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Digitalisierungsbericht

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Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek


Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation
in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische
Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dieser Publikation in der


Regel das generische Maskulinum verwendet. Die Angaben beziehen
sich immer auf Angehörige aller Geschlechter.

Herausgeberin
die medienanstalten – ALM GbR
Friedrichstraße 60
10117 Berlin

Tel: + 49 30 206 46 90 - 0
Fax: + 49 30 206 46 90 - 99

E-Mail: info@die-medienanstalten.de
Website: https://www.die-medienanstalten.de

Verantwortlich
Dr. Wolfgang Kreißig – Vorsitzender der Direktorenkonferenz
der Landesmedienanstalten (DLM)
Thomas Fuchs – Koordinator des Fachausschusses Netze,
Technik, Konvergenz der ZAK/DLM

Redaktion
Dr. Abel Reiberg, Dr. Simon Berghofer, Cornelia Bergner,
Gemeinsame Geschäftsstelle der Medienanstalten, Berlin

Copyright © 2020 by
die medienanstalten – ALM GbR

Bildnachweis:
S. 4, Foto Thomas Fuchs: Achim Multhaupt
S. 74, Foto Simon Berghofer: Jens Jeske
S. 75, Marc Hankmann: privat
Illustrationen: © Rosendahl Borngräber GmbH, Daniela Sattler

Stand: Oktober 2020


Alle Rechte vorbehalten
ISBN: 978-3-948350-03-1

Design, Bildkonzept, Illustrationen und Satz


Rosendahl Borngräber GmbH
Website: www.rosendahl-berlin.de

Druck
PIEREG Druckcenter Berlin GmbH
Digitalisierungsbericht 2020
Video

herausgegeben von
die medienanstalten – ALM GbR
Vorwort

Thomas Fuchs
Fachausschuss Netze, Technik,
Konvergenz der ZAK / DLM

Im Prinzip war es schon beschlossene Sache: Ab steigt die Haushaltsausstattung mit HDTV-Geräten
Januar 2021 sollte Schluss sein mit dem Multicast kontinuierlich. Zugleich sind immer mehr Sender
über Satellit. Das Programmangebot der ARD wäre auch in hochauflösender Qualität zu empfangen.
dann nur noch für Satellitenhaushalte mit HDTV- Doch die Frage, ob und insbesondere wann HDTV
Gerät zu empfangen gewesen. Doch dann kam die zum alleinigen Standard wird, bleibt umstritten.
COVID-19-Pandemie – und mit ihr kam es anders Für die meisten privaten Fernsehprogrammanbie-
als geplant. So ruderte die ARD im Juli noch ein- ter ist ein SD-Ausstieg noch keine Option. Zu groß
mal zurück und gab den Ausstieg vom Ausstieg be- wären zum jetzigen Zeitpunkt die Reichweiten-
kannt. Die Pläne für die SD-Abschaltung sind damit verluste. Das kann man sich nicht so einfach mal
zunächst vom Tisch. Dennoch wird eins deutlich: leisten, denn im Gegensatz zu den gebührenfinan-
Nach Abschluss der Digitalisierung der TV-Über- zierten öffentlich-rechtlichen TV-Sendern sind die
tragungswege im letzten Jahr nimmt das nächste privaten Fernsehprogrammanbieter nun einmal
Umstiegsszenario am Horizont langsam Kontur an. ökonomisch auf jeden Zuschauer angewiesen.
Grund genug, sich die Entwicklung und den Status
quo des hochauflösenden Fernsehens in Deutsch- Dass ein Ausstieg aus der SD-Verbreitung mit
land genauer anzusehen. einem erheblichen Rückgang der technischen
Reichweite verbunden wäre, zeigt auch Dr. Simon
Wie Marc Hankmann in seinem Übersichtsartikel Berghofer in seiner Darstellung der Kernbefunde
zur Entwicklung des HD-Fernsehens verdeutlicht, der aktuellen Erhebung des Digitalisierungsbe-
vergingen zwischen der Ausstrahlung erster Fern- richts 2020. Fast ein Fünftel der deutschen Fern-
sehprogramme in hochauflösender Qualität und sehhaushalte empfängt sein Fernsehprogramm
der SD-Abschaltentscheidung der ARD gut 15 Jah- nach wie vor in einfacher Bildqualität. Allein im
re. Erste Testballons mit HDTV wurden bereits An- Bereich der Satellitenübertragung würde ein SD-
fang der Zweitausenderjahre gestartet, den Sieges- Ausstieg zum jetzigen Zeitpunkt fast 8 Millionen
zug in den deutschen Wohnzimmern trat die neue Nicht-HDTV-Geräte betreffen, die angepasst oder
Bildqualität aber erst ab 2010 mit den ersten Live- ausgetauscht werden müssten. Alternativ zum
übertragungen von Sportevents in HD an. Seitdem Gerätetausch könnte auch der TV-Empfangsweg

4
gewechselt werden – eine Option, die vermutlich auf­lagen, so dass vieles kurzfristig umgeplant
aber nur wenige Haushalte wählen würden. Den werden musste. Diese Herausforderungen waren
Wechsel des TV-Empfangswegs erleichtern und aber beinahe harmlos im Vergleich zu den Einbrü-
damit die Wahlfreiheit der Nutzer erhöhen, das chen auf den Werbemärkten. Andere haben da
will auch der aktuelle Entwurf zur TKG-Novelle. mehr profitiert. Disney und Apple haben just zu
Der Text beinhaltet eine Abschaffung des Neben- Beginn der Krise ihre, im Vorfeld von der Presse
kostenprivilegs und befindet sich aktuell noch in schon martialisch als „Streaming War“ angekün-
der Ressortabstimmung. Eine Abschaffung bräch- digten, Markteintritte in Europa und Deutschland
te voraussichtlich Bewegung auf den Markt der vollzogen – und das, wie unsere Zahlen zur Nut-
Fernsehübertragung, nicht ohne Rückwirkungen zung von Videostreamingdiensten zumindest im
auf die Programmveranstalter. Fall von Disney auch zeigen, durchaus erfolgreich.

Mit dem Digitalisierungsbericht werden traditio- Corona, Markteintritte transnationaler Player,


nell auch die Geräteausstattung und die aktuellen ­digitale Umbrüche: Das alles sind Themen, die
Trends der Bewegtbildnutzung in Deutschland er- nicht rein im Nationalen stattfinden. Andere Länder
hoben. Die diesjährigen Befunde zeigen, dass die sind gleichermaßen betroffen und stehen vor ähn-
Smart-TV-Penetration und die OTT-Nutzung wei- lichen Herausforderungen. Umso mehr lohnt der
terhin deutlich ansteigen. Damit gewinnt die Aus- Blick über den Tellerrand zu unseren Nachbarn. Mit
gestaltung von Benutzeroberflächen eine immer welchen Herausforderungen auf dem Bewegtbild-
größere Bedeutung für die Auffindbarkeit von Pro- markt sind sie aktuell konfrontiert? Wie entwickelt
grammangeboten. Benutzeroberflächen bestim- sich dort die Videonutzung und welche Spuren hat
men über die Wahlmöglichkeiten der Nutzer und die Corona-Krise hinterlassen? Fragen, denen die
wirken sich auf die Wahrnehmbarkeit des Program- britischen und französischen Medienaufsichtsbe-
mangebots aus. Umso wichtiger ist es, dass sie hörden Ofcom und CSA in einem gemeinsamen
transparent gestaltet sind und die Programman- Beitrag nachgehen. Die Darstellung liefert einen
gebote diskriminierungsfrei auffindbar sind. Zwei guten Überblick über die Situation in beiden Län-
Kernaspekte, die der Gesetzgeber auch im neuen dern und ist zugleich ein spannender Spiegel der
Medienstaatsvertrag deutlich herausstellt und die von den Medienanstalten erhobenen Daten und
aktuell von den Medienanstalten durch Satzungen Fakten des diesjährigen Digitalisierungsberichts.
konkretisiert werden. Frankreich und Großbritannien haben die Volldi-
gitalisierung der TV-Übertragungswege schon vor
Die Pandemie hat ihre Spuren selbstverständ- mehreren Jahren abgeschlossen. Ihr Beispiel ver-
lich auch im diesjährigen Digitalisierungsbericht deutlicht uns aber, dass die mit der Digitalisierung
hinterlassen. Die Fernsehnutzung war so hoch verbundenen Umbrüche und Entwicklungen auf
wie lange nicht mehr. Einige Sender konnten Re- dem Bewegtbildmarkt nach wie vor voll im Gange
kordquoten aufweisen, waren aber zugleich da- sind. Letztlich gilt es, die Entwicklungen weiter zu
mit beschäftigt, ihr Programmangebot aufrecht- beobachten und mit Ruhe und auf Basis von Fak-
zuerhalten. Sport-Liveübertragungen sind lange tenwissen zu gestalten, egal ob SD-Abschaltung,
Zeit vollständig weggefallen und auch viele Show-­ neuer Medienstaatsvertrag oder Corona-Pandemie.
Formate unterlagen plötzlich strengen Hygiene­ In diesem Sinne: Keep Calm and Carry On.

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6
Inhalt
HDTV – der neue Standard fürs TV-Bild? 9
Marc Hankmann

Daten & Fakten zur  Digitalisierung in  Deutschland

Aktuelle Befunde zur digitalen Bewegtbildübertragung und -nutzung in Deutschland 24


Dr. Simon Berghofer

Methodik 46

Daten & Fakten der  internationalen Digitalisierung

Aktuelle Erkenntnisse zum ­Bewegtbildmarkt in Großbritannien und Frankreich 50


Office of Communications, Conseil supérieur de l’audiovisuel

Die Aufgaben der Landesmedienanstalten in  der  Plattformregulierung 71

Autoren 74

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8
HDTV – der neue Standard
fürs TV-Bild?
Marc Hankmann

Es fehlten nur 1,5 Sekunden, dann wäre die erste Gemeinschaftsprogramms Das Erste und des ZDF
olympische Medaille, die deutsche Zuschauer live zu den Olympischen Winterspielen 2010 das hoch-
im Fernsehen mit einer Bildauflösung von 1.280 x auflösende Fernsehzeitalter in Deutschland ein.
720 Pixeln hätten sehen können, eine goldene ge-
wesen. Die Biathletin Magdalena Neuner errang
2010 bei den Olympischen Winterspielen in Van- Wachsendes HD- und SD-Angebot
couver im 7,5-Kilometer-Sprint Silber. Angesichts Das Erste und das ZDF waren damals 2 von ins-
ihrer beispiellosen Karriere ist es eine Medaille un- gesamt 18 TV-Programmen, die in Deutschland
ter vielen, aber für die Geschichte des Fernsehens über Satellit in hochauflösender Qualität verbrei-
in Deutschland war es eine besondere, nämlich die tet wurden. Dazu gehörten neben dem Kulturka-
erste olympische Medaille, die im deutschen Fern- nal Arte 7 HDTV-Programme des Pay-TV-Anbieters
sehen live in HDTV übertragen wurde. Sky sowie die 8 HDTV-Sender der kostenpflichtigen
HD+-Plattform. Nach Angaben des Branchenver-
Zu dem Zeitpunkt war digitales Fernsehen in HD bands gfu Consumer & Home Electronics standen
bereits 6 Jahre alt. Anfang 2004 ging der belgi- Ende 2010 28 Millionen HD-fähige TV-Geräte in
sche TV-Sender Euro1080, der später in HD1 um- deutschen Haushalten1. Heute wird kein Fernseher
benannt und verschlüsselt wurde, über die Sa- mehr verkauft, der nicht HD-geeignet ist und auf
tellitenposition Astra 19,2 Grad Ost auf Sendung. der Satellitenposition Astra 19,2 Grad Ost werden
Auch im Pay-TV gab es ab 2005 ein HD-Angebot mit Stand vom April 2020 127 HD-Kanäle in deut-
und die Sendergruppe ProSiebenSat.1 unternahm scher Sprache verbreitet. Davon sind 59 frei emp-
erste Gehversuche mit den frei empfangbaren Pro- fangbar. Die HD+-Plattform ist auf 24 Program-
grammen Sat.1 HD und ProSieben HD. Doch trotz me angewachsen und das HD-Angebot von Sky
dieses Senderangebots und steigender Absatzzah-
len HD-fähiger Flachbildfernseher und Set-Top-
Boxen läutete erst der HD-Regelbetrieb des ARD-­
1 https://gfu.de/10-jahre-hdtv-regelbetrieb-rasante-
weiterentwicklung/

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HDTV – der neue Standard fürs TV-Bild?

­ mfasst inzwischen 32 Kanäle2 (Abb 1). Anfang Au-


u HD macht einen Sprung
gust 2020 erklärte der Pay-TV-Anbieter, das Kürzel Dass ARD und ZDF mit der Übertragung der Olym-
„HD“ aus den Programmnamen zu entfernen, da pischen Winterspiele 2010 den HDTV-Boom in
HDTV inzwischen Standard geworden sei3. Deutschland auslösten, lässt sich auch anhand der
Marktzahlen belegen. Das Interesse an hochauflö-
Zum zehnjährigen Jubiläum des HDTV-Regelbe- senden TV-Bildern war schon in der HDTV-Früh-
triebs bei ARD und ZDF ist jedoch auch das Pro- phase von 2004 bis 2009 zu erkennen. So standen
grammangebot in SDTV immer noch stark vertre- bereits 2007, als lediglich der Pay-TV-Sender Premi-
ten. Über Astra 19,2 Grad Ost und in deutschen ere 3 HD-Kanäle zeigte und Anixe HD über Satellit
Kabelnetzen sind es weit über 100 Programme, unverschlüsselt verbreitet wurde, in 3 Millionen
die in Standardauflösung auf Flachbildfernsehern deutschen Haushalten HD-fähige Fernseher4. Als
mit immer größeren Bildschirmdiagonalen zu se- 2010 der HD-Durchbruch erfolgte, waren es über
hen sind. Während die Zahl der HD-Programme die Verbreitungswege Satellit, Kabel und Terrestrik
steigt, blieb die der SD-Sender nach Aussage des mehr als doppelt so viele.
Satellitenbetreibers SES und des Breitbandver-
bands ANGA konstant. Ganz offensichtlich führen Das Programmangebot an HD-Sendern ­machte
die bessere Bildqualität des HDTV-Standards so- zum Ende der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts
wie die steigende Zahl HD-fähiger Wiedergabe- einen Sprung. In der Frühphase waren es gera-
geräte in deutschen Haushalten nicht dazu, dass de einmal 4 HDTV-Programme, die über Astra
sich die Programmanbieter von der Standardauf- 19,2 Grad Ost verbreitet wurden, 2 davon, Disco-
lösung trennen. Sowohl öffentlich-rechtliche Pro- very HD und Premiere HD, verschlüsselt. Mit dem
grammanbieter als auch die Mediengruppe RTL Start der HD+-Plattform Ende 2009 kamen 8 hoch-
Deutschland sowie die ProSiebenSat.1 Media SE auflösende TV-Programme hinzu, Premiere, nun
üben sich im sogenannten „Simulcast“, der kosten- unter dem Namen Sky, erhöhte sein HD-Angebot
intensiven parallelen Verbreitung eines Programms auf 7 Pay-TV-Kanäle.
in SD- und HD-Auflösung.

Da es inzwischen auch erste Produktionen gibt, die Das Wendejahr 2010


in Ultra-HD-Auflösung (UHD) ausgestrahlt werden, Zusammen mit dem HD-Regelbetrieb bei ARD und
stellt sich die Frage, ob aus dem Simulcast bald ein ZDF dürfte die gestiegene Zahl an HDTV-Sendern
Trimulcast wird oder ob der letzte TV-Sender sein sowie die bevorstehende Fußball-Weltmeister-
SD-Signal abschaltet, bevor die TV-Geräte-Herstel- schaft 2010 in Südafrika dafür gesorgt haben, dass
ler mit 8k die Bildauflösung ein weiteres Mal her- die Verkäufe von HD-Fernsehern und HD-Set-Top-
aufschrauben und den Weg für die nächste tech- Boxen Anfang 2010 in die Höhe gingen. 2008 stan-
nische Neuerung des Fernsehens ebnen. den 5 Millionen HD-Fernseher5 sowie 510.000

2 https://wowi.astra.ses/sites/default/files/2020-04/ASTRA_TV%20 4 HDTV – Aufbruch in ein neues TV-Zeitalter, Studie von Deloitte


Monitor_2019_0.pdf Research, 2008.
3 https://www.infosat.de/digital-tv/sky-entfernt-hd-aus- 5 Die Zukunft der digitalen Consumer Electronics, Studie des
sendernamen-inzwischen-standard BITKOM, 2008.

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HDTV – der neue Standard fürs TV-Bild?

Abb. 1

HDTV-Entwicklung in Deutschland (Anzahl der TV-Sender in HD- und UHD-Qualität)

Gesamtzahl Sender
2014 88 0
2015 90 3
2016 94 6
2017 99 6
2018 114 7
2019 115 7
Frei empfangbare Sender
2014 32 0
2015 33 4
2016 33 4
2017 46 2
2018 59 2
2019 59 2
HD+-Sender
2014 20 0
2015 21 0
2016 23 0
2017 23 2
2018 23 3
2019 24 2
Sender auf Sky
2014 36 0
2015 39 2
2016 38 2
2017 30 2
2018 32 2
2019 32 2

0 25 50 75 100 125130

 HD   UHD

Quelle: Astra TV-Monitor, Pressemitteilungen Astra Deutschland, Deutsche TV-Plattform

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HDTV – der neue Standard fürs TV-Bild?

Abb. 2

HDTV-Entwicklung in Deutschland (HDTV-Haushalte in Mio.), gebündelt

Gesamt
2015 19,96
2016 22,54
2017 27,48
2018 29,85
2019 31,96

Satellit
2015 10,98
2016 11,35
2017 12,66
2018 13,51
2019 14,65

Kabel
2015 7,8
2016 9,41
2017 10,86
2018 12,08
2019 12,92

IPTV
2015 1,18
2016 1,78
2017 2,53
2018 2,52
2019 2,87

Terrestrik
2015 0
2016 0
2017 1,44
2018 1,73
2019 1,52

0 5 10 15 20 25 30 35

Quelle: Astra TV-Monitor, Pressemitteilungen Astra Deutschland, Deutsche TV-Plattform

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HDTV – der neue Standard fürs TV-Bild?

Abb. 3

Absatz von Flachbildfernsehern in Deutschland (Stückzahlen in Mio.)

TV-Geräte gesamt
2015 6,94
2016 6,87
2017 7,02
2018 6,79
2019 6,48
2020 0

UHD-fähige TV-Geräte
2015 0,957
2016 2,0
2017 2,7
2018 3,6
2019 4,35
2020 4,7*

0 5  10

*Prognose; Quelle: gfu, Statista

­HD-Receiver6 in deutschen Haushalten. Der Satel- zurzeit des HD-Starts bei ARD und ZDF, wurden
lit nahm dabei eine Führungsrolle ein, denn laut über 450.000 HD-Boxen für den Sat-Empfang ver-
Astra Deutschland waren 2008 vier von fünf ver- kauft9. Erstmals überstieg die Zahl der abgesetzten
kauften HD-Receiver für den Sat-Empfang HD-Receiver die der Receiver, die Fernsehen nur in
­ausgelegt7. Standardauflösung wiedergeben können (Abb. 5).

Ein Jahr später gingen bereits 735.000 Sat-HD-­


Boxen über den Ladentisch. 2010 waren es dann Mehrheit könnte HD empfangen
für den Satellitenempfang 1,8 Millionen HD-Emp- Seitdem nimmt die HD-Nutzung kontinuierlich
fänger8. Allein zwischen Januar und März 2010, zu. Der Satellitenbetreiber Astra zählt für 2019
über alle Verbreitungswege hinweg knapp 32 Mil-
lionen Haushalte in Deutschland, die HDTV emp-
6 https://www.pressebox.de/inaktiv/astra-das-satellitensystem-­
ses-astra-sa/ASTRA-Deutschland-TV-Sender-EinsFestival-zur-IFA- fangen können10. Pro Jahr werden über 6 ­Millionen
2008-in-HD-Qualitaet/boxid/200697
7 https://www.pressebox.de/inaktiv/astra-plattform-services-gmbh-
aps/ASTRA-Absatz-digitaler-HD-Sat-Receiver-verdoppelt/ 9 https://www.pressebox.de/inaktiv/astra-deutschland-gmbh-
boxid/247042 unterfoehring/Digitales-Satellitenfernsehen-boomt-
8 https://www.pressebox.de/inaktiv/astra-deutschland-gmbh- Rekordverkaeufe-bei-Satelliten-Receivern-im-1-Quartal-2010/
unterfoehring/ASTRA-stellt-TV-Reichweitenanalyse-2010-vor/ boxid/348169
boxid/414211 10 Astra TV-Monitor 2019.

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HDTV – der neue Standard fürs TV-Bild?

Abb. 4

Entwicklungsprognose SVoD-Nutzer (Anteil an der Gesamtbevölkerung und absolut)

2017 20,1 % 16,6 Mio.


2018 20,9 % 17,4 Mio.
2019 22,0 % 18,4 Mio.
2020 24,40 % 20,5 Mio.
2021 25,9 % 21,7 Mio.
2022 27,5 % 23,0 Mio.
2023 28,9 % 24,2 Mio.
2024 30,2 % 25,3 Mio.
2025 31,2 % 26,1 Mio.

0 10 20 30 40

Quelle: Statista (angepasst um Auswirkungen der Corona-Pandemie)

­ D-Fernseher verkauft, darunter immer mehr


H Vergleich zu dem, der durch die Analogabschaltung
UHD-TV-Geräte (Abb. 3). Selbst Tablet- und Smart- erreicht wurde. Außerdem klagen derzeit weder
phone-Displays verfügen inzwischen über eine SES noch die Kabelnetzbetreiber über Engpässe –
Full-HD-Auflösung (1.920 x 1.080 Pixel). ganz abgesehen davon, dass beide natürlich auch
am Simulcast verdienen. Je mehr Megabit „vermie-
Auch wenn also der Großteil deutscher TV-Haus- tet“ werden können, desto besser für die Vermieter.
halte längst fit für HDTV ist (Abb. 2), empfangen
rund 7,6 Millionen Haushalte ihr Fernsehen aus-
schließlich in SD-Qualität, davon 3,9 Millionen Sat- SDTV hält sich
Haushalte (siehe Beitrag „Daten und Fakten zur Selbst in einem Medium wie dem Internet, das
­Digitalisierung in Deutschland“). Bei der Abschal- keine analoge TV-Verbreitung kennt und das sei-
tung der analogen TV-Verbreitung via Satellit muss- ne Zuschauer (oder Nutzer) vor allem in jüngeren,
ten ungefähr ebenso viele Haushalte den Umstieg technikaffinen Zielgruppen findet, hält sich das
auf Digital-TV vollziehen. Einen solchen Switchover SD-Fernsehen. So sind zum Beispiel unter den 135
zu HDTV wird es aber wohl nicht geben. TV-Programmen, die über die Plattform waipu.tv
verbreitet werden, immer noch 10 Sender dabei,
Die Abschaltung des analogen Fernsehens geschah die nur in SD-Auflösung angeboten werden.
nicht nur, um sich von einer veralteten Technik zu
trennen, sondern vor allem, um Kapazitätsengpäs- Das hat vor allem etwas mit den Kosten zu tun.
se auf dem Satelliten und im Kabel zu beheben. Die Verbreitung in HD-Auflösung benötigt mehr
Zwar würde auch die Beendigung der Ausstrah- Bandbreite als ein SD-Signal und auch die Inhal-
lung in SD-Auflösung Kapazitäten freisetzen, aber te sind in der Lizenzierung teurer, wenn sie in HD
der Gewinn an mehr Bandbreite steht in keinem eingekauft werden. So ist es auch kein Wunder,

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HDTV – der neue Standard fürs TV-Bild?

Abb. 5

Absatz von Set-Top-Boxen in Deutschland (Stückzahlen in Mio.)*

2012 7,3
2013 4
2014 3,5
2015 3
2016 2,8
2017 5,3
2018 3,4
2019 2,5

0 5  10

*über alle DVB-Verbreitungswege; Quelle: gfu

das die werbefinanzierten Lokal- und Regionalpro- dards wird das über IP verbreitete Megabit günsti-
gramme überwiegend in SD ausstrahlen. Rühm- ger. ­Dagegen sind die DVB-Übertragungsstandards
liche Ausnahme sind die 16 Lokal-TV-Sender aus technisch weitgehend ausgereizt.
Bayern, die seit dem 1. April 2018 ausschließlich in
HD über Satellit verbreitet werden. Das geht aller- Mit steigender Reichweite und günstigeren Ver-
dings nicht ohne staatliche Unterstützung. Rund breitungskosten dürfte SD im Streaming-Bereich
80 Prozent der Fördermittel, zwölf Millionen Euro, schneller zu einem Auslaufmodell werden als über
werden jährlich für die Satellitenverbreitung in HD die klassischen Verbreitungswege. Zattoo zum Bei-
investiert11. spiel ist bereits dazu übergegangen, ein TV-Paket
mit 46 Kanälen in Full-HD-Auflösung anzubieten.
Auch über DVB-T2 wird bereits in Full-HD ausge-
Streaming als Treiber strahlt. Dagegen verharren die Programmanbieter
Viele Branchenexperten gehen jedoch davon aus, über Satellit und im Kabel bei einer Bildauflösung
dass sich in den nächsten Jahren gerade das Stre- mit 1.280 x 720 Pixeln. Doch bevor sie sich für Full-
aming als Treiber für eine größere HDTV-Nutzung HD entscheiden, wäre die Frage zu klären, ob man
herauskristallisieren wird. Bis 2025 wird fast jeder nicht die Verbreitung in SD beenden könnte.
dritte Deutsche einen Streaming-Dienst abon-
niert haben (Abb. 4). Durch die voranschreitende
Entwicklung von Codecs und Übertragungsstan- SD-Abschaltung in weiter Ferne
Für ARD und ZDF hat das Thema SD-Abschaltung
bereits einige Jahre auf dem Buckel, denn schon
im 16. Bericht der Kommission zur Ermittlung des
11 https://blmplus.de/bayerisches-lokalfernsehen-via-satellit-nur- ­Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) aus
noch-in-hd/

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HDTV – der neue Standard fürs TV-Bild?

S4k, 8k, 16k – und dann k.o.?

Während Deutschland ins HDTV-Zeitalter ein- Nichtsdestotrotz werden die TV-Gerätehersteller


tritt, rollt bereits die nächste Entwicklungsstufe weiter an der Schraube Bildauflösung drehen,
auf unsere Wohnzimmer zu: 4k, auch UHD ge- denn die Konsumenten erwarten, dass sie mit
nannt. Der Branchenverband gfu geht in diesem dem Produkt, das sie kaufen, auch stets ­etwas
Jahr von 4,7 Millionen verkaufter UHD-Fernseher Neues kaufen. Deshalb sind Fernseher mit 8k-
aus (Abb. 3). Und auch das Programmangebot Auflösung bereits im Markt, obwohl es keine
an UHD-Sendern vergrößert sich. Die ultrahoch- ­Inhalte gibt, die diese Auflösung anbieten. Im
auflösenden Bewegtbilder kommen mit 3.840 x vergangenen Jahr hat Sony sogar ein Display mit
2.160 Pixeln daher. Das ergibt 8,3 Millionen Pixel 16k-Auflösung vorgestellt. Durch die immer höhe-
gegenüber den 2,1 Millionen eines Full-HD-Bilds. re Bildauflösung ist es möglich, den Sitz­abstand
Zudem wird das Bildflimmern durch die Über- zum Fernseher zu verringern, ohne dass die Bil-
tragung von 50 Vollbildern pro Sekunde verrin- der anfangen zu flimmern oder u ­ nscharf werden.
gert und der Kontrastumfang steigt dank High Angesichts des Trends zu Single-­Haushalten und
Dynamic Range (HDR). Die Technik ermöglicht kleineren Wohnzimmern ein ­logischer Schritt.
auch die Darstellung von drei Viertel des für den
Menschen sichtbaren Farbspektrums. HDTV kann Da mit UHD bereits ein Großteil des wahrnehm-
nur rund ein Drittel darstellen. baren Farbspektrums dargestellt wird, liegt die
Vermutung nahe, dass nach 16k nicht mehr viel
Dass UHD irgendwann HDTV ablösen wird, ist kommen kann, auch wenn die Gerätehersteller
innerhalb der TV-Branche ebenso unumstritten große Hoffnungen in HDR legen. Die unter HDR
wie die Ablösung von SDTV durch HDTV. Derzeit zusammengefassten Techniken ermöglichen grö-
wagt jedoch niemand eine konkrete Prognose, ßere Helligkeitsunterschiede und damit einen
weder wann HD noch wann SD abgelöst wird. höheren Bildkontrast. Aber irgendwann ist auch
Viele Branchenexperten sind jedoch der Mei- für das menschliche Auge das Maximum an Farb-
nung, dass sich die Verbreitung von UHD ver- echtheit, Kontrast und Schärfe erreicht. Vielleicht
zögern wird, weil ARD und ZDF ihre Ressourcen wird man dann die Diskussion um die Standard-
weiterhin für den Simulcast verwenden. Die Öf- auflösung für Fernsehbilder ad acta l­egen kön-
fentlich-Rechtlichen werden auch hier wie einst nen. Bis dahin dürften aber noch einige Jahre ins
2010 als massenattraktives Zugpferd benötigt. Land gehen, zumal die nächste Frage eigentlich
lauten muss, wann Full-HD der Standard fürs
TV-Bild wird.

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HDTV – der neue Standard fürs TV-Bild?

dem Jahr 2007 wird die Abschaltung der SD-Ver- ­ ntsprechende Geräte anschaffen müssen, um
e
breitung in Aussicht gestellt. Seinerzeit gingen das HD-Signal empfangen und wiedergeben zu
ARD und ZDF davon aus, das HDTV-Projekt bin- können“, erklärte die ARD.
nen 10 Jahren in den Regelbetrieb überführen
und ­spätestens in der Gebührenperiode zwischen Das ZDF hingegen überraschte Mitte Mai 2020 mit
2017 und 2020 die Verbreitung ihrer Programme in der Verlautbarung, die Verträge mit dem Luxem-
SD-Auflösung beenden zu können. Die KEF stellte burger Satellitenbetreiber SES verlängert zu haben.
2007 in Aussicht, dass ARD und ZDF 2018 ihre SD-­ „Die Fortsetzung der Verbreitung über Satellit in
Programme abschalten würden12. SD-Qualität ermöglicht auch weiterhin vielen Zu-
schauerinnen und Zuschauern, die noch nicht auf
Im 20. Bericht aus dem Jahr 2016 machte die KEF HD-Empfang umgestellt haben, die Teilhabe an un-
dann Ernst. Sie unterstrich noch einmal, dass sie serem öffentlich-rechtlichen Programmangebot“,
keinerlei Gründe dafür sehe, die SD-Verbreitung gibt ZDF-Produktionsdirektor Michael Rombach zu
nach 2018 fortzuführen und kürzte den Öffentlich- verstehen, dass es für das ZDF anscheinend noch
Rechtlichen den angemeldeten Finanzbedarf für zu viele Haushalte gibt, die die Programme nicht
den Simulcast-Betrieb. Der ARD gestand die KEF in HDTV empfangen können.
nur noch 21,6 statt der angemeldeten 43,2 Milli-
onen Euro zu. Das ZDF musste mit 8,1 Millionen
Euro weniger auskommen13. Im 21. Bericht aus dem „Unternehmerische Entscheidung“
Jahr 2018 erkannte die KEF dann den angemeldeten In den Medien schien es aufgrund des 22. KEF-­
­Finanzbedarf für den Simulcast via Satellit für die Berichts als eine beschlossene Sache, dass ARD
zweite Hälfte 2020 nicht mehr an14. Mit ihrem ak- und ZDF nach 2020 aus der SD-Verbreitung via
tuellen 22. Bericht zog sie ARD und ZDF dann kom- Satellit aussteigen würden. Daraus wird zunächst
plett den Stecker. Ab 2021 billigt die KEF keinerlei aber nichts, weil ARD und ZDF nicht dem KEF-­
Kosten mehr für die SD-Verbreitung15. Bericht folgen. „Es ist eine unternehmerische Ent-
scheidung der ARD beziehungsweise des ZDF, die
SDTV-Verbreitung per Satellit vor dem Hintergrund
Der Rückzieher der ARD der C
­ orona-Krise nun doch fortzusetzen, obwohl
So plante die ARD zunächst, die SD-Verbreitung die hierfür erforderlichen Mittel von der KEF nicht
sowohl der Gemeinschaftsprogramme Das Erste, mehr bewilligt wurden“, erklärte KEF-Geschäfts-
tagesschau24, ONE und ARD-alpha als auch der so- führer Tim Schönborn16.
genannten Dritten ab Januar 2021 einzustellen. An-
gesichts der Auswirkungen der Corona-­Pandemie Die SD-Abschaltung der Öffentlich-Rechtlichen
entschied sich die ARD im Juli 2020 jedoch dafür, ist damit auf unbestimmt verschoben worden,
die SD-Ausstrahlung zu verlängern. „Menschen, denn ein neuer Abschalttermin wurde bislang
die noch nicht über HD-fähige Fernseher oder nicht kommuniziert. Immerhin: Dem Vernehmen
Receiver verfügen, hätten sich gegebenenfalls nach soll SES ARD und ZDF bei den Transpon-
derkosten entgegengekommen sein, sodass die
12 https://kef-online.de/fileadmin/KEF/Dateien/Berichte/16._Bericht.pdf
13 https://kef-online.de/fileadmin/KEF/Dateien/Berichte/20._Bericht.pdf
14 https://kef-online.de/fileadmin/KEF/Dateien/Berichte/21._Bericht.pdf 16 https://www.medialabcom.de/newsletter/2020/08/index.
15 https://kef-online.de/fileadmin/KEF/Dateien/Berichte/22._Bericht.pdf html#beitrag5

17
HDTV – der neue Standard fürs TV-Bild?

­ mschichtung von finanziellen Mitteln allem An-


U Für einen werbefinanzierten Programmanbieter ist
schein nach keine größeren Löcher in andere Res- die Reichweite seines Contents das A und O. Jed-
sorts der Ö
­ ffentlich-Rechtlichen reißen wird. wede Veränderung, die zu einem Reichweitenver-
lust führen könnte, gilt es zu vermeiden. D ­ eshalb
Freilich ernteten die Öffentlich-Rechtlichen Kritik bezeichnete Prahl auch einen Wechsel vom Kom-
für ihre Entscheidung, den SD-Betrieb fortzufüh- primierungsstandard MPEG-2 auf das effektivere
ren. „Mit ihrer Entscheidung bremsen die öffent- MPEG-4 als Quatsch. „Die Risiken stehen in kei-
lich-rechtlichen Sender die Einführung innovativer nem Verhältnis zum Aufwand“, sagte Prahl auf
Technologien wie Ultra-HD und HDR sowie die Mo- dem Symposium. Gemeint sind etwaige Reichwei-
dernisierung der Fernseh-Übertragung insgesamt tenverluste, denn für MPEG-4 müssten neue Emp-
aus“, sagt etwa Herbert Strobel, Vorsitzender des fangsgeräte angeschafft werden, im Verhältnis zur
ZVEI-Fachverbands Satellit und Kabel. Die Begrün- Verbesserung der spektralen Effizienz, die ohnehin
dung von ARD und ZDF, den Zuschauer in Corona- nur einen positiven Effekt auf die Verbreitungskos-
Zeiten vor Investitionen schützen zu wollen, lässt ten hätte.
Strobel nicht gelten, denn der TV-Geräteabsatz sei
laut den Zahlen der GfK und der Deutschen TV-
Plattform von Januar bis Mai 2020 in Deutschland Refinanzierung durch Adressierung
trotz Corona-Krise im Vergleich zum Vorjahr sogar Was die Privaten aber mit einer SD-Abschaltung
leicht gestiegen17. erreichen möchten, ist eine Transformation der
Geschäftsmodelle. Für die großen Privatsender-
gruppen steht fest: Die SD-Verbreitung wird von
Reichweite dominiert ihnen nur dann aufgegeben, wenn damit stärke-
Im Gegensatz zum Hin und Her der ARD haben re Refinanzierungsmöglichkeiten für ihren Con-
sich die großen Privatsendergruppen ProSieben- tent einhergehen. Das gelingt nur über ein Mehr
Sat.1 und die Mediengruppe RTL Deutschland ein- an ­adressierbaren Haushalten, wie sie die Privaten
deutig zur SD-Abschaltung positioniert. Eine Ab- derzeit mit HD+ erreichen.
schaltung nur um der Abschaltung willen wird es
mit ihnen nicht geben. „Der Satellit ist Leistungs- Einen ersten Versuch in diese Richtung starteten
träger, die Dampfmaschine, die uns Reichweite die Privaten mit der geplanten Grundverschlüsse-
generiert und als solche enorm wertvoll“, sagte lung ihrer Programme über Satellit und im Kabel.
Andre Prahl, Bereichsleiter Programmverbreitung Wegen rechtswidriger Absprachen verpflichtete
bei der Mediengruppe RTL Deutschland, auf dem jedoch das Bundeskartellamt ProSiebenSat.1 sowie
Symposium des Breitbandverbands ANGA im Feb- die Mediengruppe RTL Deutschland dazu, bis Ende
ruar 2020. „Wir müssen die Frage stellen, ob man 2022 ihre Programme in SD-Qualität unverschlüs-
ohne Not seinen Maschinenkeller fluten möchte, selt zu verbreiten. Dass jedoch die Sendergruppen
der die Transformation in die digitale Welt finan- ab 2023 ihre SD-Programme verschlüsseln, gilt
zieren muss.“ Die Antwort lautet „nein“. als eher unwahrscheinlich, da einerseits ARD und
ZDF ihre Programme weiter in SD verbreiten und
somit als massenattraktives Zugpferd, wie einst
17 https://www.zvei.org/presse-medien/pressebereich/falsches- 2010, ausfallen. Andererseits könnte sich die SD-
signal-zvei-kritisiert-verschiebung-der-sd-abschaltung-durch-ard-
bis-2025/

18
HDTV – der neue Standard fürs TV-Bild?

Verschlüsselung der Privaten im Kabel als echter nen nicht feststellen, dass es eine Korrelation gibt
„Cord Cutter“ erweisen. Immer mehr Haushalte zwischen Bildqualität und Programmerfolg“, sag-
streamen ihre Programme über das Internet auf te RTL-­Manager Prahl auf dem ANGA-Symposium.
den Bildschirm. Der Trend könnte sich verstärken,
wenn der Kabelempfang durch die Verschlüsselung Hinzu kommt ein anderes Phänomen, das Geor-
der Privaten an Attraktivität verliert und der Kabel- ges Agnes, Geschäftsführer Operations und Pro-
anschluss gekündigt wird – das Kabel also bildlich duktentwicklung bei HD+, auf der Veranstaltung
durchgeschnitten wird („Cord Cutting“). auf den Punkt brachte: „Sie schauen SD und den-
ken, es wäre HD.“ Hier ist HD+ quasi ein Opfer der
technischen Entwicklung, denn moderne Set-Top-
Die Privaten in HD Boxen und Fernseher skalieren ein SD-Bild derge-
Während ARD und ZDF davon ausgehen, dass bis stalt hoch, dass die Qualitätsunterschiede zu na-
Ende 2020 zwischen 80 und 90 Prozent der deut- tivem HD verschwimmen.
schen TV-Haushalte HDTV empfangen können und
für sie damit die magische 80-Prozent-Grenze, bei
der zum Beispiel das analoge Fernsehen abgeschal- Technische Barrieren
tet wurde, überschritten ist, befürchten die Priva- Ein weiterer Grund ist die technische Hürde, die
ten Reichweitenverluste, wenn die SD-Verbreitung vor allem die Unterschiede der HD+-Reichweite
einfach beendet würde. Ihre Reichweite über Sa- über die einzelnen Verbreitungswege erklärt. Wer
tellit würde auf die Zahl derer schrumpfen, die die sein Fernsehprogramm über Satellit empfängt, ver-
Privaten in HD empfangen. Das sind laut Digitali- fügt entweder über eine Set-Top-Box, ist dann aber
sierungsbericht Video 2020 derzeit 33 Prozent aller nicht bereit, eine zweite für den HD+-Empfang da-
TV-Haushalte. Aufgeteilt auf die einzelnen Verbrei- neben zu stellen. Oder er nutzt den integrierten
tungswege sind es über Satellit 17 Prozent, im Ka- Tuner seines Fernsehers und hat dann erst recht
bel 43, über IPTV 53 und via Terrestrik 44 Prozent. kein Interesse an einer Set-Top-Box.

Angesichts der steigenden Zahlen an HD-fähigen In diesem Fall ist für viele aber auch das CI-Plus-
Geräten in den TV-Haushalten und HD-Sendern Modul keine Option. Dabei handelt es sich um ei-
stellt sich die Frage, warum nicht mehr Haushalte nen flachen Einschub, in den die Smartcard für ein
HD+ abonnieren, zumal auch die Bereitschaft des verschlüsseltes Programmangebot eingesteckt
Konsumenten steigt, für Inhalte zu zahlen18. Die- wird. Das Modul selbst wird dann in einen Schlitz
se Zahlungsbereitschaft bezieht sich jedoch ledig- des Fernsehers gesteckt und entschlüsselt das Pro-
lich auf Inhalte, nicht auf Technik oder Bildqualität. gramm. So entfällt die Verwendung einer Set-Top-
Die durchschnittlichen Preise für Fernsehgeräte Box. Jedoch sind derlei Module niemals aus der
befinden sich seit Jahren im Sinkflug19. „Wir kön- Nische herausgekommen. Deutschlands führender
Pay-TV-Anbieter Sky vermarktet sein CI-Plus-Modul
nicht einmal aktiv.

18 https://www.vau.net/pressemitteilungen/content/pay-tv-vod-
angebote-2020
19 https://www.idealo.de/magazin/2019/09/05/ifa-2019-tv-groessen-
wandel/

19
HDTV – der neue Standard fürs TV-Bild?

Dagegen werden die HD-Programme der Privaten gen der ­Programmanbieter – öffentlich-rechtliche,
im Kabel im Bundle angeboten und können über ­Privatsendergruppen und lokale bzw. regionale
IPTV nahezu per Knopfdruck freigeschaltet werden. ­Privatsender – aber kaum umsetzen lassen.
Der Gang ins Geschäft zum Kauf einer Set-Top-Box
oder eines CI-Plus-Moduls entfällt. Dieser Komfort Aus Sicht von HD+ gilt es zu vermeiden, dass die Öf-
und der Preisvorteil sind ausschlaggebend für die fentlich-Rechtlichen ihre SD-Verbreitung via Satellit
höhere Akzeptanz gegenüber der HD+-Verbreitung einstellen und sich die Verbraucher daraufhin zwar
via Satellit. HD-fähige aber keine HD+-geeigneten Empfangs-
geräte zulegen. Die Folge wäre, dass der Verbrau-
So erklärt sich auch der Schritt von HD+, das Pro- cher ein zweites Mal in die Tasche greifen müsste,
grammangebot direkt in den Fernseher zu integ- um auch die Privatsender in HD sehen zu können.
rieren: über die HbbTV OpApp. Bislang kooperiert
HD+ mit Samsung, Panasonic und Vestel (mit den Ein solches Szenario konnte beim Wechsel von
Marken Toshiba, Telefunken, JVC, Hitachi, Tech- DVB-T auf DVB-T2 durch eine Kommunikations-
wood, ok., Kendo, Hanseatic und Dual), bei deren kampagne erfolgreich vermieden werden, in der
UHD-Fernsehern HD+ im Rahmen der Erstinstalla- den Konsumenten verdeutlicht wurde, dass es über
tion mit eingerichtet wird und anschließend über Antenne demnächst ein frei empfangbares und ein
die Fernbedienung gesteuert werden kann, ohne kostenpflichtiges verschlüsseltes Angebot gibt. Für
dass eine zusätzliche Set-Top-Box oder ein CI-Plus- eine solche Kampagne müssten sich aber Program-
Modul notwendig ist. Dadurch erhöht HD+ seine manbieter und Plattform- sowie Netzbetreiber auf
technische Reichweite nach eigenen Angaben auf ein Umstiegsszenario einigen. Gerade die Kabel-
über die Hälfte der in Zukunft in Deutschland ver- netzbetreiber benötigen Planungssicherheit und
kauften UHD-Fernseher. könnten im Infrastrukturwettbewerb ins Hinter-
treffen geraten, Stichwort „Cord Cutter“, wenn die
Programmanbieter ohne große Vorankündigung
Wenn abschalten, wie abschalten? oder völlig unkoordiniert ihre SD-Signale abschal-
Wenn es HD+ auf diese Weise gelänge, die Reich- ten würden.
weite via Satellit signifikant zu erhöhen, könnte
die SD-Abschaltung vielleicht doch nicht in wei-
ter Ferne liegen. ARD und ZDF sollen dem Verneh-
men nach über ein jährliches Kündigungsrecht
für die SD-Verträge mit SES verfügen. Die Frage
wäre dann nur, wie man das SD-Zeitalter beenden
will. Ein Abschaltdatum wie bei der Beendigung
des über Satellit verbreiteten Analogfernsehens
wäre aus Sicht vieler Marktteilnehmer im Sinne
einer einheitlichen Kommunikation gegenüber
den Konsumenten wünschenswert, wird sich auf-
grund der sehr unterschiedlichen Voraussetzun-

20
21
22
Daten & Fakten
zur  Digitalisierung
in  Deutschland

23
Aktuelle Befunde zur digitalen
Bewegtbildübertragung und
-nutzung in Deutschland
September 2020
Dr. Simon Berghofer

Dieses Jahr ist aufgrund der Corona Pandemie ein dem Hintergrund der Pandemie gelesen werden.
besonderes Jahr. Was für alle Lebensbereiche, ja Eine große Zahl an Personen waren im Erhebungs-
unsere gesamte Gesellschaft gilt, betrifft selbstver- zeitraum noch im Homeoffice, Schulen und Kitas
ständlich auch für die aktuelle Erhebung des Digita- waren vielerorts noch geschlossen und nach wie vor
lisierungsberichts Video. Die bevölkerungsrepräsen- galten strenge Abstands- und Hygienregelungen.
tative Befragung der Studie wurde in den Monaten Kurz: der gesamte Alltag war noch durch die Pan-
Mai bis Juni durchgeführt. Das war zwar bereits demie geprägt. Das bleibt nicht ohne Auswirkung
nach der Lockerung der strengen Ausgeh- und Kon- auf das Mediennutzungsverhalten. Mediennutzung
taktbeschränkungen in Deutschland, dennoch war folgt häufig festen Routinen und Gewohnheiten, die
der Alltag der meisten Menschen im Erhebungszeit- waren außer Kraft gesetzt. Zudem war das Informa-
raum nicht „normal“. Die Besonderheit der Situa- tions- und Unterhaltungsbedürfnis der Menschen
tion zeigt sich auch in einigen Befunden der aktu- größer denn je. Das sehen wir auch deutlich in den
ellen Erhebung. Die im ersten Teil dieses Beitrags Ergebnissen der aktuellen Erhebung. Die Bewegt-
berichteten Ergebnisse zur Verteilung der Fernseh- bild- und dabei insbesondere auch die „klassische“
übertragungswege und zur Haushaltsausstattung Fernsehnutzung konnten deutlich zulegen. Das ist
mit TV- und anderen Bildschirmgeräten zeigen im ein klarer Hinweis darauf, wie wichtig das Angebot
Trend erwartungsgemäß wenige bis keine „Corona der Fernsehprogrammanbieter für die Menschen
Effekte“. Die im zweiten Teil dieses Beitrags berich- ist – besonders dann, wenn es drauf ankommt.
tete Entwicklung der Videonutzung muss aber vor

Teil I: Empfangswege und Geräteausstattung


Die Zahl der TV-Haushalte, also solcher Haushal- 38,5 Millionen Haushalte besitzen einen Fernseher,
te, die über mindestens einen Fernseher verfügen, das entspricht etwa dem Vorjahresniveau. Bezogen
bleibt weiterhin auf konstant hohen Niveau. Gut auf die Gesamtzahl der Haushalte in Deutschland,

24
Aktuelle Befunde zur digitalen Bewegtbildübertragung und -nutzung in Deutschland

Im Durchschnitt
stehen 1,6 TV-Geräte
in jedem Haushalt in
Abb. 1 Deutschland

Entwicklung der Anzahl der TV-Haushalte im Fünfjahrestrend (in Prozent)

2016 96,7 3,3


2017 96,6 3,4
2018 96,2 3,8
2019 95,4 4,6
2020 94,7 5,3

 TV-Haushalte    Haushalte ohne TV

Basis: 39,372 / 39,672 / 40,219 / 40,350 / 40,684 Mio. Haushalte in Deutschland (n = 8.281)

sind es weiterhin knapp 95 Prozent die über ein TV- Beide Empfangswege erreichen somit jeweils etwa
Gerät verfügen und damit nur geringfügig weniger 44 Prozent der deutschen TV-Haushalte, das ist
als im Vorjahr. Im Fünfjahrestrend lässt sich jedoch rund 1 Prozentpunkt weniger als im Vorjahr.
ein leichter Rückgang der TV-Haushalte von 2 Pro-
zentpunkten feststellen. Mit dem Abschluss der Umstellung auf DVB-T2 HD
hat sich der terrestrische Fernsehempfang in den
Der Großteil der TV-Haushalte in Deutschland letzten 3 Jahren auf einem stabilen Niveau von
verfügt dabei über ein Fernsehgerät – das trifft 6 Prozent der TV-Haushalte in Deutschland ein-
auf 60 Prozent der Fernsehhaushalte in Deutsch- gependelt. Dem vorausgegangen war eine mehr-
land zu. Vier von zehn Haushalten verfügen über jährige rückläufige Entwicklung, im Vergleich zum
2 (28 Prozent) oder 3 (12 Prozent) TV-­Geräte. Im Vorjahr konnte der terrestrische TV-Empfang 2020
Trend ist eine leichte Zunahme der Mehrfach­ aber wieder leicht zulegen. Gut 2,4 Millionen Haus-
ausstattung von 2 Prozentpunkten in den letzten halte in Deutschland empfangen ihr Fernsehsignal
fünf Jahren festzustellen, womit die durchschnitt- über DVB-T2 HD.
liche Geräteausstattung auf 1,57 Fernseher pro
Haushalt steigt. Zugenommen hat die Zahl der TV-Haushalte, die
ihr TV-Programm über IP-basierte Netze b
­ eziehen.
Das gilt sowohl für die Übertragung des IPTV-­
Empfangswege: IP-basierte TV-Übertragung Signals in „geschlossenen“ Netzen, wie sie z. B.
nimmt weiter zu von der Telekom, Vodafone, 1&1 und auch meh-
Der größte Teil der deutschen TV-Haushalte emp- rerer regionaler Anbieter betrieben werden, als
fängt das TV-Signal nach wie vor über Kabel oder auch für sogenannte offene Netze. Fast 11 Pro-
Satellit. Die Zahl der Haushalte mit Satellitenemp- zent der deutschen TV-Haushalte empfangen ihr
fang liegt bei knapp 17 Millionen und damit knapp
über der Zahl der Kabelhaushalte (16,8 Millionen).

25
Aktuelle Befunde zur digitalen Bewegtbildübertragung und -nutzung in Deutschland

Abb. 2

Verteilung der Übertragungswege

Kabel
45,9
45,9
45,1
44,7
43,6

Satellit
46,5
45,7
45,0
44,8
44,1

Terrestrik
9,0
7,4
6,4
6,0
6,3

0 % 30 %  60%

IPTV (managed) IPTV (OTT-Only)


6,2 0
6,9 0
7,9 0,5
8,6 1,7
10,6 2,9

0 % 15 % 30 % 0 % 15 % 30 %

 2016   2017   2018   2019   2020

Summe > 100 % wegen Mehrfachempfang; Basis: 38,076 / 38,306 / 38,697 / 38,491 / 38,520 Mio. TV-Haushalte in Deutschland (n = 7.786)

F­ ernsehprogramm über IPTV, das sind 2 Prozent- Cord-Cutting am Fernsehgerät knackt


punkte mehr als im Vorjahr und entspricht 4,1 Mil- die 1  Mio. Haushalte Marke
lionen Haushalten. Die Zahl der Haushalte, die ihr Fernsehprogramm
über sogenannte „offene“ IP-Netze beziehen hat
auf mehr als 1,1 Millionen Haushalte zugelegt.

26
Aktuelle Befunde zur digitalen Bewegtbildübertragung und -nutzung in Deutschland

In diesem Fall wird der Fernseher nicht an einen sehhaushalte verzichten mittlerweile gänzlich auf
­traditionellen TV-Übertragungsweg wie Kabel, einen traditionellen TV-Übertragungsweg an ih-
­Satellit, Terrestrik oder auch IPTV angeschlossen, rem Fernseher und beziehen ihr TV-Programm aus-
sondern ausschließlich mit dem Internet ver- schließlich über das Internet.
bunden. Ferngesehen wird dann über Apps auf
S­treamingsticks oder der Smart-TV Oberfläche.
Diese gibt es z. B. von internetbasierten TV-Platt- Mehr als acht von zehn TV-Haushalten
formen wie von Zattoo oder Waipu-TV, aber auch ­verfügen über mindestens ein HDTV-Gerät
traditionelle Plattformanbieter wie Vodafone oder Die im vergangenen Jahr abgeschlossene Digitali-
die Telekom vermarkten ihre Programmpakete als sierung der TV-Übertragungswege ist Vorausset-
sogenannte OTT-Angebote. Die TV-Sender selbst zung, dass ein Haushalt das TV-Programm auch
sind ebenfalls mit unterschiedlichen Angeboten in HD empfangen kann, da die hohe Bildauflösung
aktiv. Sowohl die Mediatheken der öffentlich-recht- nur digital übertragen werden kann. Den Zuschau-
lichen Sender als auch die Angebote der privaten ern steht mittlerweile eine Vielzahl an Fernseh-
Fernsehsender wie z. B. Joyn oder TV-Now bieten – programme in HD-Qualität zur Verfügung. Zudem
neben Catch-Up und anderen On-Demand-Diens- besitzt ein Großteil der Haushalte in Deutschland
ten – auch ein attraktives Live-TV-Angebot, welches über die nötigen HDTV-Geräte, um Fernsehen in
über das Internet direkt auf den Smart-TV gebracht voller HD-Schärfe zu schauen.
werden kann (siehe hierzu auch Teil II dieses Bei-
trags). Die Zahl dieser sogenannten Cord-Cutter- Mehr als vier von fünf TV-Haushalte (84 Prozent)
Haushalte ist im vergangenen Jahr weiter kräftig verfügen über mindestens ein HDTV-Gerät, das
gewachsen – knapp 3 Prozent der deutschen Fern- entspricht einem Zuwachs von 1,5 Prozentpunkten
gegenüber dem Vorjahr. Mit Abschluss der Um-
Erhebung der Cord-Cutter-Haushalte stellung des Empfangs auf DVB-T2 HD sind alle
terrestrischen Haushalte mit Receivern für das
Die Bestimmung der Zahl der Cord-Cutter- hochauflösende Fernsehen ausgestattet. Auch
Haushalte am TV erfolgt im Digitalisierungs- IPTV-Haushalte weisen mit neun von zehn Haus-
bericht in mehreren Stufen. In einem ersten halten (93 Prozent) eine nahezu vollständige HDTV-
Schritt werden die genutzten Fernsehgeräte Geräte Ausstattung auf. In Kabelhaushalten ver-
erhoben. Anhand der einzelnen Geräte wird fügen gut 84 Prozent über HDTV-Empfänger, in
dann (gestützt) erfragt, über welchen Über- Satellitenhaushalten 81 Prozent.
tragungsweg das Fernsehprogramm genutzt
wird. Nur wenn explizit keiner der 4 genann- Die Ausstattung mit HDTV-Geräten ist somit mitt-
ten Übertragungswege Satellit, Kabel, DVB-T lerweile für die meisten Haushalte der Standard.
oder IPTV bestätigt wird, erfolgt die Nachfra- Zunehmend werden auch Zweit- und Drittgerä-
ge nach der Art des TV-Empfangs am Gerät. te durch HDTV-Geräte ersetzt Mehr als ein Vier-
Sofern dann angegeben wird, der Fernseher tel (27  Prozent) der Fernsehhaushalte verfügt
sei ausschließlich mit dem Internet verbun- über 2 (20 Prozent) oder 3 (7 Prozent) HDTV fähige
den, wird der Haushalt als OTT-Only-Haushalt ­Geräte im Haushalt. Erwartungsgemäß steigt da-
gezählt. mit auch die Zahl der Haushalte, die ausschließlich

27
Aktuelle Befunde zur digitalen Bewegtbildübertragung und -nutzung in Deutschland

In sieben von zehn


TV-Haushalten stehen
ausschließlich
Abb. 3 HDTV-Geräte

Haushaltsausstattung mit HDTV-Geräten im Trend

83,9
2020
24,3

80,0
2018
14,1

78,1
2016
3,2

74,8
2014
0

0 % 25 % 50 % 75 % 100 %

  Mind. ein HDTV-Gerät im Haushalt    davon UHD-TV

Basis: 38,557 / 38,076 / 38,697 / 38,520 Mio. TV-Haushalte in Deutschland (n = 7.786)

über moderne Geräte mit hochaufgelöster Bild­ ­ HD-Gerät entscheiden.1 Knapp ein Viertel (24 Pro-
U
qualität verfügen. In gut sieben von zehn (71 Pro- zent) der TV-Haushalte in Deutschland verfügt
zent) TV-Haushalte stehen ausschließlich HDTV mittlerweile über mindestens ein UHD-TV Gerät.
fähige Empfangsgeräte – das sind 3 Prozentpunkte Die Zahl der UHD-Haushalte hat damit gegenüber
mehr als im Vorjahr. dem Vorjahr um weitere 5 Prozentpunkte zugelegt
und liegt aktuell bei 9,3 Millionen. Das Wachstum
der letzten Jahre ist dabei beachtlich – allein in den
In vier von zehn TV-Haushalten steht letzten 3 Jahren ist die UHD-Haushaltsausstattung
ein UHD-TV Gerät um 10 Prozentpunkte gestiegen und dass obwohl
Die Entwicklung der Haushaltsausstattung spie- das Programmangebot in UHD bisher noch stark
gelt auch die Situation im Handel wider. Ältere Ge- ­begrenzt ist. Das zeigt, dass hinter der Anschaffung
räte die ausschließlich über SD-Empfang verfügen, eines UHD-Geräts vermutlich häufig auch die Ab-
sind so gut wie nicht mehr erhältlich – d. h. wenn sicht steht, den eigenen TV-Haushalt zukunftsfä-
heute ein Fernsehempfangsgerät ersetzt oder neu hig zu machen.
angeschafft wird, handelt es sich fast immer um
ein mindestens HDTV-fähiges Gerät. Insbesonde-
re Geräten mit großer Bildschirmdiagonale von
mehr als 45 Zoll sind sehr beliebt, so dass viele
Verbraucher sich bei einer Neuanschaffung für ein
1 Vgl. https://gfu.de/markt-zahlen/hemix/; https://www.gfk.com/
de/presse/4k-wird-zum-standard-bei-modernen-tv-geraeten.

28
Aktuelle Befunde zur digitalen Bewegtbildübertragung und -nutzung in Deutschland

HD-Empfang macht deutlichen Sprung auf 12,7 Millionen bzw. 33 Prozent der TV-Haushalte
Mehr als drei Viertel (78 Prozent) der Fernsehhaus- gestiegen. Mehr als vier von zehn Kabelhaushalten
halte empfangen TV-Programme auch in hochauf- (43 Prozent) empfangen auch private Programme
lösender Qualität. Das sind knapp 6 Prozentpunkte in HD, das sind fünf Prozentpunkte mehr als im
mehr als im Vorjahr und entspricht knapp 30 Milli- Vorjahr – womit das Kabel der Wachstumstreiber
onen Haushalten in Deutschland. Im Vergleich der beim Empfang von HDTV-Programmen im letzten
Übertragungswege legt die Kabelübertragung da- Jahr war. Leicht zugelegt haben auch die Satelliten-
mit das zweite Jahr in Folge das stärkste Wachstum und IPTV-Haushalte. Etwas mehr als jeder sechste
beim HD-Empfang vor. Die Zahl der Kabelhaushalte (17 Prozent) Sat-Haushalt empfängt private auch in
mit HD-Empfang liegt gut 10 Prozentpunkte höher HD. Bei IPTV ist es mehr als jeder zweite Haushalt
als im Vorjahr und knackt die Marke von 13 Milli- (53 Prozent). Rückläufig ist der Empfang privater
onen. Der HD-Empfang über Satellit liegt mit 12,9 Sender in HD beim terrestrischen Empfang – etwa
Millionen nur knapp dahinter, gefolgt von IPTV mit vier von zehn terrestrische Haushalte empfangen
3,7 Millionen Haushalten. Die Terrestrik konnte um nach eigener Auskunft private Programme in hoch
8 Prozentpunkte zulegen und liegt bei 2,4 Millio- aufgelöster Bildqualität, das entspricht 9 Prozent-
nen Haushalten mit HDTV Empfang. Hintergrund punkten weniger als im Vorjahr.
ist hier, dass mit dem Abschluss des Umstellungs-
prozesses auf DVB-T2 HD mittlerweile alle terres-
trischen Haushalte HD-Programme empfangen. Fokus SD-Haushalte
Die meisten Fernsehprogramme werden in
Der Großteil der privaten Fernsehprogramme ist Deutschland über alle Empfangswege sowohl in
nur in HD-Qualität zu empfangen, wenn ein HD- SD- als auch in HD-Qualität übertragen. Nur DVB-
Paket eines TV-Plattformanbieters erworben wird. T2 HD bildet hier eine Ausnahme, da die terres-
Solche Pakete stehen auf allen Übertragungs­wegen trische Übertragung – wie das „HD“ im Namen
zur Verfügung. Die Gesamtzahl der Haushalte mit bereits verrät – im letzten Jahr vollständig auf HD-
Empfang privater Programme in HD ist im letzten Qualität umgestellt wurde. Mit steigender HDTV-
Jahr um 2 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr Haushaltspenetration kam, insbesondere auch

HDTV-Geräteausstattung und HDTV-Empfang

Der Digitalisierungsbericht unterscheidet zwi- weise sein, dass einzelne Hardwarekomponenten


schen der Haushaltsausstattung mit HDTV-­ innerhalb des heimischen Videosystems nicht
Geräten und dem Empfang von HDTV. Da die HD-fähig sind oder die Signalstärke / Bandbrei-
öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme über te bei der Zuführung oder innerhalb des Haus-
alle Verbreitungswege als unverschlüsselt in HD- verteilers nicht ausreichen. Auch eine fehlende
Qualität verbreitet werden, kann jeder Haushalt Aktualisierung der Sender- oder Favoritenlisten
mit HDTV-Empfangsgerät zumindest in der The- kann ein Grund für eine fehlende oder schwierige
orie auch HDTV empfangen. Dies ist jedoch nicht Auffindbarkeit von HD-Programmen sein.
immer der Fall. Gründe hierfür können beispiels-

29
Aktuelle Befunde zur digitalen Bewegtbildübertragung und -nutzung in Deutschland

durch die KEF getrieben, die Frage auf, wie lang Knapp 7,6 Millionen TV-Haushalte empfangen
ein kostenintensiver Multicast in verschiedenen ihr TV-Programm nur in SD
Qualitätsstufen fortgeführt werden solle. Daher Über alle Übertragungswege hinweg empfangen
beschloss die ARD, ab Januar 2021 die Übertragung knapp 20 Prozent der 38,5 Millionen TV-Haushalte
in SD über Satellit einzustellen. Anlässlich der aktu- in Deutschland ihr Fernsehprogramm nur in SD-
ellen Corona-Krise wurde der Beschluss inzwischen Qualität. Die Zahl der SD-­only-Haushalte liegt da-
jedoch revidiert (vgl. auch den Beitrag von Mark mit insgesamt bei etwa 7,6 Millionen. Im Vergleich
Hankmann in diesem Band). Dennoch lohnt sich zum Bevölkerungsdurchschnitt sind Personen die
ein detaillierter Blick auf die Haushalte, die von ei- in SD-only-Haushalten leben öfters weiblich, ha-
ner SD-Abschaltung unmittelbar betroffen wären. ben ein höheres Alter und leben mehrheitlich al-
leine. Zudem sind sie auch seltener erwerbstätig
als der Durchschnitt und verfügen über ein gerin-
geres Haushaltsnettoeinkommen – was aber auch
mit dem vergleichsweise hohen Anteil an Einper-
sonenhaushalten zusammenhängt. D ­ ifferenziert

Abb. 4

HD-Empfang und Private in HD

78,2
Kabel
43,0

75,9
Satellit
17,0

89,3
IPTV
53,0

100,0
Terrestrik
44,0

77,5
Alle TV-HH
33,0

0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 %

 HD-Empfang    davon Private in HD

Basis: 38,520 Mio. TV-HH (n = 7.786); 16,802 Mio. Kabel-HH (n = 3.345); 16,983 Mio. SAT-HH (n = 3.500); 2,410 Mio. Terrestrik-HH (n = 535); 4,093
Mio. IPTV-HH (n = 941)

30
Aktuelle Befunde zur digitalen Bewegtbildübertragung und -nutzung in Deutschland

Abb. 5

SD-only-Haushalte nach Empfangsweg (in Prozent / Mio.)

Alle TV-HH 19,7 % 7,582 Mio.

Kabel 20,5 % 3,449 Mio.


Satellit 22,8 % 3,871 Mio.
IPTV 9,1 % 0,372 Mio.
Terrestrik 100 % HDTV

0 10 2030

Basis: 38,520 Mio. TV-HH in Deutschland (n = 7.786); 16,802 Mio. Kabel-HH (n = 3.345); 16,983 Mio. SAT-HH (n = 3.500); 4,093 Mio. IPTV-HH
(n = 941); 2,410 Mio. Terrestrik-HH (n = 535)

man die SD-only-Haushalte weiter nach Über- 4,6 Mio. SD-Geräten nicht um das meistgenutzte
tragungsweg, findet sich der größte Anteil an TV-Gerät, sondern das Zweit- oder Drittgerät im
SD-­Haushalten in Satelliten- (23 Prozent) oder Haushalt handelt.
Kabelhaushalten (21 Prozent). Vergleichsweise
wenig SD-only-­Haushalte empfangen ihr Fernseh­
programm über IPTV (9 Prozent). Mindestens ein Smart-TV in mehr als der
Hälfte aller TV-Haushalte
Bei den meisten heute im Handel verfügbaren Ge-
Knapp 3,9 Mio. Haushalte bei einer räten handelt es sich nicht nur um HDTV-Geräte,
­Abschaltung der SD-Übertragung über sondern auch um sogenannte Smart-TVs. Smart-
Satellit betroffen TVs verfügen über den Vorteil, dass sie – sofern sie
Eine Abschaltung der SD-Programmübertragung mit dem Internet oder dem heimischen Netzwerk
über Satellit würde knapp 3,9 Millionen Haushalte verbunden sind – den Nutzenden eine Vielzahl an
mit Satellitenempfang betreffen, die entsprechend netzwerkbasierten Zusatzfunktionen bieten.
reagieren müssten, um das Programmangebot ei-
nes ausschließlich in HD übertragenen Senders In gut 23 Millionen Haushalten in Deutschland
weiter empfangen zu können. Die Palette mögli- steht bereits mindestens ein Smart-TV Gerät, das
cher Anpassung reicht dabei von einer Neusortie- entspricht 60 Prozent der deutschen Fernsehhaus-
rung der Programmliste bis zur Umkonfiguration halte. Die Haushaltsausstattung mit Smart-TVs hat
oder ggf. auch den Austausch der Empfangsgerä- somit gegenüber dem Vorjahr um knapp 4 Pro-
te. Ein Geräteaustausch würde insgesamt etwa zentpunkte zugelegt und setzt damit den Wachs-
8,2 Millionen HDTV-Geräte in Haushalten mit Sa- tumstrend der letzten Jahre fort. Insbesondere die
tellitenempfang betreffen, wobei es sich bei etwa Mehrfachausstattung hat weiter zugenommen.
In gut 15 Prozent der Haushalte stehen bereits 2
oder mehr smarte Fernseher. Die Smart-TV Durch-

31
Aktuelle Befunde zur digitalen Bewegtbildübertragung und -nutzung in Deutschland

Gesamtzahl der
Smart-TV-Geräte
Abb. 6 31,3 Mio.

Haushaltsausstattung Smart-TV (in Prozent)

2018

42,5 9,1 51,6

2019

45,0 11,5 56,5

2020

44,8 15,4 60,4

  1 Smart-TV-Gerät    2 + Smart-TV-Geräte    Mind. 1 Smart-TV-Gerät

Basis: 38,076 / 38,306 / 38,697 / 38,491 / 38,520 Mio. TV-Haushalte in Deutschland (n = 7.786)

dringungsquote liegt bei 43 Prozent, d. h. in vier Drei Viertel aller Smart-TVs sind ans Internet
von zehn TV-Haushalten sind alle vorhandenen angebunden
­TV-­Geräte „smart“. Auch wenn der Smart-TV immer mehr zur Stan-
dardausstattung deutscher TV-Haushalte gehört,
Nach Übertragungsweg differenziert zeigt sich, nutzt nicht jeder ihn in seinem vollen Funktions-
dass mehr als drei Viertel (76 Prozent) der IPTV- und umfang. Grundvoraussetzung für die meisten
OTT-Haushalte über internetfähige Smart-TVs ver- „smarten“ Zusatzfunktionen ist, dass das Gerät
fügen – das überrascht nicht, da Personen in diesen mit dem Internet verbunden wird. Das ist nicht in
IP-Haushalten häufig etwas technikaffiner und jün- jedem Haushalt der Fall. Die Internet-Anschluss-
ger sind. Überdurchschnittlich ist auch die Smart- quote ist in den letzten Jahren kontinuierlich ge-
TV Haushaltsausstattung der DVB-T2 HD Haus­ stiegen und liegt mittlerweile bei 74 Prozent der
halte (69 Prozent) – gefolgt von Kabel und Satellit Smart-TV-Haushalte. Das heißt gut 17 Millionen
die mit jeweils etwa 59 Prozent nur knapp unter Fernsehhaushalte können zusätzliche Angebo-
dem Durchschnitt liegen. In vier von zehn (41 Pro- te wie Hbb-TV, Mediatheken und Apps auf ihrem
zent) der Smart-TV-Haushalte steht ein Gerät des Smart-TV nutzen. Bezogen auf alle Fernsehhaus-
koreanischen Herstellers Samsung – mit Abstand halte in Deutschland entspricht das etwas weniger
gefolgt von Sony und Philips (jeweils 12 Prozent der als der Hälfte (45 Prozent).
Haushalte) sowie LG und Panasonic (11 Prozent).
Andere Hersteller finden sich in weniger als 5 Pro-
zent der Smart-TV Haushalte in Deutschland.

32
Aktuelle Befunde zur digitalen Bewegtbildübertragung und -nutzung in Deutschland

In 44 % der
­TV-Haushalte sind
alle vorhandenen
TV-Geräte mit dem
Abb. 7 Internet
verbunden
Connected-TV

Connectable-TV (inkl. PC/Laptop, Tablet & Smartphone)


49,4
55,1
62,0

Connected-TV
45,1
51,3
58,3

Smart-TV-Gerät
31,3
39,3
44,7

0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 %

 2018   2019   2020

Basis: 38,697 / 38,491 / 38,520 Mio. TV-Haushalte in Deutschland (n = 7.786)

Neben der Anbindung des Smart-TVs an das In- angebunden. (Connectable TV). Zieht man alle
ternet gibt es jedoch auch verschiedene andere Möglichkeiten, den Fernseher mit dem Internet
Möglichkeiten, einen Fernseher mit dem Internet zu verbinden, in Betracht, steigt die Internetan-
zu verbinden – sozusagen „smart“ zu machen. Da- schlussquote der TVs auf fast zwei Drittel (62 Pro-
bei kommen Peripheriegeräte wie Streamingsticks zent) der TV-Haushalte in Deutschland. In vier von
oder Set-Top-Boxen zum Einsatz (Connected TV). zehn Haushalten (44 Prozent) sind alle TV-Geräte
Alternativ werden die Fernseher mit Hilfe z. B. ­eines im Haushalt mit dem Internet verbunden.
Computers oder Smartphones an das ­Internet

Teil II: Digitale Bewegtbildnutzung


Die Covid-19-Pandemie hat unser aller Leben in die- Digitalisierungsberichts zur Bewegtbildnutzung
sem Jahr stark verändert – der Lockdown und die müssen daher durch die „Corona-­Brille“ betrachtet
Kontaktbeschränkungen wirken sich auf den Alltag werden, d. h. die besonderen Umstände vor und im
und die Routinen der Menschen in Deutschland Erhebungszeitraum sollten bei der Interpretation
aus. Das beeinflusst selbstverständlich auch die der Daten und Trends mitbedacht werden. Welche
Mediennutzung. Die diesjährigen ­Ergebnisse des ­Entwicklungen im Mediennutzungsverhalten der

33
Aktuelle Befunde zur digitalen Bewegtbildübertragung und -nutzung in Deutschland

Menschen der besonderen Situation geschuldet mit internetfähigen Bildschirmgeräten bei knapp
sind und welche Veränderungen sich mit und nach 91 Prozent und liegt damit drei Prozentpunkt höher
der Krise vielleicht auch dauerhaft etablieren, wird als im Vorjahr. Bei den unter 50-Jährigen verfügt so
sich erst im Nachgang zeigen. gut wie jeder über mindestens ein entsprechendes
Gerät. Insbesondere die Älteren holen überdurch-
schnittlich stark auf, so legt der Anteil der über
Mehr als neun von zehn Personen 70-Jährigen mit entsprechender Ausstattung um
in ­Deutschland haben Zugang zu „klassi- knapp 14 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr
schem“ Fernsehen auf knapp 69 Prozent zu.
Die Nutzungsszenarien für digitalen Videokon-
sum haben sich in den letzten Jahren immer wei-
ter ausdifferenziert. Während vor 10 Jahren Videos Der Fernseher gewinnt in der Krise wieder
zuhause vor allem am Fernseher, PC und Laptop an Bedeutung
oder außerhaus im Kino geschaut wurden, findet Auch wenn den meisten Menschen eine Vielzahl an
Videokonsum heute jederzeit und überall statt. Bildschirmgeräten für den Videokonsum zur Ver-
Dennoch bleibt das TV-Gerät weiterhin das Zent- fügung steht, nimmt der Fernseher für die meis-
rum der Videonutzung. Nach wie vor haben knapp ten nach wie vor die zentrale Rolle ein. 58 Prozent
94 Prozent der Bevölkerung Zugang zu einem TV- der Personen ab 14 Jahren in Deutschland nennen
Gerät mit klassischem Empfang, also über Kabel, den TV-Bildschirm als wichtigstes Gerät zur Video-
Satellit, IPTV oder DVB-T2 HD. Allerdings ist unter nutzung. Das entspricht über einen Prozentpunkt
den Jüngeren der Zugang zum „klassischen“ TV mehr als im Vorjahr, womit der rückläufige Trend
rückläufig. Etwa jeder sechste (16 Prozent) der 20 der letzten Jahre gestoppt wurde. Die Rückkehr an
bis 29-Jährigen hat keinen Zugang mehr zu einem den Big-Screen muss aber vor dem Hintergrund der
TV-Gerät mit klassischem Empfang und auch bei speziellen Situation in diesem Jahr betrachtet wer-
den 30 bis 39-Jährigen ist es bereits jeder achte den. Die coronabedingte Kontaktsperre und die Kri-
(12 Prozent) – die Zahl der unter 30-Jährigen ohne sensituation insgesamt haben dazu geführt, dass
Zugang zu einem Fernsehgerät mit klassischem viele Menschen mehr Zeit zuhause und auch mehr
Empfang hat sich damit in den letzten 3 Jahren Zeit mit Fernsehen und VOD-Nutzung verbracht
fast verdoppelt. Das bedeutet allerdings nicht, dass haben. Dieser Umstand kann die Bedeutung, die
diese Personen sich vom Fernsehprogramm ver- den unterschiedlichen Bildschirmgeräten zuge-
abschiedet haben, sondern nur, dass sie andere schrieben wird beeinflussen. Ob der Trend zurück
Bildschirmgeräte bevorzugen und das Internet als zum Fernsehgerät auch in Zukunft anhält, bleibt
Übertragungsweg nutzen. daher abzuwarten.

Beliebt für den Videokonsum sind zudem – wenn


Neun von zehn Personen können Videoinhalte auch mit deutlichem Abstand zum TV-Gerät –
über das Internet nutzen auch Laptops oder PCs. Sie werden zusammenge-
Diese Entwicklung ist auch mit der Omnipräsenz nommen von etwa einem Fünftel der Bevölkerung
videotauglicher Bildschirmgeräte zu erklären. Im ­( jeweils 9 Prozent) als wichtigstes Gerät zur Video-
Bevölkerungsschnitt liegt die Gerätepenetration nutzung genannt. Etwa jeder Neunte ­­(11 ­Prozent)

34
Aktuelle Befunde zur digitalen Bewegtbildübertragung und -nutzung in Deutschland

Zugang zu ­Zugang zu
TV-Gerät mit internetfähigem
klassischem Bildschirmgerät
Abb. 8 Empfang: und Internet:
94 % 91 %
Nutzungsmöglichkeiten Fernsehen vs. OTT (alle Geräte, in Prozent)

Nur klassisches Fernsehen Klassisches Fernsehen und OTT Nur OTT

Alle 2018
14,3 82,0 3,4

Alle 2019
12,0 83,1 4,4

Alle 2020
8,9 84,8 5,9

14 – 19 Jahre
1,0 93,1 5,9

20 – 29 Jahre
0 83,6 15,4

30 – 39 Jahre
2,3 85,6 11,9

40 – 49 Jahre
1,4 94,2 4,0

50 – 59 Jahre
5,1 91,8 2,8

60 – 69 Jahre
15,2 82,3 2,1

70 + Jahre
30,4 67,9 1,0

Fehlende Werte zu 100 % = nichts davon; Basis: 70,598 Mio. Personen ab 14 Jahren in Deutschland (n = 8.281)

nennt das Smartphone, das Tablet nimmt hingegen auch der rückläufige Zugang zu klassischen Fern-
für nur etwa 5 Prozent der Personen in Deutschland sehgeräten unter jüngeren Personen, wie er oben
die zentrale Rolle bei der Videonutzung ein. Bei der beschrieben wurde.
Gerätepräferenz lässt sich ein deutlicher Genera-
tionenunterschied feststellen: bei deutlich mehr
als der Hälfte der über 40-Jährigen spielt das Fern- Mehr Menschen schauen „klassisch“
sehgerät eine zentrale Rolle für die Videonutzung, ­Fernsehen am TV-Gerät
während über die Hälfte der unter 40-Jährigen Auch wenn viele Fernsehgeräte mittlerweile ans In-
andere Geräte wie Laptops und PCs oder Smart- ternet angeschlossen sind, dominiert am TV-­Gerät
phones bevorzugt. In diesem Befund spiegelt sich nach wie vor das „klassische“ lineare Fernseh-

35
Aktuelle Befunde zur digitalen Bewegtbildübertragung und -nutzung in Deutschland

Abb. 9

Nutzungsfrequenz klassisches TV am TV-Gerät

Gesamt + 4,8 − 5,7 + 0,5 − 0,2 + 0,6


68,8 14,3 3,5 3,8 9,6

14 – 29 Jahre
37,2 24,8 9,7 8,0 20,3

30 – 49 Jahre
62,3 16,6 3,4 4,8 12,9

50+ Jahre 1,0 1,4

85,6 8,7 3,3

0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 %

  Täglich / fast täglich    Ein- bis mehrmals pro Woche    Ein- bis mehrmals pro Monat   Seltener   Nie
  Veränderung im Vergleich zum Vorjahr (in Prozentpunkten)

Fehlende Werte zu 100 % = nichts davon; Basis: 70,598 Mio. Personen ab 14 Jahren in Deutschland (n = 8.281)

schauen. Fast neun von zehn Personen (87 Prozent) len S


­ ituation im Lockdown. Deutlich Unterschiede
ab 14 Jahren in Deutschland schauen regelmäßig, bei der Fernsehnutzung zeigen sich zwischen den
also mind. Einmal pro Monat, Fernsehen. Mehr Generationen. Jeder Fünfte (20 Prozent) der unter
als zwei Drittel (69 Prozent) schalten täglich ein. 30-Jährigen in Deutschland schaut kein Fernsehen
Im Vergleich zum Vorjahr hat die tägliche TV-Nut- am TV-Gerät. Bei Personen über 50 sind es mindes-
zung um 5 Prozentpunkte zugelegt. Ein Grund tens drei Viertel, die (fast) täglich den Fernseher
hierfür liegt vermutlich auch in der tagesaktuellen einschalten. Tatsächlich fehlt es bei den Jüngeren
­Berichterstattung zur Corona-Krise und der speziel-

Abb. 10

Erster Bildschirm nach Einschalten des TV-Gerätes (OTT-Nutzer am TV)

Das laufende Fernsehprogramm 58,9


Benutzeroberfläche des Smart-TVs / Startbildschirm eines anderen Geräts 34,5
Sonstiges 2,3
Weiß nicht / Keine Angabe 4,3

0 % 20 % 40 % 60 %

Basis: 27,741 Mio. Personen ab 14 Jahren, die OTT mind. einmal im Monat am TV-Gerät nutzen (n = 3.169)

36
Aktuelle Befunde zur digitalen Bewegtbildübertragung und -nutzung in Deutschland

nicht selten an der technischen Ausstattung fürs Mehr als ein Drittel der OTT-Nutzer am TV
klassische Fernsehschauen – sie „fernsehen“ eher muss ins Fernsehprogramm navigieren
an anderen Geräten und/oder über das Internet. Wie die Nutzung am TV-Gerät aussieht, also ob sich
ein Zuschauer für das lineare Programmangebot
oder ein anderes, häufig internetbasiertes Ange-
Auch mehr klassische Fernsehnutzung am bot entscheidet, hängt nicht zuletzt auch davon
Connected-TV ab, wie gut das lineare Programmangebot für ihn
Auch unter denjenigen, die ihren Fernseher ans In- auffindbar ist. Gerade moderne Smart-TV-Geräte,
ternet angeschlossen haben, steigt die klassische Set-Top-Boxen oder Streaming-Sticks bieten den
Fernsehnutzung gegenüber dem Vorjahr. Knapp Nutzern auf ihren Benutzeroberflächen eine Viel-
44 Millionen Personen bzw. 62 Prozent der Bevöl- zahl unterschiedlicher Optionen. Tatsächlich ist
kerung ab 14 Jahren haben Zugang zu mind. einem der direkte Weg ins lineare Programm an vielen
Connected-TV. Fast zwei Drittel von ihnen nutzen TV-Geräten nicht mehr der Standard. Mehr als ein
mindestens einmal im Monat OTT-Angebote, also Drittel (35 Prozent) der rund 28 Millionen regelmä-
On Demand oder Livestreams über das Internet, ßigen OTT-Nutzer am TV ist nach dem Einschalten
an ihrem TV-Gerät2, das sind insgesamt knapp 27,5 zunächst mit einer Benutzeroberfläche konfron-
Millionen Personen. tiert, so dass diese Nutzer i.d.R. zunächst mit dem
Gerät interagieren müssen, um ins klassische TV-
Setzt man die OTT- und Fernsehnutzung dieser Per- Programm zu gelangen.
sonen zueinander ins Verhältnis, ist die Zahl der-
jenigen, die überwiegend klassisches TV nutzen,
gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozentpunkte auf 55 Vorkonfiguration der Benutzeroberfläche am
Prozent angestiegen – bei gleichzeitigem Rückgang Smart-TV entscheidet über Auffindbarkeit
der überwiegenden OTT-Nutzung am Fernsehge- Die Vorkonfiguration der Geräte und die Gestal­
rät. Diese Entwicklung steht dem Trend der letzten tung der Benutzeroberflächen sind auch für
Jahre entgegen. Denn in den vergangenen 5 Jahren OTT-Videoinhalte ein wichtiges Nadelöhr. Etwa
zeigt sich bisher ein langsamer aber stetiger Rück- 19,7 Millionen Menschen in Deutschland nutzen
gang der klassischen TV-Nutzung zugunsten der OTT-Angebote mind. einmal im Monat an ihrem
OTT-Nutzung am Connected-TV. Die Trendwende Smart-TV. Zwei Drittel (64 Prozent) von ihnen ver-
verdeutlicht, dass die Zuschauer während der Krise wenden dafür Apps über die Benutzeroberfläche
nicht nur „genetflixt“ und gestreamt haben, son- des TV-Gerätes.
dern an ihrem Fernseher vermehrt ins klassische
lineare Programm zurückgekehrt sind. Hier wird Entscheidend für den Erfolg einer App ist, dass
die große Bedeutung des Fernsehprogramms als sie bereits auf der Oberfläche des Smart-TVs vor-
Informationsressource in Krisenzeiten deutlich, wie installiert und gut sichtbar ist. Anders würde sie
sie auch andere Studien bestätigen.3 erheblich an (potentieller) Reichweite einbüßen,
denn mehr als die Hälfte (56 Prozent) der regel-
mäßigen OTT-Nutzer am Smart-TV macht sich
2 Hier bezogen auf das einzige TV-Gerät im Haushalt oder das
TV-Gerät mit der häufigsten Nutzung. nicht die Mühe, die Oberfläche bzw. die Apps ih-
3 Vgl. z. B. die Schwerpunktstudie der Medienanstalten zum res Fernsehgerätes anzupassen. Umso wichtiger
Informationsverhalten während der Corona Pandemie (https://
www.die-medienanstalten.de/corona-studie).

37
Aktuelle Befunde zur digitalen Bewegtbildübertragung und -nutzung in Deutschland

Abb. 11

Genutzte Video-Apps auf dem Smart-TV

Video-Streaming-Dienste 75,7
Videoportale 65,6
Mediatheken der TV-Sender gesamt 60,7
Mediatheken der öffentlich-rechtlichen TV-Sender 50,5
Mediatheken der privaten TV-Sender 20,6
Soziale Netzwerke 14,5
TV- und Telekommunikationsanbieter 5,5
Internet-Plattformen, die Fernsehsender bündeln 4,5

0 % 20 % 40 % 60 % 80 %

Basis: 19,651 Mio. Personen ab 14 Jahren, die OTT mind. einmal im Monat am Smart TV-Gerät nutzen (n = 2.314)

ist es, dass der Zugang zu und die Auffindbarkeit sechs von zehn Personen (61 Prozent) regelmäßig
auf den Benutzeroberflächen diskriminierungsfrei am Smart-TV genutzt. Neben den etablierten In-
ausgestaltet sind. Alle Angebote sollten die glei- ternet-Videoanbietern bieten auch einige soziale
che Chance haben aufgefunden zu werden, unab- Netzwerke die Möglichkeit, Videos direkt auf dem
hängig davon, ob es sich um die App eines großen Smart-TV anzuschauen. Dafür wird das Video ent-
VOD-Streaming­anbieters oder eines kleinen TV- weder über die App auf dem Smartphone ange-
Senders handelt. steuert und dann mithilfe einer speziellen Funk-
tion auf dem Fernseher wiedergegeben oder es
wird eine angepasste App direkt auf dem Smart-
Streamingdienste, Videoportale und Media- TV installiert. Etwas mehr als jeder siebte regel-
theken dominieren OTT-Nutzung am Smart TV mäßige Smart-TV-OTT Nutzer (15 Prozent) gibt an,
Knapp 13 Millionen Personen rufen mindestens Videos aus sozialen Netzwerken so auch auf dem
einmal im Monat OTT-Inhalte auf der Benut- Big Screen am Smart-TV zu nutzen.
zeroberfläche ihres Smart-TVs auf. Drei von vier
(76 Prozent) von ihnen greifen auf die Apps von
Streamingdiensten wie Netflix oder Amazon Pri- Videonutzung über das Internet knackt
me zurück. Etwas mehr als Zwei Drittel (66 Pro- die 50  Millionen Grenze
zent) nutzen Videoportal-Apps wie YouTube. Die Wie oben erwähnt, hat die spezielle Situation in
App-Angebote der Fernsehprogrammveranstalter, diesem Jahr die gesamte Medien- und Videonut-
wie sie von den öffentlich-rechtlichen mit den Me- zung nach oben getrieben, d. h. die Menschen ha-
diatheken und von den privaten mit z. B. Joyn und ben über alle Mediengattungen und Verbreitungs-
RTL Now angeboten werden, werden von mehr als wege hinweg häufiger Medienangebote genutzt.

38
Aktuelle Befunde zur digitalen Bewegtbildübertragung und -nutzung in Deutschland

Entsprechend hat nicht nur die Fernsehnutzung Abb. 12


zugenommen, sondern auch die Zahl derjenigen,
Nutzungsfrequenz von Internetvideos nach Alter
die Videos über das Internet nutzen ist im Vergleich
zum Vorjahr um 11 Prozent angestiegen. Gut 51,5
1,1% 4,3 %
Millionen Personen in Deutschland nutzten zumin-
dest selten Videos über das Internet, das entspricht 1,6%

knapp drei Viertel (73 Prozent) der Bevölkerung ab


14 Jahren. Bei den allermeisten handelt es sich um 84,1 %
8,8 % 14 – 29
regelmäßige Nutzer. Knapp 43,7 Millionen Perso- Jahre
nen (69 Prozent) der ab 14-Jährigen nutzen min-
destens einmal im Monat Internetvideos, vier von 94.6 %

zehn (42 Prozent) sogar täglich.


12,6%
Dass die internetbasierte Videonutzung mittler-
2,2%
weile omnipräsent ist, zeigt sich auch im Alters- 52,1 %
vergleich. Über fast alle Alterskohorten hinweg 6,0 %
30 – 49
nutzt mehr als die Hälfte der Personen einer Al- 27,1
Jahre
85,2 %
terskohorte regelmäßig Videos aus dem Internet.
Erst die über 70-Jährigen liegen deutlich unter der
50-Prozent-Marke und unter dem Bevölkerungs-
durchschnitt. Wenig überraschend ist, dass die In- 17,8%
ternet-Videonutzung bei den Jüngeren am stärks-
49,5%
ten ausgeprägt ist. Bei den unter 30-Jährigen findet
sich so gut wie kaum jemand, der nicht mindestens 44,9% 50+ 22,3%
Jahre
einmal im Monat Videos über das Internet nutzt –
die regelmäßige Nutzungsrate liegt hier bei knapp
5,6% 9,5%
95 Prozent.

27,0% 41,5%
Internetvideos werden zumeist am TV-Gerät
oder Smartphone geschaut
Das mit dem Internet verbundene Fernsehgerät ist 3,7% Gesamt 69,3%

nach wie vor das meistgenutzte Bildschirmgerät,


auch für Internetvideos. Knapp zwei Drittel (64 Pro- 6,9% 20,9%
zent) der 43,7 Millionen regelmäßigen Nutzern
schauen Internetvideos auf dem Big Screen. Aber
  Täglich / fast täglich    Ein- bis mehrmals pro Woche 
auch der kleine Smartphone Bildschirm wird im-   Ein- bis mehrmals pro Monat   Seltener 
mer beliebter. Deutlich mehr als die Hälfte (56 Pro-  Nie    Regelmäßige Nutzung (mind. monatlich)
zent) der regelmäßigen Onlinevideonutzer greift
Basis: 70,598 Mio. Personen ab 14 Jahren in Deutschland (n = 8.281);
auf das Mobiltelefon zurück, um Videos zu schau- 14,467 Mio. Personen 14 – 29 Jahre (n = 1.336); 20,818 Mio. Personen
30 – 49 Jahre (n = 1.937); 35,313 Mio. Personen 50+ Jahre (n = 5.008)

39
Aktuelle Befunde zur digitalen Bewegtbildübertragung und -nutzung in Deutschland

en. Damit überholt das Smartphone im Geräte- dabei auch auf seinen mobilen Internetzugang
vergleich erstmals PC und Laptop (53 Prozent). Die zurück, womit beide Werte etwa 6 Prozentpunk-
Nutzung am Tablet folgt mit 28 Prozent der regel- te über dem Vorjahresniveau liegen. Die Zahl der
mäßigen OTT-Nutzer auf Rang vier. Personen, die unterwegs Videos aus dem Internet
nutzen steigt über die letzten Jahre kontinuierlich
an. Das liegt vermutlich an der wachsenden Breit-
Fast ein Viertel der Bevölkerung nutzt bandabdeckung für mobile Geräte (Mobilfunknetz-
I­nternetvideos unterwegs ausbau, mehr öffentliche WLAN Zugänge etc.), aber
Knapp 16,3 Millionen Personen nutzen Internet- auch an dem erweiterten Angebot für mobile In-
videos auch auf mobilen Geräten von unterwegs. halte. Immer mehr Anbieter bauen die Entwicklung
Das entspricht fast einem Viertel der Bevölkerung von Videoapps für die mobile Nutzung am Smart-
(23 Prozent). Etwa jeder Sechste (16 Prozent) greift phone aus. Zu nennen ist hier z. B. das Videopor-

Anbieter von Internetvideos

Videoplattformen wie z. B. YouTube oder Twitch, ter kombinieren auch beide Modelle und bieten
ermöglichen es, sowohl professionellen Anbie- Inhalte sowohl abonnement- als auch transak-
tern als auch den Nutzern Videos auf ihren Platt- tionsbasiert an.
formen zu verbreiten. Teile des Angebots unter-
liegen damit nicht der Auswahl oder Gestaltung Zahlreiche Angebote von Fernsehprogramman-
der Plattformen. Ähnlich werden auch Videos in bietern können ebenfalls, über das Internet emp-
sozialen Netzwerken wie z. B. Facebook oder Ins- fangen werden (OTT-Fernsehangebote). Zu ihnen
tagram von privaten und professionellen Anbie- zählen sowohl die Mediatheken der öffentlich-
tern bereitgestellt. Soziale Netzwerke sind dabei rechtlichen Programme, die Plattformen der
aber i.d.R. weniger auf Videoinhalte spezialisiert Privatfernsehanbieter wie Joyn und TVNOW als
als Videoplattformen. auch internetbasierte Rundfunkplattformen wie
Zattoo oder waipu.tv sowie andere webbasierte
Die Angebote von Videostreaming-Diensten wie Videoangebote von TV-Sendern. Den OTT-Fern-
Netflix, Amazon Prime oder auch DAZN wer- sehangeboten ist gemein, dass sie einen engen
den hingegen i.d.R. von den Streaming-Dienst-­ Bezug zum „klassischen“ Fernsehen haben und
Betreibern vorselektiert und kuratiert. Die An- überwiegend das Programmangebot der TV-Sen-
bieter treffen eine Vorauswahl der auf Abruf der als Live-, VOD- oder Catchup-Angebot ver-
verfügbaren Inhalte und/oder entwickeln Sende- werten. Ähnlich wie bei den Streamingdiens-
und Programmpläne für linearen Rundfunkan- ten sind die Geschäftsmodelle heterogen und
gebote. Die Nutzer entrichten i.d.R. eine festen, reichen von der ausschließlichen Finanzierung
zumeist monatlich erhobenen Abonnementpreis durch Rundfunkgebühren über eine werbeba-
(SVOD), oder bezahlen transaktionsbasiert für sierte Finanzierung (AVOD), die Zahlung einzel-
den Abruf einzelner Inhalte (TVOD). Einige Anbie- ner Programminhalte (TVOD) bis hin zu Abonne-
mentmodellen (SVOD).

40
Aktuelle Befunde zur digitalen Bewegtbildübertragung und -nutzung in Deutschland

tal TikTok, dass sich insbesondere unter jüngeren ternet. Unter den werbefinanzierten Videoportalen
Nutzern einer großen Beliebtheit erfreut, aber auch ist zudem die Plattform Twitch zu nennen – sie ist
Facebook und Instagramm haben in den vergange- mit ihrem insbesondere auf E-Sport spezialisier-
nen Jahren ihre Videofunktionalitäten erweitert. ten Hybridangebot aus live-Streams, linearem TV-
Kurze mobile Videos werden auch von der erst im Programm und VOD-Wiederholungen insbeson­
März in den deutschen Markt eingetretenen SVoD dere bei den unter 30-Jährigen beliebt und wird
Plattform Quibi bereitgestellt, die für das Smart- von ­einem knappen Drittel (30 Prozent) der Perso-
phone optimierte Serien mit einer maximalen Epi- nen in diesem Alterssegment regelmäßig genutzt.
sodenlänge von 10 Minuten anbietet. Zudem profi-
tiert die mobile Videonutzung sicherlich auch von
der insgesamt seit Beginn der Pandemie gestiege- Disney+ auf Anhieb unter TOP3 der Video-
nen Nachfrage nach Bewegtbildinhalten. Streaming-Dienste
Auch Videostreaming-Dienste erfreuen sich ei-
ner immer größeren Beliebtheit. Etwa 32,6 Milli-
Knapp die Hälfte der regelmäßigen onen Personen greifen regelmäßig auf die Ange-
­OTT-Nutzer zahlt für Onlinevideos bote von Netflix, Amazon Prime und co. zu, das
Die Geschäftsmodelle der Anbieter von Internet-Vi- entspricht etwas weniger als der Hälfte der Be-
deoangeboten sind sehr unterschiedlich ausgestal- völkerung ab 14 Jahren. Videostreaming-Dienste
tet. Während sich einige Anbieter durch Gebühren konnten von den pandemiebedingten Ausgangs-
oder Werbung finanzieren und dadurch durch den beschränkungen profitieren und haben zahlreiche
Nutzer gefühlt „kostenlos“ sind, sind vieler andere neue Nutzer während des Lockdowns gewonnen.4
Angebote nur im vollen Umfang nutzbar, wenn ein Die auch im Digitalisierungsbericht gemessenen
Abonnement abgeschlossen wird oder eine direkte hohen Nutzerzahlen müssen folglich auch in Zu-
Zahlung für das Angebot erfolgt (vgl. auch Infobox sammenhang mit der aktuellen Corona-Situation
3). Fast die Hälfte der knapp 44 Millionen regel- betrachtet werden. Pünktlich zum Beginn des Lock-
mäßigen Nutzer von Internetvideos entscheidet downs sind mit Disney+ und Apple TV+ zwei neue
sich dabei für das Pay-Modell und zahlt für seine Angebote mit gewichtigen Konzernmüttern auf
Videonutzung. den deutschen Videostreaming-Markt gebracht
worden. Trotz der neuen Konkurrenz konnten die
bisherigen Spitzenreiter Netflix und Amazon Pri-
YouTube ist der meistgenutzte Videoanbieter me Video ihre Spitzenposition verteidigen. Etwa
im Internet ein Drittel (32 Prozent) der Bevölkerung ab 14 Jah-
Mehr als die Hälfte (57 Prozent) der in Deutschland ren in Deutschland greift regelmäßig auf Netflix-­
lebenden Personen ab 14 Jahren nutzt mindestens Videos zu, bei Amazon Prime Video ist es etwas
einmal im Monat Videoportale. Dabei dominiert mehr als ein Viertel (26 Prozent). Während Netflix
das Angebot von YouTube deutlich. Die zum Mut- und Amazon im letzten Jahr noch fast gleichauf
terkonzern von Google gehörige Videoplattform
wird von etwas weniger mehr als 40,4 Millionen
4 Vgl. z. B. Ad Alliance (2020): Die Corona-Pandemie und ihr Einfluss
Personen in Deutschland regelmäßig genutzt und auf den Alltag ll, S. 25, verfügbar über Statista: https://de.statista.
ist damit das meistgenutzte Videoangebot im In- com/statistik/daten/studie/1121103/umfrage/abschluss-von-abos-
bei-medienanbietern-waehrend-der-corona-pandemie.

41
Aktuelle Befunde zur digitalen Bewegtbildübertragung und -nutzung in Deutschland

Abb. 13a

Regelmäßige Nutzung von Internetvideos nach Anbieter

Videoportale
a gesamt Magenta TV
57,4 7,6
89,8 13,8

YouTube DAZN
57,2 5,0
89,6 11,9

Twitch Sky Ticket


8,9 4,6
30,4 10,9

Sonstige Videoportale Apple TV+


4,7 3,6
11,4 9,7

Giga TV
Videos über Soziale Netzwerke 2,9
33.7 7,7
76.4 Eurosport Player
2,8

Videostreamingdienste gesamt 7,0


46,2 Videoload
84,2 2,4

Netflix 7,1
32,2 Sonstige
74,0 5,3

Amazon Prime Video 13,1


25,6 0 % 25 % 50 % 75 % 100 %
45,2
  14+ Jahre    14 – 29 Jahre
Disney+
11,5 Basis: 70,598 Mio. Personen ab 14 Jahren in Deutschland (n = 8.281),
27,8 14,467 Mio. Personen 14 – 29 Jahre (n = 1.336)

0 % 25 % 50 % 75 % 100 %

lagen, konnte der Anbieter aus Palo Alto sich in Das weltweit größte Unterhaltungsunternehmen
diesem Jahr also deutlich vom Videostreaming-An- erreicht mit Disney+ kurz nach Markteintritt be-
gebot des Online-Versandhändlers absetzen. Mit reits knapp 12 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jah-
Spannung war auch der Markteintritt von Disney in ren und positioniert sich damit auf Anhieb direkt
den deutschen Streaming-Markt erwartet worden. hinter den beiden Marktführern. Apple TV+ kann

42
Aktuelle Befunde zur digitalen Bewegtbildübertragung und -nutzung in Deutschland

mit dem Markteintrittserfolg von Disney+ nur be- bieten ein umfangreiches gebührenfinanziertes
dingt mithalten und wird bisher von knapp 4 Pro- Programmangebot in ihren Mediatheken an, aber
zent der über 14-Jährigen in Deutschland mind. auch die privaten Sendergruppen haben eigen-
einmal im Monat genutzt. Apple TV+ liegt damit ständig oder in Kooperation Plattformen aufge-
im Mittelfeld der Streaming-Anbieter jenseits der baut, auf denen sie eine große Vielfalt an Inhalten
„Big Three“. Die meisten restlichen Anbieter wer- sowohl live als auch zum Abruf anbieten. Andere
den werden in größeren Programmpaketen der TV-Sender setzen auf eine eigenständige Bereit-
TV-Plattformanbieter zusammen mit z. B. dem stellung von Livestreams oder lassen sich über
­linearen ­TV-Empfang in HD vermarktet oder sind ­internetbasierte Programmplattformen wie Zattoo
auf spezielle Nischen wie z. B. die Liveübertragung oder waipu.tv verbreiten. Die OTT-Fernsehange-
von Sportevents spezialisiert. bote kommen bei den Nutzern gut an und weisen
ähnlich hohe regelmäßige Nutzungszahlen wie die
Videostreaming-Dienste auf. Knapp 31 Millionen
Mehr als vier von zehn Personen nutzen Personen nutzen regelmäßig TV-basierte Program-
OTT-Fernsehangebote mangebote über das Internet, das entspricht knapp
So gut wie alle deutschen TV-Programmanbieter 44 Prozent der Personen ab 14 Jahren in Deutsch-
sind mittlerweile mit eigenen Videoangeboten land. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) der Bevölke-
im Internet vertreten. Die Öffentlich-Rechtlichen rung nutzt regelmäßig die kostenlosen Angebote

Abb. 13b

Regelmäßige Nutzung von OTT-Fernsehangeboten

OTT-Fernsehangebote gesamt Joyn


43,5 8,7
56,7 21,6

Mediatheken Öffentlich Rechtliche Reine Internetsender (Bild.tv)


36,6 3,6
40,7 9,3

Gebündelte Angebote (Zattoo, Waipu) Streams sonstiger Sender


4,0 6,7
9,2 13,2

0 % 25 % 50 % 75 % 100 %


OTT-Angebote Privater gesamt
18,0   14+ Jahre    14 – 29 Jahre

36,0
Basis: 70,598 Mio. Personen ab 14 Jahren in Deutschland (n = 8.281),
TV NOW 14,467 Mio. Personen 14 – 29 Jahre (n = 1.336)
11,3
21,6

0 % 25 % 50 % 75 % 100 %

43
Aktuelle Befunde zur digitalen Bewegtbildübertragung und -nutzung in Deutschland

der öffentlich-rechtlichen Mediatheken, rund gut da kommt bleibt abzusehen, nicht zuletzt auch, da
jeder fünfte (18 Prozent) greift auf das Onlinean- sich der öffentlich-rechtliche Schwestersender ZDF
gebot der privaten Fernsehprogrammveranstalter bisher ja für einen anderen Weg entschieden hat.
zurück. Dabei sind die Onlineangebote der priva-
ten TV-Veranstalter insbesondere unter jüngeren Die Ergebnisse des diesjährigen Digitalisierungs-
­Zuschauern beliebt. Knapp jeder Dritte (34,2 Pro- berichts machen eins deutlich: Auch wenn Videos
zent) nutzt regelmäßig Joyn, TV-NOW oder Streams mittlerweile auf einer Vielzahl von Devices genutzt
anderer privater TV-Sender. werden, bleibt der Fernseher für den größten Teil
der Bevölkerung das Herzstück der Videonutzung.
Das gilt auch für die Haushalte, die regelmäßig
Fazit Internetvideos schauen. Fast zwei Drittel von ih-
Auch im zweiten Jahr nach der Volldigitalisierung nen schauen Videos aus dem Internet auf dem Big
der TV-Übertragungswege bleiben die Verhältnis- Screen – mehr als auf dem Handy oder Tablet. Aller-
se auf den Fernsehübertragungswegen stabil. Ka- dings schaltet der Fernseher heute gar nicht mehr
bel- und Satellit sind weiterhin die dominierenden immer ins „Fernsehen“ wenn man ihn anschaltet.
Fernsehempfangswege, wenn auch im Trend leicht Fast ein Drittel derjenigen, die auch Internetvideos
rückläufig. Der terrestrische Empfang konnte seine schauen, muss erst einmal mit dem Fernseher in-
Position nach der Vollumstellung auf DVB-T2 HD teragieren, um ins „klassische“ TV zu gelangen. Be-
stabilisieren. Nur die IP-Übertragung legt im Trend nutzeroberflächen spielen folglich sowohl an den
weiter zu. Das gilt sowohl für „klassisches“ IPTV Fernsehgeräten, als auch an anderen Bildschirmge-
als auch für die Zahl der Cord-Cutter-TV-Haushal- räten eine immer wichtigere Rolle – sie bestimmen,
te. Doch in die Verteilung der Übertragungswege was für Auswahlmöglichkeiten der Nutzer über-
könnte in naher Zukunft mehr Bewegung kom- haupt hat und haben erhebliches Einflusspotential
men. Das hängt auch vom Ausgang der aktuellen auf die Wahrnehmbarkeit des Programmangebots.
Debatte um die geplante Abschaffung des Neben- Umso wichtiger ist es, dass sie transparent gestal-
kostenprivilegs für Kabelhaushalte ab, das mögli- tet sind und die Programm­angebote diskriminie-
cherweise zu Umstrukturierungen auf dem Kabel- rungsfrei auffindbar sind – zwei Kernaspekte, die
markt führen wird. Auch die Überlegung der ARD der Gesetzgeber auch im neuen Medienstaatsver-
zur Abschaltung der SD-Übertragung über Satellit trag deutlich herausstellt und auf deren Einhaltung
könnte möglicherweise Einfluss auf die Verteilung die Medienanstalten zukünftig wachen werden.
der Übertragungswege haben. Wie unsere aktuel-
le Erhebung zeigt, wären immerhin 3,9 Millionen Mit Blick auf die Bewegtbildnutzung in Deutsch-
Satellitenhaushalte und gut 8 Millionen TV-Geräte land zeigt sich deutlich, dass die Corona-Krise den
von einer SD-Abschaltung der ARD-Programme be- Bedarf nach Information und Unterhaltung stark
troffen – wie die betroffenen Haushalte auf eine erhöht hat. Davon profitieren konnten sowohl
mögliche Reduktion des Programmangebots re- Anbieter von Onlinevideos als auch das klassische
agieren würden, bliebe abzusehen. Die ursprüng- Fernsehen – überall ist die Bewegbildnutzung an-
lich für Januar terminierte Abschaltentscheidung gestiegen. Fokussiert auf des Deutschen liebstes
ist jedenfalls coronabedingt erst einmal ausge- Videogerät, den Fernseher, hat insbesondere die
setzt. Ob und zu wann diese wieder auf die Agen- tägliche Nutzung des klassischen TV-Programms

44
Aktuelle Befunde zur digitalen Bewegtbildübertragung und -nutzung in Deutschland

zulegen können und auch am Connected-TV konn-


te das klassische TV seinen Vorsprung vor der OTT-
Nutzung wieder ausbauen. Beides verdeutlicht, wie
wichtig klassisches, lineares TV für die Menschen
in Deutschland insbesondere auch während der
Corona-Krise war. Selbstverständlich haben aber
auch die Internetvideo-Anbieter vom großen Un-
terhaltungsbedürfnis während der Corona-Krise
profitiert. Deutlich wird das auch am Ausgang
der im Vorfeld schon martialisch angekündigten
„streaming wars“ – dem Markteintritt von Disney+
und AppleTV+ auf dem deutschen Videostreaming-
Markt. Hier konnte sich Disney+ mit seinem Ange-
bot erfolgreich auf dem dritten Platz hinter N
­ etflix
und Amazon Prime positionieren. Im direkten
Vergleich nutzen aber noch weniger Personen in
Deutschland das Angebot des größten Unterhal-
tungskonzerns der Welt als die OTT-Angebote der
privaten Fernsehveranstalter.

45
Methodik

Erhebungsmethode und Grundgesamtheit Die telefonische Erreichbarkeit der jüngeren Be-


der Video-Erhebung völkerung, insbesondere 14 bis 29-Jährigen, ist seit
Die Studie wurde im Auftrag der Medienanstalten Jahren rückläufig. Auch die Mobilfunkstichprobe
unter Beteiligung von Media Broadcast, SES/Astra löst diese Herausforderung nur begrenzt. Daher
Deutschland, und Vodafone durch das Forschungs- wurden in einer Teilstichprobe gezielt Personen
institut Kantar durchgeführt. Die Studie wurde wie der Altersgruppe 14 bis 29 Jahre befragt, um deren
im Vorjahr mit einem Methodenmix aus telefoni- Anteil in der Nettostichprobe zu erhöhen. In Haus-
schen Interviews und Online-Interviews durchge- halten mit mehr als einer Person in dieser Alters-
führt. Die Befragung erfolgte zwischen dem 4. Mai gruppe wurde eine dieser 14 bis 29-jährigen Per-
und dem 22. Juni 2020. sonen per Zufall ausgewählt. Es wurde der gleiche
Fragebogen verwendet wie bei der Stichprobe der
ab 14-Jährigen.
Telefonische Befragung (CATI)
Die Telefonbefragung erfolgte wie in den Vorjahren Die beiden Sampling-Frames (Festnetz und Mobil)
per computergestützter telefonischer Interviews. sowie die „Altersklassen-Interviews 14 bis 29“ wur-
Die Grundgesamtheit dieser Erhebung bildet die den mittels Designgewichtung zusammengeführt,
deutschsprachige Wohnbevölkerung ab 14 Jahren. damit sie ein repräsentatives Abbild der Grundge-
Sie entspricht damit der Definition, die auch der samtheit geben.
Media-Analyse (ma) zugrunde liegt (= deutsche
Haushalte plus Haushalte mit EU-28-Haushaltsvor-
stand plus Haushalte mit Nicht-EU-Haushaltsvor- Online Befragung
stand mit abgeschlossener Schulausbildung). Die Die Grundgesamtheit bildet die deutschsprachige
Grundgesamtheit umfasst in diesem Jahr 70,598 Online-Bevölkerung. Da Online-Befragungen erst
Mio. Personen ab 14 Jahren in 40,684 Mio. Haus- ab 16 Jahren zulässig sind und ältere Personen ab
halten, davon 67,650 Mio. Personen ab 14 Jahren in 70 Jahren über Online-Panels nur sehr schwer er-
38,520 Mio. TV-Haushalten. reichbar sind, wurde die Online-Stichprobe auf die
Altersspanne 16 bis 69 Jahre eingeschränkt. Die
Um dem gestiegenen Anteil von nur bzw. haupt- Teilnehmer wurden über ein Online-Access-Panel
sächlich über Mobilfunk erreichbaren Personen rekrutiert. Dabei handelt es sich um Panel-Mitglie-
in der Bevölkerung besser Rechnung zu tragen, der, die auf Basis spezifischer Rekrutierungskriteri-
wurde die Befragung als sogenannte Dual-Frame- en zur Umfrage eingeladen werden.
Telefonbefragung durchgeführt – d. h. mit einem
kombinierten Ansatz aus Festnetz- und Mobilfunk- Die CATI- und Online-Stichprobe wurden mittels
nummern (80 zu 20 Prozent). Auswahlgrundlage Designgewichtung zusammengeführt, damit sie
war das ADM-Telefonstichprobensystem für Fest- ein repräsentatives Abbild der Grundgesamtheit
und Mobilnetznummern (Anteil Mobilfunknum- geben.
mern: 20 Prozent in der Gesamtstichprobe Basis
+ Altersklassen + Aufstockung). Die Befragungs­
person wurde zufällig ausgewählt.

46
Methodik

Fallzahlen und Befragungszeitraum


Die Erhebung basiert 2020 auf einer Nettofallzahl
von n = 8.281 Interviews, davon n = 7.127 Interviews
telefonisch und n = 1.154 online. Die Stichprobe wur-
de disproportional angelegt, um für jedes einzelne
Bundesland eine Mindestfallzahl zu gewährleisten.
Pro Bundesland wurden mindestens 200 Telefon-
interviews geführt. Um die Ergebnisse auch we-
niger bevölkerungsreicher Bundesländer separat
ausweisen zu können, wurde auf Wunsch einzel-
ner Landesmedienanstalten die Anzahl der Inter-
views in den jeweiligen Bundesländern auf 500
aufgestockt (Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen,
Sachsen). Der disproportionale Stichprobenansatz
wurde später im Rahmen der Gewichtung wieder
ausgeglichen, um repräsentative Ergebnisse auf
Basis „Gesamt“ bzw. alle Personen/Haushalte aus-
weisen zu können.

Definition und Erfassung der Übertragungs-


wege
Für das Erstgerät im Haushalt wurden alle anlie-
genden Übertragungswege erhoben. Gegebenen-
falls darüber hinaus im Haushalt befindliche TV-
Geräte wurden wie im Vorjahr zusammengefasst
erhoben. Empfängt ein TV-Haushalt mit einem
Erst-, Zweit- oder weiteren Geräten beispielsweise
sowohl terrestrisch als auch via Satellit, wurden bei
der Erfassung der vorhandenen Übertragungswe-
ge beide Wege aufgenommen. Da einige Haushal-
te über mehrere Empfangswege verfügen, ergibt
sich eine Gesamtsumme von mehr als 100 Prozent.

47
48
Daten & Fakten
der  internationalen
Digitalisierung

49
Aktuelle Erkenntnisse zum
­Bewegtbildmarkt in Großbritan-
nien und Frankreich
Office of Communications, Conseil supérieur de l’audiovisuel

Die auch im Digitalisierungsbericht in den vergan- Monaten stark beeinflusst hat und vermutlich auch
genen Jahren festgestellte Veränderung und Ausdif- Spuren hinterlassen wird. Daher lohnt sich der Blick
ferenzierung des Videonutzungsverhaltens ist kein über den Tellerrand und auf unsere europäischen
alleinig deutsches Phänomen. Vielmehr lässt sich Nachbarn. Einen Überblick über die Entwicklung der
eine wachsende Konvergenz von Videoangeboten TV- und Videonutzung in zwei der größten Volkswirt-
und ihrer Nutzung weltweit beobachten. Das ist schaften Europas geben im Folgenden das britische
wenig überraschend. Digitalisierung und Vernet- Office of Communications (Ofcom) und der franzö-
zung sind globale Phänome und auch die großen sische Conseil supérieur de l’audiovisuel (CSA). Die
Disruptoren der Branche, Netflix, Amazon oder You- beiden Behörden, die in regelmäßigem Austausch
tube agieren global und bieten ihre Produkte welt- mit den Landesmedienanstalten stehen, zeigen da-
weit an. Der Wandel auf dem Bewegtbildmarkt folgt bei zum einen auf, welche allgemeinen Entwicklung
in vielen Ländern ähnlichen Entwicklungspfaden in Großbritannien und Frankreich festzustellen sind,
– Anbieter und Regulierer sind mit neuen Heraus- zum anderen gehen sie auf erste Erkenntnisse in
forderungen und Fragen konfrontiert und bauen Bezug auf die Folgen der aktuellen Corona-Pande-
Expertise und Wissen auf. Mit der Corona-Pandemie mie ein – und helfen so, auch die Entwicklungen in
kommt ein weiteres globales Phänomen hinzu, dass Deutschland besser zu verstehen und einzuordnen.
das Medien­nutzungsverhalten in den vergangenen

Aktuelle Entwicklung der Fernseh- und Bewegtbildnutzung


in Großbritannien
Die britische Regulierungsbehörde Ofcom veröf- die Forschung und die Verbraucher die wichtigsten
fentlichte im August 2020 ihren dritten Jahres- Trends im TV- und Online-Sektor, dem Radio- und
bericht zur Situation der Medien im Vereinigten weiteren Audiobereichen dar.
­Königreich1; er stellt für die Industrie, die Politik,
Der diesjährige Bericht erscheint inmitten ­einer
1 Media Nations Report https://www.ofcom.org.uk/research-and-
besonders ereignisreichen Zeit, in der sich die
data/tv-radio-and-on-demand/media-nations-reports/media- Medienbranche des Vereinigten Königreichs
­
nations-2020.

50
Aktuelle Erkenntnisse zum B
­ ewegtbildmarkt in Großbritannien und Frankreich

Abb. 1 Abb. 2

Gesamter Videokonsum pro Person und Tag 2019 Gesamter Videokonsum pro Person und Tag
(in Minuten) April 2020 (in Minuten)

DVD: 2 (1 %) DVD: 3 (1 %)

BVoD: 11 (4 %) BVoD: 12 (3 %)

Spielekonsolen: 11 (4 %) Sonstiges Video: 18 (5 %)

Sonstiges Video: Spielekonsolen:


14 (5 %) 19 (5 %)
Live-Fernsehen: Live-Fernsehen:
154 (53 %) 178 (46 %)
Aufzeichnungen: Aufzeichnungen:
30 (10 %) 37 (10 %)
gesamt: gesamt:
4 Stunden und 6 Stunden und
52 Minuten 25 Minuten
SVoD: 34 (12 %)
YouTube (Geräte):
48 (12 %)
YouTube (Geräte):
37 (13 %) SVoD: 71 (18 %)

Quelle: Ofcom-Schätzung des Audio-Video-Konsums gesamt; Quelle: Ofcom-Schätzung des Audio-Video-Konsums gesamt;
Entwickelt auf Grundlage von Daten von BARB, Comscore und Entwickelt auf Grundlage von Daten von BARB, Comscore und
Touchpoints Touchpoints

­ esonderen Herausforderungen gegenübersieht.


b hatten die Menschen während des Frühlings und
Die Covid-19-Pandemie und der dadurch bedingte Frühsommers zuhause mehr Zeit zur Verfügung
Lockdown führten zu nachhaltigen Veränderun- als in irgendeiner vergleichbaren längeren Phase in
gen des Nutzerverhaltens und gravierenden Beein- jüngerer Vergangenheit; dies resultierte in einem
trächtigungen für Medienanbieter, Produzenten, bedeutenden Anstieg des Konsums von Fernseh-
die Werbebranche und weitere Bereiche. Der Be- und sonstigen Rundfunkangeboten und insbeson-
richt richtet einen Schwerpunkt auf diese aktuellen dere auch von Abrufdiensten (Video-on-Demand).
Entwicklungen und ihre Weiterungen für die Zu-
kunft. Nachstehend sind die wesentlichen Feststel- Das Vereinigte Königreich befand sich den gesam-
lungen aus dem Gesamtbericht zusammengefasst. ten April über in einem vollen Lockdown; in dieser
Zeit verbrachten die Menschen einen erheblichen
Teil ihrer Zeit mit dem Konsum audiovisueller An-
TV-Gesamtkonsum im Lockdown gestiegen, gebote. Im Durchschnitt nutzten die Menschen
stärkster Zuwachs für SVoD audiovisuelle Inhalte täglich für geschätzte 6 Stun-
Mitte März 2020 erließ die britische Regierung den und 25 Minuten; dies stellt einen Zuwachs von
Lockdown-Maßnahmen, durch die die Ausbreitung 1,5 Stunden bzw. 32 Prozent gegenüber dem Durch-
des Coronavirus gebremst werden sollte. Dadurch schnittskonsum 2019 dar. Der Zuwachs verteilte

51
Aktuelle Erkenntnisse zum B
­ ewegtbildmarkt in Großbritannien und Frankreich

sich auf 37 Minuten für kostenpflichtige Abruf- Covid-19 und die mit dem Lockdown einhergehen-
dienste (SVoD), darunter Netflix, Amazon P­ rime den Einschränkungen hatten jedoch nachhaltige
Video und Disney+, sowie auf 32 Minuten für Live- Auswirkungen auf die TV-Nutzung. Ab Mitte März
Fernsehen, Aufzeichnungen und Abrufdienste der 2020 nahm die Zeit, die die Menschen vor dem
Rundfunkanbieter. Fernsehgerät verbrachten, insgesamt zu. Hierdurch
erhöhte sich die durchschnittliche Sehdauer je Zu-
schauer und Tag im März erheblich, und im April
Covid-19 machte den lang anhaltenden Rück- überstieg die Gesamtdauer sogar die Gesamtdau-
gang des TV-Konsums rückgängig – zumindest er für diesen Monat für die zurückliegenden fünf
vorübergehend Jahre. Mit der Lockerung der Ausgangsbeschrän-
Im Jahr 2019 ging der TV-Konsum über das Fern- kungen in England im Mai ging die Sehdauer im
sehgerät entsprechend dem schon länger anhal- Vergleich zum Monat April zurück, lag aber weiter
tenden Trend weiter zurück. Im Lauf des Jahres über dem Vergleichswert des Monats Mai während
sank die durchschnittliche Zeit, die ein Nutzer vor der beiden zurückliegenden Jahre. Im Juni schlugen
dem Gerät verbrachte und Angebote konsumier- sich die teilweise Wiedereröffnung einiger Schulen
te (auch Live-Sendungen und Inhalte bis zu 7 Tage in England, die Erlaubnis, dass sich wieder bis zu
nach der Ausstrahlung) im Jahresschnitt um 9 Mi- sechs Personen treffen durften, und das wärmere
nuten (− 5 Prozent) auf 3 Stunden und 3 Minuten.2 Wetter in einem weiteren Rückgang nieder, jedoch
In den beiden Jahren davor hatte der Rückgang blieben die Zuschauerzahlen höher als im gleichen
bei 11 ­Minuten (2018) bzw. 9 Minuten (2017) ge- Monat in den beiden zurückliegenden Jahren.3
legen. Am deutlichsten ist dieser Trend bei jünge-
ren Zuschauern zu beobachten: In der Altersgrup- Neben dem gestiegenen TV-Konsum infolge der
pe 16 bis 24 Jahre lag der Rückgang bei 18 Prozent, Pandemie wandten sich auch mehr Menschen
während Kinder zwischen 4 und 15 Jahren im Jahr dem Fernsehen zu als in normalen Zeiten. Ausge-
2019 16 Prozent weniger Zeit vor dem Fernsehge- löst durch das Interesse an Nachrichten schnellte
rät verbrachten. Jüngere Nutzer sehen wesent- der Bevölkerungsanteil, der sich dem klassischen
lich weniger fern: Ihr TV-Konsum sinkt erheblich Fernsehen in einer Woche4 zuwandte, im März
schneller als dies bei älteren Zuschauern der Fall scharf nach oben und erreichte in der Woche ab
ist. Zuschauer im Alter über 75 Jahren etwa sahen 16. März 88 Prozent. Diese Wochenreichweite lag
2019 unverändert viel fern, und zwar durchschnitt- höher als in der gleichen Kalenderwoche 2019 und
lich 5 Stunden und 49 Minuten pro Tag; dies ist blieb zudem auch in der folgenden Woche (ab dem
nahezu das fünffache der Altersgruppe 16 bis 24 23. März) im Jahresvergleich höher. Danach sank
Jahre (1 Stunde 10 Minuten). In den beiden ersten der Wert jedoch wieder unter den Wert des Vor-
Monaten des Jahres 2020 setzte sich dieser Trend jahres und blieb bis Ende Juni (Ende des Untersu-
unvermindert fort; im Januar und Februar lag die chungszeitraum) darunter.5
Sehdauer erneut unter der der beiden Vergleichs-
monate des Vorjahres.

3 BARB.
4 Mindestens 15 Minuten in Folge.
2 BARB. 5 BARB.

52
Aktuelle Erkenntnisse zum B
­ ewegtbildmarkt in Großbritannien und Frankreich

Abb. 3

Täglicher durchschnittlicher TV-Konsum gesamt nach Monaten (in Minuten)

260

240

220

200

180

160

140

Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

 2016   2017   2018   2019   2020

Sehdauer gesamt; Basis: Alle Personen (ab 4 Jahren); Quelle: BARB

In der Altergruppe über 54 Jahren blieb der Anteil (15 Millionen) über mindestens ein Abonnement
der Zuschauer von klassischem Fernsehen ab der für Netflix, Amazon Prime Video oder NOW TV. Net-
Woche vom 16. März kontinuierlich über dem Wert flix hält weiterhin die Spitzenposition als belieb-
des Jahres 2019; dies könnte darauf zurückzufüh- tester SVoD-Dienst mit Abonnements in 13 Millio-
ren sein, dass ältere Menschen durch Covid-19 stär- nen britischen Haushalten (46 Prozent) im ersten
ker gefährdet sind und die Regierung diese dazu Quartal 2020; im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein
aufrief, sich selbst zu isolieren. Anstieg um 13 Prozent. Amazon Prime Video wur-
de im Vergleich zu Netflix in knapp halb so vielen
Haushalten abonniert; der Anstieg belief sich auf
Vor dem Lockdown hatte im Vereinigten 32 Prozent im gleichen Zeitraum und lag im ers-
­Königreich schon über die Hälfte der Haus- ten Quartal bei 7,9 Millionen Haushalten. Insge-
halte Abruf-Dienste abonniert samt hatten im ersten Quartal 2020 22,5 Millionen
Der schnelle Zuwachs bei den führenden SVoD- Haushalte Netflix, Amazon Prime Video, NOW TV
Dienste setzt sich unvermindert fort: Im ersten
Quartal 2020 verfügten 53 Prozent der Haushalte

53
Aktuelle Erkenntnisse zum B
­ ewegtbildmarkt in Großbritannien und Frankreich

bzw. DisneyLife (Vorläufer von Disney+) abonniert. Rund die Hälfte der Erwachsenen (51 Prozent) nutz-
Gegenüber dem Vergleichsquartal 2019 ist dies ein te während der ersten Wochen des Lockdown ei-
Anstieg um 18 Prozent (von 19,1 Millionen).6 nen Abo-Service; damit stieg die Nutzung gegen-
über dem Zeitraum von 46 Prozent auf 51 Prozent
an. Der Zuwachs erstreckte sich über alle Alters-
Während des Lockdowns abonnierten etwa gruppen und war bei der älteren Bevölkerungs-
3  Millionen Erwachsene erstmals online einen gruppe besonders deutlich: 32 Prozent der 55 bis
SVoD-Dienst 64-Jährigen griffen in der Anfangsphase des Lock-
Die Ofcom beauftragte Online-Untersuchungen downs auf SVoD-Dienste zurück, gegenüber dem
einer repräsentativen nationalen Stichprobe aus Zeitraum vor den Einschränkungen ein Anstieg um
2000 Erwachsenen über 16 Jahren zur Ermittlung 7 Prozentpunkte. Bei der Altersgruppe 65plus lag
des sich verändernden Konsums von TV-ähnlichen die Nutzung bei 15 Prozent, ein Zuwachs um 3 Pro-
Onlinediensten während des Lockdowns. Auf der zentpunkte.
Grundlage dieser Untersuchung kann geschätzt
werden, dass 12 Millionen Erwachsene über 16 Jah- Auf Mediatheken-Inhalte (Programme, die zuvor
ren bzw. 23 Prozent der Erwachsenen, die Medi- im Fernsehen ausgestrahlt wurden und als Abruf-
en online nutzen, während des Lockdowns ein dienst konsumiert werden) griffen 35 Prozent der
neues SVoD-Abonnement abschlossen.7 Hiervon Erwachsenen zu. Der Anstieg während des Lock-
nutzten rund 3 Millionen (5 Prozent der Erwach- downs belief sich auf 1 Prozentpunkt. Die Reichwei-
senen, die online-Dienste konsumieren) erstmals te sonstiger, frei verfügbarer Abrufinhalte wie Se-
ein SVoD-Angebot. Die Hälfte dieser Gruppe ist in rien und Filme, die über iPlayer und All4 verfügbar
der Altersgruppe 16 bis 34 Jahre angesiedelt. Schät- sind, stieg um 3 Prozentpunkte auf 20 Prozent an.8
zungsweise 7 Millionen erwachsene Nutzer von
SVoD-Angeboten griffen während des Lockdown Es sind Anzeichen dafür erkennbar, dass diese Än-
auf ein weiteres SVoD-Abonnement zu, während derung des Nutzerverhaltens von Dauer sein könn-
etwa 2 Millionen Nutzer, die früher schon einmal te: 55 Prozent der befragten Erwachsenen im Ver-
ein Abonnement genutzt hatten, aber zum Zeit- einigten Königreich erklärten, sie rechneten damit,
punkt des Lockdowns kein Angebot abonniert nach der Krise die gleiche Zeit für gestreamte Sen-
hatten, während des Lockdowns erneut ein SVoD- dungen oder Serien aufzubringen wie während der
Abonnement abschlossen. Pandemie.9 Dabei könnten als Faktoren die wei-
ter bestehende Sorge vor einer Verbreitung des
­Coronavirus ebenso eine Rolle spielen wie knap-
per werdende Einkommen – beides Aspekte, die
dazu verleiten, mehr zu Hause zu bleiben.
6 BARB Establishment Survey erstes Quartal 2020; eingeschlossen
sind kostenlose Probe-Abos. Während der Covid-19-Pandemie
wurde die Erhebung ab 17. März 2020 zeitweise ausgesetzt; daher
wurden für das 2. Quartal 2020 keine Daten erfasst.
7 TRP-Studie für Ofcom zum Medienverhalten während der
Corona-Pandemie. Felddauer 4. bis 5. Juli 2020. Basis: Erwachsene
über 16 Jahren mit Internetzugang. Die ca. 12 Millionen 8 TouchPoints 2020. Erhebung vor dem Lockdown bzw. im
Erwachsenen mit Internetzugang, die während des Lockdowns Lockdown. Basis: Personen ab 15 Jahren.
ein neues SVoD-Abo buchten, entsprechen rund 6  Millionen 9 Ipsos-Studie Streaming360online. Basis: 5000 Erwachsene
Haushalten, die ein neues Abonnement abschlossen. ab 18 Jahren.

54
Aktuelle Erkenntnisse zum B
­ ewegtbildmarkt in Großbritannien und Frankreich

Abb. 4

SVoD-Haushalte im Vereinigten Königreich im Trend (in Millionen pro Quartal)

16

14

12

10

2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020

Frage: Haben Sie oder eine Person in Ihrem Haushalt ein Abonnement für einen der folgenden Dienste? Jedes SVoD bezieht sich auf einen
der folgenden Dienste: Netflix, Amazon Prime Video, Now TV oder DisneyLife; Quelle: BARB Establishment Survey

Disney+ schlug sofort ein und stürmte Anstieg und verdrängte NOW TV von Platz 3 der
auf Platz 3 der SVoD-Liga Abo-Dienste; Anfang Juli lag der Anteil der erwach-
Zu Beginn des Monats Juli wurde SVoD mindestens senen Online-Nutzer im Vereinigten Königreich in
ein Mal pro Woche von 45 Prozent der erwachsenen Haushalten mit Abonnement bei 16 Prozent. Die
Online-Nutzer insgesamt und von 59 Prozent der überwiegende Mehrheit (95 Prozent) der Abon-
Online-Nutzer im Alter zwischen 16 und 34 Jah- nenten von Disney+ hat auch ein Netflix-Abo bzw.
ren genutzt. Netflix wurde in 45 Prozent der Haus- abonniert Amazon Prime Video. Damit fungiert
halte mit erwachsenen Onlinenutzern abonniert; Disney+ bislang im Wesentlichen als Ergänzung
für Amazon Prime Video beläuft sich der Wert auf der beiden führenden SVoD-Dienste und ist für
39 Prozent. Disney+ startete im Vereinigten König- Nutzer, die nicht bereits ein SVoD-Angebot nut-
reich am 24. März 2020 und profitierte enorm vom zen, weniger interessant bzw. veranlasst weniger
Lockdown, da es für Familien attraktiv war, die ge-
zwungenermaßen den Großteil der Zeit zuhause
verbringen mussten. Es erlebte einen sprunghaften

55
Aktuelle Erkenntnisse zum B
­ ewegtbildmarkt in Großbritannien und Frankreich

Abb. 5

Anteil der Abonnenten mit mehreren Abos bei Netflix, Amazon Prime Video und Disney+ nach Alter

Abonnenten ab 16 Jahren Abonnenten zwischen 16 und 34 Jahren

6 % 10 %

25 % 1 % 22 % 1 %


18 % 26 %
29 % 2 % 26 % 2 %

18 % 12 %

Felddauer 4. bis 5. Juli 2020; Basis: Erwachsene ab 16 Jahren mit Internetzugang, die von Netflix, Amazon Prime Video oder Disney+
­mindestens einen Dienst abonnieren; Quelle: TRP-Studie für Ofcom zum Medienverhalten während der Corona-Pandemie

Nutzer, von ihrem derzeitigen Service zu Disney+ Bei ­Einbeziehung kostenloser Probe-Abos und
zu wechseln. In der Altersgruppe 16 bis 34 Jahre mehrfach genutzter Abonnements erhöht sich
erreicht der Wert 97 Prozent.10 die durchschnittliche Zahl der genutzten Dienste.12

Der erfolgreiche Markteinstieg von Disney+ trug Schon vor dem Lockdown war durch die wachsen-
dazu bei, dass die durchschnittliche Zahl der Abon- de Beliebtheit von SVoD der Anteil erwachsener
nements je SVoD-Haushalt im zweiten Quartal Online-Nutzer, die Online-Video-Dienste als Haupt-
2020 auf 1,6 anstieg; im ersten Quartal hatte sie form ihres Fernseh- und Filmkonsums einstuften,
bei 1,5 gelegen, im dritten Quartal 2019 bei 1,4.11 im ersten Quartal 2020 auf 46 Prozent angestie-
gen (ein Zuwachs um 4 Prozentpunkte im Vergleich
zum Vorjahr).13 Erwachsene, die ohnehin Online-Vi-
deo nutzen, konsumierten während des Lockdowns
verstärkt Videoinhalte; dabei nutzten insbesondere

12 Die Verbraucherstudien von Ampere Analysis lassen den Schluss


zu, dass Nutzer von SVoD im Alter von 18 und 64 Jahren in
10 TRP-Studie für Ofcom zum Medienverhalten während der Corona- Großbritannien im ersten Quartal 2020 im Schnitt 2,5 SVoD-
Pandemie. Felddauer 4. bis 5. Juli 2020. Basis: Erwachsene ab Dienste nutzten. Die Studien von TRP deuten darauf hin, dass
16  Jahren mit Internetzugang. sich dieser Wert bei Erwachsenen ab 16 Jahren mit
11 Ampere Analysis Markets. Nicht einbezogen sind kostenlose Internetzugang während des Lockdowns bis Juli auf 2,7 erhöhte.
Probe-Abos. 13 Ampere Analysis Consumer, erstes Quartal 2020.

56
Aktuelle Erkenntnisse zum B
­ ewegtbildmarkt in Großbritannien und Frankreich

14 bis 34-Jährige mehr SVoD- und YouTube-Ange- wieder zu ihren früheren Fernsehgewohnheiten
bote. Nutzer dieser Altersgruppe geben auch eher zurückkehren. Allerdings deuten die Untersu-
an, dass sie mehr SVoD als Fernsehen bei der Aus- chungen im Juli darauf hin, dass Erwachsene, die
strahlung sehen. Onlinedienste nutzen, insgesamt damit rechnen,
dass sie in den kommenden 3 Monaten mehr neue
SVoD-Abonnements laufen üblicherweise als leicht Abonnements abschließen als bestehende stor-
zu stornierende monatliche Verträge; insoweit er- nieren werden.
scheint es denkbar, dass mit Ende des Lockdowns
eine Stornierungswelle erfolgt und die Menschen

Abb. 6

Anzahl der Erwachsenen im Vereinigten Königreich, die angaben, in den letzten sieben Tagen die ausgewählten
Dienste für den Konsum von Videos online genutzt zu haben: Juli 2020

YouTube 37
Netflix 34
BBC iPlayer 27
Amazon Prime Video 18
ITV Hub 11
All4 11
Disney+ 8
Now TV 6
My5 5
BT Sport Monthly Pass  1,2
Rakuten TV 1,2
YouTube Premium 1,1
ITV Hub+ 1,0
Apple TV+ 0,9
All4+ 0,9
Roku Channel 0,9
Pluto TV 0,7
BritBox 0,7
Acorn TV 0,5
Quibi 0,5

0 % 10 % 20 % 30 % 40 %

Felddauer 4. bis 5. Juli 2020. Frage: Welche der folgenden Dienste haben Sie in den zurückliegenden sieben Tagen für den Konsum von
Videos online genutzt?; Basis: Erwachsene ab 16 Jahren mit Internetzugang. AVoD bezieht sich auf werbefinanzierte Abrufdienste. Erläute-
rung der verschiedenen Abrufdienste auch im interaktiven Online Nation 2020 Bericht; Quelle: TRP-Studie für Ofcom zum Medienverhalten
während der Corona-Pandemie

57
Aktuelle Erkenntnisse zum B
­ ewegtbildmarkt in Großbritannien und Frankreich

Abb. 7

Art der während des Lockdowns geschauten Videos auf YouTube, nach Alter

Musikvideos Spielfilm-Trailer
33 11
35 15
34 14
30 5
Videoanleitungen („How-to“ Videos) Nachrichten/Aktualitäten (ohne Coronavirus-Bezug)
26 10
21 10
28 12
27 7
Lustige Videos/Challenges Vlogger/Influencer
20 10
28 19
19 9
14 4
TV Programm/Clips Bildung
16 9
20 12
17 11
11 6
Vollständige TV-Sendungen/Filme Spieleerläuterungen/Gaming
13 8
15 19
14 8
10 1
Sport 0 % 10 % 20 % 30 % 40 %
12
12   16+ Jahre    16 – 34 Jahre    35 – 54 Jahre    ab 55 Jahren

14
Felddauer 17. bis 18. Juni 2020; Basis: Erwachsene ab 16 Jahren mit
9 Online-Zugang; Quelle: TRP-Studie für Ofcom zum Medienverhalten
Fitness während der Corona-Pandemie
12
17
15
5

0 % 10 % 20 % 30 % 40 %

58
Aktuelle Erkenntnisse zum B
­ ewegtbildmarkt in Großbritannien und Frankreich

Gestiegene Nutzung geht über TV-ähnliche bei den erwachsenen Nutzern von Onlinediensten,
Dienste hinaus in Richtung YouTube und behauptete sich jedoch weiterhin als der am häu-
Gaming figsten frequentierte Online-Videodienst. Der On-
Neben Rundfunkinhalten und SVoD-Diensten stieg line-Konsum konzentriert sich stark in der Alters-
auch die Nutzung anderer etablierter Videoakti- gruppe 16 bis 34 Jahre, in der Anfang Juli nahezu die
vitäten während des Lockdowns an. Der Konsum Hälfte (48 Prozent) in den zurückliegenden 7 Tagen
von YouTube erfuhr gegenüber dem Durchschnitts- YouTube-Angebote konsumiert hatte.15
wert für 2019 im April einen Zuwachs um durch-
schnittlich 9 Minuten pro Nutzer und Tag, während Wie schon vor der Pandemie waren auch während
sich die Nutzung von an das Fernsehgerät ange- des Lockdowns für Erwachsene Musikvideos der
schlossenen Spielekonsolen um 8 Minuten erhöh- populärste Inhalt auf YouTube– ein Drittel aller Be-
te. Der Anstieg bei YouTube erfolgte auf einem oh- fragten gab im Juli an, dass sie die Plattform hierzu
nehin schon hohen Ausgangsniveau; betrachtet aufgerufen hatten.
man daneben den Konsum über das Fernsehgerät
(nicht eigens erfasst, aber Bestandteil von „Sons- Über TV-Geräte konsumierte Live-Inhalte erfuhren
tige ­Videonutzung über das TV-Gerät“), so ergab einen kräftigen Schub: YouTube zufolge stieg die
sich für April für alle Nutzer durchschnittlich eine Nutzung dieser Angebote weltweit im März um
Stunde YouTube-Nutzung pro Tag. Abweichend 250 Prozent an. Live-Vorstellungen und Archivan-
von SVoD-Angeboten, die einen erheblichen An- gebote britischer Theater und Produktionen, die
teil an Drama- und Filminhalten liefern, ist You- infolge des Lockdown schließen mussten, sind auf
Tube schwerer einzuordnen. Über die Plattform YouTube besonders populär. Zu den weiteren In-
wird in erheblichem Umfang Musik konsumiert, halten, die während der Pandemie weltweit mehr
daneben YouTube-Sparteninhalte sowie ein gro- Zuschauer gewinnen konnten (wenngleich nicht
ßes Angebot von Inhalten mit fernsehähnlicher zwingend über den Bildschirm), zählen Koch-Vi-
Produktionsstruktur. deos (45 Prozent Zuwachs gegenüber dem Ver-
gleichszeitraum des Vorjahres), Videos über Sau-
Drei Viertel der erwachsenen Online-Nutzer gaben erteig-Brot (plus 400 Prozent zwischen Januar und
an, während der beiden ersten Monate im Lock- Mai) und Fitness-Videos für zuhause (200 Prozent
down YouTube genutzt zu haben.14 Von den Mitte Anstieg im März gegenüber dem Rest des Jahres
Mai Befragten erklärten 42 Prozent, die Plattform 2020).16 Erwachsene konsumierten über YouTu-
in den letzten 7 Tagen genutzt zu haben. Dies ent- be auch Inhalte zum Coronavirus – 7 Prozent der
spricht schätzungsweise 22 Millionen Nutzern. im Juni Befragten sahen Nachrichten zu Covid-19
Damit ist YouTube der am häufigsten genutzte oder Videos mit medizinischen Informationen, und
Online-Videodienst vor Netflix und BBC iPlayer.
Anfang Juli sank die wöchentliche Nutzung von
YouTube – entsprechend des bei allen Diensten
15 TRP-Studie für Ofcom zum Medienverhalten während der Corona-
infolge der Lockerung der Lockdown-Beschränkun- Pandemie. Felddauer 4. bis 5. Juli 2020. Frage: Welche der
gen zu beobachtenden Rückgangs – auf 37 Prozent folgenden Dienste haben Sie in den letzten sieben Tagen für den
Konsum von Videos online genutzt? Basis: Erwachsene mit
Internetzugang ab 16 Jahren. Es handelt sich um den Nettowert
14 TRP-Studie für Ofcom zum Medienverhalten wärhend der Corona- für Nutzer von YouTube und YouTube Premium.
Pandemie. Lockdown-Zeitraum bis 18. Juni. Basis: Erwachsende 16 Tubefilter, 25. Juni 2020. https://www.tubefilter.com/2020/06/25/
ab  16 Jahren mit Internetzugang. youtube-brandcast-tv-viewership-stats/.

59
Aktuelle Erkenntnisse zum B
­ ewegtbildmarkt in Großbritannien und Frankreich

5 Prozent sahen sich diesbezügliche Anleitungsvi- Juni 2020 jedoch höher als 2019. Die insgesamt mit
deos an, etwa dazu, wie man einen Mundschutz unterschiedlichem TV-Konsum verbrachte Zeit ging
oder Handdesinfektion herstellt.17 nicht in vergleichbarem Maß zurück, sondern ein
erheblicher Anteil des infolge des Lockdown erfolg-
ten Zuwachses blieb erhalten; dies ist großenteils
Fazit und Perspektive auf einen nachhaltigen Anstieg des Konsums von
In der am 23. März beginnenden Woche, in der SVoD-Diensten zurückzuführen.
der britische Premierminister in einer Ansprache
an die Nation den Lockdown verkündete, erreich- Eine der spürbarsten langfristigen Auswirkungen
te der tägliche Fernsehkonsum 3 Stunden und von Covid-19 auf den TV-Konsum im Vereinigten
46 Minuten – dies ist der höchste Wert seit der Königreich könnte eine beschleunigte Verlagerung
letzten Woche im Jahr 2018.18 Im Verlauf des Lock- innerhalb der Gesamtnutzung weg von Rundfunk-
down ging der TV-Konsum von diesem Spitzenwert inhalten sein, wenn die Nutzer zunehmend auf
wieder herunter, als die Einschränkungen wieder Abrufdienste zugreifen. Die Attraktivität von SVoD
gelockert wurden und das Wetter fast überall im im Allgemeinen als Alternative zu Rundfunkange-
Vereinigten Königreich sommerlich wurde; auch boten ist durch die Pandemie verstärkt worden, da
wurden weniger Nachrichten geschaut. Mit Aus- die bisherigen Nutzer mehr darauf zugreifen und
nahme der letzten Maiwoche blieb der Konsum neue Nutzer sich erstmals Abonnementangebo-
während des Untersuchungszeitraums bis Ende ten zuwenden, darunter auch ältere Zuschauer,
die t­ ypischerweise mehr klassisch fernsehen als
17 TRP-Studie für Ofcom zum Medienverhalten während der ­ jüngere Konsumenten und sich neuen Diensten
Corona-Pandemie. Felddauer: 17. bis 18. Juni 2020.
18 BARB. bislang langsamer zugewandt hatten.

Aktuelle Entwicklung der Fernseh- und Bewegtbildnutzung


in Frankreich

Vorhandene Geräte zurückgegangen19. Dennoch bleibt das Fernsehge-


In Frankreich verfügt jeder Haushalt durchschnitt- rät weiter das gängigste Empfangsgerät in franzö-
lich über 5,6 Geräte mit einem Bildschirm (Wert sischen Haushalten; 40,4 Prozent verfügen über 2
stabil). Über die zurückliegenden 10 Jahre ist der oder mehr Geräte. Computer und Tablets haben
Anteil französischer Haushalte mit einem Fern- sich in den letzten Jahren stabil gehalten, was auf
sehgerät von nahezu 100 Prozent auf 92 Prozent eine verhältnismäßig große Sättigung des Marktes

19 Nach den Hochrechnungen des CSA liegt die Ausstattung mit


Fernsehgeräten im Jahr 2022 geschätzt auf dem derzeitigen
Niveau und bei Annahme der disruptivsten Entwicklung bei
81  Prozent.

60
Aktuelle Erkenntnisse zum B
­ ewegtbildmarkt in Großbritannien und Frankreich

Abb. 8

Ausstattung mit Bildschirmgeräten im Trend

TV
94,1
93,6
93,1
92,0

Computer
85,1
86,1
85,6
85,7

Tablet
47,3
48,5
48,2
48,6

Smartphone
66,9
72,0
75,0
77,0

0 % 25 % 50 % 75 % 100 %

  Q2 2017    Q2 2018    Q2 2019    Q2 2020

Basis (TV, Computer, Tablet): städtische Haushalte in Frankreich; Basis (Smartphone): Internetnutzer ab 11 Jahren;
Quelle: Médiamétrie für CSA, DGMIC und ANFR, Observatoire de l’équipement audiovisuel des foyers

Abb. 9

Mit dem Internet verbundene TV-Geräte im Trend (in Prozent)

1. Halbjahr 2018
77,2

1. Halbjahr 2019
78,3

1. Halbjahr 2020
82,0

Basis: Haushalte mit TV-Gerät in ihrem Besitz; Quelle: Médiamétrie für CSA, DGMIC und ANFR, Baromètre TV connecté

61
Aktuelle Erkenntnisse zum B
­ ewegtbildmarkt in Großbritannien und Frankreich

Abb. 10

Entwicklung der TV-Empfangswege (in Prozent)

58,2 58,4 59,2


60 55,9 56,7
53,1 54,4 55,0 55,9

54,0 49,1 49,3 49,6 48,9


50 52,4
51,3 50,8 51,4

40

30
22,1 22,0 23,1 23,6 22,5 22,3 21,9 21,1 19,9
20

10

Q2 2016 Q4 2016 Q2 2017 Q4 2017 Q2 2018 Q4 2018 Q2 2019 Q4 2019 Q2 2020

 IPTV    Digitale Terrestrik   Satellit

Basis: Haushalte mit TV-Gerät in ihrem Besitz;


Quelle: Médiamétrie für CSA, DGMIC und ANFR, Observatoire de l’équipement audiovisuel des foyers

schließen lässt. Bei der Ausstattung mit Smart- TV-­Gerät). Smart-TV-Geräte sind in 36 Prozent der
phones sind Jahr für Jahr erhebliche Zuwächse zu Haushalte mit Internet-Fernsehempfang zu finden.
verzeichnen; sie liegt im zweiten Quartal 2020 für Daneben kann der Fernseher über die Spielekonso-
Personen ab 11 Jahren bei 77 Prozent. le (34 Prozent), Streamingsticks oder Set-Top-Boxen
(24 Prozent) und Computer (21 Prozent) mit dem
Internet verbunden werden.
An das Internet angeschlossene Fernsehgeräte
Im ersten Halbjahr 2020 nutzten 82 Prozent der TV-
Haushalte ein internetfähiges Fernsehgerät, über TV-Empfang
das Zugang zu online Inhalten (OTT) und weite- Fernsehen über das Internetprotokoll (IPTV) ist in
ren Angebote möglich ist; dabei wurde überwie- Frankreich seit dem zweiten Quartal 2017 der wich-
gend auf IP-basierte Set-Top-Boxen zurückgegrif- tigste Empfangsweg und rangiert seither vor DVB-
fen (78 Prozent der Haushalte mit internetfähigem T. Im zweiten Quartal 2020 nutzten 59,2 P ­ rozent

62
Aktuelle Erkenntnisse zum B
­ ewegtbildmarkt in Großbritannien und Frankreich

der Haushalte das Internet-Protokoll für den Verbreitungsweg (DVB-T, frei empfangbares Kabel
Empfang linearer TV-Angebote. Der Direktemp- bzw. frei empfangbarer Satellit) auf einem oder
fang über die Terrestrik verzeichnet seit 2011 einen ­allen Bildschirmen.
allmählichen Rückgang. Er belief sich im zweiten
Quartal 2020 auf 48,9 Prozent der TV-Haushalte,
stellt für 22 Prozent der französischen Haushalte Rückgang des TV-Konsums
allerdings nach wie vor den einzigen Empfangsweg In Frankreich lag die tägliche Sehdauer über Bild-
für Fernsehangebote dar und liegt für den Emp- schirme 2019 bei 3 Stunden und 30 Minuten. Sie
fang über das zweite Gerät mit weitem Abstand ist seit 2015 kontinuierlich rückläufig, obwohl seit
vorn. Der lineare TV-Empfang über Satellit stellt diesem Zeitpunkt auch der nachträgliche Konsum
für 19,9 Prozent der Fernsehhaushalte den Haupt- von Angeboten miterfasst wird.
Empfangsweg dar. Insgesamt nutzen mehr als 60
Prozent der TV-Haushalte einen frei empfangbaren

Abb. 11

Entwicklung der täglichen Sehdauer in Frankreich seit 2010 (nur TV-Geräte, in Stunden)

6:00
5:12
5:00
4:34

4:00 3:47 3:50 3:46 3:41 3:44 3:43 3:42


3:32 3:36 3:30

3:00 2:38

2:00 2:12 1:43

1:28
1:00

0:00

2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019

  Alter: ab 4 Jahren    Alter: 15 – 34 Jahre    Alter: 4 – 14 Jahre    Alter: ab 50 Jahren

Quelle: Médiamétrie, Pressemitteilung Médiamat Annuel

63
Aktuelle Erkenntnisse zum B
­ ewegtbildmarkt in Großbritannien und Frankreich

Abb. 12

Durchdringung von Nachholfernsehen in Frankreich (sämtliche Geräte)

2010* 54,3
2011 60,5
2012 67,2
2013 68,9
2014 72,2
2015 73,4
2016 80,2
2017 79,8
2018 77,5
2019 76,0

0 % 25 % 50 % 75 % 100 %

*Q4 2010; Quelle: Harris Interactive bis 2016, Vertigo / CNC, Bilanz 2019

Allerdings sind bei der Sehdauer je nach Alters- TV ausgerichtet sind, erhöht sich die tägliche Seh-
gruppe unterschiedliche Trends zu beobachten: dauer von 3 Stunden und 30 Minuten auf 3 Stun-
Personen ab 50 Jahren haben ihren Fernsehkonsum den und 40 Minuten21.
in den letzten 9 Jahren um 38 Minuten gesteigert,
während er bei Kindern und jungen Erwachsenen Nachholkonsum ist in Frankreich weit verbreitet:
zurückgeht. Im Jahr 2019 nutzten 7,8 Millionen Menschen Fern-
sehinhalte täglich22; insgesamt griffen 76 Prozent
Der Rückgang des Fernsehkonsums insgesamt der über 15-Jährigen wenigstens einmal pro Jahr
wurde teilweise durch den Vormarsch neuer For- darauf zu23. Dennoch ist die Penetration von Nach-
men des Videokonsums ausgeglichen, bei denen hol-Fernsehen seit 2016 rückläufig; es steht zu ver-
die Nutzer ihr Lieblingsprogramm jederzeit über muten, dass dies durch die in letzter Zeit zuneh-
jedes Gerät anschauen können. mende Nutzung von SVoD bedingt ist.

Im Jahr 2019 konsumierten 4,3 Millionen Franzosen


täglich Fernsehinhalte über internetfähige Gerä- Der Aufstieg von SVoD
te (Computer, Tablet oder Smartphone)20. Bezieht Netflix kam in Frankreich im September 2014 auf
man den Konsum über Monitore ein, die nicht auf den Markt. Zwar setzten sich SVoD-Dienste dort
nicht so rasch durch wie in anderen Märkten in

21 Pressemitteilung von Médiamétrie „Médiamat annuel 2019“.


22 Pressemitteilung von Médiamétrie „L’Année TV 2019“.
20 Pressemitteilung von Médiamétrie „L’Année TV 2019“. 23 CNC, Bilan 2019, S.156.

64
Aktuelle Erkenntnisse zum B
­ ewegtbildmarkt in Großbritannien und Frankreich

Abb. 13

SVoD-Nutzer nach Altersgruppen (in Prozent)

2019 Q1

32 28 24 16

2. – 15. März 2020

20 21 26 31

  15 – 24 Jahre    25 – 34 Jahre    35 – 49 Jahre    ab 50 Jahren

Abweichungen von 100 Prozent durch Rundungen; Quelle: CSA nach Médiamétrie / Harris Interactive, Baromètre bimensuel, Juli 2020

Europa (vor allem dem Vereinigten Königreich, den 34 Jahren griffen im Jahr 2019 auf SVoD zu, wäh-
Niederlanden oder den skandinavischen Ländern), rend der Anteil in der Altersgruppe über 50 Jahren
dennoch ist festzustellen, dass sich die Art, wie die 10 Prozent kaum übersteigt25.
Menschen audiovisuelle Inhalte konsumieren, ver-
ändert; dies belegt der in der vorstehenden Grafik Doch ungeachtet der Tatsache, dass junge Men-
ablesbare Rückgang der Sehdauer für traditionel- schen für die SVoD-Nutzung anfangs eine aktive
les Fernsehen. Rolle spielten, zeigt die nachstehende Grafik, dass
im Lauf der Zeit ältere Zuschauer hinzugekommen
Im letzten Quartal 2019 nutzten 31 Prozent der sind.
Franzosen wenigstens einmal in den 12 Monaten
zuvor ein SVoD-Angebot (19,2 Millionen Personen);
dies stellt einen Anstieg um 10 Prozentpunkte Parallele Nutzungen
­gegenüber 2017 dar24. SVoD hat in den vergangenen Jahren rasch an Bo-
den gewonnen und steht im Wettbewerb mit TV-
Wie die Fernsehnutzung ist auch der SVoD-Kon- Inhalten; es liefert vielfältige Qualitätsinhalte, die
sum je nach Alter sehr unterschiedlich: Mehr als überwiegend über den TV-Bildschirm konsumiert
die Hälfte der Franzosen im Alter zwischen 15 und werden und häufig weniger kosten als Pay-TV. Des-
sen ungeachtet hat SVoD aber noch einen weiten
Weg vor sich, bis es mit den Zuschauernzahlen für

24 Médiamétrie, Global SVOD. 25 Médiamétrie, Global SVOD.

65
Aktuelle Erkenntnisse zum B
­ ewegtbildmarkt in Großbritannien und Frankreich

Abb. 14

Tägliche Sehdauer im 1. Quartal 2019 und 2. Quartal 2020 im Wochenmittel (in Stunden)

6:00

5:00 4:43 4:38 4:39

4:00

3:00

2:00
Lockdown

1:00

0:00

Januar Februar März April Mai Juni

 2020   2019

Quelle: CSA nach Médiamétrie, Baromètre bimensuel, Juli 2020

Abb. 15

Tägliche SVoD-Nutzer in Frankreich (in Millionen)

1. Quartal 2019
2,8

2. – 15. März 2019


3,8

30. März – 12. April 2020


6,6

8. – 21. Juni 2020


5,3

0 1 2 3 4 5 67

Quelle: CSA nach Médiamétrie / Harris Interactive, Baromètre bimensuel, Juli 2020

66
Aktuelle Erkenntnisse zum B
­ ewegtbildmarkt in Großbritannien und Frankreich

Fernsehen in Frankreich gleichgezogen hat: Die Wenngleich die Fernsehquoten nach dem Ende
tägliche durchschnittliche Sehdauer, gerechnet des Lockdown sanken, verblieben sie auf einem
über die gesamte Bevölkerung, lag 2019 bei 13 Mi- bedeutend höheren Niveau als 2019; dies könnte
nuten und 30 Sekunden26, da 70 Prozent der Fran- auf einen länger anhaltenden Effekt beim Fernseh-
zosen noch gar kein SVoD genutzt hatten. konsum hinweisen.

Letztlich dürften SVoD und TV nebeneinander be-


stehen, nachdem die Grenzen zwischen linearem Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den
Konsum und Abrufinhalten verschwimmen. Im SVoD-Konsum
vierten Quartal 2019 nutzten 6 Prozent der Fran- Aber nicht nur das Fernsehen hat vom Lockdown
zosen beides täglich, und im Jahr 202027 warf die profitiert: Der Anteil der täglichen Nutzer von
Corona-Krise ein weiteres Schlaglicht auf ihre je- SVoD-Angeboten in Frankreich nahm zwischen
weilige Relevanz im audiovisuellen Sektor. März und Juli 2020 um 45 Prozent zu, während
der jährliche Zuwachs zwischen 2019 und 2020 bei
35 Prozent gelegen hatte.
Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den
TV-Konsum Die Quote der SVoD-Nutzer erreichte im April 2020
Der Lockdown machte die Stärken des traditionel- einen Spitzenwert; dies war die frühe Phase des
len Fernsehens deutlich, das durch digitale Medien Lockdowns und der Start von Disney+ in Frankreich
eine zunehmende Schwächung erfahren hatte. Das am 7. April. In den darauffolgenden Monaten ging
französische Fernsehen kam auf Zuschauerquoten, die Quote zurück und pendelte sich bei etwa 5,5
wie sie seit 2006 nicht mehr erreicht worden wa- Millionen täglichen Nutzern ein.
ren; die tägliche Sehdauer überstieg wiederholt
5 Stunden. Die Dominanz von Netflix beim SVoD-Konsum in
Frankreich wurde in der Zeit, als die Franzosen zu-
Das wiedererwachte Interesse an Fernsehange- hause bleiben mussten, geschwächt, nachdem
boten war in allen Altersgruppen zu verzeichnen, Disney+ gestartet war und die Nutzer Zeit fanden,
sogar bei den jüngsten Zuschauern: Personen zwi- auch andere Angebote wie Prime Video in Augen-
schen 4 und 24 Jahren steigerten ihren Fernseh- schein zu nehmen. Trotzdem liegt Netflix Ende Juni
konsum während des Lockdowns durchschnittlich in der Altersgruppe der 15 bis 34-Jährigen weiter-
um 40 Minuten. hin bei 75 Prozent. Ältere Zuschauer dürften eher
Inhalte lokaler Anbieter nutzen, vor allem über die
SVoD-Dienste von Canal +.

26 Médiamétrie, Global SVOD.


27 Médiamétrie, Global SVOD.

67
Aktuelle Erkenntnisse zum B
­ ewegtbildmarkt in Großbritannien und Frankreich

Abb. 16

SVoD-Konsum nach Diensten in Frankreich 2020 (in Prozent)

4 2
100 4
7 9 11 10 25
9
91 7 7 25
80 12 12 15
10 82 4
74 74 75
2 11
68
60 13
59
54
40

20

0
2. – 15. März 8. – 21. Juni 2. – 15. März 8. – 21. Juni 2. – 15. März 8. – 21. Juni 2. – 15. März 8. – 21. Juni

15 – 24 Jahre 25 – 35 Jahre 35 – 49 Jahre ab 50 Jahren

 Netflix   Disney+    Prime Video    Canal+ Dienste   Sonstige

Quelle: CSA nach Médiamétrie / Harris Interactive, Baromètre bimensuel, Juli 2020

Fazit liegt ­jedoch weiterhin über dem Niveau der Vor-


Vergleicht man die Entwicklungen der Bewegtbild- jahre. Von der Corona-Krise profitiert haben vor
nutzung im Vereinigten Königreich und Frankreich allem Videostreamingdienste. Zwar lag der Peak
miteinander, zeigen sich klare Parallelen. Beide Län- der Nutzung hier auch im Lockdown-Zeitraum,
der verzeichnen im längerfristigen Trend eine teil- die Nutzerzahlen sind jedoch auch anschließend
weise Verschiebung vom klassischen TV-Konsum noch deutlich über der Zeit vor der Krise geblie-
hin zu SVOD und anderen Internetbasierten Video- ben. Dabei sollte allerdings mitbedacht werden,
diensten. Während der Krise erlebte das klassische dass viele Videostreaming-Dienste mit Abonne-
Fernsehen in beiden Ländern ein Comeback – sei- mentmodellen arbeiten, die ihre Kunden in der
ne Nutzung ist während des Lockdowns im Ver- ­Regel für ­einen bestimmten Zeitraum binden.
gleich zum Vorjahr deutlich angestiegen. Mit der Ob die Corona-­Krise sich damit auch mittelfristig
allmählichen Rücknahme der strikten Ausgangsbe- als Booster des ­Videostreaming-Marktes erweist,
schränkungen ist die Nutzung wieder rückläufig, bleibt abzuwarten.

68
69
70
Die Aufgaben der
Landesmedienanstalten
in  der  Plattformregulierung

Die rundfunkrechtliche Plattformregulierung be- Weise gelistet werden. Der Transparenz dient die
fasst sich mit dem chancengleichen Zugang der Veröffentlichung der Sortierkriterien der Plattfor-
Rundfunkangebote zu Netzen und Plattformen so- manbieter.
wie mit der Auffindbarkeit dieser Angebote durch
die Zuschauer. Netzinfrastrukturen und Benutzer- Diese Regulierung erfasst heute nur Benutzerober-
oberflächen stehen zwischen dem Sender und dem flächen von Plattformanbietern. Mit Inkrafttreten
Zuschauer. Sie haben das Potential, den Zugang des neuen Medienstaatsvertrags wird die Regu-
der Sender zum Zuschauer und damit letztlich die lierung künftig auf alle Benutzeroberflächen aus-
freie Meinungsbildung zu beeinflussen. Daher ist geweitet, d. h. auch auf Smart-TV-Geräte, Home-
die Regulierung dieses Bereiches durch eine unab- screens oder Set-Top-Boxen, die einen Überblick
hängige Stelle notwendig. über das Gesamtrundfunkangebot geben und das
unmittelbare Einschalten der einzelnen Program-
me ermöglichen. Der kommende Medienstaatsver-
Auffindbarkeit auf Benutzeroberflächen trag sieht zudem eine Hervorhebung von Program-
gewährleisten mangeboten mit gesellschaftlichem Mehrwert
Auf Benutzeroberflächen, also elektronischen Pro- (Public Value) vor. Die empirische Erhebung im Rah-
grammführern (sog. EPGs), Navigatoren oder Lis- men des Digitalisierungsberichts belegt die Rele-
ten, werden Rundfunkangebote dargestellt. Sie vanz der App-Portale der Smart-TVs für die Auffind-
ermöglichen die unmittelbare Auswahl dieser barkeit der Programmangebote und zeigt, dass die
Programme durch den Zuschauer. Die Medienan- Voreinstellungen auf Ebene der Nutzeroberflächen
stalten stellen die chancengleiche und diskrimi- von großer Bedeutung sind.
nierungsfreie Auffindbarkeit aller Rundfunkan-
gebote auf diesen Oberflächen sicher. So geht es
beispielsweise darum, dass verschiedene Anbieter
einer Programmkategorie auch in vergleichbarer

71
Die Aufgaben der Landesmedienanstalten in  der  Plattformregulierung

Chancengleichen Zugang zu Plattformen mit dem Bundeskartellamt über die Zusammen-


sicherstellen arbeit der Marktbeteiligten gepflegt, und mit der
Must-Carry-Vorgaben sind mit dem Wegfall der Bundesnetzagentur sowie den Ländern wurden die
Kapazitätsknappheit in den Hintergrund getreten. frequenztechnischen Voraussetzungen erarbeitet.
Von hoher Aktualität sind angesichts der zuneh- Diese gute Zusammenarbeit sollte jedoch gesetz-
menden Bedeutung von HDTV und der Vermark- lich stärker verankert und so der Vielfaltssicherung
tung von HD-Programmen durch Plattformbetrei- die notwendige Stellung in diesen Verfahren gege-
ber hingegen die wirtschaftlichen Konditionen der ben werden.
Programmverbreitung. Die Struktur der Entgeltmo-
delle muss vor dem Maßstab der Meinungsvielfalt
Bestand haben. Auf Basis der vertraglichen Verein- Transformationsprozesse begleiten – die
barungen zwischen Sendern und Plattformbetrei- Landesmedienanstalten als Moderatoren
bern wird durch die Medienanstalten überprüft, ob Technologische Fortschritte führen in unregelmä-
vergleichbare Angebote zu vergleichbaren Kondi- ßigen Abständen zu Veränderungen in den Rund-
tionen verbreitet werden. Neben den klassischen funkübertragungswegen. Die Medienanstalten be-
Übertragungswegen gewinnen den Daten und gleiten diese Transformationsprozesse seit Jahren.
Fakten des Digitalisierungsberichts zufolge OTT-
Plattformen zunehmend an Bedeutung für den Beim Umstieg auf das neue Antennenfernsehen
Zugang der Zuschauer zu Rundfunk- und vergleich- DVB-T2 HD, der in einzelnen Regionen noch bis
baren Videoangeboten. Mit dem kommenden Me- 2019 andauert, moderierten die Medienanstalten
dienstaatsvertrag werden die Aufgreifschwellen einen Runden Tisch und gewährleisteten so ein
und Anforderungen an OTT-Programmplattformen gemeinsames Vorgehen zwischen den großen Sen-
dieser neuen Realität angepasst. Auch hier geht es dergruppen und VAUNET. Insbesondere hinsicht-
darum, dass es im Sinne der Vielfalt nicht zur Be- lich der Kommunikation an die Öffentlichkeit und
vorzugung einzelner Angebote kommt. die Fachwelt war im Vorfeld ein guter Austausch
notwendig.

Transparenz und gute Zusammenarbeit Bei der Abschaltung des analogen Kabelempfangs
Die Transparenz der Rundfunkbranche ist ein wich- führten die Medienanstalten zu Beginn mehrere
tiges Anliegen der Medienanstalten. Daher wen- Branchengespräche, um die Positionen von Pro-
den sie sich regelmäßig mit Veranstaltungen und grammveranstaltern, Netzbetreibern sowie der
Publikationen, wie dem vorliegenden Digitalisie- Wohnungswirtschaft in Einklang zu bringen. Der
rungsbericht, an die Öffentlichkeit und laden zur Runde Tisch Kabel-Analog-Digital-Umstieg diente
Information und Diskussion über aktuelle Themen dem Austausch aller Beteiligten über die konkreten
ein. Die Landesmedienanstalten arbeiten bei der Rahmenbedingungen des Umstiegs. Die Zahlen
Plattformregulierung in der Kommission für Zu- des Digitalisierungsberichts geben Aufschluss dar-
lassung und Aufsicht (ZAK) zusammen. Sie sind über, welche Aspekte für einen verbraucherfreund-
zudem im Austausch mit der Bundesnetzagentur lichen Umstieg zu berücksichtigen sind.
und mit dem Bundeskartellamt. Bei der Einfüh-
rung von DVB-T2 HD etwa wurde der Austausch

72
Die Aufgaben der Landesmedienanstalten in  der  Plattformregulierung

Mit Blick auf eine in der Zukunft möglicherweise


bevorstehende Beendigung des Multicasts in SD-
und HD-Qualität erhebt der Digitalisierungsbericht
wichtige Basisdaten zur Haushaltsausstattung mit
HDTV-Geräten und dem Empfang von HDTV-Pro-
grammen und liefert damit die Grundlage für die
Planung und Gestaltung möglicher Zukunftssze-
narien.

73
Autoren

Simon Berghofer hat Publizistik- und Kommunika-


tionswissenschaft, Politikwissenschaft und Neuere
Deutsche Literatur an der Freien Universität Berlin
studiert. Nach dem Studium arbeitete er ­mehrere
Jahre an der Arbeitsstelle Kommunikationspolitik
und Medienökonomie der FU. Hier hat er zu den
Themen Medienregulierung, Medienmärkte und
Media-Governance geforscht, gelehrt und promo-
viert. Seit Anfang 2018 betreut er in der Gemein-
samen Geschäftsstelle der­­Medienanstalten ver-
schiedene Forschungsprojekte im Themenbereich
Digitalisierung, Konvergenz und Mediennutzung.
Dr. Simon Berghofer Darüber hinaus beschäftigt er sich mit medien-
ist Referent für Medienökonomie und ökonomischen Fragen der Plattformregulierung
Forschung in der Gemeinsamen Geschäftsstelle und arbeitet dem Fachausschuss Netze, Technik,
der Medien­anstalten Konvergenz der Z ­ AK/DLM zu.

Der Conseil supérieur de l’audiovisuel (CSA) ist die


französische Rundfunkregulierungsbehörde zur
Gewährleistungen der Rundfunkfreiheit. Zu ihren
Zuständigkeiten zählen: Aufsichtspflichten für den
Erhalt der Medienvielfalt, die Zuteilung und Über-
wachung von Frequenzbändern im Rundfunkbe-
reich sowie die Regulierung der Rundfunkinhalte
hinsichtlich der Achtung der Menschenwürde und
des Jugendmedienschutzes. Darüber hinaus ist die
CSA dafür verantwortlich, die Erhaltung und Ver-
anschaulichung der französischen Sprache und
Kultur durch den Rundfunk zu gewährleisten.

Conseil supérieur de l’audiovisuel


ist die französische Aufsichtsbehörde für
­audiovisuelle Medien

74
Autoren

Marc Hankmann ist seit 2002 freier Fachjourna-


list und schreibt für On- und Offline-Publikationen
über politische, wirtschaftliche und technologische
Themen der audiovisuellen Medienbranche. Der
48-jährige verfügt über langjährige Erfahrung als
Chefredakteur und Redaktionsleiter. Derzeit führt
er u. a. die Redaktion von MediaLABcom an. Darü-
ber hinaus wird Hankmann auch als Moderator für
Unternehmensveranstaltungen, Diskussionsrun-
den und Vortragspanels gebucht. 2019 zählte der
Fachjournalist zur achtköpfigen Jury des renom-
mierten HbbTV Awards.
Marc Hankmann
ist freier Fachjournalist und begleitet seit nun-
mehr über 18 Jahren die Entwicklung der audio-
visuellen Medien mit hintergründigen Beiträgen
und vielfältigem Know-how

Das Office of Communications (Ofcom) ist Groß-


britanniens Regulierungsbehörde für Kommunika-
tion. Ihre gesetzliche Pflicht ist es, den Interessen
der Bürger und Verbraucher zu dienen, indem sie
die Förderung des Wettbewerbs und den Schutz
vor schädlichen oder beleidigenden Inhalten ge-
währleistet. Dieser Pflicht kommt die Behörde
nach, indem sie ihre weitreichenden gesetzlichen
Befugnisse in den Bereichen Rundfunk, Telekom-
munikation und Post nutzt. Die Daten und Analy-
sen, die Ofcom im Digitalisierungsbericht präsen-
tiert, stammen aus dem Bericht „Media Nations
Office of Communications (Ofcom) 2020“, einem Forschungsbericht, der – mit Fokus
ist die britische Aufsichtsbehörde für auf Großbritannien – die wichtigsten Trends in den
­audiovisuelle Medien Bereichen Fernsehen und Online-Video sowie Radio
und weiteren Audiobereichen darlegt.

75
Der sechszehnte Digitalisierungsbericht der Landesmedienanstalten zeigt, dass der
Bewegtbildmarkt in Deutschland und anderen europäischen Ländern auch nach der
Volldigitalisierung im Umbruch bleibt. Ein Schwerpunkt des diesjährigen Berichts
liegt auf dem nächsten potentiellen Umstiegsszenario – dem Switch hin zur reinen
HDTV-Übertragung. Neben einem Überblick zur Einführung und Entwicklung von HDTV
in Deutschland wird auch auf die aktuelle Debatte zur Abschaltung der HD-Übertragung
über Satellit eingegangen.

Die aktuellen Befunde der bevölkerungsrepräsentativen Befragung verdeutlichen, dass


Kabel und Satellit weiterhin die dominierenden Fernsehempfangswege bleiben. Die
Terrestrik konnte ihre Position nach der Vollumstellung auf DVB-T2 HD stabilisieren, die
IP-Übertragung legt im Trend weiter zu. Das gilt sowohl für „klassisches“ IPTV als auch
für die Zahl der Cord-Cutter-TV-Haushalte. Deutlich wird auch, dass Videos mittlerweile
zwar auf einer Vielzahl von Devices genutzt werden, der Fernseher aber für den größten
Teil der Bevölkerung das Herzstück der Videonutzung bleibt. Die Corona Pandemie hat
in vielen Haushalten zu einer Renaissance des klassischen TV-Konsums geführt. Die
tägliche Nutzung des klassischen TV-Programms hat im Vergleich zum Vorjahr deutlich
zugelegt und auch am Connected-TV konnte das klassische TV seinen Vorsprung vor
der OTT-Nutzung wieder ausbauen. Selbstverständlich haben aber auch die Internet-
video-Anbieter vom großen Unterhaltungsbedürfnis während der Corona-Beschrän-
kungen profitiert. Disney konnte sich mit seinem Markteintritt just zum Beginn des
sogenannten „Lockdowns“ mit seinem Angebot Disney+ erfolgreich auf dem dritten
Platz hinter Netflix und Amazon Prime positionieren.

Die Veränderungen und Umbrüche auf dem Bewegtbildmarkt sind aber kein nationales
Phänomen. Ähnliche Entwicklungen wie in Deutschland lassen sich auch in vielen
anderen Staaten beobachten. Davon zeugt auch der gemeinsame Beitrag der britischen
und die französischen Regulierungsbehörden Ofcom und CSA. Sie geben einen Über-
blick über den Status Quo in ihren Ländern und zeigen unter anderem auch, wie sich die
Corona-Pandemie auf die Fernseh- und Videonutzung in Großbritannien und Frankreich
ausgewirkt hat.

Die Digitalisierungsberichte Video und Audio sowie alle weiteren


­Forschungsergebnisse im Detail finden Sie auf unserer Website
www.die-medienanstalten.de in der Rubrik Publikationen.

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