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Poste Italiane s.p.a.

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Spedizione in Abbonamento Postale-D.L.353/2003
(conv.in L.27/02/2004 n°46)art. 1, comma2, NE Bolzano
Tassa Pagata/Taxe Percue I.R.
ISSN 2531-4874

9 772531 487407

Mitteilungsblatt der Schützen der Alpenregion


44. Jahrgang • erscheint zweimonatlich • N° 4 | August 2020 • Bozen · Innsbruck · Kronmetz · Kochel am See

Gemeinsam!
... lautet unser Motto! Mit großer
Dankbarkeit, Motivation, mit Mut
und Demut habe ich meine Arbeit
als Landeskommandant im Bund
der Tiroler Schützenkompanien auf-
genommen. Gemeinsam werden wir
unsere Schützentradition bewahren,
leben, aber auch weiterentwickeln.
Wir werden unsere Kultur und
Landesidentität verteidigen und
fördern – wir Schützen werden sie
schützen! Wir alle, gemeinsam und
miteinander! Die Kooperation mit
den Tiroler Landesmuseen ermög-
licht all unseren Schützen und Mar-
ketenderinnen auf Bildungsreise zu
gehen. In einem Corona-beschränk-
ten Sommer ist das eine konkrete
Antwort — auch darauf, wie wir die
Europaregion Tirol erlebbar machen
können. Gemeinschaftlich eben.

… meint euer neuer


Landeskommandant
Mjr. Thomas Saurer

Rund 100 Südtiroler Schützen (i.B. Bgf. Mjr. Egon Zemmer) übergaben am Landhausplatz in
Bozen die zusammen mit Experten erarbeiteten Vorschläge für Südtirols Zukunft.
Foto: Richard Andergassen
JETZT NEU:
Thomas Saurer
führt den BTSK Südtirol kann
an. von Richard Andergassen
6
Am 3. Juli 2020 wurde Landtagspräsident Josef Noggler von einer Ehrenformation des Südtiro-
ler Schützenbundes am Silvius-Magnago-Platz in Bozen empfangen. Dabei wurden dem Land-
BISHER tagspräsidenten 35 Pakete für die Südtiroler Landtagsabgeordneten mit Lösungsvorschlägen für
UNBEKANNT: die Zukunft unserer Heimat überreicht. Bei seiner kurzen Ansprache meinte Landeskomman-
Wie die Südtiroler dant Jürgen Wirth Anderlan wörtlich: „Es steht uns nicht zu, unsere Politiker zu kritisieren,
45/46 niederge- wohl aber steht es uns zu, die Zukunft unserer Heimat mitzugestalten. Wir sind nicht nur der
halten werden
Verband, der mit Feuerschriften auf den Bergen und Transparenten im Tal seine Wünsche
8 sollten.
äußert. Wir sind auch der Verband, der sich bereits seit Jahren mit zwei Zukunftsszenarien für
unsere Heimat beschäftigt. Einerseits mit der Rückkehr Südtirols zu Österreich und anderer-
seits mit der Eigenstaatlichkeit Südtirols. Mit der fachlichen Unterstützung namhafter Experten
AB SOFORT:
MUSEUM

aus allen Bereichen der Gesellschaft und unter Berücksichtigung aller hier lebenden Volks-
Stark vergüns- gruppen entstand eine Broschüre, die wir Ihnen heute überreichen durften.“ „Nach 100 Jahren
tigster Eintritt Unrecht und nach 100 Jahren Pleiten, Pech und Pannen bei diesem für uns fremden Staat,
in ausgewählte ist wohl die Zeit gekommen, dass sich auch unsere Landespolitiker auf die Verabschiedung
Museen
19 vorbereiten sollten. Denn wer an eine Auferstehung Italiens nach dieser Krise glaubt, der glaubt
wohl auch daran, dass man Wasser schweißen kann. Die Freiheit und die Selbstbestimmung
ENDERINNEN

N AUF BILDUNGSREISE!
„Es steht uns nicht zu, unsere Politiker
zu kritisieren, wohl aber steht es uns zu, N° 4 | August 2020

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die Zukunft unserer Heimat zu gestalten.“

Aus den LANDESTEILEN … Jürgen Wirth Anderlan

sind unser höchstes Gut, und genau dafür uns geerbt und geliehen. Aber nur auf Zeit, Freiheit den Südtiroler Landtag dazu auf,
lohnt es sich zu kämpfen, aus Respekt vor um es unseren Kindern weiterzugeben. Verer- alles Notwendige in die Wege zu leiten.
der Vergangenheit und aus Verantwortung ben wir unseren Kindern aber vor allem eines: Südtirol kann!
der Zukunft gegenüber“, so der Landes- eine sichere Zukunft in einem sicheren Land. Dem Landtagspräsidenten Sepp Noggler über-
kommandant abschließend. Dem Land- Hohe Landespolitik, liebe Südtirolerinnen geben am 3. Juli 2020. n
tagspräsidenten wurde auch ein Manifest und Südtiroler, schreiben wir gemeinsam
übergeben, das in Deutsch, Italienisch und Geschichte und gehen wir gemeinsam diesen
Ladinisch verfasst worden ist. Dort steht: eingeschlagenen, diesen eigenen Weg bis

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Armut und Entbehrung, von harter Arbeit angestrebt. Die Autonomie ist
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Innsbruck
von Heinz Wieser

Mühlbach, das Tor zum Pustertal, feiert 750-jähriges Jubiläum


Im Jahre 1269 wurde Mühlbach zum Markt erhoben. Das 750-Jahr-
Jubiläum hätte also schon im Vorjahr gefeiert werden können. Da aber
die 700-Jahrfeier wegen einiger Probleme auch erst 1970 begangen
wurde, wollte man diesen Rhythmus beibehalten. Die Marktgemeinde
Mühlbach mit den Ortsteilen Mühlbach, Meransen, Spinges und Vals
liegt zehn Kilometer von Brixen entfernt am Eingang zum Pustertal.
Von 1370 bis 1850 unterstand der Ort der Herrschaft Rodenegg. Als
markantes Gebäude im Hauptort Mühlbach fällt der Ansitz Freien-
thurn auf, erbaut zwischen 1269 und 1277. Bis 1771 stand diese Burg
im Besitz der Grafen Enzenberg. Heute nennt es sich Herz-Jesu-Insti-
tut und gehört seit 1856 den Tertiarschwestern von Brixen. Östlich da-
von steht das ehemalige Ballhaus, der Stapelplatz für das Radfuhrwerk
und noch weiter an der linken Straßenseite ein Gasthof, der schon
1460 „Wirtstafern zur Linde“ genannt wurde. Der erkergeschmück-
te Ansitz Kandelburg war von 1698 bis 1817 Gerichtshaus und bis
1842 stets im Besitz der Adelsfamilie von Preu, Pfleger des Gerichtes
Rodenegg. Rechts über dem „Valler Bach“, wie man in Mühlbach sagt, Foto von Dr. Heinz Wieser
steht noch der Ansitz Straßhof, ehemals im Besitz der Grafen Enzen-
berg. Erwähnenswert ist auch noch das Heilbad Bachgart, das es bis ist. 1910 erhielt die dortige Pfarrkirche neue Glasfenster mit der Szene
1914 gab und das schon 1588 als „ein guet Weiber Paad“ bekannt war. Katharina Lanz bei der Schlacht von Spinges 1797. Auf dem Vogelbü-
Von Mühlbach führen seit 1957 eine Schwebebahn und die 1975/78 hel steht das weithin sichtbare Granitkreuz, das an den Sieg der Tiroler
erbaute Straße nach Meransen mit dem Skigebiet Gitschberg, einem über die Franzosen in dieser Schlacht erinnern soll.
blühenden Fremdenverkehrsort. Von der Meransner Straße abzwei- Im Osten der Gemeinde liegt die Mühlbacher Klause: hier beginnt
gend, kommt man an dem früher gegen Rheuma viel besuchten das Pustertal. Im 12. Jh. ließen die Herren von Rodank an dieser Stelle
Valler Bad vorbei nach Vals. Der heutige Ferienort bestand früher aus eine Zollstation errichten. Die Mühlbacher Klause bildete seit 1271,
Schwaighöfen, deren Grundherren neben kirchlichen Körperschaften also seit dem Teilungsvertrag zwischen den beiden Brüdern Mein-
vor allem die Grafen Wolkenstein zu Rodenegg waren. Auf dem Tur- hard und Albert, die Grenze zwischen der Grafschaft Tirol und der
ner- und Burgerhof saßen die Edlen von Vals, die aus dem Geschlecht Grafschaft Görz. Herzog Sigismund ließ die Zollstelle im 15. Jh. in ein
der Mayr zu Niedervintl hervorgegangen sind. Bis 1528 mussten die Jagdschloss umbauen. 1809 diente das Schloss den Bauern als Schutz
Valler nach Rodeneck zur Kirche gehen. 1679 wurde Vals zur Kuratie vor den Franzosen, es wurde 1813 aber erobert und eingeäschert. Der
und 1891 zur Pfarre erhoben und gehört wie die Pfarre Mühlbach 1997 gegründete Verein Mühlbacher Klause restaurierte in Zusam-
zum Dekanat Rodeneck. Kostbarster Schatz der Kirche ist ein Kelch menarbeit mit dem Land Südtirol, der Abteilung Denkmalpflege sowie
aus dem Jahre 1487 (1746 umgegossen), der in der Mühlbacher Klause der Stiftung Südtiroler Sparkasse und der Marktgemeinde Mühlbach
war und von Herzog Sigmund gestiftet wurde. Von Schabs führt eine in mehrjähriger Arbeit die Mühlbacher Klause. Heute ist sie wieder
Straße zum Dorf Spinges, das seit 1891 ebenfalls eine eigene Pfarrei öffentlich zugänglich. n
N° 4 | August 2020

Aus den LANDESTEILEN … 3


Bozen
von Jürgen Wirth Anderlan

Verrückt nach Süden


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Der Süden hat seit jeher eine besondere bekommen, nicht endlich an der Zeit, ernst- porsones co vir te cösc paisc. Feter degügn
Anziehungskraft. Für viele. Manche sind haft und ohne Vorbehalte über einen Weg ne dij plü te Südtirol: “A nos se vara pö bun
verrückt danach. „Wenn man aber im ohne Italien nachzudenken? Wäre es nicht pla Talia.“ La maiu pert ô ma plü odei öna
Süden wohnt – und dieser Süden zu einem angebracht, die plötzlich wieder schmerz- na cossa: en termo, en confin « spostés dal
Staat mit einer weitgehend fremden Men- haft spürbare Grenze nach Süden zu verrü- süd ». Te cösta zircostanza á l’uniun dai
talität gehört, dann ist das anders“, so der cken?“, fragt Jürgen Wirth Anderlan. Denn scizeri de Südtirol encö, ai 02 de jügn, con
Landeskommandant des Südtiroler Schüt- Italien befindet sich in einem kranken Sta- na nea aziun, co pó se lascé odei, fat endô
zenbundes in einer Aussendung. Und die dium des Wahnsinns, wo man alle Probleme baié de ëi. Sön 25 jus emportanc y punc de
letzten Monate dürften selbst den letzten immer nur weiter aufgeschoben hat. Dieser passaje sön le confin dal raiun de Südtirol á
Zweiflern die Augen geöffnet haben. Die Staat hat einfach zu viele Leichen im Keller l’uniun metü sön les tofles d’indicaziun ade-
schärfsten Restriktionen, das größte Chaos und es kommen täglich mehr dazu. Wirth sifs con la scrita « Verrückt nach Süden »,
und die meisten Opfer unter vergleichbaren Anderlan ist überzeugt: „Die wirtschaftliche co oress dí « Spostés dal süd ». Tal nord dal
Staaten. Italien tut Südtirol nicht gut, Italien Rettung Italiens ist gleich aussichtsreich raiun por indize che le confin cuntra le süd
ist ohne Zweifel ein Schaden für alle im wie ein bemannter Flug zur Sonne. Deshalb é gnü sposté y tal süd, é gnü le termo nö dal
Land lebenden Menschen. Kaum jemand sollte „Verrückt nach Süden“ einfach eine stat amarscé emplü con adesifs verc, blanc
in Südtirol sagt mehr: „Uns geht’s ja gut bei neue Bedeutung bekommen“, ist man in der y checi, co è gnüs fissés sora les strades
Italien.“ Die meisten möchten nur mehr Schlernstraße, Sitz des Südtiroler Schützen- ia. Con cösta aziun orunse nos animé i
eines sehen: die Grenze – verrückt nach Sü- bundes, überzeugt. Die Performance des responsabli tal raiun da punsé dô. “Ne fossel
den. Auf diesen Umstand hat der Südtiroler Schützenbundes hielt den ganzen Tag an nia, en conscideraziun dla situaziun caotica
Schützenbund am 2. Juni mit einer weiteren und wurde mit Sonnenuntergang wieder a Roma, che nüsc mituns mess sontí, ora,
aufsehenerregenden Aktion von sich reden gewohnt geordnet entfernt. seriamonter y sonza condiziun da punsé
gemacht. An über 25 wichtigen Pässen und sora en tru sonza la Talia? Ne fossel nia
Übergangspunkten entlang der Landes- Verrückt nach Süden (Ladinisch) conveniënt da sposté cösc confin che an pó
grenze Südtirols hat der Schützenbund im #spostésdalsüd! – L’uniun dai scizeri se endô sontí y co fej dassenn mé, cuntra le
Rahmen einer Performance auf Hinweis- lascia aldí en mertesc dô Pasca de Ma con süd?“ ensciö Jürgen Wirth Anderlan. Dea-
tafeln überdimensionale Aufkleber mit der n’aziun che la Talia é t’en capitul d’assurdité, olache
Aufschrift „Verrückt nach Süden“ ange- Le süd á da dagnora belo na forza d’atra- vigne problematica vën sbürlada. Cösc stat
bracht. Im Norden des Landes als Hinweis, ziun speziala. Por trec. Trec é cinamai mac á sciomplamonter massa trec morc te cianea
dass die Grenze nach Süden verrückt wurde, do le süd. “Sce an vir endere tal süd y cösc y al n’en vën de por de lapró. Wirth Ander-
und im Süden wurde die neue Staatsgrenze alda pa en stat con na mentalité foresta, spo lan é sogü: La salvëza economica dla Talia
zusätzlich mit grün-weiß-roten Aufklebern él atramonter.“ ensciö le comandant dai é avisa tan plena de speranza desco en jore
quer über die Straße gekennzeichnet. Mit scizeri dal raiun de Südtirol. Y i ultimi trei cuntra le soredl de na porsona. Porchël eson
dieser Aktion möchte der SSB die Verant- mensc i á forsc ince daurit i edli ai ultimi tla Schlernstraße, olache l’uniun dai scizeri
wortungsträger im Land zum Nachdenken co dubitâ. Les restritives plü stersces, le dal raiun de Südtriol á la sonta, dla convin-
anregen. „Wäre es angesichts der chaoti- maiu cajin y les plü trepes vitimes sce an ziun, che #spostésdalsüd dess ciafé na nea
schen Zustände in Rom, die wir, unsere confronteia i stac. La Talia ne i fej nia bun relevanza. L’aziun dess döré döt le de y con
Kinder und auch Enkelkinder zu spüren a Südtirol. La Talia é en dann por dötes les le florí de soredl endo gní tuta demez. n
N° 4 | August 2020

4 Aus den LANDESTEILEN …


Innsbruck
von Heinz Wieser

Vor 50 Jahren begann eine Tiroler Erfolgsgeschichte


Vom Gemeinsamen Landtag Bundesland Tirol-Südtirol zum Dreier-Landtag

Durch die Initiativen des damaligen Tiroler


Landtagspräsidenten DDr. Alois Lugger,
des Südtiroler Landtagspräsidenten Dr.
Robert von Fioreschy, des Tiroler Landes-
hauptmannes Eduard Wallnöfer sowie des
Südtiroler Landeshauptmannes Dr. Silvius
Magnago kam es vor 50 Jahren am 19.
Juni 1970 in Bozen erstmals nach über 50
Jahren wieder zu einer Landtagssitzung,
an der Abgeordnete aus Tirol und Südtirol
teilnahmen. Man erinnerte sich dabei an
Graf Meinhard II., der im Jahre 1293 eine
neue Gerichtsordnung für die Grafschaft
„Botzen“ erließ. Meinhard musste sich
dazu die Zustimmung der Stände, also der
Edlen, der Grundherren, der ritterlichen
Dienstmannen, der Bürger und der Bauern
einholen. Dies ist die erste Erwähnung
einer landtagsähnlichen Einrichtung in
Tirol. Man war sich klar, dass dieser erste
gemeinsame Landtag nach so langer Zeit Dreierlandtag Meran, 16. Oktober 2019: (v.l.) Tirols Landtagspräsidentin Sonja
demonstrierte, dass die politische Entwick- Ledl-Rossmann, Südtirols Landtagspräsident Josef Noggler und Walter Kaswalder
lung in Europa so weit fortgeschritten war, Landtagspräsident des Trentino.
dass Kultur- und Wirtschaftsräume, die die
Vergangenheit formten, auch in der Gegen- alte historische Verbundenheit eine neue Bezirksverwaltung Tirols) beendet. Ursache
wart lebendig wurden. gemeinsame Klammer. dafür war ein Antrag auf Begnadigung der
LH Eduard Wallnöfer umschrieb die Be- Bei der dritten Begegnung der Landtage Südtirol-Aktivisten der 60er Jahre, welchen
deutung dieser persönlichen Begegnungen am 31. Mai 1996 in Riva tagte schon ein Abgeordnete aus dem Trentino – trotz ur-
der Vertreter beider Tiroler Landesteile Dreier-Landtag mit Vorarlberg im Beob- sprünglicher Zustimmung in der Vorberei-
mit starker Betonung der rein mensch- achterstatus. tung – zu Fall brachten.
lichen Aspekte: „Mit diesen Begegnungen Am 19. Mai 1998 trafen sich die drei Man beraumte aber etwas später den nächs-
praktizieren wir nicht eine Formalität, Landtage wieder in der alten Tiroler ten Dreier-Landtag im Februar 2005 in
sondern einen neuen politischen Stil, der in Landeshauptstadt Meran, um nun mehr Meran an und erstellte einen aktualisierten
die Zukunft gerichtet und dem Menschen Eigenverantwortlichkeit wahrzunehmen. Katalog gemeinsamer und grenzüberschrei-
zugewandt ist. Dieser Stil und die Begeg- Im Mittelpunkt dieser gemeinsamen tender Probleme. Die 106 Abgeordneten
nung haben den Frieden, die europäische Sitzung stand die Vereinbarung über die beschlossen dabei sämtliche zugelassene
Solidarität, die Demokratie, die Sachlichkeit grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Anträge, 17 davon einstimmig, sieben
und endlich die Menschlichkeit zum Ziel.“ Rahmen einer Europaregion zwischen der mehrheitlich.
Bereits am 14. Mai 1971 kam es im Alten Autonomen Provinz Bozen-Südtirol, der Im Congress Innsbruck fand am 18. April
Landhaus zu Innsbruck zu einer weiteren Autonomen Provinz Trient und dem Land 2007 die Sitzung des Dreier-Landtages
historischen Stunde, als sich beide Landtage Tirol, nachdem bereits eine Geschäftsord- unter Vorsitz des Tiroler Landtagspräsiden-
dort erstmals wieder seit fast 57 Jahren im nung für den Dreier-Landtag genehmigt ten Prof. Ing. Helmut Mader statt. Nach den
alten Sitzungssaal trafen. Am 4. Juli 1914 wurde. In dieser Vereinbarung, mit der der Grußworten der Präsidenten der Landtage
tagte in diesem Haus der letzte volle Alt- Dreier- Landtag Pionierarbeit leistete, kann von Südtirol, Dr. Riccardo Dello Sbarba,
Tiroler Landtag mit 96 Abgeordneten.“ man einen ersten, sanften Schritt hin zur und des Trentino, Dr. Dario Pallaoro, sowie
Im Jahre 1991 war es dann soweit, dass man Europaregion Tirol sehen. von Landeshauptmann DDr. Herwig van
in die gemeinsamen Sitzungen auch das Am 24. Mai 2000 tagten die Landtage so- Staa wies Präsident Mader darauf hin,
Trentino mit einbezog. Durch die beiden dann in Innsbruck und diskutierten über 26 dass dieser gemeinsame und dreisprachi-
Vierer-Landtage 1991 in Meran und 1993 Beschlussanträge, die auch alle angenom- ge Landtag mit seinen 106 Abgeordneten
in Innsbruck (diese beiden Male tagten die men wurden. nachhaltig an der politischen Willensbil-
Landtage des Bundeslandes Tirol, Südtirol Überraschend und vorzeitig wurde am 29. dung innerhalb der Europaregion Südtirol-
und des Trentino gemeinsam mit dem Lan- Mai 2002 die Sitzung des Dreier-Landtages Tirol-Trentino mitwirkt.
desparlament von Vorarlberg) erhielt diese in Riva am Gardasee (einst südlichste
N° 4 | August 2020

Aus den LANDESTEILEN … 5


Beim Dreier-Landtag in Mezzocorona
am 29. Oktober 2009 kam es zu einem
einstimmigen Antrag zur Schaffung eines
Europäischen Verbundes für territoriale
Zusammenarbeit (EVTZ) mit der Bezeich-
nung „Euregio Alto Adige/Südtirol, Tirol
und Trentino“. Damit wurde es erstmalig
möglich, im Rahmen der Europaregion mit
einer Institution zu agieren, die über eine
eigene Rechtspersönlichkeit verfügt.
Ein einstimmiges Bekenntnis zur Makro-
region gab es beim Dreierlandtag am 30.
März 2011 in Meran. Anlässlich dieser ge-
meinsamen Sitzung des Tiroler, Südtiroler
und Trentiner Landtages standen insgesamt
26 Anträge zu den Sachbereichen Euregio,
Wirtschaft, Umwelt, Kultur, Arbeit und Sitzungssaal des Tiroler Landtages: Erste gemeinsame Sitzung der Landtage von Tirol
Gesundheit auf der Tagesordnung. und Südtirol am 14. Mai 1971 in Innsbruck.
Unter dem Vorsitz des Präsidenten des
Tiroler Landtages, DDr. Herwig van Staa
tagte am 28. Oktober 2014 in Schwaz der
Dreierlandtag. Die Abgeordneten der Land-
tage des Bundeslandes Tirol, von Südtirol
und des Trentino debattierten insgesamt 22
Anträge aus den Sachbereichen institutio-
nelle Angelegenheiten und Europaregion,
Gesundheit und Sport, Wirtschaft und
Tourismus sowie Verkehr. Der wichtigste
Antrag war jener zur Ausarbeitung einer
Strategie für die „Makroregion Alpenraum“.
Am 20. und 21. April 2016 trafen sich die
Abgeordneten der Landtage von Tirol, Süd-
tirol und dem Trentino unter dem Vorsitz
des Trentiner Landtagspräsidenten Bruno
Dorigatti in Trient, um sich vor allem mit
der Flüchtlingsfrage zu befassen. Am 16. Empfang vor dem Neuen Landhaus in Innsbruck nach der ersten gemeinsamen
Oktober 2019 fand in Meran eine weitere Sitzung der Landtage von Tirol und Südtirol am 14. Mai 1971 in Innsbruck, v.l.: Südtirols
gemeinsame Sitzung der Landtage von Ti- Landeshauptmann Dr. Silvius Magnago, Südtirols Landtagspräsident Silvio Nicolodi und
rol, Südtirol und Trentino statt, bei der die Tirols Landtagspräsident DDr. Alois Lugg. Fotos: Land Tirol
behandelten 16 Anträge von der Thematik
Verkehr bis hin zur medizinischen Versor- beträgt über 90 Prozent. „Nur 15 Anträge das bisher Erreichte beurteilen mag, und
gung reichte. „Erstmals wurden bei dieser konnten in all den Jahren aus unterschied- es ist bestimmt nicht wenig, wird man an
Sitzung sogenannte Leitanträge eingebracht. lichsten Gründen nicht umgesetzt werden.“ der Tatsache nicht vorübersehen können,
Somit fanden alle 16 eingereichten und zur Angesichts der Tatsache, dass die Rechts- dass ein bis dahin noch unvorstellbarer
Abstimmung gebrachten Anträge Zustim- lagen in den drei Landesteilen durchwegs Fortschritt in Richtung Normalisierung der
mung seitens der Abgeordneten. Die Präsi- differieren, zeugt diese Zahl von der hohen menschlichen Beziehungen erreicht wurde
denten des Tiroler Landtages, Sonja Ledl- Effizienz des gemeinsamen Parlaments. – und dazu zählt alles, was zum Bereich
Rossmann, bezeichnete den Dreier-Landtag Seine bedeutende Funktion als Mittel der gemeinsamer Interessen gehört. Man hat
als Europäisches Vorzeigeprojekt: „In einem gemeinsamen Willensbildung und -artiku- erkannt, dass die politische Grenze dann
Europa der Regionen ist ein gemeinsamer lation bewies der Dreier-Landtag etwa in am besten gesichert ist, wenn sich die Men-
Landtag ein wegweisendes Instrument, um seiner Sitzung in Trient: Als 2016 Grenz- schen auf beiden Seiten verstehen. Und sie
grenzüberschreitend relevante Themen kontrollen am Brenner drohten, konnten verstehen einander besser, wenn man die
diskutieren und Lösungswege finden zu diese trotz unterschiedlicher Ausgangs- zweite Sprache dazulernt. Das Land ohne
können.“ Seit 1991 wurden 213 Anträge positionen dank intensiver Diskussionen Grenze trat aus dem Bilderbuch heraus und
zu unterschiedlichen Themenbereichen schlussendlich abgewendet werden. wurde lebendige Wirklichkeit. Und auch,
behandelt. Die Quote jener Anträge, die Der Dreier-Landtag mit 106 Abgeordneten wer seinen Namen nicht nennt, weiß, dass
von den Landesregierungen gänzlich, mo- aus dem Bereich des „Alten Tirol“ stellt es Tirol heißt. n
difiziert oder teilweise umgesetzt wurden, eine Erfolgsgeschichte dar. Wie immer man
N° 4 | August 2020

6 Aus den LANDESTEILEN …


Innsbruck von Alexander Haider

Coronabedingte Briefwahl der Bundesleitung


für Funktionsperiode 2020– 2023

Die neue Bundesleitung: (v.l.) VKdt. Mjr. Andreas Raas, VKdt. Mjr. Alexander Wanner, Bundesbildungsoffizier Mjr. Hartwig Röck,
Bundesschriftführer Mjr. Jakob Grüner, Bundesgeschäftsführer Mjr. Kurt Mayr, Bundesintranetbeauftragter Lt. Michael Gollner,
LKdt.-Stv. Mjr. Christian Meischl (zurückgetreten), Bundesmark. Franziska Jenewein, LKdt. Mjr. Thomas Saurer, Bundespressereferent Mjr.
Alexander Haider, Landeskurat Dekan Martin Ferner, Bundeswaffenmeister Mjr. Johann Eller, Bundeskassier Mjr. Paul Hauser, VKdt. Mjr.
Christoph Pinzger, Landesjungschützenbetreuer Mjr. Rupert Usel und VKdt. Mjr. Manfred Schachner

„Mutig in die Zukunft: Tiroler Schützentradition leben


und gemeinsam weiterentwickeln!“
Einer der größten und bedeutendsten Traditionsverbände Tirols wähl-
te seinen neuen Landesvorstand: Die Führung des Bundes der Tiroler
Schützenkompanien übergab der bisherige Landeskommandant Mjr.
Mag. Fritz Tiefenthaler seinem bisherigen Adjutanten Mjr. Thomas
Saurer. Insgesamt 322 Stimmberechtigte waren aufgerufen, in Form ei-
ner Briefwahl die neue Bundesleitung zu bestellen, 320 Stimmen wur-
den schließlich per Post retourniert. Im Stadtgasthaus „Haymon“ in
Innsbruck wurde das Wahlergebnis am Herz-Jesu-Samstag bekanntge-
geben. Und im Rahmen der Kommandoübergabe übernahm der mit
187 Stimmen neu gewählte Landeskommandant Mjr. Thomas Saurer
diese verantwortungsvolle Funktion des Tiroler Schützenwesens.

Hohe Walbeteiligung – basisdemokratische Stärkung


des neuen Landeskommandanten!
Der Bund der Tiroler Schützenkompanien vereint in 235 Kompanien Die Kommandoübergabe von Mjr. Mag. Fritz Tiefenthaler an
18.286 Schützen und Marketenderinnen. Im Herbst des vergangenen Mjr. Thomas Saurer Foto: Die Fotografen
Jahres wurde der Beschluss gefasst, dass die Bundesleitung von den
235 Hauptleuten der Mitgliedskompanien im Bundesland Tirol, den 70 Jahre BTSK: Emotionale Kommandoübergabe am
insgesamt 75 stimmberechtigten Mitgliedern des Bundesausschusses Gründungsort des Bundes
und den 12 Ehren-Offizieren des Bundes gewählt wird. Die Festle- Gemäß dem Beschluss des Bundesausschusses wurde also die Wahl
gung des statutenkonformen Wahlprozederes wurde als „basisdemo- der neuen Bundesleitung für die bevorstehende Funktionsperio-
kratische Stärkung des neuen Landeskommandanten“ erachtet und de von 2020 bis 2023 mittels Briefwahl durchgeführt. Schließlich
mit einer Wahlbeteiligung von 99,38 % durch die Mitgliedskompani- trat die Wahlkommission unter der Leitung der vier Viertelkom-
en zudem bekräftigt. Als Landeskommandant-Stellvertreter standen mandanten im Stadtgasthaus „Haymon“ zusammen, bewusst an
jeweils die beiden Landeskommandanten-Kandidaten zur Verfügung diesem für den BTSK bedeutsamen Ort, zumal dort vor 70 Jahren
– mittels schriftlicher Einverständniserklärung hatten die Stimm- der Landesverband der Tiroler Schützen gegründet wurde. Mit der
berechtigten der Vorgehensweise zugestimmt, dass der an Stimmen Bekanntgabe des Wahlergebnisses erfolgte die Kommandoüberga-
zweitgereihte Kandidat für die Funktion des LKdt.-Stellvertreters als be: Der bisherige Landeskommandant Mjr. Mag. Fritz Tiefenthaler
gewählt gilt. Der bisherige Landeskommandant-Stellvertreter Mjr. überreichte Mjr. Thomas Saurer den vom ersten Landeskomman-
Christian Meischl hat mit Bekanntgabe des Wahlergebnisses das Amt danten des Bundes der Tiroler Schützenkompanien, Alt-Landes-
zwar angenommen, allerdings hat er kurz darauf den Rücktritt aus hauptmann Josef Schumacher, gestifteten Landeskommandanten-
familiären und privaten Gründen erklärt. Säbel. Die neue Bundesleitung als oberstes Leitungsgremium im
N° 4 | August 2020

Aus den LANDESTEILEN … 7


Bund der Tiroler Schützenkompanien wurde anschließend konsti- den Wunsch aus, diese ehrenvolle Tätigkeit fortzusetzen. Pfarrer
tuiert und setzt sich künftig wie folgt zusammen: Martin Ferner kommt dieser Bitte gerne nach. n

Wahlergebnis – Schriftliche Wahl der Bundesleitung,


Funktionsperiode 2020–2023 „Ich wünsche dem neugewählten Landeskommandanten und
- Landeskommandant: Mjr. Thomas Saurer seiner Bundesleitung viele schöne Erfahrungen, den Rückhalt
- Landeskommandant-Stellvertreter: derzeit nicht besetzt, durch die Offiziere und Funktionäre in all unseren Orga-
Wahl am 24.10.2020 nisationsebenen und – besonders wichtig – viel Glück und
- Landeskurat: Pfarrer Martin Ferner Gesundheit!“
- Bundesgeschäftsführer: Mjr. Kurt Mayr Ehem. LKdt. Mjr. Fritz Tiefenthaler
- Bundesschriftführer: Mjr. Jakob Grüner
- Bundeskassier: Mjr. Paul Hauser „Mit großem Dank und voller Motivation, mit Mut, aber auch
- Bundeswaffenmeister: Mjr. Johann Eller mit der entsprechenden Demut freue ich mich auf meine
- Bundesbildungsoffizier: Mjr. Hartwig Röck bevorstehenden Aufgaben als Landeskommandant. Gemein-
- Landesjungschützenbetreuer: Mjr. Rupert Usel sam werden wir die Tiroler Schützentradition bewahren,
- Bundespressereferent: Mjr. Alexander Haider leben, aber auch weiterentwickeln. Wir werden unsere Kultur
- Bundesmarketenderin: Franziska Jenewein und Landesidentität verteidigen und fördern – wir Schützen
Der Landeskurat wurde nicht gewählt – er wird grundsätzlich gebeten, werden sie schützen! Und wir werden dabei eine starke Kraft
diese Funktion wahrzunehmen. Der neue Landeskommandant sprach in unserem Land sein.“
gegenüber dem bisherigen Landeskuraten Pfarrer Mag. Martin Ferner LKdt. Mjr. Thomas Saurer

Brixen
von Jürgen Wirth Anderlan und Thomas Saurer

Gemeinsame Heimat Tirol als Auftrag


Der neu gewählte Landeskommandant im BTSK Mjr. Thomas Saurer wurde von Südtirols LKdt. Mjr. Jürgen Wirth Anderlan zu
einem ersten Arbeitsgespräch nach Südtirol eingeladen. Die beiden Landeskommandanten trafen sich am 7. Juli in Brixen —
dabei war die Fortsetzung der guten, gemeinschaftlichen und wertschätzenden Zusammenarbeit das zentrale Thema.

„Wir haben uns sowohl über laufende


und bevorstehende Projekte als auch über
kommende Termine ausgetauscht. Dazu
wird es eine gute Abstimmung geben,
welche wir gemeinsam realisieren wollen“,
erklärte LKdt. Jürgen Wirth Anderlan nach
dem Gespräch. LKdt. Thomas Saurer fasste
zusammen: „Wir arbeiten miteinander für
unsere gemeinsame Heimat Tirol, ganz im
Sinne unserer Landesidentität. Unser Ziel
ist es, die Menschen zusammenzubringen.
Denn unsere Europaregion Tirol wollen
wir als gemeinsamen Lebensraum stärken.
Besonders die Schützenbünde von Tirol,
Süd- und Welschtirol leben die Europaregi-
on Tirol.“ n

V.l. Die Landeskommandanten


Mjr. Jürgen Wirth Anderlan und
Mjr. Thomas Saurer

Bozen
von Richard Andergassen

Bundesbüro des SSB umgezogen


Der Südtiroler Schützenbund ist in sein neues Büro im Kampill bei zukünftigem Schrift- und Parteienverkehr zu berücksichtigen.
Center übersiedelt. Ab sofort befindet sich der Sitz des Südtiroler Südtiroler Schützenbund, Kampill Center, 2. Stock
Schützenbundes nicht mehr im Waltherhaus, sondern im Kampill Innsbrucker-Straße 29, 39100 Bozen n
Center in der Innsbrucker-Straße 29 in Bozen. Wir ersuchen dies
N° 4 | August 2020

8 Aus den LANDESTEILEN …


Bozen
von Christian Plaickner

Kriegsende 1945 - Jahrzehnte lang geheim gehaltene Berichte enthüllen:


Wie die Südtiroler durch Terror niedergehalten wurden
Am Ende des Zweiten Weltkrieges blühte in Südtirol die Hoffnung auf, dass der Weg des Leidens beendet und ein wiederver-
eintes Land Tirol mit dem Vaterland Österreich wiedervereinigt werden könne.
Wie wir heute wissen, lag dies aber nicht in der Absicht der westlichen Alliierten, welche Italien in ein westliches Bündnis
einbauen wollten und daher die Politik Roms unterstützten.
Wenig bekannt ist hingegen, dass damals die deutschen und ladinischen Südtiroler nicht nur durch staatliche Kundgebungs-
verbote, sondern auch durch behördlich geduldeten Terror daran gehindert wurden, öffentlich für die Selbstbestimmung auf-
zutreten. Die meisten Zeitzeugen jener Jahre sind bereits verstorben und die damalige Presse stand unter Zensur und durfte
Berichte über solche Geschehnisse nicht veröffentlichen.

Der Terror importierter „Nachkriegspartisanen“ feste, Rodenegg, Bozen und in zahlreichen anderen Orten.
Gewalttäter, die sich als italienische „Partisanen“ ausgaben, aber Uniformierte Banditen gingen mit Maschinenpistolen und sogar
auch Männer in italienischen Militäruniformen bedrohten damals mit Handgranaten gegen die einheimische Bevölkerung vor. Man
die deutsche und ladinische Bevölkerung, plünderten, raubten und könnte nun argumentieren, dass in Umbruchszeiten eben solche
mordeten sogar in einer Reihe von Fällen. kriminellen Taten nicht außergewöhnlich sind. Die zeitgeschichtli-
Die alliierte Militärregierung, die italienischen Behörden und die chen Dokumente enthüllen jedoch, dass die staatlichen Behörden
Regierung in Rom duldeten nahezu ausnahmslos dieses Gesche- so gut wie nichts dagegen unternahmen. Das hatte zur Folge, dass
hen. Dadurch wurde die einheimische Bevölkerung Südtirols an sich eine verängstigte Bevölkerung in ihren Häusern verbarri-
politischen Aktionen gehindert und weiterhin unterdrückt. Auch kadierte, statt in machtvollen öffentlichen Demonstrationen die
wenn die Motive der Gewalttäter zumeist wohl kriminelle waren, so Wiederherstellung der Landeseinheit zu verlangen.
waren die Auswirkungen dieses Geschehens von politischer Bedeu-
tung. Zugleich erfolgte nämlich die Refaschistisierung des öffent- Geheim gesammelte Berichte
lichen Lebens in Südtirol und die weitere Förderung der Zuwan- Bei den kürzlich aufgetauchten Dokumenten handelt es sich um
derung aus Süditalien. Nun sind erschütternde Dokumente über bislang nicht publizierte Berichte betroffener Terror-Opfer, welche
damals von Pfarrämtern, aber auch von SVP-Ortsgruppen protokol-
liert und – zum Teil als Originale, zum Teil als Kopien – auf gefähr-

Bislang unbekannte Dokumente


enthüllen erschütternde
Ereignisse unmittelbar nach Kriegsende.

Italienische Bewaffnete zu Kriegsende

das Terror-Geschehen aufgetaucht, welche derzeit wissenschaftlich


aufgearbeitet werden.
Die damals nach Österreich verbrachten Berichte schildern, wie so
genannte „Nachkriegspartisanen“ mit Lastwagen aus dem Süden
nach Südtirol gebracht wurden, wo es zu Plünderungen, Raubüber-
fällen und sogar zu Mordtaten kam. Unter diesen angeblichen Par-
tisanen befanden sich auch ehemalige Faschisten, welche sich nun
als Kommunisten ausgaben und mit Sowjetemblemen schmückten.
Zudem terrorisierten bewaffnete Banden in italienischen Militär-
uniformen die Bevölkerung. Es kam zu gewaltsamen Übergriffen in
Mals, in St. Valentin auf der Heide, in Toblach, Naturns, Franzens-
N° 4 | August 2020

Aus den LANDESTEILEN … 9


lichen Wegen über die Berge nach Nordtirol Weg mitteilen lassen, dass sich Österreich
gebracht wurden. mit einer Autonomielösung für Südtirol
Diese Berichte wurden weitgehend auch in zufriedengeben würde, während er als
Österreich unter Verschluss gehalten. Man Bundeskanzler öffentlich noch lauthals die
war auf das Wohlwollen der westlichen Rückkehr Südtirols zu Österreich forderte.
Alliierten angewiesen, um den erhofften
Staatsvertrag und damit die Souveränität Nur der Klerus stellte sich unerschrocken
Österreichs zu erreichen. Zudem sollte auf die Seite des Volkes
es unter dem Vorzeichen christlich- Die damalige politische Führung in Südtirol
demokratischer Verbundenheit offenbar und in Österreich hatte in dieser Situation
jahrzehntelang im Interesse österreichischer leider versagt. Rühmend muss man hervor-
Partei- und Regierungspolitik liegen, solche heben, dass zu Beginn des Jahres 1946 der
Berichte geheimzuhalten, um Rom nicht zu Fürstbischof Dr. Johannes Geisler, Kano-
verärgern und das politische Gesprächskli- nikus Michael Gamper und der gesamte
ma nicht zu belasten. Südtiroler Klerus es ermöglichten, dass das
In Südtirol selbst hatten Zeitungen wie Volk Südtirols doch seine Stimme erheben
die „Dolomiten“ oder der „Volksbote“, das konnte. Unter dem Schutz der Kirche fan-
Parteiorgan der Südtiroler Volkspartei, den landesweite „Gebetsstürme“ und Volks-
im Jahre 1945 keine Berichte über diese wallfahrten zehntausender Pilger statt. Über
Ausschreitungen veröffentlichen können, da diese kirchlichen Veranstaltungen konnte
die alliierte Zensur ebenso wie die italieni-
schen Behörden keine „Beunruhigung“ der
einheimischen Bevölkerung wollten.

Eine geduckte politische Führung


Die damalige Parteispitze der Südtiroler
Volkspartei forderte zwar auf dem Papier
die Selbstbestimmung für Südtirol, organi-
sierte aber keine Volkskundgebungen und
keinen Proteststurm gegen die Terrorakte.
Der Parteiobmann Erich Amonn und sein
Generalsekretär Dr. Josef Raffeiner fürch-
teten nach eigenen Aussagen (mittels des
immer noch in Kraft befindlichen faschisti-
schen Strafgesetzbuches, des „Codice Pena-
le“), wegen „Schmähung“ der italienischen
Nation und der bewaffneten Streitkräfte
angeklagt zu werden, wenn sie die ihnen
aus den einzelnen Ortsgruppen der Partei
zugegangenen Berichte öffentlich machten. Bericht in der „Tiroler Tageszeitung“
Sie hielten sie daher unter der Decke der vom 20. April 1946.
Verschwiegenheit und informierten auch
die Vertreter der alliierten Militärregierung – die Alliierten, denen die letzte Entschei-
aus Angst nur mündlich. dung zusteht, und die Machthaber Italiens,
mögen sie nun im Palazzo Viminale in Rom
Auch Wien nahm Rücksicht auf Rom und sitzen oder hier in der Provinz. Sie alle sind
auf die Alliierten verantwortlich vor Gott und der Geschichte
Viele dieser Berichte gelangten auch zur Fürstbischof Dr. Johannes Geisler für das Glück dieses ihnen anvertrauten
Kenntnis der österreichischen Regierungs- Volkes. Sie alle geht der Notschrei an, der
politiker in Wien. Diese nahmen jedoch auch die Presse berichten. Die „Dolomiten“ in diesen Tagen aus Hunderttausenden von
ebenfalls Rücksicht auf den Wunsch der schrieben am 16. April 1946: „Volk in Not“ Herzen zum Himmel dringt.“
Amerikaner und Briten, so wenig politi- (…) diese betenden Volksscharen sagen es
sche Unruhe wie möglich zu erzeugen, und uns, daß es um mehr geht. (...) Es geht um Eine historische Aufarbeitung dieses Zeit-
machten den Inhalt der Südtiroler Berichte Glück oder Unglück, um Leben oder Sterben abschnitts ist bislang nicht erfolgt, obwohl
der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Als eines Volkes. sie dringend von Nöten wäre. Einerseits,
besonders willfährig sollte sich hier Bun- Eben darum geht diese Not des Volkes nicht damit man die Zusammenhänge besser
deskanzler Leopold Figl (ÖVP) erweisen. nur den Herrgott an, bei dem es Zuflucht versteht, andererseits, damit die dunklen
Dieser sollte sogar den christdemokrati- sucht, sondern auch all jene Menschen, de- Ereignisse jener Zeit nicht in Vergessenheit
schen Freunden in Italien auf vertraulichem nen sein Schicksal in die Hand gegeben ist geraten. n
Archiv F.J.Roner N° 4 | August 2020

10 Aus den LANDESTEILEN …


Bozen
von Franzjosef Roner

iatz! – Heute aktueller denn je.


Die Arbeitsgruppe iatz! im Südtiroler Schützenbund beschäftigt sich mit verschiedenen Szenarien, wie sich Südtirol in
Zukunft entfalten kann und sich gleichzeitig vor den nachteiligen Wirren des Verwaltungsapparates Roms schützen kann.
Zu den Grundrechten innerhalb eines modernen und demokratischen Gemeinwesens gehört es, dass die Menschen gut und
bürgernah verwaltet werden. Und wenn die Bürger mit ihrer Verwaltung unzufrieden sind, dürfen sie diese austauschen
und, wenn nötig, auch selbst gänzlich neu aufbauen.

© SSB/Jasmin Hofer

Ein wiedervereintes Tirol in Österreich Selbstbestimmung ohne Sezession gen und die sich ständig ändernde Arbeits-
Immer wieder zeigt sich, dass das Bundes- Ein selbstbestimmtes Südtirol könnte sich und Steuergesetzgebung, in Corona-Zeiten
land Tirol über größere Entscheidungs- auch ohne Sezession verwirklichen lassen. waren es – unter anderem – die strengsten
spielräume verfügt als das angeblich so Dazu braucht es aber eine echte Autono- Ausgangssperren Europas. Das Südtiroler
autonome Land Südtirol. Eine Wiederver- mie, die sich diesen Namen auch wirklich Gesundheitswesen wäre gegen die Pandemie
einigung mit Österreich würde nicht nur verdient. Wirtschaft, Soziales, Schule und gewiss besser gewappnet gewesen, wenn uns
den kulturellen und historischen Bedingun- Gesundheit sollen in Südtirol unabhängig nicht staatliche Vorgaben zu radikalen Ein-
gen gerecht, sondern würde Südtirol auch von Rom gestaltet werden, ohne Einmi- schnitten gezwungen hätten. Die Corona-
zurück in einen zukunftsfähigen EU-Staat schung des Zentralstaates. Dazu braucht Krise kann und muss uns als Lehrbeispiel
bringen. Dabei könnte Südtirol ein Teil des es auch eine unabhängige Rentenvorsorge, dienen. Wenn wir klug sind, lernen wir sehr
Bundeslandes Tirol oder ein eigenes Bun- eine eigene Finanzhoheit, Landespolizei viel aus dieser Erfahrung. Die nächste Krise
desland werden – dies würden die Tiroler und eine eigene Gerichtsbarkeit. kommt bestimmt, und darauf müssen wir
diesseits und jenseits des Brenners gemein- vorbereitet sein. Es gilt die Zeit zu nutzen
sam demokratisch entscheiden. Mehrheit aller Bürger sei unser Souverän – bevor es zu spät ist. Ein solcher Vorberei-
Welcher Weg beschritten werden soll, tungsprozess benötigt viele Jahre, demokra-
Südtirol als unabhängiger Staat würden alle in Südtirol wohnhaften Wähler tische Diskussionen und zähe Verhandlun-
wie die Schweiz entscheiden, gleich welcher Herkunft und gen – sehr zähe Verhandlungen. Die Väter
Südtirol könnte sich z.B. wie die Schweiz Sprache – zu ihrem eigenen Wohl und zum der Südtiroler Autonomie wussten, dass
entwickeln, wo Bürger verschiedener Spra- Wohle ihrer Heimat. Demokratie kann und eine Kuschelpolitik gegenüber Rom unsere
chen miteinander leben und ihre Identität darf niemals illegal sein! Heimat nicht weiterbringt. Der Autonomie-
selbst bestimmen, ohne dass diese von einer konvent hat die Wünsche und Bedürfnisse
fernen Hauptstadt aufoktroyiert wird. Als Die Corona-Krise hat die Schwächen des der Südtiroler Bevölkerung aufgezeigt, sie
Begegnungsraum der deutschen, italieni- Stiefelstaates wieder offenbart. Aufgrund sind eine klare Handlungsaufforderung an
schen und rätoromanischen Sprachen und einer Situation, die fernab von Südtirol unter die Politik. Nun gilt es jetzt - iatz! – erste
Kulturen könnte sich ein unabhängiger vollständig anderen Bedingungen entstan- Schritte für eine bessere Zukunft Südtirols
Staat Südtirol – begünstigt durch seine den ist, werden die Südtiroler mit drako- einzuleiten. Der Weg zu einem selbstbe-
zentrale Lage – zu einem Vorreiter eines nischen und überzogenen Maßnahmen stimmten Südtirol mag noch so lang sein, er
modernen, demokratischen, bürgernahen konfrontiert. Gestern waren es noch die hy- ist allemal besser als das passive Hoffen auf
Europa der Regionen entwickeln. perkomplizierten Anti-Mafia-Bestimmun- ein irgendein römisches Einsehen. n
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Aus den LANDESTEILEN … 11


Graun
von Andreas Raffeiner

Vor 70 Jahren: Als der Kirchturm übrigblieb

Altgraun Foto: Valentin Paulmichl Reschen Foto: Marion Lafogler

Als Alt-Graun dem Erdboden gleichgemacht wurde Zurück in den Vinschgau


Bis 1950 erstreckten sich im oberen Vinschgau mit dem Reschen-, 1950 wurde auch den letzten Idealisten im oberen Vinschgau klar,
dem Mitter- und dem Haidersee drei Naturseen auf einer wei- dass alles umsonst war. Der Stausee wurde Wirklichkeit. Im Vorjahr
ten Fläche. Der Mittersee wurde auch Grauner See genannt. Die wurde der See probemäßig gestaut. Die Kraftwerke bei Glurns und
Gewässer zogen schon zu k.u.k.-Zeiten das Interesse der Elektroge- Kastelbell sollten mit dem Wasser des Stausees gespeist und eröffnet
sellschaften auf sich. So gab es einen Entwurf für die Stauung des werden. Niemand wurde von dieser Probestauung informiert. Viele
Mitter- und Reschensees aus der Feder des Geologen Raimund von konnten das Futter keineswegs rechtzeitig einbringen. Da viele
Klebelsberg. Bis zur Realisierung der Idee dauerte es noch 40 Jahre. Ställe, Stadel, Häuser und deren Keller nach abgestandenem Wasser
rochen, wurden diese unbewohnbar. Alle Gebäude, die in der Nähe
Die Rolle der SEAA des Stausees lagen, wurden gesprengt. Nur der seit 1314 bestehende
Nach Diskussionen und Beurteilungen vieler Projekte hatte die Kirchturm blieb erhalten. Er erinnert still an Alt-Graun und an das
SEAA (Società Elettrica Alto Adige), ein Unternehmen aus dem Dorf, das den Energie-Bedürfnissen der modernen Gesellschaft
Hause Montecatini, im Rennen um die Konzession für die Stau- weichen musste.
ung die Nase vorn. 1940 wurde mit den Bauarbeiten begonnen;
zehn Jahre später wurden diese abgeschlossen. Mit 116 Millionen Verarmung, gehen oder bleiben?
Kubikmeter Fassungsvermögen wurde der See zum größten Stausee Vor der Stauung zählte die Gemeinde 2.400 Seelen, von denen der
im südlichen Tirol, der die Kraftwerke bei Kastelbell und Schlu- Großteil von der Viehzucht lebte. Nach der Stauung wurde vielen
derns speist. Auch der Haidersee sollte dem Stauseewahn weichen. die Lebensgrundlage entzogen. Sie standen vor der Frage, ob sie
Die Einwohner lebten in Angst, ehe der Chemiekonzern 1967 den sich in den neuen Dörfern Graun oder Reschen heimisch fühlen
Antrag zurückzog. würden oder nicht. Die finanzielle Abfindung war nicht groß. Von
100 Familien entschieden sich 35 Familien zu bleiben. Ein weiteres
Blick in die faschistische Ära Drittel zog in andere Gemeinden des Vinschgau, während der Rest
Südtirol erlebte unter dem Faschismus keine gute Zeit. Der Ausbau im Nonstal oder in Österreich ein Zuhause fand. Beim Eingang ins
der lokalen Wasserkraft und die Konzession für den Reschenstausee Langtauferer Tal erbaute die Montecatini eine Barackensiedlung für
fielen in diese Epoche. Der Ausbau diente der Staatsmacht als Er- jene, deren Häuser in den neuen Dörfern noch nicht fertiggestellt
klärung für die Industrialisierungsabsichten Südtirols. Parallel dazu waren. Das betraf die Jahre 1952 bis 1954.
wurde die Wasserkraft nach der Errichtung der standortfremden
Industrie im Süden Bozens als eine dringend erforderliche Folge Und heute?
dargestellt. Der Kirchturm im See ist für Touristen ein beliebtes Foto- und ein
Die Entstehung der Industriezone hatte sich zum Ziel gesetzt, Italie- bekanntes Postkartenmotiv. Er ist aber auch ein sinnverwandtes
ner aus den alten Provinzen anzusiedeln, und dabei die demografi- Wort für ein tragisches Kapitel der (Süd-)Tiroler Landesgeschichte.
schen Begebenheiten im Land auf den Kopf zu stellen und die deut- Er steht im Wasser des Reschen-Stausees und grüßt die Einwohner
sche Mehrheit in die Rolle einer Minderheit zu drängen. In Bezug Alt-Grauns, die ihre Heimat, ihre Häuser und ihre Höfe verloren
auf Bozen war dieses Unterfangen den Machthabern gelungen. Aus haben. Trotzdem wurde die neue Heimat nie die Heimat, die sie im
einer mittelalterlichen Tiroler Stadt mit 30.000 Einwohnern wurde Herzen trugen. n
Bozen innerhalb weniger Jahre zu einer Stadt mit 100.000 Einwoh-
nern, die zu gut 70 Prozent italienischer Muttersprache sind.
Glorifizierung des Faschismus

12
im südlichen Tirol

Aus den LANDESTEILEN …


Pinzon
von Lukas Wegscheider

Von der Ex-„Negerhütte“ und faschistischen Relikten


„Wohl ist die Welt so groß und weit“ – und diese schöne, weite - Die ursprünglich 1936 eingeführte via Duca D'Aosta (nach dem
Welt kann man am besten bei arger Hitze in der Höhe sehr gut ge- „Kriegshelden“ und „letzten Verteidiger“ des Kolonialreichs
nießen. Klappt bei uns in Tirol ja besonders gut. In lustiger Runde, Amedeo di Savoia-Aosta), 1946 in Spitalgasse umbenannt, 1953
mit guten Freunden, bei Tönnies-freiem Speck und einem Glasl auf Druck von Veteranenorganisationen als Bezeichnung einer
guten Vernatsch lebt es sich ja fast wie in einem Werbespot. Zum anderen Straße, der heutigen Duca-D’Aosta-Allee, wiedereinge-
Ganzen kann man dann eben beherzt aufsingen. In einer der vielen führt.
Hütten auf unseren Gipfeln. Im Herzen der Dolomiten, auf der - Die Padre-Reginaldo-Giuliani-Straße, wie die Locatellistraße
„Capanna nera“ zum Beispiel. nach einem „Märtyrer“ des Abessinienkrieges benannt, 1946 in
Andreas-Hofer-Straße um- und 1949 in Giulianistraße rückbe-
Und jetzt fängt unsere Geschichte an: denn diese Capanna nera, nannt wurde.
diese schwarze Hütte, hatte auch einmal einen deutschen Namen: - Die Rhodosstraße, die an die Eroberung der Dodekanesinseln
„Negerhütte“. Bis einige Mitmenschen darauf aufmerksam gewor- erinnert, die von 1912 bis 1943 zum italienischen Kolonialreich
den sind und mit einer Online-Petition die Betreiber aufgefordert gehörten.
haben, im Zuge der Black-lives-matter-Diskussion den Namen - Die 1936 so benannte Tripolisstraße, deren Name 1949 auf
abzuändern. So weit, so gut - die Besitzer sind diesem „Wunsch“ Vorschlag eines sozialistischen Gemeinderatsmitglieds bestätigt
mittlerweile auch nachgekommen. Gewisse Wörter sind einfach wurde, weil sie auf den ersten Italienisch-türkischen Krieg und
nicht mehr zeitgemäß und tragfähig, weil auch das Verständnis nicht auf den Faschismus Bezug nehme. Bei dieser Entscheidung
von Sprache historischen Wandlungen unterliegt. Und die heutige seien jedoch die faschistischen Kriegsverbrechen in Libyen unbe-
Konnotation ist einmal eine andere als vor hundert Jahren. Unsere rücksichtigt geblieben.
Omas, als kleines Beispiel, beteten noch „Gegrüßt seist du, Maria, - Der Mazziniplatz zu Ehren des italienischen Risorgimento und
gebenedeit unter den Weibern.“ Hört man heutzutage eben auch somit eines vereinigten italienischen Nationalstaats. Der Platz
nicht mehr, und gerade in Zeiten politischer Umwälzungen, gerade wurde 1939 in Piazza dell’Impero und 1946 in Mazziniplatz
in unseren Breitengraden, gilt es, diesbezüglich besonders fein- umbenannt.
hörig zu sein. Eine Negerhütte also, wie der Namen auch immer
zustande gekommen ist, ist in der heutigen Zeit untragbar. Dass die
deutsche Bezeichnung ersatzlos gestrichen wurde, ist dann wieder
eine andere Sache. Man hätte sie an die italienische Form anpassen
und einfach „Schwarze Hütte“ umbenennen können. Oder, noch
besser, einen einzigen, autochthonen, ladinischen Namen anführen
können. Aber am Ende entscheiden die Eigentümer. So, wie andere
auch die Benennung ihrer eigenen vier Wände selbst bestimmen
können. 

Und jetzt kommt eben die Millionenfrage mit Telefon-Joker: Wenn


man es eben gut und richtig findet, dass so eine Gaststätte nicht
mehr die „N“-Bezeichnung in ihrem Namen führt, wäre es doch
naheliegend, auch die Entfernung anderer Benennungen erdenken
zu dürfen. Zu müssen. Gelegenheiten gibt es in unserem Lande
mehr als genug.

Ein kleiner „kultureller“ Rundgang:


- Die erst 1953 und auf Vorschlag des neofaschistischen MSI so
getaufte Amba-Alagi-Straße, die an den Verlust des Kolonial-
imperiums erinnern (und vor dem möglichen Verlust Südtirols)
warnen sollte.
- Die Antonio-Locatelli-Straße, die 1936 nach dem Piloten und
„glühenden Faschisten“ benannt, nach dem Krieg in Giuseppe-
Craffonara-Straße umbenannt und 1949 wieder in Antonio-Loca-
telli-Straße rückbenannt wurde. (Locatelli war als Freiwilliger im
Abessinienkrieg gewesen.)
- Die Drususstraße und die Drususbrücke, deren Namen (nach
dem angeblichen Romanisierer germanischer Gebiete) die kolo-
nialistische und expansionistische Ideologie vorwegnahmen, die Die Weiterbelebung vom Faschismus in der touristischen Werbung.
später auch in Libyen und Eritrea zum Zuge kam. Zum einen wird mit dem Siegesdenkmal Südtirol beworben, zum
anderen werden rein italianisierte Bezeichnungen verwendet.
N° 4 | August 2020

Aus den LANDESTEILEN … 13


- Das Alpinidenkmal in Bruneck.
- Die Siegessäule am gleichnamigen Platz (hinter dem gleichnami-
gen Denkmal).
- Ein Flachrelief am Siegesplatz, das unter anderem die Befreiung
versklavter Völker als ein „Geschenk“ der faschistischen „Zivilisa-
tion“ am Höhepunkt des faschistischen Expansionismus darstellt.
- Die Flachreliefs und Inschriften (Verse von Vergil und Horaz)
an den ehemaligen INA- und INFPS-Gebäuden am Siegesplatz.
- Das Piffrader-Relief am Finanzgebäude auf dem Gerichtsplatz.
- Und schließlich die Otto-Huber-Kaserne, die nach einem fa-
schistischen „Kriegshelden“ aus Südtirol benannt ist und auf die
der Befreiungsausschuss Südtirol (BAS) 1956 einen Bombenan-
schlag verübt hat. Huber ist auch in Meran eine Straße gewidmet.
Einer ähnlichen Logik der Ehrung einheimischer Faschisten folgt
die Benennung der Wackernellkaserne in Mals, die noch heute
unter diesem Namen (teilweise) als Carabinieri-Kaserne dient.
(Diese Auflistung stammt vom Schweizer Historiker Sebastian De
Pretto von der Universität Luzern, veröffentlicht auf dem BBD-Blog
und ist dort nachzulesen. Empfehlenswert auch sein erst vor wenigen
Monaten erschienenes Buch „Im Kampf um Geschichte(n). Erinne-
rungsorte des Abessinienkriegs in Südtirol.“)

Wie man von anderen nichts lernen will:


Den Ossarien widmen wir an anderer Stelle einen eigenen Arti-
kel. Während also im fernen San Francisco der gute Christophorus
Kolumbus samt Socken vom Sockel gelupft wurde, wird im Herzen
Europas ein anderes, richtiges Schandmal munter aufpoliert und
erhalten. Während in Australien Nägel mit Köpfen gemacht wurden
und das australische Wahrzeichen Ayers Rock in das historische Faschisten an ebensolchen Monumenten
Uluru umbenannt wurde, während der höchste Berg der USA,
der McKinley nach hundert Jahren wieder zum ursprünglichen
Denali erhoben wurde, starteten auch bei uns einige Historiker den
Versuch, das sogenannte Siegesdenkmal zu depotentialisieren. So
richtig erfolgreich war die Aktion aber nicht. Es blieb bei einem
„Versüchlein“. Richtig ran zu gehen getraute man sich anschei-
nend nicht. Schon allein, dass der Internetauftritt unter „www.
siegesdenkmal.com“ abrufbar ist, spricht Bände. „Aus Respekt vor
der italienischen Gemeinschaft.“ – „Um nicht einen Keil in die
Gesellschaft zu trieben.“ „Solche Wahrzeichen gehören zu unse-
rer Geschichte.“ „Sie müssen in dieser Form erhalten bleiben, um
nachkommende Generationen zu warnen.“ Na super. Wenn dem so
ist, rühren wir mal schnell Beton, um weitere Mahnmale von Böse-
wichten aufzustellen. Mao Tse-Tung zum Beispiel, der ist Listen-
führer der „Megamörder“: Bis zu 76 Millionen Opfer forderte seine
33 Jahre lange Herrschaft in China. Dann noch eines dem Herodes
widmen und eines sicher der bösen Hexe von Hänsel und Gre-
tel. „Hier an den Grenzen des Vaterlandes setze die (Feld-)Zeichen.
Von hier aus bildeten wir die Übrigen durch Sprache, Gesetze und
Künste.“ So die Inschrift auf dem Marmorklotz, welche eigentlich
nicht die angestammte Bevölkerung beleidigt, sondern viel mehr
jene, die das in die Fassade gemeißelt haben. Und noch mehr jene,
die immer noch zu dessen Erhaltung beitragen. Ursprünglich war
anstelle von ceteros („die Übrigen“) das Wort barbaros („die Bar-
baren“) vorgesehen gewesen. Trotz der abgemildeteren Wortwahl
blieb die intendierte Aussage unmissverständlich.

An der vorigen Jahrhundertwende war der Analphabetismus in


Tirol auf einem Stand von 7,1%. In Italien, welches dank einer „kul-
turell, politischen und militärischer Überlegenheit“ den Bewohnern
N° 4 | August 2020

14 Aus den LANDESTEILEN …

In jenem Viertel, wo später faschistische Protzbauten entstanden, Diese Villen wurden dem Erdboden gleich gemacht und
standen einst prächtige Villen angesehener Bozner Familien. Betonblöcke im imperialistischen Stil erbaut.

unseres „zurückgebliebenen“ Randgebiets die Zivilisation beschert sich anschafften, sie zu reinigen. Also genau jene, die eigentlich in
hat, konnten 55 von 100 Erwachsenen weder lesen noch schreiben. erster Linie gemahnmalt werden sollten. Anschließend sei noch ein
Wir haben uns verstanden.  Emilio Comici erwähnt. Comici, dem der italienische Alpenverein
eine Schutzhütte gewidmet hat, war glühender Faschist und war als
Oben Faschismus, im Keller Erklärungen. solcher auch faschistischer Kommissar der Gemeinde Wolkenstein.
Und so steht der protzige Bau immer noch im vollsten Glanze, Ausgerechnet diese Gemeinde hat am 10. Oktober 2010 diesem
ersichtlich von allen Seiten, ganz im Sinne der Erbauer. Erklärende Herrn eine Bronzestatue aufgestellt. Unglaublich. Antonio Locatelli,
Tafeln gibt es. In sicherer Entfernung, mit schwammigem Bla-Bla- auch Hüttennamensgeber, war obendrein ein richtiger Kriegsver-
Text und weitab des Denkmals. Den Teil, das „Dokumentationszen- brecher. In seinen Briefen, in denen er von der Bombardierung der
trum“, welches eigentlich das Ganze aufklären sollte, hat man in die Zivilbevölkerung Äthiopiens schrieb, prahlte er - wie nebst Frauen
Besenkammer darunter, in die sogenannte Krypta hineingewurstelt. und Kindern - auch das Vieh durch Splitterbomben zerfetzt wurde.
Manche, die sich mal dahin begeben haben, fragen sich immer
noch, wieso bei solch einer Installation so gewusert wurde. Hat Die Kohärenz fehlt
das mit fehlendem Mut zu tun oder fehlendem Willen? Oder kann Wenn man also zu Recht den Namen Negerhütte aufgegeben hat,
es die vermeintliche Spitze unserer einheimischen Historikerriege weil die heutige Interpretation des Begriffes rassistisch ist, dann
nicht besser? Jedenfalls ist die (Halb-)Wahrheit begraben worden, sollte man auch eine Locatelli-Hütte umbenennen, die nach einem
während die Lüge immer noch in der Sonne glänzen darf. Doch Mann benannt ist, der Rassismus mit der Ermordung von farbigen
nicht nur das faschistische Italien hegte und pflegte seine Monu- Menschen konkret praktiziert hat.
mente. Auch das demokratische ist bei gewissen Anlässen noch weit
von einem europäischen Standard entfernt. Selbst die Gemeinde Also dann, bei Hitze nichts wie rauf in die Höh’. Auf den Klocker-
Bozen, unter der damaligen Führung einer Mitte-links-Koalition karkopf, nicht die Vetta d'Italia. Ist für manche zwar dasselbe, aber
mit Bürgermeister Luigi Spagnolli (PD) ließ ein neues „faschisti- nicht für alle das Gleiche. Mit Einkehr bei einer Hütte. Doch da ist,
sches“ Mahnmal errichten: eine Stele zu Ehren von Norma Cossetto wie wir gesehen haben, Vorsicht geboten. Von den Bergen kann
- Tochter eines faschistischen Parteiführers aus Istrien, die 1943 man vortrefflich in die Umgebung blicken und dabei lernen, nicht
von Partisanen misshandelt und umgebracht wurde. Kurz danach auf andere herunter zu schauen. 
wurde in der faschistischen „Sozialrepublik“ von Benito Mussolini
ein paramilitärisches Frauenkorps nach ihr benannt. Wer die ersten Schließen will ich mit der Schluss-Strophe des Bergsteigerliedes, ei-
waren, die sich die Ehre gaben, an solch einem Mahnmal aufzumar- nem Lied aus den letzten 20er Jahren, in welchem das Wort Südtirol
schieren, kann man auch ohne Telefon-Joker leicht erraten. nicht vorkommen durfte:
„Und wenn dann einst, so leid mir’s tut,
Unlängst haben Jugendliche in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mein Lebenslicht erlischt,
Straßenschilder, welche an Persönlichkeiten oder Orte mit faschisti- freu ich mich, dass der Himmel auch
scher Vergangenheit erinnern, mit Farbe besprüht. Prompt rückten schön wie die Heimat ist!“
wiederum postfaschistische Parteimitglieder und Verbände aus, um
die befleckte Unschuld wieder herzustellen. Wie gut diese Mahn- Nur hoffentlich befreit von solchen Relikten. Das wird der liebe
male funktionieren, hat man also daran gesehen, dass ausgerech- Gott dann schon richten. n
net die Jungs von CasaClown und die Brüder von Fratelli d’Italia
N° 4 | August 2020

München
von Hans Baur

Die Bedeutung des Jahres 1870 für die


Bayerischen Gebirgsschützen
Die Tradition der Gebirgsschützen lässt sich weit zurückverfolgen.
Ende des 16. Jahrhunderts erkannte man die Notwendigkeit, die
Verteidigung des Landes den sog. Landwehren oder Landfahnen
zu übertragen. Kurfürst Maximilian I. hat von 1595 bis 1600 die
Grundlagen der Landesdefension gelegt.
Der Begriff „Bayerische Gebirgsschützen“ geht zurück auf die erst-
malige „Organisation eines Corps baierischer Gebirgs-Schützen“ am
17. Oktober 1805 durch Kurfürst Maximilian den IV., den späteren
König Max Joseph I, der in den Landgerichten Fischbach, Aybling,
Miesbach, Bad Tölz, Weilheim, Schongau und Wertenfels ein eige- sein, dass es mir zu besonderer Freude gereicht hat, an der Spitze so
nes Corps der Gebirgsschützen aufstellen ließ. Mit dieser Neuorga- braver, gesinnungstreuer Männer gestanden zu haben.“
nisation wurden die Gebirgsschützen Teil der Bayerischen Armee. Die Angleichung der Struktur des bayerischen Heeres und die des
In den Jahren 1809 bzw. 1813/14 und 1848 wurden die Gebirgs- preußischen brachte die Auflösung aller Gebirgsschützenkompani-
schützen erneut organisiert. Jedes Mal handelte es sich um eine en mit sich. Nicht aufgelöst wurde die seit dem ersten Viertel des 17.
Reaktion auf Gefahren, die von der Tiroler Grenze her drohten. Jahrhunderts nachgewiesene Antlaßschützenkompanie Lenggries.
Die Gebirgsschützen waren „zur Vertheidigung der Gränzen und Sie war nämlich nicht – wie alle übrigen Gebirgsschützenkompani-
Plätze“ im Gebirge, für die Abwehr feindlicher Überfälle, nicht je- en – in die Königliche Landwehr eingegliedert. Sie war eine völlig
doch zum Vorstoß ins Nachbarland und somit nur zum Schutz der unabhängige bürgerliche Formation, die sich dem Paradedienst bei
engeren Heimat in den Bergen bzw. in der gebirgsnahen Gegend kirchlichen Prozessionen und dem sportlichen Schießen widmete.
bestimmt. Als Antlaßschützen definierte man sich aber auch in Benediktbeu-
1865 dachte man bereits an eine Auflösung der Landwehr älterer ern, Gaißach und Wackersberg. Sie fühlten sich deshalb von der
Ordnung bzw. eine Reform des Heerwesens, bei der eine Gebirgs- Auflösungsentscheidung des Staates nicht betroffen. Wenn der Staat
schützenorganisation keinen Platz mehr hatte. Im Juli 1866 wurden sich dafür entschieden hatte, die Gebirgsschützen aus ihrer Pflicht
allerdings nochmals Gebirgsschützenkompanien aufgeboten – zur Landesverteidigung zu entlassen, war das seine Sache. Das
Preußen und der Deutsche Bund unter der Führung Österreichs musste aber nicht bedeuten, dass die Gebirgsschützen ihre Funktion
lagen im Krieg und Bayern war auf der Seite Österreichs beteiligt. als kirchliche Ehrengarde, wie sich die Kompanie Benediktbeuern-
Am 21. August 1866 gab man sogar noch eine „technische Instruk- Bichl-Ried bezeichnete, eingebüßt hatte. Diese vier Kompanien
tion für die Organisation der Gebirgs-Schützen“ mit Skizzen von blieben beieinander und versahen weiterhin Prozessionsdienste.
Kompanien in Gefechtsstellung heraus. Der Krieg war aber bereits Auch die Gebirgsschützenkompanien Gmund und Schliersee leis-
im September 1866 durch das rasche Handeln Preußens zu dessen teten dem Auflösungsbeschluss nicht Folge. Die Schlierseer werden
Gunsten beendet. In wenigen Wochen war die Entscheidung über zwar erst 1906 wieder selbständige Kompanie, aber die Jahre von
die Zukunft Mitteleuropas gefallen. Die Gebirgsschützen waren gar 1870 bis 1906 halten sie ihre Gebirgsschützentradition unter dem
nicht zum Einsatz gekommen. Eine neue Zeit kündigte sich an. Dach des Veteranenvereins lebendig.
Am 3. Januar 1869 erfuhren die Landwehr- und Gebirgsschützenab- Zum Gedenken: „200 Jahre Volksaufstand von 1705“ kam es
teilungen, dass König Ludwig II. „nach Vernehmung unseres Staats- zu Wiedergründungen von Kompanien an Orten, an denen die
rathes und mit Beirath um Zustimmung der Kammer der Kreis- Erinnerung an eine eigene Kompanie noch wach war, so z.B. in der
räthe und der Kammer der Abgeordneten“ beschlossen habe, die Jachenau.
Landwehr als „Bürgerwehr“ bis zum 1. Januar 1870 beizubehalten Mittlerweile zählt der Bund der Bayerischen Gebirgsschützen-Kom-
und dann aufzulösen. Mit einem Tagesbefehl vom 27.12.1869 ver- panien 47 Kompanien.
abschiedete sich der Oberbefehlshaber Prinz Adalbert: „(…) gehört
auch die Landwehr älterer Ordnung nunmehr der Vergangenheit Quellen:
an. Der Geist dieses ehrwürdigen Instituts wird in den ehemaligen Musik und Tradition, Heft Nr. 52 Mai 2020, Beitrag von Heiner
Mitgliedern fortbestehen und ihr Patriotismus wird, solange baye- Oberhorner
risches Blut in ihren Adern fließt, nie und nimmer mehr erlöschen. Hefte zur Bayerischen Geschichte und Kultur, Band 23, Leo Weber;
Indem ich mein Commando niederlege, rufe ich der Landwehr Gerhard Maier (Red. Manfred Treml)
Oberbayerns ein herzliches Lebewohl zu, möge dieselbe versichert Martin Haberfellner, unveröffentlichte Aufzeichnungen n
Berichte aus Bayern N° 4 | August 2020

16
Ehrungen für langjährige Mitgliedschaft mit der
Goldenen Verdienstmedaille am weiß-blauen Band
60 Jahre: Johann Müller, Jachenau Anton Grabinger, Eschenlohe
Johann Haslinger, Gaißach Josef Oswald, Jachenau Johann Jais, Eschenlohe
Martin Englert, Ellbach Klaus Walter, Tegernsee Johann Kalb, Eschenlohe
Alois Ertl, Ellbach Alfred Zinecker, Tegernsee Paul Mangold, Eschenlohe
Xaver Ibelherr, Ellbach Alfred Zipfel, Tegernsee Werner Englert, Kochel
Karl Hiller, Ellbach Konrad Zehrer, Gotzinger Trommel Johann Benz, Wackersberg
Anton Huber, Gmund Bertl Freiberger, Gmund Hans Oberhauser, Garmisch
Edgar Dvorak, Audorf Ernst Berghammer, Schliersee-Agatharie Leonhard Ostler, Garmisch
Martin Kurz, Audorf Werner Ulbrich, Tölz Christoph Ostler, Garmisch
Johann Holzner, Wackersberg Stefan Baader sen., Königsdorf Johann Höck sen., Beuerberg-Herrnhausen
Josef Simon, Wackersberg Josef Egold sen., Königsdorf Martin Höck, Beuerberg-Herrnhausen
Matthäus Hammerl, Benediktbeuern-Ried Georg Frisch, Königsdorf Sebastian Urban, Beuerberg-Herrnhausen
Anton Heinritzi, Benediktbeuern-Ried Johann Geiger sen., Königsdorf Rupert Hamberger, Neubeuern
Leonhard Kohlauf, Lenggries Anton Günthner, Königsdorf Sebastian Heibler, Neubeuern
Johann Frauenrieder, Reichersbeuern Johann Hofherr sen., Königsdorf Thomas Peisl, Neubeuern
Franz Wechselberger, Reichersbeuern Josef Huber, Königsdorf Johann Poll sen., Neubeuern
Josef Langeder, Reichersbeuern Lorenz Huber, Königsdorf Peter Prankl, Neubeuern
Klaus Jocher, Partenkirchen Horst Kail sen., Königsdorf Markus Schmid, Neubeuern
Hansjörg Neuner sen., Partenkirchen Erwin Müller, Königsdorf Sebastian Schmid, Neubeuern
Franz Raab, Partenkirchen Franz Obermüller sen., Königsdorf Johann Stuffer sen., Neubeuern
Franz Lindl, Partenkirchen Georg Orterer, Königsdorf Konrad Stuffer, Neubeuern
Marin Reiser, Königsdorf Isidor Gerg, Lenggries
50 Jahre Alois Riesch sen., Königsdorf Jakob Heiß, Lenggries
Karl Steininger, Gotzinger Trommel Dr. Ulrich Unflath, Königsdorf Gerhard Mannert, Reichersbeuern
Korbinian Jaud, Gaißach Johann Vogl, Königsdorf
Michael Haslinger, Gaißach Josef Will, Königsdorf

Unterwössen
von Anton Greimel, Ehrengauhauptmann Baon. Inn-Chiemgau

Marketenderinnen
Marketenderinnen sind die Zierde einer
Schützenkompanie oder einer Musikkapelle
mit weiblicher Anmut. Ihre Wurzeln haben
sie in den mittelalterlichen Landsknecht-,
Söldner- und Militärformationen. Sie folgten
der Truppe im Felde und versorgten sie
mit Marketenderwaren, Lebensmitteln,
Getränken und sonstigem. Bei den Schüt-
zen in der Landesverteidigung gab es keine
Marketenderinnen. Die Schützen- und
Gebirgsschützenkompanien waren ja in der
näheren Heimat eingesetzt. Sie wurden aus
dem unmittelbaren Umfeld oder von ihren
eigenen Leuten verpflegt. Daher bedurften
sie keiner Marketenderware. Das Wesen der
Marketenderinnen, wie wir sie heute kennen,
kommt aus Tirol. Als ausländische Truppen
im 19. Jahrhundert durch die Alpentäler nien. Bei Festen schenken sie Schnaps aus die Konkurrenz unter den Mädchen abgebaut
zogen, erweckten die Marketenderinnen und erfreuen die Schützen mit Anmut und und gegenseitige Unterstützung erweckt. Seit
besonders bei den Schützen Neugierde und Schlagfertigkeit. Ihr Stellenwert ist insgesamt 30 Jahren sind die Marketenderinnen aus
regten zur Nachahmung an. Die Marketen- gestiegen. Sie dürfen vorne in der Nähe des dem Inn-Chiemgau zum freundschaftlichen
derinnen wurden zu einem festen Bestandteil Hauptmanns marschieren. Im Inn-Chiemgau Marketenderinnen-Schießen eingeladen.
der Schützenkompanien mit Fässchen und werden die Marketenderinnen seit den Sie hoffen, dass das 1. Bayerische Marketen-
Schnaps kredenzend. In Bayern traten die 1980er Jahren zur Fortbildung eingeladen. Sie derinnen-Treffen mit Gästen aus Tirol und
Marketenderinnen in den Gebirgsschützen- werden über Geschichte, Aufgabe und natür- Südtirol – das in diesem Jahr der Corona-
kompanien erst nach dem 2. Weltkrieg richtig liches Aussehen und Auftreten unterrichtet. Pandemie zum Opfer gefallen ist – im Jahr
in Erscheinung; aber nicht bei allen Kompa- Neben dem Sich-Kennenlernen wird auch 2021 nachgeholt werden kann. n
N° 4 | August 2020 Berichte aus Bayern

17
Rottach-Egern
von Hans Baur

90 Jahre Egerner Preissingen


Der Kiem-Pauli und Prof. Kurt Huber für das heutige Musizieren“ – so bewertet tungsmusik, Schlager oder Tradimix, „es ist
hatten die Idee zu einem Sänger- und Sepp Eibl in seinem Buch „Eine Dokumen- das echte, das bodengewachsene Volkslied,
Musikantentreffen, und es gelang ihnen, tation“ das Preissingen in Rottach-Egern. das zum Menschen gehört, wie die Welt, in
im Jahr 1930 eine solche Veranstaltung im Sepp Sontheim sagte einmal: „Unser der er lebt“, sagte der Kiem Pauli. Diese Art
Gasthof Überfahrt in Rottach-Egern zu Volkslied hat überlebt – die NS-Zeit, in des Singens und des Musizierens aus Liebe
organisieren. 48 Gruppen aus dem Alpen- der es sehr strapaziert wurde, und den 2. zur Landschaft, zu den Menschen, der Ei-
gebiet wurden an den Tegernsee eingeladen, Weltkrieg mit seinen Folgen, der Ameri- genart, deren Musikalität, die es auch heute
aus denen 8 Preisträger hervorgingen. kanisierung. Es geht von den alten Liedern noch genauso gibt, hat ihren Ursprung in
Übertragen wurde die Veranstaltung neben und Weisen immer noch ein eigenartiger der Forschung von Kiem Pauli und Prof.
anderen Sendern von der Deutschen Stunde Zauber aus (…), der auf ein Weiterleben Kurt Huber.
in Bayern. Dem Leitartikel von Heiner unserer Volksmusik hoffen lässt.“ Der Bairisch-Alpenländische Volksmusik-
Oberhorner in der Zeitschrift „Musik und Der Kiem Pauli verteidigte das Singen verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, ge-
Tradition“, die der Bairisch-Alpenländische immer als ein unkommerzielles, heimatzu- nau diese Form der Musik zu erhalten und
Volksmusikverein herausgibt, ist die nach- gewandtes Tun, gegenüber den Ansprüchen zu pflegen, aber auch mit neuen Liedern
stehende Würdigung der Bedeutung dieses der Massenmedien und des Fremdenver- und Musikstücken weiterleben zu lassen.
Ereignisses entnommen: kehrs. Die Art und die Form von Musik, die Damit folgt er den großen Gedanken des
„Das 1. Oberbayerische Preissingen am 29. der Kiem Pauli gesammelt hat, wird heute Kiem Pauli – und dieses Erbe gilt es zu
und 30. März 1930 in Egern am Tegernsee als echtes, traditionelles Volkslied bzw. als bewahren. n
legte den Grundstein für die Entwicklung echte Volksmusik bezeichnet. Es ist eben
der bereits totgeglaubten Volksmusik und nicht volkstümliche Volksmusik, Unterhal-

Eschenlohe
von Hans Jais

50 Jahre Gebirgsschützenbataillon
Werdenfels
Am 26. Februar 1970 gründeten in Parten- Bei dieser Gründungsversammlung wurde
kirchen die vier Kompanien Partenkirchen, beschlossen, jedes Jahr ein Bataillonsfest zu
Garmisch, Mittenwald und Eschenlohe das feiern. Der Zeitraum wurde später auf zwei
Gebirgsschützenbataillon „Werdenfels“. Die Jahre abgeändert. Mittlerweile umfasst das
vier Hauptleute mit Georg Wörnle, An- Bataillon Werdenfels mit Kohlgrub, Murnau,
ton Ostler, Karl Neff und Sebastian Wörle Wallgau, Ohlstadt und Oberammergau neun
mit jeweils vier Gebirgsschützen von den Kompanien. Auch die gesellige Seite kommt
Kompanien waren die „Taufpaten“. Gottfried nicht zu kurz; man trifft sich zum Batail-
Schretter und Otto Geisenberger sind noch lonsschießen und dem Bataillonseisschie-
Zeitzeugen dieser Gründung. Zum Batail- ßen. Derzeit wird das Bataillon von Hans
lonskommandanten wurde Georg Wörnle Jais (Eschenlohe) geführt. Er wird dabei
(Mittenwald), zum Stellvertreter Anton von seinem Stellvertreter Thomas Maurer
Ostler (Partenkirchen) und zum Adjutan- (Garmisch) und seinem Adjutanten Anton
ten Simon Maurer (Garmisch) gewählt. Witting (Partenkirchen) unterstützt. n
Berichte aus Bayern N° 4 | August 2020

18
Wir gratulieren …
Ehrenhauptmann Alfred Baier – 85
Am 14.06.2020 konnte der Ehrenhaupt- natstage der Bayerischen Gebirgsschützen
mann der GSK Tegernsee Alfred Baier in den Jahren 1996 und 2003 aus. Sein
seinen 85. Geburtstag feiern. Seit 65 Jahren Wirken hatte nicht nur ein stattliches Heim
ist er aktives Mitglied der Kompanie, war für die Kompanie zum Ergebnis, sondern
56 Jahre Mitglied der Hauptmannschaft auch das Mariendenkmal in der Ortsmitte
und führte 15 Jahre lang als Hauptmann die von Egern, einen Leonhardi-Wagen, enge
Kompanie. 2009 wurde er zum Ehrenhaupt- Freundschaften mit Tiroler Kompanien
mann ernannt. und vieles mehr. Seine tatkräftige Hilfe im
Die Verdienste von Alfred Baier sind um- sozialen Bereich verdient besondere Aner-
fassend und haben ihn weit über die Gren- kennung.
zen seiner Heimat hinaus bekannt gemacht. Die Gebirgsschützen wünschen ihm noch
Er zeichnete 1983 für das Alpenregionsfest viele Jahre im Kreise seiner Kompanie,
der Gebirgsschützen verantwortlich und persönliches Wohlergehen, und vor allem
richtete mit seinen Kameraden die Patro- Gesundheit! n

München Wolfratshausen Tegernsee


von Hans Baur

„Heimat. Gefühl“ Helmut Hirsch † Pfarrer Wolfgang


Das Bayerische Heimatministerium will Der langjährige Leutnant der GSK Wolfrats- Seubert †
mit einer Online-Umfrage anregen, sich hausen ist am 26.05.2020 nach schwerer
mit der eigenen Heimat auseinanderzuset- Krankheit im Alter von 76 Jahren verstor- Der langjährige Schützenkurat Pfarrer
zen und sich ins Gedächtnis zu rufen, was ben. Seit 1976 war er Mitglied der Kompa- Wolfgang Seubert ist im Alter von fast 87
man an Bayern besonders schätzt. Gesucht nie, der er 33 Jahre lang als Kompanieschrei- Jahren am 02.05.2020 verstorben. Er war
werden die ganz persönlichen Favoriten ber diente. Aufgrund seiner Verdienste seit 01.02.2001 aktives Mitglied der Kompa-
der Menschen in Bayern in den Kategorien wurde er 2015 zum Ehrenleutnant ernannt. nie Tegernsee und seit 2006 Schützenkurat
„Naturschönheiten und Umwelt“, „Kultur Die Kompanie verliert mit Helmut Hirsch und Mitglied der Hauptmannschaft. Seine
und Architektur“ und „Lebensgefühl und einen hervorragenden und hochgeachtete Schützenkameraden werden ihm ein ehren-
Zusammenhalt“. Kameraden, der sich um das Gebirgsschüt- des Gedenken bewahren. n
Vom 20. Juli bis 04. September 2020 kön- zenwesen verdient gemacht hat. n
nen die persönlichen Schätze unter www.
heimat.bayern/heimatgefuehl im Internet
hochgeladen werden. Vom 07. Bis 30. Sep-
tember 2020 wird dann über die Favoriten
abgestimmt. An der Umfrage können alle
bayerischen Bürger und Bürgerinnen über
16 Jahre teilnehmen. Es winken attraktive
Sachpreise:
- fürs Hochladen: 30 Jahreskarten als
Familien- bzw. Partnerkarte für die
Sehenswürdigkeiten der Bayerischen
Schlösserverwaltung
- fürs Abstimmen: 60 limitierte Fotokalen-
der „DEIN BAYERN. DEINE HEIMAT“
20/21 n

Corona - wichtige Informationen des Landeshauptmanns


Die Versammlung der Gauhauptleute hat in ihrer Sitzung am 10.07.2020 beschlossen, in diesem Jahr kein Bundesschießen durchzuführen
und auch kein Jubiläumsschießen „100 Jahre Landesschützen-Fahne“ nach dem Vorbild des Landesschießens von 1920 zu begehen.
Des weiteren wird die abgesagte Bundesgeneralversammlung 2020 auch nicht mehr im Herbst dieses Jahres nachgeholt. Als Termin für die
nächste Bundesversammlung ist der Sonntag, 21. März 2021 ins Auge gefasst. n
N° 4 | August 2020 Auch unter der Homepageadresse

19
www.tiroler-schuetzen.at abrufbar

Aus den LANDESTEILEN …


Innsbruck
von Alexander Haider

Schützen und Marketenderinnen gehen auf Bildungsreise!


URLAUB IM MUSEUM – Kooperation der Tiroler Landesmuseen mit allen Schützenbünden der Alpenregion

Zum Urlaub im Museum laden die Tiroler


Landesmuseen alle, die diesen Sommer zu
Hause genießen möchten. Den Schützen
und Marketenderinnen der gesamten Al-
penregion erlaubt das Kunst- und Kultur-
ticket zu einem Spezialpreis von 13 € den
unlimitierten Eintritt in alle fünf Häuser
der Tiroler Landesmuseen, immer zu den
Öffnungszeiten bis 31. August 2020.
Tirols Schützen und Marketenderinnen
interpretieren in ihren 11 Leitmotiven ihre
Grundsätze zeitgemäß und betrachten diese
auch als Bildungsauftrag für die Zukunft.
Mit dem Sommerpass der Tiroler Landes-
museen können sich unsere Schützen und
Marketenderinnen diesen Sommer ausrei-
chend Zeit nehmen, um die neuen Ausstel-
lungen und Highlights aus fünf Häusern
genauer unter die Lupe zu nehmen — ob
es das „Führende Feldzeichen des Landes“
im Zeughaus ist, das Riesenrundgemälde
der Bergisel-Schlachten im Tirol Panorama
oder die aktuelle Sonderausstellung „Tracht Der Sommerpass ist ab sofort in allen fünf desmuseen für alle Tiroler Landesteile
– eine Neuerkundung“ im Volkskunstmu- Häusern der Tiroler Landesmuseen an den wurde diese Kooperation nicht nur für alle
seum … Kassen erhältlich — zum ermäßigten Preis Schützen im Bundesland Tirol, sondern
In angenehm kühler und entspannter gegen Vorlage des Ticket-Gutscheines für auch für alle Schützen im historischen Tirol
Atmosphäre haben Tirols Schützen und Schützen und Marketenderinnen! vereinbart. Alle Schützen und Marketen-
Marketenderinnen bis 31. August 2020 Zeit, Kooperation gilt für alle Tiroler Schützen derinnen aus der gesamten Alpenregion
um das Kunst- und Kulturangebot in An- und Marketenderinnen. können gegen Vorlage des Gutscheins von
spruch zu nehmen. Und das täglich — und Im Sinne der geschichtlichen Bedeutung der Ermäßigung profitieren! n
so oft sie wollen. der Ausstellungen in den Tiroler Lan-

Ausschneiden und an der Kasse vorweisen. Dies ist das Ticket zum ermäßigten Eintritt in 5 Tiroler Museen
URLAUB IM MUSEUM

URLAUB IM MUSEUM
TIROLS SCHÜTZEN UND MARKETENDERINNEN

TIROLS SCHÜTZEN UND MARKETENDERINNEN GEHEN AUF BILDUNGSREISE!


Ermäßigter Sommerpass der Tiroler Landesmuseen
FERDINANDEUM // VOLKSKUNSTMUSEUM // HOFKIRCHE
GEHEN AUF BILDUNGSREISE!

ZEUGHAUS // TIROL PANORAMA MIT KAISERJÄGERMUSEUM

5 MUSEEN · € 13 · GÜLTIG BIS 31.08.2020


Dieser Gutschein berechtigt Tirols Schützen und Marketenderinnen zum ermäßigten Erwerb eines Sommerpasses „Urlaub im Museum“
der Tiroler Landesmuseen um € 13, der einen unlimitierten Eintritt in alle fünf Häuser bis 31.8.2020 ermöglicht. Keine Barablöse möglich.
Nicht mit anderen Aktionen und Rabatten kombinierbar. Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren frei.
N° 4 | August 2020

20 Aus den LANDESTEILEN …


Innsbruck
von Heinz Wieser

Ausstellung „Tracht eine Neuerkundung“

Die drei Landeskommandanten haben vom Angebot, Tirols Museen Blick in die Ausstellung Foto: TVKM Wolfgang Lackner
zum Vorteilspreis zu besuchen, bereits Gebrauch gemacht.

Im Tiroler Volkskunstmuseum findet bis 1. Kleidung ist in vielen gesellschaftlichen Innsbruck durchgeführt wurde. Präsen-
November die Ausstellung „Tracht eine Neu-
erkundung“ statt. Wie ideologisch unter-
schiedlich Tracht gesehen wird, zeigen das
ERMÄSSIGUNG FÜR DEN SOMMERPASS
Bereichen angekommen. Nach wie vor löst
das Trachtige aber auch Unbehagen aus –
kam und kommt es doch in wechselnden
tiert werden neben textilen Objekten auch
Bilder, Videos und Schriftmaterial rund
um die Tracht – vor, während und nach der

MUSEUM
Ausstellungsteam Karl. C. Berger, Reinhard politischen Systemen zum Einsatz. Grund NS-Zeit. Museumsbestände zur Trachten-
Bodner, Anna Engl und Antonia Pidner in genug, einmal mehr in die Geschichte pflege werden erstmals gezeigt. Darüber
dieser Sonderausstellung, zu der auch ein heimischer Kleidung und Folklore zurück- hinaus positionieren aktuelle Objekte die

UR EN UND MARKETENDERINNEN
Begleitband erschienen ist. Die Tracht ist zublicken. Die Sonderausstellung legt einen Tracht zwischen Mode und Folklore, Pop
Ausdruck und Bestandteil unserer im Laufe Schwerpunkt auf die Neuentdeckung der
IM MU SEUM und Politik - zwischen
BILDUund NGSREISE!
Schönheit, Zugehö-

URLAUB
EHEN AUFTun

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der Jahrhunderte entstandenen Volkskultur. Trachten seit circa 1900 im Tiroler Raum.ERINNEN Grigkeit, Macht. Geboten wird keine
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TIROLS SCHÜ UNGSREISE!


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Sie ist somit Kulturgut, weshalb es unsere Welche Personen,LS Praktiken TZEN Uund traditionelle Trachtenkunde, sondern ein
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Aufgabe ist, die Tracht als „Ehrenkleid der nen spielten eine Rolle? Welche Ängste ro le r La undndesmuseenkritisches IRCHUpdateE für unsere Zeitgenossen.
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ZEUGHAUS / Revue passieren, 20 gelungen, dasm“Thema „Trachten“ von
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Form im Sinne einer bodenständigen Über- seiner eigenen Geschichte Bodner
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lieferung weiterzuentwickeln. Unter dem das mit dem NamenUGertrud allen Seiten
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tausendwende eine erstaunliche Wiederkehr das von 2014 bis 2019 in Kooperation der zu urteilen und gleichzeitig nichts zu ver-
in der Mode. Die traditionell anmutende Tiroler Landesmuseen mit der Universität harmlosen“, so Dr. Bodner wörtlich. n

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Den Schützen und Marketenderinnen der AlpenregionMARKETENDERINNEN
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und Kulturticket zu einem SpezialpreisSpezialpreis vonEintritt
von € 13 den unlimitierten 13inEuro
alle fünf Häuser
der Tiroler Landesmuseen, immer zu den Öffnungszeiten bis 31. August 2020.
den unlimitierten Eintritt in alle fünf Häuser der Tiroler Landesmuseen, immer zu den Öffnungszeiten bis 31. August 2020.
TIROLS SCHÜTZEN UND MARKETENDERINNEN interpretieren in ihren 11 Leitmotiven ihre Grundsätze zeitgemäß und betrachten diese auch als
Tirols Schützen und Marketenderinnen interpretieren kundung“
Bildungsauftrag für die Zukunft. Mit demim Volkskunstmuseum
Sommerpass der Tiroler Landesmuseen können …sich
Inunsere
angenehm kühler diesen
Schützen und Marketenderinnen
und ausreichendund
in ihren 11 Leitmotiven ihre Grundsätze zeitgemäß Sommer entspannter
Zeit nehmen, Atmosphäre
um die neuen Ausstellungen und Highlightshaben Tirols
aus fünf Häusern genauerSchützen
unter die Lupe zu nehmen — ob
es das „Führende Feldzeichen des Landes“ im Zeughaus ist, das Riesenrundgemälde der Bergisel-Schlachten im Tirol Panorama oder die
betrachten diese auch als Bildungsauftrag für die Zu- und Marketenderinnen bis 31. August 2020 Zeit, um das
aktuelle Sonderausstellung „Tracht — eine Neuerkundung“ im Volkskunstmuseum …
kunft. Mit dem Sommerpass der Tiroler Landesmuseen Kunst- und Kulturangebot in Anspruch zu nehmen. Und
können sich unsere Schützen und Marketenderinnen In angenehm kühler das
und entspannter
täglich Atmosphäre
— und haben so
TIROLSoftSCHÜTZEN
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wollen.
und Kulturangebot in Anspruch zu nehmen. Und das täglich — und so oft sie wollen.
diesen Sommer ausreichend Zeit nehmen, um die neuen Der Sommerpass ist ab sofort in allen fünf Häusern der
Ausstellungen und Highlights aus fünf Häusern genauer
Der SOMMERPASS istTiroler Landesmuseen
ab sofort in allen an den Kassen
fünf Häusern der Tiroler Landesmuseen an den Kassenerhältlich — zumPreis gegen
erhältlich — zum ermäßigten
Vorlage des Ticket-Gutscheines
unter die Lupe zu nehmen — ob es das „Führende Feld- ermäßigten für SCHÜTZEN UND MARKETENDERINNEN!
Preis gegen Vorlage des Ticket-Gutscheines
zeichen des Landes“ im Zeughaus ist, das Riesenrundge- für Schützen
PREIS: € 13, FREIER EINTRITT FÜR KINDER UND und Marketenderinnen!
JUGENDLICHE UNTER 19 JAHREN
mälde der Bergisel-Schlachten im Tirol Panorama oder Preis: 13 Euro, Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche
die aktuelle Sonderausstellung „Tracht — eine Neuer- unter 19 Jahren
N° 4 | August 2020

Aus den BEZIRKEN & BATAILLONEN 21


Brixen
von Josef Kaser

Inferno Tesselberg
Am 3. September 1964 wurde in Mühlen in Taufers der Carabiniere Vittorio Tiralongo erschossen. Dieser Tote wurde einfach den
damals flüchtigen Pusterer Buibm zugeordnet. Später stellte sich heraus, dass er aus Missgunst einem Kollegen aus den eige-
nen Reihen zum Opfer gefallen war. Oberst Marasco wollte schon damals einige dieser Terroristen einfach erschießen zu lassen.

Da in diesem Jahr in den Carabinieri-Kasernen immer noch gefol- Auszug aus dem Buch „Für die Heimat kein Opfer zu schwer“
tert wurde, kam von Südtiroler Seite die Gegenaktion. So planten von Helmut Golowitsch:
Sepp Forer, Heinrich Oberlechner und Siegfried Steger am 9. Sep- „Die Südtiroler waren bei der Razzia in Tesselberg noch einmal gut
tember 1964 einen Anschlag auf einen Carabinieri-Jeep, bei dem davongekommen. 30 Jahre später, am 27. Juli 1991, berichtete der
nach dem Ortsende von Oberrasen Richtung Antholz eine Mine bereits im Ruhestand befindliche Carabinieri-General Giancarlo
gelegt wurde. Tatsächlich hob die Mine den Jeep von der Straße, Giudici in einem Interview mit der Zeitung „La Repubblica“, was er
wobei vier Carabinieri leicht und einer schwer verletzt wurden. Die damals als Einsatzleiter in Tesselberg erlebt hatte: Während die Raz-
genannten Verdächtigen flüchteten bei Nacht von Antholz über zia in vollem Gange war, kam der Kommandant der Carabinieri-
die Berge nach Tesselberg, wo sie, sehr müde, bei Regenwetter in Legion Bozen, Oberst Francesco Marasco, mit einem Hubschrauber
einem Heustadel Unterschlupf suchten. Es wurde vermutet, dass eingeflogen und erteilte dem damaligen Oberstleutnant Giudici
sie verpfiffen worden waren. Sepp Forer einen Wahnsinnsbefehl: „Hast du 15 Perso-
hielt Wache. Gegen Mittag schaute er noch nen festgenommen? [5 für jeden getöteten
einmal in die Runde. Er sah zwei Soldaten Carabiniere]. Gut! Stell sie an die Wand und
einer Eliteeinheit mit rotem Halstuch auf die lass sie erschießen! Dann brenn das Dorf nie-
Hütte zukommen. Die Soldaten schossen auf der!“ Giudici weigerte sich. Marasco erneut:
Forer, trafen ihn zum Glück aber nicht. Dieser „Du musst sie erschießen, hast du verstanden?
erwiderte das Feuer, wobei beide verletzt wur- Stell sie an die Wand, und dann brenn das
den, aber überlebten. Allen gelang es, barfuß ganze Dorf nieder! Brenn es nieder, bis auf den
zu fliehen. Die Hütte geriet in Brand. Die Boden!“ Giudici: „Bist du verrückt!“ Marasco:
vielen schon postierten Einsatzkräfte konn- „Ich belange dich wegen Befehlsverweigerung!“
ten die Flüchtigen nicht mehr einholen. Die Giudici packte Marasco am Arm, zog ihn
Soldaten forderten Verstärkung an. Bei den zum Hubschrauber und befahl dem Pilo-
Suchmannschaften brach Hysterie aus. Der ten, den tobenden Marasco wegzubringen.
Alpini-Soldat Silvano Ragotti raste mit seinem Giudici begab sich dann nach Toblach und
Jeep durch die Gegend. Das Auto überschlug telefonierte mit dem Oberbefehlshaber der
sich und er wurde dabei getötet. Ein weiterer Carabinieri in Rom, General De Lorenzo,
Soldat, Giulio Meloni, musste austreten. Als und berichtete ihm den Vorfall. De Lorenzo
er zurückkam, wurde er von nachrückenden Gen. Giancarlo Giudici, seinerzeit nahm den Bericht ohne Kommentar zur
Soldaten erschossen. Es war jener denkwür- Oberstleutnant, verhinderte in Kenntnis. Noch am selben Abend jedoch wur-
dige 10. September 1964. In Bozen begann Tesselberg ein von seinem Vorgesetzten de Giudici nach Udine strafversetzt.“ Soweit
mit über 20.000 Beteiligten, trotz massiver angeordnetes Blutbad. Golowitsch.
polizeilicher Behinderung, das Begräbnis von Luis Amplatz, der am Dies bezeugten später auch heute pensionierte Carabinieri. Dass
7. September vom italienischen Geheimdienst in einer Heuhütte die höchsten Polizeistellen in Bozen und Rom auf Intervention der
im Passeiertal erschossen worden war. Georg Klotz konnte schwer Südtiroler Politiker das begonnene Unrecht zur Kenntnis genom-
verletzt nach Nordtirol flüchten. Die Staatsmacht reagierte im men haben, beweist einmal mehr, dass die Schäden der Bevölke-
September 1964 auf die Anschläge der vergangenen Wochen und rung teils entschädigt wurden. Aber auch, dass der Carabiniere der
Monate gegen Carabinieri mit einer großen Fahndungsaktion vor Station Innichen, Olt. Magiolo, am nächsten Tag befahl, dass jeder
allem im Pustertal. Man wollte unbedingt Erfolge haben. Eskaliert Carabiniere persönlich 500 Lire für die angerichteten Schäden be-
war die Sache dann, als die Mesnertochter einige Minuten vor 12.00 zahlen sollte, aber auch, dass General Marasco nie mehr befördert
Uhr wie alle Tage, die Glocken im Kirchturm, läutete. Und da die wurde und Giudici später doch zum General aufstieg. Nicht auszu-
Carabinieri von den Tiroler Bräuchen überhaupt keine Ahnung denken, wenn Oberst Giancarlo Giudici (1921-1992) diesen Befehl
hatten, glaubte man, das gesamte Dorf wollte die Täter warnen und durchgeführt hätte. Vollkommen unschuldige Menschen wären die
schützen. Daraufhin wurden die Tesselberger Männer in einer Wie- Opfer geworden, und den Pusterer Buibm hätte man die Schuld in
se zusammengetrieben und mussten dort stundenlang bäuchlings die Schuhe geschoben. Die Tragödie wäre heute noch präsent, und
liegen. Wer aufschaute, wurde mit Gewehrkolben geschlagen. In der dem Befehlshaber Marasco sowie dem durchführenden Giudici,
Zwischenzeit brannten mehrere Scheunen, weil dauernd in diese der doch überlegt und vernünftig gehandelt hatte, wäre nichts
hineingeschossen wurde. Dann glaubten die Uniformierten sogar, passiert. Oder er wäre sogar ausgezeichnet werden, wie damals die
eine verbrannte Leiche gefunden zu haben, was im Radio groß Folterknechte. So wäre - wenn auch spät bekannt geworden - jenem
berichtet wurde. Es war aber nur eine verkohlte Speckseite, die die Oberst Giudici bzw. posthum seinen Töchtern ein öffentlicher Dank
Pusterer Buibm zuvor von einem Bauer erhalten hatten. und Anerkennung zukommen zu lassen. Auch sollte die Staats-
macht die Pusterer Buibm noch zu Lebzeiten von sich aus endlich
begnadigen. n
N° 4 | August 2020

22 Aus den BEZIRKEN & BATAILLONEN


Mantua
von Sonja Oberhofer

Schützen und Marketenderinnen gedenken in Mantua


des Sandwirts
Schützen und Marketenderinnen aus dem
historischen Tirol ließen den Fasching im
Hintergrund, zogen ihre Tracht an und
trafen sich in Mantua: Dort gedachten sie
des vor 210 Jahren von den Franzosen exe-
kutierten Passeirer Freiheitshelden Andreas
Hofer. Diesmal hatte der Schützenbezirk
Brixen unter dem Kommando von Bez.-
Mjr. Florian Lechner die Feier organisiert.
Dieser Bezirk stellte auch eine Ehrenfor-
mation. Die musikalische Gestaltung lag
in den Händen der Ehrenmusikkapelle des
VSM-Bezirks Brixen. Nach der Aufstellung,
der Frontabschreitung und dem Einmarsch
feierte Landeskurat Christoph Waldner OT
gemeinsam mit Don Augusto Rossato, dem
Pfarrer von Cittadella, den Gedenkgottes- zu reden“, meinte die Landesrätin. „Die Zusammenhang mit den Zugeständnissen
dienst beim Denkmal im Andreas-Hofer- bewegte Geschichte der Tiroler ist unsere von Kaiser Maximilian im Jahre 1511 zu se-
Park im Mantuaner Stadtteil Cittadella. Bei Geschichte und die unserer Vorfahren. hen.“ Im Einvernehmen zwischen Maximi-
der Feier hielt Landesrätin Maria Hochgru- Um das starke Freiheitsbewusstsein von lian und den Tirolern sei in der Verfassung
ber Kuenzer die Gedenkrede. „Ja, es ist eine Andreas Hofer und der damals lebenden festgeschrieben worden, dass die Tiroler
Herausforderung, über den Helden, den Menschen in Tirol annähernd zu verstehen, nur zur Verteidigung ihres eigenen Landes
Menschen und den Verlierer Andreas Hofer ist es unabdingbar, die Geschichte Tirols in Kriegsdienst leisten müssen. n

Goldrain
von Arno Rainer

Landtag soll endlich in die Gänge kommen


Schützen erinnern an Autonomie-Konvent und fordern Selbstbestimmung.

In mehreren Orten des Vinschgaus wur-


den Transparente mit Aufschriften wie
„FREIHEIT“, „UNTRENNBAR?“ und
„UNABHÄNGIGKEIT“ angebracht. Die
Schützen erinnern damit an den Südtiro-
ler Autonomiekonvent von 2016/17. Sie
fordern den Landtag dazu auf, endlich
den beschlossenen Ausbau der Autonomie
anzugehen oder den Weg der Selbstbestim-
mung einzuschlagen. Im Jahr 2016 begann
in Südtirol der sog. Autonomiekonvent. In
zahlreichen Veranstaltungen, sog. Open
Spaces, konnte die Südtiroler Bevölkerung
damals ihre Ideen zur Weiterentwicklung
der Autonomie einbringen. Im Forum der
100, bestehend aus zufällig ausgelosten
Bürgern, und im Konvent der 33, bestehend beschlossenen Ausbau der Autonomie Autonomie ausgebaut werden soll. Aber
aus ausgewählten Experten, wurden diese erinnern. „Wollten wir nicht bestehende leider habe der Landtag die Beschlüsse des
Ideen dann weiterentwickelt. 2017 wurden Kompetenzen verteidigen, verloren gegan- Autonomie-Konvents nicht weiterverfolgt,
die gemeinsam erarbeiteten Vorschläge zum gene Zuständigkeiten zurückholen und ärgern sich die Schützen. Es könne nicht
Ausbau der Landesautonomie dann dem einen Ausbau der Autonomie einfordern?“, sein, dass der Landtag einfach nicht in Gän-
Landtag übergeben. Dann versandete das fragt sich Arno Rainer, Bezirksmajor der ge kommt und die Beschlüsse des Autono-
Projekt. Die Vinschger Schützen wollen mit Vinschger Schützen. Eigentlich seien sich miekonvents ignoriert. Die Schützen wollen
einer Plakataktion an den eigentlich längst damals alle einig gewesen, dass die Südtirol- aber auch darauf aufmerksam machen, dass
N° 4 | August 2020

Aus den BEZIRKEN & BATAILLONEN 23


es auch eine Zukunft ohne Italien geben
kann. „Wirtschaft und Gesundheit sind nur
zwei Beispiele von vielen, wo es uns ohne
Italien besser ginge“, sagt Rainer. Wenn
der gemeinsame beschlossene Ausbau der
Autonomie nicht umsetzbar sei, dann müs-
se man eben einen Schritt weiterdenken,
meint er. Wege entstehen, wenn man sie
geht, sagt ein Sprichwort. Und es wird Zeit,
diesen Weg endlich einzuschlagen, sind die
Schützen überzeugt. „Wenn der Landtag
der Meinung ist, dass der von Südtirol
gewünschte Ausbau der Autonomie mit Ita-
lien nicht möglich ist, dann soll der Landtag
den Weg der Selbstbestimmung einschla-
gen“, sagt Bezirksmajor Arno Rainer. n

Klausen
von Sonja Hackhofer

Bezirkstag des Schützenbezirkes Brixen


Bezirksmjr. Florian Lechner begrüßte alle
anwesenden Marketenderinnen, Schützen
und Ehrenmitglieder unter Einhaltung der
derzeit geltenden Bestimmungen wegen
Covid 19 zur 52. Generalversammlung und
gleichzeitig zum Bezirkstag in Klausen. Er
gab einen kurzen Denkanstoß zum jetzigen
Notstand und wie wichtig die Zusammen-
halt der Vereine im Dorf, aber auch auf
Bezirksebene sei. Die Bezirksreferenten
brachten ihren Jahresrückblick vor, auch
Kulturreferent EMjr. Sepp Kaser blickte
auf das vergangene Jahr zurück. Nennens-
wert für 2019 ist das Bezirksschießen zum
50-jährigen Gedenken an LKdt. Ing. Alois
Pupp. Auch die Lehrfahrt nach Ulm/Günz-
burg war eine schöne Fahrt zum Entdecken V.l.: Der Schießreferent des Bezirks Brixen Daniel Unterthiner, Hptm. und Gewinner
von Spuren des gemeinsamen Vaterlandes. der Wandertrophäe Andreas Silgoner (SK Rodeneck) und Bezirksmjr. Florian Lechner
Ein Dank gilt besonders den zahlreichen
Teilnehmern von Latzfons, Meransen und ein großes Dankeschön. Weiter fand am 8. gliederstand zu heben.
Lüsen. Im Auftrag des SSB durfte Sepp Juni 2019 die Wallfahrt nach Mariastein in Alljährlich findet im Jänner/Februar der
Kaser im vergangenen Jahr die Gedenkfeier Nordtirol mit dem Thema „Kennenlernen Rundenwettkampf der Schützen und
der Gebirgsjäger beim Brendten-Denkmal Tiroler Wallfahrtsorte“ statt. Zusammen Marketenderinnen auf sechs verschiede-
in Mittenwald organisieren. Im Hinblick auf mit der Ehrenformation ist Sepp Kaser nen Ständen statt. Die Kompanien messen
das Gedenken 80 Jahre Option war es Sepp der Einladung der Weinrittergesellschaft sich dabei mit mehreren Mannschaften.
Kaser ein großes Anliegen, die Kofferaktion nach Eisenstadt/Burgenland gefolgt, um Gleichzeitig ist dies auch ein gutes Training
des SSB zu unterstützen, indem vom Bezirk v.a. geschichtlich in Kontakt zu bleiben für das Bezirksschießen. Durch die Corona-
Brixen noch weitere Texte in vergrößer- und unrechtmäßige Grenzen überflüssig Zeit fand die Preisverteilung leider erst
ter Form den Kompanien zur Verfügung zu machen. Ebenso nennenswert sind auch später statt. Die Wandertrophäe ging heuer
gestellt wurden. Wichtig war auch, dass der Tirolerball in Wien und die Fahrt nach an die SK Rodeneck unter dem Hptm.
die eigene Dorfbevölkerung der einzelnen Mantua. Andreas Silgoner. Bezirksmeister wurde
Kompanien darüber ausreichend informiert Sepp Kaser gratulierte noch den SK Vahrn Schütze Markus Bergmeister der SK „Alte
wurde und selbst Vorträge zu dieser Zeit und Latzfons zur Herausgabe der Bücher, Pfarre“ Natz, und Andreas Lamprecht von
organisiert haben. In diesem Zusammen- da dies ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der SK Neustift wurde als bester Schütze
hang hat die SK Brixen eine Ausstellung mit der Tiroler Kultur sei. Ein letzter Aufruf der Gruppe B gewertet. Die Preisverteilung
über 2000 Besuchern organisiert. Dazu gilt von EMjr. Sepp Kaser war, viele kulturelle fand unter den vorgeschriebenen Sicher-
v.a. EHptm. Sepp Kirchler und seinen Mit- Veranstaltungen zu organisieren, um die heitsrichtlinien statt. n
helfern Hartmuth Staffler und Robert Recla Anerkennung zu gewinnen und den Mit-
N° 4 | August 2020

24 Wir gratulieren …
Andrian

Luis Franceschi – 85
Am Herz-Jesu-Sonntag hat das Gründungsmitglied der SK An-
drian Luis Franceschi seinen 85. Geburtstag und zugleich seinen
Namenstag gefeiert. Einige Mitglieder der SK Andrian überbrach-
ten dem rüstigen Jubilar die besten Glückwünsche der gesamten
Kompanie. Die SK Andrian wünscht dem Luis alles Gute, viel
Gesundheit und Freude! n

St. Pankraz

Josef Gruber – 80
Die SK St. Pankraz gratuliert ihrem Kameraden EOlt. Josef Gruber
zum 80. Geburtstag und wünscht ihm noch alles Gute, viel Glück
und Gesundheit. Schützen Heil! n

Rum

Hptm. Martin Lechner – 60


Am 25. Juni 2020 feierte unser Hauptmann Martin Lechner seinen
60. Geburtstag. Die Kompanie ließ es sich natürlich nicht nehmen,
Martin persönlich mit einer Ehrensalve zu gratulieren. Bereits
im jungen Alter von sechs Jahren trat Martin als Jungschütze
der Speckbacher-Schützenkompanie Rum bei. Seit 25 Jahren ist
er Hauptmann und übt seine Funktion mit vollem Einsatz und
Leidenschaft aus. Doch nicht nur für die Schützenkompanie ist er
eine tragende Persönlichkeit, auch für die Rumer Dorfgemeinschaft
ist er durch seinen Einsatz eine große Bereicherung. Lieber Martin,
wir wünschen dir alles Gute und weiterhin viel Glück und vor allem
Gesundheit! n
N° 4 | August 2020

Aus den KOMPANIEN … 25


Eppan
von Margareth Lun

Hilfsfonds nach Südtirolaktivist Sepp Kerschbaumer benannt


Eppan - In Frangart, dem Geburtsort des Freiheitskämpfers Sepp Kerschbaumer, wurde am 15. Juli 2020 ein Hilfsfonds aus der
Taufe gehoben, der schnell, unbürokratisch und anonym Menschen aus der Gemeinde Eppan hilft, die unverschuldet in Not
geraten sind. Er trägt den Namen „Stille Hilfe Sepp Kerschbaumer Eppan“.

Seit nunmehr 20 Jahren betreibt die SK


Sepp Kerschbaumer Eppan in der Advents-
zeit auf dem Rathausplatz ein Glühwein-
standl, an dem heiße Getränke und Kekse
gegen eine freiwillige Spende angeboten
werden. Mit dem Erlös konnten schon
zahlreiche Eppaner Familien unterstützt
werden, die durch einen Schicksalsschlag
oder durch sonstige unglückliche Kon-
stellationen plötzlich in große finanzielle
Schwierigkeiten geraten sind.
Nun hat die SK Sepp Kerschbaumer Eppan
einen Hilfsfonds ins Leben gerufen.
Bei der Gründungsfeier im „Dorftreff
Schenk“ in Frangart ging die Historike-
rin Margareth Lun auf die besonderen
Charakterzüge dieses großen Sohnes der V.l.: Kassier Karl Larcher, Obm. und EHptm. Reinhard Gaiser, Bgm. Wilfried Trettl,
Gemeinde Eppan und unserer Heimat Tirol Hptm. Maximilian Schmid und Schriftführer Kurt Kuppelwieser.
ein. „Kerschbaumer war ein unermüdlicher
Kämpfer für Rechte und Gerechtigkeit. Zu digung nahmen 15.000 Menschen teil. Kuppelwieser zusammen. Der Südtiroler
seinen Wesensmerkmalen zählten seine un- Exakt 56 Jahre nach der Urteilsverkündung Heimatbund stellte spontan eine großzügige
glaubliche Disziplin und Strenge sich selbst des ersten Mailänder Prozesses, bei dem Spende zur Verfügung.
gegenüber, seine tiefe Religiosität, seine Sepp Kerschbaumer fast 16 Jahre Haftstrafe Die Einrichtung ist in das Landesverzeich-
Großzügigkeit bedürftigen Familien gegen- erhielt, wurde nun - auf Initiative von Rein- nis der ehrenamtlich tätigen Organisatio-
über - er gewährte auch Italienern zinslosen hard Gaiser - dieser Hilfsfonds gegründet, nen eingetragen. So können auch 5 Promil-
Kredit, da er immer streng zwischen den der seinen Namen trägt. Das Kuratorium le der Steuererklärung diesem Hilfsfonds
Faschisten und demokratisch gesinnten setzt sich aus dem Obmann Reinhard zugesprochen werden.
Italiener unterschied -, und sein großes Gaiser, dem Bürgermeister der Gemeinde Das Spendenkonto lautet: „Stille Hilfe Sepp
Verantwortungsbewusstsein“, so Lun. Eppan Wilfried Trettl, dem Hauptmann Kerschbaumer Eppan“, Raika Überetsch,
Sepp Kerschbaumer starb mit nur 51 Jahren Maximilian Schmid, dem Kassier Karl IBAN IT94V0825558160000300235491 n
im Gefängnis von Verona. An seiner Beer- Larcher und dem Schriftführer Kurt

Flaurling
von Andreas Schärmer

Fronleichnamsprozession mit Vorsichtsmaßnahmen Covid 19


Nicht nur der Wettergott meinte es gut mit
der SK Flaurling. Nach einer Nacht mit strö-
mendem Regen konnten wir, selbstverständ-
lich mit ausreichend Sicherheitsabstand und
unter Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen,
unsere Fronleichnamsprozession durchfüh-
ren. Allerdings diesmal gekürzt und nur mit
einem Altar. Da wir den Abstand einhalten
mussten, wurde die heilige Messe für uns und
die Musikkapelle Flaurling mit Lautsprechern
auf den Vorplatz übertragen. n

Foto: Reinhild Waldhart


N° 4 | August 2020

26 Aus den KOMPANIEN …


Fieberbrunn
von Martin Wimmer

Dandler-Kapelle im Weiler Walchau saniert


Die Erhaltung und Pflege von Denkmälern und sakralen Bauwer-
ken gehört zu den wichtigen Aufgaben der Tiroler Schützen. Bereits
im Jahre 1996 wurde anlässlich des 350-jährigen Bestandsjubiläums
der Christian-Blattl-Schützenkompanie diese kleine Kapelle, erbaut
um 1900, von den Fieberbrunner Schützen von Grund auf reno-
viert. In den letzten Jahren hat besonders das Dach aufgrund von
extremen Witterungseinflüssen sehr gelitten.
Auf besonderen Wunsch der Eigentümerfamilie Dandler wurde
nun eine Teilsanierung in Angriff genommen. Die maroden Dach-
hälften wurden neu mit Schindeln eingedeckt, und auch die Fassade
wird noch einen frischen Anstrich bekommen. n

In vorbildlicher Weise wurde kürzlich die Dandler-Kapelle


mit neuen Schindeln eingedeckt
Foto: SK Fieberbrunn.

MERAN
von Kornelia des Dorides

Fronleichnam und Herz-Jesu-Fest 2020 im Zeichen von Covid 19


Schützen der Kompanie Meran nahmen sowohl am Hochfest des Leibes und Blutes Christi in der Stadtpfarre St. Nikolaus als
auch am Festgottesdienst am Herz-Jesu-Sonntag aktiv teil.

Am 14. Juni 2020 wurde in der Stadtpfarre St. Nikolaus das Fron-


leichnamsfest mit einem festlich gestalteten Hochamt begangen –
musikalisch gestaltet von Männern des Stadtpfarrchors und festlich
umrahmt durch die Teilnahme der Meraner Schützen mit einer
Fahnenrotte beim Seitenaltar, mit der Übernahme von Lesung und
Fürbitten und des Ordnungsdienstes bei den Kircheneingängen.
Kirchturm und Pfarrplatz waren durch die Schützen festlich be-
flaggt worden. Ebenso übernahmen Schützen im Anschluss an das
Hochamt eine Desinfizierung aller belegten Kirchenbänke.
In seinen Predigten an diesem hohen Festtag ging Dekan Hans
Pamer auf die besondere Situation ein, die uns alle schon seit
langem fest im Griff hat und uns einiges abverlangt. So konnte
heuer aufgrund der Vorbeugemaßnahmen gegen die Ausbreitung
der Krankheit Covid 19 keine Prozession durch die Passerstadt
abgehalten werden. Da diese liebgewonnene Tradition ausgesetzt Gruppe der Stadtmusikkapelle Meran mit Aufführung der „Herz
werden musste und die Monstranz nicht durch die Straßen der Jesu-Messe“ – den Meraner Schützen ein Herzensanliegen an die-
Stadt getragen werden konnte, unternahm die hohe Geistlichkeit sem großen Tiroler Feiertag. Auch die Übernahme des Ordnungs-,
eine kleine Prozession mit dem Allerheiligsten durch den Mittel- Lektoren- und Reinigungsdienstes an diesem Sonntag war für die
gang des Gotteshauses. Schützen im Sinne der Pfarrgemeinschaft eine Selbstverständ-
Auch am Herz-Jesu-Sonntag nahmen die Schützen der Meraner lichkeit. Herz Jesu sei „ein Lebensfest der Tiroler“, so Dekan Hans
Kompanie wie üblich bereits in den frühen Morgenstunden die Pamer am Beginn seiner Predigt.
festliche Beflaggung der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus mit Kirchen-, Mit dem Herz-Jesu-Lied fand dieser Festgottesdienst seinen Ab-
Tiroler- und Schützenfahnen vor. Seit dem 1. Juni 1796 hat das schluss. Im Gedenken an das Herz-Jesu-Gelöbnis und in heimatli-
Herz-Jesu-Fest für die Tiroler eine ganz besondere Bedeutung. Es cher Verbundenheit werden an diesem Sonntag alljährlich in ganz
ist zurückzuführen auf das Gelöbnis unserer Väter an das Heiligste Südtirol Bergfeuer entzündet – ein Ausdruck der Freude über den
Herz Jesu vor 224 Jahren – in einer Zeit der großen Kriegsgefahr. Segen Gottes. Auch der SK Meran ist es ein großes Anliegen, diesen
Aufgrund der Covid-19-Bestimmungen war es der SK Meran auch Brauch fortzuführen. Daher fanden sich am heurigen Herz-Jesu-
am Herz-Jesu-Sonntag nicht möglich, ihn auf die schon zur Tra- Sonntag Schützenmitglieder am von der Familie Folie vom „Petöfi-
dition gewordene Art und Weise zu begehen – nämlich mit einem Hof “ zur Verfügung gestellten Platz am Segenbühel ein, um diesen
Festakt am Sandplatz. Trotzdem war die Mitgestaltung des Herz- Tiroler Feiertag in gemütlicher Runde ausklingen zu lassen. Nach
Jesu-Gottesdienstes in der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus – zelebriert einer gemeinsamen Marende wurde traditionsgemäß das Herz-
von Dekan Hans Pamer und musikalisch gestaltet von einer kleinen Jesu-Feuer entzündet und es wurden Heimatlieder angestimmt. n
N° 4 | August 2020

Aus den KOMPANIEN … 27


Tulfes
von Manfred Arnold

Neuer Fassadenputz für die Aufbahrungskapelle


Schon vor über 25 Jahren bei der Errichtung der neuen Aufbah-
rungskapelle am Friedhof haben die Schützen tatkräftig mitgehol-
fen und alle vom Denkmalamt vorgegebenen alten Marmorteile
sowie das Weihwasserbecken in der richtigen Reihenfolge wieder
eingemauert.
Wie es nach Jahrzehnten bei Bauwerken, die dem Wetter voll
ausgesetzt sind, üblich ist, muss das eine oder andere, in diesem Fall
der Außenputz, erneuert werden. Und abermals beteiligten sich die
Schützen und renovierten die in Mitleidenschaft gekommenen Au-
ßenwände, damit die Kapelle wieder im Glanz von früher erstrahlt.
Die Kapelle steht jetzt wieder in neuem Glanz und in Anmut in un-
serem Friedhof und bildet vor den Zeichen des Alpha und Omega
(Anfang und Ende) einen würdigen Ort des Abschieds für unsere
Verstorbenen. Manfred Arnold, Walter Hoppichler, Ludwig Arnold und
Danke für eure Hilfsbereitschaft! n Lukas Arnold (nicht im Bild)

Tulfes
von Manfred Arnold

Sternenkinder-Gedenkstätte und Kriegerdenkmal -


ein gemeinsamer Ort im Friedhof Tulfes
Zusammen mit den Bäuerinnen, den Jungbauern und der Schüt-
zenkompanie wurde in Tulfes der Bereich der Sternenkinder-
Gedenkstätte und des Kriegerdenkmals neu aufgerichtet und
bepflanzt.
So ergibt sich am Friedhof ein schöner Ort für ein Gedenken und
Beten oder ein stilles Verweilen - es soll aber auch ein Platz der
Hoffnung sein. Danke für euren Einsatz! n

Wildermieming
von Renate Hauser

Diamantene Hochzeit: ,,Wo die Liebe wohnt,


da ist auch das Glück daheim!‘‘
Anlässlich des 60-jährigen Hochzeitsjubiläums des Ehrenhaupt-
manns der SK Wildermieming Josef (Pepi) Schönach und seiner
Gattin Hedwig am 4. Juni 2020 gratulierten die Mitglieder der SK
Wildermieming herzlichst und wünschten noch viele gemeinsame
und gesunde Jahre.
Ehrenhauptmann Pepi Schönach ist seit 67 (!) Jahren aktiv bei den
Schützen, davon 9 Jahre als Hauptmann sowie 30 Jahre als Obmann.
Ein großes Vergelt’s Gott für deinen unermüdlichen Einsatz für die
Schützenkompanie, lieber Pepi! n

V.l.: Obm. Hanspeter Haas, Jubilarin Hedwig Schönach und


Jubilar EHptm. Pepi Schönach
Foto: Melanie Moser
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28 Unsere JUNGSCHÜTZEN & MARKETENDERINNEN


Innsbruck
von Marko Buckovez

Gemeinsam sind wir stark!


Die aktuelle Situation ist für alle schwierig. Die Einschränkungen
der sozialen Kontakte sind speziell für Alleinstehende und ältere
Menschen herausfordernd. Im Sinne der Gemeinschaft hat sich
deshalb die SK Wilten Gedanken gemacht, wie sie helfen kann. Sie
wurde auf den Facebook-Post des Wohnheims Saggen aufmerksam,
in dem Freiwillige gesucht wurden, die bei der Gestaltung von rund
150 Grußkarten für ihre Bewohner helfen. Die Wiltener Jungschüt-
zen starteten voll motiviert mit den ersten Karten und konnten am
Ende sogar knapp 300 Stück zählen. Stellvertretend überreichten
die Jungschützenbetreuer die selbstgebastelten Karten der Wohn-
heimleitung und verteilten die restlichen an wohltätige Vereinigun-
gen. Die Freude aller war überwältigend. n
Postkarten für Bewohner des Wohnheims Saggen -
in tolles Gemeinschaftsprojekt in dieser schwierigen Zeit.

Unsere Leser meinen ...


Covid 19 und unsere Schützenkompanien
Fast über Nacht, so schien es, trat das neue erklären wollen, wie sie alles richtig gemacht Schutz uns Verpflichtung sein sollte. Das
Corona-Virus auf. Ich kann mich noch hätten, habe ich kein Verständnis. Vor allem wird aber nur funktionieren, wenn in un-
erinnern, dass dieses anfänglich, unter werden sich jene, welche aus der Situation serer Gesellschaft nicht weiterhin vorrangig
Hinweis auf die große Anzahl von jährlichen ausschließlich politisches Kleingeld heraus- das Gewinnstreben die Maxime ist. Wenn
Grippetoten, auch von anerkannten Ärzten schinden wollen, selbst in das Knie schießen, der Theologe Lothar Müller in der Tiroler
abgetan wurde. Doch musste es, nachdem denn die Bevölkerung lässt sich nicht für Tageszeitung schreibt: „Es ist paradox: Ein
es sich binnen kürzester Zeit zur Pandemie dumm verkaufen. Virus bringt die Welt zum Wanken. Und
auswuchs, bald ernstgenommen werden. So wie in fast allen Vereinen ist das Leben, entlarvt gleich auch den herablassenden
Schnell wurde die Politik aktiv und ver- auch bei uns Schützen, weitgehend still- und egoistischen Neoliberalismus und
ordnete in rascher Folge viele - manches gestanden. Bataillonsfeste, Schießver- die Dummheit des Populismus. Jetzt sind
Mal sich widersprechende - Vorschriften, anstaltungen, Kameradschaftsabende, Solidarität und Seriosität wieder gefragt“,
welche von der Bevölkerung trotzdem meist die Teilnahme am religiösen Leben, das so kann ich dem nur voll zustimmen. Auch
gut mitgetragen wurden. Aber es zeigt sich Alpenregionsfest und viele andere Veranstal- Rücksichtnahme und Humanität sind
nun, dass das Wirtschafts- und Sozialleben tungen, für welche zum Teil erhebliche Vor- gefordert. Ein von mir beobachteter Trend
rasch stillgelegt werden kann, sich aber ein arbeiten geleistet wurden, mussten abgesagt der jüngsten Zeit nötigt mich zu einer Be-
Wiederhochfahren durch die komplizierten oder verschoben werden. merkung: Nach der Lockerung der Schutz-
Verschränkungen des Zusammenlebens Diese Einschränkungen treffen uns Schüt- maßnahmen tun manche so, als ob es das
ungleich schwieriger gestaltet. zenkompanien, so wie die meisten anderen Corona-Virus nie gegeben hätte. Folgen wir
Trotz aller Fehler, welche, mangels Erfah- Vereine, in ihrer vollen Härte. Spielt sich doch den wenigen, vernünftigen Empfehlun-
rung mit einem derartigen Ereignis, gemacht doch in unserem Kulturkreis, wo fast jede(r) gen der Fachleute, um uns selbst und unsere
wurden, war es, wie man an den Beispielen Mitglied bei einem oder mehreren Vereinen Mitmenschen zu schützen, denn das Virus
in anderen Regionen und Ländern ersehen ist, dort ein Großteil des gesellschaftlichen ist immer noch unter uns. Außerdem würde
kann, wichtig, dass seitens der österrei- Lebens ab. Doch Jammern ist nicht ange- ein erneutes Niederfahren der Wirtschaft
chischen Bundesregierung und des Landes sagt! Denken wir, gerade in diesen Tagen, vermutlich einen Staatsbankrott verursa-
schnell Maßnahmen ergriffen wurden. Es daran, dass wir seit 75 Jahren in Frieden chen.
war, so sehe ich es, eine harte Lernphase, leben. Unsere Eltern und Großeltern sind Als unverbesserlicher Optimist glaube ich,
welche in der Zukunft garantieren muss, nach dem Ende des großen Krieges vor dem trotz allem, dass die derzeitige Situation
dass bei ähnlichen Ereignissen unverzüg- Nichts gestanden. Obwohl jetzt viele Men- sehr wohl nachzuwirken vermag und uns
lich das Richtige gemacht wird. Wenn diese schen wirtschaftlich schwer getroffen sind, eine Lehre sein kann. Ergreifen wir doch die
Chance ungenügend ergriffen wird, wird die so leben wir trotzdem in einer Zeit relativen Chance!
Bevölkerung das nächste Mal nicht mehr in Wohlstands. Diese seit vielen Jahrzehnten Seien wir also zuversichtlich, dass das Ge-
diesem Ausmaß mitmachen. größte Pandemie könnte der Anlass sein, spenst bald vorüber ist und wir, mit einem
Falls es bei Maßnahmen grobe Fahrlässig- wieder einfacher zu leben, aufeinander zu gestärkten Bewusstsein der Dankbarkeit,
keit gegeben haben sollte, muss dem selbst- schauen und, auch für Kleinigkeiten, dank- wieder den gewohnten Tätigkeiten in unse-
verständlich nachgegangen werden. Aber für bar zu sein. Haben wir doch das Glück, in ren Schützenkompanien nachgehen können.
jene, die hinten nach gescheit sein und uns einem wunderbaren Land zu leben, dessen Werner Erhart
N° 4 | August 2020

Wir gedenken … 29
Ferdinand Sein lustiges Wesen wird uns leitner gefunden. Sie wurden letzte Ehre erwiesen. Wir, seine
Larisegger immer in Erinnerung bleiben. gastfreundlich aufgenommen, Kameraden, sind voller Trauer,
Leider verstarb unser Karl mit- kostenlos beherbergt und aber auch voll Dankbarkeit,
† 22. MÄRZ 2020 – ten in der Corona-Pandemie, versorgt und auch mit Geld dass wir Jakob so lange an
ABFALTERSBACH wo keine normale Beerdigung unterstützt, obwohl die Fa- unserer Seite haben durften.
Ferdl, wie er von allen genannt möglich war. Erst bei der spä- milie Obleitner bei Gott nicht
wurde, trat 2007 der Kompa- teren Urnenbeisetzung konnte reich war. Karl Obleitner half
nie Abfaltersbach bei. Er war die Fahne über das offene Grab geflüchteten Südtirolern bei
ein verlässlicher Schütze und gesenkt werden. der Überquerung der Grenze,
Helfer, wenn es jemanden wobei auch er viel riskierte.
gebraucht hat. Leider war es Karl Obleitners Frau Regina
ihm ab 2016 aufgrund seiner Walter Wieser nahm sich mit besonderer
Krankheit nicht mehr mög- † 15. MAI 2020 – BOZEN Fürsorge der Verfolgten an, zu
lich, an den Ausrückungen der Walter Wieser ist 1959 der SK denen der Schützenmajor und
Kompanie teilzunehmen, die Bozen beigetreten. Er war stets maßgebliche Wiederbegründer
Kompanie war ihm aber stets ein aktiver und fleißiger Schüt- des Südtiroler Schützenwesens
wichtig, wie er ihn Gesprächen ze, auf den sich die Kompanie nach 1945, Georg Klotz, sowie
mit dem Hauptmann betonte. jederzeit verlassen konnte. Peter Kienesberger und andere
Am 22. März ging seine Kraft Aufgrund seiner Verdienste für BAS-Mitglieder zählten und
zu Ende. Leider konnten wir das Schützenwesen wurde ihm unter denen sich zahlreiche
unseren Ferdl aufgrund der 2017 vom Südtiroler Schüt- Schützen befanden. Wie der Bernhard
Covid-Maßnahmen nicht zenbund die Katharina-Lanz- Andreas-Hofer-Bund Tirol Krabacher
die letzte Ehre erweisen. Die Verdienstmedaille verliehen. am 4. Juli mitteilte, ist Regina
Kompanie wird ihm aber ein Walter war bis zum Schluss ein Obleitner geb. Scheiber am † 19. FEBRUAR 2020 – KARRES
ehrendes Andenken bewahren. beispielgebender und verläss- 30. Juni 2020 im Alter von 87 Wir trauern um Bernhard
Ferdl, R.I.P.! licher Gewehrschütze. Am 15. Jahren verstorben ist. Unser Krabacher, der nach kurzer
Mai 2020 wurde Walter am Mitgefühl gilt ihrem Mann schwerer Krankheit, jedoch
Soldatenfriedhof in St. Jakob und allen Angehörigen. unerwartet, im 62. Lebensjahr
/ Bozen zu Grabe getragen. verstorben ist.
Mit einer Ehrensalve verab- In die Schützenkompanie trat
schiedete sich die Kompanie er mit 13 Jahren ein und wurde
von ihrem Kameraden und 2011, nach 40-jähriger Mit-
die Fahne senkte sich zum gliedschaft, mit der Andreas-
Abschiedsgruß. Hofer-Medaille ausgezeichnet.
Bis zu seinem Ableben hat er
als Leutnant, Kompaniewaf-
fenmeister und Zeugwart stets
vorbildhaft und mit viel per-
sönlichem Einsatz einen sehr
großen Teil zur Gemeinschaft
beigetragen.
Karl Pircher Die Kompanie verabschiedete
† 28. APRIL 2020 − BOZEN sich mit drei Ehrensalven von
Karl Pircher ist 1974 der SK Jakob Weithaler ihrem Kameraden. Auch die
Bozen beigetreten. Karl war † 15. JUNI 2020 – HATTING Vertreter der Regiments-, Be-
von Anbeginn ein fleißiger und Die Schützenkompanie zirks- und Bataillonsführung
verlässlicher Schütze, auf den Hatting trauert um Kamerad sowie eine Fahnenabordnung
die Kompanie bauen konnte. Jakob Weithaler, langjähriges der Nachbarkompanie Karres
Mitglied im Bund der Tiroler
Regina Obleitner Schützenkompanien seit 1959.
† 30. JUNI 2020 − ABSAM Er ist im 86. Lebensjahr nach
Regina Obleitner war eine schwerer Krankheit von uns
selbstlose Helferin verfolgter gegangen. Die SK Hatting und
Freiheitskämpfer. die Bergwacht Sektion Inzing
In den 1960er Jahren hatten begleitete am 15. Juni 2020
verfolgte Südtiroler Frei- den Kameraden unter der
heitskämpfer im Nordtiroler Führung von Hptm. Herbert
Absam Zuflucht und Hilfe Häfele auf seinem letzten Weg.
bei der Familie des weit über Mit einer Ehrensalve und dem
die Grenzen Tirols hinaus Fahnengruß wurde unserem
bekannten Bildhauers Karl Ob- Oberjäger Jakob Weithaler die
N° 4 | August 2020

30 Wir gedenken …

gaben ihm das letzte Geleit. Corona-Krise durften nur die Trauerfeier fand in Beachtung und wenn es nur zum Ratschen
Durch seine angenehme Art engsten Familienmitglieder bei der coronabedingten Sicher- auf der Bank - aber mit dem
und sein ausgeglichenes Gemüt der Verabschiedung dabei sein. heitsvorschriften statt. Die Schützenjanker - war.
war Bernhard ein gern gese- Dafür gedachten seine Kame- Schützen der SK Fleimstal be- Als Metzgermeister war er
hener Schützenkamerad. Wir raden seiner besonders beim teten für Bruno Varesco beim natürlich landauf, landab
werden ihm immer ein ehren- Herz-Jesu-Feuer am Doss Celor Herz-Jesu-Feuer am Dos Celor überall bekannt und er hat sich
des Andenken bewahren. in Castello am 21. Juni 2020. in Castello am 21. Juni 2020. sehr für seinen Betrieb und
die Wirtschaft eingesetzt. Ein
Zeichen dieser Arbeit sind die
Markus Hutter Heinrich Fritz Verdienstmedaille des Landes
† 31. MÄRZ 2020 – MIEDERS † 31. MÄRZ 2020 – NATURNS Tirol und des Wirtschaftsbun-
Einen Tag nach seinem 57. Ge- Die SK Naturns trauert um ihr des sowie das Ehrenzeichen der
burtstag hat sich Schütze Mar- langjähriges Mitglied Hein- Heimatgemeinde Sistrans.
kus Hutter nach jahrelanger, rich Fritz. Heinrich ist durch Danke für deine Zeit mit uns!
mit großer Geduld ertragener den Bau des Stausees mit 14
Krankheit auf seine letzte Reise Jahren aus Altgraun in seine
begeben. neue Heimat Tabland umge- EHptm. Johann
siedelt worden. 1974 trat er Oberhammer
der SK Naturns bei, in der er
unter anderem viele Jahre als † 15. JUNI 2020 – TAISTEN
Leutnant des Zuges Tabland Der Ehrenhauptmann der SK
tätig war. 2014 wurde Heinrich Taisten Johann Oberhammer
die Andreas-Hofer-Langjährig- EOlt. Josef Piegger ist im Alter von 91 Jahren
keitsmedaille für 40 Jahre treue † 14. FEBRUAR 2020 – SISTRANS verstorben. Als Gründungsmit-
Mitgliedschaft verliehen. Die Sonnenburger Schützen- glied ist der „Oberhaus Hons“
kompanie Sistrans trauert um im fernen Jahr 1959 den Taist-
ihren Ehrenoberleutnant Josef ner Schützen beigetreten. 1979
Piegger, welcher im Alter von übernahm er als Hauptmann
84 Jahren verstorben ist. die Geschicke der Kompanie.
Pepp war mit Leib und Seele Fortan leitete er seine Schützen
Schütze. Als Gründungsmit- bis zum Jahr 2002, als er die
glied war er von Anfang an bei Kompanie in jüngere Hände
Renzo Bortolotti Ausrückungen und Aktivitä- übergab. Noch viel länger stellte
† 11. APRIL 2020 – ten immer dabei und hat die er sich in Ausschuss und Kom-
MOLINA/FLEIMSTAL Schützenkompanie maßgeblich mandantschaft in den Dienst
Renzo Bortolotti war seit der mitgeprägt. seiner Kompanie Taisten. Als
Gründung 2008 Mitglied Bei der Gründung im Jahre Ehrerweisung begleiteten ihn
der SK Fleimstal und bei den 1956 war er der erste Fähnrich seine Kameraden auf seinem
Ausrückungen immer fleißig unserer Kompanie, ab 1960 letzten Weg in den Friedhof Ta-
dabei. Auch wenn ihn eine Leutnant und Fahnenbegleiter, isten, wo er mit Ehrensalve und
Krankheit gezwungen hatte, Fähnrich ab 1994 Oberleutnant, und letztem Gruß verabschiedet
kürzerzutreten, war er bis Bruno Varesco 2006 wurde er zum Ehren- wurde. Die SK Taisten dankt
zuletzt aktiv. Nun ist er mit oberleutnant ernannt. Auch in dem Oberhaus Hons für seinen
68 Jahren aus dieser Welt † 30. MAI 2020 – den letzten Jahren suchte er die Einsatz für die SK Taisten.
geschieden, und aufgrund der PANCHIÀ/FLEIMSTAL Kameradschaft der Kompanie,
Die SK Fleimstal trauert um
ihr Gründungsmitglied Bruno
Varesco, der Ende Mai im Alter
von 94 Jahren verstarb. Obwohl
bei der Gründung 2008 schon
82 Jahre alt, wirkte er jahrelang
als Fähnrich. Der Verstor-
bene war auch im Südtiroler
Unterland bekannt, wo er als
Linienbusfahrer arbeitete. Au-
ßerdem war er Riegelvertreter
der Generalgemeinde Fleims
für seinen Heimatort. Die
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Wir gedenken … 31
Ludwig Rieder Josef Aßmair
† 25. MÄRZ 2020 – RODENECK vulgo
Ludwig Rieder, Gründungsmit-
glied der SK Rodeneck, ist nach
Mühlhäusler Seppl
einem erfüllten und arbeits- † 30. MAI 2020 –
reichen Leben im Alter von VIRGEN/OSTTIROL
88 Jahren verstorben. Von der Die SK Virgen trauert um
Gründung der Kompanie 1959 ihren Kameraden und langjäh-
bis in die Kräfte verließen war rigen Kanonier Josef Aßmair,
mit Überzeugung und Einsatz- der im 85. Lebensjahr von
bereitschaft bei den Schützen. uns gegangen ist. Seppl war
Mit ihm hat ein treuer Kame- 45 Jahre treues und verlässli-
rad die SK Rodeneck verlassen. ches Mitglied und Träger der
Er ruhe in Frieden! Andreas-Hofer-Medaille.

Niederbronn/Elsass
von Hermann Unterkircher

Auch 15 Tiroler im Kriegsgräberfriedhof


Elsass beigesetzt.
Jährlich, an einem der Gedenktage der weiß-roten Nelke, in den Landesfarben › Alois Perkhofer, Natters
Kriegsgefallenen im November, besucht ihrer Heimat Tirol. › Josef Viehweider, Bozen
eine Abordnung des Andreas Hofer Bundes › Gottfried Orian, Kurtatsch
e.V. Deutschland mit ihrem Bundesvor- Auf diesem Friedhof liegen 15 Tiroler › Franz Herget, Brixen
sitzenden Hermann Unterkircher den Soldaten: › Josef Stabinger, Sexten
Kriegsgräberfriedhof in Niederbronn im › Franz Täubl, Innsbruck › Hubert Kaserer, Seis
Elsass. Auch am Totensonntag 2019 legte › Johann Pfarrmaier, Lienz › Albert Gruber, Lana
die Delegation einen Kranz am Helden- › Richard Pomberger, Innsbruck › Alois Fischer, Partschins
kreuz am Friedhof nieder, gedachte der › Franz Jennewein, Sterzing › Johann Frötscher, St. Pauls.
gefallenen Tiroler in einer Schweigeminute › Fritz Czibulka, Sterzing Mögen sie ruhen in Frieden! n
und schmückte die Gräber jeweils mit einer › Johann Wagner, Innsbruck
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32 Für langjährige Treue WURDEN GEEHRT ...

15 Jahre
Patrouillenführer Simon Pramstaller, Fähnrich Hans
Termine 2020
Pramstaller, Oberjäger Gregor Wilhelmer und Ehrenfähnrich
Peter Mayer (Lienz) sowie Günther Kastlunger (Untermais) 26. September Bundesversammlung des SSB (Walterhaus), Bozen
10. Oktober Einweihung Denkmal „Mitte Tirols“
25 Jahre 11. Oktober
(Latzfonser Kreuz), Latzfons
Gesamttiroler Schützenwallfahrt, Absam
Stefan Oberhammer (Taisten)
24. Oktober Bundesversammlung BTSK, Dogana,
40 Jahre Congress Innsbruck und Feierlichkeiten zu
„70 Jahre BTSK“
Oberjäger Reinhold Tschurtschenthaler, Leutnant Christian
11. November Landesweite Aktion „Das Land Tirol in Trauer“
Pramstaller und Oberjäger Martin Kleinlercher (Lienz) sowie
22. November Franz-Höfler-Gedenkfeier, Lana
Christian Peintner (Taisten)
8. Dezember Sepp-Kerschbaumer-Gedenkfeier, St. Pauls
55 Jahre (vorbehaltlich Änderungen oder Streichungen)
Oberjäger Reinhard Krug (Hatting)

60 Jahre
Leutnant Franz Bundschuh (Lienz); Johann Auer (+),
Anton Klement, Mathias Plangger, Johann Thaler und
Luis Zingerle (Natz)
Die Durchführbarkeit verschiedener Termine steht auf-
65 Jahre grund der aktuellen Situation noch nicht fest. Infos dazu
Oberjäger Sepp Forcher (Lienz) unter www.schuetzen.com bzw. www.tiroler-schuetzen.at

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Schützenzeitung versteht sich als Mitteilungsblatt des Südtiroler
Schützenbundes, des Welschtiroler Schützenbundes, des Bundes der
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schützenkompanien. Schriftleiter SSB: Mjr. Renato des Dorides; BGSK:
Hptm. Hans Baur; BTSK: Franziska Jenewein, WTSB: Enzo Cestari
Druck: Karodruck, Frangart

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