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Caspar Tobias Schlenk 17.

October 2017

„Die Digitalisierung gibt uns die Chance, Karl Marx endlich


ernst zu nehmen“
Einblick . Durch die Computer wird die Trennung von Produktionsmitteln und Produktivkraft
aufgehoben, glaubt der Philosoph Richard David Precht.

Zu fast jedem Thema hat sich der Philosoph schon einmal geäußert, in Talkshows ist er regelmäßig zu
Gast – nun hat Richard David Precht in einem Interview mit dem Handelsblatt auch über das Thema
Digitalisierung gesprochen – mit einer interessanten These, die den digitalisierungskritischen Thesen
der SPD-Fraktionsche n Andrea Nahles oder des Soziologen Harald Welzer energisch widerspricht.
Precht sagt, dass der kommunistische Vordenker Karl Marx der Überzeugung gewesen sei, „dass der
Kapitalismus aufgrund seiner Finanzwirtschaft in eine Position kommt, aus der er selbst nicht mehr
heraus ndet“. Das sei allerdings in hochentwickelten Gesellschaften der Fall – und nicht in „in völlig
unterentwickelten Staaten wie Russland oder später Kuba“, in denen man versucht habe den
Kommunismus einzuführen. „Die Digitalisierung gibt uns die Chance, ihn endlich richtig ernst zu
nehmen“, so Precht. Denn: „Die Digitalisierung, die wir gerade erleben, wirft aber in den am höchsten
entwickelten Ländern nun die Frage auf: Was kommt denn nach dem Kapitalismus?“

Die technische Entwicklung bilde ein wichtiges Fundament: „Was revolutionstechnisch nie funktioniert
hat, ist die Trennung von Produktivkräften und Produktionsmitteln. Die Fabriken gehörten nie den
Arbeitern, sondern allenfalls dem Staat, der ja eigentlich absterben sollte“, so Precht. Mit einem Laptop
– und ohne notwendige Maschinen – sei die „Trennung von Produktivkraft und Produktionsmittel aber
aufgehoben“. Arbeit habe so die Chance, zur Selbstverwirklichung zu führen, ein Kerngedanke von
Marx.

Bislang fehlen dem Philosophen die richtigen Denker zu dem Thema Digitalisierung. „Es gibt entweder
dunkle Warnungen oder technikbesoffene Happiness-Bücher“, so Precht. Die gesellschaftliche Seite
des Thema werde viel zu wenig diskutiert. Er ist aber auch der Überzeugung, dass „Pro s im Silicon
Valley diesen Mangel beheben und im großen Stil Gesellschaftsscouts hervorbringen werden.“ Schon
aus eigenem Interesse.

Bild: Getty Images / Ulf Andersen / Kontributor

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