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SPRACHLEHRE-EPOCHE 7/8.

KLASSE

MERKBLATT ZUR INDIREKTEN REDE


Die indirekte Rede wird für die Wiedergabe von wörtlicher Rede oder für indirekte Zitate
verwendet.
Durch die indirekte Rede wird verdeutlicht, dass es sich um eine Meinungsäußerung
anderer (etwa einer Quelle) handelt. Dadurch unterscheidet man die Äußerung anderer von
der eigenen Äußerung. – Die Alternative dazu ist das direkte Zitat.
Der korrekte Modus für die indirekte Rede ist der Konjunktiv I. Dafür ist das Tempus des
Hauptsatzes nicht relevant, von Bedeutung für den korrekten Gebrauch ist das Zeitverhältnis
zwischen Äußerung und Ereignis (gleichzeitig, vorzeitig oder nachzeitig).
Der Gebrauch des Konjunktivs ist auch für „dass“-Sätze erforderlich (auch wenn manche
Schulbücher zeitweise anderes behauptet haben).
Er ist auch dann üblich oder zumindest sinnvoll, wenn aus der Äußerung bereits hervorgeht,
dass es sich nicht um eine eigene Äußerung handelt. Dadurch wird deutlich, dass die Meinung
des Verfassers nicht dieselbe ist wie die des Sprechers. [Er meinte, Eva habe schöne Augen
(statt „hat“). Ebenso: Seiner Meinung nach habe Eva schöne Augen.]

Bildung des Konjunktivs I:

a) Konjunktiv I Präsens Aktiv (drückt Gleichzeitigkeit aus):


Infinitiv-Stamm des Verbs im Präsens + Konjunktiv-Endung
„Ich besiege ihn.“ Ô Er sagte, dass er ihn besiege.

b) Konjunktiv I Präsens Passiv (drückt Gleichzeitigkeit aus):


Konjunktiv I Präsens Aktiv von werden + Partizip Perfekt Passiv
„Ich werde von ihm besiegt.“ Ô Laut eigener Befürchtung werde er von ihm besiegt.

c) Konjunktiv I Perfekt Aktiv (drückt Vorzeitigkeit aus):


Konjunktiv I Präsens Aktiv von haben/sein + Partizip Perfekt Passiv
„Ich besiegte ihn.“ Ô Nach seiner Meinung habe er ihn besiegt.

d) Konjunktiv I Perfekt Passiv (drückt Vorzeitigkeit aus):


Konjunktiv I Präsens Aktiv von sein + Partizip Perfekt Passiv + worden
„Ich wurde von ihm besiegt.“ Ô Er fürchtete, er sei von ihm besiegt worden.

e) Konjunktiv I Futur Aktiv (drückt Nachzeitigkeit aus):


Konjunktiv I Präsens Aktiv von werden + Infinitiv
„Ich werde ihn besiegen.“ Ô Er war sicher, dass er ihn besiegen werde.
SPRACHLEHRE-EPOCHE 7. KLASSE

f) Konjunktiv I Futur Passiv (drückt Nachzeitigkeit aus):


Konjunktiv I Präsens Aktiv von werden + Partizip Perfekt Passiv + werden
„Ich werde von ihm besiegt werden.“ Ô Er dachte, er werde von ihm besiegt werden.

Konjunktiv-Endungen:
1. P. Sg. –e ich dürf-e 1. P. Pl. –en wir dürf-en
2. P. Sg. –est du dürf-est 2. P. Pl. –et ihr dürf-et
3. P. Sg. –e er/sie/es dürf-e 3. P. Pl. –en sie dürf-en

Ersatzform 1:
Stimmt der Konjunktiv I Präsens Aktiv mit dem Indikativ Präsens Aktiv überein (sehr oft bei
der 1. und 3. P. Pl., häufig bei der 1. P. Sg.), sollte zur Unterscheidung von der direkten Rede
die Ersatzform 1 verwendet werden. Diese ist der Konjunktiv II.

Bildung des Konjunktivs II: (Konjunktiv II Präsens Aktiv)


Stamm des Verbs im Präteritum + Konjunktiv-Endung: ich ging-e

„Wir gehen.“ Ô Er sagte, dass sie geh-en.


(Übereinstimmung des Konj. I mit dem Indikativ Präsens Ô Ersatzform Konjunktiv II):
Er sagte, dass sie ging-en.
Bei unregelmäßigen Verben mit Stammvokal a/o/u im Präteritum tritt meistens ein Umlaut
hinzu.
„Wir kommen.“ Ô Er sagte, dass sie komm-en.
(Übereinstimmung des Konj. I mit dem Indikativ Präsens Ô Ersatzform Konjunktiv II):
Er sagte, dass sie käm-en. (kamen Ô kämen)
Diese Regel tritt häufig auch in der Vorzeitigkeit und Nachzeitigkeit ein:
„Wir besiegten ihn.“
(Ô Er sagte, sie haben ihn besiegt. – Übereinstimmung mit dem Indikativ Perfekt)
Ô Er sagte, sie hätten ihn besiegt.
„Wir werden ihn besiegen.“
(Ô Er sagt, sie werden ihn besiegen. – Übereinstimmung mit dem Indikativ Futur)
Ô Er sagt, sie würden ihn besiegen.
Dies gilt häufig auch im Passiv der Gleichzeitigkeit:
„Wir werden besiegt.“
(Ô Er meint, sie werden besiegt. – Übereinstimmung mit dem Indikativ Präsens Passiv)
Ô Er meint, sie würden besiegt.

Ersatzform 2:
Stimmt auch der Konjunktiv II Präsens Aktiv mit dem Indikativ Präteritum Aktiv überein
(sehr oft bei der 1. und 3. P. Pl., besonders bei schwachen Verben), sollte zur Unterscheidung
von der direkten Rede die Ersatzform 2 verwendet werden. Das gilt auch, wenn der Konj. II
merkwürdig klingt (z.B. er flöhe).
SPRACHLEHRE-EPOCHE 7. KLASSE

Diese Form ist der Konjunktiv II von werden + Infinitiv (= „würde“-Umschreibung).

„Wir fallen.“ Ô Er sagte, sie fallen.


(Übereinstimmung des Konj. I mit dem Indikativ Präsens)
Ô (Ersatzform 1: Konjunktiv II): Er sagte, sie fielen.
(Übereinstimmung des Konj. II mit dem Indikativ Präteritum)
Ô (Ersatzform 2: Konjunktiv II von werden + Infinitiv):
Er sagte, sie würden fallen.
SPRACHLEHRE-EPOCHE 7. KLASSE

WUNSCHSÄTZE
Wünsche sind wie Aufforderungen auf Sachverhalte ausgerichtet, die aus der
Sicht des Sprechers als erstrebenswert gelten, doch unterbleibt, anders als bei
Aufforderungen, eine Auftragserteilung an den Hörer, weshalb Wünsche zum
einen nicht ausdrücklich zu adressieren sind, zum andern nicht auf Sachverhalte
beschränkt bleiben müssen, die prinzipiell herbeigeführt werden können.
Wünsche wie diese sind deshalb formal wie in der Sache akzeptabel:
Wenn du doch nur etwas klüger wärst!
Wäre es doch nur nicht so heiß!
Hätte es diesen verfluchten Krieg doch nie gegeben!
Der Formtyp des Wunschmodus hat eine Verberst- und eine Verbletzt-Variante.
Die Verberst-Variante kann dabei als Überprägung
der Entscheidungsfrage verstanden werden:

Verberst-Formtyp des Verberst-Stellung


Wunschmodus Verbmodus =
Konjunktiv Präteritum(perfekt)
kongruente Intonation: Grenztonmuster
fallend
Verbletzt-Formtyp des Verbletzt-Stellung
Wunschmodus Verbletzt-Einleitungswort = dass, wenn
Verbmodus = Konjunktiv Präteritum(perfekt)
kongruente Intonation: Grenztonmuster fallend