsame N a m e al-Kll3 k o m m t auch südl. v. Samarra vor und könnte eine besondere Ge-
ländebezeichnung sein. Der nördliche A r m floß westöstlich durch das Stadtgebiet von Seleukeia,
und der Punkt, w o er in den Tigrisfiel,ist gegenüber d e m Teil von Ktesiphon, der jetzt westlich
v o m Tigris liegt, deutlich sichtbar. Die lange Entfernung des südlichen Arms, bis 16,7 k m unter-
halb von Madä'in, ist durch die Tigrisverschiebung veranlaßt. Dieser Zweig dürfte den "sehr
großen Trajans-Kanal" des Zosimos und Ammianus vorstellen, d. h. einen Kanal im alten Fluß-
bett des nach Osten gewanderten Tigris. A m m . Marc, xxiv, 6, 1 sagt: "von Trajan und (?)
Severus gegraben, ut aquis illuc ab Euphrate transfusis naves ad Tigridem commigrarent".
O b der Kanal von Römern oder Persern erbaut ist, der Durchbruch des Tigris durch Ktesiphon
wird damit in die Zeit u m 116 p. Chr. gesetzt, und das wird der Hauptgrund des Rückgangs von
Seleukeia sein, mehr als die angebliche Zerstörung durch das Heer des L. Verus. V o m Tigris
abgeschnitten — die Lage u m derentwillen sie gegründet war — und auf den Königskanal allein
angewiesen, verfällt die Stadt. Septimius Severus soll sie 199 verlassen gesehen haben, und nach
1
Siehe unten p. 63, Magnus v.Carrhae bei Malalas. Frgm. syr. und arab. Historiker, Leipzig 1884.
2 3
Nach den Frgmt. des Khwärizml, bei Baethgen, käl, kal, gil, djil; viell. vorarabisch.
2 Herzffld
* 10 *

den Grabungen scheint die Besiedlung damals aufzuhören. 363 ritt Julian mit seiner Vorhut
durch die Ruinen, und die Syrer reden im ersten Drittel des 5. sei. p. Chr. von Sliq harübhthä,
'öden Seleukeia'1.
Unterhalb des Teil 'Umar, der alten Mündung, hatte der Tigris dieselbe allgemeine Richtung
wie heute, N N W — S S O . Der Königskanal macht mit ihm einen nach S W offenen Winkel von
1200. Die'Mauer ist nur 5 beru d. h. so lang wie die wirkliche Entfernung von abu Habba bis
Teil 'Umar, und der von Herodot I, 185, Eusebius und Diodor II, 9, 1 beschriebene Stausee
Nebukadnezars, aus dem das Gelände außerhalb der Mauer überschwemmt werden konnte,
lag am Euphrat oberhalb von Sippar, vgl. unten p. 15. — Von der 'Aqrqüf-Senke her läuft kein
Wasser zum Euphrat, und das Euphratwasser läuft von Sippar nach Seleukeia. Die Mauer kann
also diese Fallinie nördlich nicht überschritten haben. Sie m u ß dem Kanal dicht nördlich gefolgt
sein. Der Endpunkt im Osten kann nur 5 bis höchstens 10 k m nördlich des Teil 'Umar gelegen
haben, und die Veränderung des Tigrislaufs macht es wahrscheinlich, daß die heutige Tigris-
strecke unterhalb der djisr Diyäla ein altes Stück der Diyäla ist, und daß deren alte Mündung et
7 k m S S W der heutigen und nur 7 k m N N W des Teil 'Umar lag.
So bildete die Mauer, wie es sein m u ß , eine Fortsetzung der natürlichen Verteidigungslinie
Babylons gegen Medien, des Tigris. A n der gegen Medien gekehrten Spitze, dem Knick, den
die Mauer mit dem Strom bildet, lag Opis, das Tor der Khurasan-Straße, durch das man von
Agbatana anrückend in Babylonien eintrat. Zugleich war Opis eine Grenzfestung Babyloniens
gegen Medien, das bis in den von Tigris und Diyäla gebildeten Winkel reichte.
Nebukadnezar spricht erst von den Stadtmauern von Babylon und der südlichen Verbindungs-
mauer nach Kish-Uhaimir, dann: "Ich fuhr fort, die Befestigung Babylons zu verstärken und
ließ oberhalb von Opis bis nach Sippar hinein vom Ufer des Tigris bis zu dem des Euphrat
5 beru qaqqari (Parasangen) einen mächtigen Erddamm aufschütten und dadurch (ma) große
Wassermassen wie der Schwall des Meeres auf 20 beru qaqqari die Stadt umgeben. Damit durch
den Anprall dieser Flut der Erddamm nicht beschädigt würde, mauerte ich mit Asphalt und
Ziegeln seine Böschung auf."
Nicht sehr viel später schreibt Xenophon nüchtern: "eine Mauer aus Backsteinen in Asphalt,
20 Fuß breit, 100 hoch, ihre Länge, sagte man, sei 20 Parasangen". 20 Fuß kann die Mauerstärke
gewesen sein (sehr wenig), aber dann war sie nicht 100 Fuß hoch. Die Länge gab man ihm an,
wie es in der Inschrift steht. Weißbach versuchte2, die 20 bem als Flächenmaß zu erweisen.
beru-Zahhn können mit der stillschweigend gedachten Breitenkonstante 1 qanü (Rohr, Rute von
6—7 Ellen) ein Flächenmaß sein. Aber die Einheit der Konstante ist hier nicht gemeint, und der
Ausweg, 20 beru als Ausdruck von 5 beru X 4 qanü zu fassen, scheint mir unzulässig und führt zu
nichts: das wäre ein Kanal von max. 14 m Breite, kein 'Meer', und niemand beschreibt einen
27750 m langen und nur 14 m breiten Kanal als "38 850 q m Wasser". Nebukadnezar meint gerade
keinen Kanal, sondern eine Überschwemmung, ebenso wie die Perser durch öffnen der D ä m m e
und Überschwemmung Ktesiphon gegen Julian und der Khalife al-Musta'In Baghdad gegen die
Türken des Mu'tazz in Samarra zu schützen versuchen. Die 20 beru sind, wie Ed. Meyer erkannt
hatte, die S u m m e der Einzelstrecken mit ihrer Wasserflut: 5 beru Medische Mauer von Opis
bis Sippar, plus 60 km, knapp 11 beru, kanalisierten Euphratlaufs von Sippar bis Babylon, plus
8 km, knapp i1/? beru Stadtmauer von Babylon, plus 22/:t beru Südwall von Babylon nach Kish.
Das ergibt 20 beru, Xenophons 20 Parasangen. Der Einwurf "Was soll aus der offenen Strecke
1
A m m . Marc. X X I V , 5, 3: civitatem desertam mann, 'Syr. Akt.'38.
a
collustrans, a Vero principe quondam excisam, Bei Pauly-Wissowa, Realenz. s. v. MriSläc tetYOC
d. i. Sliq harübhthä der Acten des Narsai, G. Hoff-
* II *

im Osten von Aksak (Opis) bis Kish, rd. 65 k m werden?" trifft nicht: die Wasserlinie des ganzen
Tigris verteidigt Babylon im Osten, ist aber, als von der Natur geschaffen, nicht mitgezählt. Als
er seinen großen Limes baute, dachte Nebukadnezar noch nicht an Kyros, nur an Meder auf
der Medischen Straße. Die ist die Babylon-Agbatana-Achse, von Mauer plus Tigris senkrecht
gekreuzt.
Beträchtliche Reste dieser Mauer sind noch vorhanden und auf d e m Trigon. Survey verzeichnet
als habl al-sakhr, "Median Wall ofXenophon?" 1 . Bewsher beschreibt sie in JRGS X X X V I I 1 6 9 :
"läßt sich noch auf 1 0 % mile (17 k m ) verfolgen, ungefähr 6 Fuß hoch. [Der heutige Anfang
gerade nördlich der Westseite von Sippar bezeichnet den Punkt eines alten Euphratufers.]
Sie verläuft erst 5 % mile S S O [Punkt, w o sie sich Sippar auf nur rd. 6 k m nähert], biegt dann
[in gut 4 k m Abstand d e m när sarri gleichlaufend] für 2 miles nach N N O , dann [mit Winkel von
1200] für 1V2 mile nach O , zuletzt 1 % mile nach S S O . [Das heutige Ende liegt nur 11 k m 2 beru,
westlich v o m Tigris, d e m Punkte, w o die alte Diyäla-Mündung zu vermuten ist, 17,5 k m v o m
Teil 'Umar, der M ü n d u n g des när sarri]. Für den Bau des nahen khän Äzäd [Straße Baghdad—
Hillah] hat m a n Ziegel dieser Mauer verwandt. Die Ruinen liegen voll von Asphalt; also in
Asphalt verlegte Ziegel". [Damals kannte m a n den Nebukadnezar-Text noch nicht]. Mustafa
Ibrahim Bey de Courten, Mitglied der Willcocks-Expedition, dann Leiter des Bahnbaus Baghdad-
Samarra, schilderte mir 1913 die bedeutenden Reste der Mauer ebenso, deren in Asphalt verlegte,
gebrannte Ziegel er beobachtet hatte. Ich selbst war nie dort, voraussetzend, daß die Babylon-
Expedition das alles untersucht hätte. D a ß die Westhälfte erhalten, die Osthälfte verschwunden
ist, k o m m t wohl daher, daß für den Bau von Seleukeia das nahe Material ausgebeutet wurde,
wie das fernere von Babylon.
Fast 1000 Jahre nach der Erbauung, i. J. 365 p. Chr., sah das Heer des Julian die Mauer in
Ruinen, bei Macepracta2, in quo semiruta murorum vestigia videbantur, qui priscis temporibus
in spatia longa potenti tueri ab externis incursionibus Assyriam3 dicebantur. Hinc pars fluminis
scinditur aquarum agminibus ducens ad tractus Babylonios interiores usui agris futura et civita-
tibus circumjectis, alia Naarmalcha nomine, quod fluvius regum interpretatur, Ctesiphontem
praetermeat, cuius in exordio turris in m o d u m Phari celsior surgit". Das ist die Medische Mauer
a m Königskanal. D e n Pharos kann m a n sich wie den Qä'im a m Qätül von Samarra vorstellen,
der die Spiraltürme von Samarra auf quadratischem Plan nachgeahmt haben, also ganz und gar
eine babylonische zikkurrat gewesen sein m u ß .
Nach A m m i a n X X I V , 2, 3SS erreicht das Heer diesen Punkt bald nach d e m Eintritt in Baby-
lonia: bei Paraxmalcha, 7 m p . (10 k m ) oberhalb von Diacira4 überschreiten sie den Euphrat,
ziehen dann über die Asphaltquellen (qir) von Hit und über Ozogardana, Zos. Zaragardia
[vielleicht *Vazigarbana, Zolleinnahme] nach Macepracta. [Nicht bei Zosimos]. Die Infanterie
schlägt eine Brücke über den Naarmalcha, die Kavallerie reitet durch. Danach k o m m e n sie nach
Pirisabora, Zos. Bersaböra, das belagert und erobert wird. 14 m p . (20 k m ) unterhalb Pirisabora
haben die Perser, u m den Weitermarsch zu verhindern, ein Gelände sublatis catarractis, durch
Öffnung der Kanalschleusen unter Wasser gesetzt; m a n improvisiert Fahrzeuge, wie Lederboote
und ponticula ex utribus, u m hinüberzugehen. A n dieser Stelle folgt eine Schilderung der Wein-
1
habl 'Strick', Bezeichnung von langen Mauer- 'dicebantur': er macht nicht, seinen Xenophon
ruinen; sakhr 'Stein' in dem steinlosen Lande für kennend, eine Konjektur, sondern hat es von Ein-
gebrannte Ziegel. geborenen.
2 4
Über den Ort und seinen Namen siehe unten. Zosimos Dakira, Ptolemaios Idikara, lies Idakira,
3
Sprachgebrauch der Zeit Ammians, ebenso X X V , < Ihi de qira.
6, 8; der 'Iräq heißt sasanidisch Asüristän. —
* 12 *

gärten und der Palmenhaine der Gegend, mit Exkurs über die männlichen und weiblichen Palme
So k o m m e n sie (3, 14) prope locum ubi pars maior Euphratis in rivos dividitur multifidos, und w
eine von Juden bewohnte, aber wegen ihrer schwachen Befestigung von den Bewohnern ver-
lassene Stadt lag. Daran vorbei geht es nach Maiozamalcha1, einer an einem Kanal gelegenen,
großen und stark befestigten Stadt, die belagert wird. Die Bewohner zweier durch Wasser
isolierter civitates — wohl Vororte — fliehen durch silvae und paludes, meist in Booten, nach
Ktesiphon, und die Kundschafter berichten, daß der W e g von da nach Ktesiphon ganz offen läge.
Nach Eroberung zieht Julian, vorbei an einem großen, runden(!) königlichen Tierpark, Zos.
rcepißoAot;, genannt ßacriXeox; &9jpa 'Königsjagd' und an einer regia Romano modo, ßacriAeia de, TO
'Puiuxiy.bv TÜTOV gebaut — die als von Römern gegründet verschont wird — nach Meivoc? Saßoc&a
[Zos. III, 23, 3], 30 stad. [= 1 fars., 5,5 k m ] von Zcoxao-/), Coche 2 , auch Seleucia genannt. Dort
fällt der Naarmalcha durch den Trajanskanal in den Tigris. Bei Coche k a m es zur Schlacht,
und nach d e m Siege ging das Heer über den Tigris, u m Ktesiphon zu belagern — wozu es nicht
kam.
V o n dieser Schilderung sind drei Punkte ganz sicher: Idacira = Hit; Pirisabora = Perözshah-
puhr, arab. al-Anbär; und Coche, die westliche Vorstadt von Ktesiphon, Sitz des Patriarchen.
Paraxmalcha ist pers. pahrag < *pädraka 'Wache', aram. L w . parhagh mit aram. malkhä 'des
Königs'. Solche pahrag lagen an vielen Provinz grenzen und besonders an Flußübergängen, wo
der Verkehr überwacht und Zoll erhoben wurde; die Griechen, schon Hekataios, nennen sie
rojXat. und cpuAaxod3. Die Babylonischen Tore lagen aber a m madiq al-Hit 10 k m unterhalb,
nicht oberhalb des Orts; A m m i a n beschreibt die Asphaltquellen auf d e m rechten Ufer; alle später
genannten Orte liegen auf d e m linken. Der Flußübergang ist also zu früh erwähnt. Die aram.
Übersetzung von Paraxmalcha wäre beth zvaziq dh malkhä 'Königs-Zöllnerhausen' ar. Bawäzidj
al-malik. So heißt ein bekannter Ort a m rechten Ufer des Kleinen Zäb, unweit semer Mündung,
oberhalb Sinn Bärimmä und oft mit diesem als Bistum erwähnt. Aber Yäqüt I, 750 nennt ein
zweites: "Bawäzidj al-Anbär, A h m a d b. Yahyä b. Djäbir sagt: 'Abdallah eroberte Bawäzidj
al-Anbär, und Leute von seinen Klienten leben da bis heute". Die Benennung nach Anbär
beweist, daß es unterhalb, nicht oberhalb von Hit lag. So gehört Paraxmalcha hinter Idacira.
Pirisabora, die sasanidische Grenzfestung gegen R o m und Hauptort des tassüdj Perözshahpur,
lag bei Mesiche, M S Y K , und erhielt diesen Ehrennamen von Shähpuhr I nach seinem Siege über
Gordianus4. Nach ibn Khurdädhbih 7 u n d Q u d ä m a 235 u. 238 war. Maskin einer der tassüdj des
ästän al-'Äl, nördlich v. Baghdad: "Maskin, Qatrabbul, Anbär, Bädürayä"5. Q u d ä m a irrt, wenn
er Fairüz-säbür wie einen fünften daneben stellt: es ist Anbär, 10 k m oberhalb v. Fallüdja.
Der weiterlebende volkstümliche N a m e anbär, d. i. pers. Arsenal — es war das militärische
1
Vulg.Maogamalcha. Ammian: urbs magna; Zosi- den Shahrh. Er. § 31 mit dem von Peröz e Sah-
mos: oppoiSpiov in dessen Nähe die große Stadt puhrän gegründeten Mausil gemeint.
Brjcio'-)/!,; lag, 90 Stadien von Ktesiphon. Der N a m e cAl erscheint schon bei dem ghazu des
- codd. verderbt, edd. richtig Coche quam Seleuciam Muthannä gegen 'Iräq und Baghdad i. J. 13 H.;
bei der ersten Eroberung steht lÄl unter einem
(dieunt). Zcoydccvj ähnelt Miai/iari = MvjotjjY) der
neu gefundenen Shähpuhrinschrift. sasanidischen dihqän. Es ist also trotz arabischen
3
Vgl. 'Altp. Inschr.' unter dastäkrta, didä und garoAussehens vorarabisch, nicht mit Yäqüt III, 592
dmäna. Die Beamten heißen med. pahragbän, "verkürzt aus 'all, weil pUl öu* ja J". Yäqüt
aram. parhagwän. III, 227 gibt irrig shädh-Qubädh als N a m e n des
1 ästän al-'Al. Jenes lag vielmehr auf dem Ostufer
Baidawi (nach Hamza?) läßt es, wie auch 'Ukbarä,
irrig erst von Shähpuhr II gegründet werden. des Tigris, Vollname Xusröy-säS-kawäS auf bullae,
Ein andres Peröz-shahpuhr lag nördl. v. Mausil, vgl. Transact. Intern. Congr. Numism. London
ar. Faisäbür, gelegentlich Farshäbür. Dies ist in 1936, 418SS.- Vorort war Dastagird.
* 13 *

Arsenal für Kriege gegen R o m — k o m m t schon bei Theophylakt III, 10, 6 und IV, 10, 4 als
'Aßßapcov cppoüpiov z. Z. Khusrau's I vor. Diese cppoupia unterstanden d e m anbärakpet.
Der Kanal wird in früharabischer Zeit immer nähr cIsä, heute Saqlawiyya genannt. Er fließt
nach Baghdad, also kann der Kopf nicht, wie ibn Serapion angibt, unterhalb von Anbär gelegen
haben: eine große Konglomeratinsel in d e m alluvialen Meere des Sawäd dort macht das un-
möglich. Ibn al-Faqih führt aber in einer langen Weinkarte p. 125 einen berühmten Wein in
Samarra auf, saqlabi, nicht wegen seiner 'blonden' Farbe nach den saqlab, Slaven oder Sklaven1,
sondern nach seiner Herkunft so benannt. I m ind. Arthasastra: "madhu ist der Saft der Trauben,
seine Heimat ist sein N a m e " ; so auch bei den Babyloniern. So heißt auch der Kanal Saqlawiyya
nach einem Ort Saqlabi a m Nähr 'Isä. Die Bemerkung über die Weingärten sollte also bei
A m m i a n noch vor Macepracta stehen.
D e n naarmalcha will er vor Pirisabora überschritten haben, und der einzige Kanal vor Anbär
ist der Nähr 'Isä. Er gibt also die Schilderung des Königskanales und der Mauer zu früh. —
Nebukadnezar überschwemmte das Gelände außerhalb des när sarri z u m Schutz von Babylon
gegen einen Angriff von Medien; in der Samarra-Zeit überschwemmt m a n von Anbär aus das
Gelände a m Nähr 'Isä z u m Schutz von Baghdad gegen einen Angriff von Samarra her; eine Über-
schwemmung z u m Schutz von Ktesiphon gegen einen Angriff v o m Euphrat her würde wahr-
scheinlich den zweiten Kanal zwischen beiden, den kurz unterhalb Anbär abzweigenden nähr
Sarsar benutzt haben. Offenbar waren alle drei zu Julians Zeit in Betrieb. Erst nach Über-
schreiten dieser Überschwemmung will A m m i a n an den Punkt gekommen sein, w o sich der
Euphrat in mehrere Flußarme teilte.
In der 'Syrischen Chronik' Nöldeke-Guidi fol. 29 k o m m e n Ammians Worte X X I V , 3, 14 fast
buchstäblich wieder: "ein Dorf namens Pallüghthä, w o sich das Wasser des Euphrat zur Be-
wässerung der Ländereien verteilt, MTPLGYN". Das Verb etymologisiert den Namen, akk.
pallükatu, gr. 7raXXax6xTa^2, heute Fallüdja. Pallükat ist nicht eigentlich ein Kanalname, sondern
ein Ausdruck für die Regulierung des Euphrat selbst. Alexander verbesserte, was schon Nabu-
polassar angelegt hatte. So entstand der heutige westlichste Euphratlauf: noch westlichere Linien
läßt das Gelände nicht zu. Zur Zeit der arabischen Eroberung spricht Balädhuri, 265, von den
Bezirken al-Falälidj (plur.) wa l-nahrain des Sawäd, und 245 von al-Fallüdjatain (dual) wa
l-nahrain. Darauf bezieht sich die Bemerkung von al-Laith bei Yäqüt III, 915 s: "Groß- und
Klein-Fallüdja sind zwei große Dörfer des Sawäd von Baghdad und von Küfa, nahe 'Ain al-tamr,
auch Ober- und Unter-Fallüdja genannt". Die Lage in der v o m heutigen Fallüdja a m Euphrat
80 Ion nach S W entfernten, tiefen Senke von 'Ain al-tamr macht es wahrscheinlich, daß die alte
Euphrat-Regulierung diese Senke und vielleicht auch die nördlichere von Habbäniyya schon als
Uberschußbecken benutzte. Das auch von al-Laith erwähnte heutige Fallüdja bezeichnet nur
einen Punkt a m Strom, w o mit der Regulierung zusammenhängende Werke lagen3. A m m i a n
schildert den Punkt, der nur 5 k m unterhalb von Anbär-Pirisabora liegt, als ob er noch unterhalb
der Überschwemmung läge, die selbst schon 14 m p . (20 k m ) unterhalb von Pirisabora liegen soll:
Die Schilderungen sind ganz treffend, ihre Reihenfolge ist verkehrt.
1
So P. Schwarz, 'Abbäsiden-Residenz Samarra sind seine Dörfer, sg. al-fallüdja", und "in klassi-
(1909), 37; nach Dozy hieße saqlab auch 'Eunuch', scher Sprache bedeutet al-fallüdja für Saat bestellte
ohne überzeugende Beispiele. Eher ein Ort a m Erde, daher heißt ein Ort a m Euphrat Fallüdja"
Kanal, der nach slavischen Weinbauern hieß. gibt auch %. B. der Q ä m ü s . Aber aram. PLG heißt
2
So Appian, B. Civ. 2, 153; Arrian, Anab. VII, 21 wie auch arab. FLJ'teilen', vgl. akk. palgu 'Kanal',
mjtXkaMÖn&Q', Strabon X V I , 1, 11 spricht davon palägu 'verteilen' (von Wasser), also pallüghthä
ohne N a m e n , aber mit großem Verständnis. 'dividiculum, castellum aquae'.
3
Die Etymologie des Laith: "die falälidj des Sawäd
* 14 *

Die in jener Gegend liegende Judenstadt ist das nur von Juden bewohnte NSmrU; Josephus,
Ant. Jud. XVIII, 9: NsdcpSa, Stadt Babyloniens, v o m Euphrat umflossen ... und mit Mauern".
Stephanos zitiert sie unter NaapSa "Stadt von Syria a m Euphrat", aus Arrians Parthica b. XI,
Trajans Zeit1. Ptolemaios setzt sie als richtig einen T a g oberhalb von Sipphara auf die meso-
potamische Seite des Euphrat, und das im Talmud mit Neharde'ä in naher Verbindung erwähnte
'Aqrä dh Tulbakkäni als 0sXßsy>cav7] nahe gegenüber, aber falsch östlich an2. Neharde'ä hatte
eine berühmte Synagoge namens kanishtä shafyatib3, bezeichnet durch den Teil al-kanisa au
gerader Linie zwischen Anbär und Sippar, kurz vor halbem W e g e , den m a n für Arrians Kunaxa
gehalten hat. I m Talmud wird einmal die Entfernung von Babylon als 18 Fars. angegeben4;
99 k m ist die genaue Wegelänge. Kleine jüdische Kolonien gab es da überall, so in Pallüghthä-
Fallüdja, w o nach der Syr. Chron. kurz nach der arabischen Eroberung, unter d e m Patriarchat
des mar Emmeh u m 26 H . ein Jude auftrat, 400 Weber, Wirker und Wäscher u m sich sammelte,
verkündete, der Messias sei gekommen, und solche Unruhen stiftete, daß m a n von 'Äqölä-Küfa
eine Truppe schicken mußte, die ihn fing und kreuzigte.
Das Maiozamalcha bei A m m i a n , durch einen Kanal mit Ktesiphon verbunden, auf dem die
Flotte z u m Tigris herüberfährt, und an d e m die Tcöfjuxtoa] ßaatXswc, Metvai; Haßafra und Coche
liegen, ist nach Schilderung und Ortsfolge Sippar, abu Habba, der Kanal ist der Königskanal.
Kökhe ist die Christenstadt neben Seleukeia, Sitz des Patriarchats, das den Stadtnamen im Titel
führte, auch nachdem es nach Baghdad übergesiedelt war. Neben oder noch auf seinem Gebiete
baute Ardashir I sein Veh-Ardashir, ar. Bah(u)rasir, einen Ersatz für das verschwundene Seleu-
keia. Mdvoiq Saßa&a ist Säbät al-Madä'in, 30 Stadien von Bahrasir a m Kanal gelegen. Bahrasir
bildete mit al-Rümaqän, nähr Durqit, nähr Djaubar und Küthä den sasanidischen ästän Ardashir
e Bäbagän gegenüber Ktesiphon. Also ist die ePo>[zaü>a] ßaatAswc das arab. al-Rümaqän < mpers.
*hrömigän; es ist auch der Ort der "Wöl") " W U T einer alten Talmud-Stelle5, aber zu unter-
scheiden von al-Rümiyya, d.i. Veh-Andev-Khusrau das AntioCheia Khusrau's auf dem Ostufer6.
Aber was ist der N a m e Maiozamalcha? Einerseits ist es evident, daß das mähözä malkhä 'die
Hauptstadt des Königs' ist, gebildet wie Paraxmalcha, nähr malkhä, Disqartä dh malkhä, also
Ktesiphon selbst: So hätte A m m i a n den gehörten N a m e n einfach irrig an das Westende des
Kanales übertragen. Zosimos hat dafür Besouchis. Oben war die Stelle Plinius V, 90 angeführt,
1
B. X I sprach vielleicht schon von den Aufständen, 360 Stadien = 12 Par., 66 k m oberhalb Babylon,
die ausbrachen, während der Kaiser am Persischen das wäre noch gerade innerhalb der Medischen
Golf war. — Syria steht, wie auch s. v. Libanai, Mauer, 5 k m nördl. Sippar, also falsch; Kanisa liegt
für Assyria im altpers. Sinne von Athürä-Meso- 35 k m nördl. v. Sippar.
potamia. Vgl. Obermeyer p. 179; 180 will er es irrig nach
2
Der Ravennas hat Narta, wohl eines der 2 Na- 'Rumania' am Tigris, südl. Ktesiphon setzen:
harra der Tabula. schlecht für Ralimäniyya.
3
Vgl. de Goeje, ZDMG X X X I X , 4; Mas'üdi 383 Auf die Erbauung dieser Stadt durch Khusrau I
spricht von famm baqqa bei Hit; Yäqüt I, 702: bezieht sich die bekannte Stelle bei Theophylakt
Baqqa, ein hisn, d.i. 'aqrä, 2 fars. v. Hit, Platz desV, 6, nach der Maurikios dem König Baumaterialien
Djadhima al-abrash von Hira". Dazu stimmt und Architekten gesandt hat, die von O. Kurz in
Tabari I, 750, 758 u. 760. — Chesney verzeichnet JRAS 1941 p. 37—41 irrig so gedeutet worden ist,
genau am Ausgang des madiq al-Hit, also 2 fars. als sei Khusrau I der Erbauer des Täq i Kisrä.
von der Stadt "Bukkah island; steep ascent and Dieser steht nicht in Antiocheia-Khusrau, sondern
narrow, difficult pass". 111 der madinat al-'atiqa, dem eigentlichen Ktesi-
1
Siehe Obermeyer, p.23. — Kunaxa 1) nach Anab. phon, Taisafün, das durch die Gräber des Salmän
I, 7, 15 Fars. = 83 k m unterhalb der'Thore', also al-Färsi (Päk) und Hudhaifa al-Yamäni charakteri-
h. Fallüdja, 5 km, nicht Kanisa 27 k m unterhalb siert und genau bestimmt wird.
Anbär gelegen. — 2) nach Anab. II, 2, 6 (Zusatz)
* 15 *
in der der Abstand des Dorfes Massicen (Masicen, Masicem), w o sich der Euphrat in einen nach
Seleukeia und einen nach Babylon fließenden A r m teilt, von Zeugma-Thapsakos als 594 mp.,
d. i. 4752 Stadien angegeben wird, eine aus der Vermessung der Bematisten 'Thapsakos —
Babylon 4800 Stadien' abgeleitete Zahl. Das Mesiche der Shähpuhr Inschrift ist dasselbe
Wort, aber nicht derselbe Ort: der N a m e ist ein Appellativum. Zosimus' B/]aouyic;, 700 Jahre
jünger als Masice, ist auch derselbe N a m e . Es lag unmittelbar bei d e m durch seine Astronomen-
schule, Heimat des Kidenas-Kidinnu (um 314), Entdeckers der Präzession der Jahrespunkte,
im Altertum weltbekannten Sippar. W e n n m a n ihn und nicht Sippar als 4500 Stad. von Thapsakos
entfernt bezeichnet, so schließt das ein, daß er etwas ganz besonderes ist. M a n kann nicht sagen,
das Dorf Kuwairish (bei Babylon) liegt 1000 k m von der Djaräbulus-Brücke, wohl aber: die
Hindiyya-barrage liegt so. Mas(s)ice-B7)o-oü)^ ist sicher syr. mäsökhä 'catarracta'1, der besondere
N a m e des Schleusenwerks von Sippar. W e n n dies aber mäsökhä dh (nahar) malkhä hieß, so
versteht m a n die Verschiebung des Namens maiozamalcha bei Ammian.
V o n diesem mit der Verteidigung Babylons zusammenhängenden Werke spricht Herodot
I, 185, Eusebius (armen., und bei Synkellos griech.) durch Abydenos aus Berossos, und Diodor
II, 9, 1 über Agatharchides aus Ktesias und Kleitarchos. Die eusebische Schilderung lautet:
"Nebukadnezar leitete den Fluß Armakales (nähr malkhä) aus d e m Euphrat ab [Synk.: und
den 'Axpaxavo?, Arahtu2]. U n d das Wasserbecken der Hochfläche, das bei Sippar, grub er mit
einem Umfang von 40 Parasangen und mit 20 Ellen Tiefe und richtete (Schleusen) tore dabei ein,
die, wenn geöffnet, die ganze Ebene unter Wasser setzten. Diese heißen 'Echetognomones'".
Die 40 Parasangen zu erörtern hat keinen Zweck: 40 = 360:9 ist die bekannte, 'Vielheit' be-
deutende Zahl, wie die 360 (bezw. 365) Stad. der Mauern von Babylon, die 180 Par. der Tier-
gartenmauer von Dastagird u. a. m . — Aber der Bau ist ganz wirklich: die öxeToyvtofjiove? sind
solche mäsökhä.
A m m i a n schildert also die relative Lage der drei Städte Pirisabora-Anbär, der Judenstadt
Neharde'ä und von Sippar richtig; Fallüdja beschreibt er kurz in ungefähr richtiger Lage. Aber
die Medische Mauer und den Königskanal schildert er sachlich richtig aber an falscher Stelle,
oberhalb von Anbär, — w o er in Wirklichkeit den nördlichsten der babylonischen Kanäle über-
schritt, — unter d e m N a m e n Macepracta. Das ist syr. Mabhrakhthä, talm. ebenso, 'benedicta'?
Nöldeke-Guidi, 'Syr. Chron.' 21s: Gabriel v. Sindjär, drustbedh d. i. apyiaxpoc; Khusrau's II
und der Shirin, verklagte den Bischof Georgios von Izelä (Tür 'Abdin) des Abfalls von der
mazdayasnischen Religion, und dieser wurde in Behardashir in der 'aqrä de Kökhe, gefangen
gesetzt und dann auf d e m 'Häckselmarkt' gekreuzigt. Anhänger setzten den Leichnam in der
Kirche des S. Sergios in Mabhrakhthä bei3, (p. 36): Die abgebrannte Kirche des S. Sergios-
klosters wurde von d e m Katholikos von Seleukeia (Kökhe), mär E m m e h , prächtig wieder her-
gestellt. Nach seinem Tode in 647 p. Chr. wurde dieser darin begraben. Das setzt ebenso
nächste Nähe voraus, wie die Angaben des Talmud 4 ): nur 2000 Ellen (rd. 1 k m ) von Be-Göbhar,
d e m Hauptort des Bezirks Nähr Djaubar, an d e m von Ugbaru-Gobryas angelegten Zweigkanal
des Nähr Küthä. Be Göbhar lag in unmittelbarer Nähe von Behardashir. Der Bezirk bildete mit
3
1
b und m wechseln selbst in Baghdad-Maghdad, Vgl. Labourt, Christianisme dans l'Empire Perse
Mekka-Bekka, nabit-namit, von den arab. Gram- p. 229. — In den Unterschriften der Teilnehmer
matikern anerkannt. — Zu syr. mäsökhä vgl. ar. an der Synode des Patriarchen Dadishö', 424
masak 'Damm', masäk, masik, massäkät, 'Reservoir,p. Chr. (od. 430?) bei Guidi, Assyr. Bischofssitze,
Wasserwerke'. Z D M G XLIII, 396, z. 2, verschrieben in mar-
2 kabhthä.
Im ersten N a m e n fehlt N , x&X statt Xay; im zweiten
4
überzähliges k, xdcv statt /CT. Vgl. Obermeyer, s. v. Mabrakhta,
* i6 *

Bahrasir, Rümaqän, Durqit und Nähr Küthä den sasanidischen ästän Ardashir e Bäbagän, west-
lich gegenüber von Ktesiphon. Also gehört Macepracta nicht an die Stelle, w o A m m i a n den
N a m e n nennt, ein Fall ähnlich d e m von Maiozamalcha. D a sollte eine Wiedergabe von Pal-
lüghthä stehen. Aber Julians Heer m u ß in Mabhrakhthä und Mähöze gewesen sein, denn A m -
mian hat diese N a m e n gehört. Daher ist zu erwarten, daß beide bei Zosimos auftreten. Das ist
später zu erörtern. Hier k a m es darauf an, zu zeigen, daß die Widersprüche nur scheinbare
sind und Julian die Ruinen der Mauer und den Königskanal bei d e m Stauwerk mäsökhä bei
Sippar sah.

SITTAKE
Xenophon gibt an, v o m Tor der Medischen Mauer nach d e m Tigris gegenüber Sittake 2 Tage
oder 8 Par. (44 k m ) , aber von Sittake nach Opis 4 Tage oder 20 Par. (110 k m ) marschiert zu sein.
Die Differenz kann nicht den Breitenunterschied zwischen Mauertor und Opis bedeuten, der
kaum über 2,5 Par. war. D a Xenophon nicht wie in andren Fällen "den Tigris zur Linken, den
Euphrat zur Rechten habend" sagt, kann m a n einen v o m Tigris östlich abführenden U m w e g —
etwa in Linie des Unteren Nahrawän — annehmen; sonst m u ß m a n die Tageszahlen für zuver-
lässiger halten als die Parasangen: 5 Par. sind bei Xenophon ein normaler, 4 ein kurzer Marsch.
M a n kann die etwas kürzere westliche Strecke in 2, die längere östliche in 4 Tagen marschiert
sein. Aus der zuverlässigsten Angabe, 2 Tage von der Mauer, ergibt sich ein südöstlicher Ab-
stand von min. 44, max. 60 km. Der Tigris kann dort bis zu 15 k m westlicher geflossen sein
als heute.
Wie tief die Zehntausend nach Babylonien hinein kamen, macht m a n sich a m besten am
heutigen Tigrislauf und dessen Schilderung bei den arabischen Geographen klar. Es ist die
Strecke Madä'in-Wäsit. Der Anfangspunkt, Ktesiphon, ist wohl bekannt, aber ich kenne keine
Karte, die die Lage von Wäsit genau angäbe.
Eine richtige Beschreibung gab schon Chesney1, und die alten russischen Generalstabskarten
tragen Wäsit und 3 krn nördlich davon Alabar ? Kaskar annähernd richtig, nur etwas zu südlich
ein. Die etwas reicheren, aber auch nicht genauen Einzelheiten der deutschen Generalstabs-
karten von 1916—18 haben das Detail aus den etwas älteren englischen übernommen. M . Streck
hatte 1900 keine Kenntnis davon, und L e Strange vermutete nur etwas richtiges. Wenig Reisende
sind dort gewesen, so R. Koldewey in 1887, als er mit B. Moritz in Surghul und al-Hibba grub2.
1912 bat ich, in Samarra, Graf Aymar de Liedekerke-Beaufortl, die Stätte zu suchen, und
er tat das in 1913—14. Hier folgen einige Sätze aus seinem Briefe v o m 24. VII. 1914 aus Paris,
mit Geländeskizze:
"L'ancien lit de fleuve (A) vient en ligne directe de Küt al-Amära. Branche (B) semble se
diriger vers teil T ü m ä n ... disparait dans terrains cultives ä 1 heure du shatt al-Hai, sans
l'atteindre. — (C): vers Sudaira ä 9 k m ; lä, se divise de nouveau en deux. i°: le canal profond
1
'Euphrates and Tigris Expedition 1835—37*, Araber passend gefunden. Veröffentlicht ist ihr
London 1850,1, 37: "a few miles below K ü t m a y be Bericht meines Wissens nicht.
traced the ancient bed of a branch, n o w dry, - Sein Routier ist in der deutschen Generalstabskarte
running in a S S E direction through the ruins of nicht ausgenutzt.
Wäsit, and ... in the same direction . . . under the :1 Er fiel vor Verdun im Febr. 1917. — Virolleaud
n a m e of shali Ibrahim, tili it enters the Euphrates veröffentlichte seinen Reisebericht in den Baby-
between the Hai and Qurnah." Er sieht darin loniaca VII, 1 0 5 — 1 6 : Excursion archeologique en
richtig die frühmittelalterliche Tigrisstrecke und Mcspotamie, 1913—14» ohne die Karte, von der
sagt, O r m s b y und Elliott hätten die Ruinen 1830 u. Liedekerke mir eine Copie geschickt hatte.
1831 besucht und sie zu den Beschreibungen der
Tafel I

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m
* 17 *
du n o m de Dudjaila se dirige vers le hör de la rive droite du Tigre [hör al-'Amära], d'oü il prend
son eau au moment de la crue. 2°: l'ancien lit du fleuve tres efface se dirige vers hör Hammär
et n'est bien visible que beaucoup plus loin dans la djazira". In seinem Reisebericht nennt
Liedekerke diesen bei Chesney 'Ibrahim' genannten Fluß 'Khordere' (ob khadrä}). Er beschreibt
dann noch die Ruinen: "Les limites de la ville sont difficilement determinables ä cause de l'abon-
dance des debris recouvrant tous les environs et de la couche d'alluvions qui a d u enterrer les
ruines, ne laissant depasser que les monticules les plus importants. C o m m e toutes les ruines
musulmanes elles s'etendent surtout en surface et peu en hauteur. Elles ne renferment que de
pierres [briques]. O n trouve des traces de jardins dans beaucoup de maisons". I m einzelnen
spricht er dann von d e m Torbogen einer Moschee im Norden des Stadtgebietes, dessen ge-
brannte Ziegel in reichen hazärbäf-Verbänden den Bau in die Zeit der Khalifen al-Näsir und al-
Mustansir, Begimi des 13. sei. Chr., setzen. Wäsit liegt auf einer Geraden von Küt al-Amära
nach I m ä m 'Ali Sharql und 'Amära, 48 k m O 40 0 S von Küt al-Amära1 und 20 k m O io° N von
Küt al-Hai.
Der amtliche N a m e der sasanidischen Provinz war astän shädh-Khusrau-Shähpuhr, einheimisch
Kashkar, ar. Kaskar. Der Hauptort Kaskar lag auf dem Ostufer des Tigris; al-Hadjdjädj gründete
sein Wäsit auf d e m Westufer, beide mit einer Schiffbrücke verbindend. Wäsit soll 'Mittelstadt'
als Mitte von Basra, Ahwäz, Küfa und Madä'in bedeuten2, existierte aber als Wäsit al-qasab
schon vor al-Hadjdjädj. Dort stand sein Palast mit einer grünen Kuppel, qubba al-khadrä', wie
die der Umayyaden in Damaskus und die des Mansür in Baghdad. M ü s ä b. Bogha baute während
der Zandj-Kämpfe eine Moschee in Wäsit.
Unterhalb des Stadt teilte sich der Tigris in mehrere Arme, die sich bald in den batä'ih, akk.
agamme, syr. aghme, den Sümpfen verloren. Der oft wechselnde Lauf dieser Tigrisarme ist im
Gelände nicht mehr zu erkennen, aber der meist befahrene und von den Geographen beschriebene
Didjla al-'aurä>3 lief wohl von Wäsit erst in Richtung 'Amära und dann dicht westlich des heutigen
Stromes durch das hör al-'Amära nach Südosten.
Diese Flußstrecke beschreibt ibn Serapion u m 300 H.: "der Tigris fließt vorbei an al-Madä'in,
Sib [bani K ü m ä ] , dair Qunnä, Humeniyya, dair al-'Äqül, al-Säfiya, Djardjaräyä, al-Nu'mäniyya,
Djabbul, nähr Säbus, Farn al-Silh, Wäsit usf." Das bezieht sich auf beide Ufer und läßt viel
Spielraum für die genauen Lagen. Ibn Khurdädhbih, u m 230—34, p. 59, nennt nur die größten
Orte der Straße nach Wäsit: dair al-'Äqül, Djardjaräyä, Djabbul und Farn al-Silh. Als Postroute
gibt er: "al-Madä'in, 8 Stationen nach Djardjaräyä, 5 nach Djabbul, 8 nach Wäsit". Idrisi, u m
548 H., drückt das in mil aus: 40 + 25 + 40 = 105 mil oder, da 3 mil = 1 Fars., 35 fars.,
184 km. — Diese S u m m e hat auch Q u d ä m a p. 193 (gest. 310 H.). Heute: T ä q i Kisrä, 44 k m
nach Dair [al-'Äqül], 32 k m nach Djardjaräyä, 39 k m nach Djambul, Djanbil, 68 k m bis Wäsit,
zusammen 183 k m .
1
John Roß schrieb, 1834, Küt al-'Umaira; die richtig, selbst wenn man wie der Autor den Begriff
richtige Form und Erklärung des durch General 'Iräq ohne Wäsit und Basra faßt.
Townshend's Kapitulation in 1916 weltbekannt , « E i n a u g i g e r Tigris . # vgl . l b n R u s t a 9 5 ^ - >
gewordenen Namens steht bei C. C. R. Murphy, B Q A y I L ghss^ tasnät*t ist n u r e i n Wortspiel;
Geogr. Journ. 49, 1917: "küt means a permanent y g l mjla al_a<mä> < b i inder T.', ein A r m des shatt

habitation, generally walled and defendible. The ai-Gharräf, richtiger N a m e des sog. shatt al-Hai;
Amära, SjUVl, are the prineipal division of the bann a u c h Deminutiva werden für wasserarme und
Rabi'a tribe in this part of Träq". Die Stadt fluß- t r o c k n e Betten gebraucht, wie Dudjail(a), shutait(a).
abwärts heißt dagegen 'Amära, SjU>. S c h o n i n achaemenidischer Zeit gibt es einen diglat
2
Muqaddasi 135 widerspricht: "In Wahrheit ist läbiru.
dair al-'Äqül der Mittelpunkt des Träq", kaum
* 18 *

Der Tigris bildete in sasanidischer und frühislamischer Zeit eine große Verwaltungsgrenze.
Die Orte des Ostufers gehörten als die 'Drei Nahrawäne', oberer, mittlerer und unterer, mit
Badrai und Baksai z u m ästän Bäzidjän Khusrau; Djardjaräyä zählte z u m Unteren Nahrawän,
siehe ibn Khurdädhbih und Qudäma. Nach sasanidischen Bullen zählte Gargaräyän, d. i. der
südlichste, also damit alle drei Nahrawäne aber z u m ästän Khusrau shädh Kavädh (Vorort Dasta-
gird), ein Bezirksname, den die Araber auf das Gebiet nördlich der Diyäla beziehen1. Der Unter-
gang der reichen Landschaft wird mit d e m Verfall des Nahrawän in die Seldjukenzeit datiert.
Bei d e m Zug der Zehntausend handelt es sich u m den nördlichen Teil dieser Tigrisstrecke, an
d e m heute vereinzelt der Ort 'Aziziyya liegt, mit einer der seltenen Schiffbrücken über den unteren
Tigris. N u r 8 k m westlich dieser Brücke liegen auf d e m linken Ufer, heute 2 k m v o m Strom, die
Ruinen von al-Dair, d. i. dair al-'Äqül. 4 k m S O davon liegt, auf d e m rechten Ufer, 5 k m ober-
halb der Brücke, Burainidj, moderne Aussprache von Baräniq, bei Yäqüt I, 739 "Banäriq2, Dorf
zwischen Baghdad und Nu'mäniyya, gegenüber dair Qunnä". Dies auch in den Itineraren ge-
nannte Nu'mäniyya existiert als Teil al-Nu'män, 10 k m oberhalb von Bughaila, und war eine
d e m Nu'män von Hira gehörige Stadt, bekannt durch ihre Teppich-Fabrikation.
Der N a m e Humeniyya hängt noch an einem Gelände 7 k m südlich der Brücke von 'Aziziyya,
das J. F. Jones in einer Serpentine des Stromes auf d e m Westufer fand, während heute der enge
Hals durchbrochen ist und der Ort auf d e m Ostufer liegt. Er bezeichnet es als "ruins of an ancient
M u h a m m e d a n town on the site of a Babylonian city" und bemerkt p. 147: "Near Humeniyya is a
fire-temple like the four-arched building of Qasr i Shirin [d. i. Guar Qapu, der Tempel], called
qubbat al-när, about 5 miles west of the remains of the city". H a m z a 37 schreibt die Gründung
d e m Bahmän Ardashir, das bedeutet der achämenidischen Epoche zu: " I m Sawäd baute Bahman
Ardashir eine Stadt mit seinem N a m e n , äbädh-Ardashir, d. i. die auf nabatäisch Humeniya heißt,
im tassüdj des 'Oberen Zäb' [die andre ist Bahman-Ardashir gleich Ubulla bei Basra] — und die
Israeliten glauben, Bahman Ardashir sei ihr Köresh"3.
Das nestorianische Kloster dair Qunnä beanspruchte von mär Man, d e m Schüler des Addai,
Thaddaeus der Abgar-Legende, gegründet zu sein4, und das Grab des Marl — nach andren in
Badrai — zu bergen. Es tritt aber erst u m 600 p. Chr. hervor. Shäbushti bemerkt, es läge gegen-
über al-Säfiya5, hieße auch dair al-Askün, Angaben, die auch von dair al-'Äqül gemacht werden,
und schildert es als sehr reiche Klosterschule. Yäqüt II, 687 sagt dazu: "So war es einmal, aber
heute steht nur noch die Hofmauer, darin leben Bettelmönche, ruhbän al-sa'älik". al-Mutawakkil
hatte es zerstören lassen. Es lag abseits v o m Fluß, zwischen ihm und dem dort nahen Nahrawän,
nach dem Originaltext des Shäbushti6 1,5 mil v o m Tigris. Daher die typische Erzählung: "Der
M ö n c h 'Abdishö' ging einmal v o m Kloster z u m Tigris u m Wasser zu schöpfen, der Fluß war
weit und der Abstieg sehr steil ..." nach der Chronik von Si'irt, unter Bahräm Kirmänshäh u m
400 p. Chr. — Oder Tabari III, 50, i. J. 132 H.: Während der Kämpfe zwischen Hasan b. Qahtaba
und 'Umar b. Hubaira ging ein junger Araber mit zwei Schläuchen z u m Tigris, u m Wasser zu
1
Vgl. Transact. Intern. Numism. Congr. London man; irgendwo wird Humeniyya auch mit Humäy
1936, p. 420, Fig. 12. — Die topographische Auf- verbunden.
nähme des Gebiets durch J. F. Jones, in Memoirs, ' Vgl. J. Labourr, 'Christian', p. 14s über Alter und
' Journey . . . to determine the tract of the Nahrwän Wert der Acta Mari. — Nach Mas'üdi tanb. 149
canal', 1848, 1. c. pp. 36—134. gegründet von Adi bar Marl al-salih, i. e. aram
2
Mit Dissimilation von n und r nach Labial. Aelihä.
3
Auch bei Tabari I, 687, mudjmil 356, vgl. A M I V, B Dagegen Frgm. Hist. Ar. 476, Kämpfe des 'Udjaif
88. — äbädh, mit var. ol/tl, ol>.l ist jedenfalls nicht b. 'Anbasa gegen die Zutt: "al-Säfiya ist ein Dorf
das am Ende von Ortsnamen übliche -äpät > unterhalb von Wäsit."
-äbädh. Hamsa etymologisiert Humen- aus Vah- " Bei M . Streck, 'Landschaft Babylonien' p. 284.
* 19 *
schöpfen.. .". Die Entfernung von dair al-'Aqül war nur i barid, Pferdewechsel der Post. Die
große N ä h e beider wird mehrmals erwähnt; Yäqüt gibt dair al-'Äqül als 15, dair Qunnä als
16 fars. von Baghdad. Dennoch bleibt unklar, welches oberhalb, welches unterhalb lag1. Auch
dair al-'Aqül lag ursprünglich a m Strom, aber zu Yäqüt's Zeit 1 mil davon.
Einige sonst nie erwähnte Einzelheiten, die für die Bestimmung der Orte wichtig sind, gibt
ibn Rusta p. 186, in seiner Beschreibung der Tigrisstraße, deutlich nach eigner Beobachtung:
" V o n Sib nach dair al-'Äqül: vorbei an einem Dorf al-Sayyäda zur Seite von Dair. In Dair ist
eine Freitagsmoschee, Bazare und eine Mautsperre, ma'sar; in der Stadt leben die Zöllner, die
Sperren, ma'äsir, gehen über den Tigris". Vorher, p. 185, beschreibt er eine solche M a u t bei
al-Hawänlt, den 'Schenken' an der Grenze gegen Basra a m unteren Tigris: "Je zwei Boote werden
auf beiden Seiten des Tigris fest verankert; dann werden Seile, so lang wie der Strom breit ist,
mit beiden Enden an den Booten fest gemacht, so daß keine Schiffe die Sperre nachts passieren
können". Istakhrl 69 vergleicht die Kette, silsila, im Bosporus, "die kein Schiff ohne Erlaubnis
passieren kann", mit solchen ma'äsir2.
Dies scheinbar nur a m Tigris übliche Wort ist den Lexikographen als 'Gefängnis' bekannt:
S t a m m asara 'ligare', dazu isär, aisar 'Seil, Strick', 'äqül, syr. 'äqölä, ist der vorarabische N a m e
von Küfa, und könnte wie das syr. Wort 'das K r u m m e ' bedeuten, etwa nach einer Serpentine des
Euphrat3. Aber 'aqala, davon 'iqäl der gedrehte Wollstrick, der die küfiyya auf d e m Kopf fest-
hält und 'uqla 'Strick', bedeutet wie asara (al)ligare, (con)stringere, und Djauhari erklärt al-
hadjr wa l-nuhä als seine eigentliche Bedeutung. Dies hadjr benutzt ibn Shaddäd als Wort für die
Tätigkeit der j%AL*\4, die es an jedem der drei aufeinander folgenden Tore der Zitadelle und a m
bäb al-Maqäm von Aleppo gab: "mutawalli al-amr, wir würden sagen mutawalli al-hadjr, der
nach Belieben die Einfuhr in eine Stadt verbieten oder erlauben kann". Istakhrl 42 sagt von d e m
a m Meer gefundenen Farbstoff bu-qalamün "die Umayyaden Je ^ , verboten seine Ausfuhr",
Muqaddasi 241: <>- y> -n "und es konnte nur geschmuggelt werden". Ähnlich ibn Djubair 341:
"Jb\J\ A\Ä*> ej»\ <_UJ der Befehl des Königs von Sizilien traf ein, die Schiffe festzuhalten (anke
zu lassen)". Danach bedeutet dair al-'äqül, bei d e m eine solche Mautsperre lag, gewiß das 'Klo-
ster an der Maut', nicht 'an der Serpentine' — der ganze Tigris sind Serpentinen. Der alte Sinn
wird so vergessen gewesen sein, wie beim Mäuseturm.
1
Tabari III, 1961: abu Ahmad b. al-Mutawakkil Dort erwartete uns der türkische Arzt. Nachdem
zieht gegen die Zandj, i. J. 267 H., von Baghdad wir die Zungen ausgestreckt, etwas geredet und
über Rümiyyat al-Madä'in, al-Sib, dair al-'Äqül, etwas 'araq getrunken hatten, fragten wir, da die
Djardjaräyä, Qunnä, Djabbul, Silh nach Wäsit. beladenen Tiere unruhig wurden, ob wir passieren
Eine Handschrift läßt das offenbar falsch ein- könnten, und die Antwort war: "bien, puisque
gereihte Qunnä aus. nous avons dejä bevu!"
2 3
Zwischen Rumeli und Anatoly Hisar, nicht beim Nöldeke-Guidi,'Syr. Chron.'48wird Küfa erklärt:
'Leanderturm', der wie der 'Mäuseturm' von "wegen der kfifüthä, K r ü m m u n g des Euphrats
Bingen aussieht. — D i e Erzählung von den Stricken Küfa genannt". Ähnlich ibn Faqih 162: "al-
erinnerte mich an eine allererste Erfahrung im küfän al-istidära". Ein ähnlicher Fall, wie die
Orient: Wir waren im Sept. 1903 vierzehn Tage in Etymologie von al-zaurä'. Nöldeke bemerkt, z. Z.
Damaskus festgehalten, wo Cholera herrschte, und der Gründung von Küfa könne dieser Sinn,
ritten dann gerade durch die Steppe über Palmyra als Übersetzung von 'äqölä, nicht mehr verstanden
nach Mausil. Ich glaube bei Suhna, dessen Land- sein, die Deutung setze ein viel höheres Alter des
schaft durch einen bloßen Strich dargestellt Namens voraus.
4
werden kann: oben Luft, unten Erde, war in der Bei ibn Shihna, dürr, p. 43 und 258. jX-liJ
Unermeßlichkeit des Horizonts an zwei Stöcken Irrtum, wohl für ;Ul:J.
ein 10 m langer Strick ausgespannt, die Quarantäne.
3*
* 20 *

Aber solche Zollstationen lagen nicht an beliebigen Punkten, sondern an großen Verkehrs-
punkten, Straßenkreuzungen, Grenzen. Dair Qunnä, dair al-'äqül, Humeniyya, Askün liegen alle
dicht u m das heutige 'Aziziyya mit seiner Schiffbrücke herum. Auch da gilt das Gesetz der Be-
ständigkeit der Brücken, Märkte, Heiligtümer. Die Straße, die immer in diesem Umkreis den
Tigris kreuzte, ist die große Straße von Babylon über Badrai und Baksai a m F u ß der Berge von
Luristan nach Susa. A m östlichen Brückenkopf dieser Straße m u ß Sittake gelegen haben.
Eine scheinbar einfache Bestimmung von Sittake wäre: es heißt seit hellenistischer Zeit
Apollonia. Nach der Erzählung des möbedh (von Maisän) bei Yäqüt I, 669 hieß Wäsit in vor-
islamischer Zeit ~&ßj\, offenbar pahl. - j y n ^ d. i. Apollonia, zugleich ^Ö1"1DN des Theodor
bar Köne. Also: Sittake gleich Wäsit. Aber so weit nach Süden führen Xenophons Entfernungen
auf keinen Fall. Die Angabe des möbedh ist nur sehr ungefähr richtig.
Muqaddasi, u m 375 H., p. 134, rechnet zwischen al-Madä'in, Slb bani K ü m ä , dair al-'Äqül
und Djardjaräyä je einen Tagesmarsch. M a n rechnete also von Madä'in (Süd) nach dair al-Äqül 2,
nach Djardjaräyä 3, das wäre von der Diyälamündung aus 3 und 4 Tagesmärsche. Xenophon
rechnet auf d e m Westufer von der Mauer bis Sittake 2, auf d e m Ostufer zurück nach Opis am
Physkos 4 Zviärsche. Die 2 Tagemärsche des Hinwegs sind die sicherste Angabe, auch sicherer als
ihre Länge von 8 Parasangen. Dieser Marsch von 4 4 — 6 0 k m bringt ihn in die Gegend von
dair al-'Äqül. Der Tigris hatte sich vor d e m 10. sei. p. Chr. von O nach W , seither wieder von
W nach O bewegt. Der genaue Punkt kann westlicher als heute gelegen haben, aber dort
war immer der Brückenkopf der Straße Babylon-Susa, Sittake. V o n diesem N a m e n birgt vielleicht
Askün eine Spur, Yäqüt II, 643: "Ich habe an der Straße nach Wäsit nahe bei dair al-'Äqül einen
Ort gesehen, der al-Askün, O^CVl hieß". Daher bezweifelt er die Angabe, ein Kloster dieses
Namens läge inHira, und hält es für identisch mit dair al-'Äqül. Shäbushti kennt dair Qunnä
auch unter d e m N a m e n Askün. In Askün kann Sittake stecken. Dies ist eine epichorische Bildung
in -ak oder ein medisches Adjektiv "sitaka von d e m Ethnikon Suti, jünger *Sit-1. Formans und
Vokalwandel sind in diesem Sprachgebiet oft bezeugt. W i e in Ktesiphon, Särifün u. a. kann das
-ün pluralische Endung sein. So könnte m a n *stakön > 'astakön > askün ansetzen2. Von den
Griechen erwähnt zuerst Hekataios, bei Stephanos, Sitake als nofac, IIspcrixT)3: er rechnet in
seinem System von oextat das osttigritanische Gebiet richtig nicht mehr zu Babylonien, auch
nicht zu Medien. Auch für ihn liegt, wie bei Xenophon, Sitake südlich der Diyäla. Apollodoros
von Artemita, bei Strabon X V I , 1, 17 beschreibt die Sitakene als "von Seleukeia aus meist nach
Osten; sie erstreckt sich zwischen Babylon und Susis, so daß der ganze W e g der von Babylon
nach Susa Reisenden durch Sitakene nach Osten geht". Statt den Tigris bei dair al-Äqül zu über-
schreiten und über Badrai nach Baksai und Susa zu gehen, kann m a n auch südlicher bei Küt
al-Amära über den Tigris und von da gleich nach Baksai gehen.
1
u > i, vgl. wamkani > sukäni > sikäni, Ungnad mentarisches --sa-at-tikl, --sat-tikl vor, als sumeri-
Subartu p. 122. scher N a m e der kossaeischen Stadt Dür Kurigalzu
2
VocalVorschlag wie in ' Q T Y S P V N ; st > 5 wie in oder eines Baues in ihr. Streck las Satiki Sattiki,
dastagird > disqartä, Daskara; Khurustäbädh (bei das man sofort mit Sittake verbinden würde. Aber
Yäqüt) > Khursäbäd. Hinfällig, wenn die bei der Anfang des Namens fehlt und das -ki ist als das
Sachau gegebene Nebenform askül die ältere wäre; nachgesetzte Determinativ 'Stadt' zu fassen. Die
aber er hat sie scheinbar aus jüngerer Quelle, Stellen sagen nicht, daß Dür Kurigalzu 'sattiki'
nämlich A m r bar Marl, ed. Gismondi; also n > 1, hieß.
3
vgl. Hoffmann 'Syr. Akt.' n. 523. In einigen von Der Sinn von nepaixöc,, llipaLc, bei Hekataios ist ein
M . Streck in 'Arch. Reise' II 98s angeführten andrer als bei den Schriftstellern der sasanidischen
assyrischen Listen kommt ein paarmal ein frag- Epoche,
* 21 *

Das heutige Badrai und Baksai ist frühislamisch Bädaräyä und Bäkusäyä, aram. beth Deräyi
und beth Kussäye, Sitz der Deräer und Kossäer. Die beiden nur 50 k m von einander entfernten
und oft als Paar genannten Orte gehören zu d e m oben erwähnten ästän Bäzidjän Khusrau1.
Yäqüt I, 477: "Bäkusäyä, a m äußersten Ende der Nahrawäne. M a n sagt, als Qubädh [nach der
Mazdak-Episode, Ende des 5. sei. p. Chr.] in seinen Ländern Ordnung schaffte, verpflanzte er
die Leute; zu denen, die er nach Bädaräyä und Bäkusäyä verpflanzte, gehörten die Masseure und
Schröpfer"2. Beide Orte liegen an der Königstraße nach Susa: Karkük — Djalülä — Mandah" —
Badrai — Baksai — Susa. Ihre N a m e n führen in das höchste Altertum des alten Orients
zurück.
Der große teil 'Aqr 'Burghügel' bei Badrai ist die Stelle des alten Der, das schon in dem selbst
für Sumer prähistorischen Lugalbanda-Zvlythos erscheint und noch bei Ptolemaios Dera heißt.
Es wird 'Stadt von Esnunnak'3 genannt, wobei dieser alte Vorort des Nahrawän-Gebiets wie ein
Landschaftsname dient, genau in der Ausdehnung des sasanidischen ästän. Andrerseits heißt es
'Grenzfestung gegen Elam', eine Rolle, die es z. B. in dem Freibrief Nebukadnezars I für Ritti-
Marduk spielt, und die in seiner Lage an der natürlichen Straße nach Susa begründet ist. Der
Kyros-Zylinder nennt Deri neben Esnunnak, Zumban, Me-Turnu und Gutium zwischen Assur,
Susa und Akkad.
Bäkusäyä ist der Babylon nächstliegende Ort des Kossäerlandes. Die Babylonier und Assyrer
gebrauchen die Form Kassu, d. i. kas- mit akkad. Flexion. Auf den Karkük-Tafeln erscheint die
subaräische Aussprache kussu.hai, mit d e m epichorischen -h Suffix, das z. B. in Xenophons
KapSoüxof- vorliegt4. Bei den Griechen gibt es die Formen Kiaaioi und Koooc/.Zoi5. Hekataios
führt die Kissioi an der letzten Strecke der Königsstraße auf: "Von Sardis durch Lydien und
Phrygien 20 Stationen, 94V2 par.; durch Kappadokien 28 st., 104 par.; durch MOCTWJVT] [für Medien]
[3]4 st., [137 par.]; durch die KICTCRT] x^P7) JI st-> 4 2 V2 Par- z u m Choaspes, an dem Susa liegt".
42V2 par. sind 236 k m ; von Baksai nach Susa sind 243 km. — Die Straße verlief von Baksai hinter
d e m Djabal Hamrin durch Mussiän, das Kossäerland eben schneidend. Dies erstreckte sich
dahinter in die Täler des Karkhä-Saimara und Kashghänrüd, der wohl den alten N a m e n bewahrt.
Die mittelalterlichen Teilnamen des Kossäerlandes, Mäsabadhän und Mihrdjänqadhaq, stammen
erst aus achämenidischer und sasanidischerZeit. Mäsabadhän von ap. *mäisWapati 'mihmändär,
Gastempfänger'. Dort wuchs der berühmte mäsabadhi-Wein, schon bei Nebukadnezar als Wein
von bit Kubatti und bit Kilamzah gerühmt. — Mihragän-kadhak, syr. beth Mihraqäyä, ist ein adj.
in -ak, neben d e m patron. in -an, des Namens des 'Hauses Mihrän', Herren von Raga-Räy, die
dort im 5. sei. p. Chr. Statthalter waren. Das Bistum beth Mihraqäye k o m m t von 420—585 vor.
Beide Landschaften wurden mit beth Deräye und beth Kussäye zuerst von Pethion missioniert,
der 447 auf der 'aqabat Hulwän den Zvlärtyrertod starb. Damals war Shahren "aus d e m Samen und
1
bäzidjän wohl gleich aram. wäziq, aus m p . bäzigMitanni-Urkunden: Hattu.ha, HurruM, wohl auch
'Zöllner'. in den vielen mannaeischen Namen auf -ah. Im
2
al-hadjdjäm, vgl.unten Täq al-hadjdjäm für Täq i Westen findet es sich im Etruskischen.
Girrä. Ihr Zusammenhang ist in den Artikeln bei Pauly-
3
Heute Khaffädji: Während ich 1916 die topo- Wissowa nicht erkannt. Eine vollkommene Analo-
graphischen Aufnahmen machte und sonst, habe gie sind die verschiedenen Namen der Kurden,
ich nur khaffädji gehört, wie J. F. Jones, Sidney KapSoö/01, Küp-Ttoi, Gordyaei usw., alle Varianten
Smith u. a., nie Khafaja, den von der Expedition veranlaßt dadurch, daß sie den Griechen durch
des Oriental Institute von Chicago eingeführten verschiedene Sprachen vermittelt sind, vgl. Driver,
Namen. JRAS 1923, 393—403 'The name Kurd in its
* Das armen. Suffix -uk' stammt aus dem urartaei- philological connexions'.
schen Boden der Sprache und findet sich in den
* 22 *

Geschlecht des großen Hauses Mihrän Statthalter des fernen Landes beth Deräye und beth
Kussäye", und sein unter d e m N a m e n Säbhä getaufter Sohn führte das W e r k des Pethion fort.
In den Unterschriften der Synoden k o m m t beth Deräye von 420 bis 790 vor, beth Kussäye
nur in 545 als Herkunftsname eines Christen.
Das Kossäerland ist durchaus kein unbestimmtes Gebiet. W e n n Alexander auf d e m Rück-
marsch von Agbatana nach Babylon — siehe unten p. 39 s — die Kossäer unterwarf, so zog er
etwas südlicher als auf seinem Hinwege, etwa über Nihäwand-NicpaüavoV. [daher die Kenntnis
dieses altiranischen N a m e n s bei Eratosthenes], Burüdjird-Orudicarta (arsak.), Khurramäbäd-
Shäpürkhväst (sasan.), Badrai und Baksai nach Sittake.
Die westlichen Nachbarn der Kossäer waren die Leute von Sittakene, die amel Sute sab seri,
Leute der Steppe, Nomaden, in Urkunden nach-kossäischer und assyrischer Zeit. Die Samas-
Tafel von Sippar nennt sie nakru limnu Sutu sa surbu hitasun "den bösen Feind, den Sutu, deren
Sünde groß ist". Ebenso räuberisch schildern die Griechen vor und nach Alexander diese Stämme.
Strabon X I , 13, 6: "Groß-Medien grenzt im Süden an die Apolloniatis, die die Alten, 0! TOXÖCIOI
[wie Hekataios, Xenophon] Sitakene nannten, weiter an den Zagros und an die Maao-aßocnxY)
[ap. *mäisdrapatika, arab. Mäsabadhän], die zu Media, nach andren zu Elam gehört". Dazu
X V , 3,12: "Der Susis ist von Babylonien die früher Sitakene, später Apolloniatis genannte Land-
schaft benachbart". Daraus macht Plinius N. H. VI, 132: "inter has gentes [Chalonitis, Persis]
atque Mesenen [Maisän] Sittacene est, eadem Arbelitis1 et Palaestine [i. e. niXai Stine] dicta".
W e n n Plinius noch bemerkt "Sittace, Vorort der Sittacene, ist eine griechische Stadt", kann das
höchstens "eine mit griechischer Verfassung" bedeuten, wie sie viele Städte Babyloniens zur
Seleukidenzeit hatten.
Strabons Beschreibung der Grenzen ist klar und richtig: Groß-Medien reichte im Westen bis
an den Tigris und die Diyäla. Die inneren Grenzen waren naturgemäß nie gut bekannt. Die bei
Strabon mit Apolloniatis identische Sittakene ist bei Plinius, wie auch bei Isidoros Char. (siehe
unten) von Medien getrennt. Aus Harsln, südl. Bistün, westl. Nihawand, stammt eine sasanidische
bulla2 mit d e m Siegel "Magieramt von 'LP'N [oderHLP'N] [Kreis] Erän-äsän-karkavät". Der
Ortsname ist alßän, Hulwän; der Kreisname ist aber der der Stadt Karkhä dh Lädhan, a m
Karkhäb nahe nördlich von Susa: der Verwaltungsbezirk dieses südlichsten Ortes von Luristan
erstreckte sich also damals so weit wie Hulwän nach Norden.
Bei Polybios V, 5 erreicht Antiochos in 221 a. Chr., Feldzug gegen Molon, Apollonia(tis) von
Libban-Assur aus durch das Gebiet von Samarra in 8 Tagen. Der Abstand ist rd. 250 km. —
Ptolemaios setzt die Landschaft Sittakene neben Susiana, als Teil von Assyria; die Stadt Sittake
setzt er richtig südlich, aber zu weit östlich an, und trennt diese beiden alten N a m e n falsch von
den aus jüngerer Quelle stammenden Apollonia und Apolloniatis. D a er die Identität nicht
kennt, bringt er Apolloniatis "Zwischen den Garamaioi [Karkük] und Sittakene" unter. Der
N a m e Apollonia k o m m t noch bei Yäqüt als ehemals üj^sl vor.

OPIS
Wie Sitake der Brückenkopf der Susa-Straße, so war Opis der der Agbatana-Straße. Sämtliche
keilschriftlichen und griechischen Nachrichten bestätigen diese Lage.
1
Lies Apolloniatis, die sonst bei Plinius ganz fehlen normalem ^i-Tooavy;. G. Hüsing wollte nach
würde. Palaestine erscheint auch bei Dio Cassius Plinius eine wirkliche Nebenform *Sitine ansetzen»
L X X V , 13, w o Severus nach der Belagerung von aber wahrscheinlich sind es nur Lesefehler.
Seleucia dahin kommt. Bei Diodor XVII, n<>, 4 - Transact. Intern. Numism. Congr. London 1936,
kommen die Lesarten ^''TT«V, SITTÄ vor, neben p. 420, fig. 16.
* 23 *

Heute spricht m a n v o m Tigris als "bis Baghdad schiffbar", in alter Zeit sagte m a n "bis Opis
und Seleucia". In beiden Fällen meint m a n kein absolutes Ende, sondern den nördlichsten Hafen.
Das natürliche Hindernis liegt im heutigen Tigris bei den Qanätir a m Qätül südlich von Samarra,
im Tigris des frühen Mittelalters bei den abwäb 'Toren' von dair al-'Alth, die Shäbushti schildert.
A n beiden Stellen tritt der Strom mit einem kleinen Fall aus d e m oberen tertiären in das alluviale
Land des Sawäd ein. Die Kante des steinigen Untergrunds ist das Hindernis.
Arrian VII, 7, 6 gleich Strabon X V I , 1, 9: "Der Tigris ist schiffbar bis herauf nach Opis und
d e m jetzigen Seleukeia1, der Euphrat bis Babylon, beide Flüsse über 3000 Stad. (555 k m ) " ,
Dazu: "Opis ist der Markt für die ganze Umgebung". Die Zahlen beruhen auf Messungen der
Flotte Alexanders, die beide Flüsse befahren hatte. Eratosthenes gebrauchte 'über 3000' als runde
Zahl, weil er von beiden Flüssen sprach. Nearch und Onesikritos, die Admirale, gaben genauer
3300 Stad. von Diridotis-Teredon bis Babylon, danach Juba bei Plinius 412 m p . — Auch für
Opis ist 3300 Stad. als ursprüngliche Zahl anzusetzen, d. i. 110 Fars. — Die Araber geben, bei der
Vermessung des Träq:
'Abbadän, a m Meer, bis "Ukbarä u. al-'Alth, Nordpunkt 125 Fars.
minus Madä'in—'Ukbarä 16 Fars.
also 'Abbadän — Madä'in, w o Opis gewesen sein m u ß . 109 Fars.
Bei diesen Fahrten der Flotte wurden die Schiffahrts- und Bewässerungsverhältnisse studiert, zum
Teil von Alexander selbst, und große Verbesserungen geplant. In X V I , 1, 11 nennt Strabon
Aristobulos, die wahrscheinliche Quelle dieser Nachricht. D a ß dabei die xaxappaxxai, die Stau-
d ä m m e mit Schleusen, für eine Verteidigungsanlage angesehen werden, ist ein Irrtum des
Berichterstatters. Die Arbeiten a m Tigris waren erfolgreich, dagegen scheint die Pallakottas-
Regulierung kein Erfolg gewesen zu sein, denn Seleukeia, das ambitiosum opus Nicanoris (Ammian
XXIII, 6, 23) wird a m Tigris gegründet und Babylon verfällt. Winckler sah richtig, daß die
angebliche Absicht, Babylon zu entvölkern, der Wahrheit widerspricht und so naiv ist, wie die
Bemerkung über die Katarrhakte2.
Die Stellen Herodot I, 189 und V, 52 [Königstraße, Hekataios] über den Gyndes, hatte schon
G. Rawlinson richtig erklärt: "The Tigris, after receiving the Gyndes, flows by the city of Opis".
Daran schließt Herodot die Legende des Khälis: die Zerteilung des Flusses in 360 Kanäle, zur
Strafe für das Ertrinken eines der d e m Mithra heiligen, weißen Rosse des Kyros. So sagt Yäqüt
IV, 846 v o m nähr al-malik : " m a n sagt, er versorgte das Gebiet von 360 Dörfern, nach der Zahl
der Tage im Jahr". Oder Diodor II, 7, 3 über die Mauern von Babylon, nach Ktesias und Klei-
tarchos: "360 bezw. 365 Stad. lang", und "Semiramis hatte absichtlich diese Zahl gewählt, weil
das Jahr soviel Tage hat". Dies stammt aus Ktesias bei Diodor II, 8, 1: "Semiramis teilte jedem
ihrer Liebhaber 1 Stadium zu bauen zu, mit allen dazu nötigen Materialien und befahl, die Arbeit
in 1 Jahr zu vollenden". D e n mythischen Zahlen gegenüber ist die Organisation der Arbeit
durchaus geschichtlich. Ibn Shaddäd, bei ibn Shihna, dürr 33 u. 39: "Als Zähir Ghäzi in 592 H
beschloß, die neuen Mauertürme zu bauen [in Aleppo], wies er jedem seiner Emire die Verwaltung
eines Turmes zu, bis zur Beendung der Arbeiten, und ließ ihren N a m e n auf diese T ü r m e setzen".
Ibn Shihna: "Das war ihre Sitte. Als m a n die Mauer wiederherstellte, hatte mein Herr Vater
die Verwaltung des Baus des bäb al-Maqäm und des bäb al-Qanät und setzte seinen N a m e n auf
1 motiv daher sehr beliebt: man denke an die Zer-
Winckler richtig: "Völlig klar ausgesprochen, daß
Seleukeia die Stelle des alten Opis einnimmt". störung des Täq i Kisrä. Nach dem nuzhat zer-
Beide sich gegenüber am Strom. störte Alexander die alte Brücke von Ktesiphon,
2
Bei den muhammedanischen Persern ist das Sagen- weil sie ein Wunderwerk der Perser war.
* 24 *

diese zwei Tore". Und pp. 140s, Wiederherstellung der großen Hailän-Wasserleitung: i. J.
605 H.: "Zähir Ghäzi ließ seine Emire k o m m e n , die ihre Zelte an dem Aquaeduct entlang auf-
schlugen, und wies jedem eine Strecke zu, mit den nötigen Technikern und Arbeitern". Das
ist fast wörtlich Ktesias, nur 2000 Jahre später.
Die Legende bezeichnet einen genau bestimmten Punkt, den Durchbruch der Diyäla durch
das enge Felsentor des Hamrin bei Mansüriyyat al-djabal. Die maräsid 1,195 geben dem auch bei
Yäqüt 1,813 geschilderten Ort den N a m e n Bädjabbära 'Riesenhausen'1. George Keppel besuchte
ihn und schreibt: " W e were rather astonished to hear the Arabs relate the well known tradition
of Herodotus that one of the horses dedicated to the sun having been lost in the river, Cyrus
vowed he would make it so contemtible a stream that a lady should be able to pass over it
without wetting her tunic"2. Die Karte des Ortes findet sich bei Willcocks no. 16.
Die Sage ist der mythische Ausdruck für etwas, was Kyros mit den Kanälen tat, gegen die
Überschwemmung vor der Nebukadnezar-Mauer. Er k o m m t in 539 von Medien (Gutium) am
Gyndes herab nach Opis, nimmt diese Stadt und dann Sippar und Babylon. Nabunä'id-Chronik
III, 11—15: "Im Monat tammüz, als Kyros bei Upe d e m Fleer von Akkad eine Schlacht lieferte,
besiegte er die Leute von Akkad ..., a m i4ten wurde Sippar genommen, ohne Kampf; Nabu-
nä'id floh. A m 16. zogen Ugbaru [Gobryas], der Statthalter von Gutium [Medien], und die
Krieger des Kyros ohne K a m p f in Babylon ein. Bis z u m Ende des Monats machten die Schild-
wachen von Gutium die Runde u m die Tore von Esakkil [Haupttempel von Babylon]; keines
Mamies Lanze wurde in Esakkil abgestellt, und kein simänu, Feldzeichen, zog darin ein". Der
letzte Satz bedeutet: die medische Garnison unter Gobryas' Befehl übernimmt sofort den Schutz
des Heiligtums, ohne es zu betreten oder durch Niedersetzen ihrer Waffen und Feldzeichen,
drafsa, zu entweihen.
Gutium ist der N a m e des Volks, das in der Mitte des III. Jahrtausends der Dynastie von Akkad
ein Ende bereitete und die Dynastie von Gutium, bei Berossos 'der Meder' aufrichtete. In der
Nabunä'id-Chronik ist der N a m e als historischer für Medien gebraucht. Das ist geschichtlich
richtig. Der N a m e Gyndes scheint auf Hekataios als einzige Quelle zurückzugehen, und da er
zur legendären Geschichte des Kyros gehört, aus der iranischen Husravah Sage zu stammen,
vielleicht zu verbinden mit iran. vinadis. Ein griechisches panegyrisches Gedicht aus Susa,
datiert 213 Sei. = 98 a. Chr., rühmt den Stratiarchen Zamaspes, die Ländereien von rovSeio-ou
wieder bewässert zu haben, die lange wüst lagen3). Gundeshapur Veh. Andew. Shähphur
kann dieser N a m e nicht sein.
O b die große Straße den Tigris bei Opis auf einer Brücke überschritt, weiß m a n nicht. Xeno-
phon erwähnt nur die kurze Brücke, auf der er über den Physkos ging. Babylon hatte eine ge-
mauerte Brücke über den Euphrat, und deren Typus lebt noch in der Harbabrücke des Mustansir
1
So heißen auch die assyr. Stauwerke des Khösar bei behalten und rief es in eine Quelle. Aus der Quelle
Ninive, Yäqüt I, 452. Die semitische Vorstellung wuchsen zwei Rohre, und wenn der Wind wehte,
der Alten als Riesen, in Genesis bezeugt (gibbörim),rief es in den Rohren: Iskandar du shäkh därad,
dringt durch Mani's 'Buch der Riesen' auch in die Alexander hat zwei Hörner! D a erfuhr es die
iranische Welt ein, w o das Wort ganbärä, gigas, ganze Welt". In diesem merkwürdigen Beispiel
djabbär für altes kavi > kai eintritt. unlitcrarischer Sagenverbreitung mischt sich Midas
2
'Personal Narrative' I, 283. — Im August 1913 er- mit dhu 1-qarnain, dazu M u h a m m a d s Barbier
zählte mir ein Kurde an einer Quelle zwischen Salmän Päk. Vgl. Der Islam VI, 4, 325 'Alongoa';
Kirmänshähän und Sahna: "Iskandar hatte zwei die hier gegebene Version ist nach dem Tagebuch,
Hörner. Niemand wußte es, außer Salmän, seinem das ich damals im Felde nicht bei mir hatte.
Barbier. Der durfte es bei Todesstrafe nicht ver- :'F. Cumont, C R A I 1931, 238—250, Inscriptions
raten. Aber er konnte das Geheimnis nicht bei sich de Suse, und Mein. Miss. Arch Perse X X , 1928.
Tafel II

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* 25 *

fort. — Später lag nach ibn Rusta eine gemauerte Brücke etwas unterhalb von al-Madä'in bei
Qibäb Humaid. Nach H a m z a 31 hatte es im Altertum eine d e m Djamshid zugeschriebene Stein-
brücke, qantara, in al-Madä'in gegeben, deren Reste ein Verkehrshindernis bildeten: nach d e m
nuzhat hätte Alexander sie als Wunderwerk der Perser zerstört; Istakhrl bemerkt, daß sie jeden-
falls nicht mehr existiere.
Die Geschichtsschreiber des Herakleios erwähnen eine Schiffbrücke1. Der Talmud nennt
mehrmals die Schiffbrücke gishrä dh Mähözä, außerdem eine gishrä dh shabistän2. D e Goeje wollte
den Ort Shabistän an die M ü n d u n g des nähr Säbus verlegen, Gegend von Küt al-Amära, und
Obermeyer hielt auch die N a m e n für gleich. Aber shabistän ist das cubiculum des Königs, Ort
für die nächtlichen Empfänge und Harem. Das bekannteste shabistän ist gerade das von Ktesi-
phon. Das pandnämag des Buzurgmihr beginnt: "Ich, Buzurgmihr S. d. Bökhtag, hargupet
(Wezir),sapistän e Veh-Andev-Xusrau darikpet, Oberkämmerling (oder gleich andarikpet 'Groß-
eunuch') des shabistän von Antiocheia-Khusrau". Nach d e m Mät. Catr. ist er der große Schach-
meister und 'Aristoteles' (Tätalitüs) Khusrau's I. Die Stadt ist die von den Arabern Rümiyya
genannte auf d e m Ostufer, die Khusrau I für die Kriegsgefangenen von Antiocheia gebaut hatte.
Die gishrä dh shabistän gehört danach nach Ktesiphon und kann mit der Brücke von Mähözä
identisch oder eine zweite sein.
In älterer Zeit wird dagegen eine Fähre erwähnt, in einem Brief des Statthalters von Assur an
Sargon II3: ein d e m Statthalter von Arrapha gehöriges Schiff dient als Fährboot in Upi. Arrapha
ist Karkük 4 . Das Boot kann im Norden auf d e m unteren Zäb oder im Süden über den A b i
Shirwän herabgebracht sein, aber nicht den 'Adaim hinab, der bei Hochwasser ebensowenig
schiffbar ist, wie in den Monaten w o er trocken liegt.
In der altbekannten Inschrift Sanherib's ist Opis der Punkt, w o m a n Kähne, die von Assyrien
den Tigris herabgebracht sind, aufs Trockne setzte, u m sie über Land z u m Arahtu von Babylon
zu schaffen. Damals m u ß der när sarri für Sanherib nicht benutzbar gewesen sein.
In den sumerischen und akkadischen Urkunden wird der N a m e der Stadt U H k l geschrieben
und als aksak oder als u-pi-i, u-pi-e, u-pi-ia erläutert. Aksak, mit d e m charakteristischen -ak, ist
der uralte N a m e ; Nebukadnezar und Nabunä'id verwenden ihn archaisierend. V o n Beginn der
Geschichte bis zu Eannatum von Lagash hatte Aksak eine eigene Dynastie. Der sitakenische
Unterweltsgott Nergal herrschte in dieser Stadt an der M ü n d u n g der Diyäla, wie in Nawar, Namri,
den Bergen, w o sie entspringt. Sargali-sarri von Akkad besiegte ein elamisches Heer bei Aksak.
D a n n tritt U H k l erst wieder in der späten Kossäer-Zeit auf, als Handelsstadt, bis zu der die
Schiffahrt ging — gerade Matrosen von Upi werden erwähnt. I m Westen war es durch den när
sarri mit Sippar a m Euphrat verbunden, im Osten durch die größte Karawanenstraße Asiens mit
der Heimat der Kossäer und d e m kaspischen Hinterland. Diese Straße hatte zwei Zweige, über
Khäniqln und Hulwän, oder aber über Mandall, die sich beide hinter d e m T ä q i Girrä Paß
treffen. Der Zweig über Mandall ist auf der Tabula Peutingeriana verzeichnet: Seleucia ix
[Rache xi] Rutarata xx Berdanna. Seleucia für Opis. Rutarata > *(Ba)rataruta = Bocpaap<o&,
Baräzröz, Baladrüz; Berdanna [mit N N statt N I K , alt Urdalika] = Vandamg > Mandall
(vgl. p. 42,1).
1
Theophanes, B o n n 496: TTspacrä? T V TtovToy^upav 'Landschaft Babylonien', Frankfurt 1929, 64s;
TOC TiyptSo? TTOToqxou de, TT]V sxsi&ev TCOXIV, T7)V de Goeje in ZDMG 39, 14.
3
Xsyouiv7]v EsXsiixsiav itap' ^ ö v , Träpä Ss Ilspaous Nach St. Langson bei W . H . Lane 1. c. p. xxiii, nach
TousSstrYip. Johnston 'Epistolary Literature of the Assyrians
2
Vgl. A. Berliner, 'Beitr. z. Geogr. u. Ethnol. Baby- and Babylonians' n. 18.
loniens im Talmud', Berlin 1884, 295 Neubauer, ' Die dokumentarische Identifizierung bei Gadd,
'Geogr. duTalmoud', Paris 1868,337; Obermeyer, Rev. d'Ass. XXIII, 64s und 85.
* 26 *

BAGHDAD
Einige Stellen verbinden Opis mit Baghdad. Nach d e m kudurru des Nazimaruttas, Ende des
14. sei. a. Chr.1, lag ein Dorf Karü a m Ufer des när sarri, zu Upi, und ein Dorf Pilarü a m
selben Kanal zu Hu/Bag-da-di gehörig. Also lagen sich beide Dörfer nahe der M ü n d u n g des
Kanals in den Tigris gegenüber. Yäqüt I, 867: "Teil Duhaim, von den Dörfern des nähr al-
malik, v o m Bezirk Baghdad" klingt wie eine Übersetzung der kudurru-Stelle. Heute könnte
genau so ein Landstück beim Teil 'Umar zu West-Baghdad, ein ihm gegenüberliegendes zu
Salmän Päk gehören.
Der kudurru des Mardukapaliddin I, Anfang 12. sei.2, enthält einen Prozeß u m ein Landstück
im Gebiet der Stadt Saknanä a m Ufer des när sarri im Kreis Bag-da-du, das der Vorgänger,
Melisipak II als Lehen vergeben hatte; der frühere Statthalter von Bag-da-du, Kidin Ninurta
und sein Nachfolger mit dem bezeichnenden N a m e n Sir-Sumiddin werden als Zeugen gerufen.
Bei Ktesiphon wurde u m 1800 der sog. caillou Michaux gefunden3, ein kudurru, auf dem
Sir-usur, der mär Habban, die Mitgift seiner Tochter Dür-Sarrukenaiti festsetzt, die nach 1140
a. Chr. den Täb-asäb-Marduk, Statthalter von Halwan unter Nebukadnezar I und Wezlr,
sukallu, unter Zvlarduk-nädinahe (um 1115), heiratete. Sie erhält 20 gur Ackerland v o m ugäru4
der Stadt KärNabü5 a m Königskanal, ME.KAL.KAL im Landkreis der Stadt Hu/Bag-da-da.
Sir-usur ist seinem N a m e n nach ein Verehrer des Schlangengottes Siru, des 'Erben der Königin
von Der', Innana. Daher schwört der Bräutigam bei "den großen Göttern und d e m Gott Siru".
Dieser ist als In Susinak der große Gott von Susa. — Als mär Habban ist Sir-usur kossäischer
ianzu, König des Landes bit Habban. Nach d e m Freibrief Nebukadnezar's I an Ritti Marduk
waren die märe Habban zugleich erbliche Statthalter von Nawar. Dies ist das Land von der
'aqabat Hulwän über Kirind bis Mäidasht; bit Habban sind die Ebenen von Mäidasht über
Kirmänshähän und Bistün bis Sahna. Obwohl der N a m e Habban, auch Hanban, Hamban, später
Kampanda 6 aramäisch klingt, ist er epichorisch, kaspisch und gehört zu elam. H u m b a n > U m -
man, koss. A m m a n 7 . Der Schwiegersohn war also der westliche Nachbar des Schwiegervaters.
1
P. Scheil, MDP II, col. II, 2: pi-la-ri-i, 17: ka-ri-e mäßig, vgl. ass. (Sargon) Ambanda > Kamindän >
2
P. Scheil MDP VI, pls. 9—10. Kumm.
3
I. Rawl. 70; Oppert-Menant, 'Doc. jurid. de 7 u: a wie in kussu : kassu, Hurbat: Harbat; Muxoi:
l'Assyrie et de la Chalde'e', 1877. [MakaJ Siru ist akk. Lesung, das ideogr. ist MU!S.
' Die akk.terminiugöru und pihätu scheinen ungefähr In dem koss. N a m e n ist wahrscheinlich sahan zu
ar. nähiya, pers. tassüdj, und ahäza, pers. ästän zu lesen, vgl. Thureau-Dangin, Lettres et eontrats
entsprechen. Hilprecht: 'Communal-Land'. p. 67 und R A . X, 1905, 97 f; Ungnad, Dilbat 135.
5
Von der aram. Form des nicht vereinzelten Namens Der Gott hatte einen Tempel auf der Burg von
KärNabü kommt ar. Karnabä, bei Ahwäz, nach Der und einen 'im Fluß', wie auch der Wetter-
Yäqüt II, 623, IV, 268 auch in den Aghäni. Nach gott von Susa, dessen Kult sich im Heiligtum des
ibn al-Kalbi, dem Genealogen, war Karnabä ein Nabi Daniel fortsetzt. Vgl. auch den Annubanini
Sohn des Küthä (personifizierte Ortsnamen). In der Inschriften von Sarpul-Hulwän. Der Land-
der Gegend von Opis läßt sich der N a m e später schaftsname lebt heute nicht mehr. Gelegentlich
nicht nachweisen. Möglich daß Karbalä mit wird ein Irrtum Rawlinson's wiederholt, Kampanda
Metathese derselbe N a m e ist, vgl. Baräniq: Ba- sei heute Camäbädhän, N a m e der Ebene von Bistün:
näriq. Unweit von Aleppo gibt es Qaranbiyä, dies ist vielmehr Kürzung des im nuzhat genannten
Qarnabiyä, wo der von Tutush ermordete Aqson- "Sultänäbäd-C'amcamö/ [> Öameamäläbäd] ein
qor, Vater des Zengi, begraben war, ibn Shaddäd Hauptort, . . . a m Fuße des Bistün-Berges gelegen;
bei ibn Shihna, dürr. 109s. Oldjaitu Sultan b. Arghun Khan Moghul hat es
6
In der Beh. Inschrift, epich. Habban > ir. kampanda gebaut". Auch in seiner Route Hamadän-Kirmäns-
wie assyr. qubbatu > ir. gumbadh (dagegen ar. hähän anstelle von Bistün. Danach auch im Sharaf-
qubba); die Verstärkung des Anlauts ist regel- näma, trad. Charmoy I, i 83 und bei Hadjdji
Khalfa, Djihännumä 450.
* 27 *

Die Tochter heißt nach der Stadt Dür-äarrukenu, jedenfalls ihrem Geburtsort, die noch viel
westlicher lag, nahe bei KärNabü, ihrem Besitz. Sutruk Nahhunte von Elam setzt u m 1170
a. Chr. nach seinem Sieg über die Kossäer seinen Sohn Kutir Nahhunte — der in Elam nicht sein
Erbe ist — auf den Thron von Babylon. Er kam von Karintas-Kirind, von w o er eine Stele des
Kossäerkönigs Melisipak II nach Susa schleppte, die große Königstraße herab und eroberte Upi,
D ü r Sarruken, D ü r Kurigalzu und Sippar, dann Babylon. Die Lage ist wie z. Z. des Kyros. Die-
selben Orte werden nochmals als tributzahlende genannt. Als dann Nebukadnezar I mit Ritti-
Marduk den Huteludus-Insusinak von Elam besiegte, baute er — für einen vorher aus Elam bei ihm
Zuflucht genommen habenden Priester des elam. Ria — einen besonderen Tempel, welchem Land
von Upi und Dür Sarruken als waqf gegeben wird1. Upi, Dür Sarruken und Bagdadu liegen also
zusammen wie Teil 'Umar, Teil M u h a m m a d und Baghdad. Indem sog. "Itinerar des Sarrukenu
sar kissatim" heißt die Stadt einfach Sarrukenu, und ist der nordwestliche Grenzpunkt der
Sittakene. Danach scheint der Teil M u h a m m a d 2 eben Dür Sarrukenu zu sein. U n d der Ort
Hu/Bag-da-du ist sachlich gleich Baghdad.
W e n n m a n sich gegen die Lesung Bagdada sträubte, so geschah das, wie Th. Nöldeke in
seiner Besprechung von Delitzsch' 'Paradies' ZDMG 1882, 11 ausführte — angenommen z. B.
von Hilprecht "Baghdad ist ein persischer N a m e " — weil m a n Baghdad aus iran. bagadäta
ableitete. Dabei war m a n sich noch nicht klar, daß der Ortsname viel zu alt ist, u m mit diesem
iran. Personennamen verbunden zu werden. Dieser medische Personenname heißt "vom baga
(Mithra) gegeben", syn. v. Mithradates. Er erscheint z. B. als Bagdattu (assyr.) u m 715; auf
Schriftstücken von Muräsu & Söhne aus Nippur u m 420 a. Chr. als dba-ga--da-a-ta- (Ortho-
graphie der Achämenidenzeit), und auf einer Kontrakttafel v. J. 364 a. Chr.3 dBa-ga-da-du
geschrieben.
Der N a m e Baghdad ist älter als die Gründung des Mansür in 145 H. D a ß vorher vorhandene
Dörfer in d e m riesigen Stadtgebiet aufgingen, versteht sich von selbst. Schon i. J. 13 H. plündern
die ersten Muslime unter al-Muthannä den süq Baghdad 'Baghdad-Markt', Balädhurl 286, der
später al-süq al-'atiq 'Altmarkt' oder süq al-'atiqa 'Altstadt-Markt' hieß. Nach Ya'qübl 235 war
Baghdad zur Zeit der Sasaniden ein Dorf des tassüdj Bädürayä, mit einem Kloster a m Qarn
al-Sarät, der M ü n d u n g dieses Kanals in den Tigris, genannt dair al-'atiq das 'alte Kloster', bei
ibn Tiqtaqä 190 dair al-Rüm, das noch zu Yäqüt's Zeit bestand und Sitz des nestorianischen
Katholikos war. Auch ein Judenviertel war dort, später Sitz des res gälüthäi. Nach Yäqüt III,
197 u. 613 hieß dies in die mahalla al-'atiqa aufgehende Dorf Sünäyä5, berühmt durch die nach
ihm genannten schwarzen Trauben. Es hatte ein Heiligtum des 'AU b. abi Tälib, zu Yäqüt's Zeit
schon verfallen. Dies Baghdad-Sünäyä wird vorausgesetzt in der Erzählung Yäqüt I, 680, w o
al-Mansür vor der Gründung von Baghdad den dihqän u m Rat fragt und dieser ihm die Vorzüge
der Lage treffend erklärt. D a heißt es, daß dies Dorf Baghdad später durch die murabba'at, d. i.
quadrangulum, Marktplatz, des abi l-cAbbäs bezeichnet wurde6. Yäqüt I, 532 spricht auch von
1
L. W . King, 'Boundary Stones', kudurru n». 24. vater J, {J i m N a m e n s e m e r Mutter> er w a r
2
Siehe 'Arch. Reise' II, 95 und Tran in the Ancient
East' 122. — [man erwartet: <! 'meinem mütterlichen Groß-
3
Schon beiOppert und Menant,'Doc. Jurid.'nü.284. vater' oder 'sie war'] — aus der sj^h'-^. genannten
4
Obermeyer 179SS: XPTiy Xplt^Ü 'amC d e m Alt- dihqän-F amilie". abu l-'Abbäs b. al-Fac.ll b. Su-
markt'. laimän al-Tösi stammte aus Abeward; in der
5
Uv-, aber bei ibn al-Faqih 125 U,,~. obigen nisba m u ß also dieser Ortsname stecken:
6
al-Khatib: "abu Dja'far M u h a m m a d b. Müsä b. ^ j j J • Er war ein M a n n aus der Umgebung des
al-Furät, der Schreiber, sagte: das Dorf, das auf der Mansür.
murabba'at abi l-'Abbäs lag, gehörte meinem Groß-
* 28 *

einem alten Ort Baräthä [aus aram. bäraithä] westlich außerhalb der Großstadt und nahe bei
Muhawwil, oberhalb dessen sich nähr 'Isä und Sarät trennten. Dort soll cAli auf d e m Zug nach
d e m Nahrawän gebetet und in d e m hammam des Dorfes gebadet haben. (An diese Erzählung
knüpfen sich dann Wundergeschichten). "Andre aber sagen nein, das Bad, in das er ging, lag in
al-'atiqa".
al-Khatib al-Baghdädi1 gibt ausführlich die Geschichte der Moschee von Baräthä: nachdem
al-Muqtadir die schiitischen Versammlungen dort verboten hatte, machte al-Rädl daraus eine
sunnitische Moschee in 328 H.; als dann al-Tä'i' sie zu einer 'Freitags-Moschee' machte, mußte
erst ein juristisches fatwa feststellen, daß der Ort nicht mehr z u m Weichbild von Baghdad ge-
hörte: innerhalb gelegen, wäre eine zweite 'Freitagsmoschee" ungesetzlich gewesen2. Seit 451
wurde diese Moschee verlassen. Die schiitische Legende ist heute an das mashhad al-mintaqa
geknüpft, das deutlich aus einem Bade entstanden ist. Es liegt 2,5 k m N W v o m Nordtor von
Karkh a m W e g e nach Käzimain3. Diese Lage, nur 800 m v o m heutigen Fluß, macht dielndentifi-
kation des mashhad al-mintaqa mit Baräthä unmöglich und erlaubt nur die von Yäqüt gegebene
Alternative: es bezeichnet das Bad von al-'atiqa*. W o die Altstadt Baghdad-Sünäyä lag, ist also
genau bestimmt. Schon u m 300p. Chr. k o m m t die nisba BGDT'H im. Talmud vor, als Herkunft
des rab Hana, von den Kommentatoren mit "der N a m e seiner Stadt war Baghdad" erklärt5.
Nöldeke erhebt keine Einwände gegen diese nisba als solche, sondern hält sie für echt und schließt
daraus nur den iranischen Charakter des Namens: t > 8 als normale Lautentwicklung, ein d sei
unmöglich, also akk. Hudadu, nicht Bagdadu zu lesen. Es liegt ganz anders: die Babylonier
schreiben schon 364 a. Chr. Ba-ga-da-du mit einem bedeutungslosen d, aber noch mit Gottes-
Determinativ und -ga-. U m 300 p. Chr. wurde das ursprüngliche t längst nicht mehr gesprochen,
sondern nur historisch für 8 geschrieben, aber auch invers für nicht aus t hervorgegangenes 8.
Die Shahrh. Er. schreiben später BKD' T oder BGD' T für Baghdädh. V o n einem gesprochenen t
kann bei der talmudischen nisba, auch wenn der N a m e iranisch wäre, keine Rede sein. Entweder
ist es eine rein graphische Sache: die talmudische Schreibung folgt der üblichen Pahlavi-
Schreibung, oder m a n faßte schon damals den alten N a m e n als iranischen auf, mit historischer
Orthographie. Für die Ursprungsfrage besagt die Schreibung nichts, ihre Bedeutung ist allein
das frühe Vorkommen des Ortsnamens, falls sie echt ist.
U m sich gegen das amtliche Madinat al-saläm u. a. von Anfang an halten und durchsetzen zu
können, m u ß der N a m e festgewurzelt und viel gebraucht gewesen sein. Das war kein N a m e
eines unbekannten Persers, und überdies hat er nur Sinn mit süq als 'Baghdad-Markt', wie z. Z.
des Muthannä, oder wie Strabon von Opis sagt "es war der Markt für die ganze Gegend". Ein
Gegenstück ist süq al-Ahwäz, Übersetzung von ir. Xüzistän väzär6. Bei so gebildeten N a m e n
1
Salmon, Tntrod. topogr. ä l'Hist. de Baghdad •' Neubauer 360; Berliner 25; Obermeyer 148.
d'al-Khatib', 148—51. 6
Unter den arabischen Etymologien enthalten nur
2
In Aleppo geht man in 718 H. (djämi' Altynbogha) die von Hamza "Baghdädh < bägh Dädhwaih
und dann in 801 (dj. Utrush) von dieser bis dahin 'Garten desDädöy'" und von Mas'üdi, tanbih 360
geltenden Regel ab. Später wird das allgemein. "ein Kloster dair Adi a m Sarät in West-Baghdädh
'•' Siehe Plan v. Baghdad in 'Arch. Reise' II. mit Garten, bägh, daher Baghdädh" einen richtigen
4
Gegen Massignon's Gleichsetzung mit Baräthä in Gedanken; neben dem Namenselement ist eine
Mem. Inst. Fr. d'Arch. Or. vol. X X X I , 102. Er Ortsbezeichnung unentbehrlich. Aber sprachlich
erwähnt die Alternative nicht, und es klingt wie ist bägh 'Garten' auszuschließen, und in bagh
eine Begründung, wenn er in der Überschrift 'Gott' bleibt in westiranischen Dialekten das gh
schreibt: (Boraithä-al-Mintaqa). Aram. bäraithä nicht bestehen, die alte Form müßte sehr früh
heißt nur 'die äußere'. Vgl. Le Strange, 'Baghdad dahin gekommen und in aramäischem Munde
dur. the East. Caliphate', 152—56. erhalten sein.
* 29 *

kann die Ortsbezeichnung oder der Eigenname schwinden1. Die Märkte sind aber keine Ge-
schäftsunternehmungen von Individuen, sondern — wie im Fall süq al-Ahwäz — von allen U m -
wohnern, von Stämmen. Bagdadu ist kein Personen-, sondern ein Stammname 2 und zwar der
von Tiglathpilesar III. u m 728 a. Chr. in der großen Liste aramäischer Stämme [Nimrüd-Tafel,
Luckenbill I, 788] genannten Bagdadu. Diese Liste enthält 35 aramäische Stammnamen, und
Sargon fügt noch welche hinzu. Einige davon leben bis heute. Gerade das Gebiet östlich des
Tigris war schon früh von Aramäern besetzt, dann auch das nördliche Babylonien zwischen den
Strömen, daher sein N a m e beth Armäye. Der süq Baghdad ist der Markt der dort sitzenden Bagdadu.
Der N a m e ist nicht iranisch, und m a n m u ß auf den Urkunden der Kossäerzeit Bagdadu lesen3.

KTESIPHON
Der N a m e von Ktesiphon ist ein ähnlicher Fall. H . Winckler betonte mit Recht, daß dieser
N a m e weder iranisch noch griechisch, sondern nur in Anlehnung an XTTJCTK; gräzisiert sei. —
In m p . tesfön ar. taisafün ist das k aufgegeben, nur das t, die griechische Zugabe, erhalten4.
Winckler verbindet Ktesiphon mitKäsiphyä bei Ezra 8, 17, von den L X X mit h apyupico TOKOI
paraphrasiert, also nach kaspu: käsäph = Silber, Geld. Die Vokalisierung der Masoreten ist
unverbindlich, und er liest, wie natürlich, Kaspaya, als Übertragung ins palästinensische Ara-
mäisch eines bab.-aram. kaspin, akk. kaspän (i), gesprochen kaspön5. Der Fall liegt einfacher.
Der Zusammenhang bei Ezra ist: "Ich (Ezra) entbot Eli'ezer, Ariel u. a., die Familienhäupter,
rö'sim, . . . und ließ sie hinziehen an die Adresse 'l-yd des Vorstehers rä's in O^pDil J^DDD ".
Der Zweck der Gesandtschaft ist, die in Jerusalem fehlenden Leviten zu holen, von denen viele
geschickt werden. Winckler sagt, mäqöm kann hier nur die Bedeutung 'Kultstätte' haben. V o m
Arabischen her ist mir das selbstverständlich: der maqäm Ibrahim in Mekka, drei in Aleppo,
mehrere in Palästina sind alles Kultstätten mit alttestamentarischem Hintergrund6. Der Aus-
1
süq al-Ahwäz wird Ahwäz, aber in Bidjär (kurdisch, ein ^ vor: 'QTYSPVN. — Ein posthumes Vor-
für bäzär aus väicära, vrddhi v. vlcära) fehlt kommen des Namens:'" Abdalrahmän al- Tufsündji,
heute das Namenselement. In griechischer Wider- enterre ä la fin du 6 siede de l'higire ä TFSVNJ
gabe kann ös/.a&c. allein süq al-thaläthä' 'Dienstags-sur le Tigre; glose: lieu inconnu" bei Massignon
markt' heißen. M I F r A O X X X I , 60. Die Form sieht wie deminu-
2
Eutychios, Annales, ed. Pocock II, 399: "Dann tives tesfönag aus.
5
gründete al-Mansür die Stadt Baghdad, die er Seine Auffassung der aram. Ortsnamen in -in, -ön
madinat al-saläm nannte. Sie wird aber Baghdad ist: "osteuphratensisch -in, assyr. -ina; hebr. -im;
genannt, weil es dort einen Mönch dieses Namens moab. -f(n)?;, -ön im Westen ist altka'n. für akk.
Baghdad gab, dessen Kloster in einer weiten, -äni." Auch gr. ä wird aram. mit e wiedergegeben.
schönen Gegend stand; da dieser Ort dem abu Vgl. dazu Delitzsch, 'Paradies' 275 über Megiddö:
Dja'far gefiel, gründete er dort eine Stadt, die nach Megiddön, Aleppö, Halwän etc. und Yäqüt III,
dem N a m e n des Mönches Baghdad genannt 385, s. v. Särifün über die gegensätzlichen An-
wurde". Das illustriert, wie der Vorgang sicher sichten der arab. Grammatiker über diese Bil-
nicht war. dungen als Plurale oder Singulare.
6
3
Mit F. Delitzsch, 'Paradies', 206; H. Winckler, v. Berchem, MCIA Egypte, p. 115, 2; 205, 1, Jer.
'Käsiphyä-Ktesiphon', Altor. Frschg. II, 512: har. 10; mit Verweis auf Wellhausen, 'Reste arab.
"Bag-da-du, in dem der Michaux-Stein einst Heidentums' 101, "maqäm 'lieu de Station ou de
stand", mit Anm.: "auch Synchron. Gesch. [d. i. sejour', sens plus general 'monument commfmora-
IL Rawl. 65] II, 12 genannt". Gegen Nöldeke und tif elevi en un lieu oü s'est arrete un saint person-
mich selbst in 'Arch. Reise' II, 104. nage'; peut-etre aussi 'lieu de priere, oratoire' de
J
Die Lesart tahsabün bei Tabari I, 919 ist wohl nur qäma 'prier', comme masdjid de sadjada; peut-etre
eine andre Lesung des gleichen Bpahl. Schrift- aussi islamisation d'un sens beaucoup plus ancien,
bildes, indem y als Kurzschreibung für ', h auf- tel que 'pierre dressee', comme mansab de l'hebr.
gefaßt wurde. Die Aramäer schlagen dem gr. Kt- massebäh".
* 30 *

druck geht zurück auf Gen. 12, 7: Abraham, von Harrän ausgezogen, zeltet zwischen Bethel im
Westen und 'Ay im Osten und errichtet einen Altar. U n d 28,10: Jakob k o m m t , auf seiner Reise
von Be'er Sheba' nach Harrän an den [jetzigen, d. i. Zeit der Urkunde] DlpD [Stade, Kautzsch
u. Socin: 'Heilige, Kultstätte, in prägnantem Sinne, so auch IL Kön. 5, 11]. Nach d e m Leiter-
traum stellt er 28,17 den Stein, auf d e m er schlief, als massebäh auf [Glosse: und er gab der Stätte
den N a m e n Bethel] und gelobt: "wenn Gott mich glücklich heimkommen läßt, so soll der
Stein, den ich als massebäh aufgestellt habe, ein beth älöhim, ein Gotteshaus werden". Wie im
Falle Baghdad ist der N a m e Ktesiphon älter als die Gründung der arsakidischen Residenz. Er
erscheint i. J. 222 a. Chr. bei Polybios V, 45, 3 als N a m e einer o-TpaTora:8sia, eines castrum der
königlichen Garnison, die Molon, der aufständische Satrap von Medien, wie Seleukeia selbst
erobert. Winckler hatte wieder richtig erkannt, daß die freie Griechenstadt, die größte der da-
maligen Welt, mit ihren 600000 Einwohnern, ihrem Senat und den aSsiyave*;1 genannten
Magistraten, das Vorrecht hatte, keine königliche Garnison in ihren Mauern zu haben2. Die
Garnison lag auf d e m Ostufer. Daneben m u ß , auch außerhalb der Mauern, das alte Opis gelegen
haben. Das ist eine Situation, wie sie sich in der Sasanidenzeit bei der 'Heptapolis al-Madä'in'
nur wiederholt; ebenso bei Baghdad, dessen älteste Hauptteile sind: die Runde Stadt des Mansür,
die Kaufmannsstadt Karkh auf d e m Westufer, die Garnison 'askar al-Mahdi bei Rusäfa auf dem
Ostufer. Nach al-Khwärizmi3 wurden die Bazare absichtlich auf Staatskosten aus der Runden
Stadt nach Karkh verlegt; ebenso wird die Garnison absichtlich abgesondert. Neben Karkh lag
das Christen- und Judenviertel; bei Seleukeia lag eine ganze Christenstadt, Kökhe, abgesondert.
Durch die Verbindung mit Ezra's Kaspaya würde der N a m e Ktesiphon älter werden als die
Gründung von Seleukeia. Winckler sah in d e m mäqöm Kaspaya ein großes jüdisches Heiligtum,
von d e m Ezra sich seine Priester holt, und das 'Silberstadt, Geldstadt' hieß. Jüdische Kolonien
gab es in der Gegend und die von Ktesiphon k o m m t später öfter vor. Sie glaubten auch, von
Nebukadnezar dort angesiedelt zu sein, wie heute die von Hilla. Benjamin v. Tudela:'" Uqbarä,
2 Tagereisen von Baghdad, gegründet von Jojachim, König von Juda", der nach II. Kön. 24,
8—171- J- 597v o n Nebukadnezar in die Gefangenschaft, 'shebhithä', geführt, und nach 25,27—30
i. J. 561 von Awel Marduk wieder als König behandelt wurde. Die Legende von Neharde'ä ist
ähnlich. — Yäqüt I, 552, meint Baradän sei pers. bardahdän = manzil al-raqiq 'Gefangenenlager'
und findet das durch Hamza, kit. al-mawäzina bestätigt:ual-baradän, ein mu'arrab aus bardah-
dän; Bukhtnasr, als er die Juden kriegsgefangen nahm, pflegte sie dort sitzen zu lassen, bis er
v o m König Luhrasp in Balkh Befehl erhielt, was er mit ihnen machen sollte". O b richtig oder
falsch, mir ist Zusammenhang mit barräda, pl. barärid, eine besondere Art Brunnen (vgl. Kap.
Band i 'Adaim) wahrscheinlicher. Aber die Etymologie m u ß auf der Kenntnis beruhen, daß in
Baradän eine jüdische Kolonie der 'Gefangenschaft' war.
Aber nach Wincklers Anschauung wäre die jüdische Geldstadt später zur königlichen Residenz
geworden, den N a m e n beibehaltend. Das scheint mir nicht nur heute ganz unmöglich. U n d bei
Polybios ist Ktesiphon nur der N a m e eines Garnisonlagers, das ebensowenig nach einem Ghetto
1
Die alte Deutung Saint Martin's, daß dieser auch und solche Soldaten des Königs, die in den Städten
Ssiyavsi; geschriebene Titel gleich m p . dehigän, von blt-Karziapku einquartiert sind, dürfen keiner-
arab. dihqän sei, ist trotz erhobenen Widerspruchs lei Dienstleistungen verlangen" d. h. keine amt-
ganz richtig. lichen Funktionen ausüben. "Sie unterstehen dem
2
Solche Vorrechte geben schon babylonische Frei- Gouverneur und Palastkommandanten" [ich denke,
briefe: Nebukadnezar an Ritti Marduk: Offiziere des Ritti Marduk]. Der nächste Schritt ist: sie
des Königs und des Statthalters von N a m a r dürfen nicht darin wohnen.
haben kein Recht des Eintritts in die Städte von :' Bei Baethgen, Frgm. syr. u. ar. Hist., wohl auch bei
bit-Karziapku; Soldaten von Nippur und Babylon Tabari, — Für 'askar vgl. ibn al-Tiqtaqä p. 206.
* 31 *

benannt sein kann. Soldaten haben gerade kein Geld, und der N a m e wäre ganz unpassend. Die
Paraphrase der L X X ist ebenso unverbindlich wie die Vokale der Masoreten, und ohne das
sv apyuptco T07rcp würde m a n kaspaya ohne weiteres als Ethnikon fassen, als 'Kaspier'.
Gr. yjxamoi ist med. *käspiya, adjektiv das als iranische Ableitung von Kassü erklärt werden
hann. D a s Lager gegenüber Seleukeia heißt nach seiner Garnison 'Kaspisches'. Als Kyros
Babylon erobert hatte, "machten die Schildwachen von Gutium" — das sind Kaspier — "die
Runde u m Esakkil". D a s eroberte Opis, die Grenzfestung mit d e m Tigrisübergang, m u ß erst
recht sofort eine Garnison erhalten haben. Der N a m e stammt aus der Zeit des Kyros und kann
bei Ezra erscheinen. Das Ghetto mit d e m mäqöm lag neben d e m Garnisonlager und hieß danach
Käspiya, nicht umgekehrt. A u f altpersisch hießen solche Lager dastäkrta, der Ursprung des
häufigen Ortsnamens dastagird, mit dialektischen Abarten. Die verstümmelte Inschrift Dar-
Sus.e1 ist ein Beispiel der Urkunden, die in die Fundamente solcher dastäkrta gelegt wurden.
Die Bruchstücke sprechen im besonderen von der Wiederherstellung einer didä, izlyoq, mit
verlorenem N a m e n und der didä Allänu, Arrän-Festung, d. i. die Stadt Bardha'a in Trans-
kaukasien. Die akk. Version hat birtu für didä, nach assyrischem Sprachgebrauch der Standort
einer königlichen Garnison, besonders an Grenzen. Hekataios, in seinen Fragmenten und als
Quelle für die Darstellung des Skythenzuges bei Herodot VII, 5 8 — 5 9 u. 108—24 2 , sprach von
ßacn.A7]'ia TBiyyi; erhalten sind die N a m e n 'Clmca (ethn.) a m Indus, Iv Se Telypc, ßaciX-^tov, auo
TOUTOU ep7)fjua [itypic, 'Iv8ä>v, also an der Grenze der Wüste von Sind; Bopu^a, izofas riepcreoiv
a m thrakischen Bosporus; Aopio-xo^, Telypq ßaaiXvj'iov in Thrakien, Ort der Heerschau; die
Uepazoc, O-XOTOY), an der Grenze des Nil-Deltas, vgl. Strabon X V I I , 1,18. — W e n n in späteren
Zeiten oft von ßocaiAeiov, urbs regia, regia die Rede ist, sind das auch nicht lauter Paläste, sondern
castra, wie ar. qasr. Bei der Beschreibung der Königsstraße spricht Hekataios von den 7coXai
und d e m cpuXaxT^piov [xsya a m Halys. Xenophon nennt sie cpuAaxou, d. i. iran. -pä&raka >
pahrag, und sagt, ihre Garnisonen unterstehen d e m König unmittelbar, nicht den Satrapen.
Daher unterstehen in sasanidischer Zeit (Yazdkirt I) die anbäre, Arsenale dieser Garnisonen, d e m
Erän-anbärakpet 'Reichsarsenalchef'. O b e n war Paraxmalcha besprochen. Die Shahr. Er. § 18,
über Komis, schreiben den Bau der pahrak von Cöl und Veröy Yazdkirt I zu, d. i. den großen
Kaukasus-Limes 3 . Die von S. Nyberg behandelten Inschriften geben als D a t u m 'i. J. 700', d.i.
der sasan. Weltära (nach Zarathustra), gleich 404 p. Chr., also unter Yazdegird I.
Der Punkt bei Opis, w o die größte Straße Irans in Babylonien eintritt und zugleich eine
Brücke für den nach Assyrien führenden Zweig war, war der geborene Ort für eine iranische
*pr§us utä pä^aka, ein Puhl u Pahrag4. Auch der weniger bedeutende Platz auf halbem W e g e

1
Siehe 'Altp. Inschr.' n°. 7. Hippoklos, indem er sich von Miltiades trennte
2
Über das genaue Datum dieses Zuges ist man sich und eine alte Familienfehde beendete, wegen des
bisher nicht einig; ich habe es mit Wade-Gery Erfolges des Dareios. Die Hochzeit fand kurz nach
erörtert. Von persischer Seite: A m 29. IX. 522 514 statt, der Skythenzug also vor 514. Damit ist
wurde Gaumäta ermordet. 521 ist das erste volle er auf die Jahre 516-5 und 515-4» d. h. das Jahr
Regierungsjahr des Dareios. Die nachträglich zu- 515 begrenzt.
3
gefügten §§ 71—73 von Bistün geben als Datum Zur Geschichte vgl. J. Marquart, Eränsahr, 56, 58,
9 9 — 1 0 6 . Die Inschriften bei Pakhomov und Ny-
d as 3.-5. Jahr, 519-8—517-6- I m zweiten Zu-
berg, Bull. Soc. Scient. d'Azerbaidjan, Baku 1929,
satz, §§ 74—76, ist das Datum nicht erhalten, m u ß
aber später als 516 sein. Von griechischer Seite: n.8.
4
nach Herodot IV, 138 folgten dem Dareios auf den Ein Ort mit diesem Doppelnamen an der Ostgrenze
Skythenzug Hippoklos v. Lampsakos, Aiakes v. v. Kirmän noch heute Pahra; ein andrer war
Samos und Histiaios v. Milet. — Nach Thukydides Khäniqin, siehe unten p. 61 f.
VI, 59 gab Hippias seine Tochter dem Sohne des
* 32 *

von Hulwän her, das spätere Dastagird, Daskara, war ein dastäkrta an dieser Straße1. Der
N a m e der Garnison eines solchen Lagers ist der Ursprung des Namens Ktesiphon. Als genaue
Form m u ß m a n ein adj. mit vrddhi *Käspiyänäm (gen. pl.) ansetzen (Typus märgava, dänayana,
V7)o-odov) das in aram. babylonischem M u n d e zu *kaip%ön und dies wieder in griechischem zu
KTTjctcpoiv wurde.
Kaspier in Opis sind nicht auffälliger als etwa 800 Jahre früher Leute von bit-Habban, Kir-
mänshähän, a m Königskanal und in Bagdadu. Die Matrosen von Opis werden auch aus aller
Welt gekommen sein. Alte Legenden verbinden die Phoeniker mit der Schiffahrt auf dem Persi-
schen Golf. Belibni, assyrischer Statthalter des Seelandes, Meshän-Basra, schreibt 640 a. Chr.
an Asurbanipal (Brief Harper 83) u m Phoeniker z u m Bau einer Flotte, mit der er den nach
Hudimeri (Hukiweri?) geflohenen NabuBel-sumäte verfolgen will. Seit 700 a. Chr. hatten Karer
eine Kolonie a m Kanal von pihätu sa DürEllil mit d e m heimatlichen N a m e n Bannesu2; diesen
N a m e n tragen sie in der Inschrift Xerx.Pers.daiv. Der Ort ist Vorgänger des späteren Charax
Spasinou3. Dicht dabei hatten dieMilesier eine Ansiedlung in A M T I H , d. i. A I T N H , Nearch's
Aginis, beides gleich akk. Dürläkin. — Iönaka, Vorgängerin von Bushir, war eine Ansiedlung
dieser Milesier. Karer und Yauna (aus d e m milesischen Aginis) fuhren für Dareios die Zedern
des Libanon von Babylon den Euphrat hinab und den Eulaios hinauf nach Susa. Außer den
Karern sind von den xpia XOOTTOX xaxiaxa • xa7nua8oxa<; xaps<; xDaxs^auch Katpatukain diesem
Völkergemisch vertreten: Hattai aus Boghazkoi, Tabalai v o m Pontos5; und schon in Urzeiten,
vor der Flut, die Stadt Bad.Tibira, Berossos' üauTtßtßXa, ideogr. BÄD.URUDU.NAGARKI
'befestigte Ansiedlung (Kraal) der Kupferschmiede', der Tibarener. Diese Schmiede brachten
auch den Weinbau und vielleicht die Maultierzucht aus ihrer kleinasiatischen Heimat mit. Die
Vorstellung, die Berossos ins höchste Altertum projiziert, an die Sprachenverwirrung, Statpsci?
T W V yXcoüCTcov denkend, gilt allgemein: sv Se TYJ BaßuXcovi TOXU izkypoc, av9pt()7c<Dv "fevka$m
aXXos-9-voiv xaToixvjCTavTOiv TY]V XaXSafojv.

SELEUKEIA
Die Gegend von Seleukeia, in der Opis lag, war eine so dicht bevölkerte, wie nur die Umgebung
der größten Städte der Welt; die Fülle der Überlieferung macht es schwer,* die Topographie zu
entwirren.
Eine Vorstadt von al-Madä'in war Säbät Kisrä oder Säbät al-Madä'in nach Ya'qübl tanb. 321
nur 1 fars. von Bahrasir. Dies ist ir. Veh-Ardashlr — in der Ka'ba-Inschrift VXY'RTXSTR —
1
Die Chronik v. Si'irt nennt in 362 und 379 p. Chr. Hipponesos in Karien bei Stephanos.
ein Dastagird, Hauptort von BäNuhadrä, der 3 Vgl. unten p. 39.
Diözese, die nördlich an Äthör (Mausil) und Margä ' Arabisch: MX\J <s\J*\j ^-V^1 •>L-i'1 ö* ^ J ^
grenzte, zwischen Balad (Eski Mausil) und Ma'al- „Drei Übel gibt es in der Welt: Feldmäuse, Heu-
thäyä. D a die deportierten Einwohner von Finik, schrecken und Kurden".
oberhalb v. Djazirat ibn 'Umar (BeZabde), auf r> Beide bei Murasü Söhne. — Die von Salmanas-
ihrem Marsch nach Iran da durchziehen, lag es an sar III im Feldzug gegen Hubuskia und Namri,
der Strecke BeZabde—Arbela der alten König- Jahr 31, genannten Tabal, "von Gilzan (unweit
Straße, war also auch ein achämenidisches da- IJubuskia-Shahrazur) nach Tabal, von da nach
stäkrta, das seinen Namen dort hinterlassen hat; Parsua (Kirmänshähän) und Namri (Kirind)"
auch ein Awänä < ap. avahäna 'Poststation' gab es können unmöglich die oft genannten Tabal im
bei Gaugamela. Taurus bei Melitene sein, sondern nur eine Gruppe
2
Belegstellen bei Ebeling, Reall, Assyr. s. v. — Der von ihnen, die so weit nach Osten gekommen war.
N a m e kommt in den Geschäftsurkunden von Vgl. TabaristänamKaspischenMeer,undQizvatna
Murasu Söhne vor. Auch aram. BNSV. Vgl. und Kitpat(tia) gleich Kahvadh bei Qazwin.
Tafel III

PC •H


* 33 *
syr. Behardashir, die von Ardashir auf d e m Westufer anstatt Seleukeia's gegründete Stadt, bei
Theophanes roueSeo-Yjp. Zosimos III, 23, 3 nennt Säbät Mzivac, 2aßa9a, SaßaxM, 30 Stadien
( = 1 fars.) von Seleukeia, a m Königskanal von Sippar herkommend, also westlich. Plinius spricht
von Sabdata, neben Sittace und Apamea, als Städten von Sittacene, ungenau. Es kommt oft in
Tabari's Sasanidengeschichte vor: m a n reitet dahin durch Gärten und Weinberge — eine ge-
lungene Erzählung von einer im Vorbeireiten gestohlenen Traube bei Nöldeke, Tab. 267 —
und es hatte eine Brücke, nämlich über den Königskanal. I m Talmud wird SBT' wegen seines
Weinhandels genannt.
Die ganze Gegend ist ein großes Weinland. Schon Nebukadnezar nennt unter den Orten,
von denen er den Opferwein bezog1, Upi neben d e m berühmtesten Weinort des Altertums,
Hilbunu, d. i. Ezechiel 27,18 hälbön, L X X XeXßtov, das noch heute wegen seiner Trauben bekannte
wädi halbön, 25 k m nördl. v. Damaskus. Strabon X V , 3, 22 und Athenaios I, 28 zitieren Poseido-
nios dafür, daß die Perserkönige in Susa den XaXußwviov olvov aus Syrien tranken. Der Dichter
ibn Qais (Bakri 860) besingt dies "Hulwän dhu l-kurüm, mit den Weingärten, und mit den vielen
Arten von Feigen und Trauben"; das ist weder Helouan bei Cairo, noch Hulwän a m Zagros: ibn
Qais war a m Hofe in Damaskus. So gibt es noch heute in Syrien die hilwäni-Trauben. Dies
halbön-hulwän war eine Ansiedlung von Chalybern aus Oinoe a m Pontos.
In der Sasanidenzeit wird, wie bei Nebukadnezar, der Wein von Ktesiphon (Opis) über alles
geschätzt. Khusrau u retak § 55: "Die besten iranischen Weine sind der gavik (von Gay, Isfahan),
der harevik (von Herat, syr. heriwäne), der marwrötik (von M a r w rüd), der bustik (Bust in Aracho-
sien, auch bei den Indern berühmt), der Most halvänik [sieht wie 'von Hulwän' aus, ist aber nach
der gleichen Schreibung des Ortsnamens in Paikuli ein arabischer, doch nicht 'der von Hirn'], der
Wein asürik (von Asüristän, Ktesiphon) und der Most bäzrangik (von Bäzrang in Färs). Aber
mit d e m Asürik-Wein und d e m Most von Bäzrang kann sich keiner messen."
Sünäyä, Alt-Baghdad mit den schwarzen Trauben, nennt ibn al-Faqih 125 unter den besten
Weinen von Qatrabbul < *Nikatoropolis, w o gewiß Griechen Wein bauten. Der Talmud klagt,
die Juden von Ktesiphon betränken sich. D e n Ruf bewahrt der Dudjail-Bezirk in der früh-
islamischen Zeit, w o die Weinhändler und Kneipenwirte Christen und Juden sind, aber die
Trinker Muslime.
Der große Grammatiker al-Asma'I, Lehrer Härün's, erklärte Säbät als Verkürzung von Ba-
läshäbädh, N a m e einer von Baläsh b. Fairüz, dem Sasaniden, gegründeten Stadt. Ibn Qutaiba,
Tabari, Yäqüt wiederholen das, auch moderne Gelehrte, während es schon Nöldeke (1. c. 134)
'sehr unglücklich' nannte2. Der Talmud nennt VVLSPT oder BVLSPT im 4. sei. Chr. als
großen Markt, PRVVT für Weine, wie es auch Säbät war3. Lautlich und sachlich sind
1 Wadi Brisä Inschr., F. H , Weißbach WVDOG sehen mit hohem Tor und zwei Marmorbänken
V, 1906, 17: Landschaften Tür 'Abdin, Khäbür, und einem gewölbten säbät". Dr. Nabih Fans
s a t e m i r d a ß e i n s o ü b e r w ö l b t e r M a r k t in
Kossäerland § ' Jeru"
2 Hishäm b. al-Kalbi bei Yäqüt III, 3 sieht darin als salem noch heute säbät heißt.
Genealoge den Eigennamen eines Säbät b. Bätä, • Obermeyer 184, Rechtsentscherdungen< des Raba.
Bruders des 0 ^ vgl. Nöldeke, Tab. 153; Mark- - Die Talmudisten sehen in PRVVT^ Markt ein
wart, Eränsahr 19; Nöldeke-Guidi, Syr. Chron. i 3 Lehnwort aus iran. furüs, irrig. M a n kann an den

über die Nakhurgän. B - * ^ * £ * ^ ^ . ^ ^ L E Z &


t Z ^ s t ^ Z ^ ^Häusern3, Z IZ-Färüth, unterhalb von Was, bei ibn Serapion
einerStraßendurchgang''. Ähnlich gebraucht es denken, ein Wort, dessen appellative Bedeutung
ibn Shfhna trr 41 in einer Bemerkung zu ibn zwischen Hafen und Markt emponum hegen muß,
f Ä s Ä n r n g des alten bäb al-'Iräq vgl. sif (auch sib?) «Getreidemarkt an Landungs-
von X P o t l i liabegselbst noch eine qä'a ge- stellen'. O b aram. Bildung aus trän, prta?

5 Herzfeld
* 34 *

Säbät und Valäshäbäd zu trennen. Das Letztere ist Vologesocerta, aus vollständigem *Valags-
äpät-kirt1.
Plinius VI, 123 sagt, das Motiv der Gründung von Seleucia ad exhauriendam Babylonem, von
Ktesiphon ad exhauriendam Seleuciam fortspinnend: "Als er sah, daß das Ziel nicht erreicht wurde,
gründete der König Vologases jüngst [er kam 51p. Chr. auf den Thron] eine andre Stadt in der
Nähe, namens Vologesocerta". Die Tabula hat — aus d e m Zusammenhang der Routen gerissen,
aber mit Sohene-Scene und Balictanor des Ravennaten mit der Tigrisroute von Hatra nach
Seleucia zu verbinden — : Volocesia x v m Babylonia. U m 50 p. Chr. kann keine Entfernung mehr
auf das verlassene und vergessene Babylon bezogen werden, es m u ß Seleucia Babylonia heißen.
I m Abstand von 18 m p , 26,7 km, von Seleucia liegt z. B. Baghdad. Ptolemaios setzt Ouolgaisia
nahe an das Ende seines bei Sippar abzweigenden Euphratarmes, also, wenn die Karte nicht ganz
verzeichnet wäre, nahe Seleucia-Ktesiphon, während es aussieht, als läge es bei Borsipa, südl.
von Babylon. Die Notiz bei Stephanos "Bologesias, Stadt a m Euphrat" hat nicht genug Gewicht,
u m gegen die Angaben der Araber ein zweites Vologesocerta anzusetzen. Nach dem Kloster-
buch des Shäbushti und Yäqüt 2 lag Baläshkar als erster Ort hinter d e m Vorort al-Shammäsiyya
auf dem W e g e zu dem 7 (nach den Geographen richtiger nur 4) Farsakh von Baghdad entfernten
Baradän, also auf dem Ostufer, vor den Toren von Baghdad. Nach Yäqüt wäre es erst zu Baghdad,
später z u m Dudjail gezählt worden, "oft in Gedichten vorkommend".
W e m i m a n im Gelände studiert, wie das Häusermeer dieser großen Städte von al-Madä'in
sich hier ausbreitet, dort wieder zurückzieht, wie eine Überschwemmung — das einzige was es
heute dort gibt — , so hat m a n dasselbe Bild wie in Samarra, w o dieselbe Entwicklung nur auf
eine ganz kurze Zeitspanne zusammengedrängt und künstlicher war. Ein Punkt in diesem Gewirr
von Großstädten, und dabei die älteste, war Aksak-Opis, an der Kreuzung des Tigris mit der
Straße nach Iran gelegen, nahe a m Ostufer des alten Tigris und zugleich links der alten Mündung
der Diyäla, sehr nahe a m Teil 'Umar.

DÖRFER DER PARYSATIS, TAKRIT, NÖ8ARDASHIR


Die Märsche von Opis an bezeichnet Xenophon richtig als Steppenmärsche, wenn auch der
erste Tag noch durch kultiviertes Gebiet führte: Das Qätül-System existierte noch nicht, und
w o die Irrigation von der Diyäla aufhörte, begann die weite wasserlose Ebene zwischen Tigris
und Djabal Hamrln. Das in sie vertiefte 'Adaimtal ist kein Fruchtgebiet, und der Übergang über
den einen großen Teil des Jahres trockenen Fluß — mit Wasser nur 15 m breit — verdiente keine
Erwähnung. 30 Parasangen, 167 k m , führen von der Diyäla-Mündung bei Opis nicht weiter
als bis zum Kopf des späteren Qätül al-kisrawi, dem Ort des qasr al-Dja'farl von Samarra. In
dem Kulturgebiet im Flußtal dort, dessen Reichtum später Ya'qübl schildert, lagen die Dörfer der
Parysatis, deren Vorräte zu plündern Tissaphernes aus H a ß gegen die Königin den Griechen er-
laubte. Ich habe in Persepolis oft an diese verhängnisvolle, schöne Babylonierin, Mutter Kyros'
d. J., mit ihren Gütern in Samarra und ihrem Bankhaus Murasü Söhne in Nippur, und an die
ebenso verhängnisvolle und schöne Rhomäerin Qabiha, Mutter des Mu'tazz denken müssen, mit
ihrem Palaste in Samarra und ihrem Bankhaus in Baghdad.
Die 20 Parasangen, 111 km, der nächsten 4 Steppenmärsche führen bis zur M ü n d u n g des
1
Als ich einmal d e m alten Farmän Farmäy die bei erste richtige Entwicklung aus ir. valäshkirt, die
Persepolis gebauten Häuser zeigte, sagte er: andre metri causa gekürzt. Es gibt mehrere
äbäd-as kardid! Valäshgird, Guläshgird, auch Baläshfarr in Iran,
2
Sachau, Shäbushti ioj Yäqüt I, 708 u. 72'). Beide die auch arsakidisch sein können.
geben die 2 Lesarten baläshkar und baläshkar, die
* 35 *
Kleinen Zäb in den Tigris. Die Araber rechnen: Madä'in, 5 fars. Kalwädha, 2 fars. Baghdad.
Der Diyälaübergang, Xenophons Anfangspunkt, liegt halbwegs zwischenMadä'in und Kalwädha,
also Diyäla—Baghdad 4 fars., dazu Baghdad—Karkh Samarra 24, gleich 28 fars., plus 2 fars. zum
qasr al-Dja'fari, S u m m e 30 Fars. wie bei Xenophon. Weiter rechnen die Araber von Karkh
7 fars. nach Djabiltä, also v o m Dja'far! aus 5 fars., plus Djabiltä — Sinn 15 fars.: Xenophons
20 Parasangen Steppenmarsch führen ihn nach Sinn, Shennä dh beth R e m m ö n an der M ü n d u n g
des Kleinen Zäb. Nuzhat sagt stattdessen: "die Brücke über den Unteren Zäb, w o er sich in den
Tigris ergießt". Die Postroute bei Q u d ä m a 214 fügt hinzu: "von Sinn nachHaditha ist eine
Wüste, die der Untere Z ä b durchfließt".
A u f d e m ersten der vier Märsche sah Xenophon die "große Stadt" Kainai auf dem Westufer
liegen: v o m Punkt des Dja'fari aus k o m m t m a n in 1 Tag bei al-KanäJis an dem gegenüberliegen-
den Takrit vorbei. Dies, und nicht Assur, ist Kainai1. Takrit, mit seiner in dieser Landschaft
sehr auffälligen Burg, Geburtsort Saladins, dessen Großvater Shädi und Vater Ayyüb dort
Kommandanten waren2, k o m m t auf Kontrakttafeln aus d e m Jahr 34 Nebukadnezars II, 570a.
Chr., vor: "aus Tag-ri-e-ta"3. Die Burg, birthä — zur Zeit der arabischen Eroberung hesnä,
hisn — wird als birtu von Itu'ate schon in den assyrischen Rechtsurkunden (Kohler-Ungnad
n°. 410, 4) erwähnt. Der alte N a m e ist auch heute noch nicht ganz vergessen: ich fragte einmal
ein paar alte Leute dort, absichtlich undeutlich sprechend, ob sie einen N a m e n wie birsa kannten,
und sie antworteten: "nein, aber burtha mit th".
Kainai kann griechische Widergabe eines anklingenden Namens sein4, klingt aber wie die
Übersetzung einer 'Neustadt'. Später gab es diese, weiter nördlich, syr. hdhattä, ar. al-Haditha,
auf d e m Ostufer zwischen den beiden Zäb. Nach Hamza, bei Yäqüt II, 222, hätte der Umayyade
M a r w ä n II bei seiner Gründung von Haditha damit den sasanidischen N a m e n Naukird über-
setzt5. Aber H a m z a glaubt, es sei die Hauptstadt des assyrischen Gebiets östlich des Tigris ge-
wesen, dessen N a m e *Nöt-Artaxsir-kirt war. Dieser erscheint auf d e m amtlichen Siegel des
Br. M . : garamikän u nöt-artaxsatrakän hamärkäreG, und in der Ka'ba-Inschrift: nvt.'rtxstrkn.
Vor kurzem habe ich für meine Sammlung eine bulla erworben, mit der gut leserlichen Inschrift:
nvfltxstlkn dlvsn y'tkgvy d'tvbly "von NöSardasirakän der Anwalt und Richter der Armen".
Shahr. Er. § 52: sahristän e Asür u sahristän e Nöt-artaxsir [Artaxsir] e Spandiyätän kirt, d
Stadt Assur und die Stadt NöS-Ardasir ist von [Ardasir] S. d. SfandiyäS gebaut". Die mss.
haben -<j) < >ü) < ^}) mit ligiertem v, von Markwart, 'Catalogue of towns', übersehen. Der
1 Perserkönig ihren Namen Bihormazqowädh ge-
Ritter, 'Erdkunde' IX, 518, X , 210 hatte an Sinn
gedacht: auf falschem Ufer; die meisten: = Assur; nannt hatte, gab jener ihr einen Beinamen: 'al-
richtig H. Winckler. Mausal'". — M u h a m m a d ist ein Bruder des
2 'Abdalmalik und Vater des letzten Marwän; vgl.
Sharafnäma, I cap. 6; H. A. Barb, tärikh el Akräd,
Sb.K.Ak.d.W. Wien 1858, p. 33ss. Balädhuri 332, Hamza 57. Für den dunklen syr.
3 Beinamen erwägt Hoffmann ein Synonym des
Straßmaier, Tnschr. d. Nabuchodonosor', 266-KB
IV, 195. Auch im Syr. mit gh; vulg. arab. täcrit. gewöhnlichen Beinamens von Mausil, al-hadbä'
1
Vgl. Ptolemaios Kinna, in Assyria, dicht bei den 'die Bucklige'. Schöner wäre es, wenn es Xenophons
Zagrostoren; und das amtliche Siegel im Br. M., Larissa sein könnte. — Nach den Shahrh. Er. § 31
von dem ich den Abdruck auf einer bulla besitze, hätte Peröz e Shahpuhrän Mausil gegründet: ge-
mit "Magierschaft von KYNY, von Erän-äsän- meint ist Faisäbür.
6
karkavät" d. i. Karkhä dh Lädhan in Khüzistän, 'Vgl. Paikuli p. 80 fehkrhaft, verbessert Trans.
dessen Jurisdiktion bis Hulwän reichte. Intern. Numism. Congr. London 1936, 420 fig. 1;
5
Eine andre Version gibt BarBahlül, vgl. G. Hoff- ich ziehe jetzt die obige Lesung der den Zeichen
mann i,c, 178s: " I k s A = Mausal. So benannte sie genauer folgenden artaxsatr dar- vor. — Früher
der Erbauer von Hdhattä, M u h a m m a d b. Marwän las man nach arab. iy_ statt iy Büdh-Ardashir.
und die ismaelitischen Quraish; weil ein alter nöd < *navatät, 'novitas'.

5*
* 36 *

achämenidische Artaxerxes ist u m des alten N a m e n s Assur willen für Ardashir e Päpakän ein-
gesetzt. Dies Äsür ist das aram. Äthör, ein durch die Schule von Nisibis eingeführter, gelehrter
N a m e für Mausil, nicht sasan. Asüristän = 'Iräq. NöS.ardasirakän ergibt armen. Norsirakan1, das
nichts mit arm. Sirakan zu tun hat. Hamza's Naukird ist nur eine andre Kürzung dieses Namens,
und die arab. Form ist in d e m Gaunamen Naukar, N O v. Mausil a m djabal Maqlüb, erhalten2.
Xenophon kam also über den Platz, w o später die Stadt al-Haditha stand, aber er spricht nur
von d e m Punkt a m Unteren Zäb und springt von da sofort zu d e m Übergang über den Oberen
Zäb über, w o die Katastrophe stattfand. Er hat die Strecke in der Aufregung vergessen. Die
Araber geben dafür 19 Fars. an. Xenophon beschreibt dann weiter den Marsch durch das eigent-
liche Assyrien, über die Ruinenfelder von Kalhu-Nimrüd mit der Zikkurrat, und von Ninive—
Qoyundjuq, die unter aramäischen N a m e n erscheinen: Larissalll, 4, 7, aram. RYS,pahl.
RYS',pars. LRYSH (wie L' YNY, LPNH) also etwa 'vorderes' und Mespila, III, 4,10, aram.
MSPL, maspil 'das untere'3.

ANTIOCHOS III
Das nächste geschichtliche Vorkommen der Landschaft von Samarra nach Xenophon ist i. J.
220 a. Chr. unter Antiochos III, bei Polybios V, 51—52.
In 223 war Molon z u m Satrapen der 'Oberen Satrapien', ad avoi 0-ocTparaoa4, d. i. Mediens er-
nannt und bald darauf aufständisch geworden. Er bemächtigte sich der Apolloniatis, nahm das
Lager Ktesiphon und die Stadt Seleukeia, dann ganz Babylonien und Susiana, und die 7rapa.7ro-
Tauioc, das Flußtal des Euphrats5 bis (Dura)-Europus, die mesopotamia a m Tigris bis Dura. Dann
übernahm Antiochos selbst die Führung des Krieges gegen ihn, in Nisibis, w o er von der Winter-
Sonnenwende d. J. 221 an 40 Tage lang blieb. V o n da zog er nach Alßßav (acc.). (V, 52): Dort
wurde Kriegsrat gehalten. Ein General rät, auf d e m westlichen Ufer herab gegen Babylonia zu
ziehen; ein andrer, den Tigris zu überschreiten und gegen die Apolloniatis zu ziehen, u m Molon
den Rückweg und seine Verbindungen mit Medien abzuschneiden. Das wird beschlossen. (53):
Das Heer setzt bei Libban in 3 Abteilungen über den Strom, zieht a m Tigris hinab nach Dura,
dessen Belagerung der Truppenführer des Molon aufhebt. So k o m m e n sie in 8 Tagen ohne
Zeitverlust über den Oreikos nach Apollonia. Molon schlägt eine Brücke über den Tigris, u m die
Berge an der Grenze von Apollonia noch vor Antiochos zu erreichen, findet sie aber schon besetzt.
In der folgenden Schlacht wird er besiegt. Er selbst und andre Offiziere nehmen sich das Leben.
Antiochos befiehlt, den Leichnam an der meist gesehenen Stelle Mediens ans Kreuz zu schlagen.
So bringt m a n ihn nach Kallönitis und kreuzigt ihn auf dem Aufstieg z u m Zagros — Ptolemaios'
al TOÜ Zaypou 7tuAoa.
Das enthält keine topographischen Schwierigkeiten. Antiochos war von Antiocheia über
Nisibis an den Tigris gezogen. In 1916 zogen wir über Mausil: wer jenen von Artillerie und
1
Die Stellen für Norsirakan bei Markwart, Eränsahr Babylonien und die LUI 2%, 'Oberen Provinzen",
23s u. 165; erst in 'Südarmenien' gibt er 'Nor- nach dem kit. al-djämi' lil-tarikh des christlichen
sirakan = Adiabene', siehe ind. s. v. und s. Hazzä. Arztes abu Nasr Yahyä b. Djaiir aus Takrit, der es
2
Vgl. Hoffmann, 1. c. s. v.Naoker, Nawkur, Noker; aus einer byzantinischen Chronographie in syr.
kirt > kar wie in Baläshkar, und schon in -kirt. Sprache, nach Art des Eusebios, haben muß.
kavät > karkavät. Klare Benutzung des 1.1. parapotamia : das Tal des
3
Gegen 'Arch. Reise' II, 207. — Lehmann-Haupt's mittleren Euphrat, ein wasserreiches Kulturland
Bemerkungen in Klio I, 260 sind mir nicht zu- am Strom inmitten der Steppe. Eben das drücken
gänglich. die Iranier durch rüdbär aus, und das ist der Sinn
1
Dieser korrekte Ausdruck erscheint noch bei Yäqüt von paraitakene < *paraitaka. Ohne die lange Er-
II, 305; "Salüqüs Niqätör herrschte über Syrien, streckung an einem Fluß wäre es 'Oase',
* 37 *
Trains wie von einem Riesenpflug zerfahrenen, kilometerbreiten W e g je gesehen, wird ihn nie
vergessen. Kürzer ist der W e g über Sindjär. Polybios' ACßßocv ist Ptolemaios' Adßßava, unter-
halb von Ntvo<;-Ninive a m Westufer und oberhalb von B-^V-Takrlt. Stephanos zitiert es als
Aißaval aus Arrian's Parthika b. IX: "eine Stadt von Syria, Hatra benachbart". Wie bei NsdepSa
benutzt er Syria im Sinne von ap. A&ürä gleich Mesopotamia. Es gibt nur eine Hatra benach-
barte Stadt: Assur. Alle N a m e n aus d e m 8. und 9. Buch Arrians sind solche aus Trajans Feldzug1.
Wie Antiochos war dieser von Antiocheia über Nisibis und, im Frühjahr 116, von da zum Tigris
gezogen, machte dann Adiabene, das Land zwischen den beiden Zäb, zur provincia Assyria und
zog gegen Ktesiphon2. Libban ist der N a m e von Assur, nicht wie ich früher glaubte als aram.
lebhne, topraqqale, Erdburg, der Lehmziegelruine der zikkurrat, sondern als spätass. Libb-äli
'Innere Stadt'. Dort gibt es drei Furten, bei qabr al-qädi, tulül al-'Aqr (Kär-Tukulti Ninurta)
und d e m bustän Farhäd Pasha (Shammar). Dura, an der Parapotamia des Tigris, dessen Be-
lagerung der Heerführer des Molon aufhob, ist die civitas Dura der Zeit Julians bei Ammian,
ar. D ü r 'Arabäyä, bei Ptolemaios Örbba, unweit nördlich des djausaq von Samarra, eines der
großen Türkenlager der Samarra-Zeit3. Der Öreikos, den das Heer überschreitet, ist das
Gebirge Ümkh, mehrmals in den Akten der Märtyrer von Karkük erwähnt, der djabal Hamrln4.

APOLLONIATIS U N D DIE KÖNIGSTRASSE


Das Ziel des Feldzuges ist die früher Sitakene genannte Apolloniatis, und zwar, da der Rückweg
nach Medien abgeschnitten werden soll, die a m linken Ufer der Diyäla verlaufende Königstraße.
Polybios benutzt Apollonia als Landschaftsnamen, nicht als den der Stadt Sittake, die nicht an
der Straße nach Medien, sondern an der nach Susa lag5. Die Entfernung des Punktes, w o
Antiochos Molon den W e g abschneidet, ob bei Qyzylribät oder erst bei Khäniqin, liegt rd.
250 k m von Assur-Libban. Diese über Samarra führende Strecke wird in der günstigen Jahres-
zeit, im Februar, in 8 Tagen zurückgelegt. Die Schlacht fand zwischen Qyzylribät und Khäniqin
auf einer der dortigen Paßhöhen statt; wenn m a n die Worte 'Grenze von Apollonia' nach Isidoros
(siehe gleich unten) als Grenze gegen die Chalonitis versteht, 15 k m hinter Qyzylribät.
In Chalonitis, der Landschaft a m Aufstieg z u m Zagros, wurde auf der Paßhöhe, über die jede
Karawane zieht, der Leichnam des Molon gekreuzigt. I m Jahre 447 p. Chr., dem 9. des Yazde-
gird II, wurde an derselben Stelle der zerstückelte Leichnam des H. Pethion zur Schau gestellt.
Er hatte "in einer Zelle beim Dorf Harife a m Ende des Gaus" von Hulwän gelebt, und wurde
"auf d e m J^r 0 'Öden Berge'" hingerichtet: "die Volksmenge war deshalb so groß, weil der
'Weg des Großkönigs' a m F u ß des Berges vorbei führt. Diese Straße aber geht bis zu den
1
Vgl. 'Arch. Reise' I, 227s. — Der Feldzug ging Anzeichen für das Datum der Tabula ; dazu deren
über Ktesiphon hinaus bis Spasinou Charax und an Route Seleucia — Spasinucharax.
3
den Golf, Dio Cass. LXVIII, 22. — Dann erhoben assyr. dum, aram. dura, in Ortsnamen 'Mauer', im
sich Aufstände im Rücken, und der Kaiser zog den arab. plur. v. dar 'Haus' und als 'Häuser' aufgefaßt.
Tigris aufwärts zurück nach Singara. Die erfolg- Väqüt II, 615 führt allein im Träq sieben ver-
lose Belagerung von Hatra, bei der er sich die töd- schiedene Dür an, als erste Dur Takrit (heute imäm
liche Krankheit zuzog, war in b. 17 geschildert. Dör) und Dür 'Arabäyä oder Dür Sämarrä.
2 !
Die Tabula Peut., siehe unten, gibt die Route: G. Hoffmann, 1. c. passim; Yäqüt schreibt Humrin
Nisibi — Singara — Hatris — xxvm m p . (41,3, invor. Altakkadisch Urkis.
5
Wirklichkeit 46 km) Sabbin (d. i. Libban) — Gegen 'Arch. Reise' II, 85; gleicher Gebrauch von
Ctesiphun. Sie war in den ersten zwei christlichen Esnunnak als Landschaftsname im Altertum.
Jahrhunderten viel begangen, kaum vorher, als
* 38 *

äußersten Grenzen des Königreichs."1 Sie führt da noch denselben N a m e n , den fast iooo Jahre
früher Hekataios gebrauchte, nach dessen Karte Herodot die lange Strecke von Sardis nach Susa
schildert.2 In jener Zeit waren die iranischen Straßen au-a^tral 6Sol, gath. ra$ya(Y. 50, 6—7),
und kaum mehr als ein Jahrzehnt, bevor Hekataios die Susa-Strecke bereiste, fuhr Zarathustra
als Proskribierter im Zweispänner, väzä (Y. 51,12), auf der östlichen Strecke von seiner Heimat
Ragä, das zur Satrapie seines Schwagers Kambyses gehörte, über Komis, den Sitz der Vefakän
von Hyrcania, nach Tausa bei Mashhad, d e m Sitz seines Beschützers Vistäspa.
Der im Martyrium des Pethion erwähnte Punkt der 'Großkönigstraße' lag aber nicht an der
Strecke Sardis-Susa, sondern an der sie kreuzenden Strecke Babylon-Agbatana-Ragä. Der Paß
von Hulwän ist das Tor von Iran an dieser Straße3. Kurz vor Agbatana überwindet sie dann den
noch höheren Asadäbäd-Paß amAlwand 4 . Dies ist der Berg asta arvanto 'die acht Renner' von
Yt. 19, 3, Ptolemaios' Örontes, Plinius VI, 133: ab Ecbatanis M e d o r u m per montem [C]arban-
tum. Das Paß heißt im nuzhat: giriwä i köh i arwand oder alwand, bei ibn Khurdädhbih und
Q u d ä m a 'aqabat Hamadhän bei Asadäbädh oder bei iljl>-, khunwädh5, Onoadas der Tabula und
des Ravennaten, Berg hvanvant von Yt. 8, 6.
Ktesias, bei Diodor II, 13, 5: "Semiramis kam auf ihrem Zug von Babylon nach Agbatana und
(von da) nach Xaütov [Ort in Armenien] z u m Zapxaiov Öpo<; und baute, u m ein unsterbliches
Denkmal zu hinterlassen und zugleich den Verkehr zu erleichtern, TOU<; T S xp-^j-vou^ xaraxo^ocaa
xal TOUC; xoiXouc; TOTOU? y^oiGccucc eine Kunststraße, die bis heute nach ihr SsfiApau-iSoi; 686c;
heißt". Ktesias nennt auch Bistün und die Nebukadnezar-Mauer Werke der Semiramis, und
schreibt ihr der Sage folgend noch andre Werke zu, aber die Worte 'bis heute usw.' müssen mehr
bedeuten. Semiramis kam sicher nicht im altp. N a m e n der Straße vor, sondern ist Ktesias K o m -
bination mit einem anklingenden einheimischen Namen. Die ersten Araber nannten den Berg
humorvoll "sinn Sumaira" nach einer Frau aus M u h a m m a d s U m g e b u n g mit einem sehr vor-
stehenden Zahn, und Sargon II von Assur spricht von d e m "Fingerspitzen-Berg, dessen Haupt
in den Himmel, dessen Wurzel in die Unterwelt reicht", unter d e m N a m e n 'Simirria'. Die drei
N a m e n sind Varianten von Simalia, der kossaeischen Göttin, die dort verehrt wurde. Später wird
'Königstraße' Appellativ aller aus achämenidischer Zeit stammenden Kunststraßen, vgl. Ammian
XXIII, 3, 1: bei Carrhae teilt sich die Straße in "duae viae regiae, laeva [über Nisibsi] per
Adiabenen [das eigentl. Assyrien] et Tigridem, dextera per Assyriam [ir. Ai>ürä, d. i. Meso-
potamien und Babylonien] et Eufratem". Der Ausdruck besteht weiter. Mir. Man. II, p. 14,22:
"wie ein M a n n , der mit vielen Schätzen päd räh e bag raft auf der Königstraße reist"6, und
Aghäni 3, 145: "al-Asma'I sagte: die Verse des abu l-'Atähiya sind wie die sähat al-mulük,
Königstraße, darauf fallen Edelsteine, Gold, Erde, Scherben und Dattelkerne".
Ktesias' Zapxatov Öpo<; heißt später Zdcypoc, und der Hulwän-Paß sind die'Zagros-Tore'. M a n
sieht darin eine späte und irgendwie vermittelte griechische Wiedergabe von assyr. hursäni

1
Die Namen sehen formal richtig aus, sind aber Karten von 1918—20 geben außer dem über
sachlich nichtssagend, und die Straße führt nicht 11 500' = 3500 m hohen Hauptgipfel des Alwand
nur am Fuß des Berges vobei, sondern a m Hin- noch 7 andre über 10 000' hohe, also 8 Gipfel des
richtungsplatz über den Berg. Vgl. G. Hoffmann Massivs.
p. 62; Labourt, 'Christ'. 127s. Mit vielen Abarten, vgl. AMI II, 83 s; aus aw.
2
Vgl. unten p. 43—44. hvanvati 'sonnenreich', Ir. Bdh. 151 xvanvadh,v/o
:!
Höhen: Sarpul 620 m, Paitäq 843 m, Täq i Girrä das Ind. Bdh. arvand einsetzt; die korrekte arab.
1012 m , Miyän i Djangal 1305 m , Sarmil 1750 m, Wiedergabe wäre *yj>-, iy^-.
Kirind 1620 m. bag 'Gott' als königl. Titel wie im Ipärs.
1
Asadäbäd 1635 m , Paßhöhe 221" m. Die engl.
* 39 *

zaqrüti 'Hochgebirge'. Im Videvdäd I wird ein sonst nie vorkommendes und nicht zu identifi-
zierendes 'Land Caxra* — [vgl. aw. caxra > mp. np. carx 'Rad'] — genannt, das eine pseudo-
awestische Form für eine mittelpers. Wiedergabe von Zagros sein könnte.
Strabon XI, 13, 8: "Die größte breite Mediens ist von dem Zagrosübergang namens MTJSIXY]
TTUXY] bis zu den KaspischenToren... 4000 Stadien". Das sind 740 k m Wegelänge: die Luftlinie
ist gut 600 km. Die Zahl stammt wieder von den Bematisten. Isidoros Char. hat i5oSchoenen
= 3750 Stad. oder 666km, vielleicht ein wenig zu kurz. Die Gegenüberstellung der beiden Tore
ist sehr treffend: die Zagros-Tore scheiden, wie der Brenner, zwei Welten, Babylonien und Iran,
und während West-Iran immmer noch irgendwie zu Vorderasien gehört, betritt man durch die
Kaspischen Tore hinter Ragä Mittelasien. Dionysios Periegetes nennt sie die XXYJISB; Y<*«j<;
'AairtT&oQ. Der Demawand, an dessen Fuße sie liegen, war der fernste Punkt, zu dem Assyrer
vordrangen, und Sargon benutzt ihn zur Beschreibung der äußersten Grenzen: "vom Meer von
bit Iäkin [dem Pers. Golf] bis zum Berge Bikni [Demawand]".

ALEXANDER IN AGBATANA
Alexander m u ß über diese Straße gezogen sein, als er 326/5 von Susa nach Agbatana ging.
Die Topographie des nur bei Diodor XVII, 110 erhaltenen Zuges ist: von Susa, den Tigris
überschreitend, Lager bei den xapat x&fxai, 4 Tage durch SITTOCXIVY] nach 2au.ßava, dort 7 Tage
Rast, in 3 Tagen zu den KeXcovac, wo noch Nachkommen von Xerxes exulierter Boeotier beobach-
tet wurden, zweisprachig, mit einigen noch griechischen Sitten. Nach einigen Tagen dort geht
Alexander von der Straße ab,frzac,Ivsxsv nach Bagistane, &eo7rps7is<TraT7] yu pa, dann in die
Landschaft, w o die berühmten nesäischen Pferde auf Weiden von [JtTjStxv] 7toa gezüchtet werden
(noch 60000 statt früherer 160000), dort 30 Tage, dann in 7 Tagen nach Agbatana. Auf dem
Rückweg von Agbatana nach Babylon wurden die Kossäer unterworfen, vgl. p. 22.
Mir scheinen alle genannten Punkte bekannt zu sein. Wie immer marschiert Alexander zu-
nächst auf der großen Straße. Die Nennung von Sittakene zeigt, daß es die südlichste Strecke der
Königstraße von Sardis nach Susa ist, daß er nicht etwa nordöstlich durch die Gebirge nach
Agbatana ging, wie Rawlinson annahm. Daher ist kein Grund, Tigris in Pasitigris zu verändern.
Der erste Teil des Zuges geht in der Richtung zum Persischen Golf.

KARISCHE DÖRFER — CHARAX SPASINOU


Die Karischen Dörfer sind Bannesu, die Ansiedlung von Karern, siehe oben p. 32 u. 37,1. —
D a diese bei Dareios, charta Susa, als Mannschaften der Flotte auftreten und zwischen Babylon
und Susa fahren, war ihr Ort ein Hafen, nach dieser Stelle am unteren Tigris gelegen, da, wo
auch Ampe-Aginis-Dürläkln lag, mit der Kolonie von Milesiern1. Diese sind in der gleichen
Inschrift mit den Karern zusammen als Yaunä genannt. Dür lakin kann das mittelalterliche
Dauraq < pers. Dörak unweit des heut. Bandar Shäpür sein.
Den genauen Punkt kann man bei den großen hydrographischen Veränderungen im Delta
noch nicht bestimmen. Aber den Besuch Alexanders m u ß man mit der Gründung von Alexan-
1
Tomaschek, 'Topogr. Erläutrg. d. Küstenfahrt aus der oben zitierten Grenzangabe Sargons hervor.
Nearchs', Sb. K. AkdW. W i e n C X X I , viii, 86 Aginis ist also (mit Abfall des anl. i-) dür-Iäkin, und
wollte bei Herodot V I , 20 für AMI1II "bei der der bei Herodot ist A 1 T N H herzustellen, ebenso für
Tigris vorbeifließend ins Meer mündet", und bei Plinius' Aple, Jul. Honorius' Auge. Die Nachricht
Nearch (Arrian, Ind. 2,4) für AriNIN (acc.) über die Milesier in *Agine ist der über die Eretrier
A F . M H , gleich syr. aghme, lesen, Bezeichnung der in Arderikka inhaltlich und stilistisch so ähnlich,
batä'ih. Aber der Tigris mündete "ins Meer von daß die Quelle dieselbe sein m u ß : Hekataios?
bit Yäkin", und die Bedeutung dieses N a m e n s geht
* 40 *

dreia (Aristobulos bei Arrian VI, 7) verbinden, denn er gründete Städte nur an Orten, die er
besucht hatte. Diese Alexandreia lag an einem locus zwischen den M ü n d u n g e n des Tigris und
Eulaios (Kärün), und wurde mit Leuten aus Durine besiedelt, einer alten, also mindestens früh-
achämenidischen urbs regia, d. i. einem ßao-iX-yjt'ov xetx0?? nämlich der Flotte. So kann m a n in
Durine DürEllil sehen, den Bezirk des Kanals, an d e m das Karische Bannesu lag, da Jesaias 22,5
von diesen Karern und Suti spricht, damals schon 400 Jahre alt. Nach einer Zerstörung durch
Wasser wurde diese Alexandreia von Antiochos IVEpiphanes (175—64) als Antiocheia, und nach
nochmaliger Zerstörung u m 129 a. Chr. von Hyspaosines S. d. Sagdodonacus als Spasinou Charax
wieder aufgebaut. Dies wird der große Hafen a m Shatt al-'Arab für den palmyrenischen Handel
mit Indien. Aus d e m Karkh des Hyspaosines, in den palmyr. Inschriften KRK 'SPSN' oder
einfach Karkhä, wurde dann Karkhä dh Meshän, ar. Karkh Maisän. Es lag unterhalb von
Basra an der M ü n d u n g der Ströme, als Hafen des Handels und der Kriegsflotte, kaum auf dem
genauen Platze, aber mit der gleichen Bedeutung wie al-Muhammira oder 'Abbädän. D a liegt
die iranische Flotte heute auch wieder.
Der Gründer von Charax, Hyspaosines, trägt einen ostiranischen N a m e n *vispa.hu.ziyanx, d.i.
*7rav-eu-ßiO(;, und könnte ein Sake sein, wie Xsäharäta von Karkuk, obwohl der Vatername
Sagdodonacus2 neubabylonisch klingt. Ein andrer iranischer N a m e dieser Dynastie ist Tiraios,
aram. Tire, Kurzform zu tigrähana, Tigranes 'Pfeilschütze'3.

NISÄYA
V o n den Karern geht Alexander durch Sittakene. Das Sajjtßava, zu d e m er kommt, kann, in
Zusammenhang mit Bagistane genannt, nur Ca(xß&va < Kajjißava, Hanban, die Landschaft
Kampanda sein, in der Bagastäna liegt4. Es steht in d e m gekürzten Bericht an verkehrter Stelle.
Bagastäna ist ein Punkt der Königstraße selbst. 0so7up£7rs(jTaTY] xc^Pa ist e m e Übersetzung
dieses 'Ort des baga, des Gottes' bedeutenden Namens. Die Landschaft ist eine der schönsten von
Iran und Alexander ging dahin 'sight-seeing'.
Dort verläßt er die Straße und geht für einen Monat in das Gebiet, w o die vrpotioi (.'mroi,
gezüchtet werden. Dieser N a m e ist ap. *naisäya, adj. v o m Landschaftsnamen nisäya, w o nach
Beh. § 13 die Burg des Magiers Gaumäta, Sikayahvatis lag. Die südliche Grenze der Bistün-
Ebene bildet die Kette des K ü h i Harsin, und dahinter liegt, westl. v. Harsin, Sakawand mit
seinen medischen Ostotheken, eine davon mit d e m Bilde eines Magiers: die Ostotheke des
Gaumäta. In Sakawand hat sich der N a m e Sikayahvant 'Kiesreich' erhalten. Harsin ist der Markt
für die Luristan-Bronzen, unter denen die Pferde- und Wagengeschirre zahllos sind. Harsin war
das eigentliche Nisäya, aber das Pferdezuchtgebiet war nicht darauf beschränkt.
1
Schon u m 520 a. Chr. wie vispauzätis zu vispauzin
dates erwartet und besiegt, gleich Kampanda.
kontrahiert gesprochen. Tacitus hat den Namen aus griechischer Quelle,
2
Plinius VI, 138s, nach Juba, mit vielen Lesarten. mit s < c < k und ul < 0 T A < O N A. Der Ort ist
Winckler sah darin einen unbestimmten bab. durch das Denkmal mit der Inschrift des Gotarzes
Götternamen plus -nädin-ahe, wahrscheinlich Adad- als Bistün bestimmt, nicht wie Aurel Stein ver-
nädin-ahe, wie der Fürst von Lagash. mutet, gleich Karaftö. Die Sage von dem Herakles-
3
Nach Andreas, NGGW 1931, iii, 317. — In den heiligtum, bei dem edle Stuten mit vollem Köcher
Shahrh. Er. Gründer von Nahar Tirak, merk- gehalten werden, auf denen der Gott nachts jagt,
würdigerweise als Großeunuch des Azdahäk vor- gehört auch in die Gegend der nesäischen Rosse.
gestellt. Vgl. p. 45 und 'Thor v. Asien', 146, A n m . 22; i47>
4
Ebenso ist der mons Sambulos, Tacitus ann. A n m . 40.
XII, 13, wo Gotarzes II den Gegenkönig Meher-
Tafel IV

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* 41 *
Strabon X I , 13, 7: "eine Weide, Xeiu^v, heißt Hippobotos, welche m a n auf den Straßen von
Persis und von Babylonien nach den Kaspischen Toren ganz durchzieht, Sie^ouaiv". Das ist
sehr weit, aber nicht falsch ausgedrückt. Hippobotos, w o das beste Pferdefutter, die [vrßix^ TZ6K,
ir. aspasta (Medicago) wuchs, ist die Übersetzung eines iran. Namens wie aspacära > Asfuzär'
heute ist der N a m e in der Gegend nicht nachzuweisen. Aber Xei^v ist arab. mardj, pers'
caman, dasht, und in der Gegend liegen die Gaue Mardj al-qal'a (Kirind) und Mäidasht. Der
N a m e cAx.U tritt erst bei Yäqüt IV, 407, dann im nuzhat auf, mäyadasht vokalisiert, und be-
deutet 'Mutterstuten-Aue'1. Rawlinson wollte, unter der Vorstellung, daß Alexander geraden-
wegs von Susa nach Agbatana zog, Hippobotos im G a u Siläkhor, d e m Tal von Nihawand-
Burüdjird, erkennen, dessen N a m e n er als sir-äkhur 'füll manger' deutete2. In Wirklichkeit
ist das, wie Mäsabadhän u. a., ein aus einem Titel, nämlich 'marahscalh, Marschall' abgeleiteter
N a m e . Während der Khalifenzeit, in der Geschichte von Samarra erwähnt, liegen die Gestüte
in der Gegend von Mardj al-qal'a bis Mäidasht. Ebenda waren sie nach dem Freibrief Nebu-
kadnezars I an Ritti Marduk schon im 12. sei. a. Chr., nämlich in Namar und bit-Habban. Das
ganze nördliche Luristan, südlich der Straße Hulwän-Hamadän, ist das Pferdezuchtgebiet. Dies
Lur < aw. rzura ist auch der Ort, w o sich die Husravah-Sage die Rennbahn nava.frabwrsä razurä,
den 'Neun-runden-Wald' vorstellt. Alexander k o m m t von Bagastäna und Harsin aus dahin
und erreicht, nach 1 Monat dort, Agbatana in 7 Tagen.

MANDALI
Diodors xsAwvä«; ist nichts andres als Polybios' xaAAwvmc. Die Stelle spricht von durch
Xerxes exulierten Boeotiern, in völligem Widerspruch zu der Tatsache, daß diese auf Xerxes'
Seite a m Kriege teilnahmen, ist also falsch. Schon Dindorf bezog die Nachricht daher auf die
von Dareios exulierten Eretrier von Euboea. Strabon X V I , 1, 25 erwähnt diese in Gordyene,
ähnlich Curtius IV, 12, 11. Aber Herodot VI, 119: "in Arderikka, 210 Stadien von Susa, 40 von
einer Quelle von Asphalt, Salz und öl, paStvocxv), im Lande der Kissier"3. Diese Eretrier hatten
Milet unterstützt und waren 490, nach Zerstörung ihrer Stadt durch Datis und Artaphernes,
deportiert worden.
Arderikka ist, wie schon Oppert sah, Urdalika, von Asurbanipal u m 640 a. Chr. unter 29 im
siebenten Feldzug zerstörten Städten des elamischen Reichs aufgeführt. Trotzdem es zur Folge
hat, daß m a n Herodots '210 Stadien' von Susa — nicht die Beziehung auf diese Stadt, denn der
Ort bleibt an der Straße nach Susa — aufgeben m u ß , ist Urdalika nichts anderes als das
1
Nicht Mäh 'Medien' mit Bestimmung, sondern Schreibung (aus ars. S für C) von *cakäta 'Berg-
mäya, mädah, mädiyän, faili-lur. muhö(n) 'Stute'; gipfel'. Vgl. die vielen chighä bei Sir Aurel Stein,
wahrscheinlich identisch mit dem gleichbedeuten- 'Old Routes of Western Iran', London 1940.
den Däimardj (Dinawari) oder Mäh (Tabari), Ort 2 'Journey from Zohäb to Khüzistän' JRGS 1838,
w o Bahräm Gör verschwand, vgl. Nöldeke, Tab. 101. Das Wort steht wahrscheinlich in der In-
103 A n m . — Bei Qudäma 19 heißt die Ebene schrift des Grabturmes von Ladjim, vgl. AMI
JL>}\SJL^; HamdaWäh.,nuzhat 165 j^^=.{mit sehr viel VIII, 79 u. 81, wo ich diesen Landschaftsnamen
Lesarten, siehe die Edition). D a heute gerade in und den einer kleinen Moschee in Konstantinopel
dieser Ebene N a m e n mit Cigä besonders häufig in Erinnerung hatte. Vgl. Dozy s. v. jji.%, und
sind, ist das gewiß das erste Namenselement, kurd. Fleischer's 'Studien zu Dozy', 670b, 19.
cigä, cighä'Hügel, Berggipfel, Teil', np. cakädh, ca- 3 Vgl. oben p. 25.
käh aus m p . cakäd (e dätik), aus aw. iskata Fehl-
* 42 *

heutige Mandall mit den nahen Naphta-Quellen1: Mandall aus älterem bandani, vandanig aus
Uldalika, vorliegend auf der Tabula Peut. als BerdaNNa < *0üep8avixa.

DJALÜLA UND ALTYNKÖPRÜ


U m Christi Geburt beschreibt Isidoros v. Charax Spasinou die Königstraße in einem für
Caius Caesar geschriebenen militärischen Leitfaden. Mit dem Übergang über den Tigris bei
Seleukeia, alt Opis, tritt sie in die Apolloniatis, alt Sittakene ein, die 33 Schoenen lang ist, Haupt-
stadt Artemita, geht dann 21 Schoenen durch Chalonitis, Hauptstadt XaXa, z u m Zagros-Paß,
der Grenze gegen das 'Untere Medien', später Mäh Shahriyärän, Vorort Kirind. Anfang und
Ende dieser Strecke, Teil 'Umar und 'aqabat Hulwän, sind fest bestimmt: ich bin sie oft geritten
und gefahren und habe sie routiert: die genaue Straßenlänge ist 250 km. Isidors schoinos ist
nicht eine Parasange von 30, sondern ein M a ß von 25 Stadien, aus ursprünglichen Parasangen-
maßen errechnet2.
Die Bezirksgrenze zwischen Apolloniatis und Chalonitis fällt auf die Paßhöhe, den Ort der
Niederlage des Molon, 10—15 km hinter Qyzylribät. Dies ist ein von Malikshäh an seiner neuen
Straße gebautes 'Rotes Ribät', Militärposten — auf altpersich ein dastäkrta — nach der Inschrift
von Khan Ortmah in Baghdad gleich ribät Djalüla. Sasanidische Bullen nennen es Gälül, oberes
und unteres, zu Xusröy-sä?i-kavä8, Vorort Dastagird3. Bei den Arabern ist Djalülat al-waqi'a als
Ort der Schlacht der Eroberungszeit so berühmt wie Qädisiyya und Nihawand. Bei Theophanes,
Bonn p. 492s, erscheint es als BeyXocXi, be Gläl; der Ort hatte ein Hippodrom. Herakleios ver-
brachte dort Weihnachten bis Neujahr 628, während Khusrau von Dastagird nach Ktesiphon
floh, die berühmte Flucht, die auch im Qur'än erwähnt wird. Eines der beiden Djalüla ist das
aram. harbath Geläl, das nach der Chronik v. Arbela schon 224 ein Bistum war und noch 410 als
solches genannt wird.
Neben ihm steht in den Synodal-Akten mehrmals Shahrätkirt, d. i. Altynköprü, zwischen
Irbil-Arbela und Karkük-Karkhä dh beth Slökh in der assyrischen Provinz Arrapha, gelegen4.
Nach der Chronik v. Arbela p. 60 nahm Shährät von beth Garme (Prov. Karkük) in218—28 für
Ardashir I gegen die Arsakiden Partei. Er ist der Shährät von Shahrzur des Kärnämak. Der
N a m e ist nach Markwart, A n m . 68 in meinem 'Tor v. Asien' p. 150, m p . xsäharät, skr. ksaha-
räta > prakr. khakharäta, Geschlechtsname der 'Westlichen ksatrapa' Haus des Nahapäna, in
Indien, ist also typisch sakisch und bestätigt, daß die Dynastie von Karkük in 127 a. Chr. von den
Saken zur Zeit ihrer Wanderung vom Jaxartes nach Sakastan gegründet war. W e n n dieser
Shährät der Gründer von Shahrätkirt wäre, das unter ihm u m 224 als Bistum erscheint, müßte er,
wie später die Nachfolger, das beth Yazdän, schon Christ gewesen sein. Eher war ein älterer
1
Hamdalläh, nuzhat 39: "bandanidjin: in den auf ap. *vrdanika, wahrscheinlich auch paSwaxr,.
Steuerlisten wird /;'/;/ dafür geschrieben, das Volk 2 Vgl. 'Arch. Reise' II, 77s: 1 schoinos = 3 mp. =
sagt OLJI, v. 1. 0^-0. (lies: Bandaniyän od. Manda- 4,5 km.
niyän). Nach Hamza: arab. bandanidjin aus pers. :1 Trans. Intern. Numism. Congr. London 1936, 420,
vandanigän. Vgl. 'Arch. Reise' II, 109—92, das fig. 13—15. — Das 'obere' und 'untere' entsprechen
waqf der Mirdjäniyya in Baghdad. — Zu dem arab. Djalüla und Djalultä. Yäqüt I, 108 kennt
Wechsel r:l vgl. arman, halman, Hulwän; auf einen dual Djab'ilatain "Dorf von Ba'lbakk (!)
Karkük-Tafeln: amurri :amuli, Amoriter; für Urda- nahe beim Nahrawän". Ba'lbakk ist verschrieben,
lika: *Oüsp8avixac vgl. den Anlaut arman, halman, ob Bä'qüba?
ialman und gutäisch arla, iarla, warla-; den 1 Das Folgende als Zusatz und Korrektur von'Arch.
Wandel l:n in Lullu :Nullu; Ganänate : geläl; Reise' II, 322—29. Die große, über tausend-
Hani- und Haligalbat; EnzitAlzi, Enzitene. Der jährige Brücke, die da veröffentlicht ist, ist jetzt
N a m e ist ein iranischer und alle Formen beruhen gesprengt.
* 43 *
Namensvetter der Gründer, denn Ptolemaios' XaT P a X *pTÄ zwischen Arbela und Arrhapa kann
nur ^axpaxapxa, d. i. Shahräkirt sein: Kürzung des Vokals der ersten Silbe und Schwinden des
innern t ist normal; so erklären sich alle Namens Varianten. In der Ka'ba-Inschriü Shahpurs I
z. 31 ist ein tyrmtr, dzpty von strkrt (mit tr < hr) genannt. Auf der Tabula m u ß Siher, zwischen
Beln-ar (i.e. ar-bela)1 undConcon(Kopxoupa, bäbä Gürgür, bei Strabon yj TOU v&p&x Ttyjyjj) eine
Verstümmelung des Namens sein. Strabon's Sadrakai ist dagegen ein N a m e der Alexanderzeit,
also älter als die sakische Dynastie. — A n der Hauptstraße gelegen m u ß die Brücke von Altyn-
köprü, 'Goldbrücke' wegen des Zolls?, seit d e m hohen Altertum bestanden haben. W e n n bei
Sutruknahhunte u m 1170 neben Arrapha (Karkük) und Nuza (YorghanTepe) ein titurru, d. i.
akk. 'Brücke', auftritt, so ist das derselbe Gebrauch wie bei den Arabern, die einfach al-Qantara
sagen.
Djalüla-Gläl ist das assyrische Gananate — der Form nach ein pl. fem. von Ganänu — dessen
N a m e ohne viel Anhalt für seine Lage aus den Kämpfen Salmanassar's III gegen Marduk-bel-
usäte von Babylon bekannt war2. Der Babylonier war zu den Iasubi geflohen und hatte sich dann
in der Stadt Arman, Hulwän befestigt. Die Iasubi3 sind andrerseits Nachbarn der Kassu von
Luristan; danach lag ihr Land u m Mandali herum. Der Assyrer greift den Babylonier von Ga-
nanate aus an. Die Lage wird bestimmt durch den erst neuerdings bekannt gewordenen 5. Feld-
zug des SamsiAdad V in 814 a. Chr.4 Der König rückt über den Fluß Zaban, Berg Ebih, Fluß
Turnat, bei Sutruk Nahhunte Turun-Epeh genannt, den er bei Hochwasser überschreitet, in das
Land der drei Städte qa-if-J-na, pa-ad-nu und ma-kur-ri-te. Sein Gegner, Marduk-balätsu-iqbl
von Babylon, steht in Gananate, flieht aber, als SamsiAdad sich, den Berg Ha-si-mur überschrei-
tend, gegen ihn wendet, nach Nimitti-sarri. SamsiAdad verfolgt ihn erst, wendet sich dann aber
nach Der, Bedrai, im Süden. Nach IL Rawl. 52, 57 hieß Nimitti-sarri auch ahinärsäna, assyr.
Ahsana.
D e n Turnat m u ß SamsiAdad da überschritten haben, w o die Straße von Karkük über Ta'uq
nach Khäniqin den ab i Shlrwän5 kreuzt, und die drei Städte vertreten die drei Teile der Ebene von
Khäniqin: dies selbst, Dakka und Binqudra6. Der Berg Hasimur ist die Grenze zwischen Apollo-
niatis und Chalonitis bildende Kette, identisch mit Hasmar, bei Asurnäsirpal mehrmals in der
Formel "vom Paß Babite [westl. v. Sulaimäniyya-Shahrzur] bis Hasmar", als Grenzbestimmung
seiner Eroberungen gegen Babylon, und noch einmal beiSargon als "von Hasmar bis nach Simas
[in Medien]" als Ausdehnung der ihm gehörigen Strecke an der großen medischen Heerstraße.
AdadNirari I (um 1310) legte nach seinem Zuge gegen die Qüti (Guti) und Lullubi (Chalonitis)
mit NaziMaruttas von Babylon die Grenze fest "bei Arman (Hulwän) und Akarsallu" (elam.

1
Einige solche Fälle zeigen, daß auf dem Urbild der 5 N a m e des aus Shahrazur kommenden Oberlaufs
Karte die Namen, manchmal zweizeilig, in die die der Diyäla, zuerst im nuzhat genannt und gut be-
Orte andeutenden Felder eingetragen waren, wie schrieben, älter Djürwän nach Hamza bei Yäqüt
auf den ältesten Ptolemaios-Karten. IV, 847. — Tämarrä genannt von der Vereinigung
2 mit dem Alwän rüd an.
Salm. Annalen und Balawat-Tore.
3 15
Oder Iasubi-galla, oder, in K. 1072 Iasubi-gadda: Schon von J. Cl. Rieh, 'Koordistan' II, 273 be-
der Wechsel l:d, wie in Hulun : Hudunai (Asurnä- schrieben, mit dem großen Tepe Shlrwän, nach
sirpal, Annal. I, 58 u. 80); akk. adamdun: heute dem Fluß benannt, wie assyr. Me-Turnat. Von
Lamlün; nasi-hett. tabarna: labarna u. a. deutet Rawlinson und J. F. Jones in die Karten auf-
auf ein den arischen und semitischen Sprachen genommen. Als mir der N a m e Binqudra in Sa-
ganz fremdes Phonem, einen lateralisierten Dental. marra zuerst genannt wurde, glaubte ich es sei Bä-
4 Nuhadrä, es ist aber BäQadrä, Yäqüt II, 273 "Be-
E. F. Weidner, AOF IX, 98 u. 104; seine topo-
graphische Erläuterung wird durch die Gleich- zirk des tariq Khuräsän". Mir wurde es mit
setzung von Gananate mit Djalüla modifiziert. '1000 Naturen' erklärt, mit türk. bin.
6*
* 44 *

Ugärsillam), wohl so, daß das erste, die Chalonitis, assyrisch wurde, das zweite, die Apolloniatis,
babylonisch blieb. Der Höhenzug ist eine natürliche Grenze, auf die die Geschichte wiederholt
zurückkommt. Gananate ist durch den beträchtlichen Baradän Tepe bei Qyzylribät vertreten,
nördlich des Flusses. U n d Nimittisarri1, die "Festung des Königs" ahinärsäna "am Ufer des
(Kanals) Shäna" ist Daskarat al-malik, das "Lager des Königs" und dies wieder Artemita.

ARTEMITA-DASTAGIRD
Die "Griechenstadt Artemita, v o m Fluß (Kanal) Silla durchflössen", lag an der Königstraße
in Apolloniatis, nach Isidoros 15 Schoenen (69 k m ) , nach Apollodoros v. Artemita bei Strabon
aber 500 stad. (92, 5 km) von Seleukeia. Die alte Straße verlief ganz und gar in ziemlichem Ab-
stand links der Diyäla von Ktesiphon über Dastagird nach Djalüla.
W e n n die Araber vom tariq Khuräsän sprechen, haben sie schon den Zweig von Baghdad im
Sinn, der nach ibn Khurdädhbih, ibn Rusta und Qudäma, also von 234 bis 310 H., über Djisr
Nahrawän, heute Safwa2 ging und die ältere Straße zwischen dieser Brücke und Dastagird traf.
Von da lief der einheitliche W e g über Djalüla zur 'aqabat Hulwän, Gesamtlänge 45 Farsakh. Erst
bei Hamdalläh al-mustaufi (8. sei. H.) nach der risäla des Malikshäh (5. sei. H.) und dann bei
Yäqüt, u m 620 H., und in den maräsid, Anfang 8. sei., tritt der Zweig über Bä'qüba, Shahrabän
nach Djalüla hervor, mit Bä'qüba als Hauptort. Das blieb bis heute, als qadä Khuräsän, Vorort
Bä'qüba. Die Änderung, durch die die'neue Straße die alte erst beim Übergang über den Hamrin
erreicht, stammt aus der Zeit Malikshäh's, 5. sei. H.
Die von Isidoros beschriebene Straße berührte also die heutige Diyäla erst bei Djalüla und
ging nicht über Bä'qüba, wohin seine Entfernungsangabe von Seleukeia aus für Artemita führen
würde. U n d da seine Zahl 15, iz nicht etwa durch die Gesamtlänge der Apolloniatis von 33
Schoenen gestützt wird und den bei Strabon besser als die Zahlen der seltenen Isidoros-Codices
überlieferten 500 Stadien des Apollodoros v. Artemita widerspricht, so m u ß m a n ie in x', 15 in 20
verbessern. Artemita fällt genau auf Dastagird, Hauptort des Kreises Xusröy-säd-kaväh. Der
Tcoxa[x6(; StXXa ist nicht die Diyäla selbst, sondern ein großer Kanal.
Dastagird wird schon durch seinen Namen, ap. dastäkrta, als Punkt der achämenidischen
Straße bezeichnet: ein 'Lager', wie das von Ktesiphon, oder ein ribät, wie das seldjukische
Djalüla. Hamza von Isfahan, die beste Quelle3, schreibt die Gründung des sasanidischen Dasta-
gird al-Malik Hormizd I zu, 272—73. In 399 nennt es die Chronik v. Si'irt als Ort, wo Bahräm
Kirmänshäh bei einem Ausflug ermordet wurde. Auf Synodal-Akten erscheint das Bistum
Disqartä dh malkhä in 420 und 424, bei der Synode des Dädhlshö'. Als es Residenz Khusrau's I
wurde, nach den Shah.rh.Er., erhielt es den amtlichen Namengehän-farraxv-kirt-Xusröy "Khusrau
hat die Welt glücklich gemacht". Dabei wird der Wildpark erwähnt, den auch die Schriftsteller
des Heraklios in 627 p. Chr. beschreiben. Aaaxayepxocrap, wie Theophanes es nennt, ist der
volkstümliche Name, der nicht verdrängt wurde, sondern die Appos. "des Khusrau" erhielt,
später al-malik.
Die Lage ist in 627 p. Chr.: Herakleios in Beglali, Khusrau in Dastagird-Artemita,fliehtnach
Ktesiphon; und in 814 a. Chr.: SamsiAdad in Khäniqin, Marduk-balätsu-iqbi in Gananate,
flieht nach Nimitti-sarri und Babylon.
1
Vgl. nimitti-Ellil, N a m e einer der Mauern vonSammlung, die alle N a m e n des Kreises Xusröy-
Babylon, von emedu, 'MD; zur Bedeutung vgl. $ä$-kaväS geben.
arab. 'umda, 'imäd, 'amüd. :i
Wohl nach ihm auch Baidawi, nizäm. Etwas zweifel-
2
V o m Teil Safwa, bei dem imäm abu l-'Arüq stam- haft nur wegen der nur einjährigen Regierungsdauer
men eine Anzahl sasanidischer Bullen meiner des Hormizd; Markwart übersetzte 'restaurierte'.
* 45 *
Der alte N a m e des v o m Silla durchflossenen Artemita war nach Isidoros XaXäaap. A m Ende
einer langen Ortsliste auf der Stele des Silhaklnsusinak (1165—50) 1 erscheint, in einer ungefähr
diese Gegend beschreibenden Gruppe, ein Kanal när Sillam, der mit d e m elam. Ugärsillam
(selten), assyr. Akarsallu (mehrmals) zusammenzugehören scheint. Unter AdadNirari I war
150 Jahre früher die Grenze gegen Babylon so festgelegt, daß Arman-Chalonitis zu Assyrien kam,
Akarsallu babylonisch blieb. Danach bedeutet ugärsillam 'Gebiet des Sillam-Kanals'2, und dieser
begänne unterhalb von Djalüla. Akarsallu ist die Urform von Isidors' XaXoccrap < XapaoaX, der a m
SiXXa-Fluß gelegene Ort ist identisch mit Artemita-Dastagird. Martyrium des H . Pethion,
G. Hoffmann p.63: "Der Heilige wurde in den Fluß [Alwän] geworfen, dessen Wässer sich ober-
halb wie eine Mauer auftürmten, unterhalb aber bis z u m Fluß Gözen3, welcher ist SNNY (^^^
oder <-***£ß), abflössen". Der SNNY ist also der für den Gözen gehaltene Fluß, in den der Alwän
mündet, die Diyäla. In der Geschichte des mar Säbhä heißt er, wie sonst, Törmarä. Aber
Säbha zieht vor Beginn seiner Mission, nachdem er seine Mutter ins 'Schwesternkloster' bei
'Uqbarä gebracht hatte, erst nach beth Sharde a m nähr SHY, -****> = "'"^ des Pethion, später
über RädhänT~lam Hamrin] nach Häle = XaXa. Also setzt die Pethion-Erzählung, weil das
Martyrium oben an der Königstraße stattfand, für den Fluß den Kanal ein, der unten an der-
selben Straße floß. D a ß wiederholt der Kanalname auftritt, w o wir nach heutigen Verhältnissen
den Fluß erwarten würden, zeigt, daß es ein d e m späteren Tämarrä-Nahrawän-System ent-
sprechendes schon im hohen Altertum gab, das das ganze Land links v o m Fluß bis nach Esnunnak
hinab versorgte. Zur Zeit da Dastagird und Ktesiphon blühten, wird der Fluß selbst so voll-
ständig davon aufgesogen gewesen sein, wie dann zur Zeit von Baghdad4. Sallu, sillam, SiXXa,
säna, SNNY sind Formen eines und desselben Namens 5 und m a n kann fragen, ob er eigentlich
'Kanal von Esnunnak' bedeutete. Aber der N a m e Diyäla läßt sich damit nicht verbinden und ist
bisher in vorislamischer Zeit nicht bezeugt6.

CHALONITIS
D e n N a m e n der Chalonitis, arab. Hulwän, schreiben die Elamiter Ialman, die Akkader Arman,
Alman, Halman7. Auf sasanidischen bullae, deren Schrift ' und h nicht unterscheidet, steht
X
P. Scheil, MDP XI, 21. kann je von Djalüla durch oder über den Hamrin
2
Ideogr. vi. QAR, sum. agar, akk. ugäru, vgl. p. 57, geführt sein. Die Bezeichnung des Kanals nach
Bemerkung über ugäru und pikätu, auch den phoen. Djalüla ist daher dunkel. Aber er war der bedeu-
Stadtnamen Ugarit. tendste der links der Diyäla durch den Khuräsän-
3
Meint II. Kön. 17,6: Halali, Häbur, Fluß Gözän DistriktfließendenKanäle, also gleichwertig mit
und die Städte Mediens", das assyrische Exil der dem Silla.
5
Juden, das Talmud und Syrer in Iran suchen. In Z u m Wechsel n:l siehe oben, unter Arderikka-
Wahrheit ist Gözän gleich assyr. Guzana, gr. Tau^a- Mandali.
6
VITI?, Landschaft a m Khäbür in Mesopotamien. Auch nicht etwa durch den Irrtum Ammians —
1
Yäqüt I, 107: "Djalüla, tassüdj des Sawäd, am wie H. Kiepert glaubte — : Diabas und Adiabas in
tariq Khuräsän, 7 Fars. von Khäniqin, ist ein sehr Adiabene, von Siocßaivsiv (mit Gegensatz «SiäßocToc),
großer Kanal, der sich bis Bä'qüba erstreckt, . . . in Wahrheit die beiden Zäb in Hdhayyabh.
7
ist schiffbar bis Bädjisrä", ein aram. beth Gishrä, In der Zeit von Akkad konnte, wie bei Nawar:
südl. zwischen Bä'qüba und Djisr Nahrawän, nicht Namar das w durch pijwa dargestellt werden, dies
das nördliche, heutige abu Djisra. — Dazu J. F. Zeichen wird aber nicht angewandt. Mindestens
Jones, 139: Die Gärten von Bä'qüba werden seit der Kossäerzeit steht das m für w. Die ver-
nicht von der [dazu zu tief fließenden] Diyäla be- schiedenen, dabei gleichzeitigen Anlautschreibun-
wässert, sondern "by a cut from the Khurasan or gen deuten auf einen der Keilschrift fremden Laut;
Jellulah canal, . . . lost in the desert after passing vgl. die Guti-Namen mit arla-, iarla-, warla-,
abu Khamis, 5 hours to the south". Kein Kanal und Homers "AXuße? gegenüber Hekataios' XiX'/isc.
* 4Ö *

HLP'N, 'LP'N, lies alßän; Dimishql erwähnt die Form Alwän, jedenfalls mit medischer Psilose,
eine zufällige Rückkehr zu der uralten Form. Hulwän ist klassisch-arabisch, angelehnt an HLV.
Die Stadt heißt heute nur Sarpul. D e n alten N a m e n bewahrt nur der Fluß, von den kurdischen
Anwohnern Alwän gesprochen; bei Arabern unbekannt.
In Chalonitis gab es bei Isidoros 5 Ortschaften, von denen er nur XaXa, 15 Schoenen von der
Westgrenze und 5 vor d e m Paß 1 , mit N a m e n nennt. Danach fällt es so nahe N W von Sarpul, daß
sicher dieser genaue Punkt gemeint ist: der 'Brückenkopf. Die Brücke wird bei der arabischen
Eroberung erwähnt, bestand also vorher. Es ist wieder ein typischer Platz eines altiranischen
Gendarmeriepostens: das Bild v o m 'Haus an der Brücke' ist so geläufig, daß es als garo dmäna
an der cinvat-Brücke als Tor in den H i m m e l projiziert ist.
Nach Q u d ä m a und ibn Khurdädhbih bestand die kürat Hulwän, mit amtlichem N a m e n
shädh-fairüz-Qubädh, aus 5 tassüdj: Hulwän, al-djabal, Ssj\ (Qud.) oder Jo[ (b. Khurd.)2,
Tämarrä und Khäniqin. Die heute üblichen Namen Hören, Zohäb und Qasr i Shirln fehlen bei
Isidoros und bei den Arabern.
Hören klingt iranisch, kann aber älter sein. Unweit des Orts liegen die Ruinen von shahr
i Fadak3 und dabei die kale i Gabr auf einem isolierten Felsen; weiter, 2 fars. südlich, das Fels-
relief von Shaikhän mit Inschrift aus der Zeit von Akkad.
Zohäb, pers. zahäb, zihäb, bei Rieh kurd. Zehäw, ist eine alte Bezeichnung für sprudelnde
Quellen, auch Wasserfälle4. D e n Ort mit seinen Altertümern hat Rawlinson, 'March from Zohab
to Khuzistan (1836)' in J R G S 1838 geschildert, die natürliche, durch Menschenhand ganz un-
zugänglich gemachte Fluchtburg Kaie i Yazdegird oder bän-Zarda "über (dem Dorf?) Zarda",
in der Nähe das Heiligtum bäbä Yädgär und die Höhle — eines Eremiten? — deren Name,
haramkhäna i Shahrbänü die schiitische Interpretation eines uralten Kultortes der v o m Drachen
verfolgten Erdgöttin Ärmatis-Demeter ist5. Ich hörte bän i Zard als N a m e n des Westendes der
hohen Kette, auf die der Täq i Girrä-Paß hinaufführt, weiter nach S O K ü h i Shäh, Girzäl und
Talika (als azlam, dunkel, übersetzt). Ein zusammenfassender N a m e ist K ü h i N ä w ä oder Nu-
w ä (?), von Rawlinson ursprünglich als N ü h , Noah aufgefaßt. V o n d e m N a m e n Zagros habe ich
keine Spur feststellen können.
Z u den von Isidoros nicht genannten Ortschaften gehören die Vorgänger von Qasr i Shirin
und Khäniqin. Khäniqin klingt aramäisch, kann aber viel älter sein. Der Ort mit seiner sehr
bedeutenden Brücke m u ß immer bestanden haben6, und m u ß sich hinter andren alten Benennun-
1
Dabei 21 Schoenen Gesamtlänge der Chalonitis. zihäb 'fons, scaturigo', gleich casma; auch zäb.
2 Andrerseits jastan 'aufspringen', vgl. | yah-, Wb.
Ein Irbil, Arbela ist da ganz unmöglich.
3
Nach Fadak in Arabien, 2 Tage von Madina, bei 1281. — Gr. Bdh. 77, 10: "Hugar e buland an
Plinius VI, 28 Phodac, vgl. A. Sprenger, 'Alte ke.s äp ardvisür acas fröt ctf^-vj yahet, die hohe
Geogr. Arabiens' 329; Yäqüt "genannt nach Fadak Hugar ist der Berg, von dem das Wasser Ardvisür
b. Häm", gewiß aus ibn al-Kalbi. M a n ist ver- herabfällt, 1000 M a n n hoch".
5
sucht, Fadak mit Padan, Padnu zu verbinden. Vgl. AMI II, 66; III, 25; ebenso das Heiligtum der
' Gr. Bdh. 80: "b&^pS e an röt ac äturpätakän be Shahrbänü östl. v. Ray; die Sage erscheint in
äyet, pa pars ö zreh recet" und 88s: "Flüsse etc. arsasanidischer Zeit in Sistän. — Im Norden der
Zohäb-Ebene, östl. v. Hören, liegt das Gebirge
ovesänej^ySfräcävaret", mit "zihäpak — Quelle".
Laglag, arab. laqlaq 'Storch', vgl. "Lagalaga in
Gr. Bdh. 85: "hamäk kisvar xvarend ac an
Gutium" AASOR VIII, 17.
-fJ^OOty^ m i t 'zihäpakih = das Hervor-, Über- 11 Vgl. 'Paikuli' Taf. 215. — E i n iran. hellenistischer
sprudeln*. Np. zahidan, 1. = uftädan, cadere, N a m e ist Peloriarcha, siehe unten. — Auch diese
2. emanare e scaturigine, hervorsprudeln. — Brücke bestand vor dem Islam,
* 47 *

gen verbergen. In der akkadischen Zeit und noch bei SamsiAdad V scheint Padan, Padnu zu
entsprechen, ein N a m e , den die kossäischen Könige im Titel führen.
Der N a m e Qasr i Shirin kann nicht vor Khusrau II und Shirln erscheinen, nicht vor 590
p. Chr. - A u s den Akten des Pethion und des Säbhä geht hervor, daß Bläshfarr seine Stelle oder
die von Zohab einnahm. H a m z a 56: "Baläsh baute eine Stadt neben H u l w ä n und nannte sie

j*£% [d.i. j6%] Baläshfarr"1. Stephanos: BoXorsaicpopa TTOX-.C Tuspaud), eine deutlich erst
aus sasanidischer Zeit stammende Notiz, farr ist hvarnah, tyche, GDH, aber der König, nach
dessen Fortuna der Ort benannt wurde, m u ß einer der arsakidischen Volagases gewesen sein,
mcht erst der Sasanide Baläsh (484—88), da der N a m e in den Synodal-Akten seit der Mission
des Pethion und d e m Konzil des Dädhlshö', 424, auftritt. Er verschwindet seit 576, eben weil er
dann von Qasr i Shirln ersetzt wird. Die Folge der Unterschriften in den Konzilsakten ist keine
topographische; immerhin erscheint Bläshfarr neben Rädhän (am Hamrin, zwischen 'Adaim und
Diyäla) und Siarzur, Shahrzur, und wird es "an beth Garme grenzend" genannt, den Metropoliten-
sitz von Karkük, dessen Gebiet sich bis an die Diyäla erstreckte.
W e n n m a n Theophanes (Bonn p. 492s) mit Theophylakt (Bonn, 232, V, 14, 7) vergleicht, kann
m a n k a u m zweifeln, daß Herakleios über Qasr i Shirin k a m : T O TOCXOCTLOV TOU Xocjpoou T O
E7uXey6u.svov 'Pouaa, bei Theophylakt 'P-/)<jcovx6apoiv (oder poaov- u.a.) ist Qasr, die yscpupoc
T O Ö Topva ist Khäniqin, es folgen BeyXoXi, Aao-TocyspS und Bapaapoift, Djalüla, Dastagird und
Baladrüz. N a c h ibn al-Faqlh 51 machte Fahlbadh, der Sänger Khusrau's, ein Lied zur Ein-
weihung der Schlösser von Qasr i Shirin, in d e m der dortige Wildpark, dessen Anlage noch
deutlich zu erkennen ist, bägh e nakhchträn cJagd-Garten' genannt wurde, wie ßacxiXeox; &9jpa
bei Zosimos.
In 424 unterzeichnet ein Bischof Aetius der shebhithä 'captivitas' von Bläshfarr, und auch ein
Domitianus der 'captivitas' von Gurgän2. O b e n war erörtert, daß in den Pethion-Akten der Fluß
von H u l w ä n mit d e m G ö z ä n identifiziert wurde, wie sonst der Ort Hulwän mit Halah, und zwar
nach IL Kön. 17, 6 als Orte der jüdischen Gefangenschaft unter Salmanassar IV. Diese Ver-
örtlichung findet sich schon in den bab. Qiddüshin 72, 53, ist also eine jüdische Überlieferung, die
die Syrer so allgemein a n g e n o m m e n haben, daß noch im Mittelalter, als die große Metropolitie
Medien geteilt wurde, der westliche Teil den Titel "Metropolitie von Halah, das ist Hulwän,
und von A h m a d ä n " erhielt. Ähnlich liegt es mit der shebhithä von Gurgän. Moses v. Chor, sagt
unter 'Medien': "Es wird gesagt, daß Artases Ok'oz (Artaxerxes III) von den Juden welche n a h m
und in Hyrcania a m Kaspischen Meere ansiedelte". Nach Markwart, Eränsahr 137 u. 143 stammt
das aus der armenischen Übersetzung der Chronik des Eusebios, die im entsprechenden Passus
bei Synkellos erhalten ist; er rekonstruiert den Eusebios-Text als: 'Qyoc, aTO&GqjLov xiva 'IoöSaicov
atyjxaXoiTov sXoiv sv 'Tpxavia XOCTOIXICTS 7tp6^ TYJ Kv.GTzifi ö-aXaacr/]4. Die beiden shebhithä sind
also jüdische Captivitates der galüthä. Die von Hulwän-Halah k o m m t im Talmud wiederholt
vor. Muqaddasi erwähnt in der Stadt H u l w ä n die Straßen darb al-Yahüd, darb al-Yahüdiyya,
und außerhalb des Orts eine aus Haustein gebaute Synagoge, die sehr angesehen, wenn auch
1
Von P. Schwarz, Tran im Mittelalter', 677 nicht ist nicht nötig, Domitianus hieß nach der Chronik
erkannt. v. Arbela der Satrap von Adiabene z. Z. des Über-
2
Vgl. Sachau, 'Christentum' 37s und 63; Labourt, gangs von der arsakidischen zur sasanidischen
'Christ'. 122, n. 3. — Sachau faßte shebhithä als Herrschaft.
'Gefangenenlager'; Labourt bemerkt: "Beide :! Vgl. Obermeyer 10,2 und 106s.
Bischöfe sind offenbar Römer, deren Unterschriften 4 Vgl. Marquart, 'Fundam. israel. u. jüd. Geschichte'
besser in die Zeit Khusrau's I passen würden, der 30.
römische Kriegsgefangene gemacht hatte". Das
* 48 *

nicht so schön sei, wie die von Jerusalem. Die Captivitas von Gurgän gibt der Eusebios-Stelle
die bisher fehlende Bestätigung, und bestätigt zugleich, daß diese Stelle aus d e m Hekataios
v. Abdera untergeschobenen Werk rapi 'IouSouoov stammt 1 , also etwa der Zeit u m ioo a. Chr.
angehört. D a n n steckt aber auch in d e m sehr auffälligen XaXa Isidors, statt *XaXoiv, *AXouava
und in aram. Häle in der Geschichte des Säbhä, die jüdische Umdeutung des uralten Namens 2 .
Die an topographischem Stoff so reiche vita des Missionars Säbhä fasse ich etwas anders auf als
G. Hoffmann: Säbhä's Familie, aus d e m Hause Mihrän (vgl. oben p. 39), war in Bläshfarr be-
heimatet und besaß ein Dorf beth HN Y a m Törmarä, d. i. in der Ebene von Khäniqin.
Der Vater war Statthalter im 'fernen' beth Deräye und beth Kussäye, während das Kind bei seiner
Mutter und christlichen A m m e blieb. Nach d e m Tode des Vaters läßt dessen Bruder das Kind
gewaltsam zu sich bringen, kaum a m gleichen Orte, denn er schreibt der Mutter einen Brief,
und lebte wohl als väspuhr des Reichs an der 'Pforte' in Ktesiphon. D a n n stirbt der Oheim, und
der halberwachsene Säbhä schickt seine Mutter und A m m e in das derä dh akhwäthä, das berühmte
dair al-akhwät, 'Schwesternkloster' bei 'Uqbarä — bei d e m Rufe, in d e m es später stand, hätte
das niemand getan. Als er später die Schule absolviert hatte, geht Säbhä nach beth Sharde
'Mandelhausen' a m nähr SHY, den oben besprochenen Kanal an der Königstraße. Während
oder nach einer Christenverfolgung beginnt er seine Mission und zieht "nach Rädhän und nach
der Stadt Häle". Das besagt nicht, daß Häle der Vorort von Rädhän war, vielmehr will Säbhä
in seiner Heimat Bläshfarr wirken: Häle ist XaXa des Isidor, Hulwän. Dorthin machen der
Presbyter von Läshom3 und andre 'die weite Reise', u m ihn zu ordinieren. Er bekehrt dann die
ganze Stadt Häle, weiter l»o? D ü m m ä ? , gewiß nicht a m Tigris bei Baghdad, dann Aghme
dh beth Zolle 'Sumpf des Röhrichts', heilt einen Blinden aus Alänaqäbhädh [? jedenfalls ein iran.
N a m e ] , dessen ganzer Heimatort sich bekehrt, verläßt dann das kultivierte Land J»k-> und geht
in die Berge [tassüdj al-djabal von Hulwän], wird bei einer Quelle von Kurden gefangen, die alle
das Christentum annehmen. Zwei mil davon ist ein Dorf der Sadducäer mit ihrem resh [vgl.
den rä's des mäqöm Kaspaya bei Ezra], die feindlich sind, sich nur z u m Schein bekehren und dann
durch ein Wunder vernichtet werden. Darauf steigt Säbhä wieder hinab, bis er nach >oy>©M^.
kommt 4 , nach Shahrzur, " w o noch heute sein heiliger N a m e berühmt ist", gräbt dort einen
Kurbrunnen [nicht im Dudjail-Bezirk], und stirbt da nach 3 % Jahren, in 779 Gr., 487 p. Chr. —
Während des Jahres der Dürre in beth Armäye unter Sheröe (627/8) wurde der Ort von den
Bewohnern verlassen. Ein aus beth Deqle 'Palmenhausen' von beth Garme 5 stammender Presbyter
1
Vgl. E. Jacoby in Pauly-Wissowa VII, 2766—68. Ritter, H. Kiepert, Andreas (Pauly-Wissowa s. v.
2
Die Tabula hat Albania < *'AXoiiavoc, in der Vor- Aluaka) angenommene Identität von 'AXouaxa mit
Stellung jener Topographen mit dem kaukasischen heutigem Albäq vielleicht falsch. M a n kann die
Albania verschmelzend. Auch Ptolemaios hat hoch Einzelorte bei Ptolemaios nur bestimmen, wenn der
im Norden, im Lande der Karduchen, in Media — Zusammenhang der Routen erkennbar ist, mit
denke an Strabons Gordyene für die Eretrier in denen er seine verzerrten Länder füllte: das ist in
Mandall — westlich des Urmiya-Sees die Gruppe diesem Fall nicht durchsichtig.
'AXouaxa und IWCavia [Halah und Gözen], ;) Ich habe den früher nicht bekannten Ort auf meiner
während ihm *'AXoiSocvoc vor den Zagros-Toren Karte in 'Paikuli' eingetragen, ganz nahe bei
auffällig fehlt. Nach den Akten der S. Sira, G. Ta'uq,Däqüqä, mit dem es in den Akten zusammen
Hoffmann 265, n. 2099, siedelt Khusrau I von TÖ erwähnt wird.
'AAouaxwv sie, TOTTOV Asy6[j.svov TsaavKouaäSwv ' Fehler für in ; ;.™\ oder JOjioMkX, nicht nähr
über. Der erste N a m e bedeutet Hulwän, also Zäwar bei 'Uqbarä; auch bei den Arabern kommt
'AXouavojv, der andre ist das den Arabern bekannte falsch JJJ # statt jjj *i vor.
Röshanqubädh, oder, wie Hoffmann bemerkt, falls r- Viell. Tuz- oder Täza-khurmatü; sonst kennt man
aus dem Syrischen umschrieben, auch rösan-xusrau, nur ein Furät Bädiqlä bei Küfa.
das wäre Qasr i Shirln. — Daher ist die von
Tafel V

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* 49 *
n a h m einen Knochen des Heiligen mit nach Haus und baute darüber eine Kapelle. Die Juden
schütteten den Brunnen zu, aber aus einem Stabe, den Säbhä hatte in den Brunnen fallen lassen,
sproß ein Baum. Das ganze spielt in Hulwän bis Shahrzur. Auch die Sadduzäer, die in einer
öffentlichen Disputation "die Auferstehung und das Jüngste Gericht leugnen", wie bei Matth.
22,23, sind jüdische, nicht christliche. Sie k o m m e n von der shebhithä von Halah-Häle. Rawlinson
schrieb, jedenfalls ohne Kenntnis der syrischen und talmudischen Stellen, in JRGS 1838, 25:
" T h e real site of Hulwän, one of the eight primeval cities of the world1, was at Sar Puli Zohäb.
This is the Calah of Asshur and the Halah of the Israelitish captivity", und dazu "Jewish traditions
abound in this part of the country". Damit meint er aber die 'Ali Ilähiyya mit ihren seltsamen
Sitten und religiösen Vorstellungen, die noch heute in Sarpul und Kirind und Nachbarschaft
sitzen und über ganz Kurdistan und Luristan wandern. — Auch J. F. Jones schreibt 1. c. 156:
"These people appear to be itinerant gipsies and led a nomad life ... their w o m e n obtain a
precarious livelihood solely by the exercise of their paphian vocations ... vertue is indeed un-
known among them" 2 . Er verweist auf die zargar 'Goldschmiede' genannten Nomaden, die
Cl. J. Rieh 3 in Färs beschrieb.
Zigeuner sind einmal in diese Gegend gekommen, aber ohne Dauer und Wirkung, das Volk,
das die Araber Zutt nennen. Ihre ersten Anfänge hat m a n nie erörtert.
Sprachlich ist ar. zutt Widergabe von np. jut, < m p . zut < ap. yutiya. Ihr Sitz ist bekannt.
Läristän, das südliche Färs4. Ethnologisch gehören die Yutiya-Otmoi zu den dravidischen Ur-
einwohnern, nicht zu Iraniern oder Indo-Ariern.
Nachbarn der Yutiya waren die in d e m Bergland von Bashäkird lebenden ap. Akaufaciya
> köfic, arab. Qufs, > *köhic > köc, i. e. montani5, und die erst in sasanidischer Literatur auf-
tretenden *brzavaciya > bulöc, arab. bulüs, 'Laut-Stimmen, Schreier'. Köc u Bulöc sind ein
oft genanntes Paar, zu d e m widerholt als dritte die Zutt treten, noch u m 360 und 390 H , 1000
p. Chr. unverändert in derselben Gegend 6 . Dieselbe Dreiheit nennt Mas'üdi, murüdj III, 254
"Qufs, Bulödj und Djut, o=», in Kirmän".
Die Zutt sind als gute Soldaten berühmt und waren nach Balädhuri 375 mit andren7 im djund,
der regulären Armee der Sasaniden. Bei der Eroberung von Khüzistän nahmen sie den Islam
an und wurden u m Basra angesiedelt. Die Araber begegneten ihnen auch in Bahrain. Balädhuri
375 erwähnt unter ihnen Kriegsgefangene aus Sind. Als dann al-Hadjdjädj Wäsit gründete,
brachte er, u m die dortigen Sümpfe auszunutzen, viele tausende von Büffelkühen und Bullen
1
Sein Ausdruck erinnert an die merkwürdige Vor- rzura ~>lur. Dasselbe Wort steckt in Siarzura,
stellung, die Hamdalläh al-mustaufi, nuzhat 44, Shahrzur, vgl. die verschiedenen in West-Medien
mit den "Sieben Städten des Träq", darunter vorgestellten rzura des Awesta, aus der Kyros-
Hulwän und Babylon, verbindet, ein Gemisch von Husravah Sage. Das erste Glied von Siarzura ist
jüdischen Überlieferungen und von der Heptapolis eine Farbe: siyäh heißt 'schwarz aber die alten
al-Madä'in. Wälder heißen alle "Weißwald" also vielleicht eine
2
Vgl. das Bild einer solchen Frau aus Sarpul, pers. Dialektform von spaita mit sp >s.
6
'Paikuli' pl. 220. Z. B. Margoliouth, 'Eclipse of the Caliphate', II,
3
In dem mir nicht zugänglichen 'Babylon und Perse- 300; III, 349.
polis' p. 259, von 1839, einer zusammenfassenden 7 Mit den sayäbidja und andahgär, vgl. Mas'üdi mur.
Ausgabe der zwei älteren 'Memoirs on Babylon'. II, 75; IV, 307. -sayäbidja, pl. v. *saibäg < sepäk
4 'Schleuderer', oder mit 'tir' 'Pfeilschützen'. Die
Vgl. AMI II, 85 ss.
5
Von ähnlicher Bedeutung ist der N a m e der Luren. andaghär stammen "aus Kirmän nach Zarang zu",
Die Etymologie des Tärikh i guzida ist richtig ba. gewiß auch eine Truppenbezeichnung, vgl. ar.
zabän i luri küh bar dirakht-rä lur güyand, "im lur-kilghäriyya aus p. gilkär 'Erdarbeiter, Pioniere'.
Dialekt heißt ein Berg mit Wald lur" nämlich aw.
7 Herzfeld
* 50 *

"mit ihren Zutt" aus Sind nach Kaskar, Balädhuri 167s. D a sind sie nur die unvermeidlichen
Anhängsel der Büffel1. Bei Mas'üdi, tanb. 355 erscheint das in der unzutreffenden Form, die
Zutt hätten überhaupt den Büffel nach d e m 'Iräq gebracht, den es dort seit Urzeiten gab. Ba-
lädhuri 436 und 445 nennt Zutt **JJ\, Zutt Qiqän [ap. Käpisakänis], zusammen mit Med von
Daibul, also im östlichsten Balöchistän bis zur Indusmündung. Nach Longworth-Dames sind
die Djat von Makrän [Oünot, xal Moxot,], die den Bulöc unterworfen in der Provinz Bela verstreut
leben, und die Djat von Kacchi rein indische Stämme untergeordneter sozialer Stellung; auf noch
tieferer Stufe stehen nur die benachbarten M e d , die Fischesser, Ichthyophagen des Alexanderzuges.
Schon unter Mu'äwiya, 49 H., sicher unter Walid b. 'Abdalmalik, wurden Büffel und Zutt
von Kaskar in die Sümpfe bei Antiocheia und Massisa in Kilikien übersiedelt. I m 'Iräq fingen
sie allmählich an, die Tigrisschiffahrt zu stören und zu rauben. Seit 205 H wurden Strafexpedi-
tionen gegen sie gemacht. U m 220 beendete 'Udjaif b. 'Anbasa diese Kämpfe mit d e m Erfolg der
Unterwerfung der Zutt: 12000 M a n n paradierten in ihren Booten in Shammäsiyya an der Yacht
des M a ' m ü n vorbei. Dann wurden sie nach Khäniqin gebracht, Tabari III, n 7 0 , Balädhuri
375 s, aber bald darauf weiter an die byzantinische Grenze, w o sie in den Kämpfen mit den
Byzantinern aufgerieben wurden. In 241 H . wurden ihre Reste mit Frauen, Kindern, Büffeln,
Rindern bei 'Ain Zarba, Anazarba, von den Byzantinern gefangen und abgeführt. Tabari III,
1426. — Von da an werden sie die 'Zigeuner'.
Die Gürän von Zohäb, Dbüsiyya und Hadidiyya von Sarpul und Kirind, die alle 'Ali-Ilähiyya
sind, deren Weiber alle Tänzerinnen und Sängerinnen, und deren Knaben oft Akrobaten sind,
sind weder Zigeuner noch Luren. Wie allen ähnlichen Sekten wird auch ihnen die berüchtigte
ma'shüsh-Nacht nacherzählt, und es ist wichtig, daß das in der Säbhä-Geschichte schon vor dem
Islam behauptet wird. G. Hoffmann p. 71: "In Häle tanzten Männer und Weiber miteinander,
so war ihre Sitte, wenn sie ihren Idolen Opfer und Libationen darbrachten, auch wird angedeutet,
daß Unzucht unterlief". Ferner sind sie Schmiede, und Schmiede sind fast überall Fremdlinge
und werden oft mit Musikern und Tänzern verbunden. Die Griechen haben das in der Daktylen-
sage, die Germanen in den Alben, die Bibel im Qeniterstammbaum. Hebr. Qäin ist ein Schmied,
und arab. qaina ist die berufsmäßige Sängerin-Tänzerin. Einer aus der Reihe von Inkarnationen
ihrer Gottheit, genannt Dä'üd, also dem alttestamentarischen David angeähnelt, ist ein Schmied.
Nach ihm nennen sie das große medische Fels grab bei Sarpul dukkän i Dä'üd. Dukkän könnte
jeden Laden und als 1.1. arch. auch propyläum bedeuten, aber die Anwohner, die es als großes
Heiligtum betrachten, erklären ausdrücklich die Basen der verschwundenen Säulen als Ambosse,
das cubiculum in der Grabkammer als Wassertrog des Schmiedes.
Der Ort Kirind ist für die ihm eigentümlichen Stahlarbeiten bekannt: Beile, tabar (tabal,
Tubal), Zuckerbeile, qand-shikan, fäs; Feuerzangen, mäsha; Feuerstahle, zinäd, und künstliche
Vorlege-Schlösser werden verfertigt, die an die Isfahaner Stahlarbeiten erinnern, aber nicht
tauschiert sind. Ibn al-Faqih 210 2 zitiert aus der Einleitung des für Kavädh, gegen 500 p. Chr.
geschriebenen Urbildes der Ühahr. Er. "er fand als geschickteste für (Herstellung von) Waffen
(die Bewohner von) vier Orten seines Reichs: Hamadän, Hulwän3, Isfahän und Shahrzur".
Muqaddasl 128 erwähnt auch die Weinberge u m die Stadt Hulwän; das teilt dies Hukuän mit dem
syrischen Halbön*. So hat m a n Tubal, Tubal qäin und Na'ama aus d e m Qeniterstammbaum in
Genesis IV, 2 1 — 2 2 beisammen.
1
Nach Longworth-Dames, Em. Tsl. soll djat im vgl. Muqaddasl 257s und AMI IX, 93SS.
:i
balöci 'Kamelshirt' bedeuten: cf. Ptolemaios' Für Kirind.
Ka[nr)Xoß6cxoi, aber man erwartet 'Büffelhirt'. ' Vgl. oben p. 451.
2
Etwas ausführlicher in dem M s . von Mashhad;
* 51 *

Die eigentümlichen Sitten der 'Ali Ilähiyya stammen weder von Griechen, noch Juden, noch
Zigeunern oder andren Exulanten, sondern von Stämmen mit ursprünglichem Mutterrecht und
polyandrischer Ehe, durch die sie den meisten andren Völkern als völlig fremd erscheinen. Sie
haben vieles gemeinsam mit den Sulaib unter den Arabern, den Yaziden im Sindjär, den N u -
sairiern in Nordsyrien und Kilikien, den kurdischen Qyzylbash im östlichen und den Takhtadji im
westlichen Anatolien. F. v. Luschan schreibt über diese abgesonderten Reste alter Stämme 1 :
"Vergleicht man, was über ihre Sitten und religiösen Anschauungen als feststehend mitgeteilt
werden kann, ... so ergibt sich ... so viel Übereinstimmung ..., daß m a n die Frage aufwerfen
m u ß , ob dieser zweifellos vorhandene Zusammenhang ein alter [vorislamischer] ist oder nicht",
und schließt, daß "als allein richtig angenommen werden darf, daß wir bei diesen verschiedenen
Sekten Reste einer gemeinsamen heidnischen Kultur zu erkennen haben".
Die Beständigkeit der Ortsnamen spricht für die Beständigkeit der Bevölkerung. Das in einer
wilden K l a m m gelegene Kirind, einer der seltsamsten Orte Irans, trägt den kossäischen N a m e n
Karaindas. Bei SutrukNahhunte, u m 1170, ist es Karinted, von w o er eine Stele des Melisipak
nach Susa schleppt; im Awesta Kurinta, in einem Bruchstück des AziDahäka-Mythos — des
Drachens, vor d e m die Erdgöttin (Shahrbänü bei dem nahen bäbä Yädgär)flieht— , bei Isidoros
Kapivoc2, Ravennas Carema, Ptolemaios Kapiv/j.
Yäqüt II, 322 erwähnt ein östlicheres Hulwän "im köhistän von Nishäpür, an der Grenze von
Isfahan und Khurasan". Das an der'aqabat Hulwän gelegene heißt unter dem Reich von Akkad
und Arman, assyr. Halm/wan; beide Formen werden auch für Aleppo gebraucht.

DIE ZAGROS-TORE
I m höchsten Altertum, als die westlichen Gebirge von Lullubi, Nawar, Gutium zum Reich
von Akkad gehörten, müssen die Sumerer den Paß wohl gekannt haben. Erst recht in den Jahr-
hunderten des IL Jahrtausends, v/o die Kossäer herrschten, die ja aus diesen Gebirgen kamen.
Damals war der Paß keine politische und in keiner Weise eine kulturelle Grenze. Die Elamiten,
in deren Besitz die Gegend oft war, kannten ihn ebenso gut: SutrukNahhunte kam u m 1170
nach Karintas, und zog von da nach Babylon. V o n den Assyrern ist wohl zuerst AdadNirari I
soweit vorgedrungen, u m 1300. U m 900 marschiert AdadNirari II "bis zu den Pässen des Landes
Namri" (Kirind); bei Asurnäsirpal, 883, und Salmanassar III, 858 u. 827, erscheint dann zuerst
ein N a m e des Passes: Simesi. In der Folgezeit wird das ganze Land an der Straße bis Kirmänshä-
hän assyrische Provinz, unter d e m N a m e n Parsuas (ehemals bit Hanban), und Harhär (Nihäwand)

1
Petersen und v. Luschan, 'Reisen in Lykien, eindrucksvollen Ort hatte ich 1913 zuerst gesehen
Milyas und Kibryatis', Wien 1886, II, 202. und ritt 1917 schwer fiebernd wieder da durch.
- Viell. ursprünglich unflektiert KäptvS. —Zwischen Unter meinen acht Türken war ein Marokkaner aus
der Paßhöhe und Kirind liegt im Walde an einer Tlemcen. In den folgenden Jahren hatte ich einen
schluchtigen Wegestelle das Dorf Surkhadeza, mit immer wiederkehrenden Traum: ich ritt durch
Zwei klaren a gesprochen und mir als 'rot und Surkhadeza, und da erschien ein Marokkaner und
dunkel', azlam, wegen der Farbe des djangal erklärt, sagte: ich will mit dir reisen! M a n kann sich
also np. deza 'schwarz, grau', wohl eine Volks- nichts Unwahrscheinlicheres denken. Im Frühjahr
etymologie. — J. F. Jones, 1. c. 153 erwähnt 1923 ritt ich wieder durch Surkhadeza mit acht
"remains of a fire-temple close to the khan ofSurkh Arabern, und als die Karawane den Ort passiert
i dazr (Druckfehler)". Ich habe keine auffälligen hatte, fragte ich einen der Leute: gibt es etwas
Ruinen beobachtet, aber 1917 war der Ort nach Neues? "Nein, es kam nur ein M a n n aus Marokko
russisch-türkischen Kämpfen ganz in Trümmern. und sagte, er wolle mit uns reisen!" Er ging mit uns
Den durch seine Landschaft und seinen Wald sehr bis Teheran.
7*
* 52 *

und noch fernere Gebiete werden dieser Provinz loser angeschlossen. Mit der Aufrichtung des
Mederreichs, in 678 a. Chr.1, geht das Land den Assyrern verloren, es gehört bis z u m Ende des
Achämenidenreichs zu Iran. Der Paß ist der Punkt, w o die von Kyros begonnene, von
Dareios vollendete Königstraße in Iran eintrat. U n d Alexander zog 326/5 darüber und sah bei
Mandall die Nachkommen von Eretriern mit eigentümlicher Sprache und Sitte.
Die alten Araber sagen 'aqabat Hulwän "Aufstieg, Bergstraße von Hulwän". In der ersten Zeit
haftete noch der N a m e eines sasanidischen dihqän an der Landschaft: Mädruwaspän2, und dort
soll ein Jagdschloß des Bahräm Gör, des großen Nimrod, gestanden haben. Damit ist wohl der
Täq i Girrä gemeint, ein Quaderbau aus hellem, im Licht goldgelben Kalkstein, nach seinen
eigenartigen Profilen ein Werk des 5. sei. p. Chr. in nordmesopotamischem Stil3. Nach ihm heißt
der ganze Paß heute Gardana oder Girlwä i T ä q i Girrä. N p . garrä, karrä heißt der 'Schröpfer,
Barbier', und Yäqüt 111,489 übersetzt das mit "Täq al-hadjdjäm, 'Bogen des Schröpfers', nahe
Hulwän al-'Iräq, ein Gewölbe aus Quadern, an einem Aufstieg der Khuräsänstraße, in einem
Engpaß zwischen zwei Bergen, wunderbar gebaut, hoch im Bogen". Sonst erscheint der heutige
N a m e , giriwa i täq i Girrä erst bei Hämdallah im nuzhat1.
Die 'aqabat Hulwän ist der Ostpunkt, bei dem nach ibn Khurdädhbih 14 die von 'Umar b.
al-Khattäb vorgenommene Vermessung des Träq begann: nach W . 80Farsakh,und von al-'Alth
und 'Ukbara im N nach 'Abbadän a m Shatt al-'arab im S 125 Farsakh. In diesem Zusammen-
hang führt ibn Khurdädhbih Verse des H a m m ä d 'Adjrad auf die "Beiden Palmen von Hulwän"
an, und Yäqüt widmet denen, nach dem kitäb al-Aghäni ein ganzes Kapitel5. Die Palmen sind
ein großes Symbol. Auf meiner Karte von 1905 hatte ich die Stelle vermerkt, w o heute unterhalb
im Tal die letzten Palmen stehen. Der erste, der die beiden Palmen von Hulwän in einem
Gedicht nannte, war Mut!' b. Iyäs al-Laithl, ein Genosse des Hadjdjädj b. Yüsuf, der selbst
erzählt6): "Ich war mit Sälim b. Qutaiba in Rayy, und als Ibrahim b. al-Hasan b. 'Ali b. abi Tälib
aufstand, befahl al-Mansür dem Sälim brieflich, sofort mit der staatlichen Post zurückzukommen.
Ich hatte aber eine Sklavin und lebte mit ihr zusammen, und dabei liebte ich eine Frau von den .
Töchtern der dahäqin, namens Djödhäba, und wohnte in einem ihr gehörigen Hause neben dem
ihren. Bei unserer plötzlichen Abreise mußte ich die Sklavin verkaufen, und in meiner Seele
blieb nur die Leidenschaft zu jenem Weibe. U n d als wir auf der 'aqabat Hidwän hielten, setzte
ich mich, mich an eine der beiden Palmen die dort wuchsen lehnend, die Zügel meines Reittieres
in der Hand und auf mein Packtier blickend, und dachte an die Frau und dichtete:
"Helft mir, ihr zwei Palmen von Hulwän! Ach wie oft hat mich Unglück getroffen
weint mit mir u m die unbeständige Zeit, durch Trennung von Freunden und Geliebten,
die Freunde und Nachbarn von einander reißt! aber so habe ich nie gelitten,
Könntet ihr die Qual der Trennung kosten, wie u m die Trennung von der Tochter des dihqän,
müßtet auch ihr weinen wie ich. meiner Nachbarin in Rayy,
Helft mir und glaubt mir, die meine Sorgen zerstreute
auch euch wird das Unheil treffen und trennen! und mit ihrer Nähe meinen K u m m e r verscheuchte.
1
Die Zahl "128 Jahre vor der Eroberung von Agba- Anspielung auf Rawlinson und Jones sein, die den
tana durch Kyros", bei Herodot, ist als geschieht- Bogen so nannten.
lieh zu betrachten: Zählung des patnäm-Feuers der ' Iranische Felsreliefs, 232—235, Abb. 112, 113»
medischen Dynastie, gen. ätur kavätakän in Taf. X L V I I .
Agbatana. B pj e r T e x t t»ei Yäqüt III, 318—21 ist vielfach besser
2
Tabari II, 916 u. 942. als der in der unkrit. Edition der Aghäni XII,
3
Wiederholt, meist l_£"statt \"J" geschrieben. Die 107SS.
Anmerkung von A. Houtum-Schindler, zur Übers. ° Die Quelle gibt zwei Versionen der Geschichte; ich
p. 162: "the Arch of White Marble" klingt wie folge der zweiten, mit einigen erklärenden Zu-
eine Übersetzung des Namens, kann aber nur eine sätzen aus der ersten, etwas kürzend.
* 53 *
Der Wechsel der Tage schlug mich mit Trennung, aber ließ in meinem Herzen eine verzehrende Flamme,
schlimm wie der Tod. wie das Feuer im Rohr, das der Wind anfacht.
Meine Augen werden sie nie wiedersehen, Friede über dich, aber mein Geist findet
noch sie mich! keinen Frieden, und mein M u n d geht über"1.
Sie hat mir Lebewohl gesagt,

Keine Übersetzung kann den Gefühlswert der Verse wiedergeben. Als Lied auf einen schönen,
sehr bekannten Ort entsprechen sie im Arabischen Heine's 'Loreley', aber ihre Stimmung ist
"Nur wer die Sehnsucht kennt, Weiß, was ich leide, Allein und abgetrennt V o n jeder Freude".
Weiter:
" D a sagte Sälim zu mir: Auf wen sind diese Verse, auf deine Sklavin? und ich schämte mich,
die Wahrheit zu sagen, und sagte: Ja. D a schrieb er sofort an seinen Leutnant in Rayy, sie zurück-
zukaufen, und ohne Verzug kam dessen Antwort, er habe sie gefunden, aber sie sei' von Hand
zu Hand gegangen und koste 5000 Dirham, wenn er solle, würde er sie kaufen. Sälim teilte mir
das mit und sagte: W a s willst du lieber, sie oder 5000 Dirham ? Ich sagte: W e n n sie von Hand
zu Hand gegangen ist, so sage ich mich von ihr los! D a schenkte er mir 5000 Dirham. Aber ich
dachte: In meinem Herzen ist nichts von ihr geblieben, und wenn ich sie geliebt hätte, wäre
es mir gleichgiltig gewesen, von w e m sie zurückgekommen wäre, und es wäre mir gleichgiltig
gewesen, wenn die ganze Welt sie gehabt hätte".
Nach al-Madä'ini: "al-Mansür kam an den zwei Palmen von Hulwän vorbei, deren eine so
nahe a m W e g stand, daß sie ihn für die Lasttiere eng und schwierig machte. Er befahl sie ab-
zuhauen, aber jemand rezitierte den Vers: "Glaubt mir, auch euch trifft einmal das Unheil der
Trennung", und al-Mansür sagte: "Nein, ich will nicht das Unheil sein, das sie trennt" und reiste
weiter und ließ sie stehen. al-Mahdi soll gesagt haben: Es gibt so viele Gedichte über die Palmen
von Hulwän, daß ich sie a m liebsten abschlagen ließe! al-Mansür, der das erfuhr, schrieb ihm:
Ich habe erfahren, was du tun willst: es nützt dir nichts, sie abzuhauen, und schadet dir nichts,
sie stehen zu lassen, aber ich beschwöre dich, sei du nicht das Unheil, das sie trifft, wie Muti' sagt".
Als dann al-Mahdi einmal zur 'aqabat Hulwän kam, gefiel ihm der Ort sehr, und er aß dort zu
Abend und rief Hasana und sagte ihr: Sieh, wie schön es hier ist, sing mir etwas, während ich
einen Becher trinke! U n d sie nahm ihm den Kratzer2 aus der Hand, setzte sich ihm auf den
Schoß und sang:
"O ihr zwei Palmen vom wädi Buwäna,
wohl euch,
wenn der Palmenwächter schläft,
kommen wir zu euch!"

Der Khalife sagte: Schön! Eigentlich wollte ich sie abhauen lassen, aber dein Lied hält mich
davon ab! Sie sagt dann fast die Worte des Briefes des Mansür, und al-Mahdi antwortet: Ich
werde sie nie abhauen lassen, sondern Wächter bestellen, die sie bewässern, so lange ich lebe!
U n d so geschah es, bis er starb. Salläm al-Abrash erzählt: al-Rashid erkrankte auf der Reise nach
Tös in Hulwän, und der Arzt verschrieb ihm, Palmenmark zu essen. Als m a n es von dem dihqän
von Hulwän verlangte, sagte der: in unserem Lande wachsen keine Palmen, aber auf der 'aqaba
stehen zwei! D a befahl er, eine abzuhauen. U n d als er an den Ort kam und die zwei Palmen sah,
die eine ein Stumpf, die andre hochragend, und auf ihr die Verse des Muti' geschrieben sah, da
begriff al-Rashid und sagte: Das trifft mich schwer, daß ich euer'Unheil' bin. Hätte ich den
1
Der Gedanke des letzten Halbverses ist mir unklar: 2 mahakka, ich kenne sie als dünnen Ebenholzstock
J U Jij £* LDL. £ L U f>UI SU mit kleiner Elfenbeinhand.
* 54 *

Vers vorher gehört, hätte ich die Palme nicht abhauen lassen, und wenn ich an der Krankheit
gestorben wäre!"
Yäqüt zitiert dann noch den auch von ibn Khurdädhbih angeführten Vers von H a m m ä d 'Adjrad:
"Allah, nimm die beiden Lotus von Qasr i Shirin hin,
für die beiden Palmen von Hulwän!
Ich kam u m ihre Hilfe rufend, und sie haben mir nicht geholfen,
aber für Muti' weinten die beiden Palmen!"

I m kitäb Baghdad, fol. 3 b erzählt A h m a d b. abi Khälid (al-ahwal): "Als wir mit al-Ma'mün von
Khurasan her [gegen al-Amin in Baghdad] bis zur 'aqabat Hulwän gekommen waren — ich
saß als sein zamil [auf der andren Seite der Doppelsänfte eines Maultiers] — sagte er zu mir:
O Ahmad, ich rieche den Duft des Träq!"
Das ist außerordentlich wahr: lange bevor ich dies Wort kannte, habe ich das jedesmal gedacht.
Für mich ist die Erinnerung an die 'aqaba mit einer unvergeßlichen Erscheinung verknüpft.
Ich fuhr einmal an einem Spätherbstmorgen von Sarpul ab. Die Sonne stand etwa unter 30 0 vor
mir, fast weiß auf einem silbernen Himmel. U m die Sonne war ein voller weißer Ring vom
Radius des Abstandes v o m Horizonte, mit vier Nebensonnen in den Hauptpunkten, fast so hell
wie die Sonne selbst, und mit einem schwächeren Kreuz durch die Achsen. Die übernatürliche
Erscheinung dauerte fast eine Stunde.

PTOLEMAIOS
Die älteste kartographische Darstellung der Landschaft von Samarra ist uns bei Ptolemaios
erhalten, aber über seine Karte haben sich nicht erst neuere Forscher den Kopf zerbrochen,
sondern schon die Kopisten der ältesten erhaltenen Codices, wie deren Zustand zeigt. Der Vor-
wurf, den Strabon II, 30 gegen Eratosthenes erhebt, "die Länder in zufällige Teile zu zerhacken,
statt sie in organische Glieder zu zerlegen", trifft Ptolemaios noch viel mehr. Gegen Natur
und Geschichte, nur aus kartographischen Gründen, führt er unwirkliche Grenzen ein, die den
Zusammenhang der Landschaften zerreißen. Mesopotamia führt er auf d e m linken Euphratufer
bis Sippar herab, läßt es dann von einem Kanal Sippar-Tigris, der bei aller verkehrten Zeichnung
der Königskanal sein m u ß , und dann im Osten v o m rechten Tigrisufer begrenzt sein. Babylonia
dagegen läßt er a m Euphrat auf d e m rechten Ufer fast 2000 Stad., 370 k m höher beginnen, ober-
halb von Idakira-Hit, dann demselben Kanal folgen und im Osten v o m Unterlauf des Tigris bis
z u m Meer begrenzt sein. Dazu m u ß er den Tigris eine lange Strecke nach Norden fließen lassen.
Der gemeinsame Grenzpunkt von Mesopotamia und Babylonia a m Tigris liegt dem von
Assyria und Susiana genau gegenüber. Diese Schematisierung erreicht er dadurch, daß er die
Sittakene in das assyrische Gebiet hineinschiebt. D e n Kreuzungspunkt markieren auf dem Ost-
ufer in Susiana die 'HpaxAeoot; ßco[j.o! und 300 St. S O davon "Aypa. Dies Paar heißt auf der Tabula
Peut. ad Herculem (Rav. aris) und Hatris. D a ß das durch Trajan berühmt gewordene Hatra
bei Ptolemaios gefehlt hätte, ist unmöglich. Die 'Altäre des Herakles' sind die Übersetzung von
aram. beth Remmön, ar. Bärimmä, 'Tempel des (assyr.) Rammän'. V o n diesem Tempel trug der
djabal Hamrin, nach Yäqüt I, 461 Humrin, besonders sein mesopotamischer Zweig, heute djabal
Makhül, den N a m e n Bärimmä. Oberhalb des Durchbruchs des Tigris liegen darauf, auf dem
Westufer, zwei vorislamische Ruinen, Qal'at al-bint, eine kleine Burg auf hohem Felsen, und
Qal'at al-Djabbär, eine Stadt mit starker Mauer hoch auf d e m Abhang des Gebirges1. Der Ort
Bärimmä lag auf d e m Ostufer in der 'Öffnung' al-Fatha, über den dortigen Asphalt- und Pe-
troleumquellen. Es erscheint da in den arabischen Itineraren und vorher, seit 576 p. Chr. als
1
Vgl. 'Arch.Reise' I, Abb. 103—105 u. Taf. 27—28.
55
Bistum in Unterschriften von Synodal-Akten, immer mit d e m nahe östlichen beth Wäziq, ar.
Bawäzidj (al-malik) '(Königs)-Zöllnerhausen' vereint1.
Bärimmä, die Altäre des Herkules, lagen also auf d e m Ostufer und waren der Südpunkt Assy-
riens. Soweit ist die Ansetzung bei Ptolemaios richtig. Das Bild wird vollkommen verkehrt
dadurch, daß er die ganze Grenze nach d e m Süden der Sittakene gegen Susiana verschiebt. In
Wahrheit gehören die 'Altäre' — erst recht Hatra — weit nach Norden, nur 150 St. unterhalb

Ausschnitt aus der Karte des Ptolemaios

seines Sinna, d. i. Shennä dh beth Remmön. Das 'unorganische Zerhacken' der Länder ver-
ursacht also die irrige Interpretation an sich richtiger Nachrichten seiner eigenen Zeit.
Ebenso liegt Apamea falsch und zugleich richtig: a m Westufer des Tigris, südlich von Seleukeia,
an einem wichtigen Grenzpunkt, aber nicht d e m zwischen Mesopotamia und Babylonia, sondern
zwischen d e m nördlichen und d e m südlichen Babylonien, der Mesene. Ptolemaios schiebt das
eigentliche Babylonien, den Norden, in seine Mesopotamia hinein, wie Sittakene in Assyria,
und diese falsche Zerhackung hat wieder die falsche Interpretation der an sich richtigen Nach-
richt zur Folge. Diese ähnelte der bei Plinius N. H. VI, 129 erhaltenen2:
x
Vgl. Sachau, 'Christent.' 14 u. 36; Labourt, daß es nur ein Apamea südlich von Seleukeia gab,
'Christ.' 240. während Droysen, 'Hellenismus' II, 149 an zwei
- In 'Arch. Reise' I, 64, A n m . 3 hatte ich mich noch solchen Städten festhielt. Das nördliche, bei
durch C. Th. Fischer's Anmerkungen in der Samarra angesetzte, geht auf d'Anville's Inter-
Ptolemaios-Ausgabe, Paris, C. Müller 1901, p. 1007 pretation von Plinius zurück. Die richtige Lage-
beeinflussen lassen. Vgl. die Abhandlung von bestimmung bei de Goeje, ZDMG 39, 3.
St. Martin (posthum 1838), der schon erkannte,
* 56 * t

"Tigris ... circa Apameam Mesenes oppidum [1] divisus in alveos duos, altero meridiem pet
[2] Mesenen perfundens, altero ad septentrionemflexuseiusdem gentis tergo campos [3] secat,
ubi remeavere aquae Pasitigris appellatus. (130): postea recipit ex Media Choaspem atque [4] in
lacus Chaldaicos se fundit". Soweit ist das eine alte gute Notiz.
Die Himmelsrichtung des Stromlaufs ist, wie es heute die Araber tun, als westöstlich auf-
gefaßt. N u r für die lacus Chaldaici würde m a n das Meer erwarten, denn der Choaspes von Susa
mündete unterhalb der Sümpfe. Mesene, syr. m p . mesän, mesün, ar. maisän, ist manchmal auf
den äußersten Süden des Alluviums beschränkt, manchmal begreift es Wäsit ein. Yäqüt IV, 714:
"eine große küra, x^poc zwischen Basra und Wäsit, Hauptort Maisän; darin liegt auch das Grab
des 'Uzair (Ezra), ein jüdischer Wallfahrtsort". Dieser sehr malerische Ort mit seiner Kuppel
unter alten Palmen liegt halbwegs zwischen 'Amära und Qurna 1 . Aber nördlicher als bis zu dem
Punkte, w o sich der Tigris teilt, heute bei Küt al-Amära, reicht Mesene nicht. N u r in engem
Umkreise von Küt kann Apamea gelegen haben, nicht a m Südpunkt von Samarra.
Auf dasselbe Apamea bezieht sich Plinius VI, 132: "item Apameae cui nomen Antiochus
matris suae imposuit Tigris circumfunditur, haec dividitur Archoo2". Die Stadt ist aufgezählt
nach Sittace (bei Dair al-Äqül) und Sabdata (Säbät al-Madä'in) als Stadt von Sittakene, als habe
es auf d e m Ostufer gelegen, w o es doch als innerhalb der Abzweigungsstelle liegend beschrieben
wird. Das m a g gewechselt haben und ist unwichtig.
Endlich Plinius VI, 146: Schiffer, die die Fahrt von Arabia Petraea z u m Pasitigris, shatt al-
c
Arab, machen, erzählen, es gäbe außer Fora, d. i. Furät al-Basra, noch andre Tigrishäfen,
darunter Apamea, sita ubi restagnatio Euphratis [die lacus Chaldaici] c u m Tigridi confluant.
Genau genommen wäre das ein Punkt weit südlich von Küt al-Amära, östlich von Süq al-shuyükh.
Aber Plinius wußte zu wenig von der wirklichen Geographie, u m einen Widerspruch zu merken,
und m a n kann daraufhin kein zweites, südlicheres Apamea bei ihm annehmen. Das ist alles, was er
über Apamea sagt, und ist einheitlich. W e n n er also an den oben mit [1] bis [4] bezeichneten
Stellen einsetzt: "[1] citra Seleuciam Babyloniam C X X V m p ( = 1000 St., 185 k m ) ; [2] ac
Seleuciam; [3] Cauchas (aram. Kökhe, südl.Vorstadt von Seleucia); [4] ut diximus inter Seleuciam
et Ctesiphontem vectus", so sind das irrige Interpolationen von Material seiner Gegenwart in
gute alte Stellen. Apamea lag in Luftlinie mindestens 140 k m , X C V m p idtra Seleuciam.
N u r [3] Cauchas könnte der ursprünglichen Nachricht angehören, wenn es, wie Schaeder,
Islam X I V , 14s ausführt, ein aram. Gökhai, ar. Djaukhä meinte. Das Interesse an dem N a m e n der
Landschaft ist, daß sie die Heimat des Propheten Mani sein soll.
Ein Djaukhä, das von Yäqüt II, 143 und oft von Tabari erwähnte, lag östlich des Tigris im
Nahrawän-Tämarrä-Gebiet. Es ist das mit Tirhän und Rädhän zur Hyparchie beth Armäye
gehörige Bistum Gökhai, G. Hoffmann, 259 u. 277. Der N a m e ist alt und k o m m t sehrfrühaußer
Gebrauch. Dies mit dem Nahrawän verbundene Gökhaifindetsich auch wiederholt im Talmud,

J
ibn Khurdädhbih 8: "maisän, ein tassüdj von k o m m t mit Kashkar zusammen noch 775 p. Chr.
kürat Didjla oder ästän shädh-Bahman-Ardashir". als Bistum vor. Auch in § 23 der Sahrh. Er. m u ß
Vgl. über Maisän den Artikel von M . Streck in m a n Urukh lesen: auf die 5 von Khusrau I ge-
Enz. Isl. gründeten Städte folgen Jes/ön-Ktesiphon, Slevak-
2
N a m e nicht sicher, sieht wie aram. ^3*1« bei Seleukeia, -JQJy-v , lies urkä oder urxä 'gebaut von
Ezra 4, 9 aus "ark"väye b'äb'Häye msän°kläye, das Narseh d e m Ashkanier', Bäbil, Herta, also die
sind die Elamiten": gentil. zu 'Op/or—Warqä. großen alten Orte des Träq. Wie Afqürshäh b.
Ein sofließenderKanal ist mir nicht bekannt, aber Baläsh, Erbauer des nähr al-malik, ist dieser
es ist nicht unmöglich, daß ein A r m westlicher als Narseh als ein Teilfürst von Mesene oder Chara-
der heutige nähr Gharräf (Ray) floß. yVRK cene, nicht als Arsacide vorgestellt.
Tafel VI

w
<y

fc
* 57 *
und Hishäm b. al-Kalbi sagt bei Yäqüt: "Tämarrä und Nahrawän, zwei Söhne des Djaukhä,
gruben die beiden Kanäle, die nach ihnen heißen".
Ein zweites Djaukhä lag u m das noch heute Teil Yökha (y < dj) genannte sumerische U m m a ,
Nachbarin und Feindin von Tello-Lagash. Es liegt westlich v o m unteren Gharräf, 50 k m N N O
von Uruk-Warqä — möglicherweise floß einmal ein Tigrisarm so — nahe von den batä'ih und
kann zu Mesene gerechnet werden. Einige schwer verständliche Nachrichten können sich auf
dies Djaukhä beziehen, so Yäqüt I, 669, w o der Groß-Möbedh bei al-Fadl b. Sahl dhu 1-ri'äsatain
eine Legende über den Ursprung des persischen naurüz al-mahradjän erzählt, des großen Festes,
ursprünglich des Herbst-Aequinoctiums. Der Anlaß der Geschichte spielt in Wäsit: "Wäsit hieß
zur Zeit des Därä b. Därä [des aus d e m Alexander-Roman bekannten letzten Achämeniden]
Afrüniya1 und lag nicht a m Ufer des Tigris, der ... im Kreis batn Djaukhä [Niederung Dj.]
floß". Folgt Bericht über einen großen Stromwechsel unter Bahräm Gör. — Ferner ibn Rusta
94s, ausführlich: Die batä'ih hätten in der sasanidischen Epoche nicht bei Wäsit, sondern bei
Djaukhä begonnen "Zwischen al-Madhär und 'AbdasI". V o n diesen zwei Orten ist Madhär
fest bestimmt: i m ä m 'Abdallah b. 'Ali zwischen qal'at Sälih und Uzair a m unteren Tigris,
während die Lage von 'AbdasI ganz fraglich ist2.
Schaeder sucht dies Djaukhä-Gökhai3 a m untersten Tigris auf der Seite von Khüzistän, aber
ohne dabei das vorhandene Yökhä zu erwähnen. Ich habe Bedenken, ein drittes Djaukhä, davon
zwei in Mesene anzunehmen. In Plinius' campos Cauchas wäre es dann nur leichter, Teil Yökha
zu sehen. Aber das wäre das einzige Vorkommen des Ortes in der abendländischen Literatur,
während es als Kökhe-Seleucia nur die älteste auf uns gekommene Erwähnung wäre. Entweder
trägt also Plinius seine campos Cauchas aus andrer Quelle in die Nachricht über Apamea
hinein, oder aber diese standen in jener Nachricht unter der Form Gauchae, und er zieht
seine ganzen Bemerkungen über Seleucia in die Nachricht hinein, weil er dies für Kökhe-
Seleucia hielt.
Stephanos Byz. s. v. 'ATOXU.S(.(X: ev TT] MEOTJV&V y?j, [also dasselbe Apamea wie bei Plinius], ist
umflossen von den zwei Armen, in die sich der Tigris dort teilt; der rechte ist der Fluß SeXXa?
v. 1. AeXa^, der linke ist d e m großen gleichnamig". In seinem Artikel Meacnjvr] sagt er: "es gibt
auch eine persische4 Mesene mit einem a, weil von den zwei Strömen, Euphrat und Tigris,
(jieaa'CofxevT), wie Asinius Quadratus sagt". So unter [XECTT) xcöv Troxa^cov: "Zwischen Euphrat
und Tigris, auch Adiabene genannt, nach Asinius"5. Die Quelle für Apamea ist also Quadratus,
der ältere Stoffe verarbeitete.
V o n zwei A p ä m y ä dh Meshän, oberem und unterem, spricht der Talmud im Zusammenhang
der Bestimmung der Grenzen von Babel6, d. h. des nördlichen Teils des Träq oder beth Armäye,
Baghdad ohne Wäsit und Basra. Frage: "wie weit reicht Babel a m Tigris nach unten ?" Antwort:
"bis Unter-Apämyä", erläutert: "das obere und das untere sind 1 Parasange von einander ent-
1
Offenbar pahl. ^ L « = Apollonia, zugleich ^ D e m liegt eine ziemlich 'asmme' Etymologie zu-
., . . . ^->ir^ _ gründe, aus der auch Ammians Adiabene von
identisch mit > ™ bei Theodor bar Kone: al * ^ zu s t a m m e n scheint. Aus b. VII der
Herkunftsort Mani's genannt. Der gleiche Wechsel I ^ ^ ^ ^ ^ Q^_
von n und m in Famtya: Famya für Apamea. Euphrat-Insel bei 'Ana, bei Isidoros 0aa-
Der N a m e gehört also eigentlich nach Sittake, l - TukultiNmurta Talbis, var. TalmeS,
Gegend dair al-'Aqül, beim nördhchen Djaukhä. P ^ ^ ^ Maäken_
" Vgl. M . Streck, Enc. Isl. s. v.Maisan; 'abdasi ist ^ ^ . ^ ^ ^ ^ .^ ^ behandelte
nach Yäqüt aus 'fd'hsy arabjsxert. , d e n ersten T e ü d e s Feldzuges des Septimius
3 Belegstellen bei T h . Nöldeke, Mand. G r a m m . ^ ^ .Q ^ ^ Q^
319, A n m . 5. e Vgl. Obermeyer 85 s.
4
Persisch bedeutet nach-parthisch, sasamdisch.
8 Herzfeld
* 58 *

fernt; die Mundart des unteren ist schon die von Meshän". Beide lagen also an der Nordgrenze
von Mesene und beide vertreten das Apamea des Plinius und Asinius.
Bei den Arabern, Yäqüt III, 847: "Fämiya [richtige F o r m mit iran. Anlauts-Abfall], eines der
Dörfer von Wäsit [Provinz], im Kreis Farn al-silh". Er zitiert dazu ein hukm, Dekret des 'Umar
b. al-Khattäb an die Leute von Fämiya. A b u 1-Fidä beschreibt dies Fämiya als "nahe bei den
Dörfern von Farn al-silh, ein Bezirk von Wäsit". Mas'üdi, tanb. 54 erwähnt es als Fämiyat
al-Träq, bei der Erzählung v o m Wechsel des unteren Tigris unter Khusrau II Parwez. Ibn Rusta
187 führt zwischen Farn al-silh und Wäsit ein Kloster 4^U an, gewiß L*ls Fämiya 1 . O b das von
Yäqüt II, 924 u. 903, maräsid II, 459 besprochene Zurfämiya, Zurfäniya eines der beiden tal-
mudischen A p ä m y ä ist oder nicht2 — seine Lage wird a m shatt al-Nil, dicht westlich v o m heutigen
Bughaila beschrieben — berührt das Problem des alten Apamea nicht.
Stephanos' Fluß c e \ \ A C , A 6 \ A C ist nicht etwa der Fluß ZiAAa von Artemita, sondern eine
Bezeichnung des Tigris selbst, wie schon die Worte O\LÜV\>\LQC, T W (i.syaXtp vermuten lassen.
Also A e r \ A A , bei Josephus, Bell.Jud. I, 2, 5 AiyXaS, bei Plinius VI, 127 Diglit(o): der Tigris
selbst und ein Dudjail, der durch Wäsit fließende, der immer wasserärmer wird, bis sich die
restagnatio Euphratis oder das Meerwasser mit ihm mischt.
Der Zusammenfall des ptolemäischen Euphrat-Armes mit d e m Tigris bei Apamea ist also
ganz unwirklich. Das einzig Richtige dabei ist, daß Ptolemaios die Abzweigung bei Sippar an-
setzt. Daraus folgt, daß er den Königskanal kannte. Aber die Textstellen darüber sind im Kapitel
Babylonia hoffnungslos durch Glossen entstellt, etwas weniger im Kapitel Mesopotamia, und die
ältesten und besten Karten zeigen ein Bild, das nicht aus diesen Textstellen herauskonstruiert,
sondern scheinbar von älteren Bildern abgemalt ist. D a teilt sich der Euphrat zuerst bei Sippar,
w o der Basileios Potamos als westlichster A r m nach Süden läuft, Volgaisia rechts liegen lassend und
sich bei d e m nahe östlichen Barsita i. e. Borsipa, Tab. Peut. Dorista, wieder mit d e m Euphrat
vereinend, der inzwischen durch Babylon geflossen ist. D a n n gehen sie vereint nach Süden,
sich unterhalb von Orchoe-XJruk in den Sümpfen verlierend. Über 250 Stad. östlich Sippar —
an sich schon zu viel für den Abstand von Euphrat und Tigris — zweigt von d e m nach Babylon
abbiegenden A r m e der Maarsares ab, der fast 500 St. östl. Sippar bei Seleucia (auf d e m linken
Ufer) nach Süden biegt und, d e m Tigris in 250 St. parallel, sich schließlich bei Apamea und kurz
über den Altären des Herakles in den Tigris ergießt. Wie Ptolemaios zu einer so falschen Kon-
struktion gekommen ist, besonders auf welche Autorität hin er Seleukeia v o m Tigris weg verlegt
und über 400 Stadien von Ktesiphon trennt, ist unverständlich. I m Text, den Paragraphen
über die Städte, sind diese in solche a m Tigris, a m oberen Euphrat, an d e m durch Babylon
fließenden A r m und a m Maarsares geordnet. Aber keine a m Königskanal. Das sieht aus, als sei
der Ausdruck fiua'ikzioc, rara^ eigentlich eine Maarsares übersetzende Glosse. Aber schon
1
Nicht mit Streck gleich n. pr. A^U, bei ibn al- sprechen, meist Bärnin, Barnim.
Athir IX, 319, das Mäh-panäh 'Mäh ist meine - So faßte es de Goeje auf, während Schaeder es für
Zuflucht' ein n. pr. ist. Zu dem Nasal-Wechsel die Frage ausschaltet und in Farn eine Verkürzung
vgl. Zurfämiya: Zurfäniya; Afrüniya: Abhrümiya; von Fämiya, in al-silh den Flußnamen ^sXXac
die Kanäle öVz\J\ assyr. radänu, beim Band 1 sieht. Aber fam, aram. pum, ass. pi, plur. piäte ist
'Adaim, aber in der Waqf-Inschrift der Mirdjä- die geläufige Bezeichnung für die Mündung eines
niyya iloUl (eher plur. als dual); und SLU> Kanals, und SSXXOK; müßte dann einen vorarabi-
(Mirdjäniyya), heute ^ U > bei 'Aqrqüf. Der sehen Namen wiedergeben, von dem das silh eine
Wechsel tritt in Nähe von andren Liquiden und Arabisierung wäre. Ich vermute, daß der Name
von Labialen ein, wo Akkader und Assyrer das F a m al-silh sich in Donantilia der Tabula, Ydean-
Präfix m in n verwandeln. Die Djabbür und talia des Ravennaten versteckt.
Sawämira können Namen wie Berlin nicht aus-
* 59 *
Ammianus Marc, beschreibt u m 363 p. Chr. die ptolemäische Karte, in XXIII, 6, 25 so: "prae-
fluunt autem has terras amnes hi: Marses (var. Marsias) et flumen regium et Euphrates . .. qui
tripartitus, navigabilis per omnes est rivos, insulamque circumluens" etc.. Ähnlich schreibt
Theophylakt V, 6, 4. Diese Worte können eben das Bild der ältesten Karten beschreiben, mög-
licherweise aber auch eine Dreiteilung des Euphrat außer den zwei Kanälen. Jedenfalls ist das
Bild verzeichnet, und wenn darin die Kenntnis andrer Kanäle als des Königskanales steckte,
könnte das nur die v o m Pallakottas, westlich v o m Euphrat sein, und es ist richtig, die beiden
N a m e n basileios potamos und Maarsares für identisch zu halten, ob sie getrennt sind oder nicht,
also Maarsares gleich när sarri.

DER TIGRIS
Oberhalb von Seleukeia-Ktesiphon verzeichnet Ptolemaios eine Reihe von Städten auf beiden
Seiten des Tigris, von denen mit Ausnahme vonNinos-Ninive kaum eine aus so alter Quelle wie
Eratosthenes stammt. Vielmehr scheinen sie aus Routen von Karawanenleuten des 1. und 2.
sei. p. Chr. herzukommen. Die seinen Theorien zuliebe verzerrte Zeichnung der Flußläufe zwang
Ptolemaios, die Entfernungen in Mesopotamien auf2/3 zu kürzen und östlich v o m Tigris im glei-
chen Verhältnis zu verlängern. Die Abstände sind also für die Lagebestimmung nicht verwertbar.
Auf d e m rechten Tigrisufer verläuft die Route Nisibis-Singara nach Seleukeia-Ktesiphon,
gezeichnet, als ob sie über Sinna—Betooun—Labbana oder aber Sinna—Gorbatha—Labbana
verliefe. Sinna in dieser Landschaft kann nur ar. Sinn, syr. Shennä dh beth R e m m ö n an der
M ü n d u n g des kleinen Zäb sein, 5 Fars. oberhalb von al-Fatha, d e m Durchbruch des Tigris durch
den djabal Hamrin. Das Bistum Shennä grenzte nördlich an Tirhän-Samarra. Der Beiname
bezieht sich auf die von Ptolemaios fern im S O angesetzten 'Altäre des Herakles', die nur 150 St.
entfernt liegen sollten. Sein Sinna liegt a m falschen Ufer1. — BTJTOOUV sieht seltsam aus, ist
unbekannt und m u ß nicht zur Route gehören. Gorbatha (oder Garbatha) ist auf der Tabula
Peut. als Gibrata, beim Ravennaten Gubrata, besser angesetzt, nämlich weit abwärts von Labbana.
Es ist syr. Gebhllthä, ar. Djabiltä, gerade östlich gegenüber Takrit, sollte also wie Sinna an der
Route des Ostufers liegen2. Labbana, nach b. VIII, 20, 25 einer der astronomisch festgelegten
Punkte des Ptolemaios, daher als große Stadt auf den alten Karten durch besondere Signatur
hervorgehoben, ist Libban des Polybios, Libanai der Parthica des Arrian, das wir schon mit
Assur identifiziert haben.
Das südlich folgende Bertha ist die bekannte Burg von Takrit. Karthara, das auf das Westufer
von Samarra fallen würde, ist sonst unbekannt. Für Manchane ist nach Asinius Maschane zu
schreiben, Mashkenä, die maskanäte des TukultiNinurta, "Stadt bei den skenitischen Arabern",
d. i. denen von Hlra, Zeit des Septimius Severus. Der Teil Masern liegt 2 k m S O von Sumaica,
8 k m N W von 'Ukbara im Dudjail-Bezirk, a m westlichen Ufer des alten Tigris. Als Bistum
tritt es 412 auf; in 421 wurde, bei der Christenverfolgung unter Vahräm S. d. Yazdegird die
dortige Qärvän-Kirche ihrer Schätze beraubt3. Auf einer Anhöhe bei Maskin stand das Katholi-
kos-Kloster, der bei den Arabern berühmte Ort der Schlacht, in der Mus'ab b. Zubair und andre
1
Shennä trug auch einen iranischen Namen, vgl. ed. Budge II, 290; G. Hoffmann 188. — Z u diesen
G. Hoffmann 1. c. 169: Qärdäliäbädh, d. 1. von n-bildungen sagt Hoffmann 176 u.n. 1011: "Femi-
einem KapSapiy«? (bei Theophylakt und Theopha- nina von der Kategorie, welche ein mit dem Begriff
nes) erbaut: hoher sasanidischer Beamtentitel, des nom. unitatis zusammenhängendes Deminutiv
vielleicht mit dem inschriftlichen krtyr verwandt. zum Masculinum bedeutet". Im Iranischen gibt es
2
Gebhilthä: gab(b)ul wie Djalultä: Djalüla. Gabbul Ortsnamen in Deminutiv-Form auf -ak > -ah.
ist ein aram. Stammesname, vgl. Assemani, Bibl. Or. :! G. Hoffmann 41, n. 343.
III, i 187,6; 487 cap. 16; auch Thomas v. Margä,
* 6o *

Quraish gegen 'Abdalmalik b. Marwän fielen, 71 oder 72 H. — Die Araber sprechen von dem
Grabe des Mus'ab dort, das durch das Heiligtum kaff 'All vertreten sein könnte. Von Maskin
erreicht m a n den Anschluß an Ktesiphon-Seleukeia.
W e n n m a n sich die beiden irrig ans Westufer verlegten Orte Sinna und Gorbatha a m Ostufer
vorstellt, ergibt sich dort eine zweite Route, die der arabischen Straße Mausil-Baghdad entspricht.
Ninos für Mausil. Sinna wie oben besprochen. W e n n das a m Tigris angesetzte Sakada des
Ptolemaios dort mit Recht steht, spielte es die Rolle des arab. Hadltha. Auf Sinna müßten die
nach Süden verlegten lAltäre des Herakles', Bärimmä folgen. Weiter Gorbatha-D]abi\lä gegen-
über Takrit. Dann Oroba, das Dura des Polybios und Ammian, ar. Dür 'Arabäyä in Samarra.
ÖEASY] a m Tigris zwischen den Mündungen der Flüsse, die dem 'Adaim und der Diyäla ent-
sprechen, als letzter N a m e vor Ktesiphon, fiele in das Gebiet von Baghdad, wäre also für den vor-
islamischen süq al-thaläthä' des Ostufers zu halten1.
D a ß die beiden Hauptstraßen des Ost-Trigis-Gebietes, die von Babylon nach Agbatana und
die Strecke der Königstraße von dem Tigrisübergang bei Bezabde-Sapphe bis zu dem Punkt,
w o sie jene unterhalb des Zagros-Passes traf, bei Ptolemaios keine deutlicheren Spuren hinter-
lassen haben, zeigt wie schlecht da seine Karte ist. Von der Königstraße verzeichnet er Sapphe—
Sarbina — Gaugamela — Arbela — Xatracharta — Arrhapa (Karkük). Wie die Straße von dort
den Anschluß an die medische Straße fand, ist nicht zu erkennen; das unentbehrliche Hulwän
fehlt.
Von der medischen Straße, die schon dadurch verdorben ist, daß ihr Anfang, Seleukeia-
Ktesiphon, in zwei über 400 Stad. voneinander entfernte Orte zerlegt ist, hat Ptolemaios nur
Artemita, über 700 statt 500 Stad. von Ktesiphon, 800 von Seleukeia, und im Osten die Zagros-
Tore, die nach Isidoros 54 Schoenen, 1350 St., entfernt sein sollten, bei Ptolemaios aber über
2000 entfernt liegen. Hinter ihnen folgt richtig Karine, Kirind. Zwischen Artemita und den
Toren liegen ©yjßoupa, Soupa, ©Tjßapya, Kivva verstreut, ohne daß Folge und Sinn dieser Orte
zu erkennen v/äre. M a n würde Djalüla, Khäniqin, Baläshfarr und Hulwän erwarten.

TABULA PEUTINGERIANA
Auch die schon mehrmals herangezogene Tabula enthält Reste der beiden Königstraßen und
der durch Samarra führenden Tigrisstraßen. W a n n das Urbild der erhaltenen Tabula und des vom
Ravennaten ausgezogenen Exemplars entstanden ist, ist immer noch dunkel2. Mir erscheinen die
vorgeschlagenen Daten 170 p. Chr. zu früh, 363 zu spät.
1
Vgl. Markwart's Bemerkung in 'Arch. Reise' II, hatte die These aufgestellt: " D a ß das Segment XI
105s. aus 0 G A A < O } H verschrieben. Ein 0 G - [nicht-römischer Osten] in die ältere Periode des
A A G A verzeichnet Ptolemaios nahe der Tigris- seleukidischen Reichs zurückreicht, etwa in die
mündung. Leicht zu verschreibende N a m e n , vgl. Zeit des dritten Antiochos, welcher Dynast noch
Berossos' 0 A A A T 0 für Ö A M T 6 tiämat. ganz Asien beherrschte ..., darüber kann kein
2
Jedenfalls gehört es nicht d e m Castorius u m 363, Zweifel herrschen". Das ist allgemein angenom-
nach Konrad Miller, dem Herausgeber; 'um 170' men, noch von Kubitschek in Pauly-Wissowa X.
nach O. Cuntz, Hermes X X I X , 1894, 586SS. 2 1 2 6 — 4 4 (1919), aber so irrig, wie die meisten
Persida ist deutlich der bald römischen, bald Verörtlichungen der Routen durch Tomaschek.
iranischen Mesopotamia als politischer N a m e des Orudicarta (nicht urudi-karia 'Kupfer-Arbeiter') >
Reichs gegenübergestellt, mit Unterteil Parria < vurüdkirt > Burüdjird (nicht Käshän) ist ein der
Parthia. Dazu Ecbatanis Partiorum (nichtMedorum) Karte inhärenter Ortsname der v o m zweiten
gegenüber Persepolis commercium Persarum. Die Orodes, letzte Hälfte des 1. sei. a. Chr. gegründeten
Gegensätze können nur Parther und sasanid. Perser Stadt. Der N a m e kann keine "Zuthat ... der
meinen, sind also nicht vor 226 p. Chr. geschrieben. Redactoren der sog. Weltkarte des Augustus" sein,
Tomaschek, 'Hist. Topogr. v. Persien', Wien 1883, wofür Tomaschek die oben angeführten Namen
* 6i *

Samarra betreffen die folgenden Routen: eine unwissentlich doppelt angesetzte von Singara
nach Hatra, an deren einer ad Herculem xxii Hatris steht. D a n n Hatris—Peloriarca, verknüpft
mit Cesiphun—Peloriarca—Albania; endlich die Königstraße Sapha—Thelser—Albania, deren
Ende bei Albania unklar ist; vgl. 'Arch. Reise' II, 328.
Die Crux des Netzes ist Peloriarca1.
Nach Isidoros Char. würde m a n für die Strecke Ktesiphon—Hulwän in m p umgerechnet
erwarten:
Ctesiphon lxii (500) Artemita xl (325) Grenze xlvii (375) Albania zusammen 149 m p .
Das Bild der Tabula kann m a n zwiefach lesen, entweder
Ctesiphon lxxi Artemita xx Peloriarca xlvii Charra xxiiii Albania zusammen 162 mp., oder
Ctesiphon lxxi Artemita xxiiii Charra xx Peloriarca xlvii Albania.
Die Differenz steckt in der ersten Station und ist nach Apollodoros von Artemita zu korrigieren:
lxii statt lxxi. D a n n stimmt der Rest überein, und m a n könnte mechanisch interpolieren. Ent-

Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana

weder fiele Peloriarca auf die Hamrin-Kette, 8 km vor Djalüla, Charra etwa 8 km vor Qasr i
Shirln; oder Charra fiele auf Djalüla, Peloriarca etwas südlich von Khäniqin. Das ist methodisch
nicht richtig: m a n m u ß Charra mit seinen xxiv m p eliminieren und statt xx vielmehr xl lesen.
D a n n fällt Peloriarca zwischen Djalüla und Khäniqin und könnte eines von beiden sein. M a n
m u ß aber festhalten, daß dort eine Straße einlief. Das kann nicht die Tigrisstraße, sondern nur
die Königstraße von Sapha-Bezabde her sein, deren Anschluß an Albania unklar ist. Daher
ziehe ich vor, Peloriarca nach Khäniqin zu setzen. Oben war v o m Marsch des Herakleios von
Siap^oupoc über 'Pouaa Xocrpoou (Qasr i Shirln) die yecpupoc xoö Topva (Torna-Brücke von Khäni-
qin) nach BsyÄaXi, (Djalüla) gesprochen. In Khäniqin m u ß es seit alters her die große Brücke
mit Zollstation gegeben haben, ein medisches prtus uta pädraka, wie es nach Hekataios an der

hielt; also sind es auch jene nicht. Älter als jene geführten können' Zutaten' zu dieser Weltkarte sein.
1
Stadt kann das Material des östlichen Segmentes Rav. 67, 15 Pelloriarcha, 66, 3 Peloriaca, 78, 21
nicht sein. D a ß die Tabula für jene Länder eine Peloriasce ; der Ravennate tut, als ob er etwas von
sonst im Westen nicht bekannte Quelle benutzt d e m Ort wüßte, während dieser nur als Straßen-
hätte, ist höchst unwahrscheinlich. Dagegen gabel durch die Castrumsignatur hervorgehoben
können alle N a m e n der Routen auf der Karte der war, die in jenen Gegenden nur große Orte haben,
porticus Vipsania gestanden haben, und die oben an- z. B. Labbana bei Ptolemaios.
* 62 *

gleichen Straße im Westen stand: "AXuq TOTOC^ ev $ TOJXOU xal cpuXaxdjpiov uiya; m p . />«/z/ W
pahrag1. Nichts andres gibt das seltsame n e A O f l A f X A wieder: n e \ o n A f X A . Auf dieselbe
Brücke können sich die Stationen Tab. Titana fl., Rav. ThißJonas, Ptolemaios ©Tjßoupoc be-
ziehen, in denen assyr. titurru, aram. tytvr' 'Brücke' stecken kann.
Charra gehört nicht an die medische, sondern an die Tigris^Straße. Hatris (überzählig xxxv)
xxviii Sabbin xxviii Phalcara — Gibrata (Rav. Gubrata) xx Charra xxiiii V o n den Orten ist
Hatra, Sabbin (Libban) Assur, Gibrata Djabiltä bekannt. Die Entfernung Hatris xxviii Sabbin
k o m m t der Wirklichkeit sehr nahe, aber auch wenn m a n die bei Sabbin überzählig stehenden
35 m p an Stelle der zwischen Phalcara und Gibrata fehlenden Zahl einrechnet, k o m m t m a n mit
91 m p nicht von Assur-Libban nach Djabiltä gegenüber Takrit. Es fehlt außer der Zahl noch eine
ganze Station. Die xx m p von Gibrata nach Charra entsprechen dagegen genau den 7 Fars.
( X X V I m p ) , die die Araber zwischen Djabiltä und Karkh rechnen. Worauf es ankommt ist,
daß beide Orte ein benachbartes Paar von Stationen sind. Charra ist das Carcha, Charra des
A m m i a n im Feldzuge des Julian; siehe unten2. Der Ravennate bestätigt das, erlas ab: "Ctesi-
phontem, Balictanor, Artemida, Charra, Pelloriarcha". Die aus der verzerrten Zeichnung der
Tabula folgende Verwirrung ist alt, aber auch Balictanor gehört nicht an die Linie Ctesiphontem-
Artemita, sondern an die Tigris-Straße, es ist beth Niqätör3, aus *Nwxi;op6iz6hiq3 ein andres
ambitiosum opus Nicanoris, arab. Qatrabbul. Dies war schon beim Übergang von der arsaki-
dischen zur sasanidischen Herrschaft u m 224 p. Chr. ein Bistum, der Metropolitie Seleukeia
unterstehend, zwischen d e m und beth Mashkenä gelegen. Neben letzterem erscheint es in
412 p. Chr. zusammen mit Kashkar und Karkhä dh beth Slökh4. Der berühmte Wein von
Qatrabbul, khumri und sünäyä, war oben erwähnt. Ebenso berühmt war seine Seidenwirkerei,
eine in der arabischen Zeit weiterblühende Industrie. Die qatrabbuli-Seiden erscheinen seit
1
So an der Ostgrenze von Kirmän, noch heute die unter dem Namen Arbela berühmt wurde.
Pahra, 30 k m östl. Bampur, vgl. Istakhrl u. M u - Hinter Arbela und dem AY/.a-röpiov Öpo<; — den
qaddasl. — Vgl. Paraxmalcha, Bipoorapa/ u. a., Alexander zum Andenken an den Sieg so nannte —
Tiapay gibt aram. parhagh wieder. fließt der Kapros (Untere Zäb), in gleichem Ab-
2
karkh(ä) ist appellativ wie mähüza, dura etc., eine stand wie der Lykos. Das Land [zwischen den
mit Wall oder Mauer umgebene Stadt, gr. mit beiden Zäb] heißt apTalv^vv; (lies ap-aX^vv))".
/apai; wiedergegeben, lat. mit Valium übersetzt. Gaugamela soll so heißen, weil Dareios die Ein-
Yäqüt IV, 352: "große und kleine Städte und künfte aus dem Dorf einem berühmten Kamel
Dörfer können so heißen". Sie werden daher durch schenkte. Syr. GVGML, bei Thomas v. Margä,
Beinamen unterschieden. Das karkh von Samarra ed. Budge I, 164, von gab 'Rücken', gab.gamlä
heißt auch K. Bädjaddä, Yäqüt II, 675 oder — bei mit b > w, 'Kamelsrücken', heute teil Gömel. Das
Balädhuri, Tabari — K . Fairuz, "das ist Fairüz b. ist ein typischer Bergname, und zwar des djabal
Baläsh b. Qubädh". Die beiden Namen gehören Maqlüb, vgl. arab. djamalün 'Giebel'; awest. saini-
zusammen: aus beth gaddä; GDH ist ideogr. für u. stvi.kaufa, kaufa 'Berg' und 'Kamelshöcker';
iran. xvarrah, farr, tyche, fortuna. Karkh Fairüzmp. pust e vusnaspän (nicht vistäspän) 'Hengst-
ist eine volkstümliche Bezeichnung wie Aacnraysp- rücken' bei Nishäpür. Nach Yäqüt II, 159, hatte
yoaap, dessen amtlicher N a m e (gehän)-farraxv- das Dorf Djaumal eine qantara. Es war ein Brücken-
(kirt)-Xusrau war. So ist hier etwa (erän)-xvar-übergang am Fuß des Berges, an der Königstraße.
rah-Peröc vorauszusetzen, kurz Karkh-Peröz, und Daher ist der Punkt auch die von G. Hoffmann
übersetzt (mit gaddä = xvarrah) beth Gaddä, nicht lokalisierte Poststation awänä Niqätör der
3
Einen ähnlichen Namen andrer Bedeutung trägt Akten der Märtyrer von Karkük, p. 48 u. 277.
ein Ort im Norden, Strabon XVI, 1, 3 — 4 : "Aturia 1 Vgl. Sachau, 'Chron. v. Arbela', 61; Labourt. 21,
[aram. t für s] grenzt an das Land u m Arbela, da- nach dem Cat. anonyme des actes de martyrs, van
zwischen fließt der Lykos (Obere Zäb). Gaugamela den Gheyn,
liegt in Aturia, der wirkliche Ort der Schlacht,
* 63 *

770 p. Chr. in päpstlichen Urkunden und waren in R o m sehr geschätzt1, quadrapulum ge-
nannt.
Die in der Route der tabula (plus Ravennaten) fehlende Station ist danach Maschane zwischen
Charra und Seleukeia-Ktesiphon. Sie steckt in d e m Bruchstück Seleucia lvi Sohene xl monumenta
regum XXIIII Naharre xxIIII Naharra. Eines der beiden letzten ist Neharde'ä a m Euphrat,
aber die Euphratroute fehlt sonst ganz. Die monumenta regum sind die Grabdenkmäler der
babylonischen Könige, die Alexander bei der Pallakottas-Expedition besuchte, also im Süden
gelegen. Für Sohene hat der Ravennate Scene, also ursprünglich gr. ay: [Ma]shkenä2. Neben
diesem Bruchstück steht Babylonia xviii Volocesia, wo, wie oben erörtert, Babylonia für Seleucia
Babylonia steht, und Vologesia in Wahrheit nördlich von Ktesiphon, unmittelbar oberhalb von
Baghdad zu suchen ist.

JULIANUS APOSTATA
Durch das Gebiet von Samarra zog i. J. 363 p. Chr. das Heer des Julianus Apostata, auf
d e m Rückweg von Ktesiphon. Die Schilderung bei A m m i a n und bei Zosimos ist so reich
an Einzelheiten, wie die oben erörterte Strecke des Hinmarsches, aber auch so schwer zu
bestimmen3.
Zosimos III, 26, A n m . X X I V Ende: Nach der Schlacht bei Kökhe, südliche Vorstadt von
Seleukeia, geht Julian über den Tigris und zeltet 5 Tage auf dem Ostufer bei 'Aßoo^a&y^mit der
bald aufgegebenen Absicht, Ktesiphon zu belagern. Der N a m e fehlt bei A m m i a n und k o m m t
sonst nicht vor. Oben, p. 25 s, war erörtert, daß sein Maiozamalcha eine irrige Verlegung des
Namens mähözä malkhä v o m Tigris an den Euphrat ist, daß er also den N a m e n gehört haben,
in mähözä gewesen sein m u ß . Das bestätigt Malalas, Chron. ed. Bonn, 330, in dem Fragment des
Chronographen Magnus vonCarrhae (Harrän),eines Begleiters Julians in dessen Hauptquartier:
"das Heer gelangte durch den großen Kanal des Euphrat, der zum Tigris fließt, zur M ü n d u n g
dieses Kanals in den Tigris, w o der Kaiser de, va. Ilspenxa einfällt", d. h. den persischen, nicht
mehr babylonischen Boden betritt, "in der yüpv. der sog. Mau^xviTwv, w o die Residenz des Perser-
königs war; dort zeltete er in der Ebene eben dieser Stadt Ktesiphon". Diese Mau^avtrat sind die
Bewohner von mähöze. Also ist Zosimos' 'Aßoo^aSa = BaouCa(O-a)4. Der Gedanke, Ktesiphon zu
belagern, wird aufgegeben, die Flotte in großer Übereilung verbrannt, und m a n beschließt, den
W e g durch die fAscjoyeia nach Corduene zu nehmen; A m m . X X I V , 7: flumine laevo relicto...
mediterraneas vias arripere. Corduene sind die Gordyaeischen Berge des Eratosthenes, die
KapSou^cov x wpa Xenophons; das heißt, m a n will, wie die 10000, östlich v o m Tigris zu dem großen
Flußübergang von Sapphe, südlich von gözarthä dh Qardü, djazirat ibn 'Umar, ziehen und von
1 schreibt ähnlich Brpvr/yc, für mäsökhä. — In der
W . E. Crum, ZDMG LXII, 1908, 52SS führt viele
vestes, periclises, vela ornata, cortinae holosericae, Geschichte des mar Säbhä von dairä dh Nebh'ä
rotae ornatae de quadrapulo auf neben solchen de (Sprudelkloster zwischen Djazirat ibn 'Umar und
fundato und de stauraci aus den vitae des HadrianTür 'Abdin), G. Hoffmann 23, heißt es :"Zu der
772—95), Paschalis II (817—24), Gregors IV Zeit, da Julianos in Mähöze, der Stadt des Königs
827—44), a u c n n a c h dem kopt. ms. Ryland n. 243 Shäbhör residierte und sich dort einige Tage lang
Mäntel und Mützen (Ä-jls, lies z^Jä) aus dibädj an den Festen seiner Götter mästete usw.". Er soll
und ein Kleid aus xaxpaTcouXXu damals durch Jovian Araber, "arbäye, Menschen
3
M a n kann an Strabon's Sy.v,va.l denken, das wäre aus mähöze, im Lande zwischen Nisibis und dem
Hira oder, wie Hoffmann annahm, auch Mashkenä. Tigris angesiedelt haben, daher der Name beth
3
'Arch. Reise' II, 86—89. 'Arbäye. Wohl aus dem Jovian-Roman.
4
Vgl. 'Arch. Reise' II, 48, 2 gegen 86, 6. —Zosimos
* 64 *

da auf der Königstraße, wie umgekehrt Alexander, nach Nisibis1. Nach Aufbruch von Ktesiphon
Mähöze überschreiten sie a m 16. VI. 363 unter Kämpfen den Fluß Aoüpov (acc.) bei NoopSa (dat.),
eine"Brücke schlagend. A m m i a n überspringt diese erste Strecke und schreibt: qua ex regione
profecti ad Hucumbra ... pervenimus. NoopSocc;, auf d e m Ostufer, m u ß der Napßa? des Feldzuges
des Herakleios sein, bei Kedrenos und im Chron. Paschale, ar. Nahrawän. D a n n wäre Aoüpov
trotz abweichender Schreibung Theophanes' Topva (gen.) mit Schiffbrücke2. Der genaue Ort ist
schwerlich djisr Nahrawän, h. Safwa, dessen Brücke nach ibn al-Athir VII, 97 zwanzig Schiffe
hatte. Djisr Nahrawän ist nur eine Funktion von Baghdad und diese Diyäla-Strecke ist ein
künstliches Bett. Solange Ktesiphon die Hauptstadt war, kann ein solches südlicher geführt, die
Brücke näher a m Tigris gewesen sein.
Der nächste Halt nach diesem Übergang ist das nahe Bccpaoy&ixq, Bapacp&oc<;. Die methodisch
richtigste Annahme ist, in diesem N a m e n — wie im Falle 'Aßou^a&a = Maiozamalcha Ammian's
Macepracta, Mabhrakhthä zu erkennen, selbst wenn dieser Ort auf d e m Westufer und etwas
südlicher lag (siehe oben). Der Reihenfolge der Punkte nach aber liegt der Ort schon im Weichbild
des späteren Baghdad. Gerade dort gibt es viel anklingende N a m e n . G. Hoffmann versuchte,
auf einer unveröffentlichten, nachgelassenen Notiz, Bapacp&a = Baradän; dann könnte m a n auch
gleich B A r A A G A C herstellen, oder aber in d e m N a m e n Rusäfat Baghdad sehen, eine schon assyri-
sche und aramäische Ortsbezeichnung. Falls der N a m e al-Mazrafa (tu) bei ibn Serapion und
Yäqüt I, 606, IV, 520, 3 Fars. v. Baghdad, heute Mazurfa, vorarabisch wäre, könnte m a n auch
ihn mit Bapaocpfta verbinden.
Der nächste Ort ist "das Dorf So^ßpa, mit Schiffbrücke, halbwegs zwischen zwei sich a m Tigris
gegenüberhegenden Städten namens Niaßocpoc und Nto-xavaSaXß?]". A n m . X X V I , 4: ad Hucumbra
nomine villam pervenimus". Der erste N a m e ist C - J ^ B P A s Y r - 'Uqbarä, ar. 'Ukbarä3. Nach
H ä m z a bei Yäqüt III, 705, hieß dies syr. 'Uqbarä auf iranisch vazurg-sähpuhr, ar. buzurdjsäbür,
nach der Chron. v. Si'irt von Shähpuhr I (241—72) gegründet und mit griechischen Kriegs-
gefangenen besiedelt4. Vazurg-sähpuhr gehörte z u m ästän shädh-Qubädh, nach ibn Khurdädhbih
und Q u d ä m a der v o m Tigris und Tamarra bewässerte, nördlichste Kreis des cIräq auf dem Ost-
ufer, nach den bullae xusröy-sä8-kavä8 mit Gälül im Osten, Gargaräyän im Süden. Sein nörd-
lichster Punkt, und damit der Nordpunkt des Träq überhaupt [so bei der Vermessung] war
al-'Alth, Yäqüt III, 174, gegenüber Harbä auf d e m Westufer. Diese N a m e n bestehen für ver-
ödete Plätze auch nach d e m Wechsel des Tigrislaufs bis heute. Syr. 'Uqbarä heißt 'Maus'5. Die
1
Markwart, Eräns. 305 s wollte in einer Stelle des in 612 a. Chr. erstreckte es sich im Westen bis
Sextus Rufus über Madaena den Beweis sehen, daß zum Tigris.
Julian ursprünglich geplant habe, nicht nach 2 Also assyr. Turnat, aram. Törmarä, ar. Tämarrä;
Norden, sondern nach Osten durch Atropatene zu vgl. Zosimos' Schreibung Soü[i.a für Sou[i(p)a:
ziehen. Aber er zieht von Anfang an von Ktesiphon also Aoüpov: *Aou<(j.)pov; im hohen Altertum heißt
das linke Tigrisufer aufwärts. Madaena ist gewiß der Fluß elam. Durun.
*Ma§ay]VY) < beth Mädäye, aber die Theorie, daß 3
Vgl. Strabon XI, 3, 2: Suii-ßdixT] < \ ° ^ B A K H
das nur Atropatene bedeute und Corduene aus-
schlösse, ist irrig. Es bedeutet einfach, was es heißt: = 'AAßixxT) oder 'AAoüaxa, h. Albäq.
Medien, wie auch Xenophon und Ktesias das 1 Zitat nach Sachau, 'Christent.' 35, der "II, 221"
linke Tigrisufer vom Kentrites bis zum Physkos angibt, was ich in meinem Exemplar nicht finden
Media nennen. Hekataios sagt dafür MaTirjvv), kann, so wenig wie das im Index für 'Ukbarä an-
sicher zu Ptolemaios' Mapxiavy] (MavTiavy)) ge- gegebene T, 11'. Die Nachricht ist besser als die
hörig. Der N a m e enthält das alte Ethnikon M a n , bei Baidawi, nizäm : Shähpuhr II.
mit Ländernamen-Suffix -ti, *Man.ti-, für späteres B Wohl schon bei Tukulti Ninurta III mit dem äl
Adharbaidjan. Seit der Zerstörung von Niniveh qabränisu von maskanäte, Maskin, gemeint. Z u m
Tafel VII

a Steilufer des Tigris bei al-Küra, von Norden

b dasselbe, aus größerer Entfernung


* 65 *

Ruinen existieren als 'Akbara, 12 k m S S O v. Sumaica a m Ostufer des alten Tigris, 7,5 k m N N W
v. Busaira (Ostufer), alt Busra, und 10 k m S S O v. Teil Mascln (Westufer), alt Maskin. 'Ukbarä
hatte eine Brücke. Bei Zosimos ist also Btaapa und M w y a v a 1 zu schreiben, dies gleich MacryavT).
Weiter spricht Zosimos III, 28 von einem Platz zwischen der Stadt Aocvocß-yj und Suyxv), A m m i a n
X X V , 1,10 ohne N a m e n "profecti deinde lxx stadia". Diese 13 k m führen gerade gegenüber von
Sumaica (Westufer)2. Weiter: "als die Feinde das Heer sich der Stadt AXXY)TT) nähern sahen, ver-
brannten sie die Saaten"; A m m i a n X X V , 6, 4 spricht nachträglich von einem Vorgang bei dem
castellum (v)accatum. D a n n k o m m t wieder ein bestimmbarer Punkt.
Zos. Maptovo-a, Mapavaa, A n m . X X I V , 1, II "cum ad tractum Maranga adpellatum omnis
exercitus pervenisset", greifen die Perser die Nachhut an, und es k o m m t zur Schlacht. G. Hoff-
m a n n versuchte, in den erwähnten Notizen die Emendierung Maptovaoc < *Baxojvaa = beth Hömes,
Bähamshä. M a n brauchte nur *Maytovo-a oder *Mayocv<ja zu schreiben, mit m für b und y für h3.
Der N a m e Bähamshä, den Hoffmann zur Stützung seiner Gleichung <Düaxo<; = 'Adaim benutzte,
lebt noch heute in d e m eines Kanales abu Hamsha. In dem Gebiet zwischen Harbä und Balad im
Norden und Sumaica im Süden liegt, etwa mitten zwischen Teil ad-dhahab (6 k m S S O v. Balad)
und Teil Hir (5 k m N N O v. Sumaica) ein Teil 'Afr; gut 2 k m westlich von Teil al-dhahab liegt
der Teil 'Äbir, nahe nördlich v o m heutigen Bahnhof Balad. — Teil 'Äbir liegt in der ard al-
Hazaira4, Teil al-dhahab a m Ende der ard bani Sa'd und Teil Hir in ard al-Husainiyya [aus der
Zeit des Mustansir, w o al-'Alth ein waqf der 'Aliden war]. Zwischen diesen Hügeln laufen nahe
beieinander drei Kanäle — ich glaube aus d e m Mustansirl abgeleitet — , von S nach N der nähr
abu Hamsha,~*J^S-y\ jf, al-süfiyya und al-husainiyya. Der abu Hamsha geht in nur 1 k m
Entfernung an Teil 'Afr und Hir vorbei, auf das nach den Entfernungen der Routen des ibn
Khurdädhbih und Q u d ä m a Bähamshä fällt. Es lag also 8 k m S W von den Hügeln al-manädjir
oder Teil Mandjür, das m a n für Opis gehalten hat.
Die nächste Station des julianischen Heeres ist Toüfiuapov. Früher sah ich darin den N a m e n der
Diyäla, Törmarä. Aber d e m widerspricht die Schreibung und die Verschiebung des Fluß-
namens wäre schwer verständlich. Es ist gewiß T O ou-u-ocpov, bezw. oö(X(xapov, syr. 'umrä, ar. 'umr,
das 'Kloster'5. In dieser Gegend fand die Schlacht statt, in der Julianusfiel.D e m Kaiser war
prophezeit worden, er werde an einem Orte sterben, der bei A m m i a n und Zonaras (Dpoywc, im
Chron. Pasch, pocpioc, paSia, pama, paaaia,] bei Malalas äaiv. heißt. Ein solcher N a m e m u ß ein
sehr bekannter sein, der eine zweite Anwendung zuläßt. Opiiyta ist bekannt, pocpioc yv) oder paptov
TOSIOV ist ein brühmter Platz der Demeter in Eleusis. Einen unmittelbar daran anklingenden

Namen vgl. Tal'öqabrin, halbwegs zwischen Aleppo aram. süqä, ar. süq 'Markt' oder zu mod. Sumaica
und der Küste, Honigmann, 'Nordsyr. Klöster', mit c < k, nicht q, Stamm SMK.
3
Z. Sem. u. verw. Geb. I, 1 1922, 29. — Ein Teil Wie in Isidoros' HSSav für ass. Hindanu, Tukulti
'Uqbarä lag nach den maräsid 212, eine marhala, Ninurta; umgekehrt Bvjaou/^, Bocoucjsc.
4
Poststation, d. i. 7—10 km, von 'Ukbarä, nach D.i. alt Hazira, bei den Arabern und gelegentlich
Tabari III, 1689 8 fars. von Daskarat al-malik: das den Syrern als Bistum erwähnt, Sachau 'Christent.'
ergibt eine Lage östl. des heutigen Tigris, südl. 36, aber nicht heut. Istabulät, eine Ruine der
v. Daltäwa: dies aus *daulatäbäd, nicht von Dal- Samarra-Zeit, wahrscheinlich das qasr al-'arüs.
5
taban Pasha, wie Huart von dem Herausgeber von Yäqüt III, 724 polemisiert gegen eine unsinnige
Etymologie dieses Lehnworts bei abu Hanifa al-
Roß übernommen hat.
1
Der Rest -SaAßv) scheint eine Genitiv-Bestimmung Dinawari und erklärt es von syr. 'MR gleich ar.
C
BD als "Ort wo man den Herrn anbetet". In
wie "d 'Äl, d 'Alth" zu sein.
2
Aavaßyj, vielleicht zu "nähr Dhaban, bereits assy- Wirklichkeit ist syr. 'umrä 'coenobium' von 'MR
rischer N a m e des vom Hamrin kommenden Khalis 'habitavit'.
Kanals, cf. Arch. Reise II, 84s. — SiSyJ«] zn
9 Herzfeld
* 66 *

N a m e n in dieser Gegend finde ich nicht1. Daher kann m a n auch nicht entscheiden, welches das
besondere Kloster, otfu-fjuxpov bei Bähamshä, Maycovaa war. Aber bei der ganzen Lage m u ß man
an das berühmte Katholikos-Kloster denken, das nur etwa 10 k m südlicher als der bisher mit
dieser Analyse des Feldzuges erreichte Punkt lag.
Yäqüt II, 650: "Dair al-Djathäliq im tassüdj Maskin, auf d e m Westufer des Tigris, im Land von
Harbä, der Grenzkopf, rä's al-hadd zwischen Sawäd und d e m Land von Takrit; dort war die
Schlacht zwischen 'Abdalmalik b. M a r w ä n und Mus'ab b. Zubair, in der Mus'ab fiel". Oder
IV, 529: "Maskin a m nähr Dudjail, beim dair al-Djathäliq, w o die Schlacht war ... i. J. 73 H.,
in der Mus'abfiel;sein Grab ist wohl bekannt". Er erwähnt das Schlachtfeld nochmals s. v.
Särifün III, 384: zwischen 'Ukbarä und Maskin. Die maräsidl, 426 fügen hinzu: "über
dem Grab des Mus'ab ist ein mashhad mit einer Kuppel, wohin m a n wallfahrtet, Shäbushti be-
schreibt das Kloster". Dies wird als alter, schöner Bau mit großem Vorhof, auf einer Anhöhe
liegend beschrieben. Als Datum wird 71 oder 72 H . angegeben2. Zwischen 'Ukbarä und Maskin
liegen heute zwei Heiligtümer. M e h r im Süden kqff 'Ali, mit einem angeblichen Handabdruck
des 'All und architektonischen Resten des 3. sei. H. 3 ; mehr im Norden ein ziyärat des M u h a m -
mad abu 1-Hasan, eines 'Aliden. Beide scheinen posthum von den Schiiten usurpiert zu sein.
Kaff 'All kann das Katholikos-Kloster, M u h a m m a d abu 1-Hasan das Grab des Mus'ab b. Zubair
bezeichnen. Das wäre ein paar Kilometer südlicher als der Ort, w o m a n das Schlachtfeld suchen
müßte, w o Julianfiel;aber so durchsichtig ist die Schilderung nicht — u m so weniger als die
Schlacht aus einem Nachhut-Gefecht entsteht, — daß sie das ausschlösse. U n d sicher darf man
folgern, daß die Schlacht noch in der alluvialen Ebene stattfand, unter d e m ra's al-hadd des
Träq, und nicht erst auf d e m tertiären, höheren Gelände, das nördlich des heutigen Tigrislaufs
beginnt.
J. F. Jones vermerkte auf seiner Karte: "Teil AH], ancient tumulus, probably the ustrinum
erected by the R o m a n army in commemoration of the Emperor Julian, A. D. 363". Ustrinum m u ß
aus einem lateinisch schreibenden Autor stammen, aber ich kann es bei A m m i a n nicht finden;
ob Sextus Rufus ? Der Gedanke stammt vermutlich von Rawlinson, ist aber irrig: Der teil al-Alidj
ist der Aussichtspunkt für die alte Rennbahn von Samarra, keine vorislamische Anlage. Ganz
falsch ist die recht häufige Übernahme dieses Gedankens in der Form: "Grab des Julian"4. Der
Kaiser wurde erst in Tarsus, Kilikien, begraben, siehe Zosimos III, 33.
Nach seinem Tode kam das Heer, unter Jovians Führung, zu d e m 9poüpi,ov Hoöpia, A m m . X X V
6, 4 "prope confinia noctis c u m ad castellum Sumere citis passibus tenderemus..." Das ist das
eigentliche Samarra, Shümrä der Syrer, w o später der djausaq al-khäqäni stand. A m m . X X V , 6,5:
"sequuto deinde die pro captu locorum reperta in volle castra ponuntur, velut murali ambitu
circumclausa". Sie marschierten im Flußtal und lagern zwischen D ä m m e n . Nach Zosimos III, 30
kamen sie 4 (sehr kurze) Tage nach der Schlacht in eine supu^topta und beschlossen, den Fluß zu
überschreiten. Dieser Beschluß bedeutet, daß sie Nisibis auf geradem Wege, statt über Sapphe
erreichen wollen und den Plan Julians aufgegeben haben. A m m i a n beschreibt diese Tage aus-
führlicher. Nach ihm leistet das Lager zwischen den D ä m m e n einem persischen Angriff Wider-
1
Immerhin könnte man, Hoffmann nachahmend, bei Ibsen, Kaiser und Galiläer.
vorschlagen:Suidas gibt papo? • Tar7Ty;p;Pfister, bei 2 Tabari II, 806—13, ausführlich vgl. tärikh al-
Pauly-Wiss. s. v. pty.pw.c, glaubt, das könne der 'arab, bei Baethgen, Frgm. syr. u. arab. Hist.
ursprüngliche Sinn dieses Beinamens der Demeter u. 118.
sein. M a n kann also auf Julians Frage: "Wie heißt 3 Siehe 'Wandschmuck v. Sam.' 33, n. 31, Abb. 37.
dieser Ort?" beth-hömesh mit yatTT^p übersetzt ' Z.B. G. A.Beazeley, Surveys in Mesopotamia dur-
haben, und die Gelehrsamkeit des Maximos kann ing the War, Geogr. Journ. LV, Febr. 1920,
darin ciow. erkannt haben. M a n lese die Szene 109—123.
* 67 *

stand. X X V , 6, 8: "Egressi deinde proxima nocte Carcham occupavimus locum, ideo tuti quod
riparum aggeribus humana m a n u destructis ne Saraceni deinceps Assyriam persultarent, nostro-
rum agmina nullus ut ante vexabat". Die Saraceni sind die 'skenitischen Araber', die Beduinen:
aber keine Dammdurchstiche im Tigristal konnten die hindern, ihre ghazu nach Asüristän-Baby-
lonia1 auszudehnen. Das ist ein Irrtum, wie der des Aristobulos über den Zweck der Staudämme
im Tigris zur Verteidigung gegen feindliche Einfälle. In der großen Sommerhitze marschiert
das Heer bei Nacht.
A m m . X X V , 6,9: A n den Kaienden, dem 1. Juli 363, kamen sie von Carcha nach nur 30 Stadien,
5,6 k m , zur civitas Dura, "fatigatis iumentis, vectores eorum novissimi pedibus incedentis a Sara-
cena multitudine circumsaepti protinus interissent, ni expeditiores turmae nostrorum opem
laborantibus attulissent". 6,14—15: Bei Dura überschreiten sie den Tigris "utribus e caesorum
animalium coriis coagmentare pontes architecti promittebant"; Zosimos III, 31: ao-xou^ CTUVSTJ-
aocjxzq xai ^süyfAara Tpo-rrov Tiva 8t,a TOÜTGJV SiaaxeuaaavTsi;, aber ein großer Teil m u ß durch
das Wasser schwimmen. Das sind sehr lebhafte und im Gelände und auf der Karte genau zu
verfolgende Bilder: Dura ist der einst von Molon belagerte, von Antiochos entsetzte Ort. Wie
auf der Tabula Gibrata und Charra, ar. Djabiltä und Karkh, ein Paar bilden, so erscheint das
Paar Karkh und Dür immerfort in der Geschichte von Samarra. Sie sind Dür 'Arabäyä und
Karkh Fairüz, auch Dür Samarra und Karkh Samarra genannt.

DIE ARABER
Die ersten arabischen Post- und Reiserouten geben folgendes Bild nach
b. Khurdädhbih 93 = Q u d ä m a 214; daneben die heutige Lage:
Baghdad B. Nordtor
4 Farsakh 22 k m
Baradän Badrän, 9 k m N N O von dem Badrän a m Tigris
5 f. 27 k m
'Ukbarä Ruinen von 'Akbara
3 f. 16 k m
Bähamshä bei Teil Hir, 6 k m N von Sumaica
7 f. 38 k m
al-Qädisiyya Punkt al-Sanam neben dem Octogon von Djädisiyya
3 f. 16 k m
Surra man rä'a Punkt westlich neben Großer Moschee
2 f. 11 k m
al-Karkh castrum Karkh Fairüz
7 f. 38 k m
Djabiltä teil Kanä'is gegenüber Takrit
5 f 27 k m
Südaqäniyya teil al-Khudämiyya, nördlich gegenüber qal'at Raqqa und Grab
abu Khalkhäl
.5 f 27 k m
Bärimmä al-Fatha, Laqlaq, gegenüber Saffäriyya und Shuraimiyya
5 f. 27 k m

1
Gleicher Sprachgebrauch wie XXIV, 3 bei Macepracta.
9*
* 68 *

al-Sinn M ü n d u n g des Unteren Zäb, nuzhat p. 172 sagt: "Brücke über den
Unteren Zäb, w o er sich in den Tigris ergießt".
12 f. 65 k m
al-Haditha 10 k m südl. gegenüber al-Qayyära bei Mazär Hädjdj 'All
7 f. 38 k m
OLJsod. ü W » ^ unmittelbar oberhalb des Oberen Zäb, nuzhat:

7 f. 38 km
al-Mausil Brücke von Mausil
Die S u m m e n sind 72 Farsakh und 390 km. Bei 1 F. = 5,5 k m erhielte m a n 396 km. Die wirk-
liche Wegstrecke ist 390 km. Die gewiß vermessenen Entfernungen sind erstaunlich genau.
D e n Tigrislauf beschreibt ibn Serapion so1: "Der Tigris fließt vorbei an al-Mausil, dann al-
Hadltha, al-Sinn, al-Südaqäniyya, Djabiltä, Takrit, k o m m t dann nach Surra m a n rä'a, dann
al-Qädisiyya, Adjama, al-'Alth, Hazira, Sawämi', 'Ukbarä, Awänä, Busrä, Bäzügha, Baradän,
Mazrafa, Qatrabbul, al-Shammäsiyya (Vorort von Baghdad)".
Die N a m e n sind wohl alle in den obigen Untersuchungen vorgekommen. Die letzte Station
vor Mausil ist unsicher. Südaqäniyya scheint ein iranischer N a m e zu sein: südhaq, eine Falkenart.
Tabari II, 2002 hat ein Südaqän in Abeward, Khurasan. — al-Qädisiyya ist der Hauptort des
Bezirks al-Qätül. Heute hängt der N a m e an d e m großen Oktogon im Süden von Samarra:
al-Djädisiyya, auch Djälisiyya gesprochen. Yäqüt IV, 9: "großes Dorf des Dudjailbezirks
[seiner Gegenwart], zwischen Harbä und Samarra, w o Glas gemacht wird. Darauf beziehen sich
die Verse des Djahza: an den Ufern des Qätül, dort w o das qasr zwischen al-Qädisiyya und den
Palmen steht". — Z u m Unterschied von d e m berühmteren Qädisiyya bei Küfa heißt dies Qädi-
siyyat Sämarrä. I m September 1911 habe ich einen Zug dicht westlich des großen Oktogons
bei dem noch heute nach d e m vor hundert Jahren gemachten Fund einer sumerischen Statue
al-sanam genannten Punkt graben lassen. Das Ergebnis waren zahllose Glasscherben, der Schutt
alter Bläsereien. Trotz des heutigen Namens scheint mir, daß das eigentliche alte Qädisiyya
nicht auf d e m hohen Ufer, sondern darunter im Flußtal lag und weggeschwemmt ist, während das
Oktogon die Stadtgründung durch al-Mu'tasim vorstellt.
J. F. Jones, 1. c. p. 10 schreibt von al-Sanam: "small enclosure on cliff washed by the Tigris,
half of it at present remains, built offinekiln-dried bricks. T h e lower half of a statue — whence
its name — of black stone, similar to those of Egypt, was found here some years ago, and is now
in the possession of Dr. Ross". Das ist 1846 geschrieben. Dr. Ross war der Arzt des Britischen
Konsulats seit 1834; in seinem'Journey' I.e. 127,1834: "found some years ago", und "now in the
possession of Col. Taylor", des Konsuls. Z u vermuten ist, daß das Stück eines der Fragmente
sumerischer Statuen im British M u s e u m ist.
Die in den Routiers und bei ibn Serapion zwischen al-Qädisiyya und Baghdad angeführten
Namen, alle im heutigen Dudjail-Bezirk, scheinen alle vorislamisch zu sein. Das sonst nie er-
wähnte Adjama ist die arab. Form von akk. agamme, syr. aghme — vgl. Mas'üdi al-adjamiyyün
'paludicolae' — aber das Manuskript ist unik, m a n könnte an ÖA=-1 denken, heute Adjda (?). —
Sawämi', pl. v. sauma'a 'Mönchzelle' ist vielleicht vorislamisches Arabisch. Hazira, heute Teil
'Äbir in ard al-huzaira, k o m m t als Bistum vor, vgl. p. 108, der N a m e bedeutet 'Umzäunung'
und gehört zu Hadr und Hira. Das da nicht angeführte, aber noch bekannte Harbä ist auch
1
Ed. Le Strange, JRAS1895, Text p.9, Übers, p. 33.
* 69 *

aramäisch: Ruine. — Awänä, heute W ä n a , ist syrisch 'Poststation' aus altp. avahäna 'Ausspann,
Relais', invers avähana für gesprochenes aväna geschrieben. -- Shammäs heißt 'Diakon',
Shammäsiyya ein nach solchen genannter Ort.
In jener Zeit hatte die große Veränderung des Tigrislaufs noch nicht stattgefunden, die das
Bild des Dudjail-Bezirks zwischen Samarra und Baghdad ganz änderte: der Tigrisfloßfast ohne
Richtungsänderung von d e m Punkt zwischen Istablät ( W ) und al-Qä'im (O) auf Baghdad zu,
in einemflachen,gegen Osten konvexen Bogen. D e n Wechsel des Laufs hatte J. F. Jones vor
ioo Jahren erkannt. Ich bin das Gebiet oft durchritten, u m die Veränderungen und die alte
Topographie zu studieren1.
Diesen Wechsel des Stromes erwähnen die maräsid al-ittilä', aber noch nicht Yäqüt selbst im
mu'djam; so gehört die Stelle wohl d e m Exzerptor 'Abdalmu'min an, der 735 H. starb. Yäqüt
starb 626, und al-Muntasir k a m 623 auf den Thron. Der Flußwechsel scheint in eben den Jahren
623—626 stattgefunden zu haben, denn al-Mustansir schaffte die neue Kanalisation.
Maräsid II, 270 unter 'Ukbarä: "ein Städtchen im Bezirk Dudjail, 10 fars. von Baghdad. Es
lag a m Ostufer des Tigris, aber als der Tigris sein Bett nach Osten verlegte, entstand ein Tigris
unterhalb des Ortes, al-shutaita [demin. v. shatt 'der kleine Strom'] genannt. Awänä liegt
'Ukbarä auf d e m Westufer des Shutaita gegenüber. 'Ukbarä wurde dabei zerstört, und die Be-
wohner zogen nach A w ä n ä und andren Orten u m . Das Gebiet östlich davon bis z u m [neuen]
Tigris wurde z u m Bezirk Dudjail geschlagen und heißt heute al-Mustansiri, weil der i m ä m al-
Mustansir — Allah habe Wohlgefallen an ihm! — dafür einen neuen, v o m Dudjail abgeleiteten
Kanal anlegen ließ" usw. Auch p. 274: "al-'Alth, ein Dorf a m Tigris, zwischen 'Ukbarä und
Samarra, waqf der 'Aliden. Es lag [ursprünglich] östlich v o m Tigris, gehört aber heute zu den
Bezirken des Dudjail a m Shutaita". In II 270 sprechen die Maräsid von den waqf des Mustansir
an seinem Kanal: für die Fremdenherbergen und die Verpflegung von Armen im Ramadan 2 .
Der alte Lauf ist noch recht deutlich zu verfolgen. Erst bei der qubbat i m ä m 'All, unterhalb
von khän Mashähida, 28 k m nördl. v. Baghdad, erreicht der jüngere Tigris wieder sein altes Bett.
Das Gebiet westlich des alten Laufs ist der Dudjail-Bezirk.
Drei alte Kanäle bewässerten diesen Bezirk.
Der westlichste ist der Calu, mit einer Mauer auf seinem Ostufer, der noch oberhalb von
Istablät, tief ins Gelände eingeschnitten, beginnt und scheinbar aus dem Ishäqi, dem Hauptkanal
des Westufers von Samarra, gespeist wurde. Das Land, das er weit nach Süden hin bewässert,
gehört noch meist zu der prä-alluvialen Steppe, die schon Festland war, als das Meer sich noch
über den ganzen Sawäd ausdehnte. Es ist kein wirkliches Agrikultur gebiet. Der zweite große
Kanal beginnt 15 k m unterhalb von Istablät und läuft zuerst nach Süden. Seine gute Tracierung
zeigt sofort sein Alter an. Heute wird er als Ishäqi bezeichnet, wie der Kanal von West-Samarra;
aber für ibn Serapion gilt er nicht mehr als Ishäqi. Der Kanal nimmt die Richtung auf die Senke,
das hör von 'Aqrqüf, in die v o m Euphrat her der Saqlawiyya, nähr 'Isä einfließt. Wie dieser ver-
läuft er schon ganz im Alluvium. Beide begleiten die vordiluviale Küste der Djazira. Bei Hoch-
wasserfindetdas Wasser aus der 'Aqrqüf-Senke einen Auslaß z u m Tigris unmittelbar unterhalb
von Baghdad.
Der dritte Kanal ist der Dudjail, zwischen Ishäqi und altem Tigrisbett. Aber was m a n heute
sieht, ist der Dudjail einer jüngeren Epoche, der streckenweise im alten Tigris verläuft. Er reicht
nicht mehr viel weiter südlich als Sumaica.
1
Meine topographischen Aufnahmen sind mit den aufgenommen.
2
Vermessungen der Ingenieure der Baghdad-Bahn Vgl. oben p. 108 ard al-husaimyya, d. i. das Waqf
in die deutschen Generalstabskarten von 1916—18 der 'Aliden.
* 70 *

Die älteste geschichtliche Erwähnung der Gegend hatten wir oben besprochen: Tukulti
Ninurta kam v o m Tharthär zu den maskanäte von Utu'äte, Maskin, und ging von da nach
DürKurigalzu, 'Aqrqüf, wie es die Topographie verlangt. In der Samarra-Zeit schickte, nach
Tabari III, 1600, al-Mu'tazz i. J. 251 H . den abu Nasr b. Bogha mit einem Heer "von Samarra
auf dem tariq al-Ishäqi aus, a m Dienstag, und er marschierte denselben Tag und die Nacht und
erreichte a m nächsten Morgen Anbär" (am Euphrat). Das ist die einzige mir bekannte Stelle,
w o der südliche Kanal erwähnt wird, und da heißt er schon wie der nördliche, Ishäqi. Auch
al-Mutawakkil nahm diesen W e g bei seiner Rückkehr von Damaskus, Tabari III, 1436, "im
Jahre 244, djumädä II, von al-Anbär über die /wr/-Straße". Ich glaube mich zu erinnern, daß
m a n dies Gelände al-djurf nennt.
Tagebuch 1. VI. 1911: V o n Dulü'iyya zu Pferd durch das Tiefland innerhalb der großen
Tigrisschleife, dann in einer Quffa übergesetzt, unweit des Grabes sayyid M u h a m m a d . — Mandjür
sind zwei kleine Hügel, dicht bei einander, dazu ein dritter, Yäzür genannt. Die Anhöhung ist nur
2 — 3 m , der Umfang nur etwa 600 Schritt. Sie sehen aus, als beständen sie ganz aus babylonischen
Scherben. Nur einfachste Ware; Proben mitgenommen und Panorama-Aufnahmen gemacht.
13. XI. 1911: V o n Sumaica nach Mandjür: im Gebiet zwischen Teil al-Dhahab und al-Mandjür
bleibt das Regenwasser stehen, aber es liegt überschwemmungsfrei. Diesmal wurde mir der
nördlichere der zwei Hügel Yäzür genannt oder 'die zwei manädjir'. Unweit liegen die ebenso
unbedeutenden Hügel Shaikhän und Ruqaiba. Das 'Adaim-Tal nimmt die Richtung gerade auf
die manädjir zu. Diese machen den Eindruck einer großen babylonischen Töpferwerkstatt,
nicht nur wegen der massenhaften Scherben, sondern wegen des Bodens. Sayyid Käzim kratzte
ihn an mehreren Stellen mit der Hacke auf, er besteht aus mit Asche und Kohle vermischter Erde,
ganz weich. So ist die Erde in Töpfereien immer beschaffen. Das ist keine antike Stadt.
12. IX. 1911: Bei Tbra übergesetzt und durch Überschwemmungsgebiet nach Djibärät
geritten. Dies liegt wie eine Insel im Überschwemmungsgebiet, annähernd dreieckig, von
600—800 Schritt Seitenlänge oder etwas mehr, Schuttanhöhung 5 — 8 m . Leute hatten gerade
Ziegel gegraben: 31/32 cmP und 26/27 cmP, scheinbar islamischer Zeit, aber Sayyid Käzim
sammelte unmeßbare Stücke, die er sicher richtig als babylonische bezeichnete. Der Hügel
ist fast so übersät mit Scherben wie die manädjir. Sonst habe ich das nie beobachtet:
lauter rohe Ware, massenhaft vorislamische, dazu Glasurware, vielleicht parthisch, auch viel
frühislamische, blaue, und die bekannte Uberlaufglasur über in engobe geritzter Zeichnung.
Im gleichen Überschwemmungsgebiet liegt ein zweiter vereinzelter Hügel teil Masäyikh, mit
einer kleinen, von Arabergräbern umgebenen qubbat 'Abdalqädir, kleiner und ein wenig höher
als Djibärät, aber von gleicher Beschreibung. Von da sind es nur 3 oder 4 Stunden nach Balad.
Bei teil Masäyikh beginnt das Gelände unmerklich zu steigen, keine klare Grenzlinie: Balad liegt
überschwemmungsfrei.
Kurz hinter Djibärät ritten wir a m 'Alth-Kanal entlang. Ich fragte einen an einem Wasser-
werk beschäftigten Araber nach dem N a m e n des Kanals und er sagte: "Nein, ich sage es euch
nicht mehr. Ihr seid so oft gekommen und habt gesagt, wir wollen sie neu öffnen, und habt es nie
getan!" Dann sagte er aber doch: nähr al-'Alth und auf den zweiten dahinter zeigend: nähr
al-Mustansir.
13. IX. 1911: Bei Sumaica: Der Herr des Heiligtums, sayyid M u h a m m a d , wird als Sohn des
'AH b. Hädl angesehen. Die Restauration ist von 1310 H . — Die Kuppel ist jung, der Unterbau
mit dem Eingang auf der Südseite alt, vgl. Jones' oder Collingwood's Zeichnung.
Teil al-Dhahab, 312 Schritt größte Länge, Höhe bis 6 m , massenhafte Scherben, aber nichts
Altes darunter. Kleine Ziegel 21 cm. Die Notizen über Harbä siehe unter 'Brücke von Harbä'.
* 71 *
DIE QÄTÜLE
Auf d e m Ostufer des Tigris liegt das Kanalsystem des Qätül-Nahrawän. Ibn Serapion sect. VIII:
" V o m Tigris ist, auf d e m Ostufer, der Kanal 'der obere Qätül al-kisrawi' abgeleitet. Sein An-
fang ist ein wenig unterhalb von Dür al-kharib1. Er läuft an dem Schloß al-Dja'fari entlang, und
hat dort eine Brücke, qantara, aus Stein, geht dann an al-Itäkhiyya vorbei, w o die Kisrawiyya-
Brücke über ihn führt. D a n n geht er weiter nach al-Muhammadiyya, w o eine Bootbrücke, djisr
al-zawäriq, hinüberführt. D a n n weiter nach al-Adjama, einem großen Dorf, dann nach d e m
Shädhirwän, nach al-Ma'müniyya, auch einem großen Dorf; nach al-Qanätir 'die Brückenbogen':
dies sind blühende Dörfer mit ausgedehnten Feldern. Dann geht er weiter nach einem Dorfe
namens Salwä (oder Sülä) und nach Bä'qüba, w o er Tämarrä heißt, weiter nach Bädjisrä, und
k o m m t dann zu der Brücke namens djisr Nahrawän; dort heißt er Nahrawän".
Die Beschreibung des 95, mit Ausläufern 140 k m langen Laufs südlich der Diyäla betrifft
Samarra nicht mehr; aufgenommen ist dieser Teil von J. F. Jones.
In 'Arch. Reise' I pp. 5 3 — 6 4 habe ich die nördlichen Teile des Kanalsystems beschrieben.
Der Qätül al-kisrawi, heute al-Rasäsi, ist an seinem Kopf 45 Schritt breit und 8,5 m tief, mit
senkrechten W ä n d e n in den Konglomeratfels geschnitten; oben liegen die aus gehobenen Massen
als noch 5 m hohe Wälle. — Mit d e m sich gegen Süden verändernden, in Mergel übergehenden
Boden verändert der Kanal sein Aussehen, der Querschnitt wird flacher und breiter. Beim
teil al-Aswad, genau östlich der heutigen Stadt und der Malwiyya, ist er ohne D ä m m e rd. 120
Schritt breit; bei diesem a m Ostufer gelegenen Hügel gehen große Bewässerungskanäle, shäkhät
ab. Ein ausgeraubter Ziegelbau gehört der Samarra-Zeit, die den Boden bedeckenden Scherben
einer etwas jüngeren Periode an. — I m Süden, bei Ghana'ür, auch a m Ostufer, nur 7 k m nördlich
von Ba'rüra (am Tigris), ist der Kisrawi rund 200 Schritt breit und sehrflach.Von jenem Scher-
benfeld stammen die Bruchstücke großer habb und djarra mit eingestempelten Tierbildern, Kreuzen
und ähnlichen Symbolen 2 , vielleicht einer älteren Periode als Samarra angehörig, daneben rohe,
hellblau glasierte Ware. — W o ich den Kisrawi an einem Punkt N 30 W von khan Dulü'iyya
überschritt, u m den nähr Batt herauf z u m Band i 'Adaim zu reiten, hatte er auch rd. 200 Schritt
Sohlenbreite. Nach d e m Übergang über den 'Adaim, der dort ganzflachund nur 50 m breit ist,
m a ß ich zwischen Daltäwa und khän Nahrawän an einer Verbreiterung den östlichen der dortigen
zwei parallelen Zweige als ca. 250 Schritt, gegenüber 125 normaler Breite. Das Tonmergel-
gelände ist dort leicht gewellt und an Senken sind die D ä m m e höher als an hohen Stellen: die
Kanalsohle lag über d e m Boden der Senken. Dort im Süden wird der heute Nahrawän genannte
Kisrawi von einem etwa 4 k m entfernten Parallelkanal begleitet, dessen südlichen Teil der vom
Khälis kommende, moderne nähr 'Uthmäniyya benutzt.
Der N a m e qätül'wäre nach Yäqüt IV, 16 arabisch3, aber das überzeugt nicht, er sieht aramäisch aus.
Der von ibn Serapion beschriebene Kopf nördlich des qasr al-Dja'fari ist auf dem Plan und den
Luftaufnahmen deutlich sichtbar, Sam.-Nord. Dür heißt bei Yäqüt II, 416 richtig al-kharib, 'das
öde', II, 615: "Dür Takrit, zwischen Samarra und Takrit". Es ist das heutige imäm Dar, hinter
d e m östlich ein 65 k m langer Zufuhrkanal z u m Kisrawi hinabkommt. Von der Steinbrücke beim
Palast sind Ruinen erhalten: der Kern der Pfeiler besteht aus Kunststein, er soll eine Verblendung
von Steinen gehabt haben, die mit verbleiten Klammern verbunden waren: daher der heutige
N a m e qantarat al-rasäs, nach der der ganze Kanal al-Rasäsi heißt. Für die Araber ist Blei, aus
d e m sie Kugeln gießen, wertvoller als Gold.
1
M s . ojli-l, verbessert nach Tabari und Ya'qübl. 'vom Tigris abgeschnitten'. Heute und schon in
2
'Keramik' Taf. III und Abb. 24—33. der Waqf-Inschrift der Mirdjäniyya in Baghdad u m
3
fä'ül von Q T L , Sinn 'abschneiden', gleichsam 760 H. Qätün.
* 72 *

Über Itäkhiyya sagt Yäqüt IV, 430: "Nach al-Balädhuri [nicht in den futüh]: Itäkhiyya heißt
nach d e m Türken Itäkh; al-Mutawakkil nannte es dann nach seinem Sohn M u h a m m a d al-
Muntasir al-Muhammadiyya ; vorher hieß es dair abi l-Sufrä; das sind Khäridjiten; es liegt nahe
von Samarra [Ort seiner Zeit]". Die Entfernung wäre 12 k m , wenn m a n es, wie wahrscheinlich,
a m Kanal in der Höhe von D ü r ansetzt.
Muhammadiyya wird von Ya'qübl hist. 614 unter al-Mu'tazz erwähnt, nach Tabari III, 1688
wäre das im Jahre 253: der Häretiker Musäwir rückte von Mausil heran, näherte sich Samarra
[Dja'fariyya war damals schon verlassen], bemächtigte sich Muhammadiyya's, wohnte im Schloß,
benutzte die Teppiche und das Bad, und war nur nach Kämpfen zu vertreiben. Als Entfernung
wird da 3 Farsakh angegeben, 16,5 km. Das würde a m Qätül zu d e m Punkt führen, w o die N O -
Ecke von Dja'fariyya unterhalb des qasr al-Dja'fari an den Kanal stößt, und ist offenbar zu lang.
Es lag östlich von Dja'fariyya: Ya'qübl tanb. 286: "während des Baus von Dja'fariyya wohnte
al-Mutawakkil in Muhammadiyya". Tabari III, 1824: abu Nasr b. Bogha ging, als ihm über
400 seiner 500 M a n n nachts desertierten, von seinem Lager bei der Rennbahn im Hair nach
Muhammadiyya. — Yäqüt III, 17 erwähnt "ein Schloß imItäkhiyya-Garten,von al-Mutawakkil
für 10 Millionen Dirham gebaut". Das könnte ein qasr al-Muhammadl im Itäkhiyya-Garten
sein. Nach Tabari III, 1706 fand die Investitur des Sulaimän b. 'Abdallah b. Tähir mit der
shurta von Baghdad durch al-Mu'tazz in 255 H . in Itäkhiyya statt. O b es mit Muhammadiyya
gleich oder ihm nur benachbart war, jedenfalls ist es nicht das Lehen des Itäkh an der zweiten
Hauptstraße von Samarra, das a m bäb al-bustän des Djausaq lag, siehe oben p. 68.
Shädhirwän bedeutet ein W e h r oder ein dividiculum, es ist also die gewaltige Verzweigungs-
stelle, die in der Breite der Rennbahnen liegt, siehe den Plan1.
Wie die Karte zeigt, hat der Qätül al-kisrawi im Süden von Samarra Zufuhrkanäle. Diese
beschreibt ibn Serapion so:
" V o m Tigris sind auch die 'Drei Qätüle' abgeleitet. Ihr aller Anfang ist an einem Punkte
2 Fars. unterhalb der Stadt Surra m a n rä'a, zwischen al-Matlra und Barkuwärä. Der obere der
drei heißt al-Yahüdl, über ihn führt die qantarat Waslf, und erfließtweiter bis er sich in den
Qätül al-kisrawi ergießt, unterhalb von al-Ma'müniyya".
"Der zweite heißt al-Ma'müni, er ist der mittlere,fließtan Dörfern und Feldern vorbei und
bildet einen tassüdj des Sawäd; seine M ü n d u n g in den Qätül al-KisrawI liegt unterhalb des
Dorfes al-Qanätir".
"Der dritte heißt abu l-djund, das ist der untere und größte und an Kulturen reichste. Er fließt
1
Nach den mafätih 70: "shädhirwän ein Unterbau, auf shädhirwän hat nichts mit Wasser zu tun, nämlich
d e m ruht (oder: der schützt) eine Brücke, breiter der der Ka'ba, den ibn Rusta 37 als einfaches
als der Oberbau". So sind die sasanidischen Stau- krepidöma beschreibt, auf drei Seiten; bei ibn
d ä m m e in Khüzistän gebaut, von denen der Khaldün, Proleg. II, 259 klingt es ganz, als wäre
shädhirwän i Tustar als Weltwunder galt, auch das der Rest einer Anlage, älter als die des ibn
band i Kaisar, weil von den gefangenen Pionieren al-Zubairunddes Hadjdjädj. Die persischen Lexica
der Armee Valerians gebaut. Gloss. BGA IV sagt: geben das Wort mit den arabischen Varianten
"dividiculum, 1. u m Wasser zu einer höher als ihre seiner Vokalisierung als persisch, aber die Bedeu-
U m g e b u n g gelegenen Stadt zu schaffen, 2. zur tung, 'großer Vorhang, Sonnensegel, Teppich,
Wasserverteilung". 1. meint die großen Stauwerke, schatten gebendes Gesims' u.a. läßt sich gar nicht
2. erscheint z. B. bei ibn Djubair, Wright p. 78 mit der arabischen ausgleichen. I m Armen, hat
(und ibn Battüta I, 234) als Bezeichnung für ein satrvan sowohl die pers. Bedeutung Teppich, wie
kleines, fein ausgedachtes Wasserwerk a m Qäsiyün die arab. Springbrunnen, vgl. Hübschmann, Arm.
über Damaskus; Dozy gibt mehrere Beispiele, Gram. 212 n. 475. Vielleicht sind es zwei ver-
w o das Wort 'Springbrunnen' heißt, wie arab. schiedene Wörter. Die Etymologie ist ganz dunkel,
fawwära, pers. afriz, äbrez. lat. scaturigo. N u r ein vielleicht ist es garnicht persisch.
Tafel VIII

J
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a Steilufer des Tigris an der Landungsstelle westl. der Stadt

b Steilufer des Tigris unterhalb des Bait al-Khallfa


* 73 *
zwischen Feldern und Dörfern und von ihm zweigen viele Kanäle ab, die Felder auf d e m Ostufer
des Tigris bewässern - und sein meistes Wasser ergießt sich so in den Tigris zurück - dann
fließt er weiter in den Qätül al-Kisrawi, 4 Farsakh oberhalb von al-Salwä"
Z u d e m unteren Qätül sagt Balädhuri, futüh 297: "al-Mu'tasim stieg in der Villa des Rashld
in al-Qatül ab, die dieser sich erbaut hatte, als er seinen Qätül graben ließ, den er abu l-diund
nannte, weil er den Ertrag der bewässerten Ufer für den Unterhalt seiner (arabischen) Armee
djund, festsetzte". Nach Tabari III, 1179 war die Villa, qasr, der Anfang einer unvollendet ge-
&
bliebenen Stadt.
Diese Schilderung kann m a n graphisch nur so darstellen, wie es LeStrange in seiner Ausgabe
des ibn Serapion getan hat. Aber das stimmt schlecht zu d e m Befund. Der Anfang der Kanäle
ist mit "2 Farsakh unterhalb Samarra" richtig bestimmt, wenn m a n darunter die Mitte der Stadt
des Mu'tasim versteht, aber die Angabe "zwischen Matlra und Barkuwärä" ist falsch. Sie liegen
vielmehr 2,5 k m unterhalb von Barkuwärä, alle außerhalb des Stadtgebietes.
Dicht beim Kopfende des Qätül al-Yahüdl1 erhebt sich der T u r m al-Qä'im, siehe Taf VI
auf d e m Südwall, etwa 250 Schritt v o m Tigris, wie ein Leuchtturm. Heute steht nur noch der
viereckige Kern, aus Kieseln in Mörtel gebaut, in 24 Schichten von etwa 50 c m Höhe, im ganzen
rd. 12 m hoch, bei rd. 8 m Seitenlänge. Dieser T u r m hatte eine — wie beim T u r m von Babel —
ganz ausgeraubte äußere Ziegelschale mit äußerem Aufgang, glich also den beiden großen
Minareten, nur auf viereckigem Plan. Es ist baugeschichtlich wichtig festzustellen, daß damals
noch beide alten Typen, der quadratische und der runde, in Gebrauch waren. Der T u r m war
kein Minaret, sondern mit Wahrscheinlichkeit ein Leuchtturm, was das Wort manära ja auch
bedeuten kann2. Nach ihm heißt der Kanal heute nähr al-Qä'im.
D a n n folgt nach Osten die Ruine der Waslf-Brücke, bei der das Kloster M a r T ü m ä oder M a r
Marl lag3. Der Kanal gleicht völlig d e m Qätül al-kisrawi. Östlich der Waslf-Brücke zweigt ein
großer aberflacherKanal ab, bestimmt das große Oktogon von al-Qädisiyya mit Wasser zu ver-
sorgen, den unvollendeten Bau des Mu'tasim. Der Kanal geht nördlich daran vorbei und läßt die
großen Ruinen von al-Musharrahät links nördlich liegen; diese liegen an der Tiergartenmauer
und sind offenbar ein Jagdschloß. Die Jagdgeschichten bei Tabari und andren spielen alle in
dieser Gegend. Aber dieser erste Qätül — oder wenn m a n will der zweite — fällt nicht in den
Qätül al-kisrawi, sondern beide vereinigen sich vorher, etwa 18 k m v o m Qä'im östlich des
modernen khän Su'aiwiyya. Der zweite Qätül al-Ma'münl, zu Jones' Zeit sidd al-'aziz genannt,
heute nach der Fährstelle nähr al-'ibra, oder nach d e m
Oktogon nähr al-Djädisiyya, ist etwas größer als der erste,
und verläuft so dicht a m Rand des Konglomerats, einer
voralluvialen Meeresküste, die der heutige Tigris bespült,
daß sein Anfang stark zerstört ist. Erhalten ist er erst östlich des Oktogons, weniger als 10 k m
vor der Vereinigungsstelle. Die beim Einfall des Querkanals liegende Fähre al-'ibra ist der
Punkt, an d e m Jones im heutigen Tigris die Ruinen al-Qanätir verzeichnet, von denen er opp.
p. 282 ein bei Niederwasserstand gezeichnetes Bild gibt: als Schleusen und D a m m bezeichnet.
Der Tigris bildet heute dort eine Stromschnelle, dicht östlich von Djibärät. Der Punkt
ist die Kante einer natürlichen Konglomeratbank, die geologisch zu d e m hohen Ufer gehört
und sich im Westen nach al-'Alth hinzieht. Damit hängt die von Shäbushti (Sachau p. 11)

auffälliger Name, der sich auf einen Bauleiter Ursprung der manära bei Diez cChorasan> und zu
beziehen könnte. dem Ausdruck al-qä'im die Anmerkung auf p. 131.
2
Vgl. van Berchems Abhandlung über Sinn und 3 Darüber p. 244.
10 Herzfeld
* 74 *

beim dair al-'Alth beschriebene Schnelle im alten Tigris zusammen, die al-dbwäb 'die Tore' hie
und u m die zu passieren m a n in al-'Alth Lotsen an Bord nehmen mußte.
Östlich der Fährstelle liegt a m heutigen Tigris und a m zweiten Qätül, kaum 3 k m westlich der
Vereinigungsstelle der zwei Qätüle, der khän Su'aiwiyya, der den älteren khän Misraqdjl ersetzt
hat. Die Vereinigungsstelle ist gut erhalten, eine Verbreiterung von
"^T^—5-—-N_ doppelter Sohlenbreite, rd. 150 Schritt. Darauf behält der vereinte
2_ Kanal die Richtung des zweiten bei. Ibn Serapion irrt also, wenn er
sagt, der erste falle unterhalb von al-Ma'müniyya in den Kisrawi: er
fällt in den Ma'müni und der vereinte Kanal in den Kisrawi.
Der vereinte Kanal bricht bei einem Friedhof shaikh Hasan ab: das Konglomerat tritt als
Bucht zurück nach Norden und der Kanal durchschnitt das alluviale Überschwemmungsgebiet
des heutigen Tigris. V o n d e m etwa 6 m höheren Gelände k o m m e n mehrere v o m Kisrawi ab-
gezweigte Kanäle und Abflüsse von Regenwasser, khirr, herab. Diese Formation ist älter als der
heutige Tigrislauf und nicht von ihm in das harte Gelände gerissen, östlich von dieser Bucht
ist der vereinte Kanal in genauer Fortsetzung seiner Linie, schnurgerade wieder da, in vorzüg-
licher Erhaltung, tief in den Felsboden geschnitten, Sohlenbreite 125 Schritt, mit gewaltigen
Dämmen,-ein Werk noch großartiger als der Kisrawi im Norden. So geht er bis zu seiner Ver-
einigung mit d e m Kisrawi kurz oberhalb der Kreuzung mit d e m 'Adaim. Diese Strecke wurde
mir nähr al-u'aiwidj1 genannt. A n seinem rechten Ufer liegt noch ein Streifen des hohen Ge-
ländes, bis zur heutigen Tigris-Küste, und dort, an einem hulaiq al-dhib 'Wolfskehl' genannten
Punkte, sah ich einen Rest des dritten Qätül: ein Stück seines in den Fels gehauenen linken
Ufers2. Der dritte Qätül abu 1-djund lief auf jeden Fall in der Linie des heutigen Tigrisbettes und
ist verschwunden.
Der vereinte Yahüdi und Ma'müni fallen bei d e m Ruinenfeld eines großen Dorfes namens
teil al-Muhassil 'Zöllnerhügel' in den Kisrawi, w o wenig unterhalb auch der nähr al-Batt, der
a m Durchbruch des 'Adaim durch den Hamrin rechts v o m 'Adaim abgezweigt ist, in den
Kisrawi fällt. J. F. Jones gibt einen genauen Plan und Schilderung des Orts. J. R o ß 3 beschreibt
die fünf Fundamente aus Ziegelwerk der dortigen Brückenpfeiler, genannt qubarä 'Gräber' und
hielt den Punkt irrig für das alte Opis. Der N a m e Zöllnerhügel enthält eine Erinnerung an dort
erhobene Accise, Brückenzoll. Jones gibt als N a m e n al-Qanätir. Das ist gewiß al-Qanätir des
ibn Serapion, w o nach ihm der zweite, in Wahrheit der vereinte Qätül in den Kisrawi fällt.
Schon der noch auf d e m hohen Konglomerat verlaufende Ma'müni soll einen tassüdj des
(alluvialen) Sawäd gebildet haben; der abu 1-djund wird janz und gar als sawäd-Gebiet beschrie-
ben. Erfloßalso auf d e m tiefen Niveau des heutigen Flußlaufes von Istablät nach Osten bis zur
'Adaim-Mündung. W a s geschah ist ganz deutlich: der abu 1-djund lief dort in einem ursprüng-
lichen Tigrisbett; behindert durch die unterhalb von Istablät vorauszusetzende Dammanlage
brach der Tigris bei Hochwasser in den Lauf des abu 1-djund ein: diese heutige Tigrisstrecke ist
der abu 1-djund.
Früher glaubte ich, seine Vereinigung mit d e m Kisrawi könne bei einem nicht mehr erhaltenen

1
Demin. v. a'wadj 'krumm', weil er so grade ist, wie Zalübiyya. Dort fragte ich einmal, ob der alte Name
Qabiha für die schöne Mutter des Mu'tazz oder noch bekannt sei, und erfuhr von einem aus Dair
käfur für einen ganz schwarzen Sklaven. al-zaur gebürtigen Gendarmen und einem alten
2
Eine alte Ortsbezeichnung, assyr, hinqu, syr. arab. Araber aus Turaif: "man sagt heute hliqqä, dasselbe,
khänüqa 'Enge'. Ein khänüqa liegt unterhalb von was du khänüqa aussprichst". Nicht so falsch:
Assur beim Durchbruch des Tigris durch den 'Kehle' und 'Enge'.
Makhül, ein andres am Euphrat bei Halabiyya- JRGS X I p. 124.
* 75 *
Punkte in der Kurve dicht südlich der heutigen 'Adaim-Mündung gewesen sein. Das ist unwahr-
iSt dCr abU 1_djUnd der Kana1 der den
*uf' !!f ' § a n z e n Unterlauf des Kisrawi
sudhch des Adaim - soweit er nicht durch den Tigris zerstört ist - in etwa 3 k m Abstand über
khan Nahrawän bis kurz vor Bä'qüba begleitet. Der Kisrawi kreuzt dort die Diyäla und läuft
dann ihrem linken Ufer parallel. Ein Kanal lief auch auf dem rechten Ufer. - Die großen Zweig-
kanale, von denen wieder kleinere abgehen (die von ibn Serapion erwähnte Irrigation) sieht
m a n noch, die größeren mit 30 Schritt Sohlenbreite, an vielen Stellen an beiden Ufern des heuti-
gen Tigris; ihre Sohle hegt bis 2 m über heutigem Normalwasserstand. Ein von Härün gebauter
und abu 1-djund, 'Vater der Armee' genannter Kanal ist kein Kanälchen von kaum 30 k m Länge
sondern dieser lange Kanal, und für den Unterhalt der Armee war das ganze Land bestimmt, das
d e m Dudjail-Bezirk östlich gegenüber lag, nördlich von Baghdad, zu beiden Seiten des heutigen
Stromes. Nach ibn Serapion vereinte sich der abu 1-djund mit dem Kisrawi 4 fars. oberhalb von
Salwa, vgl. "der Kisrawi geht an Shädhirwän und Ma'müniyya vorbei nach Qanätir, weiter nach
Salwä und Bä'qüba". Dieser Ort heißt bei ibn Khurdädhbih 175 und bei ibn Rusta 90 bäb
Salwä, bei Ya'qübl tanb. "Bäsalwä, zwischen Qanätir und Bä'qüba". Vier Farsakh ist eine be-
trächtliche Entfernung, 22 km, und m a n wundert sich, warum nicht ein näherer Ort angegeben
ist. Die ganze Strecke von Qanätir bis Bä'qüba ist kaum 45 km. W e n n Salwä 'mitten' zwischen
beiden lag,fieledie Vereinigung von abu 1-djund und Kisrawi auf Qanätir, was unmöglich ist;
wenn es ganz nahe bei Bä'qüba lag, wäre die Vereinigung immer noch näher an Qanätir als an
Salwä. Sie kann nur auf Salwä, statt Qanätir, bezogen werden, wenn sie unterhalb, statt oberhalb
davon lag: auch die andren Vereinigungspunkte werden nach Orten bezeichnet, 'unterhalb'
derer sie lagen. Das ist also auch eine Ungenauigkeit bei ibn Serapion.
Bäsalwä k o m m t in vorislamischer Zeit unter Khusrau II Parwez vor, in den Acta des S. Anasta-
sius Persa1, mit Entfernungsangaben: "BexcraXoV/] oder BaXoaXws2, quod oppidum est milliario
(oder lapide) sexto a Discartas ubi rex degebat". 6 Parasangen, 33 km, ist genau der radiale Ab-
stand der fraglichen Kanalstrecke khän Nahrawän—Bä'qüba von Daskarat al-malik, Discartas.
Ferner: "monasterium S. Sergii quod uno circiter milliario distat a dicto oppido (Betsaloe)".
Ein Sergioskloster wird da nirgends erwähnt, auch nicht bei Shäbushti, aber die Entfernung von
Dastagird rückt den zwischen Qanätir und Bä'qüba gelegenen Ort mit Wahrscheinlichkeit nach
khän Nahrawän, oberhalb des Khälis, nahe an den Punkt, von wo der Tigris die Linie des abu
1-djund wieder verläßt und sich Baghdad zuwendet. Dann lag die Vereinigungsstelle des abu
1-djund und Kisrawi 4 Farsakh unterhalb, w o m a n auf dem W e g e von Daltäwa nach Bä'qüba einen
solchen Punkt sieht. Eine gewisse Bestätigung liefert Yäqüt IV, 16: "Der von Kisrä Anöshirwän
angelegte Qätül al-kisrawi hat einen shädhirwän, ein Wehr, oberhalb dessen er einen rustäq bain
al-nahrain des tassüdj Buzurgsäbür bewässert", und "al-Rashid baute seinen Qätül unterhalb,
an Baghdad grenzend, der auch unterhalb des shädhirwän in den Nahrawän [gleich Kisrawi]
mündet". D a handelt es sich nicht u m das nördliche shädhirwän von Samarra, sondern u m eines
im heutigen Khälis-Gebiet.
Bei Bä'qüba hängen also die Qätüle mit dem Tämarrä-Nahrawän-System zusammen. Der
N a m e Tämarrä gehört der Strecke der Diyäla vom djabal Hamrin bis djisr Nahrawän, heute
Safwa an, w o der Nahrawän nach Süden abzweigt, u m den Tigris bei Djardjaräyä zu erreichen.
Yäqüt IV, 847: "Der Nahrawän ist ein Kanal, dessen Anfang nahe bei Tämarrä oder Hulwän ist;
1
G. Hoffmann, Syr. Akt. p. 120, n. 1072. akk. när Sal-wa-ni, Kanalname auf der Tafel des
- Z u dem Wechsel Bs-—B«X vgl. Balkuwärä. Der Marduk-nädin-ahe. Br. M.; King, Bound. Stones
1
N a m e erinnert an bait al-salät, i\_^J\ ^_. xni ?^ rva, n. 25.
Narthex der jakobitischen Kirchen, andrerseits an
10*
* j6 *

ich kann die Richtigkeit nicht prüfen, undfindeniemanden, der das erwähnte". Der vorislamische
N a m e Törmarrä griff kaum den A b i Alwän ein, und die Kanalisation kann nicht oberhalb des
Durchbruchs des Flusses durch den Hamrin bei Mansüriyyat al-djabal begonnen haben. Darauf
bezieht sich die Legende bei Herodot 1,189, Kyros habe den Fluß in 360 Kanäle zerteilt. Yäqüt
zitiert auch Hishäm b. al-Kalbi: "Die Perser gruben den Nahrawän, und sein N a m e bedeutet:
bei Niederwasser dursten, bei Hochwasser ertrinken die Leute". Worauf das beruht, weiß ich
nicht. Hamza, bei Yäqüt IV, 847, gibt Djürwän als alten persischen N a m e n , das ist der heute von
den Kurden für den Oberlauf gebrauchte N a m e Ab i Shirwän. Andre Quellen sprechen von
einem Eunuchen Nahrawän (dies ist ein Personenname), der den Kanal gebaut habe und darüber
gestorben sei. Daher herrschte in nachseldjukischer Zeit, w o der Kanal verödet war, der Aber-
glaube, jeder Herrscher, der versuchen würde ihn wieder herzustellen, werde darüber sterben.
Das nördlich der Diyäla angelegte Khälis-System beschreibt ibn Serapion so: "al-Khälis,
v o m Tämarrä abgeleitet, so groß, daß er Schiffe tragen kann, mündet unterhalb von Rashldiyya
in den Tigris". Heute ist er zwar nicht schiffbar, kann aber bei Hochwasser schwere Verheerun-
gen anrichten, wie ich selbsf gesehen. Rashldiyya ist unbekamit, m u ß aber westlich der Qätüle
gelegen haben, und es bleibt ganz dunkel — wie bei ibn Rusta's Bemerkung über den unterhalb
von Madä'in in den Tigris mündenden Baladrüzfluß — wie der Khälis die Qätüle kreuzte. Yäqüt
1,182 zählt unter 'Tämarrä' die einzelnen Khälis-Kanäle auf. — I m Khälis-Gebiet kann man sich
heute einen Begriff bilden, wie das Land, heute eine vegetationslose, trockene Ebene, in alter Zeit
aussah: wie ein tropisches Treibhaus.
D e n nähr Diyäla läßt ibn Serapion erst 1 mil unterhalb von djisr Nahrawän (selbst unterhalb
von Bä'qüba) beginnen und 3 Farsakh unterhalb von Baghdad (Runde Stadt) in den Tigris fallen.
Ebenso schränkt Yäqüt II, 638 den N a m e n auf diese kurze Strecke des Unterlaufs ein: "Diyäla
ist ein großer Kanal, nähr, nahe von Baghdad, der Hauptkanal von Bä'qüba usw." Das ist rich-
tig: diese Strecke ist ein heute verwilderter, gegrabener Kanal, nicht der ursprüngliche Fluß.
Mindestens von Bä'qüba, in Wahrheit v o m Hamrin an, war der eigentliche Fluß ganz in die
Kanäle aufgegangen. Derselbe Sprachgebrauch bei Tabari III. 2119s: "al-Muwaffaq kam
schwerkrank von Hamadän zurück. A m Nahrawän angekommen, bestieg er ein Boot und fuhr
den Nahrawän (Diyäla unterhalb Bä'qüba), die Diyäla (unterhalb djisr Nahrawän) und den Tigris
hinab nach Za'faräniyya (heute Zimbaräniyya, aber auch hör al-Za'faränl, cf. Jones 1. c. p. 78)".
Die Kanalsysteme auf beiden Ufern des alten Tigris bestanden schon vor d e m Islam. Die
Araber haben sie nur gewaltig vergrößert. Der Qätül al-kisrawi ist nicht nur seines Namens wegen
ein Kanal der Sasanidenzeit. Der Qätül abu 1-djund ist ein Werk des Rashid, und der N a m e al-
Ma'müni weist den andren Qätül d e m M a ' m ü n zu, auch wenn das nicht besonders erwähnt wird.
Als al-Mu'tasim nach einem Ort suchte, eine Stadt zu bauen, fand er diese Kanäle vor. Daher
fand er das Gelände von al-Qätül 'zu eng'. Die Vergrößerung des Qätül al-kisrawi ist das Werk
des Mutawakkil und blieb unvollendet. Dazu gehört auch die Kanalisation des 'Adaim und der
Staudamm, w o dieser Fluß den Hamrin durchbricht, der Band i 'Adaim.

BAND I 'ADAIM
Dienstag, 8. Juli, 1913: 51145 ab sharl'at al-Nasriyya, Samarra, an der schnurgeraden Mauer
des Tiergartens, al-hudaid, entlang, 7h 15 ab von der Mauer, schräg durch al-Hä'ir, 8h02 am
bVr al-'adjam 'Perserbrunnen', weil an d e m W e g e der persischen Pilger zur ghaibat al-Mahdi
gelegen, mit Wasser. Ein Kanal läuft v o m Qätül al-kisrawi zu d e m Teich von al-Musharrahät.
8h 17, 8h 50, 9h 12 weiter Kanäle gekreuzt. 9h 40 khän Su'aiwiyya, bis 9h 50. U m 101126 an der
Vereinigungsstelle der beiden südlichen Qätüle. 11h 17 shaikh Hasan: der khirr mit einer Brücken-
* 77 *
ruine, al-sadda genannt, von d e m Samarra'er Mudjtahid mlrzä Hasan al-Shlräzi aus Ziegeln von
Ghanä'ür gebaut, k o m m t von Ghanä'ür her. 111150 in Ba'rüra: von al-ba'ra, 'Kamelsmist'.
Nachmittags auf andren Pferden nach Ghanä'ür: ab 3h 57, u m 4h 50 a m Kisrawi, der dort flach
und rd. 200 m breit ist, 51105 a m rasm al-Ghanä'ür auf dem Ostufer des Kanals. In einer Senke
neben d e m Kanal steht bis in den Juli hinein Wasser.
Mittwoch, 9. Juli: 5h05 ab Ba'rüra, 6h00 a m Kisrawi, ca. 200 m breit: Dulü'iyya unter S 30 0 0.
— 7h25 bis 30 al-Qurayya, Scherbenfeld wie Ghanä'ür; ein andres, abu Hulaidj, unter N 150 O,
etwa 1 Stunde entfernt. Qurayya liegt an einem Zweig des nähr Batt. bau 'Schnitt' soll wie
habl 'Strick' für Kanalruinen gebraucht werden. 81140 über den Batt, gewunden, etwa 20 m breit.
9h35 bei Ghudairifa : ghudrüf, xA.ghudärif heißt Knorpel; Scherbenfeld. Von da Abstieg durch
den khirr — genau wie beim Abstieg zur shari'at al-'adjam beim khän Su'aiwiyya — ins
'Adaim-Tal, das 1 k m und mehr breit ist. Der Fluß war trocken, mit Pfützen im Bett; m a n
gräbtflacheBrunnen, barräda, barärid, nach Wasser.
Donnerstag, 10. Juli: V o n Ghudairifa auf die höhere Ebene hinauf, dann a m nähr Batt entlang.
Viele Zweigkanäle mit Scherbenfeldern, die von Dörfern herrühren und deren geringe Schutt-
höhe, nur Dezimeter, die Kürze ihrer Besiedlung zeigt. Der größte Ort war al-Sutaih, (bei
Jones und Rieh: Satha), alles Samarra-Zeit. I m N W — N liegt das 'aith dem Hamrin vorgelagert,
eine eigentümliche geologische Bildung, Wanderdünen aus feinem Tonsand. M a n gräbt darin
Brunnen: Wasserfindetsich in den Dünentälern bei 5 0 — 7 0 c m Tiefe. Das 'aith wird mit Bei-
namen wie al-tulül, gharra unterschieden. Hinter Sutaih bei qulai'at al-raml wieder ins Tal
hinab, kurz danach größere Ansiedlung der albu 'Awäd v. d. 'Azza,
namens Sammür. Hierfließtim Juli noch etwas brackiges Wasser, f> ' )'
später gräbt m a n auch da barärid. Die Temperatur geht selten, \ i
auch nachts, unter 40 0 und erreicht jeden Tag 50 0 im nicht existieren- 1j I
den Schatten. Eigentümliche Talbildung, schematisch so: Ton- A — M '<' Jf^-lß
mergel in ebenen Straten, gelegentlich sind die Kaps, wie im Fall \\/(**
Qulai'at al-raml, isoliert. I m Flußbett feiner Kies, gelegentlich tritt ^ Ai
Konglomerat zu tage, viel feiner als in Samarra. Der Geschmack f )f(f
des Wassers zeigt das gipsige Bindemittel. A ^ ^ ^^p^
Freitag, 11. Juli: Kurzer Marsch von Sammür, erst im'Adaim-Tal, ^ ^ L ^ ^
dann oben den Batt entlang z u m rasm al-Band. Lager etwas unter-
halb des band in der häwi al-card, d. i. zjJ\ tf> ein primitives
Wasserhebewerk, Göpel. Der Band liegt in der Kette hinter den Vorhügeln des Hamrin.
Namen von Orten auf dem rechten Ufer des 'Adaim, vom Tigris aus:
häwiBäshikän OlCabtfjU, klass. häwi, häwiya, m a n spricht aber heute häwi, hawidja
shari'at al-'adjam, 'Perser-Furt'
häwi Zu'aitira ;>kx3^jU>, von za'tür
al-Siniyya SS-Jl," vgl. b. Rusta 184, siniyya unterhalb von Wäsit, aus aram. SYNT 'Palme'
Ausfluß des khirr Nasr ^ > , a m Ende liegen die rusüm al-dhahab 'Goldhügel'
raqqat 'irär J\^ÜJ9 raqqa ist morastiger Boden
al-qulai'ät o U i l l , demin. v. qal'a
al-Ghudairifa lh^\3 ghudrüf 'Knorpel'
al-Umailih ^L-Vl, demin. v. amlah 'salzig'
* jS *

Shudaif uLii, Bedeutung?


al-'audjä b-^Jl, 'krumm'?
Misca ücw>
al-Sha'äfiyya iSUJl
umm al-matäris ^jlll f\, Mutter der w»'*ras 'Lagerplätze'
cd-Yafariyya "*Sj^\> dj wie 3; gesprochen
sAarTa* «/-'o^ow o / - Ä ? Ä U \ ^ J l l~J>, ehemalige Perser-Furt. W e g von Persien, Baghdad
vermeidend
qal'at al-raml j - J \ U s , Sandburg
Sammür jy^>
al-Umailih r^»V^
Süfiyya ~&y>
häwi Duwayyidj 3^ ^1», demin. von dvq, dyq?
häwi al-Khuräsäniyya Ä S U ^ l ^ j U
Aäzw al-sayyidiyya "C*lJ\ iS^
khirr al-da'älidj J-UaJI > , Stachelschwein-khirr
Mzof #a/'a£ Yüsuf Js.^y_ <uli ^ j U
Aäa>£ al-mayyäh T-W.1 ^ j U , M Y H ? , auch a m unteren Nahrawän
Aäorä al-tuwayyil JT^LJI ^ U , demin. v. tazw/ 'lang'
Mzüf al-shubaibiyya "^^ c£jl*
Aäo>2 al-card sJ>S\ _c_?U
Aäzw al-raqqa isj\ jjl»
rasw al-band JJJ\ +~>J, 'Damm-Hügel', frani ist persisch
al-sadda oderfcarcd* 'Adaim ^ jj.>, £xJ\, der arab. und der persische N a m e sind in Gebrauch.

Der Hamrin erhebt sich etwa 100 m über die Ebene, und das Flußtal ist nur etwa 200 m breit,
darin der im Juli etwa 18 m breite Fluß. Aber die Hoch Wasserlinien gehen bis 10 m über das
Niederwasserniveau. Das Gebirge besteht aus Schichten von Kalk- und Sandstein, beide weich,
überlagert von demselben Konglomerat, das in Samarra an der Oberfläche liegt; die lange Hügel-
kette ist also — wie noch mehr die östlicheren iranischen Grenzgebirge — mit einem Riß gehoben,
dabei sind die Schichten von 6o° bis beinahe 90 0 gekippt (die Araber sagen täbidj, tabaqät).
Der D a m m staute einen See etwa u m über d e m heutigen Fluß. Aus d e m See war im O auf
dem linken Ufer der nähr Rädhän abgeleitet — der den alten assyrischen N a m e n Radänu bewahrt
— , im W auf d e m rechten Ufer der Batt. Dieser gibt Wasser zur Irrigation ab und ergießt sich
dann in den Kisrawi. Der Rädhän soll ganz in Irrigation aufgehen und die Diyäla (den Khälis)
nicht erreichen. Der N a m e wird heute rödhän gesprochen, im Assyrischen ist das der 'Adaim
selbst. Der Fluß war also ganz ausgeschaltet, außer d e m für Irrigation benutzten Wasser bei Flut.
D e n Band i 'Adaim hat zuerst John Ross, M . D. besucht, in 1834, seine Beschreibung in J R G S .
XI, 1841, pp. 121—136: "Journey ... to the Ruins of Opis and the Median Wall", bes. p. 132s.
* 79 *
Dann J. F. Jones in 1849, beschrieben in den Bombay Records, 1. c. pp. 123SS, mit Zeichnungen.
Seine Aufnahme ist gut, und ich habe nur kleine Berichtigungen an ihr vorgenommen und sie
durch Photographien ergänzt. Die von Jones beanstandete Bemerkung von Ross, daß Sulaimän

Pasha (im Anfang des 19. sei.) einen wieder aufgegebenen Versuch der Wiederherstellung ge-
macht habe, und davon die "brick buttresses against the old work on the eastern side" stammten,
ist richtig und darf nicht auf die gleich zu nennenden Schleusenthore bezogen werden.
Der D a m m kreuzt den Fluß ostwestlich, in einer Kurve. Er beginnt im O a m Felsen, ist in der
Mitte v o m Fluß weggerissen, geht im W dicht an die hohen Felsen, R a u m für das da enge und
tiefe Bett des nähr Batt
lassend, und biegt dann
nach S u m , sich an den
vorgelagerten Felsen tot-
laufend.
Gegen den Fluß ist er
senkrecht, nach außen mit
starker, abgestufter
Böschung angelegt, kon-
struktiv richtig. Die Sohle ist etwa 12 m stark; w o die Böschung bei 10,4 m Hohe aufhört,
noch 7,5 m ; dort ist ein äußerer Gang und gegen das Wasser noch eine fast 2 m höher gehende
Mauer! Die Gesamthöhe von 12 m ist die ursprüngliche. Das Baumaterial ist der weiche Hamrln-
Sandstein, unmittelbar hinter d e m Band gebrochen; Quadern von rauher Oberfläche, verlegt in
* 80 *

guten Beton. Läufer- und Kopfstein-Schichten wechseln regelmäßig; die Kopfsteine haben
außen o m 40°, die Läufer sind o m 90 lang, 40 c m tief. — A u f der Oststrecke ist oben auf der
Höhe des Ganges eine nur bei Hochwasser dienende Schleusenanlage: drei außen abgerundete
Pfeiler aus gutem Ziegel werk, in fast 2 m Abstand. Die Sohle dazwischen ist betoniert und zeigt
wie das Mauerwerk außen darunter die Wasserwirkung langen Gebrauchs. Auch auf der West-
seite war ein Auslaß für überschüssiges Wasser. Die angefangene Reparatur des Sulaimän Pasha
sieht m a n deutlich auf der Innenseite: sie ahmt die Form des alten D a m m e s in Ziegeln nach.
Der Band i 'Adaim ist ein beträchtliches Werk der Ingenieurkunst der Samarra-Epoche und
würde, wiederhergestellt, noch heute gute Dienste tun.

A L - M U T A B B A Q U N D AL-HAIT AL-ABYAD
Donnerstag bis Sonnabend, 15.—17. Mai 1913: Ich ritt von der Fähre von Samarra nach Westen
bis zum Ishäqi, dann diesen entlang bis zur shari'at al-ghazäl a m Tigris. A u f der letzten Strecke
werden die Kanalspuren undeutlich, weil die
Straße Baghdad-Mausil, die d e m Kanal folgt,
die alten D ä m m e abgeflacht hat. Die Erhebung
der Djazlra über das Flußtal ist da unten ziem-
lich gering. D a n n sieht man, ohne daß ich die
genaue Abzweigungsstelle wahrgenommen
hätte, einen großen Kanal nach Süden ins höhere
shaJhida Gelände einschneiden: das ist der Calu, vgl. p.
84ss. Der Ishäqi scheint mir, wie es auchWill-
cocks auffaßt, bei shari'at al-ghazäl dicht an den
Strom zu stoßen. Dort, auf der kurzen nach
Osten gerichteten Strecke, ist er deutlich, un-
mittelbar a m Fuß der höheren Fläche, auf der
im Süden Istablät liegt. Bei shari'at al-ghazäl
nach Süden umbiegend, sieht m a n dann noch
zwei Stücke der Kanaldämme dicht a m hohen
Uferrand des Tigris, bei al-Raqqa (arräggä) und
vor u m m al-Talä'ib, eine dritte Spur gerade vor
der Front von Istablät. Damit ist der alte nähr
Ishäqi in Übereinstimmung mit ibn Serapions
Beschreibung zu Ende.
V o n da bis zu d e m heutigen Kopf des Dud-
jail, 10 k m O S O von Istablät, ist keine Spur
zu sehen und eine Fortsetzung unwahrschein-
lich. [Die englische Karte nimmt einen Zu-
sammenhang durch eine Senke westlich von
Istablät entlang der 'Weißen Mauer' an; auch
unwahrscheinlich.] Aber der schönste und
größte und geradeste der Kanäle, die oberhalb des Ostendes der sog. mutabbaq-Mauer be-
ginnen, wird allgemein wieder Ishäqi genannt, nach ibn Serapion zu unrecht, dagegen spricht
Tabari III, 1600 von d e m tariq al-Ishäqi, auf d e m abu Nasr b. Bogha in 251 H. von Samarra
nach Anbär zieht, das heißt, daß der W e g anfänglich a m Ishäqi entlang lief.
Bei Istablät verliert m a n fern im Westen die D ä m m e des Calu aus den Augen. Nach der Auf-
Tafel IX

a Blick auf das Ostufer, von Bait al-Khahfa (links) bis


zur Stadt (rechts) von der Qubbat al-Sulaibiyya

j^T^*_a^-^jMap*---?--'fi^ii3jg<
;
^j=-"*vv=«V«';-;

a&K

b Gr. Moschee und Stadt v o m Tigristal bei al-cAbid


* 81 *

nähme der Bahningenieure zieht er aber westlich der Bahntrace in geringem Abstand an der
SW-Ecke von Istablät vorbei. Der Istablät schräg durchschneidende Nebenkanal kommt, wie
ich immer annahm, v o m Ishäqi und fällt nach d e m Nivellement von Willcocks nach W S W . Er
nähert sich d e m Calu so, daß er wohl schließlich in ihn fällt.
Zwischen Istablät und d e m mutabbaq ist bare Steppe. N u r im Westen zieht der Calu hin,
und außer ihm liegt darin die 'Weiße Mauer' al-hait al-abyad. Diese hat alternierend innen und
außen Rundtürme: eine Absonderlichkeit, die sie sofort in
-_ Cd ffl _- rh „
d,e Samarra-Zeit versetzt. Sie fängt a m Tigris an, wird von
der Baghdadstraße und von der Bahn geschnitten und stößt auf die äußere Grabenkante des
mutabbaq. Dort biegt sie unter etwa n o ° nach W S W u m , nach gut 3 k m nach W , bald darauf
nach N W , und erreicht 7 k m westlich des Punktes, w o sie mutabbaq berührt, die Senke, in die
der Ishäqi nach der englischen Karte geleitet gewesen wäre. A n ihr biegt sie etwas nach Norden
und erreicht das Südende von Istablät. So umschließt sie etwa 35 q k m Steppe, die ich für einen
zu diesem Schloß gehörigen Tierpark halte, ein immens großes und dabei verhältnismäßig
kleines Gegenstück z u m hä'ir al-Hair des Westufers.

AL-MUTABBAQ
Hier in Samarra, in Balad, bei den Arabern und Shaikhs des Gebietes kennt m a n die Ruinen als
al-mutabbaq, d. h. aus täbüq, Ziegeln, 'aufgeschichtet'.
J. F. Jones' Beschreibung ist ganz richtig. Der Kopf im N O a m Strom gegenüber Djibärät
(einem im Flußbett stehen gebliebenen Konglomeratfelsen) ist nicht mehr kenntlich. Eine
Strecke von etwa 200 m wird durch die D ä m m e des heutigen
Dudjail verdeckt, von dem eben dort erst der nähr Farhätiyya,
dann der Mustansiri und der 'Aith abzweigen. Vor d e m
Wechsel des Tigris lag 'Aith auf dem Ostufer, konnte also
kein Wasser v o m Dudjail beziehen. I m R a u m zwischen
Dudja^j
Farhätiyya und Dudjail liegt die Kuppel al-Khidr [Ilyäs] auf
einem kleinen Gräberfeld.
Der Wasserspiegel des Dudjail liegt nur wenig über d e m
Tigris, das schmale Kanalbett ist bis zu 20 m tief in das die
Steppe unterlagernde Konglomerat eingeschnitten. Darauf
erheben sich oben die D ä m m e bis zu einer Gesamthöhe von
etwa 30 m über dem Wasser. Diese Höhen sind ringsum aus
großer Entfernung sichtbar. Die Dudjail-Dämme über-
lagern die alte Mauer, welche westlich der Stelle, w o Dudjail und Ishäqi sich beide mit ihr
kreuzen, ganz hoch erhalten ist, und dann unter den noch höheren Kanalausschachtungen
verschwindet. Aber der Ishäqi ging durch. M a n sieht ein Stück von ihm noch in dem Dreieck
zwischen Strom und Dudjail. Ein Parallelkanal zu ihm scheint an eben dieser Stelle anzufangen.
Dicht westlich neben diesem Punkt liegt ein Durchgang durch den Mutabbaq, wie auch
andre so gebildet: a sind innere Mauerschenkel, b ist ein Wachthaus. .
Solche inneren Mauerschenkel haben auch Balkuwärä und Qädisiyya. ^ ~~~~^,
Die Erhaltung, Abzeichnung im Gelände, der Wachthäuser ist genau " ^ a ^
wie die von andren Samarra-Ruinen. Auch die Kreuzung der
Baghdadstraße liegt, etwa 1 k m S W davon, an der Stelle eines solchen Durchgangs: der Punkt
war gewählt, als die Mauer noch stand, oder das Tor ist für die Straße gemacht. Die inneren
* 82 *

Mauerschenkel sind da weniger gut, das Wachthaus sehr gut erhalten. 215 Schritt weiter folgt
der Bahndurchstich und unsere kleine Grabung.
D a n n zieht sich die Mauer weiter hin, im ganzen bis fünf Viertelstunden lang. Erst zuletzt
knickt sie zweimal schwach. A m ersten Knick geht ein Kanal von großen M a ß e n nach Osten
fallend; ich bin ihn eine ganze Strecke entlang geritten. Schon nahe der Mauer geht ein kleinerer
Kanal aus ihm nach Süden in rechtem Winkel ab, ein andrer unter spitzem Winkel nach O N O .
Also Irrigation in d e m Gebiet südöstlich der Mauer, d.h. innerhalb. Ich verließ dann den Kanal
etwa nach S O haltend und verfolgte eine Strecke lang ein qanät, unterirdische Leitung, in der
Richtung auf abu 1-Mahäsin zu (siehe unten).
Westlich von der Abzweigung des Kanals folgt eine breite, von N W nach S O laufende, flache
Senke, in der die Mauer eine Lücke hat. Hinterher ist sie, etwas mehr nach S W gebogen, wieder
_ da, u m bald an einem etwas schräg zu ihr gelegenen Kastell zu
•^====:=====" ======«===^s== enden. Dies sieht wieder ganz wie andre Samarra-Ruinen aus.
M a n übersieht von ihm das ebene Land gewiß 4 — 5 k m weit, und
so weit gibt es keine Fortsetzung der Mauer. Noch etwas weiter m u ß wieder der Calu vorbei-
ziehen, ziemlich parallel z u m Ishäqi.
Außerhalb der Mauer liegt also bloße Steppe, innerhalb, d. h. zwischen ihr und dem Strom,
ein dicht bewohntes und irrigiertes Gebiet. Alle seine Kanäle stammen aus der früharabischen
Zeit, vor al-Mustansir. Die Mauer steht mit diesen Kanälen in Zusammenhang, wie die zwei
Kanäle an ihrem S W - E n d e beweisen. Sie m u ß zur Verteidigung dieses Kulturgebietes in früh-
arabischer Zeit angelegt sein.
Die Front der Mauer liegt nach N W , w o außen ein Kanal an ihr entlang läuft. Dieser führte
Wasser, denn er ist erstens nivelliert, durchschneidet die gelegentlichen Geländewellen tief,
flache Stellen ganzflach.Zweitens gehen a m Ende von ihm Kanäle aus. Drittens gehen schräge
Ebenen in ihn hinab, die als Rampen beim Ausschachten dienten, und durch die Regenwasser
in ihnfließt.Sie sind rechtwinklig z u m Bett, wie m a n es an den Qätülen beobachten kann. D a
das Gelände nach Willcocks' Nivellement ständig nach S W fällt, kam das Wasser vom Tigris.
U n d da der Kopf gerade da liegt, w o einst unterhalb der drei Qätülköpfe bei al-Khidr und Djibä-
rät die enge Einschnürung des Tigrisbettes war, und für die Qätüle dort mit Jones ein Staudamm
anzunehmen ist — Mustafa Ibrahim Bey erzählte mir von mächtigen Bauresten aus gebrannten
Ziegeln — , so hat der Kanal wohl den doppelten Zweck gehabt, einen Auslaß für überschüssiges
Tigriswasser zu bilden und die Verteidigungsfähigkeit des mutabbaq zu erhöhen.
Die Mauer selbst besteht aus einer 3 % Stein dicken (d. i. 1,40—1,45 m starken) Mauer aus
Lehrnziegeln, von 3 8 — 4 0 c m G , 10 Schichten 136 c m hoch, 1 Ziegel ca. 11 c m stark, in L e h m
mit feinem Kies verlegt, ohne besondere Sorgfalt. Die Mauer hat kein Fundament, sondern steht
auf d e m festen Boden.
Außen hat sie starke Rundtürme in regelmäßigen Abständen, von der Form eines gestelzten
Halbkreises. Diese bestehen aus einer der Mauer selbst gleichen Schale, 1,4 m dick, die innen mit
Kies gefüllt ist. Vorsprung gleich Breite 7,65 bis 7,8m. Außen legt sich darum eine kegelförmige
Böschung, bestehend aus einer Kiesschüttung, die mit Lehmziegeln in 45 0 Neigung abgepflastert
ist. A n der Basis m a ß ich 4,9 + 0,38 - 5,28 m Breite, oder, da der Nullpunkt an der etwas
schräg ausgewichenen Turmseite lag, etwas weniger.
Die Böschung soll den Mauerfuß schützen und den Druck der inneren Füllung auf die Turm-
schalen aufheben.
Das lichte Turmintervall ist 46,3—46,5 m , der Achsenabstand 53,9 m . Hinter der Mauer liegt
eine an der Sohle ca. 10,5 m breite Wallschüttung aus Kies, die sich innen unten auf einen kleinen
* 83 *

Lehmwall stutzt. Die Kiesschichten sind so geschüttet: drücken also nicht oder nur wenig auf
die schwache Lehmmauer. Die erhaltene Höhe ist an der gemessenen Stelle ca. 4 m , anderwärts
noch etwas hoher. Anhalt für die ursprüngliche Höhe geben die Dünne der Mauer, die natür-
lichen Böschungswinkel des inneren Walles und der Turm-
böschung, die Masse des erhaltenen Schuttes. Alle drei
konvergieren dahin, daß die Höhe nur gering gewesen sein
kann. Die Turmböschung unter 45 0 gibt zunächst 5,.. m
als ihre Höhe, die annähernd mit der Höhe des inneren
geschütteten Walles übereinstimmen m u ß . Darüber wird
die Mauer nur u m eine gute Mannshöhe herausgeragt haben. Das ergibt etwas über 7 m als
einstige Gesamthöhe. Diese Zahl nähert sich dem M a ß e der Turmbreite und des Turmvor-
sprungs, also war es wohl überall dieselbe Ellenzahl.
Die M a ß e nähern sich zugleich auffällig Zahlen, die sich in runden ma'münischen Ellen zu
51,8 c m ausdrücken lassen:
1. das Turmintervall von 46,3—46,5 m ist 90 Ellen = 46,58 m .
2. Turmbreite und -vorsprung von 7565—7,8 m sind 15 Ellen = 7,77 m .
3. Sohlenbreite des Walles von 10,5 m ist 20 Ellen = 10,35 m -
4. Sohlenbreite der Turmböschung von 5,1—5,28 m ist 10 Ellen = 5,18 m .
5. Die Mauerstärken von 1,4 m sind 8 Fuß = 1,38 m .
Das kann schwerlich Zufall sein. Die ma'münische Elle war beim Bau von Samarra (und schon
von Baghdad) in allgemeinem Gebrauch und gewiß noch lange nachher. al-Mutabbaq ist also
nach Technik und Formen ein Werk der islamischen, nicht der babylonischen Epoche.
Ich schiebe hier eine Beschreibung des oben erwähnten
Heiligtums abu
l-Mahäsin ein.
Ich ritt v o m
EndederMauer
nach O S O auf
dies Grab zu.
Es ist alt, wie
mehrere Gräber dieses Gebiets, und besteht aus 4 Räumen:
1 ist das Grab, 2 ist ein Vorraum, in 3 ist ein mihräb, 4 ist ein
Nebenraum. Alle R ä u m e sind leicht oblong und mit Kuppeln
überwölbt, die in verschiedener Weise das Rechteck in den
Kreis überführen. Zellenbildungen fehlen, nur Nischen und
in R a u m 3 und 4 Prismen. Der mihräb in R a u m 3 ist groß
und schön: in einem rechteckigen Rahmen ist ein aus einem
schweren Wulst gebildeter Spitzbogen seldjukischer Art, /"~"\
darin eine Nische von kleeblattförmigem Grundriß, der sich -j
als drei tiefe Rillen nach oben fortsetzt, eine Form, die m a n -^
fast noch in Samarra erwarten könnte.
A n den Sockeln der R ä u m e 2 und 3 finden sich noch Spuren einer Gipsdekoration an der
Wand, die v o m ersten Samarra-Stil abstammt, sehr schlecht erhalten, möglicherweise aus einer
ersten Bauperiode stammend, während die Kuppeln erst der Zeit des Näsir li-din-lläh oder ein
wenig älteren angehören können. Die Türen sind in einer zweiten Bauperiode schmäler gemacht.
Das altertümliche Ornament paßt besser zu breiteren Öffnungen mit schwach spitziger Bogen-
11*
* 84 *

form, die Kuppeln und der mihräb passen zu den spätseldjukischen


Bogenformen der jetzigen Türöffnungen.
Die mutabbaq-Mauer ist eine Verteidigungsanlage für den Dudjail-
bezirk. Die Intensität seiner Besiedlung und Bebauung hatte sich in
der langen Geschichte seit Tukulti Ninurta II mit d e m Verrücken des
Schwerpunktes Babyloniens v o m Euphrat z u m Tigris und von Süden
nach Norden, Babylon — Seleukeia — Ktesiphon — Baghdad, immer
mehr gesteigert. Nach Ausweis der aramäischen Ortsnamen und nach
der Schilderung bei Julians Feldzug blühte der ästän al-'Äl, der nörd-
lichste der tassüdje von Asüristän, in der Sasanidenzeit. Aber bis zur Zeit von Samarra brauchte
der im Herzen des Reichs gelegene Bezirk keine besondere Verteidigung. In den Kämpfen
zwischen al-Musta'In und al-Mu'tazz erhielt die ganze Stadt Baghdad eine Mauer und
wurde das Gelände von Anbär bis Shammäsiyya, entlang der Linie des nähr Tsä, Saqlawiyya,
unter Wasser gesetzt, aber von einer Verteidigung für den Dudjail-Bezirk ist nicht die Rede.
Der mutabbaq, a m Südende von Samarra beginnend, setzt voraus, daß es kein Samarra mehr gab,
daß die nahe Djazlra schon in der Hand beduinischer Araber war, und daß die Ernährung von
Baghdad wesentlich auf der Produktion des Dudjail-Bezirks beruhte, also die spätabbasidische
Epoche.
Kurz nach 1225 p. Chr. fand nach den maräsid der große Wechsel im Tigrislauf statt: der Strom
brach in den Lauf des Qätül abu 1-djund ein, bis z u m heutigen 'Adaim, und bahnte sich von da
einen neuen W e g , den heutigen, nach Baghdad. Die alten Kanäle Ishäqi und Dudjail wurden
davon nicht betroffen. U n d im Laufe des verlassenen Tigrisbettes, des Shutait, legte al-Mustan-
sir billah ein neues Kanalsystem an, u m das wasserlos gewordene Land zu bewässern; davon zeugt
noch heute der N a m e nähr al-Mustansirl, al-'Alth, die Brücke von Harbä mit der Mustansir-
Inschrift und andre Baureste in Harbä. Z u dieser Zeit erhob sich schon die Mongolengefahr, wie
einst die Medergefahr zur Zeit Nebukadnezars, und al-Mustansir mußte der vorbeugen. Während
der Bezirk an der Khuräsän-Straße d e m Angriff offen lag, schützte im Osten der neue Tigrislauf
den unentbehrlichen Dudjail-Bezirk. Die mutabbaq-Mauer verlängert diese natürliche Ver-
teidigungslinie in bezug auf Baghdad, wie die Medische Mauer sie in bezug auf Babylon ver-
längerte. Der Angriff auf diese mutabbaq-Mauer erfolgte in gleicher Weise, wie der auf die
Medische Mauer, von d e m NO-Punkt aus, w o die Mauern a m Tigris ansetzten. Kyros er-
zwang den Durchgang bei Opis, Hulagu bei Harbä.

CALU
Auch der Calu — vgl. oben p. 80 — ist ein Kanal mit einseitigem D a m m , d. h. eine Verbindung
von Kanal und Verteidigungswall. Er wird gelegentlich sadd Nimrüd, 'Nimrod's Wall' genannt1.
Diese Anlage hielt Dr. J. Ross für Xenophons Medische Mauer, und darin sind ihm viele gefolgt.
Aufseiner ersten Reise, in 1834,1. c. p. 130, hatte er a m Qätül südl. v. Samarra den shaikh Khala
al-Ghazabä der 'Azza gefragt, ob es in jener Gegend etwas wie eine solche Mauer gäbe und die
Antwort erhalten: "die kennt jeder Beduine, es ist der Khäli (sie, statt Chäli) oder sedd Nimrüd,
er geht zwischen Istablät und Harbä v o m Tigris ab und läuft als gerader, deutlicher D a m m mit
1
Ich hörte calu und coli; auch Roß brauchte beide gie ist mir unbekannt. Man erläuterte mir: Eigen-
Formen; Musil schreibt calw, d. i. calu, jedenfalls name unbekannter Bedeutung oder Wort für
eine arab. Form (cälü ist, soviel ich weiß, keine). Kanalruinen wie habl, khait. Dazu gehört auch
Das c ist heutige Aussprache von k. Die Etymolo- khatt in der aram. Bedeutung 'Graben'.
* 85 *

runden Vorsprüngen durch die Djazira nach Fallüdja a m Euphrat, noch so hoch, daß zwei Reiter
auf seinen zwei Seiten reitend sich nicht sehen können". Ebenso sagten mir 1913 ein Shammar-
shaikh und die beduinischen Arbeiter a m mutabbaq: der Calu reiche bis dicht an den Euphrat
gegenüber Qal'at Ramädi und k o m m e d e m Kopf des Saqlawiyya nahe. In 1836 hörte Ross von
einem Araber: der Calu ginge nach Ramelah (wohl Druckfehler für Ramädi) a m Euphrat, einige
Stunden oberhalb von Fallüdja, sei an einigen Stellen aus brick (wohl libn, nicht täbüq) gebaut
und streckenweise bis zur Oberfläche der Wüste eingeebnet.
Ross selbst sah und beschrieb den Calu bei seinen beiden Reisen nach Hatra, 1. c. 445 s: "solid
straight single mound, 25 long paces (nach an Samarra-Ruinen gegebenen Schrittmaßen gleich
1 m ) thick, with a bastion on its western face at every 55 paces, and on the same side a deep ditch,
27 paces broad. T h e wall here ( N W von Harbä) built of small pebbles of the country, imbedded
in cement of lirne of great tenacity, from 35 to 40 feet in height, runs in a straight line N N E E
to S S W W . At this place an opening or gateway, and on the western side of the ditch a square
enclosed by a thick rampart". D a ist genau wie beim mutabbaq. Er ritt dann auf der Höhe des
Walls y2 mile z u m Dudjail a m Tigris.
Die Bahningenieure, Herren Moritz und Thierolf, die ich u m eine Aufnahme gebeten hatte,
waren so freundlich, mir den beistehenden Querschnitt zu schicken, mit der Bemerkung, die
Erscheinung gleiche völlig d e m mutabbaq — in Wahrheit .^_^
stimmen selbst die M a ß e — aber den Mauerkern hätten sie in ~\r_^2_/~^30 m^r-*—
d e m Wall nicht beobachten können. Ihr mitgeschickter Plan
ist durch mich in die deutschen Generalstabskarten aufgenommen worden. O b m a n völlige
Gleichheit der Anlage annimmt, oder erst recht wenn m a n den von Ross behaupteten, aber sehr
fraglichen Unterschied der "in Zement gebetteten Kiesel" für die Füllung annimmt — auf
jeden Fall kann keine Rede davon sein, daß dies Werk vorislamisch wäre.
Die von uns untersuchte Strecke läuft von N nach S, ein wenig gegen Westen geneigt. Die
T ü r m e und der Kanal liegen nur an der Westseite. Also verteidigte die -Mauer, ähnlich wie der
mutabbaq, das östlich davon gelegene Kultur gebiet gegen Angriffe von der Djazira her, ob die
von Beduinen, Arabern wie den Hamdaniden, oder etwa von einem Feind aus dem Osten erwartet
wurden, der den Tigris bei Samarra überschritt, u m Baghdad von Norden her anzugreifen.
Wir werden gleich bemerken, daß die Mauer im Süden nach Osten biegt, also ihre Front gegen die
Euphratstrecke Qal'at Ramädi—Fallüdja—Sippar richtet.
Trotz der wiederholten Behauptung der Beduinen, die sonst in solchen Dingen genau sind,
könnte höchstens ein durch eine sehr große Lücke von der Mauer getrennter Zweig nach Fallüdja
laufen. Alois Musil reiste, nach seinem Vorbericht1, S. A. p. 15, von 'Aqrqüf bei Baghdad west-
lich u m das Hör 'Aqrqüf nach einem Teil mit Heiligtum Banät al-Hasan, und kam, von da
nordwestlich reitend, nach Überschreitung von zwei nordsüdlich laufenden Kanalspuren (die er
gradlinig mit d e m Ishäqi verbindet) "zu einem 15 m breiten, fast 6 m hohen, wahrscheinlich aus
Lehmziegeln erbauten, von N N W nach S S W (also Front gegen W S W ) gerichteten Wall, den
Resten der Medischen Mauer". Das ist ein südliches Stück des Calu, mit der Front gegen Sippar
und Babylon, also nicht die Medische Mauer. Musil ritt dann nach Norden biegend in ziemlich
weitem Abstand westlich der Mauer, ohne irgend etwas auf der absoluten Ebene zu bemerken.
Ebenso wenig bemerkt ein viel älteres englisches Routier z u m südl. Tharthär irgend welche
Spuren. Weit im Norden bog Musil wieder nach N O , nach der angegebenen geographischen
Breite gerade unterhalb des Punktes, bis zu d e m sich die Aufnahme der Bahningenieure erstreckt.
1
Reise mit dem Prinzen Sixtus v. Bourbon u. Wien, 8. Jan. 1913.
Parma, 1912, in Anz. phil.-hist. Kl. K. Ak.d. W .
* 86 *

Er schreibt: "Wir trafen den soeben beschriebenen, Calw genannten Wall wieder, folgten ihm
nach N N O und verließen ihn i k m von Samarra, w o er fast genau N S gerichtet ist. Ein alter,
ganz verschütteter Kanal läuft an der Ostseite (sie für West-) des Walles nach S und hängt
mit d e m Ishäqi zusammen". A m Ishäqi zogen sie bis Tecrit.
Danach geht der Calu nicht nach Fallüdja, sondern z u m Hör 'Aqrqüf, und die Lücke in einer
denkbaren Abzweigung nach S W müßte so groß sein, daß der Zusammenhang nicht mehr ge-
sichert wäre.
DIE STADT

Nach Aufgang gehen meine Gassen.


U n d bin ich lang v o m Volk verlassen,
so ists: damit ich größer bin.
Ich höre jeden in mir schreiten
und breite meine Einsamkeiten
von Anbeginn zu Anbeginn.
R. M . Rilke

G R Ü N D U N G DER STADT DES MU'TASIM


Ya'qübl, kit. al-buldän, B. G. A. VII, pp. 255SS., geschrieben im Jahre 276/889:
"Wir haben von Baghdad gesprochen, seinen Anfängen und der Zeit, da abu Dja'far al-Mansür
es erbaute, und haben beschrieben, wie seine Vororte arbäd, Lehen qatä'i', Bazare aswäq, Straßen
durüb, Gassen sikak und Häuserviertel mahäll vermessen und verteilt waren1, die auf dem westlichen
Ufer des Tigris, d. i. d e m Ufer der madina [Runden Stadt des Mansür] und des Karkh [heut.
West-Baghdad], und die auf dem östlichen Ufer, d e m von Rusäfa [heut. al-Mu'azzam], das m a n
'askar al-Mahdi nennt. Wir haben darin gesagt, was wir wissen und wollen nun über Samarra
sprechen".
"Surra m a n rä'a ist die zweite der Residenzstädte der Khalifen aus dem Hause der banu Häshim.
Acht dieser Khalifen haben dort residiert: (1) al-Mu'tasim, der sie gründete und erbaute; (2) al-
Wäthiq, d. i. Härün S. d. Mu'tasim; (3) al-Mutawakkil Dja'far S. d. Mu'tasim; (4) al-Muntasir
M u h a m m a d S.d. Mutawakkil; (5) al-Musta'In A h m a d S.d. M u h a m m a d S.d. Mu'tasim; (6) al-
Mu'tazz abu 'Abdallah S. d. Mutawakkil; (7) al-Muhtadi M u h a m m a d S. d. Wäthiq; (8) al-
Mu'tamid A h m a d S.d. Mutawakkil".
Ya'qübl betont, daß er aus eigner Kenntnis spricht, mit ähnlichen Worten wie Herodot I, 140
(über die Magier): "das kann ich als wahr aus eigenem Wissen über sie aussagen".
Der Stammbaum der Khalifen dieser Epoche ist:
1. al-Mu'tasim b. Härün al-Rashid, 218—227/833—842
_L ,
I I I
2. al-Wäthiq, 227—232/842—847 3. al-Mutawakkil, 232-247/847—861 Muhammad
I I ' 1 1 I
7. al-Muhtadi, 255—256/ 4. al-Muntasir, 247-248/ 6. al-Mu'tazz, 252-255/ 8. al-Mu'tamid, 256—279/ 5. al-Musta'in, 248-251/
869-870 861—862 866—869 870-892 862-865.
1
Z u den Termini: rabad, arbäd sind außerhalb u m - irrig als 'vier Bazare', während es aw. cadrusüka
mauerter Städte gelegene Vororte. — iqtä', qatä'i' 'Vierseit, Viereck' ist, wie lat. quadrangulum gleich
'Lehen' und zwar erbliches, weil nach den Ge- forum, Markt. Irrig auch Fleischer, 'Studien zu
setzen der Zeit des Khalifen 'Umar die Muslime Dozy' (1888) p. 55: "pers. sük als coin, angle mir
keinen Grundbesitz erwerben durften, sondern ihn nicht bekannt". Das Wort existiert im A w . und
als Lehen erhielten; der Staat bleibt eigentlicher M p . : Nöldeke, Kärn. 40, Text 7; Darmesteter,
Eigentümer. Die Einrichtung ähnelt der römischen Et. Ir. II, 84. — V g l . Muhit: "al-sük ist in der
und mittelalterlichen assignatio; oft zu 'Militär- Kunstsprache der Maurer der mit einem andren
lehen' spezialisiert; geht bei städtischem Besitz verkuppelte Stein, von d e m die Ecke a m Anfang
in 'Grundstück, Quartier' über, süq, aswäq syr. des Gewölbes vorspringt; seinen Platz nennen sie
shüqä, 'forum, via publica', assyr. süqu 'Straße', ist bait al-sük" und Frhg. Rash. "süg wird auch im
gleich pers. bäzär. In Alt-Baghdad und Basra Sinne von güsha 'Ecke' gebraucht".—mahalla,pl.
wurde dafür auch shihärsüdj, aus m p . cahärsük, np. mahäll sind Häusergruppen ohne durchgehende
eärsü gebraucht. Die pers. Lexica erklären dies Straßen, Häuserblöcke.
* 88 *

"Als al-Mu'tasim von Tarsus nach Baghdad zurückkehrte, im Jahre da ihm als Khalifen ge-
huldigt wurde, d. i. 2i8H(833), stieg er erst im Palast des M a ' m ü n ab, baute sich dann einen
Palast auf d e m Ostufer von Baghdad, in d e m er in den Jahren 218 bis 221 residierte. U m ihn
herum waren Haufen von Türken, die damals noch Barbaren, 'adjam, waren".
al-Ma'mün, der ältere Bruder und Vorgänger des Mu'tasim, unter d e m das 'abbasidische
Khalifat und Baghdad ihre Glanzzeit erlebt hatten, war im Byzantinerkrieg erkrankt und ge-
storben und in Tarsus — wie Julianus Apostata — begraben worden. al-Mu'tasim's Thronfolge
hatte sich ohne Schwierigkeit vollzogen, obwohl al-'Abbäs b. al-Ma'mün als Prätendent da war.
Ya'qübl p. 255s, nach Dja'far al-khushshaki [unbekannt]:
"al-Mu'tasim pflegte mich unter der Regierung des M a ' m ü n nach Samarkand zu N ü h b. Asad
[dem Samaniden] zu schicken, u m Türken zu kaufen, und ich brachte ihm jedes Jahr eine Zvlenge
davon; ich sammelte ihm unter al-Ma'mün eine Schar von 3000 Sklaven, ghilmän"1. "Als das
Khalifat an ihn kam, verlangte er noch mehr solcher Sklaven und kaufte auch die bei vornehmen
Leuten in Baghdad waren, raqiq al-na's. Unter der großen Schar der in Baghdad gekauften
waren Ashnäs, ein M a m l u k des Nu'aim b. Khäzim, des Vaters des Härün b. Nu'aim; Itäkh, ein
M a m l u k der Familie al-Nu'män; Simä al-Dimishqi, ein M a m l u k des dhu 1-ri'äsatain al-Fadl b.
Sahl. Es geschah, daß diese barbarischen Türken beim Ausreiten galoppierten und mit den Fuß-
gängern rechts und links zusammenstießen. Das Gesindel erhob sich dann gegen sie und tötete und
erschlug einige. Dies Blut blieb ungesühnt vergossen, da m a n die Täter nicht ausfindig machen
konnte. Das wurde al-Mu'tasim so unerträglich, daß er sich entschloß, Baghdad zu verlassen".
Ähnlich Tabari, Annal. III, 1180, i. J. 220, nach Dja'far b. M u h a m m a d b. Bawwäza(?) 2 :
"Der Grund für den Auszug al-Mu'tasim's nach al-Qätül war, daß seine Sklaven, die Türken,
einer nach dem andren in den Vororten ermordet gefunden wurden. Das kam, weil sie rohe
Barbaren waren, die beim Reiten in den Straßen galoppierten, mit Männern und Frauen zu-
sammenstießen und Kinder überrannten; die jungen Leute faßten sie, rissen sie von ihren
Pferden und verwundeten welche von ihnen; manche starben an ihren Wunden, und so beklagten
sich die Türken bei al-Mu'tasim, während die Bevölkerung unter ihnen litt." "Er erzählte auch:
Er sah al-Mu'tasim einmal von der musallä [Gebetsplatz] zurückreiten, a m Opfer- und Fastenfest
[10. dhu 1-hidjdja oder Ende ramadän]. Als er z u m HarashI-Platz kam,fielsein Blick auf einen
Greis, der ihn anhielt und sagte: 'O abu Ishäq!' Die Soldaten liefen zusammen, u m ihn zu
schlagen, aber al-Mu'tasim winkte ihnen ab und sagte zu d e m Greis: 'Was willst du?'. Der
antwortete: 'Allah soll dir nichts Gutes geben für dein W o h n e n unter uns! D u bist unser Nachbar
geworden und hast uns diese Wilden, 'ulüdj, gebracht, unter uns zu leben. D u bist es, der damit
unsere Kinder zu Waisen, unsere Frauen zu Witwen gemacht, unsere Männer getötet hat!' U n d
al-Mu'tasim hörte das alles an. Darauf ritt er in seinen Palast, und m a n sah ihn nicht mehr aus-
reiten bis zum gleichen Tage des nächsten Jahres. D a ritt er aus, u m mit d e m Volk das Festgebet
zu verrichten, kehrte aber nicht wieder in sein Haus in Baghdad zurück, sondern lenkte sein
Pferd in der Richtung nach al-Qätül, verließ Baghdad, und kam nie wieder."
1
Ya'q. hist. 255 s: Ghassän, Vorgänger Tähir's I ibn Khurdädhbih 38 war der übliche Preis nur
hatte in 204 H . vier Söhne des Asad als Unter- 600 Dirham. Hier liegt schon etwas Ähnliches vor
präfekten eingesetzt, Tähir bestätigte sie. Das ist wie später unter den Mamluken, w o der Sklaven-
der Anfang der Dynastie. N ü h war einer der vier händler ein amtlicher Posten geworden war.
und Oheim des Nasr b. A h m a d b. Asad, der nach - Die Annalen gehen bis 302/914 und sind geschrie-
Tabari III, 1889 in 261 H. mit mä ward nähr ben, seit Tabari in Baghdad lebte, von 263/877
Balkh, Transoxiana, belehnt wurde. Samarkand an. — Vielleicht ist dieser Dja'far der oben al-
war der große Markt türkischer Sklaven, vgl. Khushshaki genannte.
A. v. Kremer, 'Culturgeschichte' II, 153s; nach
Tafel X

a Die Gr. Moschee von der Qubbat al-Sulaibiyya, aus 7 k m Entfernung

c Das Baghdad-Tor der heutigen Stadt


* 89 *
Dies war einer der Gründe für den Entschluß, wie die M a ß n a h m e n zeigen, die solchen Zu-
ständen in Samarra vorbeugen sollten. Ein stärkerer Grund war, daß al-Mu'tasim, wie sein
Bruder al-Ma'mün, der religiösen Richtung der mu'tazila anhingen, während das Volk in Baghdad
sunnitisch-orthodox blieb. I m ganzen fühlte sich der Khalife in der großen Stadt nicht mehr
sicher. Yäqüt III, 16 sagt, nach den ahl al-siyar1, Autoren von Biographien der Khalifen, die
Zahl der türkischen Sklaven sei auf 70000 gestiegen. Verse des 'Ali b. Djahm, Aghäni 9, 105,
sprechen von 20000 Türken. Sonst, z. B. im Kriege zwischen al-Musta'In und al-Mu'tazz, ist nur
von kleineren Zahlen die Rede. Immerhin bedeuten diese türkischen Truppen die Verdrängung
der regulären arabischen Armee durch fremde Prätorianer.
Die von den vornehmen Baghdadern gekauften Mamluken, die Ya'qübl mit N a m e n nennt,
spielen eine große Rolle in der Geschichte von Samarra: Ashnäs, Itäkh und Wasif2. Ashnäs,
dessen N a m e n der Volksmund noch heute bewahrt hat, tritt schon unter al-Ma'mün in Baghdad
auf3. Balädhuri, in seinem Bericht über die Gründung von Samarra, nennt nur ihn. Nach
Tabari III, 1306 war er Statthalter, Khalife, während einer Abwesenheit des Mu'tasim in Sinn4.
Nu'aim b. Khäzim war nach Tabari III, 74 in der U m g e b u n g des Härün al-Rashid bei dessen
T o d in Tös,. 193 H . — Bei Tabari III, 841 ist er der Standartenträger [pers. 'alamdär] des
Fadl b. Sahl in 196 H , und III, 1022 nimmt er an den Kämpfen zwischen Ibrahim b. al-Mahdi
und al-Ma'mün im Träq teil. Härün b. Nu'aim hat ein Lehen in Samarra; wahrscheinlich ist er
derselbe, der nach Tab. III, 1167 im Jahr 219 unter 'Udjaif b. 'Anbasa gegen die Zutt, Zigeuner,
bei Wäsit kämpfte; Tabari nennt ihn dort 'ibn al-Waddäh, den qä'id, den Khurasaner'. — Itäkh
war ursprünglich Koch des Salläm al-Abrash5, Großeunuchen unter al-Mahdi. Die Aghäni6
schildern diesen in einigen ungewöhnlich bildhaften Erzählungen. — Die äl al-Nu'män sind eine
alte Baghdader Familie, wohl die Hirenser. Simä heißt bei Ya'qübl hist. 591 "Simä al-turkl,
gen. al-Dimishqi" und wird neben einem Simä jl^Jl oder <jli.A.Jl als hädjib, Kammerherr, er-
wähnt. Die Aghäni 18, 93 erzählen, nach M u h a m m a d b. 'Abdalmalik al-Zayyät, wie er mit
al-Mu'tasim bei al-Ma'mün eingeladen in einem Spiegelsaal des Baghdader Palastes saß, so daß
die Gläser das Sonnenlicht auf sein Gesicht reflektierten7; al-Ma'mün rief den Dichter A h m a d
b. M u h a m m a d al-Yazidl und sagte ihm: "hast du je etwas Schöneres gesehen?" Der Dichter
antwortet mit Versen: "eine Sonne ging über einer Sonne auf, Einsamkeit wich der Geselligkeit.."
al-Mu'tasim beißt sich aus Eifersucht auf die Lippe, aber al-Ma'mün beruhigt ihn mit einem
Scherz und sagt: "gäbe Allah, alle deine Sklaven wären wie er!"
D e n Ehrentitel dhu l-ri'äsatain erhielt al-Fadl b. Sahl al-Sarakhsi von al-Ma'mün zugleich mit
liwä' und 'alam, zwei Standarten, i. J. 198 H . D e n Sinn des Titels gibt a m besten die Nachricht
bei Tabari III, 841, daß er ein Schwert besaß, auf dessen einer Seite in Silber geschrieben stand
ri'äsat al-harb 'Führerschaft im Krieg', auf der andren ri'äsat al-tadbir 'Führerschaft in der Ver-
waltung'. I m Gloss. Frgm. Hist. Ar. mit duplex dignitas übersetzt; später, zuerst wohl unter al-

1
Vgl. unten p. 168, ein Exemplar der siyar al-khulafä' Wezirs Ahmad b. abi Khälid, der eine dunkle
im Besitz des Astronomen 'Ali b. Yahyä. Rolle spielte, als Tähir a m Tage nach seiner Un-
2
Vgl. unten p. 153, Mu'tasims Urteil über sie. abhängigkeitserklärung starb, vgl. Kit. Baghdad
3
kit. Baghdad, fol. 80v. p. 60 (fol. 56).
4
Das Brit. Mus., Departm. of Ceramics. besitzt 7 Bedeutungsvoll für die in Samarra gefundenen, als
ein Glasgewicht, 1/2 Unze, in seinem N a m e n : Wand- und Deckenbekleidung dienenden Gläser,
lül i*=- y.\ Mir ist diese kunya sonst nicht siehe Bd. IV, Kap. 14, pp. 119—123, Taf. X — X I I .
vorgekommen. Es ist möglich, daß sie innen einen Überzug
5
Nicht ibn al-A., wie Ya'qübi schreibt. hatten, der sie zu Spiegeln machte.
6
Siehe 5,5, 7; 6,78. Vielleicht ist erder Eunuch des
* 9° *
Mu'tamid, sagt m a n 'Schwert und Feder'. Aghäni III, 150, nach seinem Bruder al-Hasan:
"einer der Soldaten des M a ' m ü n fand einen Zettel mit zwei Versen und brachte ihn seinem
Obersten, der sagte: Das ist ein Gedicht des abu 1-'Atähiya, der ist mein Freund, aber es ist nicht
an mich gerichtet, sondern an den amir al-Fadl b. Sahl1. Sie brachten es zu ihm, er las es und
sagte: Ich kenne diese Zeichen 'aläma nicht. U n d al-Ma'mün erfuhr davon und sagte: Das ist
an mich gerichtet, und ich kenne das Zeichen und die Verse". Z u diesem Kulturbild paßt ein
andres, Aghäni 6,8: "Der Dichter 'Ubaida b. Hiläl pflegte, wenn die Leute sich bei ihm sammelten,
zu rufen: Ein paar von euch k o m m t vor! So traten zwei junge Burschen von der Armee vor, und
er fragte: W a s wollt ihr lieber, soll ich euch aus d e m Qur'än vortragen oder Gedichte? Sie
sagten: D e n Qur'än — den kennen wir so gut wie du, sag uns Gedichte her! Daraufsagte er:
Ihr Schurken, waliah, jetzt weiß ich, ihr zieht Gedichte d e m Qur'än vor! U n d dann fing er
an, ihnen Gedichte vorzutragen, und trug vor, bis sie voll davon waren. Dann erst trennten
sie sich."
Ya'qübl, 256: "al-Mu'tasim zog nach al-Shammäsiyya, d e m Ort nach d e m al-Ma'mün sich
zurückzuziehen pflegte, blieb dort Tage und Monate, und beabsichtigte, in Shammäsiyya,
außerhalb von Baghdad, eine Stadt zu erbauen. Aber dann war ihm das Gelände dort zu eng,
und die Nähe von Baghdad mißfiel ihm auch. So zog er im Jahre 221 2 weiter nach Baradän,
auf den Rat des Fadl b. Marwän, der damals Wezir war. Er blieb einige Tage in Baradän und
ließ die Ingenieure vor sich kommen. D a n n aber gefiel ihm der Ort nicht, und er zog weiter nach
Bähamshä, auf dem Ostufer des Tigris. Dort ließ er den Bau einer Stadt a m Tigris entwerfen3
und suchte eine Stelle, u m einen Kanal zu graben, fand aber keine. So zog er weiter nach dem
Dorf al-Matira und blieb dort eine Weile. Dann ging er nach al-Qätül und sagte: Dies ist der
beste Ort! Er plante, daß der Qätül die Mitte der Stadt bilden, und daß sowohl a m Tigris wie a m
Qätül gebaut werden sollte. Er begann zu bauen und gab den Offizieren und Schreibern und
der Bevölkerung ihre Lehen. Diese begannen zu bauen, der Bau wuchs, und Pläne für die Bazare
a m Qätül und a m Tigris wurden entworfen. Er selbst wohnte in einem vorläufigen Bau, ebenso
einige der Leute. D a n n fand er, der Boden von Qätül sei unbrauchbar, lauter Kiesel und
Konglomerat4, darin zu bauen sei sehr schwer, und das Gelände nicht weit genug".
Die Orte Shammäsiyya, Baradän, Bähamshä, al-Qätül sind in ihrer natürlichen Folge als
Punkte der Straße von Baghdad nach Norden auf d e m Ostufer aufgeführt. N u r Matlra liegt
nördlicher als Qätül. Es geht später ganz in das Stadtgebiet von Samarra auf, und wird durch
die Ruinen von al-Djubairiyya etwa 3 k m unterhalb der heutigen Stadt bezeichnet. Yäqüt
IV, 568 nennt es einen Ausflugsort der Leute von Baghdad und von Samarra, und berichtet,
nach Balädhuri, die neue Matira-Kirche io^M i^kil 'k^ sei unter al-Ma'mün gebaut und nach
1
Der Oberst spricht von al-Fadl ganz dienstlich als Tigrislauf zerstört und ersetzt ist. Eine Stadt kann
amir 'General'. m a n nur auf d e m hohen Gelände, nicht im Über-
2
Ya'qübl hist. 577, sehr kurz, gibt als D a t u m des schwemmungsgebiet geplant haben, 'Sümpfe' gibt
Auszuges aus Baghdad nach al-Qätül 'Mitte dhu es da nicht. Die großen Kanäle existierten vorher
1-qa'da 220' (1. XI. 835) siehe unten Tab. III, 1179 und behinderten die Entwicklung einer Stadt
und 1184. nicht nur als großes Verkehrshindernis, sondern
:i
qaddara, für das Zeichnen der Architekten. weil sie nur schmale, keilförmige Geländestreifen
zwischen sich lassen und ihre haushohen D ä m m e
'Die ed. gibt Iji^lj U » statt ^\} U i des Codex,
die Luft und Aussicht fortnehmen. Das sehr harte
mit Recht, gegen den Widerspruch von P. Schwarz,
Konglomerat liegt dort fast offen zutage, während
'Abbasiden-Residenz Samarra, p. 6. — Qätül ist
weiter nördlich eine gerade richtige Erdschicht
das Gebiet der drei Qätüle, von denen die zwei
es überlagert.
nördlichen auf d e m hohen Gelände erhalten, der
dritte, Qätül abu 1-djund, durch den heutigen
* 91 *

einem Matar b. Fazära al-Shaibänl, einem kharidjitischen Araber, benannt. Das ist recht
zweifelhaft. Bei diesem Suchen nach einem Platz kann al-Mu'tasim auch noch nördlicher bei
al-Mähüza gewesen sein, die Gelegenheit, bei der der N a m e Surra m a n rä'a z u m ersten M a l
gebraucht sein soll1. Tabari berichtet III, 1179 über den Auszug aus Baghdad: "Masrür, der
Groß-Eunuch, hat gesagt: al-Mu'tasim fragte mich: W o pflegte sich al-Rashid zu erholen,
wenn es ihm leid war, in Baghdad zu leben ? Ich sagte: in Qätül! — Dort hatte er eine Stadt
gebaut, deren Reste und Mauern noch stehen; denn er hatte Angst vor den arabischen Truppen,
al-djund, ähnlich wie al-Mu'tasim. U n d als die Syrer in Damaskus aufständisch wurden, zog
al-Rashid nach Raqqa und nahm dort Aufenthalt, aber die Stadt Qätül blieb unvollendet".
Masrür, j^fJi\ p l ^ , bei Tabari III, 982 pjliM ^-Ol JJ^~= (bei Gelegenheit seiner Wallfahrt),
zu unterscheiden von Masrür Samäna, war der Groß-Eunuch des Rashld, bekannt in den Chroniken
und berühmt durch die 1001 Nacht. Es ist merkwürdig, Figuren aus 1001 Nacht als authentische
Geschichtsquellen sprechen zu hören. Von den Bauten Härüns in Raqqa ist einiges erhalten, vgl.
Arch. Reise I, Kap. Raqqa. Ich habe erwogen, ob das große Oktogon von Qädisiyya, das d e m
runden Hiraqla des Härün bei Raqqa ähnelt, das unvollendete Qätül Härüns sei; doch lag dies
mit viel Wahrscheinlichkeit südlicher, und das Oktogon gehört zu dem nur angefangenen Bau
des Mu'tasim.
Tabari III, 1184: "Im Jahre 219 (834) oder, nach meiner Meinung irrig, in 220 brach al-
Mu'tasim nach al-Qätül auf, in der Absicht Samarra zu bauen". Ein starkes Hochwasser des
Tigris hindert ihn, und er kehrt wieder nach Shammäsiyya zurück und bricht dann im safar 220
(II. 835) wieder auf.
Tabari III, 1179: "Jahr 220: In diesem Jahre zog al-Mu'tasim aus nach Qätül, im Monat
dhu 1-qa'da ( X — X I 835). In Baghdad setzte er seinen Sohn Härün al-Wäthiq z u m Statthalter,
khalifa, ein". "Nach abu 1-WazIr A h m a d b. Khälid [Minister, auch unter al-Wäthiq und al-
Mutawakkil]: al-Mu'tasim ließ mich kommen, im Jahre 219, und sagte: O Ahmad, kauf mir im
Bezirk von Samarra Land, w o ich eine Stadt bauen kann; denn ich fürchte, diese Treulosen2
werden ein großes Geschrei machen und meine Sklaven totschlagen; ich will stromaufwärts von
ihnen sein und, wenn ich Verdacht habe, über sie k o m m e n können, zu Lande und zu Wasser,
bis ich mit ihnen fertig werde3. U n d er sagte: n i m m 100000 Dinar mit! Ich sagte: Ich werde
5000 Dinar mitnehmen, und wenn ich mehr gebrauche, werde ich u m eine größere S u m m e
schicken! Er sagte: Gut! Ich begab mich an Ort und Stelle und kaufte Samarra für 500 Dirham 4
von den Christen, den Besitzern des Klosters, und den Platz des khäqänl-Gartens [im Flußbett
vor dem Djausaq al-khäqäm] für 5000 Dirham, und eine Anzahl andrer Plätze, bis ich abgemacht
hatte, was ich wollte. Dann reiste ich zurück und übergab ihm die Kaufurkunden5. So beschloß
er, dahin zu ziehen, im Jahre 220. Er zog erst nach al-Qätül, w o m a n ihm Lehmhütten, qibäb%,
Zelte madärib und ein Lager aufgeschlagen hatte; auch die Leute schlugen Zelte, akhbiya, auf.
So reiste er weiter, indem ihm Lehmhütten errichtet wurden, bis er im Jahre 221 den Grund zum
Bau von Samarra legte".

1
Siehe oben p. 1. 5 sikak, von sakk, aus pers. cak, Geldwechsel, Kauf-
M - 1, , .1 , • , , TTT vertrag, Scheck, vgl. mafätih al 'ulürn 56s und
&
- codd. /u i.| und e i l ; ich lese, wie in III, 1709, 1 ' ' & J J

unten p. 247 u. 252.


i>l; gemeint ist die Volksmenge von Baghdad. 6 qibäb, qubba, in Mesopotamien und Syrien übliche,
3
jl und ._, j vielleicht stärkere, vulgäre Ausdrücke. g a n z aus Lehm gebaute Häuschen mit gewölbten
4
Das ist höchstens 42 statt 100 000 Dinar, und ist Räumen. — midrab große Prunkzelte, khibä'
gesagt u m zu zeigen, daß der Khalif keinen Begriff Haarzelte der Araber.
vom Wert des Geldes hatte.
12*
* 92 *

Ya'qübl p. 257: "Bei einem Jagdausflug [von Qätül aus] kam al-Mu'tasim bis zu dem Platz
von Surra m a n rä'a, einer öden Ebene der Landschaft Tirhän, ohne Bebauung und ohne M e n -
schen, bis auf ein Christenkloster. Dort machte er Halt, unterhielt sich mit den Mönchen und
fragte: Wie heißt dieser Ort ? Einer antwortete: In unseren alten Büchern steht, dieser Ort heißt
Surra m a n rä'a, es war die Stadt des S ä m b. Nüh 1 , aber in künftigen Zeiten wird sie wieder
blühend gemacht werden durch einen mächtigen, siegreichen König — malik djalil muzaffar
mansür2 — dessen Gefährten Gesichter haben werden wie der Vogel der Einöde3; er wird darin
wohnen, und darin wird auch sein Sohn wohnen! D a sagte al-Mu'tasim: Ich bin es, bei Allah,
der sie erbauen und darin wohnen wird, und mein Sohn wird darin wohnen. Denn wirklich,
al-Rashid hieß seine Söhne eines Tages auf Jagd gehen, und ich ging mit M u h a m m a d al-Ma'mün
und den älteren Söhnen des Rashld; jeder von uns schoß eine Beute, ich eine Eule, büma. Heim-
gekehrt zeigten wir unsere Beute, indem die Diener, die mit uns waren, sagten: dies ist die Beute
des und des, bis ihm meine Beute gezeigt wurde. U n d als er die Eule sah, hatten die Diener
Angst, sie zu zeigen, weil er sie als böses O m e n betrachten und mir ungnädig werden könne.
Aber er fragte nur: W e r hat die geschossen? Die sagten: abu Ishäq. Er aber nahm es als gutes
O m e n , lachte, freute sich sehr und sagte: Der wird Khalife werden, und seine Truppen und
Gefährten und die Einfluß auf ihn haben werden Leute sein mit Gesichtern wie diese Eule, und
er wird eine alte Stadt wieder erbauen und darin mit diesen Leuten leben, und so sein Sohn nach
ihm! Keine der Jagdbeuten freute al-Rashid so sehr wie diese meine Beute, die Eule".
Der eben mit 'Einfluß haben' übersetzte Ausdruck, 4-AtOjJ^l hat sicher einen ungünstigen
Sinn 'die ihn beherrschen', und ein Khalife sollte nicht beherrscht sein. Der Vergleich mit
Eulen ist auch keine Schmeichelei: heute ein Schimpfwort. Die Erzählung spiegelt also die
allgemeine Unzufriedenheit der Araber mit der Beherrschung Mu'tasim's und seiner Nachfolger
durch die verhaßten Türken wieder und kann daher nicht echt sein (vgl. p. 231). Andrerseits
liegt in der besseren Version des abu 1-Wazir, des Käufers des Geländes, daß al-Mu'tasim an
Ort und Stelle gewesen war und das Kloster, das er kaufte, gesehen hatte.
Die Geschichte erinnert an die Anekdote bei Josephus, Ant. Jud. 18, 7: "(Herodes) Agrippa
stand in seinen Fesseln ... sich an einen B a u m lehnend, als ein gewisser Vogel sich auf diesen
B a u m setzte, die Römer nennen ihn bubo ; ein andrer der Gefesselten, ein Germane ... sah ihn,
fragte ob er mit Agrippa sprechen könne, und sagte durch den Dolmetscher: Ich glaube, ich
m u ß dir erklären, was die Götter dir voraussagen: du wirst bald befreit sein ... und wirst zu der
höchsten Würde und Macht befördert werden ... und du wirst glücklich sein bis zu deinem Tode
und wirst dies dein Glück den Kindern hinterlassen, die du haben wirst. Aber gedenke dessen:
wenn du diesen Vogel wieder siehst, wirst du nur noch fünf Tage leben! Agrippa lachte und
erst später bewunderte er den Germanen." Die Eule erscheint ihm fünf Tage vor seinem Tode
wieder (19, 2).
Eine Prophezeiung v o m selben Typus erzählen al-Khatlb al-Baghdädi, fol. 20v. und ibn al-
Tiqtaqä p. 190s von der Gründung von Baghdad: "Als einer der nestorianischen Mönche des
dair al-Rüm von der Absicht des Khalifen gehört hatte, Baghdad zu gründen, sagte er, seine
1
Sem S. d. Noah, setzt die Namensform Sämarrä, von Küthä' werden die feindlichen Krieger be-
nicht Surra m a n rä'a, voraus, wie die pers. Etymolo- schrieben als "Leute mit pagri issur hurri, Leibern
gie: Säm-räh 'Weg des Sem'. von Höhlenvögeln und Gesichtern von Raben,
2
Frühes Vorkommen dieser Formel, die später ein äribu panusunu". hurru ist Erdloch; Ehelolf 'Bo-
Protokoll wird. ghazköi-Studien' 10, 59s, dachte an 'Steinhühner',
:1
tair al-falät meint Eule. In der an das Ende des Ungnad 'Subartu' 174: 'Eulen'.
Reichs von Akkad anknüpfenden Sage v o m 'König
* 93 *
Bemühungen sind umsonst, wir finden in unseren Büchern, daß ein König mit N a m e n miqläs sie
erbauen wird, und kein andrer. Als al-Mansür das erfuhr, warf er sich auf die Erde, lange, und
sagte: Bei Allah, meine Mutter nannte mich als Kind oft miqläs" (mit Anekdote).
Ya'qübl 257: "Darauf beschloß al-Mu'tasim, sich an jenem Orte niederzulassen. Er ließ
M u h a m m a d b. 'Abdalmalik al-Zayyät und (Ahmad) ibn abi Du'äd und 'Umar b. Faradj und
A h m a d b. Khälid, gen. abu 1-WazIr, vor sich k o m m e n und sagte ihnen: Kauft dies Land von den
Besitzern des Klosters und zahlt ihnen 4000 Dinar! Sie taten das."
al-Fadl b. Marwän, der oben den Rat gibt, von al-Shammäsiyya nach Baradän zu ziehen, und
der al-Mu'tasim die den N a m e n Surra m a n rä'a enthaltenden Verse des Khälid b. Yazld vor-
getragen hatte, war der Wezir des Khalifen gewesen. Er war aus Baradän gebürtig. Tabari III,
1181—86, Jahr 220, erzählt, wie er abgesetzt wurde 1 :
"al-Fadl b. Marwän, gebürtig aus Baradän, hatte eine sehr schöne Handschrift und wurde im
Laufseiner Beamtenschaft Schreiber des Mu'tasim als Prinzen, begleitete ihn z.B. nach Ägypten,
i. J. 213, w o er die Einkünfte vorzüglich verwaltete. Nach der Rückkehr nach Baghdad verwaltete
er mit freier Verfügung die Finanzen des Mu'tasim. Als dieser Khalif wurde, machte er al-Fadl
zu seinem sähib al-khiläfa, d. h. Großwesir, mit Macht über alle Diwane [Kanzleien, Ministerien]
und den Staatsschatz. Er stand al-Mu'tasim persönlich so nahe, daß niemand etwas über ihn zu
sagen wagte, war dabei ein so streng rechtlicher und sparsamer Charakter, daß er oft extra-
vagant kostspielige Anordnungen des Khalifen einfach nicht ausführte.
Ein Witzbold, Ibrahim al-Hafti, der früher al-Mu'tasim oft im Scherz gesagt hatte: D u wirst
es nie zu etwas bringen! verursachte die erste Entfremdung. Kurz nach der Thronbesteigung
ging al-Mu'tasim mit al-Hafti im Garten des Baghdader Palastes spazieren. al-Mu'tasim war
schlank und sehnig, al-Hafti fett und kurz, konnte nicht Schritt halten und sagte: Ich dachte, ich
gehe mit einem Khalifen spazieren und sehe, daß ich mit einem Postläufer gehe, bei Allah, du
hast es immer noch zu nichts gebracht! al-Mu'tasim lachte und sagte: W a s kann m a n mehr als
Khalife werden ? Haftl: v o m Khalifat hast du nur den Titel, deine Befehle reichen nicht weiter
als deine Ohren, der wahre Khalif ist al-Fadl b. Marwän; was der befiehlt, geschieht sofort!
Mu'tasim fragte: Welche Befehle von mir sind nicht ausgeführt ? Haftl: z. B. wird mein Gehalt
nicht gezahlt! al-Mu'tasim merkte sich das. Das erste Zeichen einer veränderten Haltung al-Fadl
gegenüber war die Ernennung zweier Inspektoren, zimäm, für die privaten und die staatlichen
Ausgaben.
'Ahmad b. abi Du'äd [der qädi al-qudät] erzählt: "Ich pflegte bei al-Mu'tasim's Audienzen
zu sein und habe ihn oft zu Fadl b. M a r w ä n sagen hören: gib mir so und so viel Geld! und Fadl's
Antwort: ich habe keins. — Verschaff es irgendwie! — Wie soll ich es verschaffen, wer gibt mir
etwas, w o soll ich's finden ? — D a ß al-Mu'tasim das übel nahm, konnte m a n ihm a m Gesicht an-
sehen. Schließlich ritt ich einmal zu al-Fadl, u m ihn intim zu warnen: O abu 1-'Abbäs, Leute
k o m m e n zwischen uns mit Dingen, die ich ebenso hasse wie du. Dein Charakter ist bekannt.
Die Leute, die zwischen uns Geschichten hintertragen, wissen das auch. Sie mögen was ich
dir sage Wahrheit oder Unwahrheit nennen, aber ich fühle mich verpflichtet, dich zu warnen;
ich höre dich oft d e m Khalifen unpassende Antworten geben, die ihn reizen, und wie sie Herr-
scher sich nicht einmal von ihrem eignen Sohn sagen lassen, besonders nicht oft und in grober
Form. Er sagte: W a s denn? Ich sagte: ich höre ihn oft dir sagen: wir müssen so und so viel
Geld für irgend eine Sache haben, und du antwortest: wer gibt es mir ? Das läßt sich kein Khalif
gefallen. al-Fadl antwortete: was soll ich tun, wenn er haben will, was ich nicht habe ? Ich sagte:
D u solltest sagen: O Befehlshaber der Gläubigen, wir werden versuchen es zu finden! So wirst
1
Hier gekürzt; Parallelbericht in Frgm. Hist. Ar.. I, 384SS und II, 479SS.
* 94 *

du einige Tage haben, u m deine Hand auf irgend etwas zu legen und das zu ihm bringen und ihm
den Rest in Aussicht stellen. Er sagte: ja, ich werde tun, wie du rätst. Aber es war, als hätte ich
ihn nur verführt, noch hartnäckiger zu werden. Dieselbe üble Szene wiederholte sich nur noch
öfter. Schließlich wurde es al-Mu'tasim zu viel. Als al-Fadl eines Tags mit einem Strauß Nar-
zissen in der H a n d zu ihm kam, schüttelte al-Mu'tasim ihm die Hand und sagte: Allah gebe dir
ein langes Leben, abu l-'Abbäs! al-Fadl hielt den Strauß in der Rechten und al-Mu'tasim zog
ihm sanft den Ring v o m Finger seiner Linken und sagte nebenbei: gib mir meinen Ring! So
n a h m er ihn von seiner H a n d und streifte ihn auf die H a n d des ibn 'Abdalmalik".
"Das geschah im safar 220 (II. 835), auf d e m W e g e von Baghdad nach Samarra, in al-Sham-
mäsiyya. Der Khalif befahl, daß al-Fadl und seine Leute alle ihre Verwaltungen abzutreten
hätten. Der Wazir selbst mußte eine Abrechnung einreichen, die nicht geprüft wurde. Unterdes
war er in seinem Haus an der shäri' al-Maidän in Baghdad in Haft. D a n n wurde er nach al-Sinn
verbannt".
Später erscheint al-Fadl wieder als Besitzer eines Palastes in Samarra und Inhaber verschiede-
ner Ministerien, nie für lange. — Ibn al-Tiqtaqä, al-Fakhri, ed. Derenbourg p. 278, fällt ein sehr
ungünstiges Urteil über ihn, das auf dieser Erzählung Tabarls beruhen m u ß , und mehr die
geringe Einsicht des ibn al-Tiqtaqä als den Unwert des Fadl charakterisiert: "er war vulgär, hatte
kein Wissen und keine muruwwa, 'virtus', war von schlechter Lebensart, unwissend in den Ge-
schäften. Nach seiner Verbannung wurde er wieder in den Staatsdienst aufgenommen, und er
starb erst unter al-Musta'In". A m m i a n sagt: "Adeo maxima quaeque ambigua sunt, d u m alii
quoquo m o d o audita pro compertis habent, alii vera in contrarium vertunt, et gliscit utrumque
posteritate".
Sein Nachfolger im Wezirat wurde abu Dja'far M u h a m m a d b. 'Abdalmalik al-Zayyät, der
wirklich ein ungünstiges Urteil verdient. Er hatte vorher ein untergeordnetes A m t bekleidet
und war von al-Fadl davon abgesetzt worden. Tabari III, 1183: " M u h a m m a d b. 'Abdalmalik
wurde wazir-kätib, und durch seine Hand ging alles, was die Bauten des Mu'tasim in Samarra,
Ost- und Westufer, betraf; er behielt das A m t (auch unter al-Wäthiq), bis al-Mutawakkil Khalife
wurde und ihn hinrichten ließ". Vgl. unten p. 180s.
über 'Umar b. Faradj al-Rukhkhadji [den Arachosier] einige Bemerkungen gleich im folgen-
den. Allen diesen Personen werden wir in der Geschichte von Samarra noch oft begegnen.
V o n Ya'qübl und Tabari unabhängig ist der klare Bericht des Balädhuri im kit.futüh al-buldän,
ed. de Goeje p. 297s:
"Der Befehlshaber der Gläubigen al-Mu'tasim zog [von Baghdad] fort nach al-Qätül und
stieg in der alten Villa des Rashid ab (vgl. oben p. 73). D a n n baute er in al-Qätül ein Ge-
bäude, das er bezog, und schenkte jene Villa dem Türken Ashnäs, seinem maulä [Freigelassenen
und Klienten]. Er faßte den Plan, ebendort eine Residenz zu gründen, begann diese Stadt zu
bauen, gab das aber auf. D a n n beschloß er die Gründung von Surra m a n rä'a und führte das aus.
Es ließ die Leute dahin ziehen und wohnte selbst dort. Eine Hauptmoschee baute er neben den
Bazaren. Er nannte es 'Freude des der es sieht'. Seinen maulä Ashnäs und alle dem unterstellten
Offiziere, qawwäd, ließ er sich in Karkh Fairüz ansiedeln, einige seiner Obersten in Dür al-'Ara-
bäyä. Er starb, Allah erbarme sich seiner!, in Surra m a n rä'a im Jahre 228 (842/3)".
Ya'qübl (Forts.) 258: "Dann ließ al-Mu'tasim die Ingenieure vor sich k o m m e n und sagte:
sucht den besten Platz aus und wählt eine Anzahl von Plätzen für die Schlösser, qusür. Jedem
M a n n aus seiner U m g e b u n g wies er den Bau eines Schlosses zu. D e m khäqän 'Urtudj abu
1-Fath b. Khäqän wies er den Bau des djausaq al-khäqäni zu; d e m 'Umar b. Faradj den Bau des
Schlosses namens al-'umari; dem abu 1-wazir den des Schlosses al-waziri". Ya'qübl, hist. 577:
* 95 *
"er baute in Samarra eine Anzahl von Schlössern für die Obersten und Schreiber und nannte sie
nach deren Namen".
Die Benennung bedeutet nicht den Besitz, sondern die Bauleitung, ÄJy oder J y,. Ebenso
werden (weiter unten) die im Flußgebiet angelegten Kanäle nach den N a m e n der Erbauer ge-
nannt. In späteren Zeiten werden daher die N a m e n der Bauleiter großer Bauten in deren Grün-
dungsinschriften verewigt. Dieselbe Organisation der Arbeit setzt schon Ktesias' Schilderung
des Baues von Babylon voraus, siehe 'Landschaft' p. 23.
V o n khäqän 'Urtudj stammt die al-khäqäni genannte Familie, aus der in 5 Generationen
Minister und Großwezire hervorgingen. Der gelegentliche Beiname al-Khuräsänl wird bei
Mas'üdi, tanbih 362, genauer als al-Marwazi 'aus M a r w ' bestimmt. 'Urtudj ist arabische Wider -
gabe von Ortoq. Der Titel khäqän zeigt, daß sie westtürkische Fürsten waren. Ibn al-Athir
nennt sie maulä al-Azd, sie scheinen also früh arabisierte Klienten dieses Stammes gewesen zu
sein. Der djausaq al-khäqäni ist der große Khalifenpalast von Samarra, heute bau al-khalifa.
Das Lehen des khäqän 'Urtudj selbst lag nach Ya'qübl "in der Gegend des Djausaq". V o n
diesem Haus ist in Aghäni 6,206 die Rede, in der Erzählung von al-Fath, d e m 7jährigen Sohn des
'Urtudj, den al-Mu'tasim adoptierte1.
'Umar b. Faradj al-RukhkhadjI, war nach Ya'qübl hist. 590 einer der Männer, die den größten
Einfluß auf al-Wäthiq hatten. Er behandelte al-Mutawakkil als Prinzen schlecht undfielin
Ungnade, als dieser Khalife geworden war. Sein Vater Faradj wird einmal bei Tabari III, 1044
erwähnt, w o er in 205 (820—21) einen aufständischen Gouverneur in Nishäpür gefangen nimmt,
scheinbar unter Hasan b. Sahl als Statthalter von ganz Khuräsän. Sein Bruder 'Ali heiratete,
nach Aghäni 19, 136, die berüchtigte und berühmte Tamburin-Spielerin 'Ubaida, siehe unten
'Menschen' p. 182.
Die Lage des 'umari kann m a n aus den Vorgängen bei der Thronfolge des Musta'In bestimmen,
Tabari III, 1503 s: al-Musta'In, der in d e m a m Fluß gelegenen und an die Südseite des Djausaq
angrenzenden Härüni wohnte, ging "auf d e m W e g e über das 'umari zwischen den Gärten z u m
djausaq", und "auf d e m W e g e über das bah al-'ämma [Haupttor des Djausaq auf der Flußseite]
z u m härüni zurück, w o er übernachtete", während die gehuldigt Habenden und die türkischen
Truppen den Djausaq "auf der Seite des 'umari und der Gärten" verlassen, u m die südlich v o m
Djausaq gelegenen Stadtteile von Samarra zu erreichen; währenddes sind die zu al-Mu'tazz und
'Abdallah b. Tähir haltenden Truppen und Plebs, die das Djausaq von den shawäri', Haupt-
straßen der Stadt, von Süden her angegriffen hatten, in die Gassen nördlich des Djausaq gedrängt
worden. Also stieß das 'umari an den östlichen Teil der Südseite des Djausaq an, das härüni an
den westlichen Teil. Das Lehen des 'Umar b. Faradj selbst lag nach Ya'qübl (siehe unten) an
der zweiten Hauptstraße, shäri' abi A h m a d , die a m bäb al-bustän 'Gartentor' des Djausaq endete.
Nach Mas'üdi VII, 122, waren "einige Farghaner an d e m Ort namens al-'umari und al-djisr an-
gesiedelt"; das ist möglich, aber Mas'üdi ist keine erste Quelle für die Topographie von Samarra.
I m 'umari gab al-Mu'tasim das Hochzeitsfest für Hasan b. Afshin und Utrundja, Tochter des
Ashnäs, Tabari III, 1300.
abu 1-WazIr A h m a d b. Khälid ist der Minister, der selber erzählte, wie er das Kloster und den
Garten kaufte, auf dessen Platz sich dann das Djausaq erhob. Nach Mas'üdi VII, 121 wäre "das
qasr auf der Stelle des Klosters der als al-waziriyya bekannte Ort in Samarra", eine begreifliche
1
Siehe 'Die Menschen', Ermordung des Mutawakkil. kiösk — in unsere Sprachen übergegangen.
djausaq aus m p . kösk, wie z. B. in den Shahr. Er. Hamdalläh al-Mustaufi nennt das Dja'fari einen
der große Palast Khusrau's I in Dastakirt genannt Köshk, siehe p. 123, dies ist auch der mpers. Aus-
wird, durch türk. kiösk als Kiosk — vgl. Yildiz druck für Paläste wie Qasr i Shirin.
* 96 *

Verwechslung. N u r wenige Nachrichten können überhaupt auf das qasr al-waziri bezogen wer-
den. Es m u ß ein ziemlich großer Bau gewesen sein, denn das qasr al-lail 'Schloß Nacht' wird
als Teil davon genannt. Dort empfing al-Mu'tasim nach Aghäni 9, 58 Ibrahim b. al-Mahdi und
die Sängerin Shäriya1. — Nach d e m Verhör des Afshin im Djausaq wird dieser "aus dem bäb
al-waziri" in sein Gefängnis, die lu'lu'at al-djausaq zurückgeführt. Das könnte d e m N a m e n nach
ein äußeres Tor des Djausaq sein, von d e m der W e g z u m qasr al-waziri ging, oder aber ein inneres
Tor, Eingang zu d e m Teil, in d e m die Wezire zu arbeiten pflegten. So arbeitet 'Ubaidallah b.
Yahyä in der Mordnacht im qasr al-Dja'fari, u n d M ü s ä b. Bogha hatte ein ständiges Quartier im
Djausaq. — In d e m Bericht v o m Ende des Muhtadi, Tabari III, 1818, geht dieser "am bäb
al-wazir", Variante "bäb abil-wazir", vorbei, während ein Sklave den Hilferuf ausstößt: " O Leute
alle, dies ist euer Khalife!" Aber die Türken verfolgen ihn, und erflüchtetin das dar A h m a d
b. Djumail, das weit südlich, nahe der heutigen Stadt, neben der shurta lag. "Tor des Quartiers
des abu 1-Wazir" — südlich v o m Djausaq — wäre also verständlicher, als ein inneres oder gar
nördliches Außentor des Djausaq.
Bei Afshlns Prozeß werden Haussuchungen in dessen Palast al-Matira und in al-Waziriyya
vorgenommen. Dies könnte eine Bezeichnung für einen durch das bäb al-waziri zugänglichen
Teil des Djausaq sein, oder aber — wie Matlra — ganz beziehungslos z u m Djausaq und dann das
qasr al-waziri sein. Bei Tabari III, 1817 ist al-Waziriyya ein andrer Ort als das Djausaq und liegt
eine Brücke daneben. Ich möchte bei diesen unzureichenden Anhalten das qasr al-waziri in der
heute teil al-wazir genannten Ruine erkennen, a m Fluß, gut 4 k m nördlich des bäb al-'ämma, so
von d e m hohen Gelände abgetrennt, daß es gut eine Brücke gehabt haben kann. — Das eigene
Lehen des abu 1-Wazir lag an der ersten Hauptstraße, der saridja, nicht sehr weit südlich vom
Djausaq, da Ya'qübl zwischen beiden nur zwei Paläste von Söhnen des Khalifen al-Mahdi
aufführt.
"Dann wurden die Lehen, qatä'i', der Offiziere, Schreiber und der Bevölkerung abgesteckt,
und die Bazare u m die Hauptmoschee entworfen2. Die Reihen der Bazarläden, sufüf al-aswäq,
wurden geräumig geplant, jeder Handelszweig bekam einen besonderen Bazar, jede Gattung für
sich, ähnlich wie die Bazare von Baghdad angelegt waren."
Dieser Passus spricht v o m Entwurf, noch nicht von der Ausführung. Die da erwähnte Moschee
ist die erste, später abgerissene, qatä'i' bedeutet: Belehnung mit Grundstücken, gegen Zahlung
von Grundsteuer (oder Zehnten). Einige Erzählungen in den Aghäni beleuchten das; VI, 204:
"al-Mu'tasim gab den Leuten in Samarra Häuser, dür, als Lehen und gab ihnen auch die Gelder
für das Bauen. Husain b. al-Dahhäk hatte er nichts gegeben. Der Dichter trägt ihm dann bei
einer Gelegenheit Verse vor und erhält dafür ein dar und 1000 Dinar für die Baukosten". In
Aghäni 14, 53s berichtet ein Sohn des H a m d ü n b. IsmäTl, eines Freundes des Mu'tasim: "Wir
waren bei al-Mutawakkil mit (dem Dichter) 'Amr b. Bäna a m letzten sha'bän, und 'Amru sagte:
O Befehlshaber der Gläubigen, Allah lasse mich dein Lösegeld sein, befiehl mir ein Haus, manzil,
zu geben, denn ich habe kein passendes! al-Mu'tasim befahl seinem Schreiber 'Ubaidallah b.
Yahyä [b. Khäqän 'Urtudj] ihm ein Haus seiner Wahl zu kaufen. D a n n fing aber das ramadän-
Fasten an, 'Ubaidallah hatte zu arbeiten und 'Amr sah ihn nicht. Als der shawwäl-Neumond
[Fastenende] erschien, lud al-Mutawakkil uns ein. 'Umar trug ein Gedicht vor mit Anspielungen,
der Khalife erkundigte sich nach der Hausangelegenheit, ließ 'Ubaidallah rufen, und der Dichter
1
Erzählung von den drei Bechern, siehe 'Menschen' Beim Bau der 'Runden Stadt' von Baghdad be-
p. 167, es k o m m t auch in Versen des Ibrahim b. sichtigt al-Mansür einen solchen weiß im Gelände
al-'Abbäs al-Süli vor. vorgezeichneten Plan, Tabari III 677.
2
ikhtatta, Striche ziehen für die Bauten im Gelände.
Tafel XI

b Blick von der Malwiyya auf das nördliche Euinenfeld

fttfT'YYTVftTifiifltrnJfiäÜPWT 1

äSäSäa-iäT ' :"i _":.


c Mauern der Stlr Tsä
* 97 *
erhielt sein Haus 'unter den Häusern von Samarra' in der Nähe des dar Mu'äli b. Ayyüb; darin
lebte er bis zu seinem Tode." Er starb 287 (Biographie 519 bei ibn Khalliqän).
Gelegentlich wird al-qatä'i' in der Bedeutung 'Militärlehen' für einen bestimmten Stadtteil
benutzt — wie in Baghdad (Yäqüt IV, 132) und in Kairo — nämlich das Gebiet nördlich des
Djausaq. So bringen die Türken den gefangenen Muhtadi "in das dar Yardjudj in den Qatä'i'";
in den Qatä'i' wird auch zuerst d e m Mu'tamid gehuldigt, und nach Tabari III, 1829 lagert eine
Truppe "zwischen Karkh und den Qatä'i'", in einem offenen Gelände; auf dem Plane sofort sicht-
bar.
" M a n verschrieb Arbeiter, Maurer, Handwerker wie Schmiede, Zimmerleute und andre Ge-
werbetreibende, m a n bestellte auch Teakholz, sädj, und alle andren Bauhölzer und Balken,
djudhü', aus Basra und seiner U m g e b u n g , aus Baghdad und d e m ganzen Sawäd, und Marmor-
arbeiter und Marmorpflaster aus Äntäkiya und allen Küstenplätzen Syriens; da wurden in Lädhi-
qiyya und anderswo Werkstätten für Marmorarbeiten aufgetan".
Nachdem der Entwurf fertiggestellt ist, werden die Bestellungen von Materialien und Ar-
beitern gemacht. Die Schilderung ist eine ausführliche Analogie zu dem inhaltlich und in seiner
Disposition ganz ähnlichen Text der Charta des Dareios von Susa. Die Organisation der Arbeit
ist die auch bei der Erbauung von Baghdad angewandte und durch die Papyri für Ägypten und
Syrien, auch für Madina bestätigte, nämlich Leiturgie, zwangsmäßige, bezahlte Arbeit und
Lieferung. Die Zentralregierung bestellt Handwerker und Materialien aus dem ganzen Reich.
Zuerst arbeiten diese Leute landsmannschaftlich geordnet nebeneinander, nach den Gewohn-
heiten ihrer Heimat. Das schafft durch Ausgleich die Mischung, aus der die frühislamische
Kunst hervorging.
Basra und Baghdad liefern kein Holz, sondern sind nur als die großen Handelsplätze genannt.
Das schon in sasanidischer Zeit viel gebrauchte Teakholz, z. B. a m T ä q i Kisrä, k a m aus
Indien1.
Marmorsäulen wurden in Samarra zu vielen tausenden, m a n kann zehntausenden sagen, ge-
braucht, und an Marmorpflaster m u ß es Quadratkilometer gegeben haben. Alles ist wieder-
benutztes, umgearbeitetes, antikes Material. Die Ausplünderung der syrischen Städte des
Altertums, von denen Antiocheia und Laodikeia nur als Beispiele genannt werden, m u ß ganz
systematisch betrieben sein.
"al-Mu'tasim schied die Quartiere der Türken von denen der übrigen, zivilen Bevölkerung
und siedelte sie ganz abgetrennt von jenen an, damit sie sich nicht mit den Eingeborenen, al-
muwalladin, vermischten; die Leute aus Farghäna waren ihre einzigen Nachbarn".
" D e m Ashnäs und seinen Genossen gab er als Lehen den Ort namens al-Karkh, und gab ihm
auch eine Anzahl von türkischen Offizieren und Mannschaften und befahl ihm, Moscheen und
Bazare zu bauen. — D e m khäqän 'Urtudj und Genossen gab er als Lehen die Gegend u m das
Djausaq al-khäqäni, befahl ihm, seine Leute beisammen zu halten und verbot ihnen, sich unter
die Bevölkerung zu mischen. — Wasif und seine Genossen erhielten die Gegend bei al-Hair,
und er ließ einen ummauerten Park anlegen, namens hä'ir al-hair2, der sehr ausgedehnt war."
1
Nach ibn Khurdädhbih 62 vom Hafen Sindän, noch viele Jahre lang in Baghdad aus Teak-Holz
Sindröt der Thomas-Akten, an der Indus-Mündung dieses Baues gemachte Kästen kaufen, und in
importiert. Tectona grandis wurde schon viel Samarra, besonders in Balkuwärä, wurden soviel
früher gebraucht, assyr. in den Bauinschriften gut erhaltene Balkenstücke gefunden, daß ich
Sanherib's LJsindaia,"Indisches Holz" genannt. Der einige zersägen und daraus Kästen machen ließ, in
N a m e steckt in dem verderbten Soxüv xoa xepocTtov denen ich noch Zeichnungen und Photographien
des Periplus Maris Erythraei § 36. — ap. yakä. — von Samarra aufbewahre.
Nach dem Einsturz des Täq i Kisrä konnte man 2 Vgl. Balädhurls Bericht, unten p. 112.
13 Herzfeld
* 98 *

"Die Lehen der Türken insgesamt und der barbarischen Farghaner lagen fern von den Bazaren
mit ihrem Menschengewühl, hatten breite Straßen, shawäri', und lange Querstraßen, durüb;
niemand sonst lebte bei ihnen in ihren Lehen und Straßen, der mit ihnen verkehrte, weder Kauf-
leute noch andere. D a n n kaufte er ihnen Sklavinnen und verheiratete sie mit diesen, ihnen ver-
bietend, mit irgend w e m von den Eingeborenen, al-muwalladin, sich zu verheiraten oder zu ver-
schwägern, bis ihre Kinder herangewachsen wären, die sich untereinander heiraten sollten.
D e n türkischen Sklavinnen setzte er einen festen Sold aus, ihre N a m e n wurden in den Kanzleien
in Listen eingetragen, und keiner durfte sich von seiner Frau scheiden oder sie verlassen."
"Als al-Mu'tasim Ashnäs d e m Türken a m westlichen Ende der Bauten sein Quartier gegeben
hatte und seinen Genossen ebenda — den Ort nannte er al-Karkh — , befahl er ihm, keinen
fremden Kaufmann oder sonst jemanden als Nachbarn zuzulassen, noch Verkehr mit den Ein-
geborenen zu gestatten. — Einer andren Truppe wies er Lehen oberhalb von Karkh an, nannte
es Dür, und baute ihnen zwischen den Häusern und den Lehen 1 Moscheen und Bäder. A n jedem
Ort ließ er einen kleinen Bazar, suwaiqa, anlegen mit einer Anzahl von Läden von Getreidehänd-
lern, fämiyyün, Schlachtern und dergleichen z u m Leben notwendigen Dingen".
Die Abtrennung der Türken und Farghaner (Soghdier) erfolgte wegen des schlechten Ver-
hältnisses, das in Baghdad zwischen ihnen und den Eingeborenen bestanden hatte. Andererseits
sagt Ya'qübl p. 259 s: "Die Hauptstraßen wurden für die Lehen der khurasanischen Offiziere
und ihrer Genossen von der arabischen Armee, al-djund wa l-shäkiriyya, angelegt, rechts und
links der Hauptstraßen die Querstraßen mit Wohnhäusern der bürgerlichen Bevölkerung ins-
gesamt". Daneben sieht m a n deutlich die Absicht, die Bildung einer Großstadt zu verhindern
und Samarra ein Heerlager, 'askar, im Sinne der frühislamischen Städte wie Küfa und Basra
sein zu lassen.
Das hier mit 'eingeboren' übersetzte muwallad bedeutet eigentlich Kinder, von denen nur einer
des Elternpaares arabischen Stammes ist, und ist der Ursprung von span. mulato2. A n Neger-
mischlinge ist aber nicht gedacht3, sondern an Mischlinge von Arabern, die mit d e m Islam ge-
k o m m e n waren, und solchen schon vorher in den Kulturländern angesiedelten oder Aramäern,
die von den echten Arabern als nabit und djäramiqa, Nabatäer und Garamäer, unterschieden
werden. Dieser Gegensatz tritt in Aghäni 3,45 deutlich zutage, w o jemand über Verse des blinden
Bashshär sagt: "wenn du statt T^=*Ä\ ^1J ö\ gesagt hättest ^-UJli \jC wäre es besser gewesen: das
erste sagen die arabischen Beduinen, das andre die muwalladün". Während sich die in Arabien
gebliebenen Araber immer ihres reinen Blutes rühmen, üben die in jenen Ländern ange-
siedelten gar keine Zurückhaltung. Es ist die Zeit, in der der tiefgehende Unterschied zwischen
den arabischen und den syrischen, irakischen, mesopotamischen Arabern entsteht. Das Ver-
einigende ist die Sprache. Recht früh nimmt das Wort die Bedeutung an "nicht arabisch geboren,
aber unter Arabern aufgewachsen, arabisch sprechend und arabisch erzogen".
Sklavinnen werden oft als muwalladät bezeichnet. Shakla, die Mutter des Ibrahim b. al-Mahdi,
war nach Aghäni 9, 38 eine muwallada, Tochter eines Persers, Genossen eines Mäzyär von
Tabaristan. Qalam, Sklavin des Wäthiq, war nach Aghäni 12, 115s eine muwallada sufrä' d. i.
1
dür und qatä'i', hier scheinbar nicht als Namen 136 als 'zwischen schwarz und weiß', als Mulatten
gebraucht. beschreibt. Der Sänger 'Ath'ath ist ein Mulatte,
2
Vgl. das aktive muwallida, Vorbild von Herodots Sohn eines Negers, und wird al-aswad, der Schwar-
Mylitta. ze benannt, Aghäni 13, 22. Die Sängerin Dufäq
:!
Die Sängerin 'Ubaida heiratet nach ihrer Schei- hat zwei Mulattenjungen, djalläsi, die die Punka,
düng von 'Ali b. Faradj al-Rukhkhadji schließlich al-khaish, den an der Zimmerdecke hängenden
einen Kurb b. abi 1-Khattäb, den sie in Aghäni 9, großen Fächer ziehen, Aghäni n , 99.
* 99 *

gelbe, blonde, und kann griechische meinen. Aghäni 7,31 wird Sufrä', eine Schülerin der'Arib,
muwallada von Basra genannt. Auch Mahbüba, Sklavin des Mutawakkill, Aghäni 19, 134, war
eine muwallada von Basra. A n Mulatten ist in keinem Falle gedacht. Die Übersetzung 'ein-
geboren' ist nur ungefähr richtig: als Gegensatz zu Türken und Farghanern.
Die Geschichte von Samarra wird beherrscht von d e m Antagonismus zwischen Türken, aträk,
Farghanern, faräghina, Maghrebinern, maghäriba, das heißt den Prätorianern, und den regulären
arabischen Truppen, djund und shäkiriyya. Die Farghaner sprechen soghdisch. Unter Maghre-
binern versteht m a n zunächst Marokkaner, Leute aus d e m Westen Nordafrikas. Aber Mas'üdi
7,118 sagt: "al-Mu'tasim stellte Truppen in seinen Dienst, die aus den beiden ägyptischen Häuf
und aus d e m Häuf von Y a m a n und von Qais stammten, und nannte sie [d.h. m a n nannte sie]
al-maghäriba". Aus gleicher Quelle ibn al-Athir 6, 319: "er stellte eine M e n g e von Leuten aus
d e m ägyptischen Häuf in seinen Dienst und nannte sie al-maghäriba, und sammelte Truppen
aus Samarkand, Ushrüsana und Farghäna und nannte sie al-faräghina". Der N a m e maghäriba
stellt diese Truppen also nur den aus d e m Osten kommenden als 'Westländer' gegenüber. Die
Frauen dieser Soldaten werden wie ihre Männer in Stammrollen — eigentlicher Sinn von diwän
— eingetragen, mit festem Sold.
Sold beziehen natürlich auch die Djundiyya, vgl.Aghäniij, 153: "abu Dulafmachte den Dichter
Bakr b. Nattäh, vorher Wegelagerer, zu einem M a n n des djund und ließ ihm ein Regierungs-
tagegeld geben, blLL. \ijj <d J*=-." Diese Armee ist hervorgegangen aus den dienstpflichtigen
Nomadenstämmen der Eroberungszeit. Dabei sind beide Termini persisch: in der Pahlavi-
Literatur entspricht späh u gund1. In von 'Ath'ath gesungenen Versen, Aghäni 13, 32, tritt für
shäkiriyya das synonyme al-i'räb ein, vgl. p.208.
W o einzelne shäkiri erwähnt werden, bedeutet es 'Jäger, Leibwächter', so Aghäni 14, 110,
Geschichte v o m Kauf der Shäriya: "ein Freund des Ibrahim b. al-Mahdi erzählt, als er den
dihliz (Torweg) des 'Abdalwahhäb verließ, sah er eine Frau, die den Schleier herunterzog, und
sein shäkiri sagte ihm: das ist die Mutter der Shäriya". Oder Aghäni 18, 180, Geschichte von
al-Amln und der schönen 'Arib: "ihr erster Besitzer, al-Maräkibi, Admiral desRashid, wird auf
Befehl des A m i n von dessen shäkiri zurückgewiesen, schlägt darauf den shäkiri, der sich beim
Khalifen beschwert".
Die Organisation dieser Truppen ist scheinbar in dieser Epoche: über 10 M a n n steht ein
'ärif, über 100 M a n n ein khalifa oder nä'ib, über 1000 ein qä'id, und über 10 qä'id ein amir2. Da
wäre die aJtpersische Heeresgliederung, wie sie Xenophon in der KyrupaedieVlll,i, 14 schildert.
Der qä'id entspräche d e m hazahrapatis, der amir d e m baivarpatis. Singularisch bedeutet qä'id
'Oberst', pluralisch qawwäd die höheren 'Offiziere'. W e n n korrekt gebraucht, ist qä'id der
militärische Titel im Gegensatz z u m zivilen 'ämil und kätib, Steuereinnehmer-Gouverneur und
Schreiber oder der Untergebene eines amir. amir ist General und Prinz. Die Söhne des Khalifen-

1 adjnäs, darunter al-shäkiriyya, das ist die ge-


Z. B. im Ayätkär e Zarerän. gund ist auf der Alt-
stufe der Sprache nicht vertreten, klingt wie aus ehrteste Kaste, die niemandem Unrecht tun und
Ar. *vrnda, entstanden, aber möglicherweise ak- niemand bedrücken; und darunter eine Kaste die
kadischen Ursprungs: gudüdu, aram. guddä, np. Brahmanen heißt". Also shäkiriyya für die Krie-
ghund, vgl. Nöldeke, 'Mand. Gram.' 75 —shäkiriyya gerkaste, die kiatriya, eine Verwechslung mit
ist nach den Lexikographen Ableitung von pers. sahrig: shahäridja.
cäkir, aber eher ahu\skar-,wovonmp.skar,np.sikär Vgl. aber die niedrigeren Zahlen 9 — 5 0 — 1 0 0
Jagd'. 1001 Nacht, ed. Cairo III, 2, N . 541, Sind- während der Verhandlungen der Türken mit
bäd: "Ich fragte die Inder nach ihrem Lande. al-Muhtadi, unten, Menschen p. 257.
Sie erzählten, sie wären verschiedene Kasten,
13*
* 100 *

hauses, auch z. B. der Tähiriden, werden von Kindheit an amir angeredet. Sonst ist der Titel
militärisch, so in der obigen Erzählung von d e m Zettel mit Versen des abu l-'Atähiya.
Ashnäs und seinen Ort Karkh, heute Ishnäs, und khäqän 'Urtudj und das Djausaq kennen wir
schon. Zur Zeit des Muhtadi war das dar Ashnäs in eine Moschee umgewandelt, in der die
Truppen von Karkh ihre Versammlungen abhielten; das Ruinenfeld läßt den Ort deutlich er-
kennen. Wasif's ursprünglicher Ort heißt al-Hair1, das ist der Stadtteil zwischen d e m Djausaq,
der Großen Moschee des Zvlutawakkil und der heutigen Stadt Samarra. Als Afshln Bäbak als Ge-
fangenen nach Samarra in seinen Palast in Matira, heute Djubairiyya, gebracht hatte, Tabari III,
I 2 2 9 — 3 0 , ritt al-Mu'tasim nachts aus d e m Djausaq dorthin "durch al-Hair auf d e m W e g e bain
al-hä'itain, zwischen den zwei Mauern", nämlich zwei Grenzmauern des Parks von Hair (siehe
'Menschen' p. 142). Yäqüt spricht II, 375 von einem qasr al-Hair "war in Samarra ein Schloß,
für dessen Bau al-Mutawakkil 4000000 Dirham ausgegeben hatte; al-Musta'In schenkte es seinem
Wezir A h m a d b. al-Khasib z u m Abbruch". Dasselbe sagt er III, 246 von den Schlössern Shäh
und 'Arüs; die Quelle ist fraglich, und ein qasr al-Hair wird sonst nicht erwähnt.
Dagegen k o m m t das bäb al-Hair wiederholt vor. So kann jedes in den Hair (Tiergarten)
führende Tor heißen, und in der Erzählung von der Ermordung des Sälih b. Wasif ('Menschen'
p. 259) ist es das Tor an der Südost-Ecke der Großen Moschee, in den Ruinen deutlich wahr-
zunehmen. Sonst immer das Osttor des Djausaq, das sich auf den Hair öffnet. So in dem Bericht
des Sa'Id al-saghir über die Bewegungen in der Nacht, da al-Mutawakkil ermordet wurde, vgl.
''Menschen' p. 213, Tabari III, 1472SS. Sa'Id war a m Tage der Mordnacht mit al-Muntasir imdär
(Palast al-Dja'fari) und beobachtete, wie al-Fath b. Khäqän den Prinzen während des ganzen
Tages nicht aus den Augen läßt. Das ist vor der üblen Szene zv/ischen al-Mutawakkil und
al-Muntasir, nach der al-Muntasir den Khalifen verläßt. Sa'Id ist bei der Szene nicht anwesend,
sondern unter d e m Gefolge, das in Vorräumen wartet. Beim Fortgang aber begleitet er den
Thronfolger. "Als sie zu d e m dar des Muntasir gekommen waren", läßt dieser seine Gesell-
schafter und Freunde rufen — die dort wohnen — und empfängt sie, während die Türken den
verabredeten M o r d ausführen. Dies dar des Muntasir ist — nach den andren Berichten — inner-
halb des Dja'fari-Palastes. Sa'Id ist wieder nicht bei der Gesellschaft, sondern wird durch Boten
geholt: "es seien Boten v o m Khalifen gekommen, und al-Muntasir sei im Begriff auszureiten".
Sa'Id reitet darauf eiligst und bewaffnet hin. A m bäb al-amir, das heißt, vor d e m Tor des dar des
Muntasir im Dja'fari,findeter ein großes Gewühl: Wädjan hatte die Nachricht gebracht, der
Befehl sei ausgeführt, und al-Muntasir war fortgeritten, das heißt v o m Dja'fari weg. Sa'Id holt
ihn "in irgend einer Gasse, tariq" ein, und sie reiten weiter, bis sie nach Hair hineinkommen,
das heißt z u m bäb al-Hair des Djausaq. Die Nachricht von d e m M o r d hat sich verbreitet, und
alle Tore sind militärisch besetzt. D a n n folgt die erste Huldigung der Anwesenden und al-
Mu'tazz und al-Mu'ayyad werden gerufen. Sa'Id schildert seinen nächtlichen Ritt z u m Palast
des Mu'tazz, d.i. Balkuwärä, und den Rückweg, bei d e m er die belebte Hauptstraße, die Saridja,
vermeidet, — die z u m bäb al-'ämma des Djausaq führen würde — , und so schließlich mit al-
Mu'tazz an d e m verschlossenen bäb al-Hair ankommt, das erst auf Legitimation geöffnet wird.
D a n n huldigen al-Mu'tazz und al-Mu'ayyad. Unterdessen graut der Morgen, und alle reiten
z u m Dja'fari, zur Beerdigung des Mutawakkil. Der Schauplatz ist das Dja'fari im Norden, das
Djausaq in der Mitte, und Balkuwärä im Süden. Sie müssen alle sehr scharf geritten sein, u m
diese Entfernungen in einer Nacht zurückzulegen.
Als M ü s ä b. Bogha aus Ray zurückkehrt, nach der Ermordung des Mu'tazz, zieht er
1
D. i. 'Einzäunung, town', etymologisch mit Hira Yäqüt II, 375: "als wäre es aus al-hä'ir gekürzt".
verwandt und synonym von hazira 'sepimentum'. Vgl. Enzych Isl. s. v. Hair.
* 101 *
mit seinen Truppen in Schlachtordnung ein, von Süden, und k o m m t beim bäb al-Hair an,
jji~)J\ j*&i ^^\ j»_ UU jX\ tjls Jl. Ein andres Mal, Tab. III, 1804, reitet er v o m Palast des
Khalifen z u m bäb al-Hair hinaus, "das v o m Djausaq gegen die qatä'i' und Karkh hin liegt"1. In
allen diesen Fällen ist das bäb al-Hair das Osttor des Djausaq.
Die N a m e n Karkh und Dür sind nicht von al-Mu'tasim gegeben, sondern vorislamisch: ein
amtlicher Erlaß, der diese N a m e n bestätigte, ist sicher nicht gemeint; es ist eine unlogische Aus-
drucksweise, die sich ebenso in der Pahlavi-Literatur, z. B. den Shahr. Er.findet.D a ß Ashnäs
Karkh erhielt, berichtet wie oben erwähnt auch Balädhuri. Hier wird Karkh als 'westliches'
Ende der Stadt — wir würden eher nördliches sagen — zu Mu'tasims Zeit bezeichnet. M a n sagt,
wenn m a n von Samarra nach Mausil reist, gharraba 'Westen', wenn nach Baghdad, sharraqa
'Osten'2. Unter den qatä'i' ist hier das Gelände zwischen Karkh und Djausaq verstanden. D ü r
ist D ü r 'Arabäyä, Karkh ist Karkh Fairüz.
" D e m Afshin Khaidhar b. Kä'üs von Usrüshana gab al-Mu'tasim ein Lehen a m östlichen
[bezw. südlichen] Ende der Bauten, in 2 Farsakh Entfernung3 — er nannte den Ort al-Matira —
und wies dessen Genossen, den Usrüshanern und andren, die ihm unterstellt waren, Lehen u m
den Palast herum an, und befahl ihm, dort einen kleinen Bazar mit Kaufläden für den Bedarf an
allen notwendigen Dingen, und Moscheen und Bäder zu bauen. — al-Hasan b. Sahl erhielt sein
Lehen zwischen d e m Ende der Bazare — dies Ende war der Hügel, djabal, auf dem später der
Pfahl des Bäbak, khashabat Bäbak stand — und zwischen al-Matira, d e m Ort des Lehens des
Afshin. Dort stand damals kein einziges Gebäude. D a n n entstanden Bauten ringsum, so daß
das Lehen des Hasan b. Sahl die Mitte von Surra m a n rä'a wurde. Die Gebäude, die die Leute
errichteten, erstreckten sich in allen Richtungen, und das bebaute Gebiet reichte bis al-Matira."
Über Afshin, den Besieger des Bäbak, eine der merkwürdigsten Gestalten unter den Großen von
Samarra, siehe unten unter'Menschen' pp. 138 ss. al-Matira, von ibn Serapion bei der Bestimmung
der Köpfe der drei Qätüle benutzt, und von Yäqüt beim Suchen des Platzes für die Stadt-
gründung erwähnt, ist der ganze Stadtteil südlich von al-Hair oder von der heutigen Stadt. Wei-
ter südlich lag nur noch Balkuwärä. V o m Palast des Afshin in Matira sprechen auch Tabari und
Balädhuri wiederholt. Die Ruinen heißen heute Djubairiyya. Nach Aghäni 17. 126 hatte der
Dichter 'Abdallah b. al-'Abbäs al-Rabi'I ein Haus in Matira; nach 19,118 und 123 auch Ibrahim
b. al-Mudabbir eines a m Fluß, mit einem Garten, bustän, w o ihn die Sängerin 'Arib besuchte.
Das Ufer ist dort hoch und bietet eine schöne Aussicht über das Tigristal. Unter al-Wäthiq er-
hielt Waslf, vorher in Hair, den Palast des Afshin in Matira: unter al-Mutawakkil wohnte al-
Mu'ayyad darin. Die Entfernungsangabe, 2 Farsakh, wenn auf den Abstand von dem vorher er-
wähnten D ü r und Karkh bezogen, wäre etwas zu kurz: mindestens 14 k m oder2,5Farsakh; auf
den tatsächlichen Nordpunkt, den teil al-Wazir bezogen liegt Djubairiyya (Matira) genau 11 k m
entfernt.
al-Hasan b. Sahl war vor 198 Gouverneur von Yaman, Mekka und Madina gewesen, dann von
ganz Khuräsän, und folgte 202 seinem Bruder al-Fadl als Wezir des Ma'mün, der seine Tochter
Börän heiratete, die berühmte 'da'wat al-Isläm' in F a m al-Silh.
Hasan hatte auch einen Palast in Baghdad, Quartier al-Mukharrim, in dem al-Musta'in 252,
nach seiner Flucht nach Baghdad, W o h n u n g nahm, Tabari III, 1646, siehe 'Menschen' p. 239. Er
1
Arabische Ortsbeschreibungen sind leider meist aufgefaßt wird. Die gleiche Orientierung schon bei
unscharf und ohne Kenntnis des Lokals schwer Plinius, der das linke Tigrisufer septentrio, das
verständlich: j* ^\Lä\ J. ^JÜI _-.l\ ol ^ r_^ ^» rechte meridies nennt.
3
rf\} j-^i-l. u km. — Nach Ya'qübi 265: 4 Farsakh von Dür
2
Weil die qibla, die Richtung nach Mekka, als Süden bis Balkuwärä. Auch Matira hieß schon vorher so.
* 102 *

starb verschuldet a m i. oder a m fünftletzten dhu 1-hidjdja 236 (5. V I .oder 2. VII. 851), Tabari
III, 1406.
Sein Palast in Samarra lag "zwischen d e m Ende der Bazare", das meint das Südende des
Großen Bazars, das sich in den Ruinen markiert, unweit nördlich der heutigen Stadt, und
"zwischen al-Matira". Das Bazarende ist zugleich der 'Hügel' — Tabari nennt das in der Er-
zählung von Bäbak 'aqaba — mit d e m 'Pfahl des Bäbak'. 'aqaba bedeutet eine starke Steigung,
so in den N a m e n der Pässe 'aqabat Hulwän, 'aqabat Hamadhän, Quartier 'aqaba in Aleppo und
sonst. In Samarra kann das nur sein, was heute shari'a genannt wird: recht steile Einschnitte,
teils natürlich, teils künstlich, durch die m a n v o m Fluß zu d e m etwa 18 m höheren Stadtgelände
heraufsteigt. Balädhuri 340, Hinrichtung des Mäyazdyär: "er wurde in Surra m a n rä'a neben
Bäbak al-khurrami gekreuzigt, auf der 'aqaba gegenüber1 d e m madjlis al-shurta "dem großen
Polizeiamt". Ebenso Tabari, beim Ende des Muhtadi: "er irrt in der Stadt herum, jenseit (vom
Djausaq aus) der khashabat Bäbak und tritt in das dar abi Sälih ein, damals von A h m a d b. Dju-
mail, sähib al-shurta, bewohnt"; der Polizeioberst wohnt neben seinem A m t , und der Hinrich-
tungsplatz ist dicht dabei. Hinrichtungen fanden in Baghdad und Samarra öfters an den
Brücken statt, und die Brücke von Samarra lag etwa 100 m nördlich der heutigen. So ergibt
sich die heutige shari'at al-nasriyya als die 'aqaba a m djabal mit der khashabat Bäbak2.
In diesem Abschnitt sind mehrere Bäder erwähnt. In d e m Bande 'Malereien von Samarra'
war davon gesprochen, daß die Ruinen der Bäder sich schon an der Oberfläche durch viel Asche
und Malereireste abzeichnen. Malereien in Bädern haben einen manichäischen Hintergrund.
D a ß m a n gerade Bäder bemalte, bestätigen die 1001 Nacht, ed.Cair. IV, 158, Geschichte von abu
Qir und abu Sir: "dann baute er ein h a m m ä m , das seinesgleichen nicht hatte und ließ es bemalen,
und es wurde mit wunderbaren Gemälden bemalt".

In der nun folgenden genauen Beschreibung der fünf Hauptstraßen von Samarra schildert
Ya'qübl den Zustand in der Zeit des Mutawakkil.
"Die Hauptstraße namens al-saridja, das ist die shäri' al-a'zam, erstreckt sich von al-Matira
bis zu d e m wädl, das heute Ishäq b. Ibrahim heißt, weil Ishäq b. Ibrahim unter al-Mutawakkil
aus seinem Quartier dahin umzog und a m oberen Ende des wädl ausgedehnte Bauten errichtete.
D a n n das Lehen des Ishäq b. Yahyä b. Mu'ädh. D a n n k o m m e n zusammenhängende Lehen der
bürgerlichen Bevölkerung rechts und links an dieser shäri' al-a'zam und den Querstraßen
beiderseits; auf der einen Seite laufen sie bis zu der (parallelen) Straße namens abi Ahmad, d. i.
abu A h m a d b. al-Rashid, auf der andren bis z u m Tigris und den an ihm gelegenen Teilen. Diese
Lehen setzen sich fort bis z u m Hauptfinanzamt, diwän al-kharädj al-a'zam, das an dieser großen
Straße liegt. A n ihr liegen ferner Lehen der Offiziere aus Khuräsän, darunter das Lehen des
Häshim b. Banidjür, das des 'Udjaif b. 'Anbasa, das des Hasan b. 'Ali al-Ma'münl, das des
Härün b. Nu'aim und das des Hizäm b. Ghälib; im Rücken des Lehens des Hizäm waren die
Marställe, istablät, für die Pferde des Khalifen, persönliche und staatliche, khässiyya und 'äm-
miyya, deren Aufseher Hizäm und sein Bruder Ya'qüb waren. Ferner die Plätze der Futter-
händler, rattäbin, und der Sklavenmarkt, süq al-raqiq, in einem Quadrangel, murabba'a, mit ver-
zweigten Gängen, und den Schlafzimmern, hudjar, Wohnräumen, ghuraf, und Läden, hawänit
für die Sklaven. Dann das Polizeiamt, madjlis al-shurat, das große Gefängnis, Iiabs, und bürger-
liche Wohnhäuser. In den Bazaren dieser Hauptstraße, zu beiden Seiten, gibt es Beispiele aller
1
*_,^, d. i. 'wo m a n vor sich sieht', vis-a-vis. berüchtigtes Viertel al-Qibt, 'die Kopten' sein,
2
Der moderne N a m e wird interpretiert als 'einst nahe d e m Hinrichtungsplatze.
von Christen bewohnt'. Das konnte ein Übel
* 103 *

Handels- und Handwerkserzeugnisse. So geht es fort bis z u m Pfahl des Bäbak, khashabat Bäbak.
D a n n der Große Bazar, al-süq al-'uzmä', in dem es keine Wohnhäuser gibt, und w o jeder Handels-
zweig getrennt ist und keine Händlergattung sich mit andren vermengt. — D a n n die alte Moschee
(in der immer der Freitagsgottesdienst abgehalten wurde, bis sie unter der Regierung des Muta-
wakkil für die Bevölkerung zu eng wurde, so daß er sie abreißen und eine geräumige Haupt-
moschee an der Seite von al-FIair erbauen ließ); die Hauptmoschee und die Bazare auf der einen
Seite, auf der andren die Quartiere und Wohnhäuser der Bevölkerung und Bazare von Verkäufern
niedriger Dinge, wie Limonaden, Hackfleisch, Getränken, fuqqä', harä'is, sharäb. U n d das
Lehen des Räshid al-maghrabi, das des Mubarak al-maghrabl, der kleine Bazar, suwaiqa, des
Mubarak, der Hügel des Dja'far [ibn] al-Khayyät, auf dem das Lehen des Dja'far war. — D a n n
das Lehen des abu 1-Wazir, dann das des 'Abbäs b. 'AH b. al-Mahdi und das des 'Abdalwahhäb
b. 'All b. al-Mahdi. U n d die Hauptstraße läuft weiter, mit Quartieren der Bevölkerung, bis zum
Palast des Härün b. al-Mu'tasim, d. i. al-Wäthiq neben d e m dar al-'ämma: in diesem Palast
wohnte Yahyä b. al-Aktham unter der Regierung des Mutawakkil, als der ihn zum qädi al-qudät
gemacht hatte. — D a n n das bäb al-'ämma und der Palast des Khalifen, dar al-khalifa, das ist das
dar al-'ämma, in dem er Montags und Donnerstags Sitzungen abhält. D a n n die Schatzkammern,
khäzä'in, persönliche und staatliche, dann das Lehen des Masrür Samäna, des Eunuchen, al-
khädim, Verwalters der Schatzhäuser. D a n n das Lehen des Eunuchen Qarqäs, eines Khura-
saners; dann das des Eunuchen Thäbit; dann das des abu 1-Dja'fä' und der übrigen großen
Eunuchen".
Der N a m e der großen Straße, saridja1 wird sonst nur einmal bei Tabari erwähnt: bei einem
Aufstand läßt Waslf die Naphtha-Werfer feuern, ein Teil des Bazars in der saridja brennt ab, beim
Quartier des Ishäq, also jedenfalls Ishäq b. Ibrahim, nach dem das wädl heißt. Die saridja ist die
einzige durch die ganze Länge von Samarra laufende Straße, 32,5 k m (6 Farsakh) lang und fast
überall deutlich zu erkennen, bis auf die Strecke südlich von Karkh, w o sie scheinbar das Flußtal
schnitt. Mutawakkil verlängerte sie bei der Erbauung der Nordstadt, dort ist sie 200 Ellen,
103,5 m breit. (Die Straße "Unter den Linden" in Berlin ist 6 0 m breit.) Die Regelmäßigkeit
der Querstraßen und die große Breite im Süden, nämlich 100 Ellen, zeigen, daß auch die letzten,
nach Balkuwärä führenden 4 k m der Straße aus der Zeit des Mutawakkil stammen; Ya'qübl be-
schreibt hier diese Verlängerungen nicht, sondern legt den Zustand der Zeit des Mu'tasim und
des Wäthiq zugrunde, größere Änderungen unter al-Mutawakkil nur anmerkend. Seine Be-
schreibung beginnt so bei d e m älteren Südende, al-Matira, heute Djubairiyya. Auf dem schon
1913 gedruckten Plan habe ich das wädl Ishäq b. Ibrahim mit d e m nördlich von Djubairiyya
verlaufenden wädi al-muhh2 gleichgesetzt; heute würde ich das südlich von Matira mündende,
aber östlich beginnende wädi al-näzüz {oder nazüz?) vorziehen. Von den an der saridja gelegenen
Punkten sind schon bekannt:
1. Aus der Angabe über die Lage des Palastes des Hasan b. Sahl die khashabat Bäbak a m Süd-
ende des Großen Bazars, 'Mitte des (alten) Samarra' genannt,d.i. der Südstadt ohne Balkuwärä,
zu bestimmen bei der heutigen shari'at al-Nasriyya, ca. 500 m N W der heutigen Stadt. Ya'qübi's
Worte "die Hauptmoschee und die Bazare auf der einen Seite" beziehen sich auf die alte, von
al-Mutawakkil abgerissene Moschee des Mu'tasim; die Bemerkung über den Neubau desMuta-
1
Bei Tabari III, 1511 ohne Punkte geschrieben, auch , ^ -^ j, ? ^ pddcr bezeichnen> auf denen
bei Ya'qübl, kit. al-buldän p. 260, aber 261 mit dj, ^ n ^ fcbiya Bohntn> phaseoiU5> pflanzt. Vgl.
also wahrscheinlich saridja. D e Goeje verweist
auf den süq al-saridja in Damaskus, v. Kremer. wädi muhaih nördlich von Assur und ß .
Topographie 14 (II, 19); Bedeutung dunkel.
* 104 *

wakkil ist eine Parenthese. M a n sieht, daß die Hauptmoschee in der gleichen Gegend der Stadt,
nur i k m landeinwärts verschoben wurde. Die Läden der Verkäufer 'niedriger, duniyya', d. h.
billiger, zugleich weltlicher und verachteter Dinge, liegen sehr nahe der Gr. Moschee. Es sind
nicht gerade Weinkneipen, von denen es viele gab (hänät), und die in schlechtem Rufe und
unter Polizeiaufsicht standen.
2. Der Palast des Härün al-Wäthiq, d. i. al-Härüni "neben d e m dar al-'ämma", d. i. südlich
an das bait al-khalifa anstoßend. Die Ruinen sind ein Rechteck von 360X475 m : unten mehr
über seine Beschreibung.
3. Das hier einfach als dar al-khalifa bezeichnete djausaq al-khäqäni. Nach dieser Schilderung
lief die saridja vor den Westfronten des härüni und djausaq vorbei; beide lagen a m Strom, beim
härüni ausdrücklich bemerkt, beim djausaq z. B. in der Erzählung von der Kahnfahrt des
Mu'tasim kurz vor seinem Tode vorausgesetzt, Tabari III, 1323. — I m Flußtal, vor der Frei-
treppe des bäb al-'ämma, dehnte sich der bustän al-khäqäni aus, ein Dreieck, Ostseite 1000, Nord-
seite 625 m . V o n seinem Ankauf durch abu 1-Wazir war oben die Rede. Bei Tabari III, 1694
wird er nochmals erwähnt, w o Bogha, vor seiner Ermordung, von einem Punkt nördlich der
Brücke von Samarra dorthin geht. Die saridja durchschnitt also das Gelände dieses Gartens.
M a n sieht, wie sie in einem künstlichen Einschnitt vor d e m härüni hinabsteigt und in dem als
Kasernen (masäff?) zu bestimmenden Teil des Djausaq wieder aufsteigt und das Palastgebiet
durch das dortige Nordtor verläßt. Die Strecke ist etwa 1400 m lang. Ya'qübl drückt sich ganz
genau aus: nach d e m härüni erwähnt er an der Straße erst das bäb al-'ämma als das Haupttor des
Palastes, die noch heute anstehende, bait al-khalifa genannte Torruine. Auch bei Tabari III, 1503
liegt dies Tor nahe beim härüni. Für den ganzen Palast gebraucht Ya'qübl dar al-khalifa —
oben aber dar al-sultän, genannt dar al-'ämma — , erklärt als dar al-'ämma 'öffentlicher Palast',
d. i. sarai, pers. birün. Der Ausdruck schließt ein, daß es das Gegenstück, ein dar al-khässä gab.
Dies erwähnt Tabari III, 1489 bei der Abdankung des Mu'tazz und Mu'ayyad: "alle die im dar
al-'ämma und im dar al-khässa waren" 1 , identisch mit Harem. So wohnt Qablha, die Mutter des
Mu'tazz, mit ihrer Tochter im Harem des Djausaq, Tabari III, 1709SS, undfliehtdurch einen
unterirdischen Gang, von denen der Palast viele hat. Nach Shäbushti2 hatte sie ein dar an dem
al-kämil 'der Vollkommene' genannten Hofe des Djausaq entworfen, das al-Mu'tazz ausführen
ließ: W ä n d e und Decken waren ganz mit Gemälden bedeckt. Das ist der Kuppelsaal an der Süd-
seite des Hofes zwischen Thronsälen und Harem, in d e m die Gemälde gefunden wurden. —
Nach Aghäni 7, 31 wies al-Mu'tasim der Sängerin Mutayyam ein vorläufiges Quartier im dar
al-Dimishqi, d e m 'Damaskener Hause' innerhalb des Djausaq an. Innerhalb lag auch das für
Afshin gebaute, einem Minaret gleichende Gefängnis al-lu'lu'a 'die Perle'3. Ein andrer Teil des
Djausaq, den Ya'qübl besonders erwähnt, sind die khazä'in, Schatz- oder Zeughäuser. Sie werden
auf das Tor folgend an der Straße genannt, lagen danach im nördlichen Teil. Es folgt das noch
innerhalb oder schon außerhalb gelegene Quartier ihres Verwalters Masrür Samäna. Die khazä'in
sind die durch ihre besonders starken Mauern, m a n kann sagen Festungsmauern, kenntlichen
Ruinen im nördlichen Streifen des Djausaq. Ya'qübl hatte sie (oben) als bait dl-mäl erwähnt,
ebenso sagt Tabari III, 1360: Diebe brachen durch einen unterirdischen Gang in das bait al-mäl
1 2
Gleich dar al-huram, Aghäni 9, 53; qasr al-haram Sachau p. 34, s. — Die Gemälde in Bd. III, Taf.
12, 136; pers. andarün. dar al-'ämma und al- 1—50.
khässä können auch die Bedeutung von madjlis 8 Tabari III, 1307 und 1314. Nach Mas'üdi 7, 365
al-'ämma und al-khässa 'öffentliche und private wären auch Mu'tazz und Mu'ayyad darin gefangen
Sitzungen, Empfangssäle' annehmen, vgl. ibn gewesen; Mas'üdi nennt es im Unterschied zu
Khaldün Proleg. II, p. 17 u. 115. einer lu'lu'a in Dja'fariyya Iwlu'at al-djausaq.
Tafel XII

a Balkuwärä, Blick vom mittleren Ehrenhof auf das Westviertel

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b Balkuwärä, Blick vom SO-Hof des Mittelteils auf den Bogen des Thronsaals
* 105 *
ein, "das im dar al-'ämma innerhalb, fi djauf, des Djausaq" lag. Das Sarai ist ein Teil, der Djausaq
die größere Einheit. Die Arsenale im südlichen Streifen werden bei Tabari III, 1503 s bei den
Unruhen genannt, die sich während der Eidesleistung an al-Musta'In ereignen: durch das bäb
al-'ämma eingedrungene Plebs plündert die Waffen dieser Zeughäuser und zieht dann vor das
südlich anstoßende härüni. — Die Erzählung von Ishäq b. Ibrahim und al-Mu'tasim, Tabari III,
1326SS, siehe'Menschen' p. 153, spricht von d e m Bade des Djausaq und d e m maidän, dem Polo-
grund. Das Bad ist ausgegraben, der 518x65 m (1000x125 Ellen) lange Poloplatz liegt an der
Ostseite.
Die zwei großen Tore, bäb al-'ämma und al-hair, West und Ost, sind bereits besprochen. Das
bäb al-bustän, bei d e m die zweite Hauptstraße von Samarra endete, ist auf der Südseite zu suchen.
al-Musta'In geht v o m härüni auf d e m W e g über das 'umari, zwischen den Gärten, bain al-basätin,
in den Djausaq, Tabari III, 1503. Das kann nicht der bustän al-khäqäni im Flußtal sein, sondern
m u ß auf d e m hohen Ufer liegen, auf der Südseite.
Bei Tabari III, 1823 s verläßt al-Muhtadi den Djausaq "an der Seite des bäb al-nizäla",
während auf der andren Seite, der des qasr al-ahmqy (Harem), die türkischen maula herein-
kommen. Die Lage ist analog der bei der Huldigung an al-Musta'In, Tab. III, 1403s: während
auf der Nordseite des Djausaq sich ein Aufstand abspielt, verläßt der Khalife den Palast auf der
Seite des bäb al-'ämma, nach d e m härüni gehend, in dem er wohnte. Die türkischen maulä und
andre, die gehuldigt haben, gehen "auf der Seite des 'Umari und der Gärten fort", nazala heißt
'absteigen', nämlich von seinem Reittier, dann einkehren, Quartier nehmen. Ich möchte den
N a m e n als 'Absteigetor' deuten. M a n darf in Paläste und in Heiligtümer nur bis zu einem be-
stimmten äußeren Punkte hineinreiten: daher die Ketten in den Toren, gegen Reiter, nicht Fuß-
gänger1. Der Punkt wäre wahrscheinlich, w o die Straße in den bustän al-khäqäni eintritt. Das
oben genannte qasr al-ahmar 'rotes Schloß' wird mehrmals in der Geschichte des Muhtadi
erwähnt. Danachjag_es_ nahe „beim bäb al-Hair, im Südosten des Djausaq, Tabari III, 1787:
M ü s ä b. Bogha k o m m t und lagert mit seinem Heer vor dem bäb al-Hair, JJ_ \£, a m Djausaq und
qasr al-ahmar. D a n n bringt (III, 1791) eine Türkin, die nahe beim qasr al-ahmar wohnt, dem
Eunuchen und Flaremsvorsteher Käfür einen Brief des verschwundenen Sälih b. Waslf. Qasr
al-ahmar ist danach ein Sondername für „den Harem des. Djausaq.,^ Fast unverständlich ist, weil
alle N a m e n bis auf'bäb al-'ämma' hapax sind, Tabaris Bericht von den Bewegungen des Muhtadi,
III 1821: Vor seiner Gefangennahme geht der Khalif v o m Djausaq durch das bäb al-masäff
(Reihentor oder der Soldaten-Quartiere?) und durch das Itäkh genannte Tor zur suwaiqat
Masrür, dann in den darb al-Wäthiq, und k o m m t so "heraus z u m (oder nach dem?) bäb al-
'ämma", und befindet sich in der weiteren Erzählung weit südlich davon beim diwän al-diyä',
der shurta und der khashabat Bäbak.
I m Djausaq-ygohnte al-MuTasim. al-Wäthiq zog sein härüni vor, ebenso al-Mutawakkil, bis
er Dja'fariyya baute. D e n Djausaq gab er seinem Sohn al-Muntasir, w o dieser auch in der Mord-
nacht war, und wohin er als Khalife nach 10 Tagen wieder zurückkehrte. Auch al-Musta'In lebte
darin. Das "qasr al-muhdath in Samarra", bei Tabari III, 1498, ist der renovierte Djausaq; auch
1
Von Aleppo sagt ibn Shaddäd: "Zähir Ghäzi baute tor bis zum siebenten dihliz, das ist der Ort, wo nie-
vor d e m dar al-'adl (Palais de Justice) eine Mauer mand zu Pferde eintreten darf, weil er nahe beim
mit zwei Toren, eine gegen Süden, durch welche König ist. D a stieg derWezir ab und ging zu Fuß
niemand zu Pferd reiten durfte, außer Zähir selbst, weiter bis zu einem hohen iwän, und vor dem
d e m Gründer". U n d 1001 Nacht, Cair. I, 183, Hintergrund dieses iwän stand ein marmorner
N . 107 (cÄshiq u. Ma'shüq): "bis sie z u m Schloß Thron usw."
des Königs kamen und eintraten, durch das Schloß-
H HerzfeW
* io6 *

das qasr, al-dja'fari al-muhdath, in d e m nach Tabari III, i486 der Verzicht des Mu'tazz und des
Mu'ayyad ausgesprochen wird, kann d e m D a t u m nach nicht das damals schon verlassene und
halb abgerissene Dja'fari sein und ist eben der djausaq al-muhdath. Alle Nachfolger residierten
darin, bis ganz zuletzt, w o al-Mu'tamid das qasr al-ma'shüq auf d e m Westufer bezog.
Alle zwischen Matira und khashabat Bäbak aufgeführten Lehen, von d e m des Ishäq b. Yahyä
b. Mu'ädh bis z u m großen Gefängnis, sind also südlich der heutigen Stadt, oder der shari'at
al-Nasriyya zu suchen; alle folgenden, von d e m des Räshid al-maghrabi bis zu denen der zwei
Enkel des Mahdl, nördlich davon. Es wird sich noch zeigen, daß die Lehen der beiden Maghre-
biner unweit der Brücke, djisr, von Samarra lagen und diese etwas nördlicher als die moderne
Brücke. Die Lehen der Eunuchen lagen im Stadtteil nördlich des Djausaq.
Öffentliche Gebäude an der saridja sind: der diwän al-kharädj al-a'zam, das Hauptfinanzamt,
und. das madjlis al-shurat, das Polizeipräsidium. Dicht dabei lag der diwän al-diyä', das D o m ä -
nenamt. Das erste erscheint auch in der Schilderung der zweiten Straße, ging also durch die
ganze Tiefe durch, diwän (pers.) bedeutet Kanzlei, Rechnungshof, Staatsamt. UJ^exjhVy£r=^
schiedenen Diwane und ihre Geschichte siehe A. v. Kremer, Cidturgeschichte I. In der Samarra-
zeit werden wiederholt erwähnt:
1. diwän al-tauqi', älter al-khätim : das Siegelamt, die Kabinettskanzlei des Khalifen.
2. diwän al-kharädj, eigentlich Grundsteueramt, dann allgemein Finanzministerium, ein
A m t der 'Einnahmen', denen ein selten erwähntes A m t der 'Ausgaben' al-nafaqät gegenüber-
zustehen scheint.
3. diwän al-diyä', Domänenkanzlei, eine sehr große Verwaltung, besonders im Träq, der unter
'Umar in seiner ganzen Ausdehnung zur Krondomäne gemacht war.
4. diwän al-zimam oder al-azimma, Buchhaltungsamt, eine Art Oberrechnungskammer, al-
Mahdi hatte solche Kontrollkammern bei allen Zentralbehörden eingeführt. Sie scheinen dann
vereinigt worden zu sein.
5. diwän al-djund wa l-shäkiriyya, Kanzlei für die arabischen Truppen und Garden; ein mili-
tärisches Finanzamt, kein Kriegsministerium, woran der gelegentlich gebrauchte Ausdruck al-
harb erinnert. Scheint in Aghäni 18, 179 unter d e m N a m e n diwän al-fard gemeint zu sein.
6. diwän djaish al-aträk, nur in Samarra vorkommend, die entsprechende Behörde für die
türkischen Truppen, wohl alle nicht-arabischen einschließend.
7. diwän al-mawäli wa l-ghilmän, Kanzlei der Klienten und Sklaven, nämlich der hashimidischen
Familie, die alle wie die Hashimiden selbst Gehalt bezogen.
8. nazar al-mazälim, ein Oberappellationsgericht unter d e m Vorsitz des Khalifen, höchste
Justizbehörde, verwaltet v o m qädl al-qudät, später dar al-'adl genannt.
9. madjlis al shurta, das Polizeiamt, unter d e m sähib al-shurta; über die Bedeutung dieses
wichtigsten Amtes handelt ibn Khaldün, Proleg. I, 452. Selten wird eine shurta al-'ämma und
al-khässa, die des Khalifen und die öffentliche, unterschieden. Die Markt- und Sittenpolizei, hisba,
gelegentlich ma'üna, ma'äwin genannt, untersteht diesem A m t . Vielleicht leitete der sähib al-
shurta auch die Rekrutierung der Armee, was das Wort al-ilidäth anzudeuten scheint. Der
sähib al-shurta ist der Vollstrecker der Haftbefehle und Strafen.
10. diwän al-barid oder der akhbär, die Post, ein organisiertes politisches Nachrichtenwesen zur
Kontrolle der Provinzbehörden — so in Iran bis zur Zeit Muzaffar al-dln Shähs, w o die Tele-
graphenbeamten meist Qadjarenprinzen waren. In zweiter Linie eine auf staatliche Korrespon-
denz beschränkte Post, die aber auch amtliche Personen und Güter beförderte. r$ V ^
Die meisten Personen, deren Lehen Ya'qübl an der ersten Straße nennt, treten wiederholt in
der Geschichte von Samarra auf, daher hier eine kurze Orientierung übeKsie.
* 107 *

Ishäq b. Ibrahim b. Mus'ab b. Zuraiq ist eine der anziehendsten und bedeutendsten Persönlich-
keiten der Zeit. Sein Vater Ibrahim war ein Bruder des Tähir I, und so wird er öfters, etwas
ungenau 'al-Tähiri' genannt. Das ist das bekannte Geschlecht, das m a n als erste erbliche Dyna-
stie in Khurasan ansehen kann. Als 'Abdallah b. Tähir im Jahr 206 als Nachfolger seines Vaters
mit ganz Khurasan belehnt wurde — vorher hatte er, mit d e m Sitz in Raqqa, ganz Syrien und die
Djazira, aber auch Ämter in Baghdad gehabt — , setzte er seinen Vetter Ishäq als seinen Stell-
vertreter in Baghdad ein, vgl. kit. Baghdad p. 16,6i( ?). al-Mu'tasim gab ihm die shurta, dazu die
Provinz Baghdad. In Färs ließ er sich durch seinen Bruder M u h a m m a d vertreten. Er starb im
dhu 1-hidjdja 235 (VI.—VII. 850), Tabari I, III, 1403.
Ishäq b. Yahyä b. Mu'ädh [al-Khuttaläni? oder von den äl Mu'ädh?] 1 : der Vater, Yahyä, war
unter al-Ma'mün Befehlshaber im Krieg gegen Bäbak gewesen, ohne Erfolg. Nach Tabari III,
1133 war Ishäq beim Tode des M a ' m ü n und beim Antritt des Mu'tasim 'ämil, Gouverneur
(Steuereinnehmer) von Syrien. Nach der Hinrichtung des Afshin erhielt er die Leibwache, haras,
die er unter al-Wäthiq behielt.
Häshim b. Banidjür: der Vaters- oder Geschlechtsname ist oft nicht oder falsch punktiert, z. B.
bei Ya'qübl, hist. 465, 575; war Herr von Wakhsh und Haläward im oberen Oxus-Gebiet. Er
trat zuerst in den Kämpfen gegen die muhammira 'Roten' des Bäbak auf und starb in Samarra im
dhu 1-hidjdja 243 (III.—IV. 858), Tabari III, 14352. Die Banidjuriden herrschen in Balkh, dann
in Tukhäristan, Gözgän und Khuttal von 233 bis etwa 337 H .
' Udjaif b. 'Anbasa wird zwar Khurasaner genannt, stammt aber aus einem arabischen Ge-
schlecht. Er war 217 Statthalter von Adharbaidjan, vgl. kit. Baghdad fol. 103s. 219 zeichnete er
sich in den Kämpfen gegen die Zutt (Zigeuner) bei Wäsit aus, Tabari III, 1167. Nach Ya'qübl
hist. 574 hatte er die Leibwache. Nach Aghäni 18, 179 hätte er den dizvän al-fard gehabt (Er-
zählung von der Sängerin 'Arib, die sich in Hätim b. 'Adi verliebte und aus dem Palast des
M a ' m ü n zu ihmfloh;Hätim war entweder Schreiber oder Oberst des 'Udjaif, auchausKhuräsän).
Nach Istakhrl gehörte 'Udjaif das reiche Ishtekhangebiet bei Samarkand, das später M u h a m m a d
b. Tähir verliehen wurde. Unzufrieden mit der Bevorzugung der Türken durch al-Mu'tasim
schloß er sich während des Byzantinerfeldzuges der Verschwörung des 'Abbäs b. al-Ma'mün
gegen al-Mu'tasim an und wurde dann mit al-'Abbäs elend umgebracht, i. J. 233, Tabari III,
1256—68.
al-Hasan b. 'Ali al-Ma'müni wird in der Geschichte von Samarra sonst nicht erwähnt3.
Ein Härün b. Nu'aim ist, wie oben p. 29 erwähnt, nach Tabari ein qä'id aus Khurasan. Nach
Ya'qübl klingt es, als sei er ein Sohn des Nu'aim b. Khäzim, des ersten Besitzers des Ashnäs
gewesen. Die Verwalter der Marställe, Hizäm b. Ghälib und sein Bruder Ya'qüb sind vielleicht
identisch mit "j-^~ und seinem Bruder Ya'qüb Qüsarra" bei Tabari III, 1505, deren Palast im
Jahre 248 bei den Unruhen während der Thronbesteigung des Musta'In geplündert wird (vgl.
p. 229).
Die beiden Befehlshaber der Maghrebiner Räshid und Mubarak treten in keinen politischen
Rollen auf. Räshid konfisziert nach Tabari III, 1374 und 1376 den Besitz des gefangenen Wezirs
M u h a m m a d b. 'Abdalmalik al-Zayyät und seiner Angehörigen. Nach Tabari III, 1749 wird im
Jahre 255 ein Räshid al-Maghribl von den Zandj im Negersklaven-Aufstand gefangen. Seit
1
Ya'qübi, hist. 590 "Ishäq b. Yahyä b. Sulaimän :i al-Ma'müni kann 'Klient des Ma'mün' bedeuten.
b. Yahyä ibn Mu'ädh", wohl ein Versehen. Ein Hasan b. 'Ali al-Bädghisi al-Ma'münl oder
2
codd. jj^> ibn al-Athir 54, 6 j^u, Name, der nur al-Hasan al-Ma'müni tritt bei Tabari in einer
mit türk. meng, bing '1000' zu beginnen scheint früheren Epoche auf, siehe Index.
wie Menkdjur, siehe Houtsma, Türk.-arab. Glossar.
14*
* 108 *

250 befehligt aber schon M u h a m m a d b. Räshid die Maghrebiner in den Kämpfen zwischen
ihnen und den Türken unter al-Mu'tazz und al-Musta'In. Bei d e m Palast des Mubarak werden
bei den Unruhen bei Musta'ins Thronbesteigung mehrere Türken, die z u m dar al-'ämma wollen,
von der Plebs ermordet, Tabari III, 1505, "in den Straßen von Samarra". Vorher ist von der
Plünderung des dar Armash (bei Ya'qübl, siehe unten, Yarmash) und nachher von der Öffnung des
großen Gefängnisses die Rede: kein genauer Anhalt für die Lage. Mubarak erzählt bei Tabari
III, 1375, wie M u h a m m a d b. 'Abdalmalik hingerichtet wurde, und III, 1378, wie er den Besitz
eines verhafteten Schreibers des Masrür Samäna konfiszierte.
Dja'far [b. Dinar] al-Khayyät wird, wie sein Vater Dinar, schon unter al-Ma'mün erwähnt
z. B. Tabari III, 1103, kit. Baghdad p. 94, ist unter Afshin im Krieg gegen Bäbak tätig, wird 224
Wali des tariq Mekka, der Pilgerstraße oder der Provinz Yaman, ein hoher Posten, wird aber
schon 225 wegen Bedrückung der shäkiriyya, der arabischen Garde, abgesetzt, später begnadigt.
251 erscheint er unter al-Mu'tazz als Befehlshaber der Leibwache.
abu l-Wazir ist A h m a d b. Khälid, den wir als Käufer des Klosters von Samarra und Bauleiter
des qasr al-waziri kennen gelernt haben. Vielleicht lebt sein N a m e im Teil al-wazir fort. In der
ersten Zeit des Wäthiq zahlte er freiwillig eine große S u m m e , u m einer musädara, Geldstrafe, zu
entgehen. In 233fieler bei al-Mutawakkil in Ungnade und wurde v o m diwän al-nafaqät (Aus-
gabenamt) abgesetzt.
V o n den beiden Enkeln des Mahdi, al-'Abbäs und 'Abdalwahhäb, ist sonst fast nie die Rede,
vgl. Tabari III, 1252. Ihr Vater war bekannter, 'AH b. Rita, nach seiner Mutter benannt.
Yahyä b. al-Aktham ist eine verhängnisvolle Erscheinung, einer der übelberüchtigsten qädi
des Isiam. Alle Schriftsteller der Zeit berichten Übles von ihm. Das einzig Gute ist, daß der große
ibn Khaldün Proleg. I, 36 ihn zu verteidigen versucht hat, weil der Gründer der nach diesem be-
nannten Rechtsschule, A h m a d b. Hanbai, anfänglich sein Freund war. Nach den authentischen
Berichten des kitäb Baghdad p. n6ss (ibn Khaldün nicht zugänglich) und der Aghäni (von ibn
Khaldün sehr gelobt) ist die Verteidigung nicht aufrecht zu halten, auch wenn m a n den von
Mas'üdi überlieferten Geschichten keinen Glauben schenkte. al-Mutawakkil hatte ihn 238 be-
gnadigt und z u m Nachfolger des A h m a d b. abi Du'äd gemacht, setzte ihn aber schon 240 wieder
ab und konfiszierte seinen ganzen Besitz, Tabari III, 1421.
Ya'qübl p. 261: "Die zweite Hauptstraße heißt shäri' abi Ahmad, nach abu A h m a d b. •&?
Räshid. Ihr Anfang von Osten her ist das Haus des Bakhtlshü', des Medizln^rofesser^der es
unter al-Mutawakkil baute. D a n n die Lehen der Obersten aus Khuräsän und ihrer Anhänger-
schaft1 von Arabern, von Leuten aus Q u m m , Isfahän, Qazwin, Djibäl und Adharbaidjän; rechts,
im Süden, auf der Qibla-Seite, durchgehend (näfidh) zur shäri' al-saridja al-a'zam, an deren
Nordseite im Rücken der Qibla, liegt das Hauptfinanzamt, dizoän al-kharädj al-a'zam. Dann das
Lehen des 'Umar und Lehen von Schreibern und sonstigen Leuten. Das Lehen des abi Ahmad
b. al-Rashid liegt in der Mitte der Straße. A n ihrem gegen das westliche wädl namens wädi
Ibrahim b. Riyäh gelegenen Ende liegen die Lehen des ibn abi Du'äd, des Fadl b. Marwän, des
M u h a m m a d b. 'Abdalmalik al-Zayyät. Aber das Lehen des Ibrahim al-Riyäh selbst liegt an der

1
asbäb. — Tabari gebraucht asbäb in einem schon der Dörfer und Paläste ihrer asbäb und des
für ibn al-Athir altertümlich gewordenen Sinne,
Geldes der 'untreuen Schreiber'. Djauhari: ,_»J!j
der für T. III, 2204, 13 in VII, 352 ashäb einsetzt,
vgl. Brockelmann, Verhältnis von ibn al-Athir zu •/* J' A| <}•"&, *J~ Y> auch von Personen, vgl. Balädh.
Tabari, 1890. Tabari iii 1512: der Sohn des Gloss, s. v. Si- und GL Frgm. Hist. Ar. p. 35.
Musta'in erhält Geld für seine nafaqät und asbäb,
Unterhalt, Haushalt; III, 1702: Beschlagnahme
* 109 *

shäri' al-a'zam. Die Lehen an dieser Straße und an den Nebenstraßen rechts und links erstrecken
sich weiter bis zu d e m des Bogha al-saghlr (des Jüngeren), dann das Lehen des Bogha al-kabir
(des Älteren), das des Simä al-Dimishql, dann das des Yarmash, dann das alte Lehen des Waslf,
dann das des Itäkh, das an das bäb al-bustän und die Schlösser des Khalifen anstößt".
Der an der ersten Straße gelegene diwän al-kharädj geht in der Tiefe bis zur zweiten Straße
durch. Der Standpunkt der Beschreibung ist: Ya'qübl denkt sich a m westlichen d.i. nördlichen
Ende der Straße stehend und zählt auf sich zu; die Qibla ist rechts. Entweder beginnt er, wie
bei der ersten Straße, im Süden mit einem Punkt in Höhe der heutigen Ruine Djubairiyya, etwa
a m wädi al-Mühh oder nazüz, alt Ishäq b. Ibrahim, und dann wäre das Haus des Bakhtlshü', eine
deutlich erkennbare Ruine, ein gutes Kilometer südlich der heutigen Stadt, oder er beginnt noch
weiter unten, an den heute khait al-battäwi genannten Mauerruinen, und das Haus des Bakhtlshü'
läge dort zwischen erster und zweiter Straße. Die doppelte Erwähnung des diwän al-kharädj
wäre entscheidend, wenn die Ruine kenntlich wäre; aber im ganzen Süden ist kein den ganzen
Abstand zwischen beiden Straßen einnehmender Bau klar erkennbar. Jedenfalls ist die Strecke
v o m Haus des Bakhtlshü' bis z u m Quartier des 'Umar [b. Faradj] südlich der heutigen Stadt,
und die Mitte der Straße mit d e m Palast des abi A h m a d ist etwa das Gebiet der heutigen Stadt.
Eine topographisch wichtige Nachricht steht an andrer Stelle. Tabari III, 1697: " A m Montag,
5. letzten djumädä II 254 (21. VI. 868) starb (der imäm) 'AH b. M u h a m m a d .... — abu A h m a d
b. al-Mutawakkil betete über ihm — in der Straße, die nach abu A h m a d 1 genannt ist, und er
wurde in seinem Palast begraben".
Etwas genauer Ya'qübl, hist. 615 (danach Mas'üdi 7,379): '"Ali b. M u h a m m a d b. 'All b. M ü s ä
al-Ridä b. Dja'far b. M u h a m m a d b. ['All b.] al-Husain b. 'AH b. abi Tälib starb in Surra m a n rä'a
a m Mittwoch, fünftletzten djumädä II254 (22. VI 868) — al-Mu'tazz sandte seinen Bruder [abu]
A h m a d b. al-Mutawakkil über ihm zu beten — in der Hauptstraße namens shäri' abi Ahmad.
So viel Leute sammelten sich und erhoben Weinen und Lärm, daß die Bahre zurückgetragen und
er im Palast begraben werden mußte".
Der i m ä m 'Ali, nach seinem Aufenthaltsort 'askar Samarra oder al-Mu'tasim al-'askari ge-
nannt, hinterließ zwei Söhne, al-Hasan al-'askari und Dja'far. Hasan starb i. J. 2602, sein Sohn
war der zwölfte und letzte i m ä m M u h a m m a d al-Mahdi, der Herr des Sardäb unter der blauen
Kuppel, geboren a m 15. sha'bän 255, und verschwunden i. J. 260 H. Die Ruinen zeigen deutlich,
w o die zweite Straße von Süden, beim bäb al-maltüsh (dem vermauerten Tor) unter die Mauern
der heutigen Stadt eintritt; sie wird etwa 250 m nördlich des heutigen bäb al-nasriyya wieder
kenntlich. Die Verbindungslinie geht durch die beiden Heiligtümer mit d e m Grab des Hasan
und mit der ghaiba, d e m Ort w o der Mahdi verschwand. Kein Zweifel, daß die Heiligtümer auf
d e m genauen Platz des Palastes der 'Aliden an der zweiten Straße stehen, und daß die ghaiba
ursprünglich ein sardäb in diesem Palaste war.
Später sagt Ya'qübl, über den Neubau der Gr. Moschee des Mutawakkil sprechend, daß die
drei zu ihr führenden 'Reihen' sufüf, Bazarstraßen, von der beim wädl Ibrahim b. Riyäh begin-
nenden, also von dieser zweiten Straße abgingen: auch das ist im Gelände deutlich sichtbar.
Die zweite Straße endete im Norden a m wädl Ibrahim b. Riyäh. Nach Tabari III, 1332 hatte
Ibrahim, dessen Lehen an der ersten Straße lag, den 'ersten Bau' des Härüni, d.h. den Bau der
d e m Palast des Wäthiq vorausging, verwaltet. Das nach seinem Lehen genannte wädi ist also
das, das heute das Gelände des Härüni teils begrenzt, teils durchschneidet. Östlich v o m Härüni
lag das 'Umari, nördlich von beiden der Djausaq. Bei der Beschreibung der zweiten Straße
1
b. al-Rashid, aber die Stelle klingt, als hielte Tabari Straße hieß.
den Sohn des Mutawakkil für den, nach dem die 2 Siehe unten p. 269.
* HO *

erscheinen diese drei N a m e n nicht: sie sind unter den 'Schlössern des Khalifen' verstanden. Die
zweite Straße begrenzt das Härüni östlich, das 'Umari westlich, und endet an der Südmauer
des Djausaq, w o das bäb al-bustän zu suchen ist. A n der nördlichen Strecke erkennt m a n im Ge-
lände sehr große Quartiere, die die Lehen der beiden Bogha, des Simä, Yarmash, Wasif und
Itäkh sein müssen. Das Haus des Yarmash k o m m t bei Tabari III, 1505 in der Schilderung
der Unruhen bei der Thronbesteigung des Musta'm vor, auch da nahe beim bäb al-'ämma
gelegen1. Die Lehen des ibn abi Du'äd, Fadl b. Marwän, M u h a m m a d b. 'Abdalmalik sind etwas
südlicher, näher der heutigen Stadt zu suchen.
Die Straße wird noch einmal literarisch erwähnt, Aghäni 18, 5: " M u h a m m a d b. 'Abdalmalik
b. Marwän, der Schreiber, saß in Samarra in der shäri' abi A h m a d b. al-Rashid und sagte Verse
des abu Nuwäs auf. Ein neben ihm sitzender Greisfingan zu lachen und M u h a m m a d fragte ihn
warum. Er antwortete: ich bin der abu 'Uthmän, auf den abu N u w ä s diese Verse gedichtet hat,
Abumaya ist mein Vetter, Djinän eine Sklavin meines Bruders, von Liebe war gar keine Rede,
die Weiber waren nicht abu Nuwäs' Ritus2 und er spottet nur". V o n den Personen, die an dieser
Straße wohnten, kamen schon vor: A h m a d b. abi Du'äd al-Iyädl; al-Fadl b. Marwän, der
alte Wezir des Mu'tasim; sein Nachfolger M u h a m m a d b. 'Abdalmalik; von den Türken:
Simä al-Dimishql, Wasif und Itäkh. — Yarmash-Armash wird sonst nicht erwähnt. Nach
der obigen Stelle lag das erste Quartier des Wasif, aus d e m er nach der Hinrichtung des
Afshin nach al-Matira umzog, in al-Hair, womit der Stadtteil südlich des Djausaq als Hair
bestimmt ist.
Der Sohn des Räshid, abu Ahmad, nach d e m die Straße heißt, war ein Grandseigneur, der ein
ganz unpolitisches Leben führte und so verschwendete, daß schon al-Ma'mün ihn unter Kuratel
stellte. Er lebte noch beim Regierungsantritt seines Großneffen al-Mu'tazz, dem er die Huldi-
gung verweigerte, siehe unten. Der alte gichtische Herr starb bald darauf in 254 H .
Bakhtlshü', mit Beinamen Qärüra 'Glasflasche', war ein Leibarzt des Mutawakkil, aus einer
alten, christlichen Ärztefamilie, die die Schultradition von Harrän und Gundeshäpür in Baghdad
und Samarra fortsetzten3. Dieser Bakhtlshü' wurde von d e m Dichter 'AH b. Djahm in Satiren
angegriffen und schließlich in 244 H . von al-Mutawakkil nach Bahrain verbannt4, sein großer
Besitz beschlagnahmt.
Ibrahim b. Riyäh, bei Tabari III, 1440 al-djauhari, 'Juwelier' genannt, k o m m t auch mehrmals
in den Aghäni vor; die Stellen lassen nicht entscheiden, ob der N a m e Riyäh oder Rabäh war.
In den Aghäni 18, 182 sagt er, er habe unter al-Ma'mün die nafaqät (den diwän der Ausgaben?)
verwaltet. Er ist einer der Schreiber, denen al-Wäthiq schwere Geldstrafen auflegte. Nach
Ya'qübl hist. 586 wäre er damals v o m diwän al-diyä' abgesetzt und hätte Nadjäh b. Salama seinen
Posten erhalten. Dieser war jedenfalls sein Schreiber und wurde unter al-Mutawakkil in 245 H.
elend umgebracht.
Die beiden Bogha, beides Türken, sind Hauptfiguren in der Geschichte von Samarra. Der
ältere, abu Müsä, k o m m t schon — als M a m l u k des Mu'tasim — unter al-Ma'mün in Baghdad
vor, w o er einem 'All b. al-Husain den diesem von al-Ma'mün geschenkten Landbesitz bei Basra
im Werte von 50000 Dinar raubt, kit. Baghdad fol. 81 r. Zuletzt tritt er bei der Wahl des
Khalifen al-Musta'In auf. Er starb im djumädä II 248, Tabari III, 1506. Sein Sohn Müsä, einer
1
Nebenform Armash, ein bei türkischen Namen d. syr. Lit., auch A. v. Kremer, Culturgeschichte I
nicht vereinzelter Wechsel. u n c j unten p.
2
madhhab, wie in 1001 Nacht: 1 Tabari III, 1437 u. 1447; nach Aghäni 9, 106 nach
V A J j4i £.Mil £ j --A-;1I l-u ,_r-iy y.\ oSj. Khurasan.
;;
Vgl. C. Brockelmann, Gesch. d. arab. Lit. und Gesch.
* III *

der Mörder des Mutawakkil, folgte ihm in allen Ämtern und blieb die dominierende Persönlich-
keit der folgenden Jahre in Samarra.
Der jüngere Bogha, al-sharäbi1 genannt, tritt zuerst beim Tode des Wäthiq auf, nimmt dann
tätlich an der Ermordung des Mutawakkil teil und wird schließlich, in 254, unter al-Mu'tazz
selbst ermordet, in Samarra. Sein Sohn Yünis, der bevorzugte Freund des Khalifen, war wie
gewöhnlich bei al-Mu'tazz, als m a n diesen zu der Ermordung beglückwünschte.
Y^lqübL262j_^pie dritte Straße ist die shär^^Uhmjjal-awwal, erste Hairstraße, in der unter
al-Mutawakkil der Palast des A h m a d b. al-KhasIb stand. Der Anfang dieser Straße von Osten
her ist bei d e m wadi, das sich mit d e m wädi Ishäq b. Ibrählm vereint. A n ihr liegen die Lehen
der arabischen Soldaten und Garden und eines Gemischs von Volk, und sie erstreckt sich bis
z u m wädl Ibrählm b. Riyäh". "Die, vierfe Straße heißt shäri' Rarghamvsh. al-Turki. A n ihr
liegen die Lehen der Türken und Farghaner. Die Gassen, durüb, der Türken und die der Fargha-
ner sind von einander getrennt; die Türken sind in den Gassen nach Süden, die Farghaner gegen-
über in den Gassen im Rücken der qibla, immer eine Gasse gegenüber der andren. Niemand
von der sonstigen Bevölkerung wohnt zwischen ihnen. Das Ende der Wohnhäuser und Lehen
der Türken gegen Osten bilden die Lehen der Khazaren. Der Anfang dieser Straße von al-
Matlra her ist bei den Lehen des Afshin, die später Wasif und seine Genossen erhielten, und sie
erstreckt sich bis zu d e m wadi, das sich mit d e m wädl Ibrählm b. Riyäh vereint."
"Die fünfte Straße heißt,Sälilfal-'Abbäsi, das ist die shäriLaLAskar2. A n ihr liegen ebenfalls
Lehen der Türken und Farghaner, und auch da sind Türken und Farghaner in abgesonderten
Gassen. Sie erstreckt sich von al-Matira bis z u m Palast des Sälih al-'Abbäsi, das a m Kopf des
wadi liegt. Sie ist ganz eingenommen von Lehen von Beamten und Schreibern, vornehmer und
bürgerlicher Bevölkerung".
"Hjnterjler_5Ään< al-Askar ist noch eine Straße namens shäri' al-Hair al-djadid,ne\xe Hair-
straße. JJaran wohnt ein Gemisch von Volk, von Offizieren aus Farghäna, Usrüshana und
Ishtekhan3 und allen Bezirken von Khurasan".
"Jedesmal wenn diese Straßen, die zu al-Hair gehören, mit Lehen von Leuten voll besetzt
waren, ließ der Khalife die (Park-)Mauer niederreißen und dahinter eine andre erbauen. Hinter
der Mauer war Wild, wie Gazellen, Wildesel, Hirsche, Hasen und Strauße; u m diese herum war
eine Mauer, die eine schöne, weite Ebene umschloß".
"Die StraßeJängs-des-Tigris heißt shärt.al-hhaMj'Stromstraße'4. Dort gibt es Ankerplätze,
Segelschiffe und Waren, die von Baghdad, Wäsit, Kaskar und dem übrigen Sawäd kamen, von
Basra, Ubulla, A h w ä z und deren Gegend, auch von Mausil, Bä'arbäya, Diyär Rabl'a und deren
Gegend. A n dieser Hauptstraße liegen die Lehen der Maghrebiner, aller oder der meisten, und
der azläkh genannte Ort, der den maghrebinischen Fußtruppen bei der ersten Gründung von
Samarra zur Garnison diente".
1
O b gleich muhtär al-sharabkhäna oder sharäbdär der b. 'Anbasa, später d e m M u h a m m a d b. Tähir (II).
Mamlukenzeit: 'chef de la sommellerie'? -xan ist 'Quelle' oder 'Graben', das erste Glied
2
Mit alif, nicht 'ain, also von 'askar unterschieden, kann ein Eigenname sein.
sonst würde m a n an die Bezeichnung 'askar 4 Eigentl. 'Golf, Bucht', z. B. für den Persischen Golf,
Samarra, 'askar al-Mu'tasim denken, siehe Yäqüt aber auch wie ar. bahr und np. daryä, für große
II, 675, mushtariq 309. Ströme gebraucht. So Mas'üdi 7, 220s: al-Muta-
:1
ishtäkhan, bei Yäqüt I, 177 ishtikhan, also pers. wakkil und al-Fath in Dja'fariyya mit d e m Matro-
'stexan, nisbaistexanji, nach Istakhriein selbständi- sen, die ein Ragout kochen; der Ort beschrieben
ger Bezirk mit gleichnamiger Stadt, unweit Sa- als gJiJl o ^^ g,y. Das hohe Ufer, auf d e m
markand, sehr reich, Hauptort Quhunduz, pers. das Dja'fari liegt, bietet einen sehr weiten Blick
kuhandiz 'alte Burg'. Gehörte erst d e m 'Udjaif über den Strom.
* 112 *

Die drei Hairstraßen werden wieder von Osten nach Westen (Süden nach Norden) besdmebeik
Die saridja begann in al-Matlra, lief dann z u m wädi Ishäq b. Ibrählm, bald darauf z u m diwän
al-kharädj. Die shäri' abi A h m a d begann a m Haus des Bakhtlshü' und k a m dann bald z u m diwän
al-kharädj. Die shäri' al-Hair al-awwal beginnt "bei d e m wädl, das sich mit d e m wädi Ishäq
b. Ibrahim vereint", also einem weiter ins Hinterland reichenden Zweig. Die vierte und fünfte
Straße beginnen "in al-Matira".7 Später wird gesagt, daß die fünfte und sechste erst von al-
Mutawakkil hinzugefügt wurden? Anfang und Ende der sechsten Straße werden nicht besonders
angegeben: offenbar war sie kürzer als die andren. Diese Beschreibung entspricht genau dem
Befund an den Ruinen. Die zweite Straße fängt etwas nördlicher als I und III-V an, die alle gut
2 k m östlich von Djubairiyya, al-Matira, beginnen.
Als Nordende von III wird das wädl Ibrählm b. Riyäh bezeichnet, das das Gelände des Härüni
südlich begrenzt. Das Nordende von IV ist ein "wadi, das sich mit d e m wädi Ibrählm b. Riyäh
vereint", das bedeutet einen südlichen, weiter ins Inland reichenden Zweig dieses wadi. Nord-
ende von V : der Palast des Sälih al-'Abbäsi a m Kopf des wadi, gewiß des zuletzt und kurz
vorher erwähnten Zweiges des wädl Ibrählm. Die Ruinen zeigen, wie die Straßen III-V etwa
600 m südlich der Südmauer des Djausaq oder 250 m südlich des Härüni enden. D a lag also der
Zweig, der sich mit d e m wädi Ibrählm vereint. Die fünfte Straße mündet dabei auf das Südtor
eines großen maidän, von 425 X65 m , von Hallen umgeben, heute mudaqq al-tabl 'Trommelplatz'
genannt, dessen nördliche Schmalseite auf die Außenseite der Ostmauer des Djausaq führt. Da-
mit sind alle diese Straßen auf d e m Plan bestimmt.
I m Süden bildet die Landstraße nach Baghdad die gerade Verlängerung der shäri' al-Hair
al-awwal; vielleicht trug sie daher den zweiten N a m e n shäri' Baghdad.
Die 'Stromstraße' kann sich nur soweit erstreckt haben, als der Strom das hohe Ufer von
Samarra berührte, das heißt nördlich nicht über einen Punkt halbwegs zwischen der heutigen
Stadt und d e m Djausaq hinaus, etwa bei al-Latwa1, d e m Ort des ausgegrabenen vorgeschicht-
lichen Friedhofes. A n dieser Stromstraße hatten die Maghrebiner den azläkh2 genannten Ort,
der in der Nähe der Brücke, djisr, von Samarra zu vermuten ist, w o die Maghrebiner noch mehr-
mals erwähnt werden, das heißt dicht westlich der heutigen Stadt. Die Beschreibung des ganzen
Straßennetzes als zwischen d e m Strom und d e m Tiergarten gelegen, stimmt mit dem Befund
überein. Von dem hä'ir al-hair, Tiergarten, Wildpark, hatte Ya'qübl schon anfänglich gesprochen3.
hair bedeutet Einzäunung, Ummauerung, Peribolos, dasselbe wie ap. paridaidä, mp.pardez,pälez,
paradeisos.
Die altpersischen Paradiese, wie sie Xenophon beschreibt, sind der Ursprung-deiiArüagen aus
frühislamischer Zeit. I m Abschnitt 'Landschaft' sind mehrere erwähnt; einer bei Sittake (Xeno-
1
Nach den Lexx. 'Obdach, abri, Höhle', mir erklärt maläku 'Gleitbahn' bei Nebukadnezar, Wadi Brisa
als "Plätze im Flußbett, wo bei Niederwasser 9, 37, für Zedern-Transport im Libanon. — N a c h
gesät wird." Auch shabbat al-häwi genannt: hoher Aghäni 20, 92 amüsiert sich al-Mutawakkil beim
Platz am Ufer über Überschwemmungen aus- Baden damit, den Clown und Dichter abu l-'Abar,
gesetztem Ackerland. einen Hashimiden, entweder mit einer Balliste in
2
Cod. ohne Punkte. — zalakha, zaladja, zalaqaeinen Teich schießen oder auf einer Rutschbahn,
heißen 'gleiten, rutschen', die nomina zaldj, zalq, zulläqa, hineingleiten zu lassen und dann mit einem
zalkh, zalidj, zulläkha, zalläqa 'schräge Ebene, Netz wie einen Fisch herauszufischen. Ähnlich
Gleitbahn'. Entweder, wie heute shari'ä die amüsierte sich Fath 'Ali Shäh an seiner in den Fels
schrägen Stellen, wo das Gelände erlaubt, die gehauenen Rutschbahn bei Ray mit seinem Harem.
15—18 m zum Tigris hinabzusteigen, oder eine Heute ist der Gedanke zum 'Lunapark' erweitert.
künstliche Rutschbahn zur Beförderung von schwe- :! vgl. oben p. 100 und Enz. Isl. s. v. al-Hair.
ren Gewichten vom oder zum Wasser. Vgl. assyr.
Tafel XIII

a Große Moschee von N W , aus 1 km Entfernung

b Moschee abu Dulaf in Mutawakkiliyya von Xorden

ul j t4-~U-U-A'^y^a-i \ti}c£}

c Große Moschee von S W , aus 1 k m Entfernung


* ii3 *
phon), ein 'runder' (Ammian), nach Zosimos ßaaiXecoc JHjpa genannter a m Königskanal, darin
waren "Löwen, Eber, Bären und andre Tiere, die sich nicht ihr Futter zu suchen brauchten".
I m Wildpark von Dastagird gabesnachTheophanes Strauße, Gazellen, Wildesel, Pfauen, Fasanen,
Löwen und Tiger. Auch in Samarra werden Löwen erwähnt, dazu Elephanten. Der Park von
Qasr i Shirln hieß in Versen des Fahlbadh bägh i nakhcherän. Sehen kann m a n noch die Mauern,
Teiche und Kanäle der Parke von Qasr i Shirln, Haushkuri und T ä q i bustän, der letztere etwa
eine englische Quadratmeile groß. Die Bilder des T ä q i bustän stellen eben diese Jagden dar.
In Baghdad erwähnt Yäqüt einen hair mit Wild in seiner Beschreibung des Qasr al-Tädj.
Die Grenzen des Hä'ir al-Hair von Samarra sind: Der spitze Nordpunkt liegt, w o der bei
Karkh abzweigende, shäkha genannte Zufuhrkanal den Qätül al-Kisrawi trifft. Die Westgrenze
lief von da gerade nach Süden in der Linie des Doppel-Qanäts, traf die Ostmauer des Djausaq,
folgte in gerader Verlängerung nach Süden der 5. shäri', bog in der Gegend der heutigen Stadt
etwas nach Osten, folgte der 3. shäri' (al-Hair al-awwal); w o diese in Matira endet, läuft die
hudaid, demin. v. hadd 'Grenze', genannte Mauer schnurgerade weiter bis gut 1 k m vor dem nörd-
lichsten der drei Qätüle, knickt nach Osten, parallel zu diesem Kanal; an ihr liegt das große Jagd-
schloß al-musharrahät. Kurz dahinter knickt die Mauer scharf nach Norden und erreicht in
gerader Linie den Qätül al-Kisrawi, der die Grenze bis z u m Nordpunkt, dem Einfall der shäkha,
bildet. Das umschlossene Gelände ist 120 qkm, anderthalb mal so groß wie das von der Berliner
Ringbahn umschlossene Gebiet. Der zweite Wildpark liegt auf dem Westufer im Süden bei
Istablät und umschließt etwa 35 qkm.
Die fortschreitende Verschiebung der Hair-Mauern zeigt der Stadtplan deutlich. Die alte
Grenzmauer war die Ostmauer des Djausaq und ihre Verlängerung nach Süden bis etwa zur heuti-
gen Stadt, dann die Linie der 1. Hair-Straße und die Mauer al-hudaid. Die 2. und 3. Hair-Straße
laufen parallel zur ersten auf altem Tiergartengebiet. Die Große Moschee des Mutawakkil
liegt ganz auf altem Tierparkgelände. Die letzte hair-Mauer geht von der SO-Ecke des Djausaq
nicht nach Süden, sondern nach Osten ab, umschließt im Bogen die Kleeblatt-Rennbahn, biegt
dann scharf nach Süden, stößt auf die Ostmauer der Gr. Moschee, umschließt nach S O biegend
das Gelände der 2.—4. Hair-Straße, knickt in der Höhe von Matira rechtwinklig nach Westen und
erreicht den Anschluß an die erste hair-Mauer. Der von der alten und den jüngeren Mauern um-
grenzte, langgestreckte Stadtteil wird mehrmals als bain al-hä'itain 'zwischen den zwei Mauern'
erwähnt. al-Mu'tasim geht, u m Bäbak zu sehen, v o m Djausaq durch das bain al-hä'itain nach
Matira. Die drei großen Rennbahnen und benachbarte Anlagen liegen innerhalb des Wildparks.
/ Personen kommen-in der Beschreibung dieser Straßen nur wenige vor.
Ahmad b.al-Khasib, der seinen Palast an der dritten Straße hatte, war ursprünglich ein unehr-
licher und intriganter Schreiber des Ashnäs, der für diesen unter al-Mu'tasim die Finanzen von
Djazira, Syrien, Ägypten und Afrika verwaltete. Er ist einer der Schreiber, denen al-Wäthiq bei
seinem Regierungsantritt große Geldstrafen auflegte. al-Mutawakkil machte ihn zum Schreiber
seines Sohnes al-Muntasir, als dieser Thronfolger wurde. Nach der Ermordung des Mutawakkil
wurde er Wezir des Muntasir, betrieb nach dessen T o d die Wahl des Musta'in, wurde aber im
Jahre 248 nach Kreta verbannt.
Einen Sälih al-'Abbäsi al-Turki erwähnt Tabari III, 1362, 1364 und 1422: er unterdrückte
einen Aufstand in Hims. Dieser sonst unbekannte Türke kann zwar seinen N a m e n der fünften
Straße so gut gegeben haben, wie der ganz unbekannte Barghamysh al-Turki der vierten. In-
dessen kann al-'Abbäsi auch der Abbaside bedeuten — nicht sehr gebräuchlich — und der M a n n
könnte Sälih b. al-Rashid sein, von d e m die Aghäni oft zusammen mit seinem Bruder abu Tsä b.
al-Rashid sprechen. Ein dritter Bruder, abu A h m a d , gab der zweiten Straße den Namen.
15 Herzfeld
* ii4 *

Ya'qübl, 263: "Die Leute bauten in Samarra ausgebreiteter, als sie es in Baghdad getan, und
bauten geräumigere Häuser. N u r daß alles Wasser v o m Tigris kam, in Wasserschläuchen,
rawäyä, auf Maultieren und Kamelen hergeschafft; denn die Brunnen waren zu tief und ihr
Wasser war salzig und brackig und spärlich, während der Tigris nahe war und es Schläuche in
M e n g e gab."
Diese großen Rinderschläuche, im Gegensatz zu kleinen, von Eseln getragenen Ziegenschläu-
chen, waren bis heute in Baghdad, Mausil und Samarra üblich; wir benutzten sie während der
Grabungen. Der saqqä füllt damit die großen, in hölzernem Gitterwerk aufgestellten Wasser-
krüge, habb. Tabari erzählt, daß bei einer Teuerung auf der Mekka-Straße im Jahre 228 eine solche
räwiya Wasser 40 Dirham und ein ratl, Pfund, Brot 1 Dirham gekostet habe. — Die Bemerkung
über die Brunnen ist richtig: das Grundwasser der hohen Konglomeratebene bei unterliegendem
Gips hat keine Verbindung mit dem Tigriswasser im Flußtal. Ya'qübl spricht nicht von den
unterirdischen Wasserleitungen v o m Tigris her, die es in der Südstadt gab, während er die
größeren solcher Anlagen der Nordstadt erwähnt.
"Die Pachteinnahmen, ghallät wa mustaghillät, von Samarra mit seinen Bazaren erreichten die
Höhe von 10000000 Dirham jährlich. Die Einfuhr von Lebensmitteln, mira, aus Mausil, Bä'ar-
bayä und den übrigen Diyär Rabi'a auf Schiffen, den Tigris hinab, war nah; daher waren die
Preise niedrig".
ghallät und mustaghillät sind die Pachteinnahmen von Gärten, Mühlen, der Benutzung öffent-
licher Plätze, Straßen, Kaufbuden und Märkten, mira ist allgemein Import von Lebensmitteln,
vgl. Tabari III, 1436, w o al-Mutawakkil an Damaskus tadelt, daß dort im Winter der Schnee die
mira behindere, und III, 1550: beim Ausbruch des Krieges zwischen al-Mu'tazz (Samarra) und
al-Musta'In (Baghdad) unterbindet M u h a m m a d b. 'Abdallah b. Tähir sofort allen Schiffsverkehr,
mira, nach Samarra, sowohl von Mausil wie von Baghdad her. V o n den Schiffen wurde 'ushr, der
Zehnte, erhoben, wie von Vermögen, Gold und Juwelen. I m Jahre 239 ließ al-Wäthiq, nach
Tabari III, 1363, diese Steuer abschaffen; Ya'qübl, hist. 570, beschränkt das auf "die vom bahr
al-Sin zurückkommenden Schiffe", also auf die Chinafahrer, deren zauw genannte Boote wohl
nicht den Tigris herauf, sondern nur nach Basra gingen. Ein Chinesenviertel gab es in Alt-
Baghdad; in Samarra wird keines genannt.
Ya'qübl 263: "Nachdem al-Mu'tasim die Pläne, al-khitat, beendet und den Grund für die
Bebauung des Ostufers, d. i. der Seite von Surra m a n rä'a gelegt hatte, schlug er eine Schiffs-
brücke, djisr, z u m Westufer des Tigris und ließ dort Kulturen, bewässerte Gärten und Palmen-
haine anlegen und Kanäle v o m Tigris graben. Er betraute je einen Obersten, qä'id, mit der
Kultivierung eines bestimmten Landstriches, nähiya. Dattelpalmen wurden von Baghdad, Basra
und dem übrigen Sawäd importiert, Reben aus der Djazira, Syrien, Djabal, Ray, Khurasan und
andren Ländern. Wasser war reichlich in diesen Kulturen auf d e m Ostufer [Fehler für West] von
Samarra. Die Palmen wuchsen gut, die Früchte reiften, das Obst wurde süß, Blumen und Ge-
müse gediehen. Die Leute pflanzten dort alle Arten von Getreide, Blumen, Gemüsen und
Grünzeug. Der Boden, der tausende von Jahren1 geruht hatte, ließ alles, was gepflanzt und gesät
wurde, treiben".
"Der Ertrag der Ländereien entlang a m Kanal al-Ishäql, a m Itäkhl, 'Umari, d e m des 'Abdal-
malik, an dem Schöpfwerk, däliya, des ibn H a m m a d , a m Masrüri, Wasif1 ( ?), den 'Neuen Dörf-
chen (?)' — das sind fünf Dörfer- und den unteren Dörfern— das sind sieben — u n d von den
Palmen- und Obstgärten und die Grundsteuer der Felder erreichte den Betrag von 400000 Dinar
jährlich".
1
Seit der Zeit w o hier die 'Dörfer der Parysatis' gewesen waren.
# ii5 *
"Auf den Landgütern baute al-Mu'tasim Villen, qusür, in jedem Garten ließ er eine Villa an-
legen, mit Empfangshallen, madjälis, Teichen, birka, und Spielplätzen, mayädin. Die Landgüter
wurden schön, und die vornehmen Leute wollten nahe gelegene Grundstücke besitzen und wett-
eiferten darin, so daß das djarib1 Boden einen sehr hohen Preis erreichte."
Für die Lage der Schiffbrücke gibt die Erzählung von der Ermordung des Bogha d. J. bei
Tabari III, 1694, einen Anhalt: Er k o m m t nachts im Boot den Tigris herab; die maghrebinische
Brückenwache hat Posten ausgestellt, die das K o m m e n eines Bootes melden, so daß es an der
Brücke festgehalten wird. Bogha hat es vorher verlassen und geht in der Richtung des bustän
al-khäqäni, als ihn der Wachthabende, Walld al-Maghrabl, einholt. Er will dann entweder zu
seinem eigenen oder zu d e m Haus des Sälih b. Wasif geführt werden. Sein eignes Haus lag
südhch des Djausaq, nahe beim alten Quartier des Wasif. Walld läuft z u m Djausaq, u m al-
Mu'tazz Meldung zu machen. Das ist verständlich unter der Annahme, daß Bogha das Boot
etwa 1 k m unterhalb des khäqäni-Gartens, 1,5 k m oberhalb der Brückenstelle, verließ. Dann lag
die Brücke etwas nördlicher als die heutige, die genau in der Höhe der heutigen Stadt liegt. Sehr
viel nördlicher ist nicht möglich, weil der Tigris weiter oberhalb immer in mehrere A r m e zerteilt
gewesen sein m u ß . Eine Bemerkung bei Mas'üdi 7, 122: "von den Farghanern wurden welche
an d e m Ort Namens al-' Umari und al-djisr angesiedelt" bedeutet nicht, daß diese beiden bei-
einander lagen. 8, 12 erwähnt er den 'Ort der Schiffbrücke von Samarra' nochmals bei der Er-
mordung des Bä'ikbäk. Die Brücken unterstanden einem besonderen sähib al-djisr, auch die
zwei Brücken von Baghdad, und in den bekannten Fällen ist das der sähib al-shurta, der Polizeichef;
in Samarra Ishäq b. Ibrählm, Tabari III, 1403, in Baghdad 'Ayyäsh, kit. Baghdädp. 82. Ebenda,
p. 94, findet die Hinrichtung des Aufrührers ibn 'Ä'isha auf einer der Baghdader Brücken statt —
wie öfters — nachts beim Licht von 500 Kerzen, die Afshin und Ashnäs, damals im Dienst des
Thronfolgers al-Mu'tasim, gebracht hatten. — Die Aghäni 5,122s erzählen, wie A h m a d b. Mu'-
äwiya, zu Hause mit d e m Dichter 'Allawaih, ein Billet von dem Musiker Ishäq al-Mausill erhält
mit der Bitte u m Wein. A h m a d schickt einen Sklaven mit einem dinn2, und als dieser mitten auf
der Brücke ist, bricht diese unter d e m Menschengedränge ein. Der Sklave verliert sein dinn
und läuft zu Ishäq, der sofort ein zweites Billet mit Versen über diesen Unfall schickte. A h m a d
sendet darauf vier dinn und läßt den Sklaven wegen seines vernünftigen Betragens frei.
al-Mu'tasim hatte großes Interesse für die Landwirtschaft und sagte (Mas'üdi 7, 104): "in der
Landwirtschaft sind große Vorzüge, erstens das Blühen der Erde, durch das die Menschheit
lebt, dann die Zunahme der Grundsteuer, die Vermehrung der Volkseinnahmen und die Er-
höhung der Lebensführung".
bustän und djanna sind der persische und der arabische Ausdruck für Garten. Nach dem Glossar
defKG.A. wäre bustän besonders der Palmengarten; im Persischen ist es aber der 'Duftort',
Blumengarten oder Orangerie. Ibn al-Faqlh 221 sagt richtiger: "der Vorzug des bustän über die
djanna ist, daß er sorgfältiger bewässert wird". Bustän meint also den Garten persischen Stils
mit seinen dauernd fließenden Kanälen und Bassins, djanna den Fruchtgarten, mit Palmen,
Orangen, Wein, dessen Beete nach gesetzlicher Regelung unter Wasser gesetzt werden. Oft
weTden die~lHuniengärten im H o f der Häuser bustän genannt, Aghäni 8, 184, nach H a m d ü n b.
Ismä'Il: al-Mu'tazz sitzt in einem bustän des Djausaq, voller Thymian und Adonis-Anemonen;
ein H o f mit Narzissen wird im Haus des Sälih b. al-Rashid beschrieben, auch al-Muntasir sitzt
in einem Narzissenbeet J\)3. Oder 14, 113: Härün b. Shu'aib, bei dem sich die Sängerin Shäriya
3
1 g t w a I000 q m , qaräh ist der heute in Baghdad übliche Ausdruck
2
Zylindrischer Weinkrug, vgl. Malereien v. Sam. für Palmengarten.
Taf. LX.
15*
* n6 *

versteckt, als M ü s ä b. Bogha gegen ihren Freund Sälih b. Wasif heranrückt, hat ein Haus in
Samarra mit einem 'großen bustän' darin. 19, 123: Ihre große Konkurrentin, 'Arib, die Bar-
makidin, tritt in einer Gesellschaft in einem bustän in al-Matira auf, an einem schönen, bewölkten
Tage. — 12, 136: die Familie Naushadjän besitzt ein berühmtes qasr, das nach Mutawakkils
Ermordung schon in T r ü m m e r fiel, in einem ihrer Gärten, bustän, in Dja'fariyya.
Die ghars, ghurüs, assyr. eresu, die in jenen Gärten gepflanzt werden, können, wie die Her-
kunftsländer und ihre Erwähnung neben Palmen zeigen, nur Reben meinen. Der Wein3_von dem
in allen Erzählungen von den Klöstern in und u m Samarra viel gesprochen wird, war selbst?
gekelterter, nicht importierter. Nach ibn al-Faqlh 125 war der saqlabi und der^rote Wein von
Samarra berühmt1. Heute gibt es nur einen keine Frucht tragenden Palmengarten und keine
Weingärten mehr in Samarra. U n d Wein von Mausil, von d e m mir vor Jahren ein Freund ein
dinn schickte, hätte ruhig in den Tigris fallen können, ohne daß ich u m vier neue gebeten hätte.
Die Kanäle im Flußtal heißen wie die großen Palastbauten des Mu'tasim nach den Leuten,
die ihren Bau verwalteten: der Ishäqi trägt noch heute den N a m e n des Ishäq b. Ibrählm b. Mus'ab.
A. v. Kremer, 1. c. I, 275, sagt, nach Ritter X , 212 (im Jahre 1848), er wäre nach dem sähib al-
shurta des Mutawakkil genannt. Ritter fußte auf abu 1-Fidä, der als seine Quelle ibn Sa'Id, d. i.
Nur al-dln 'All al-Maghrabl, aus Granada, 610—70 (1214—74) nennt. Ibn Serapion beschreibt
den Ishäqi (Cap. 8, p. 18s u. 265) so: "er beginnt südlich von Takrit,fließtan Tirhän entlang
und k o m m t z u m qasr des Mu'tasim; er bewässert die I bis VII genannten D o m ä n e n und fließt
zurück z u m Tigris gegenüber von al-Matira". Das ist ganz richtig: mit Tirhän und dem qasr
des Mu'tasim, dem Djausaq, sind auf d e m Ostufer gelegene Punkte gemeint. Auf meiner Karte
in 1:100000 sieht es so aus, als zweigte etwa 4 k m vor d e m Südende des Ishäqi ein Kanal nach
Süden ab; wohl irrig, dort wird das Gelände zu hoch.
In der kurzen Beschreibung in den Historiae p. 577 setzt Ya'qübl hinzu: "dawälib und dawäli
wurden (an jenen Kanälen) angelegt". Diese Wörter sind die arabischen Plurale von (pers.)
düläb 'Wasserrad' und von däliya 'Göpelwerk'2. Die anderen Kanäle heißen nach Itäkh, 'Umar
b. Faradj, M u h a m m a d b. H a m m ä d b. Danqash, d e m hädjib, Kammerherrn des Mu'tasim, und
nach Masrür Samäna, seinem Eunuchen. Ich kenne keinen 'Abdalmalik, der in der Geschichte
von Samarra eine Rolle spielte, vielleicht ibn 'Abdalmalik, d. i. M u h a m m a d al-Zayyät. Die
folgenden Worte sind in d e m uniken M s . des ibn Serapion verderbt: wohl wasifi statt sif. Das
folgende A>^\ otjJI kann m a n nach Ya'qübl korrigieren: "bewässert die I bis VII genannten
Domänen"; zu diesen 7 stehen die 5 Dörfer in Gegensatz, also lies ifjisM c*IT/3! 'die neuen Dörf-
chen'; das ist die Gegend der Dörfer der Parysatis.
qasr < lat. castrum ist mehrdeutig. Auf das Djausaq, das Härüni, 'Umari angewandt, qusür
al-khalifa, meint es die großen Paläste, dar, die ja große castra sind. A n andren Stellen ist es das
Wort für allein gelegene Landhäuser, Villa im römischen Sinne, auch oft v o m casrraw-Typus,
nur kleiner. Bei der Beschreibung von Iram dhät al-'Imäd, der sagenberühmten Stadt in Süd-
arabien, heißt es in 1001 Nacht, II, 75 N . 275: "er traf auf eine gewaltige Stadt, u m die rings
eine gewaltige Mauer, hisn, war, und u m die Mauer herum standen in den H i m m e l ragende qusür",
das sind die vielstöckigen, turmähnlichen Häuser Südarabiens. Oben war das qasr der Nausha-
djän in einem ihrer Gärten in Dja'fariyya erwähnt. In 1001 Nacht, IV, 211, N . 978, tritt Ishäq
al-Mausill, bei seinem Besuch beim Wali von Basra, "in ein qasr in dessen Palast, dar, ein": dar
ist die größere Einheit. V o n Teichen ist mehrmals die Rede. Ein sehr großer, etwa 100 mal
1
Vgl. 'Landschaft' p. 21 u. 33. a Mit Kette und Eimern, dalw; vielleicht auch persi-
schen Ursprungs.
* H7 *
124 m messender liegt unten im bustän al-khäqäni vor der großen Freitreppe des Djausaq; auch
die beiden tiefen sardäb des Palastes hatten Teiche, maidän sind Renn- und Poloplätze. Die ganz
großen Paläste hatten diese bis zu 500 m langen Plätze in ihrem Innern, so das Djausaq, Dja'fari,
Balkuwärä, ähnlich wie der Palatin mit seinem Zirkus. Der dicht neben der heutigen Stadt in
Richtung zur großen Moschee gelegene muntarad 'Rennplatz' gehört zu einem kleineren Palast:
ich habe ihn oft benutzt. Scheinbar selbständig und öffentlich ist der mudaqq al-tabl 'Trommel-
platz' genannte maidän nahe der SO-Ecke des Djausaq. Der maidän des Djausaq k o m m t bei
Tabari III, 1326SS vor, w o Ishäq b. Ibrählm mit al-Mu'tasim dort Polo spielt. Dort hegen die
Marställe dicht daneben, und so hat in 1001 Nacht, II, 88 der lügnerische 'AH al-'Adjami in
seinem Reisesack auch mayädin und istablät, 'Rennplätze und Ställe'. Nach Yäqüt I, 807, ließ
al-Ma'mün im qasr al-tädj, d e m Palast des Dja'far b. Yahyä b. Khälid al-Barmaki, "einen maidän
für Pferderennen und Polospiel anlegen und ein hair1 für alle Art Wild". In der Erzählung der
1001 Nacht, II, 65, N . 266, ist der Polo-Maidän außerhalb der Stadt vorgestellt, wie die Maidane
in Aleppo und Damaskus liegen, und ihr Vorbild, der große Maidän von Isfahan, älter aspres
'Rennplatz' genannt, lag ursprünglich vor d e m Tor von Gay, erst später von der sich ausdehnenden
Stadt eingeschlossen.
Ya'qübl 264: "Von überall ließ al-Mu'tasim Leute kommen, die ein besonderes Handwerk
betrieben oder eine besondere Fertigkeit besaßen, wie in Landwirtschaft, Ackerbau, Palmen-
zucht, Weinbau, Wasserbau, Nivellieren, Brunnengraben, Finden von Quellen im Boden2. Von
Ägypten ließ er Leute k o m m e n , die qirtäs, Papyrus, und ähnliches machten, aus Basra Glasbläser,
Töpfer und Mattenflechter, von Küfa Töpfer undölmacher und aus andren Ländern Leute jeder
Kunst und jeden Handwerks. Sie wurden mit ihren Familien an diesen Plätzen angesiedelt,
Quartiere wurden ihnen zugewiesen und Bazare für die Handwerker in der Stadt eröffnet."
Beim Lesen der Importe aus den Provinzen des Reichs fühlt m a n sich an Dareios' charta von
Susa erinnert. Hier wieder, und zugleich an die arabischen Papyri aus Ägypten, mit ihren Be-
stellungen für die Leiturgien und ihren Mahnungen, nicht Geldablösung, sondern die M a -
terialien und Handwerker selbst zu schicken. I m einzelnen sind die Angaben vollkommen genau.
qirtäs < gr. x a P T ^ j ist (mit Sauvaire, Numism. et metrol. J. As. 1882 p. 2) Papyrus, auch
tümär genannt3. In den Hist. 577 sagt Ya'qübl: "er ließ Leute aus Ägypten kommen, u m qirtäs
zu machen, und sie machten es, aber es erreichte nicht jene gute Qualität", ibn al-Faqih 253:
"al-Mu'tasim hatte Papyrusmacher nach Samarra bringen lassen, mit ihrem Boden und ihrem
Wasser, und ihnen befohlen, die Fabrikation dort zu beginnen, aber sie lieferte nur groben,
brüchigen Stoff". Das bestätigen die Papyrusfunde im Djausaq. — Nach Balädhuri wurde
Papyrus von Ägypten nach Byzanz ausgeführt; nach al-Madä'inl wurde dieser Export zeitweilig
als Repressalie unterbrochen, unter 'Abdalmalik. — Nach ibn Khaldün war dagegen Papier
schon unter al-Fadl b. Yahyä al-Barmaki im allgemeinen Gebrauch in den Staatskanzleien. Altes
Papier heißt in Baghdad und in Persien noch heute samarqandi, weil es in alter Zeit von Samar-
kand eingeführt wurde.
Basra war wegen seiner Glasfabrikation berühmt. Aghäni 3, 27: "In Basra war ein Glasbläser,
genannt H a m d ä n al-kharrät (eigentl. Glasdreher), der brachte einen Glasbecher, djäm, für jeman-
den, bei d e m gerade [der blinde, ungläubige Dichter] Bashshär war. Bashshär fragte ihn, ob er
ihm ein Glas mit d e m Bilde einesfliegendenVogels machen wolle, und der Meister machte es
1 3
M s . _>*, hayyiz 'Raum', möglich aber unwahr- Mit Verweis auf 'Abdallatif, trad. de Slane p. 109,
scheinlich; der gleiche Fehler bei Yäqüt III, 17, vgl. B G A IV, gloss.s.v./ v und &x, auch mafätih
siehe p. 83. al-'ulüm unter kharita, das mit andrer Bedeutung
3
NötigbeiderAnlagederpersischenganäre-.K'a/irt'ze. aus d e m Pahlavi zurückentlehnt ist.
* nS *

und brachte es ihm. D a sagte Bashshär: W a s ist auf d e m Glase? H a m d ä n : Das Bild eines fliegen-
den Vogels! B.: D u solltest über diesem Vogel einen andren Raubvogel machen, als ob der ihn
jagen wolle, das wäre schöner gewesen! H.: Das habe ich nicht gewußt! B.: Doch, aber du
wußtest, ich bin blind und würde es nicht sehen! U n d er drohte, ein Spottgedicht auf ihn zu
machen [für die er berüchtigt war]. D a sagte H a m d ä n : T u das nicht, du würdest es bereuen!
B.: Drohst du mir auch ? H.: Ja! B.: W a s bist du imstande zu tun, u m mich zu verspotten ? H.: Ich
werde dich auf die Tür meines Hauses malen, genau wie du aussiehst, d U X L <_pj> dläis- J* J*=-t_j
damit es alle Vorübergehenden sehen! B.: U m Allah's willen! Ich mache einen Scherz, und er
erwidert im Ernst!"
Für Töpferei war Küfa berühmt. Nach Aghäni 3, 126s, machten die Angehörigen des Dichters
abu l-'Atähiya "türkisblaue Krüge, j£\ j \jJ-l1 "und verkauften die Töpfereien, jläaiJi, in Küfa, be-
vor sie nach Baghdad übersiedelten, p. 129: "abu l-'Atähiya hatte Negersklaven und ebenso sein
Bruder Zaid, die khazaf (Irdenware) herstellten. W e n n sie etwas beisammen hatten, brachten
sie es zu einem Kontraktor, namens 'Ibäd al-YazIdi, von der Familie des Täriq al-djarrär, des
Töpfers, in Küfa. Der verkaufte es wie seine eigenen Sachen und gab ihnen den Ertrag. Andre
sagen, nein, nur sein Bruder Zaid tat das, er selbst nicht, denn als er einst danach gefragt wurde,
antwortete er: Ich bin ein djarrär al-qawäfi, ein Reim-Töpfer, mein Bruder ist ein djarrär al-
tidjära Handelstöpfer. Ein andrer sagt: ich habe abu l-'Atähiya gesehen, er war ein Töpfer;
die Neuigkeiten hören wollten und gebildete Leute kamen zu ihm, und er trug ihnen seine Verse
vor, und sie nahmen die herumliegenden Scherben und schrieben sie darauf." Das ist ein schönes
Beispiel für arabische Ostraka.
Die 'Ölmacher' meint Parfümmacher: die adhän, öle, von Küfa, besonders von Levkojen und
Veilchen, werden bei ibn Hauqal 213 und Muqaddasl 128 als beste genannt.
^ Ya'qübl 264: "al-Mu'tasim billah starb im Jahre 227 und sein Sohn Härün al-Wäthiq folgte -
ihm als Khalife. al=Wäthiq baute den Palast al-Härünl a m Tigris, und ließ darin Empfangssäle,
auf einer östlichen und einer westlichen dakka anlegen, und zog darin ein." "Die Lehen ver-
mehrten sich, und er ließ manche Leute näher, manche ferner wohnen, u m sie zu ehren, nicht u m
sie zu entfernen. So wies er d e m Wasif den Palast des Afshin in al-Matira an, und al-Wasif zog
aus seinem alten Palast [in al-Hair] in den des Afshin u m und blieb dort wohnen mit seinen Ge-
nossen und Truppen u m sich herum". "Die Bazare vermehrten sich, die Landungsplätze, an
denen die Schiffe von Baghdad, Wäsit, Basra und Mausil anlegten, dehnten sich aus. Die Be-
völkerung baute neue Häuser und machte sie solide und fest, als sie merkten, daß Surra m a n rä'a
eine zivilisierte Großstadt geworden war. Vorher pflegte m a n es 'askar 'Heerlager' zu nennen."

Ya'qübl hist. 590, kurz: "al-Wäthiq war aus den Palästen des Mu'tasim ausgezogen und hatte
sich ein Schloß, qasr, a m Tigris gebaut, al-Härünl genannt; er ließ dort zwei dakka anlegen, eine
westliche und eine östliche. Das war eines der schönsten Schlösser". Balädhuri: "Härün al-
Wäthiq residierte in Samarra in einem Bau, den er selbst baute und Härüni nannte, bis zu seinem
Tode daselbst."
dakka ist, wie dukkän, ein persisches Wort, und seine eigentliche architektonische Bedeutung
ist unklar. Oft ist es Terrasse, erhöhter Platz, Sitz, aber auch Portikus und Laden oder Kneipe.
Hier sind wahrscheinlich die zwei berühmten hänatain des Härüni gemeint, die hänat al-shatt und
hänat al-huram, siehe 'Menschen' p. 173. Tabari III, 1332, Erzählung von der Bestrafung der
Schreiber im Anfang der Regierung des Wäthiq, enthält folgende Beschreibung: "Jahr 229; nach
1
Vgl. Samarra, Keramik Tfl. VI.
* ii9 *

'Azzün b. 'Abdal'azlz al-Ansärl1: Eines nachts waren wir bei al-Wäthiq, als der sagte: Ich habe
heute keine Lust nach Wein, kommt, wir wollen uns diese Nacht Geschichten erzählen! Er
empfing in d e m riwäq al-ausat, der Mittelhalle im Härüni, in d e m ersten Bau, den Ibrählm b.
Rabäh gebaut hatte. Über einem der beiden Teile dieses riwäq war eine Kuppel, qubba, die sich
in den H i m m e l erhob, weiß wie ein Ei, bis auf einen Gürtel, etwa eine Elle nach Augenmaß, aus
geschnitztem, mit Lapislazuli und Gold eingelegtem Teakholz. Dieser Kuppelraum, qubba, hieß
riwäq al-mintaqa", d. i. "Halle mit der Gürtelkuppel".
mintaqa kann lediglich die Form des Schmuckstreifens beschreiben, und m a n könnte an eine
Inschrift in Gold auf Lapisgrund denken. Möglich wäre auch mintaqa als zodiacus. Andrerseits
wird m a n bei einem solchen Holzring unter der Kuppel an einen Fensterkranz denken, und wir
würden 'Tambur-Kuppel' sagen. Architekturgeschichtlich wichtig ist, daß über d e m Teak-
holzgürtel sich natürlich nur eine hölzerne Kuppel erheben konnte, wie die qubbat al-Sakhra in
Jerusalem2. D a ß nur einer der zwei Teile des Raumes von der Kuppel überwölbt ist, zeigt, daß
der Saal die in Samarra übliche _L-Form hatte.
Yäqüt IV, 946s: "Härüni, Schloß nahe bei Samarra [heutige Stadt], genannt nach Härün
al-Wäthiq billah, a m Tigris gelegen, 1 mil von Samarra, und gegenüber [auf dem Westufer] liegt
al-ma'shüq" [heute al-'Äshiq]. Eigene Kenntnis v o m Härüni kann er nicht gehabt haben. Die
Worte klingen, als hielte er das heutige bait al-khalifa, die Ruine des dar al-'ämma, für das härüni.
Nach Ya'qübl's obigen Worten war 'askar eine generelle Bezeichnung für die Stadt des Mu'ta-
sim, 'Heerlager', nicht ein bestimmter Stadtteil, wie m a n aus der Nisba der beiden 'Aliden — vgl.
Yäqüt III, 675 — al-'askari folgern könnte.
Ya'qübl 265: "Imjahre_232starb al-Wäthiq, und Dja'far al-Mutawakkil b. al-Mu'tasim folgte.
Er wohnte im Härüni^ das er allemPalästen des Mu'tasim vorzog. Seinem Sohn M u h a m m a d al-
Muntasir wies er den Palasjjdes Mu'tasim,. namens al-djausaq an; seinem Sohnjd-Mu'ayyad
äl^Matira; seinem Sohn -al-Mu'tazz hinter al-Matira im Osten den Ort Balkuwärä. So gnig das
bebauteGebiet ununterbrochen von Balkuwärä bis z u m Ende von Dür, eine Strecke von 4 Far-
sakh" (22 k m ) .
"Er fügte zu den Straßen von Hair die shäri' al-askar und die shäri' al-Hair al-djadid hinzu,
und erbaute a m Anfang von Hair eine Hauptmoschee auf einem weiten Gelände außerhalb der
Wohnhäuser, abgesondert von den Bazaren und Quartieren. Er machte sie weit und breit und ließ
sie solide erbauen. In ihr ließ er einen Springbrunnen, fawwära, anlegen, dessen Wasser unauf-
hörlich sprudelte".
"Die Zugänge zu dieser Moschee legte er in drei (parallelen) Reihen, sufüf, an, weiten und
1
Eincfär'AzzünbeiTabariIII,i503s.sieheIIIp.i78. euch den mächtigen v o m mächtigeren erkennen,
2
Z u d e m Schmuck vgl. 1001 Nacht, ed. Cair. bismillah, m ö g e der höchste so gütig sein, sich auf
IV, 171, N . 947, Der falsche Khalife: al-Rashid den Ehrenplatz, sadr [die Mitte], zu setzen, und
tritt mit seinen Begleitern verkleidet ein "und sie m ö g e n sich seine Brüder jeder auf seine Stufe,
sahen einen viereckigen Saal, dessen Decke mit martaba [durch Kissen bezeichnet], setzen". D a
Gold und dessen W ä n d e mit Lapislazuli verziert ist ein gleich geformter R a u m vorgestellt mit
waren. U n d darin war ein iwän [gleich riwäq, der ähnlichem Schmuck, und die Pracht ist nicht größer
sich auf diesen Saal öffnet], in d e m war eine schöne als im Härüni nach dieser Schilderung oder nach
sidilla, Tribüne [aus lat. sedilia eines Theaters, vgl. der von Wäthiq und Farida, Aghäni 3, 184SS, siehe
die Reliefs des T ä q i bustän, w o die Sängerinnen 'Menschen' p.171. Eine qasida des 'Ali b. Djahm,
auf solchen Tribünen sitzen], auf der hundert nach Aghäni 19, 119 auf das Härüni gedichtet, ist
Sklavinnen saßen ... D a rief der Hausherr ihnen mit größerer Wahrscheinlichkeit, wie Yäqüt I, 18
zu, und sie stiegen von ihren sarir, Klinen, herab, sagt, auf das Dja'fari gedichtet, vgl. p. 128. Die
und er wandte sich an Dja'far [den Barmakiden] darin enthaltene Beschreibung ist dabei so typisch,
und sagte: O mein Herr, ich kann nicht unter daß sie für alle großen Schlösser gelten könnte.
* 120 *

breiten, an der Hauptstraße anfangend, die v o m wädi Ibrahim b. Riyäh herkommt [d. i. die shäri'
abi Ahmad]. In jeder dieser Reihen waren Läden, darin es alle Erzeugnisse des Handels und des
Kleinhandels gab. Die Breite jeder Reihe war ioo Ellen, in der schwarzen Elle [51,8 cm], damit
ihm der Zugang zur Moschee nicht zu eng würde, wenn er Freitags mit seinen Truppen und
Scharen, zu Pferd und zu Fuß, in die Moschee ging".
"Von jeder Reihe zur parallelen Reihe führten Nebenstraßen und Gassen, in denen Lehen für
eine Menge des gemeinen Volks lagen. Die Wohnungen und Häuser des Volks wurden geräumig
gebaut, und die Bazarleute, Arbeiter und Handwerker hatten viel Platz in jenen Läden und
Bazaren, die in den Reihen der Großen Moschee lagen". " D e m Schreiber Nadjäh b. Salama gab
er ein Lehen an dem an dieQibla der Moschee anstoßenden Ende der Reihen. D e m Schreiber
A h m a d b. Isrä'Il gab er ein Lehen in der Nähe davon. D e m Astronomen M u h a m m a d b. Müsä
[al-Khwärizmi] und seinen Brüdern und einer M e n g e von Schreibern und Beamten, Hashimiden
oder andren, wies er auch Lehen zu".
Während bisher dem Berichterstatter immer die Periode des Mu'tasim und Wäthiq vor-
geschwebt hatte, geht er hier ganz auf die erste Periode des Mutawakkil über, bevor dieser die
Nordstadt erbaute. Über die gleiche Periode sagt unabhängig davon Balädhuri, 298: "Es folgte
im Khalifat der Befehlshaber der Gläubigen Dja'far al-Mutawakkil 'ala'llah, Allah erbarme sich
seiner!, im dhu 1-hidjdja 232 (Juli—Aug. 847), und er wohnte im Härüni. Er baute sehr viel und
wies der Bevölkerung im Rücken von Surra m a n rä'a, im Hä'ir, welches al-Mu'tasim als Tierpark
angelegt hatte, Quartiere zu, in denen sie sich ausbreiteten. Er baute auch eine große Haupt-
moschee, verwandte auf sie gewaltige S u m m e n und befahl, ein M^h^reTfiöchzu^auenTcIamit der
Ruf des mu'adhdhin von seiner Höhe erschalle, so hoch, daß m a n es stundenweit sehen könne.
In dieser Moschee hielt die Bevölkerung den Freitags gottesdienst ab, aber die erste Moschee
gaben sie auf."
~T!fe ihnen von ihrem Vater zugewiesenen Paläste Djausaq, Matira und Balkuwärä bewohnten
al-Muntasir, al-Mu'ayyad und al-Mu'tazz auch noch nach der Erbauung der Nordstadt und der
Ennordung des Mutawakkil. Die Entfernungsangabe, 4 Farsakh von Dür bis Balkuwärä, ist
genau f Luftlinie 20 km. Matira hatte erst Afshin, dann Wasif gehabt.
Balkuwärä erwähnte ibn Serapion ungenau als Ort der Köpfe der drei Qätül-Kanäle (siehe
oben p. 71). Yäqüt setzt in seiner Liste von Schlössern des Mutawakkil in Samarra zu dem Na-
m e n Barkuwän hinzu "für^al-Mu'tazz'JL Die Teakholzbalken v o m Holzrost seiner Mauern und
den Decken tragen die für Transportzwecke geschriebene Aufschrift: ju*3i\ s*\ i>. ^ j ^ Jf^
"der Prinz al-Mu'tazz billah, Sohn des Befehlshabers der Gläubigen"1. Balkuwärä ist also
von al-Mutawakkil für al-Mu'tazz, damals ein kleines Kind, gebaut. Z u m Thronfolger wurde er
nur 4 Jahre alt, im dhu 1-hidjdja 235 (um 1. VII. 850) ernannt, und noch vor dem Tode des Ibrä-
hlm b. al-'Abbäs al-Süll, damals Finanzminister, in 243 (858), fand in Balkuwärä dasBeschnei-
dungsfest statt, bei dem der Bau fertig und bewohnt war. Damit ist sein Datum bestimmt. Aber
die Etymologie des nicht-arabischen Namens ist dunkel2.
1
Vgl. diesen Thronfolgertitel in der Urkunde, m „ , ' . _. . ,. Vmm
IV 4 4 B a r k u w a r
'Menschen' p 196 ' ° > jl/li >im Zitat derselben Verse
• Auch die Form macht den Arabern SchW1erigkei- ™ t ^ .g^icher Erläuterung; endlich III 18
m
ten. Das unike M s . des ibn Serapion und al- ^ " d e m ? " ? * ^ al " Mu ta*z/ ^
geschlagene aramäische Deutungen sind unbe-
Shäbushti schreiben \J\JTJ, Barkuwärä; Ya'qübi friedigend, und es gibt auch anklingende iranische
p. 265 Balkuwärä Ijl/l.mit var. \j\fj,j\J&, vgl. die N a m e n : den G a u Burkhuwär, ir. burxvär bei
Anmerkung de Goeje's; Tabari III i86oj|jTj, oder Isfahan, ein Barkavän, Dorf in Färs und Insel im
i\fj.\ al-Tha'älibl^ latä'if p. 74 Aj\fx; Yäqüt Persischen Golf.
I, 605 Bazkuwär j\'ß°j,, mit Zitat von Versen, aber
Tafel X I V

a Qasr al-'Ashiq von Süden

tiU
.-*& *%smz

b Qasr al-'Ashiq von Osten

'fr*? - - >

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*»f* r ^: s. I ^ Ä Ä Ö J r^s

Qubbat al-Sulaibiyya von Südoste


* 121 *
Ungenau ist Yäqüt's Bemerkung I, 865: "Barkuwär, N a m e eines bait, Hauses, Saales, gebaut
von al-Mutawakkil in einem seiner qusür in Surra m a n rä'a". Auch die Verse, die nach ihm auf der
Ruine des Baus gestanden haben sollen, gehören eher nach al-mukhtär, bei dessen Beschreibung
er sie nochmals zitiert, siehe unten p. 133.
InBalkuwärä gab al-Mutawakkil das Fest der Beschneidung des Mu'tazz, das selbst die da'wat
al-Isläm "das Fest des Islam", die Hochzeit von al-Ma'mün und Börän in F a m al-Silh, die 35
bis 37 Millionen gekostet hatte, in Schatten stellte1. Die bei Shäbushti (Sachau p. 30s) und bei
Tha'älibl, latä'ifp. 72—75, erhaltene Schilderung stammt aus dem 'Klosterbuch' desabul-Faradj
al-Isfahänl. Die Kosten betrugen nach der Abrechnung des Ibrählm b. al-'Abbäs b. M u h a m m a d
al-Süll, der seit 233 den diwän al-nafaqät verwaltete, 86 Millionen Dirham. Qablha, die Mutter
des Mu'tazz, hatte zur Verteilung an die Gäste eine Million Dirham prägen lassen, mit der
Legende "Allahs Segen zur Beschneidung des 'Abdallah al-Mu'tazz billah"2. Die Schilderung
besteht fast ganz aus einer Aufzählung der Geld- und Sachgeschenke.
Das D a t u m m u ß 243 gewesen sein, inweichem Jahr nach Tabari 1436 Ibrählmb. al-'Abbäs starb,
also 3 Jahre vor der Einweihung von Dja'fariyya. Die Angabe, al-Mutawakkil wäre von dem drei-
tägigen Fest nach al-Dja'fariyya zurückgekehrt, ist ungenau; es müßte Härüni heißen.
Ganz echt ist: der Thron, auf d e m al-Mutawakkil empfing, stand fi sadri, vor der Rückseite
des Thronsaales3, der 27, 8 bezw. 30,94 m zu 12,9 m mißt, d. h. 50 oder 60 Ellen Länge, 25 Ellen
Breite. Für diese Halle wäre nach der Schilderung des Festes ein 100 Ellen langer, 20 Ellen brei-
ter Teppich (statt 50 mal 25) nötig gewesen, und m a n fand ein solches Stück nur unter der
Umayyadenbeute: einen golddurchwirkten Seidenteppich, mit Rand und Futter versehen, der
Hishäm b. 'Abdalmalik gehört hatte, und dessen Wert die Händler auf wenigstens 10000 Dinar
schätzten4. Auf den immensen Bau von Balkuwärä — er ist ein genaues Quadrat von 1250 m
Seitenlänge — bezieht sich auch eine sehr merkwürdige Erzählung bei Mas'üdi 7, 192—93, aus
nicht genannter, aber offenbar guter alter Quelle:
"al-Mutawakkil ließ während seiner Regierung einen neuen Bau aufführen, wie m a n ihn vorher
nicht gesehen, nämlich den als 'al-Hlrl und die Hallen und die beiden Ärmel' bekannten,
j^-SS\3 iijj^\j L$J^-\ • Das war, weil einer seiner Gesellschafter ihm eines Nachts erzählt hatte, daß
ein Fürst von Hlra, aus d e m Haus der Nu'maniden v o m Stamm banu Nasr, der eine Leidenschaft
für den Krieg hatte und zu jeder Zeit daran erinnert sein wollte, einen neuen Bau in seiner Residenz
hatte errichten lassen, ähnlich einem Heere in Schlachtordnung. In dem riwäq [gleich iwän]
war der Empfangssaal, madjlis, des Fürsten, und das war die Brust, sadr, mit den Ärmeln rechts
und links, und in den beiden Gebäuden, die die Ärmel bildeten, wohnten die ihm nahe stehenden
Hofleute, im rechten Ärmel war das Vorratshaus für die Ehrenkleider, und im linken was er an
Getränken gebrauchte. Der H o f vor d e m riwäq war der Brust und den Ärmeln gemeinsam,
und die drei Tore führten auf den riwäq. Dieser Bau wird bis heute Cal-Hlrl und die beiden
Ärmel' juiOlj^jJ-1 genannt, und die Leute folgten al-Mutawakkil darin, seinen Bau nach-
ahmend, der berühmt blieb bis auf unsere Tage".
1
Vgl. kit, Baghdad und Dozy, s. v. da'wat al-isläm. 3 Vgl. /. Vorl. Ber. Tafel X und X I , Wandschmuck
Die Osmanen setzten die Sitte solcher Feste fort; Taf. LIX.
in der Geschichte von Konstantinopel werden 4 Hishäm regierte 105—125 H.; der Teppich war
mehrere beschrieben, so 1550 unter Sultan Sulai- also 120 Jahre alt. Für archäologische Datierungen
m a n , 1582 unter Muräd III, vgl. v. H a m m e r , von Funden ist sehr zu beachten, daß selbst so
Gesch. d. Osmanen II, 517—27. vergängliche Dinge, — u m so viel mehr kostbare
2
So nach Sachau, es müßte aber sein: Gegenstände aus Metall und Stein — s o lange in
OC.5I1 jS\ a. *»\ >tl «*>' ** J' ^ ' ^ <M| Cr* ;r-'. Gebrauch bleiben können.
16 Herzfeld
* 122 *

Diesen Bau erwähnt auch al-Djauhari s. v. sidillä: tSö^* Ü«oU)l tL>\j <_£** JLs Jt JJLJI
JWC ^jÜ-ls^o^ j o^ <i/ytf ^o" "nach der Form /ü''*7/ä, ins Arabische übertragen aus persisch
sihdillah, als ob es drei Häuser (oder Zimmer, buyüt) in einem wäre, wie das 'Häri mit zwei
Ärmeln'". Freitag fügt hinzu: "de verbis al-häri bi-kumain nil inveni". hiri oder häri sind nach
Yäqüt II, 375 beides Nisben von Hira, < syr. Hertha. Die Erklärung von sidillä aus d e m
Iranischen ist irrig, es ist lat. sedilia, Sitzstufen, Tribüne1.
Die Ausdrücke sadr und kumain stammen aus der militärischen Sprache, gehen aber auch da,
wie in der Architektur, darauf zurück, daß die Aufstellung, wie der Bauplan, einer arabischen
'abäya gleicht2. Wir sprechen in beiden Fällen von 'Flügel' statt 'Ärmel', riwäq für iwän ist
geläufig; persischen Ursprungs sind beide, aber in jener Zeit wird iwän eigentlich nur von dem
Iwän des Kisrä in Ktesiphon gebraucht3. Der riwäq von Balkuwärä ist Thronsaal, madjlis und
sadr 'Brust' des Baus; die beiden Ärmel rechts und links enthalten tatsächlich die Wohnungen
der Gäste und Vorratsräume, der Ehrenhof ist wirklich d e m riwäq und den Ärmeln gemeinsam,
und die Achse der drei Tore ist die des großen riwäq. Während der Erzähler von 'Schlacht-
ordnung' spricht, ist der Plan geschichtlich ein castrum, der sadr ist das praetorium des Heerlagers.
Der Stadtplan läßt deutlich erkennen, wie sich die Stadt unter al-Mutawakkil nach Süden und
Osten ausdehnte: die Gradheit und Regelmäßigkeit des Netzes breiter Straßen ist dafür bezeich-
nend. Nach denselben Grundsätzen wird die Nordstadt unter al-Mutawakkil angelegt. Anstelle
eines zufälligen Zusammenwachsens von Häusermassen u m die verschiedenen Paläste als nuclei
tritt seit dieser Zeit eine planmäßige, gezeichnete und im Gelände aufgetragene Bebauung. Das
trifft auch für den Ostteil zu, in Richtung gegen die Große Moschee. Dies Gebiet nennt Balädhuri
den 'Rücken' von Samarra.
Die Große Moschee hatte Ya'qübl erwähnt, w o er von der alten Moschee des Mu'tasim in der
ersten Straße sprach; sie heißt heute nach ihrem Spiralturm al-malwiyya4. Sie liegt außerhalb der
Wohnhäuser, und als sie gegründet wurde, war jenes z u m Tiergarten gehörige Gelände ganz
unbebaut.
In der Geschichte von Samarra k o m m t sie bei der Ermordung des Sälih b. Wasif vor: nach seiner
Gefangennahme wurde dieser auf einem Maultier v o m Palast des M ü s ä b. Bogha "aus dem bäb
al-Hair, das beiderqibla der Großen Moschee liegt" (an deren SO-Ecke) "herausgebracht, und
als m a n ilä hadd, in die H ö h e des Großen Minaret kam, ermordet, sein Haupt z u m Djausaq
gebracht". Sie ritten also durch das Hä'ir an der Ostseite der Moschee entlang.
Die drei Zufahrtstraßen, sufüf 'Reihen', ein N a m e der das Vorhandensein von Bazarläden
einschließt, ioo Ellen oder 51,8 m breit, sind deutlich zu sehen. W i e es im Texte heißt, beginnen
sie im Westen nicht an der saridja, sondern an der "vom wädi Ibrählm b. Riyäh herkommenden",
zweiten Straße. A n dieser Stelle folgt Ya'qübl nicht seiner sonstigen Orientierung von Osten
nach Westen, weil er im Sinne hat, daß der Khalife v o m Härüni her die zweite Straße herab zu
1
Vgl. meinAleppo, (M.C.I.A.). InAleppo gibt es ein sehen' p. 222.
sidillä genanntes Quartier, Spur des römischen :! Die arabisierte Form liwän ist wohl jünger und
Theaters. — Immer eine Holzkonstruktion, so besonders syrisch.
Muqaddasl 316 vom 'Dachstuhl, Gestühl' der ' ibn Rusta gebraucht das Wort in gleicher Bedeu-
großen Moschee von Nishäpür, Bau des abu tung 46, 6 und 8, zur Beschreibung der Säulen im
Muslim, u m 136 (754) und des'Amr b. al-Laith, u m ,.., ,, » ,«
/ooo\ • u* v T JJ 1 J r-> • masdpdal-liaramS *.—> ov\ -J- oli A- Ol »^ otelja-l-
275 (888); nicht mit Lane, und danach de Goeje, '• - -•? 3 - ^
BGA IV 'tricamaratus' (nach Djauhari). Dies Säulenpaar sah danach aus wie die Säule in der
2
Aus gleichem Grunde werden sie auf die Anordnung ersten Kapelle des Südschiffs von San Pietro, die
der Teppiche im Raum angewendet, siehe 'Men- aus dem Tempel von Jerusalem stammen soll.
* 123 *

den 'Reihen' der Moschee reitet. Diese sind eine Ausdehnung des an der ersten Straße gelegenen
'Großen Bazars' nach Osten. Die Moschee selbst ist davon durch die ziyäda1 abgesondert, das
äußere, viel größere Rechteck, in d e m die eigentliche Moschee steht, ebenso die von Mutawakki-
liyya. Diese RaumaAlage erinnert an die der ( Umayyaden-Moschee, w o die gleiche Bezeichnung
auftritt. Damit ist der Ursprung gekennzeichnet: die temenoi, in denen die altorientalischenund
hellenistischen Tempel standen. Der Gedanke bleibt immer der gleiche: das Heiligtum m u ß
v o m profanen Gewühl der Bazare abgesondert werden.
Ibn al-Athir J X , 209 berichtet von verschiedenen Bränden i. J. 407, darunter dem des djämi'
Surra man rä'a, womit nur diese Moschee gemeint sein kann.
Muqaddasl 122, u m 375 (985), sagt nach eignem Augenschein: "Samarra: dort ist eine Große
Moschee, die mit der von Damaskus wetteiferte. Ihre W ä n d e waren mit minä bekleidet, sie hatte
Marmorsäulen und Marmorpflaster und ein hohes Minaret, und war solide gebaut, aber heute
ist sie verfallen". Das Wetteifern meint die Pracht. So drückt sich ibn al'Adim bei ibn Shihna,
dürr, 61 über das Verhältnis der Gr. Moschee von Aleppo zu der Umayyaden-Moschee aus,
nach d e m qädl Shams al-dln abu 'Abdallah M u h a m m a d b. al-Khidr: "Die Moschee von Aleppo
wetteiferte mit der von Damaskus in ihrem Schmuck, ihrem Marmor und ihren Mosaiken, und
m a n sagt, Sulaimän b. 'Abdalmalik hatte sie gebaut und wollte sie ebenso schön machen, wie das
Werk seines Bruders Walld in Damaskus". Der Ausdruck minä ist mehrdeutig. Das pers. Wort
heißt zunächst Glas, Kristall, so schon in d e m awest. Bergnamen mainaxan 'Kristallquelle'2, dann:
"kleine Glasstücke, gefärbt wie Rubinen, Smaragden und andres, die m a n als Schmuck in den
Heißräumen der Bäder u.a. benutzt". D a könnte m a n an Glasmosaiken oder, da die Farben a m
besten bei durchscheinendem Licht wirken, an die bekannten Mosaikfenster denken. Endlich:
Emailfarbe auf Metall und auf Fayence3. Aber wenn minä an einem Bau erwähnt wird, der mit
der Umayyaden-Moschee wetteifert, kann es nichts andres als Glasmosaik bezeichnen.
Hamdallah al-MustaufI, p. 42 (um 700/1400): "al-Mutawakkil erbaute in Samarra eine hohe
Moschee und ließ ein steinernes Becken, von 23 Ellen Umfang 7 Ellen Höhe und (nur) 1/2 Elle
Dicke, aus einem Stück, mitten in ihr aufstellen; dies heißt käsa i Fir'aun 'Tasse des Pharao', und
in jener Gegend gibt es in mehr als 30 Farsakh Umkreis kein solches Gestein. — In jener Moschee
baute er ein Minaret, 170 Ellen hoch, dessen Aufgang von außen war, ein Minaret von solchem
Plan hatte vor ihm niemand gebaut4. Gegenüber der Moschee ist das Grab des I m ä m i ma'süm
'All al-Naql, N a c h k o m m e des I m a m Hasan i 'Askarl, Allah habe an beiden Wohlgefallen! Der
abbasidische Khalife al-Mutawakkil baute sehr viel in Samarra, insbesondere einen hohen Palast,
köshk5, wie es in den iranischen Ländern keinen größeren gab, und nannte ihn nach sich selbst
Dja'fari".
Die H ö h e ist zu hoch geschätzt; immerhin ist das Minaret ohne seine alte Bekrönung noch über
50 m hoch, das wäre 170 Fuß. Die käsa i Fir'aun war ein großes Granitbecken, etwa doppelt so
groß wie das im Bau der Qablha im Djausaq ausgegrabene; dies ist aus Ägypten importiert und
für einen Springbrunnen adaptiert6. Die 'Pharao-Tasse' Standern der Mitte des Moscheehofes,
1
Muqaddasi 159 spricht von dem bäb al-ziyäda, dem einer heißen Quelle, ab i garm, in der Provinz
antiken propylon der Umayyaden-Moschee und 199 Isfahan.
von den ziyädät der Moschee des Ibn Tulun. Nach :! Vgl.C. J.Lamm'sBemerkunginBd.IV,ii3undii5.
ibn al-Athir 6, 51, Jahr 167 H , ließ al-Mahdi i Vgl. Muqaddasi 199, Fustät, Djämi' ibn Tulun:
ziyädät in den Moscheen von Mekka, Madina und TJli ^ l^jj ja- ^ c,b.j .
Mausil anlegen, in die sehr viele Grundstücke 5 Cf. oben djausaq p. 95.
hineingezogen wurden; in Mausil sah man noch 6 Form des großen Granitbeckens im Berliner Lust-
603 eine davon sprechende Inschrift. garten, in klein.
2
ibn Rusta 158a: mmämand 'kristallklar', N a m e
16*
* 124 *

dieFundamentierung war noch feststellbar, und Reste deuten an, daß über ihr ein leichter Kuppel-
bau auf Säulen errichtet war, wie die Brunnenhäuser der Moscheen von Damaskus, Aleppo,
Ma'arrat al-Nu'män. Das Wasser k a m durch ein unterirdisches qanät, das fern vonNorden her
in die Moschee führt.
Wie u m andre Ruinen von Samarra, knüpft sich eine lokale Legende an die Malwiyya, die
'Abdalrazzäq Effendi, der Kommissar unserer Grabungen, die Güte hatte, mir aufzuschreiben.
Hier folgt der Text, der eine Variante der Erzählung ist, die sich in Ägypten an das Minaret des
ibn Tulun knüpft:
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Jitl *3b l^L j *?_jUI

Nur noch wenige Personen werden erwähnt, die Lehen in den neuen Straßen erhielten. Nadjäh
b. Salama, ursprünglich Schreiber des Ibrählm b. Riyäh, war schon Schreiber bei al-Mu'tasim.
al-Wäthiq legte ihm gleich eine große Geldstrafe auf. Unter al-Mutawakkil erreichte er seine
größte Macht, wurde dann aber elend umgebracht. Ahmad b. Isrä'il al-Anbärl wurde auch von
al-Wäthiq betraft; aber al-Mu'tazz, zu dessen Schreiber al-Mutawakkil ihn ernannt hatte, hatte
ihn sehr gern und sagte von ihm: "er hat mich erzogen", das heißt daß al-Mu'tazz bei ihm das
Schreiben und die Verwaltung gelernt hatte. Nach der Ermordung des Mu'tazz wurde auch
A h m a d als einer der 'untreuen Schreiber' von Sälih b. Wasif umgebracht, Tabari III, 1720.
Muhammad b. Müsä ist der große Mathematiker, Astronom und Geograph al-Khwärizml
— [Algorithmus] — der mehrmals unter al-Wäthiq und al-Mutawakkil auftritt1.
In den sufüf in der Nähe der Großen Moschee hatte Qablha, die Mutter des Mu'tazz, ihr
geheimes, unterirdisches Schatzhaus, Tabari III, 1718, vgl. 'Die Menschen' p. 252.
In den zwei letzten Jahren des Mutawakkil wurde die Nordstadt von Samarra gebaut und
bewohnt. Darüber gibt es drei unabhängige Berichte.
^ B j ü ä d j n m j>._a98: "Dann gründete al-Mutawakkil eine neue Stadt, die er al-Mutawakkiliyya
nannte, erbaute sie, residierte selbst darin und wies d e m Volk Lehen an. Er legte sie auf dem
Gelände zwischen Karkh mit dem Beinamen Fairüz und d e m Qätül mit d e m Beinamen Kisrä an
und zog Dür und das Dorf namens al-Mähüza in sie hinein. Er baute dort eine Hauptmoschee.
Von dem eigentlichen Baubeginn bis zu seinem Einzug waren es nur Monate. Er zog ein zu
Beginn des Jahres 246. Er starb dort, Allah erbarme sich seiner!, im Shawwäl des Jahres 47
(XII. 861). In derselben Nacht wurde al-Muntasir billah z u m Khalifen gewählt. Der zog fort
nach Surra m a n rä'a a m Dienstag, 10. Shawwäl (18. XII. 861) und starb dort."
1
Er schrieb auch über Geschichte und interessierte II, la 1894, und "al-Battenii Opus". — Bruch-
sich für Rhythmus in Poesie und Musik. Vgl. stücke der Chronik in Baethgen, Fragmente syr.
Wiedemann, Enz.Isl. s. v.; Nallino, al-Khwärizmi u. arab. Historiker, Leipzig 1884.
e il suo rifacimento di Tolomeo, Acc. dei Lincei
* 125 *

Karkh Fairüz, Lehen des Ashnäs, heute Ishnäs, ist tatsächlich der Südpunkt und al-Mähüza,
die 'Stadt von Tirhän', heutige Ruinen al-Hait, der Nordpunkt der neuen Stadt; außerhalb liegt
nur das 2,5 q k m große Gelände des eigentlichen Palastes. Über al-Mähüza war schon oben
gesprochen.
Tabari III, 1438: "Im Jahre 245 befahl al-Mutawakkil die Erbauung von al-Mähüza und gab
ihm den N a m e n al-Dja'fari. Er verlieh dort Lehen an die Offiziere und seine Genossen und war
eifrig beim Bau, und zog nach al-Muhammadiyya, bis der Bau von al-Mähüza vollendet war.
Er befahl die Schlösser al-mukhtär und al-badi' abzureißen und ihre Teakholzbalken nach Dja'fa-
riyya zu schaffen. Er gab für den Bau, wie m a n sagt, mehr als 2000000 Dinar aus. U n d er ver-
sammelte dort Qur'än-Vorträger, die vortrugen, und ließ Musikanten kommen, die musizierten,
und verteilte 2000000 Dirham Geschenke an sie. Er selbst und seine U m g e b u n g nannten die
Stadt al-Mutawakkiliyya''.
Ibn al-Athir und Mas'üdi wiederholen diesen Bericht verkürzt. Ya'qübl, kit. al-buldän, 236:
"al-Mutawakkil beschloß dami, sich eine Stadt zu erbauen, in die er ziehen und die er nach sich
benennen wollte, damit sie sein Andenken verewige. Er befahl dem Astronomen M u h a m m a d
b. M ü s ä [al-Khwärizml] und den an seiner Pforte anwesenden Ingenieuren einen Platz auszu-
wählen. Ihre Wahl fiel auf einen Ort namens Mähüza, und m a n sagte ihm, daß schon al-Mu'tasim
im Begriff gewesen sei, dort eine Stadt zu erbauen1 und einen Kanal zu graben, der in alter Zeit
bestanden hatte. Er entschied sich dafür und begann die Entwürfe im Jahre 245".
Mutawakkiliyya und Dja'fariyya sind gleichbedeutende Namen. Für die Gründung wird ein
Horoskop gestellt, wie bei Baghdad. Dort hatten es Nöbakht und Mäshalläh getan. Die aus-
führliche, durch Maßangaben ausgezeichnete Beschreibung der 'Runden Stadt' des Mansür
durch M u h a m m a d b. Khalf al-Waql' im Werke desKhatlb al-Baghdädl geht wahrscheinlich auf
M u h a m m a d b. M ü s ä al-Khwärizmi zurück, der für Samarra eingehende Studien gemacht zu
haben scheint, vgl. 'Arch. Reise' II 117. Muhammadiyya, w o sich der Khalife während der Bau-
zeit aufhielt, u m oft den Bauplatz zu besuchen, lag nach ibn Serapion a m Qätül al-Kisrawi und
wäre nach Yäqüt identisch mit Itäkhiyya und dem Kloster dair abi 1-Sufra. In den Historiae 601
gibt Ya'qübl als Abstand zwischen dem qasr von Samarra und Mähüza 3 Farsakh an; es sind
genau 16,5 km. Auf p. 602 benutzt er die seltsame, aber nicht vereinzelte Ausdrucks weise:
"al-Dja'fari, das er Mähüza nannte", statt umgekehrt. Ya'qübl fährt fort:
"Er verfügte, jenen Kanal zu graben, der inmitten der Stadt liegen sollte. Die Kosten für den
Kanal wurden auf 1500000 Dinar veranschlagt, aber er erfreute sein Herz daran und genehmigte
es. M a n begann zu graben und gab ungeheure S u m m e n für diesen Kanal aus". Weiter unten,
p. 287: "Nur daß der Kanal nicht fertig gestellt wurde und bis auf ein kleines Rinnsal, nicht
ununterbrochen und nicht beständig, kein Wasser in ihmfloß,trotzdem er etwa 1000000 Dinare
dafür ausgegeben hatte. Doch war das Ausschachten ganz besonders schwierig, weil die Hacken
in d e m Kieselkonglomerat, in d e m m a n graben mußte, nicht arbeiteten".
Tabari III, 1438: "Er befahl, einen Kanal zu graben, der 5 Farsakh oberhalb von Mähüza bei
einem Ort namens K a r m ä 2 beginnt, u m das Gebiet vom Kopf des Kanals bis nach Dja'fariyya
zu bewässern. U n d er befahl, Djabiltä und Khasäsa3, das obere und das untere, und al-Karmä
zu nehmen und die Bewohner unter Verkauf ihrer Häuser und Grundstücke daraus zu entfernen.
Die wurden dazu gezwungen, bis alle Häuser und Ländereien in seinem Besitz waren und er sie
ausziehen ließ. Die Kosten für den Kanal wurden auf 200000 Dinar veranschlagt, und die Aus-
3v L oben
1 Vgl. oben p. 91. g P- 67'-> heute findet m a n dort Stuck"
2
Syr.' Kanne! 486-554 p. Chr. als nestorianisches Ornamente, Holzschnitzereien und Töpfereien der
Bistum erscheinend. Periode des Mutawakkil.
* 126 *

gaben übertrug er d e m Dulail b. Ya'qüb, d e m Christen1, d e m Schreiber des Bogha, im dhu


1-hidjdja 245 (27. I L — 2 7 . III. 860). Er teilte d e m Kanalbau 12000 M a n n zu, daran zu arbeiten,
und Dulail behielt die Leitung die ganze Zeit, gab Geld über Geld aus und verteilte seine Scharen
auf die Schreiber, bis al-Mutawakkil ermordet und der Kanalbau eingestellt wurde. Dja'fariyya
wurde zerstört und sank in T r ü m m e r , bevor der Kanal vollendet war".
Yäqüt II, 86, s. v. al-Dja'fari, sagt, der Kanalkopf sei 10 Farsakh oberhalb von (dem heutigen)
Samarra bei djubbat Didjla gewesen. Diese Angabe hat den K o p f des nähr Nä'ifa im Sinn,
nördlich von I m ä m Dür, Arch. Reise I, p. 53, Abb. 25. — D a n n spricht er von 2000000 Dinar
Baukosten und der "Verwaltung des Dulail b. Ya'qüb, des Christen, Schreibers des Bogha al-
sharäbl", nach abu 'Abdallah ibn 'Abdüs. Diese seine Quelle m u ß selbst aus Tabari schöpfen, und
m a n m u ß bei Tabari 2000000 für 200000 Dinar einsetzen2, ibn 'Abdüs bemerkt, die Relation
von Gold und Silber sei unter al-Mutawakkil 25:1 gewesen3. Die Zahlen sind nicht übertrieben.
Unglaublich ist nur, das m a n das ungeheuerliche Werk des Kanals in wenig über 1 Jahr mit nur
12000 Arbeitern fast fertig gestellt hatte. al-Mansür begann die Runde Stadt von Baghdad mit
100000 Arbeitern; das ist wahrscheinlicher. Allein die Nordstrecke des Kanals, die hier in Frage
kommt, ist etwa 140 Ion lang, gut 100 m breit, und dabei in d e m nördlichen Hinterland von
Samarra bis zu 8 m Tiefe in den Konglomeratfels gehauen, in d e m die Eisenhacken nach einer
halben Stunde stumpf werden und gespitzt und gehärtet werden müssen. Ein Heer von Schmie-
den m u ß dauernd daran gearbeitet haben. Der N a m e al-Qätül al-kisrawi und die Tatsache, daß
schon al-Rashid einen südlichen Zufuhrkanal, den abu l-djund grub, der sich mit d e m Kisrawi
vereinte — siehe oben p. 74 — setzen einen älteren, sasanidischen Kanal in der gleichen Trace
voraus. Aber zu dem Werk der islamischen Zeit gehört z. B. auch der Band i 'Adaim, das Stau-
werk, das den ganzen 'Adaim abschnitt und sein Wasser auf der höheren Ebene in einem nörd-
lichen Zweige, d e m Batt, und einem südlichen, d e m Rädhänät, in den Qätül leitete.
Yäqüt III, 17, s. v. Dja'fariyya: "Er leitete v o m Tigris zwei qanäte ab, eines für den Sommer,
eines für den Winter [Nieder- und Hochwasserstand], die in die Moschee laufen und sich in den
Straßen von Samarra verteilen. U n d er leitete einen andren Kanal ab, so angelegt, u m in al-Hair4
einzutreten. Aber er starb, bevor er vollendet wurde".
Die Pläne zeigen deutlich, auf eine Strecke von 10 k m , ein großes qanät, das beim Dja'fari-
Schloß beginnt, sich in diesem verteilt, und die SW-Ecke der Großen Moschee von Dja'fariyya
kreuzt. Andrerseits zeigen sie ein andres, noch größeres System von qanäten, das da beginnt, wo
der westliche Zweigkanal, al-Shäkha (pers.) von Karkh her sich mit d e m Qätül al-kisrawi vereint,
genau nach Süden läuft, noch bevor es in das Stadtgebiet von Samarra eintritt, zwei Arme nach
Westen und Osten entsendet — der östliche geht z u m Teil al-'AlIq — dann östlich a m Djausaq
vorbei geht und an der Grenze des Hä'ir entlang schließlich die Große Moschee des Mutawakkil
in al-Hair erreicht. Die kurze Stelle bei Ya'qübl, die unter Dja'fariyya aufgeführt wird, bezieht
sich auf das nördliche u n d auf das südliche System. "Vor der Vollendung" meint den großen
Qätül, denn es folgt: "er hatte darauf 700000 Dinar ausgegeben", nämlich von den veranschlagten
1500000; bei Ya'qübl etwa 1000000 Auslagen,
1
Einer der Fälle, die seinem eigenen Erlaß gegen die lichen Verkehr 1:20, bei den Regierungskassen
ahl-al-dhimma widersprechen, vgl. p. 193. selbst 1:22, unter al-Mutawakkil 1125 (nach Yäqüt
- Ya'qübi, oben, spricht von 1500000 Dinar. II, 86), zur Zeit des Qudäma, u m 266 H., 1:15»
'•' A. v. Kremer, SBer. Wien Ak. d. W. 12. Mai 1887,unter al-Muqtadir 1:20.
'Einnahmebudget des Abbasidenreichs von 306 H." 1
p. 287: Ursprüngliches Verhältnis von Dinar zu Ms.jli.1, hier deutlicher Fehler für ^.l\, daher auch
Dirham war 1 :io, zur Zeit des Räshid im gewöhn- Yäqüt 1,807 besser hair statt hayyiz zu lesen (p. 64).
* 127 *
Über die Stadt Dja'fariyya und das qasr al-Dja'fari schreibt Ya'qübl: "Er ließ die Pläne für
seine Schlösser und die Häuser entwerfen und gab seinen Thronfolgern und allen andren Söhnen,
den Offizieren, Schreibern, Truppen und der Bevölkerung insgesamt Lehen."
Er verlängerte die shäri' al-a'zam v o m Palast des Ashnäs, der in Karkh liegt und den damals
Fath b. Khäqän erhielt, bis zu seinen Schlössern, u m 3 Farsakh1. Vor diesen Schlössern legte er
drei gewaltige Tore an, so hoch, daß einReiter mitLanze hindurchreiten konnte2. Der Bevölkerung
wies er rechts und links von der shäri' al-a'zam Lehen zu, machte die Straße 200 Ellen3 breit,
und plante auf beiden Seiten je einen Graben zu graben, in dem Wasser aus dem großen Kanal,
den er grub, fließen sollte4. "Die Schlösser wurden gebaut, die Paläste errichtet, und die
Bauten wuchsen in die Höhe. al-Mutawakkil ging selbst herum, und wen er eifrig beim Bauen
sah, belohnte und beschenkte er, so daß das Volk eifrig dabei war. Diese Stadt nannte er al-
Dja'fariyya. Die Bauten reichten von al-Dja'fariyya bis nach Dür und weiter bis Karkh und
Surra m a n rä'a, sich bis zu d e m Orte erstreckend, den er seinem Sohn abu 'Abdallah al-Mu'tazz
als Wohnsitz angewiesen hatte [nämlich Balkuwärä]. Dazwischen war kein freies Feld, keine
Lücke und kein Platz ohne Bebauung, und das war eine Strecke von 7 Farsakh"5.
"Der Bau wurde innerhalb eines einzigen Jahres aufgeführt. Die Bazare wurden an einem
abgesonderten Orte angelegt, in jedem Viereck und Stadtviertel wurde ein Bazar angelegt, und
die Hauptmoschee wurde erbaut".
"In diese Schlösser der Stadt zog al-Mutawakkil a m 1. muharram 247 (17. III. 861) ein. Als
er Audienz gab, verlieh er d e m Volk hohe Belohnungen, beschenkte sie und verteilte Gaben an
sämtliche Beamten, Schreiber und wer sonst eine Arbeit geleistet hatte. Seine Freude war voll-
k o m m e n , und er sagte: "Jetzt weiß ich, daß ich ein Herrscher bin, denn ich habe mir eine Stadt
gebaut, in der ich wohne". Quantilla prudentia regitur mundus.
"Die Staatsämter wurden überführt: der diwän al-kharädj, der Grundsteuern, der diwän al-
diyä', der Domänen, der diwän al-zimam, der Finanzkontrolle, der diwän al-djund wa l-shä-
kiriyya, der arabischen Truppen und Garden, der diwän al-mawäli wa l-ghilmän, der Klienten
und Sklaven, der diwän al-barid, der Post, und die übrigen Kanzleien." "al-Mutawakkil bewohnte
seine Schlösser in Dja'fariyya im ganzen neun Monate und drei Tage und wurde a m 3. shawwäl
d. J. 247 (10. XII. 861) im qasr al-Dja'fari, d e m unheilvollsten seiner Schlösser, ermordet."
"Es folgte al-Muntasir ibn al-Mutawakkil. Dieser zog nach Surra m a n rä'a zurück und befahl
der ganzen Bevölkerung, ihre Häuser zu zerstören und das Baumaterial nach Surra m a n rä'a zu
schaffen. U n d das Volk zog u m und schaffte die Baustoffe der Häuser nach Surra m a n rä'a. Die
Schlösser von al-Dja'fari, seine Häuser, Wohnungen, Bazare fielen in kürzester Frist in Trümmer,
der Ort wurde wüst, keine Menschenseele war darin, niemand wohnte darin. Die Paläste lagen
öde, als ob niemand sie je bewohnt, niemand je darin gelebt hätte". Die Hauptmoschee von
Dja'fariyya ist die heute Djämi' abuDelif genannte, im nördlichen Teil der Nordstadt zwischen
Mähüza und der shäri' al-a'zam gelegen, abu Delif ist moderne Aussprache von abu Dulaf,
N a m e des großen Dichters und Edelmannes aus der Zeit des Mu'tasim6. Die Moschee wird in
den Jahren 246—48 ein paar M a l erwähnt. Kurz vor der Ermordung des Mutawakkil vertritt ihn
al-Mu'tazz dort beim Opferfest und reitet im großen Festzug von da z u m Dja'fari-Palast zurück.

iDie Länge ist genau 13,5 km. 5 Luftlinie ist 32,5 km, Weglänge 36 km.
6
• Die arabischen Lanzen sind 5 m lang. Volkstümlich Dja'far abu Dehf al-Barmaki, statt
3 Die Breite ist genau 103,5 m . Qäsim al'Idjli, eine Vermischung mit den Barma-
' M a n sieht deren Spuren deutlich zu beiden Seiten kiden, weil der Dichter wegen seiner barmaka
der Straße. A n manchen Stellen sieht man, daß berühmt war.
sie ein Pflaster von Kieseln in Mörtel hatte.
* 128 *

Als dann al-Mutawakkil selbst z u m letzten M a l dahin geht, stehen Truppen und Volk Spalier,
die 4 mil des Weges entlang, in zwei Reihen. Die genaue Entfernung ist 5,5 k m . Die Mutter des
Mutawakkil wurde bei dieser Moschee begraben.
Der große Palast, in d e m v o m Tigris und d e m Qätül gebildeten Dreieck gelegen, bedeckt
2,5 q k m , ohne Dependenzen immer noch 1,5 qkm. Ibn Serapion sagt, der Qätül begrenze das
Dja'fari und werde dort von einer Steinbrücke überspannt; die Ruine heißt gantarat al-rasäs
'Bleibrücke', von den Bleiklammern, die die Steine verbanden. D a ß das Dja'fari a m Tigris lag,
wird mehrmals gesagt. Mas'üdi 7,220s erzählt, wie al-Mutawakkil und sein Freund und Berater
al-Fath b. Khäqän ['Urtudj] von einem hohen Punkt des Dja'fari aus den khalidj, Strom, über-
blicken, auf d e m Schiffe liegen, und wie sie ein von einem Matrosen, malläh, gekochtes Ragout
essen. Bei der Ermordung des Mutawakkil werden alle Tore verriegelt, bis auf das bäb al-shatt,
das große Tor der Stromseite, durch das die Mörder hereinkommen. U n d als der Wezir 'Ubai-
dallah b. Yahyä b. Khäqän darauf den Palast verlassen will, m u ß er erst drei innere Tore auf-
brechen lassen, u m an den Fluß zu k o m m e n und ein Boot zu besteigen, auf d e m er zu al-Mu'tazz
hinabfährt. Der Prinz hat seinen Palast schon verlassen und ist zu Muntasir geritten.
Auch das Dja'fari hatte ein bäb al-'ämma, ein Haupttor auf der Stadtseite, w o die shäri' ^l-a^zam
das Palastgelände erreicht. Die von Ya'qübl erwähnten 'Drei Tore, so hoch, daß ein Reiter mit
Lanze hindurchreiten konnte" also über 5 m hoch, müssen außerhalb des bäb al-'ämma gelegen
haben, ich vermute hintereinander wie die drei Tore von Balkuwärä, denn a m Morgen nach der
Ermordung wurde eine Volksmenge, die sich an diesem bäb al-ämma versammelt hatte, von
Truppen 'gegen die Drei Tore' zurückgedrängt, wobei einige verunglückten.
Tabari III, 1438 sagt nur einen Satz über das Dja'fari: "al-Mutawakkil erbaute in Dja'fariyya
ein Schloß, das er lu'lu'a, die Perle, nannte, dessengleichen an Pracht m a n nirgends gesehen
hatte". al-Lu'lu'a ist entweder mit d e m Dja'fari einfach identisch oder der Hauptbau des Dja'fari.
Yäqüt III, 18 zitiert ein Gedicht, in d e m 'All b. Djahm sagt, Dja'fariyya übertreffe die Bauten
der Perser (Sasaniden) und Römer und des Salomo. Dabei erwähnt er die fasäfis, Glasmosaiken
des Palastes. Wir haben dort nicht gegraben, aber in Balkuwärä und in der Großen Moschee sind
Glasmosaiken festgestellt. Nach Aghäni 9,119s will M u h a m m a d b. 'Abdalsaläm bei'All b. Yahyä,
d e m Astronomen, das Manuskript einer qasida des 'All b. Djahm gesehen haben, die eine Schil-
derung des Härüni enthielt1. Aber Yäqüt I, 18 zitiert Verse der gleichen qasida als Schilderung
des Dja'fari, und das ist richtiger, denn der Dichter wird nicht in einem Gedicht auf Dja'far ein
von seinem Bruder Härün gebautes Schloß preisen. Die Schilderung selbst ist dabei typisch und
trifft auf alle großen Schlösser von Samarra zu.

L»jl^l) L^._J1 i_*2j c ^_Ä_IJ1 Oo dLLo Ä_Jjj

l»jbu* ^^o J* J"jVl J,^ oljil U ^_l^_)ll J^ sj

Die Kuppel, der die Sterne ihre Geheimnisse anvertrauen, der Springbrunnen, der sein Ziel,
den Himmel, trifft und dessen Wasserstaub den Wolken zurückgibt, was sie als Regen haben
fallen lassen, ist allen gemeinsam. I m Djausaq war das der Mittelpunkt des ganzen Baus.
V o n d e m verfallenden Dja'fariyya spricht das kitäb al-Aghäni einmal, 12, 136: "Wir gingen
heraus mit einem Sohn der Naushadjän zu einer ihrer Villen in einem ihrer Gärten in Dja'fariyya
1
Sie endet auf -ärihä; gemeinsam ist beiden Zitaten der Vers U,l ^\, L^Ji i ^ 1 .^dl ~Jf Äl üJj
Tafel X V

a Teil al-'Ahq von Süden

b Eine der acht Seiten der Mauern von Qädisiyya


* 129 *

... die war wegen ihrer Schönheit berühmt gewesen, aber sie war schon verfallen und
verödet".
Ya'qübl, 267: "al-Muntasir starb in Surra m a n rä'a im rabl' II 248 [4. VI.—3. VII. 862). Ihm
folgte al-Musta'In A h m a d b. M u h a m m a d b. al-Mu'tasim. Er residierte in Surra m a n rä'a zwei
Jahre und acht Monate, bis seine Regierung erschüttert wurde und er nach Baghdad hinabzog,
im muharram 251 (II. 865). Dort residierte er, die Parteigänger des Mu'tazz bekämpfend, ein
volles Jahr, während al-Mu'tazz und mit ihm die Türken und andre maulä in Surra m a n rä'a
waren. D a n n starb al-Musta'In, und al-Mu'tazz folgte ihm und residierte dort, bis er ermordet
wurde, drei Jahre und 7 Monate nach d e m Tode des Musta'In. M a n huldigte dem M u h a m m a d
al-Muhtadl b. al-Wäthiq im radjab 255 (15. VI.—15. VII. 869). Er residierte ein volles Jahr,
immer im Djausaq, bis er ermordet wurde, Allah erbarme sich seiner!"
"Ihm folgte A h m a d al-Mu'tamid b. al-Mutawakkil und residierte in Surra m a n rä'a imDjausaq
und den Schlössern der Khalifen, dann aber siedelte er auf das Ostufer [Fehler für West-] von
Surra m a n rä'a über und baute ein Schloß hervorragend durch seine Schönheit, namens al-
ma'shüq (das Geliebte). Er zog ein und residierte darin, bis seine Regierung erschüttert wurde,
und er nach Baghdad übersiedelte und später nach al-Madä'in".
"55 Jahre sind verflossen, seit Surra m a n rä'a erbaut und bewohnt wurde, bis zu der Zeit,
in der wir dies unser Buch schrieben. Es herrschten dort acht Khalifen. Es starben dort oder
wurden ermordet fünf: al-Mu'tasim, al-Wäthiq, al-Muntasir, al-Mu'tazz und al-Muhtadi. Es
wurden ermordet in seinem Bannkreis oder seiner U m g e b u n g zwei, al-Mutawakkil und al-
Musta'InTTDeTName der Stadt hieß in alten Büchern zaurä' banTl^Abbäs, und das ist richtig,
dehnTdie qibla aller ihrer Moscheen weicht ab, muzwarra; da ist nur Abweichung, izwirär, keine
einzige qibla ist richtig".
" U n d doch ist sie nicht vernichtet worden und ist nicht verloren ihr N a m e " .
V o n d e m auf d e m Ostufer gelegenen Djausaq kann al-Mu'tamid nur auf das Westufer über-
siedeln: Ostufer ist ein Lapsus, wie auf p. 264 (oben p. 80). Yäqüt IV, 946 sagt "al-ma'shüq
gegenüber v o m Härüni [Ostufer]". Als al-Muwaffaq i. J. 264 von Baghdad gegen al-Mu'tamid
anrückte, siehe p. 265, lagerte er nach Tabari III, 1927 "auf der djazirat al-Mu'ayyad [heute
al-Quwair], und der Khalife auf d e m Westufer", nämlich bei seiner Burg al-ma'shüq. Sie treffen
sich auf d e m Fluß auf der Yacht des Mu'tamid. — Ähnlich ibn al-Athir 8, 178: "im Jahr 320,
vor der Ermordung des Muqtadir, besetzen die Truppen des Khalifen Samarra (Ost-) und al-
ma'shüq (Westufer), ziehen sich aber zurück, als der aus Mausil kommende amir al-umarä'
Mu'nis über Takrit hinaus vorrückt. — Später nennt ibn Djubair, auf der Reise von Baghdad nach
Mausil: "eine Burg, hisn, namens al-ma'shüq, die der Zubaida gehörte, und gegenüber auf dem
Ostufer ist die Stadt surra m a n rä'a. Heute ist sie 'ibra m a n rä'a, eine Warnung für den Betrach-
ter; w o ist ihr Mu'tasim und Wäthiq und Mutawakkil?"
Das qasr al-ma'shüq heißt heute al-'äshiq, der Liebende statt das Geliebte, und an die sich
gegenüberliegenden Ruinen 'Äshiq und bait al-khalifa knüpfen sich Erzählungen v o m Hero und
Leander-Typus1. Yäqüt IV, 576: al-ma'shüq, N a m e eines großen Schlosses auf d e m Westufer des
Tigris gegenüber von Samarra, mitten in der Steppe, noch heute stehend; ringsum sind keinerlei
Häuser, es ist von einer Anzahl von Bauern bewohnt. Aber es ist sehr groß, fest, solide. M a n
1
Vor den Ausgrabungen hatte die irrige Ortsangabe, nur Planänderungen während des Baus zu beob-
zusammen mit der vermeintlichen Beobachtung achten und Reparaturen. Der Bau kann sehr wohl
mehrerer Bauperioden a m qasr al- 'äshiq mich ver- erst kurz vor d e m Ende der kurzen Samarra-Epoche
leitet, al-ma'shüq von al- 'äshiq zu trennen. In Wahr- entstanden sein.
heit sind keine verschiedenen Bauperioden, sondern
17 Herzfdd
* 130 *

sieht keine Spuren mehr von den andren Schlössern, die da einst waren. Es ist 1 Tagereise von
Takrit. Gebaut hat es al-Mu'tamid 'ala 'llah. Er hatte auch ein andres Schloß, al-ahmaM, gebaut,
von d e m ibn al-Mu'tazz singt:
£ ' "£
<JLJL£.*J Jj^jdl.? JwJ JA ^-JLl-O O l ^A-Ä^-Vlj

Danach hätten sich AhmadI und Ma'shüq, wie die Hero- und Leanderburgen am Bosporus,
gegenübergelegen. V o n diesem AhmadI sagt Yäqüt I, 156: " W a r ein Schloß gebaut von abu
l-'Abbäs A h m a d al-Mu'tamid 'ala 'llah b. al-Mutawakkil, nach ihm benannt. Ein Schriftsteller
sagt: Ich kam durch Samarra und sah auf einer Mauer des AhmadI genannten Schlosses ge-
schrieben :

ß\ V.? {Jf 0_=- JA J^J l j-2*.A <j\iJ J ,_JJ._»J-V1 j

Das AhmadI wird sonst nicht erwähnt.


Das ist die letzte Nachricht über Bautätigkeit in Samarra, schon aus der Zeit des Verfalls. Aber
es gibt einerseits einige hervorragende Ruinen, die unidentifiziert bleiben, andrerseits eine große
Zahl von Bemerkungen über Bauten, ohne topographische Zusammenhänge erwähnt und daher
schwer oder nicht identifizierbar.
I m Flußbett, zwischen d e m Djausaq und al-ma'shüq, liegen mächtige Mauermassen aus
Ziegeln in Zementmörtel, heute al-Quwair1 genannt. Legenden verbinden sie als Ort, w o Un-
gläubige, jjÖl = kufarä wohnten, mit Shahr Daqnä'üs, der Stadt des Decianus der koranischen
Siebenschläferlegende. Diese Stadt wird eben dort oder bei Qädisiyya vorgestellt, und die Höhle
der Siebenschläfer, ahl al-kahf, wird auf d e m Westufer des Tigris, unterhalb der qubbat al-
Sulaibiyya und oberhalb der Fährstelle al-Qal'a gezeigt, ahl al-cahf gesprochen. Die große Insel,
auf der die Ruinen liegen, ist die djazirat al-Mu'ayyad, w o nach Aghäni 18, 188 (und 19, 121)
die Sängerin 'Arib zu einer Gesellschaft eingeladen war. W o h l auch die 'Insel', w o nach Tabari
III, 1394 der a m bäb al-'ämma hingerichtete falsche dhu 1-qarnain aus Nlshäpür begraben wurde.
Die Identifikation folgt aus der oben erwähnten Stelle des Tabari über das Treffen zwischen
al-Mu'tamid und al-Muwaffaq.
I m Tiergarten, östlich des Djausaq, liegt der große Teil al-'Äliq — wie oben bemerkt, nicht
das Grab des Julianus Apostata — auf dessen H ö h e ein großer neunräumiger Pavillon mit mitt-
lerer Kuppel und mit bemalten W ä n d e n stand, der die ganze alte Rennbahn zu überblicken
erlaubte. Diese verlief nordsüdlich und hatte ihre Schleife — entsprechend der v o m Djausaq
aus westöstlich verlaufenden Bahn — im Süden zwischen der Kleeblattbahn und der Gr. Moschee2.
Bei Anlage jener Bahnen wurde die nordsüdliche aufgegeben. Der Teil al-'Aliq kann das in
einem Vers des ibn al-Mu'tazz3 vorkommende al- Tall sein, bei Yäqüt in der Liste der Bauten des
Mutawakkil und ihrer Kosten "qasr al-Tall, oben und unten" genannt, Kosten 5000000 Dirham".
1
äl-egwar gesprochen, j_fi\ geschrieben. Ich hatte Kaimauer, cf. musannät in Baghdad.
früher vermutet, dieser N a m e könne von Balku- - Im Gelände und auf Flugzeugaufnahmen sichtbar;
wärä kommen, aber er müßte dann weit gewandert der Ludloff'sche Plan erstreckt sich nicht ganz so
sein. Vgl. Käzim al-Dudjaili und P. Anastase- weit.
Marie Karmali in Lughat al-'arab 1329 (1911) p. 137. :i Bei Lang, in Z D M G 40, p. 566.
M a n nennt die Ruinen auch sachlich al-sinäya,
* 131 *

Hamdalläh, nuzhat 42: "al-Mu'tasim befahl, in den Futterbeuteln seiner Pferde Erde herbei-
zuschaffen und einen hohen Hügel aufzuschütten, und m a n nannte ihn tall al-makhäli1, Futter-
beutelhügel, und darauf ließ er einen hohen köshk bauen". Diese Futterbeutel-Legende hörte
J. Ross in 1834 (Journey to the Ruins of Opis, 1834, P- I29)> u n d sie wird noch heute erzählt2.
Ganz im Süden, a m Kopf des Qätül al-Yahüdl, steht die Ruine eines Turmes, von d e m nur der
vierkantige Kern erhalten ist, aus Kiesel- und Bruchstein im Mörtel, während die äußere Ziegel-
schale ausgeraubt ist. Es war ein T u r m wie die beiden Zvlinarete von Samarra, nur nicht auf
rundem, sondern eckigem Plan, eine Zikkurrat. Er heißt al-Qä'im, daher der heutige N a m e des
Kanals nähr al-Qä'im. Der Ort k o m m t zweimal bei Tabari vor, III, 1892 (gleich Mas'üdi 8, 43)
und 1916, unter al-Mu'tamid, als Sammelpunkt für die Armee vor Auszug ins Feld. Yäqüt
IV, 22: "Bau nahe von Samarra, gebaut von al-Mutawakkil".
al-qä'im bedeutet nach Bakri 359 al-marqab 'Wachtturm' und ist aus d e m Syrischen entlehnt.
Yäqüt II, 689: s. v. dair al-Qayyära, zwischen al-Mausil und Assur: "hat einen Turm, qä'im;
jedes jakobitische und melkitische Kloster hat einen Turm, aber die nestorianischen haben
keine"3. Archäologisch noch wichtiger ist seine Bemerkung II, 684, s. v. dair al-qä'im al-aqsä:
"auf d e m östlichen Euphratufer, an der Straße von Baghdad nach Raqqa; abu 1-Faradj al-
Isfahäni4: Ich habe es gesehen, es wird al-qä'im genannt, weil ein hoher Wachtturm, marqab,
neben ihm steht, der die Grenze von Byzanz und Iran bildete, und von d e m m a n das Grenzgebiet
zwischen beiden Reichen beobachten konnte; er ähnelt d e m Teil 'Aqrqüf in Baghdad und
d e m Isba' Haffan im Rücken von Küfa" 5 . Hier werden also die Ruinen zweier babylonischer
Zikkurrate, deren Typus die Minarete von Samarra und noch mehr der Qä'im angehören, eben-
falls al-qä'im genannt. V o n d e m nur angefangenen achteckigen Bau von Qädisiyya unweit v o m
Qä'im war oben p. 173 gesprochen. Yäqüt IV, 9: darauf beziehen sich die Verse des Djahza:
" a m Ufer des Qätül, an der Seite w o das qasr steht, zwischen al-Qädisiyya und den Palmen".
Jc^-Jlj iLoUll j ^ j ^ \ <k ^jJl ,_jli-l) JjJsläll Jh\j^ Jl . Nach Mas'üdi tanb. 363 war Qädisiyyat
Samarra der Ort, w o al-Musta'In ermordet wurde, auf d e m W e g nach Samarra.
Auf die an der südlichen Grenzmauer des hä'ir al-hair, nahe der Südostecke gelegenen, sehr
ausgedehnten Ruinen, die heute al-musharrahät 'die Zerschnittenen' heißen, kann ich keine alte
Nachricht beziehen. Aber gewiß haben sie mit d e m Tiergarten und den Jagden zu tun. Innerhalb
des Tiergartens gibt es mehrere Reste von z u m Teil sehr großen Anlagen. Eine al-madrasa
1 3
Plur. v. arab. mikhlät, Zte-. Sachau, Shäbushti p. 19 übersetzt irrig 'Verwalter',
2
Ross schreibt Till Walijah, mit A n m . des Heraus- qä'im als 'Vorsteher' auffassend.
4
gebers: valichah, Persian, 'nose-bag' vulgarly Gewiß in seinem 'Klosterbuch', nicht in den
pronounced Ali). So schreibt J. F. Jones. — Mir Aghäni 5. 123 s.
5
wurde gesagt: "alidj [ich bin nicht sicher, ob mit Alte Tagebuchnotiz: "zwischen albu K a m ä l und
'ain oder alif gesprochen] aus pers. validja". Düra-Europos: der qä'im ist jetzt ein unbedeuten-
Vullers bemerkt zu valicah: "mala lectio vocis der Hügel, heutige Wilayetgrenze zwischen Bagh-
arabicae validja videtur". jic ist klass. nur 'das dad und Dair al-zaur, früher war diese dicht bei
albu Kamäl". Z u c Aqrqüf vgl. Arch. Reise II, 98;
Futter' im Beutel, der Beutel selbst wäre '<$&
"in Baghdad" deutet an, daß sich die frühislamische
'alläqa. D a ist etwas unklar. W e n n m a n sich vor-
Stadt so weit erstreckte. Isba' Haffän, H's Finger, —
stellt, wie der über 30 m hohe Hügel aufgeschüttet
zu d e m N a m e n vgl. al-isba'ain 'die beiden Finger'
wurde, sieht m a n im Geiste tausende von Menschen
im südlichen Samarra — , ist scheinbar ein alter
wie die Assyrer sagen ilku und tupsikku, 'frohn und
N a m e für die heute Birs Nimrüd genannte Ruine
Ziegelbrett tragen', ilku ist das Stammwort von
des Tempelturmes von Borsippa, der lange für den
allüka, zu ap. *aläka > kharädj. O b der 'Futter-
'Turm zu Babel' galt.
beuter, 'aliq, nicht die U m d e u t u n g eines älteren
N a m e n s ist?
17*
* 132 *

genannte, nördlich v o m Teil al-'Aliq, ist eine sehr weite Grube, deren W ä n d e mit Ziegeln be-
kleidet waren und viele Nischen enthalten; das könnte für wilde Tiere angelegt worden sein.
Ganz im Norden des Westufers liegen die Ruinen vonal-Huwaisilät. Der N a m e ist hausala
'Kropf inder heute bei Lokalnamen üblichen Deminutivform. M a n sieht Mauerreste Ijmeljaer-
eckigen Anlage, 6 bis 8 m hoch, aus Kiesel und Bruchstein in Mörtel, mit Schichten von ge-
brannten Ziegeln in regelmäßigen Abständen dazwischen. Daskönnte das qasr al-djais^orstellerij
von d e m Yäqüt sagt, IV, 110: "großes Schloß, nahe bei Samarra, oberhalb des Härüni [deshalb
nicht notwendigerweise auf d e m Ostufer], von al-Mu'tasim als Lustort, nuzha erbaut; dort
ermordete 'Adud al-daula seinen Vetter Mu'izz al-daula Bakhtyär b. Büya" 1 . Andrerseits erwähnt
er II, 333 ein qasr Humrän "Dorf nahe bei al-ma'shüq, auf der Westseite von Samarra, 1 Tagereise
von Takrit".
In III, 17s gibt Yäqüt eine Liste der von al-Mutawakkil erbauten Schlösser und ihrer Kosten:
1. al-'arüs, 'die Braut', 30 Millionen Dirham, das schönste der Schlösser
2. al-mukhtär, 'das Erwählte', 1 Million Dirham
3. al-wahid, 'das Einzige', 2 Millionen Dirham
4. al-Dja'fari al-muhdath, 10 Millionen Dirham
5. al-gharib, 'das Seltene', 10 Millionen Dirham
6. al-shibdäz, Eigenname, 10 Millionen Dirham
7. al-burdj, 'Turm' oder 'Sternbild', 10 Millionen Dirham
8. al-subh 'Morgen', 5 Millionen Dirham
9. al-malih 'das Schöne', 5 Millionen Dirham
10. Schloß im Itäkhiyya-Garten, 10 Millionen Dirham
11. al-Tall, oben und unten, 5 Millionen Dirham
12. djausaq auf dem Stein-maidän, 500000 Dirham
13. die Große Moschee, 15 Millionen Dirham
14. Barkuwän, für al-Mu'tazz, 20 Millionen Dirham
15. al-qalä'id, 'Halsketten', 50000 Dinar
16. qasr in Mutawakkiliyya, d. i. das al-Mähüza 2 genannte, 50 Millionen Dirham
17. al-bahw, 'Galerie', 25 Millionen Dirham
18. al-lu'lu'a, 'die Perle', 5 Millionen Dirham
D a n n folgt die falsche S u m m e 294 Millionen Dirham: er rechnet 50000 Dinar zu 1:25 =
1250000 Dirham und rundet 193900000 auf 194 Millionen ab. Mas'üdi 7,276: "Es wird gesagt,
niemals, in keinem Jahrhundert, zu keiner Epoche, wurde soviel Geld ausgegeben, wie unter
al-Mutawakkil, der für das Härüni und das Djausaq al-Dja'fari mehr als 200 Millionen Dirham
ausgegeben haben soll". Das hat eine ähnliche Liste im Sinn und ist im einzelnen falsch: das
härüni ist kein Bau des Mutawakkil, auch m u ß m a n gewiß "das djausaq u n d das dja'fari" lesen.
Auch das Djausaq ist kein Bau des Mutawakkil. Aber auch Yäqüt ist sich nicht klar, daß Dja'fari
und Mutawakkiliyya und al-lu'lu'a identisch sind. Für al-qalä'id werden die Kosten in Dinar
angegeben, nach amtlichem Usus müßten es Dirham sein. Es ist deutlich, daß der Liste keine
Urkunde zugrunde liegt, sondern daß sie aus zerstreuten Nachrichten kompiliert ist.
Das macht sie nicht wertlos. Ya'qübl und andre bestätigen mehrere N a m e n ; Hist. 600: "al-
Mutawakkil baute Schlösser, auf die er gewaltige S u m m e n ausgab, darunter al-shäh, al-'arüs,
al-shibdäz, al-badi', al-gharib und al-burdj; das burdj kostete 1700000 Dinar"3. al-Mutawakkil
1
Vgl. Ritter, Erdkunde X , 212 über Huwaisilät. wären das 42,5, nicht 10 Millionen Dirham; die ur-
2
ed. 2)J?.lil. sprüngliche Angabe m u ß aber in Dirham gewesen
:!
Bei der unter al-Mutawakkil geltenden ratio 1:25 sein, vgl. A. v. Kremer, Einnahmebudget p. 287.
* 133 *
hatte die Bauwut, und die Kosten, die Tabari und Ya'qübl für al-Dja'fariyya angeben, entsprechen
den hier genannten. Auch ist 20 Millionen nicht zu hoch für Balkuwärä, das 1250 x 1250 m
bedeckt, und entspricht dies wieder den 50 Millionen für das noch größere und üppigere Dja'fari.
Die Quelle Yäqüt's für Nachrichten, die sich bei Tabari, Balädhuri und Ya'qübl nicht finden,
kann das von ihm und von abu 1-Fidä benutzte kitäb al-'azizi des Hasan b. M u h a m m a d al-
Muhallabi sein, oder sie können aus einem vollständigen kitäb Baghdad stammen.
Die Schlösser shäh und badi' des Ya'qübl fehlen in der Liste des Yäqüt, aber er sagt III, 246:
"al-shäh und al-'arüs, zwei große Schlösser in der Nähe von Samarra (finähiyat); das shäh hatte
20, das 'arüs 30 Millionen gekostet; al-Musta'In schenkte beide seinem Wezir A h m a d b. al-KhasIb
z u m Abbruch" 1 . Die N a m e n shäh und 'arüs 'König' und 'Braut' klingen, als hätten sie sich wie
ein 'äshiq und ma'shüq gegenübergelegen. Weiter Yäqüt I, 527: "al-badV, nach al-Häziml
N a m e eines großen Baus des Mutawakkil in Samarra". Nach Tabari III, 1438 (siehe oben)
wurden al-mukhtär und al-badi' schon abgerissen, als al-Mutawakkil die Nordstadt zu bauen
begann.
Z u m qasr al-'arüs begab sich, nach Aghäni 9, 32, der große Festzug zur Feier der Ernennung
der drei Thronfolger, und zwar ging der Zug zu Lande v o m Djausaq aus gewiß zur Brücke,
und begab sich dann auf Boote, u m dahin zu gelangen. Danach lag das Schloß im Süden und a m
Strom, und vielleicht auf d e m Westufer. D a die Kosten als noch höher als die von Balkuwärä
angegeben und nur v o m Dja'fari übertroffen werden, m u ß es eines der größten Schlösser sein.
Alle diese Bedingungen erfüllt al-Istablät, 'die Marställe', heute so wegen der Regelmäßigkeit
der Anlage genannt; es besteht aus 4 römischen Castren und ist über 2,5 k m lang.
al-mukhtär war ein älterer Bau des Mu'tasim oder Wäthiq. Yäqüt IV, 440s: "ein Schloß in
Samarra, von al-Mutawakkil [gedankenlos] erbaut, abu 1-Hasan 'AH b. Yahyä, der Astronom,
erzählt nach seinem Vater: eines Tags nahm mich al-Wäthiq bei der Hand und ging zwischen den
Bauten von Samarra umher, u m ein Haus auszusuchen für seine Trinkgelage. Als er zu dem
Haus namens al-mukhtär kam, gefiel es ihm, er fing an es sich zu überlegen und fragte mich:
Hast du einen schöneren Bau gesehen ? Ich sagte: Allah möge den Befehlshaber der Gläubigen
(das Leben) lange genießen lassen, und was mir sonst einfiel. — Darin waren wunderbare Ge-
mälde, darunter das Bild einer Kirche mit Mönchen darin, und a m schönsten war das Bild eines
shahhär [syr., Leiter der Vigilien] der Kirche. U n d al-Wäthiq befahl, den Ort mit Teppichen
belegen und den Empfangssaal einrichten zu lassen, und ließ die Gäste und Sänger kommen.
U n d wirfingenan zu trinken, und als ihm der Wein zu Kopfe stieg, nahm er ein hübsches Messer
und schrieb auf die W a n d die Verse:

jLjJlj sA LJUIJ ^rVlj j. >- ^3 J3j—^^ <-Ä=- ^-J^jf

'Dies Schloß hat nur einen Fehler, den, daß, was darin ist, zerstört werden wird durch das u
ausbleibliche Schicksal'. Ich sagte: Allah lasse ein solches Unglück v o m Befehlshaber der
Gläubigen und seiner Regierung fern bleiben, usw. Nach Jahren kam ich wieder durch Samarra
und sah, was von diesem Haus übrig war, und auf seinen Wänden stand geschrieben:

1
Vgl. oben p. 48, Yäqüt II, 375: gleiche Nachricht - Korrektur, gebilligt von P.Anastase-Marie Karmali.
v o m qasr al-Hair.
* 134 *

LJJJS\ SJL. Ijiö *y^\ y\ ^*j \jJ$ $3&\ j\s e$^*

(?) L-ylb OÜaLJlj jJl dÜi j* LiL»- dJ JUL^IJ J!>GO


Paläste sind, von Königen gebaut, die eine Zeit die Welt beherrschten, und sie waren die Herre
der Araber.
Die Zeit, die ihnen zuvor gehorcht hatte, hat sich gegen sie erhoben; sieh, was sie getan an dem
öden Djausaq
und an Barkuwär und al-mukhtär: sie sind leer geworden von jener Macht und Herrlichkeit
und Würden 1 .
Die Erbauung durch al-Mutawakkil ist danach irrig. Yäqüt führt dieselben Verse, 1,685 auch
auf den W ä n d e n von Balkuwärä an; nach dieser Erzählung kann es nur al-Mukhtär sein, und der
N a m e Balkuwär ist nur zur weiteren Illustration des Glanzes und schnellen Verfalles hinzugefügt.
Shibdäz — so ist bei Ya'qübl hist. 600 und bei Yäqüt III, 17 nach der Parallelstelle III, 250
zu lesen — ist eigentlich der N a m e des Rappen des Khusrau Parwez, dargestellt im Täq i Bustän,
den die Araber daher Shabdez nennen. Das Schloß shibdäz (mit'imäla:e) k o m m t sonst nicht vor.
— D e n N a m e n al-ghard bezweifelt Yäqüt III, 784 mit Recht und zieht al-Fard vor, 'das Unike';
es lag fi didjlati also wohl auf einer Tigrisinsel. — Das qasr bustän al-Itäkhiyya kann entweder ein
Schloß in Itäkhiyya a m Qätül al-kisrawi oder eines a m Kanal al-Itäkhl sein.
IV, 31 erwähnt Yäqüt einen Stadtteil al-Qibt, 'Koptenviertel', in Samarra, mit der Bemerkung:
„ein Viertel von Samarra, w o sich lasterhafte Leute, Besucher von Weinschenken, hawänit, zu
versammeln pflegten". Vielleicht lag es bei der heutigen shari'at al-Nasriyya, nicht wegen der
Lasterhaftigkeit, sondern weil dieser N a m e davon k o m m e n soll, daß es ein Christenquartier war,
und nahe dabei der Hinrichtungsplatz, die khashabat Bäbak lag.
Kneipen, hawänit oder hänät, gab es viele, besonders, aber nicht nur in christlichen Klöstern.
Mehrere werden in der Geschichte der Stadt erwähnt. Sie standen in keinem guten Ruf und waren
unter Polizeiaufsicht. In den Aghäni II, 178 und in den 1001 Nacht steht die Geschichte von der
Liebe zwischen 'Adi b. Zaid, d e m großen Dichter und Schreiber des Kisrä, und Hind, der zwölf-
jährigen Tochter des N u ' m ä n von Hlra, "des schönsten Weibes ihrer Zeit": "Als es Morgen
wurde, suchte Märiya (Dienerin der Hind) 'Adi auf, und als er sie sah, fühlte er sich zu ihr hin-
gezogen — vorher war er ihr nie begegnet — und fragte: W a s ist dein Begehr? Sie sagte:
Ich habe einen Wunsch an dich! Er antwortete: Nenne ihn, und walläh, du wirst mich nichts
gefragt haben, das ich dir nicht gäbe! D a teilte sie ihm mit, daß sie ihn selbst begehrte und der
Wunsch das Alleinsein mit ihm sei. U n d er gewährte es ihr, unter der Bedingung, daß sie etwas
u m Hind ersänne und eine Begegnung ermögliche, und ging mit ihr in den Laden eines Wein-
händlers, hänüt khammär, in einer der Gassen von Hlra, zva-auqa'ahä." W e g e n der Psychologie
merkwürdig. j0, *•*»
Ya'qübl (oben p. 129) beschließt seine Beschreibung von Samarra mit einem Wortsriiel über den
Beinamen zaurä' bani l-Abbäs, nach einer auf den Philologen al-Azharl zurückgehenden Etymo-
logie: zaurä', fem. v. azwar, bedeutet al-mä'il wa l-izwirär 'Neigung, Schiefe, Abweichung'.
Ebenso Mas'üdi, tanb. 360s: "das Westufer von Baghdad heißt zaurä'_wegen des izwirär, der
Abweichung seiner Qibla, und das Ostufer al-rauhä', 'die weite, geräumige'. Yäqüt widmet
dem N a m e n zaurä' ein ganzes Kapitel, II, 856:

Mch möchte für das unverständliche Sj!t\ des Textes ^jl lesen.
* 135 *
"al-Azhari sagt, die Stadt al-zaurä' in Baghdad ist auf dem Ostufer, so genannt wegen der Ab-
weichung, izwirär, ihrer Qibla. Andre sagen, al-zaurä' sei die Stadt des abi Dja'far al-Mansür
[die Runde Stadt] auf d e m Westufer, und das ist richtiger, als was Azharl sagt. Sie wurde zaurä'
genannt, weil, als er sie bauen ließ, er die inneren Tore von den äußeren abweichend anlegen ließ",
also nicht in deren Achse, al-zaurä' heißt ferner die Stadt Rusäfa des Hishäm, vorher des Nu'män
b. Djabala, das berühmte Rusäfa in der syrischen Steppe. Ein dar, Palast, des N u ' m ä n b. al-
Mundhir in Hlra, den al-Mansur abreißen ließ. Ein "Ort beim Bazar von al-Madlna, nahe der
Moschee, nach al-Dä'üdl 'hoch wie ein Minaret', nach andren aber der Bazar von Madina selbst".
Der Palast des 'Uthmän b. 'Affän in Madina. Z u Yäqüt's Liste k o m m t noch die Bemerkung bei
Bakri 442: " m a n sprach vor al-Sädiq über al-zaurä' und sagte 'al-zaurä' ist Baghdad"; da sagte
er: "al-zaurä' ist nicht Baghdad, sondern al-Rayy"1.
Ich halte zaurä' nicht für echt arabisch, sondern für ein mu'arrab aus ir. zvarah, } zbar-2, das
dieselben Bedeutungen k r u m m , schief sein, auch gehen, besonders aber das Sich schlängeln von
Schlangen und Flüssen hat und zugleich ein term. techn. der Architektur ist, entweder für ge-
brochene Eingänge oder vielleicht für Kuppeln oder andre Gewölbe. Der Mittelpunkt der Run-
den Stadt ist die berühmte qubba al-khadrä' die'Grüne Kuppel', und die Paläste von Samarra hatten
alle ihre Kuppeln, "denen die Sterne ihre Geheimnisse anvertrauen". Andrerseits können die
gebrochenen Tore, die für islamische Häuser typisch sind, oder die Labyrinthe der Bazare Anlaß
zu d e m Beinamen sein.
Der Schlußsatz Ya'qübi's lautet, wie oben übersetzt ist, aber die Form ist wenig befriedigend;
sie setzt einen Glauben voraus, daß die Abweichung von der Qibla Unheil bringe. Die Qibla
der Moscheen ist außerordentlich genau. M a n erwartete vielmehr: "Nie wird vernichtet werden
und nie wird vergessen sein ihr N a m e ! " So ähnlich heißt es in den Versen des 'Abdallah b.
Djahsh auf die vornehme, schöne und viel besprochene D a m e Suhbä', Aghäni ij, 119:
UUl VJ lll U / J je ^i\ V jjl ^ j\i i.
"o Haus der Suhbä', von dem man nie aufhören wird zu reden, und das nie vergessen sein wird!"
M a n könnte nach den zerstreuten Nachrichten späterer Schriftsteller ein Bild des schnellen
Verfalls von Samarra zeichnen. Die wichtigste Stelle dafür ist Yäqüt III, 19:
"Samarra wuchs bis z u m Ende der Regierung des Muntasir. Aber als al-Musta'In folgte und
die Macht der Türken überstark wurde, und diese nach Belieben über die Regierung, die Ver-
waltung, die Absetzungen schalteten, und die Herrschaft der Abbasiden zugrunde ging, da ging
es auch mit Samarra dauernd bergab, durch Beschlußunfähigkeit, die die Regierung als Folge
der Parteiischkeit, 'asabiyya, (Interessenpolitik) der türkischen Amlre befiel, bis schließlich der
letzte der Khalifen, nämlich al-Mu'tadid billah, Befehlshaber der Gläubigen, nach Baghdad zog,
dort sich niederließ und Samarra ganz aufgab, wie wir unter 'al-Tädj' erzählt haben. D afieldie
Stadt in T r ü m m e r , bis daß nichts von ihr übrig blieb, als der Ort des Mashhad, von d e m die
Schiiten glauben, dort sei der sardäb des Qä'im, des Mahdl, und als ein andrer Ort, fern davon,
namens Karkh Samarra. Alles andre sind Trümmer, die den Beschauer traurig und verlassen
stimmen, w o es doch auf der ganzen Erde nichts Schöneres, Prächtigeres, Mächtigeres,
1
Außerdem kommt das Wort mehrmals als N a m e von zbarah des Palastes seines Vaters, nach dem Gr.
Wasserstellen vor, von Steppenbrunnen, angeblich Bundahishn p. 88 u. 121 war der Prophet dort ge-
von solchen, die zu tief und daher schwer zu benutzen boren, und nach Y. 19, 18, Shahrihä § 60 war der
sind. O b das sachlich dazu gehört, ist fraglich. Geburtsort die StadtRaga-Ray. Darüber in meinem
2
In der seltsamen Erzählung von seiner Versuchung 'Zoroaster and His World', Kap. Spitäma.
ist Zarathustra nach Videvdäd 19, 4 u. 11 im
* 136 *

Freudigeres, Wohlhabenderes gab, als diese Stadt. Preis sei Allah, der sich nicht ändert und
nicht vergeht!" Er schließt daran das Zitat eines langen, traurigen Briefes in Versen des ibn
al-Mu'tazz, des Dichters und Eintags-Khalifen.
A m 10. X. 1907, nach Veröffentlichung meines ersten Berichts über Samarra, der die Besuche
in 1903,1904 und 1905 beschrieb, erhielt ich einen Brief von Adolf Erman: "Einen kleinen Bei-
trag zur Geschichte von Samarra kann ich noch zufügen, aus meinem früheren Studiengebiet.
M a n hat in Samarra geprägt, und zwar von al-Wäthiq an (231) und noch über al-Mu'tamid
hinaus. Die Berliner Sammlung hat noch Prägungen von 281 bis 327, in Stockholm soll auch 330
vertreten sein". Auf eine spätere Anfrage im Münzkabinet war H . Nützel so freundlich, mir am
9. IX. 1911 die folgende Liste zu geben:
Münzen aus Samarra:
aT-Wäthiq: Jahr 231, AI; 231 JR.
al-Mutawakkil: 236 N; 233, 235, 237, 238, 242, 245 M;
al-Muntasir: 248 JR;
al-Mu'tazz: 251, 252, 253 N;
al-Muhtadl: 256 JR;
al-Mu'tamid: 261 N; 261, 263 JR;
al-Mu'tadid: 281, 284, 291, 295 JR;
al-Muqtadir: 298, 303, 304, 307, 308, 311, 312, 314, 317, 318 JR;
al-Rädl: 323, 327 JR.
Münzen aus Karkh:
al-Muqtadir: 305 N;
T m ä d al-daula b. Rukn al-daula: 337 N.
Ibn al-Athir 9, 298 erwähnt im Jahre 425 den T o d des abu Sinän Gharib b. M u h a m m a d in
Karkh Samarra, der den laqab Saif al-daula trug und während seines langen Lebens die 'saifiyya'
genannten Dirham hatte prägen lassen, die, glaube ich, keine wirklich legale M ü n z e waren. Damit
hört auch das auf.
1911 hatte ich beabsichtigt, die 1913 von Hauptmann Ludloff ausgeführte Meßtisch-Aufnahme
des Stadtplanes durch eine photographische Aufnahme mit Drachen zu ergänzen. Auf dem Boden
sollte ein Quadratkilometernetz aufgetragen werden, das erlaubte, die Photographien leicht auf
gleichen Maßstab zu bringen. Die Methode wurde während meines Aufenthaltes in Berlin
zwischen den beiden Kampagnen in der Kartographischen Abteilung des Generalstabes studiert,
und die Apparate wurden gebaut. Ihre Erprobung in Berlin nahm aber ziemlich viel Zeit in
Anspruch, und sie kamen erst kurz vor Ende der zweiten Kampagne in Samarra an. Der photo-
graphische Apparat war so beschädigt, daß er mit im Lande vorhandenen Mitteln nicht zu
reparieren war. So konnte die Aufnahme nicht ausgeführt werden. Während des Krieges
1914—18 kamen ein paar deutsche Flieger ins Land und machten einige Flugzeugaufnahmen.
Aber die hier veröffentlichten Fliegeraufnahmen sind durch die britische Royal Air Force
gemacht, und wir verdanken sie der Güte des Air-Chief-Marshall Sir R. Brooke-Popham, der
1924 im Kaiser-Friedrich-Museum die erste Aufstellung der Funde von Samarra sah und einen
Satz dem M u s e u m schenkte1. Sie sind unter Leitung des Lieut. Col. B. A. Beazeley in 1917 aus-
geführt, der darüber vor der Royal Geographical Society berichtete2: "In M a y 1917 I was
transferred, with m y Computer, to take charge of a detachment of two officers and 8 surveyors to
1
Diese waren nach Montierung und mehrjähriger der Filme gemacht, die unterdes dem British
Ausstellung schwer zu reproduzieren, und die M u s e u m zur Aufbewahrung übergeben waren.
2
Tafeln sind nach einem neuen Satz von Abzügen The Geogr. Journal L V , 2, pp. 109—137, Febr. 1920.
Tafel X V I

a Ruinen von al-Quwair im Tigristal

b Ruinen von al-Quwair im Tigristal mit Wasserwerk


* 137 *

carry out a large-scale survey of Samarra and its neighbourhood. T h e Scale selected was 6-inch,
and it was decided to call in the aid of air-photographs which were adjusted to a frame-work of
points fixed by triangulation and plane-table intersection. T h e congregrated photos were then
reduced to the 6-inch scale, blue prints were prepared and issued to the surveyors who transferred
the detail to their boards and carried out supplementary survey including contouring. T h e total
area was 120 Square miles and included al-Qä'im and Istablät. By 16. September 1917 the work
was completed".
Col. Beazeley schätzte in seinem Vortrag die Einwohnerzahl des alten Samarra auf 4 Millionen,
und das wurde in der anschließenden Diskussion bezweifelt, an der der Präsident, Sir Thomas
Holdich, D. G. Hogarth und Sir Martin Conway teilnahmen. M a n meinte, Teile der Ruinen
könnten ganz verschiedenen Epochen angehören. In Wahrheit sind sie, abgesehen von der auf
das Jahr 247/860—61 beschränkten nördlichen Erweiterung, genau gleichzeitig. U n d eine andre
Methode, als die von Beazeley angewandte: Messung der Grundfläche, Schätzung der Häuserzahl
und Multiplikation mit einer angenommenen Bewohneyzahl gibt es nicht. N u r daß es auch keine
N o r m der Dichte gibt. Die Fläche ist: Dja'fariyya 31 q k m städtisch bebauten Geländes, dazu
4 q k m des qasr al-Dja'fari, Samarra 28 qkm, dazu 5 q k m für Istablät und Qädisiyya; offene
R ä u m e sind dabei nicht gerechnet. In modernen europäischen Großstädten schwankt die Dichte
der Stadtteile von 10 000 bis 70000 pro q k m (Berlin), dabei überwiegt ein Durchschnitt von
25 ooo1. I m heutigen Baghdad ist bei 8 q k m R a u m und rund 200000 Menschen die Dichte
40000 pro q k m ; im heutigen Samarra, bei 1/4 q k m und wenigstens 3000 Bewohnern, 12000.
Das ist ein M i n i m u m und ergibt, auf das alte Samarra angewandt: Südstadt 372000, Nordstadt
420000 Einwohner. Ich glaube, m a n m u ß 20000 ansetzen, also Südstadt 660000, Nordstadt
700000 Einwohner. Unter al-Mutawakkil wird die Gesamtzahl etwa 1000000 gewesen sein.
Baghdad war beträchtlich größer und bevölkerter.
1
Paris hatte — i c h kann das Jahr nicht angeben — etwa 300 q k m mit etwa 7,5 Mülionen oder 25000
bei 78 q k m 2,887 Millionen oder 37000 pro q k m pro qkm.
innerhalb der Mauern, London gleichzeitig

18 Herzfcld
DIE MENSCHEN

Das waren Reiche, die das Leben zwangen,


unendlich weit zu sein und schwer und warm.
Aber der Reichen Tage sind vergangen...
R. M . Rilke

REGIERUNG DES MU'TASIM BILLAH


al-Ma'mün, der zweite Khalife unter den Söhnen des Härün al-Rashid, war auf dem siegreichen
Byzantiner-Feldzug gestorben und in Tarsus begraben (Tabari III und Ya'qübl Hist. 571 ss).
Seine Offiziere und ebenso die seines Sohnes al-'Abbäs huldigten ohne Zögern seinem zum Nach-
folger bestimmten jüngeren Bruder al-Mu'tasim, als 12 Nächte übrig waren vom Radjab 218
(10. VIII. 833). Von den Grenzprovinzen, thughür, marschierte al-Mu'tasim den Euphrat herab
über Raqqa zurück und hielt a m Neumond des ramadän seinen triumphalen Einzug in Baghdad.
Die Armee war in Goldbrokat, al-dibädj al-mudhahhab, gekleidet. Er wohnte erst im Palast des
Ma'mün auf dem Westufer, dann in einem neuen auf dem Ostufer gebauten. Baghdad zu ver-
lassen m u ß er von Anfang an beabsichtigt haben. Nach abu l-wazlr A h m a d b. Khälid wäre das
Gelände in Samarra schon 219 gekauft, der Bau 220 beschlossen, und der Khalife wäre im gleichen
Jahre ausgezogen. D a ß er schon 219 ausgezogen wäre, ist nach Tabari III, 1184 irrig. Nach
einem durch Hochwasser gestörten Versuch nach al-Qätül zu ziehen, kehrte er im safar 220
nochmals nach Shammäsiyya, dem nördlichen Vorort von Baghdad, zurück und ging Mitte dhu
1-qa'da 220 (1. X L 835) nach al-Qätül (Tab. III, 1179, 1184 und Ya'q. k. buld. (oben), hist. 577).
Die Chroniken der beiden Jahre 221 u. 222, während derer Samarra gebaut wurde, sind ganz
voll von den schweren Kämpfen des Afshin gegen die 'Roten', al-muhammira in Ädharbaidjän.
Ihr Führer war Bäbak, ein religiöser Fanatiker vom Schlage des Mani, Mazdak und des Ver-
schleierten Propheten von Khurasan; sein Ziel war die Widerhersteilung des alten Perserreichs
und des iranischen Zoroastrismus in manichäischer Färbung. Er handelt und spricht nicht,
als wäre er, wie mehrere muslimische Autoren sagen, aus der Hefe des Volkes hervorgegangen1.
In den langen Kämpfen von 201—222/3 (816—38) hatte Bäbak viele muslimische Heerführer
besiegt, darunter Yahyä b. Mu'ädh, M u h a m m a d b. Humaid al-TösI; nach Ya'qübl, hist. 575 u.
578 auch Häshim b. Bänldjür; Tähir und Ishäq b. Ibrählm hatten wenig gegen ihn ausgerichtet.
Die Verluste der Muslime betrugen im Lauf von 20 Jahren 255500 Mann.
Der, dem es schließlich gelang, war Afshin Khaidhar b. Qä'üs, Fürst von Usrüshana2. Er tritt
zuerst i. J. 210 (825) auf, wo er mit Ashnäs der nächtlichen Hinrichtung des Ibrahim b. 'Ä'isha
bei Kerzenlicht auf der Brücke von Baghdad beiwohnt15. Seine Heimat Ushrüsana4 lag östlich
des Syr Darya, Farghäna benachbart, war von Soghdern bevölkert, unter denen Buddhismus und
Manichäismus verbreitet waren.

1
Über seine Lehre siehe E. G. Browne, Lit. Hist. :! kit. Baghdad fol. 70b.
Persia I, pp. 324—28, mit Übersetzung der Fihrist-' Ya'qübi schreibt Usrüshana, auch. hist. 578, Tabari
Stelle darüber. Ushrüsana, arab. Wiedergabe von strishna, strughna,
2
Nach ibn Khurdädhbih p. 39 war Afshin der Titel vgl. S. Beal, 'Buddh. Rec. of the West. World'
der Könige von Usrüshana. D e Goeje zieht I, 31 s. — D i e Stadt Usrüshana ist heute Uratübe,
Khaidhar der Lesung Haidar vor. Als Ortsname 65 k m S W von Khodjand, 160 k m S von Tashkand,
kommt Abshin, Afshin mehrmals in Ostiran vor. bei Hiuen Tsiang zwischen Farghäna und Samar-
O b aus aw. pliinah? qand aufgeführt.
* 139 *

Im Bäbak-Kriege war sein Bruder Fadl b. Qä'üs bei ihm, und zuerst Bogha al-kabir, der eine
wenig ruhmvolle Rolle spielte. Mit Billigung des Mu'tasim führte Afshin den Krieg wie ein
cunctator. Bei Eintritt des zweiten Jahres schickte der Khalife Verstärkungen mit Dja'far
b. Dinar al-Khayyät1 und zugleich den Itäkh mit 30 Millionen Dirham für Sold und Kriegs-
kosten.
Die Topographie des Feldzuges ist, trotz vieler N a m e n , schwer zu verfolgen. Bäbak's Heimats-
ort war ein Dorf Memadh2 im Bezirk Biläläbädh in Ädharbäidjän; sein Sitz war die Festung
al-Badhdh, nach Yäqüt "zwischen Ädharbäidjän und Arrän", das wäre in M ö q ä n gelegen, w o
auch Barzand, der Stützpunkt des Afshin, angesetzt wird. In Wahrheit liegen die Orte nicht in
der Möqän-Ebene, sondern auf d e m Hochland. Der N a m e Barzand existiert noch in Udjä-rüd,
etwa 80 k m N v. Ardabll; etwas weiter ist eine diza 'Burg', vielleicht al-Badhdh. Der oft auf-
tretende Bezirk Hashtädsar, bei Tabari III 1193 als zu Marägha gehörig bezeichnet, m u ß das
heutige Hashtärüd an den Südhängen des Sahand sein3. Andre N a m e n wie Khushsh, Darwadh 4 ,
Kalän rüdh, R ü d h al-rüdh sind heute, w o die Nomenklatur sehr türkisch geworden ist, nicht
mehr nachzuweisen.
Die lange Untätigkeit des Afshin in nächster Nähe des Feindes reibt diesen ebenso sehr auf,
wie die eigenen Freiwilligen, mutawwi'a, die unter d e m Befehl des abu Dulaf stehen. Afshin sagt
ihnen: " W e r von euch Geduld hat, bleibe hier, wer keine hat — der W e g ist breit — der kann in
Frieden gehen. Bei mir sind die arabischen Truppen, al-djund, des Befehlshabers der Gläubigen,
die ihren Unterhalt von ihm erhalten und bei mir bleiben, ob es kalt oder warm ist. Ich gehe
nicht vor d e m ersten Schneefall von hier fort". — Einer der Freiwilligen will dann im Traum
M u h a m m a d gesehen haben, der ihm sagte: W e n n ihr Bäbak nicht ernstlich bekämpft, will
ich diesen Bergen befehlen, euch zu steinigen. Diese Offenbarung wird so offen im Heere
kolportiert, daß Afshin zu abu Dulaf sagt: Ich wünschte, ihr zeigtet mir diesen Träumer, denn
Menschen sehen in Träumen manchmal offene W e g e (abwäb). Der M a n n wird geholt und
salutiert. Afshin läßt ihn ganz nahe herantreten und ihn den Traum "ohne Scham, denn du bist
nur der Vermittler" erzählen. D a n n sagt er: "Allah weiß alles im voraus, was den Menschen
bevorsteht. Wahrlich, wollte Allah, der Gesegnete, Allmächtige, jemanden steinigen, so hätte er
jenen Ungläubigen gesteinigt und uns von ihm befreit. W o z u sollte er mich, der ich für ihn streite,
steinigen wollen? Eher jenen Ungläubigen, und mich dann nicht nötig haben. Ich weiß, daß
vor Allah, d e m Allmächtigen, Allerhöchsten, nichts verborgen ist: er kennt mein Herz und was
ich für euch A r m e wünsche!" Das ganze Heer ist darauf für ihn begeistert.
abu Dulaf al-Qäsim b. 'Isä b. Idrls al-'Idjli5, Held und Dichter, Herr von Karadj abi Dulaf —
das seine N a c h k o m m e n lange besaßen — ist eine wegen seiner Freigebigkeit sprichwörtlich
1
bei Dinäwari 398 Dja'far al-Dinär; der Vater, eines der bei Sargon als andarpatianu erscheinenden alt-
der Granden des Räshid, ist wohl bekannt, siehe iranischen Form stammen, Asarhaddon, omen 33
Tabari und kit. Baghdad. antarpati.
2
Aus maSyo -j- gmata?, vgl. Maimand, Maima, Biographie bei ibn Khalliqän, ed. de Slane II,
Miyämai u. a. p. 506. — Karadj, über dessen Lage es viele aber
3
^-OLLA , Ya'q. hist. 578 c-~-j^-, wohl sar gleichunklare Angaben gibt, ist das heutige Sultänäbäd,
sar-äb für rüdh, schon in Sargon's 8. Feldzug als Vorort des Träq i 'adjami; die Lösung dieses
IHaraura erwähnt, mit Anähnlichung des iran. Problems hing an der inschriftlichen Bestimmung
aStäta 'achtzig' an ass. Istar, vgl. A M I IX, 174; von Khurramäbäd, als älteres Shäpürkhväst, vgl.
schon im nuzhat wie heute gekürzt Hashtarüdh A M I , L75 Es gibt eine Anzahl von Bleisiegeln aus
'Acht Flüsse'. Karadj abi Dulaf, vgl. Stickel, Z D M G 20 (1866)
' Siehe Yäqüt s.v. und nuzhat 82: zu Shährüdh ge- pp. 351 ss und Casanova, Rev. Numism. 1894, III,
hörig, das an Tälish grenzt. Der N a m e kann von 12, p. 97—126.
18*
* 140 *

gewordene Figur. Seinen N a m e n trägt noch heute die Moschee des Mutawakkil in Dja'fariyya:
djämi' abi Delif. Einen geschichtlichen Grund dafür gibt es nicht. In der Legende verschmilzt
er mit den Barmakiden, die noch weniger mit Samarra wirklich zu tun hatten.
Ursprünglich war abu Dulaf Parteigänger des A m i n und Gegner des M a ' m ü n , später aber
qä'id, Oberst unter diesem. Die Aghäni VII, 155 erzählen, wie seine Freundschaft mit al-Mu'tasim
begann: abu Dulaf war ein Gesellschafter, nadim, des Prinzen al-Wäthiq. Das erfuhr al-Mu'tasim
und wollte ihn singen hören. Wäthiq sagte, er habe ihn und andre gerade für den nächsten
Abend eingeladen. al-Mu'tasim schickte Geschenke zu dieser Gesellschaft und die Boten sagten,
abu Dulaf sei dort. Bald darauf meldeten die Diener des Wäthiq: "der Khalife ist gekommen!"
al-Wäthiq und alle Gäste gehen bis an das dihliz, den äußeren Torweg des Palastes entgegen.
Der Khalif geht hinein, setzt sich und läßt alle Gäste wieder ihre Plätze einnehmen. Dann sagt
al-Wäthiq: "OQäsim, sing d e m Befehlshaber der Gläubigen ein Lied!" Nach d e m Gesang ruft
al-Mu'tasim "bravo, bravo, dreimal!" Nachdem er 7 Liter JJ?j rat! — das scheint die für an-
ständig gehaltene M e n g e zu sein — getrunken hat, ruft er nach seinem Esel, steigt auf und
befiehlt abu Dulaf, ihn zu begleiten. D a n n schenkt er ihm 20000 Dinar Goldstücke. D a ß man
innerhalb der Paläste reitet, ist bei deren Größe ganz natürlich. Während der Grabungen ritt ich
im Djausaq und in Balkuwärä immer zu Pferd, 1930 fuhr ich im Auto im Djausaq herum. Aghäni
V, 30: Ein Regierungsschreiber erzählte: "al-Rashid erwachte eines Nachts und rief nach seinem
Esel, den er im Palaste ritt, einem schwarzen, niedrigen". Er reitet dann zu Ibrählm al-Mausili,
der z u m Empfang aus seinem Hause herauskommt und die Hufe des Esels küßt.
Während des Bäbak-Krieges hatte sich das Verhältnis zwischen Afshin und abu Dulaf ver-
schlechtert, Aghäni VII, 153SS, und eines Tages ließ Afshin ihn gefangen nehmen und wollte ihn
töten. al-Mu'tasim erfuhr davon und schickte A h m a d b. abi Du'äd, den qädl al-qudät, zu ihm
mit d e m Auftrag: "Hol ihn ein, obwohl ich nicht glaube, daß du ihn noch antreffen wirst. Denke
dir aus ihn zu retten, wie immer du willst!" Ibn abi Du'äd erzählt: Ich reiste eiligst zu Afshin,
und als ich ankam, stand abu Dulaf vor ihm, gepackt von zwei türkischen Sklaven, und ich warf
mich auf den Zeltteppich, busät, nieder. Afshin rief, wie ich kam, sofort nach einem Sitzteppich,
musallä1, für mich und sagte: Allah sei gepriesen, was bringt dich, das zu tun ? Ich sagte: D u
bist die Ursache, daß ich hier sitze! D a n n redete ich mit ihm über abu Dulaf und ließ mir über
ihn erzählen und versuchte Afshin zu beschwichtigen. Aber er wurde nur noch zorniger, und
ich dachte: Er ist wie ein Sklave, ich habe ihn umsonst mit Güte überschüttet, ich kann abu Dulaf
ihm nur mit Furcht und Wahrheitsagen wegnehmen. Daher stand ich auf und sagte: "Meinst
du, du könntest die Freunde des Befehlshabers der Gläubigen einen nach d e m andren töten und
seinem Befehl zuwiderhandeln, mit einem Obersten nach d e m andren ? Ich habe dir eine Bot-
schaft v o m Befehlshaber der Gläubigen gebracht, her mit der Antwort!" D a wurde er so schwach,
daß er in sich zusammen sank und seine Verwirrung war offenbar. Als ich das sah, winkte ich
abu Dulaf, nahm ihn bei der Hand, und sagte zu Afshin: "Ich nehme ihn auf Befehl des Befehls-
habers der Gläubigen!" Er sagte: "Tue es nicht, o abu A h m a d ! " Ich sagte: "Ich habe es getan!"
und führte Qäsim heraus. D a n n ließ ich ihn aufsteigen und ritt zu al-Mu'tasim zurück. Als der
mich erblickte, sagte er: " K o m m her, abu 'Abdallah". D a n n beschreibt der Khalife, wie er sich
vorstellte, daß sich die Szene abgespielt hätte; es war genau richtig.
abu Dulaf starb bald darauf, 225 oder 226, in Baghdad.
Tabari gibt die Quelle nicht an, nach der er den Feldzug ausführlich beschreibt, aber es m u ß
ein Teilnehmer gewesen sein. Die Schilderung enthält vieles über das noch ganz sasanidische
1
Zu busal u. musallä vgl, unten p. 221 s.
* 141 *
Kriegswesen der Zeit. Es gibt Infanterie, in kirdaus1 gegliederte Kavallerie, und aus Steinwerfern
und Naphtawerfern, 'arräda und naffätin bestehende Artillerie. Dazu eine Truppe von kühbä-
niyya, die auf Höhen klimmen, beobachten und mit Flaggen, 'alam, winken; weiter die kilghariyya,
die Pionierarbeiten machen 2 . Die Lager, khandaq 'Graben, Wall' genannt, sind befestigt; in der
Nacht sind sie mit Kerzen und naffätät Petroleumlampen beleuchtet3. Während der Schlacht
ist unter Leitung von Ärzten ein Sanitätsdienst eingerichtet, durch den Wasser und andre Ge-
tränke verabreicht werden. Geldbelohnungen, bis zu 50 Dirham, und goldene Halsketten und
Armspangen werden wie Orden verteilt4.
Als Bäbak immer enger bedrängt wird, gibt er schließlich vor, sich zu ergeben, und versucht
dabei, Afshin in al-Badhdh, w o noch 600 M a n n versteckt sind, in eine Falle zu locken. Während
der daraus entstehenden Kämpfe gelingt es ihm, mit seinem Bruder 'Abdallah, einigen Angehöri-
gen und wenig Truppen in die Wälder und nach Armenien zu entkommen. Armenien war
Afshln's Ehrenstatthalterschaft. Verspätet k o m m t von al-Mu'tasim ein Begnadigungsschreiben,
das Afshin einen Sohn des Bäbak seinem Vater zuzustellen überredet. Bäbak verflucht den Sohn
und liest den Brief nicht einmal. Der armenische Patrikios ibn Sunbät nimmt ihn heuchlerisch
auf und schlägt ihm schließlich einen Jagdausflug vor, auf d e m Bäbak, wie mit Afshin verabredet
ist, gefangen genommen wird, z u m Schein auch Sunbät. Bäbak blickt diesen lange an,fluchtihm
und sagt: D u hast mich den Juden [d. i. den Muslimen] verkauft u m ein geringes. W e n n du
Geld gewollt hättest, hätte ich dir mehr gegeben! Der Sohn des ibn Sunbät erhielt später von
al-Mu'tasim eine Million Dirham und die Krone eines Patrikios. Bäbak wird dann von den zwei
Obersten, die ihn verhaftet hatten — der eine namens Devdädh 5 — zu Afshin nach Barzand
gebracht.
Mit Bäbak wurden 3309 M a n n gefangen, dazu 17 Söhne und 23 Töchter und Schwiegersöhne;
befreit wurden 7600 muslimische Frauen und Kinder. Diese sagten, freie Araber oder persische
Adlige, dahäqin, aber von Bäbak als Kriegsgefangene behandelt zu sein. Afshin ließ für sie ein
umzäuntes Lager einrichten, für alle an Verwandte schreiben, und eine große Zahl wurde abgeholt.
Als Bäbak eingeliefert wurde, war Afshlns erstes Wort: Führt ihn in das Lager! Bäbak war zu
Pferd, in weißem, wollenem Oberkleid, durrä'a, und Turban, Hmäma. Als die Frauen und Kinder
im Lager ihn sahen, erhoben sie großes Weinen und Wehklagen und schlugen ihr Antlitz. Afshin
sagte: "Gestern sagtet ihr noch: er hat uns gefangen gehalten, heute weint ihr über ihn, Allah's
Fluch über euch!" Sie sagten: "Er war gut zu uns!"
x
Nach Tab. II, 1941 und 1944, hatte Marwän II Jahren zu Hause bleiben!" Die Feuersignale auf
b. al-Häkim die karädis anstelle der altarabischen den Bergen sind auch Sache der kühbäniyya, die
Schlachtordnung in saff 'Reihe, Linie' eingeführt. danach auf Dareios' Einrichtung der trxo7cal
M a n hält kirdaus, pl. karädis für Entlehnung aus (rffeXw^opot. cppuxTwpiwv TS hzon^zc,, Aristoteles,
lat. cohors, cohortes. Das Wort wird gerade für nepi X O ^ C Jfol.398* s., zurückgehen. —ir. gilkär
Kavallerie gebraucht und steht formal dem aus ist 'Erdarbeiter'. Vgl. die Truppen der siyäbidja
pers. pardez entlehnten firdaus, farädis so nahe, daß < sepäk und der andaghär im sasanidischen
mir persischer Ursprung wahrscheinlicher ist. Ein djund z. Z. der Eroberung, oben p. 49,7.
kirdaus besteht aus mehreren 'Fähnlein' von 100 3 Während al-Mutawakkil im Heiligtum von Mekka
Mann. Vgl. ibn Khaldün, Proleg. II, p. 77 n. und den Gebrauch von Petroleumlampen statt Kerzen
p. 81. Vgl. xapSa(xa) ? verbietet.
2
m p . *köhßän < ap. -kaufapäna 'Bergwächter'. Vgl. 4 So auch in den Kämpfen zwischen al-Musta'in und
Ayätk. Zar., Pohl. Texts p. 3 § 23: "auf den Bergen al-Mu'tazz, vgl. unten p. 236.
und höchsten Gipfeln laß Feuer anzünden, tue'•>Der Armenier Johannes Kath. 102—04 nennt Ap'sin
kund (durch Herolde) dem Reich, tue kund durch den arabischen Ostikan von Atrpatekan und Devdädh
Postreiter biyaspän: außer den das Feuer bedienen- seinen Sohn.
den Magiern soll kein M a n n von 10 bis zu 80
* 142 *

D a n n berichtet Afshin an al-Mu'tasim, und der befiehlt, die Gefangenen nach Samarra zu
bringen. Vor der Abreise ließ Afshin Bäbak sagen: "Ich habe eine Reise mit dir vor, sieh dir
vorher v o m Lande Ädharbäidjän an, was dein Herz begehrt!" Bäbak antwortete: "Ich möchte
meine Stadt sehen!" Afshin schickte ihn mit einer Schwadron in einer Mondnacht nach al-
Badhdh, und Bäbak ging herum und blickte auf die Gefallenen und die zerstörten Häuser bis zum
Morgengrauen.
A m 11. Shawwäl 222 (16. IX. 837) war Bäbak bei Afshin in Barzand angekommen; in der Nacht
des 3. Safar 223 (4. I. 838) erreichten sie Samarra.
al-Mu'tasim war so begierig, trotz der Entfernung und der verschneiten Wege, Neues zu hören,
daß er eine besondere Relais-Post einrichten ließ. V o n Samarra bis zur 'aqabat Hulwän, dem Paß
von T ä q i Girrä, galoppierten Jockeys auf Rennpferden, mit Relais in 1 Farsakh Abstand. Jenseit
des Passes wurden die Pferde von al-Mardj (siehe oben p. 40s Hippobotos), w o die Gestüte des
Khalifen waren, benutzt, alle ein Farsakh, während die Reiter einen T a g durch ritten. Auf allen
Höhen standen Wachen, dayädiba1, die die bevorstehende Ankunft eines Boten signalisierten,
so daß der Staffettenreiter bereit war, den Postbeutel, kharita2, zu übernehmen. So wurde die
rund 1000 k m Strecke von Barzand nach Samarra in 4 Tagen oder noch weniger zurückgelegt.
In Qanätir Hudhaifa3, unweit Baghdad, erwarteten der Thronfolger Härün (al-Wäthiq) und
andre Khalifensöhne den Sieger. In Samarra angekommen, n a h m Afshin Bäbak zunächst in seinen
Palast in Matira. Während der Nacht kam A h m a d b. abi D u ' äd, verkleidet, sah Bäbak, sprach mit
ihm und ging dann, ihn Mu'tasim zu beschreiben. D e n Khalifen litt es nicht, und er ritt selbst
hin, zwischen den beiden Mauern, bain al-hä'itain, von Hair4, und trat verkleidet ein. Er betrach-
tete Bäbak, und Bäbak betrachtete sein Gesicht, ohne zu wissen wer es war. A m nächsten Morgen
wurde Bäbak in einem Brokatmantel, qibä' dibädj, und mit einer qalansuwa5 aus Zobelfellen auf
1
Arab. plur. v. pers. didbän, Auslugposten, armen. nenkrone. — qalansuwa, iyJ&, meist mit al-
det < mmed. *dit(ak). Die Tätigkeit ist die der tawila 'die lange' oder mit al-rusäfiyya, auch beide
kühbäniyya. Auf dem Blatt 2 meiner Karte in adjectiva allein, ist eine Kopfbedeckung, die den
Paikuli habe ich ein 'Dar i Didabän' 'Baum des Khalifen bei der Huldigung aufgesetzt wurde,
Auslugs' östlich des Weges Qasr i Shirin-Hören, schon bei den Umayyaden. Auch Gelehrte, be-
unweit von Ma'dan i Naft und Gurgunüsh ver- sonders Juristen, tragen sie zusammen mit dem
zeichnet. Eine ganze Reihe liegt nicht weit davon tailasän, einem Kopftuch, vgl. unten p. 23 und
an der alten Grenze, am westlichen Aqdagh. kit. Baghd. fol. 68 a. Das Beiwort 'rusäfische' ist
Ebenso sieht man sie am Wege Teheran-Kumm, wie das mod. kafiyya < küfiyya 'kufische' nur eine
östlich vor dem großen Salzsee. Sie werden schon industrielle Herkunftsbezeichnung. A. v. Kremer,
von Sargon von Assur beschrieben. Culturg. II, 215: "gewöhnliche Kopfbedeckung
2
Vgl. mafätih al-'ulüm s. v. und Gloss, Frgm.Hist.Ar.
der Städter, spitze phrygische Mütze ohne Krempe,
p. 16, auch Sprenger, Post- und Reiserouten p. 5. —die man allein trug oder mit dem Kopftuch um-
Ferner unten p. 195 über dinär al-kharita des Mu'- wand; daraus entstand der turban". Nach Mas'üdi
tazz. — Nach A. v. Kremer, Culturgeschichte I.IV, 404 wurden sie früher so lang wie die plil,
197, war die gewöhnliche Schnelligkeit der Post qubä', der Richter, dann unter al-Musta'in kürzer
120 k m am Tag, das bedeutet etwas weniger als getragen. Vgl. die "Darstellungen alter qa'uq in
12 Stunden zu je 2 Farsakh, während eine Karawane der Türkei, Egypten und Syrien" bei C. Niebuhr,
im Durchschnitt nur etwa 5,5 Farsakh, 30 k m täg- Reisebeschreibung nach Arabien I, Kopenhagen
lich macht. Firüz Mirzä Farmäyän erzählte mir, 1774, Taf. X I X , 4, 6 u. X X I , 29. — Die Aghäni
sein Vorfahr, Agha M u h a m m a d Khän, habe die schreiben mehrmals qalansiya ^il», so 12, 82: der
Strecke Shiräz-Teheran ohne Pferdewechsel in ketzerische Dichter H a m m ä d Adjrad setzt seine
3 Tagen und Nächten zurückgelegt. qalansiya ab, die ihm die Stirn drückt, <:«!>. c^h
3
Vgl. Yäqüt IV, 180. ij c-l Ifl iTs| je und 21, 49, über den wahnsinni-
1
Zur Topographie vgl. p. 100. gen Dichter Khälid al-muwaswas, der den Namen
'" Vgl. Matth. 27, 28 u. 29: Purpurmantel und Dor- Surra-man-ra'n erfand: "Da sah ich einen Mann
* 143 *

dem Kopf, auf einem Elefanten von Matira bis zum bab al-'ämma durch die Volksmenge para-
diert, die in Reihen stand [mehr als 5 k m lang], dann v o m Palasttor vor den Khalifen gebracht,
w o ihm durch seinen eigenen Henker Hände und Füße, dann der Kopf abgeschlagen wurde. Der
Kopf wurde nach Khurasan geschickt, der Leib auf der Anhöhe, 'aqaba, die daher den N a m e n
khashabat Bäbak erhielt, gepfählt1. Sein Bruder 'Abdallah wurde durch Sharwen, einen Fürsten
von Tabaristan, nach Baghdad gebracht und dort auf Befehl des Statthalters, Ishäq b. Ibrählm,
ebenso hingerichtet2. Seit Aufbruch von Barzand hatte der Khalife Afshin täglich ein Pferd
und ein Ehrengewand geschickt. Für die Zeit, die er Bäbak bei sich hatte, erhielt Afshin außer
allen Naturallieferungen und Bezügen jeden Reisetag 10000, jeden Ruhetag 5000 Dirham, dazu
20 Millionen Dirham, die Hälfte als Geschenk, die Hälfte zur Verteilung an sein Heer. al-
Mu'tasim setzte ihm eine Krone auf, tawwadja3, verlieh ihm zwei juwelenbesetzte Ehrenschwerter
und gab ihm — zu der von Armenien und Ädharbäidjän — die Ehrenstatthalterschaft von Sind.
Bei einem großen Fest, a m Donnerstag, 4. Rabl' II223 (5. III. 837), dichteten die größten Dichter
der Zeit Loblieder auf Afshin.
Bäbak hatte Verbindung mit Byzanz angeknüft, u m durch einen Angriff der Byzantiner einen
Teil der muslimischen Armee von sich abzuziehen. Der Angriff des Kaisers Theophilos erfolgte
aber erst im Frühjahr 223 an der Taurusgrenze. al-Mu'tasim, vonderBäbak-Gefahr befreit, zog
selbst ins Feld, mit Afshin. Schon vor seiner Thronbesteigung war er mit al-Ma'mün in Klein-
asien gewesen. Der neue Feldzug war ein voller Erfolg; er eroberte Ankyra und Amorion,
'Ammüriya.
Ein Stadttor von 'Ammüriya wurde als Trophäe nach Samarra gebracht. Es befand sich später
a m bäb Qinnasrln von Aleppo. ibn Shaddäd, bei ibn Shihna, dürr p. 39: "al-malik al-näsir Yüsuf
stellte in 654 (1256) das bäb Qinnasrln wieder her . .. Das Tor von Raqqa, ob eine griechische
Arbeit oder nicht, befand sich ursprünglich in 'Ammüriya; nach derEroberung durch al-Mu'tasim
in 223 wurde es nach Samarra, und als das verlassen wurde, nach Raqqa gebracht. Ein merk-
würdiges Zusammentreffen haben mir die beiden qädl, Kamäl al-dln al-Asadi ibn al-Ustädh und
Madjd al-dln ibn Djarräda ibn al-'Adlm erzählt: Wir besuchten einmal den Shaikh al-sälih
Sharaf al-dln M u h a m m a d al-Hauränl außerhalb Aleppos [in al-Sälihln], gerade an dem Tage,
in einem sauberen, gefütterten Rock, mit einer wurden an den Körper angehängt. — khashaba zu-
schwarzen qalansiya auf dem Kopf, auf einem Rohr- nächst 'Pfahl', dann 'Kreuz'; salaba zunächst
stock reitend, und die Jungen hinter ihm her 'kreuzigen', aber auch 'pfählen', vgl. kit. Baghdad
schrieen yä Khälid, yä bärid!" — M a n erklärt p. 94. —Aghäni X X I , p. 280: "ein Asket namens
qalansuwa als L w . aus lat. Conus. Die Bekleidung Burzen, in Sidjistän, dessen Vater gepfählt worden
der Khalifen mit einer besonders hohen qalansuwa
war, *,\j~ J _i-> .jij d&) [vgl. yl>> v>-» > J > bei
erinnert aber an die hohe, steife jcupßaai« der
Achämeniden, von denen Verse in Aristophanes' Freytag] hält dem Dichter abu 1-Hindi sein Wein-
'Vögeln', reden. Die gewöhnliche Tracht war trinken vor, und der erwidert: Leute wie du sehen
eine nicht versteifte kyrbasia, ein türk. bashlyq. den Splitter im Auge ihres Bruders, aber nicht
Die Doppelform in -uwa und -iya, wie beim Namen •U c—1 J iii-l". Aghäni X X I , 258 wird der Pfahl
Alanquwa (Alongoa) aus Alanfiya (Olympias), zeigt, des Bäbak shadjarat 'Baum' genannt. Eine Frau
daß das Wort aus einer Sprache mit erhaltenen sagt zu dem Tamburin-Spieler al-Masdüd jil i_*i
Endungen übernommen wurde. Das von gr. dll s^sti Jl und er antwortet: "Vor dir! Möge
xupßacita und akk. karbaltu < * karbastu reflektierteAllah dich seine Frucht kosten lassen!"
iran. Wort ist unbekannt. Wie die Sache könnten - Vgl. E. G. Browne, Lit. Hist. Persia I, p. 329.
auch die Wörter zusammenhängen. Das Wort 3 Mas'üdi VII, 132s: ein tädj und ein iklil, ein u m
fängt an wie np. kuläh, aber dies stammt von m p . den Rand der Krone zu windendes Diadem, mit in
kuläfe, Inschr. Sar Mash. Gold gefaßten Edelsteinen, und zwei wishäh,
1
suliba. Mas'üdi VII, 130 fügt hinzu: Die Glieder Schwertgehenke, mit Juwelen und Perlen.
* 144 *

da m a n die Tür von Raqqa a m bäb Qinnasrln anbrachte. Wir redeten über das Tor und der
Shaikh sagte: "Ich sehe einen über die Stadt k o m m e n , der sie erobern und dies Tor und die
ganze Stadt zerstören wird!" Es geschah wie er vorausgesagt hatte: als die Tataren sich Aleppos
bemächtigten, war dies Tor das erste, das sie zerstörten [5 Jahre später, in 659]. Nach dem
Abzug der Tataren ließ der Sultan Baibars, der die Regierung ergriffen hatte, die Eisenplatten
und die Nägel abnehmen und alles nach Damaskus und Kairo schaffen".
Dagegen ibn Tiqtaqä (um 700 H ) , al-Fakhri, ed. Ahlwardt p. 275: "Nach der Zerstörung von
'Ammüriya nahm al-Mu'tasim eines der eisernen, sehr großen Tore und ließ es nach Baghdad
schaffen, w o es sich heute [Quelle nicht angegeben] an einem der Tore des Khalifenpalastes,
namens bäb al-'ämma befindet; das geschah in 223 H.". Vielleicht wurden mehr als ein Stadttor
mitgenommen. Solche Überführungen geschahen nicht aus archäologischem Interesse, sondern
zu magischen Zwecken: die Verewigung des Sieges durch die Trophäe. Beim Rückzug, in
Kilikien, beging al-Mu'tasim's Neffe, al-'Abbäs b. al-Ma'mün, die Torheit, sich gegen den Khali-
fen in eine Verschwörung einzulassen, die ihn auf den Thron bringen sollte. In diesen Plan
ließ sich auch die schöne 'Arib verwickeln1 und von den Großen der Zeit besonders 'Udjaif b.
'Anbasa, der Besieger der Zutt (vgl. ob. p. 49). Nach Balädhuri 375 war er 'ein M a n n aus Khura-
san' und nach Yäqüt I, 277 gehörte ihm die Quhunduz, d. i. Kuhndiz von Ishtekhan, unweit
Samarkand. Aber d e m N a m e n nach war er reiner Araber. Die ganze Verschwörung war getragen
von der Unzufriedenheit der Araber mit der Vormachtstellung der Türken, wurde aber entdeckt,
und alle Teilnehmer — bis auf 'Arib — wurden gefangen und elend umgebracht. al-'Abbäs
selbst ließ m a n verdursten, nachdem er öffentlich verflucht worden war.
Die Machtstellung des Afshin war noch unerschüttert, und i. J. 224 verheiratete er seinen Sohn
al-Hasan mit Utrundja, Tochter des Ashnäs. Die Hochzeit fand im djumädä II im qasr al-'Umari
statt. al-Mu'tasim war anwesend und begrüßte die große M e n g e von Eingeladenen persönlich.
Nach Mas'üdi VII, 133 habe er selbst ein Gedicht auf das Brautpaar vorgetragen. Die Gäste
wurden aus silbernen Aquamanilen, taghär, mit ghäliya besprengt, einem phantastisch teuren
Parfüm2.
Als Wali von Ädharbäidjän hatte Afshin unter seinen 'ämil, Steuereinnehmern, Kreis-Statt-
haltern, einen Verwandten, Menkdjur al-Usrüshanl, der in einem der Häuser des Bäbak einen
großen Schatz fand und ihn Afshin und der Regierung unterschlug. Ein Postmeister von Ädhar-
bäidjän berichtete an al-Mu'tasim, und Afshin schickte einen seiner Obersten zur Untersuchung
hin. Das geschah noch in 224; i. J. 225 wurde Menkdjur durch Bogha al-kablr gefangen nach
Samarra gebracht und bestraft.
Ebenfalls in 224 begann ein von Tabari (III, 1268—81) ausführlich geschilderter Aufstand des
Mäzyär b. Qären b. Wandähormuz 3 in Tabaristan. Mäzyär war ein Fürst aus d e m arsakidischen
1
Vgl. unten p. 170. myristica, auch habb ghäliya genannt] von den
2
Flüssig oder als Paste gebraucht, nach dem Bade Grenzen von Tihäma, und alles Vorzüglichste ist
für Haar und Bart, vgl. ibn al-Athir V, 65: ibn darin gemischt". Das Parfüm und die schöne Rede
Khalliqän II, 468: v. Kremer, Culturg. II, 209; machen nicht den geringsten Eindruck auf al-
E. Wiedemann, Beitr. z. Gesch. d. Naturwissensch. Rashid, der weiß, daß der Prinz die Erlaubnis zu
L V I p. 333. —Aghäni 15,41: al-'Abbäs b. Muham- einer Heirat haben will, und er erlaubt dem an-
mad al-Amin kommt zu seinem Großvater al- wesenden Dichter Rabi'a al-Raqqi, den Prinzen
Rashid mit einer Büchse ghäliya, stellt sie vor ihn auf das fürchterlichste zu verspotten.
und sagt: "ghäliya, die ich eigenhändig für dich 3 Bei Ya'qübi Hist. 573 Bundädh-Hormuz, aus mp.
gemacht habe, ihr 'anbar ist ausgesucht von den vindädh-. Balädhuri schreibt genauer Mäyazdyär,
Bäumen von 'Umän, ihr Moschus kommt von den aus mäh-yazd-yär 'den Izad M ä h zum Helfer
Bergen von Tibet, ihr bän [ladanum oder eine nux habend'.
Tafel XVII
* 145 *

Haus der Karen und ein Feind der Tähiriden von Khurasan. Afshin fühlte sich zu ihm hin-
gezogen wegen seiner dahqana, seinem persisch-adligen Wesen; die Erklärung Berünl's,
Sachau's Ubers. p. 208: "office of cultivating the world, of sowing in it and of distributing it" eine
Parallele zu seiner Erklärung von dahufadhiyya, paßt hier nicht. Er war selbst ein Gegner des
'Abdallah b. Tähir, auf dessen große Statthalterschaft er hoffte. So versuchte er Mäzyär zu helfen
und stand mit ihm in Briefwechsel. 'Abdallah's Berichte über Mäzyär lenkten den Zorn des
Khalifen auf diesen, und der Khalif befahl 'Abdallah, gegen Mäzyär ins Feld zu ziehen. Gleich-
zeitig schrieb Afshin an Mäzyär, gegen 'Abdallah zu kämpfen, in der Erwartung, daß 'Abdallah
erfolglos sein und dann abgesetzt werden würde. Der Krieg endete mit Mäzyär's Gefangen-
nahme. Der Tahiride hatte ihm versprochen, seine Begnadigung zu erwirken, wenn Mäzyär
ihm die Korrespondenz mit Afshin auslieferte, und Mäzyär gab ihm einige Briefe. Im shawwäl
225 schickte 'Abdallah den Gefangenen nach Samarra; in al-Daskara übernahm ihn 'Abdallah's
Vetter, Ishäq b. Ibrählm, zugleich die Briefe entgegennehmend, die er nur dem Khalifen per-
sönlich aushändigen durfte. Mäzyär weigerte sich, auf einem Elefanten — wie Bäbak — durch
Samarra zu reiten, und zog daher auf einem Maultier mit Packsattel ein. A m 6. dhu 1-qa'da hielt
al-Mu'tasim eine Sitzung im dar al-'ämma und ließ Mäzyär mit dem a m Tage vorher verhafteten
Afshin konfrontieren. Nach einem Bericht scheint Mäzyär die Korrespondenz geleugnet zu
haben — w o doch al-Mu'tasim die Briefe in der Hand hatte; nach einem andren gestand er sie zu.
So war er der Kronzeuge gegen Afshin. Während dieser ins Gefängnis zurückgeführt wurde,
wurde Mäzyär gepeitscht1. Nach 450 Hieben verlangte er Wasser, trank und starb auf der Stelle.
Sein Leichnam wurde neben d e m Pfähle des Bäbak gepfählt. Tabari III, 1298 schließt daran
ohne weitere Worte: "al-Ma'mün schrieb so an Mäzyär: " V o m Knechte Allah's al-Ma'mün an
den Gel Gelän, ispahbadh i ispahbadhän, Pishwärgarshädh Muhammad ibn Qärin maulä amir al-
mu'minin". Nach Ya'qübl Hist. 582 benutzte Mäzyär das Protokoll: Von dem Gel Gelän, ispahbadh
[i ispahbadhän Pishwär] garshädh Muhammad ibn Qärin maulä amir al-mu'minin". Danach führten
die Fürsten von Pishwär-gar, d. i. den 'Bergen von Patishvära' den Titel säS, se~8 < med. xsaita
(soghd.) ixse<$ > (nicht sah < xsäyaüya)2. Nach Ya'qübl ließ Mäzyär, als er sich empörte, den
Titel maulä amir al-mu'minin fallen. Dieser sehr hohe Titel drückte damals nicht etwa aus, daß
der Träger ein Freigelassener war, sondern sein die Blutsverwandtschaft ersetzendes Klientel-
verhältnis z u m Khalifen3.
Die Untreue des Menkdjur und der Aufstand des Mäzyär verursachten die Ungnade des
Khalifen gegen Afshin. I m Jahre 225 wurde er v o m K o m m a n d o der Leibwache, haras, abgesetzt,
das er nach der Hinrichtung des 'Udjaif b. 'Anbasa erhalten hatte [Ya'q. Hist. 574], und diesen
Posten bekam Ishäq b. Yahyä b. Mu'ädh. Dagegen wurde Ashnäs ausgezeichnet; im rabl' I
(Jan.—Febr. 840) wurde er auf einen Thron, kursi, gesetzt, gekrönt und mit einem Ehrenschwert
umgürtet4. Während einer Abwesenheit des Khalifen auf einer Reise nach Sinn blieb Ashnäs
1
Vgl.E.G.Browne, Lit.Hist.Persia I, 330; Minors- spahpet. Ya'qübi, (geogr.) 3: ikhshidh in Samar-
ky 'Mäzyär' in Enz. Isl. kand. — abu 1-Mahäsin II, 252: ikhshidh in der
2
Die Titel entsprechen denen, die die Araber bei Sprache der Farghaner: König der Könige.
der Eroberung d e m Vorgänger, Farrukhän, im 3 Vgl. Goldziher, Muhamm. Stud. I, p. io4ss und
ibn Khaldün, ProU'g. I, p. 284, mit Bezug auf die
Vertrage geben (Tab. I, 2659): ü U > ö ^ l o±J ßarmakiden, ein hadith: "Le dient d'une famille
O^U J^j otvjk & • Nach dem pers. Tabari, Bai- ^ u n m e m b r e d e ^ famüle? ^ s o k dient par
c
ami schrieb er selbst: -WA «bjl> o^f *** jf ö&j j\ affranchissement, ou par adoption, ou par un
0 L l > J.<u- ot_.nl» pädishäh ersetzt darin das echte engagement solennel, ce droit lui appartient!"
shädh. Sein Sohn Dädhburzmihr heißt inschriftlich 4 "Dies ist das Grab des Imrulqais b. 'Amr, Königs
[ A M I IV, 2 p. 83; IV, 3 p. 150]: gel gelän xvaräsän aller Araber, der sich die Krone aufsetzte", 223 p.
19 Henfsld
* 146 *

als Statthalter, khalifa, in Samarra zurück. Als er dann wallfahrtete, war er Gouverneur jeder
Ortschaft, die er betrat, die größte, schon von M a ' m ü n angewandte Auszeichnung. A u f allen
Kanzeln, w o immer er durchkam, wurde von den berühmtesten Kanzelrednern für ihn gebetet,
in Küfa, Faid, Medina und Mekka. Afshin wurde dagegen unmittelbar vor der Hinrichtung des
Mäzyär verhaftet. Sein Prozeß folgt hier nach Tabari III, 1307SS in extenso:
Während Afshin im Gebiet der khurramiyya gegen Bäbak kämpfte, pflegte er jede hadiyya
(Geschenk, Tribut) der Armenier, seiner Ehrenstatthalterschaft, nach Usrüshana zu senden, also
durch das Gebiet des 'Abdallah b. Tähir, der darüber an al-Mu'tasim berichtete. Mu'tasim
befahl diesem, darüber genau Buch zu führen. Die angesammelten Gelder schickte Afshin durch
seine Leute, die sie in den Gürteln trugen, jeder M a n n bis 1000 Dinar und mehr. 'Abdallah
erfuhr davon, und als einmal solche Boten Afshin's in Nlshäpür abstiegen, ließ er sie verhaften
und durchsuchen. Sie erklärten, das Geld gehöre Afshin, er aber beschuldigte sie des Dieb-
stahls und benutzte das konfiszierte Geld als Sold seiner Truppen. A n Afshin schrieb er: "Ich
kann nicht glauben, daß du so große S u m m e n nach Usrüshana geschickt hättest, ohne mir wegen
der Sicherung des Transportes zu schreiben. So verwende ich das Geld als Sold anstelle der
regelmäßigen Geldsendungen des Khalifen. W e n n es dir doch gehört, werde ich es von der
nächsten amtlichen Sendung zurückerstatten. W e n n beide Vermutungen irrig sind, hat jeden-
falls der Khalife Anspruch auf das Geld, und ich habe es richtig benutzt, denn ich plane einen
Zug gegen die Türken". Afshin antwortete: "Mein Geld und das des Khalifen ist eines. Aber
laß die Leute los, damit sie nach Usrüshana gehen!" Das war der Anfang der Verfeindung,
^•=-3, zwischen 'Abdallah und Afshin.
'Abdallah ließ ihn nun beobachten. Gelegentliche Äußerungen des Khalifen, er wolle 'Abdallah
von der Statthalterschaft des Ostens absetzen, machten Afshin nach dieser Stellung begierig.
So begann er an Mäzyär zu schreiben, ihn gegen 'Abdallah aufhetzend, und ihn beim Khalifen
zu unterstützen versprechend, in d e m Gedanken, daß al-Mu'tasim dann ihn selber gegen
Zviäzyär schicken, 'Abdallah absetzen und seine Statthalterschaft Afshin geben müsse. al-Mu'ta-
sim erhielt Beweise von diesem Briefwechsel und Intrigen und änderte seine Haltung gegen
Afshin.
Dieser merkte es, wußte sich aber keinen Rat und plante eine abenteuerliche Flucht, mit
Schläuchen über den Zäb und Tigris zu setzen, Armenien, seine Statthalterschaft zu erreichen,
durch das Land der Khazaren und Türken nach Usrüshana zu entkommen und von da die Türken
und Khazaren gegen die Araber zu vereinigen. D a der Plan schwierig war, soll er sich eine Menge
Gift beschafft haben, u m Mu'tasim und seine Generäle bei einem Gastmahl zu vergiften. W e n n
der Khalif selbst nicht käme, wollte er, an einem Tage w o Mu'tasim beschäftigt war, wenigstens
die Generäle wie Ashnäs und Itäkh einladen und in der entstehenden Verwirrung seinen Flucht-
plan ausführen. Während langer Zeit bot sich keine Gelegenheit dazu.
Afshlns Offiziere pflegten, wie die andrer Großen, abwechselnd Wachdienst zu tun. Dabei
unterhielten sich einige über den Plan, und ein Wädjan al-Usrüshani1 erklärte ihn für unausführ-
bar. Das wurde Afshin hinterbracht, und die Bemerkung, die dieser machte, wieder d e m Wädjan,
noch vor Ende seiner Wache. In Angst u m sein Leben lief Wädjan mitten in der Nacht zum
Palast des Mu'tasim, fand Itäkh und verlangte, den Khalifen, der schon schlief, sofort zu sprechen.
Itäkh klopfte bei al-Mu'tasim an, und dieser wollte Wädjan a m frühen nächsten Morgen empfan-

Chr., vgl. Mshattä, Hlra u. Bädya, p. 108. — wurde. Die Sitte kam aus Iran.
Haudha. b. 'Ali erhielt von Khusrau ein Perlen- ] Berühmter N a m e : Wezan, Bezan 'aus dem Ge-
diadem, Tab. 1,985, nach dem er dhu l-tädj genannt schlecht des G e w , Vivahvant'.
* 147 *

gen. D a Wädjan erklärte, er könne nicht ohne Lebensgefahr zu Afshin zurück, behielt Itäkh
ihn bei sich. A m nächsten Morgen berichtete er den ganzen Plan d e m Khalifen.
I m Verhör des Afshin ist davon nicht die Rede, aber bei der Haussuchung wurden die Flöße
gefunden. al-Mu'tasim ließ Afshin rufen, und der erschien in schwarzer Amtstracht. Mu'tasim
ließ ihm diese abnehmen und ihn im Djausaq gefangen setzen. Später ließ er ein besonderes,
hohes Gefängnis bauen, genannt al-lu'lu'a, die Perle1, aber gewöhnlich 'Gefängnis des Afshin'
genannt. [Tab. III, 1308]: Das Gefängnis des Afshin war wie ein Minaret, in dessen Innerem
gerade genug Platz z u m Sitzen war2, und Posten hielten ringsum Wache". Dann schrieb al-
Mu'tasim an 'Abdallah b. Tähir, sich irgendwie des Hasan b. al-Afshin zu bemächtigen. Dieser
hatte sich oft bei 'Abdallah über den Samaniden N ü h b. Asad in Samarkand beschwert. 'Abdallah
teilte diesem den Befehl des Khalifen mit und befahl ihm, für die Gefangennahme des Hasan
vorbereitet zu sein. A n Hasan schrieb er, er habe N ü h abgesetzt und dessen Posten ihm über-
tragen. Als Hasan sich daher mit kleinem Gefolge zu N ü h begab, u m den Posten zu übernehmen,
wurde er gefangen und in Fesseln zu 'Abdallah geschickt. Dieser setzte ihn nach Samarra in
Marsch, w o er noch i. J. 225 ankam [vgl. Tab. III, 1313s].
Tabari III, 1307, nach Härün b. Tsä b. al-Mansür3:
"Ich war anwesend im Palast des Mu'tasim [dem Djausaq] mit A h m a d b. abi Du'äd [qädi
al-qudät], Ishäq b. Ibrählm b. Mus'ab [Polizeichef] und M u h a m m a d b. 'Abdalmalik al-Zayyät
[Wezlr], als Afshin vorgeführt wurde. (Das war bevor er ins strenge Gefängnis gesetzt wurde;
einige hervorragende Leute waren als Belastungszeugen gegen ihn erschienen, aber keiner der
ashäb al-marätibi durfte im Palast sein, mit Ausnahme des Enkels (ibn) des Mansür; Publikum
war ausgeschlossen). Die Untersuchung (Inquisition) leitete M u h a m m a d b. 'Abdalmalik [der
Wezir]; Belastungszeugen waren Mäzyär, Fürst von Tabaristan [selbst gefangen], ein Möbedh,
ein Marzubän al-Tarkashi, soghdischer Fürst, und zwei Leute aus Soghd in Lumpen.
Diese beiden wurden zuerst verhört. M u h a m m a d ließ sie ihrefleischlosenRücken entblößen
und fragte Afshin: "Kennst du diese?" — "Ja, der eine ist ein Mu'adhdhin, der andre ein Imäm.
1
Nicht das Schloß aZ-Zu'/ü'a in Dja'fariyya, vgl. p. 128. Auch III, 1533: "i. J. 250 wurde die martaba, die
2
miqdär madjlisihi, wohl wie oben übersetzt auf- irgend welche 'Umayyaden, z. B. ibn abu 1-Shawä-
zufassen, vgl. B G A . V, Gloss. o j ^ -u« JÄ-II l-U rib und die' Uthmaniden einnahmen, gestrichen".
J.=-j«_iJl "diese Moschee hat R a u m für 20 000 M a n n " Es handelt sich also u m einen prinzlichen Rang,
und Aghäni VII, 154: ^,-Uil \S* ^ - W cJl. den Nachkommen des Khalifen 'Uthmän, der
3
Auch bei ibn Miskawaih, Frgm. Hist. Ar. p. 519; Umayyaden, 'Abbasiden und 'Aliden damals noch
ein Sohn Tsä des Mansür ist bekannt, aber für einnahmen, martaba 'Stufe' ist ganz wörtlich ge-
diesen Enkel Härün finde ich sonst nur die Notiz meint: der erhöhte Sitz bei zeremoniellen Ge-
Aghäni 14, 91: " M u h a m m a d b. al-Hasan der legenheiten, das sind Sitzkissen, wie bei den
Schreiber erwähnt, daß Ishäq b. M u h a m m a d , der Sasaniden, wo die Zahl der Kissen dem Rang ent-
Hashimide ihm, nach seinem Vater, erzählte, daß er sprach. Auf Bildern sieht man zwei bis sieben
(der Vater) den (Musiker) Ishäq b. Ibrahim al- Kissen. Auch die Armenier hatten das übernom-
Mausili bei seinem (des Vaters) väterlichem Oheim men, Marquart, Eräns. p. 166, nach Agathangelos:
Härün b. Tsä getroffen habe, in Anwesenheit von "der Fürst vonAngltun: sein Kissen war höher als
M u h a m m a d b. al-Hasan b. Mus'ab". Der nicht das aller Satrapen!'. Oder 1001 Nacht, ed. Cairo
genannte Großvater des Hashimiden war danach I, 183, N . 107 ('Äshiq und Ma'shüq): "ein Mar-
ein Bruder des Härün b. Tsä, beide Enkel des morthron und auf ihm eine martaba aus golddurch-
Mansür. — Vgl. E. G. Browne, Lit. Hist. Pers. I, wirktem Atlas". Vgl. ebenda IV, 171, der falsche
3313s. Khalife sagt zu Härün al-Rashäd: "Ich kenne
4
Vgl. Tab. III, 1503; bei der Investitur des Musta'in: euren Rang nicht; bitte, seid so gütig, wer von euch
"die ashäb al-marätib begaben sich zum Palast, so der Höchste ist, setze sich auf den Ehrensitz, sadr,
die Söhne des Mutawakkil, die 'Abbasiden und und jeder setze sich auf seine Stufe, Kissen,
Tälibiden, und wer sonst zu diesem Rang gehörte". martaba".
19*
* 148 *

Sie haben eine Moschee in Usrüshana gebaut, und ich ließ jedem 1000 Hiebe geben, denn ich
hatte mit den Fürsten von Soghd den Vertrag geschlossen, alle in der Ausübung ihrer Religion
unbelästigt zu lassen; diese zwei aber fielen über einen [buddhistischen] Tempel her, in dem von
den Usrüshanern verehrte Götterbilder waren, warfen die heraus und machten den Platz zu einer
Moschee. Daraufhin bestrafte ich jeden mit 1000 Hieben, weil sie angegriffen und das Volk an
seinem Gottesdienst verhindert hatten".
Dieser erste Punkt der Anklage ist rein religiös, auf Haeresie oder Begünstigung von Heiden-
tum gegen den Islam. D a n n geht M u h a m m a d auf einen andren Punkt über, den Besitz heid-
nischer Bücher.
"Was ist das für ein Buch in deinem Besitz, das du in Gold und Juwelen und Brokat hast binden
lassen, und das Blasphemien gegen Allah enthält?" "Das ist ein von meinem Vater ererbtes Buch,
in dem etwas von der Weisheit der Perser steht, ädäb al-'adjam1. W a s seine angeblichen Blasphe-
mien angeht, so habe ich von seinem sittlichen Inhalt gelernt und den Rest nicht beachtet. Ich
habe es so reich geschmückt bekommen und war nie in solcher Not, daß ich es dieses Schmuckes
hätte berauben müssen. So ließ ich es wie es war, ebenso wie du das Buch von Kallla u Dimna
und das von Mazdak 2 in deinem Hause hast: gerade du wirst gewiß darin keinen Beweis von
Haeresie sehen".
Dann trat der M ö b e d h vor: "Dieser M a n n pflegte Fleisch von erwürgten Tieren zu essen
und wollte mich bereden, das zu genießen, weil es zarter als Fleisch geschlachteter Tiere wäre.
Jeden Mittwoch pflegte er ein schwarzes Schaf zu schlachten, es mit seinem Schwert entzwei
schneidend, ging dann zwischen den zwei Hälften hindurch und aß das Fleisch. Einmal sagte er
zu mir: "Ich bin einer von diesen Leuten — nämlich den Arabern — geworden in allem was mir
abscheulich ist, bis z u m ölessen, Kamelreiten, Sandalentragen, nur in einem nicht: ich habe
bisher kein einziges Haar verloren (meint: depiliere mich nicht)". Afshin: "Sagt mir, ob dieser
Kerl, der so redet, in seiner eigenen Religion zuverlässig ist?" Dieser M ö b e d h war ein Magier,
der später z u m Islam übertrat, unter Mutawakkil, zu dessen intimem Kreis er zählte. M a n ant-
wortete: "Nein". Afshin: "Wie könnt ihr dann das Zeugnis eines Mannes annehmen, dem ihr
nicht traut, und dessen Aufrichtigkeit ihr bezweifelt?" D a n n z u m M ö b e d h : " W a r eine Tür
oder ein Fenster zwischen deinem und meinem Hause, durch die du mich beobachten und wahr-
nehmen konntest, was ich trieb?" "Nein". "Habe ich dich nicht selbst in mein Haus gebracht
und dir Geheimes anvertraut, und mit dir über persische Dinge gesprochen, über meine Liebe zu
denen und zu dem persischen Volk?" "Ja". "Dann bist du weder wahr in deinem eigenen
Bekenntnis noch treu in Freundschaft, denn du hast Dinge öffentlich vorgebracht, die dir als
Geheimnis anvertraut waren".
Dann trat Marzubän von Soghd vor. Afshin wurde gefragt: "Kennst du ihn?" "Nein". Dann
wird Marzubän gefragt, ob er Afshin kenne. "Ja, das ist Afshin". Z u Afshin wird gesagt: "Dies
ist Marzubän". Der Zeuge sagt: " D u Betrüger, wie lange willst du dich verteidigen und die
Wahrheit fälschen ?" Afshin: "Langbart, was bringst du vor ?" Marzubän: "Wie schreiben deine
Untertanen an dich?" "Wie sie an meinen Vater und Großvater schrieben". "Sage uns, wie
sie dich anreden". "Das will ich nicht sagen". "Reden sie dich nicht in ihren Briefen so und
1
Wohl ein pandnämak. Im kit. Baghdad fol. 62a: Rhetorik, die klassische Sprache gehören uns, aber
abu 'Amr abu l-'Attäbi und Yahyä b. al-Hasan b. die Gedanken ihnen!" ^ ullj U WJIj ÄöUlj
'Ali b. Mu'ädh b. Muslim unterhalten sich in Raqqa, - Vgl. Nöldeke, Tab. p. 451, n. 2: eine Übersetzung
persisch sprechend, abu l-'Attäbi hatte in den von ibn al-Muqaffa', kein religiöses, sondern ein
Bibliotheken von M a r w studiert und sagt: " Gibt es belletristisches Buch.
anderswo Gedanken als in persischen Büchern? Die
* 149 *
so1 an, auf usrüshanisch, und heißt das nicht auf arabisch 'dem Gott der Götter von seinem Diener
N N Sohn des N N ? " "Ja, das tun sie". D a rief ibn al-Zayyät: "Kann ein Muslim eine solche
Anrede dulden? Das ist schlimmer als Pharao, der seinem Volke sagte 'Ich bin euer erhabenster
Herr!' {Qur.79,24)". Afshin: "Das war die alte Sitte, meinem Vater, Großvater und mir selbst
gegenüber; ich wollte mich nicht in ihren Augen herabsetzen, u m ihre Lehnstreue nicht zu
schwächen". Ishäq b. Ibrählm b. Mus'ab: " W e h dir, Khaidhar, wie kannst du uns bei Allah
schwören, und wie sollen wir dir glauben und deinen Eid annehmen und dich als Muslim be-
handeln, wenn du selbst dich überhebst wie es Pharao tat?" Afshin: "abu 1-Husain, 'Udjaif
zitierte diese Sure gegen 'All b. Hishäm, und jetzt zitierst du sie gegen mich; wer wird sie morgen
gegen dich zitieren?".
D a n n wird Mäzyär, ispahbadh von Tabaristan, vorgeführt und Afshin gefragt: "Kennst du
ihn ?" "Nein". Mäzyär wird gefragt, ob er Afshin kenne, und antwortet "Ja". Zu Afshin: "Dies
ist Mäzyär". "Ja, jetzt erinnere ich mich". "Hast du mit ihm Briefe gewechselt?" "Nein".
A n Mäzyär: "Hat er dir geschrieben?" "Ja, sein Bruder Khäsh schrieb an meinen Bruder
Köhyär, sagend: Niemand kann dieser 'WeißenReligion', al-din al-abyad2, z u m Sieg verhelfen,
außer mir und dir und Bäbak; Bäbak hat durch seine Torheit selbst seinen T o d verursacht,
und obwohl ich versucht habe, den Tod von ihm abzuwenden, ließ seine eigne Torheit nichts
andres als die Katastrophe zu. W e n n du aufständisch würdest, haben die Leute hier niemanden
gegen dich zu schicken, als mich, denn die Ritter und Helden und Tapferen sind bei mir. So
bleiben, wenn ich gegen dich geschickt würde, nur drei Arten von Leuten, die uns bekämpfen
können: die Araber, die Maghrebiner und die Türken. Die Araber sind wie die Hunde; wirf
ihnen einen Knochen hin, und du kannst sie mit der Keule erschlagen. Jene Fliegen — nämhch
die Maghrebiner — sind nur eine Handvoll. U n d die Satanssöhne — nämlich die Türken —
verschießen ihre Pfeile in einer Stunde; die Ritter werden sie umzingeln und mit allen aufräumen3.
U n d die Religion wird wieder sein, wie sie in den Tagen der Perser war!" Afshin antwortet:
"Dieser M a n n bringt Anklagen gegen seinen und meinen Bruder vor, die mich nicht treffen.
U n d selbst wenn ich diesen Brief geschrieben hätte, u m ihn auf meine Seite zu ziehen und zu
bewirken, daß er mich ohne Verdacht hätte anrücken sehen, so wäre mir daraus kein Vorwurf
zu machen. Ich habe d e m Khalifen mit meiner Hand geholfen und habe u m so mehr Recht,
1
Soghd. ßayän ßayä, vom sasanid. bay und smäx Völker vgl. kit. Baghdad fol. 57a: Ma'mün und
bayän ; in einem Pamir-Dialekt noch heute fak als Mu'tasim streiten über den Wert der Leute, ein
allgemeine Anrede; auch türk. beg, bey. Vgl. dritter entscheidet: "Der Türke kämpft nur mit
Grierson, Ishkashmi, Tebaki etc., § 67; mafätih seinen Pfeilen, und wenn er sie verschossen hat,
p. 117, 'Paikuli' p. 136. fängt man ihn mit der Hand. — Der Perser kämpft
2
Die persische im Gegensatz zum Islam. Der Sinn mit seinem Schwert, und wenn es stumpf geworden
von 'weiß' ist mir nicht klar. Auch die Muslime ist, weiht er sich dem Tode. — Die Khurasanischen
sprechen von al-hudjdja al-baidä', das aus Qur. Ritter haben nicht ihres gleichen: sie ermüden
nicht, ermatten nicht, fliehen nicht usw." al-
6, 150 entstanden zu sein scheint: ÄJ Ul ÄÄÄII das
Ma'mün und al-Mu'tasim erkennen dies Urteil an,
'peremptorische Argument' gehört Allah; wenn er
n. 1 •• . 1 -^ u 11 r J \.. ich vermute unter stillschweigendem Vorbehalt der
gewollt hatte, hatte er euch alle auf den rechten .., . . . . A . „, . „ r ,
° . 1 T^ » r> 1 c 1 Überlegenheit der Araber. Meine Erfahrung ist
b
W e g gewiesen; vgl. Dozy s Bemerkungen, Suppl. °
•L vi ii- - J er T J am besten mit den Worten von J. F. Jones, 1. c.
J J
249a, zu ibn Khalhqan, de Slane 1,295,10—n und ... ,
T , ,, .., „ , . , , • , .. p. 149 ausgedruckt: tor hardiness and endurance,
299, 12. — Keller übersetzt den Ausdruck im kit. , „ . „ , . , . ,
„ ,, /r 1 o . ,„V7 J cu " T?- the small, ul-clod, but sinewy Arab Stands as
J
Baghd. p. 32 (fol. 2öv.) W e g der Ehre . Einen ....... , , ,
- , . , „ . .„ . unnvalled in his own nerson, as does the metal
Zusammenhang mit den Farben weiß, rot, schwarz, , r ,. ' ' , . „ ,
. 1• . T> .. • 1 • L • t.. and temper of his pure steel that of all other
grün der verschiedenen Parteien kann ich nicht , , ,,
. eastern breeds .
sehen.
3
Zu diesem Urteil über den militärischen Wert der
* 150 *

ihm mit meinem Verstand zu helfen, u m seine Feinde zu überraschen und vor ihn zu bringen
und damit ebenso in meines Herrn Augen Ehre zu gewinnen, wie es 'Abdallah b. Tähir tat1".
Darauf wurde Mäzyär abgeführt [und hingerichtet].
Nachdem Afshin d e m Marzubän geantwortet und Ishäq b. Ibrahim seine Worte gesprochen,
machte ibn abi Du'äd Afshin Vorwürfe, und dieser erwidert: " D u , abu 'Abdallah, hebst dein
tailasän2 mit der Hand auf und läßt es nicht auf deinen Nacken fallen, ehe du nicht viele damit
umgebracht hast!"
Ibn abi Du'äd fragt dann, ob Afshin beschnitten sei, "denn darin ist der ganze Islam und alle
gesetzliche Reinheit". Afshin verneint — wie er später d e m befreundeten H a m d ü n erzählt —
gegen die Wahrheit, weil die Absicht des Fragers war, ihn durch körperlichen Beweis vor den
Generälen zu beschimpfen, was schlimmer als T o d gewesen wäre. Schließlich sagt ibn abi Du'äd
zu den Beisitzern: "Ihr habt euch überzeugt, was er ist" und zu Bugha al-kablr: "Führ ihn ab!"
Bugha faßt Afshin a m Gürtel. Als dieser sagt: "Das habe ich immer von dir erwartet", wirft er
ihm den Saum des langen Gewandes über den Kopf, packt ihn a m Kragen und zieht ihn so aus
dem bäb al-Waziri3 hinaus zu seinem Gefängnis.
Tabari schließt daran: " U n d in diesem Jahre wurden Hasan b. al-Afshln und Utrundja, Tochter
des Ashnäs, nach Samarra gebracht".
Tabari hat eine meisterhafte Art, ohne jedes ausgesprochene Urteil Kritik zu üben. Über seine
Anteilnahme kann m a n kaum je in Zweifel sein. Der Prozeß ist ein Kulturbild von großem In-
teresse. Die äußeren Formen des Rechts werden gewahrt, aber das Urteil der Richter wird nur
in Hinblick auf den Willen des Khalifen gefällt; nur von einem auf ihn persönlich gemachten
Eindruck kann es beeinflußt werden. Der Angeklagte ist nicht nur den Belastungszeugen, wie dem
Narren von Möbedh, sondern seinen Richtern weit überlegen, ob er sich d e m Khalifen gegenüber
vergangen hatte oder nicht. Der ganze Prozeß ist ein Menetekel für das Khalifat: dies Reich
konnte keinen langen Bestand haben.
Tab. III, 1314, Jahr 226, " U n d in diesem Jahr starb Afshin".
1
Anspielung auf dessen List bei der Gefangennahme Steilabfall der hohen Gebirge. Das Kleidungsstück
des Hasan b. Afshin. war ursprünglich aus Ziegen- oder Kamelshaar
2
Wichtig für das Verständnis, was eigentlich das oft gemacht, und die Araber übernahmen es von den
mit qalansuwa verbundene tailasän ist. Nach d e m Persern. W e n n m a n es 'aufheben und auf den
Glossar der B.G.A. p. 79: 'amiculum semiorbi- Nacken herabfallen lassen' kann, hatte es Zipfel,
culare'; Kern,/cif. Baghdad p. 79 übersetzt qalansu- entweder wie die dreieckig zusammengelegte,
wa tawila und tailasän mit 'lange Mütze und Ober- quadratische küfiyya oder, wenn es über der
gewand der Professionsgelehrten, zur Umayyaden- qalansuwa getragen wurde, wie ein türkischer bashlyq
Zeit'. E. G . Browne, 1. c. 335, 3, zu unserer Stelle, und wie die iranische, in alter Zeit aus Filz oder
nach Lane, I, 5 p. 1867: "seems to have resembled Wolle, in sasanidischer aus Seide gemachte kyr-
our academic hood, of which it was perhaps the basia, eine Kapuze. Aber bei der Krönung des
original; it was worn by m e n of learning, doctors Mutawakkil, Tab. III, 1368, wird die qalansuwa
of Theology, L a w , Medicine, and the like". Das mit der 'imäma anstatt des üblichen tailasän um-
Verb ^ x L II heißt in 1001 Nacht 'couvrir une chose wunden; das ist ein sehr langes Tuch, das als
d'une serviette'. Der N a m e tailasän sagt nichts Leichentuch dienen kann. Die kann m a n nicht auf-
uber die F o r m aus, sondern ist Herkunftsbezeich- heben und fallen lassen, und dennoch steht der
nung, wie küfiyya, rusäfiyya, und zwar von pers. Ausdruck als S y n o n y m von tailasän. Ich war ein-
Talish,^ vgl. nuzhat, plur. al-Tawälish. Yäqüt III, mal bei der Tädj Mahäll, und ein paar Pandjäbi-
571: "tailasän, keine echt arabische Form, nach Soldaten machten eine Wette über die Länge ihrer
al-Asma'i mu'arrab von pers. tälishän, ein iqlim von blau-goldenen Turbantücher, stiegen auf ein
Dailam und v o m Khazarenland, erobert in 35 H." Minaret, banden ein T u c h ab und ließen es hinab;
Das ist russisch und persisch Tälish, südlicher es schleppte noch ein Meter auf d e m Boden.
Teil der Westküste des Kaspischen Meers, der » Vgl. Topographie, p. 196.
* 151 *

Nach H a m d ü n b. Ismä'Il1: "Als die Zeit der frischen Früchte kam, legte al-Mu'tasim Früchte
auf eine Schüssel, tabaq, und sagte zu Härün al-Wäthiq: N i m m die Früchte, bring sie persönlich
zu Afshin und besuche ihn! Wäthiq ließ jemanden die Früchte tragen und stieg dann selbst
damit in den Bau hinauf, der für Afshin als Gefängnis gebaut war, namens al-Lu'lu'a. Afshin
blickte auf die Schüssel, sah, daß Pflaumen, idjdjäs, und Zviirabellen, shähalüdj, fehlten und sagte:
"Es ist kein Gott außer Allah, was für eine schöne Schüssel, nur Pflaumen und Mirabellen sehe
ich nicht!" Wäthiq: "Warte, ich werde dir welche holen!" U n d Afshin rührte die Früchte nicht
an. Als Wäthiq sich verabschieden wollte, sagte Afshin: "Bring meinem Herrn meine Grüße
und sag ihm, ich bäte ihn, mir einen seiner Vertrauten zu schicken, zu d e m ich sprechen
kann!"
al-Mu'tasim schickte H a m d ü n b. Ismä'Il — unter al-Mutawakkil war H a m d ü n im Gefängnis
des Sulaimän b. W a h b , eben d e m des Afshin, und erzählte diese Geschichte, während er darin
war —:"al-Mu'tasim schickte mich zu Afshin und sagte mir: "Es wird lange dauern, aber bleib
nicht zu lange!" Als ich bei Afshin eintrat, stand die Fruchtschüssel unberührt vor ihm. Er sagte:
" N i m m Platz", und ich setzte mich, und er n a h m mich ein durch seine Noblesse, dahqana. Aber
ich sagte: "Maches nicht lang, der Befehlshaber der Gläubigen hat mir gesagt, nicht zu lange zu
bleiben, sei kurz!" Er sagte: "Sag d e m Befehlshaber der Gläubigen: D u bist gnädig zu mir
gewesen und hast mich geehrt und andre mir untergeben. D a n n aber hast du Reden über mich
geglaubt, die du nicht für wahr halten kannst, die dein Verstand nicht billigen kann. Wie wäre
es möglich, wie könnte ich je getan haben, was m a n dir erzählt hat? Ich soll Menkdjur zur
Auflehnung getrieben haben, und dabei glaubst du ihm. Ich soll den Obersten, den ich gegen
ihn geschickt habe, angewiesen haben, nicht zu kämpfen, sondern ihn entkommen zu lassen
und soll ihn benachrichtigt haben, so daß er entfloh. D u bist ein M a n n , der weiß was Krieg ist,
hast andre bekriegt und Truppen befehligt. Ist es möglich, daß der Anführer eines Heeres seinen
Leuten, wenn sie den Feind treffen, so etwas befiehlt? Das ist etwas, was sich niemand befehlen
läßt. Auch wenn es möglich wäre, dürftest du es nicht aus d e m M u n d e eines Feindes glauben,
dessen Motive du kennst. D u gehst mir allen andren vor2, ich bin nur dein Diener und Lehrling!
Aber, o Befehlshaber der Gläubigen, mein Fall mit dir ist wie der des Mannes, der ein Kalb
aufzog, bis es fett und groß und schön war. Seine Freunde wollten das Kalb essen und schlugen
ihm vor, es zu schlachten, aber er hörte nicht darauf. D a verabredeten sie sich eines Tages alle,
ihm zu sagen: " W a r u m ziehst du diesen Löwen groß ? N i m m dich in Acht, das ist ein Löwe, er
wird groß, und ein voll gewachsener L ö w e fällt wieder in seine Art zurück!" Er antwortete:
1
H a m d ü n b. Ismä'il war bei al-Mu'tasim undschon darauf". Oder Mas'üdi VIII, 60: der Führer der
bei al-Ma'mün regelmäßiger Gast und Freund. Zandj lehnt die Bitte einer 'Alidin, sie einem andren
Aghäni 12, 176 wird er in einem Lobgedicht 'frei- Neger zu geben, mit den Worten ab: "Er ist dein
gebig wie ein shähinshäh' genannt. Er begleitete Herr und hat mehr Anrecht auf dich als ein andrer".
al-Ma'mün in dessen letzten Byzantiner-Feldzug, Tabari III, 1405, im Beileidschreiben des Muta-
Agh. 18, 188s, Geschichte von der schönen 'Arib, wakkil an Tähir IL:"Allah und was dich ihm nahe
siehe unten p. 169. Unter seinen Freunden waren bringt hat das meiste Anrecht auf dich", im Sinne
auch Ibrahim b. al-Mahdi, abu Dulaf und Ishäq 'geht allem vor'.
b. Ibrahim al-Mausili. Er selbst und sein Sohn Zu sani'a, vgl. kit. Baghdad, fol. 99b: "ich bin
abu 'Abdallah erzählen in den Aghäni oft kultur- dein sani'a und dein Vetter!" — ibn Khaldün,
geschichtlich sehr merkwürdige Anekdoten, vgl. Proleg. Ip. 64 und 377: 'dient, protege, creature'.—
Sachau, Shäbushti p. 22, unter Dair Darmälis. D e Goeje, Select. from Tabari: (&*,«) ^ £* 'er
2
d d) cA > immer 'Anspruch, Recht haben auf',z. B. tat ihnen gutes' und dies ellipt. ma'rüfan liegt auch
1001 Nacht, Kairo II, 131 N . 346: der Dieb gibt in der Bedeutung des Nomen, während die Worte
dem wäli von Qüs eine gestohlene Kiste mit der europäischen Sprachen eher einen schlechten
40000 Dinar und sagt: "du hast das meiste Anrecht Beigeschmack haben.
* 152 *

"Nicht doch, es ist ein Kalb und kein Löwe!" Sie blieben dabei und einer sagte: " D u kannst
fragen, wen du willst!" U n d jedesmal wenn er einem sagte: "Sieh wie zahm dies Kalb ist!"
erwiderten sie: "Es ist ein Löwe, n i m m dich in Acht!" Endlich befahl er das Kalb zu schlachten.
Ich bin dies Kalb, wie kann ich ein L ö w e sein? Allah, Allah, hilf mir in meiner Not! D u hast
mich aufgezogen und geehrt gemacht, D u bist mein Herr und Meister!" Ich (Hamdün) stand
auf und nahm Abschied und die Fruchtschüssel stand da, unberührt."
Nachdem H a m d ü n gegangen war und Afshlns Botschaft d e m Mu'tasim überbracht hatte,
befahl dieser, dem Gefangenen nur wenig zu essen zu geben; er erhielt täglich nur einen Fladen
Brot.
Nicht viel später hieß es, Afshin läge im Sterben oder sei schon gestorben, und al-Mu'tasim
sagte: "Zeigt ihn seinem Sohne!" U n d m a n brachte den Leichnam und warf ihn vor ihn, und
Hasan raufte seinen Bart und Haar1. D a n n wurde er wieder ins Haus des Itäkh getragen. Von
da trug m a n ihn wieder heraus und hing ihn a m bäb al-'Ämma an den Pfahl, damit das Volk ihn
sähe. Dann wurde der Galgen mit d e m Leichnam umgeworfen und verbrannt, die Asche weg-
gebracht und in den Tigris geworfen. Tab. III, 1318: "Bei der Verhaftung des Afshin machte
der Schreiber Sulaimän b. W a h b ein Inventar aller Sachen im Palaste Afshlns, in derselben Nacht.
Afshlns Palast war in Matira. M a n fand dort in einem Zimmer, bait, die hölzerne, reich mit
Juwelen geschmückte Figur, timthäl, eines Menschen stehen; als Ohrringe hatte sie zwei weiße
Steine in Goldfassung. Einer der Leute des Sulaimän n a h m die Steine im Glauben, sie seien
wertvolle Juwelen — es war nachts — und als er a m morgen die Goldfassung abnahm, fand er,
daß sie den habrün genannten Muscheln glichen, von der 'Trompetenmuschel' (Triton) genannten
Art. — M a n fand auch anstößige und andre Bilder und Götzenbilder und dergleichen, ebenso
die Flöße2, die Afshin (für seine Flucht) vorbereitet hatte. Mas'üdi VII, 137s: "Die Götzen-
bilder, die wie m a n annahm, ihm geschickt worden waren, wurden zu d e m Leichnam geworfen
und angezündet, und das Feuer verzehrte alles".
Dieser letzte Zusatz kann erfunden sein3. Nach Tabari III, 1534 schickte M u h a m m a d b. Tähir
(II) i. J. 250 Götzenbilder aus Kabul nach Samarra. So auch 'Amr b. al-Laith, siehe unten p. 266.
Das sind offenbar Buddha-Statuen, und das Bekanntsein solcher Bilder ist für die alte Theorie
Hartmanns, daß die sitzenden Figuren, z. B. im Qaraserai in Mausil, mit Buddhabildern zusam-
menhingen, von Bedeutung. Das wäre aber kein kunstgeschichtlicher, sondern nur ein formaler,
zufälliger Zusammenhang.
"Afshin hatte auch in al-Waziriyya Sachen, und dort fand m a n ein Buch der Magier, betitelt
°^jj> o b j 4 und viele andre Bücher über die Religion, in der er seinen Herrn verehrte".
So endete eine der großen Gestalten aus Samarra. Eine andre Erzählung bei Tabari enthält
das Urteil des Mu'tasim über diese Männer. "Nach M u h a m m a d b. Räshid: Mir sagte abu
1-Husain Ishäq b. Ibrählm: Eines Tages ließ mich der Befehlshaber der Gläubigen rufen, und ich
trat bei ihm ein. Er trug eine Damastweste und einen goldenen Gurt, zannär, und rote Reit-
1
Er wurde erst nach 24 Jahren, i. J. 250, unter al- p. 120. M a n kann kaum ^±L\ ^jl^tl sagen, eher
Musta'in aus dem Gefängnis entlassen, Tab. III, ^ i l j <_il>Vl al-atwäfwa l-khashab, die Schläuche
1533- und Hölzer, aus denen m a n Flöße macht.
2
Text atwäf al-khashab wörtl. 'Schläuche von Holz', :! Sie sind möglicherweise die im Djausaq ver-
nach Margoliouth, Index zu 'Eclipse' p. 113 be- grabenen Bilder, Samarra, III, Tfl. L X — L X X .
deutet tauf, atwäf einfach 'Floß'. Indessen be- 1 D . i. wohl zuvära, uzvära, ähnlich uzvärisn, im
stehen diese aus aufgeblasenen Hammelschläuchen, Fihrist J-j\)\}\, also etwa 'Interpretation, Aus-
vgl. Xenophons ayz&'uu Supüepivoa, oben 'Land- legung'.
schaft' p. 35, und Ammians utres, Zosimos' xaxoi,
Tafel XVIII

<y
* 153 *
Stiefel und sagte mir: O Ishäq, ich möchte mit dir Polo spielen1, tu mir den Gefallen, zieh dich
an wie ich! Ich versuchte mich zu entschuldigen, aber er bestand darauf. So zog ich mich ebenso
an, und es wurden Pferde mit goldverziertem Zeug vorgeführt, und wir begaben uns auf den
maidän2. Nachdem er eine Weile gespielt hatte, sagte er: Ich sehe du bist faul, und ich vermute,
du kannst das Spiel nicht leiden! Ich sagte: So ist es, o Befehlshaber der Gläubigen. D a stieg
er ab, nahm mich bei der Hand und ging mit mir zu Fuß bis z u m Vestibulum, hudjra, des Bades,
w o er sagte: " N i m m m e i n e Kleider,o Ishäq!" U n d ich nahm sie, bis er ausgezogen war. Dann
befahl er mir, auch die Kleider abzulegen, und ich tat es, und wir gingen beide ins Bad, ohne einen
Sklaven zu haben. Sofingich an, ihn zu massieren, und dann that al-Mu'tasim, der Befehls-
haber der Gläubigen, dasselbe für mich. Ich versuchte die ganze Zeit, mich zu entschuldigen,
aber er bestand darauf. D a n n ging er aus d e m Bade heraus, ich gab ihm seine Kleider und zog
mich an. D a n n n a h m er mich wieder bei der Hand, ging mit mir zu einem Empfangssaal und
sagte: " O Ishäq, bring mir einen Sitzteppich, musallä* und zwei Kissen!" Ich brachte sie, er
legte die Kissen zurecht und legte sich mit dem Gesicht darauf und sagte: "Bring noch einen
Teppich und zwei Kissen!" Ich brachte sie und er sagte: "Breite deinen Teppich aus und lege
dich neben mich!" D a schwor ich, daß ich das nicht tun würde, sondern setzte mich auf den
Teppich.
D a kamen Itäkh al-Turki und Ashnäs herein, und er sagte ihnen: "Geht beide raus, aber so,
daß ihr mich hören könnt, wenn ich rufe!" Dann sagte er: "Ishäq, mir liegt eine Sache sehr a m
Herzen, über die ich schon lange nachgedacht habe. D a r u m wollte ich, daß du es dir bequem
machst, weil ich mit dir darüber reden will". Ich sagte: "Sprich, mein Herr, Befehlshaber der
Gläubigen, denn siehe, ich bin dein Sklave und mein Vater war dein Sklave!"
Er sagte: "Wieso k o m m t es, daß mein Bruder M a ' m ü n vier Leute groß gezogen hat, die aus-
gezeichnet waren, während ich vier groß gezogen habe, von denen keiner was taugt?" Ich sagte:
"Wer sind die, die dein Bruder erzogen hat?" "Tähir b. al-Husain, den du noch gesehen und
gehört hast; und 'Abdallah b. Tähir, ein M a n n wie es keinen zweiten gibt, und du — du bist,
walläh, für die Regierung immer ganz unentbehrlich4 — und dein Bruder M u h a m m a d b. Ibrählm,
w o ist einer wie der ? Aber ich, ich habe Afshin aufgezogen, und du hast erlebt, wozu das geführt
hat; und Ashnäs, was für ein Mißgriff! und Itäkh, gar nichts! und Wasif, der zu nichts gut ist!"
Ich sagte: " O Befehlshaber der Gläubigen, Allah mache mich zu deinem Lösegeld! Versprich
mir, daß du mir nicht zürnen wirst!" Er sagte "Sprich". Ich sagte: " O Befehlshaber der Gläu-
bigen, Allah gebe dir die Macht! Dein Bruder hat die Wurzeln angesehen, die er benutzte, die
trieben Zweige und trugen Frucht. Aber der Befehlshaber der Gläubigen hat Zweige benutzt,

1
Polo, das schon bei den Sasaniden übliche Spiel, den der Held der Erzählung verhindert.
wird oft beschrieben, %. B. iooi Nacht, ed. Kairo I, Der Ort unserer Erzählung ist der Polo-Platz im
p. n , N . 4 und II, p. 65, N . 266: "mein Wunsch Osten des Djausaq und das Bad nahe der Thronsäle.
ist, daß du mir eine Uniform zum Anziehen gibst Das Pferdegeschirr ist goldverziert, hier und an
und mich mit dir zum Diwan des Khalifen nimmst. einigen andren Stellen. Mas'üdis Angabe, VII,
U n d er zog ihn an und nahm ihn mit zum Diwan. 401—02, al-Mu'tazz sei der erste Khalife gewesen,
Dann ging der Khalife mit den Soldaten aus der der das eingeführt habe, und daß die Umayyaden
Stadt heraus und .... man stellte die Reihen und 'Abbasiden vor ihm nur 'leichten' Schmuck
(Spalier) auf und die Bälle und Schläger wurden aus Silber an den Schwertgehängen, Griffen,
herausgenommen, und der eine Reiter schlug den Sätteln und Zügeln getragen hatten, ist nicht genau.
Ball mit dem sauladjän, und der zweite schlug 2 Pers. syn. von aspres, Renn- und Polo-Platz.
ihn zurück" usw. Auch da spielen Paare von 3 Vgl. oben p. 140, ibn abi Du'äd bei Afshin und
Reitern und trägt man zum Polo militärische Tracht. unten p. 221.
Folgt ein Attentatsversuch auf Härün al-Rashid, 4 Er war sähib al-shurta.
20 Herzfeld
* 154 *

die keine Früchte tragen konnten, weil sie keine Wurzeln haben!" D a antwortete er: " 0
Ishäq, was ich in dieser langen Zeit durchgemacht habe, ist leichter zu ertragen, als deine
Antwort!"
Shäbushti, Sachau p. 23 s, nach Husain b. al-Dahhäk: "abu 'All b. al-Rashid betrank sich wie
gewöhnlich im Kloster dair al-Mudyän so schamlos, daß die U m w o h n e r sich beschwerten.
Ishäq b. Ibrählm al-Tähirl verbot das Treiben, aber abu 'Ali sagte nur: W a s hat Ishäq mir zu
befehlen! A m nächsten Abend ritt Ishäq zu d e m Kloster, ließ es umstellen, öffnen, holte abu
'Ali heraus — betrunken, in bunten Kleidern und von Saffranöl triefend — ließ ihn vor dem Tor
auf eine Decke legen, mit Gesicht nach unten und zog ihm eigenhändig 20 Hiebe über, mit
Ermahnungen. D a n n ließ er den Betrunkenen mit Gefolge in Maultiersänften, 'ammäriyyät,
nach Haus schaffen. al-Mu'tasim schrieb ihm sein L o b für diese Behandlung seines eigenen
Bruders."
Gelegentlich wird Ishäq b. Ibrählm als Tähiri, einer der Tähiriyya — so Aghäni 5, 91 — be-
zeichnet, obgleich er nur ein Neffe des Tähir I war. Sein Titel war amir, wie bei den andren
Tähiriden, so Aghäni 5, 72s.
Das hohe Urteil des Mu'tasim über Tähir dhu l-yamlnain1 und seinen Sohn 'Abdallah teilte
al-Ma'mün, kit. Baghdad fol. 65 sagt er: "Kennt ihr einen M a n n , dessen Geist so hervorragt,
daß er allen Menschen von Nutzen ist, und der alle Menschen seines Zeitalters überragt an
Reinheit der Seele, Schönheit des Wandels und Adel des Charakters?" Verschiedene raten auf
verschiedene, einer sagt: 'Umar b. al-Khattäb! M a ' m ü n : "Wir meinen keinen Quraish ... Es ist
'Abdallah b. Tähir. Ich habe ihn über Ägypten und alle seine Reichtümer gesetzt, und als
er von dort wegging, hatte er 10 000 Dinar2, drei Pferde und zwei Esel ... Er ist der Setzling
meiner Hand und der Zögling meiner Erziehung"3.
Tähir dhu l-yamlnain sagt bei ibn Taifür, kit. Baghdad fol. 45a: "Ich zog aus Khuräsän aus,
obwohl es mein Heimatland ist. Gehörte ich auch nicht zu den mächtigsten seiner Leute, so
war ich doch nicht von geringstem Stand, und es gibt keine adlige oder reiche Familie in Khurä-
sän, mit der uns nicht Bande der Freundschaft und Verwandtschaft oder Verschwägerung und
Gastfreundschaft verbänden".
W e n n m a n im kitäb Baghdad den Brief (Testament) des Tähir an'Abdallah liest, den al-Ma'mün
veröffentlichen ließ, sieht man, daß das Urteil richtig ist. Undurchsichtig bleiben mir die Gründe
für die Einsetzung Tähirs über Khurasan, die z. B. das kitäb Baghdad p. 14s darstellt, wie auch
die Rolle des Wezirs A h m a d b. abi Khälid dabei, vgl. Aghäni 14, 37s. — Tatsache scheint zu sein,
daß Tähir an seinem letzten Lebenstage, in 207 H., die Nennung des Khalifen in der khutba
unterließ, das heißt, sich unabhängig machte. Sein Tod, a m selben Tage, war kaum ein Zufall,
vgl. Sachau, Shäbushti p. 30. — Dennoch setzte al-Ma'mün den Sohn Talha, und nach dessen
Tode, sieben Jahre später, 'Abdallah als Nachfolger ein. Die Darstellung, wie sie de Goeje4
aus der damals neuen 'Geschichte' des Ya'qübl erschließen wollte, scheint mir nicht möglich
zu sein.

1
Kämil, I, 226,20 erläutert den Titel mit t>»li»i-Vl y al-Qäsim den M a ' m ü n geizig genannt haben soll,
mit bezug auf Qur'än 69, 45: ouJl -o UJb-V Das sagt der Khalife: Er nennt mich einen Geizhalz, wo
ist recht künstlich. Ein Fall, wie die Deutun- er weiß, daß ich täglich 6000 Dinar ausgebe!
gen von dhu l-aktäf, Beiname des Shähpuhr I,3 Vgl. Fleischer, Studien zu Dozy, 1881, p. 8 und
gewiß nichts andres als 'breitschultrig'. Also hier oben p. 151 Im^e.
' ambidexter'. 1
Über die Gesch. d. Abbasiden v. Al-Ya'qübi, vol.
2
Das bedeutet für al-Ma'mün gar nichts. Vgl. al- II der Trav. de la 3 m e Session du Congr. intern.
Fakhri p. 291: Als der Wezir A h m a d b. Yüsuf b. des Orientalistes, Leiden 1878.
* 155 *
Tähirs letztes Wort war, nach kit. Baghdad fol. 51b: dar murg niz mardi wäyadh "auch beim
Sterben m u ß m a n noch mannhaft sein!" Sehr altertümliches Persisch1.
D e n u m 182 geborenen Sohn Tähir's, 'Abdallah, hatte al-Ma'mün adoptiert. Shäbushti
(Sachau p. 28) erzählt, er sei als junger M a n n , nach seines Vaters Abreise nach Khurasan, eines
nachts betrunken nach Haus gekommen und habe den al-qubba genannten Palast in Brand gesetzt.
Der Vater verlangte darauf, daß er zu ihm nach Khurasan käme. Aber al-Ma'mün behielt ihn
in Baghdad und ließ die qubba wieder aufbauen.
Als die Opium-Kommission des Völkerbundes einmal nach Shlräz kam, wohnte sie in einem
Gartenschloß des Q a w ä m al-mulk. In der Nacht brannte das Schloß ab, Gelegenheit zu vielen
guten Bemerkungen. Als m a n sich beim Q a w ä m entschuldigte, sagte er: "Es hat mir nie gefallen,
und ich habe es schon immer neu bauen wollen!"
Tabari III, 1319, Jahr 227:
p. 1322SS: "In diesem Jahre starb al-Mu'tasim, m a n sagt a m Donnerstag, oder als 18 Nächte
v o m rabP I vergangen waren, in der dritten Morgenstunde". Nach ibn Qutaiba und Ya'qübl
Hist. 574: "als 11 übrig waren v o m rabr I 227". Der rabl' I hat 29 Tage, also 5/6 I. 842.
p. 1323: "Seine Krankheit begann damit, daß er sich nach einem Aderlaß a m 1. Muharram,
21. X. 841, krank fühlte. M u h a m m a d b. A h m a d b. Rashld [sie] berichtet nach Z u m ä m , d e m
Sänger: "al-Mu'tasim war sich voll bewußt, daß er an der Krankheit sterben würde. Er sagte
mir: 'Laß den Kahn 2 fertig machen, ich will morgen fahren!' U n d er fuhr aus und ich mit ihm,
und wir fuhren auf dem Tigris vor seinen Palästen vorbei, und er sagte: 'Zumäm, sing mir
D u Haus mit den ragenden Mauern,
steh für die Ewigkeit!
doch m u ß ich u m dich trauern,
wie meine k o m m t deine Zeit!
Ich kann die Augen nicht heben
zu dir vor Tränen darin,
u m das ungelebte Leben
in dir, wenn ich nicht mehr bin!'
U n d ich sang das Lied mehrere Male. Dann verlangte al-Mu'tasim nach einer Flasche Wein,
ratliyya, und trank davon einen Becher, qadah. U n d ich sang es wieder und wieder, dasselbe Lied,
und er hielt ein Taschentuch in der Hand, weinte immerfort, trocknete seine Tränen damit und
schluchzte. Zuletzt kehrte er nach Haus zurück. Aber den Wein hat er nicht getrunken."
Nach 'All b. al-Dja'ad: "Als al-Mu'tasim im Sterben lag, sagte er: Es ist aus mit den Plänen,
keine Pläne J 3 - mehr für mich, nur noch Schweigen!" c-*-»l ^> *L>- O-JJ J^J-\ C~*J
Diese Hamlet-Worte sind wohl im Gedanken an Verse des abu l-'Atähiya gesagt, Aghäni 3,132:
" W a s auch die Menschen planen, der T o d schneidet die Pläne des Planenden ab":

1
Vgl. Yäqüt I, 677,22: hiledh veh drödh — .MJL [&£- türkisch sprechen lustig machen.
Nach kit. Baghdad p. 71 unterhalten sich M u - - al-zuläl, nur auf dem Tigris üblich, klein, da die
hammad b. Tähir (I) und Yahyä b. al-Hasan großen hurräqa solche mit sich führen. Margo-
b. 'Ali b. Mu'ädh in Raqqa auch auf persisch. liouth, Index zu 'Eclipse' p. 113 sagt "suitable for
Häufiger wird persisch in Basra gesprochen, auch long voyage, with curtains". Mir scheint wichtiger,
in Küfa, während man in Baghdad und Samarra — daß man damitflußaufwärtsfährt, also ein Ruder-
anders als heute — wenig persisch versteht und boot, wahrscheinlich ähnlich den Gondeln von
die Araber sich gelegentlich über das persisch oder Basra.
20*
* 156 *

Aghäni III, 175, nach M u h a m m a d b. 'Abdalmalik al-Zayyät: "Als al-Mu'tasim den Tod nahe
fühlte, sagte er zu al-Wäthiq: 'Dein Vater, 0 Härün, geht wahrlich zu Allah; sagt abu l-'Atähiya
nicht:

Der Tod macht alle Menschen gleich,


er nimmt den kleinen M a n n , den König,
er nimmt wer viel hat oder wenig,
vor ihm ist niemand arm noch reich!'"

Tabari III, 1323: "Jemand andres erzählt: al-Mu'tasim sagte mehrmals: Ich werde mitten
aus d e m Leben herausgerissen! Auch: Hätte ich gewußt, daß mein Leben so kurz sein würde,
hätte ich nicht getan, was ich getan habe!" Das kitäb al-'uyün fügt frei hinzu: "Nämlich die
Tötung des 'Abbäs b. al-Ma'mün". Ich halte die Deutung nicht für richtig: der Khalife denkt
an keine einzelne Handlung, sondern an alle.
Ishäq b. Ibrählm al-Mausill hat ein andres Wort von ihm überliefert, Tab. III, 1329: "al-
Mu'tasim antwortete mir einmal: W e n n die Leidenschaft den Sieg davon trägt, hört die Ver-
nunft auf". Tab. III, 1326, nach al-Fadl b. M a r w ä n : "al-Mu'tasim hatte kein Gefallen an dem
Schmuck, tazyin, der Bauten, sein Sinn war auf ihre Festigkeit, ihkäm, gerichtet".
Tab. III, 1329: nach A h m a d b. abi Du'äd: "Almosen, sadaqät, gab al-Mu'tasim durch meine
Hände und meine Arbeit, asbäb1, im Werte von 100 Millionen Dirham". Die Verwaltung der
sadaqät, Stiftungen, wie alle mit religiösen Dingen verbundenen Finanzangelegenheiten, waren
unter der Verwaltung des qädi, wie bei den Sasaniden unter der des möbedh.
I m kitäb al-' Uyünfindetsich eine eigentümliche Nachricht: p. 408: "Auf seinem Siegel stand:
"Allah ist (unsere) Zuversicht — M u h a m m a d b. al-Rashid — vertrau auf ihn!"

•y ü <^3 — A-i )\ ^j ^jf~ — iäi' «Oi'

Eben diese dreizeilig geschriebene Siegellegende ist die gewöhnlichste auf privaten Siege
Zeit, mit wechselndem Namen. al-Mu'tasim benutzte also als Khalif kein besonderes, sondern eben
das Siegel, das er als junger Prinz gehabt hatte, mit d e m einzigen 'Sohn des Rashld', u m seinen
Rang anzuzeigen2. Das war nicht die Regel. Der Khalif schrieb nicht und siegelte nicht einmal
selbst; das war Sache des diwän al-tauqi' oder al-khätim, und normalerweise mußte das da be-
nutzte Siegel das Protokoll enthalten: jU^^il JJ*\ ^ *^A\ fUYl *&\ Juc .
Die andren Ämter hatten ihre eigenen Siegel.
1
sabab, asbäb hat hier nicht den Sinn 'Ursache, p. 361, al-Wäthiq: jtljll & *»l
Anlaß'. In späterer epigraphischer Sprache oft:
p. 362, al-Mutawakkil: JSy, «I Je jm>-
"Allah belohne, wer sabab war" mit ähnlichem
Sinn, nicht 'Veranlasser', sondern 'Mitarbeiter'. p. 364, al-Muntasir: j*a <ul"o»*
Vgl. die Glossare Frgm. Hist. Ar. und des Balädhuri p. 364, al-Musta'in: .Lrf & -u-i
s. v. und unter Jüi. (das stand auf dem djabal, Köh i Nur, und
2
Demgegenüber machen die Siegel-Inschriften, war kein Siegel)
wie sie Mas'üdi im tanbih gibt, keinen echten Ein-
druck : p. 367, al-Muhtadi: oo^ll ^1 -u^
p. 356, al-Mu'tasim: _,*, „ ^ ^ T ^J ^0)1 *x A\ p. 369, al-Mu'tamid: ac« «JOI Je .ux.ll
* 157 *

Das ganze Siegelwesen ist von den Sasaniden übernommen. Zwei darauf bezügliche Nach-
richten hat Mas'üdi erhalten, jedenfalls durch Djähiz aus dem m p . Äyinnämak, die im einzelnen
entstellt, aber im Prinzip geschichtlich und richtig sind.
II, 204: Khusrau Anöshirwän benutzte vier Staatssiegel:
1. für das Steueramt, mit Legende 'Gerechtigkeit' JJJI
2. für die Domänen, mit 'Ackerbau' oder 'Wohlstand' ÖL*JI
3. für Naturallieferungen, mit 'Vorsicht' J U 1
4. für die Post, mit 'Treue' sAj^l
II, 228ss: Khusrau Parwez hatte 9 Siegel:
1. für Briefe und Diplome, sidjillät des Königs, sein Bild mit Titeln als Legende
2. für die Tagesakten, tadhkirät, Xvaräsän xvarrah1 aJ- 0 ^ \j>-
3. für die Post, ein galoppierender Reiter, mit 'Schnelligkeit' s.b-^1
4. für Pässe, Diplome, Begnadigungen "vom Reichtum k o m m t Wohlstand"2
5. für das Schatzamt, xurrah u xurram 'Glück und Frohsinn' fj>-j ej±-
6. für die diplomatische Korrespondenz, ein Adler Ljlit
7. für die königliche Küche, Arzneien und Parfüms, eine Fhege t_Aö (hoffentlich als
Talisman)
8. für Todes- und ähnliche Urteile, ein Eberkopf (in Wahrheit als Beistempel auf Tribut-
geldern) vgl. A M I I X 151 ss.
9. ein Siegel für das Bad des Königs.
Die Bilder von 1, 2, 3, 6 und 8 sind bekannt; was mit den andren gemeint ist, kann m a n ver-
muten.
Die 1001 Nacht, ed. Cairo 1,140, N . 60, schreiben die vier Siegel des Khusrau I dem Ardashir
zu "und diese Sitte blieb bei den Persern bis z u m Erscheinen des Islam", in Wahrheit länger.
Sie machen daraus:
1. für Marine, Polizei, Verteidigung Siegel mit olLJI
2. für Steuern und Finanzen Siegel mit ijLJl
3. für Lebensmittel Siegel mit ^U-Jl
4. für das Appellgericht Siegel mit Jo«Jl
Dies letzte ist richtiger als bei Mas'üdi, evident das Siegel des däral-'adl. Aus cA,}Ji\ — <JU)1
und aus tli^ll — *1>^)I — S.U-J1 könnte m a n versuchen, das Original zu rekonstruieren.
Tab. III, 1329 nach abu Hassan: "Die Mutter des abu Ishäq al-Mu'tasim war aus Küfa
gebürtig und hieß Märida". al-Fadl b. M a r w ä n soll gesagt haben: "al-Mu'tasims Mutter
Märida war eine Soghdierin, deren Vater aus dem Sawäd stammte, ich glaube aus Bandanidjin
[Mandall]; außer abu Ishäq hatte al-Rashid von Märida noch abu Ismä'Il, u m m Hablb und zwei
andre Kinder, deren N a m e n vergessen sind".
al-Mu'tasim wird beschrieben, Tab. III, 1323, als blond, mit langem, rötlichem Bart, von
mittlerer Größe, mit roten Wangen, schönen Augen. Er war im [dar al-] khuld [Palast des
Rashld in Baghdad] geboren. Das kitäb al-'uyün fügt hinzu: "Er war sehr stark, kraftstrotzend,
1 2
Vgl. A M I IX, 146SS. Vgl. Fritz Reuter: "die Armut kommt von der
Powerteh".
* 158 *

konnte 1000 ratl (Pfund)1 heben und mehrere Schritte tragen, war mutig, aber illiterat und konnte
nicht schreiben".
Tab. III, 1323: "Er war Khalife 8 Jahre, 8 Monate und 2 Tage. Geboren war er im sha'bän
[dem achten Monat] 180 (9. X . — 6 . XI. 796) oder 179 H . W e n n in 180, war sein ganzes Alter
46 Jahre, 7 Monate und 18 Tage; wenn 179, 47 Jahre, 2 Monate und 18 Tage. Einige sagen, er
war 180 geboren, im 8. Monat, er war der 8. Khalife aus d e m Hause des 'Abbäs, sein Alter war
48 Jahre, er hinterließ 8 Söhne und 8 Töchter und herrschte 8 Jahre und 8 Monate". Solche
astrologischen Zahlenspielereien waren in der Zeit beliebt; bei ibn al-Tiqtaqä und sonst trägt
al-Mu'tasim daher den Beinamen al-muthamman, 'der Achter'. Das kit. al-'uyün nennt als seine
Söhne (p. 409) Härün al-Wäthiq, Dja'far al-Mutawakkil und auch A h m a d al-Musta'In, dieser
in Wahrheit ein Enkel, Sohn eines M u h a m m a d .
Tab. III, 1323: "Als er gestorben war, begrub m a n ihn in Samarra", Ya'qübl, Hist. 574: "in
seinem Palast, d e m Djausaq". So wird auch al-Wäthiq im Härüni begraben, und andre in ihren
Palästen, wie die assyrischen Könige in ihren Palästen begraben wurden.
abu l-'Atähiya, der Dichter, den al-Mu'tasim so schätzte, galt allgemein und nach den er-
haltenen Versen mit Recht als größter Dichter der Zeit.
Aghäni 3, 144s: M u h a m m a d b. al-Nadr, Schreiber des Ghassän [Vorgängers des Tähir I]
ging als Bote zu 'Abdallah b. Tähir, der gerade nach Ägypten gegangen war, und stieg bei al-
'Attäbl ab, der sich nach den neuesten literarischen Werken aus d e m Träq erkundigte. Der
Erzähler deklamierte etwas von abu N u w ä s und fragte: "Soll ich dir etwas von abu l-'Atähiya
vortragen?" " W e n n ich abu l-'Atähiya gemeint hätte, hätte ich nicht nur Träq gesagt, sondern:
sage mir etwas von den größten Dichtern unter den Menschen!"
Aghäni 3, 131: "Dä'üd b. Zaid b. Razln antwortet auf die Frage, wer ist der größte Dichter
unserer Zeit ? abu Nuwäs! und auf die Frage, und was hältst du von abu l-'Atähiya ? abu l-'Atähiya
ist der größte Dichter unter den Menschen und Djinn!"
Aghäni 3, 162s: Härün b. Sa'dän, maulä der Badjll, erzählt: "Ich war einmal bei abu Nuwäs,
nahe von Dür bani Baibukht a m Nähr Täbiq. Eine Gesellschaft war bei ihm, und immerfort
kamen Offiziere und Schreiber und Hashimiden vorbei und grüßten ihn, aber er lag mit aus-
gestreckten Beinen und rührte sich nicht. Plötzlich zog er die Beine an, sprang auf und ging auf
einen Greis zu, der auf einem Esel ankam und abu N u w ä s umarmte, abu N u w ä s unterhielt sich
mit ihm eine lange Zeit, stehend und die Füße wechselnd, einen hebend, einen niedersetzend.
Dann ritt der Greis weiter, und abu N u w ä s kam zurück und seufzte. D a sagte ein Anwesender:
"Bei Allah, bist du nicht der größere Dichter ?" und er sagte: "Bei Allah, jedesmal wenn ich ihn
sehe, m u ß ich denken: er ist der Himmel und ich bin nur die Erde". Das ist: " U n d hinter ihm
in wesenlosem Scheine lag, was uns alle bändigt".
Aghäni 3, 145: "abu l-'Atähiya sagte: Die meisten Menschen sprechen Verse, nur wissen sie
es nicht; wenn sie sie besser aneinanderreihen würden, wären sie alle Dichter. In dem Augen-
blick rief ein M a n n mit Filzen auf der Straße: 'Wer Filze will, hier werden glatte verkauft!'

abu l'Atähiya: Da ist ein solcher, hört ihr, was er sagt ? das ist ein Halbvers, und er wei
D a rief der M a n n : 'Immer heran, wenn du Profit machen willst!'

abu l-'Atähiya: Da hat er einen Halbvers an den andren gefügt und weiß es nicht!"
1
Wäre, wenn 1 ratl = 446 Gr., 9 Zentner,
* 159 *

Aghäni 3, 149, nach M u h a m m a d b. 'Abdaldjabbär al-Fazärl: In seiner Jugend zog abu 1-Atä-
hiya mit einer Kiepe mit Töpfen auf seinem Rücken in Küfa herum, u m sie zu verkaufen. So
kam er eines Tags an ein paar Jünglingen vorbei, die da saßen, sich über Verse unterhielten und
deklamierten. Er grüßte sie, setzte seine Kiepe vom Rücken ab und sagte: 'O Knaben, ich sehe,
ihr redet über Verse, ich werde euch einen sagen, und ihr sollt die Fortsetzung machen; wenn
ihr es könnt, gewinnt ihr von mir 10Dirham, wenn nicht, gewinne ich von euch 10 Dirham!'
U n d sie spotteten und machten sich lustig über ihn, und sagten ja! Dann wird die Wette mit
Pfändern abgemacht, und er sagte: 'Ihr seid begraben, Toren!' JS! ^lo^-Vl ^^- und ver-
abredete, sich wieder mit ihnen zu treffen, wenn die Sonne auf den Platz käme. Aber sie konnten
keine Fortsetzung finden, so sehr sie sich M ü h e gaben. D a spottete er über sie und sagte:

»1*1.0 U f£j*M CM

Bevor ihr noch begonnen,


laßt sehn was ihr ersonnen!
Habt ihr verloren, gewonnen?
Der Dichter hat eigene Gedanken, in einfacher Sprache, mit einem fließenden Rhythmus aus-
gesprochen, den m a n auch als Fremder fühlt, und der ihm natürlich und angeboren zu sein scheint.
Agh. 3, 146:

"Die Liebe ist wie ein schwarzes Geschwür,


Doch an der Brust des Geliebten gefällt es ihr."
Agh. 3,151:

"Ohne daß wirs ahnen und fühlen, mahlen uns des Schicksals Mühlen."
Agh. 3,148:

Leben hofft auf Dauer, der Tod liegt auf der Lauer.
Aghäni 3, 142: "Mansür b. 'Ammär, der abu l-'Atähiya der Ketzerei beschuldigt hatte, starb
bald darauf, und abu l-'Atähiya sprach an seinem Grabe: M ö g e Allah dir vergeben, abu 1-SirrI,
womit du mich beworfen hast."
I m Alter wurde er düsterer. Aghäni 3. 144: Jemand fragte ihn, welche Devise er auf sein
Siegel gravieren lassen sollte, abu l-'Athähiya sagte: ^Idl je «al l^i "Allahs Fluch über die
Menschheit" und rezitierte:
* 160 *

Ich bin der Menschen leid und ihrer Art,


und bin nur froh wenn ich allein,
und ob ihr wenig oder viele wart,
es lohnt sich nicht euch Freund zu sein!

Agh-3>i49:
^Ji\ £*~1 ^ l » LSJ*- t-~>

J-3J JkJs 3>ÜI &\»J

^ß JL£ i%S\ ^3
"Ich weiß nicht, w o ich sterben werde und Ruhe haben,
ich weiß nicht, w o auf dieser Erde sie mich begraben,
ich weiß nicht, wann mein letzter T a g aufgehen mag..."

Agh. 3, 147'• __
diu J\ J^Jl3 etil* j o ^ ; >

dUj J, *u\ ^ c*A; 0; j^i-e b

dlL> Uj ^li» kJ_^- dLL*-« lS&- Js

"Mir starb ein Kamerad,


und den er ging, den Pfad,
— o 'Ali ibn Thäbit,
Gott segne dich und mich! —
geht alles was da lebet
a m Ende sicherlich."
Agh. 3,132:
Ä-i; Jli\ JJ> ^I*J_ J ji' ^
A.JÜU yt ^jjl Jli\ 4_C1*J"

"Wer nicht seine Seele von seinem Besitz befreit,


lebt von was ihm gehört in Hörigkeit"

REGIERUNG DES HÄRÜN AL-WÄTHIQ BILLAH


Tabari III, 1329SS, Jahr 227 H:
"Am Todestage des Mu'tasim wurde seinem Sohne Härün al-Wäthiq b. Muhammad al-
Mu'tasim der Treueid geleistet, a m Dienstag 18. rabl' I 227 (5/6 I. 842)." Ya'qübl, Hist. 584:
"rabi' I gleich känün (I.) nach persischem Kalender", d. h. Sonnenjahr, dann wie gewöhnlich
das ausführliche Horoskop und "Ishäq b. Ibrählm nahm sofort die Vereidigung der Beamten in
Baghdad vor". Tabari: "Seine kunya war abu Dja'far. Seine Mutter war umm walad, eine
Rhomäerin, namens Qarätls".
Die kurze Regierung des Wäthiq ist eine Zeit des Friedens und Wohllebens. Das Reich, das
al-Mansür, al-Mahdi, Härün und al-Ma'mün gebaut hatten, hielt noch über al-Mu'tasim in die
Tafel X I X

a—c Im Tal des 'Acaim: Erosionsbildung und Tamarisken-Dickicht


1

4
* 161 *

sechste Generation hinein. Die Chronik ist voll harmloser Dinge, wie eine abendländisch-mittel-
alterliche. So:
Tab. III, 1363, Jahr 232: " A m 5. nisän (16? April) wurde es so kalt, daß das Wasser
fror".
In jedem Jahre gibt Tabari eine Notiz über die Wallfahrt. I m Jahre 227: "Dja'far b. al-Mu'ta-
sim [al-Mutawakkil] machte die Wallfahrt. Wäthiq's Mutter zog mit ihm aus u m zu wallfahren,
starb aber in Hlra, a m 4. dhu 1-qa'da (16. VIII. 842), und wurde in Küfa, im Palast des Dä'üd
b. Tsä begraben".
Tab. III, 1330, Jahr 228: "Sulaimän b. 'Abdallah b. Tähir wallfahrtete. Auf der Mekka-
straße gab es eine Teuerung. Das ratl (Pfund) Brot kostete 1 Dirham, die räwiya (großer Rinder-
schlauch) Wasser 40 Dirham. In al-Mauqif kam große Hitze, dann heftiger Regen und Kälte
über die Leute, so daß sie im Lauf einer Stunde ebenso von Hitze wie von Kälte litten. A m
Opfertage [10. dhu 1-hidjdja] regnete es in Minna so heftig, wie m a n es nie erlebt. Ein Stück
des Berges beim 'Aqaba-Felsen rutschte ab und tötete eine Anzahl Wallfahrer".
Jahr 230: "Ishäq b. Ibrählm ibn Mus'ab wallfahrtete."
Jahr 231: "al-Wäthiq wollte wallfahren, verschob es aber auf die Berichte über Wassermangel
an der Mekkastraße hin".
Ein andres Bild: Tab. III, 1340: " I m Jahre 231 brach eine Diebesbande durch einen unter-
irdischen Gang (naqab, wohl Kanalisation) in das bait al-mäl ein, das im dar al-'ämma im Innern
des qasr [al-djausaq] ist, stahl 42000 Dirham, eine kleine S u m m e von Dinaren und andres. Yazld
al-Hulwäni, sähib al-shurta, khallfa des Itäkh, ruhte nicht eher, als bis er die Diebe gefangen
hatte". M a n denkt an den Dieb von Baghdad.
Die Abschaffung des Zehnten von den Chinaschiffen war oben p. 114 erwähnt.
Tabari III, 1365, nach 'Abdallah b. al-'Abbäs b. al-Fadl b. al-Rabr : '"All b. Djahm 1 dichtete
auf al-Wäthiqs Thronbesteigung:
"Der M a n n der dunyä und der M a n n des din
triumphieren mit der daula des wäthiq Härün, 2
sie ist überreich an Gerechtigkeit, 'adi, und Großmut, nä'il.
glücklich vereint sind dunyä und din!
Wohltaten sind überall durch seine Güte,
die Menschen leben in Ruhe und Milde.
Wie viele beten für die lange Dauer seiner Herrschaft,
und wie viele sagen A m e n zu diesem Gebete!"

oder: "Die Männer der Welt und der Religion


freun sich der Herrschaft des Wäthiq Härün,
Recht und Gnade blühen durch ihn,
glücklich vereint sind dunyä und din.
Er überschüttet uns alle mit Güte,
wir haben Frieden in seinem N a m e n ,
die einen beten, daß Gott ihn behüte,
die andren sagen dazu Amen."
1
War später unter al-Mutawakkil eine Zeit im Ge- siehe p. 213.
2
fängnis und wurde durch die Fürsprache der Die hier auftretende Verbindung dunyä — din —
Qabiha und ihres Eunuchen Baidün befreit, daula wird später eine Protokoll-Formel.
21 HerzfeU
* 162 *

Ebenfalls:
"Sicher sind (wäthiqat) die Gemüter durch die Herrschaft des,
dessen Sicherheit in Allah ist (al-wäthiq billah),
Ein Herrscher der, auch wenn er litte,
doch seine Gefährten nicht leiden läßt!
Das Schwert findet in ihm einen Freund, aber
allein gelassen ist (istauhasha) das reiche Gewand!
Ein Löwe, der lacht über die Härten der grimmen ('ubüs) Schlacht,
O banu l- Abbäs, Allah hat euch nur z u m Herrschertum geschaffen!"
Als Beispiel für diese ganz hohlen, unwahren, aus Wortspielen bestehenden Gedichte. Ich
besitze ein Bild, das mir A h m a d Shäh schenkte, auf d e m ihn ein juwelenbesetzter Säbel in-
kommodiert : so paßt das Schwert zu al-Wäthiq. Das Bild von Wäthiq, wie es Beckford gezeichnet
hat, ist natürlich ungeschichtlich.
"Diese beiden Gedichte sang Qalam, die Sklavin des Sälih b. 'Abdalwahhäb — Aghäni 12,
116—117: Qalam al-Sälihiyya, war eine Sklavin, eine muwallada sufrä' (blonde oder griechische);
sie gehörte d e m Sälih b. 'Abdalwahhäb, Bruder des A h m a d b. 'Abdalwahhäb, Schreibers des
Sälih b. al-Rashid — , dazu ein drittes, beginnend abat däru l-ahibbati, und al-Wäthiq drückte
seinen Beifall aus und ließ d e m Wezlr ibn al-Zayyät sagen: " W e h e dir, wer ist dieser Sälih b.
'Abdalwahhäb, schick sofort und laß ihn holen, er soll diese Sklavin mitbringen!" Sälih brachte
sie, und sie wurde al-Wäthiq vorgestellt. Ihr Gesang gefiel ihm, und er ließ Sälih rufen und sagte:
"Sprich!" Sälih: "100000 Dinar, o Befehlshaber der Gläubigen, und die Statthalterschaft von
Ägypten!" D a schickte er sie zurück. D a n n dichtete Sälih's Bruder A h m a d Verse auf al-
Wäthiq, Qalam machte die Melodie dazu, und Zurzur der Große sang sie vor al-Wäthiq. Der
Khalife fragte: " W e r ist der Komponist?" Zurzur: "Qalam!" U n d al-Wäthiq schickte zu ibn
al-Zayyät und ließ Sälih holen und Qalam mit ihm. Als sie eintrat, fragte er: "Hast du das
komponiert?" Sie: "Ja, 0 Befehlshaber der Gläubigen!" Er: "Allah segne dich!" U n d er
schickte zu Sälih: "Nenne den Preis, aber einen vernünftigen, den m a n zahlen kann!" Sälih
schickte zurück: "Ich habe sie dir geschenkt, o Befehlshaber der Gläubigen! Allah segne den
Befehlshaber der Gläubigen durch sie!" Wäthiq sagte: "Ich nehme sie an! M u h a m m a d , zahl
ihm 5000 Dinar!" U n d er nannte sie Ightibät1. Aber ibn al-Zayyät zögerte die Zahlung hinaus.
So sang sie wieder: abat däru l-ahibbati, und al-Wäthiq sagte: "Allahs Segen über dich und der
dich erzogen!" Die Sängerin: " O mein Herr, w o ist der Segen für meinen Erzieher ? D u hattest
ihm etwas befohlen, aber er hat nichts bekommen!" D a rief al-Wäthiq: "Samäna! 2 das Tinten-
faß !" und schrieb an ibn Zayyät: Zahl Sälih b. 'Abd-alwahhäb, wie wir ihm als Preis für Ightibät
versprochen, 5000 Dinar und verdoppele sie! Sälih erzählt: "Ich k a m zu ibn Zayyät, der zog
mich nahe an sich und sagte: 'Dies sind die ersten fünf, n i m m sie, die andren 5000 werde ich
dir später geben, und wenn dich jemand fragt, sag, ich habe das Geld bekommen!' Ich wollte
aber nicht gefragt werden und den Empfang bestätigen, daher hielt ich mich in meinem Hause
versteckt, bis das Geld gezahlt war. Als mich dann Samäna fragte, antwortete ich Ja. — Und
Sälih gab den Regierungsdienst auf und trieb Handel mit d e m Geld, bis er starb."
Tabari III, 1365: Husain b. al-Dahhäk erzählt, daß er al-Wäthiq einige Tage nach al-Mu'tasims
Tode einen Empfang geben sah, den ersten, den er abhielt. Der erste Vortrag dabei war ein Lied,
gesungen von Shäriya, der Sklavin des Ibrahim b. al-Mahdi :
1 a
'Befriedigung im Glück', besser als J.U.I, wie die Text Simäna, es ist aber der auch bei Ya'qübi ge-
Aghärti schreiben. nannte Eunuch Samäna.
* 163 *

"Kann m a n wohl die Träger fragen,


ob sie diese Bahre tragen
hin z u m Leben oder z u m Nichts?
Laß die Klagefrauen klagen,
was da kommt, kann keine sagen,
ob die Nacht oder der Tag des Lichts..."
U n d al-Wäthiq weinte, und wir weinten alle, bis das Weinen uns vergessen ließ, wozu wir da
waren.
Ein andrer Sänger sang:
" N i m m Abschied, o Hubaira,
Die Reiter brechen auf!
Wie kann m a n Abschied nehmen!"
U n d al-Wäthiq weinte noch mehr und sagte: "Ich habe noch nie eine solche Trauerfeier für einen
Vater gesehen..." und beendete den Empfang.
Husain b. al-Dahhäk1 war einer der großen Dichter der Zeit, der sehr ausschweifend lebte.
al-Ma'mün war ihm nicht wohl gesinnt, weil er einmal ein Loblied auf al-Amin gedichtet hatte.
al-Mu'tasim hatte ihm ein Grundstück in Samarra und 1000 Dinar zum Hausbau geschenkt
(vgl. oben p. 96).
Aghäni 6, 199: "al-Wäthiq spielte nard2 mit Husain b. al-Dahhäk, und Khäqän, ein Sklave
des Wäthiq, stand bei ihm. Dieser war ein Favorit des Wäthiq und der Khalife blickte beim
Spielen auf ihn. Dann sagte er zu Husain: " W e n n du jetzt Verse machst, die aussprechen was
ich denke, so schenke ich dir, was dir Freude machen wird!" U n d Husain deklamierte ein Ge-
dicht, beginnend:
"Die Liebe zu dir ist wie das Band
zwischen dem Vater und seinen Söhnen,
und bist du mir auch nicht verwandt,
aber mein Herz hängt an den Schönen!"
I*Ü> tiUe £)y> u dl] (_J I \>z-^sLi <u l~ L^>- dL?-1

Da lachte al-Wäthiq und sagte: "Du hast getroffen, was ich dachte, bravo!" machte eine Melodi
dazu und ließ Husain 2000 Dinar geben".
Unter al-Mutawakkil war der Dichter ein alter Mann. Aghäni 6, 183s: "al-Mutawakkil lud
Husain b. al-Dahhäk gern ein, u m zu beobachten, was von seiner früheren Leidenschaft geblieben
war. Er ließ ihn kommen, und er war alt und schwach, und er ließ ihm einschenken, bis er betrun-
ken wurde, und sagte zu seinem Eunuchen ShafI': Schenk ihm ein! Der tat es und reichte ihm
eine Blume. U n d Shafi' trug ein geblümtes Gewand, und al-Husain streckte die Hand nach
seinem A r m aus und al-Mutawakkil sagte: " O Husain, willst du mir meinen eigensten Eunuchen
abspenstig machen, und vor meinen Augen ? Wie, wenn du mit ihm allein wärst!" Er hatte aber
Shafi' zugezwinkert, den Dichter zu necken. D a sagte Husain: " O mein Herr, ich möchte Tinte
und Papier haben!" Es wurde gebracht, und Husain schrieb mit eigner Hand: "Die Rosen sind
1
Seine Biographie bei ibn Khalliqän no. 190. Brett, erfunden von Vuzurgmihr e Bökhtakän,
2
Gekürzt aus new-Ardashir, nach d e m pahl. Mätikän d e m Wezir Khusrau's I, aber später tric-trac.
e Catrang ein verwickelteres Schach mit rundem
21*
* 164 *

so rot ...." Verse, die an Vierzeiler des alten 'Umar K h a y y ä m erinnern. D a n n reichte er das
Blatt d e m Shafi' und sagte: "Reich es deinem Herrn!" U n d als al-Mutawakkil es las, fand er es
sehr schön und sagte: "Bravo, bei Allah, o Husain! W e n n Shafr einer wäre, den m a n ver-
schenken kann, schenkte ich ihn dir, aber, bei meinem Leben, er soll heute dein Mundschenk
sein und dich bedienen, als ob ich es wäre!" U n d er ließ Husain viele Geschenke geben, die ihm
nachgetragen wurden, als er fortging".
Aghäni 6, 212 sagt Husain selbst darüber: "Als al-Rashid Khalife war, ließ er mich prügeln
wegen meiner Freundschaft mit seinem Sohne, dann ließ mich al-Amln prügeln wegen der Nei-
gung seines Sohnes 'Abdallah zu mir; dann ließ al-Ma'mün mich prügeln wegen meiner Neigung
zu M u h a m m a d ; dann ließ al-Mu'tasim mich prügeln wegen der Liebe zwischen mir und al-
'Abbäs b. al-Ma'mün; dann ließ al-Wäthiq mich prügeln wegen etwas, was er über meinen
U m g a n g mit al-Mutawakkil erfahren hatte. U n d alles geschah wegen der Liebe zu mir und als
Warnung für mich. D a n n ließ al-Mutawakkil mich k o m m e n und befahl Shafr, michzu bestricken,
und ich erregte seinen Zorn und sagte zu ihm: " O Befehlshaber der Gläubigen, wenn du, wie
alle deine Ahnen, mich prügeln willst, so bedenke, die letzten Prügel, die ich bekam, waren um
deinetwillen!" D a lachte al-Mutawakkil und sagte: "Nein, bravo, o Husain, ich werde dich hüten
und ehren!"
Ibrahim b. al-Mahdi, der Besitzer der Shäriya, war ein jüngerer Bruder des Härün al-Rashid.
Seine Mutter war, nach Aghäni 9, 48 s, Shakla, eine muwallada, Tochter eines der Genossen des
Mäzyär, namens Shähafridh, der mit Mäzyär getötet wurde. Shakla wurde kriegsgefangen zu
al-Mansür gebracht. D a al-Mahdi sie heiratete und Ibrählm 162 H . geboren wurde, kann dieser
Mäzyär nicht der i. J. 225 in Samarra Hingerichtete, sondern er m u ß ein sonst unbekannter,
älterer Karen sein.
Das kitäb Baghdad erzählt eine bezeichnende Anekdote aus der letzten Zeit von Ibrahims
Prätendentschaft: "Wir pflegten die Kleider des Ibrählm b. al-Mahdi in 50 Lasten von einem
Haus zum andren zu schaffen, zur Zeit, da er sich versteckt hatte". Als der Versuch mit seiner
Gefangennahme geendet hatte, erwirkte Shakla von Härün seine Freilassung, indem sie sagte:
"Ich bin eine von deinen Müttern!" Ibrählm hatte eine Schwester von derselben Mutter,
Asmä' bintal-Mahdl, und sang ihr auf ihre Bitte vor. D a n n sagte er "Gehe jetzt, denn du gehörst
zu mir, und ich zu dir!"
Ibrählm war bei allen folgenden Khalifen sehr beliebt. Einer seiner wenigen Feinde warder
Wezir M u h a m m a d b. 'Abdalmalik al-Zayyät, eine üble Erscheinung, der sich für einen großen
Dichter hielt. Aghäni 20, 47: "Als Ibrählm b. al-Mahdi als Prätendent auftrat, lieh er Geld von
den Kaufleuten, darunter 10000 Dirham v o m Vater des M u h a m m a d b. 'Abdalmalik. Nachher
konnte er es nicht zurückzahlen. Darauf machte M u h a m m a d [lange vor seinem Wezirat] eine
an al-Ma'mün gerichtete qasida über Ibrählm, ging zu Ibrählm und sagte: W e n n du mir das
Geld nicht zahlst, gehe ich damit zu al-Ma'mün". Ibrählm zahlte unter der Bedingung, daß er die
übelsten Verse ändere, was M u h a m m a d tat. Das Gedicht besteht aus 43 Doppelversen bösartiger
Redensarten. Nach dieser Erpressung machte er noch ein Gedicht, in d e m er al-Ma'mün empfahl,
Ibrählm umzubringen. Ibrählm hatte keinen politischen Ehrgeiz und war ein wirklicher Dichter
und Sänger. In einem seiner Lieder1 sagt er
"Die Welt will nichts von mir wissen,
und ich will nichts von ihr,
m a n hat sie von mir gerissen,
nun ist sie fern von mir."
kitäb Baghdad, fol. 73 V.
* 165 *

Die Welt meint, wie in Versen des Muntasir, den Besitz der Welt, das Khalifat, er war gar
kein Asket. Er war sehr fett, und al-Ma'mün fragte ihn einmal: " O mein Oheim, hast du dich je
verliebt?" Ibrählm: " O Befehlshaber der Gläubigen, ich habe zu große Ehrfurcht vor dir, u m
darauf zu antworten!" al-Ma'mün: "Bei meinem Leben, sag die Wahrheit!" Ibrählm: "Bei
deinem Leben, ich bin immer verliebt!" al-Ma'mün: "Wie kann m a n dann so fett sein!"
Die Vorstellung ist die von Laila und Madjnün. Vgl. Aghäni 3,65: Der blinde Bashshär singt:
" U m den abgezehrten Leib schlottert mein Gewand,
bläst mich nur ein Windhauch an, fliege ich davon."
Die empörten Hörer rufen: " D u Hurensohn, das sagst du uns und bist dabei wie ein Elefant,
breiter als lang! W e n n Allah die Stürme schickte, mit denen er die alten Völker vernichtet hat,
könnten sie dich nicht von der Stelle rücken!" Der Dichter wirft sie raus. Das ist der fette Tenor,
der singt "seit jener Zeit verzehrt sich mein Leib."
Ibrahims Sohn Hibbatallah erzählt Aghäni 9, 55: "Mein Vater hatte ein Hausboot, harräqa,
gekauft und angeordnet, es auf dem Westufer [des Tigris in Baghdad] gegenüber seinem Palast
zu verankern. Eines nachts ging ich auf das Boot, und mein Vater gab uns seine Befehle und
Verbote von seinem Palast aus. Wir konnten ihn hören, w o doch die ganze Breite des Tigris
zwischen uns war, und dabei strengte er seine Stimme nicht an."
Aghäni 9, 87s nach Ibrählm b. abi Dulaf al-'ldjll: "Ibrählm b. al-Mahdi war in seinem Haus-
boot, harräqa, a m Westufer des Tigris, bei al-Qätül, und mein Vater [abu Dulaf] und Ishäq
b. Ibrählm al-Mausill [der Kapellmeister] waren in ihrem Hausboot auf dem Ostufer. A m Freitag
lud Ibrählm sie ein, und sie fuhren herüber in einem zuläl [Ruderboot, Gondel]. Ich fuhr mit
ihnen, und ich war noch ein kleiner Junge in aqbiya und mintaqa usw."1
1
haräqa, harräqa, hurräqä, nach den LexikographenEin düsteres Gedicht in rj—, klangmalend wie
'Brandschiff', weil man es von haraqa 'brennen' E. A. Poe's 'Quoth the Raven Nevermore'
ableitet. In Wirklichkeit ein spezifisch irakisches Kit. Baghdad, fol. 86 v: "als Dinar (al-Khay-
Wort für 'Hausboot', wie die ägyptischen dhaba- yät) Medien verließ (wo er Statthalter gewesen),
biyya, A. v. Kremer richtig 'Yacht'. Beispiele: zürnte ihm al-Ma'mün; daher wohnte er eine Weile
Aghäni 3, 178s: nach abu l-'Atähiya: al-Rashid auf seinem Hausboot, harräqa, in al-Madä'in,
machte das Singen der Ruderer in den zulälät bis er wieder zu Gnaden kam".
Vergnügen und er gab ihnen Geld für ihre vulgären Nach Tabari, siehe unten p. 358: al-Mu'tamid
und barbarischen Ausdrücke. Einmal sagte er: geht vom Lager bei al-Ma'shüq auf seine harräqa,
Sagt den Dichtern, die bei uns sind, sie sollen für wohin der auf der djazirat al-Mu'ayyad lagernde
diese Leute ein Gedicht zu singen machen! M a n Muwaffaq sich rudern läßt.
sagte: keiner kann das besser als abu l-'Atähiya! Mas'üdi VII, 223: Der von al-Mutawakkil wegen
Aber der war im Gefängnis. Der Dichter erzählt abschreckender Häßlichkeit entlassene Lehrer sei-
selbst: "al-Rashid schickte zu mir: Mach ein Ge- ser Söhne, der große Djähiz, trifft den Tahiriden
dicht, damit ich es von ihnen höre! sagte aber M u h a m m a d b. Ibrahim, der ihn einlädt, auf
nichts von meiner Freilassung. Das ärgerte mich, seiner harräqa mit nach Baghdad herabzufahren.
und ich dachte: Waliah, sie sollen ein Lied singen, "Als wir zum Kopf des nähr al-Qätül (al-Qä'im)
das ihm die Laune verdirbt! und machte ein Ge- kamen und aus Samarra heraus waren, wurden die
dicht und schickte es jemandem, es sie auswendig Zeltvorhänge niedergelassen, und er ließ Sänger
lernen zu lassen. Als al-Rashid seine harräqa be- k o m m e n usw."
stieg, hörte er es und weinte: Zu dieser Lehrer-Anekdote vgl. Aghäni 18, 78:
"Störrisches Herz, wie dich das Auge betrog, al-Rashid suchte einen Lehrer für seine Söhne, und
dem nichts genug! Glück kommt und geht im man erzählte ihm, wie al-Hadjdjädj b. Yüsuf in
Flug!" ähnlicher Lage nur einen guten christlichen und
einen schlechten muslimischen finden konnte, den
zweiten rufen ließ und ihm sagte: "Siehst du, du da,
* i66 *

Aghäni 10, 72, nach 'Ubaidallah b. 'Abdallah b. Tähir: " M u h a m m a d b. M ü s ä al-Khwärizml,


der Astronom, sagte: Ich habe einen Beweis, burhän, dafür gefunden, daß Ibrählm b. al-Mahdi
der beste Sänger von allen war und ist: Ich habe ihn bei Empfängen der Khalifen, z. B.
al-Ma'mün und al-Mu'tasim, singen hören, und wenn er die Stimme erhob, blieb keiner der
Sklaven, Bediensteten, Künstler und Handwerker, groß und klein, der nicht seine Arbeit ruhen
ließ und so nahe er konnte herankam, u m ihn zu hören. Solange Ibrählm sang, vergaßen sie voll-
ständig, was sie zu tun hatten, aber sobald er aufhörte und ein andrer zu singen anfing, kehrten sie
zu ihrer unterbrochenen Arbeit zurück und kümmerten sich nicht u m das was sie hörten. Einen
stärkeren Beweis gibt es in solchen Dingen nicht: ganz verschiedene Naturen bezeugen gleich-
mäßig dieselbe Zuneigung, 4) iLäiVlj <Üt JA\ Jt \&Js ^*.^S3 {&y&^\ £» ^L.D1 jU."lj 4) jkäl! ö l ^ j
Der 'Beweis' ist kennzeichnend für den großen Mathematiker, der sich nach Aghäni 15, 81 für
Rhythmus und Metrik interessierte.
In den Aghäni 4,1891 erzählt Ibrählm selbst die merkwürdige Geschichte v o m ' Glück von Eden-
hall': " M u h a m m a d b. Zubaida [sein Neffe, der Khalif al-Amin] schickte in einer Vollmondnacht
im Sommer zu mir: "o Oheim, der Krieg zwischen mir und Tähir b. al-Husain ruht, so k o m m zu
mir, ich habe Sehnsucht nach dir!" Ich ging zu ihm und m a n hatte ihm auf d e m Dach des Hauses
der Zubaida Teppiche ausgebreitet. Er trug eine kisä rüdbäriyya2 und eine qalansuwa tawila.
Sklavinnen waren da, und er sagte zu einer: "Singe etwas, was meine Sorgen zerstreut!" — Sie
fängt dann drei Lieder an, alle auf geschichtliche Ereignisse bezüglich, die ihn an die nächste
Vergangenheit und Gegenwart erinnern und wütend machen. Schließlich ruft er: "Mach daß du
raus kommst, zu Allah's Fluch!" U n d er hatte einen Kristallbecher, qadah balür, bei sich, den
er so gern hatte, daß er ihn mit seinem eigenen N a m e n ' M u h a m m a d ' nannte. Der Rand ihrer
Schleppe berührte ihn, erfielauf Schüsseln3 und zerbrach. D a wandte sich al-Amln zu mir und
sagte: "Siehe, bei Allah, 0 mein Oheim, das ist das Ende unserer Tage [Regierung]!" U n d ich
sagte: "Behüte! Allah lasse dich lange leben, o Befehlshaber der Gläubigen, und lasse dich
fröhlich sein!" Er sagte: "Der Tigris, Wallah, ist so still, k o m m t nicht das Geräusch eines Ruders
daher?" U n d keiner rührte sich, und der Tigris war still und wie eine Platte, tasht, und ich hörte
eine Stimme die sprach: "Vollendet ist die Sache, in der ihr zwei u m Entscheidung fragtet!"
Oliii^i <LJ ^jjl ^Vl ^ U n d al-Amln sagte: "Hast du gehört, was ich gehört habe, 0 Oheim?"
Ich sagte: "Was ist es?" und dabei hatte ich es wahrhaftig gehört. Er sagte: "Die Stimme, die
eben vom Tigris kam!" U n d ich sagte: "Ich habe nichts gehört, es m u ß eine Einbildung sein!"
D a rief die Stimme wieder: jlik^l AJ ^jJI J^\ ja U n d er sagte: "Geh, Oheim, Allah behüte
dein Haus! Es ist unabwendbar! D u hast gehört, was du gehört hast!" U n d ich ging fort.
Das war das letzte Mal bei ihm. Wenige Tage darauf wurde al-Amln ermordet".
Aghäni 9, 58: "Im Anfang der Regierung des Mu'tasim besuchte Ibrählm b. al-Mahdi mit
man hat mir einen Christen empfohlen, der mehr eine Woche voraus zu sein!"
weiß als du, aber es ist mir gräßlich, meine Söhne 1
Variante bei al-Qazwini 'adjä'ib I, 321.
jemandem zu geben, der sie nicht zur Zeit zum 2
Auch das ist eine Herkunftsbezeichnung des
Gebet weckt und sie nicht in das Recht und die Gewandes: Rüdbär zwischen Ray (Teheran) oder
Lehre des Islam einführt. D u brauchst bloß im- Qazwin und dem Kaspischen Meer.
stande zu sein, an einem Tage zu lernen, was ;>
siniyya p. sawäni eigentlich 'chinesische' d. h.
Kinder in einer Woche, und in einer Woche, was von Porzellan, hier schon verallgemeinert, da sie
sie in einem Monat, in einem Monat was sie in offenbar härter sind, als der Kristall. — Über die
einem Jahre lernen!" — S o wurde mir einmal vor- Funde chinesischer Keramik in Samarra, auch von
geschlagen, einen Kurs in Vulgär-Arabisch zu ge- Porzellan, vgl. "Keramik" S. 54ff., Taf. X X I I I —
ben: "Sie brauchen ja ihren Schülern immer nur XXXI.
* 167 *

der ihm gehörigen Sängerin Shäriya den Khalifen im qasr al-Lail in al-Wazlriyya'. Der Khalife
frühstückte und hatte drei Pokale, djäm, vor sich stehen, einen silbernen voller neuer Goldstücke,
einen goldenen voller neuer Silberstücke und einen gläsernen, qawärir, voll 'anbar, Amber. Es
folgt eine komische Geschichte, wie alle Gäste hoffen, einen geschenkt zu bekommen, bis al-
Mu'tasim sich schließlich von Ibrählm ein Tuch, mandil, geben läßt, es faltet, die drei Becher
hineintut, das Tuch zuknüpft, nach Siegelerde, tin, ruft, es versiegelt, und einem Sklaven des
Ibrähim z u m forttragen gibt. Die andren entfernen sich enttäuscht."
Ibrählm b. al Mahdl starb in Samarra, im Ramadan 224; al-Mu'tasim betete über seinem
Grabe (Tab. III, 1302, auch bei b. Qutaiba).
V o n Shäriya, der Schülerin des Ibrählm b. al-Mahdi, sagen die Aghäni 3, 184: "Shäriya,
Mutayyam2, 'Arib und Farida waren die vier größten Sängerinnen". Nach ibn al-Mu'tazz:
" A h m a d b. Nu'aim erzählte mir, daß Rlq [Sängerin der vorhergehenden Generation] ihm sagte:
"Mein Herr Ibrählm nannte Shäriya 'meine Tochter' und mich 'meine Schwester'." Dazu
Aghäni 3, 184: "Tabä', Sklavin des Wäthiq, erzählte mir, daß al-Wäthiq Shäriya mit sitti
'Madame, Mylady' anredete". Vgl. Agh. 14, 113 abu l-'Anbas, nach Rlq, über Shäriya und
al-Mu'tasim. Shäriya war eine muwallada aus Basra, Tochter einer Sklavin, und wahrschein-
lich an eine Hashimidin in Basra verkauft, die ihr den ersten Unterricht gab. Ibrählm, ihr
zweiter Besitzer, war der, der sie wirklich ausbildete. Bei seinem Tode m u ß sie erwachsen
gewesen, also bald nach 200 geboren sein.
Aghäni 14, 113: (ähnl. 13, 30SS): "Die Samarraner waren in zwei Parteien geteilt, eine für
Shäriya, die andre für 'Arib; die Anhänger der einen verkehrten nicht mit denen der andren.
abu 1-Saqar Ismä'Il war ein 'aribi. 'All b. al-Husain lud ihn eines Tages ein, als 'Arib und ihre
Schülerinnen bei ihm waren. Als Shäriya davon erfuhr, schickte sie ein oder zwei Tage darauf
ihre Schülerinnen zu 'All b. al-Husain und trug einer — ich weiß nicht ob es Mirdjäna, Mitrab
oder Qamariyya war — auf, sein Lied zu singen
x**o\ *-ft.5 t£j£ IAUVJO UX*J IXJU y

" K o m m nicht zurück, wenn sie gegangen ist,


paß auf, was ich sonst machen werde!"
'All b. al-Husain lachte und sagte: "Ich werde nicht zurück kommen!"
Aghäni 14, 113: "Shäriya war intim mit Sälih b. Wasif befreundet, und als er erfuhr, daß
M ü s ä b. Bogha von al-Djabal (Hamadan) gegen ihn anrückte, wegen der Ermordung des Mu'tazz,
vertraute er Shäriya seine Juwelen an — sie trug später viele Juwelen3 — und als M ü s ä den
Sälih überfiel, verbarg sich Shäriya bei Härün b. Shu'aib al-'Akrl4, bekannt wegen seiner vor-
züglichen Küche und seiner Gastfreiheit, der in Samarra ein Haus mit einem großen Garten hatte.
Shäriya pflegte ihn 'mein Vater' zu nennen und ihn in d e m Hause zu besuchen. Sie brachte alles
mit, was sie nötig hatte, selbst die Matte auf die sie sich setzte. Sie war eine der freigebigsten
Frauen für ihre Freunde." Als die Polizei Sälih sucht, wurde auch sie beobachtet, vgl. unten
p. 258. — Ihr R u h m dauerte lange.
Aghäni 14, 113: "al-Mu'tamid vertraute der Shäriya und aß nur ihre Speisen, und eine lange
1
Vgl. Topographie p. 96. mit Juwelen geschildert, daß zwei Sklavinnen sie
2
Die al-Mu'tasim im dar al-Dimishqi im Djausaq stützen mußten.
4
wohnen ließ, siehe oben p. 104. Nach Tabari III1587 war er 251 'ämü von Awänä,
3
Das bedeutet sehr viel: Zubaida wird so behängt im Dudjail.
* 168 *

Zeit machte sie ihm jeden Tag ein djaushan1. Unter der Regierung des Mutawakkil aß er immer,
was sie kochte".
Aghäni 14, 113 nach Djahza: "Ich war einmal bei al-Mu'tamid, und Shäriya sang ein Lied
ihres Herrn Ibrählm b. al-Mahdi, lautend:

sUf^l 'if*J i/*G^ ^'1 2.LJL-J.I J& 4_Lc J^> \

"O lange Krankheit meines Herzens,


verwöhnt durch freigebigste Liebe
und edelste Freundschaft!"
U n d er sagte zu ihr: Brava, wallah! D a sagte sie: Das hat er mich singen gelehrt, als ich nackt
war; wie sollte ich es nicht singen, w o ich bekleidet bin? D a schenkte er ihr — [wie der Text
des Liedes dasteht, kann m a n nur Ufa l-kirämi lesen, 'Freund zu sein der Freigebigkeit', während
m a n nach der Erzählung alf '1000 Freigebigkeiten' erwarten würde] — tausend erlesene Ge-
wänder aller Art, und die wurden ihr ins Haus gebracht. 'All b. Yahyä, der Astronom, sagte zu
mir: "Richte es so ein, daß wir zusammen weggehen!" Ich tat das und er sagte: "Weißtdu,
ob je ein Khalife einer Sängerin ein solches Geschenk gemacht hat?" Ich sagte: "Nein". Und
er ließ die siyar al-khulafä", Biographien der Khalifen2, hervorholen, und die Sklaven schleppten
die dicken Bände heran, und wir blätterten sie durch, fanden aber nicht, daß irgend einer das
vor ihm getan hätte.
U m die extravagante 'Arib hat sich ein ganzer Sagenkreis gesponnen. Sie gehörte zuerst dem
abu M ü s ä 'Abdallah b. Ismä'Il, sähib al-maräkib3 des Rashld; dieser erzog und unterrichtete sie.
Ihr Vater war Dja'far b. Yahyä, der Barmakide, gewesen, ihre Mutter Fätima, eine qayyima
(weibl. Majordomus) der u m m 'Abdallah b. Yahyä b. Khälid. — Yahyä b. Khälid war gegen die
Heirat, so daß Fätima verborgen auf einem Gute bei Anbär lebte. Sie starb früh, und das Kind,
'Arib, erhielt eine christliche A m m e . Nach d e m Sturz der Barmakiden in 187 (803) wurde das
Kind verkauft und kam zu al-Maräkibl. 'Arib war also u m 180 geboren; sie starb 96jährig,
erlebte also noch das Ende von Samarra. Die letzte des Geschlechts, das schon 1000 Jahre vorher
das Priestertum von Balkh besaß.
Aghäni 18,181: " M u h a m m a d al-Amln schickte, 'Arib und al-Maräkibl zu holen, und sie kamen,
und 'Arib sang in Gegenwart von Ibrählm b. al-Mahdi. Der Khalife sagte: " O Oheim, wie
gefällt dir ihre Stimme?" Er sagte: " O mein Herr, ichfindesie schön, und mit der Zeit und bei
Pflege wird mit ihrer Schönheit auch ihr Gesang noch schöner werden!" U n d der Khalife sagte
zu al-Fadl b. al-Rabl'4: " N i m m sie zu dir und handle u m sie!" Der tat das, aber ihr Besitzer
verlangte unmäßig viel. Schließlich gab er sie u m 100000 Dinar her. (Eine andre Erzählung
läßt ihn sagen: Sie ist mein ganzes Leben! und berichtet, daß er wenige Monate später starb).
Aber die Lage des M u h a m m a d al-Amln wurde unsicher, er vergaß und hatte d e m Besitzer den
Preis noch nicht gezahlt, als er ermordet wurde. D a ging sie zu ihrem Herrn zurück. Aber später
lief sie fort zu Hätim b. 'Adi, einem Freunde des MaräkibI, einem Obersten oder Schreiber.
Aghäni 18,182: "ibn al-Mu'tazz schreibt, nach Ibrählm b. Rabäh [oder Riyäh]: Ich verwaltete
die Ausgaben für al-Ma'mün. Ishäq b. Ibrählm al-Mausill hatte ihm 'Arib'gepriesen und er
1
Offenbar persisch, aber unbekannt als N a m e einer Baghd. p. 138 übersetzt 'Stallmeister', mir scheint
Speise. O b „j j,^., eine Suppe mit Fleisch und eher 'Herr der Schiffe', vgl. unten p. (233) al-
Gemüse, siehe Vullers s. v. oder £j»f% malläh.
2
Vgl. oben p. (89) * W a r l 8 7 Wezir des Räshid, Sohn des abu 1-Fadl
3
Daher gew. al-Maräkibi genannt. Kern, kit. b* al_Rabi<' Wezirs des Mansür, Mahdi und Hädi.
Tafel X X

a Staudamm Band al-'A?aim von außen (S)

b Staudamm Band al-'Acaim von innen (0)


* 169 *

befahl sie zu kaufen und Ishäq kaufte sie für 100000 Dirham. al-Ma'mün befahl mir, die S u m m e
zu zahlen, und Ishäq b. Ibrählm auch I O O O O O Z U geben. Ich tat das, wußte aber nicht, wie ich es
verrechnen sollte..." Nach ibn al-Mu'tazz: '"Abdalmalik al-Basrl hat mir erzählt, daß 'Arib
wahrend sie im Palaste des M a ' m ü n war, solange Pläne schmiedete, bis sie mit M u h a m m a d b'
H a m i d zusammenkam, in den sie sich verliebt hatte undmit demsie Briefe wechselte. Dann fand
sie W e g e zu ihm herauszugehen und traf sich mit ihm, wieder und wieder, bis sie schwanger
wurde und eine Tochter von ihm hatte. al-Ma'mün erfuhr das und verheiratete sie mit M u h a m -
m a d . Vgl. kit. Baghd. fol. ioyv. - Er nennt sie da aber nicht sitti, wie Wäthiq die Shäriya
Bei dieser Gelegenheit - oder bei ihrer Flucht aus d e m Hause des MaräkibI - soll sie sich mit
einer Strickleiter oder in einem Korbe v o m Dach des Hauses herabgelassen haben, während
ihre Kleider ausgestopft, nach d e m kit. Baghdad fol. i 77 r eine verschleierte Marmorfigur, in
ihrem Bette lagen, ganz wie in IOOI Nacht. Daraufmachte 'Isä b. Zainab ein berühmtes Gedicht,
Aghäni 18, 179. Aghäni 18, 180 nach ibn al-Mudabbir: "Ich zog mit al-Ma'mün in den Byzan-
tinerkrieg ... und wir ritten mit der Armee, und als wir Raqqa verließen, sahen wir eine Gruppe
von Frauen in Reisesänften auf Kamelen. Wir waren Freunde und Kameraden und einer sagte:
"Das sind die Kamele der 'Arib". Ich sagte: "Wer wettet mit mir, daß ich an diesen Kamelen
vorbeireite und die Verse des Tsä b. Zainab singe "Allah's Strafe auf 'Arib — unerhört ist,
was sie trieb!"
Lo*c "yt.ii oLs L*-.^ 4ül Jrls

Und die Wette wurde abgemacht mit Pfändern, und ich ritt hin neben sie und sang die Verse
mit lauter Stimme bis zu Ende. D a steckte eine Frau ihren Kopf heraus und sagte: "Junger
M a n n , du hast die schönste und beste Strophe vergessen, nämlich

geh und nimm, was du darum gewettet hast!" Dann ließ sie den Vorhang herab, und ich wußte,
daß sie 'Arib war und ritt zu meinen Freunden zurück, in Angst, der Ärger der Eunuchen könne
mich treffen".1
Aghäni 18, 189, nach H a m d ü n b. Ismä'Il: "Ich war bei einer Sitzung des Ma'mün im Byzan-
tinerland ... in einerfinsterenGewitternacht mit Blitz und Donner, und al-Ma'mün sagte mir:
"Reitesofort auf einem Postenpferd zum Lager des abu Ishäq [d. i. al-Mu'tasim] und überbring
ihm meine Botschaft über das und das!" U n d ich ritt ohne Licht und hörte die Hufschläge eines
Reittieres, und n a h m mich in Acht und ritt vorsichtig, als mein Steigbügel an den eines Reiters
stieß. Es blitzte gerade und der Blitz beleuchtete sein Gesicht, und siehe, es war 'Arib. [Daß
sie eine vorzügliche Reiterin war und ohne Bügel aufsitzen konnte, wird anderswo erzählt].
Ich sagte: "'Arib?" Sie sagte: "Ja, H a m d ü n ? " Ich: "Ja! Woher kommst du in einem solchen
Unwetter?" Sie sagte: "Von M u h a m m a d b. Hamid!" Ich: " W a s hast du denn da gemacht?"
D a sagte sie: '"Arib k o m m t von M u h a m m a d b. Hamid, in einem solchen Wetter, weggelaufen
aus d e m Lager des Khalifen und auf dem W e g dahin zurück, und da fragst du, was hast du bei
ihm gemacht? Hast du mit ihm die tawäwih [Gebet von 20 Verbeugungen] gebetet, ihm ein
Kapitel aus d e m Qur'än vorgelesen oder ihm Unterricht in der Juristerei gegeben ? D u m m k o p f !
Lij^x\3 U A J L J J \JJJS-J \ZJJZ-3 LLJJJ L Ä L J I J L O U O UWUT

cavillati confabulati reconciliati sumus, lusimus bibimus cantavimus coivimus abivimus.

1
a.J^\ ~^j, die als besondere Schönheit geltenden zusammengewachsenen Augenbrauen?
* 170 *

U n d ich schämte mich ihrer Worte und war ärgerlich, und wir trennten uns, und ich ritt weiter,
überbrachte meine Botschaft an al-Mu'tasim und ritt zu al-Ma'mün zurück".
Aghäni 18, 184 nach ibn al-Mu'tazz. Djahza erzählte mir, nach abu 'Abdallah b. H a m d ü n :
'"Arib besuchte M u h a m m a d b. Hamid, und wir saßen beisammen, und er fing an, mit ihr über
ihren Gesang zu diskutieren: " D u machst es so und so!" D a sagte sie zu mir: " D u , ist dir so
etwas vorgekommen ?" D a n n drehte sie sich zu ihm und sagte: " D u Impotenter, fang an mit dem,
wozu wir hier sind und wozu wir hierher gekommen sind" oder wie Djahza in seiner Erzählung
sagte1
J&Jü^ ^\äk>- iyd\3 ^gltu^ ^>J\J^ JJCS-I

Aghäni 18, 187: "Während des Byzantinerfeldzuges des Mu'tasim hatte 'Arib einen Brief an
al-'Abbäs b. al-Ma'mün geschickt, der abgefaßt wurde, und in d e m stand: 'Töte du den
'ildj, Barbaren (al-Mu'tasim), dann werde ich hier den a'war, Einäugigen (al-Wäthiq), den Nächt-
lichen, töten'. al-Mu'tasim hatte diesen als Statthalter in Baghdad zurückgelassen und er
pflegte dort die Nächte durch zu feiern". D a ß 'Arib sich so in diese Verschwörung verwickeln
ließ, die allen Teilnehmern das Leben kostete, hatte für sie keine weitere Folge, als daß al-Wäthiq
ihr entfremdet wurde.
In Samarra spielen die Geschichten Aghäni 18, 188: '"Arib besuchte al-Fadl b. al-'Abbäs
b. al-Ma'mün, lehnte aber seine Aufforderung zu bleiben ab, weil sie auf der djazirat al-Mu'ayyad
[scheinbar bei al-Mu'ayyad] eingeladen war".
Aghäni 18, 184: "Eine der Sklavinnen des Mutawakkil erzählte mir, daß sie einmal bei 'Arib
eintrat, die zu ihr sagte: " K o m m schnell her!" Als sie kam, sagte 'Arib: " K ü ß mich auf diese
Stelle" — seitlich vorn auf ihren Hals zeigend — "und du wirst den Hauch des Paradieses spüren!"
Ich tat es und sagte " W a s soll das bedeuten ?" Sie antwortete: " D a hat mich Sälih b. al-Mundhiri
immer geküßt!"
Aghäni 18, 185: "Wir traten bei 'Arib ein, u m sie zu begrüßen und sie sagte: "Bleibt heute
bei mir, ich werde euch einen Mandelkuchen, lauzindja, geben, den ich mit eigner Hand aus
frischen Zvlandeln gemacht habe, und werde euch etwas vorsingen!" Ich sagte: "Unter einer
kleinen Bedingung!" Sie: "Waliah, was ist die?" Ich: "Etwas, was ich dich seit Jahren fragen
will, aber Angst habe zu fragen." Sie: "Gewährt! und ich werde dir antworten, bevor du fragst;
ich weiß, was es ist". U n d ich staunte und sagte: "Sag es!" Sie sagte: " D u willst mich fragen,
was meine Bedingungen sind!" Ich sagte: "Ja, bei Allah, das wollte ich!" U n d sie sagte: "Meine
Bedingung ist l^> I&3 ^_A~ j\; und wenn einer obendrein hübsch und schön ist, desto besser,
aber ohne die zwei ist er nichts für mich!"
Aghäni 18,1852 "abu 1-Hasan 'All b. M u h a m m a d b. Furät erzählt: Ich war einmal bei meinem
Bruder abu l-'Abbäs und 'Arib war bei ihm, auf einem nur für sie bestimmten Ehrensitz, dost,
sitzend, und ihre Schülerinnen sangen hinter d e m Vorhang. Ich sagte zu meinem Bruder —
wir hatten von den Khalifen gesprochen — : '"Arib hat mir gesagt: \±J\ ^ c~^\ U LJU ^ J\;
[= oyV.j *~>)\ u; u~>f U 4-^ 0&"<uls j^JLl Vi ". Dann hörte ich auf die Bemerkung eines meiner
Neffen und sagte zu ihm: ieUl ^y&^j LJL$3. Der lachte, und sie sah ihn an und fragte:
"Was redet ihr da?" U n d ich leugnete, und sie sagte zu ihren Schülerinnen: "Singt!" Dann
1
Vgl. 1001 Nacht, Cairo 1,195 ^ß\3 ji^. 03, Lj cJJ J J W Je f>J| JIJJ tf& i ^ J ^UJ l>
JWilj \*J\ CA, c^rj und Aghäni 14, 57, Schmäh- ,,... . ... -. .,,.,,"
f
H.d des abu i,-A,ahiya auf -Abdallah b. Ma'u, , AuchttkmX^ " ~ ^'
* 171 *

sagte sie: "Das sind D a m e n , und ihr wollt nicht sagen, worüber ihr gesprochen habt,
weil es für sie unpassend ist zu hören". U n d ich sagte die Wahrheit, und sie antwortete:
\ C X M JlSjl] o i k as i)Vl <j53j liUui s_^J\ IXI lö* j ^ J\j " U n d was ist an all dem, außer der
Liebe und ihren Torheiten, aber das Instrument ist kaputt" oder sagte sie "ist müde geworden;
laßt euch nicht stören!"
V o n Farida erzählen die Aghäni 3, 184SS:
'"All b. Yahyä al-munadjdjim erzählte nach M u h a m m a d b. al-Härith b. Bashkhir: Ich war
jeden Freitag an der Reihe, Dienst bei Wäthiq zu tun. Dann ritt ich zum Palast [dem Härüni]
und wenn er Lust hatte zu trinken, stand ich bei ihm, sonst ging ich weg. Unsre Regel war,
daß wir außer a m Tage unseres Dienstes nicht anwesend waren. So war ich an einem solchen
Tage in meiner W o h n u n g , als Boten des Khalifen zu mir hereingestürzt kamen: D u sollst
k o m m e n ! Ich sagte: al-khair? [etwa:] hoffentlich nichts böses? Sie: khair, hoffentlich nicht!
U n d ich sagte: " A n diesem Tage hat mich der Befehlshaber der Gläubigen noch nie rufen lassen,
ihr irrt euch doch nicht?" Sie sagten: "Allah al-musta'än ist der, zu dem m a n u m Hilfe ruft!
M a c h nicht langsam, beeil dich, er hat uns befohlen, dich zu bringen, ohne daß deine Füße die
Erde berühren!" D a bekam ich große Angst und fürchtete, m a n habe mich verleumdet ... und
ritt, bis ich a m Palast ankam. Wie ich eingetreten war, wollte ich gehen, meinen Dienst anzu-
treten, aber das ließ m a n nicht zu, und die Eunuchen nahmen mich bei der Hand und führten
mich hinein durch Gänge, die ich nie gesehen. Das vermehrte meine Sorge und Angst. Dann
übergab mich immer ein Eunuch d e m andren, bis ich zu einem dar kam, dessen Boden gepflastert
und dessen W ä n d e mit golddurchwirktem Damast bekleidet1 waren. Dann kam ich zu einem
riwäq, dessen Boden und W ä n d e ebenso bekleidet waren, und siehe, da saß al-Wäthiq an der
Rückseite, 0 J J ^ J, auf einem mit Juwelen besetzten Throne, in einem golddurchwirkten Gewand,
und an seiner Seite Farida, die Sklavin, in einem ebensolchen Gewand, mit der Laute, 'üd, im
Schoß. U n d als al-Wäthiq mich sah, sagte er: "Gut, daß du kommst, o M u h a m m a d ! " und ich
küßte die Erde und sagte: " O Befehlshaber der Gläubigen, khairan!" U n d er sagte: "khairan,
siehst du, ich wollte einen dritten haben, sich mit uns zu freuen, und wußte keinen der mehr
Anrecht darauf hatte, als du! Bei meinem Leben, geh schnell etwas essen und k o m m schnell
wieder zu uns!" Ich sagte: "Waliah, o mein Herr, ich habe gerade gegessen und auch getrunken!
Er sagte: "Dann setz dich!" U n d ich setzte mich und er sagte: "Gebt M u h a m m a d Flasche
und Becher!" Das wurde gebracht, und Farida fing an zu singen:
L-^us- ,>_e JU jjCb "Js. Ö A J dl UJJ YyU-1 dul»1
L_^; dL* J5 Ol Yj dÜi L^l JJ b {Jjd\ ÖSj*» Lj
"Ich habe Scheu vor deinem Glanz,
ich fühle mich vor dir so klein,
doch füllst du meine Seele ganz
und du bist mein!
O Nacht, so kurz und ruhelos,
zu bald, zu bald gingst du von mir,
doch all mein Fühlen, tief und groß,
ist noch in dir!"
1
Gemeint ist Marmorpflaster in opus sectile, wovon geblieben. Mir scheint, daß manche erhaltene
Reste gefunden sind. Der Gebrauch von Para- Reste sehr schwerer Stoffe von solchen Behangen
menten, Tapeten an Wänden, ist ganz unbeachtet und nicht von Kleidern herrühren.
22*
* 172 *

Sie sang himmlisch, und al-Wäthiq umarmte sie, und sie sang ein Lied nach d e m andern. U n d
dazwischen sang ich, und wir hatten eine Zeit so schön, wie m a n sie nur denken kann. So fühlte
ich, als plötzlich al-Wäthiq seinen F u ß hob und Farida einen Tritt gegen die Brust gab, so daß
sie von d e m hohen Thron auf die Erdefielund ihre Laute zerbrach. Sie ging weinend heraus,
während ich blieb, halbtot, und nicht zweifelte, daß sein Auge auf mich gefallen war, wie ich sie
und sie mich ansah. al-Wäthiq blickte eine Weile zu Boden, verwirrt, und ich blickte zu Boden,
erwartend, daß mir der Kopf abgeschlagen würde. Während ich so dachte, sagte er plötzlich:
M u h a m m a d ! Ich sprang auf und er sagte: "Wehe, hast du gesehen, das Seltsamste, was uns
begegnet ist!" Ich sagte: "Ich sterbe auf der Stelle, Allah's Fluch über den, dessen böser Blick
uns getroffen hat! W a s war die Ursache, ist es wegen einer Versündigung?" Er sagte: "Nein,
waliah, aber es war mir plötzlich, als ob Dja'far auf diesem Platze säße, und daß er mit ihr da
säße, und ich konnte mich nicht halten und war wie im Rausch, und etwas brachte mich außer
mich, und so tat ich, was du gesehen hast. Jetzt ist es vorüber!" U n d ich sagte: "Wahrlich,
Allah möge Dja'far töten und den Befehlshaber der Gläubigen ewig leben lassen!" und küßte
die Erde und sagte: " O mein Herr, Allah, Allah, habe Erbarmen und laß sie wieder kommen!"
U n d er sagte einem wartenden Eunuchen, sie zu rufen; und es dauerte keinen Augenblick, da trat
sie wieder hervor und in ihrer Hand war eine Laute, und sie trug ein andres Kleid als vorher,
und als er sie sah, zog er sie an sich und umarmte sie, und sie weinte, und erfingan zu weinen,
und ichfingan zu weinen, und sie sagte: " W a s ist mein Fehl, o mein Herr? und womit habe ich
das verdient?" U n d er widerholte ihr unter Tränen, was er mir gesagt hatte, und sie weinte und
sagte: "Ich frage dich, o Befehlshaber der Gläubigen, hättest du mir sofort den Kopf abschlagen
lassen, so hättest du mir Ruhe geschafft vor dem Gedanken daran und hättest dein Herz beruhigt
und den K u m m e r u m meinetwillen!" Dann trockneten sie ihre Tränen, und sie setzte sich wieder
auf ihren Platz, und er winkte den diensthabenden Eunuchen u m etwas, ich weiß nicht was, und
sie gingen und brachten Säcke, darin war Gold und Silber, Jj>> ,jf und Bündel (?jj) darin
waren viele Gewänder, und ein Eunuch brachte eine Rolle, durdj, und er öffnete sie und nahm eine
Halskette heraus mit Juwelen, wie ich sie noch nie gesehen, und legte sie ihr u m , und es wurde ein
Beutel mit ioooo Dirham gebracht und vor mich gesetzt, und Pakete ( o / ) mit Kleidern. U n d
wir kehrten zu unserer Beschäftigung zurück, und es war so schön wie zuvor, und wir hörten nicht
auf, bis die Nacht kam."
" U n d die Zeit schlug ihren Schlag und krönte al-Mutawakkil. U n d waliah, ich war nach dem
Tag meines Dienstes zu Hause, da stürzten Boten des Khalifen herein und ließen mich augen-
blicklich z u m Palast reiten, und ich wurde, waliah, in genau dasselbe Zimmer, hudjra, geführt,
und da saß auf dem Platz, w o al-Wäthiq gesessen hatte, auf eben demselben Throne al-Muta-
wakkil und zu seiner Seite Farida. U n d als er mich sah, sagte er: "Wehe, sieh, was ich auszustehen
habe! Seit heute morgen bitte ich sie zu singen, und sie will nicht!" U n d ich sagte: "Preis sei
Allah! D u widersetzt dich deinem Herrn und unserem Herrn und dem Herrn der Menschheit!
Singe!" U n d sie begriff, waliah, und fing an zu singen:

"Der du wohnst am Wege von Qanünä und die Deinen in Udjaifir und Thimäd,
geh nicht fort, der Tod trifft jeden Helden ob a m Abend, ob beim Morgenrot!"
Dann warf sie die Laute auf die Erde und warf sich selbst v o m Thron herab und ging fort, indem
* 173 *

sie schrie: "Ach, mein Herr! „L^- \j" U n d al-Mutawakkil sagte zu mir: "Wehe, was soll das
bedeuten?" U n d ich sagte: "Waliah, ich weiß nicht, o mein Herr!" U n d er sagte: "Und was
rätst d u ? " Ich sagte: "Ich rate, daß ich gehe, und daß du sie k o m m e n läßt zugleich mit einer
andren, und die Sache wird sich regeln, wie es der Befehlshaber der Gläubigen wünscht!" Er
sagte: " G e h mit Allahs Schutz!" U n d ich verabschiedete mich, und er erfuhr nicht, was der
Grund war.
Masälik al-absär, p. 3931: "al-Wäthiq liebte die Weinkneipen, al-mawäkhir2 und richtete zwei
Schenken, häna, ein, eine im Palast des Harem, die andre a m Strom (shatt) und ließ einen sauberen,
gut aussehenden, weinverständigen Kellermeister, khammär, suchen. Es gab nur einen Christen
aus Qatrabbul. Der hatte zwei saubere, hübsche Söhne und ebensolche Töchter. Al-Wäthiq
setzte sie in die beiden Schenken ein und unterstellte ihnen Eunuchen und Sklaven und griechi-
sche Sklavinnen; die Frauen bedienten in der hänat al-huram, die Männer in der hänat al-shatt.
Die besten Weine wurden angeschafft und die Schenken wurden mit den khalifischen Teppichen,
furush al-khiläfa, eingerichtet und wurden sehr schön3. Der Betrieb war gerade wie in den öffent-
lichen Schenken. Der Khalif gab ein großes Eröffnungsfest, nach Aghäni 6, 197 machte der
anwesende Husain b. al-Dahhäk a m nächsten Morgen ein Gedicht darüber. Alle Gäste gingen
nach d e m Abendessen im Palast in die hänat al-shatt, es wurde viel gesungen und getrunken, und
keiner der Gäste und Sänger und des Haushalts verließ den Ort an jenem Tag ohne ein großes
Geschenk. Das wurde einer der 'Tage' deren Kunde, in der ganzen Welt berühmt wurde."
I m Vergleich mit den 'Tagen der Araber' ist das fast lästerlich, und wenn m a n sich al-Wäthiq
im Goldbrokat dabei vorstellt, und an die Verse des 'All b. Djahm denkt: "Sein Freund ist nur das
Schwert in der Hand, er wendet sich ab von d e m reichen Gewand, ein Löwe der lacht in der
grimmen Schlacht", könnte m a n sie für H o h n halten.
Masälik p. 395: "hänat Khuwaith, auch hänat Bazi' genannt, der war ein Eunuch des Muta-
wakkil. Diese Schenke war mächtig, — die Polizei äshäb al-ma'äwin besuchte sie nicht — schön
gebaut, mit Teakholz gedeckt. Neben ihr war ein Garten, ein Lustort, dem Bazi' gehörig. Sie
hatte einen jüdischen Kellermeister, der nur ausgesucht gute Weine verkaufte, wie sie keiner der
gewöhnlichen Händler hatte. Sie war berühmt wegen ihrer Schönheit und Sauberkeit." Folgen
Verse des 'Abdallah b. M u h a m m a d b. 'Abdalmalik al-Zayyät, den Bazi' zusammen mit Djinni,
einem Eunuchen und bekannten Sänger, eingeladen hatte.
Die Erzählung von Farida beleuchtet das schlechte Verhältnis, das zwischen al-Wäthiq und
seinem Bruder und Nachfolger Dja'far al-Mutawakkil bestand.
Tabari III, 1370s, nach Sa'Id al-saghlr4: "Bevor er Khalife wurde, erzählte Dja'far dem Sa'Id
1
Von abu 1-'Abbäs Ahmad b. Yahyä b. Fadlallah näsir Muhammad. Die Überlieferungslinie ist
Shihäb al-din al-'Umari al-Qurashi al-Kirmäni, abu 1-Faradj al-Isfahäni, gest. 356 H (eine Haupt-
700-749 H., in Damaskus und Kairo unter al- quelle: Ibrahim b. al-'Abbas al-Suh)
a: kitäb al-Aghäni — b: kitäb al-diyärät
abu 1-Hasan 'Ali al-Shäbushti schreibt 365-9° in Kairo: kit. al-diyärät

Yäqüt, mu'djam ibn Fadlallah: masälik al-absär


* l.u , 1 . pl v . s ^ L < pers. j y ~ , auch ein leicht 'gefirnißt, bemalt*, wie die un djausaq aus-
v o ^ L l h f m a l - M ä ü i eingeführt Metrum gegrabenen dinn; siehe 'Malereien von Samarra
al-mäkhüri — Die richtige Erklärung wendet Taf. L X — L X X I I 1 .
BI. deMeynard, Mas'üdi VII, 4 a 5 falsch auf al- * Vgl. die Gesuchte der Ermordung des Muta-
mähüza < aram. mähözä an. wakkil, unten p. 205.
3
Die Weinkrüge werden mudahhan genannt, viel-
* 174 *

und einer Gesellschaft u m ihn, er habe geträumt, ein Stück sulaimäni-Zucker1 wäre v o m Himmel
auf ihn herabgefallen, darauf stand geschrieben: Dja'far al-Mutawakkil 'ala 'lläh. — U n d er
fragte uns, was das bedeute, und wir sagten "walläh, o Prinz (amir), Allah gebe dir die Macht,
es bedeutet das Khalifentum". al-Wäthiq erfuhr davon und setzte ihn in Haft. Er behandelte
Dja'far immer streng."
Tab. III, 1370SS, Jahr 233: "al-Wäthiq zürnte seinem Bruder Dja'far wegen verschiedener
Dinge und setzte 'Umar b. Faradj al-RukhkhadjI und M u h a m m a d b. 'Alä, den Eunuchen 2 , über
ihn, u m ihn zu überwachen und dauernd schriftlich über ihn zu berichten.
Dja'far ging zu M u h a m m a d b. 'Abdalmalik, ihn zu bitten, bei seinem Bruder ein Wort ein-
zulegen, damit er ihm verziehe. Als er bei ihm eintrat, ließ M u h a m m a d ihn eine Weile stehen,
ohne ein Wort zu sagen, dann erst winkte er ihm, sich zu setzen. U n d erst als er seine Schreiberei
erledigt hatte, wandte er sich an Dja'far in einschüchterndem Tone: " W a s bringt dich her?"
Dja'far sagte: "Ich bin gekommen, damit du den Befehlshaber der Gläubigen bittest, mir zu
verzeihen!" Ibn al-Zayyät sagte zu den Umsitzenden: "Seht euch den an! Erst erregt er den
Zorn seines Bruders, und dann soll ich ihn versöhnen! Geh, wenn du dich gut beträgst, wird er dir
verzeihen!" Dja'far erhob sich, traurig und niedergeschlagen über die schlechte Behandlung und
den erfolglosen Empfang, ging fort und begab sich zu 'Umar b. Faradj, u m diesen u m sein
Siegel unter seinen Scheck3 zu bitten, damit er seine Apanage, arzäq, erhalten könnte. Aber
'Umar b. Faradj empfing ihn mit Geringschätzung, nahm den Scheck und warf ihn auf den Boden
der Moschee — 'Umar pflegte in einer Moschee sitzend zu empfangen. A b u 1-Wazir Ahmad
b. Khälid war zugegen und im Begriff zu gehen, und Dja'far ging mit ihm fort und sagte: " O
abu 1-Wazir, hast du gesehen, wie 'Umar b. Faradj mich behandelt hat ?" Der antwortete: "Möge
ich dein Lösegeld sein! Ich bin Aufseher über ihn, und doch siegelt er den Scheck für mein
Gehalt nie ohne Bitten und Betteln. Schick mir deinen Verwalter, wakill" Dja'far schickte
seinen Verwalter, und abu 1-Wazir gab ihm 20000 und ließ sagen: "Bezahl davon die Ausgaben,
bis Allah deine Sache bessert!" und er nahm es.
Nach einem Monat sandte Dja'far seinen Boten wieder zu abu 1-Wazir, u m seine Hilfe zu
bitten, und der schickte ihm 10000 Dirham. Als er 'Umar verlassen hatte, ging er sofort zu Ahmad
b. abi Du'äd. Als er eintrat, erhob sich Ahmad, empfing ihn an der Saaltür, bäb al-bait, nahm ihn
bei der Hand und fragte: "Was willst du, möge ich dein Lösegeld sein!" Dja'far sagte: "Ich
k o m m e , damit du mich mit d e m Befehlshaber der Gläubigen versöhnst!" Er antwortete: "Ich
tue es gern, es ist eine Ehre!" U n d A h m a d b. abi Du'äd sprach über ihn zu al-Wäthiq, und dieser
versprach es, tat es aber nicht. A m Tage des Rennens, yaum al-halaba, sprach A h m a d b. abi
Du'ad wieder mit al-Wäthiq: "Ich bin al-Mu'tasim durch seine Gnade gegen mich verpflichtet —
<J*3j*»(j^s- ^A\ >-*3j** — und Dja'far ist sein Sohn! Ich habe dir von ihm gesprochen, und du
hast zu verzeihen versprochen. Daher, u m al-Mu'tasims Willen, o Befehlshaber der Gläubigen,
du mußt ihm verzeihen!" U n d al-Wäthiq verzieh ihm sofort und gab ihm ein Ehrengewand,
kasähu, noch bevor er die Rennbahn verließ. Durch dies Wort, mit d e m er seinen Bruder ver-
söhnte, legte A h m a d eine Dankesschuld auf Dja'far, die der ihm vergalt, als er Khalife geworden
war (vergleiche unten p. 184.
M u h a m m a d b. 'Abdalmalik hatte, als Dja'far gegangen war, an al-Wäthiq geschrieben:
1
Entweder bloßer Handelsname oder 'sublimiert'? mit Yusr.
;i
Vgl. E. Wiedemann, Beitr. z. Gesch. d. Natur- Die Etymologie von sakk ist dunkel, wohl zu
Wissenschaft, L H u. L V . \ltag-, 'accorder, assurer, offrir', wovon patcagan
2
Kit. Baghdad unter Ma'mün, mit dem Sähib al- 'av-riypoccp-y)', s^hc Benveniste, J. As. oct.-dec. 1934
shurta 'Ayyäsh, und AghanI 5.82, nach A b u Nuwäs, p. i8oss.
* 175 *

" O Befehlshaber der Gläubigen, eben war Dja'far b. al-Mu'tasim bei mir und bat, den Befehls-
haber der Gläubigen für ihn u m Verzeihung zu bitten, angezogen wie ein pathicus1, mit langen
Haaren im Nacken". AI-Wäthiq schrieb zurück: "Schick ihn zu mir!" Der Wezir ließ Dja'far
holen, und al-Wäthiq befahl, ihm die Haare zu schneiden und ihn mit den Haaren ins Gesicht zu
schlagen, und schickte ihn wieder nach Haus 2 . al-Mutawakkil selbst erzählte: "Als der Bote zu
mir kam, zog ich mir ein neues schwarzes Kleid an und ging zu ihm, in der Erwartung, daß er
mir endlich verzeihen wolle. Aber als ich ankam, rief er: "Sklave, hol einen Schröpfer, hadjdjäm!"
und als der geholt war, "schneide ihm die Haare und n i m m sie zusa