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Technische Universität München Brandschutz Grundlagen

Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion V01: Einführung


Univ.-Prof. Stefan Winter

Einführung

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Technische Universität München Brandschutz Grundlagen
Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion V01: Einführung
Univ.-Prof. Stefan Winter

Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion


Technische Universität München, Fakultät für Bauingenieur- und Vermessungswesen

Hauptgebäude, Arcisstraße 21, 3. Stock

Vorlesungen:
Univ. - Prof. Dr.-Ing. Stefan Winter
Email: winter@tum.de, Tel. 089 – 289 22416

Übungen und Kursbetreuung:


Dr.-Ing. Norman Werther
Email: n.werther@tum.de, Tel. 089 – 289 22032

Dr.-Ing. Michael Merk


Email: m.merk@tum.de, Tel. 089 – 289 22046

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Brandschutz Grundlagen

Vorlesungen + Übungen:
Mittwoch, 08:00 – 09:30 Uhr Hörsaal 270

Vorlesungsmaterialien:
Download auf moodle https://www.moodle.tum.de/
Anmeldung zur Lehrveranstaltung erforderlich!

Folien zu den Vorlesungen sowie Übungsunterlagen vor der den


Veranstaltungen herunterladen und mitbringen!

Sprechstunden:
Dienstag 14:00 – 15:00 Uhr
oder nach Absprache

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Vorlesungen, Übungen: Mittwoch, 08.00 – 09.30, Raum 2760

V01 18.10.17 Einführung Organisation, Lehrziele, Brandursachen,


Brandausbreitung, Brandauswirkungen

V02 25.10.17 Baustoffe Klassifizierungssysteme, Prüfverfahren/-


berichte

- 01.11.17 keine Vorlesung, Allerheiligen

V03 08.11.17 Bauteile Klassifizierungssysteme, Prüfverfahren/-


berichte, Bemessung

V04 15.11.17 Wände und Decken Bemessung/Klassifizierung nach DIN-


und EN- Normen

Ü01 22.11.17 Wände und Decken

Ü02 29.11.17 Wände und Decken

V05 06.12.17 Bauordnungsrechtliche Vorschriften Vorstellung Bauordnungen (MBO,


Teil 1: Klassifizierung, Grundstück BayBO) sowie Sonderbauverordnungen,
und Bebauung Klassifizierung von Bauwerken,
Bebauung von Grundstücken, Zugänge 4
und Zufahrten
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V06 13.12.17 Bauordnungsrechtliche Vorschriften Anforderungen an tragende und / oder


Teil 2: Bauteile raumabschließende Bauteile (Wände,
Decken, Dächer, Öffnungen)

V07 20.12.17 Bauordnungsrechtliche Vorschriften Flure, notwendige Flure,1.+ 2.


Teil 3: Rettungswege Rettungsweg, Treppen,
Treppenräume, Außenwände, Türen

V08 10.01.18 Bauordnungsrechtliche Vorschriften Rauch- und Wärmeabzugsanlagen,


Teil 4: Technische Gebäude- Sprinklerung, Brandmeldung, BMZ
ausrüstung

V09 17.01.18 Feuerwehrwesen und abwehrende Abwehrender Brandschutz,


Brandschutzmaßnahmen Einführung in das Feuerwehrwesen

V10 24.01.18 Brandschutzkonzepte Inhalt, Aufbau

V11 31.02.18 Brandschau Aufnahme von


Brandschutzmaßnahmen und –
einrichtungen TUM-Gebäude

V12 07.02.18 Brandschau Vorstellung der Ergebnisse

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Phänomen Brand
Beispiele

Flammen Retten
und und
Rauch Löschen
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Phänomen Brand
Beispiele

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Notwendigkeit des Brandschutzes

„Es entspricht der Lebenserfahrung, dass mit der


Entstehung eines Brandes praktisch jederzeit gerechnet
werden muss. Der Umstand, das in vielen Gebäuden
jahrzehntelang kein Brand ausbricht, beweist nicht, dass
keine Gefahr besteht, sondern stellt für den Betroffenen
einen Glücksfall dar, mit dessen Ende jederzeit gerechnet
werden muss.“

Oberverwaltungsgericht Münster, 10 A 363/86 vom 11.12.1987

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Grundlagen
Definitionen

Ein Brand ist ein Feuer, das außerhalb einer Feuerstätte entstanden ist
oder eine solche verlassen hat und das sich aus eigener Kraft
fortentwickelt, es sei denn, dass es sich unter menschlicher Kontrolle
befindet oder einem bestimmten Zweck dient.

Nicht bestimmungsmäßiges Brennen, dass sich unkontrolliert ausbreiten


kann.
(DIN 14011:2010)

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Grundlagen
Branddreieck (stoffliche Voraussetzung)

Um einen Brand zu verhüten, muss einer der drei Faktoren unterbunden


werden. 10
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Grundlagen
Brandursachen

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Grundlagen
Brandursachen – äußere Zündquellen

Offene Flammen und heiße Gase


• Kerzen, Schweißperlen, glimmende Holzkohle oder Tabakreste

Heiße Oberflächen
• Heizkörper, Kochplatten, Glühlampen, Auspuffanlagen,
Motorengehäuse

Reibungswärme
• heißgelaufene Lager

Kompressionswärme

Mechanisch erzeugte Funken


• Gesteins-, Beton und Metallfunken; erzeugt durch Schleifen,
Trennschleifen oder Schlagen (z.B. mit einem Hammer)

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Grundlagen
Brandursachen – äußere Zündquellen

Elektrische Anlagen
• Elektrische Fehlerströme und Wackelkontakte, defekte elektrische Geräte
(Isolationsfehler)

• Elektrische Funken die durch die Änderung der


elektrischen Last entstehen, aufgrund der bestehenden
Kapazitäten und Induktivitäten in Stromkreisen
(z.B. beim Ein- und Ausschalten von Elektromotoren,
Schütze und Relais)

• Öffnungsfunken von Schaltern (z.B. Lichtschalter)

• Kurzschlüsse

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Grundlagen
Brandursachen – äußere Zündquellen

Blitzeinschläge

Statische Elektrizität –
Entstehung von Aufladung/Entladung und Funkenbildung

• Trennung fester und flüssiger Stoffe


• Abwickeln von Papier, Gewebe und Kunststoffen
• Reiben, Sieben und Mahlen von festen Stoffen
und Stäuben
• Fließen und Zerstäuben von Flüssigkeiten oder festen
Stoffen (z.B. bei Füllvorgängen von Benzin und Heizöl
oder beim Transport von Mehl in Rohrleitungen)

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Grundlagen
Brandursachen – innere Zündquellen

Chemische Reaktionen
• Alkalimetalle (z.B. Natrium) mit Wasser
• organische Stoffe mit Peroxiden, z.B. Alkohole oder
Aceton mit Wasserstoffperoxid

Biologische Vorgänge
• in pflanzlichen Stoffen, falls bestimmte Feuchtig-
keitsgehalte, Temperaturen, Öl- und Fettgehalte
oder Schütthöhen überschritten werden bzw. durch
Fäulnisbakterientätigkeit (z.B. Selbstentzündung
von Lacken, Harzen, öl- und fettgetränkten
Putzlappen)

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Grundlagen
Brandursachen – innere Zündquellen

Fotochemisch oder fotothermisch reagierende Stoffe


• Absorption des Sonnenlichtes durch Metallstäube
im Gemisch mit brennbaren Dämpfen

Physikalische Vorgänge
• Absorption von Sauerstoff durch Braunkohle

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Entzündbarkeit brennbarer Stoffe


Abhängigkeiten

• Art des Stoffes


- Reinheit
- Chemische Zusammensetzung
• Eigenschaften des Stoffes

- Zündtemperatur, Flammpunkt

- Heizwert (Verbrennungswärme)

- Flammenausbreitungsgeschwindigkeit

- Abbrandrate

- Fähigkeit bei Erwärmung Gase oder Dämpfe freizusetzen

- Explosionsgrenzen 17
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Entzündbarkeit brennbarer Stoffe


Abhängigkeiten

• Zustand des Stoffes


- Aggregatzustand
- Spezifische Oberfläche
- Feuchtigkeit
- Temperatur
- Druck

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Entzündbarkeit brennbarer Stoffe


Abhängigkeiten

• Weitere
- Sauerstoffkonzentration – und -zufuhr
- Art der Einwirkdauer
- Zündquelle
- Wirkung von Katalysatoren

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Mechanismen Wärmeübertragung

Wärmeleitung

ist Übertragung von Wärme in festen, unbewegten flüssigen oder


gasförmigen Stoffen zwischen unmittelbar benachbarten Stoffteilchen mit
unterschiedlichen Temperaturen

Übertragung
Bewegungs-energie
durch Stoß

Stoff
TBrand

Stoffeigenschaft  [W/(mK)] Wärmestrom TLuft


Spezifische Wärmekapazität cp [J/(kg*K)]
Rohdichte  [kg/(m³)]

d 20
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Ausbreitung von Feuer und Rauch


Wärmeleitung

nur möglich bei leitenden Materialien (Metalle) innerhalb des Materials


oder
bei direktem Kontakt zwischen unterschiedlichen Materialien (Stahl –
Holz)

Vergleich
Bei welchem Material steigt die Temperatur auf der brandabgewandten
Seite bei sonst gleichen Bedingungen schneller an?
Stahl Holz

dHolz = dStahl

dStahl dHolz 21
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Mechanismen Wärmeübertragung
Wärmestrahlung

ist Wärmeübertragung durch elektromagnetische Wellen, die ein Stoff in


Abhängigkeit von seiner Temperatur an Umgebung abgibt

Körperlose Übertragung
durch elektromagnetische
Wellen

glühender Festkörper
unterhalb des sichtbaren Lichtes als Infrarot- q

Bauteil
strahlung, ab etwa 550 °C sichtbar (Flamme / Glut)
keine Ablenkung der Strahlung durch T1 T2 < T1
Luftbewegungen
q – Wärmestromdichte [W/m²]
Strahlungsaustausch abhängig von geometrischer
Beziehung der Oberflächen 22
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Mechanismen Wärmeübertragung
Wärmemitführung (Konvektion)

ist Wärmeübertragung in bewegten gasförmigen oder flüssigen Stoffen

Flüssigkeiten und Gase dehnen sich bei Erwärmung aus und werden
dadurch leichter als die kältere Umgebung

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Mechanismen Wärmeübertragung
Konsequenzen für Brandschutz

durch konstruktive Maßnahmen kann Ausbreitung von Feuer und Rauch


behindert werden:

• Abführung heißer Brandgase  Verhinderung des Entzündens noch


nicht brennender Gegenstände

• Einhaltung von Sicherheitsabständen  Verhinderung


Feuerüberschlag durch Flammenüberschlag und Hitzestrahlung

• Herstellung raumtrennender Bauteile  „Abschottungsprinzip“

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Brandverlauf
Brandlast
Summe aller zur Verbrennung zur Verfügung stehenden brennbaren Stoffe
Die Intensität des Abbrandes ist Abhängig vom Heizwert (Energiegehalt)
der brennbaren Stoffe, deren Dichte (Massigkeit) und deren freien
Oberfläche.

Ventilation
Menge des für den Abbrand zur Verfügung stehenden atmosphärischen
Sauerstoffs (ca. 21 Vol.-%)

Möglichkeiten
brandlastgesteuert
ventilationsgesteuert

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Brandverlauf
Temperaturentwicklung im Brandraum

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Brandverlauf
Raumbrandversuche

Bsp. Raumbrandversuch (MFPA Leipzig GmbH)

Brandraum:
- Fläche ca. 20 m²; Höhe 2,5 m
- Ventilation: Fenster (1,2 x 2,0 m)
Türspalt (0,1 x 2,0 m)

Brandlast:
- originale Möblierung, z.T. bau-
gleiche marktübliche Möbel
- Brandlastdichte 500 – 1000 MJ/m²

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Brandverlauf
- örtlich begrenzt (maximal 1 m²)
Raumbrandversuche
- Rauchentwicklung,
beginnende Schichtung über
Zündung - Entstehungsbrand
die Raumhöhe

- Temperaturen in der Heißgas-


schicht unter Decke kleiner als
200°C

- kein Rauchaustritt aus dem


Raum (angrenzende Räume
oder Fassade)

- Energieabgabe kleiner 0,5 MW

- entweder Übergang in einen


8. Prüfminute Schwelbrand oder in den
Vollbrand

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Brandverlauf
Raumbrandversuche

Entwickelter Brand - räumliche Ausdehnung größer


als 1 m² (2 bis 4 m²)

- Flammen unter der Decke lokal


über der Zündstelle 500°C

- Heißgasschicht 200 – 350°C

- Rauchaustritt aus dem Raum


Temperaturen < 300 °C

- Energieabgabe 0,8 bis 1,5 MW

12. Prüfminute

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Brandverlauf
Raumbrandversuche

Durchzündung (Flash-over)
- rasche Vergrößerung der
Brandfläche

- Heißgasschicht unter der Decke


(500 – 600 °C)

- Pyrolyse der Möbeloberflächen


durch Strahlung

- Gasexplosion mit spontaner


Volumenvergrößerung

13. Prüfminute - Energieabgabe (Auslöse-


energie) 2 bis 3 MW

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Brandverlauf
Raumbrandversuche

- der Raum ist vollständig über die


Vollbrand gesamte Höhe mit Flammen erfüllt

- Temperaturen im gesamten Raum


zwischen 600 und 1000°C

- flächige Beanspruchung der raum-


begrenzenden Bauteile

- Flammenaustritt aus dem Raum (Flur


oder Fassade) „Abfackeln“ unverbrannter
Pyrolysegase nach Durchmischung mit
Frischluft („Gasbrenner“)

- Energieabgabe:
im Raum: 4 – 6 MW
außerhalb des Raumes: 1 – 2 MW
15. Prüfminute 31
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Brandverlauf

Zeitpunkt Flash-over
Wohn- bzw. Büroeinrichtung mit ca. 500 – 600 MJ/m², 20 m² Grundfläche
Frischlufteintritt durch Öffnungen mit einer Fläche von ca. 3 m²

• Aktivierungsenergie: ca. 2 MW
• Aktivierungstemperatur unterhalb der Raumdecke: ca. 550 °C
• Zeitpunkt des Eintritts:
- Durchschnittswert aus 50 Raumbrandversuchen: 12,5 min
- Bandbreite in Abhängigkeit der Stofflichkeit der Einrichtung: 7 – 20 min
Hinweis:
Verzögerung Flammenaustritt auf die Fassade, bei geschlossenem Fenster in
Abhängigkeit von der Verglasung und offener Tür zu angrenzenden Räumen,
um ca. 2 bis 5 Minuten
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Brandwirkung

Bauwerke - Einsturzursachen

• mechanische Wirkung durch einstürzende


Bauteile

• Schwächung der Tragfähigkeit durch:


- Abbrand von Holz
- Erwärmung von Stahl  Festigkeitsverringerung
- Erwärmung von Stein  Strukturveränderung

• Lockerung des Baugefüges


• Lockerung der Verankerungen und Querverbänden

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Brandwirkung
Bauwerke

• Verbrennen von Gebäudeteilen aus ungeschützten brennbaren


Baustoffen

• Zerstörung und Verformung von nichtbrennbaren Baustoffen

• Kontaminierung thermisch nicht geschädigter Gebäudebereiche durch


Verbrennungsprodukte (Rauch)

• Schädigung des Gebäudes durch Löschmittel (Wasser, Zusätze etc.)

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Brandwirkung
Bauwerke

Holztragwerk - Verbrennung Stahltragwerk – Verformung

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Brandwirkung
Gefährdung des Menschen

Entstehungsbrand Rauchgasintoxikation
viel Rauch, geringe Temperatur

entwickelter Brand Verbrennungsschock


weniger Rauch, höhere Temperatur

lokaler Vollbrand Inhalationshitzeschock


(Kleiderbrand)
wenig Rauch, hohe Temperatur)

Ein Vollbrand im Raum überdeckt meist die primären Brandwirkungen


an dem Brandopfer. 36
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Brandwirkung
Gefährdung des Menschen

Narkotisierende Wirkung von durch Rauchgasintoxikation:


Beeinflussung des Nervensystems und des Kreislaufs; führen zunächst
zur Bewusstseinstrübung und in stärkeren Dosen zum Tod

Kohlenmonoxid (CO):
kurzzeitig 0,1 Vol.-%; länger 0,07 Vol.-% aufnehmbar
Letale Dosis 0,4 Vol.-%

Hydrogen Cyanid (HCN):


80-180 ppm → 2 - 30 Minuten Bewusstseinseintrübung
> 180 ppm → 0 - 2 Minuten zum Tod 37
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Brandwirkung
Gefährdung des Menschen

Kohlendioxid (CO2):
3 - 6 Vol.-% Atembeschwerden, erhöhte Konzentration
6 - 7 Vol.-% starke Atemnot, Schwindel, Grenze zur Bewusstlosigkeit
7 - 10 Vol.-% Bewusstlosigkeit

Sauerstoffmangel (O2):
20,9 - 14,4 Vol.-% keine signifikante Gefährdung, leichter Verlust Konzentration
14,4 - 11,8 Vol.-% leichte Erinnerungsprobleme
11,8 - 9,6 Vol.-% gefährliche Unfähigkeit, Euphorie, Bewusstseineintrübung
9,6 - 7,8 Vol.-% Bewusstlosigkeit und Tod
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Brandwirkung
Menschliche Toleranzgrenzen

Ganz allgemein kann davon ausgegangen werden, dass ein Mensch


kurzzeitig, zum Beispiel zur Begehung von Rettungswegen,
Brandwirkungen der folgend beschriebenen Größen ertragen kann:

• Temperaturen von ca. 70 - 80°C

• Wärmestrahlungsintensitäten von ca. als 0,3 W/cm²

• Rauchgasbelastung von ca. 0,1 Vol.-% Kohlenmonoxid in der Atemluft

• Rauchanteil mit einem ca. 65-fachen Verdünnungsfaktor (Sichtweite)

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Brandwirkung
Todesursachen bei Bränden - Untersuchungen des Instituts für
Gerichtsmedizin an der Universität Leipzig
Untersuchungszeitraum: 1986 bis 1996
Untersuchungsumfang: 161 Leichen
Ermittelte Todesursache:
CO-Vergiftung 88 (55%)
HCN-Vergiftung 9 (6%)
Spättodesfälle 37 (23%)
Inhalationshitzeschock (IHS) 27 (16%)

Unter der Annahme, dass 50% der Spättodesfälle rauchverschuldet waren,


ergibt sich: 80 % Rauchtote und 20 % Brandtote
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Brandwirkung
Brandtote in Deutschland

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Brandwirkung
Rauchvolumina

Rauchvolumen Wärmefreisetzung
Brandobjekt Masse
[m³/s] [kW]
Polsterstuhl 2,4 kg 0,03 – 0,04 100
Wellkartonagen 7,5 kg 0,03 – 0,05 160
Normbrandholz 26 kg 0,15 400
Isopropanol 1 Liter 0,08 45
Kabel aus PVC 6 kg 0,045 – 0,05 95
Polstersessel 14 kg 0,11 8
Bügeleisen (800 W) 3 kg
0,08 – 0,1 2,1
auf Bügeldecke (Bügeldecke)
Sessel mit
14 kg 0,14 1,2
Seegrasfüllung
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Brandwirkung
Rauchfreisetzung bei Raumbränden - Schlafzimmerbrand

Raumgröße: 13,5 m², Höhe 2,50 m


Außenwandöffnung: 1,6 m breit und 1,2 m hoch

Gesamtmasse des Brandgutes: 430 kg

ca. 70 % Holz bzw. holzartige Materialien, 25 % Textilien und 5 % Schaumstoff


32 kg /m² HGW (Holzgleichwert) bzw. 520 MJ/m²

starke Rauchentwicklung während des Versuches

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Brandwirkung
Rauchfreisetzung bei Raumbränden - Schlafzimmerbrand

stofflichen Rauchpotentiale

Material Rauchpotential Gesamtvolumen


Holz (bzw. holzartige Materialien) ca. 4,9 m³/kg ca. 1450 m³
Textilien (40 % Baumwolle 60 % Kunstfaser) ca. 8,4 m³/kg ca. 900 m³
Schaumstoff (PU-Weichschaum) ca. 10,8 m³/kg ca. 230 m³

2580 m³

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Danke!

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