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Die Dynamik stadtstrukturellen Wandels in Lateinamerika im Modell der


lateinamerikanischen Stadt

Axel Borsdorf, Innsbruck, Wien rung, intraurbane Migration), z.T. unter qualitativer
Jürgen Bahr, Kiel Beschreibung ihres Sozialstandes, Eingang in die Dar¬
Michael Janoschka, Berlin stellung fanden. Borsdorf und Gormsen dagegen
strebten an, den Wandel der Stadtstruktur seit der
Kolonialzeit bis zur Gegenwart in Form von Zeitschei¬
1
Einleitung: Vom time-lag bei der Modellierung ben in ihre Modellbildung einzubeziehen. Gormsens
stadträumlicher Wirklichkeiten Modell unterschied sich darüber hinaus von allen ande¬
ren, weil die sozialräumliche Struktur nicht im Grund¬
Seit den ersten Versuchen, die Struktur lateinamerika¬ riss, sondern im Profil dargestellt wurde und somit auch
nischer Städte modellhaft generalisierend wiederzuge¬ physiognomische Aufrisselemente und schematisierte
ben (Bahr 1976; Borsdorf 1976; Mertins 1980; Gorm- Wertekurven für die Bevölkerungsdichte, den Boden¬
sen 1981) und den späteren Modifikationen (Bahr wert und den Sozialstatus der Bewohner berücksichtigt
& Mertins 1981, 1995; Borsdorf 1982,1994; Stewig wurden. Die für die Entstehungszeit seines Modells
1983) hat sich das Gefüge der Städte in Lateiname¬ sehr ausgeprägte Polarisierungstendenz zwischen der
rika wesentlich geändert. Unter dem Einfluss der Glo¬ ciudad rica und der ciudad pobre findet dadurch eine
balisierung und ökonomischen Transformation, aber besonders eindrucksvolle Interpretation. In einem für
auch aufgrund endogen bedingter sozioökonomischer den Einsatz in der Schule gedachten synoptischen
Veränderungen schwächt sich in vielen Städten die Diagramm (Borsdorf 1994) wurde schließlich ver¬
Tendenz zur Polarisierung zwischen den klar voneinan¬ sucht, die Zeitscheiben der Modelle von Gormsen
der getrennten Vierteln der Reichen (ciudad rica) und Borsdorf zu vereinheitlichen, Grundriss- und
und den Vierteln der Armen (ciudad pobre) ab. Statt¬ Aufrissmodell zu harmonisieren und die wichtigsten
dessen sind völlig neue Muster zu erkennen: Der ökonomischen, innen- und außenpolitischen sowie
Trend weist paradoxerweise auf eine sozialräumliche gesellschaftlichen Tendenzen als Erklärungsfaktoren
Mischung in großräumiger Betrachtung bei akzentu¬ für den stadtstrukturellen Wandel in eine Synthese zu
ierter Entmischung (Segregation) auf der Mikroebene. bringen. Die Modellentwürfe deutscher Geographen
So bilden sich hermetisch abgeschlossene Luxusvier¬ sind auch in der internationalen Literatur diskutiert
tel alsEnklaven der Millionäre in durchaus ärmlicher worden und trugen zur Modifizierung zu stark verein¬
Nachbarschaft, und das diesem Vorgang zugrunde lie¬ fachender Strukturschemata bei (Deler 1989; Crow-
gende Prinzip räumlicher Fragmentierung lässt sich ley 1995,1998; Ford 1996).
auch hinsichtlich der Verteilung von Infrastrukturen
und Funktionen beobachten. Moderne Einkaufstem¬ Zu dieser Zeit entsprach das Modell schon nicht mehr
pel als Kopien nordamerikanischer malls waren noch den prinzipiellen Strukturmustern vieler lateinameri¬
bis vor wenigen Jahren den Oberschichtvierteln vor¬ kanischer Städte. Deren grundlegender Wandel wurde
behalten, sie initiierten - wenn sie auf der «grünen aber nur zögernd rezipiert. In den monographischen
Wiese» geplant und implementiert wurden - sogar Pla¬ Darstellungen süd- und lateinamerikanischer Städte
nung und Bau von neuen Luxusvierteln (Bahr & Mer¬ (Wilhelmy & Borsdorf 1984/85; Gilbert 1994; Bahr
tins 1995:107). Heute gilt diese räumliche Zuordnung & Mertins 1995) finden sich zwar Hinweise auf
in weit geringerem Maße, da in vielen Großstädten neue sozialräumliche Segregationstendenzen der Ober¬
Lateinamerikas derartige malls unabhängig von der schicht, ihre Bedeutung für die Gefügeveränderung
räumlichen Konzentration oberer Schichten entste¬ der lateinamerikanischen Städte wurde jedoch ebenso
hen. wenig erkannt wie in den wenigen Arbeiten, die sich mit
den Oberschichtvierteln im Besonderen beschäftigten
Es stellt sich daher zu Recht die Frage, ob die bishe¬ (Achilles 1989;Köster 1995). Erst in jüngeren Unter¬
rigen Modelle der lateinamerikanischen Stadtstruktur suchungen brasilianischer Städte (Lopes de Souza
und -entwicklung nicht revidiert werden müssen. In 1993; Pöhler 1999;Wehrhahn 2000; Coy & Pöhler
diesem Zusammenhang ist zunächst auf einen prinzipi¬ 2001) fand die Intensivierung sozialräumlicher Segre-
ellen Unterschied bei der Konzeption der Modelle hin¬ gationsprozesse, verbunden mit der Bildung von gated
zuweisen. Bahr, Mertins und beide Autoren gemein¬ communities, Beachtung, wobei auf Vorarbeiten brasi¬
sam zielten auf eine Darstellung der aktuellen Struktur lianischer Wissenschaftler zurückgegriffen wurde (z.B.
der Stadt, wobei sozialräumliche Muster unter Ein¬ Viera Caetano O'Neill 1986; Caldeira 1996). Zeit¬
beziehung der Mobilität der Bewohner (Zuwande¬ versetzt erschienen dann auch erste Arbeiten zur Ent-
Die Dynamik stadtstrukturellen Wandels in Lateinamerika A. Borsdorf, J. Bahr, M. Janoschka 301

wicklung in spanisch-amerikanischen Städten (Bors- 3. der Trend zum Bau immer größerer bewachter
dorf 2002a; Janoschka 2000, 2002a; Meyer
1998, Wohnkomplexe, die die Größe von Kleinstädten
& Bahr 2001). Das Engagement von Diplomanden, übertreffen können,
die am Forschungsprozess beteiligt waren (Pöhler 4. die gestiegene Bedeutung der Verkehrsinfrastruk¬
1999; Evangelisti 2000; Kohler 2001; Goumas 2002; tur, nach der die Nähe zu einer (Stadt-) Auto¬
Janoschka 2002b), muss hierbei hervorgehoben wer¬ bahnausfahrt zu einem entscheidenden Aspekt für
den. die Attraktivität des Wohnstandorts wird,
5. die Suburbanisierung der industriellen Produktion
Es war nur folgerichtig, dass die neu belebte Diskus¬ durch die Neuansiedlung von Betrieben des sekun¬
sion um die sozialräumliche Struktur und Entwick¬ dären Sektors an der Peripherie, oft in Form von
lung lateinamerikanischer Städte auch in neue Modelle geschlossenen Industrieparks,
der Stadtstruktur mündeten. So legten Meyer & Bahr 6. die zunehmende Abgeschlossenheit und Unbetret-
2001 ein Modell der Sozialstruktur Santiago de Chiles barkeit von Vierteln der Unterschicht und in wach¬
vor, Borsdorf präsentierte 2002b ein neues Modell der sendem Maße auch der Marginalschicht durch
lateinamerikanischen Stadtentwicklung und Janoschka Mauern und Zäune (Foto und 3). 1

publizierte ebenfalls 2002a, 2002c den «Vorschlag


eines neuen Modells der lateinamerikanischen Gro߬ In derVergangenheit hat sich die Existenz unterschied¬
stadt», der von den Ergebnissen seiner Untersuchun¬ licher Modelle der lateinamerikanischen Stadt als im
gen in Buenos Aires ausgeht. Die Notwendigkeit heuristischen Sinn fruchtbar erwiesen. Da ein Modell
zur Überarbeitung der bisherigen Modellentwürfe bei aller Generalisierung der Wirklichkeit jedoch so
begründet er mit neuen, erst in den letzten 30 Jahren nah wie möglich kommen sollte, wird im Folgenden
entstandenen Strukturelementen, als da sind: versucht, die bestehenden Ansätze zusammenzuführen
1. die Verbreitung von bewachten Wohnkomplexen und dabei insbesondere die jüngeren Strukturverände¬
für die wohlhabenden Schichten über den gesam¬ rungen zu berücksichtigen.
ten Metropolenraum, die einen klaren Bruch zu
der bisherigen sektoralen Anordnung der Ober¬
schichtsviertel darstellen, 2 Reflexionen zur Modellbildung, mit besonderem
2. die Streuung von Einkaufszentren, Shopping malls Bezug zu lateinamerikanischen Städten
und urban entertainment centers im gesamten
Großraum und nicht nur in den traditionellen Sek¬ Modelle haben in der Geographie drei Basiskonnota¬
toren der Oberschicht, tionen. Sie können als Leitbilder anzustrebende Raum¬
muster darstellen, sind demnach konstruktive Utopien.
Die Regionalstadt von Hillebrecht, die Gartenstadt
von Howard oder die Vorstellung einer autogerechten

<\ Stadt waren derartige Modelle. Sie können aber auch


am Anfang und Ende theoriegeleiteter Arbeit stehen

fc'^hßy^k
l und somit konstitutive Elemente deduktiver Logik
bilden. Christallers Zentrale Orte. Boustedts Stadt¬
region oder die THÜNENSchen Ringe sind Beispiele
für diese Auffassung. Modelle können schließlich im
phänomenologischen Sinn Reduktionen beobachteter
Wirklichkeiten sein, in denen die an vielen Standorten
festgestellten Grundstrukturen zu einer einzigen ver¬
dichtet werden. Sie bilden häufig den Endpunkt induk¬
tiver, aber zuweilen auch hermeneutischer Logik. Die
Modelle der lateinamerikanischen Stadt gehören zu
diesem Typ. Weil hermeneutische Erfahrungs- und
Verständnisprozesse den erkenntnisleitenden Vorgang
steuern, ist damit eine gewisse Subjektivität verbun¬
Foto 1: Abgesperrte Strasse in Mexiko-Stadt: Mit Git¬ den. Dies erklärt, warum in manchen Modellen und
tern und Schranken wird öffentlicher Raum zum pri¬ Idealschemala die Strukturen einer einzigen Stadt,
vaten umfunktioniert. auf die dann die Grundmuster der anderen bezogen
Closed road in Mexico City: Railings and barriers trans- wurden, noch erkennbar sind.
form public space into private space.
Rue fermee ä Mexico-Ville: Avec grilles et barrieres, Der im Folgenden dargestellte Gedankengang ver¬
l'espace public esl transforme en espace prive. sucht zwar, die idiographisch-subjektiven Momente
Foto: A. Borsdorf weitgehend in den Hintergrund treten zu lassen, ganz
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kann dies angesichts der Vielgestaltigkeit lateiname¬ (Meyer & Bahr 2001: 313). Die Verdichtung des
rikanischer Städte und der Verschiedenartigkeit der Schnellstraßennetzes bedingte einerseits den Ausbau
sozioökonomischen und politischen Strukturen und der gewachsenen linearen Strukturen, war andererseits
Entwicklungen jedoch nicht gelingen. So muss zu aber auch die Voraussetzung dafür, dass sich nodale
Beginn konstatiert werden, dass insbesondere die und fragmentierte Strukturen herausbilden konnten,
Einbeziehung des lusoamerikanischen Kulturraums die als das heute bestimmende Strukturationsmuster
Schwierigkeiten bereitet. Bei allen Differenzen in der gelten können.
Vergangenheit scheint sich jedoch heute die Stadt¬
struktur in beiden Kulturräumen stärker anzugleichen, Auch das zweite, noch wirksame Gliederungsprinzip
so dass es zumindest für die jüngste Etappe der Stadt¬ unterliegt den Rahmenbedingungen der (post)moder-
entwicklung leichter fällt, das brasilianische Beispiel nen Stadtentwicklung. Zellenhafte Elemente an der
mit zu berücksichtigen. Peripherie sind nur noch in manchen Städten (vor
allem in den durch Armutsphänomene besonders
Das hier vorgestellte Modell bezieht sich bewusst nicht geprägten wie Lima oder Bogota) überwiegend als
ausschließlich auf die aktuelle Stadtstruktur, sondern randstädtische Hüttenviertel ausgebildet, in anderen
schließt vorangegangene Entwicklungsphasen ein, um werden sie mehr und mehr von gewaltigen Infra¬
die Dynamik der Veränderungen und den Wandel strukturvorhaben bestimmt, die die bisher bekannten
der die Struktur bestimmenden Faktoren sichtbar zu Größenordnungen suburbaner Erschließung spren¬
machen. Die vier Hauptphasen der Stadtentwicklung gen. Aus Buenos Aires sind die megaemprendimientos
werden durch je ein Schema repräsentiert, das die bekannt, bis zu 1.600 ha große Bauvorhaben mit
Stadtstruktur gegen Ende der jeweiligen Epoche zeigt. mehreren tausend Wohneinheiten für die besser ver¬
Grundlage der neuen Modellierung bilden Beobach¬ dienenden Bevölkerungsschichten. Das größte dieser
tungen und die Ergebnisse jüngster Untersuchungen Projekte, das Nordeita. soll als ciudadpueblo (Stadt¬
in den Städten Santiago de Chile, Valdivia undTemuco dorf) für bis zu 140.000 Einwohner ausgebaut werden
in Chile, Lima und Quito im Andenraum, Mexiko-City (Janoschka 2002a: 67).
und Guadalajara in Mittelamerika sowie Buenos Aires,
Säo Paulo und Rio de Janeiro an der Atlantikküste. Ähnliche Mega-Projekte gibt es auch in Brasilien. Im
Für andere Städte liegen zwar noch keine Untersu¬ Umland von Säo Paulo ist Alphaville, ca. 30 km vom
chungen vor, dennoch belegen Beobachtungen der Zentrum entfernt, aus dem Boden gestampft worden,
Autoren, dass weitgehend parallele Entwicklungen in ein riesiges ummauertes und abgesichertes Areal, das
allen Groß- und Mittelstädten des Kulturerdteils statt¬ neben einer eigenen mall und Freizeiteinrichtungen
finden. auch Arbeitsplätze in Bürogebäuden für die Bewoh¬
ner bereitstellt (vgl. Beitrag von Coy & Pöhler in
diesem Heft).
3 Die jüngste Phase der lateinamerikanischen Stadt¬
entwicklung (1970 - heute) im Modell: In Chile haben sich - bedingt durch juristische Bestim¬
Die fragmentierte Stadt mungen - auf der grünen Wiese riesige Erschließungs¬
gebiete gebildet, in denen die Fläche jeder Parzelle
Zwei Raumstrukturationsprinzipien der Vergangen¬ größer als 5000 m2 ausgelegt wird (Meyer & Bahr
heit sind auch heute noch wirksam: die linear-sektorale 2001: 303ff.). Im ländlichen Raum, also auch in dem
Wachstumstendenz und das zellenhafte Wachstum, dieser Kategorie zugeordneten Agglomerationsrand,
beide jedoch in einer Weise, die sie von früheren Ent¬ ist eine Grundstücksteilung unter dieser Größenord¬
wicklungsphasen deutlich unterscheidet. Die Eisen¬ nung verboten. Diese Bestimmung intendierte die
bahn, Leitlinie des linearen Städtewachstums des Erhaltung landwirtschaftlicher Mindestgrößen, bildet
19. Jahrhunderts und die wenigen öffentlichen Aus¬ heute aber für wohlhabende Baulandkäufer kein Hin¬
fallstraßen, die, oft als mehrspurige Autobahnen aus¬ dernis. Rasch erreichen urbanizaciones mit einigen
gebildet, im 20. Jahrhundert die Rolle der Gleisstränge wenigen Siedlern Größenordnungen von 30-50 ha.
übernahmen, haben an Bedeutung eingebüßt. Sie Es ist jedoch unübersehbar, dass die Käufer derartig
konnten mit dem gewachsenen Verkehrsaufkommen großer Grundstücke darauf spekulieren, dass unter
nicht Schritt halten (Janoschka 2002a: 65) und wurden dem Sachzwang der Entstehung urbaner Infrastruktu¬
in großem Umfang und oft unter Einbeziehung oder ren das Gelände bald als Urbanisierungsfläche dekla¬
gar unter gänzlicher Trägerschaft durch privates Kapi¬ riert wird, die Parzelle dann geteilt und mit hohem
tal aus- oder neugebaut. Erst die Modernisierung und Spekulationsgewinn verkauft werden kann.
Ausweitung des intraurbanen Schnellstraßennetzes
ermöglichte die Beschleunigung des Verkehrs und Die geschilderten Modifizierungen der linearen bzw.
machte den sub- und periurbanen Raum in der zellenhaften Raummuster sind als Sonderformen jenes
Fläche auch für die Ober- und Mittelschicht attraktiv Strukturationsprinzips anzusehen, das die heutige
Die Dynamik stadtstrukturellen Wandels in Lateinamerika A. Borsdorf, J. Bahr, M. Janoschka 303

Dynamik kennzeichnet und die lateinamerikanischen menlebens mit Menschen der gleichen Sozialschicht,
Städte außerordentlich gründlich überprägt. Gemeint bei den barrios cerrados der Mittel- und Oberschicht
ist die Fragmentierung der Stadtorganismen, die sich auch der Wunsch nach Exklusivität und z.T. der Ver¬
auf allen Ebenen der Stadtentwicklung durchzusetzen wirklichung eines bestimmten Lebensstils eine Rolle
scheint. Fragmentierung ist eine neue Form der Entmi¬ spielen, als Pushfaktoren das frühere Wohnumfeld, die
schung von Funktionen und sozialräumlichen Elemen¬ Gefahr von Kriminalität oder Terrorismus, die von
ten, aber nicht, wie früher, im kleinen Maßstab (ciudad Medienberichten zusätzlich geschürt und von Immo¬
rica - ciudad pobre; Wohngebiet - City), sondern im bilienmaklern ausgenutzt wird.
großen, wobei sich kleinere und größere, oft herme¬
tisch abgeschottete funktions- oder sozialräumliche Ein zweites Element der Fragmentierung lateiname¬
Elemente in einer völlig gegensätzlich strukturierten rikanischer Städte bilden die Allokationstendenzen
Umgebung ansiedeln. funktionaler Raumeinheiten. Besonders klar wird dies
am Beispiel des Einzelhandels. In manchen Städten
Am deutlichsten wird dieser Prozess am Beispiel der konnte das Stadtzentrum durch Sanierungs-, Ver-
Bildung von barrios cerrados. Mit Mauern oder Zäunen kehrsberuhigungs- und andere upgrading-Maßnahmen
umgebene, mit privat finanzierten Sicherheitskräften (Ladengalerien und -passagen, Metrostationsaus- und
oder -Systemen ausgestattete, zum Teil auch mit -umbau) verlorenes Terrain zurückgewinnen (z.B.
hochwertiger, freilich nur den Bewohnern vorbehal¬ Buenos Aires). Im Gefüge der urbanen Einzelhan¬
tener Infrastruktur (Sport- und Freizeitanlagen, z.T. delsstandorte ist es jedoch selbst im besten Fall nur
sogar Bildungseinrichtungen) versehen, bilden diese noch von untergeordneter Bedeutung. Orientierten
geschlossenen Viertel hoch segregierte und sozial sich die ersten Shopping centers und malls räumlich
homogene Inseln im Stadtgefüge (Foto 2). Es handelt klar an den neuen suburbanen Villenvierteln der
sich um Formen freiwilliger sozialräumlicher Segre¬ Oberschicht, so ist heute die Standortwahl weit weni¬
gation (vgl. zur Einordnung in die Segregations- ger am sozialräumlichen Grundmuster ausgerichtet.
theorie: Borsdorf 2000). Die Grund- und Rah¬ Gleichwohl bleiben ärmere Bevölkerungsschichten
menbedingungen der Entstehung sind bislang nicht auch ohne autoritär erscheinende Zwangsmaßnahmen
vollständig erforscht. Meyer & Bahr (2001: 316) und weitgehend ausgeschlossen, weil die Shopping centers
Borsdorf (in diesem Heft, S. 241, Abb. 1) geben nur mit dem Auto erreichbar sind (Janoschka 2002a:
erste Erklärungsansätze. Vorläufig kann konstatiert 68). Zum Teil sind die malls mit Erlebnis- und
werden, dass als Pullfaktoren das Motiv der Sicher¬ Aktivitätszentren vom Typ des aus Nordamerika
heit (auch für die Kinder), die Möglichkeit des Zusam- bekannten urban entertainment center verbunden, frei¬
lich entstanden solche auch eigenständig. Im Modell
werden die malls, entertainment centers und die busi¬

*
ness parks, die ähnliche Standortpräferenzen haben,
aus Gründen der Vereinfachung mit einer Signatur
m dargestellt. Die gute Erreichbarkeit mit dem privaten
PKW ist zu einem entscheidenden Standortfaktor
geworden, der bisherige Standortfaktoren scheinbar
TU
obsolet macht. Dies gilt nicht nur für die Auswahl des
Wohnviertels und den Besuch von Einkaufs- und Frei¬
V':
LU zeiteinrichtungen, sondern auch im Hinblick auf die
Allokation von Arbeitsstätten für die Oberschicht. Die
neuen Stadtautobahnen wurden daher in das Modell
aufgenommen, und es wurde versucht, die Lagekoin¬
zidenzen dieser Schnellstrassen zu barrios cerrados

m und malls/'entertainment cenlers/business parks darzu¬


stellen. Hochwertige Dienstleistungen konzentrieren
sich schon seit längerem nicht mehr ausschließlich auf
die zentralen Bezirke der Stadt, und auch die Tendenz
Foto 2: Der Wert der Lebensqualität, der Wert der zur Ansiedlung in den traditionellen Oberschichtvier¬
Exklusivität: Werbung für ein condominio der Luxus¬ teln ist bei weitem nicht mehr so dominant wie noch
klasse vor ca. 20-30 Jahren.
The value of quality of life, the value of exclusiveness:
Advertisement for a «condominio» ofluxury class So prägt die massive Verbreitung von privaten Urba¬
La valeur de la qualite de la vie, la valeur de Texclusivite: nisierungen, meist in Form der barrios cerrados, im
publicite pour un «condominio» de luxe gesamten Stadtgebiet und in der Randzone der Agglo¬
Foto: A. Borsdorf merationen, gepaart mit der ebenfalls dispersen Anord-
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nung von Einkaufs- und Erlebniszentren (malls und


urban entertainment centers) sowie von Bürotürmen,
die heutige Stadtstruktur. Während alte Industriege¬
biete vielfach verfallen, bilden sich in manchen
I
Städten an den Flughäfen neue Wirtschaftsschwer¬
punkte heraus, die an edge cities der USA erinnern.
Neben dem exklusiven Beherbergungsgewerbe umfas¬
sen sie auch großflächigen Einzelhandel, Erlebnisin¬
frastrukturen, Logistik und hochwertige, international
handelbare Dienstleistungen.

Es hat bereits verschiedene Versuche zur Typisierung


der barrios cerrados gegeben. Im Modell wird darauf
nicht Bezug genommen, stattdessen werden die viel¬
fältigen Erscheinungsformen zu drei nach Größe,
Struktur und Lage unterscheidbaren Typen zusammen¬ Foto 3: Marginalviertel (barrioperdido). in Mexiko-Stadt:
gefasst. Die sogenannten «urbanen barrios cerrados» Auch die Hüttenviertel sind auf ihre Art umzäunt.
sind ummauerte, dicht verbaute, oft in standardisierter Squatter seulement («barrio perdido») in Mexico City:
(Reihenhaus-) Architektur errichtete Wohnkomplexe, The marginal quarters, too, gate themselves in their
aber auch mit einer Mauer umgebene Appartement¬ manner.
hausgruppen oder schließlich nachträglich eingefrie¬ Bidonville («barrio perdido») ä Mexico-Ville: les bidon-
dete Straßenzüge. Gemeinsam genutzte Infrastruk¬ villes sont enclos ä leur faqon.
turen (Sportanlagen, Schwimmbad etc.) sind kaum Foto: A. Borsdorf
vorhanden. Die Bewohner gehören zumeist der Mit¬
tel- und oberen Unterschicht an. Suburbane barrios
cerrados dagegen sind weit weniger dicht verbaut, mit leistungen sind hinzugekommen, und oft machen
großzügigen Grünanlagen und Freizeiteinrichtungen die ehemaligen Marginalviertel heute einen durchaus
versehen. Sie werden in der Regel von Angehörigen «schmucken» Eindruck. Die in der zweiten Ver¬
der Oberschicht bewohnt. Nur in wenigen latein¬ städterungsphase noch wichtige Unterscheidung von
amerikanischen Megastädten sind inzwischen auch semilegalen und illegalen Hüttenvierteln (vgl. Bahr &
großflächige barrios cerrados mit integrierter Infra¬ Mertins 1981) ist nicht nur aus Vereinfachungsgründen
struktur entstanden, z.B. das Nordeita in Buenos entfallen, sie ist angesichts der neoliberalen Dere¬
Aires oder Alphaville bei Säo Paulo. Da aber ange¬ gulierung heute nicht mehr bedeutsam. Die in der
nommen wird, dass sich die Tendenz zur Anlage sol¬ ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstandenen, zen¬
cher «Stadtdörfer» fortsetzen wird, wurden sie den¬ tral gelegenen Marginalviertel, es handelt sich um
noch bereits in das Modell aufgenommen. die «Gängeviertel» (conventillos, vecindades) und um
abgewertete Viertel, werden heute z.T. unter laut¬
Spanisch-amerikanische Städte liegen oft in Becken, starkem, aber letztlich erfolglosem Widerstand der
lusoamerikanische Großstädte dagegen an der Küste. Bewohner «saniert» oder abgerissen.
In beiden Fällen sind die Reserveflächen für Stadter¬
weiterungen großenteils aufgebraucht. Dadurch ist die Die genannten Entwicklungsprozesse führen zu einer
letzte Stadtentwicklungsphase auch durch die Verdich¬ neuen sozialräumlichen und funktionalen Struktur der
tung der urbanisierten Fläche gekennzeichnet. Viele Städte Lateinamerikas, die als letzte, d.h. vierte Ent¬
der bis 1970 noch inselhaft vor dem urbanen Perime¬ wicklungsphase im Modell dargestellt ist (Abb. 1).
ter angeordneten Sozialbau- und Marginalviertel sind Zum besseren Verständnis sollen im Folgenden aber
dadurch in das städtische Weichbild integriert worden. auch die bisherigen Stadtentwicklungsphasen kurz dis¬
kutiert werden. Die Darstellung orientiert sich dabei
Die Hüttenviertel haben zu einem großen Teil in an der Zeitsequenz und beginnt mit der Gründung
den letzten Jahrzehnten einen beachtlichen Konsoli- und der sich anschließenden kolonialen Epoche.
dierungsprozess durchlaufen. Auch sie wurden vom
Trend zur Einfriedung erfasst und sind heute vielfach
umzäunt (Foto 3). Wo eine Konsolidierung stattfand, 4 Parameter der Stadtentstehung und erste räumliche
sind die ehemaligen Hütten modernen Gebäuden Strukturationsprinzipien im Modell: Die kompakte
(oft in Stahlbeton-Skelettbauweise mit gemauerten Stadt
Wänden) gewichen, die Straßen sind ebenfalls befe¬
stigt, Infrastruktur zur Ver- und Entsorgung, Bildungs¬ Die Gründung. Lagewahl und Planung der Städte
einrichtungen, Einzelhandel und vielfältige Dienst- folgte im spanischen Teil der Neuen Welt spätestens
Die Dynamik stadtstrukturellen Wandels in Lateinamerika A. Borsdorf, J. Bahr, M. Janoschka 305

Kolonialstadt: Stadt am Ende der Stadt am Ende der Heulige Stadtstruktur:


Die kompakte 1.
Yerstadierungsphase: 2.
Verstadterungsphase: Diefragmentierte Stadt
Staat Die sektorale Stadt Die polarisierte Stadt (ca. 2000)
(1550 1820) (ca. 1920) (ca. 1970)

O
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y H 0 0 D
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Legende Traditionelles Industnevienel |


o [
Viertel des sozialen Wohnungsbaus A mall, business park.
urban entertainment center.
^B City und Cityerweitenmj Neues Industriegebiet Urbanes barrio cerrado
j
Hauptverkehrslinien.
N ' Stadtautobahnen
J Mischzone
Zentrale Marginalviertel Suburbanes bamo cerrado
Q
| Oberschicht
Großflächiges bamo cerrado mit inte- Flughafen
Peripheres Marginalviertel
] Mittelschicht O gnerler Infrastruktur (bislang nur in
Unterschicht D Konsolidiertes ehemaliges Marginalviertel wenigen Agglomerationen)

Abb. 1: Modell der Struktur und Entwicklung der lateinamerikanischen Stadt


Moelei ofthe structure and development ofthe Latin American city
Modele de la structure et du developpement de la ville d Amerique latine
Entwurf: J. Bahr, A. Borsdorf, M. Janoschka

seit 1573 klaren königlichen Anweisungen (Wilhelmy allem eine Verwaltungsfunktion; der Handel spielte
& Borsdorf 1984: 73ff.; Bahr & Mertins 1995: 9ff.). nur eine untergeordnete Rolle. Das übergeordnete
Hauptstädte entstanden im Zentrum der Verwaltungs¬ ökonomische Ziel, dem auch die Städte zu gehorchen
einheiten in höher gelegenen, klimatisch begünstigten hatten, war der Mehrwerttransfer nach Spanien, d.h.
Beckenlagen, lediglich die ihnen untergeordneten die Ausbeutung von mineralischen und pflanzlichen
Hafenstädte durften an der Küste errichtet werden. Rohstoffen und ihr Transport ins ferne Mutterland.
Die zentrale, quadratisch angelegte plaza, ursprünglich
als Waffenplatz gedacht, bildete den klaren Bezugs¬ Das dominante Kern-Rand-Gefälle in der sozialräumli¬
punkt, auf den sich das geradlinige, im Schachbrett¬ chen Struktur spiegelte sich im ringförmigen Aufbau
muster angelegte Straßennetz orientierte. Die plaza der Stadtviertel. An der plaza wohnten die vor¬
war aber zugleich auch der Mittelpunkt des sozialen nehmsten Familien, oft die Conquisladoren und ihre
Lebens. Nach dem Grad der Entfernung der Wohnung Nachkommen sowie große Landbesitzer, ferner der
vom zentralen Platz bemaß sich der Sozialstatus des Bischof und der von Spanien entsandte Vizekönig,
Bürgers. Im sozialräumlichen Muster entsprachen diese Generalkapitän oder der dem Rang der Stadt entspre¬
Städte dem Modell einer ständisch relativ einfach, chende Spitzenbeamte. Auch der plaza-nahe Straßen¬
dafür aber markant gegliederten Kolonialgesellschaft. komplex war der Oberschicht vorbehalten. Den folgen¬
den Ring bildeten die Straßenzüge der Mittelschicht,
Die Städte hatten im spanischen Kolonialreich vor darin lag in der Regel auch die Markthalle. Und
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schließlich wohnten die «armen Weißen», die Indios pelter Weise klar zu erkennen: im linearen, später sek¬
und Mestizen in den Außenvierteln dieser überaus toralen Wachstum der Oberschichtviertel, die sich an
kompakten Stadt. Zentralisierung, Kern-Rand-Gefälle der Prachtstraße orientieren und in der Entwicklung
und schalenförmiger Aufbau können als Strukturati- entlang der Eisenbahn, wo sich Großhandel, Hand¬
onsprinzipien identifiziert werden. werk und erste Produktionsbetriebe nebst zugehörigen
Wohnvierteln der Arbeiterklasse anordnen.
In Brasilien galten in der Frühphase der Stadtentwick¬
lung andere Grundbedingungen. Die dortigen Städte
wurden zunächst nur als Küstenstützpunkte für den 6 Die zweite Verstädterungsphase (1920-1970) im
portugiesischen Warenverkehr in den Indischen Ozean Modell: Die polarisierte Stadt
benutzt und müssten daher zum Schutz gegen das Hin¬
terland und konkurrierende europäische Seemächte Das Ziel außengerichteter Entwicklung wurde seit
ummauert werden. Ihr Grundriss war ursprünglich den 1920er und 1930er Jahren durch das neue Para¬
regellos und selbst nach Übernahme der «Schachbrett- digma einer innengerichteten, auf die Substitution
Mode» weniger schematisch als derjenige spanisch-ame¬ von Importen abzielende Industrialisierungspolitik
rikanischer Städte. Anders als diese hatten die lusoame- abgelöst. Durch die Ansiedlung von Industriebetrie¬
rikanischen Städte von Beginn an wichtige Funktionen ben entlang der Ausfallachsen verstärkte sich das line¬
im Handel. Auch im Zentrum der brasilianischen Städte are Strukturprinzip. Neue Arbeitsplätze in den Städten
entstanden Plätze, und allmählich bildete sich auch dort bei gleichzeitig wachsendem Bevölkerungsdruck auf
ein Kern-Rand-Gefälle des Sozialstatus heraus, auf¬ dem Lande hatten eine gewaltige Landflucht zur
grund der Küstenlage nicht wie Zwiebelschalen struk¬ Folge (Gans 1992; Bahr & Mertins 1995: 47ff.).
turiert, sondern eher halbkreisförmig. Die große Masse der Migranten konnte weder sozial
noch ökonomisch in die Stadt integriert werden. Viele
Zuwanderer müssten unter beengten Verhältnissen in
5 Die erste Verstädterungsphase (1820-1920) im innerstädtischen «Gängevierteln» (conventillos, tugu¬
Modell: Die sektorale Stadt rios, vecindades), leben, die den kolonialen Kern der
Städte überformten; raumgreifender waren jedoch die
Die in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts in randstädtischen Marginalviertel (callampas, barriadas,
fast allen spanischen Kolonien der Neuen Welt errun¬ villas miseria), die als Hüttenquartiere die Städte
gene politische und ökonomische Unabhängigkeit vom nahezu einschnürten und nur vor den Sektoren der
Mutterland bewirkte mit einer gewissen Zeitverzö¬ Reichen Halt machten.
gerung auch eine Umstrukturierung des sozialräumli¬
chen Grundmusters der Städte, während sich im portu¬ In dieser Zeit entstand der Gegensatz von reicher und
giesischen Machtbereich zunächst noch wenig änderte. armer Stadt, und die Polarisierung wurde zum vorran¬
In viele Staaten Spanisch-Amerikas erfolgte eine in gigen Strukturationsprinzip. Ergänzend trat jedoch ein
Umfang und nach Herkunft der Migranten verschie¬ weiteres Prinzip hinzu, das des zellularen Wachstums:
denartige europäische Einwanderung. Von Europa Auf billig erworbenen Parzellen am Stadtrand errich¬
wurden auch die Muster des Städtebaus übernommen, tete man sog. Viertel des sozialen Wohnbaus, die aber
der großzügige Boulevard, in Spanisch-Amerika ala- den Wohnraumbedarf ärmerer Schichten bei weitem
meda, prado oder paseo genannt, und die europäische nicht decken konnten, so dass illegale (Landbesetzun¬
Villa. gen) und semilegale (nicht genehmigte Parzellierun¬
gen) Hüttenviertel zum prägenden Element der Peri¬
In dieser Epoche wurden das Strukturationsprinzip pherie wurden.
der Linearität und das sektorale Prinzip angelegt, das
in der Folge noch ausgebaut und um das Prinzip der Diese Verstädterungsphase ist in den Modellen der
Polarisierung erweitert wurde. Da wirtschaftspolitisch 1970er und 1980er Jahre dargestellt worden. Charakte¬
zunächst die interne konservative Agraroligarchie be¬ ristisch für diese Epoche war die enorme vertikale und
stimmend blieb, gerieten die Schlüsselbereiche der horizontale Mobilität, die in den Modellen vielfach
nationalen Ökonomie in die Hände von Ausländern, durch Pfeile symbolisiert worden ist. Migrationsströme
wobei sich lediglich die Dominanz der Staaten änderte, vom Land in die «Gängeviertel» des Zentrums, von
von Frankreich zu Großbritannien und schließlich dort in die randstädtischen Marginalviertel, von dort
immer mehr zu den USA. Die Liberalen, die in fast im Zuge vertikaler Mobilität in die Viertel des sozi¬
allen spanisch-amerikanischen Staaten die Konserva¬ alen Wohnungsbaus kennzeichnen die innerstädtische
tiven um 1850-70 ablösten, änderten daran wenig, ihr Mobilitätsdynamik in idealtypischer Weise, wobei auch
Entwicklungsziel war die Steigerung der Exporte. gegenläufige Bewegungsmuster als Folge von Ver-
elendungs- und Verdrängungsprozessen beobachtet
Im Modell ist das lineare Gliederungsprinzip in dop¬ werden konnten (Bahr 1986).
Die Dynamik stadtstrukturellen Wandels in Lateinamerika A. Borsdorf, J. Bahr, M. Janoschka 307

In den 1970er Jahren wurden auch die ersten Shopping ben, die weltweite Vernetzung gestärkt und damit
centers errichtet, unmittelbar darauf entstanden malls in hohem Maße städtische Strukturen beeinflusst,
nach nordamerikanischem Muster, die in der Folge jedoch nicht ausschließlich in Richtung auf eine welt¬
zu Kristallisationspunkten für die Neuplanung von weite Homogenisierung und Vereinheitlichung, son¬
Wohnvierteln für die gehobenen Schichten wurden. dern auch in Richtung auf lokale Besonderheiten und
Während diese Entwicklungen in den älteren Model¬ Spezialitäten, was mit der Begriffsneuschöpfung der
len bereits berücksichtigt sind, finden sich noch «Glokalisierung» umschrieben wird. Das liegt daran,
keine Hinweise auf die beginnende Fragmentierung dass in dem System weltweiter Arbeitsteilung die ein¬
des Stadtorganismus, obwohl es schon damals abge¬ zelnen Großräume, Länder und Städte eine höchst
sperrte Straßen, bewachte Appartement-Hochhäuser unterschiedliche Position einnehmen und deshalb die
und stark segregierte, wenn auch noch nicht ummau¬ «internationalen Räume», die Teil der globalen Gesell¬
erte Lifestyle-Viertel des Country Club-Typs gab. schaft sind und einen bestimmten Lebensstil wider¬
spiegeln, ein quantitativ sehr verschiedenes Gewicht
haben. Ebenso schreitet die sozialräumliche Diffe¬
7 Schlussbetrachtung: Machen Stadtmodelle noch renzierung unterschiedlich schnell fort und wird in
Sinn? unterschiedlichem Umfang von der beschriebenen
«Fragmentierung» abgelöst. Aber auch die Anglei-
Die Erarbeitung von kulturspezifischen Stadtstruk¬ chungsprozesse fußen auf unterschiedlichen Traditio¬
tur- und -entwicklungsmodellen ist ein Spezifikum der nen, deren Relikte durchaus noch spürbar sind, nicht
deutschsprachigen geographischen Forschung. Es ist nur in den Raumstrukturen, sondern auch in der
allerdings zu fragen, ob die Erarbeitung von Modellen, Lebenswelt ihrer Bewohner. Modelle können die Ent¬
ein typisches Erkenntnisziel der Moderne, der Postmo¬ wicklungen transparent machen und die Beschäftigung
derne noch angemessen ist. Strukturen lösen sich auf, damit kann für das kulturelle Erbe sensibilisieren.
werden beliebig, die Bedeutung sozioökonomischer So steht am Ende dieses Beitrags doch ein klares
Klassen nimmt ab, die Relevanz ganz anders definier¬ Bekenntnis zur Modellbildung und zur fortgesetzten
ter Style-Gruppen nimmt dagegen zu, wobei Zuord¬ Beschäftigung mit Städten in Lateinamerika.
nungen schon deshalb vorläufig bleiben, weil Lebens¬
stile sehr schnell gewechselt werden können. Stadt
und Land werden dabei unwichtig, die «Zwischen¬ Dank
stadt» (Sieverts 1999) gewinnt an Wertigkeit (vgl. dazu Die Studie wurde finanziert durch den Fonds zur
Dubois-Taine 2002). Dies sind natürlich Tendenzen in Förderung wissenschaftlicher Forschung, Wien, die Deut¬
den Industriestaaten,dennoch scheinen sie im Zeitalter sche Forschungsgemeinschaft, den Deutschen Akademi¬
der Globalisierung und Internet-Kommunikation rasch schen Austauschdienst und die Humboldt-Ritter-Penck-
von internationalisierten Oberschichtangehörigen als Stiftung der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin.
Trendsetter aufgegriffen und auch in Lateinamerika
umgesetzt zu werden.
Literatur
Machen Stadtmodelle also noch Sinn? Bewegen sich Achilles, Strukturwandel und Bewertung
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nicht im internationalen Maßstab die Erscheinungs¬ sozial hochrangiger Wohnviertel in Rio de Janeiro. -
formen und -strukturen von Siedlungen so aufeinan¬ Tübinger Geographische Studien 104,Tübingen.
der zu, dass Städte unterschiedlicher Kulturräume so Bähr,J. (1976): Neuere Entwicklungstendenzen latein¬
wenig unterscheidbar werden wie die Ess- und Klei¬ amerikanischer Großstädte.- In: Geographische Rund¬
dungsgewohnheiten der Fast-Food- und Franchise- schau 28,4:125-133.
Kunden, die in ihnen wohnen? Die Frage nach der Bahr, J. (1986): Innerstädtische Wanderungsbewegun¬
Konvergenz oder Divergenz städtischer Strukturen gen unterer Sozialschichten und peripheres Wachs¬
und Prozesse ist schon alt (vgl. Hofmeister 1996; tum lateinamerikanischer Metropolen.- Eichstätler
Bahr & Mertins 1995: lff.), älter als die gegenwärtige Beiträge 18:143-177.
Globalisierungsdebatte. Die Antwort darauf, dass es Bahr, J. & G. Mertins (1981): Idealschema der
sowohl Variante (kulturraumspezifische) wie invari¬ sozialräumlichen Differenzierung lateinamerikanischer
ante (kulturraumübergreifende) Faktoren und Struk¬ Großstädte. - In: Geographische Zeitschrift 69,1:1-33.
turelemente gibt (vgl. Lichtenberger 1996) hat aber Bähr.J. & G. Mertins (1995): Die lateinamerikanische
bis heute Bestand. Insofern versteht sich der vorlie¬ Großstadt. Verstädterungsprozesse und Stadtstruktu¬
gende Aufsatz auch als Antithese einer zu stark ver¬ ren. - Erträge der Forschung 288, Darmstadl: Wis¬
allgemeinernden Globalisierungsthese. Zwar hat der senschaftliche Buchgesellschaft.
Globalisierungsprozess, den wir seit etwa zwei Jahr¬ Borsdorf, A. (1976): Valdivia und Osorno. Struktu¬
zehnten nicht nur im Bereich der Wirtschaft, sondern relle Disparitäten in chilenischen Mittelstädten. -
auch in Politik, Kultur, Information und Wissen erle¬ Tübinger Geographische Studien 69,Tübingen.
308 Geographica Helvetica Jg. 57 2002/Heft 4

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Die Dynamik stadtstrukturellen Wandels in Lateinamerika A. Borsdorf, J. Bahr, M. Janoschka 309

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the fragmented town. Thereby, the attempt was made
to take over as many elements of former modeis as
Zusammenfassung: Die Dynamik stadtstrukturellen possible, in order lo emphasise the most recent phase.
Wandels in Lateinamerika im Modell der latein¬
amerikanischen Stadt Resume: La dynamique de la mutation structurelle de
Als 1976 die ersten Versuche publiziert wurden, die la ville en Amerique latine, d'apres le modele latino-
lateinamerikanische Stadt im Strukturmodell darzu¬ americain
stellen, befand sich der Subkontinent volkswirtschaft¬ Lorsqu'en furent entreprises les premieres ten-
1976
lich noch unter dem Einfluss der Entwicklungsstrategie tatives diffusion du modele structurel de la ville
de
der importsubstituierenden Entwicklung bei starker latino-americaine, ce subcontinent etait encore sous
staatlicher Lenkung der Wirtschafts- und Planungs¬ l'influence economique d'une Strategie de developpe¬
prozesse, auch im urbanen Raum. Seither haben die ment exogene soumise ä un fort dirigisme d'Etat tant
Länder Lateinamerikas, von Kuba einmal abgesehen, economique que planificateur. egalement ä l'echelle
nicht nur einen Richtungswechsel zum Entwicklungs¬ urbaine. Depuis, les Etats latino-americains, excepte
paradigma des Neoliberalismus vollzogen, sie sind Cuba, n'ont pas uniquement change de cap en direc¬
auch unter den verstärkten Einfluss von Globalisie¬ tion du paradigme de developpement neo-liberal; ils
rungsprozessen geraten. Der Rückzug des Staates sont devenus tributaires de l'influence grandissante
bei Privatisierung und Deregulierung erlaubt weitaus des processus de mondialisation. Le retrait de l'Etat
mehr Freiheiten. Dies alles hat auch seinen Nieder¬ dans les domaines de la privatisation et de la deregu-
schlag in der Stadtstruktur gefunden, so dass es an der lation favorise l'emergence de multiples libertes. Cette
Zeit ist, die Stadtmodelle als Generalisierungen der transformation s'est aussi repercutee sur les structures
Wirklichkeit an die neuen Strukturen im Stadtgefüge urbaines, de teile facon que le temps est venu d'adap-
anzupassen. ter le complexe urbain aux modeles urbains en tant
que generalisations de la realite.
Zur Veranschaulichung der Dynamik urbaner Struk¬
turmuster wird dabei die Stadtentwicklung in vier La dynamique du developpement des modeles struc-
entscheidenden Epochen modelliert, die als Phasen turels urbains est presentee ä travers quatre epoques
der Kolonialstadt, der sektoralen Stadt, der polari¬ determinantes: celle de la ville coloniale, celle de la
sierten Stadt und schließlich der fragmentierten Stadt ville sectorielle, celle de la ville polarisee et, en fin
identifiziert werden. Dabei wurde versucht, soweit de compte, celle de la ville fragmentee. L'etude a ete
wie möglich die Muster der früheren Modelle zu menee avec le souci de reprendre le plus d'elements
übernehmen, um dagegen die jüngste Stadtentwick¬ possibles des modeles anterieurs en vue d'une confron-
lungsphase herauszustellen. tation avec l'etape actuelle du deploiemenl urbain.

Summary: The Dynamics of Urban Structural Change


in Latin America Reflected in the Latin American Didaktische Hinweise
Urban Model - Wie lässt sich die Stadtentwicklung Lateinamerikas
When in 1976 the first modeis of the Latin American phasieren, charakterisieren und visualisieren? Wel¬
city were published, the subcontinent was still under che gesellschafls- und wirtschaftspolitischen Ein¬
the economical influence of an industrialisation strat¬ flüsse führten je zu neuen Phasen?
310 Geographica Helvetica Jg. 57 2002/Heft 4

Welches sind die besonderen Elemente der Ent¬


wicklung der letzten 30 Jahre und des aktuellen
Trends?
Welches sind die Möglichkeiten und Grenzen von
Modellbildungen generell und auf dem Gebiet der
Stadtgeographie?

Prof. Dr. Axel Borsdorf, Institut für Geographie


der Universität Innsbruck, Innrain 52, A-6020 Inns¬
bruck; Institut für Stadt- und Regionalforschung,
Österreichische Akademie der Wissenschaften, Post¬
gasse 7/4/2, A-1010 Wien,
e-mail: Axel.Borsdorf@uibk.ac.at
Prof. Dr. Jürgen Bahr, Geographisches Institut der
Christian-Albrechts-Universität, Olshausenstrasse 40,
D-24118Kiel.
e-mail: baehr@geographie.uni-kiel.de
Dipl.-Geogr. Michael Janoschka, Teltower Damm 266,
D-14167 Berün.
e-mail: m.janoschka@berlin.de

Manuskripteingang/received/manuscrit entre le
10.9.2002
Annahme zum Druck/accepted for publication/accepte
pour Timpression: 4.12.2002