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Z, der letzte buchstabe unseres alphabets, mit der benennung: zett, die dentale affricata = t + s, früher =
t mit eng angeschlossenem ჳ, einer von s wohl durch die weiter vorn liegende articulationsstelle
unterschiedenen dentalen spirans BRAUNE ahd. gramm. (1911) §§ 159 und 168. die aussprache wird so
beschrieben: das, c, wens vorm, e, oder i, steht, und, z, werden mit den öbern zenen vorn an die zungen
geschlagen, mit entblössung der zene ICKELSAMER teutsche grammatica s. 12 Kohler. mit dieser
geltung ist z als einheitlich empfundener laut innerhalb des germanischen, von entlehnungen abgesehen,
auf das hochdeutsche beschränkt. es ist hier in den meisten fällen durch die althochdeutsche
lautverschiebung aus t entstanden, das, die verbindungen tr, st, ht, ft ausgenommen, sich regelmäszig im
anlaut sowie im inlaut nach consonanten und in der gemination zu z entwickelt BRAUNE ahd. gramm.
(1911) §§ 87b und 159--161. über das in andern fällen aus t entwickelte, gleichsam weiter
fortgeschrittene ჳჳ, ჳ, das in vorneuhochdeutscher zeit meist auch in der schreibung zz, z erscheint und
heute vielfach als hartes stimmloses s durch die schreibung ss, sz gekennzeichnet wird, vgl. s. 4, oben
theil 8, 1573.

I. echtes z steht

1) im anlaut

a) vor vocalen

α) aus t entstanden in zahl, mhd. zal, ahd. zala, ndl. taal, engl. tale; zauber, mhd. zouber, ahd. zoubar,
wozu sich ndl. tooveren, zaubern und anord. taufr, n. zauberei fügen; zehn, mhd. zehen, ahd. zehan, goth.
taihun; zeichen, mhd. zeichen, ahd. zeichan, goth. taikns, f.; zeuge, mhd. (ge-)ziuge, mnd. tûge; ziel, mhd.
ahd. zil, wozu goth. gatils gehört; zorn, mhd. ahd. zorn, as. torn; zunge, mhd. zunge, ahd. zunga, goth.
tuggô und in andern germanischen wörtern; auch in ziegel, mhd. ziegel, ahd. ziagal aus lat. tegula und
zoll, mhd. ahd. zol aus vulgärlat. toloneum.

β) in den wohl lautmalenden wörtern: ziesel, mhd. zisel, zisemûs, ahd. zisi-, sisimûs; zirpen; zischen,
womit mhd. zispezen, n. das zischen verglichen wird KLUGE etymol. wb.7 507b.

γ) in wörtern fremden ursprungs für palatalisiertes lat. c in zelle, mhd. zelle aus lat. cella; zimt, mhd.
zinemin, zinment, ahd. sinamin aus lat. cinamomum (griech. κινναµον); zinnober, mhd. zinober aus lat.
cinnabaris (griech. κινναβαρι); zirkel, mhd. zirkel, ahd. zirkil aus lat. circulus und andern. für ital. c in
zitrone aus ital. citrone; für span. c in zigarre aus span. cigarro. für lat. sc in zepter, mhd. zepter aus lat.
sceptrum (griech. σκηπτρον); zettel, blatt papier, mhd. zedele, zetele, aus mlat. cedula, scedula für
schedula (zu griech. σχεδη). für griech.-lat. z in zone, aus lat. zona (griech. ζωνη). für mlat.-ital. z in
zucker, mhd. zucker, zuker, ahd. zucura f. aus mlat. zucara, ital. zucchero (arab. sokkar). für böhm. č in
zeisig, mhd. zîsec neben regelmäszigem zîse, demin. zîsel, zîslîn (vgl. poln. czyzɺ) aus böhm. čizɿek. für
arab. ç in ziffer, mhd. zifer, ziffer aus arab. çifar, null. für arab. z in zitwer, mhd. zitwar, zitwan, ahd.
zitawar aus arab. zedwâr. für russ. s in zobel, mhd. zobel, ahd. zobil aus russ. sobol.

b) vor w

α) schon ahd. aus t entwickelt in zwei, mhd. ahd. m. zwêne, f. zwô, n. zwei, goth. m. twai, f. twôs, n. twâ,

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womit zwanzig, zweifel, zweig, zwillich, zwilling, zwirn, zwischen, zwist, zwitter, zwölf gebildet sind;
zwitschern, mhd. zwitzern, ahd. zwizzirôn, mengl. twiteren KLUGE etymol. wb.7 514b. vgl. auch zwar,
mhd. zwâre, ze wâre, ahd. zi (aus ti) wâre. in diesen zusammenhang gehören weiter zwicken, mhd.
zwicken, ags. twiccian mit zweck, mhd. zwec, -ckes und zwacken, mhd. zwacken, ebenso zwinkern zu
veraltetem zwinken, das schon mhd. neben zwingen begegnet, ags. twinclian.

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β) spätmhd. oder nhd. entwickelt aus t, d in zwehle, mhd. twähele, dwehele, dwêle, ahd. dwahila,
dwehila; zwerch, adj., erhalten in zusammensetzungen wie überzwerch, zwerchfell, mhd. twerch, dwerch,
ahd. dwerah, twerh, schief, goth. þwaírhs, in übertragener bedeutung: zornig, dessen nebenform ahd.
mhd. twer zu quer wird (s. dies); zwerg, m., mhd. twerc, vereinzelt zwerc, ahd. twerg, ags. dweorh, anord.
dvergr; zwingen, mhd. twingen, dwingen, ahd. thwingan, dwingan, asächs. thwingan, anord. þvinga.

γ) zwiebel, mhd. zwibolle, zibolle, ahd. zwibollo ist unter anlehnung an bolle (s. dies) umgebildet aus lat.
caepulla. zwetsche mit der nebenform quetsche (s. dies) ist unsichern ursprungs.

2) im in- und auslaut

a) nach vocalen

α) aus tt(j) nach altem ei und ei aus eu (iu) kaum, wie man früher glaubte, aus ჳჳ mit späterer
verschärfung, vielmehr wahrscheinlich mit verallgemeinerung landschaftlich erhaltenen alten
lautstandes, wobei zz, tz = tts allmählich zu einfachem z wird (wir trennen bei-zen, aber ät-zen), in
beizen, mhd. ahd. beiჳen (beitzen, beizzen); heizen, mhd. ahd. heiჳen (heitzen, heizzen); reizen, mhd. ahd.
reiჳen (reitzen, reizzen); spreizen, älter spreuzen, mhd. ahd. spriuჳen (spriuzen), weizen, mhd. weiჳe,
weize, ahd. weiჳi, weizzi. flexivischer wechsel von ti und tj erklärt in solchen fällen die alten
doppelformen, vgl. KLUGE etym. wb.7 488a. fest steht die affricata seit alter zeit in schneuzen, mhd.
sniuzen, ahd. snûzen. flöz, n. hat ursprünglich kurzen vocal, mhd. vletze, ahd. vlezzi. vgl. unten c, γ.

β) in wörtern wie kauz, mhd. kûze, kûz und mieze, koseform für Maria und lockruf für die katze, liegt
wohl ein älterem t (tt, tja) entsprechendes zur bildung von koseformen frei verwendetes z vor, das auch
nach andern lauten erscheint, z. b. in Götz und Heinz. vgl. gramm. 3, 689 ff.

γ) duzen, mhd. du(t)zen kann eine bildung mit dem hochdeutschen suffix -zen (got. -atjan) sein
WILMANNS gramm. 22, s. 109. andre führen es auf ital. tuizzare, tizzare zurück KLUGE etym. wb.7
105b. wie duzen ist das jüngere siezen gebildet. vgl. auch erzen und ihrzen. geiz ist verbalsubstantiv zu
geizen, das auf mhd. gît(e)sen zurückgeht, eine weiterbildung (mit suffix -sen, älter -isôn) zu gîten.
schnauze ist aus dem nd. snûte übertragen in anlehnung an ein untergegangenes gleichbedeutendes hd.
schnot(z)e oder an schneuzen und hat die lautgesetzlich richtige übertragung schnausze verdrängt. uzen
ist unerklärt.

δ) in wörtern fremden ursprungs für lateinisch-romanisches palatales c in brezel, mhd. brezel(e), ahd.
pricella aus mlat. bracellum; kreuz, mhd. kriuze, ahd. krûzi aus

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lat. crucem, acc. zu crux; kapuze aus mlat. capucium; medizin aus lat. medicina, offizier aus franz.
officier u. andern. für ital. z, lat. t (i + vocal) in spazieren, so schon mhd., aus ital. spaziare, mlat.
spatiari. für romanisches z oder zz in azur aus frz. azur, ital. azzurro von pers. lâdschuward, lasurstein
HEYSE fremdwb. 16 96 b; bizarr, aus frz. bizarre von span. bizarro, eigentlich: bärtig, weiter: prächtig,
herrlich, dann frz.: sonderbar 119b; gazelle aus ital. gazzella, frz. gazelle von arab. gazâl, wilde ziege
391b; strapaze aus ital. strapazzo und andern. für griech.-lat. z in horizont aus griech.-lat. horizon, gen.
horizontis. pers.-türk. z entsprechend in bazar, das dorther übernommen ist.

b) nach stimmhaften consonanten

α) nach l

αα) aus t in malz, mhd. ahd. ebenso, as. anord. malt, ags. mealt; salz, mhd. ahd. ebenso, goth. salt mit
sülze mhd. sulze, sülze, ahd. sulza; schmelzen, mhd. smelzen, as. smeltan mit schmalz, mhd. ahd. smalz,
nd. smalt; stelze, mhd. stelze, ahd. stelza, ndl. stelt, engl. stilt; filz, mhd. ahd. vilz, ndl. vilt, ags. engl. felt;

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bolzen mhd. ahd. bolz, ags. engl. bolt, anord. bolte; holz, mhd. ahd. ebenso, as. nd. und in andern germ.
dialekten holt; ebenso wohl in falzen, mhd. ahd. valzen, dessen etymologische zusammenhänge unsicher
sind; balzen und walzen, das mhd. in gleicher form bezeugt ist, wahrscheinlich intensivbildungen mit der
hd. entsprechung des alten suffixes -atjan wie sicher schnalzen, mhd. snalzen zu snallen, sich schnell
klatschend bewegen; auch in dem lehnwort pilz, mhd. büleჳ, bülz, ahd. buliჳ aus griech.-lat. boletus, wo
mit dem ausfall des i, e nach l das ჳ sich im unmittelbaren anschlusz an l zu z zu verschärfen scheint.
stolz, mhd. ahd. ebenso, gehört gleichfalls hierher, mag es mit stelze im ablautsverhältnisz stehn oder
aus lat. stultus entlehnt sein. das z in schulze, der verkürzten nebenform zu schultheisz, kann auf ein
mhd. schultheize zurückgehn, das neben -heiჳe begegnet (tj--ti wie weiჳe neben weize. vgl. oben a, α)
KLUGE etymol. wb.7 416a, es kann darin aber auch ein rest des zweiten bestandtheils als -s(e) stecken,
das sich mit dem t-laut des ersten zu t + s = z verbunden hat. die nd. form schulte kann secundär sein.

ββ) aus lat.-rom. palatalem c in pelz, mhd. belliჳ, belz, pelz, ahd. pelliჳ, das auf mlat. pellicia
zurückgeht.

β) nach n

αα) aus t in glanz, m., mhd. ebenso, neben mhd. ahd. glanz, adj., die zu glatt zu gehören scheinen
KLUGE etym. wb.7 174b; ranzen, verb., das WILMANNS deutsche gramm. 22, s. 110 zu nd. wranten,
mürrisch sein stellt; schwanz, mhd. swanz zu swangezen, swankzen, intensivbildung zu swingen, swanken
(suffix -atjan); wanze, mhd. ebenso, kurzform zu wantlûs, mit t-suffix; brenzeln, weiterbildung zu
brennen; faulenzen, mhd. vûlezen, also mit nasalierung des suffixes -ezen (-atjan), die in älterer zeit
häufiger begegnet WILMANNS a. a. o.; lenz, mhd. lenze, ahd. lenzo, aus *langtja; einzig, mhd. einzec,
weiterbildung zu ahd. einazzi (t-suffix); einzeln, sei es, dasz es, wie SIEVERS meint, aus ahd. einluzzi,
mhd. einlütze umgestaltet ist (KLUGE etym. wb.7 111a) oder als weiterbildung des vorigen zu gelten hat;
Heinz, kurzform zu Heinrich, mit t-suffix; blinzeln, mhd. ebenso, weiterbildung zu blinzen, das KLUGE
etym. wb.7 60a auf grund von mundartlichem blenkitzen, blinkitzen zu blank stellt; brunzen, mhd. ebenso,
zu brunnen; grunzen, mhd. ahd. ebenso, engl. grunt, intensivbildung zu grinnen; hunzen, von WILMANNS
deutsche gramm. 22, 109 nach FRANCK anz. f. d. alterth. 11, 21 zweifelnd in beziehung gebracht zu nd.
homp, abgeschnittenes stück, hompen, stumpfen; runzel, mhd. runzel, ahd. runzala, deminutiv zu runza
aus *wrunkta KLUGE etym. wb.7 380b; schmunzeln, schon mhd., vielleicht mit schmollen verwandt
KLUGE ebenda 407b oder nasalierung von mhd. smutzen, lächeln. in den meisten dieser fälle ist also
die verbindung nz secundär. alt ist sie in den lehnwörtern pflanze, mhd. pflanze, ahd. pflanza aus lat.
planta; minze, mhd. minze, ahd. minza aus griech.-lat. mentha, menta; secundär dagegen in münze, mhd.
münze, ahd. muniჳჳa aus lat. moneta.

ββ) ganz unsicherer herkunft ist kranz, das man mit skr. granth, binden zusammenstellt KLUGE etym.
wb.7 263b, das andre jedoch für ein lehnwort aus dem slavischen

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halten (vgl. slav. krątŭ, gedreht) MÖLLER zschr. f. deutsches alterth. 36, 328, völlig unerklärt das
zuerst in der vagantensprache bezeugte ranzen, m.

γγ) in wörtern fremden ursprungs für slav. c in grenze, mhd. grenize aus böhm. hranice, poln. russ.
granica; vielleicht auch in ganz, mhd. ahd. ebenso, das als neubildung zu ahd. (ir-)ganzên gilt,
anscheinend einer umbildung des gleichbedeutenden aslav. konicati (sę) MÖLLER zeitschr. f. d. alterth.
36, 344. für lat.-rom. palatales c in alfanzerei zu mhd. alevanz, possen, betrug, das FISCHER schwäb.
wb. 1, 123 vom ital. all' avanzo, zum vortheil ableitet; bronze aus franz. bronce vom lat. (aes)
Brundisinum; Franzose, mhd. franzois, franzeis, adj. aus franz. français, françois; lanze, ebenso mhd. aus
franz. lance, vom lat. lancea; panze, thiermagen, bauch, aus afranz. pance, nfranz. panse vom lat.
pantex; panzer, mhd. panzer, panzier aus afrz. pancier (zum vorigen); kanzel, mhd. kanzel, ahd. cancella,

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-zella aus mlat. cancellus, cancelli; prinz, mhd. prince aus franz. prince vom lat. princeps; allianz aus
franz. alliance u. ähnl. in manchen fällen steht -nz für lat. -ntia, dem franz. -nce entspricht: dissonanz,
lat. dissonantia, franz. dissonance; evidenz, lat. evidentia, franz. évidence etc. enzian ist aus lat. gentiana
entwickelt. kredenzen geht zurück auf ital. credenzare vom mlat. credentia, also: beglaubigend
vorkosten. die quelle von tanz, das schon mhd. begegnet, ist franz. danse, ital. danza, denen ahd. dansôn,
ziehen, zu dinsen gehörig, zu grunde liegt. winzer, mhd. winzürl, ahd. winzuril ist umgebildet aus lat.
vinitor. popanz soll auf böhm. bubak, schreckgestalt, zurückgehn KLUGE etym. wb.7 354b.

γ) nach r

αα) aus t in harz, mhd. ahd. ebenso, as. mnd. hart; schwarz, mhd. ahd. swarz, goth. swarts, as. nd. swart;
warze, mhd. warze, ahd. warza, as. warte; herz, mhd. herze, ahd. herza, goth. haírtô, as. herta; schmerz,
mhd. smerze, ahd. smerzo, vgl. engl. smart, schmerzen, schmerz, schneidig; farzen, furzen, nd. farten,
furten, engl. fart, griech. περδειν; stürzen, mhd. stürzen, ahd. sturzen, nd. ndl. storten; wurz, mhd. ahd.
ebenso, goth. waúrts mit der zusammensetzung wurzel. bürzel, zu dem purzeln gehört, kann mit empor,
mhd. enbor(e) zusammenhängen, würde dann hervorragender steisz sein. KLUGE etym. wb.7 79
vergleicht schweiz. borzen hervorstehn. es wäre so als eine bildung mit t-suffix anzusehen. erzen, ihrzen
sind bildungen mit (e)zen (-atjan). scherzen faszt WILMANNS deutsche gramm. 22, s. 109 als
intensivbildung mit demselben suffix zu mhd. schernen, spotten. erz, mhd. erze, ärze, ahd. aruzzi, aruz, as.
arut ist wahrscheinlich fremden ursprungs. kurz, mhd. ahd. ebenso, as. kurt, nd. kort ist das lat. curtus;
schurz, mhd. schurz, ahd. scurz geht auf mlat. excurtus zurück KLUGE etym. wb7 416b. kerze, mhd.
kerze, ahd. cherza, charza, anord. kerte, n. leitet derselbe ebenda 239a vom lat. charta ab.

ββ) quarz, mhd. ebenso, ist unerklärt.

γγ) in wörtern fremden ursprungs aus lat.-rom. palatalem c in erz-, mhd. erz-, ahd. erzi- aus mlat. arci-
für archi- (griech. αρχι -); arzt, mhd. arzet, arzât, ahd. arzât aus mlat. arciater für archiater (griech.
αρχιατρος); narzisse aus lat. narcissus (griech. ναρκισσος); exerzieren aus franz. exercer, vom lat.
exercere u. ähnl.; porzellan aus ital. porcellana, eine seemuschel, concha Veneris MAHN etym. unters.
11. März, mhd. Merze, ahd. Merzo, Marzeo, mit merzen, das eigentlich das aussondern von schafen im
märz bezeichnet, geht zurück auf lat. (mensem) Martium. nerz, nörz ist entlehnt aus kleinruss. noryca
fischotter KLUGE etym. wb.7 333b.

c) nach stimmlosen consonanten

α) nach ch aus t (suffix -(e)zen, -atjan) in ächzen, mhd. achzen, echzen, ahd. ahhizôn zu ach; jauchzen,
juchzen, mhd. jûch(e)zen zu jûch; krächzen, weiterbildung zu krachen; lechzen, mhd. lech(e)zen zu lech,
adj. = (nd.) leck; schluchzen, mhd. sluckzen, weiterbildung zu schlucken mit angleichung des ck an das z,
während in andern, z. b. in mucksen, mhd. muckzen, muchzen, ahd. muckazen das z an das ck
angeglichen ist.

β) nach f aus t in seufzen, mhd. siufzen aus siuften, ahd. sûftôn, sûfteôn, zu saufen gehörig, von den
bildungen auf -(e)zen, -atjan beeinfluszt KLUGE etym. wb.7 425b.

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γ) nach t

αα) aus t (tz, ahd. meist zz geschrieben, vgl. BRAUNE ahd. gramm. (1911) § 159, meist aus t(t)j, in
manchen fällen wohl für ein aus tn assimiliertes tt WILMANNS deutsche gramm. 22, S. 86) in ätzen, mhd.
etzen, ahd. ezzen zu essen, goth. itan; glatze, mhd. glaz, -tzes, m. kahlkopf neben frühnhd. glitze zu
glitzern (s. dies); kratzen, mhd. kratzen, ahd. kratzôn, dazu ital. grattare, franz. gratter; fetzen, mhd. vetze,
vgl. anord. foʛt, kleider, zu fassen, nd. vaten KLUGE etym. wb.7 134a; hetzen, mhd. hetzen, ahd. hezzen,
zu hasz, vgl. goth. hatis, n.; letzen, verletzen, hindern, mhd. letzen, ahd. lezzen, goth. latjan; metze, masz,

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mhd. metze, ahd. mezzo, m., verwandt mit messen, as. metan; setzen, mhd. setzen, ahd. sezzen, goth.
satjan, nd. setten; wetzen, mhd. wetzen, ahd. wezzen, anord. hvetja; glitzern, weiterbildung von glitzen,
das zu gleiszen, as. glîtan gehört; hitze, mhd. hitze, ahd. hizza, as. hittia zu heisz; kitzeln, mhd. kitzeln,
kützeln, ahd. kizzilôn, kuzzilôn, nd. ketel(e)n, anord. kitla; ritzen, mhd. ritzen, ahd. rizzôn zu reiszen, as.
wrîtan; schlitzen, mhd. slitzen zu schleiszen, as. slîtan; schmitzen, mhd. smitzen zu schmeiszen, goth.
smeitan; schnitzen, mhd. snitzen zu schneiden, vgl. schnitt, m., geschnitten, part.; schwitzen, mhd.
switzen, ahd. swizzen zu schweisz, as. nd. swêt; sitzen, mhd. sitzen, ahd. sizzan, as. sittian, goth. sitan;
spitz, mhd. spitz, ahd. spizzi, verwandt mit spiesz, bratspiesz, mhd. ahd. spiჳ, engl. spit; spritzen, mhd.
sprützen zu sprieszen, ags. sprútan; witz, mhd. witz(e), f., ahd. wizzî, f. zu wissen, goth. wait, ich weisz;
zitze, ebenso mhd., nd. titte; glotzen, mhd. ebenso, vgl. anord. glotta, hohnlächeln KLUGE etym. wb.7
176b; klotz, mhd. kloz, -tzes, verwandt mit klosz, nd. klôt; rotz, mhd. roz, rotzes, ahd. roz zu ahd. rûჳan,
ags. hrútan, schnarchen ebenda 378a; strotzen, mhd. ebenso, verwandt mit strausz, kampf, mengl. strout;
grütze, mhd. grütze, ahd. gruzzi, ags. gryt(t), nd. gorte; nütze, adj., mhd. nütze, ahd. nuzzi, mit nutzen, m.
und nutzen, nützen, verb., mhd. ebenso, zu (ge)nieszen, mhd. nieჳen, ahd. nioჳan, goth. niutan; schmutz,
mhd. smuz, -tzes zu smutzen, engl. smut, beflecken; schütze, mhd. ebenso, ahd. scuzzo, ags. scytta zu
schieszen, as. skeotan; stutzen, plötzlich innehalten, mhd. ebenso, mhd. stuz, -tzes, anprall, zu stoszen,
goth. stautan; stutzen, kürzen, von WILMANNS deutsche gramm. 22, 110 mit anord. stuttr, kurz
zusammengestellt. auch der form des suffixes nach in deminutiv- oder koseformen wie Fritz zu Friedrich,
Lutz zu Ludwig, Metze, metze zu Mechthild; götze zu gott; ebenso wohl betz, petz als bezeichnung des
bären (abkürzung einer appellativischen bezeichnung wie Bernhard oder dgl.?) mit den zugehörigen
wörtern batzen und patzig; spatz, mhd. ebenso, koseform zu spar, vgl. sperling KLUGE etym. wb.7 431b.
katze, mhd. katze, ahd. kazza ist entlehnt aus mlat. catta; schatz, mhd. schaz, -tzes, ahd. scaz, -zzes, goth.
skatts. as. scat vielleicht aus aslav. scotŭ, vieh. etwas anders stehn schwatzen, mhd. swetzen, swatzen für
*
swatezen, vgl. mhd. swatern, swadern, schwatzen; schmatzen, mhd. smatzen aus smackezen,
weiterbildung von smacken; blitzen, mhd. bliczen, bleczen, ahd. blecchazzen und blitz, mhd. blitze, blicze,
verwandt mit blick, blicken, blecken; kotzen aus koppezen, weiterbildung zu mhd. koppen, eructare
KLUGE etym. wb.7 261a.

ββ) jetzt, mhd. ietze, iezuo ist zusammengerückt aus ie und zuo, as. tô. antlitz ist eine mischform. mhd. ist
antlitze bezeugt, ahd. antlizzi neben antlutti. zu grunde liegen goth. wlits und lûdi, angesicht. schützen
wird von KLUGE etym. wb.7 417a auf grund des gleichbedeutenden mhd. beschüten mit mhd. schüte,
schüt, f. erdwall, das zu schutt gehört, zusammengestellt und als intensivbildung * skutisôn gefaszt, von
andern mit schieszen, as. skeotan, von ihnen also als -jabildung gefaszt (vgl. schu̔tze unter αα). letzt,
wofür mhd. lest, leჳჳist, ahd. leჳჳist, laჳჳôst erscheint, superlativ zu laჳ, erklärt sich vielleicht durch nd.
einflusz. letist, lezt (für letst) begegnet schon im as. KLUGE etym. wb.7 288b. dazu gehört letzen, schon
mhd., sich gütlich thun. potz ist umgebildet aus gottes. tatze, mhd. ebenso, möchte derselbe ebenda 455b
als intensivbildung zu tappe fassen (*tappeze), andere bringen es in zusammenhang mit dem als
lautmalend gefaszten tatschen. plötzlich, mhd. plozlich gehört zu einem wohl lautmalenden plotz, neben
dem auch

Bd. 31, Sp. 6

plauz erscheint. trotz, mhd. trotz neben tratz und trutz ist unerklärt. butze (zu nd. butt, adj. kurz, butt, m.
fischname?), putzig, putzen, verb. sind umstritten.

γγ) in wörtern fremden ursprungs erscheint tz für lat. ti, ci + vocal in (stein)metz, mhd. metze, ahd.
mezzo aus mlat. matio; metzger, mhd. metzjære aus mlat. matiarius KLUGE etym. wb.7 313a; matratze,
mhd. mat(e)raჳ aus mlat. matratium, -cium, vom arab. matrah, sitzkissen; mütze, mhd. mütze, mutze aus
mlat. almutia, -cia, -tium, -cium; litze, mhd. ebenso, aus lat. licium, faden. für lat. te + vocal in pfütze,
mhd. pfütze, ahd. pfuzzi, -a aus lat. puteus. für lat. ce in metzeln aus mlat. macellare. platz ist das ital.
piazza, das franz. place, dem lat. platea zu grunde liegt. latz geht zurück auf afranz. laz, ital. laccio,

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schnürband aus lat. laqueus. scharmützel wurzelt im ital. scaramuccia, das auf schirmen zurückgeht.
dutzend, mhd. totzen, stammt aus dem franz. douzaine. ketzer, mhd. ketzer, kätzer wurzelt im griech.
καθαρος. haubitze ist das böhm. houfnice, steinschleuder. stieglitz, mhd. stig(e)liz soll aus dem böhm.
stehlec, distelfink, umgebildet sein, kiebitz, mhd. gîbitze dagegen lautmalenden ursprungs.

δ) in wörtern fremden ursprungs begegnet wirkliches z auch nach andern stimmlosen consonanten, so in
miszelle aus lat. miscella, okzident aus lat. occidens, gen. -entis. skizze, das auf ital. schizzo zurückgeht,
wird skitze gesprochen.

II. z erscheint als letzter buchstabe des alphabets in der verbindung von a bis z, die vollständigkeit
bezeichnet: so geht es von a bis z CAMPE; geschickt, ... eine grosze tafel in kürzester zeit von a bis z zu
bestellen MÖRIKE 3, 41 Göschen. in gleicher oder ähnlicher anwendung sagt man auch bis zum tz, wohl
weil tz als eine art verdopplung des z betrachtet wird. vgl. die ahd. schreibung zz für tz. auch auszerhalb
dieser wendungen wird die stellung im alphabet bei wortartigem gebrauch von z betont:

manch grosses A. der welt wird dort (im himmel) zum zette werden
STOPPE parnasz im Sättler 201.

baron S.
ein x im menschenalphabet,
seit ypsílon
dein schwiegersohn,
bleibt dir nur noch das z
GRILLPARZER 3, 227 Sauer.

ZAAR, s. zar.

ZABBLIG, adj., für zapplig, zappelig, s. d. und vgl. unten zabeln 1, mit ch statt g geschrieben:

war er vorher wie ein ameis krabblich


und wie ein schlänglein schnell und zabblich,
wird er hernach in mantel und kragen
in seinem sessel sich wohl behagen
GÖTHE 38, 56 Weim.

ZABEL, n., spielbrett und das spiel selbst, in der zusammensetzung schachzabel th. 8, 1967, aus lat.
tabula gebildet; vgl. auch zabeln 5, zabelspiel, zabelwort und zabler 2.

ZABELN, verb., in mehreren bedeutungen.

1) das nur hochdeutsche wort, ahd. zabalôn, zapalôn, palpitare (GRAFF 5, 579), mhd. zabelen, zabeln,
unzweifelhaft eine malende bildung, von heftigen regellosen bewegungen der glieder oder des ganzen
leibes bei menschen und thieren gebraucht, bewahrt bis über das mhd. seinen kurzen stammvocal
namentlich in mitteldeutscher volkssprache, wo er bis jetzt dauert und in schriftlichen aufzeichnungen
durch verdoppelung des auslautenden stammhaften consonanten gekennzeichnet wird, so schon im 15.
jahrh.: palpitare, zabbeln DIEFENB. 408a; bei LUTHER: die fremden kinder sind verschmachtet, und
zabbeln in jren banden 2 Sam. 22, 46 (σφαλουσιν εκ των συγκλεισµων αυτων Septuag., contrahentur in
angustiis suis Vulg.); bei SCHOTTEL 1446 zabbelen, trepidare; bei STIELER 2590 zabbeln, und noch
heute in Düringen; auch hessisch zabbeln, palpitare PFISTER nachträge zu Vilmars idiotikon 341.
schriftgemäsz hat sich aus dieser form ebenfalls bereits seit dem 15. jahrhundert zappeln (s. d.)
entwickelt, wie ähnlich krabeln, krabbeln und krappeln zusammen stehen, vgl. th. 5, 1911. 2067 und
wegen des inlautenden pp unter knappe ebenda sp. 1342. gegenüber diesen formen bildet sich
oberdeutsch die form zabeln mit verlängertem a der stammsilbe, die in schriftwerken sich

Bd. 31, Sp. 7

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bis ins 17. jahrhundert findet, wo sie vor dem mitteldeutschen zappeln weicht, mundartlich aber sich
weiter erhält: bairisch zabeln und mit umlaut zebeln SCHM. 22, 1072 (neben zappelen, zeppelen 1141);
schwäbisch zabeln und zappeln SCHMID 541; schweiz. zabeln STALDER 2, 462; zable HUNZIKER 305;
SEILER 321b; auch rheinfränkisch zabelen, sich hin- und herkrümmen WALDBRÜHL rhingscher klaaf
220.

2) die ursprüngliche bedeutung der gewaltsamen gliederbewegung tritt mannigfach hervor, namentlich
als folge von schmerz, angst, innerer beengtheit:

diu (ein vom teufel besessenes weib) zabelte harte vaste


und hete deheine raste
LAMPRECHT V. REGENSBURG st. Franz. leben 2808;

sî ructin vreislich mit unzucht


den mûtren den vil armen
dî kindir von den armen
und spîჳten sî mortlîchin sâ
ûf dî zûne hî und dâ,
dâ sî der pîn enzwischin
zabiltin und krischin
JEROSCHIN 1603;

hê, wie frevenlîch durchstieჳ


Ruodi Trollen bî dem nabel!
er sprach: dâ lig und zabel!
liedersaal 3, 413, 551;

diu tiuvele ... füerent die sêle gevangen gein Babilônje, daჳ ist diu helle. dâ muost dû danne von noeten
iemer zabeln, wan dich lânt die tiuvel niemer mêre geruowen. nû zabel, nû zabel als ein gurre, als ein
gürrelin, als ein esel, als ein ros und als der tiuvel: der geruowet ouch niemer BR. BERTHOLD 1, 270, 21;
nach dem beid die schönsten fisch also lebendig für den künig auf den tisch trůgen, vor im auf dem tisch
springen und zabeln lieszen ARIGO decam. 615, 14 Keller; der fisch begunde zabeln vor seinen füszen
bibel von 1483 bei FRISCH 2, 462b (Tobias 6, 5); stast du auf und zablest mit den füszen als ein katz die
in dem herd ist gelegen KEISERSBERG spinnerin (1510) d 6a; ain katz die man ertrenken wil, die da
zablet und umb sich beiszet und kretzet Aa 8b; vor forcht zitteren und angstlich zablen, trepidare, mit
forcht, angst, und groszen zablen, trepide MAALER 510c; bald so sie (die vögel) an rücken niederfielen,
zableten sie mit den füszen und starben also THURNEISZER von wassern (1572) 384; besser gezabelt am
declinenden scamno (von einem kinde gesagt, das vom schulmeister zur vollstreckung der prügelstrafe
über die bank gelegt wird), als am undeclinenden ligno, so ein galgenpfosten heiszt Garg. 458 neudr.;

das wasser fing an ein zu rinnen (in einen kahn),


und als der essel das entpfund,
ungeschickt er zabelt und aufstund
und schray yan nach essels art
H. SACHS fab. und schwänke 2, 363, 20 Götze;

(der esel) stüerzt ins wasser, nit schwimen kund,


zabelt ein weil und ging zu grund
364, 32;

das er sein prüegel hoch auf schwang


und draff die saw vorn an die stirn,

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das sie fiel, zabelt mit alln viern


376, 118;

von einzelnen gliedern, leibestheilen: allweg zablet jn das herz noch KEISERSBERG spinnerin (1510)
eea; in krämpfen, als krankheit: und nach ausgang des tanz, so fiel sie nieder, dem mann zu leid, zablet
ein weil und schlief darnach PARACELSUS (1589) 1, 263; zablen der glyder kompt von eim groben
dämpfigen wind schachtafeln der gesundh. deutsch von HERR (1533) 221; zablen der mannsrůten ... von
verschlossenem wynd in der růten 160; in der verbindung zabeln und grabeln, krabeln: darvon fing das
kind (im mutterleibe bei der geburt) an zu erschrecken und erhupffet, und kam inn solchem aufflauff in
die kraus holader, zabelet und grabelet daselbs durch die langscheidige leibesleist Garg. 157 neudr.;

seh hin und trink dein aygen harm,


dieweil er noch ist also warm!
so wern die narrn in dir zabeln,
wie ameisz durch einander krabeln
H. SACHS fastn. sp. 1, 135, 101 Götze (das narrenschneiden).

von den bewegungen des kleinen gethiers, gewürms: 'so lege dich in den kasten zuo den natern allen unde
zuo den würmen, und ich wil des bürge sîn, daჳ dû alse

Bd. 31, Sp. 8

gesunt her wider ûჳ scheidest als dû iezuo bist.' nein, herre! dû sæhe niht, wie sie zabelten unde wie sie
wispelten! ich wolte ê iemer in der hellen sîn BR. BERTHOLD 1, 573, 11; das herz des menschen ist
gleich als ein käs, der voller maden ist, die allzeit durch einander wüten und zablen KEISERSBERG pred.
10b; (die kröte fing an) zu wüten und zu zablen Simpl. 1, 385 Kurz;

wer nicht gablet,


wann die brem zablet,
der laufft im winter mit einem seil,
und fragt: wo ist heu feil?
KEISERSBERG narrenschiff bei FRISCH 1, 312a;

bei SIMROCK sprichwörter s. 248 in der fassung:

wer nicht gabelt,


wenn die heuschreck zabelt;

auch in der verbindung krabeln und zabeln, von würmern, vgl. th. 5, 1912 oben.

3) zabeln, übertragen auf strenge und hastige arbeit, bei der die glieder sich eifrig rühren, wie sich
mühen, sich abarbeiten: man findt einen menschen, der werket, und je mehr er zablet, je ärmer er ist
Zürcher bibel (1530) 635 (Sirach 11, 11, bei LUTHER mancher lessets jm sawr werden);

er sprüszt sich wie ein katz im wetschger,


zablet wie ein holtzbetschger (holzhacker)
N. MANUEL 212, 13 Bächtold.

noch jetzt schweizerisch:

wär im heujed nitt gabled


und in der ärn nitt zabled
und im herpst nitt früej ufstot,
dä cha luege, wie's -- im im winter got

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SEILER Basler mundart 321, vgl. HUNZIKER 99.

von mühe überhaupt:

das man kein regen


bring durch zabeln zuwegen,
sonder gott schickt den segen,
wann und wa es im ist gelegen
FISCHART podagr. trostb. D 4a.

auch von nutzloser arbeit, beschäftigtem nichtsthun: ich sihe manchen reichen inn stätten hin und wider,
der unrůwig fast zablet, und in dem nicht thůt, dann dasz er seiner mägd und knecht knecht ist
sprichwörter, schöne, weise klugreden (1560) 208b. in verbindung mit andern wörtern ähnlichen sinnes
die bedeutung schärfer hervorhebend: die niemer keine ruowe gehaben mügen vor würken noch vor
zabeln, eht dar und dar zabeln und würken den sameჳtac hinz in die naht, und an dem heiligen sunetage
und an der zwelfboten tage, sô ûf den market mit schuohen, sô mit wegen, so mit karren, sô vihe trîben, nû
daჳ, nû daჳ, sô hin, sô her BR. BERTHOLD 2, 48, 19; nû hœrest dûჳ, der den vîrtac dâ loufet und zabelt,
und der der heiligen zît niht schônen wil? 253, 36; warum zablet, frettet die ganze welt tag und nacht?
FRANK paradoxa 13b;

dem mann sein arbeit nit erspreust,


er nagel, zabel, frett und schab,
so kompt er doch zu keyner hab
H. SACHS 1570 1, 524d;

es leit auch in kriegshandlung nit daran, das ein haubtman vast zabell und fecht Wilwolt v. Schaumb. 91;
sy fechten und zablen, das zy gůt überkommen, es sei recht oder unrecht, wie es jnen werden mag durch
wůcher, durch stelen, oder das sy jren nächsten bescheiszen mit falsch KEISERSBERG siben hauptsünd.
(1510) 222b; zablen und fächten umb reychthumb, divitiarum certamina MAALER 510c; vernünfftige
geringachtung alles dessen, darumb jederman so tollgirig zabelt und grabelt, laufft und schnaufft, machet
und wachet, kriegt und betrügt, wült und stilt, wandelt und handelt, fecht und recht und alle
hertzbefridung verschmecht Garg. 20 neudr.;

nit ungestüem zabel und eil


H. SACHS fab. 1, 440, 120 Götze;

auch von rein geistiger thätigkeit: got werd noch ainmal, wenns jn gut und zeyt bedunckt, seine gaben
der kunst und sprach so klar herfür geben, das man nicht mit solchem martern und zabeln drinn musz
lernen und studieren, wie man yetzt pflegt ICKELSAMER teutsche grammatica s. 5 Kohler; und von
seelenkämpfen: das er frischlichen hindurch brech und sich selber überwind,

Bd. 31, Sp. 9

denn als lang das nit beschicht, so nympt das wüten und zabelen kein end KEISERSBERG seelenpar. 22b;
selbst spöttisch von den gewaltsamen bewegungen beim tanz:

kein tanz der was mir nimmer z'lang,


ich gumpet, zablet, rant und sprang,
dasz mir der schweisz zendumb abran
HANS RUD. MANUEL weinspiel 365, 2521 Bächtold;

dazu e r z a b e l n (vgl. unter erzappeln th. 3, 1079) in der bedeutung durch solche hastige arbeit etwas
erwerben, jetzt noch schweizerisch STALDER 2, 462; biჳ dû des selben guotes wider âne wirdest, daჳ dû

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wider des almehtigen gotes gebot alsô ervohten und erzablet hâst BR. BERTHOLD 1, 269, 39;

was ich erzablen und erzien,


das ist alls mit dem win vertan
HANS RUD. MANUEL weinspiel 363, 2461.

4) zabeln, von der regung des schreckens im herzen und des dadurch hervorgerufenen gebahrens,
namentlich des eiligen laufens, ein lieblingswort AVENTINS: traten urbering (plötzlich) daher aus allen
kirchen und capellen all pfaffen chorherren pfarrer wârsager in iren chorröcken und menteln infeln
heublen mit irem heiltum erschrocken, zableten, liefen als die unsinnigen vorn an die spitz des streits
bayer. chron. 1, 394, 14 Lexer; die feind, so in (lies ân, ohne) ordnung umb das geleger wie vor renten
und vast zableten 569, 9; etlich zableten, zitterten, waren gleich sam twelmig 837, 4; und der schrecken
war noch in den menschen, zableten, zittreten noch, wurfen die augen hin- und herwider 839, 12; flohen
die Teutschen davon, zittreten, zableten, hetten sorg auf das römisch her, es würd anfarn und in das ir
verprennen 1058, 25; die fueszknecht ... kunten hart die füesz gewinnen, eilten wider hinder sich in den
wald, darausz si erst kumen waren, zableten, warn vol schrecken, kamen also gar ausz der ordnung 1089,
14.

5) ein anderes zabeln, im brette spielen, zu zabel spielbrett oben sp. 6 gehörend:

vür den künec si giengen.da wâren ritter vil.


dâ vunden si besunder maneger hande spil:
in dem brete zabelen, schermen unde schilden
Gudr. 353, 3;

der sun der zabelt ûf dem brete


ges. abent. 2, 411, 135;

ist nach dem mhd. ausgestorben.

ZABELSPIEL, n., brettspiel, mhd. zabelspil:

rotten, harpfen, singen


und aller hande zabelspil,
daჳ kunde er und treip sîn vil
K. V. WÜRZBURG troj. krieg 5975;

in der verderbten zusammensetzung scacus schachzagelspil DIEFENBACH 515b; niederd. spacubulum


schachttafelspel nov. gloss. 328b.

ZABELWORT, n., wort wie es beim brettspiel gebraucht wird, geistreiches oder witziges wort,
fortsetzung des mhd. zabelwort neben zabelrede: keine tiefgesuchte und gleiszende zabelwort, sondern
gemeine weit gewonliche teutsche sprach gebrauchen FRÖLICH Stobäus (1551) A 3b.

ZABLER, m.

1) nach zabeln 2, in scherzhafter volksmäsziger rede von den fingern: die däumerlinge und deuterlinge,
die krabler und zabler, wie er (ein Frankfurter musiklehrer) die finger zu bezeichnen pflegte GÖTHE 26,
186 Weim.; mundartlich in Bayern, anknüpfend an zabeln 3: zabler, person, die bei aller bemühung
dennoch nichts voranbringt SCHM. 22, 1072.

2) nach zabeln 5, brettspieler: zabeler aleator DIEF.-WÜLCKER 910a.

ZACH, adj., umlautlose nebenform zu zähe, s. d., mit ursprünglich langem stammvocal, dem ahd. zâch

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neben zâhi, mhd. zâch neben zæhe, ags. tôh, mnd. tâ neben tege (SCHILLER-LÜBBEN 4, 502b)
entsprechend, in der bedeutung von zähe nicht abweichend. es ist die seltenere form, die sich vor zähe
jetzt ganz in die mitteldeutsche volkssprache zurückgezogen hat, zugleich mit einer verkürzung des
stammvocals, über deren zeitliches eintreten wir nichts wissen, die aber wahrscheinlich schon in der
schreibung zach tenax des 15. jahrh. (DIEFENB. 577b neben czâh ebenda) angedeutet ist. es findet sich
als der schlesischen volkssprache angehörig verzeichnet: zach, tenax,

Bd. 31, Sp. 10

viscosus bei STEINBACH 2, 1063, meisznisch in Leipzig zach ALBRECHT 239a, und geht durch
Thüringen, Hessen, Franken, die Wetterau, wogegen bair. záhh (SCHM. 22, 1099) vertreter des mhd.
zæhe ist. in der schriftsprache erscheint zach noch bis ins 18. jahrh. hinein. bedeutung:
zusammenhaltend, klebend, nicht leicht trennbar oder zu zerreiszen, von harz, leim, leder, pflanzen,
flüssigkeiten, auch von eszwaren, die nicht leicht zu kauen sind:

über ieclîch lit er zôch denselben leim zâch


(gott bei der schöpfung des menschen)
Genes. in den fundgr. 2, 15, 20;

vil zâch ist daჳ rintfleisc arzneibuch des 12. jahrh. im mhd. wb. 3, 840; eine zache weide, lenta salix, zach
oel, oleum spissum, densum, zach machen, lentare STIELER 2632; zach rohr, lentus calamus, zach wie
leim, glutinosus, wie hartz, resinaceus HEDERICH prompt. (1729) 2712; zach werden, lentescere
KIRSCH cornucop. (1750) 2, 425a; ob nun der kuchen so zach gebacken gewesen CHR. WEISE pol.
näscher 109;

ich kunte kümmerlich von einer buche schälen


die zache rinde weg, und disz ist mein papir
P. FLEMING 102, 14 Lappenberg;

übertragen von menschen, wie zähe 3, s. d.:

oft gaistlich väter sein so zach,


sant Petern kainer volget nach
O. VON WOLKENSTEIN 288, 155 Schatz;

ach gott wie zach,


verzagt und schwach
seynd wir in unserm hertzen
B. RINGWALDT Ev. G 4a.

in Leipzig heiszt ein geizhals ein zacher kerl, mit scherzhafter anwendung eines biblischen namens auch
ein Zachäus ALBRECHT 239a.

ZACHE, m. (a lang), docht in einer lampe, wort des bayrischen sprachgebietes, vgl. SCHM. 22, 1100;
cicindela, zachen in der lampen DIEF. 117b; licmen, zachen in einem liechtschirben 328b; ellychnium,
zache 199a; (Theodosius) hab ein leuchter gehabt zu nacht, der im selbs öl zum zâchen gossen hat, damit
er niemants bedörft und ander unbemüet lies, so er läs, die im das licht schürten AVENTIN bayr. chron. 1,
1135, 24; in Tirol zåchen, docht SCHÖPF 823; im Anspachischen verderbt zu zacken SCHM. 22, 1080;
auch lunte, zündstrick: ellychnium zoch (sclopeti) DIEF. 199a; ich ging eyns von Tawbarzal gen
Rottenburg fur ein herberg hin, in wilcher vil geharnischte pawren mit buchssen und brennenden zachen
stunden KARLSTADT bei LUTHER 18, 441, 26 Weim.;

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dâ lag ein zâch, der glam und pran,


dâ man die püchs mit zündet an
BEHAIM buch von den Wienern 79, 15.

das wort gehört zum adj. zâch, und besagt eigentlich einen zähen gegenstand im allgemeinen.

ZACHHEIT, f., zähes wesen, zähe art: zachheit lentitia HEDERICH 2712; dafür zachigkeit tenacitas,
lentitia, lentitudo, lentor STIELER 2632.

ZACK,

1) interj. zur bezeichnung einer scharfen gewaltsamen bewegung: er säumte nun nicht, den rappen
anzustechen, und zak zak war er zum thor hinaus MUSÄUS volksm. 2, 70 Hempel; im ablautspiele mit
zick und als adverb der bewegung: so aber gehen die jahrmärkte zick zack, zehn meilen hin, zehn meilen
her MÖSER patr. phant. 1, 229; gewöhnlicher zusammengerückt zickzack geschrieben, s. d.

2) als subst. m. zur bezeichnung von etwas mit zacken versehenem, in dreizack (th. 2, 1397), fünfzack
(th. 4, 1, 579), zweizack; zur bezeichnung einer schnellen bewegung in einer linie, in zickzack, s. d.

ZÄCK,ZÄCKE, m., s. zeck, zecke.

ZÄCKCHEN, n., kleine zacke; zäckchen, denticulus STEIN BACH 2, 1063; besonders in der kunst der
stickerei: zäckgen, werden die kleine runde canten und zugespitzten ränder genennet, womit das
frauenzimmer gemeiniglich halstücher, schürzen, ermel, manchetten und dergleichen weisze sachen rings
herum an den rändern zu besetzen pfleget oecon. lex. 2729; zäckchen, schmale mit kleinen spitzen
versehene ränder, allerlei kleine kleidungsstücke damit zu besetzen, sehr schmale spitzen ADELUNG.
dazu: die spitzen werden aufgestochen, wenn sie nach dem

Bd. 31, Sp. 11

waschen, nach dem z ä c k c h e n m u s t e r (vorlage für solche stickereien) wieder durchstochen und
geplättet werden CAMPE wörterb. 1, 265a.

ZACKE, m. f.,ZACKEN, m., scharf und spitz verlaufender gegenstand; in mancherlei entfaltung der
bedeutung:

1) das wort, in der alten sprache nicht bezeugt, im mhd. als zacke, im mnd. als tack und tacke, mnl. als
tack auftauchend, ist wahrscheinlich eine junge bildung auf wortmalendem grunde entstanden, mit der
interjection zack zusammenhängend, von der vorstellung des kurz und scharf vorstoszenden ausgehend,
und von daher nicht nur als substantiv, sondern weiter auch in der verbalen ableitung zacken, und in
nasalierter form als subst. zanke und als verbum zanken (s. d.) ausgebaut; im ablaut und enger
bedeutungsverwandtschaft steht zick, zicken, vergl. unter anzick, anzicken th. 1, 526, und tick von einem
tippenden stosze mit den fingerspitzen oder andern spitzen dingen oben th. 11, 479. jenem begriffskerne
entsprechend ist die früheste bezeugte bedeutung von zacke spitze eines dorns:

ein grûlich scharfer dorn,


der im mit langen zacken trat
in sîn houpt
passional 84, 71 Köpke;

unz im sîne hût vil gar


der dorn mit scharfen zacken reiჳ
219, 81;

auf kurze stechende äste eines waldbaums übergegangen, vergl. niederl. tack, ramus, brachium arboris,

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tacksken, ramulus, ramusculus KILIAN; niederd. takk ast, zweig, brem. wb. 5, 7; dann auch von den
spitzen enden an einem hirschgeweih gebraucht: taggen an den hörnern, rami cornuum cervi
CHYTRAEUS bei FRISCH 2, 462c;

sîn schipper gaf ome (dem hasen) ein hertes twich (hirschgeweih),
dat was von twie seven tacken
GERHARD VON MINDEN 84, 15;

niederdeutsch fortdauernd, takk brem. wb. a. a. o.; auch hochdeutsch, nicht in weidmännischer sprache:
zacken am hirschgeweih, alias enden, rami, cornu cervi STIELER 2600. die bedeutungsentfaltung
erstreckt sich dann weiter auf schmiedewerk von dornenartiger beschaffenheit, in welchem sinne es sich
spät-mhd. zeigt:

mit ysenen hacken


die haten spitze zagken
Martina 55c, 84 (s. 138 Keller);

mit der krewel haggen


die hatten spitze zaggen
186a, 10 (s. 468).

2) seit dem 16. jahrh. wird das im mittelalter spärlich bezeugte wort häufiger und erfährt
begriffserweiterung, indem es sich auf mancherlei gegenstände von spitzem stechenden aussehen oder
wesen bezieht. dabei schwankt das geschlecht, das für das mhd. und mnd. nicht festgestellt werden kann,
im singular zwischen fem. und masc.

a) als singulares fem. in der form zacke, in zusammensetzungen eiszacke, felsenzacke, gabelzacke,
spitzenzacke, s. d.; niederd. tagge, f., eine spitze, zacken DÄHNERT 483a; bayr. die zacken neben der
zacken, zacke, spitze SCHM. 22, 1080; schweiz. d'zagge, spitze SEILER 321b; im sinne einer
hervorstehenden spitze an zähnen: die einen haben an den zähnen eine zacke mehr als die andern
BREHM illustr. thierl. 2, 789; besonders als von fäden hergestellte spitz zulaufende verzierungen an
kleidungsstücken: eine zacke häkeln.

b) als singulares masc. selten in der form zacke oder zack: zakk, m., ramus SCHOTTEL 1446, nach der
niederdeutschen bedeutung, vgl. oben 1; zacke, dens KIRSCH cornuc. 2, 425a;

(wunderliche eisgebilde) sitzen wol geordnet


mir im block in zack' und nadel (spricht ein eiszwerg)
G. KELLER werke 10, 229;

mehr verbreitet in der form zacken, mit dem nominativ angetretenem n der obliquen casus: zack und
zacken, dens ferreus STEINBACH 2, 1063; geschmiedet: ein zacken an einer gabel;

der thürmer erbleichet, der thürmer erbebt,


gern gäb er ihn wieder den laken.
da häckelt -- jetzt hat er am längsten gelebt --
den zipfel ein eiserner zacken
GÖTHE 1, 209 Weim.;

gemauert oder in stein gehauen, an bauwerken: nun aber erkannte ich noch die verknüpfung dieser
mannichfaltigen

Bd. 31, Sp. 12

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zierrathen (in der gothischen baukunst) unter einander, die hinleitung von einem haupttheile zum andern,
die verschränkung zwar gleichartiger, aber doch an gestalt höchst abwechselnder einzelheiten, vom
heiligen bis zum ungeheuer, vom blatt bis zum zacken 27, 275 Weim.; als ich nun glaubte meine kräfte
wären wieder hergestellt, griff ich (bei einem fluchtversuche) zu meinen noch übrigen binden, und wollte
sie um einen zacken des mauerkranzes winden 43, 330 Weim.; am fels, gestein: aber jetzt wackelte unter
meiner fuszspitze das schmale, kaum zollbreit ausgeladene felsstückchen, und unter der greifenden hand
der kleine zacken VISCHER auch einer 1, 77; aus eis gebildet:

hoch am Montblanc ragt ein zacken


lautern eises in die tiefe
dunkelblaue himmelsdecke
G. KELLER 10, 179;

übertragen in volksmäsziger rede auf einen mäszigen rausch: mein Karl hielt mir am andern morgen vor,
ich hätte einen kleinen zacken gehabt. Karl, entgegnete ich, es war nicht einmal ein spitz, nur die freude,
die pure freude STINDE fam. Buchholz 1, 160.

c) am häufigsten in pluraler anwendung, in der form zacken, wobei die unterschiede des grammatischen
geschlechts verwischt sind; geschmiedet, in metall gebildet: die zacken einer krone; gabel mit zwei oder
drei zacken; so kam des priesters knabe, weil das fleisch kochet, und hatte eine krewel mit drey zacken in
seiner hand, und sties in den tiegel 1 Sam. 2, 13; das volck drinnen füret er eraus, und legt sie unter eisern
segen und zacken, und eisern keile, und verbrand sie in zigelöfen 2 Sam. 12, 31; ich habe dich zum
scharffen newen dreschwagen gemacht, der zacken hat Jes. 41, 15; wil ich jr nicht schonen, darumb das
sie Gilead mit eisenen zacken gedroschen haben Amos 1, 3; hetten hundert und zehen tausent
Griechischer fusknecht ... und drey hundert wagen mit eisern zacken 2 Macc. 13, 2; die zacken einer
gabel müssen von stahl geschmidet werden, weil eiserne zacken beim gebrauch leicht zerbrechen
JACOBSSON 2, 2b; die laconischen schlüssel mit drey zacken LESSING 8, 73 (antiqu. briefe 23);
unmittelbar am groszen wachfeuer gewahrte ich eine schwere starke egge, setzte mich darauf und schob
unter dem mantel meine flaschen zwischen die zacken herein GÖTHE 33, 65 Weim.;

kommt! mit zacken und mit gabeln


und mit gluth und klapperstöcken
lärmen wir bei nächt'ger weile
durch die engen felsenstrecken
1, 212 Weim. (die erste walpurgisnacht);

als mauerwerk (vgl. auch blumenzacken th. 2, 166): frisch errichtete oder völlig wieder hergestellte
vertheidigungsanstalten, neue, wohl ausgemauerte schieszscharten und zacken 49, 1, 298 Weim.; in stoff
hergestellt als verzierung an kleidungsstücken: zacken häkeln; ein überschlag mit zacken, collare cum
limbis denticulatis STIELER 2600; etwas mit zacken versehen, z. b. ein kleidungsstück, es mit einem
rande oder besatze versehen, der aus lauter zacken oder spitzen besteht, in spitzen ausgeschnitten ist
CAMPE; an bäumen: zacken sind die dürren oder sonst dünnen äste eines baumes JACOBSSON 8, 234a
(vgl. oben 1 und 2b);

die stürme wüthen nicht mehr, man sieht die zacken der tannen
nicht mehr durch gläsernen reif
CHR. E. VON KLEIST 1, 130 Körte;

furcae, gabeln, zacken ... eine art waffen (arma), womit verschiedene pflanzen versehen sind; dornen,
welche in zwey oder drey zacken getheilt sind (furcae bifidae, trifidae) NEMNICH 2, 1683; die zacken
eines blitzes; zacken am eise, eiszacken; an krystallen: zwischen den zacken groszer krystalle GÖTHE
18, 232 Weim.; am lichte: der an einem lichte herabrinnende talg, welcher kleinen eiszacken ähnlich sieht,
wird auch zacken, lichtzacken genannt CAMPE; zacken, von den spitzen gipfeln der berge, felsen,
gletscher: wie der bergstrom durch alle zacken des felsens wege zu finden weisz GÖTHE 49, 1, 259

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Weim.; alle jene zacken und hörner, alle bergrücken und die zwischen ihnen leer gebliebenen thäler und
schluchten II, 9, 263 Weim.; grosze bergmassen ... die kalt und kahl

Bd. 31, Sp. 13

ihre hartnäckige zacken in die wolken strecken BETTINE briefe 2, 13; unter uns schien ein weiszes
schneefeld zu liegen, aus welchem nur der rücken des Jura und die schneebedeckten zacken der
hochalpen hervorleuchteten MOLTKE ges. schriften 5, 77;

o mich solls nicht wundern,


wenn sich die felsen bücken in den see,
wenn jene zacken, jene eisesthürme,
die nie aufthauten seit dem schöpfungstag,
von ihren hohen kulmen niederschmelzen
SCHILLER 14, 370 (Tell 4, 1);

o die zeit, da um beeiste


zacken noch der sturmwind sauste!
VISCHER auch einer 1, 107;

im allgemeinen sinne: er (Cartesius) bedient sich, um das unfaszliche, ja das unbegreifliche zu erklären,
der crudesten sinnlichen gleichnisse. so sind seine verschiedenen materien, seine wirbel, seine schrauben,
haken und zacken, niederziehend für den geist GÖTHE II, 3, 278 Weim.

d) landschaftlich als krankheitsname: niederd. taggen, takken, knoten oder geschwülste der güldnen
ader, haemorrhoides RICHEY 303, brem. wb. 5, 8; taggen, die geschwülste am mastdarm, von der
güldenen ader DÄHNERT 483a; in hochdeutscher form zacken feigwarzen ADELUNG;

er (der talk) verwehrt der zacken schmerz,


er soll auch den blutflusz mindern
BROCKES 9, 54.

dazu gehört wohl bayr. die zacken, eine krankheit des hornviehs, sonst die franzosen oder pfinnen
SCHM. 22, 1080 (aus einer würzburgischen verordnung).

3) vielleicht nicht hierher gehörig ist zacken im hüttenwesen für einen viereckigen mit eisenplatten
ausgelegten kasten KARMARSCH 1, 587, mit zusammensetzungen form-, frisch, schlacken, zacken u.
ähnl., vgl. auch ADELUNG. im rheinfränkischen ist der zacken die ofennische, die platte dieser nische
WALDBRÜHL rhingscher klaaf (1869) s. 221.

ZACKEISEN, n., eisen, etwas damit zu zacken oder auszuzacken CAMPE.

ZACKEL, n., name des kretischen oder hochgehörnten schafes, ovis strepsiceros NEMNICH 4, 826; in
Schlesien, der Lausitz und theilen von Oesterreich bezeichnet zackel, zacken oder zackelschaf eine art
groszer schafe mit grober und langer wolle, welche für bastarde von schafen und ziegen gehalten
werden, mit umlaut auch zäckel JACOBSSON 8, 234a; dazu bayr. zaglfell, fell von einem ungarischen
oder mährischen schaf, und zaglschneider, jener, welcher felle für die schuster im kleinen ausschneidet
SCHM. 22, 1080. ADELUNG gewährt mit langem vocal zake und zäkelschaf, ebenso WEINHOLD schles.
wb. 107a zake groszes grobwolliges schaf. ob schwed. tacka schafmutter, weibliches schaf, zu dem worte
in beziehung steht, ist zweifelhaft.

ZACKEL, f., warze an den kinnladen der schweine; auch kerbe, einschnitt an einem band und spitze
eines abgebrochenen astes. in rheinischer mundart KEHREIN 450; wohl zu zacke gehörige bildung.

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ZACKELN, verb., sich schüttelnd bewegen, zuckeln CAMPE.

ZACKELSCHAF, f., s. zackel, n.

ZACKEN, m., s. zacke.

ZACKEN, verb.

1) mit zacken versehen; in dieser bedeutung ein junges, von ADELUNG nur im compos. auszacken (s. d.
th. 1, 1022) verzeichnetes wort, das sich erst in neuerer sprache auch in einfacher form verbreitet,
transitiv in technischer sprache: eine stickerei, einen halskragen, eine tischdecke zacken, mit zacken in
stickerei schmücken, leder, tuch zacken, zackig ausschneiden; reflexiv, sich zackig machen, darstellen:

die eiche starret mächtig


und eigensinnig zackt sich ast an ast
GÖTHE 15, 1, 221 Weim. (Faust 2, 3);

besonders im part. gezackt, mit zacken versehen, zackenförmig:

echt-walloner pantalone,
mit scharlach gezackte schuhe
fein an leder
HERDER 28, 424 (Cid 15);

donnernd aus den blauen höhen


wirft er (Zeus) den gezackten blitz
SCHILLER 11, 295 (eleus. fest 101);

Bd. 31, Sp. 14

wohl! nun kann der gusz beginnen,


schön gezacket ist der bruch
310 (glocke 150);

auswärts drohn ja gezackt meerklippen empor, und umher rollt


stürmisch die brandende fluth
VOSS Odyss. 5, 411;

gezackte mauerzinnen, felswände, gezackte hautränder bei quetschwunden;

aus stäubchen ohne geist fügt die gemeine zunft


die ganze körperwelt, und trotzet der vernunft.
Leucipp macht sie gezackt, sie leichter zu verbinden,
und dem von Agrigent gefällt es sie zu ründen
WIELAND I, 1, 54 akad. (natur d. dinge 3, 41).

2) älteres zacken von der vorstellung der ziehenden, reiszenden bewegung aus, die in zack (sp. 10) liegt,
aus diesem gebildet, entweder sinnlicher: das zipperlein zacket die glieder, arthritis quasi morsu quodam
dolorem in membris efficit STIELER 2600; oder unsinnlicher: zacken, propr. est conos facere,
cuspidare, cuspidatim inserere, et exponitur: vellicare, stimulare, impellere, verborum faces admovere,
agitare, concitare, irritare, lacessere, insectari, es wird allendhalben sehr gezacket, multis injuriis
undique jactatur et exagitatur, im substantivischen infinitiv: ich kan das zacken nicht leiden, urgeri me
non patior, pervicacem istam instantiam abominor ebenda; bei KEISERSBERG von hin und her
ziehenden zweifeln im glaubensleben: ist es, das jemandt bedarf der weisheit, der heisch sie von gott on

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zacken oder zweifeln und er gibt sie im pred. 70b; wann er hat sich selber uns schuldig gemacht, indem
das er hat angeschlagen einem jeden menschen zu geben, der im also on zacken heischt ebenda; was ist
zacken im glouben? es ist, so ein mensch nit ein ganz vertrewlich vertrauwen hat zu got 71a; so musz es nit
hergon aus einem zackenden glauben, mistrauen, zweifeln ebenda; schweizerisch in die bedeutung des
ziehens, herumzerrens und trödelns verlaufen: zaaggen STALDER 2, 461 f.; Hans Joggi konnte sich auf
sein weib verlassen. das zaggete nicht den ganzen tag ein kind herum, bald auf dem einen bald auf dem
andern arm, nur um einen vorwand zu haben nichts zu thun als herumzulaufen J. GOTTHELF schuldenb.
17. rheinfränkisch aber heiszt zacken reizen, aufhetzen, ärgern WALDBRÜHL rhingscher klaaf 221; im
fuldaischen sich zacken, sich necken VILMAR 463.

ZÄCKEN, s. zecken.

ZACKENARTIG, adj.: hier schosz nun das gediegene silber in zarten, verschlungenen haaren, zackenartig,
baumförmig, oft in dicken, derben massen an STEFFENS was ich erlebte 4, 225.

ZACKENBAND, n., gezacktes band: der rücken (einer schlangenart) ist mit ... flecken bedeckt, wovon
die ... mittleren reihen selten ... ein zackenband bilden BREHM thierleben 7, 412 Pechuel-Loesche.

ZACKENBINDE, f., gezackte binde, zackiger streifen: das männchen (des schwammspinners) hat einige
... schwarze zackenbinden über die vorderflügel BREHM thierleben 9, 421 Pechuel-Loesche.

ZACKENBLATT, n., gezacktes blatt: zauberlaube ... aus hellrothen blumen, aus kleinen zackenblättern
und groszem breitem laube zugleich gewölbt J. PAUL bei CAMPE.

ZACKENBLITZ, m., gezackter blitz:

eh' euch der rache zacken bliz versengt


SCHUBART ged. 2 (1787), 54.

ZACKENDRUSE, f., druse, eine bergart in zackiger form: quarzdrusen, welche sich ... in zackendrusen
und in abgekürzte drusen eintheilen JACOBSSON 5, 414a.

ZACKENFELS, m., gezackter fels:

zwischen himmel und erd, hoch in der lüfte meer,


in der wiege des sturms trägt mich ein zakenfels,
wolken thürmen
unter mir sich zu stürmen
SCHILLER 1, 273;

die blitze der schlacht schlängelten sich


kraftlos um meine lenden,
wie um des zackenfelsen hüften,
der in wolken sich birgt
SCHUBART ged. 2, 72.

ZACKENFIRST, m. f., gezackte bergkante:

der mond beschien den felsenzug;


man sah die zackenfirst,
vorragendes geklipp
FREILIGRATH dichtungen 5 (1870), 259.

Bd. 31, Sp. 15

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ZACKENFLAMME, f., flamme, die in zacken hervorbricht:

die feuerkugeln sprühen


aus ihrem dunkeln schoosz,
und zackenflammen glühen,
und donner brechen los
KÖRNER leier u. schwert 32.

ZACKENFLECK, m., gezackter fleck: spitzenfleckchen, die ... in ... zackenflecke übergehen NAUMANN
naturgesch. d. vögel 7, 252.

ZACKENFLÜGEL, m., flügel mit zacken versehen:

jetzt risz sich Satan stürmend durch der hölle thor,


schwam mit zackenflügeln durchs chaos
SCHUBART ged. 1, 335.

ZACKENFÖRMIG, adj.: der freie rand dieser klappe zeigt abwechselnde zackenförmige vorsprünge und
einschnitte SÖMMERING v. bau d. menschl. körpers 3, 2, 29.

ZACKENGIEBEL, m., gezackter giebel:

ein düstrer bau! mit zackengiebel, eisenstangen,


vom offnen thore nägelreihn wie rostige gebisse hangen
DROSTE 2 (Cotta 1879), 12.

ZACKENHAUPT, n., gezacktes berghaupt:

und duldet auch auf seiner berge rücken


das zackenhaupt der sonne kalten pfeil,
läszt nun der fels sich angegrünt erblicken,
die ziege nimmt genäschig kargen theil
GÖTHE 15, 1, 221 Weim. (Faust II, 3).

ZACKENHIRSCH, m., eine untergattung der hirsche mit stark gezacktem geweih, rucervus BREHM
thierleben 3, 473 Pechuel-Loesche.

ZACKENHOLZ, n.: das brennholz zerfällt in: ... stockholz, astholz oder zackenholz ROSSMAESSLER der
wald 613.

ZACKENHORN, n., eine art trompeten- oder posaunenschnecken mit zacken versehen; cassidea
ungulata, zackenhörner ... unten an der lefze ausgezackt NEMNICH 1, 693.

ZACKENKAMM, m., name einer art napfschnecken mit gezacktem kamme, patella cristata.

ZACKENKRAGEN, m., gezackter kragen: ihren blauen mantel, mit der weiszen schnur um den
zackenkragen besetzt LUDWIG 2, 338.

ZACKENKRANZ, m., kranz von zacken:

das schlosz mit seinem zackenkranz


DROSTE 1, 332.

ZACKENKRAUT, n., bunias, eine pflanze mit zackigen schötchen, auch zackenschote NEMNICH 1, 720.

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ZACKENKRONE, f., krone am obern ende mit zacken versehen: das haupt trug eine hohe goldene
zackenkrone KELLER werke 2, 190. freier: ich habe den rundblick gethan in die ungeheure zackenkrone
der Alpen ROSEGGER schr. 10, 119.

ZACKENLINIE, f., linie in zacken verlaufend:

fern gegenüber Capri's zackenlinie


FULDA neue gedichte (1900) s. 180;

in der kriegsbaukunst eine art, einen pasz oder ein lager mit rechtwinkligen hinter einander
angebrachten werken zu verschanzen EGGERS kriegslex. (1757) 2, 1375.

ZACKENLOS, adj., ohne zacken, ungezackt:

und wie ein flusz in thales schoosz


vom felsen stürzt, fällt zackenlos,
ein glutstrom, blitz auf blitz
FREILIGRATH dichtungen 2 (1870), s. 51.
ZACKENMAUER, f., gezackte mauer, vom hochgebirge: rechts über grünen almen die blauende
zackenmauer des hochgebirges ROSEGGER 14, 204.

ZACKENMEER, n., eismeer:

der alpe schnee, das zackenmeer


JOH. FRIEDR. KIND gedichte.

ZACKENREICH, adj., reich an zacken:

der bügel gold, den zackenreichen sporn


FREILIGRATH dicht. 4, 215.

ZACKENSCHLOSZ, n.:

die heimlichen korallenschanzen (auf dem meeresgrunde)


sie weisen frei ihr zackenschlosz
IMMERMANN Trist. 238.

ZACKENSCHNECKE, f., flügelschnecke, deren lippe in lange schmale zacken ausläuft CAMPE.

ZACKENSCHOTE, f., s. zackenkraut.

ZACKENSCHWÄRMER, m., bezeichnung einer sippe von schmetterlingen mit gezackten flügeln
BREHM thierleben 9, 396 Pechuel-Loesche.

Bd. 31, Sp. 16

ZACKENSPITZE, f., gezackte spitze: die zackenspitze einer gothischen monstranze ROSEGGER 2, 15.

ZACKENTANNE, f., die tanne wegen der äste: die zackentanne, die fichte mit dem rauhen stamme ...
hörten auf STIFTER 5, 1, 56.

ZACKENWALZE, f., schwere walze rund herum mit eisernen zacken versehen, um grobes und knolliges
land damit klar zu machen JACOBSSON 4, 677b.

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ZACKENWERK, n., werk in zackenform ausgeführt: zackenwerk collare STIELER 2558; etwas mit
zackenwerk versehen CAMPE.

ZACKENZAHN, m., gezackter zahn:

mag die hundertrachigte hyäne


Eigennuz die gelben zackenzähne
hungerglühend in die armuth haun
SCHILLER 1, 222.

ZACKER, m., nach zacken 2 oben sp. 14: zacker, vexator, exagitator, exactor mit dem fem. zackerinn,
fœmina defatigans, macerans, afflictans, crucians, stimulans, torquens, sollicitans STIELER 2600.

ZACKER, zusammenziehung von ahd. zi achare, mhd. ze acker, in den häufigen verbindungen mhd.
zacker gân, varn;

den einen sach ich zacker gân,


und den andern rüeben graben
Seifr. Helbl. 1, 645;

dô si in zacker varn gesach,


si gruoჳt' in weinende und sprach:
ô wê, trût gevater mîn,
lât iuwer zacker varn sîn!
ges. abent. 2, 178, 213;

arare, zacker gen DIEF. 44b;

wer mit narren zacker fart,


der ist warlich nit wol bewart
fastn. sp. 2, 846;

und noch im 16., 17. jahrh.: wenn einer mit ochsen zacker fährt HÖNIGER narrensch. 349a; (narren)
welche Teütschland mit bratwürsten bezwingen und mit läusen zacker fahren wollen MOSCHEROSCH
Phil. 1 (1650) 595; später nur noch selten mundartlich erhalten, so im Spessart zacker gên, schwäbisch
zacker gaun SCHM. 12, 31 f. aus ihm hat sich das verbum zackern mit seinen ableitungen ergeben.

ZACKERER, m., pflügender mann und den pflug ziehender ochse: arator, ein zackerer, de homine et
bove dicitur DASYPODIUS; solches (unkraut) verunreyniget aber uberausz sehr den grund und boden,
und verhindert den zackerer selbs inn seiner arbeit SEBIZ feldb. 483.

ZACKERGAUL, m., schlechtes pferd, das in kurzem trabe läuft (vgl. dazu das zweite zackern); in Hessen
dim. zackergäulchen VILMAR 464.

ZACKERLOT, für sackerlot, s. dieses unter den entstellungen von sakrament th. 8, 1674: zackerlot, wer
konnte denn schreiben, wenn man alle hände voll mit feinden zu thun hat LENZ 2, 183. rheinfränkisch ist
einfaches zacker neben zackermai ein verwunderungswort WALDBRÜHL rhingscher klaaf 221.

ZACKERMANN, m., ackermann: die dünge ist ein dreck, dennoch nicht unnützlich, dann ohne den hat der
zackermann nichts SCHUPPIUS 407.

ZACKERN, verb. pflügen, aus zacker gên in der sprache des späteren mittelalters entstanden, vgl. oben
zacker: arare, zackern DIEF. 44a; zackeren, arare, inarare, exarare, zackeren, das erdtreich von ersten
auffbrechen, proscindere terram, gezackert feld zum säien, arvum, seges aliquando DASYPODIUS; es ist

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auch zu wissen, das ein jegelicher ackherman sol eim amptman zu Saspach drige tage zackern im jar (das
zackern besteht aus brechen, feilgen und zu sete faren) weisth. 1, 413 (Schwarzwald); wann ein auszman
sein hubig gut zackert in der marsch zu Stroszen, so mag er reiten auf die weide daselbst, dieweil er das
hubig gut zackert 455 (zwischen Neckar, Main und Rhein, von 1484); wan die achtag ausz seint, het er
(ein nachbar) das nit gezackert, das er gefurcht hat, so mag eyn annder auch dar faren, und mag auch da
zackernn 459 (ebenda, von 1527); welcher märcker darüber (über zugewiesenes land) einen streich oder
einige forche zacker und auszrodet, soll für einen gulden von den märckern gestrafft werden 588
(zwischen Main, Rhein, Lahn, Ems von 1540);

Bd. 31, Sp. 17

die sollen ... im lenzen ½ tag und ½ tag in dem herbst saat zackern 6, 57 (Franken, von 1494); im lenzen
einen halben tag und einen halben tag in der herbstsaat zackern 59 (ebenda, von 1537); das gut dasz erste
jahr entweder durch seine gebrodte diener bawen oder umb lohn zackern laszen LENNEP lands. 2, 23 a
(von 1581); die zackernden ochsen HEROLD Ee 143a; wir ordnen und wöllen auch sonderlich, dasz die
ackerleut, so unterschiedlicher herrn bauwgüter bestandtnus -- oder auch gedingsweysz zu zackern und zu
bauwen under jren pflug annemmen, dieselben hinfüro nicht zusammen zackern, darunder, oder damit
auch die furchen und stein nit auszzackern, sonders dieselben bauwgüter aller gestalt, wie sie jnen
zugestellt worden, underschiedlich in jren furchen und steinen sollen bleyben lassen und erhalten
Frankfurter reform. 9, tit. 3, § 11; da durch solch zusammen zackern, oder sonst durch das zackern, die
alten stein uberheufflet oder verdeckt weren § 12; ein baur im dorffe Bieblisheim in der Churpfalz,
zackert etwas unfleiszig obenhin; den fragt ein vorüber reisender: bäurlin, wie zackerstu so nahe beim
himmel? der baur antwortet: herr, es ist nicht tieffer mein ZINKGREF apophth. 1 (1626), s. 374;
sprichwörtlich dჳ ufer zackern für vergebne arbeyt schöne weise klugreden (1560) 89a;

darumb der bawer schlachten wolt


den jungen ochssen, der war fett,
viel sänffter er gezackert het
E. ALBERUS fab. 25, 240, s. 121 Braune;

s. abzackern, auszackern th. 1, 156. 1022. im 17. jahrh. erlischt das wort in der schriftsprache, lebt aber
mundartlich weiter am Untermain und Mittelrhein: zackern, pflügen SCHM. 22, 1080; in der Wetterau
zackern, ackern, pflügen KEHREIN 450; auch hessisch zackern, ackern VILMAR 464; von wo aus es
ganz selten in die schriftsprache wieder einzuführen versucht wird: da sah ich zackern einen pflug ohne
rosz und rinder GRIMM kinder- u. hausm. no. 158, s. 561;

laszt das scheit mich haun, laszt das land mich baun,
laszt mich zackern durchs gefild
FREILIGRATH dicht. 3, 211.

ZACKERN, verb., nennt man einen sehr steifen und kurzen trab bei den kleinen pferden JACOBSSON 8,
234a; in Hessen vom laufen eines schlechten pferdes in kurzem trabe, auch vom wackelnden schlechten
reiten, bei welchem der schlusz fehlt VILMAR 464. ein wort auf malendem grunde als iterativ gebildet,
zur interjection zack und dem verbum zacken 2 (oben sp. 14) gehörig. vgl. auch zackergaul.

ZACKERUNG, f., das zackern: zackerung, aratio DASYPODIUS.

ZACKICHT,ZACKIG, adj. und adv., mit zacken versehen.

1) die ältere form zackicht ist seit dem 16. jahrh. bezeugt, aber unzweifelhaft älter: zackicht, ramosus,
zackichte hirschgeweihe, cornua ramosa, zackichte blätter, folia multifida STIELER 2601; zackicht,
denticulatus STEINBACH 2, 1063; ich hätte das mädchen nicht erreicht, wenn nicht ein zackichter
dornbusch sich in sein fliegend gewand gewickelt hätte GESSNER schriften (1777/78) 1, 126; zackicht,

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von mineralien in zackenform JACOBSSON 8, 234a; zackichte hacke, beim gärtner ebenda; ich will euch
die zackichte sporen ins fleisch hauen SCHILLER 2, 77 (räuber 2, 2);

es (das band) war zween finger breit, und zackicht an den seiten
GELLERT 3, 443;

vergeblich schwingt er (der drache) die zackichte zunge,


hebt vergeblich den blutigen kamm
WIELAND I 3, 112 akad. (Cyrus 2, 239).

mit nebenformen: umgelautet zäckicht, denticulatus, zäckichte blätter, denticulata folia HEDERICH
(1729) 2712. mit verlust des h der ableitungssilbe:

die hörner aber hielt er (der hirsch) fürs best,


die waren zacket wie tannen äszt
B. WALDIS 1, 69 Kurz (b. 1, fab. 36);

vgl. auch fünfzäcket aus fünfzäckicht th. 4, 1, 579; die im 18. jahrh. hervortretende form zackigt bereitet
auf zackig vor: die aufgeschürzte bauermagd mit blutdurchströmeten

Bd. 31, Sp. 18

wangen, und derben sich zeigenden waden, wie sie am abgespannten leiterwagen stehet, mit zackigter
gabel den mist darauf zu schlagen LESSING 6, 11;

wo der melancholsche wacholder die zackigten zweige


nach dem weiblichen baume mahlerisch traurig herabhängt
ZACHARIAE tageszeiten (1757) s. 73;

am graben des schlosses stehn heilige linden


mit den dicken waldichten wipfeln bei zackigten tannen
MURNER in der hölle (1757) s. 38;

folget mir, ruft Araspes, und stöszt den zackigten wurfspiesz


in die gurgel des nächsten
WIELAND I 3, 113 akad. (Cyrus 2, 289).

2) seit dem 18. jahrh. hat sich zackig allein festgesetzt; FRISCH schon führt es allein auf: zackig,
denticulatus 2, 462c, und auch ADELUNG erwähnt keines zackicht mehr. es steht nach dem sinne des
subst. zacke und namentlich nach dessen plural (oben sp. 12): zackiges eisen; zackige sporen; eine
dreyzackige gabel ADELUNG; wir ritten eine viertelstunde lang an trümmern nach trümmern vorbei, ehe
wir zur herberge kamen, die, in diesem ganzen revier allein wieder aufgebaut, aus den fenstern des obern
stocks nur eine zackige ruinenwüste übersehen liesz GÖTHE 31, 204 Weim.;

und dort die mauer, zackig einst umzinnt


FREILIGRATH dichtungen 2, 139;

wer sollte ... wohl denken, dasz diese starren äste, diese zackigen zweige (eines fruchtbaums im winter)
im nächsten frühjahr wieder grünen, blühen, sodann früchte tragen könnten! GÖTHE 24, 228 Weim.; das
zackige laub hielt noch seine leichten ätherischen tropfen fest J. PAUL 15--18, 167 (Titan);

da die wasserfälle
brausten durch schroffe klippen
und durch zackige tannen

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RÜCKERT 69;

des meeres arme sind die zackigen korallen


FREILIGRATH dicht. 1, 102;

wie im zackigen blitz fuhr die reihe ihrer freuden und leiden schnell vor ihrer seele vorbei GÖTHE 20, 274
Weim.;

der donner könnte besser klappen (auf dem theater),


zu wenig zackig ist der blitz
PLATEN 65a;

des blitzes dünne zackige fäden


FREILIGRATH dicht. 4, 77;

an jenen zackigen felsgipfeln hing er (schnee) noch vom winter her GÖTHE 29, 116 Weim.; nur noch die
zackige mauerkrone aus den goldstufen der gletscherspitzen glühte über ausgelöschten wolken J. PAUL
15--18, 27 (Titan); ein blitz fuhr über sein ernstes gesicht wie über ein zackiges gebirge 310; jenseits
erhebt sich der Pilatus mit zackigem haupt MOLTKE 5, 10; (ein städtchen) liegt am fusz einer schmalen
reihe von zackigen bergen 8, 224;

auch von des höchsten gebirgs beeisten zackigen gipfeln


schwindet purpur und glanz scheidender sonne hinweg
GÖTHE 1, 281 Weim.;

rings auch entblöszte die haut der zackige stein (feldstein)


Ilias 5, 308;

dann schmettert mich leicht an den zackigen meerfels


raffend die mächtige wog'
Odyss. 5, 415;

zerschellt hätt' er (der cyklop) allen das haupt und des schiffes gebälk auch
unter dem zackigen felsengeschosz! so weisz er zu schleudern!
9, 499;

ich erlebte einmal auf dem meer einen sturm, wo das ganze wasser sich wüthend und zackig und
schäumend aufrisz und durcheinander warf J. PAUL 15--18, 405 (Titan); zackige verzierungen an
kleidern, geräten; von wegen: aus dem grünen netze der von wegen zackig durchschnittenen weingärten
ARNIM 1, 404; übertragen: kein körper-bild kann ... den gerade und zackig gehenden völkergeist
vorbilden J. PAUL 35, 13; von menschen, in bezug auf inneres und benehmen: ein wilder, zackiger doktor
24--26, 186 (Katzenbergers badereise); ein geradsinniger mann, etwas schroff im auftreten, zackig und
abstoszend von auszen, aber im inneren lauteres gold E. WILLKOMM die familie Ammer 566;
eigenthümlich von tönen, die unverbunden hervorgestoszen werden:

so weit war ich gekommen, da drang aus dem nächsten gebüsche


hinter mir nachtigallschlag herrlich auf einmal hervor,
troff wie honig durch das gezweig und sprühte wie feuer
zackige töne
MÖRIKE 1, 140.

Bd. 31, Sp. 19

ZÄCKLEIN, n., kleine zacke; zäcklein, gezackter besatz an weiblicher kleidung frauenz. lex. (1715)

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2153; vgl. zäckchen.

ZACKMOTTE, f., eine art nachtmotten, phalaena geometra erosata NEMNICH wb.

ZACKUNG, f. 1) nach dem verbum zacken 1: die scharfe zackung eines felsens; vgl. auszackung th. 1,
1022. 2) nach zacken 2: zackung, stimulatio, exagitatio, vexatio, sollicitatio STIELER 2600; vgl.
durchzackung th. 2, 1716.

ZADDER, subst. s. zadel 2.

ZADE, f., für mutterschaf, ovis matrix, als mundartliches wort ohne nähere angabe des dialects
angeführt bei SCHOTTEL 1446; RÄDLEIN (1711) 1080b; STEINBACH 2, 1063; FRISCH 2, 462c. es ist
wohl mitteldeutsch und aus einem lockrufe hervorgebildet, wie ähnliche bei NEMNICH 4, 819
aufgeführte benennungen; vgl. kippe, kibbe 1, th. 5, 783; schibbe th. 8, 2633; schilke th. 9, 146.

ZADEL, m.

1) fehler, mangel, gebrechen; ein nur hochdeutsches wort, ahd. als zadal oder zâdal (über stammhaftes
a oder â vgl. MÜLLENHOFF-SCHERER denkm.3 2, 442) mit den verbalbildungen zâdalôn und
firzâdalôn nicht unhäufig bezeugtes wort (GRAFF 5, 639), ebenso gewöhnlich in mhd. quellen als zadel
oder zâdel, noch bis zum 16. jahrhundert in oberdeutschen schriftquellen, auch als zodel (nachwirkung
der länge des stammvocals, s. den beleg nachher) erscheinend, um nachher völlig zu verschwinden; nur
im schwäbischen zadel, zaudel, zaundel, mangel (SCHM. 22, 1085; SCHMID 541) ist sein mundartliches
fortleben bezeugt. das verhältnisz zu dem erst mhd. auftauchenden tadel wird th. 11 sp. 8 berührt; es ist,
wie die herkunft und ursprüngliche bedeutung beider wörter, durchaus ungeklärt, und auch die von
KLUGE5 371 vorgetragene meinung, dasz tadel die niederdeutsche entsprechung von zadel und aus
niederdeutschen gebieten vorgedrungen sei, kann als gesichert nicht gelten. penuria, hunger, zadel, vel
mangel, vel abgang DIEF. 424a; gib mir, ... gedultigklich mitt jnen ze tragen allen mangel und zadl in
zeytlichen dingen herzmaner 30b; verfolgung, zadel, arbeyt und mwe dye du (Maria) gnetigklich mit jme
(Christus) geduldet hast 150b; wie die veter und brüeder ... keinen zadel, sunder aller rat mit proviant und
anderm überflüsziglich gehabt haben d. städtechr. 11, 721, 7 (variante mangel); (Karl III sei) zů solcher
dürfftigkeit, zadel und mangel kummen, das er von dem reich, von seinem adel sey geworffen worden S.
FRANCK chronica 1531 171a (in andern exemplaren dieses druckes ist für zadel n o t eingesetzt
worden); aus dem überflusz ist gemeinlich mangel und z o d e l l entsprungen HÖNIGER narrensch. 3b;

sô muoჳ ich den zadel


an disen mærn vermîden,
ob ich niht wil lîden
spotlîches schelten
OTTOKAR 66;

sînen amtliuten
der furste hieჳ bediuten,
daჳ si daჳ westen,
ob er zadel oder gebresten
an deheinen dingen lit,
sîn zorn si niht vermit
67806;

gott machts nach sinem willen


wie es im gfalt,
er kan den zadel stillen

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mit sinem gwalt


UHLAND volksl. 897, 4;

pald ich (ein tauber) fleug zu aim lautern pach,


ich mich wider quidledig mach
von deinem (der pfütze) unflat, darmit du mich
vermailigt hast unschüeldiclich.
denn hab ich wider meinen adel,
auch an meiner schon kein zadel,
und pin deines unflads entladen
H. SACHS fab. 2, 95, 62 Götze;

ein schneider in der stat Straspurg sas,


der ain perüempter maister was,
der guete kundschaft het ân zadel (es mangelte ihm nicht an kundschaft)
pey den thumherren und dem adel
472, 3;

der dewffel sprach: den (sack mit geld) wil ich geben,
daran soltu haben kain zadel
533, 35;

ich würt haben mangel und zadel


an allen scheczen in der welt
534, 84;

nimb heindt vergut in meinem stadel,


an hew und stro hab keinen zadel,
da grab dich ein, und hab dein ru
fastn. sp. 2, 143, 66 Götze;

Bd. 31, Sp. 20

das kloster hat grosze auffritt (besuche zu pferde)


beydes von knechten und vom adel
den alten lest man keinen zatel (lies zadel)
weder von futter, speisz noch tranck
J. AYRER 103a (2856, 4 Keller).

2) ob ein anderes zadel in dem allgemeinen sinne des zerfaserten, faserigen und so hangenden, das in
mehrere bedeutungsschattierungen verläuft, zu dem vorigen in enger beziehung steht, musz so lange
dahin gestellt bleiben, als die etymologischen verhältnisse dunkel sind: corruptell snitzen an dem rock,
zadel neben zoden, zot an dem klayde DIEF. 153; blüthenkätzchen: iuli, die zadeln oder zaseln an den
baumen, ehe sie blüen ALBERUS Ee 3b. in der Oberpfalz heiszt zadel der fehlerhafte faden oder wurm,
der sich vom schleifen an der schneide eines instruments gebildet hat und noch weggewetzt werden musz
SCHM. 22, 1085; in Tirol ist zåder der sehnige, faserichte theil des fleisches SCHÖPF 823, der in der
gegend von Berlin zadder heisst. dazu zaddrig, sehnig BRENDICKE 194b, zadderig, auseinandergezerrt,
vom fleisch, das lappig ist KLEEMANN 25c. s. auch unter zotte.

ZADENFLEISCH, n., fleisch von einer zade (sp. 19), einem mutterschafe RÄDLEIN (1711) 1081a.

ZAFEN, verb., ziehen, pflegen, schmücken; ein sonst nur im mhd. als zâfen, in mitteldeutschen quellen

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als zofen, zôfen erscheinendes wort, vereinzelt dastehend und der sichern anknüpfung an andere
wortbildungen entbehrend; in der bedeutung des intransitiven ziehens, dahinziehens:

(er) ouch kegn Garten zofte


want er nu lîchtlich hofte
nemin dâ daჳ huis gewunnen
JEROSCHIN 22996;

darümb solt ir zierlich her zaffen (: strafen)


fastn. sp. 670, 13;

des transitiven ziehens, aufziehens, erziehens, auch pflegens:

wer nesseln zafft,


und gilgen strafft,
der wil das gertlîn sto̔ren gar
O. VON WOLKENSTEIN 69, 1, 11;

und wie wir unserer kinder walten,


wie wir sie leren, zaffen und ziehen
H. SACHS 3, 1, 243b;

dasz du das wintzig stäudlein ... offt begiessest und zaffest GUARINONIUS grewel der verwüstung 146;
an guten feuchten gezafften erdrich 1015; auch des strafenden erziehens:

so dich darumb das alter strafft,


ermont, lehrt, züchtigt, zeucht und zafft
1, 368c;

gern in den sinn des schmückens, putzens übergegangen: die zogen da hen mit grôჳir trocht, rîchlich mit
vele volks, wol gezoft KÖDIZ 13, 21;

dâ wart vil maneger frouwen lîp


gezâfet verre deste baჳ
Biterolf 6793;

'gein wem sol ich mich zâfen?'


sô redete ein maget.
'die tumben sint entslâfen,
ich bin verzaget'
NEIDHART 16, 6;

het ich als wol der weil als jr,


wolt mich an zweyfel baser zaffen (spricht die magd zur frau)
H. SACHS 1, 512a;

teglich sie sich ziert preist und butzt,


vor dem spiegel streicht, zafft und mutzt
521a;

zaffen, zieren voc. von 1618 bei SCHM. 22, 1086. mundartliches zäfeln und zöfeln zaudern (hinziehen)
ebenda 1087 scheint zu dem worte zu gehören. vgl. zofe. dazu zafung, f.: auf die zaffung und kamplung
jrer bärt GUARINONIUS grewel der verwüstung 1285.

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ZAFFRA, f., nebenform zu safflor, s. th. 8, sp. 1635: die zaffra oder blaue schmalte BECHER närrische
weisheit (1692) s. 37.

ZAG, adj., feige, unentschlossen.

1) das wort findet sich blosz im hochdeutschen, ohne dasz in den andern germanischen sprachen auch
nur etwas entfernt entsprechendes vorhanden wäre: ahd. vorwiegend als schelte für einen im kampfe
feigen, ignavi zagun, zagin, zagen, zagan STEINMEYER gloss. 1, 416, 33 f. (nach 2 reg. 3, 33 nequaquam
ut mori solent ignavi, mortuus est Abner); pavidus zaga 2, 62, 7; vane du zago! 669, 30; inhabiles milicieʚ
zagen 713, 25; sichtbar nur als schw. masc.; und wenn dazu wie am adjectiv steigerungsformen
erscheinen: wâre ieht natûrlîches kuotes an

Bd. 31, Sp. 21

hêrskefte unde gewalte, sô ne bechâmin nio dien zagôsten (numquam pessimis provenirent) NOTKER 1,
105, 24 Piper; sîd tie zagôsten ze ambahten choment (pessimos plerumque fungi dignitatibus) 31, so liegt
dieselbe erscheinung wie beim subst. feind vor, vgl. th. 3, 1458. erst später entwickelt sich zag zu einem
vollen, attributiv und prädicativ stehenden adjectiv (unten 4). unter solchen umständen dürfen wir wohl
in dem worte eine in früher althochdeutscher zeit erfolgte fremde einführung sehen, und J. GRIMM
wird im rechte sein, wenn er rechtsalterth. 644 slavischen ursprung annimmt und russ. zajatz, böhm.
zagic hase zur erklärung heranzieht; die ausgedehnte feindliche berührung von Slaven und Deutschen
namentlich seit dem 7. jahrhundert hat die fremde bildung als schimpfwort für einen kriegerisch
untüchtigen entstehen lassen und das niederdeutsche hat sie als tzage, sage aus hochdeutschem munde
übernommen, vgl. SCHILLER-LÜBBEN 4, 10a.

2) in solcher bedeutung wird das wort vorwiegend noch im mhd. und darüber hinaus gebraucht: nû
wiჳჳet ir wol daჳ eჳ ein schentlich wort ist, der zuo eim andern sprichet: dû bist ein rehter zage! BR.
BERTHOLD 1, 55, 14;

'wer tet daჳ beste (im streite)? daჳ soltu mir sagen.'
dô sprach der bote schiere: wir heten ninder einen zagen
Nib. 225, 4;

phi, ir zagen bœse, sprach der helt guot,


wolt ir slafende uns ermordert hân?
1785, 2;

ouch wâren si niuwet zagen,


die dâ mit im vâhten,
wande sî in brâhten
in vil angestlîche nôt
Iwein 5362;

sehse er ir ze tode sluoc:


den was vehtens genuoc.
die andern wâren alle zagen:
die fluhen âne jagen
Erec 4226;

sîn slege wâren grimmeclîch,


zagen slegen (den schlägen eines feiglings) ungelîch
9253;

ich gelâჳe nimmer mînen muot

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umb sus getâniu mære:


ein zage ich danne wære
Meier Helmbrecht 590;

sie sûchten brucken noch den steg,


und vlohen rechte als die zagen
livländ. reimchron. 5157;

Ulrich Cůntzelman was haubtman desselben tages, der was ain rechter zag und begieng groჳჳ schand und
laster, wann er wolt niemant zů dem fechten lauჳჳen chomen und floch d. städtechr. 4, 88, 20; si wolden
es im veld mitainander ausz tragen mit slegen oder mit stichen und welcher sein ab gieng wer ain zag 10,
375, 6;

und ist auch vil peszer, wir fliehen,


denn das wir würden zu tod erschlagen.
wer wil uns darumb haiszen zagen?
fastn. sp. 637, 33;

für ein warheit, so sag ich, das


der degen über drei gut spann
nit het. damit der teurlich man
wolt haben dasselb grosze schwein
gefangen in dem holz allein:
darbei ein ieder denken mag
ob sich der gleichen sach ein zag
het dürfen zu tun understan
Teuerdank 19, 78, s. 47 Goedeke;

das allen zagen vor jm grauszt


J. V. SCHWARTZENBERG 153a (kummertrost);

vil ander zagen leyden spot


153d;

in diesem sinne und gebrauche ist das wort im 17. jahrh. verschollen, wird aber im 18. dichterisch
erneuert:

fürwahr! ein zage wär ich und ein tropf


zu schelten, so ich dir in allem, was
nur dir behaget, wiche!
BÜRGER 145b (Ilias 1, 411);

vermeid ich, wie ein zage, das gefecht


174a (6, 567);

götter, fürwahr, wol bleib ich ein zag' auf immer und weichling
VOSS Odyss. 21, 131.

3) verschiebung des sinnes tritt bei dem im mhd. viel verwendeten worte ein, wenn es nicht sowohl für
den feigling im kampfe, als für einen im allgemeinen scheuen, unentschlossenen gebraucht wird,
besonders einen mit gaben zurückhaltenden, im gegensatz zu milde; auch hier noch mit betonung des
schimpflichen:

Bd. 31, Sp. 22

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lêre was er undertân,


und milte des er mohte hân,
genendic swâ er solde,
ein zage swâ er wolde,
den kinden ze mâჳe
ûf der wîsen strâჳe
Gregor. 1252;

nû rich uns beiden, got, diu leit, diu wir ân alle schulde tragen,
den biderben man an bœsem wîbe, unt mich an tugende lôsen argen zagen
minnes. 2, 233, 5 Hagen;

auch mit näherer bestimmung durch einen gen. unter andeutung des gegensatzes:

wan seit, der vierde sî ein degen


des lîbes, und ein arger zage des guotes
ebenda 231, III, 2;

und sonst im sinne eines kargen:

zwâre, habent sî wâr geseit,


sô bin ich gar ein ellens (ms. ellender) zage
HARTMANN zweites büchlein 497;

bis ins 16. jahrhundert:

der tugent bistu schier ain zag


SCHWARTZENBERG 157c (kummertrost);

der gen. durch präposition ersetzt:

und wer inn tugend ist ain zag,


kain ewig ehr erwerben mag
104a;

trinkerwitz hat die redensart eines zage sein geschaffen, für einen, der im wetttrinken nicht mitkommt,
unterliegt: wir Teutschen haben die art, das keiner des andern zag im trinken gemacht wil sein WICKRAM
die bücher Vinc. Obsopei von der kunst zu trinken (1537) ija;

darnach so gat es an die rieman,


und wil des andern zag sein nieman.
wie vil man trinkt, sicht yeder uff
und ziehent dann das schutzbrett uff
MURNER schelmenzunft 46, 33, s. 63 Matthias;

mein tag kein zag


bein gsellen was, darbei ich sasz
Garg. 148 neudr.

4) die ausbildung des wortes zu einem vollen adjectiv in attributiver und prädicativer anwendung
vollzieht sich erst seit dem mhd.:

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bî wîser lêre unwîsiu tât,


bi krefte ein zager muot
minnes. 2, 397, 8 Hagen;

und ist im frühen nhd. beschlossen: zag, forchtsam, pavi dus, ignavus, timidus, murcus, murcidus
DASYP.; zag, nit kriegbar, forchtsam, imbellis, ignavus, pavidus, fractus animo, murcus, murcidus
MAALER 511d; zag pavidus SCHOTTEL 1446; (die Syrier) sind sonsten, wie wohl ein zag, jedoch ein
heymlich dückisch volck S. FRANCK weltbuch (1567) 138a; der has ein zag, forchtsam und flüchtig thier,
wirt gar sälten heimisch gemacht FORER thierb. (1583) 70a; (sie möchte) mich für einen zagen und
feigen mann ausschreien HARSDÖRFFER schauplatz lust- u- lehrreicher gesch. (1650) 190;

er ist ein schlechter zager mann


J. AYRER 60a (313, 8 Keller);

wi lang můs noch di sele mein


viel ratschlagen in sorg und pein,
unt mein zags hertz sich engsten teglich?
MELISSUS ps. G 2b (sp. 13, 2);
besonders als zag sein, werden, einen zag machen: wenn einer dem andern verweisen will, das er zag ist,
so spricht man zů jm: du hast ein hasenherz KEISERSBERG häslein (1510) A a 2a; du must aber nicht so
kleinmütig und zage sein, sondern denken, das Christus nahe ist und hilfft dir dein ubel tragen LUTHER 6,
529b (496a); denn es ist unmüglich, dasz böse gewissen nicht sollten feig und zag machen briefe 3, 142;
Saul aber war noch zu Gilgal, und alles volck ward hinder jm zag 1 Sam. 13, 7; wie sie so zag weren, das
sie nit streiten dürften CARBACH Livius 40; sein seel ist zag, sein herz ist schwer DIEF.-WÜLCKER 910a
(von 1585);

am rechten seind sie worden zag,


drum henken sie mir heimlich nach
HUTTEN 5, 86 Münch;

nach lieb thut jhr viel singen,


macht manchen zag,
bey nacht und tag
Ambraser liederb. 181, 28;

aber auch dieser gebrauch erlischt seit dem späteren 17. jahrh. so vollständig, dasz STIELER und
STEINBACH zag

Bd. 31, Sp. 23

überhaupt nicht mehr, sondern statt dessen nur die ableitung zaghaft aufführen, ADELUNG es als ein
'ehedem' gebrauchtes adverbium und adjectivum für zaghaft bezeichnet.

5) CAMPE verzeichnet das wort wieder als zu seiner zeit gebraucht, wenn er auch zaghaft noch als
'gewöhnlicher' angibt. die neubelebung ist nicht ohne bedeutende verschiebung des sinnes vor sich
gegangen, insofern die vorstellung des feigen und unkriegerischen geschwunden ist und der milderen
des scheuen, ängstlichen, unentschlossenen, vor handeln und zugreifen bangen platz gemacht hat. es ist
nur wort der gewählten und dichterischen sprache, indem zaghaft der gewöhnlichen rede zufällt, und
wird gebraucht von menschen und lebewesen überhaupt: der grosze Haroun kennt die furcht kleiner,
zager geister nicht KLINGER 5, 204; mit wohlgefallen sah frau Hadwig auf ihn; es war nicht mehr der
zage lehrer der grammatik SCHEFFEL Ekkehard (1888) s. 172;

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wie wird es doch das kleine zage häuflein


umzingeln und erdrücken
TIECK 2, 30;

als du ein kind noch, zart und zag,


das hilflos in der wiege lag
WOLFF landsknecht von Cochem 314;

um rosenbüsche weiden zage rehe


quelle bei CAMPE;

'was strickst du fischer?'netz dem fisch, dem zagen


RÜCKERT ged. 124;

von körpertheilen und entsprechenden handlungen: er hielt ... mit zagen händen seinen flach gerollten
hut auf dem schosze G. KELLER sinnged. 270;

dasz eines mädchens zage hand mit blumen


als könig dieses landes dich bekröne!
UHLAND ged. (1864) s. 183;

sie trat mit zagem schritte


wohl zum Mariabild
195;

adverbial:

als stünd mit seiner sense der tod leibhaft im streit,


so schauten ihn zag die feinde bei seiner blutarbeit
SCHEFFEL Waltharilied v. 156;

da bin ich stets beim abendrot


allein im feld zu finden,
da brech' ich zag mein stücklein brot
und denk an meine sünden
G. KELLER 9, 64;

in substantiver stellung, unterschieden von oben 2: ich glaube, die stunde meiner befreiung nahet, sagte
er. wo hätte ich zager sonst den muth genommen, das haupt zu erheben und meinen herrn und könig zu
erzürnen! C. F. MEYER d. heilige s. 194; sprichwörtlich: zage haben kein glück. ein zager legt
nimmermehr ehr ein. es wird kein zager ein kaufherr SIMROCK sprichw. s. 652.

ZAG, m., handlung des zagens; ein im 16. jahrh. erscheinendes, später nicht mehr vorkommendes wort:
wenn ich denn solchen zag und flucht des liechts spüre, wie kan ich mich fürchten für den blinden
maulwörffen, die das liecht schewen? LUTHER 1, 425a (373a); et hoc cogitemus, wenn der zagh her
khomen, ut ex corde dicere possimus; ego peccavi 27, 73, 19 Weim.; dasz ichs aus keinem zag gethan hab
briefe 2, 139;

damit sie (die pfaffen in der beichte) denn die armen gwissen
nicht bawten, sondern mehr zerrissen,
das mancher auch vor groszem zag
also gieng hin beid, jar und tag,
das er beid, beicht und sacrament
veracht, auch seinen gott nit kent

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B. WALDIS Esop 4, 36, 9.

ZAGE, f., eigenschaft eines zagen, furcht, scheu: die zage, zagheit, micropsychia, ignavia, pavor
MAALER 511d.

ZAGEL, m., schwanz u. ä.

1) das wort ist in einiger verschiedenheit des sinnes von alters her über die meisten germanischen
sprachen verbreitet; gothisch als neutrum tagl einzelnes haar, altnord. tagl pferdeschwanz, schwedisch
tagel pferdehaar der mähne und des schweifes, norwegisch tagl pferdehaar; ags. tägl schwanz, engl. tail;
ahd. zagal schwanz, plur. zagela, mhd. zagel, plur. zagele und zegel; im altniederdeutschen fehlt
auffallenderweise das wort, im mittelniederdeutschen wird es in der form tzagel und sagel aus dem
hochdeutschen entlehnt, vgl. SCHILLER-

Bd. 31, Sp. 24

LÜBBEN 4, 10; cauda saghel vel stert DIEF. 108a; cauda stert, saghel nov. glossar. 61a, doch ist später
in mundartlichen nd. wörterbüchern ein tagel als geflochtener prügel von riemen oder stricken oder
ende vom strick zum prügeln aufgeführt RICHEY 303; brem. wb. 5, 4; DÄHNERT 483a; SCHÜTZE 4,
243 und FRISCHBIER preusz. wörterb. 2, 390b kennen nd. tagel neben seiner eigentlichen bedeutung
schwanz als getrocknete ochsenruthe zum prügeln, ferner peitsche und strick; so dasz hier eine spätere
umformung des hochdeutschen wortes ins niederdeutsche vorliegen wird. alle bedeutungen treffen in
der ursprünglichen vorstellung des herabhängenden haarbüschels zusammen (nur das goth. hat den
begriff vereinzelt), und daher hat die zusammenstellung mit altindisch daça die am ende eines gewebes
hervorragenden zettelfäden, franzen, verbrämung eines gewandes, lampendocht, die zuerst FICK und
nach ihm UHLENBECK etymol. wörterb. der goth. sprache (1900) s. 144b vertraten, viel
wahrscheinlichkeit für sich.

2) ausgebreitete verwendung hat das wort, wie noch jetzt im englischen, so bei uns im mhd. gefunden,
wo es in eigentlicher und mannigfacher bildlicher bedeutung steht. mit dem 15. jahrh. beginnt es
seltener zu werden und für den schriftgebrauch langsam abzusterben, dergestalt dasz es in den
wörterbüchern bis auf STIELER noch als lebendig angeführt, aber von STEINBACH gar nicht mehr,
von FRISCH nur aus gelehrter kenntnisz erwähnt wird, während ADELUNG es als provincielles, im
hochdeutschen unbekanntes wort bezeichnet. der mundartliche gebrauch geht gleichfalls zurück, auch
hier wird es für einzelne gegenden des oberdeutschen als veraltet gekennzeichnet (SCHM. 22, 1089.
FROMM. 1, 263); doch lebt es immer noch so kräftig, dasz in einzelnen fällen seine anwendung selbst
bis auf die heutige schriftsprache ausstrahlt (vgl. 3); in voller form als zagkel, zagel SCHÖPF tirol.
idiotikon 824, zaggl LEXER kärnt. wörterb. 262a; siebenbürgisch-sächsisch zôgel FROMM. 5, 39, 26; als
provincialwort zagel cauda NEMNICH 2, 918; in den hochdeutschen mundarten Preuszens zagel, dem.
zagelchen FRISCHBIER preusz. wörterbuch 2, 485b; häufiger mit innerer zerrüttung, nordfränkisch zäl,
zöl, auf der Rhön zael SCHM. a. a. o.; hessisch zâl, zael VILMAR 464; thüringisch zaul: der zagel, quod
Thuringi mei zaul appellant, cauda STIELER 2601; zahl, plur. zähle, cauda, mit dem zahle wackeln,
caudam agere STEINBACH 2, 1064; schlesisch zagel, zâl, zôl WEINHOLD 107a; meine lusche (eine
hündin)! ... se wedelte su mit em zahle, wen ich hem kam aus der stodt A. GRYPHIUS verliebtes gespenst
(erster druck) 11; eine zerrüttung, die sich bereits in formen des 14. bis 16. jahrh. zeigt: einen valen
ossen mit ufgerachten hornern und mit einem zindelichen (zottigen) zeile weisth. 6, 396 (zwischen Neckar,
Main und Rhein von 1338); rauch wie eyn hund mit eynem langen zähle NIGRINUS papist. inquisition
650; die nater, die vorn zungelt und hinden mit irem zal die virgift guszet d. städtechr. 17, 171, 16; cauda
zale, zeyl, czelle DIEF. 108a; penis eyn perdes zale 422c. vgl. auch unter zagelholz, zagelmeise,
zagelvieh.

3) die eigentliche bedeutung hat sich seit dem ahd. derart erweitert, dasz zagel nicht nur den behaarten

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schwanz von säugethieren, sondern, ohne rücksicht auf haarwuchs, auch den jedes thieres, der vögel,
amphibien und fische bezeichnet: so ser (der löwe) gât in demo walde un er de jagere gestincit, so
vertiligôt er daჳ spor mit sînemo zagele MÜLLENHOFF und SCHERER denkm. 2 1262, (1, 7); ter aspis
trucchit ein ôra an die erda, in daჳ ander stôჳit ir den zagel NOTKER ps. 13, 3; sô diu serra dehein scef
gisihit in dem mere flieჳen, so vert siu dare und spreitet den zagil unt die federe, daჳ sî segelen mege
ingegen dem sceffe fundgrub. 1, 28, 17; ain iegleich tier, daჳ ainen rauhen zagel hât, daჳ hât ein klain
haupt und grôჳ kinpacken MEGENBERG 115, 15; die alstern habent kurz flügel und lang zägel 219, 21;
(der salamander) hât einen langen knodochten zagel, der ist an dem end gar smal 277, 7; (der scorpion)
hât an seim knodochten zagel ain scharf spitz, diu ist voller vergift 282, 10; eჳ wâren hie vor läut, die
heten zägel, sam man list, und ander läut, die heten hörner 493, 28; lœse in (ihnen, den aalen) abe die hût
bi dem haubte und ziuch die nider biჳ an den zagel buch von guter speise s. 7;

Bd. 31, Sp. 25

den gurren, die sie truogen hin.


den wârn die zagele under in
zesamene gevlohten,
daჳ sî niene mohten
ein ander entwîchen
Iwein 4942;

der man vârte sîn (nach dem hirsche) aver,


er erreichet im den zagel,
er sluoch in im halben abe
kaiserchron. 6875;

der fühse müeste minre sîn,


wæren die zegele guldîn
FREIDANK 138, 26;

an ieslîcher (baniere) eins grîfen zagel


Parz. 72, 21,

ûჳ eines pfâwen zagele


K. V. WÜRZBURG turnei 410;

sein rennschilt, daran was des adlers haubt gen der erd gekert und der zagel uff d. städtechr. 4, 62, 28;
streck deine hand aus und begreif iren (der schlange) zagel bibel von 1483 32a (2. Mos. 4, 4); und gieng
(Simson) und fieng dreihundert füchs und band ir zegel zu den zegeln und band fackeln in die mitte 119a
(Richter 15, 4); und sal (der frohnarbeiter zum getreideschneiden) morgens uszgeen, so die kuwe
uszgeent, und sal uszblieven bisz die kuwe den zagil weder in kerent weisth. 1, 522 (zwischen Neckar,
Main und Rhein, v. 1453); wissen, wo dem teufel der zagel hanget Bocc. 2, 110b; mit dem zagel wedeln,
caudam movere STIELER 2601; pferdes zagel cauda equina ebenda;

greifft auch bisweilen selber zu


und nempt den zagel bey der kuh (ermahnung an die eltern)
B. RINGWALDT laut. wahrh. 291;
vgl. auch kälberzagel, katzenzagel, kuhzagel th. 5, 58. 303. 2584. säuzagel 8, 1939. in neueren
schriftquellen ist das wort fast völlig schwanz gewichen (vgl. dieses 2 a α, th. 9, 2259), doch begegnet
zagel ausnahmsweise noch: du scheinst mir auch die hasen zu greifen, wenn du ihnen salz auf den zagel

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streust SUDERMANN geschwister 233;

wie der hut an einem nagel,


hing der staat an Retzow-Kleist,
wie am schwarzwild hängt der zagel --
ach, nun ist der staat verwaist!
kladderadatsch vom 4. mai 1873;

sprichwörtlich in Preuszen: komm ich über den hund, so komm ich auch über den zagel FRISCHBIER
preusz. wörterb. 2, 485.

4) übertragene bedeutung des wortes mannigfach, in älterer sprache mehr als in der neuern.

a) auf das männliche glied, penis, virga virilis SCHM. 22, 1089; preputium die voder haut an dem
czagel, hůt vornen am zagel, zageldecklin DIEF. 456a; hermaphrodita zwiddorn, als ein mensch der zagel
und fotzen hat 275c; nym ein ochssen zahell domith er kelber macht PHOLSPRUNDT Bündth-Ertznei hg.
von Haeser u. Middeldorpf (1868) 38; da hett ainer ain rosz hie, das was kain pferd oder hengst und was
auch kain stůtten. es hett kain zagel noch hoden und auch kain fůd d. städtechr. 25, 133, 16;

sein zagel ist im (dem kranken) ganz waich,


ich furcht es sei geschehen,
in im ist ganz kein leben
fastn. spr. 63, 1;

in der verkleinerungsform, mhd. zegellîn, zegelîn: ein kurz zegelin (bei einem pferde) d. städtechr. 25,
133, 18; der mohel ... nimpt (bei der beschneidung) das zägelin zwey oder drey mal ins maul S. FRANCK
weltbuch (1567) 155b. als wohl hierher gehörige übernamen begegnen 1262 Růdolfus dictus Zagel und
1203 Cůnradus Zegilli SOCIN mhd. namenbuch (1903) 450b.

b) mit fasern oder büschelchen versehene pflanzentheile, z. b. wurzeln: der stain (corallus) hat ästel sam
ain hirzhorn oder sam aines krautes wurzel mit vil zägeln MEGENBERG 439, 12; pflanzen führen von
ihrer gestalt den namen katzenzagel, s. d. th. 5, 303; der grosze katzen zagel, katzenzahl, hippuris
vulgaris, schachtelhalm NEMNICH 3, 155; katzenzähl, melampyrum arvense, wachtelweizen 535;
stinkender katzenzahl chara vulgaris, wasserschaftheu 2, 1000; centiramia katzenzal DIEF. 112c.

c) wipfel eines baumes, wipfelholz: man mag hauwen (holz) ... das der (lies die) zagil in den graben
fallent weisth. 1, 524 (zwischen Neckar, Main und Rhein, von 1453);

Bd. 31, Sp. 26

item ob sach were, das die hern von s. Arnual einen baum oder mee hauwen wolten, davon soll die zegel
eines forsters sîn, und niemant anders; und soll der forster dieselben zegel in einem monde uszfuren 2, 22
(Saargegend, von 1417); in Hessen wird zâl 'hin und wieder' auch von der spitze des gefällten baumes
gebraucht VILMAR 464. im forstwesen heiszt das niedergeschlagene unterholz, wenn es in eine lange
reihe gelegt ist, kamm oder zahl JACOBSSON 2, 343a. vgl. auch kamm 5 c, th. 5, sp. 106.

d) zagel, zagelwerk, 'in den bergwerken, das unreine was vom zwitter nach dem pochen und fleihen
gesammelt wird, retrimentum œris' FRISCH 2, 463a.

e) zagel, in den eisenhütten, 'heist das stück, oder der vierdte theil des gargemachten, und wieder
durchs feuer angefrischten teuls, so vermittelst des setzeisens und groszen schmiedehammers vom
abgewärmeten stück geschrotet worden' MINEROPHILUS (1743) 604a. JACOBSSON 4, 677b.

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f) bildlich zagel, das hinterste, letzte eines dinges, mhd. in mehrfacher anwendung, z. b. vom hintertheil
des schiffes im gegensatz zu grans, schiffsschnabel:

ze dem schiffe gehœret maneger nagel:


er hieჳ den grans und den zagel
beslahen vil vaste
MORIZ VON CRAON 670 Schröder;

auch der nachtrab eines heeres, die letzte schaar eines zuges:

si riten widere zesamene.


si wæren dâ ze dem zagele
alle gerne gewesin
ir nehein trûte genesin
Ruolantes liet 141, 34 Grimm,

auch von einem einzelnen:

er was den vînden gar ein hagel,


der erst zuo in, von in der zagel:
er was ein were den friunden sîn
U. V. LICHTENSTEIN 476, 26;

unsinnlicher auch vom ende eines zustandes:

sus lônt iedoch diu ritterschaft:


ir zagel ist jâmerstricke haft
Parz. 177, 26;

allitterierend in der verbindung zopf und zagel, als zusammenfassendes bild für alles, was an jemand ist
oder was er hat: were aber, daჳ he (ein schuldner) sturbe in dem gevencnisse geelingen oder von gotis
gewalden oder wi daჳ were, so antwerte he zop unde zagel wider und ist ledic zu rechte Freiberger
stadtrecht 5, 32, s. 66 Ermisch. in ähnlichem sinne auch noch in späteren quellen: kopff, strumpff, und
zagel daran wagen (alles) FISCHART binenk. 63a; die ihre ganze familie vom kopfe bis zum zagel in
gefahr sieht BODE Tristr. Shandy 8, 9; zagel überhaupt für ende, verlauf bis zum schlusse: in Preuszen
sprichwörtlich: die sache hat einen langen zagel, hat noch viel im gefolge, wird sich noch lange
hinziehen FRISCHBIER preusz. wörterbuch 2, 485.

5) zagel in schachzagel, verderbt aus -zabel, vgl. schachzabel th. 8, 1967.

ZAGELBEIN, n., schwanzbein, ahd. zagilbein caudistrum GRAFF 3, 130; am schlachtvieh das
schwanzstück: und sol er si (zwei schweine) denne zu hove antworten, und sol man im das zagelbein wider
geben weisth. 1, 671 (Unterelsasz, v. 1321); von allem vieh, das unter der metzg geschlachtet, das
brustbain und zaglbain quelle von 1626 bei SCHM. 22, 1089.

ZAGELDECKLEIN, n.: preputium, czagcl deckli DIEF. nov. gl. 302a. vgl. zagel 3, a.

ZÄGELEIN, n., deminutiv zu zagel: darumb beklagt sich der lib heilig, das noch auf den heutigen tag alle
die knaben, die in dem dorf geboren werden, schwenzlein, das sie zegelein nennen, ob dem hindern an der
wurzln an die welt bringen WILWOLT V. SCHAUMBURG 98 Keller. vgl. auch zagel 3, a.

ZAGELGEÄDER, n.: so wissen von dem zagelgeäder, so dasselbig verwundt wird, wie weit sein
schmertzen gehn mag PARACELSUS chir. schr. 526a. vgl. zagel 3, a.

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ZAGELHOLZ, n., wipfelholz (vgl. zagel 3, c sp. 23) und afterzagel th. 1, 189); in zusammengezogener
form: do wart ouch ufgesetzet des selben jores, in welem kouffe men solte das bürneholtz geben, zaleholtz
und wellen d. städtechr. 9, 865, 22.

Bd. 31, Sp. 27

ZAGELMEISE, f., schwanzmeise: parus caudatus, schwanzmeise, zagelmeise, zahlmeise NEMNICH 4,


868; auch im deminutiv zagelmeislein SCHM. 22, 1089;

die zaglmaisz tanzt mit dem rothschertz,


die haubellerch mit dem plickstertz
H. SACHS 1, 426c.

ZAGELMÖNCH, m., düring. der gartenrotschwanz, ruticilla phoenicurus: zâlmynich HERTEL thür.
sprachsch. 261.

ZAGELN, verb., den schwanz bewegen, schwänzeln, wedeln, mhd. zageln, zegeln in weifzageln und
wendezageln, s. d.; in Preuszen zageln schwänzeln, wedeln, auch viel hin und her gehen oder laufen: er
zagelt in einem weg FRISCHBIER preusz. wörterb. 2, 485b; herum zageln, zwecklos sich umhertreiben,
nachzageln, nachlaufen 486a. FRISCH 2, 463a verzeichnet umgelautetes zägeln als fränkisch für: die
füsze geschwind bewegen, mit der deutung ut timidi solent.

ZAGELSTEIN, m., landschaftlich bei fischern der stein, der den zagel, das ende des schleppnetzes auf
dem grunde erhält: zahlstein ADELUNG.

ZAGELVIEH, n., schwanzvieh, bezeichnung für rinder und pferde, mhd. zagelvihe:

der feind ist auch bey uns gewösa,


hot den edle weinstock ogelesa,
hot den fruchtbare korn-baum ogehiba,
hots zägelevieh wög getriba
MOSCHEROSCH Phil. (1646) 3, 248.

ZAGELWINTER, m., düring. nachwinter: zâlwèinder HERTEL thür. sprachsch. 261.

ZAGELWUNDE, f.; was dazwischen geletzt wird, dasselbig ist alles zagel wunden PARACELSUS chir.
schr. 526a. vgl. zagel 3 a.

ZAGELWURM, m., düring. schwanzwurm, eine viehkrankheit: zâilwùrm HERTEL thür. sprachsch. 261.

ZAGEMUT, f., mens formidine lapsa, fracta STIELER 1299. vgl. zagmütig.

ZAGEN, verb., ein zage, feiger sein; ahd. zagên in arzagên GRAFF 5, 583, vgl. auch erzagen th. 3, 1076,
mhd. zagen, hier noch als einfaches wort selten; wie es auch nhd. sich gegen verzagen in die gewählte
oder dichterische sprache zurückzieht (vgl. dazu unter zag 5). der mhd. mehr hervortretende äuszerliche
sinn des zurückhaltens, zögerns:

die der vluht vergâჳen,


die wurden âne zagen
alle meisteil erslagen
Iwein 3745,

wandelt sich seit den frühen zeiten des nhd. zum bloszen ausdruck einer seelenstimmung: zagen pavere,
timere SCHOTTEL 1446; zagen pavere, timere, horrere, metuere, perhorrescere, extimescere aliquid

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STIELER 2592; ich zage, abjicio animum, animo frangor STEINBACH 2, 1063; zagen, desperatione
trepidare, desperatione torpere, despondisse animum, abjicere animum, non audere FRISCH 2, 463a. es
steht:

1) absolut: und der herr sprach zu Josua, fürchte dich nicht, und zage nicht Jos. 8, 1; sey getrost und
unverzagt, fürcht dich nicht und zage nicht 1 chron. 23, 13; merk auff mich, und erhöre mich, wie ich so
kleglich zage und heule ps. 55, 3; und nam zu sich Petrum, und die zween söne Zebedei, und fing an zu
trawren und zu zagen Matth. 26, 37; auff erden wird den leuten bange sein, und werden zagen Luc. 21,
25; rarae sunt masculae mulieres, communiter infirmae, zagen leichtlich LUTHER 25, 46, 13 Weim.; ein
wenig zagen, subtimere, trepidare, inhorrescere, metum concipere STIELER 2592; heimlich zagen, metu
mussitare, metu suspensum esse ebenda; 'lasz sehen, was du trägst', sprach der gebieterische eheherr und
risz mit ungestüm der zagenden die schürze weg MUSÄUS volksm. 1, 79 Hempel; auch die tapfersten
zagten, und eine ehrwürdige schaar im dienste grau gewordener krieger erröthete nicht, ihre besorgnisse
zu gestehen SCHILLER 8, 230;

es zittert die natur, weil ietzt ihr vater zaget (Christus am kreuze)
FLEMING 10;

wer, wann glücke blühet, trotzt, zaget auch, wann glücke bricht
LOGAU 2, 201, 35;

drum, liebes paar, zagt nicht! eilt auf beblümter spur


zum altar, weil der lenz euch locket
GOTTER 1, 81;

wer ist so feig, der jetzt noch könnte zagen!


SCHILLER 14, 388 (Tell 4, 2);

Bd. 31, Sp. 28

wie arm scheint, wie geringe,


wie wenig deiner werth,
was zagend ich dir bringe,
zu schmücken deinen herd!
FREILIGRATH dicht. 1, widmung an Deutschland;

die zwerge stehn und zagen,


und neigen das gesicht.
'wer wollte solches wagen,
wir, herre, sicher nicht!'
1, 59;

statt des persönlichen subjects ein solches der stimmung:

es ist die liebestrunkenheit,


die mich erbärmlich plagt,
von tag zu nacht, von nacht zu tag
in meinem herzen zagt
GÖTHE 6, 210 Weim.;

der krauskopf bekam befehl fortzufahren und gehorchte mit zagender bereitwilligkeit MUSÄUS volksm. 1,
59 Hempel; im gegensatz zu verzagen: ich werde zagen, aber nicht verzagen MATHESIUS Sar. 68b.

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2) zagen vor einem oder etwas: jr solt euch nicht fürchten noch zagen fur diesem groszen hauffen 2
chron. 20, 15; seid getrost und frisch, fürchtet euch nicht, und zaget nicht fur dem könige von Assur 32, 7;
warum zag ich vor dieser bohrenden spize? SCHILLER 2, 189 (räub. 5, 1);

der glücklichste hat seine plagen,


der freyste seine sklaverey;
der eine wirklich; andre zagen
vor schrecken ihrer phantasey
GOTTER 1, 225;

also taucht er zurück in die meng hochherziger Troer,


zagend vor Atreus' sohn, der göttliche held Alexandros
Ilias 3, 37;

auch in geschwächterem sinne, wie sich scheuen vor etwas: jetzt stehen in den bibliotheken ganze
gefache von altdeutschen büchern erfüllt und die verleger zagen nicht mehr vor dieser literatur J. GRIMM
vorrede zum wb., 1, s. VII.

3) seltener und nur in älterer spr. mit präp. an:

ich wil euch leren die andern künst alle,


darinnen solt ir werden klug und weis, ...
das ir ehre und lob davon sollet haben,
daran sollet ir nicht zagen
fastn. sp. 911, 3;

oder mit über: worüber zagen, afformidare aliquid, et pavidare, sive pertimescere STIELER 2592; nicht
mehr verzagen, sive worüber zagen, timorem omittere, vacuum metu esse, animo adesse ebenda.

4) zagen mit zu und infinitiv: um die grotte kam eilig ein mädchen, ein groszes tuch mit frischgemähetem
berggras auf dem rücken, ängstlich hielt sie auf der felsplatte an und zagte über den gebogenen steg zu
gehen FREYTAG verlor. handschr. 3, 299;

er (der blind gewesene) übt die blicke, die noch zagen,


der sonne feuer zu ertragen,
an örtern, wo ihr strahl gedämpft
mit braunen schatten dämmernd kämpft
GOTTER 1, 229;

wie bist du schön, du tiefer, blauer see!


es zagt der laue west, dich anzuhauchen,
und nur der wasserlilie reiner schnee
wagt schüchtern aus der stillen fluth zu tauchen
H. LEUTHOLD gedichte (1879) s. 27.

5) zagen in formelhaft allitterierender verbindung mit sinnverwandten verben: (Jesus) fieng an zu


zittern und zu zagen, und sprach zu jnen, meine seele ist betrübt, bis an den tod Marc. 14, 33; er zittert
und zagt, desperatione trepidat STEINBACH 2, 1063; wer nu in geringer fahr bald zaget und zweiffelt
LUTHER 28, 419, 37 Weim.; hebt das hertz an zu zagen und zweiveln 29, 571, 32; den soll mein arm
gleich zur leiche machen, der jemals zagt oder zweifelt, oder zurücktritt! SCHILLER 2, 48 (räuber 1, 2);
wer liesze sich nicht lieber den arm abnehmen, als dasz er durch zaudern und zagen sein leben auf's spiel
setzte? GÖTHE 19, 62 Weim.

6) der infinitiv als subst.: da rasselten der pferde füsze für dem zagen jrer mechtigen reuter richter 5, 22;
ich sprach in meinem zagen, ich bin von deinen augen verstoszen ps. 31, 23, vgl. 116, 11; wie ich solches

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in meinem zagen und tieffer not erfaren und erfunden habe MATHESIUS Sar. 4b; inwendig furcht, und
auswendig zagen, intus pavor et foris formido STIELER 2593;

Bd. 31, Sp. 29

du zauderst zu ihr zu gehen!


du fürchtest sie wieder zu sehen!
fort! dein zagen zögert den tod heran!
GÖTHE 14, 229 Weim.;

unnützes zagen! zaudern und plaudern!


237;

so trat ich in den hohen dom


mit schwankem schritt und freudgem zagen
UHLAND ged. 399;

und er sprach mit zittern und zagen, herr, was wilt du das ich thun sol? ap. gesch. 9, 6.

ZAGER, m., der da zagt; timens, pavidus, meticulosus, metu abjectus, neben zagender STIELER 2592 mit
dem fem. zagerinn, foemina exanimata, tremens.

ZAGEREI, f.:

jetzt wäre Troas heer,


durch zagerei entmannt, gen Ilion
vor der Achäer kriegeswuth entflohn
BÜRGER 170a (Ilias 6).

ZAGEWURM, m., zagheit, angst unter dem bilde eines wurmes:

hub sich ein groszer grausam sturm,


wuchsz jm (dem reichen schiffer) im hertz der zagewurm
B. WALDIS Esop 3, 51, 38.

ZAGHAFT, adj. und adv., mhd. zagehaft und zaghaft, bildung vom subst. zage sowohl in der bedeutung 2
als 3 in dem sinne: mit der art eines feigen oder muthlos zögernden versehen, das wesen eines solchen
habend; über anwendung und zeitliche verbreitung des wortes vgl. unter zag 4 und 5. zaghafft, frigens
MAALER 511d; zaghaft, timidus, metu abjectus, ignavus STEINBACH 2, 1063; von personen: ein
zaghafter mensch, homo fracti animi ebenda; zaghaffter kriegszmann, malus miles DASYPODIUS;

eჳ lêret diu gewonheit


einen zagehaften man
daჳ er getar unde kan
baჳ vehten danne ein küener degen
der es niht hât gepflegen
Iwein 6999;

her Hildebrant ze Heimen sprach:


ir sint ein zagehafter gast
Virginal 726, 13;

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wo man solch zaghaft ritter nennt


fastn. sp. 639, 10;

substantivisch: einige (nymphen) ... waren so gefällig, dasz sie ihm die schwierigkeiten zu erleichtern
suchten, die ihm seine schüchternheit (ihren gedanken nach) in den weg legte, und ihm gelegenheiten
gaben, die den zaghaftesten hätten unternehmend machen müssen WIELAND Agathon 2, 50;

wann du pist wol der aller gröszt


und solst auch disen allen stoszen ain herz ein:
so wiltu zum ersten der zaghaft sein?
fastn. sp. 637, 6;

von stimmungen, handlungen: zaghafft gemüt, fractus animus DASYP.; umsonst ... dasz ihr (der regentin)
der staatsrath nachdrückliche vorstellungen macht, durch einen so zaghaften schritt die insolenz der
rebellen nicht noch mehr aufzumuntern SCHILLER 7, 235 (gesch. des abfalls der Niederlande);

(ich) gedâht: eჳ ist ein wunder


daჳ ein gesunt starker man
sich des niht erweren kan,
im beneme ein krankeჳ wîp
bêde sinne unde lîp.
daჳ ist ein zagehafter muot;
tuo in hin, er ist niht guot
HARTMANN zweites büchlein 549;

zaghaft sein, werden, sich zaghaft gebahren, einen zaghaft machen:

si kêrt sich von mir umbe hin;


dâ von sô zaghaft wart mîn sin,
daჳ mir erstumbet an der stunt
di zunge mîn und ouch der munt
U. V. LICHTENSTEIN 34, 20;

daჳ si gar verlurn ir kraft


und gehabten vor im zagehaft
Iwein 5422;

sein hertz ware zaghafft uber der laden gottes 1. Sam. 4, 13; das feste stedte zustöret werden zu
steinhauffen, und jre einwoner geschwecht und zaghafft werden, und mit schanden bestehen Jes. 37, 27;
man sagt von dem menschlichen herzen, es sei ein trotzig und verzagtes wesen. von dem menschlichen
geiste darf man wohl ähnliches prädiciren. er ist ungeduldig und anmaszlich

Bd. 31, Sp. 30

und zugleich unsicher und zaghaft GÖTHE II, 3, 212 Weim.; einen zaghaft machen, animum alicujus
frangere STEINBACH 2, 1063;

ab jhr (von der stimme des herrn) wirt alles fleisch zaghafft
WECKHERLIN 129 (
ps. 29, 12);

was hält mich, näher zu gehn?


wer sieht mich hier durch diese hecken?
was hätt ich ursach, so zaghaft zu sein?

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WIELAND 17, 91 (n. Amad. 9, 29);

zaghaft zu etwas: pei dem weien verstên ich den sünder, der ist küen zuo allen kranken werken, ... und ist
zaghaft zuo grôჳen dingen, diu zuo den êwigen fräuden gehœrent MEGENBERG 204, 29;

dasz, im tumult der welt, die halbbetäubte seele,


nicht zaghaft zum entschlusz, die besten mittel wähle
LICHTWER 185;

adverbial: zaghaft reden, timido animo dicere STEINBACH 2, 1063; es ist wahr, sie schreibt langsam und
steif wenn man so will, doch nicht zaghaft und ungestalt GÖTHE 20, 39 Weim.; der ganze adel wich
zaghaft und unentschlossen vor diesem antrag zurück SCHILLER 7, 124;

er würde zaghaft
zurückziehn, sein geständnis widerrufen
12, 440 (M. Stuart 1, 8).

ZAGHAFTIG, adj., erweiterte form vom vorigen, mhd. zagehaftec: da gewinnen denn die propheten aller
erst zu schaffen mit dem zaghafftigem ungleubigen volcke LUTHER 3, 265a (241a); solches fänlein sol ein
schuknecht aus dem kneiphof erwischet, aufgerichtet und das zaghaftige und flüchtige volk wiederum
zurückgebracht haben HENNENBERGER Preuszen 404; zaghaftiger mensch, homo levis armaturae,
instrenuus, auricula infima mollior, animus abjectus, jejunus, angustus STIELER 2593;

eჳ getörste ein zagehaftec man


niemer mêr gesehen an
daჳ vehten daჳ sî tâten
Virginal 54, 1.

zaghaftig sein, werden: daჳ si deste zagehaftiger wurden in in selber myst. 1, 204, 21; dazu schewret nu
der teufel, auff das der mensch das greslich geberde und bilde des tods tieff betrachte, da durch
bekümmert, weich und zaghafftig werde LUTHER 1, 181a (178a); die weil wir entweder zaghafftig sind
oder auff unsere kreffte stoltziren und pochen 28, 710, 16 Weim.

ZAGHAFTIGKEIT, f., timiditas, ignavia, parvus animus STEINBACH 2, 1063; weibliche zaghaftigkeit,
ignava timiditas, trepidatio muliebris STIELER 2593; zaghaftigkeit, im gegensatze der herzhaftigkeit,
oder des getrosten muthes ADELUNG; dieser unedle kunstgriff, ihres gegebenen worts wieder los zu
werden, war der zaghaftigkeit würdig, mit der sie (die statthalterin der Niederlande) es sich hatte
abdringen lassen SCHILLER 7, 258; bei seiner narrheit ist er obendrein noch ein groszer zänker, und hätte
er nicht die gabe der zaghaftigkeit, um seine zanklust zu dämpfen, ... ihm würde das grab bald zur gabe
werden SHAKESPEARE was ihr wollt 1, 3.

ZAGHAFTIGLICH, adv.: zaghafftigklich, timide MAALER 511d; zaghaftiglich, trepidulus, trepidanter,


abjecte STIELER 2593.

ZAGHALS, m., mit beziehung auf den hals, der sich unter das joch beugt (vgl. th. 4, 2, sp. 250 no. 5).
bezeichnung eines feiglings:

wann eine vestung du mir hettest eingegeben,


ich aber, ohne sturm und streiten, hett' erheben
und recken über sie stracks lassen hut und hand,
und auffgemacht den platz ohn allen wiederstand,
dann köntest du mit recht mich einen zaghalsz nennen
D. V. D. WERDER Ariost 24, 31, 5.

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ZAGHEIT, f., art und weise, eigenschaft eines zagen, ahd. zagaheit, mhd. zageheit, zagheit : zagheyt,
mycropsychia, ignavia, imbellia DASYP.; zagheit, forcht, unmůt, infractio animi MAALER 511d; eine
neben zaghaftigkeit bis jetzt viel gebrauchte bildung:

thie zuêne es wola zilôtun (wendeten das ihnen anvertraute pfund wohl an) joh wola iჳ mêrôtun,
ther thritto was nihein heit (kein mann) thuruh sîna zagaheit
OTFRID 4, 7, 76;

ih fürhte, unser arbeit


gar von iuwerr zageheit
under wegen belîbe.
iwer rede gezæme eim wîbe.
ir sint eines hasen genôჳ
a. Heinr. 1120;

Bd. 31, Sp. 31

sîn edel muot von hôher kür


niender stuont ûf zageheit
K. V. WÜRZBURG Part. 4547;

Israeliter zagheit und hertzentfaltung LUTHER 16, 326 (am rande) Weim.; wo ich dem capitain auf seine
hochzeit nicht einen sondern schimpff erweise, so müsse die gantze stadt von meiner zagheit sagen A.
GRYPHIUS (1698) 1, 790 (Horrib. 3); damit man sein verbrechen nicht weibischer zagheit zuschreibe
LOHENSTEIN Arm. 1, 76a; das assyrische, persische und griechische (reich) wären durch die
furchtsamen rathschläge ihrer weichlinge vergangen ... eben diese zagheit wäre die einige ursache, dasz
Rom der stadt Carthago und nicht Carthago der stadt Rom meister worden 2, 987b; zagheit machet zum
narren, pavor sapientiam ex animo expectorat, metus mentem loco movet STIELER 2593; zagheit
verlassen, timorem e pectore ejicere ebenda; so lange sie (ein künftiger soldat ist angeredet) die religion
und ein gutes gewissen haben werden: so lange werden sie den tod zwar nicht gleichgültig ansehen; aber
doch ohne entsetzen erwarten, und nie aus zagheit vermeiden GELLERT 4, 283; der tapferste held kann
keiner zagheit beschuldigt werden, wenn er keine lust hat, sich allein einem ganzen heer entgegenzustellen
WIELAND 20, 62; würde es doch das ansehen einer zagheit haben, wenn ich kein andres gewehr führen
wollte als ein bezaubertes 14, 68; wars freude, wars zagheit oder bange erwartung, was dieser
gartenbesuch ihm ankündigen würde MUSÄUS volksm. 1, 109 Hempel; das kriegerische ansehen des
athletischen mannes ... setzte den scheuen wanderer in furcht und schrecken, also dasz er seine zagheit
nicht verbergen konnte und am ganzen leibe erbebte 2, 67:

und solches war ein horn, von solchem starken thon,


hort einer es, der lieff aus zagheit stracks davon
D. V. D. WERDER Ariost 15, 12, 8;

ich wich gleich einem der den arm nicht regen kan.
der schwester liebe stiesz mich ieden tritt zurücke:
er schriebs der zagheit zu
A. GRYPHIUS (1698) 1, 196 (Card. 1);

(wir jungfrauen) erleuchten seinen sinn, entzünden jhm ein heisz,


dadurch in jhm zerschmeltzt der zagheit kaltes eis
LOGAU 2, 11;

nur muth! denn zagheit kan den untergang nicht fristen

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LOHENSTEIN Sophonisbe s. 86. 266;

mit was vor regung denckst du denn


den richter an zu schauen
mit zagheit oder zuversicht?
mit jauchtzen oder grauen?
GÜNTHER 61;

der nachruhm lobt nicht nur das gute,


er schreibt die zagheit bey dem muthe,
die tugend bey den lastern ein
HALLER schweiz. ged. (1762) 19;

was hast du denn gethan? geseufzt, gewünscht, gedacht,


und kaum ein wort geredt. diesz heiszt zur unzeit schweigen,
und statt der zärtlichkeit nur seine zagheit zeigen
GELLERT 3, 351 (Sylvia 3);

so hält sie sich mit ziemlich festem sinn,


sich selber ihrer zagheit wegen
bescheltend, immer noch mit leisem hoffen hin
WIELAND 12, 196 (Klel. u. Sinib. 8, 208);

wenn je diesz herz, worin dein name brennt,


der tugend untreu wird, und deinen werth verkennt,
dich je, so lang' dies prüfungsfeuer währet,
durch kleinmuth quält, durch zagheit sich entehret
5, 116 (Oberon 7, 82);

vergebne eil,
wenn vor der zagheit tapferkeit entflieht!
SHAKESPEARE sommernachtstraum 2, 1;

seit in holdem selbstvergessen


der lippe zagheit dir zerrann
GEIBEL 3, 117.

ZAGIG, adj., timidus, trepidus, imbellis, pavidus, neben zaghaft und zagend STIELER 2593; liebe
schwester, sagte sie darauf ganz schamrot und zagig Jucundiss. 23; auf die nebenform zagicht weist ein
zaget des 16. jahrh.: so seind vil so zagter blöder art in der jugent, dasz sie jr boszheyt nit auszlassen bisz
sie zu jhn selber kommen schöne weise klugreden (1560) 214b.

ZAGLICH,ZÄGLICH, adj. u. adv., wie zaghaft, ahd. zagalîh, zagilîh, mollis, degener, elumbis GRAFF 5,
582; mhd. zagelîch, zegelîch:

er stuont ob in reht als ein wîp


in zagelîcher vorhte
Engelhard 6263;

Bd. 31, Sp. 32

manlîch herze vindet man bî schilde.


zeglîch muot muoჳ sîn dem schilde wilde

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U. V. LICHTENSTEIN 457, 22;

belêhent und behûst vor manegen jâren,


der schilt der sol niht zegelîch gebâren
R. V. ZWETER 153, 8, s. 488 Roethe;

mit dem 16. jahrh. verschwindend: die wurden zaglich streitten CARBACH Livius 60; davon sie zäglich
stürmen wurden 149; zaglich, schnöd wie ein eigner man, serviliter, ignave MAALER 511d; zaglich,
zweyfelhafftigklich, mit verzagtem hertzen, titubanter ebenda;

als jr (einer witwe, deren mann erschlagen ward) sün dj selben rach (rächung)
gar zäglich wolten lassen nach
SCHWARTZENBERG 147a;

wer zägklich nit erscheynt (zum kampfe),


lebt unverächtlich mit dem feyndt
153b.

die Römer wurden zeglich streitten


H. SACHS 2, 324, 7 Keller;

doch sprich, du armer, nit zäglich:


was hilfft aber dasselbig mich?
19, 46, 1 Götze.

ZAGLOHN, n., geringer, kümmerlicher lohn; im sprichwort taglon zaglon FRANCK paradoxa 124.

ZAGLOS, adj. und adv., ohne zagen: stürze dich zaglos in die ... wogen des meeres der musik R.
WAGNER 7, 129;

mit schlechtem brot und drank gesättiget zu werden,


für sein drinkglas den helm, für sein ruhbet die erden,
für pfulen einen stein, ja auch wol schnee und eis,
für sein bad einen flusz, zaglos, zu brauchen pflegen, ...
und ihm selbs stets geleich, war allzeit seine (Gustav Adolfs) weis
WECKHERLIN 619.

ZAGMETZE, f., schüchternes mädchen, als schelte für einen mann, frühnhd.: also spricht der jung gesell:
wenn ich nit an uneerlich ort gieng mit den gesellen, so würd ich verachtet, ein zagmetz genannt und ein
apostützler KEISERSBERG schiff d. penit. 12a.

ZAGMÜTIG, adj. und adv., zagemuth habend oder an den tag legend, zag, zaghaft CAMPE; die
zagmütigen Abysiner ... habe ich ... darniedergehauen SCHOTTEL friedens sieg 23 neudruck. dazu das
fem. z a g m ü t i g k e i t .

ZAGNIS, f., das verzagtsein:

das sibent gadem (der hölle) ist beswärt


mit groszer zagnuss
O. V. WOLKENSTEIN 98, 56, s. 230 Schatz;

eine leicht begreifliche zagnis überfiel mich, als ich bedachte, dasz ich zu meinem ballette einen stoff
gewählt, den bereits unser groszer Wolfgang Göthe ... behandelt hat H. HEINE 7, 163; worin (in einem
drama) das bestreben alles anstöszige zu vermeiden, fast in eine unerfreuliche zagnis ausartete 11, 287;

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sie (thiere des waldes) nahten sich mir ganz ohne zagnis,
sie wuszten, das sei kein schreckliches wagnis
18, 101;

sein denken neigte sich zu kleinmüthiger zagnisz SCHEFFEL Ekkehard (1888) 353.

ZAGREDE, f.: die zagred, unmannliche kleinmütige red, infracta oratio MAALER 511d.

ZAGUNG, f., das zagen: zagung, timiditas, pavor, pusillanimitas, formido, reformidatio, tremor, stupor,
consternatio animi neben zagen, zagheit und zaghaftigkeit STIELER 2593; gnadenzeichen und hülffe, in
furstehender zagung LUTHER 16, 184 Weim. (randbemerkung).

ZÄHE,ZÄH, adj. und adv. tenax, tenaciter, lentus, lente.

1) doppelform des wortes erscheint im ahd. zâhi und zâch, mhd. zæhe und zâch, welches letztere sich im
nhd. zach (mit gekürztem stammvocal) fortsetzt, heute aber der schriftsprache nicht mehr gemäsz ist,
vgl. oben sp. 9. im mnd. entspricht tê, têge, teie, teige neben tâ (SCHILLER-LÜBBEN 4, 502b), das mnl.
kennt nur die form taey, tenax, lentus, fractu contumax, mollis, flexibilis KILIAN, nnl. taai, zu dem sich
wieder ostfriesisches taje, tage, tâj, zähe (TEN DOORNKAAT-KOOLMAN 3, 386a) stellt; das ags.
dagegen nur tôh, ahd. zâch entsprechend (lenta tôh WRIGHT-WÜLCKER anglo-saxon and old engl.
vocab. 1, 29, 39. 430, 17), und ohne auslautenden consonanten tô (lento þæm tôn ebd. 430, 15);
mittelengl. toh, touh, tou, neuengl. tough. den scandinavischen sprachgebieten gehört das wort nicht an.
als wahrscheinlich darf bezeichnet werden, dasz es einen stimmhaften nasal verloren hat, die länge des
vocals

Bd. 31, Sp. 33

ersatzdehnung dafür ist, zâhi also auf ein ursprüngliches *zanhi zurückgeht, und dasz wir als nächste
verwandte das ahd. gizengi, adv. gizango, eindringend, beharrend, altsächs. bitengi, festhaltend,
anhaftend, anhangend, ags. getenge anzusehen haben. ist das richtig, so gehört auch das subst. zange
und das adj. zanger (s. d.) in diesen kreis. die form zähe oder zäh hat sich für die schriftsprache erst seit
dem 17. jahrh. befestigt, vorher schwankt sie nach stammvocal und consonant, indem sowohl zäch als
zech, zeg und zee, zehe vorkommen: tenax zäch, zeche, zech, zehe, zeehe, zee, zeyh DIEF. 577b; zeg
tenax, viscosus, viscidus, glutinosus; lenteo, ich bin zeg, lentesco, ich werde zeg ALB.; zäch, glutinosus,
tenax, zäch oder weich werden, lentescere MAALER 510c.

2) zähe in eigentlicher sinnlicher bedeutung, gesagt von dingen, die beim dehnen oder zerren
widerstand entfalten, so dasz theile sich nicht leicht trennen lassen, von harz, leim, leder, baumrinde,
von schwerflüssigen sachen, u. ä.

dô nam er (gott bei der schöpfung des menschen) sô sô


ich wâne,einen leim zâhe,
dâ er wolte,daჳ daჳ lit zesamene solte
genesis in den fundgr. 2, 15, 16;

iedoch bringt daჳ mark den painen die hilf, daჳ eჳ si fäuhtet und waicht oder zæch macht, dar umb, daჳ si
niht zerbrechent MEGENBERG 23, 3; daჳ sechzehend (zeichen, dasz die frau eines knaben schwanger
ist) ist, daჳ der frawen milich dick ist und zæh, alsô der si sprengt auf ein glas, sô stênt die tropfen dar auf
als die arwaiჳ und flieჳent niht 41, 8; daჳ der vaiჳt rauch zæh ist an im selber und sich streckt nâch der
leng 77, 26; daჳ der (dem brunnenwasser) zuogemischt erdisch dunst zæh ist an im selber und also gestalt,
daჳ er sich (beim trinken des wassers) zesamen zeuht in den halsâdern 103, 26; daჳ kraut (portulac) ...
hât dickeu plätel nâhen sam diu jung hauswurz und ist sein saf zæch 416, 16; zähe feuchtigkeit,

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leymächtig oder schleymerächtig, lentor MAALER 510d; das wässerige geblüt (die zehe feuchtigkeit)
fleust durch alles hin, pituita seu phlegma per omnia diffluit A. COMENIUS janua (1644) s. 76; bei den
lutherischen finde er gut, dasz man sie wol verstehen könte; denn sie zögen gemeiniglich die wort, als wie
einen zehen lebkuchenteig Simpl. (1684) 3, 733; zäher leim, gluten viscosum STIELER 2632; zäh als
wachs, tenax, anklebend, zäh und klebricht als vogelleim, viscosus, zäh als leim, glutinosus FRISCH 2,
463; zäher schleim, zäher leim, zähes leder, so zähe wie pech ADELUNG; das gehirn dieser leute ist mit
einem zähen schleim umgeben MÖSER werke 7 (1798), 86; zäher wein, schwerflüssiger, vinum pendulum
SCHM. 22, 1099 (von 1445), weitere belege auch unter seiger, th. 10, 1, 199; der frühnebel lag noch dicht
und zähe über flusz und hügeln HEYSE werke 8, 128;

(eine reise wird) freier in dem zirkel um


durch bauch und kapitolium
die zähen säfte wälzen
SCHILLER 1, 254;

wir können keinen schritt fortan,


in diesem feuchten mordgrund, weiter rücken!
er ist so zäh, wie vogelleim, geworden.
H. V. KLEIST 2, 415 Schmidt;

weidenzweige sind sehr zäh CAMPE;

diu sper sie namen in die hant,


stark unde niuwe daჳ man dâ zæher niht envant
Lohengrin 2102;

Marsianus spricht: wann das chraut ist mar,


so grabt mans aus ân alle mühe gar,
aber wenn es vast zäch ist,
so grabt mans nicht aus in churzer frist
VINTLER pluemen der tugent 2606;

diese (widder) verband ich geheim mit zäh geflochtenem reisig


Odyss. 9, 427;

vom fleisch, das schwer zu kauen ist, im vergleiche mit leder: altes dürres rindfleisch und ein sehr zäher
lederner braten von einer gans, die noch eine retterin des kapitols gewesen sein mochte SEUME spazierg.
1, 17; unterdessen freilich schmeckt dieser grashecht sehr zähe und fast wie leder IMMERMANN
Münchh. 2, 55;

bei tische
war auch nichts wie es soll, die maccaroni kalt, ...
das rebhuhn zäh, und die oliven alt
WIELAND 12, 126 (Klel. 1, 325);

Bd. 31, Sp. 34

von der menschlichen haut, wenn sie alt ist: es ist unser alte, dicke, zehe und denische haut, die sich nicht
will abziehen lassen, wie man sich mit jr bleuet und schleget LUTHER 28, 739, 24 Weim.; aber auch von
der jungen, elastisch dehnbaren:

richter, sie spricht als ich verstee,


ir haut ist junc, sie ist aber zee

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fastn. sp. 235, 12 (zech 747, 6);

die haut ist jung, frisch aber zeh


322, 7;

eigenthümlich von einem stück vieh, das nicht saftiges fleisch gibt: mit so magern kühen wisse man nie,
wie es einem gehe. die einen würden so zäh, dasz sie nicht mehr nachzufüttern seien J. GOTTHELF Uli d.
knecht s. 197; im Baselbiet aber heiszt eine kuh zêchmälchig, wenn sie schwer zu melken ist SEILER
324a; dann auch vom erdreich, das sich schwer bearbeiten läszt: ein zäher boden, thon- oder
letthaltiger; vom eisen, wenn es geschmeidig ist und sich gut schmiedet, gegensatz zu sprödem eisen th.
10, 2, sp. 142; gut und zäh eisen SCHM. 22, 1099; vom schmelzbaren metall:

schnell das zinn herbey,


dasz die zähe glockenspeise
fliesze nach der rechten weise
SCHILLER 11, 306 (glocke v. 29);

bildlich und mit anspielung auf den übertragenen gebrauch unten 3 c: fast gelüstet mich, es euch
nachzuthun (spricht ein kapuziner zu einem protestantischen prediger, der sein geistliches gewand mit
einem lederkoller vertauscht). aber meine braune kutte ist leider zu zäh und hat ein fester gewebe als euer
röcklein, ehrwürdige herren! C. F. MEYER Jürg Jenatsch 74.

3) übertragene bedeutung von zähe hat sich mehrfach verschieden herausgebildet.

a) am frühesten tadelnd oder scheltend als karg, das seine zusammenhaltend, geizig:

ich weiჳ wol daჳ des kargen muot


ouch êren gert besunder,
und ist sô zæhe doch dar under,
daჳ er niht getar
durh si werden miltevar
K. V. WÜRZBURG lieder 25, 43, s. 379 Bartsch;

zäch, geytzig, restrictus MAALER 510c; ich der bäurisch, grusam, trurig, karg, pynlich, zech hab
genummen ein husfrowen Terenz deutsch 1499, 119a; den allerkärgsten zächsten mönchen ... befahl er die
euszerlichen empter PAULI schimpf 119b; kamen ... vor eines reichen kargen haus, desz weib noch viel
zeher dann er selbest war KIRCHHOF wendunm. 178a; du bildest dir vielleicht ein, dasz er seine
häszlichkeit und seinen grauen ziegenbart durch freigebigkeit gut machen werde; aber da würdest du dich
sehr irren; er ist der zäheste filz in ganz Athen WIELAND Menander u. Glycerion, 18. brief; ein zäher
bezahler. das geld gehet zähe von ihm ADELUNG; schweiz.: er ist e zäche, von dem nicht leicht etwas zu
erlangen (oder auch der nicht leicht umzubringen, unten c) HUNZIKER 305;

die alten seind zeh,


sollen sie geben, so thuts jn weh
LEHMANN floril. 15.

b) von menschen, die in bezug auf ansprüche schwer nachgeben, widerstehend, hartnäckig: ich führe ein
arbeitsames leben, täglich 4 stunden mit zähen Dänen, und noch nicht zum schlusz BISMARCK briefe an
s. braut, no. 429 (von 1864);

wohl wählte sich der kanzler seinen mann,


er hätt' mir keinen zähern schicken können
SCHILLER 12, 224 (Wall. tod 1, 5);

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auch von solchen, die am alten, hergebrachten, ihnen eigenen haften: das deutsche volk hängt aber so
zäh und unberaten an dem verhärteten schlimmen misbrauch J. GRIMM vorr. z. wb. s. IX; er (Friedrich
der Gr.) begann das segensreiche werk der gemeinheitsteilungen ... und führte dasselbe, in stetem kampfe
mit der lässigkeit der beamten und dem zäh-beschränkten konservatismus der bauern, ein gutes stück
weiter Grotes allg. weltgesch. 9 (1889), 531;

ihr, der selbstsucht söhne, die krampfhaft, in des zähen gemüts


irrwahn, so fest halten der herrschaft eisenstab
PLATEN 132b;

neuem widerstrebend: schade nur, dasz mein fünfzigjähriger kopf zu zäh für das lernen ist! SCHILLER 3,
383 (kab. u. l. 1, 7).

Bd. 31, Sp. 35

c) auch in nicht tadelndem sinne, von personen, die von entschlüssen und anschauungen nicht leicht
abgehen: der herr ist ja warhafftig, und seiner wort theur und zähe, kan sich selbs mitt nichten verleügnen
S. FRANCK laster H 3b; in neuerer sprache besonders entwickelt: (er) beschrieb das mädchen als eine
starke, zähe und rechtschaffene person SOHNREY im grünen klee 196; von deren art und eigenschaften:
sie hätten etwas besseres aus jenem lande mitbringen können, das deutsche blut verträgt sich nicht damit
(mit verführungskünsten), es ist viel zu treu und zähe zum leichten bösewicht KLINGER 1, 383; ein mann
von hohem geist und zäher energie L. HÄUSSER deutsche gesch. 32, 92; mit einem gewissen zähen
gleichmut FRENSSEN Jörn Uhl (1902) 397; von äuszerungen, folgen solcher art: solche aetherschlösser
werden aber ohne baugerüste und baurechnungen ... aufgeführet, so hoch man will ... ohne zähen wunsch
der erfüllung, ohne neid und gier J. PAUL 27--29, 167 (komet 2, 48); o junges jahr, sagt' ich ... nimm die
zurückgebliebnen zähen schmerzen des alten mit, die nicht sterben wollen! 1, 299 (uns. loge); ein mann
von zäher ausdauer, von zäher arbeitskraft; die thierfabel gründet sich auf unerdenkliche, langhin
gehaltene, zähe überlieferung J. GRIMM Reinh. Fuchs vorr. 6; besonders vom leben selbst und der
lebenskraft (vgl. auch unten zählebig): ein langwirig zäch läben, wenn etwas lang beharret ze stärben,
lenta vivacitas MAALER 510c; katzen haben ein zähes leben; er hat ein zähes froschleben, der mann!
SCHILLER 2, 371; ein alter blinder betteljude, ... dem aber die zähe orientalische natur so gut nachhalf,
dasz er, vollkommen und ohne die mindeste beschwerde, sich mit entzücken geheilt sah GÖTHE 29, 32
Weim.; unerwartet lange widerstand seine zähe lebenskraft dem tode PRUTZ preusz. gesch. 3, 2; auch im
folgenden wird auf das leben gezielt: das leben eines alten ist doch eine ewigkeit! -- und nun wär freye,
ebene bahn bis auf diesen ärgerlichen zähen klumpen fleisch SCHILLER 2, 57 (räuber 2, 1).

4) zähe im hüttenwesen, von gepochtem erze, klar, fein JACOBSSON 4, 677; zähes häuptel (hedel),
zäher schlamm, ist subtiles häuptel, feiner, klarer schlamm, und wird dem röschen (s. th. 8, 1162)
entgegengesetzt ebenda. vgl. auch hädel, th. 4, 2, 109.

ZÄHE, f., eigenschaft des zähen, zähigkeit, mhd. zæhe: die zähe, weiche, lentitia, tenacitas MAALER
510d; die zähe CAMPE; festigkeit oder zähe seiner haut Salinde 107. vgl. dazu das frühnhd. zeheni der
folgenden stelle, das dort im sinne von 'zäher stoff' erscheint: dasz ein hartz ist, und ein zeheni, und ein
brinnende krafft PARACELSUS opera 2, 61A.

ZÄHEISEN, n., leicht schmiedbares eisen SCHM. 22, 1099.

ZÄHER, m., s. unter zähre.

ZÄHFLÜSSIG, adj., zäh flieszend: der kot (der fledermaus) ist ... zähflüssig BREHM thierleben 1, 371
Pechuel-Loesche.

ZÄHGEBE, adj., frühnhd. zäh im geben, knauserig, vgl. mhd. redegebe, beredt: bist du etwan lang zu

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zähgeb und karg gegen deinem son gewesen, so erzeyg dich auch eyn weil mildgeb und kostfrei gegen jm
FISCHART ehez. 313, 20 Hauffen.
ZÄHHÄUTIG, adj., mit zäher haut versehen, übertragen für karg, geizig (zähe 3 a): der sonsten ganz
zeheutig und eygennützig war KIRCHHOF wendunm. 184a.

ZÄHHEIT, f., zähe, zähigkeit (vgl. auch zachheit oben sp. 10): zähheit neben zähe CAMPE; die zähheit
des leders, schleimes u. s. f. ADELUNG; übertragen: das israelitische volk hat niemals viel getaugt ... es
besitzt wenig tugenden und die meisten fehler anderer völker: aber an selbstständigkeit, festigkeit,
tapferkeit, und wenn das alles nicht mehr gilt, an zähheit sucht es seines gleichen GÖTHE 24, 248 Weim.;
der russischen zähheit boden abzugewinnen HÄUSSER deutsche gesch. 32, 68.

ZÄHIGKEIT, f., wie zähe und zähheit; von STIELER zuerst verzeichnet, der zur erklärung ein nicht
vorkommendes adj. zähig annimmt: zähig, adj., idem est quod zähe, viscatus, unde zähigkeit, viscosum,
tenacitas, lentitia, lentitudo, lentor; dicitur etiam zachigkeit STIELER 2632; gegen zähheit das
gewöhnlichere wort: zähigkeit als des schleimes, lentitia pituitae, des hartzes, lentor resinosus

Bd. 31, Sp. 36

FRISCH 2, 463a; zähigkeit des leders; die zähigkeit oder geschmeidigkeit des quecksilbers ist unbekannt
und bey der platina noch nicht bestimmt JACOBSSON 5, 654c;

alle leichtigkeit der birke,


alle zähigkeit der ceder,
alle schmeidigkeit der lärche
FREILIGRATH dicht. 6, 62;

übertragen: die aristocratische starrsinnigkeit und zähigkeit GERSDORF repert. (1841) s. 68; diese leute
haben keineswegs auf diese aussicht verzichtet, sie halten sie mit der zähigkeit fest, welche dem gemeinen
manne bei einmal gefaszten ansichten eigen ist BISMARCK red. 1, 127; (kleine besitzer) die mit einer
anerkennenswerthen zähigkeit an dem hause und dem grundbesitz hängen, den sie haben 11, 136; so
glaube ich, dasz ich darin die zähigkeit der willenskraft gezeigt habe, die der herr vorredner mir die ehre
erzeigte, an mir zu rühmen 12, 51; verfassungsplan, den er fortan mit stiller zähigkeit festhielt
TREITSCHKE deutsche gesch. 5, 187; die unglaubliche verwegenheit und zähigkeit, welche Jenatsch in
den volkskämpfen gegen die Spanier bewiesen C. F. MEYER Jenatsch 126.

ZAHL, m., s. zagel.

ZAHL, f., numerus.

1) der wortkreis, dem zahl entstammt, ist gemeingermanisch, entbehrt aber aller einigermaszen sichern
urverwandten beziehungen. es fallen ihm in den verschiedenen sprachen worte von recht schillernder
bedeutung zu: im gothischen das adjectiv un-tals, απειθης, ανυποτακτος, απαιδευτος, mit dem deutlichen
eigentlichen sinne des nicht unterrichteten, nicht erzogenen, wozu als weiterbildung das verbum talzjan
παιδευειν, νουθετειν und das substantiv gebrauchte particip talzjands επιστατης, leiter, lenker,
vorsteher gehört; altnord. tal, n., bericht, herzählung, aufrechnung, register, in den sinn des gesprächs,
der unterhaltung verlaufend, tala, f., angabe, bericht, verzeichnisz, auch rede und erzählung, mit den
verben tala, reden, sprechen, etwas besprechen und telja, sprechen, erklären, zählen, aufzählen; ags. täl,
tel, n., aufzählung, zahlenreihe, talu, f., herzählung, erzählung, rede, mit talian herzählen, als meinung
äuszern, sagen, reden, und tellan erklären, äuszern, meinen, rechnen, zählen; altfriesisch tale und tele
bericht, rede, namentlich gerichtliche klage und vertheidigung, mit talia und tella berichten, sprechen
und zählen; altsächsisch und altniederfränkisch das adjectiv gi-tal, das den begriff des geistig muntern,
hurtigen zeigt, und die substantive tal, n., aufgezähltes, summa, tala, f., derselben bedeutung, mit den
verben talôn, zählen, berechnen, überlegen, und tellian achten, schätzen, herzählen, aufzählen;

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mittelniederdeutsch tal, m. und f., zahl, anzahl, aufzählung, und tale, f., darlegung, sprache, rede, mit
talen, aufzählen, bezahlen, und tellen, rechnen, zählen, hinzählen; mittelniederländisch tale, erzählung,
rede, sprache, mit talen reden und tellen zählen, erzählen; ahd. endlich das adj. gizal, munter, geistig
lebendig und das subst. zala, f. mit sehr auseinander gehenden bedeutungen, unter denen besonders die
der ordnung und geordneten darlegung, des berichts und der aufzählung, der reihe und der summe zu
nennen sind, sowie die verben zalôn berichten, rechnen, zählen und zellan, zellen herzählen, verkünden,
berichten, rechnen, durchforschen. im mhd. zale, zal, f., setzt sich die bedeutung des berichts, der
aufzählung, darlegung, sowie des ergebnisses derselben, der anzahl, menge, reihe, summe,
uneingeschränkt fort, wie auch die verben zalen, zaln und zellen, zeln ihren alten sinn behalten; und erst
im nhd. wird überall eine begriffsbeschränkung sichtbar. gegenüber diesem gewirr so weit voneinander
abstehender und doch im kerne verwandter bedeutungen darf wohl als hohe wahrscheinlichkeit
hervorgehoben werden, dasz das altgermanische mutterwort ein vielgebrauchter ausdruck des
häuslichen lebens gewesen sei, im zusammenhange mit der wirthschaft in haus und feld, mit bericht und
rechnungslegung über deren führung und erträgnis, verbunden mit bezüglicher anweisung zur
bewirthschaftung, wie das alles auf ausgedehnten höfen dem major domus obgelegen hat. auf beziehung
zur bodenwirthschaft deutet das ahd. zala, wie es in der bedeutung des landloses, des einem zugetheilten
erbgutes, bezeugt ist:

Bd. 31, Sp. 37

clerus (d. i. κληρος), sors vel heris, zala, hluჳ edo arpinomo STEINMEYER ahd. gloss. 1, 68, 23. ist die
vorgetragene vermuthung richtig, so begreift sich ungezwungen der übergang der wortreihe einerseits
in die bedeutung der anweisung und lehre, andererseits in die der rechnenden und darlegenden
berichterstattung und deren ergebnisses, ebenso wie die ausweichung des ursprünglichen begriffes zu
dem des berichts im allgemeinen, der bloszen erzählung, sowie des redens und sprechens überhaupt.

2) diese bedeutung des berichts, wie sie auch in den ahd. glossen textus zala STEINMEYER 2, 121, 13,
assertio zala 233, 66 durchscheint, ist in der alten sprache sehr lebendig: mhd.

hie mite huop von Tristande


daჳ gesinde von dem lande
manec gerûne und manec zal
Trist. 282, 1;

hie muget ir merken vremde zal (seltsamen bericht),


wie liebe dâ mit liebe vaht
minnes. 2, 167, 20 Hagen;

für ain warhait ich daჳ wais


nach der maisterbuoch zal
J. V. WÜRZBURG Wilhelm v. Österreich 18117 Regel;

auch niederfränkisch, in Cölner mundart, wie rede, darlegung:

der buschof sprach: dese zale


behait (behagt) mir uissermaissen wale
d. städtechr. 12, 142, 4205;

hier ferner in der bedeutung des gerichtlichen spruchs, wie im mnd. tale (SCHILLER-LÜBBEN 4, 507b)
und altfries. tale, tele (RICHTHOFEN 1063a):

dus quamen herin irre zwenzich waile (wohl),


de sonder reicht und sonder zale
uisser Colne waren verdreven

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d. städtechr. 12, 84, 2181;

was im hochdeutschen nicht nachgewiesen werden kann.

3) dagegen hat sich der begriff der rechnerischen darlegung und durchzählung länger erhalten: ahd.
calcolum zala STEINMEYER ahd. gloss. 1, 72, 2; (secundum) calculationem zala 2, 47, 47; supputatio
zala GRAFF 5, 641; fona dero zala, de compoto, ebenda; mhd. supputatio zal DIEF. 568b;

hie sol der zal ein ende sîn


von den götinen über al:
wer möht ir namen bî der zal
ze rechenunge bringen?
K. VON WÜRZBURG troj. krieg 1084;

swas ein gast einem wirt antwortt oder behalten geit ân zal (ohne darzählung), das sol der wirt ouch wider
geben ân zal quelle bei SCHM. 22, 1109; in dieser verbindung (âne zal = ohne zählung) formelhaft
geworden zum ausdruck dessen, das man nicht zählt oder nicht zählen kann, und bis heute geblieben:
mhd. innumerus, innumerabilis âne zale, ôn zal, nd. ân tal DIEFENB. 299c; zum substantiv gesetzt:

wol bî hundert phunden gab er âne zal


Nib. 485, 1;

junchêrren vil âne zal


und manec starker sarjant
ûf die reise wart benant
Parz. 721, 12;

in adverbialer geltung, dann: nicht zu sagen, unsagbar, unermeszlich (vgl. auch unten zahllos):

sî ist mir liep und liebet mir vür elliu wîp,


sî ist mir iemer lieber dan mîn selbes lîp,
sî ist mir liep âne zal, daჳ spriche ich offenbar
minnes. 1, 336, 4 Hagen;

die alten zugen hinden nâch,


si enphiengen in beide âne zal
Meier Helmbrecht 725;

nhd. in gleichem gebrauch, doch schlieszt das heutige sprachempfinden die formel mehr an die
bedeutungen 4 und 5 an: es haben mich umbgeben leiden on zal ps. 40, 13; das meer das so gros und weit
ist, da wimmelts on zal, beide gros und kleine thier 104, 25; da kamen hewschrecken und kefer on zal 105,
34; und da er des morgens dahin kam, sahe er eine grosze mechtige menge volks on zahl da 1 Macc. 5, 30;
ohne zahl, in solcher menge, welche nicht gezählt werden kann ADELUNG; die sterne, die sich ohne zahl
in dem weiten raume des himmels wälzen ebenda; sie (die erde) ist ... mit pflanzen ohne zahl besetzt
HEBEL 2, 3, 24 Behaghel;

des obs ich schier ohn zahl erblick,


und thut sich immer mehren
SPEE trutznachtigall s. 90 Balke,

Bd. 31, Sp. 38

die jung und alten bienen (eines stockes),

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gar häufig ohne zahl


100;

die sonn schosz ab so manchen strahl


und mehr und mehr erglitzet,
da schwanden eilend ohne zahl
die tröpflein, gar erhitzet
137;

o was wunden überall!


ach, nun höret auf zu bluten,
heisze brünnlein ohne zahl!
181;

schon auch sterben feld und wiesen,


gras und kräuter ohne zahl
208;

rings im kreise stellet sich nun, gezählet und ohne


zahl, das kleinere blatt neben dem ähnlichen hin
GÖTHE 3, 86 Weim.

auch hier noch wie ein adverb, bis in die neuere sprache hinein:

ruf meinem lieb ...


ruf tausendmal,
ruf ohne zahl
SPEE trutzn. 14;

er noch manche klagen führet,


weinet, seufzet ohne zahl
185;

wir die leir auch wieder schnüren


und in hohlem hirtenthal
hochgereckte saiten rühren,
spielen, reimen ohne zahl
241;

ich träumte hinaus in das dunkle thal


auf engen felsenstufen,
und hab mein liebchen ohne zahl
bald hier, bald da gerufen
BRENTANO ges. schr. 2, 151.

für ohne zahl auch sonder zahl, mhd. sunder zal:

Troyære valt (fällte, erschlug) er sunder zal


und âne gelimpfes mâჳe
K. V. WÜRZBURG troj. krieg 12596;

dasz sterne sonder zahl


mit immer gleichem schritt und ewig hellem strahl ...
in eignen kreisen gehn, und nie ihr lauf verirret,

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macht ihres schöpfers hand


HALLER ged. (1762) s. 77;

ja freilich bist du mein ideal,


hab's dir ja oft bekräftigt
mit küssen und eiden sonder zahl
HEINE 1, 233;

zusammengerücktes ohnezahl als subst.:

gott ist der ohnezahl,


vor dem die zahl vergeht
ARNDT ged. (1840) s. 479;

auch eines dinges ist keine zahl, keine möglichkeit der zählung: sechzig ist der königinnen, und achzig der
kebsweiber, und der jungfrauen ist kein zal hohel. 6, 7; er thut grosze ding die nicht zu forschen sind, und
wunder der keine zal ist Hiob 9, 10; des übrigen volckes aber war keine zahl ZIEGLER asiat. Banise 269.
dafür etwas hat keine zahl, im übergang zu der bedeutung 5: ein jglicher hat ein bestimpte zeit zu leben,
aber Israels zeit hat keine zal Sir. 37, 28.

4) der begriff der handlung des zählens und aufzählens setzt sich in den des aufgezählten um und
bezieht sich auf einander unmittelbar und regelmäszig folgende einheiten, zunächst ohne rücksicht auf
ihren abschlusz, zahl steht wie reihe: ahd. seriem zala STEINMEYER 2, 523, 42; mhd. von einer reihe
oder folge zusammengehöriger:

künec Artûs (spricht Lunete), mich hât gesant


mîn vrouwe her in iuwer lant:
unde daჳ gebôt sî mir
daჳ ich iuch gruoჳte von ir,
und iuwer gesellen über al;
wan einen, der ist ûz der zal (gehört nicht dazu):
der sol iu sîn unmære
als ein verrâtære
Iwein 3116;

von einer bestimmten reihe krieger, einer schar: ir hant uch virbunden zu den steden in Swaben zu
helfen, so hant wir uns virbonden unserm neffen zu Wertenberg zu helfen mit einer zale. nu wollent ir mit
uwer zale den stetten dinen, so wollen wir unserm neffen mit unser zal dinen, als wir zu beiden teiln dan
plechtig sin d. städtechr. 17, 37, 8f.; von der reihe der leute eines gefolges gesagt: und der fursten
eincher neme in dan in sîne zale Frankfurter quelle von 1442 bei DIEFENBACH-WÜLCKER 909; seit
der mhd. zeit wird zal, zahl in dieser bedeutung auch durch anezal, anzahl (th. 1, 522f.) deutlicher
bestimmt, ohne dasz deswegen das einfache wort im sinne der reihe ohne eine genaue hervorhebung
ihres abschlusses schwindet: in groszer zahl, frequens, grosze zahl,

Bd. 31, Sp. 39

frequentia DASYP.; ein gůte zal, iren vil aliquammulti MAALER 511d; ungezehlte zal, numerus
innumerus STIELER 2250; ein jglicher der mit in der zal ist 2 Mos. 30, 13; ir, herr doctor, habt mich hewt
... mit den aufrürischen morderischen geystern, als ir sy nennet, in eyn zal und werck eingeflochten, dazu
ich neyn sag KARLSTADT bei LUTHER 15, 335, 23 Weim.; darumb solten wir on unterlas die hende
auffheben, gott loben und dancken, das er uns unter die zal rechnet, so zu jhm gehören und sein eigen sind
28, 88, 22; ich bin noch in der zahl deiner reinen keuschen jungfrawen buch d. liebe 149b; so gaben auch
die, welche in der zahl der poeten wolten gerechnet werden, jhre gedichte anderen poeten zu übersehen
OPITZ poeterei 56 neudr.; (einer) dessen geist und sinn die durchdringt, die ihm nahen, der also eine zahl

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harmonirender geister um sich her versammelt KLINGER 12, 125; ich hatte mir, unter bekannten
umständen, schon eine zahl von jungen männern aufgebürdet GÖTHE 33, 213 Weim.;

manich banier wart bekant:


von deme lande uber al
quam ir zû Rige ein michel zal
livl. reimchron. 9534;

ir sind gar viel an dieser zal,


die verlorn haben leib und gut
H. SACHS fastn. sp. 1, 9, 282 Götze;

inn aller sälger menschen zal


findstu hi ärbet angst und qual
SCHWARTZENBERG 140b (memorial der tugend);

o glück, hilff mir durch würfels fal,


sunst kumm ich inn der bůben zal
146b (ebd.);

sonder gedenck und bet allmal,


dasz du kommst in der götter zahl
AYRER 46, 13 Keller;

gnug soll mir sein, beim vater mein


die zahl der knecht vermehren
SPEE trutznachtigall 67 Balke;

o schönheit der naturen,


o wunderlieblichkeit,
o zahl der creaturen,
wie streckest dich so weit!
85;

auch die vöglein kamen fliegen,


kam auch manche nachtigal,
deinem spielen, will nit liegen,
hörten zu mit groszer zahl
179.

5) in andern fällen aber liegt bei zahl der nachdruck auf der vollendung der reihe, zahl meint die
vollzahl, summe; michel ist sîn chraft ... unde unzalahafte ist sîn wîstuom, daჳ er die zala dero rehton so
begrîfet NOTKER ps. 146, 5; den selben painen (den rückenwirbeln) sint diu ripp ze paiden seiten zuo
gesellt. diu selben pain in dem rucken sint gezalt nâch der zal der ripp MEGENBERG 24, 13;

ih wil û sagen ir (der helden) zale:


man zalte si dâ zestunt
mê dan an hundrit tûsunt
LAMPRECHTS Alexander 1050 Kinzel;

ordenlîch si (die jungfrauen) kômen über al,


fünf unt zweinzec an der zal
Parz. 808, 30;

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die zal der ziegel, die sie bisher gemacht haben, solt jr jnen gleichwol aufflegen, und nichts mindern 2
Mos. 5, 8; nach der zal der seelen in seiner hütten 16, 16; die Libniter und Simeiter, dere summe war an
der zall funden, sieben tausent und fünff hundert 4 Mos. 3, 22; jre zal war drey und vierzig tausent 26, 7;
die geschlechte Juda an jrer zal sechs und siebenzig tausent und funff hundert 22; da war die zal dere die
geleckt hatten aus der hand zum mund drey hundert man richt. 7, 6; jre zal war von heubt zu heubt, das
starke man waren, acht und dreiszig tausent 1 chron. 24, 3; die zal der jünger ward seer gros zu Jerusalem
ap. gesch. 6, 7; welcher zal ist, wie der sand am meer offenb. 20, 8; zugab uber die bestimbte zahl,
mantissa, auctionarium DASYP.; dasz die zahl vieler groszer männer, die mir holdt sein, die wenigen
abgünstigen weit hinwieget OPITZ poeterey 3 neudruck; aus der zahl ausschliszen, ex numero ejicere
STEINBACH 2, 1064; eine getreue spieszgenossenschaft, sieben mann an der zahl MUSÄUS volksm. 2, 8
Hempel; stark an der zahl seyn ADELUNG; es sind ihrer nur wenig an der zahl oder der zahl nach. der
erste an der zahl, der zahl nach ebenda; an der zahl weniger

Bd. 31, Sp. 40

werden HEBEL 2 (1853), 46; die wachsende zahl der studierenden STEFFENS was ich erlebte 1, 15;

wer wollt nun überdenken


der wilden vögel zahl?
SPEE trutznachtigall 84 Balke;

in eil wird sich verzehren


all meiner stunden zahl
72;

auch ungenannter bösewicht (d. i. der wolf)


dir nie die zahl (der weidenden schafe) mag schwächen
130;

gott der herr hat sie (die sternlein) gezählet,


dasz ihm auch nicht eines fehlet
an der ganzen groszen zahl
volkslied;

in voller zahl erscheinen; sie stellten sich nur in halber zahl ein; von einer gesellschaft die gröszere, die
kleinere zahl, vgl. mehrzahl, minderzahl:

ein ekelnder geschmack vermindert wahre freuden:


doch wer als kenner wählt, gewinnt bey seiner wahl,
und hat, was besser ist, ob gleich in mindrer zahl
UZ poet. werke 2 (1768), 68;

die zahl der gegenstände voll machen; den greis drückt die zahl seiner jahre; in allitterierender
verbindung:

o gott, wann ich mein laster all


mit ziffer sollt befangen,
weit schrittens über ziel und zahl
SPEE trutzn. 6, 6.

6) von dieser verwendung (5) aus wird zahl zum technischen ausdruck in der rechenkunst, als
bezeichnung für die menge von gleichartigen einheiten, aus welcher eine gegebene grösze
zusammengesetzt ist oder gedacht wird: die zahlen von eins bis hundert; benannte, unbenannte, gerade,
ungerade zahlen; zahl von siben, hebdomas, latine septimana, zahl die zehen tausent hellt, myrias

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DASYP.; zal die tausend innhalt chilias MAALER 511d; geduppelte zal, alterum tantum, numerus duplex,
gebrochene zalen, bruchzahl, numeri fracti (gegensatz: ganze zahlen), ungerade zal, numerus impar,
gesiebende zal septenarius STIELER 2250; eine einfache, gedoppelte zahl, eine gerade, ungerade zahl,
drey zahlen zusammen addiren, die zahl zwey ADELUNG, vgl. doppelzahl, th. 2, 1275; man musz nämlich
auf eine zahl denken (bei auflösung eines rechenexempels), die selber ungerade ist und ... eine ungerade
zahl zum rest zurückläszt HEBEL 2 (1853) 43; wir spielen zählens, sagte sie, nun gebt acht! ich geh' im
kreise herum von der rechten zur linken, und so zählt ihr auch rings herum, jeder die zahl, die an ihn
kommt, ... und so bis tausend GÖTHE 19, 35 Weim.;

so ist die fünfe


die erste zahl aus grad und ungerade
SCHILLER 12, 95 (Piccol. 2, 1);

auch als bestimmte stelle einer zahlenreihe: dasz der jung herzog Conrat von Zeringen sich erst in der
ailften zal het lassen verzaichen (als elfter unter urkundenzeugen) Zimm. chron. 2 1, 100, 34; runde zahl,
die nur aus zehnern besteht aber auch: die keine brüche enthält s. rund 5 oben theil 8, sp. 150, 1. in
allitterierender verbindung mit ziffer:

wer wird die kräuter mannigfalt


in zahl und ziffer zwingen?
SPEE trutznachtigall 87;

in verbindung mit masz (th. 6, 1727, 1) und gewicht: aber du hast alles geordnet mit mas, zal und gewicht
weish. Sal. 11, 22; eine bezeichnungs- und beschreibungsart, die man durch zahl und masz zu bewirken
gedachte GÖTHE II 8, 219 Weim.; metrisch: soll aber der leser gute acht geben, dasz er im lesen keinen
buchstaben oder syllaben zusetze oder auslasse, damit die poetische zahl und maasz der versen nicht
verändert ... werde SPEE trutzn. LXII; musikalisch:

(die nachtigall) in feld und wälden singet,


weisz keiner noten zahl
3.

7) nun auch in häufiger anwendung in andern gebieten: güldene zahl, numerus aureus, heiszet in der
chronologie diejenige zahl, welche andeutet, das wie vielste jahr ein vorgegebenes im mondcirkel sey
mathemat. lexicon (1747) 627; im recht und glauben: zahlen im deutschen recht (3, 4, 5, 6, 7 u. s. w.)
GRIMM rechtsalterth. 207; sieben ist eine heilige zahl; die ungerade zahl ist eine heilige zahl SIMROCK
sprichw. 652;

Bd. 31, Sp. 41

eilf! eine böse zahl. zwölf stühle setzt,


zwölf zeichen hat der thierkreis, fünf und sieben,
die heilgen zahlen liegen in der zwölfe
SCHILLER 12, 95 (Piccol. 2, 1);

glückliche, unglückliche zahlen; in der grammatik: einzelne zahl (singularis numerus) ... mehrere zahl
(pluralis numerus) SCHOTTEL 226; diese erste art der abänderung begreift die hauptwörter in sich, deren
mehrere zahl mit der einzelnen gleichlautend ist: und diese haben in der einfachen zahl dreyerley
endungen, nämlich die syllben el, en, und er, welche sie auch in der mehrern zahl unverrückt beybehalten
GOTTSCHED sprachkunst (1762) s. 225, jetzt durch einzahl, mehrzahl (s. d.) verdrängt; vgl. auch unter
mehr 25c, th. 6, sp. 1884.

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8) besonders auch in der zeitrechnung (vgl. jahrzahl): nach der zal vom halljar soltu es von jm keuffen
(juxta numerum annorum jubilœi Vulg.) 3. Mos. 25, 15; hier wird im 15. und 16. jahrh. die mindere zahl,
die nur die zehner und einer der jahrzahl angibt, hervorgehoben (vgl. auch unter jahr 1, th. 4, 2, sp.
2230, und unter minder 4d, th. 6, 2225):

da er (kaiser Maximilian) ein selig ende namb,


eben alt neun-und-fünftzig jar,
der mindern zal neunzehn fürwar (1519)
H. SACHS 16, 426 Keller-Götze;

als man zählt sechzehn hundert jahr,


funfzehn die minder zahl dran war
OPEL-COHN dreiszigj. kr. 40.

9) zahl als etwas nur rechnungsmäsziges in gegensatz gebracht zur eigenartigen persönlichkeit: in
einem verbande, einem gemeinwesen nur als zahl gelten; wo er (der mensch) nomadisch in groszen
heermassen zieht, ewig nur zahl ist und die menschheit nie i n s i c h findet SCHILLER 10, 369 (briefe
üb. die ästhet. erziehung des menschen 26).

10) zahl für das zahlzeichen: römische zahlen, arabische zahlen ADELUNG; die hinter jedem bilde
angezeichneten römischen zahlen, deuten auf das erste und zweyte buch Philostrats ... eben so deuten die
arabischen zahlen auf die folge wie die bilder im griechischen text geordnet sind GÖTHE 49, 1, 67 Weim.;
zal auf der münze, œra STIELER 2250; an der sonnenuhr sind die zahlen verwischt HEBEL 2 (1853),
133; dann schrieb er die summe genau in sein buch mit allerliebsten wohlgestalteten zahlen G. KELLER 1,
145.

11) endlich ist zahl seit dem mittelalter auch als maszbestimmung für zählbare sachen verwendet
worden: der pfel herfürt sol geben funfzig pfel die zal mit halben bürden und sullen auch sin zalbêre und
haben ir rechte lenge Würzburger verordnung von 1343 bei SCHM. 22, 1110; funfunddreiszig zal holtz
quelle von 1580 ebenda; ein zale halp fisch ist zweinzig Würzburger quelle des 15. jahrh. bei LEXER
mhd. wb. 3, 1023 zahl in der fischhandlung 110 platteis- oder halbfische, bei spinnerinnen 400 faden der
zählweise: zwo solcher zahlen machen einen strehn, und zwölf zahlen ein stück JACOBSSON 4, 678a;
ähnlich hessisch, wo zahl auch von jeder bestimmten anzahl gebraucht wird: das kleine mädchen musz
seine zahl (an stöcken, mal herum, nätchen) stricken; eine zahl (11, 25, 50) schafe VILMAR 463; ebenso
nd. sinen tall vardig maken, die eingesetzte arbeit zu ende bringen; ik hebbe minen tall nog nig, ich habe
die mir aufgegebene arbeit, mein tagewerk, noch nicht vollendet brem. wb. 5, 9; sin tall maken oder
hebben, beim strumpf- oder andrer strickarbeit seine vorgeschriebene maschenzahl voll haben
SCHÜTZE holstein. idiotikon 4, 246; tal beim gespinst SCHAMBACH 224a; die eine zog den faden und
trat das rad, die andere netzte den faden, die dritte drehte ihn und schlug mit dem finger auf den tisch, und
so oft sie schlug, fiel eine zahl garn zur erde und das war aufs feinste gesponnen H. HEINE 7, 75 nach
GRIMM kinder- und hausm. no. 14;

und des flachses stein-gewicht


gab noch viele zahlen;
aber, ach ich konnte nicht
mehr mit ihnen prahlen
GÖTHE 1, 184 Weim. (die spinnerin).

ZAHLAMT, n.

1) amt geld zu zahlen, auszuzahlen: das zahlamt übernehmen, auf einer reise das zahlamt wechselweise
führen CAMPE.

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Bd. 31, Sp. 42

2) amt oder collegium, welches gewisse ausgaben oder auszahlungen zu besorgen hat, plur. zahlämter
ADELUNG, CAMPE; er (kaiser Joseph als arzt) hat euch fünf-undzwanzig dublonen verordnet, beim
zahlamt zu erheben HEBEL 2, 194, 7 Behagel.

ZAHLANGABE, f., angabe einer gesammt- oder theilzahl bei darlegungen oder rechnung: widersprüche
in den zahlangaben WINER bibl. realwörterbuch 22, 824,

ZAHLANSEHEN, n., durch die zahl wirkendes ansehen: diese 65 bis 70 grade (bei prismen) sollen blos
der sache ein zahlenansehen, ein mathematisches ansehn geben GÖTHE II 52, 229, 31.

ZÄHLAPPARAT, m., apparat zum zählen, geräth zu selbstthätiger aufzeichnung der anzahl aufeinander
folgender gleichartiger wirkungen MEYER konvers. lex.6 20, 833a.

ZÄHLART, n., art zu zählen: die alten Azteken ... rechneten ein ... jahr von 104 sonnenjahren. sie theilten
es nach der quinal- und vigesimalzählart ein NIEBUHR röm. gesch. 1, 200.

ZAHLBAR, adj., in zwei bedeutungen.

1) in älterer sprache nach zahlen sp. 2 zu zählen: zalbar, gut ze zellen, numerabilis MAALER 512a; vgl.
mhd. zalbære, vollzählig LEXER handwörterb. 3, 1024; zahlbare thorheit (thorheit, die zu zählen ist) als
überschrift von folgendem:

dasz es narren hin und her, und nicht in der mänge gibt,
mangelt nur, dasz einer mehr, als der ander, wird geübt
LOGAU 2, 207, 78;

in weiterbildung: numerabilis, zählig, zahlechtig, zahlbarlich, das gezahlt mag werden DASYPODIUS; mit
vorsilbe der verneinung: da ... des Luthers unzalbare bosheiten umb kürtze willen unerzelt bleiben
kaiserl. edict von 1521 bei LUTHER 1, 506b (458b); in den begriff zahlreich überspielend: zahlbar,
zahlreich, numeroso, nombreux RÄDLEIN (1711) 1081a.

2) neuer seit dem 18. jahrh. nach zahlen 3, fähig oder verbunden gezahlt zu werden: zahlbar, das zu
zahlen ist, pagabile, payable RÄDLEIN 1081a; ein wechsel ist zahlbar; zahlbare kaufgelder ADELUNG;
diesz veranlaszte denn, dasz eine commission niedergesetzt wurde, welche nach mehr als sechzig
zahlbaren sitzungen endlich einen entwurf einer einrichtung des gemeinen abderiti schen theaterwesens
vor rath legte WIELAND 7, 131 (Abderiten 3, 4); ich übermache dir eine in Cyrene zahlbare anweisung
auf drey tausend drachmen 27, 110 (Aristipp 3, 18); eine summe zahlbar machen, bewirken, dasz sie
bezahlt wird;

ich weisz gewisz, es steht mein lieben


im goldnen buch der höchsten huld
mir zahlbar dann und gut geschrieben!
G. KELLER 10, 50.

ZÄHLBAR, adj., zu zählen, was gezählt werden kann, mhd. in der weiterbildung numerabilis, zelberlich
DIEF. 385a; zählbar, das sich zählen läst, numerabile, che si può numerare, qui se peut conter, contable
RÄDLEIN (1711) 1081a; zehlbar STIELER 2250; diese menge ist noch zählbar; die sterne des himmels
sind nicht zählbar CAMPE;

selige stunde, welche nun bald, zu entzücken, hervorbricht,


eine nicht zählbare zahl unsterblicher leben, ach aller,

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welche, jenseit der gräber, die kinder Adams einst leben,


liegen, o stunde seines (Christi) erwachens, in dir verborgen!
KLOPSTOCK 5, 202 (Mess. 13, 663);

häufiger in unzählbar, s. d.

ZAHLBARMACHUNG, f.: die zahlbarmachung einer summe, des geldes.

ZAHLBEGRÄBNIS, n., begräbnis, wobei gezahlt wird (vgl. zahlhochzeit): man hat (in Nürnberg) noch
keine zahlbegräbnisse so wie die zahlhochzeiten ausdenken können NICOLAI reise 1, 237.

ZAHLBEGRIFF, m., begriff der zahl: wie nun das bedürfnis nach einer einfacheren darstellung und
allgemeineren ausführbarkeit gewisser operationen schon in der elementaren arithmetik mehrere
erweiterungen dieses einfachsten zahlbegriffs (der positiven ganzen zahl) veranlaszt hat, indem zu den
ganzen zahlen die gebrochenen, zu den positiven die negativen ... hinzugefügt wurden,

Bd. 31, Sp. 43

so hat dasselbe bedürfnis zu einer ferneren ausdehnung des zahlbegriffs, zur einführung der (gemeinen)
'complexen' zahlen oder gröszen geführt encykl. d. mathem. wiss. 1 (1898--1904), 148.

ZAHLBEZEICHNUNG, f., bezeichnung von zahlen: bei der zahlbezeichnung mit buchstaben ersetzt es
(das E) das zahlzeichen 5 CAMPE wörterb. 1, 810b; mit zahlen: die felder dieses dreiecks sollen nun nach
ihren zahlbezeichnungen colorirt werden GÖTHE II 4, 192, 18 Weim.

ZÄHLBEZIRK, m., bezirk für eine volkszählung: durch austausch des urstoffs zwischen den
verschiedenen zählbezirken CONRAD handwb. d. staatsw.3 8, 503.

ZÄHLBLATT, m., formular für eine zählung: seit dem 1./X. 1895 senden die standesbeamten monatlich
die zählblätter über die registrierten standesfälle unmittelbar an das statistische landesamt ein CONRAD
handwb. d. staatsw.3 2, 921.

ZAHLBLUT, m., vom blute Christi wegen seines opfertodes: sein thewres ... blut, welches er zum zahlblut
uns dargeben hat MATHESIUS Sarepta 36b.

ZÄHLBOGEN, m., bogen papier, formular für eine volkszählung u. dgl.: fingerzeige finden auf dem
zählbogen selbst besser platz CONRAD handwb. d. staatsw.3 2, 797.

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ZAHL-,ZÄHLBRET, n.

1) bret, geld darauf zu zählen: eჳ was ein rîcher man, der hette gar vil pfennige und nam die pfennige gar
dicke und schutte sie ûf ein zalbret und zallete sîne pfennige predigtmärlein in der Germ. 3, 425, 5;
darnach am eritag da köpft man die zwen statrauber, heten hie zu Nurmberg ... das gelt dem weinschenken
vom zalpret genumen d. städtechr. 11, 697, 16; da kumpt der (gastwirth) mit dem zalbret, ... und sprach
zů Ulenspiegeln, das er uf legt zwen cölische wyszpfenning für daჳ mal Ulenspiegel 80, s. 119
Lappenberg; fornen wie ein zahlbrett mit einer schnauzen gemacht THURNEISZER von wassern (1572)
s. 83; zalbrätt, telonium MAALER 512a; abacus, zahlbret STIELER 2253; zählbrett, banco ò tavolina, ove
si conta ò numera la moneta, contoir, petit rouleau, sur lequel on conte l'argent RÄDLEIN 1081a ;
zählbret, ein mit einem rande umgebenes bret, geld darauf zu zählen ADELUNG;

aber's zelbrets speck (das geld) macht den lieb,


so vor kaum tüchtig war zum dieb,
mit geld wird leicht all schand verdeckt
KIRCHHOF wendunm. 303.

2) zählbret, im bergwerk ein bret mit löchern, die zahl der ausgezogenen kübel vermittelst eines
pflockes auf demselben zu bemerken ADELUNG.

ZAHLBUCH, n., buch, in dem personen oder gefälle aufgezählt werden, register: ahd. zalpuoh,
computus GRAFF 3, 34; mhd. zalbuoch; wenn die armen leüt hilf oder schirme sůchen von den edlen von
aigenschaft wegen und sich dann darnach erzaigen mit ferten oder fahren (dienstfahrten) oder mit
schenkung zů hailigen zeiten, so würt dann darausz ein recht und ewiger zins, und würt von in (den
adlichen) eingeschriben in ir zalbůch KEISERSBERG granatapfel (1511) B 4c; du solt nit darfür haben,
mein leser, dasz ich alle die für ketzer achte, die ich hie erzölt, in das zalbůch der ketzer geschriben hab S.
FRANCK chron. 1531 334b.

ZAHLBUCHSTABE, m., buchstabe, der zugleich als zahlzeichen dient: bisz er die zahlbuchstaben dahin
bracht, das sie im 1516 ... geben NAS d. antipap. eins und hundert 5, 98b; den vers, welcher den anfang
der reformation des herrn Lutheri in den zahlbuchstaben begreiffet RICCIUS musicbüchlein (1631) 73;
vgl. chronogramm oder chronostichon, eine zahlbuchstabeninschrift HEYSE fremdwörterb. (1879) 175b
und: ewr erlogne zahlbuchstablerey NAS a. a. o. 5, 113b.

ZÄHLCHEN, n., dim. zu zahl: so setzte er in seinem buche auf die seite des soll mit wichtiger miene ein
knappes zählchen G. KELLER 1, 145; bildlich: nos unum in christianitate. cum christianus sum, qui mihi
digitum krumbt, Christo, quia sum das kleinst zelichen Christi LUTHER 28, 187, 27 Weim.

ZÄHLEBIG, adj., von zähem leben (vgl. zäh 3 c, oben sp. 35): es sind lauter zählebige sträucher
BERLEPSCH Alpen s. 185.

Bd. 31, Sp. 44

ZÄHLEBIGKEIT, f.: seine zählebigkeit liesz sich so leicht nicht todt machen DANZEL Gottsched s. 270.

ZAHLEINHEIT, f., zahl als einheit: ein gewicht von 100 pfunden silber, am werth ... der höchsten bey
den Römern damals gebräuchlichen zahleinheit für geldsummen gleich NIEBUHR röm. gesch. 1, 298.

ZAHLEINSCHRÄNKUNG, f.: sobald aber am untern ende das wachsende geschöpf seine nächste
umgebung ausdehnt, so erhalten sogleich die möglichen schalen einen antrieb wirklich zu werden; bei
lepas anatifera in regel und zahl eingeschränkt. nun waltet zwar bei lepas polliceps dieses gesetz immer
noch vor, aber ohne zahleinschränkung GÖTHE II, 8, 257 Weim.

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ZAHLEINTHEILUNG, f., eintheilung nach der zahl: weil keineswegs alle münzen nach demselben fusze
geprägt werden, und name, zahleintheilung und gewicht den innern werth nicht genügend erkennen läszt
RAUMER gesch. d. Hohenst. 5, 430.

ZAHLEN, verb., numerare, solvere.

1) das verbum, ahd. zalôn, mhd. zaln, in andern germanischen sprachen in ähnlicher form (vgl. unter
zahl 1 sp. 36), ist der bedeutung nach ursprünglich von der schwesterbildung zählen, ahd. zellan aus
zaljan streng geschieden: dieses das ältere gebilde, an den allgemeinen sinn des substantivs ahd. zala
anknüpfend, daher zunächst einen bericht, eine darlegung machen, berichten, klar legen ausdrückend,
wie das noch in erzählen th. 3, 1076ff. hervortritt; jenes von anfang ein jüngeres wort, das von der
rechnerischen bedeutung von zala ausgeht und die beschäftigung mit der zahlen- und rechenkunst
bezeichnet. im laufe der begriffsentfaltung beider worte sind übergänge entstanden, die durch den
neueren sprachgebrauch wieder entfernt wurden (unten 2).

2) zahlen in alter sprache rechnerisch ausführen, nach den regeln der zahlenkunst vor- oder darlegen:
ahd. zalôn, calculum ponere, considerare numerum, numeros replicare, reputare GRAFF 5, 643; mhd.
besonders gesagt von der beschäftigung auf der mittelalterlichen rechenmaschine, dem zalbrete (vgl.
zahlbret 1, und den ersten beleg daselbst), daher dann allgemein wie zusammen rechnen, zählen: (David)
det daჳ volg zalen und aneschriben durch alles sin künigrich d. städtechron. 8, 269, 19; die bistume die
dise wyhebischofe hant, die zalet man nüt, wan sü das mereteil ligent in der heidenschaft 405, 17; (der
beuteschreiber im feldzuge schwört) was ich beut, daჳ ich daჳ zalen (aufzählen, angeben) will, und waჳ
ich waisz, daჳ ich daჳ melden wil getreulich und an alles geferde 2, 261, 21; auch wie zurechnen, zu etwas
zählen: die vorgenanten zwene, Otho und Vitellius, die zalt men nüt zů keysern, wan sü mit bosheit und
falsche an das rich koment 8, 344, 20; in freierem sinne, wo das rechnerische zurücktritt, so dasz sich
hier übergang in den begriff von mhd. zeln vollzieht:

hie von kumt inneclîch gedanc,


sô der vil süeჳe vogelsanc
der werlde ir liep beginnet zaln (darlegen, künden)
Trist. 121, 13;

welcher übergang auch formell nahe liegt, da das umlautlose prät. von zeln, zalte, sich vom prät. von
zaln nicht unterscheidet. zahlen in der bedeutung von zählen noch im 16. jahrh. (vgl. auch erzahlen th. 3,
1076): ordenlich, unterscheidlich zahlen, dinumerare, zumal zahlen, connumerare DASYP.; werden offt
jhr kronen zahlen und rechnen wa sie die haben FISCHART groszm. 131 (souvent conteront leurs escus
Rabelais); der selbig (bauer) fand den pfaffen ein mal seine besen zalen WICKRAM rollw. 84, 10 Kurz;
der pfaff fieng an und zalt seine besen 85, 10.

3) die spätere und heutige bedeutung der erlegung einer summe, die zahlen hat, geht von der
angeführten mittelalterlichen verwendung des zahlbrets aus, welches bei allen gröszeren berechnungen
in anwendung kam, und vom gebrauche der rechenpfennige (th. 8, 344; vgl. auch zahlpfennig unten); von
anfang an ist dabei das verbum als bezahlen (th. 1, 1792) häufiger im gebrauch als in einfacher form;
baar herausz zahlen, adnumerare DASYP.; zahlen, solvere SCHOTTEL 1446; ich zahle, solvo, persolvo,
pensito STEINBACH 2, 1067.

Bd. 31, Sp. 45

a) intransitiv: nach und nach, sive under der hand zalen, commode, sensim, particulatim solvere
STIELER 2251; er kan nicht zahlen, non est solvendo STEINBACH 2, 1067; vor einen guten freund
zahlen, pro amico dependere ebenda; zum voraus zahlen, richtig zahlen, für einen andern zahlen
ADELUNG; ein kaufmann hört auf zu zahlen beim bankerott CAMPE; baar, in gold, in silber, durch
anweisung zahlen; ich glaube nicht, dasz er zahlen kann J. GOTTHELF schuldenb. 188;

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jeder thut so viel er kan,


zahl ich nicht, so schreibt es an,
oder laszt es mahlen
GREFLINGER Seladons weltl. lieder (1651) 54;

der posten fand sich in der rechnung,


ich weisz, wir haben noch daran zu zahlen
SCHILLER 12, 72 (Piccol. 1, 2);

in freiem und bildlichem sinne: untreu trifft doch ihr eigen herrn, oder da sichs verzeucht, so zahlen
endlich die erben SCHUPPIUS 833; ich will dir zahlen, wie du es um mich verdient hast, ego te, ut
meritus es de me, tractabo; mit schlägen zahlen, rem pugnis solvere STEINBACH 2, 1067; der acker
zahlt gut, vater! sprach ihn Sabin an (vergilt reichlich die auf ihn verwendete mühe) ROSEGGER weltgift
264;

durch die flucht allein entging er seinem lohn.


doch, rache hab' ich ihm geschworen,
du sollst mir zahlen für ihn! da, sieh zu deinen ohren!
WIELAND 5, 12 (Oberon 1, 35);

ich zahle dir in einem andern leben,


gib deine jugend mir,
nichts kann ich dir als diese weisung geben
SCHILLER 4, 28 (resignation);

treue läszt ihm keine wahl.


und so, des bundes general,
sah ihn der Rhein, sah ihn Westphalen,
mit scharfer münze klingend zahlen
A. V. DROSTE-HÜLSHOFF gedichte (1873) 372.

b) transitiv, mit sächlichem object, geld erlegen, darzählen zur lösung einer verbindlichkeit, auch mit
persönlichem dativ; so in einem kauf- oder lohnverhältnisz: geld, eine rechnung zahlen; die höchsten
preise für waaren zahlen; er zahlte ihm was er forderte; einem gehalt, lohn zahlen; baur, zahl den kosten
Garg. (1590) 78; als die mesz vollbracht ward, fürt sy der pfaff ins wirthshausz, zalt die ürten WICKRAM
rollw. 86, 6 Kurz; das geld baar zahlen, pecuniam reprœsentare STEINBACH 2, 1067; dieser (bischof)
liesz ihn (Hackert) auf mehrere monate nach dem landsitz Ivri kommen, um die schönsten aussichten nach
der natur für ihn zu zeichnen und zu mahlen; welche arbeit ihm sehr gut gezahlt wurde GÖTHE 46, 122
Weim.; lady. mensch! was bezahlt dein herzog für diese steine? ... kammerd. gestern sind siebentausend
landeskinder nach Amerika fort, -- die zahlen alles SCHILLER 3, 393 (kab. u. l. 2, 2);

das ir ieder ainen aimer weins zahlen sol


fastn. sp. 610, 19;

sehin, ich bring dir ein mumschantz,


welcher heint dem andern zalt das glog
H. SACHS fastn. sp. 1, 70, 35 Götze;

Blinca kan die mahler-kunst, hat sich selbst gemahlet;


und jhr bild das bleibt jhr doch, obs gleich mancher zahlet
LOGAU 2, 128, 47;

(er) zahlt heilig gaukelspiel mit seinem gut mit freuden


HALLER 149, 124 Hirzel.

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warum erfüllete Satan dein herz, Ananias, dem geiste


gottes zu lügen, und dir von des akers silber zu nehmen?
dein war er, und du konntest ihn behalten; gezahlt war
auch das silber noch dein
KLOPSTOCK 5, 355 (Mess. 15, 628);

besorg' dir sie (die weste) neu!


und weil ich mich freu',
dasz sie mir zum beweise gegolten,
ich zahl' sie! sonst wirst du gescholten!
GÖTHE 1, 203 Weim.;

aber bringe mir auch ein leichtes kettchen, ich will es


dankbar zahlen
267;

wenn ich sechs hengste zahlen kann,


sind ihre kräfte nicht die meine?
14, 86 Weim.

in verstärkter bedeutung, so dasz der sinn des gut, reichlich zahlens heraustritt:

Bd. 31, Sp. 46

sag, das ist wol ein schöner al,


ich můst jn aber zalen wol,
der salm, der karpff, der hecht ist gůt,
nur dasz mans so thewr geben thůt.
kein bessern hasen darff ich sagen,
hat man disz jar nicht sehen jagen,
den hat mir heimlich bracht ein pawr,
er nam jn aber zalt, der lawr
Grobianus 120 (v. 4149) neudruck;

in einem schuldverhältnis: der war inn das viert jar in einem hausz gesessen und hette noch nie kein zinsz
darvon zalt WICKRAM rollw. 40, 23 Kurz; er zahlt die schuld, explicat solutionem, wer wird die schulden
zahlen? quis aes alienum luet? STEINBACH 2, 1067; seine schulden, einen wechsel zahlen, den zoll
zahlen ADELUNG; zins, gefälle, abgaben, strafe zahlen;

entlehest vil auff borg und bitt


machst grosz geltschult und zalst jr nit
H. SACHS fastn. sp. 1 60, 205 Götze;

er sieht nicht was er ist, er denkt nicht was er war,


nicht an die dürftigkeit, aus der ich ihn gerissen,
an seine schulden nicht, die ich doch zahlen müssen
GÖTHE 9, 42 Weim.;

auch mit sächlichem subject: der weizen zahlt einen hohen zoll; und reflexiv: eine schuld zahlt sich leicht
in raten; etwas zahlt sich schwer;

hier wo sich vergnügen

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nicht mit silber zahlt


HERDER 129, 288.
c) zahlen mit persönlichem accusativ, einen zahlen, durch zahlung entschädigen, befriedigen: die
werckheiligen, die sich her trollen, bringen yhre werck, ... dürffen zu gott sprechen: zall mich, als ob er ein
trödler sei LUTHER 16, 400, 31 Weim.; der mir nicht vergibt (die schuld erläszt), der will zahlt sein
PARACELS. opp. 2, 237 A; wilt du mich zalen (spricht der wirth zu einem gaste), mit heil; wo nit, will ich
mich den nechsten zů meines gnedigen fürsten und herren von München secretarien verfügen: der selbig
wird mir wol weg und steg anzeigen, damit ich zalt werd WICKRAM rollw. 95, 29 Kurz; so vermeinen des
gemeldten erben vormünder, ihr mündel sei noch nicht gezahlt SCHWEINICHEN 2, 174; (du muszt ihn)
sehr und hoch bitten, das er dich zahle ZINKGREF apophth. (1626) 1, 385; so viel bringe ich nicht auf, so
lange mich der andere nicht zahlen kann J. GOTTHELF schuldenb. 188;

der meister dir geliehen hat,


das du solt zalen den gwandschneyder
H. SACHS fastn. sp. 1, 41, 145 Götze;

wer schuld mit schulden zahlt, thut selten alles gut,


der letzte, der jhm borgt, den zahlt er mit dem hut
(d. i. als bettelmann)
LOGAU 3, 27, 23;

wiewohl man ihn bei diesem hochzeitfest


(wie überall) die geiger zahlen läszt
WIELAND 12, 87;

der weg ist weit, die hölle tief,


und ihre felsen steil und schief --
doch zalt mich ja ein könig!
SCHILLER 1, 253;

denn wer vermöchte wohl jetzt die arbeitsleute zu zahlen


GÖTHE 50, 212 Weim.;

in einer sprichwörtlichen wendung:

fällt kein geld, noch haberstroh,


ey so wil ich euch doch so
wie die mönche zahlen (d. i. mit dem segenswunsch
bezahl's euch gott!)
GREFLINGER Seladons weltl. lieder (1651) 54.

d) auch dieses zahlen (b. c.) in freiem und bildlichem sinne, wie erstatten, vergelten,
entsprechendenfalles auch in den begriff des büszens (bei schuld und übel) überschlagend: doch zalt in
got pei dem pret (sogleich, baar, vgl. oben zahlbret und bret 7, th. 2, 376, d. h. er vergalt seine sünde)
AVENTIN 1, 218, 16; die (bankerotte kaufleute) die kost es wenig, wann sie es (das gut) mit ander leut
gut, oder mit fersengelt zahlen Garg. 79 neudr.; er soll mir zahlen die todesblässe auf diesen wangen! soll
mir zahlen die vernichtung, die an diesem herzen saugt! soll mir zahlen die starren thränen, die an diesen
augen hängen KLINGER 2, 28;

ich wil sie lassen klaffen


und hin und wider gaffen,
sie werdent zalet feyn
FORSTER liedl. 27 (1, 38, 2) neudr.;

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Bd. 31, Sp. 47

wenn sie (ehrlose buben) eins frommen mans behufen,


redens freundlich; er unverdrossen
hilfft jn; wenn sie sein han genossen,
mit untrew thun jhms wider zalen
B. WALDIS Esop 1, 39, 29;

dasz wir dir zalen dein wolthat (vergelten)


J. AYRER 2, 824, 31 Keller;

weil aber du thetst schlagen mich,


so will ich wider zahlen dich (auch schlagen)
3, 1815, 29 Keller;

so theur musz Thebe deinen golddurst zahlen!


SCHILLER 6, 144;

wohl denen, die des wissens gut


nicht mit dem herzen zahlen!
11, 260;

(sie werden) mit unsrer armuth ihre länderkäufe,


mit unserm blute ihre kriege zahlen
14, 312 (Tell 2, 1);

was ich mir gelobt


in jenes augenblickes höllenqualen
ist eine heilge schuld, ich will sie zahlen
390 (4, 3);

wann aber ein land und stad ihrer frommen obrigkeit vergisset und zahlet ihre erben mit teuffels-danck
SCHUPPIUS 833;

der falschheit gibt für witz, wer dem gibt koth für gold
zahlt ihn mit eigner müntz, und zahlet wol die schuld
LOGAU 2, 171, 65;
mit unpersönlichem subject:

gar stark und immer zahlen


die blättlein ihren zoll
SPEE trutzn. 93 Balke;

dann zieht sich auch der hirt in die beschneyten hütten ...
hier zahlt die süsze ruh die müh die er erlitten
HALLER (1762) 40;

laszt die rechnung der tyrannen


anwachsen, bis ein tag die allgemeine
und die besondre schuld auf einmal zahlt
SCHILLER 14, 336 (Tell 2, 2).

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ZÄHLEN, verb., declarare, computare, numerare u. ä.

1) das verbum, dem gesamten germanischen sprachgebiet angehörig (vergl. unter zahl 1), ist seiner
bildung nach bewirkungswort zu dem subst. ahd. zala, zunächst mit dem allgemeinen sinne einen bericht
machen, berichten, von der bedeutung des darlegens, aufzählens auch in die des bloszen erzählens
überschlagend. die formennähe beider verben bewirkt theilweise übergänge der bedeutungen, vgl. dazu
unter zahlen 1; auch ist im mhd. zu zellen, zeln, das prät. vorwiegend ohne umlaute als zalte, part. prät.
gezalt gebildet, welche formen sich noch bis ins 16. jahrh. halten: do man zalt von der sindfluesz fünfzig
und dreihundert jar AVENTIN bayer. chron. 1, 91, 31; als man zalt nach Christi geburt neunhundert
achtundvierzig jar 2, 269, 9; die har eures haubtes sind all gezalt bibel v. 1483 474b (Matth. 10, 30).

2) zählen, gemäsz der bedeutung des subst. zahl 2, in der bedeutung bericht erstatten, geordnet
darstellen, genaue kunde geben: daჳ evangelium zelit uns, daჳ unser hêrro Jesus Christus zuo den
heiligen boton imo irweliti sibincig unta zwêni jungeron MÜLLENHOFF u. SCHERER denkm. 86 B, 1;
Phisiologus zellit, daჳ diu âmeiჳe driu geslahte habe fundgr. 1, 32, 1;

thir zell ih hiar ubarlût: er was Kriste filu drût,


er was sînêr liobo: thes sîst thu mir giloubo
OTFRID 3, 23, 7;

ube mir got der guotegeruochet senten ze muote,


daჳ ich chunne reden,also ich diu buoch hôre zelen,
sô wurde diu zala minnechlîch
genes. in den fundgr. 2, 10, 4;

mit acc. der sache, auch dat. der person:

iro ist filu thrâto,therô druhtines dâtô,


joh managfalt ouh manneal zi zellenne;
thoh willuh hiar nû suntarzellen einaჳ wuntar
OTFRID 3, 23, 2. 3;

dû hâst kurzwîle vil,


der ich dir manege zelen wil,
dâ mite dû sîn (des kummers) vergeჳჳen maht
HARTMANN 1. büchl. 674;

in die bedeutung des beschreibens, vorschreibens, bestimmens übergreifend:

sie (die weisen aus dem morgenlande) wurden slâfentê fon engilon gimanôtê,
in droume sie in zelitunthen weg, sie faran scoltun
OTFRID 1, 17, 74;

Bd. 31, Sp. 48

vater mîn, eჳ ist gezalt


über mich dîn gewalt.
swaჳ dû gebiutest, vater mîn,
daჳ sol nach dînen hulden sîn
g. Gerhard 4271;

oder auch des rügend vorbringens, darlegens:

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swaჳ ir ûf die klœster zelt,


dâ habt ir zuo dehein reht
buch der rügen 1088 (Haupts zeitschr. 2, 76);

im ältern nhd. noch in dem abgeschwächten sinne vorkommend, der in erzählen (s. d.) bis jetzt lebt, vgl.
auch verzählen, mhd. verzeln, niederd. vertellen: zellen, sagen, narrare, enarrare MAALER 514a; ich hab
aber ... die ursach (einer belagerung) in einem alten geschrieben bůch gefunden, die wil ich in jrem werd
gleich bald hernach setzen oder zelen FRANCK chron. (1538) 219a;

wie ich hernach wol zellen will


MANUEL weinsp. 3095 neudr.;

ein artzt ist gar ein glücklich mann,


was er berühmtes hat gethan,
das kan die zeit selbst sagen an:
sein irrthum wird nicht viel gezehlet,
dann wo er etwa hat gefehlet,
das wird in erde tieff verhölet
LOGAU 1, 83, 40;

was bey hofe wird gefehlet


das wird lange da gezehlet;
morgen denckt man kaum daran
was man heute wohlgethan
2, 96, 94;

wann er sein eignes lob


wie wider willen zehlt, so macht ers nicht zu grob,
er braucht bescheidenheit, gibt aber zu vermerken,
es stecke mehr im sack
3, 217.

3) zählen, von der rechnerischen bedeutung des subst. zahl ausgehend, in mancherlei färbung des
sinnes.

a) allgemein mit zahlen hantieren, zahlen gebrauchen und gebrauchen können: numerare zeln, zellen,
tzellen, niederd. tellen DIEF. 385a; richtig, falsch zählen, vorwärts, rückwärts, laut, leise zählen; von eins
bis zwanzig, bis hundert zählen;

weibern sind gebrechen


sonsten nicht zu rechen,
auszer wenn sie fehlen
und die manne zehlen
LOGAU 3, 235, 96;

dinumerat digitis, er zählets an den fingeren DASYP.; an fingeren zelen, dinumerare digitis, supputare
articulis, vollkommenlich zehlen pernumerare, nach eynander zehlen, enumerare, widerumb zehlen,
renumerare ebd., man zalte in der alten ê an den vingern. des kunnet ir ungelêrten liute niht, wan eჳ ist
der gelêrten vil, die es niht kunnent. man zelt also, sô sîn sehzic wirt, sô leit man den dûmen in die linken
hant BR. BERTHOLD 2, 193, 24; anders jetzt: man kann es an den fingern zählen, etwas geringes oder
leichtes, vgl. abzählen th. 1, 156, herzählen th. 4, 2, 1224; wenn wir z. b. von dingen, deren es nur wenige
giebt, sagen, dasz sie sich an den fingern zählen lassen; warum sollte man nicht von dingen, die fast einzig
in ihrer art sind, im scherze sagen dürfen, dasz sie sich an der nase zählen lassen? (nach franz. choses
qu'on peut compter avec le nez) LESSING 11, 654; als spiel: wir spielen zählens, sagte sie. nun gebt acht!

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ich geh im kreise herum von der rechten zur linken, und so zählt ihr auch rings herum, jeder die zahl, die
an ihn kommt GÖTHE 19, 35 Weim.; als dumm gilt, wer eine niedrige zahlenreihe nicht zählen kann,
drei, vier, fünf, sieben: ein narr oder kind, der nicht sieben zelen künde LUTHER 8, 95b (86a); stellet sich
also sehr schwach, als kündte er nicht vier zehlen tischr. 300a; so einfältig, dasz sie nicht könnten drey
zehlen ABRAHAM A S. CLARA Mercks Wien 184; er kan nicht drey zehlen, er weisz nicht, ob er ein
mägdgen oder ein bübgen ist, il ne sait ni a, ni b, il est fort ignorant, il n'entend ni à dia ni à hurhaut
RÄDLEIN 1084b; er kan nicht fünf zehlen, dicitur de homine prorsus stupido, qui duo et tria colligere
nequeat STIELER 2249; als ob er nicht bis drei zählen könne, so konnte dieser lump sich anstellen, und
gerade damit fing er die meisten gimpel POLENZ büttnerbauer 1, 36;

thut sam könn er nit fünffe zellen


KOHLROSZ betracht. 64a.

Bd. 31, Sp. 49

b) durch zahlen bestimmen, zur ermittelung einer summe eine zahlenreihe durchgehen; (er) fing
nachher manchmal wieder an zu zählen und zu rechnen, und schien verdrieszlich, dasz die summen mit
der casse nicht übereinstimmen wollten GÖTHE 18, 199 Weim.; ich musz zehlen, wie viel es heyrathen
setze A. GRYPHIUS (1698) 1, 832; mit sächlichem und persönlichem object: et numerabo eos, et super
harenam multiplicantur. unde zello ich sie und ist iro mêr denne meregrieჳes NOTKER ps. 138, 18; di hâr
ûweres houbites sint alle gezalt Behaims evang. buch, Luc. 12, 7; sihe gen himel, und zele die sterne,
kanstu sie zelen? 1 Mos. 15, 5; ich wil dir wolthun, und deinen samen machen, wie den sand am meer, den
man nicht zelen kan fur der menge 32, 12; wenn du die heubt der kinder Israel zelest 2 Mos. 30, 12;
darnach solt jr zelen vom andern tage des sabbaths, da jr die webegarben brachtet, sieben gantzer sabbath,
bis an den andern tag des siebenden sabbaths, nemlich, funffzig tage solt jr zelen 3 Mos. 23, 15. 16; zele
das volck, das ich wisse, wie viel sein ist 2 Sam. 24, 2; wunder, die nicht zu zelen sind Hiob 5, 9; du hast
schon meine genge gezelet 14, 16; wie köstlich sind fur mir gott deine gedanken? wie ist jr so ein grosze
summa. solt ich sie zelen, so würde jr mehr sein denn des sands ps. 139, 18; gält zällen MAALER 514a;
gelt zehlen, numerare pecuniam STIELER 2249; das volk zehlen, numerum copiarum inire ebenda; ich
kan seine wohlthaten nicht zählen, beneficia ejus numerando percensere non possum STEINBACH 2,
1065; in diesem gewölbe ... entdeckte Faust den edelmann vor einem eisernen kasten, in welchem viele
säcke mit geld lagen, die dieser mit zärtlichen augen ansah, und hierauf in einen leeren das gold stück für
stück zählte, das er Fausten abgewonnen hatte KLINGER 3, 195; weil er sofort begann, die holzscheite ...
innerhalb eines ungefähren quadratischen bezirkes zu zählen KELLER 6, 11; gegenstände nach
dutzenden, schocken, hunderten zählen, sie nach solchen abtheilungen gliedernd;

got hieჳ in ûf sehenan den himel heiteren,


hieჳ in zelen die sterne,die er sâhe nâhene oder verre
genesis in den fundgr. 2, 30, 8;

(ein terminierender mönch) gundt im dorf gar umbher gehn,


zelt häuser, liesz die schewren stehn
B. WALDIS Esop 4, 22, 28;

wer schärft den ähren ihre spitz,


wer thut die körnel zählen
SPEE trutznacht. 89, 126 Balke;

niemand hats gezählet gar,


niemand hat es ausgekreidet
ob auch zahl der tropfen war
167, 58;

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wer zählt die gaben alle? wer?


zählt jemand auch den sand am meer?
ist jemand, der am firmament
die summe der gestirne nennt
BÜRGER 12b;

wer zählt die völker, nennt die namen,


die gastlich hier zusammen kamen
SCHILLER 11, 243 (kraniche des Ib. 91);

er zählt die häupter seiner lieben,


und sieh! ihm fehlt kein theures haupt
312 (glocke v. 227);

erstlich zählt' er der robben gelagerte reihen umwandelnd;


aber nachdem er alle bei fünfen gezählt und gemustert,
legt' er sich mitten hinein, wie ein hirt in die herde der schafe
VOSS Odyss. 4, 411;

in freierem sinne, auf grund eines zahlenverhältnisses bestimmen, angeben:

der seine noht kaum zählen kan


NEUMARCK lustwäldchen s. 50;

o sage, wenn dir ein verhängnisz nicht


die lippe schlieszt, aus welchem unsrer stämme
du deine göttergleiche herkunft zählst
GÖTHE 10, 36 Weim. (Iphig. 2, 2).

mit angabe der wirkung:

zehlt immerhin, ihr kargen thoren,


die finger blau, das silber blanck
GÜNTHER 172.

c) in besonderen wendungen.

α) von der uhr, der stunde: die art der Italiäner die uhr zu zählen GÖTHE 32, 341 Weim.; deutsche
regenten

Bd. 31, Sp. 50

haben in ihren italiänischen staaten schon die uns gewöhnliche art die stunden zu zählen eingeführt
ebenda (in einem aufsatz: s t u n d e n m a s z der Italiäner);

das flämmlein, so mich quälet,


noch bleibt in voller glut,
all stund, so viel man zählet,
michs je noch brennen thut
SPEE trutzn. 7, 23 Balke;

besonders bei heftigem verlangen: du weiszest, mein vater zelet stunde und tag, und wenn ich einen tag
zu lang auszen bliebe, so würde seine seele betrübt Tob. 9, 4; ich weis, das mein vater und mutter jtzund
alle tag und stunde zelen, und sind meinet halben hoch bekümert 10, 10; schon wochenlang zählten wir

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die stunden STEFFENS was ich erlebte 1, 85;

schau ich zehle tag und stunden,


bisz ich selig werd' entbunden
SILESIUS heil. seelenlust 107 neudr.;

welche nacht des wartens ist vergangen!


wacht' ich doch und zählte jedes viertel
GÖTHE 2, 98, 13 Weim.

β) zum behufe einer einschätzung, steuer: zählt könig Bisino eure rinderheerden nicht, die ich dort bei
den hütten sehe? FREYTAG ahnen 1, 8; ahd.

sant er filu wîseselbes boton sîne,


thaჳ sie erdrîchi zaltin
OTFRID 1, 11, 5;

bei kauf und bezahlung, von gekauften waren:

frau, wie gebt ir der zwifal ein schock?


die zelt mir her in mein rock
fastn. sp. 369, 26;

bei erlegung des geldes dafür: der frauwen das gelt zellen und bezalen, pecuniam mulieri omnem
annumerare MAALER 514a;

kam in die stat in ain wirczhaus,


as suppen, zug sein gelt heraus
zelet das auf dem tisch allein
H. SACHS fab. 2, 203, 47 Götze;

ich gib gut pfenbert, gute eln,


bin trew im rechnen und im zeln,
bin schlecht und gerecht im geltlösen
dessen fastn. sp. 1, 88, 182 Götze;

münze
... die man aufs bret nur zählen darf
LESSING 3, 89, 357;

ganz in den sinn von auszahlen übergegangen: es ist bos gelt zelen ex vacuo loculo LUTHER 27, 274, 7
Weim., variante gelt zelen aus leren (ledigen) taschen; (er) sagte: es wäre die verehrung zu wenig; wir
schickten derowegen unsern furirer wieder zurück und lieszen ihm noch 12 thaler zehlen und also
befriedigen pers. reisebeschr. 1, 16; auch uneigentlich, von verabreichung einer anzahl schläge: ich
lasse jedem von euch 500 schläge auf den bauch zählen KOTZEBUE dram. w. 1, 190; sie ... zählten ihnen
schwere schläge auf den rücken FREYTAG 17, 220 (bilder 1); vgl. dazu auszahlen th. 1, 1022.

γ) bei zutheilung: und nach seiner reinigung sol man im zelen sieben tage. und wenn er wider hinein zum
heiligthum gehet ... so soll er sein sündopfer opffern Hes. 44, 26.

δ) in älterer sprache auch bei scheidung in theile: ipsi haben gezelt den tag ynn vier teil LUTHER 29,
248, 14 Weim.; zwolff gulden jeden zu 15 batzen getzelt LENNEP lands. 2, 57 (von 1565).

ε) silben zählen, in der metrik, takt zählen, in der musik: kritiker, die ja so gut sylben zählen, und

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skandiren können HERDER 5, 189; man wird vom zählen (des musikalischen taktes) allein ganz confus
GUTZKOW ritter v. geiste 2, 314.

ζ) an einem magern kann man die gebeine, die rippen zählen: ich möcht alle meine beine zelen, sie aber
schawen und sehen jre lust an mir ps. 22, 18; darümb mus man dem esel das futter höher legen ... das man
im die rieben zelen möge LUTHER 28, 653, 24 Weim.;

ir (einer frau) pfärt gein kumber was verselt:


man het im wol durch hût gezelt
elliu sîniu rippe gar
Parz. 256, 18;

ich möcht zelen all mein gepain


H. SACHS 18, 103, 24 Keller-Götze;

o die natur, die zeigt auf unsern bühnen sich wieder,


splitter nackend, dasz man jegliche rippe ihr zählt
SCHILLER 11, 150 (xenien 396).

Bd. 31, Sp. 51

vgl. auch: man würde seine zähne durch seine backen zählen GÖTHE 45, 4, 28 Weim. (nach dem franz.:
on compterait ses dents à travers ses joues).

η) der geizige zählt die bissen in den hals, mund: wiewol ir mir schir die bissen in den hals zeelet, darzw ir
mir doch nichts gibet LUTHER 27, 410, 34 Weim.; darümb wil man jtzt predigern jr unterhaltung nicht
geben, wenn man sie sol ernern, so zelet man jnen die bissen brots ins maul 28, 371, 11; aber von einem
kargen filze, küssen- und druckenpfennige oder nagenranft, der nicht gerne essen sihet und zehlet einem
die bissen in hals, redet jederman übel MATHESIUS Syrach 2, 46a; wenn ihm (dem gaste) ein jedweder
bisse in den mund gezehlet und jedes wort aus dem munde aufgefangen und beigeleget wird, so wird ihm
wohl kein gericht recht schmecken können SCRIVER andachten (1721) 421, vgl. zuzählen; auch von
anderem:

madame giebt mir (dem mopse) manchen kusz,


manch schmätzchen, dem kein nachdruck fehlet.
mir kommen sie im überflusz,
dem manne werden sie gezählet
HAGEDORN 2, 28.

θ) sonst sprichwörtlich oder in bildlichem oder uneigentlichem gebrauche: der wolf friszt auch die
gezählten schafe SIMROCK sprichw. 641; meine mutter möchte mich gern in activität haben, sagst du:
das hat mich zu lachen gemacht. bin ich jetzt nicht auch activ? und ist's im grunde nicht einerlei, ob ich
erbsen zähle, oder linsen? alles in der welt läuft doch auf eine lumperei hinaus GÖTHE 19, 56 Weim.;

man soll die stimmen wägen und nicht zählen


SCHILLER 152, 457 (Demetrius 481);

und wenn er nun heimeilt, und nicht erwarten kann, die ganze summe seiner freuden vom gesicht dieser
tochter herunter zu zählen 3, 488 (kab. u. l. 5, 4).

d) zählen, von der angabe einer summe auf grund der einzelzählung; auch hier in mancherlei festen
verbindungen.

α) das land zählt zwei millionen bewohner; diese stadt zählte noch vor kurzem nur wenige tausend

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einwohner; die schule zählt hundert schüler; fürs fünfte zähltest du zu Brie bei dem pächter 40 stück
hornvieh auf 1500 scheffelsaat genutztes land MÖSER phant. 1, 246; an gezählten köpfen hundert
sechzehntausend sechshundert vier und sechzig 243; (es) wurden damals 19 684 wohnungen gezählet
ebd., anmerkung; von den zwanzig bataillonen, welche die brigade im ganzen zählte L. HÄUSSER
deutsche gesch. 42, 253;

noch viele heimliche verehrer zählt


der römsche götzendienst auf dieser insel
SCHILLER 12, 452 (M. Stuart 2, 3).

β) in bezug auf lebensjahre: er zählt bereits siebenzig jahre; ich zähle neunzehn jahre wie das jahrhundert
GÖTHE 43, 41, 13 Weim.;

ein schönes kind, das mit dem nächsten lenzen


erst sechzehn zählt
WIELAND 12, 125 (Klel. 1, 316);

kaum zähltest du acht jahre,


als du sein angesicht zuletzt gesehn
SCHILLER 12, 101 (Piccol. 2, 3);

ich zählte zwanzig jahre, königin, ...


als mich die unbewingliche begierde
hinaus trieb auf das feste land
417 (M. Stuart 1, 6);

freier:

das röcklein, das du trugst, war grün


und zählte schon sehr viele lenze
HEINE 2, 189.

γ) einem bald sterbenden sind die lebenstage gezählt, summe und ende derselben sind erreicht: auch
Waldemars tage waren gezählt DAHLMANN dän. gesch. 1, 307; aber so ergieng es dem groszen redner
öfter und besonders in seiner letzten zeit. denn an dieser stehen wir, seine tage sind gezählt gesch. der
franz. revol. 358;

meine tage sind


gezählt, befürcht ich, und ich achte mich
gleich einer sterbenden
SCHILLER 12, 407 (M. Stuart 1, 2);

gezählt sind deine


lebenstage, Atta Troll
HEINE 2, 389.

Bd. 31, Sp. 52

δ) in der zeitrechnung, von einer erreichten summe der jahrzahl; in älterer sprache: meine liebe mueter
starb an ainem kind da man zalt nach Christi unsers lieben herrn gepurt 1401 jar d. städtechron. 5, 122, 4;
darnach als man zalt 1407 jar 123, 1; diese rechnung hat verschiedene ausgangspunkte: die Juden zählen
die jahre von erschaffung der welt, die Moslems vom tage der flucht Mohammeds; die maurerische
zeitrechnung zählt vielfach von der erschaffung der welt als anfangstermin handbuch der freimaurerei 2
(1901) 577a; von einem tage an zählen, auch bei andern gelegenheiten der zeitrechnung: das künigreich

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zue Jerusalem, von David an zue zelen, (hat bestanden) vier hundert vier und sibenzig jar AVENTIN bayr.
chron. 1, 275, 8; diese sitzung machte der ruhe der oberstatthalterin ein ende: von diesem tage an zählen
die Niederlande alle stürme, die ohne unterbrechung von nun an in ihrem innern gewüthet haben
SCHILLER 7, 170.

4) zählen, rechnerisch überschlagen, schätzen, in anschlag bringen auf grund einer zahlenunterlage:
welîh iuwer ist, ther wolle turra zimbrôn, nibi her êr sizenti zele thiu gifuoru, thiu thâr nôtthurft sint, oba
her habêt zi gifremenne? Tatian 67, 12 (computat sumptus Vulg., uberschleget die kost LUTHER Luc. 14,
28); computare zelen DIEF. 138b. diese im eigentlichen sinne untergegangene bedeutung bildet die
grundlage zu einer reihe freier und bildlicher verwendungen.

a) nach eigenschaft, werth, würde in anschlag bringen, schätzen, ansehen; in älterer spr. mit bloszem
acc.:

nû bigin uns redinôn,wemo thih wolles ebonôn,


wenan thih zelles âna wân (für wen du dich ansiehst,
hältst)
OTFRID 3, 18, 36;

oder mit für:

ich bin für einen guoten fischer gezalt


und bin wol zwei und sibenzig jare alt
Orendel 624 Berger;

wer hübsch kan reden und wol geparn,


den zelt man selten für ainn torn
H. SACHS fastn. sp. 729, 27;

wenn wer der zeit nit ir recht thut,


den zelen di weisen fur ainen gauch
734, 30;

zu aller herrschafft man mich (den reichthum) welet,


dich armut man für nichte zelet
3, 220, 29 Keller;

wo sie in solchen sachen fählen,


wer will sie dann für glaubhafft zählen
FISCHART groszm. 141;

Thais wünscht gestreckt zu sein unter erde von drei elen:


was für erd? ein mensch, ein mann, läst sich auch für erde zehlen
LOGAU 3, 66, 53;

neuer mit als: die reservearmee ... war kaum mehr als eine stütze zu zählen für das geschlagene hauptheer
L. HÄUSSER deutsche gesch. 32, 13; -- auch ohne vermittelnde verbindung:

war umb er (gott) Jacob hat erwelt,


und nit Esau im glich gezelt
BRANT narrensch. 57, 44;

und das all wiszheyt diser welt


ist gegen got eyn dorheyt gzelt

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107, 8;

(ein könig) der auf dieser erden


an weisheit und gerechtigkeit
kan recht der erst gezählet werden
WECKHERLIN 348.

b) statt für oder als mit der präp. zu: und an seine (des Deutschen) bescheidenheit gewöhnt, zählt es ihm
auch weder der Engländer noch der Franzose zum verdienst KLINGER 11, 106;

habt ir mich zu einem hundt gezelt


HÄTZLERIN 196, 126;

wer nimpt ein weib umb gut und gelt,


der ist zu einem löffel zelt
MURNER narrenb. 33, 8 neudr.

c) besonders häufig in neuerer sprache auf einen oder etwas zählen, einen oder etwas bei rechnung,
bestimmung, voraussicht eines künftigen sicher veranschlagen, im wechsel mit auf einen oder etwas
rechnen, vgl. th. 8, sp. 354: zählst du so gewisz auf deinen genius? KLINGER 5, 312; auf dich ist gezählt
GÖTHE 12, 66 Weim.; das hab ich euch nie gesagt, dasz ich unter der hiesigen garnison

Bd. 31, Sp. 53

meine vögel habe, auf die ich zählen kann, wie auf meine höllenfahrt SCHILLER 3, 91 (Fiesko 3, 4); der
herr geheime commissionsrath dürfen auf mich zählen KOTZEBUE kleinstädter 4. act, 12. sc.; ein
ergebener papst, auf den man zählen konnte RANKE päpste 1, 270;

die götter brauchen manchen guten mann


zu ihrem dienst auf dieser weiten erde.
sie haben noch auf dich gezählt
GÖTHE 10, 28 Weim.;

zählt auf mich!


SCHILLER 12, 467 (M. Stuart 2, 5);

sie zählt auf euch,


so minder wird sie anstand nehmen, sich
den schein der gnade vor der welt zu geben
480 (2, 9);

Stauff.: so kalt verlaszt ihr die gemeine sache?


Tell: ein jeder zählt nur sicher auf sich selbst ...
Stauff.: so kann das vaterland auf euch nicht zählen,
wenn es verzweiflungsvoll zur nothwehr greift?
14, 292 (Tell 1, 3);

(wenn er) den fehler begangen hätte, seine neigung auf einen verdienstvollen mann zu werfen, so kann
man darauf zählen, dasz er bald genug von seinem irrthum zurück kommen ... würde WIELAND 33, 22;
wahrhafte tugend, auf die der besitzer und andre zählen können KLINGER 12, 193; ich zäle auf ihre
verschlagenheit, marschall SCHILLER 3, 433 (kab. u. l. 3, 2); ein glücklicher erfolg ist ihr (der weisheit)
gewisz, und sie kann auf beifall und bewunderung zählen, sobald sie in ihren geistreichen planen eine rolle
für barbarey, habsucht und aberglauben hat 8, 54; ich zähle drauf dasz du heute mit mir essen ... wirst
GÖTHE IV 6, 331, 4 Weim.; er war ein junger mann, der noch auf das glück zählte RANKE werke 1, 65;

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auf das reich war nicht mehr zu zählen 222; dieser fürst, der noch auf Trier und Brandenburg zählen
konnte 260; sie zählten auf die macht der ausgewanderten, auf die erhebung ihrer partei päpste 1, 291;
wie konnte man also hier auf sammlung und ruhe zählen? L. HÄUSSER deutsche gesch. 32, 15; bei der
persönlichkeit Friedrich Wilhelms III war darauf zu zählen, dasz er dieser verheiszung treu bleiben werde
57; nur mit Sacken hatte sich Blücher persönlich verständigt und durfte auf seinen beistand zählen 4, 277;
auf starke zuzüge war mit sicherheit nicht zu zählen 297;

ihr zählet, seh' ich, mehr auf meine ruhmbegier,


als euern reiz, den apfel zu erlangen
WIELAND 11, 47 (urteil des Paris 402);

(sie hatten) Palerm (wo Sinibald auf eine erbschaft zählt)


vor kurzer zeit zum aufenthalt erwählt
12, 137 (Klelia und Sinib. 3, 9);

auf ihren beistand wird gezählt


12, 156 (4, 333);

nur halb ist der verlust des schönsten glücks,


wenn wir auf den besitz nicht sicher zählten
GÖTHE 10, 177 Weim.

5) zählen mit hervorhebung der ordnung, wie bestimmen, anordnen, einweisen; in älterer sprache mit
ze:

die ze briester sind gezahlt (ordiniert),


die hânt der zwelfpoten giwalt
daჳ si mit dem gotes worte daჳ si bredigent,
die sundær bindent und erledigent
H. V. MELK erinnerung 99;

(Christus) der iu ze herscher ist gezelt


Barl. u. Jos. 69, 24;

wer nu ze vröuden ist gezalt (wer für freude bestimmt ist),


der wirt gewert
wes er begert,
von des liehten meien zît
minnes. 1, 345b Hagen;

auch ohne ze:

nû habent si mich gezalt (als papst eingewiesen, spricht der h. Silvester),


ich habe enphangen dîn (Peters) gewalt
kaiserchron. 10545;

mit prädicativem adjectivem zusatz, besonders in den verbindungen ledig zählen, los zählen, als ledig
oder los erklären: diser Euilmerodach im ersten jar seiner kaiserlichen verwaltung zelt ledig obgenanten
Joachin, etwan künig zu Jerusalem, seiner gefenknus AVENTIN bayr. chron. 1, 289, 26; der kaiser hat ...
all christen entschuldigt und ledig gezelt von allem bösen geschrai, rechten und sazungen, so über si gieng
derafter und

Bd. 31, Sp. 54

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ausgangen warn 878, 10; alle undertanen sein irs glübs (gelübdes) ... ledig gezelt worden 928, 23; versperr
mir die nicht, die gott ledig zelet (d. h. behalte sie nicht im kloster) LUTHER 15, 138, 37 Weim.; dadurch
gewann er (ein feindlicher oberst) dergestalt nach und nach, dasz ich nicht wieder nach Soest gangen
wäre, wann schon er mich dahin lassen und meines versprechens ledig zehlen wollen Simpl. 1, 312 Kurz;

und in erbat,
das er ihn ledig zelt der band
H. SACHS 2, 124, 26 Keller;

ich wil euch gern zwen gulden geben,


doch mich der brodtwürst ledig zelt (befreit mich von der verpflichtung, euch bratwürste zu geben),
darob mein fraw so dückisch helt,
ich dörft jr keine rüeren an
dessen fastn. sp. 4, 47, 307 Götze;

so zehlete fürst Heinrich alsbald des andern tages in offenem brief alle der herrschaft unterthanen deren
ihm geleisteten eide und pflichten ledig und los HENNEBERGER (1599) 217; dasz es gewisse regeln
giebt, von denen man sich nicht loszählen kann, ohne sich dem urtheil der welt auszusetzen WIELAND 24,
56; forderungen, wovon die Abderiten ihren günstling Hyperbolus so gütig los zählen 19, 87; weitere
belege unter los th. 6, 1174; mit andern adjectiven: ist es das du dyn dienst fürbas wol dienest, so will ich
dich schier fry zelen STAINHÖWEL Äsop 56; sy bitten für die erschlagenen, die sy heylig zölen und für
marterer achten S. FRANCK weltb. 98b;

Aurella geht und beichtet offt, dasz man sie from soll zehlen
LOGAU 3, 242, 135.

6) andere anwendung von zählen mit berücksichtigung des reihenverhältnisses, das in zahl liegt (vgl.
zahl 4); innerhalb einer reihe schätzend herausheben: entsprossen aus einem hause, das von den
frühesten voreltern an bedeutende, würdige und tapfere ahnherren zählt GÖTHE 36, 303 Weim. häufiger,
mit entsprechenden präpositionen, in einer reihe unterbringen, einordnen:

a) einen, sich selbst zu etwas zählen: den daჳ umpillich dunche, daჳ man christen zuo den tieren zelle,
zuo lewen unt ze trackin, unte ze aran, unt zuo andern tieren, die wiჳen daჳ, sô man guotiu dinch meinet,
sô bezeichenent si Christ fundgr. 1, 36, 24; ich wil euch zelen zum schwert, das jr euch alle bücken
müsset zur schlacht Jes. 65, 12; ein ritter ..., der auch wol zu den besten zu zehlen war buch d. liebe 94a;
mit den lieben ihrigen, wozu ich fräul. v. Staff zähle GÖTHE IV 31, 188, 20 Weim.; mancher gelehrte und
angesehene mann zählte sich zu den bekennern (des christentums unter Diocletian) FREYTAG 17, 216
(bilder 1); dieser mann wird zu den vornehmsten kreisen des landes gezählt;

er ist zen wîsen niht gezelt,


der gallen für daჳ honig welt
liedersaal 3, 48, 863;

drum darf sich keiner auf der welt


zu den gerechten zählen
GÜNTHER 22;

dich selbst nun zähl' ich heute zu den meinen


PLATEN 1, 149.

b) einen, sich selbst unter etwas zählen: seind nit wirdig, getzelt zu werden under die törechtigen
junckfrawen LUTHER 10, 3, 355, 4 Weim.; wie ist er nu gezelet unter die kinder gottes? weish. Sal. 5, 5;
wir thüren uns nicht unter die rechen oder zelen, so sich selbs loben 2 Cor. 10, 12 (εγκριναι η συγκριναι

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griech., dômjan aiþþau gadômjan goth.); mit unter die andern gezählt werden, in numerum aliorum
venire, er zählt ihn unter die gelehrtesten leute, eum in numerum virorum doctissimorum refert, er zählt
dich unter seine feinde, hostium numero te habet STEINBACH 2, 1065; wenn ich ihn unter diese
buszfertigen sünder zähle LISCOW 365; unter die gelehrten einen zehlen, in numerum virorum doctorum
aliquem habere, einen unter seine freunde zehlen, in numero amicorum aliquem habere FRISCH 2, 468a;
anderwärts möcht' ich eine quelle suchen, aus der ich einen besondern adel schöpfte und nicht unter die
wahnhaften edelleute gezählt würde GÖTHE 29, 74 Weim.;

doch wenn wir dich unter uns zählen sollen,


so muszt du das schönste, das beste wollen
6, 67 Weim.

Bd. 31, Sp. 55

c) mit andern präpositionen:

der tiuvel virlôs den sînin gewalt,


wir wurdin al in vrîe gezalt (unter die freien eingereiht):
in der doufe wurde wir Cristis man
Annolied 68;

wer daselbst wil alles tadeln, wo er nichts hat zu befehlen,


diesen kan ich nicht verwehren in die jecken-zunfft zu zehlen
LOGAU 3, 187, 80;

man musz sie bei die keck- und aller schönsten zehlen
D. V. D. WERDER Ariost 1, 70, 1;

der himmelsfürst, der richter aller seelen


wird ihn mit ernst mang die verdampten zählen
NEUMARK poet. u. mus. lustwäldchen 7;

ein jeder ist monarch in seines hauses pfälen;


es sey denn dasz sein weib sich neben jhn wil zehlen
LOGAU 1, 71, 82;

ich weisz nicht, ob ich fehlte,


wofern ich Dreszdens wehrt ihm (Venedig) an die seite zehlte (reihte, setzte)
GÜNTHER 715.

7) zählen, auch in bedeutendem sinne, als vorragend, beachtenswerth rechnen, wie einen rechnen th. 8,
351: der ist nicht zu zählen, gilt nicht; krum kan nicht schlecht werden, noch der feil gezelet werden pred.
Sal. 1, 15; tödte, raube, schweige, damit du ein wesen werdest, das die menschen zählen KLINGER 6,
166;

des bösen bleibt nicht viel, wenn wir es also zählen


UZ poet. werke 2 (1768) 82;

schüler macht sich der schwärmer genug und rühret die menge
wenn der vernünftige mann einzelne liebende zählt
GÖTHE 1, 311 Weim.

8) zählen in passivem sinne, gezählt, gerechnet werden, gehört erst der neueren sprache an und ist
entfaltet

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a) nach oben 6: so zählt doch die schlacht vom 23. august zu den wichtigsten ereignissen dieses jahres L.
HÄUSSER deutsche gesch. 42, 258; noch viele andere zählen zu Alkuins akademie FREYTAG 7, 334
(bild. 1); deszhalb allein schon wird er stets zu meinen liebsten hausfreunden zählen W. RAABE Horacker
101; auch er zählt unter meine liebsten freunde.

b) nach oben 7, in bedeutendem sinne, einer, etwas zählt, bildet eine werthzahl: in der vollständigen,
anthropologischen schätzung, wo mit der form auch der innhalt zählt SCHILLER 10, 282; papieradel zählt
ja in deinen augen nicht EBNER-ESCHENBACH 4, 57;

einzelne wenige zählen, die übrigen alle sind blinde


nummern, ihr leeres gewühl hüllet die treffer blos ein
11, 184;

und wenn der einzelne dir herz und geist


und arm und leben fröhlich opfern wollte,
in solcher groszen menge zählt er nicht,
er musz vor dir und vor sich selbst verschwinden
GÖTHE 10, 262 Weim. (nat. tochter 1, 5);

vgl. auch unter mitzählen th. 6, sp. 2432.

ZAHLENAKUSTIK, f., zahlenmäszige akustik: zahlenakustik gehört zur kombinatorischen analysis


NOVALIS 3, 19.

ZAHLENANGABE, f., angabe von einzelzahlen: in den zahlenangaben der ersten jahrhunderte ist an
chronologische genauigkeit nicht zu denken BECKERS weltgesch. 2, 348. vgl. zahlangabe.

ZAHLENANHÄUFUNG, f., anhäufung von zahlen: einer solchen zahlen-anhäufung von pietäten und
verehrungen die einer des werdenden und gegenwärtigen entgegenzustellen NIETZSCHE 1, 307.

ZAHLENARZT, m., der mit zahlen heilen will, scherzhaft: auch der politische zahlenarzt kann hier aus
bekannten zahlen unbekannte herausbringen HIPPEL über d. ehe (1792) 37.

ZAHLENAUSDRUCK, m., ausdruck für zahlen: wenn viele australische mundarten arm sind an
zahlenausdrücken PESCHEL völkerkunde 341.

ZAHLENBFGRIFF, m.: wie unsere zahlzeichen, welche überhaupt für die zahlenbegriffe das sind, was die
chinesischen schriftzeichen für alle begriffe SCHOPENHAUER 5, 607 Grisebach. vgl. zahlbegriff.

ZAHLENBEISPIEL, n., zahlenmäsziges beispiel: für jede versicherungsart ... sind die zur berechnung der
prämien und der prämienreserven dienenden formeln vorzulegen und durch ein zahlenbeispiel zu erläutern
gesetz über die privaten versicherungsunternehmungen § 11, abs. 2.

Bd. 31, Sp. 56

ZAHLENBENENNUNG, f., benennung von zahlen: andre expressivere zahlenbenennungen NOVALIS 3,


282.

ZAHLENBESTIMMUNG, f., bestimmung von zahlen: dasz Bengel wirklich das apokalyptische räthsel
gelöszt habe, folglich auch seine prophetische zahlenbestimmung die wahre sey STILLING 3, 454.

ZAHLENBEZEICHNUNG, f., bezeichnung von zahlen: vervollkommnung der zahlenbezeichnung in


Indien HUMBOLDT kosmos 2, 456; durch zahlen: die zahlenbezeichnung (der berge), wie sie Webb giebt
RITTER erdkunde 3, 988.

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ZAHLENBRUCH, m.:

lös' auf den widerspruch (zwischen geschöpf und schöpfung), gleich' aus den zahlenbruch,
o geist der lieb', und wandl' in segen nun den fluch
RÜCKERT 8, 519.

ZAHLENDE, n., landschaftlich der gipfel eines gefällten baumes, zopfende ADELUNG. zahl für zagel, s.
d. 2 und 3 c, sp. 24 und 25.

ZAHLENDUNG, f., für casus als grammatische bezeichnung: die zahlendung ist eine sonderliche anzeige,
wodurch des nennworts zahl und abfallende endungen künnen erkant werden SCHOTTEL sprachkunst
buch 2, cap. 9, 1.

ZAHLENEBENE, f.: da die ... komplexe zahl ... von zwei reellen zahlen ... abhängt, stellen wir sie durch
einen punkt der ebene dar. die benutzte ebene heiszt die zahlenebene SERRET lehrbuch d. diff.- u.
integralrechnung3 560.

ZAHLENELEMENT, n., zahlenmäsziges element: eine tabelle, die zahlenelemente der planeten ...
umfassend HUMBOLDT kosmos 3, 375.

ZAHLENFIGUR, f., figur, die aus zahlen besteht: dagegen auch das blosze ebenmasz die unangenehme
dürre einer zahlenfigur hat NOVALIS 4, 173. vgl. zahlfigur.

ZAHLENFOLGE, f., folge, reihe von zahlen; auch ordnung, in der die zahlen auf einander folgen
CAMPE; eine unendliche zahlenfolge ist als gegeben anzusetzen BURKHARDT algebr. analysis 80.

ZAHLENGEBÄUDE, n., gebäude von zahlen: sobald sich diese (fehlende belege) finden, fällt das ganze
zahlengebäude zusammen GÖTHE II 5a, 174.

ZAHLENGEBIET, n., umkreis gleichartiger zahlen: diese beziehung des complexen zahlengebietes zu
einem geometrischen gebilde HANKEL theorie d. complexen zahlensysteme 81.

ZAHLENGEDÄCHTNIS, n., gedächtnis für zahlen: er hat ein gutes zahlengedächtnis. vgl. sachgedächtnis.

ZAHLENGEHEIMNIS, n., zahlenmäsziges geheimnis: es giebt zahlengeheimnisse, wechselweise


übertragungen der zahlen in worte J. V. MÜLLER 6, 301.

ZAHLENGESETZ, n., zahlenmäszig bestimmtes gesetz: immer blieb ihm ein hoffnungsvolles vertrauen,
auch da zahlengesetze zu entdecken HUMBOLDT kosmos 3, 479. vgl. zahlgesetz.

ZAHLENGRÖSZE, f., zahlenmäszig bestimmte grösze: dasz selbst bei zahlengröszen geringe
veränderungen in der quantität zu innerlichen verschiedenheiten von höchster wirksamkeit führen
PESCHEL völkerkunde 67. vgl. zahlgrösze.

ZAHLENGRUPPE, f., gruppe von zahlen: Alex. v. Humboldt war der erste, der das entstehen von
zahlengruppen zu 5, 10 und 20 einheiten auf die anzahl der glieder an händen und füszen zurückführte
PESCHEL völkerkunde 115.

ZAHLENHARMONIE, f., zahlenmäszige harmonie: zahlenharmonien, zahlenakustik gehört zur


kombinatorischen analysis NOVALIS 3, 19.

ZAHLENHEILIGKEIT, f., heiligkeit von zahlen: zeichen geflissentlicher anordnung eines religiös an
zahlenheiligkeit hängenden sinns NIEBUHR röm. gesch. 1, 186.

ZAHLENKAMPF, m.: Boethius habe im gefängnisse ... ein zahlenkampf genanntes spiel ausgedacht,

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welches wesentlich auf anwendung von zahlenverhältnissen beruht CANTOR geschichte d. mathem. 1,
580.

ZAHLENKÄSTCHEN, n., magnetisches spielwerk, aus einem kästchen bestehend, auf dessen oberen theil
in einer öffnung nummern erscheinen, die auf einer runden beweglichen scheibe sich befinden
JACOBSSON 8, 234; zahlenkästchen mit dem perspektiv, als mathematisches spielwerk ebenda.

Bd. 31, Sp. 57

ZAHLENKENNTNIS, f., kenntnis der zahlen: in der ersten (klasse wird) ... zahlenkenntnisz ... getrieben
allg. d. bibliothek 65, 541.

ZAHLENKRAFT, f., kraft zahlen zu meistern:

wisse, dasz ich die zahlenkraft


besitz' und die würfelwissenschaft
RÜCKERT 12 (1869), 100.

ZAHLENKUNDE, f., kunde von den zahlen RÜCKERT 7, 432 (überschrift eines gedichts).

ZAHLENKUNST, f., kunst mit zahlen umzugehn, zu rechnen CAMPE. vgl. zahlkunst.

ZAHLENLEHRE, f., lehre von den zahlen, arithmetik CAMPE; Strabo rühmt die Sidonier der älteren zeit
... als meister ... der zahlenlehre RITTER erdkunde 17, 390. vgl. zahllehre.

ZAHLENLOS, adj., ohne zahlen, ungezählt: welch ein unendliches gebiet aber wird dem menschen durch
die hoffnung geöffnet! vorher hatten sie jedes vergnügen nur einmal, nur in der gegenwart genossen -- in
der erwartung wurde jede künftige freude mit zahlenloser wiederhohlung voraus empfunden! SCHILLER
9, 131;

wer bestimmt dem wunderlaufe zahlenloser erden grenzen?


E. V. KLEIST 1 (1766), 123;

aufwärts durch die tausendfache stufen


zalenloser geister die nicht schufen
waltet göttlich dieser drang
SCHILLER 1, 287;

dort lag der schiffe zahlenlos gedränge


6, 348;

und der geburten zahlenlose plage


droht jeden tag als mit dem jüngsten tage
GÖTHE 16, 331 Weim. (Epimen. 5, 7);

was der schönen siegeszeichen


warf das glück in seinen schoosz,
briefe, die von küssen rauschen,
locken, ringe, zahlenlos!
UHLAND ged. (1864) 263.

vgl. zahllos.

ZAHLENLOTTERIE, f., lotterie mit zahlen: es bestehet in Wien leider! noch eine zahlenlotterie NICOLAI
reise 3, 272.

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ZAHLENLOTTO, n., dasselbe wie das vorige, im bilde: das sind die fünf menschlichen ungeheuer, die ich
allen menschen vorführen wollte und für fünf treffer aus dem zahlenlotto des glückes halten konnte J.
PAUL 4, 46.
ZAHLENMAJORITÄT, f., zahlenmäszige majorität, mehrheit: will man aber gar auf das gebiet der kunst
den gebrauch der volksabstimmungen und der zahlen-majoritäten übertragen NIETZSCHE 1, 301.

ZAHLENMASSE, f., masse von zahlen: (gedächtnis) aus welchem jene wimmelnden zahlenmassen
plötzlich gestalt und lebensvoll erschienen KELLER 1, 61.

ZAHLENMÄSZIG, adj.: zahlenmäszige feststellung; zahlenmäszig bestimmen.

ZAHLENMENGE, f., menge von zahlen: der ... begriff der grenze ... einer irgendwie definierten ...
zahlenmenge encykl. d. math. wiss. 11, 63.

ZAHLENMENSCH, m., der nur für zahlen sinn hat: diese und die anderen zahlenmenschen rollten (in
wagen) vorüber HEINE 4, 106.

ZAHLENMYSTIK, f., mystik, die sich an zahlen heftet: es ist sehr wahrscheinlich, dasz in der natur auch
eine wunderbare zahlenmystik stattfinde NOVALIS 2, 269.

ZAHLENORDNUNG, f., ordnung der zahlen nach einander CAMPE.

ZAHLENPROBLEM, n., problem, das aus zahlen besteht: an Leibnitz messen wir ab, wie ... eng die welt
dessen ist, für den es ... nichts gibt als ... zahlenprobleme MOMMSEN reden u. aufs. 44.

ZAHLENRECHENKUNST, f., kunst mit zahlen zu rechnen: demjenigen begriffe, auf welchen die
zahlenrechenkunst eingeschränkt werden kann allg. d. bibl. 25, 241.

ZAHLENRECHNUNG, f., rechnung mit zahlen: es giebt gesetze in der zahlenrechnung allg. d. bibl. 17,
328.

ZAHLENREIHE, f., reihe von zahlen: nun aber in einer gewissen zahlenreihe. 1. übersende zuförderst ...
GÖTHE IV 33, 289, 19 Weim.; die zahlentheorie behandelt die eigenschaften der ganzen zahlen 1, 2, 3, 4
... (natürliche zahlenreihe) math. encykl. 12, 556;

so wahr als aus dem eins die zahlenreihe flieszt


RÜCKERT 8, 577.

vgl. zahlreihe.

Bd. 31, Sp. 58

ZAHLENSÄULE, f.: wo man ein buch oder heft aufschlug, erblickte man nur den lateinischen
gelehrtendruck, zahlensäulen und logarithmen KELLER 7, 10.

ZAHLENSCHÄTZUNG, f., zahlenmäßige schätzung: sodasz die fantasie nicht wagte, eine
zahlenschätzung aller (schnecken und muscheln) zusammen zu versuchen ROSSMÄSSLER d. mensch i.
spiegel d. natur2 4, 43.

ZAHLENSCHEIBE, f.: die kunst im dunkelen mit zahlenscheiben zu rechnen allg. d. biblioth. 100, 462.

ZAHLENSCHEU, adj., zahlen scheuend: zweytens kann niemand zahlenscheuer sein als ich GÖTHE IV
23, 197, 19.

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ZAHLENSCHREIBEN, n.: höre man einen tonkünstler im glücklichsten feuer phantasiren, sehe man ihn
mit genie und enthusiasmus componiren; er ist mit andern dingen beschäftigt, als mit rechnen und
zahlenschreiben HERDER 22, 66.

ZAHLENSIGNAL, n., aus zeichen, welche zahlen bedeuten, bestehendes signal STENZEL deutsches
seemänn. wörterb. (1904) 384a.

ZAHLENSINN, m., sinn für zahlen und zahlenreihen, vermöge dessen jemand zahlen leicht im
gedächtnisse behalten, auch im kopfe leicht rechnen kann CAMPE (aus GALLS hirnlehre).

ZAHLENSPIEL, n., spiel mit zahlen: man sehe, wie Baco das mathematische geistigen und geistlichen
dingen annähern will durch ein anmuthiges heiteres zahlenspiel GÖTHE II 3, 159, 18 Weim.

ZAHLENSPIELEREI, f., spielerei mit zahlen: bei den zahlenspielereien der sankhjâphilosophen und der
buddhisten PESCHEL völkerkunde 116.

ZAHLENSTATISTIK, f., zahlenmäszige statistik: die geistesarbeit ist so persönlich, dasz sie aller
zahlenstatistik spottet RIEHL deutsche arbeit 88.

ZAHLENSYMBOL, n., symbol aus zahlen: über sprache, wort, dagegen buchstaben- und zahlen-symbole
GÖTHE III 10, 212, 20 Weim.

ZAHLENSYMBOLIK, f., symbolik durch zahlen: ich habe von jeher alle zahlensymbolik ... als etwas
gestaltloses und untröstliches gemieden und geflohn GÖTHE IV 23, 197, 21; eine bestimmte
zahlensymbolik sollte dem ganzen der komposition zu grunde liegen H. BRUNN kl. schr. 2, 3.

ZAHLENSYSTEM, n., nach einer bestimmten grundzahl einheitlich gegliederte zahlenreihe: in unserem
gewöhnlichen zahlensystem mit der grundzahl (basis) 10 encykl. d. math. wiss. 12, 941.

ZAHLENTALENT, n., rechnerische begabung: selbst mein zahlentalent brauchten einige verwalter, ihrer
jährigen abrechnung gestalt zu geben VOSS antisymb. 2, 203.

ZAHLENTHEORIE, f., der theil der arithmetik, der sich mit den eigenschaften der ganzen zahlen
beschäftigt MEYER konversationslex.6 20, 834. dazu z a h l e n t h e o r e t i s c h , adj.: die analytische
zahlentheorie giebt die zahlentheoretischen untersuchungen, die auf analytischen betrachtungen beruhen
encykl. d. math. wiss. 12, 636.

ZAHLENVERHÄLTNIS, n.: mit dem unfaszbareren des zahlenverhältnisses tritt auch das unfaszbarere des
tonverhältnisses ein C. H. SCHLOSSER bei GÖTHE IV 25, 307 Weim. vgl. zahlverhältnis.

ZAHLENVERWECHSLUNG, f., verwechslung von zahlen: solche zahlenverwechselungen waren übrigens


in den druckschriften des 16ten jahrhunderts gewöhnlich HUMBOLDT kosmos 2, 492.

ZAHLENWERTH, m., werth von zahlen: bei allem beweglichen und veränderlichem ... sind mittlere
zahlenwerthe der letzte zweck HUMBOLDT kosmos 1, 82.

ZAHLER, m., der da zahlt, eine schuld entrichtet: der zaler et bezaler, zalerinn et bezalerinn, mas,
foemina solvens et satisfaciens creditori pro debito, fidem praestans, aereque alieno sese librans
STIELER 2251; zahler, qui solvit STEINBACH 2, 1067; das er Christum eynn priester auszschreyet, das
ist, eynen patron, fürbitter, mitteler, zcaler aller sünde LUTHER 9, 195, 3 Weim.; ein guter, schlechter
zahler ADELUNG; ein scharfer mahner ist gemeiniglich ein böser zahler ebenda; scharfe mahner machen
gute zahler; je ärger der mahner, je schlimmer der zahler; die besten mahner sind die schlimmsten zahler
SIMROCK sprichw. 360;

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Bd. 31, Sp. 59

das fuder (weins) gilt mir kaumb sechs daler.


wer wil sein meiner unruh zaler (wer zahlt mir meine mühe),
mir werden kaum bezalt die fasz
H. SACHS 11, 376, 7 Keller;

bösz zaler, die doch geren porgen


dessen fastn. sp. 1, 143, 307 Götze;

sind all guet porger und pös zaller


21, 322, 2 Keller-Götze;

du sollst in d'appotheken gahn


oder wo man hat malvasir:
heisz dir ein flaschen füllen schir!
darfür so will ich zahler sein
J. AYRER 4, 2229, 3 Keller;

den wahren gott aus gott, den frummen sündenbüszer,


den zahler aller schuld (Christus)
P. FLEMING 3.

ZÄHLER, m.

1) der da zählt, mit zahlen rechnet, mhd. zeler, zeller; arismetricus zeler DIEF. 48b; zehler et zehlerinn,
mas et foemina numerans, rationem iniens, ad certum numerum aliquid revocans, summas concipians
STIELER 2250; zähler, numerator STEINBACH 2, 1065;

gedenk, o lieber herr, nicht meiner jugend fehler,


sei meiner mängel nicht ein gar zu scharffer zähler
RIST Parn. 636.

zähler in schiefersteinbrüchen, arbeiter der den schiefer sortiert und in haufen setzt JACOBSSON 4,
678a. heute besonders bekannt als bezeichnung der personen, die bei volkszählungen die einzelarbeit
übernehmen: das eingreifen von zählern ..., die an die zu zählenden in den einzelnen orten unmittelbar
herantreten CONRAD handwb. d. staatsw.3 8, 509.

2) in der rechenkunst, gegensatz zu nenner (th. 7, 608): die öberste zal einer gebrochnen heyst der zeler
und die underste der nenner ADAM RYSE rechenbuch B 8a; wiltu wissen wie vil ein ieglicher bruch inn
sich behelt, so resolvir den zeler in seinem werdt und teyl ab mit dem nenner B 8b.

ZÄHLERIN, f., s. oben unter zähler 1. bei den papiermachern ist zählerin eine arbeiterin, die dazu
bestimmt ist, das papier zusammen zu legen und es in riese zu bringen JACOBSSON 4, 678a.

ZÄHLERWERTH, m., werth des zählers, bildlich: welcher (der gemeine soldat) ihm (dem feldherrn) mit
dem gebrochenen zählerwerth zufällt (durch den tod dessen ruhm vermehrt) J. PAUL dämmerungen 68.

ZAHLFÄHIG, adj., fähig zu zahlen, zu bezahlen: zahlfähig sein CAMPE; er sei im grunde ebenso
zahlfähig HEINE 3, 449; mit zahlfähigkeit. vgl. zahlungsfähig.

ZAHLFEIND, m., trico STIELER 462.

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ZAHLFIGUR, f., eine figur, sofern sie eine zahl bezeichnet: unsere heutige zahlfiguren sind arabisch oder
indisch; die Griechen und Römer gebrauchten ihre buchstaben zu zahlfiguren ADELUNG. vgl.
zahlenfigur.

ZAHLFORM, f., form, art einer zahl, von zahlen: (ein kapitel) über das aufkommen der negativen
gröszen, als einer mit der positiven gleichberechtigten zahlform CANTOR vorlesungen über gesch. d.
mathem. 4 (1908), 24.

ZAHLFREI, adj., frei vom zahlen, von abgaben: die gerechtigkeit einer zahlfreyen schäfferey Cass. ztg.
1731 s. 387.

ZAHLFRIST, f., frist zum zahlen. vgl. zahlungsfrist:

ich mögt beim tef wohl leyden gwisz,


das gantze closter wurdte mihr
uff die zahlfriszt ahngschrieben nuhr
FREY gartenges. 184, 15 Bolte.

ZÄHLGEBIET, n., gebiet einer volks-, berufszählung: man kann ermitteln wollen ... die
wohnbevölkerung, d. h. die ständig ... im zählgebiete wohnende bevölkerung CONRAD handwb. d.
staatswiss.3 8, 503.

ZAHLGEDICHT, n., gedicht mit darin verstreuten zahlbuchstaben, die sich auf ein jahrzahl beziehen:
zahlschrift, zahlgedicht, chronographicum KRAMER niederhochd. wb. 2, 273a.

ZÄHLGELD, n., belohnung an geld für das zählen oder auszahlen des geldes ADELUNG; zählgeld heiszt
man die gebühr der förster, welche von der abzählung des brenn- und klafterholzes bezahlt wird
JACOBSSON 8, 234b; zählgeld landschaftlich, in Obersachsen, auch für lehenware, das für die
investitur gezahlte geld ADELUNG.

ZÄHLGESCHÄFT, n., die vornahme einer zählung: zu zwecken der überwachung der vollständigkeit des
zählgeschäfts werden ergänzend auch wohl hauslisten (hausbogen) verwendet CONRAD handwb. d.
staatsw.3 8, 510.

Bd. 31, Sp. 60

ZAHLGESETZ, n., was zahlengesetz: es ist zu § 500, 2. gesagt, dasz in den künsten, die nur in entferntem
sinn nachahmende sind, ein zahlgesetz, insbesondere ein zwei- drei- und fünfschlag mit besonderer
bestimmtheit auftreten müsse VISCHER aesthetik 32, 234.

ZAHLGROSCHEN, m., bezeichnung einer böhmischen und meisznischen silbermünze, enthaltend eine
festbestimmte anzahl kleinerer münztheile: die mark zu 12 böhmischen zalgroschen gerechnet SCHM. 22,
1111 (von 1424); czalgroschen, grossi Misnenses, an. 1366 quasi purum argentum valentes FRISCH 2,
463b; nûn schog zalegroschen DIEFENB.-WÜLCKER 909 (von 1350).

ZAHLGRÖSZE, f., zahlenmäszige grösze: reine arithmetik oder allgemeine wissenschaft der zahlgrösze
allg. d. bibl. 66, 101. vgl. zahlengrösze.

ZÄHLGULDEN, m., gulden, der eine feste anzahl kleinerer münztheile zählt: daneben kam im
sechszehnten jahrhundert der zählgulden zu 60 kreuzern, das ist eine münze, welche den werth von 60
kreuzern scheidemünze repräsentirte, in gebrauch HALKE einleitung in das studium der numismatik
(1889) s. 133.

ZAHLHAFT, adj., fähig oder pflichtig zu zahlen; bayrisch SCHM. 22, 1111; sich selbst zahlhaft machen,

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bezahlt ebenda; er hat mir sogar einen groschen ... genommen, um sich unterdessen in etwas zahlhaft zu
machen HAFNER 2, 122; geeignet zum zahlen: heiszt uns dann in gottes namen hochmütig, aber -- fuhr
Hanns fort -- das ist nicht zahlhaft (damit könnt ihr nicht bezahlen) ANZENGRUBER 43, 274.

ZAHLHAFTIG, adj., numerosus DASYP.

ZAHLHASPEL, f., haspel mit vorrichtung, die umgelaufenen fäden zu zählen (vgl. haspel 2, a, th. 4, 2,
544): wie ... die Deutschen zwölffer gemüntzet, auch die spinnerinn jr zwölzaspel oder zalhaspeln, auf ein
stück garn gerechnet MATHESIUS Sar. 174b; als niederdeutsch für zahlweife ADELUNG.

ZAHLHERR, m.: zalherren, sive payementsherren dicuntur Coloniae Agrippinae quaestores reipublicae
STIELER 811; als ausdruck der älteren heeressprache zahlsherr: in dem Braunschweig-Lüneburgisch-
Wolfenbüttelischen articuls-briefe de anno 1655 ist num. XXII in ansehung ihrer folgendes verordnet: alle
ehrliche officierer sollen schuldig seyn, benebst wahren gottes-respect und gehorsam gegen ihren
zahls-herrn und obristen ... aller tugenden ... sich äussersten vermögens zu befleissigen FLEMING t. soldat
(1726) 117, § 8.

ZAHLHOCHZEIT, f.: man hält nämlich jetzt gewöhnlich zahlhochzeiten, das heiszt, nicht der bräutigam
bezahlt die kosten der hochzeit, sondern jeder von den gästen bezahlt seine zeche NICOLAI reise 1, 235.

ZAHLHOFFNUNG, f., durch zahlen erweckte hoffnung: eine voraussicht der zukunft aus bestimmten
zeitumständen nach analogie der dinge selbst vermische man mit jenen zahlhoffnungen nicht HERDER
23, 490.

ZAHLHOLZ, n., holz, welches nach der zahl verkauft wird: zahlholtz, niederl. talhout KRAMER
niederhochd. wörterb. 2, 273a.

ZAHLIG,ZÄHLIG, adj.: zahlig, das gezahlt mag werden, numerabilis DASYP.; mit umlaut: numerabilis
zählig, zahlechtig, zahlbarlich, das gezahlt mag werden ebenda; ich werde von ihnen übrig lassen einen
zähligen haufen ZUNZ Hesek. 12, 16 (LUTHER: wenig). vgl. unzahlig, unzählig.

ZAHLKAMMER, f., wie zahlamt 2 CAMPE.

ZÄHLKANDIDAT, m., bei politischen wahlen der kandidat einer aussichtslosen minderheitspartei, der
nur aufgestellt wird, um durch die für ihn abgegebenen stimmen die stärke der partei zu bekunden
MEYER konvers.-lex.6 20, 834.

ZÄHLKARTE, f.

1) in kartenspielen eine karte, die eine gewisse anzahl von augen zählt CAMPE.

2) bei volks- oder berufszählungen, karte, die gebraucht wird, um die glieder der einzelnen
haushaltungen oder berufszweige zu zählen.

ZAHLKELLNER, m., in gröszeren wirthschaften kellner, der die zahlungen der gäste entgegennimmt:
Egon spricht, als ob er einen zahlkellner reprimandieren wollte FONTANE 4, 20.

Bd. 31, Sp. 61

ZAHLKLASSE, f., klasse von zahlen: dasz eine zahlclasse aus allen denjenigen zahlen besteht, welche mit
einer bestimmten zahl, dem repräsentanten der classe, und folglich auch mit einander congruent sind
DIRICHLET vorles. über zahlentheorie 501.

ZÄHLKNECHT, m., drehkreuz an durchgängen zum zählen der passanten MEYER konvers.-lex.6 5, 182.

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ZAHLKÖRPER, m., system von zahlengröszen, das in der weise abgeschlossen ist, dasz die anwendung
der vier rationalen rechenoperationen nie darüber hinausführt encykl. d. math. wissensch. 11, 285.

ZAHLKUNST, f., was zahlenkunst CAMPE, reken-, telkunde, rekenkunst KRAMER-MOERBECK


deutsch-holld. wb. (1768) 429a, arithmetica STEINBACH 1, 911, algorithmus, zalkonst DIEF. 22a: in der
statt Susis sind rinder, die verstehen sich ettwas auff die zallkunst HEYDEN Plinius (1565) 241; als nun
disz für uber, trug man karten auff, nit zuspilen, sondern vil hundert geschwindigkeiten, kurtzweil und
neuwe fündlin zu leren und zulernen: welche alle ausz der rechenkunst entstunden: durch welche
angeneme weisz er ein lustneigung zu derselbigen zalkunst bekam Garg. 276 (cap. 26) neudr.; prosit der
politischen zahlkunst, die statt tausend längst verdienter düttchen mir den monatlichen brotkorb meiner
drey kinder um 150 düttchen höher gehängt hat HAMANN 4, 243; also fällt buchstaben- zahl- und
meszkunst, die groszen erfindungen Theuts ... zusammen HERDER 6, 341; der name Theut ... symbolisch
also der vater der religion, naturlehre, zahl-, zeit-, zeichnungs-, sprach-, regierungs- und menschheitkunst
343;

o groszes Nürenberg, dasz so viel edler geister


der welt geschencket hat! ausz dir ist dieser meister
der zahl- mesz- sterne kunst (der rechenmeister Michael Schiller)
RIST Parn. 462;

der vor allen auf erden itzt


die zahl- und würfelkunst besitzt
RÜCKERT 12, 78.

ZÄHLKUNST, f., kunst zu zählen, algorithmus, czelekunst DIEF. 22a, in der gleichen volleren form:

die rosselenkkunst besäsz er gern,


und gibst du ihm die, so gibt mit gebühr
er dir die zählekunst dafür
RÜCKERT 12, 78.

ZAHLLEHRE, f., was zahlenlehre: in rücksicht auf die elementarische zu bearbeitende zahl- und formlehre
ist der eindruck merkwürdig, den unsere ersten versuche darüber schon in Burgdorf auffallend allgemein
machten PESTALOZZI (1819 ff.) 13, 22.

ZAHLLOS, adj., ohne zahl, unzählbar CAMPE, anscheinend erst durch den einflusz KLOPSTOCKS
beliebt geworden, der das klangvolle wort gern verwendet. vgl. zahlenlos und ohne zahl unter zahl 3.
zunächst von wirklich unzählbarem, dann in hyperbolischer allgemeinerer anwendung, doch stets mit
dem begriff der unübersehbaren menge, auch compariert:

dasz noch zahlloser die schar sei


KLOPSTOCK bei CAMPE.

1) neben collectivischen ausdrücken wie menge CAMPE, schar, heer, schwarm:

sey unbekümmert, wenn auch ihr zahllos heer stets wüchs'


KLOPSTOCK oden 1 (1889), 17;

da kam odem in sie, sie wurden lebend, und standen


aufgerichtet, ein zahllos heer!
werke 5, 76 (Mess. 11, 1131);

dann misch' ich nicht mehr die heissere stimme


in den preisgesang der zahllosen schaar

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am kristallnen meere
SCHUBART ged. 1 (1825), 3;

als Jupiter die dinge schuf,


der thiere zahllos heer auf zweien und auf vieren
ARNDT 3, 42;

die lufft ist ein auflösungsmittel für eine zahllose menge von dingen LICHTENBERG briefe 2 (1902), 82;
jede neuerlangte potenz ist die wurzel zu einer zahllosen reihe neuer potenzen HERDER 18, 298; das
interesse dieser blätter wird durch eine zahllose menge mannigfaltiger ... anzeigen erhöhet ARCHENHOLZ
England u. Italien 1 (1785), 58; hoch über mir am himmel brachen alle lichter hervor. tausend und
tausend in zahlloser menge FR. MÜLLER 1, 36; unter dem zahllosen heer deutscher (schauspieler-)
truppen ist die Mannheimer bühne eine

Bd. 31, Sp. 62

der wenigen SCHILLER 3, 531; jedem groszen originalkünstler pflegt ... ein zahlloser schwarm der
armseligsten kopisten zu folgen FR. SCHLEGEL pros. jugendschr. 1, 91; Werner erfand durch die
aufstellung der äuszerlichen kennzeichen der fossilien die erste allgemein verständliche sprache für das
zahllose heer der vom dunklen schoosze der erde umschlossenen naturkörper RITTER erdkunde 1 (1822),
34; und im sommer des jahres 1812 zog er aus mit einem zahllosen zeuge von reisigen und fussknechten
ARNDT schriften f. u. an s. l. Deutschen 1, 239; die zahllose menge von sternen, welche die milchstrasze
bilden, geben eine sich selbst entzündende (leuchtende) masse her HUMBOLDT kosmos 1 (1845), 109;
eine zahllose menge von mohnblumen oder klatschrosen hatte sich darauf angesiedelt KELLER 4, 111; die
ganze dort (im lager) versammelte zahllose menschenmasse (wurde) getödtet oder gefangen MOMMSEN
röm. geschichte (1881) 35. bei pluralischer verwendung solcher ausdrücke kann es zweifelhaft sein, ob
das wort für die einzelnen bestandtheile des collectivbegriffs gelten soll oder für die menge der
collectivbegriffe selbst (vgl. 2):

zahllosen schaaren seliger


wolltest du der unerschöpfliche quell
ihrer seligkeit seyn!
KLOPSTOCK oden 1 (1889), 143;

mein fürbitter, lasz mich, lasz zahllose schaaren erlöster,


meine brüder, den tod der gerechten sterben!
werke 5, 135 (Mess. 12, 502);

schön war das ebne feld,


erwünscht ihren zahllosen turmen
AYRENHOFF 1, 263, 4;

zertritt mit schaaren, zahllos, deines hohns


ursacher
TIECK 1 (1828), 216;

wie prächtige linden, in deren walde von gerüchen und blüthen zahllose schwärme honig suchten und
fanden HERDER 23, 14; er nahm ihn (Bocchus den Jugurtha) nicht blosz bei sich auf, sondern rückte
auch, mit den eigenen zahllosen reiterschaaren Jugurthas haufen vereinigend, in die gegend von Cirta, wo
Metellus sich im winterquartier befand MOMMSEN röm. gesch. 2 (1881), 150.

2) neben pluralisch gebrauchten anderen ausdrücken, auch hier nicht auf sinnliche anwendung
beschränkt, die doch naturgemäsz im vordergrunde bleibt, häufiger von dem, was neben einander
wahrgenommen oder vorgestellt wird als von gleichartigem, was auf einander folgt:

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wie herlich sind, gott, vor mir deine gedanken!


wie zahllos sind sie!
KLOPSTOCK oden 1 (1889), 141;

zahllos sind, die den herrn anbeten!


werke 6, 241 (Mess. 20);

ernsthaft schauet auf uns der majestätische himmel


mit seinen zahllosen welten herab
GISEKE poet. w. 118;

zahllose streiter, gedungen zum morden,


heben die nervigen arme voll wuth
SCHUBART ged. 3 (1825), 10;

er (der mensch) flieget auf gen himmel


auch ohne schwingen, ordnet das getümmel
der welten droben, miszt die weite ferne
zahlloser sterne
HERDER 27, 339;

du bist es schöpfer, der durch einen wink


zahllose welten schuf
HÖLTY 119, 2;

erde, du mutter zahlloser kinder und amme!


sey mir gegrüsst! sey mir gesegnet im feiergesange
STOLBERG 1 (1827), 201;

geist gottes, der hochherlicher engel chor


aufstürmt am weltthron, und, durch harmonische
sternkreis' herab, zahlloser geisterordnungen
jubel mit kraft beflügelt
VOSS 3 (1802), 75;

und zahllose kinder


besingen den winter
ARNIM 1, 171;

es hat das leben mich wie eine schlange


mit gliedern, zahllos, ekelhaft, umwunden
H. V. KLEIST 1, 63. Schmidt (Schroff. 2, 3);

sterne zahllos,
entsteigen, selbst die finsternisz verklärend,
dem abgrund
GRABBE 2, 73 (D. Juan u. F. 2, 1);

er ist den zahllosen gefahren, die ihn bedroheten, glücklich entgangen PFEFFEL pros. vers. 5, 1; seine
projekte, geld zu erlangen, ... waren wirklich zahllos BAHRDT gesch. s. lebens 3, 168; so werde ich ...
mich freuen, dasz ich auf ihr (der erde) ins harmonie-reiche chor zahlloser wesen getreten HERDER 13,
15; die stimme des geschlechts

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Bd. 31, Sp. 63

theilt sich dem geschlecht, vornehmlich wenn es in gesellschaft, in heerden lebt, sympathetisch mit, wie
die naturgeschichte es in zahllosen beispielen erweiset 22, 181; wollust durchglüht mich, wenn ich über
euch zahllose helden hinblicke KLINGER 3, 21; durchlaufe ich die vorarbeiten, die, ungenutzt und
unausgeführt, in zahllosen blättern vor mir liegen GÖTHE 7, 154, 6. Weim.; kaum hatte ich etwas gelernt
so verlangten sie von mir würdige männer in schlafröcken und weiten ärmeln und zahllosen falten 25, 93,
11; er (Du Bartas) lebte von 1544 bis 1590, war soldat und weltmann, und schrieb zahllose alexandriner
45, 173, 4; ein mächtiger springquell stieg zwischen den vielen fackeln mit zahllosen lichtern hinauf in die
dunkelheit der tönenden wipfel NOVALIS 4, 92 Minor; nachdem die zahllosen gebrechen unsrer früheren
bürgerlichen verfassung ... anerkannt waren THIBAUT notwendigkeit ein. allg. bürgerl. rechts f. D. (div.
abh. 1814) 411; ihre (der revolution) zahllosen ungerechtigkeiten ... empörten mein redliches herz K. L.
V. HALLER restaur. d. staatswiss. 1 (1816), VII; dasz eroberungen und vielfache vermischung die
ursprünglich zahllosen stämme in einander schmelzen NIEBUHR röm. gesch. 1, 15; in dessen (eines
glashauses) wänden verbreiteten zahllose öfen wärme KERNER bilderb. (1849) 4; von gelehrten und
frauen allerort strömen mir zahllose briefe zu PÜCKLER 3, 171; das innere der kirchen füllte sich ... mit
den zahllosen bilderchen an, welche ... die altäre bedeckten RANKE 1, 162; so lassen wir ihn denn einem
durch zahllose widersprüche gestörten schlummer HOLTEI erzähl. schriften 2, 142; wovon er jetzt lebe,
wusste so eigentlich niemand; noch weniger, wie er seiner zahllosen gläubiger sich erwehrte 8, 188; der
aus minder feuchten gegenden einwandernde wird fast betäubt vom geschmetter der zahllosen singvögel
DROSTE 2 (1879), 343; so fange ich heute schon an, ihnen zu schreiben, um durch alle interruptionen,
durch zahllose stürme und quarantainen diesen brief doch sicher bis zum fünfzehnten in den hafen der
poststube zu bringen briefe (1893) 119 (an L. Schücking); das tiefe meergrün des wassers und der
schneeweisze, ewig bewegliche schaum, wo es die zahllosen klippen seines bettes rauschend überströmt,
... gewährt einen wahrhaft erhebenden anblick MOLTKE 1 (1892), 125; ich gebe dir volle freiheit, meiner
frau so viele schöne dinge zu sagen, als je einer von deinen zahllosen liebschaften BAUERNFELD 4, 32;
von dem Engländer Wrigh von Durham nahm er die anschauung von der milchstrasse als einem in
linsenform gruppirten system zahlloser fixsterne oder sonnen auf D. F. STRAUSZ 6, 102; die verlegenheit,
welche von den zahllosen da unter den tischen herum und unter einander liegenden beinen man an sich
ziehen müsste LUDWIG 2, 15; dasz die Italiker fast nicht minder als die provincialen sich der willkür eines
jeden der zahllosen römischen beamten schutzlos preisgegeben sahen MOMMSEN röm. gesch. 2 (1881),
220; ich zielte nicht schlecht und der krug zerschellte an ihm (einem granitblock) in zahllose scherben und
splitter VISCHER auch einer 1, 115; so schweben noch unter uns ... fast zahllose schattengestalten aus
dem hausglauben der deutschen urzeit FREYTAG 14, 51; eine matte dämmerung ..., die zwischen
zahllosen spinngeweben aus einem dachfensterchen hereinfällt STORM 1 60; während das gebäude von
auszen nur in weiszem, rötlichem und schwarzem marmor glänzte, waren die wände des innern mit
zahllosen malereien bedeckt, welche die ganze geschichte und alle thätigkeiten des landes darstellten
KELLER 3, 113; das primitive büffet mit den eingeschnittenen querhölzern, daran zahllose
weiszbierdeckel wie kleine schilde hingen FONTANE 5, 93; der stolz, zahllose coupons allmonatlich
abschneiden zu können, steht ihnen über aller arbeitsehre RIEHL deutsche arbeit 21; tiefer redet es noch
von der glorie der armuth in zahllosen alten sprüchen 119; an seinem ... gewand hingen zahllose
vergoldete glaskugeln EBNER-ESCHENBACH 1, 106.

3) seltener auszerhalb des unter 1) gekennzeichneten kreises neben singularen. so neben einer
concreten collectivbezeichnung, bei deren gegenstande die einzelnen bestandtheile deutlich zu
unterscheiden sind:

Bd. 31, Sp. 64

dich, der die erd' einst maas und zählte den zahllosen meersand,
dich beschränket anietzt, Archytas,

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nah am Matinischen ufer ein häufchen staub


HERDER 26, 240.
freier neben ausdrücken der beschaffenheit oder thätigkeit, in denen ein collectivischer sinn betont
werden kann, auf mannigfaltigkeit oder häufigkeit gehend: findet nun schon das auge des zergliederers
diese zahllose verschiedenheit (im innern bau des menschlichen körpers); welche gröszere musz in den
unsichtbaren kräften einer so künstlichen organisation wohnen HERDER 13, 253; es ist viel zu wenig,
wenn man ihn (den menschen) dem saugenden schwamm, dem glimmenden zunder vergleicht; eine
zahllose harmonie, ein lebendiges selbst ist er, auf welches die harmonie aller ihn umgebenden kräfte
wirket ebenda; ich nahm den durch zahlloses falten und entfalten ganz zerschlissenen brief EBNER-
ESCHENBACH 4, 238;

grosz, wie seines himmels pfade,


zahllos, wie der sterne heer,
ist des weltregierers gnade,
unergründlich wie das meer
RICHTER in R. Z. BECKERS Mildheim. liederb. (1799).

ganz eigenartig: wir sollten einmal die masken abnehmen, wir sähen dann, wie in einem zimmer mit
spiegeln, überǠll nur den einen uralten, zahllosen, unverwüstlichen schafskopf BÜCHNER nachgel.
schriften 143.

4) in appositivem gebrauch, der zu adverbialer anwendung überleitet: gleichnisse häufen sich, diesz
verwirrte getümmel darzustellen. erstens von zugvögeln, ... sodann von fliegen, welche zahllos die
milchbutten umschwärmen GÖTHE 412, 270, 4 Weim.; und aus mittag und mitternacht zogen zahllos die
gerippe heran E. T. A. HOFFMANN 15, 57;

nach jenen schaaren hin,


die zahllos, wogen gleich, schon unsere stadt umzieh'n
AYRENHOFF 2, 8, 19;

zahllos, wie die blätter des walds, und der sand am gestade,
zieht es (das heer) im felde daher, ringsum die stadt zu bestreiten
BÜRGER 204 (Il. 2, 800);

es sprieszen die herrlichen bilder,


zahllos, wie blumen im lenz, vor der erinnerung hauch
SALIS 81;

zahllos wehn der jugend stolze fahnen


HÖLDERLIN 1, 126, 103;

heiter lachend
focht er gegen wilde rotten,
die ihn zahllos oft umzingelt
HEINE 2, 133;

weint thränen man, weil floh das missgeschick?


ach ja, denn eines sohnes frommen blick
sah ich der liebe zeugen zahllos zieren
DROSTE 2, 250;

dunkler geist, und warst du gleich befangen,


da du deinen gott und herrn versucht:

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ach, in deinen netzen zahllos hangen


sie, verloren an die tück'sche frucht
3, 31.

5) adverbial:

wunderbar zweigen die nerven in zahllos verschlungenen gängen


KÖRNER 2, 60;

dem stamm verderblich jener Semiramis


mit ihrem zahllos wimmelnden buhlerheer
PLATEN 1, 225.

ZAHLLOSIGKEIT, f., zum vorigen CAMPE: wenn man nach auszen blickt, woselbst die unermeszlichkeit
der welt und die zahllosigkeit der wesen sich uns darstellt SCHOPENHAUER 5, 23.

ZAHLLOSTUGENDBEGABT, part.:

einen zahllostugendbegabten,
edel-reichen, liebgehabten,
treuergebnen ehgemahl, ...
ich verlor denselben gatten
RÜCKERT 12, 66.

ZAHLLOSVIEL, pron.:

wenn viel unzähl'ge stanzen und romanzen


in zahllosvielen trippel-assonanzen
durch dein gewürmtes faules holz geflossen
BAGGESEN 3, 231.

ZÄHLLUSTIG, adj.: ich ... bin ... so mager, dasz jeder zähllustige meine dritthalb hundert knöchel
überzählen kann HAMANN 4, 386.

Bd. 31, Sp. 65

ZAHLMANN, m., debitor solvens STIELER 1238. der für einen andern zahlung leistet, bildlich:

ein bürg', ein zahlmann steht für mich,


der durch den tod versohnet dich (gott)
A. GRYPHIUS (1698) 2, 422;

ich bleibe euer schuldner vor der welt, ... aber vor gott gebe ich euch einen guten zahlmann, denn vor ihm
schenke ich euch mein herz BRENTANO 4, 14. in allgemeinerem sinne:

ich (der Amerikaner) darf wählen zum congresz,


ich bin ein freier wahlmann,
du bist ein gehorcher nur,
ein unterthan und zahlmann
HOFFMANN V. FALLERSLEBEN 5, 14.
als scherzhafte anrede an den kriegszahlmeister Merck:

o zahlmann mit dem weisen schritt


nur eine deiner drei

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o sänge mein einsiedlerlied


mir eine nur herbei!
HERDER 29, 520.

ZÄHLMARK, f., in älterer zeit eine rechnungsmünze vom werth einer mark, die die gleiche anzahl
pfennige u. s. w. enthielt wie die gewichtsmark, aber wegen des geringeren gehalts der einzelnen stücke
einen niedrigeren kurs hatte HALKE hdwb. der münzkunde (1909) 195a, in umlautloser form (vgl.
zahlen, verb. 2): ouch sulen di iuden ir gesuechest (zins) geben vir phennig von der zallmarkh, von der
markh silber zween phennig ze der wochen GENGLER deutsche stadtrechte des ma. 412 (kärnt. quelle v.
1308), § 10. vgl. zähltaler, zählgulden.

ZÄHLMASCHINE, f., mechanische vorrichtung zum zählen, so von nähnadeln bei der herstellung
PRECHTL technol. encyclop. 10, 319, elektrische zählmaschine, zur verarbeitung des materials bei
volkszählungen u. dgl. benutzt CONRAD handwb. d. staatswiss.3 8, 513. 2, 925.

ZAHLMASZ, n., vom silbenmasz, metrum des verses: wer also seine schöne gedanken nicht nach dem
zahl- und tonmaasze der wörter auszudrücken vermag GOTTSCHED beyträge z. crit. historie 5, 60;
wenn wir in ansehung des thons dasjenige von dem verse absondern, was er mit der prose gemein hat, ...
so kömmt das übrige auf zwo oder drey sachen an; auf die abgemessene anzahl der tritte und sylben, die
wir das zahlmasz heissen, auf den accent, ... und wenn man will auf die reimen BREITINGER crit.
dichtkunst (1740) 2, 438. in entsprechender anwendung auf die musik, im sinne von tact, tactart
erscheint in der folgenden stelle der plur. oder ein sonst nicht bezeugtes zahlmasze, f.: in ähnlichen
sätzen, den numerum musicum, d. i. die melodische zahlmaasze genau bei behalten J. MATTHESON
vollkomm. capellmeister (1739) 141.

ZÄHLMASZ, n., im handel masz, das durch zählung gleicher stücke bestimmt wird (wie dutzend, schock),
stückmasz MEYER konversations-lexikon6 20, 835b.

ZAHLMASZE, f., s. zahlmasz, n.

ZÄHLMATERIAL, n., material, das gezählt wird, gesamtheit von einzelerhebungen bei einer
volkszählung u. dgl.: das tabellenwerk, das aus dem zählmaterial (bei einer berufszählung)
herausgearbeitet und seinerzeit veröffentlicht wird CONRAD handwb. d. staatswiss.3 2, 798.

ZAHLMEISE, f., s. zagelmeise.

ZAHLMEISTER, m.

1) im sinne von zahlen 2 und zahl 6, arismetricus, ein zal- oder rechenmeister DIEF. nov. gloss. 34a (v.
1468).

2) im sinne von zahlen 3, beamter, der auszahlungen zu besorgen hat ADELUNG; bei fürstlichen höfen,
groszen collegien und ämtern haushalt.-lex. 3, 780; besonders im heerwesen: zahlmeister, sive
kriegszahlmeister, quaestor bellicus STIELER 2378; zahlmeister, im krieg, quaestor qui stipendia solvit,
tribunus aerarius FRISCH 2, 463a; im heutigen deutschen heer beamter mit officiersrang, der bei allen
mit selbständigem wirthschaftsbetrieb ausgestatteten truppentheilen und behörden die kassenverwaltung
führt FROBENIUS militär-lex. (1901) 901a; ebenso in der marine beamter im gleichen rang zur
rechnungsführung über verpflegung und bekleidung eines marinetheils STENZEL deutsches seemänn.
wb. (1904) 471a: er (der generalschreiber) sol sich auch befleiszigen und bewerben, dasz er von den zal
oder pfenningmeistern, oder durch die commissarien, deren register eine abschrifft oder copey habe
FRONSPERGER

Bd. 31, Sp. 66

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kriegsbuch 1 L 3r; als aber der Belgiojosa von Groszwardein gen Caschaw abgereiszet, sein gemahel
abzuholen, haben die burger die statt vor jm verspert, sein gemahel hinausz geschickt, und dem
Botschkai gehuldiget, und die teutschen knecht vnd keyserischen befelchsleut abziehen lassen, allein
bischoff Nagatium vnd Joseph Gantz, oberster zalmeister, haben sie auff weyteren bescheid, bey sich
behalten STUMPF 50a; man findet in der welt, vnd sonderlich bey den regimenten sonderbare diener vnd
beampten, die man einnemmer, rentmeister, zahlmeister oder pfennigmeister nennet ALBERTINUS
hirnschleiffer 20; uber diss ... wäre der kriegs-sold ... auch der verkürtzung der zahlmeister ...
unterworffen LOHENSTEIN Armin. 1, 741a; dann wäre auch (bei der deutschen academie) nötig ein rent-
oder zahl-meister, der nur von einem guten credit seyn darf, und mit nichts zu belästigen ist, als mit
aufsicht der einnahme und ausgabe, so wie es alsdenn die höchste obrigkeit allergnädigst gut befinden
würde HERÄUS ged. u. lat. inschriften (1721) 272; als Hippias, der indess seinem zahlmeister befohlen
hatte, den Cilicier zu befriedigen, ihn in sein cabinet rufen liesz WIELAND Agathon 2 (1767), 47; er
correspondirte mit demselben (Wallenstein mit Kepler) und bewog auch den kaiser, die dreizehn tausend
gulden, die er dem groszen manne als rückständigen gehalt schuldig war, zu bezahlen; wenigstens liesz
Ferdinand eine urkunde darüber ausstellen, welche Kepler dem zahlmeister einhändigte SCHLOSSER
weltgesch. 14, 204; im eisenwerk beim zahlmeister hab' ich einmal so einen gesehen, danach hab' ich ihn
erkannt, den gnädigen herrn Funfziger ROSEGGER 8, 124. den zahlmeister machen, spielen: er (Körner)
machte augenblicklich den zahlmeister der deutschen nation, wie frau von Wolzogen früher aus ihrem
gütchen ein vorläufiges prytaneum gemacht hatte HEBBEL 11, 105; auch machte er eine weile, da die
einzahlungen aus der anleihe noch nicht angelangt waren, den zahlmeister in den verlegenheiten der
behörden in Mesolongi GERVINUS gesch. d. 19. jh. 6, 20. in scherzhafter übertragung: besser führ' ich
noch ein beispiel an, wie weit sich die frauenwelt ihren putz einschränken kann, sobald es ihr einmal ernst
ist, ihren geheiratheten zahlmeistern ausgaben zu ersparen J. PAUL 48, 90. bildlich: ich denke, dein
rücken ist lange genug dein zahlmeister gewesen, um auf so etwas gefaszt zu sein HEBBEL 8, 129; wer ist
es eigentlich, der diese (zahlungsanweisung) realisiren soll? die wahrheit gleich herauszusagen: ein hier
sehr unerwarteter zahlmeister: niemand anders als der egoismus SCHOPENHAUER 3, 536.

ZAHLMEISTEREI, f., verächtlich vom rechnen (vgl. zahlmeister 1): überhaupt will mir das blosze zählen
der verhältnisse, das messen der intervalle, als erklärung des wohlgefallens der seele an der musik, so
wenig zu sinn, dasz ich vielmehr durch diese zahlmeisterei, wenn die musik nichts anders wäre, auf immer
von ihr abgeschreckt würde HERDER 22, 66.

ZAHLMEISTERIN, f., zu zahlmeister ADELUNG. in der glosse zalmeisterin, aulica DIEFENBACH-


WÜLCKER 909, liegt nicht, wie dort angegeben, dies wort, sondern das f. zu dem oben 7. 8, 1579
angeführten saalmeister vor.

ZAHLMESSEND, part.: zal messendi kunst, arismetria DIEF. 48b.

ZAHLMESSER, m.: zalmesser, arismeter vel -tra DIEF. 48b.

ZÄHLMETHODE, f., methode zu zählen: fragt man zunächst nach dem praktischen effekt der
verschiedenen zählmethoden, so musz gesagt werden, dasz er sich nach angestellten vergleichen nicht in
allzu groszen unterschieden der schlieszlichen resultate äuszert CZUBER wahrscheinlichkeitsrechnung 2
(1910), 145.

ZAHLMITTEL, n., mittel zum zahlen: seit langer zeit standen gold und silber als allgemeine zahlmittel
neben einander MOMMSEN röm. gesch. 2 (1881) 397; es war ein surplus von werthen und zahlmitteln,
die zu den bereits vorhandenen hinzutraten MOLTKE 7, 37.

ZAHLNAME, m., name einer zahl: wir Teutschen haben unser gewicht und zalnamen mit dem rechen ...
von den Lateinern ... bekommen MATHESIUS Sarepta 166a.

Bd. 31, Sp. 67

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ZAHLNENNWORT, n., pronomen numerale: alles, das zahlnenwort, unbenanten geschlechtes mit einem
zwiefachen ll und kleinen s GUEINTZ deutsche rechtschreibung (1666) 28.

ZAHLOPFER, n., sühnopfer, von Christus: darum sollen wir gott von hertzen dancken, der uns viel zu gut
helt, und uns nicht ubereilet, macht uns seinen son zum löszgeld und zalopffer MATHESIUS leichenreden
(1896) 155, 6 Loesche.

ZAHLORDNUNG, f., ordnung, nach der zahlungen geleistet werden CAMPE; series creditorum
concurrentium, ratione prioritatis STIELER 1399.

ZÄHLORT, m., ort, wo gezählt wird, bei einer volkszählung: man kann ermitteln wollen ... die
wohnbevölkerung, d. h. die ständig am zählort ... wohnende bevölkerung CONRAD handwb. d.
staatswiss.3 8, 503.

ZÄHLPAPIER, n., formular, das bei einer volkszählung verwendet wird, wohl nur pluralisch: als
zählpapiere kommen verzeichnisse oder listen und einzelkarten in betracht, abgesehen von etwaigen
umschlagbogen CONRAD handwb. d. staatsw.3 8, 510.

ZAHLPERLE, f., bezeichnung der gröszeren perlen, die nach der zahl verkauft werden ADELUNG,
margaritae majores quas numerant, 'im gegensatz der kleineren, die nur gewogen werden' FRISCH 2,
463a, eine zahlperl, exaluminatus unio, margarita pretiosior, rotunda, et prae aliis coruscans STIELER
120, unio ..., eine zahlperle, do man nicht mehr als eine auff einmal nimbt und taxiret CORVINUS fons
latinit. (1646) 998: in den ohren trug sie (eine zigeunerin) ein par gehenck von gold und geschmeltzter
arbeit mit diamanten besetzt und um den hals eine schnur voll zahl-perlen, deren sich keine fürstin hätte
schämen dörffen Simpl. 3, 32, 22 Keller; ihre arm und der hals waren mit zahlperlen geziert 4, 618, 17;
die Leipziger kleiderordnung von 1680 verbietet u. a. alle runden oder so genannte zahl- auch
cartenperlen stadtordn. 1701 481; die neun reihen zahlperlen um den hals der braut machten auf ihre
gemüthsruhe keinen eindruck MUSÄUS volksm. 2, 61; aber der grund meines sees ist mit zahlperlen
gepflastert, davon will ich dir drei säcke voll geben GRIMM kinder- u. hausmärchen 1, 370. im wortspiel:
wie grosz war das erstaunen der betrübten gräfin, als eitel perlen herausrollten, so grosz, wie die groszen
gartenerbsen, vollkommen gerundet, fein gebohrt und von dem reinsten wasser. sie sah wol, dasz der
entführer ihrer tochter jede mütterliche zähre mit einer zahlperle bezahlt hatte MUSÄUS volksm. 3, 13.
bildlich: er hatte sie (Liane) seit seiner welschen reise nicht gesehen -- der graf auch nicht -- beiden
wollte sie der minister zeigen als eine zahlperle von besonderer weisze und figur J. PAUL 15, 155 (Tit.);
wie ihr töchterchen ... eine ganz allerliebste signorina, eine zahlperle von schönheit sei GAUDY 2, 105.

ZÄHLPFEIFE, f., bezeichnung thönerner tabakspfeifen, die man oben auf die andern pfeifen in die
kisten legt, um dadurch anzuzeigen, wieviel gros darin sind JACOBSSON 8, 234b.

ZAHLPFENNIG, m., marke in gestalt einer münze, die zum rechnen gebraucht wurde, rechenpfennig
JACOBSSON 3, 374b, ADELUNG, calculus CORVINUS fons latinit. (1646) 133, rechenpfennig oder
zaalpfennig, abaculi MAALER 326a, zalpfennig, rechenpfennig, calculus DASYPODIUS, zahlpfennick,
calculus STEINBACH 2, 177, zahl-pfenning, calculus FRISCH 2, 463a, zaalpfenning oder
rächenpfenning, abaculi MAALER 511a; nd. talpennink SCHILLER-LÜBBEN 4, 509a. vgl. zahlen 2 und
zahl 3.

1) man rechnete damit beim alten rechnen auf linien JACOBSSON 3, 374b (vgl. linie 3 oben theil 6,
1040): also haben die juden die zalpfennige auff die linien geleget und uberschlagen, wie viel der
Cananiter weren und wie eine geringe anzal jrer der Israeliter were LUTHER 28, 703, 19 Weim.; wann
wirs nu uberschlagen nach den zalpfennigen, so ist der Türcke, keiser und andere feinde uns zu mechtig
708, 9; Philippus ist eyn kluger man, rechet myt dem register, myt zcalpfennig 29, 85, 12; es mangelt
ihnen nichts, denn das sie die zahlpfennige nemen undt uberlegens, obs also sein köndte 33, 119, 10; die

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zalpfenning legen zerechnen, oder rechnen, imponere

Bd. 31, Sp. 68

calculum MAALER 512a; nun hielt sich Florens in dem wechssel sehr wol, auch so lehret jn sein bruder
Claudius von ersten mit den zahlpfenningen rechnen, vnd die müntz genug erkennen buch d. liebe 8b; der
hauptmann ... nimt die rechnung dergestalt auf dem rathause ab, dasz des rats cammerschreiber mit
zahlpfennigen die posten, latera und summen anlegen und calculiren ... musz HONDORFF das saltz-werk
zu Halle (1670) 120; kein spielwerk konnte ihn ... mehr fesseln, als das zahlbrett seines vaters, auf dem er
mit zahlpfennigen die stellung der gestirne nachmachte BETTINA briefw. 2, 250;

das ist ein andres leben, als mit zahlpfenn'gen


und scheidemünz die hände schmutzig machen
TIECK 1 (1828), 207.

ihr angenommener werth wechselte mit den linien, auf die man sie rückte: es ist um die herrn gleich als
um die zal-pfenning, wann man rechnet, so liegt ein pfenning für ein pfenning, darnach stoszt man ihn uff
basz, so thut er zehn pfennig, darnach so thut er 50 pfenning KEISERSBERG post. 159b bei FRISCH 2,
463b; das leben dieser zergengklichen welt und alle menschen darinn sein wie die rechen- oder zalpfennig;
auff welche linien derselbige gelegt, soviel und mehr gilt und zeigt er ein summ an. ietzt ist er auff der
obersten linien und bedeut ein, zwey oder zehen, biszweilen hundert und drüber, tausend und noch mehr;
bald nimpt in der, so in dahin gelegt, rückt in auff ein linien, darunder er allweg zehen mal soviel weniger
gilt, als er auff der linien drüber golten hat KIRCHHOF wendunm. 1, 59; zahlpfenning sind vorm
rechenmeister alle gleich, sie gelten aber wie er sie setzt. also die menschen vor gott, seind nach den
ständen, darein sie gott setzt, ungleich LEHMANN floril. polit. (1640) 845 (vngleichheit), 17; die
hofeleute sind gleich den zahlpfenningen, wann sie auff linien hochgeleget werden, so gelten sie viel
TREUER deutscher Dädalus (1675) 1, 856. bildlich: das sie viel mehr meinen, es (gottes wort) sei ein
zalpfennig, der nach irem verdampten frevel müsse gelten, darnach sie jn auf den linien heben oder legen
LUTHER 7, 416a.

2) als spielmarken benutzt frauenzimmerlex. 2, 54, JACOBSSON 3, 374b: ludus calcularis, der
tzaelphenninge (sc. spielen) TROCHUS D 3a; reiche leute geben ihren kindern ... zahl-pfennige damit zu
spielen ABRAHAM A S. CLARA etwas f. alle 2, 409; selbst wenn ich um nüsse oder zahlpfennige spielte
BODE Montaigne 5, 144; ich habe gesehen, dass der zahlpfenning, bei einem l'hombre um einen dukaten
gespielet worden SONNENFELS 3, 75. in bildern: ich verworfener! -- ich habe den knaben gespielt! ich
warf meine zahlpfennige in den strom, und da ich darnach griff, sie wieder zu bekommen, stürzte ich mich
selbst hinein F. L. SCHRÖDER dram. w. 3, 268; bald musz er um lockende zahlpfennig den menschen
seiner seel mariage spielen lassen mit dem christenthum BETTINA dies buch gehört d. könig 1, 107.

3) betrüger versuchen, sie als echte münzen auszugeben: don sulvest (1567) wordt ock eyn knecht
gerichtet, hedde talpenning tho gerichtet vnd vor goltgulden uth gegeven quelle bei SCHILLER-LÜBBEN
4, 509a; so hat die gaunerindustrie ein eigenes manöver ausgedacht, diese vergoldeten zahlpfennige,
blüten, sicherer an den mann zu bringen AVÉ-LALLEMANT gaunerth. 2, 213. mit gewöhnlichen
zahlpfennigen, die nicht besonders hergerichtet sind, lassen sich freilich nur kinder und narren äffen.
vergleichend und bildlich: drumb ist des bapst regiment gleych dem kinderwerck, die man mit falschen
potzen schreckt und mit tzallpfennigen lockt LUTHER 8, 171, 28 Weim.; heist das nicht Christum fur ein
kind odder narren halten, dem man einen gulden neme, und gebe yhm einen zalpfennig odder ein espen
laüb dafur und beredet es, das es kostlicher ding were denn der gulde? LUTHER 23, 158, 14 Weim.; als
were ich ein kind odder narr, der sich mit zalpfennigen fur gulden effen liesse 595, 17; zwar könnte ich
wohl über deine allzu grosze leichtgläubigkeit ein wenig mit dir hadern, nach welcher du manchen
zahlpfennig für ein ächtes vollwichtiges goldstück, selbst wider die absicht desjenigen, der ihn dir
aufschwatzte, annahmst BÜRGER briefe 3, 159; wie es

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Bd. 31, Sp. 69

kinder giebt, welche das geld nicht ... unterscheiden lernen können, denen man fast ihr lebtag zahlpfennige
anhängen kann, so giebt es noch viel mehr menschen, welche ihr lebtag nie dahin kommen, die worte
richtig zu würdigen GOTTHELF 3, 150. auf eine besondere scherzhafte fopperei, bei der die
werthlosigkeit des zahlpfennigs in wirklichkeit nur eine secundäre rolle spielt, nimmt die folgende stelle
bezug, wo im bilde die werthlosigkeit stark betont wird: sie können zwey zählen: und was das
sonderbarste ist, können mit dem nehmlichen zahlpfennige, in die hand eines jeden kindes, zwey zählen! --
ist das kind artig: so lächelt es, und schweigt ... o dasz ich nicht auch ... jeden neuen druck des nehmlichen
zahlpfennigs für einen neuen zahlpfennig mehr, lächelnd hingenommen und geschwiegen habe! LESSING
13, 87.

4) in wahrheit ist ihr werth immer, beim rechnen wie beim spiel, nur ein angenommener; sie sind
werthlos. JACOBSSON 3, 374b: wenn ich ihnen eine hand voll zahlpfennige gäbe, darunter aber etliche
silberne, ja gar eine goldene müntze zu finden wäre, ich bin gewisz, sie würden nicht alles ohne
unterscheid von sich werfen vernünft. tadlerinnen 2, 124. es ist ein narr, der die folgende frage thut:
alleine gienge es aber nicht an, wenn man dem tode so ein paar gelbe zahl-pfennige in die hadern
schmiesse, dasz er etliche jahr nachsicht hätte? CHR. REUTER Schlamp. 128 neudr. (act 3, sc. 11). als
scheinmünzen ohne werth kennzeichnen sie auch vergleiche: (die weltlichen könige) sind derhalben
könige wie zalpfennige gülden und gemalte könige auff der karten könige sind LUTHER 16, 405, 11
Weim.; gleich wie ein zal pfennig odder gemalter gulde nicht ein warhafftiger gulde ist 18, 522, 33;
mancher hätte mit den ducaten um sich geworfen, wie mit zahlpfennigen ALEXIS ruhe ist die erste
bürgerpflicht 1, 178. entsprechend bildlich: sie (die gottgläubigen) sind aber nicht so tolle könige, wie
die könige der welt sind, denn die selbigen sind nicht die rechten könige, sie sind nur zalpfennige und
gemalte könige gegen den gleubigen, denn sie regieren nur zeitlich und eusserlich 16, 404, 29; cum iam
verus usus sit, gilt nicht mher das gemelte und zalpfennig 341, 282, 11; deutsch spreche ich nicht in dieser
gesellschaft: im deutschen sagt man immer zu viel, und hier will ich nichts sagen. wir zählen einander
zahlpfennige zu; die deutsche sprache will wahre münze HERDER 18, 159, 47; es (das publikum) ...
empfängt als ... goldmünze, was der komponist ... als blecherne zahlpfennige ausgab R. WAGNER 5, 26.
dazu z a h l p f e n n i g s c h l ä g e r , m.: weil die zahl-pfennig-schläger mit eben solchem müntz-zeug
versehen sind, als zur scheide-müntz gehöret, so werden sie eidlich und bey hoher und lebens-straffe
dahin verbunden, keine müntze zu machen, noch andern dazu einigen vorschub zu thun haushaltungs-lex.
(1728) 1060.

ZAHLPLATZ, m., platz zum zahlen: nicht weit von Artzel oder Articella, da etwan die Römer ein
zeughauss und zalplatz, auch hut und wacht wider die Helvetier gehabt haben THURNEISSER von
wassern (1612) 130.

ZAHLPREDIGT, f., predigt von zahlen: erzehlet derwegen Syrach ... durch seine zahlpredigt und
rechenkunst drey stücke, welche jhme mechtig wehe thun MATHESIUS Syrach (1586) 162b.

ZAHLPROPHEZEIUNG, f., prophezeiung von oder mit zahlen: eine wohlthat ist's, wenn dergleichen
zahl-prophezeiungen ängstlichen gemüthern fern gehalten werden HERDER 23, 489.

ZAHLPROPORTION, f.: diese harmonie der theile (des menschlichen körpers) war nicht etwa blos eine
zahlproportion ihrer länge und breite; sie war ein im geist empfangenes untheilbares ganze HERDER 22,
293.

ZÄHLPUNKT, m., punkt, bis zu dem oder von dem aus man zählt, nach CAMPE von HEYNATZ zur
verdeutschung von epoche empfohlen, ohne glück.

ZAHLRÄDCHEN, n.: zâlrêdchen, umstellung aus rodzählchen (ruticilla) SUOLAHTI vogelnamen 386.
vgl. zagel 2.

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ZAHLRAT, m., scherzhafte bezeichnung des zahlmeisters bei officieren HORN soldatenspr. (1905) 57.

ZAHLRECHNUNG, f., rechnung mit zahlen: in der zahl- und buchstabenrechnung sind ... die einfachen
zeichen bloss willkührlich allg. d. biblioth. 1765: 1, 1, 140.

Bd. 31, Sp. 70

ZAHLREGEL, f., zahlen betreffende regel: überhaupt dasz ein andres zahlensystem als eines welches von
100 und 110 anhebt, zum grunde der klasseneintheilung gelegt worden sey, kann keinem möglich
scheinen, der die zahlregeln beobachtet und verfolgt hat, welche bey den Römern allenthalben herrschten
NIEBUHR röm. gesch. 1 (1811), 276.

ZAHLREGISTER, n., register über die zahl einer kriegsmannschaft: der munsterschreiber muss seine
munsterroll, zalregister und luckenregister allezeit in richtiger ordnung halten REUTER V. SPEIR
kriegsordn. 5.

ZAHLREICH, adj., reich an der zahl, aus vielen einheiten bestehend ADELUNG, numerosus, cujus
ingens est numerus FRISCH 2, 463b, numeroso RÄDLEIN sprachschatz 1, 1081a; nd. talryk KRAMER
hd.-nd. wb. (1719) 273a.

1) zunächst wohl bezogen auf eine aus erkennbaren einheiten bestehende menge, die man wirklich vor
augen hat, dann allgemeiner neben collectivischen ausdrücken, die als zusammenfassende bezeichnung
irgendwie verbundener, aber selbständiger einheiten gelten können.

a) meist in bezug auf personen, ein zahlreiches volk ADELUNG, eine zahlreiche familie, ein zahlreiches
gefolge CAMPE, eine zahlreiche versammlung u. dgl.: vor einer so zahlreichen menge von zuhörern
GOTTSCHED s. zeitschr. f. d. wortf. 3, 346; Helena ... war nicht die erste, die von den schönen
haarlocken ihres geliebten entbrannte und von seinen mit gold gewürckten kleidern, von seinem
prächtigen aufzuge und zahlreichem gefolge in verwunderung gesetzt wurde GOTTSCHEDIN briefe 1,
188; zu eng ist das gefühl der ehre in einen stand eingesperrt, der niemahls zahlreich seyn kan, weil er
müszig lebt, und vom schweisze der niedrigen seine nahrung erwarten musz HALLER Alfred 112; auch
alte halb erloschne augen heiterten sich beym anblick einer so zahlreichen menge junger schönen auf
WIELAND Agathon 1, 281; allein er stiesz auf dem wege nach Lissabon auf die königliche zahlreiche
armee ABBT 2, 111; nicht allein in Wien sind sie (die stücke Stephanies) viel belacht, beklatscht, und bey
oftmaliger wiederholung in zahlreicher menge besucht geworden vorrede zu STEPHANIE D. J. sämtl.
lustsp.; der 133. (psalm) preiset eintracht der stämme und familien, ... der 127. das glück einer zahlreichen
familie, wenn gleich ihre erziehung mühe und sorgen kostet HERDER 12, 246; ich werde mir auch eine
gewissenssache daraus machen, niemals, und wenn ich auch eine sehr zahlreiche und vornehme
gesellschaft bey mir haben sollte, eine einzige andacht zu unterlassen LAVATER vermischte schr. 1, 77;
nicht ein jeder schriftsteller findet ein zahlreiches publicum KINDERLING reinigk. d. d. sprache 21;
(Pietro della Valle) hinterläszt bei seinem tode ... eine zahlreiche nachkommenschaft GÖTHE 7, 210, 19
Weim.; (der sohn) eilte mit ihm (dem vater) zur schönen witwe, welche sie in einem groszen,
wohleingerichteten hause, umgeben von einer zwar nicht zahlreichen aber ausgesuchten gesellschaft in
heiterer unterhaltung antrafen 24, 286, 6; eine vierte, wenn auch vielleicht nicht zahlreiche partie (einer
tischgesellschaft) lächelte über diese vergeblichen bemühungen 251, 27, 25; sodann ist eine zahlreiche
gesellschaft, welche sich aller freyen augenblicke bemächtigt, gleichermassen (als entschuldigung)
anzuführen IV 29, 267, 19; er giebt einer zahlreichen familie ihren beschützer, erhalter wieder KNIGGE
umgang m. menschen 3, 128; schon vor etlich und vierzig jahren wurde dem verfasser eine zahlreiche
schule zur leitung und aufsicht anvertraut CHPH. V. SCHMIDT 1, 3; für sie, fühle ich, kann es bloss die
wahl zwischen dem nutzen und der bequemlichkeit der bibliothek, dann die genugthuung eines für den
augenblick zahlreichen auditoriums und die annehmlichkeit des himmels und landes ... sein HUMBOLDT
briefe an Welcker 39; zum beweise führt er die beinah gleiche erscheinung und leibesbeschaffenheit der
einzelnen unter dem zahlreichen volke an FOUQUÉ gefühle, bilder u. ans. 1, 203; einem zahlreichen und

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sehr gemischten collegium konnten wohl fragen begreiflich gemacht werden, wie diese, ob der vater seine
tochter ausstatten müsse SAVIGNY v. beruf uns. zeit f. gesetzgebg. u. recht 59; es blühte ferner ein
zahlreicher herrenstand, der seine

Bd. 31, Sp. 71

lehen mit der fahne empfing wie die fürsten RANKE 1, 43; es gab eine zahlreiche partei, die in diese
beschlüsse gleich von anfang an nicht willigte 132; was konnte einem wohlgeordneten gemeinwesen
unangenehmer sein, als eine zahlreiche genossenschaft in ihren mauern haben, welche weder die gerichte
der stadt anerkannte, noch ihre auflagen trug, noch ihren anordnungen überhaupt unterworfen zu sein
glaubte 170; zu den reichstagen begab er (kurfürst Joachim v. Brandenburg) sich mit zahlreichem
gefolge, dessen kosten seine mittel bei weitem überstiegen 4, 107; die halbbrüder des königs sammt ihrem
zahlreichen anhang wurden ohne gnade verjagt 14, 58; dort ist alles beim alten, nur Louise Delius sehr
betrübt über den plötzlichen tod ihres onkels, der eine zahlreiche unversorgte familie hinterlässt DROSTE
briefe 221; die versammlung war zahlreich EMMA HERWEGH in den briefen von u. an Herwegh (1898)
133; auch hatten diese (Hases) vorlesungen ihre wirkung bereits gethan, indem eine zahlreiche
zuhörerschaft zu des meisters füszen sich mit den ihnen zu grunde liegenden anschauungen durchdrungen
und diese in schriften weiter verbreitet hatte STRAUSZ 3, 28; wie zahlreich schon damals die lateinisch
redende bevölkerung auf der (pyrenäischen) halbinsel war, beweist die ansiedelung von 3000 spanischen
Latinern in den städten Palma und Pollentia (Pollenza) auf den neugewonnenen inseln MOMMSEN röm.
gesch. 2, 18; hätte sie noch grosze vorräthe für einen zahlreichen haushalt zu ordnen gehabt, so würde das
ein ersatz gewesen sein für das säen und pflanzen KELLER 3, 31;

in dem untersten abschnitt des paradiesischen berges,


Adams verlaszener geburtsstatt, wo gottes ordnender willen
von dem schleichenden beyspiel der niedern welt sie (Noah und die seinen) gesondert,
war ein jeder dem andern statt einer zahlreichen menge
BODMER Noah 5 (1, 43);

ein zahlreich gefolge, so sagt er,


lauter söhne von seinen gesegneten lenden entsprungen,
standen um ihn (Sipha) herum, und hörten seine befehle
18 (1, 396);

wenn ein zahlreiches volk in gährendem aufruhre tobet


SCHILLER 1, 125;

wer ists, den ich in bunten flügeln


den hohen thyrsus schwingen seh?
ist es der genius des freudigen getümmels
und zahlreich sein gefolg umher
290;

und die versammlung wird auch zahlreich seyn


COLLIN Regulus (1802) 141 (act 5, sc. 4).

b) seltner in bezug auf andres, eine zahlreiche menge von tieren, sachen, fällen u. dgl., eine zahlreiche
bibliothek ADELUNG: er besitzt eine sehr zahlreiche bibliothek NICOLAI reise dch. Deutschland u. d.
Schweiz 2, 323; besonders aber gehört hierher jene zahlreiche masse von ergebnissen, die man mit dem
namen der monstrositäten bezeichnet GÖTHE II 7, 158, 10 Weim.; es ist ein grobes, doch immer noch
gemeines miszverständnisz, dasz man glaubt, um ein ideal darzustellen, müsse ein so zahlreiches aggregat
von tugenden wie möglich auf einen namen zusammengepackt ... werden Athenäum 1, 2, s. 64; im
frühjahr sitzen sie (die wachholderdrosseln) öfters in zahlreicher gesellschaft NAUMANN naturgesch. d.
vögel 2, 304.

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c) bei pluralischer anwendung solcher ausdrücke kann das wort auf die einzelnen bestandteile des
collectivbegriffs gehen oder auf die menge der collectivbegriffe selbst (vgl. 2): zahlreiche heerden
waren auch die einzigen und liebsten reichthümer der Deutschen M. J. SCHMIDT gesch. d. Deutschen 1
(1778), 5; zahlreiche herden von pfirsichblüthenen kühen und stieren weiden in den grünen grasweiden
IMMERMANN 1, 9; aber das dorf steht noch da, seelenreich und belebter als je, während ein paar dutzend
zunamen unverändert geblieben und für die zahlreichen, weitläufigen geschlechter fort und fort
ausreichen müssen KELLER 1, 11;

zahlreich sind des düstern Caibars heere


GÜNDERODE 1, 427.

2) neben pluralisch gebrauchten anderen wörtern, wobei die vorstellung des nebeneinanderseins auch
in die des aufeinanderfolgens übergehn kann, so den allgemeinen sinn von 'viele' gewinnend.

Bd. 31, Sp. 72

a) von personen: die feinde sind zahlreich, hostes multum possunt multitudine STEINBACH 2, 244; sie
(nachkommen) waren zahlreich HALLER Usong 1; zahlreich sind seine (des königs) feinde HERDER 25,
638; besonders, da er (Tieck) es mit den schildbürgern durch seine geschichtschronik derselben unheilbar
verdorben hat, und wie ein korsar kecklich in die häfen dieser angesehenen nazion eingelaufen ist, die
durch ihr schutz- und trutzbündniss mit den ebenfalls zahlreichen philistern noch furchtbarer wird
Athenäum 1, 1, 169 (A. W. SCHLEGEL); gelehrte correspondenten, die mich verstanden hatten, mir mit
liebe zuschrieben, und von zahlreichen, wenn auch unbekannten freunden sprachen, belebten meinen
eifer K. L. V. HALLER restaur. d. staatswiss. 1 (1816), XLII; den zahlreichen zuhörern, welche mit so
vielem wohlwollen meinen vorträgen ... gefolgt sind, ist es vielleicht angenehm HUMBOLDT kosmos 1,
XI; ich ... hatte oft zahlreiche zuhörer ARNDT 1 (1892), 75; so ist ja schon ... der unsaubere anblick ihrer
(der hunde) ab- und zuneigung ... hinreichend, ihnen zahlreiche geg ner zu erwecken HOLTEI erzähl.
schriften 2, 57; auch tasmanische frauen haben zahlreiche mischlinge geboren PESCHEL völkerkunde
10; diese vergabungen hatten für den krieg zahlreiche streiter geschaffen NITZSCH deutsche studien 11;
er (Lionardo) selber, schön von antlitz, stark wie ein titan, freigiebig, mit zahlreichen dienern und pferden
und phantastischem hausrat umgeben H. GRIMM Michelangelo 1, 44; bald wurde dem biedern wirthe
auch ein fremdenbuch verehrt, in welches sich die zahlreichen touristen ... fleissig einschrieben STEUB 3
sommer in Tirol 1, 14;

zahlreich sind die verehrer.


DENIS lieder Sineds 132;

selbst das stück nun anbelangend,


war's dort (auf der bühne) eins von den beliebten:
ein hausvater in dem kreise
zahlreicher familienglieder,
die ihm freud' und sorge machten
RÜCKERT 2 (1868), 137.

b) in sonstigem gebrauch von concretem: die codices, die bey der originalausgabe von Pearce zu rathe
gezogen worden, sind sonst zahlreich genug GERSTENBERG recensionen 346, 3; wir gingen auf eine
angenehme höhe, auf der die zahlreichen dörfer der ringsum liegenden ebene ein angenehmer anblick
waren HERDER 17, 49; weil ihm (Winckelmann) zur zeit seiner reifern bildung keine günstige gelegenheit
sich darbot, zahlreiche sammlungen echt etrurischer arbeiten ... mit gehöriger musze zu durchforschen
GÖTHE 46, 77, 3 Weim.; herrliche statuen in vortrefflichen gipsabgüssen, zahlreiche büsten, körpertheile,
basreliefs, alles in den anständigsten räumen (aufgestellt) 491, 13, 10; schon das verdient ja unsere
bewunderung, dasz dieses geschöpf (die schlange) ohne füsze nur durch seine zahlreichen muskeln sich so
leicht fortbewegen kann HEBEL 2, 23, 8 (schatzkästlein 9. stück); die zahlreichen nachtigallen, die sich in

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ihr (der gegend) befanden, erfreuten ihn so KERNER bilderbuch 31; desto seltsamer nehmen sich an
denselben (wänden) zahlreiche zeichnungen und steindrucke aus HOLTEI erzähl. schriften 5, 9; an der
westküste (Italiens) ein breites von bedeutenden strömen, namentlich der Tiber durchschnittenes, von den
fluthen und den zahlreichen vulcanen in mannigfaltigster thal- und hügel-, hafen- und inselbildung
entwickeltes gebiet MOMMSEN röm. gesch. 1 (1854), 5; eine solche geschichte bestand je nach ihrer
dauer aus mehr oder weniger zahlreichen blättern (zeichnungen) G. KELLER 2, 152; so zeichnet sich
durch reichthum und materielle blüthe, durch kunstsinn und verfeinerung des lebens die (kleinasiatische)
colonie der Jonier aus mit ihren zahlreichen und bedeutenden städten F. A. LANGE gesch. d.
materialismus 1, 5; zahlreiche schriften ... brachte der ausgang des vorigen ... jahrhunderts hervor
STRAUSZ 3, 16.

c) von eigenschaften, äuszerungen, geschehnissen, zuständen, beziehungen und in allgemeiner


anwendung auf abstracta: je ausgebreiteter die herrschaft der laster ist, desto zahlreicher und gefährlicher
sind die versuchungen unsrer tugend J. A. CRAMER nord. aufseher 1 (1758), 47; wann eine nation ihre
kräfte im kriege so wohl als im frieden versuchet hat, so wird sie aus den folgen leicht

Bd. 31, Sp. 73

ermessen können, ob sie ihre grösse auf zahlreiche eroberungen ... gründen solle ZIMMERMANN v. d.
nationalstolze 173; ihr edlen schatten der vorzeit, (zahlreich sind eure namen) steiget herauf HERDER
22, 331; wenn sie (nachrichten von Madera) sich aber in den zahlreichen reisen (reisebeschreibungen) so
vieler seefahrer, welche die welt umschifft haben, nicht finden sollten, ... so bedürfen sie (in diesem
werke) wohl keiner weitern schutzrede FORSTER 1 (1843), 38; dagegen habe ich von Schubarts
zahlreichen verstössen gegen die rechtschreibung ... nur das leidlichste ... stehn gelassen STRAUSZ
Schubarts leben 1, XVIII; die zahlreichen wundergeschichten in der bibel ... beruhen nicht auf betrug
schriften 6, 24; Hamlets zahlreiche monologe sind der kern LUDWIG 5, 197; mit dem geräusch der
gleitenden klingen wurde das gefecht belebter und rascher, so dass schon wegen der notwehr die stösse
zahlreicher und fester wurden KELLER 2, 248; der kaplan trug hauptsächlich die kosten der unterhaltung,
indem er mit dem fräulein zahlreiche witzworte wechselte, deren bedeutung mir nicht klar wurde 3, 165;
er wird auch bei der anordnung seines werkes durch gesetze des schaffens bestimmt, welche zahlreiche
übereinstimmungen mit den compositionsgesetzen des dichters haben FREYTAG 14, 14; die frau pastorin
... versicherte unter zahlreichen knicksen W. V. POLENZ der Grabenhäger 1, 9.

3) bisweilen neben dem singular von wörtern, denen ein collectivischer sinn nicht durchweg innewohnt,
aber beigelegt werden kann.

a) ganz eigenartig von einer person, in bezug auf die nachkommenschaft: er (Ludwig XIV.), der sich in
seinem geschlecht für eine ewigkeit zahlreich (später ersetzt durch: unsterblich) gewähnt hatte HERDER
23, 42;

zwar euer vater (Jakob) stirbt! -- allein


mein gott, mein gott wird mit euch seyn.
Manasse wächst! und Ephraim
wird zahlreich, wie ein volk, vor ihm
SCHUBART 1 (1787), 260.

b) im anschlusz an verbindungen wie zahlreiche menge, versammlung: bey einem überaus zahlreichen
diner AYRENHOFF 1, 25.

c) neben unpersönlichen concreten ausdrücken.

α) in bezug auf die theile eines ganzen: wir zeigten ihm endlich einen sehr zahlreichen aufsatz von
schüsseln und tellern E. SCHLEGEL 5, 235.

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β) in bezug auf häufigkeit des gleichartigen: wir fuhren durch dörfer und felder, ... begegneten überall
zahlreichem fuhrwerke KELLER 2, 35.

d) neben verbalem ausdruck: wir erhielten ... den zahlreichen besuch der eingebornen CHAMISSO 1,
143; die frauen hatten ... zahlreichen damenbesuch empfangen KELLER 4, 261.

4) zu adverbialem gebrauch leiten appositive fügungen gleich den folgenden über:

die hohen satrapen Germaniens


fielen zahlreich dem bunde bey
RAMLER lyr. ged. 128;

traulich stehen sie (die samengefäsze der blüthe) nun, die holden paare, beisammen,
zahlreich ordnen sie sich um den geweihten altar
GÖTHE 3, 86 Weim.;

das schlosz ist stark besetzt, die bürger sind zahlreich an den thoren 8, 199, 18 (Egmont 1. aufz.); was
versammelt euch so zahlreich an meines wohnsitzes goldner pforte? NESTROY 1, 67; welche durch ganz
Deutschland hin zahlreich saszen SCHERER literaturgesch.7 67.

5) adverbial: hingegen war die klosterregel des Pachomius ... in dem schwärmerischen Egypten, so lange
sie neu war, zwar schnell und zahlreich befolgt, aber auch bald abgesetzt, und bald vergessen
ZIMMERMANN über d. einsamkeit 1, 221; sie (die 7 gattungen der verskunst zu Dantes zeiten) haben
sich seitdem zahlreich vermehrt, vielfach verändert HERDER 18, 47; es schien, als ob es (ein
phönizisches raubschiff) ladung hätte, und zwar sowohl zahlreich, als tapfer besetzt BÜRGER 255; ein
sauber gebundenes exemplar von Faust ist schon so eine art von gabe, wozu ich denn auch die neuste
ausgabe von Werther zahlreich benutzte GÖTHE IV 41, 252 Weim.; es war ein riesenhaftes schiff und
zahlreich bemannt mit

Bd. 31, Sp. 74

Hindostanern HEINE 3, 493; eine geschmückte tafel erwartete die zahlreich im vorsaal um den grafen
versammelten gäste MÖRIKE 3, 90; ebenso war er intimus der dort zahlreich ansässigen spatzen
FONTANE 5, 92.

6) mit näheren bestimmungen: disz sag ich meinen ziemlich zahlreichen anverwandten hiemit zur
nachricht SCHUBART leben u. gesinnungen 1, 5; wenn jene classe kleiner tyrannen allzu zahlreich würde
FORSTER 2, 100; weil die obrigkeiten zu zahlreiche auswanderung ... fürchteten J. V. MÜLLER 1, 36;
die reichstage waren bei weitem nicht zahlreich genug besucht gewesen RANKE 1, 49. in vergleichen: das
heer des herren war zweymahl so zahlreich, als des satans schaaren BODMER v. d. wunderbaren 129;
dasz die mittel zur einsammlung gründlicher und umfassender kenntnisse zu keiner zeit so zahlreich und
allgemein gewesen sind, als eben jetzt FORSTER 4, 5; da seine reiterei kaum ein drittel so zahlreich war
als die feindliche PLATEN 3, 93; auch die stände, die sich so zahlreich wie jemals versammelt, waren von
der nothwendigkeit ... durchdrungen RANKE 1, 73; kinder und kindeskinder, zahlreich wie der sand am
meere STIFTER 1, 178;

gott lasse deinen stamm, wie sterne zahlreich werden


B. NEUKIRCH in Hoffmanns v. Hoffmannswaldau u. anderer Deutschen gedichten (1697--1727)
7, 152;

herr! ihr gebet und wunsch wird wie die frucht der erden,
und deiner jahre zahl wie beydes zahlreich werden
PIETSCH geb. schr. (1740) 86.
weniger zahlreich: dasz die gattungen der blumen ... viel weniger zahlreich und ihre fruchtbarkeit weit

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schwächer wäre LAROCHE frl. v. Sternheim 1, 180; je weniger zahlreich jene (die gesellschaften) sind,
desto häufiger tritt der fall ein, dasz nur zwey zusammen handeln Athenäum 1, 1, 10 (A. W. SCHLEGEL).
im comparativ: es kam mir dabey vor, als wenn die Heynesche familie zahlreicher wäre, als der gröszte
theil der gesellschaft glaubte LICHTENBERG briefe 1, 315; nur grosze hoboisten haben sie zahlreicher
als Besozzi gehabt SCHUBART ästhet. d. tonkunst 58; kaum mögen in einer deutschen stadt zahlreichere
... kupfer ... anzutreffen seyn leben u. gesinnungen 1, 32; so fanden sich seine anhänger noch weit
zahlreicher als den ersten wahltag ein ARCHENHOLZ Engld. u. It. 1, 24; zahlreicher wurden die
feindlichen streiter KLINGER neues theater 1, 95; es ist doch erlaubt, einen würdigen mann einem andern
zu nennen, so lange dieses geschlecht nicht zahlreicher wird FORSTER 7 (1843), 125; die sterne traten
immer zahlreicher hervor FONTANE 1, 7; desto zahlreicher so eine grablegung gehandhabt wird (je
gröszer das gefolge ist), je umfänglicher auch die offertorien flieszen HAUPTMANN die weber 50. im
superlativ: unter den ... fabeln sind die Lessingischen die zahlreichsten GERSTENBERG schlesw. litbr.
194, 14 neudr. (nr. 20); man fand da die beste küche, die meiste pracht, den gröszten aufwand, die
zahlreichsten gesellschaften BAHRDT gesch. s. lebens (1790) 2, 8; wir haben, wie ihr wiszt, die
zahlreichste, ausgesuchteste gesellschaft GÖTHE 45, 81, 18 Weim.; im allgemeinen bemerken wir, dasz
sie (die wahl) in der regel der zahl. reichsten körperschaft zustand RAUMER gesch. d. Hohenst- 5, 134;
wir haben ... uns überzeugt, dasz selbst die zahlreichste versammlung von tüchtigen, patriotischen und
tapferen männern noch nicht im stande ist, einer wirklichen armee zu widerstehen MOLTKE 7, 114;
(Papier) besasz die zahlreichste bibliothek von allen pfarrern des landes JUSTI Winckelmann 1, 123; so
geht es heutzutage bei der groszstädtischen geldaristokratie, eben weil sie die zahlreichsten socialen
krankheitsformen in sich hegt RIEHL deutsche arbeit 21. am zahlreichsten: wenn der himmel mit wolken
bezogen und es ein schwüles dämmeriges wetter war, welches regen verkündete, so standen diese
gestalten am zahlreichsten an dem ziehenden strome KELLER 4, 99. der superlativ substantiviert als n.:
oft ist das schädliche und häszliche zugleich das zahlreichste und furchtbarste, und hat seine ansprüche
auf dasein und erhaltung trotz dem besten FORSTER 5, 379.

ZAHLREIHE, f., was zahlenreihe; die geschichte als namenreihe und chronologische zahlreihe ist zum
ersten anblick der knaben nicht nötig HERDER 30, 426.

Bd. 31, Sp. 75

ZAHLREIM, m., rhythmus eteostichus STIELER 1514, worin also zahlen bezeichnende buchstaben eine
jahreszahl ausmachen. vgl. zahlvers: ich möchte wohl einen zahlreimen auf das jetzt lauffende oder
künfftige jahr hören HARSDÖRFFER frauenzimmer gesprechspiele 3, 334; von den fragreimen,
zahlreimen, gesprächreimen und oden SCHOTTEL t. haubt sprache 986; ein zahlreim ist, darin eine
gewisse jahrzahl eingeschlossen und verfasset ist 989.

ZAHLRODEL, m. f., verzeichnis, das eine aufzählung bietet, frühnhd.: darzu ist auch gnůg verdächtlich,
dasz bemelte mönch disen Sidonium in den catalogum oder zalrodel der regenten oder äbten zu S. Gallen
nit eynleyben, sonder seiner allein als eines tyrannen gedencken STUMPF Schweizer chron. (1606) 357b.

ZAHLROLLE, f., verzeichnis über auszahlung der löhnung von soldaten, in älterer sprache: die lehnungs
(löhnungs) -gelder sind dem gantzen regiment von dem chef der compagnie in beyseyn der übrigen
compagnien, so wohl ober- als unter - officierer auszugeben, auch förmliche und bei allen compagnien
gleichlautende zahlrollen darüber zu halten FLEMING t. sold. 163 § 10.

ZAHLSACHE, f., res debitorum solutiones concernens STIELER 1656.

ZAHLSCHAF, n., das nach einer vorgeschriebenen zahl (so 11, 25, 50) ausgezählte schaf, das von den
schafhaltern für die benutzung der herrschaftlichen weiden abgegeben werden musz, in älteren
hessischen urkunden VILMAR 463, in älteren waldeckischen urkunden zählschaf BAUER-COLLITZ 183,
nd. im Waldeckischen telschåp, das ausgezählte zehnte schaf als abgabe 103b.

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ZAHLSCHEIBE, f., scheibe mit zahlen an der uhr: zeigen, wenn es die ... verrichtung eines theils von der
zahlscheibe einer uhr bedeutet, wird mit dem i geschrieben HAMANN 1, 327.

ZAHLSCHEIN, m., quittung KRAMER nieder-hochd. wb. 2, 273a. RÄDLEIN sprachschatz 1, 1081b,
getadelt: so hat rec. die ausdrücke ... siegelbrief, zahlscheine ... ungern bemerkt allg. d. bibliothek 91,
527.

ZAHLSCHILLING, m., von einer abgabe: da (beim hüten von schweinen im walde) soll jedem förster
werden sein zahlschilling, das ist drey schilling heller Büdinger waldrecht bei STISSER forst- u.
jagdhistorie der Teutschen (1754) beylagen s. 13.

ZAHLSCHOBER, m., in Steiermark früher eine masse von 60 garben in schoberform: 110 zahlschober
korn gibt 46 Frohnleitner viertl quelle bei UNGER-KHULL steir. wortsch. 642b.

ZAHLSCHREIBER, m., pfennigmeister, quaestor et custos aerarii FRISCH 2, 463b mit verweis auf
GOBLER rechtsspiegel (16. jh.) col. 295: item es gehören zu einer arckelley zum wenigsten vier grosz
gezelten, die eine dem zeugmeister, eine desz zeugmeisters zalschreiber FRONSPERGER kriegsb. 1 N 6r.

ZAHLSCHREIBEREI, f.: geheim -sive zahl- & zeichenschreiberey, steganographia STIELER 1923.

ZAHLSCHRIFT, f., schrift mit darin verstreuten zahlbuchstaben, die sich auf eine jahreszahl beziehen:
zahlschrift, zahlgedicht, chronographicum KRAMER nieder-hochd. wb. 2, 273a.

ZAHLSPIEL, n., spiel mit zahlen CAMPE: indesz seis wenigstens zeichen-, bild-, zahl- und klangspiel der
kindischen alten welt HERDER 6, 315. vgl. auch das folgende.

ZAHLSPILLE, f., spille, spindel oder spule für ein bestimmtes masz garn und dies masz selbst (vgl. zahl
11), in frühnhd. glossen: tradulus, czalspille, -spil DIEF. 591b; czolspille nov. gl. 369a; dragma, czalspille
gl. 191b; miszverständlich tradulus, czalspiel 591b; dragma, eyn gesanck oder zalspil 191a. daneben
dragma, eyn zaspille ebenda. vgl. zaspel unten und das folgende.

ZAHLSPINDEL, f., dasselbe wie das vorige: tradulus, ein zal spindel DIEF. nov. gl. 369a; czalspinnel gl.
591b.

ZAHLSTAFFEL, f., verdeutschung für potenz in mathematischem sinne allg. d. biblioth. 122, 329.

ZAHLSTARK, adj., stark, grosz an zahl: neue tribus ..., die augenscheinlich ohne alles verhältnisz
zahlstärker als die alten gewesen seyn müssen NIEBUHR röm. geschichte 3, 377.

Bd. 31, Sp. 76

ZAHLSTEIGERUNG, f., steigerung von zahlen: diese fortsetzung gleichmäsziger zahlen ist die geringste
und solte mit der ungleichen zahlsteigerung 1, 3, 9, 18, 36 etc. viel höher lauffen HARSDÖRFFER
frauenzimmer gesprechspiele 8, 37.

ZAHLSTEIN, m., s. zagelstein.

ZÄHLSTEIN, m., stein zum zählen, so zum zählen von wegstrecken: tugend hat der mann, der seinen weg
selbst zu nehmen weisz und fremde beyspiele nur, wie zählsteine an der strasze, zum masz seiner
fortschritte braucht Dya-Na-Sore 5, 150. zur bezeichnung eines abgelaufenen zeitraumes: als sich aber
die generationen anhäuften, und mit ihnen die zahlsteine, suchte man ein gröszeres zeitmaass allg. d.
biblioth. 56, 309.

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ZAHLSTELLE, f.

1) stelle, wo gezahlt wird: an einer kasse können verschiedene zahlstellen eingerichtet werden.

2) stelle, wofür gezahlt wird: sollte ihm (einem studenten im convict) einstweilen eine zahlstelle,
vielleicht künftig eine freystelle zu theil werden können GÖTHE IV 15, 114, 8 Weim.; sein ... beitrag, der
ja bei zahlstellen (einer lehranstalt) auch angerechnet wird FICHTE deduc. plan 121.

ZÄHLSTOFF, m., stoff, der gezählt wird, gesamtheit von einzelerhebungen bei einer volkszählung u.
dgl.: aus den listen die einzelkarten herzustellen, wie sie zur aufbereitung des zählstoffs nötig sind, ist an
sich sache der aufbereitenden statistischen ämter CONRAD handwb. der staatswiss.3 8, 510. dazu
z ä h l s t o f f m a s s e , f.: dieser vorteil kommt natürlich bei groszen zählstoffmassen erst recht zur
geltung 513.

ZAHLSTUBE, f., stube, wo gezahlt wird: zwei fabrikarbeiter kommen mir da athemlos und pudelnasz von
der gasse in die zahlstube gesprungen ZSCHOKKE 18, 177; seine zahlstube wimmelte von zierlichen
arbeitern BRENTANO Godwi 2, 5; sobald einer ... ihn in der zahlstube besuchte ARNIM 3, 293.

ZAHLSUMME, f., summe als zahl oder zusammenstellung von zahlen: dasz völker über hohe
zahlsummen, jahrreihen, zeitrechnungen ihrer vorfahren in widersprüchen ... sind HERDER bei CAMPE
unter jahrreihe.

ZAHLSYSTEM, n., was zahlensystem: den quotienten, der nicht nur dem alten römischen decimal-,
sondern jedem zahlsystem fremd wird NIEBUHR röm. gesch. 1, 276.

ZAHLTAFEL, f.

1) rechenbrett, zaltafel, abacus MAALER 542a.

2) übersicht von zahlen, tabelle: darvon unser calender und zaltaffel, darinn wir jar, wochen und monat
zelen MATHESIUS Sar. 29b. in deminutivform: im zahltäfle des 7. capitels verzeichnet GUARINONIUS
grewel d. verwüstung 25.

ZAHLTAG, m., tag, an dem gezahlt wird, zum zahlen bestimmter tag ADELUNG, dies solutionis FRISCH
2, 463b, dies ad solutionem praestitutus STEINBACH 2, 793, zaltag, solutionis terminus STIELER 2248:
praefinire, praescribere, statuere diem solutionis, zahltag stellen, setzen APHERDIANUS methodus
discendi (1601) 202; zahltag der messe, an dem alle wechsel bezahlt sein müssen ADELUNG; ich will ...
dem gläubiger, der mir durch seinen vorschub wieder aufgeholfen hat, schuld und zins bezahlen, denn
heute ist der zahltag MUSÄUS volksm. 1, 39; ob es gleich ist unmöglich, dasz ich kommen könnt, wollt ich
gleichwoll noch zusehen, ob es gleich ist heut zahltach und ich bin fuhrir HAKEN in FÜRST deutsche
erzähler d. 18. jahrh. 80, 20; morgen ist unsere erste woche (im gasthause) um und da wird zahltag seyn
GÖTHE IV 19, 342, 18 Weim. wenn dieses (auszahlung der abgezogenen halben gage) den nächsten
zahltag geschähe möchte es wohl am schicklichsten seyn 24, 14, 17; er muszte den gesellen sagen, er
könnte ihnen nur ein weniges geben, hoffentlich das ganze am nächsten zahltage GOTTHELF 11, 87; es
hat seinen grund (dasz die arbeiter nicht am balle theilnehmen) ... übermorgen ist erst zahltag
GUTZKOW ritter v. geiste 4, 314; ja, ich möchte ihn (den kaufmann) erinnern, was vorangegangen sein
muszte, um das unbedeutende buch, den kalender zu liefern, in dem er seine zahltage notirt BAER reden
u. aufs. 1, 107; bestehen an einem wechselplatz allgemeine zahltage (kassiertage), so braucht die zahlung
eines zwischen den zahltagen

Bd. 31, Sp. 77

fällig gewordenen wechsels erst am nächsten zahltage geleistet zu werden wechselordnung art. 93. freier
von einem tage der vergeltung: Klugsinn: verzeihen bleibt dennoch eine schuldigkeit. Magdelone:

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verzeihen ja, aber auch merken bis zu seiner zeit. es kommt schon wieder ein zahltag, wenn es auch noch
so lange ansteht PETRASCH lustsp. 1, 826; für di' wird a no' der zahltach kumma HÜGEL Wiener dialekt
192b;

die Oestreichsmänner und die Steirer aber,


die sonst nur träg mir (Ottokar) ihren dienst erwiesen,
in todesengel scheinen sie verwandelt,
und jeder ist ein held nun wider mich,
der zahltag ist erschienen, und sie zahlen!
GRILLPARZER 5, 144 (Ottok. 5).

sprichwörtlich: zahltag kommt alle tag KIRCHHOFER schweizerische sprüchw. (1824) 248. SIMROCK
569. mit eigenartiger übertragung als bezeichnung des am zahltag empfangenen, wie löhnung,
elsässisch: er het brav gschafft un de zahldaa heimegebroocht GREBER Lucie (1901) 30.

ZÄHLTAG, m., tag, wo gezählt wird, tag einer volks-, berufszählung oder dgl.: die frage nach der
arbeitslosigkeit ... ist bei einer berufszählung naheliegend, doch musz der zähltag sich dazu eignen und für
entsprechende kontrolle wegen zuverlässigkeit der angaben gesorgt sein CONRAD handwb. d. staatsw.3 3,
797.

ZAHLTÄGIG, adj., zu zahltagen gehörig, dafür erforderlich: wie schwer war es daher, den zahltägigen
bedarf zu den besoldungen (für das reichskammergericht) aufzubringen GÖTHE 28, 129, 13 Weim.
einige ausgaben haben hier den druckfehler: zahlthätig.

ZAHLTELLER, m., teller, auf den gezahlt wird, wie bei einer jahrmarktsvorstellung oder einem
gemeinschaftlichen essen, wo ein teller bei den theilnehmern herum gereicht wird, im bilde: diesz ist
aber zu grosze qual, nach der einladung und sättigung von einem freund, auf einmal einen umlaufenden
zahlteller zu ersehen J. PAUL 42, 134.

ZAHLTERMIN, m., termin zum zahlen: der zahltermin lauft zu end, il pagamento stà per scadere, si
matura KRAMER teutsch-ital. dict. 1 (1700), 294a; wenn endlich der zahltermin eintrat LICHTENBERG
Hogarthische kupferstiche 2, 43.

ZÄHLTHALER, m., eine bestimmte zahl von groschen als rechenmünze im gegensatze zum wirklich
geprägten thaler in spezie, speziesthaler HALKE handwb. d. münzkunde (1909) 353b, auch zahltaler:
kaiserlicher schlechter zahltaler, in einigen gegenden, so in Böhmen, 24 kaisergroschen WEILMEYR
numismat. lex. 2 (1817), 203. vgl. zählmark.

ZAHLTISCH, m., tisch, auf den gezahlt wird: dann nimm du mein geld, und bezahl damit, unten am
zahltische, die ganze rechnung im rummel BODE Thom. Jones 3, 428; es ist doch ... in jedem menschen,
und wäre er im alltagsleben hinterm zahltisch zur trockenen mumie eingeschrumpft, ... noch immer ein
göttlicher funke; der stirbt nicht ganz ZSCHOKKE 24, 322; die grosze steinplatte über der gruft wurde ...
zu einem zahltisch für die gewerkschaft benutzt ROSEGGER schriften II 12, 26;

will man noch williger sie an den zahltisch locken,


so speise dann und wann von gnade sie ein brocken
KOTZEBUE dram. w. 11, 294;

man hat
den quästor auf dem zahltische gekreuzigt
GRABBE 3, 295.

ZAHLTUCH, n., tuch mit eingenähten zahlen, das beim nähunterricht als muster dient CAMPE, canevas.
BELL technol. wb. 1, 664. Steirisch zähltuch, stickmuster, in älterer sprache UNGHER-KHULL steir.

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wortsch. 642b.

ZAHLÜBUNG, f., übung mit zahlen: das kind musz in gewissen rücksichten in diesem alter (im 6.--7.
lebensjahre) gemeinsam und gleichzeitig eben so bestimmt reden lernen, als es durch die zahlübungen
bestimmt rechnen ... lernt PESTALOZZI 14, 29.

ZAHLUNFÄHIG, adj., unfähig zu zahlen, als verdeutschung von insolvent bei CAMPE. dazu
z a h l u n f ä h i g k e i t , f., insolvenz. vgl. zahlungsunfähig.

ZAHLUNG, f. zu zahlen.

1) handlung des zahlens.

a) im sinne von zahlen 2, rechnung: weil wir aber das pondus der alten quintet gülden haben, und wie

Bd. 31, Sp. 78

viel es höher geachtet ist denn das silber, so müssen wir nun eine bekandte müntz haben, in welcher
abtheilung die alte zalung sich vergleichet MATHESIUS Sarepta 168b.

b) im sinne von zahlen 3, erlegung einer summe ADELUNG, solutio. FRISCH 2, 463b, solutio,
numeratio, pensio STEINBACH 2, 1067, zalung, solutio, satisfactio pro debito, repraesentatio pecuniae
STIELER 2251.

α) so seit frühnhd. zeit in allgemeiner anwendung: acceptilatio, debiti remissio, ledig (sc. der) zalung
(1512) DIEF. 7b; gleichfalls gab es in Under Ungarn im läger vor Gran wegen der zalung, auch etwas
unrichtigkeit, dardurch vil gute rahtschläg sind verhindert worden STUMPF chron. 36b; wann die zeit der
zahlung fürbey? was ist rennens und lauffens MOSCHEROSCH Philander (1650) 393; eine grosse
geldsumme ..., die sich so hoch erstrecket, dass ihm die zahlung von der hand ganz unmüglich war
ANTON ULRICH V. BRAUNSCHWEIG Octavia 3, 56; gleichwohl schickt ihn (den reis) der Engländer
ohne zahlung nach Bremen und wartet gern ein jahr auf sein geld MÖSER patr. phant. 1, 10; aber ich ...
setzte den entschlusz durch, auch das mittagsquartier ohne zahlung zu verlassen BAHRDT gesch. s. lebens
1, 167; warum er denn diesen umweg (erst zu stehlen) zur zahlung nehme HIPPEL kreuz- und querzüge
1, 528.

β) verbale fügungen: zahlung ge- (frühnd. be-) schieht, erfolgt: (im bilde) die schuld bleibt alweg und
zalung muöes alweg beschehen BERTH. V. CHIEMSEE teutsche theol. 346; hierauf folgt in der zeile der
eigentliche inhalt (des wechselbriefes) und fängt an mit der zeit, in welcher die zahlung geschehen soll
haushalt.-lexicon 3, 671; die zahlung dafür (für das werk) soll sogleich erfolgen LESSING 18, 42; man hat
auch ... verordnet, dasz bey gewissen gefällen die zahlung halb in baarem gelde und halb in bankozetteln
geschehen solle NICOLAI reise 3, 313; wenn eine kirche wegen der annalen zu hoch taxirt, solle der tax
gemässiget werden, auch soll die zahlung unter einer redlichen und erträglichen bürgschaft geschehen
SCHMIDT gesch. d. Deutschen 4, 111; magst du diesz minimum von geschäft für mich arrangiren, so
bestimme selbst die preise, sende mir die stufen wohl eingepackt nach Jena, und die zahlung wird
ungesäumt erfolgen GÖTHE IV 29, 144, 20 Weim.; die zahlung geschieht in schlechtem gelde MÜLLNER
dram. w. 8, 31; handelseinig sind sie, der handschlag ist geschehen, nur noch die zahlung nicht
CHAMISSO 5, 221; die wesentlichen erfordernisse eines gezogenen wechsels sind: ... 8. die angabe des
ortes, wo die zahlung geschehen soll wechselordnung art. 4; die zahlung des dem handlungsgehülfen
zukommenden gehalts hat am schlusse jedes monats zu erfolgen handelsgesetzbuch § 64. -- zahlung thun
ADELUNG, heute unüblich: siehe zu, ... dasz dir dein herr ja nichts schuldig bleibe; sondern du ihm: doch
also, dasz du wissest woher die zahlung zu thun seye MOSCHEROSCH cura parentum 45 neudruck;
dieses (dasz einer sein geld im spiel verloren hat) ist die ursache, warum ich bey madame um ein klein
adstringirend remedium ansuche, welches in einer kleinen assignation an ihrem mann bestehen solle, der

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die zahlung ohne zweifel sehr gern thun wird STRANITZKY ollapatrida 278, 5; die zahlung vor der zeit
thun, pensionem ante diem solvere STEINBACH 2, 1067; richtige zahlung thun ADELUNG;

die kriegssleut schreyen sehr nach gelt,


wie ich auch gestert hab gemelt.
wir müssen einmal zalung thun
H. SACHS 8, 209, 14 Keller;

der Eulenspiegel sagt darzu!


'kein ander zahlung ich nicht thu ...
FISCHART Eulensp. vers 10 716 Hauffen.
auch mit persönlichem dativ TUCHER baumeisterb. 269, 16 (s. unten ε). -- zahlung leisten CAMPE:
richtige zahlung leisten ADELUNG; der leistet nicht zahlung, der mir eine anweisung in die hand steckt
ENGEL 2, 251; secretär: se. excellenz fragen nicht nach der verzweiflung, sondern nach der zahlung.
frau v. Wallenfeld: ich kann sie nicht leisten IFFLAND 2, 198 (spieler 1, 4); das ist auszer zweifel,

Bd. 31, Sp. 79

dasz der schuldner, wenn er keine zahlung leistete, zum körperlichen knechtsdienst verfallen war
NIEBUHR röm. gesch. 1, 400; sie habe ... goldene münzen vor sich zu erblicken gewähnt, weil sie
nachgesonnen, auf welche weise sie den vater am leichtesten bewegen werde, zahlung zu leisten HOLTEI
erzähl. schr. 3, 125; beim könige, der ... ihm befahl, die etatsmäszige zahlung auch für den nächsten
monat zu leisten MEINECKE leben Boyens 2, 317. -- eine zahlung machen: als die Numantiner kamen um
die letzte zahlung zu machen MOMMSEN röm. gesch. 2, 14. -- (die) zahlung versprechen: doch wir
versprachen ... auf nechstkommende mittwoche oder sonnabend ... die zahlung Leipz. avent. 1, 18. -- die
zahlung verweigern: unter dem vorwand, zu hoch angesetzt zu sein, verweigerte diese stadt eine zeitlang
die zahlung RANKE 37, 268; die mietsleute, die sonst nicht unpünktlich gewesen wären, verweigerten
jetzt die zahlung einmütig R. HUCH triumphgasse 5. -- die, eine zahlung einstellen: wegen einstellung der
zahlung der monatlichen 24 thaler bin ich nicht böse GRABBE 4, 449; noch ward keine einzige zahlung
eingestellt BAUERNFELD 2, 157 (Helene 3, 1). belege für den pluralischen gebrauch unter ε. -- der,
(jünger) an zahlung denken: jetzt aber bey viertausend siebenzig gulden müssen sie an zahlung denken
HIPPEL lebensläufe 2, 185;

ich (ein wirth) beytte mengem schier zwey jar,


der mir doch keiner zalung denckt
MANUEL weinspiel 1299 neudr.
als gegensatz:

der zalung aber wird vergessen


H. SACHS 21, 326, 28 Keller-Götze.

zahlung begehren, fordern, verlangen, erwarten: da nu die burschner solichs mercketen, haben sy zalung
begert KNEBEL chronik v. Kaisheim 372, 13; so kan man auch von ihm (dem bürgen) die zahlung nicht
eher fordern, bis man dargethan, dasz der andere nicht in dem stande ist zu zahlen WOLFF gedancken v.
d. m. thun u. l. 647; (der gläubiger) forderte zahlung oder bürgschaft BECK schachmaschine (1798) 128;
Meyer ... verkauft der fürstin Nariskin mehrere waaren und richtet seine forderung darauf ein, dasz er die
zahlung in papiergeld erwartet GÖTHE III 3, 149, 6 Weim.; Isengrim fordert zahlung für das gemessene
land J. GRIMM Reinh. fuchs LXXVI. -- mit adverbialer verknüpfung des worts ähnlich: (im bilde) bin
ich nicht der gläubiger, der bis ultimo warten will und am dritten tage schon nach zahlung verlangt?
FONTANE 4, 217; der gläubiger kann auf (die) zahlung warten: bei gott, er soll so lange auf die zahlung
warten, als er mich mit der zahlung hat warten lassen GÖTHE 43, 63, 24 Weim.; der schuldner mit der
zahlung:

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ja wenn ich ihm (dem pfarrer) solt decem gebn,


so wart ich mit der zahlung ebn
RINGWALT christl. warnung H 5a.

auf zahlung passen, warten:

hab ich einen gott geboren,


kann ich (ein bildhauer) oft auf zahlung passen
BRENTANO 2, 564.

einen zur zahlung anhalten CAMPE: unter solchem verlauf bringen die schuldiger ... einen befehlich aus
an rath, dasz sie mich zur zahlung anhalten sollten SCHWEINICHEN denkw. 139. -- eine rechnung, ein
wechsel wird zur zahlung praesentiert: da ... ein sehr kleiner theil davon zur zahlung präsentirt wird
ARCHENHOLZ England u. Italien 1, 255. -- etwas an zahlung statt, an zahlungsstatt annehmen (s.
zahlungsstatt unten), statt zahlung: sie (bancozettel, papiergeld) lauten von 5 bis 5000 fl., und werden ...
in allen kaiserlichen kassen statt zahlung angenommen NICOLAI reise 3, 313.

γ) mit objectivem gen. der sache zur bezeichnung dessen, was gezahlt wird, die zahlung des geldes, aeris
numeratio STEINBACH 2, 1067: so bald der hoɿptman zalung desz geltes begerte STAINHÖWEL de claris
mulieribus 237, 2; als Heinrich ... die summe nannte, zu deren zahlung er sich dagegen verpflichtet habe
RANKE 14, 57. in gleicher art wird die anknüpfung mit von gebraucht, die meist bei zahlangaben
erscheint: schon hatte die republik eine zahlung von 100 000 g. versprochen 1, 127; dem herzog von
Florenz ..., dem die von den Spaniern noch besetzten festungen seines landes gegen eine zahlung von 150
000

Bd. 31, Sp. 80

scudi überliefert worden 4, 183; Hasdrubal aber, eng eingeschlossen von den truppen des gegners, wurde
genöthigt alles zu bewilligen, was dieser forderte: ... zahlung von jährlich 100 talenten (160 000 thlr.) für
die nächsten funfzig jahre MOMMSEN röm. gesch. 2, 24. ein objectiver gen. kann auch das bezeichnen,
wofür etwas gezahlt wird: das von den Fuggern an die erzbischöflichen oratores in Rom zur zahlung des
palliums vorgeschossene geld betrug 21 000 ducaten RANKE 1, 206 anm. 2 (vgl. zahlung eines
wechselbriefs LESSING 6, 299, s. unten 2). dasselbe liegt bei dem gen. der person in der folgenden stelle
vor, wo es sich um ablösung von frohndiensten handelt: item dem Fuchslein sollen seine dinst ynn der
zalung odder lösung des paurn auff gehebt werden und dem paurn der kunfftig dienst durch gottes willen
nach gelassen werden L. KEISER bei LUTHER 23, 471, 34 Weim. ein gen. der person kann ferner den
bezeichnen, dem etwas gezahlt wird, doch ist gerade hier bezahlung üblicher. in solchem sinne erscheint
auch ein possessivpronomen:

ein bsundren tag will ich usz spähen,


will im all syn hab verpfenden
und das in üwer zalung wenden
BÄCHTOLD schweiz. sp. d. 16. jh. 2, 246, v. 3329;

der mir funfftzig gülden soll, waget zwantzig gülden hin,


dass er meine zahlung nur möchte länger noch verziehn
LOGAU 231, 33;

was werd ich morgen sagen,


wenn Max und Dantes wird nach seiner zahlung fragen
NEUKIRCH ged. 145.

vgl. weiter die unter δ angeführte stelle ARNIM 7, 14.

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δ) mit adjectivischen und andern attributiven bestimmungen. bare zahlung: (wir) baten die einwohner,
dasz sie uns, gegen baare zahlung in korallen, etwas brodfrucht und cocosnüsse verschaffen möchten
FORSTER 1 (1843), 240; die sache ist dringend und die zahlung baar ARNIM 15, 333; bei Konstantinopel
empfing Alexius die pilger mit groszer milde ... und sorgte, dasz sie gegen baare zahlung lebensmittel
erhielten RAUMER gesch. d. Hohenstaufen 1, 62; im bilde: das schicksal hat nie mit so barer zahlung das
wort eines weisen ausgelöset, als damals IMMERMANN 18, 184. vgl. barzahlung. prompte zahlung: die
zahlung musz jederzeit prompt seyn STEPHANIE D. J. lustspiele 179; die herren kaufleute reden wenig
und schreiben viel; aber hier und dort hört man doch so ein wörtchen von wechseln, von prompter
zahlung, von arrest KOTZEBUE 5, 149. baldige, zeitige zahlung: herr Johann Wilhelm Schneider wird
hiedurch ersucht, ... eine gansleber-pastete zu 8 fl. mit dem postwagen anher zu senden und einer baldigen
zahlung ... gewärtig zu seyn GÖTHE IV 41, 232 Weim.; sprichwörtlich: zeitige zahlung erhält den glauben
WANDER 5, 484. späte, verzögerte zahlung: einige kaufleute ... waren mit ihrer verzögerten zahlung
dringend geworden ARNIM 7, 14. abschlägige zahlung: nun kann aber der mann mit 50 rh. seine
vierteljährlichen ausgaben nicht bestreiten ... und wünscht daher, in verhältnisz wie seine arbeit vorrückt,
einige abschlägige zahlung GÖTHE IV 28, 133. vgl. abschlagszahlung. terminliche zahlung: der domherr
hat so viel credit, dasz sie es ihm wohl einhändigen, wenn er ihnen eine terminliche zahlung garantiert I
17, 144 (Grosz-Cophta 2, 2); pluralisch HEBBEL 9, 155 (s. ε). vgl. dazu zahlung auf tagzeiten, betaaling
by termynen KRAMER-MOERBEEK deutsch-holld. wb. 429a und die folgende stelle: noch dannocht lag
vil geldts ausz, dasz wurd auch vertedinget und die zalung zu zilen gemacht, aber wenig gehalten KNEBEL
chronik v. Kaisheim 372, 22. völlige zahlung, volkome betaaling KRAMER-MOERBEEK deutsch-holld.
wb. 429a. gültige, ungültige zahlung: aus der ungültigen zahlung folgt nothwendig der nichtübergang des
eigenthums und umgekehrt SAVIGNY gesch. d. röm. rechts 2, 82. gute zahlung: damit ... sende ich ... den
wechselbrief nach N. der mann wird gute zahlung thun HARSDÖRFFER teutsch. secretarius 1, B b 3a;
der wirth bedanckte sich und bath ihm ein wenig von der artzeney umb gute zahlung zukommen zu lassen
medic. maulaffe 308; der ehrliche Veit versprach, auf den tag gute zahlung zu leisten MUSAEUS volksm.
1, 38. böse zahlung, sprichwörtlich: böse schulden, böse zahlung BIRKEN ostld. lorbeerhayn 80. grosze,
bedeutende, geringe zahlung:

Bd. 31, Sp. 81

immer verstand es der schonungslose peiniger, die hoffnung einer nahen bedeutenden zahlung von neuem
zu beleben STEFFENS was ich erlebte 3, 311;

und gleichwohl bist du doch ein groszer doctor worden?


o mein Asinius, man kommt nicht in den orden,
wo man bey dieser zeit nicht künste mit sich bringt,
und wenn die kunst gebricht, von groszer zahlung singt
Hoffmannswaldaus u. a. D. auserles. ged. 1 (1725), 196;

schon öfter bin ich eingekehrt,


und gute zehrung war beschert,
die zahlung doch geringe
RÜCKERT 2, 538.

ε) in vereinzelndem gebrauch auch pluralisch: (pächter) sullen mit der ersten zallung zu Lucie schirst
antretten und die einem ratt zu Nuremberg thun, desgleichen mit den andern zallungen TUCHER
baumeisterb. 269, 17; eine grosze summ oder häuffige zalung auff viel zil und kleinere zalungen zurichten
SEBITZ 39; alle zahlungen gingen ohne umschweife MÖSER 1, 96; zu alle dem hatte der mann ... auch
seit 1774 die aufsicht der freitische, mit zahlungen und schreibereien VOSS antisymbolik 2, 123; unter
mancherlei beschäftigungen, zahlungen und einpacken kam die nacht heran, ich aber eilte schnell zum
molo GÖTHE 31, 272 Weim.; dasz er mir ... siebentausend goldgülden, in drei, oder vier zahlungen,
einhändige 44, 108; dies zusammengenommen vermindert die bisherige so verderbliche ausfuhr der edlen
metalle, womit die Europäer sich genöthigt sahen, ihre zahlungen in China zu machen FORSTER 4, 91;

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zahlungen nach Bonn habe ich keine zu machen GÖRRES br. 3, 231; merkwürdig war es ihm, dasz hier,
wo man bei allen andern zahlungen das gemeine hundert braucht, bei den kowries (münze) ... das kleine
hundert ... im gebrauch ist (4 × 20) RITTER erdkunde 1, 468; die zahlungen waren noch zu
ungleichmäszig RANKE 1, 89; um der mailändischen zahlungen sicher zu sein, wünschte der kaiser fürs
erste die castelle von Mailand und Como mit seinen truppen besetzt zu halten 3, 155; in solchen fällen
sieht es ... mit den zahlungen der pensionen wenn nicht geradezu unsicher, doch mindestens sehr
unregelmäszig und beengend aus DROSTE briefe 86; das comptoir, wo ... die bücher geführt, die
zahlungen geleistet werden GUTZKOW ritter v. geiste 4, 295; die jesuiten wolle er verjagen, die krone
Schweden durch terminliche zahlungen befriedigen und alles überflüssige kriegsvolk gegen den Türken
schicken HEBBEL 9, 155; wegen der zahlungen war es hohe zeit; Frick hat nicht einmal die am 1.
september fälligen 70 rthlr. zinsen bezahlt BISMARCK br. a. s. braut u. gattin 187; eine verpflichtung zur
annahme von banknoten bei zahlungen, welche gesetzlich in geld zu leisten sind, findet nicht statt
bankgesetz v. 14. märz 1875 § 2. -- seine zahlungen einstellen, seine insolvenz klären (vgl. oben β): man
sieht, seine fonds sind erschöpft, seine beutel leer, er musz seine zahlungen einstellen HAUFF 2, 197, 24;
er (St. Germain) zieht sich auf ein dorf im Elsasz zurück, wo er den acker baut. und er musz das bald im
eigentlichsten sinne des wortes thun, da sein Hamburger banquier seine zahlungen einstellt DAHLMANN
franz. revol. 59.

ζ) nach zahlen 3 d freier und bildlich im sinne von erstattung, vergeltung, busze: es musz szo grosz
tzalung der sund hie seyn, alsz gott selbs ist, der durch die sund beleydigt ist LUTHER 10, 1a, 162, 6;
gesind, dasz man auff jarmärckten find, und nach der mäsz für die zahlung an galgen bind FISCHART
groszm. 11 neudr.; es müsse ein jeglicher durch die schwere gewichtigkeit seiner guten wercken, und mit
voller zalung und genugtu̔ung die seligkeit erlangen bienenk. 158a; straflosigkeit ist keine hinlängliche
zahlung für einen menschen, der besser thut als nicht sündigen BODE Montaigne 6, 242; wenn ihnen der
himmel ihre mühe nicht so vergilt, so möchte die zahlung lange ausbleiben, denn ich wicht kan es nicht
LICHTENBERG briefe 3, 21; was du mir leistest ..., gilt nur als zahlung einer dereinst unfreiwillig
eingegangenen schuld EBNER-ESCHENBACH 2, 62;

denn er weis, das er nur auffs glück


der zahlung halb, aus arger tück ...
sey wider seinen gott gezogen
RINGWALT lauter warheit 17;

Bd. 31, Sp. 82

hilff uns, herr, aus allem grawen


in der grösten sünden-angst,
dasz wir auf die zahlung bawen,
die du hast gethan vorlangst
M. RINCKART in FISCHER-TÜMPEL d. evang. kirchenl. d. 17. jhs. 1, 465;

augstmonat.
was man hat gesäet ausz, erntet man auch wieder ein;
wie die arbeit hier gewest, wird die zahlung dorte seyn
LOGAU 399 nr. (19) 38;

hier kriegt ihr guten dienst (bei Cupido), und müsset nicht ins feld,
die zahlung kömt gewisz. es ist französisch geld (wohl: lues)
GROB versuchg. 55 (2, 6);

dein ... schweisz, müh und geduld


macht bey dem himmel eine schuld,

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die sich auf gute zahlung freuet


STOPPE Parnasz 46;

da bald hernach des herzogs eignes blut


für den ertheilten schutz, versprützt, die zahlung thut
WEICHMANN poesie d. Nieder-Sachsen 1, 58;

Northumberland.
ergieb dich unsrer gnade, stolzer York.
Clifford.
ja, solche gnade, wie sein grimmer arm
mit derber zahlung meinem vater bot (er hat ihn getötet)
Shakespeare Heinr. VI 3, 1, 4;

heran du feind, heran!


treibt habsucht dich ins land herein,
die zahlung soll der tod dir seyn
COLLIN lieder östr. wehrmänner 1, 18.

2) was gezahlt wird, gezahlt werden musz, im sinne von zahlen 3 CAMPE: so hat mich Veith Farnpühler
geladen, aber sein wirth wolt kein zahlung von ihm nehmen, sondern selbsts mein wirth sein DÜRER
tagebuch 49, 34; damit andere nicht mit unterschleiffen, noch ihnen (soldaten) das geld für der hand
wegnehmen, sie aber hernach selbst abbruch an ihrer zahlung erdulden möchten acta publica 1, 5 (v.
1618); alleine Clondich wolte wegen bewuster kargheit des Perses für erlangter zahl- und versicherung
nicht weiter rücken LOHENSTEIN Armin. 1, 878a; da wird alles um paar geld verkaufft. morgen frühe
wird sein cammer-diener die zahlung bringen STRANITZKY ollapatrida 305, 10; ich danke für
empfangene zahlung CAMPE; indessen bis zum eingange dieser zahlung muszte sie ihm freilich mit ihrer
sparbüchse aushelfen IMMERMANN 1, 60; die rechnung überzeugte mich, dasz auch der signor padre
sich aufs rupfen verstand, und als ich ihm dennoch, auszer der zahlung, etwas für die gute hand gab, nieste
er so vergnügt stark, dasz das äffchen beinah' von seinem sitze herabgefallen wäre HEINE 3, 256; ich
hatte grade nach zahlungsschlusz angefangen zu arbeiten und hatte volle zahlung denkw. es. arbeiters
(1903) 23 Göhre;

das er nicht nach verbrachtem sauffen


mehr mit der zalung möcht entlauffen
RINGWALT lauter warheit 106;

die man seit kurzem erst in ihrem vaterland


in Groszbritannien um theure zahlung fand
KÖNIG 229.

mit abhängigem gen. der sache, die bezahlt wird: in eben dem augenblicke kömmt der bruder seiner
gebieterin zu ihm und fragt, ob er ihm nicht die zahlung eines wechselbriefs von vier tausend livres
vorstrecken könne LESSING 6, 299. auch pluralisch von einzelnen beträgen: montags musz ich ahn die
zwey königinnen in Spanien schreiben, wie auch ahn die hertzogin von Savoye, undt arbeydt noch mitt
meinen leütten, da werden alle ordre undt zahlungen ausgetheilt ELISABETH CHARLOTTE br. 2, 99;
onkel will nicht begreifen, dasz papa nicht fortkann, ohne einige zahlungen beglichen zu haben EBNER-
ESCHENBACH 3, 104. in bildlichem gebrauch: wer das tuht, was er zu tuhn schuldig ist, der lifert seine
zahlung und kein praesent BUTSCHKY Pathmos 313.

ZÄHLUNG, f., handlung des zählens ADELUNG, numeratio, dinumeratio STEINBACH 2, 1065, zehlung,
numeratio, computatio STIELER 2250, meist im sinne von zählen 3.

1) so in allgemeiner anwendung: man scheint sich verabredet zu haben, ja nicht eines ... plötzlichen und

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jähen todes zu sterben, sondern langsam und bedächtlich mit zählung jedes pulsschlages ins grab des
verderbens

Bd. 31, Sp. 83

zu taumeln SCHUBART leben u. gesinnungen 2, 34; eine zählung vornehmen, etwas zählen CAMPE;
dafür aber kommen auch bei allgemeiner zählung auf einen ungezogenen kavalier tausend unerzogene
bengel, die nicht kavaliere sind HOLTEI erzähl. schr. 23, 162; die zählung und beschreibung der racen
überlassen wir der anthropologie VISCHER aesthetik 2, 177; die jagdmässige zählung der gehörn-enden ...
beabsichtigt nicht, einen ausdruck für das naturgesetz der gehörnbildung zu geben BREHM thierleben 3,
493; sie (Luthers flugschriften) schreiten fast alle mit zählung einher SCHERER litteraturgesch. 7 283.

2) pluralisch: zählungen und ortsbestimmungen der schwächeren, telescopischen sterne haben ...
mittelbar einen wesentlichen einflusz auf die kenntnisz des weltgebäudes und seiner gestaltung
HUMBOLDT kosmos 3, 152; wenn die zählungen eines maasses zu millionen, billionen oder mehr
anwachsen, so kann niemand sie übersehen BAER reden u. aufsätze 1, 253.

3) häufigere gebrauchsarten.

a) amtliche zählung von volksgenossen, einwohnern, berufsangehörigen u. dgl.: sieh da, du bringst ein
neu paternoster zu zehlung der burgersön auf Garg. 149 neudr. (8. cap.); dann bey der letzten zählung
war nur die hälfte mehr von den bürgern übrig, die fünf jahre vorher waren eingeschrieben worden
HALLER Fabius u. Cato 123; sie werden sagen, die zählung der hiesigen einwohner beweise, dasz hier ...
noch über viertausend menschen lebten MÖSER 2, 144; wie David (in Klopstocks trauerspiel) zuerst ein
innerer herzensstosz anwandelt, dasz er selbst die zählung nicht aushören kann HERDER 5, 367; die
anzahl der einwohner ist aus zählungen nicht genau bekannt NICOLAI reise 2, 390; wittwen und waisen
... waren in diesen zählungen nicht begriffen NIEBUHR röm. gesch. 2, 99; nie erschien ... nachgeben ...
nöthiger als itzt, wo sich, einer zählung zufolge, in Jerusalem nur 200 ritter und 2000 dienstfähige
fuszgänger befanden RAUMER gesch. d. Hohenstaufen 1, 230; nach 595, wo die zählung 328 000
waffenfähige bürger ergab, zeigt sich dagegen ein regelmäsziges sinken MOMMSEN röm. gesch. 2, 82; ob
die zählung (der Pariser arbeiter) gelungen, weisz ich nicht RIEHL deutsche arbeit 259; rings um uns her
... haben alle gröszeren mächte ihre kriegerischen mittel wesentlich erhöht, wir sind bei dem einen prozent
der bevölkerung einer früheren zählung stehen geblieben MOLTKE 7, 118; der reichskanzler wird
ermächtigt, reichskassenscheine ... unter den bundesstaaten nach dem maszstabe ihrer durch die zählung
vom 1. dezember 1871 festgestellten bevölkerung zu verteilen gesetz betr. ausg. v. reichskassenscheinen
§ 1;

nach seelen wird die zählung nur gemacht,


nach köpfen nur die steuer eingebracht
HOFFMANN V. FALLERSLEBEN 4, 12.
b) zählung von stimmen bei abstimmungen: die frage über die inbetrachtnahme der vorschläge der lords
ward erneuert; die erste zählung ergab eine mehrheit für dieselbe von zwei stimmen RANKE 16, 163; ich
habe in Erfurt den fall erlebt, dasz das ganze bureau darüber einig war, dasz es die minorität sei, die sich
erhob, während die zählung nachher auswies, dasz eine majorität von 18 stimmen vorhanden war
BISMARCK polit. red. 1, 325.

ZAHLUNGBEGEHREND, part.: so dasz er fand, eine solche reise auf gastfreundschaft koste heut zu tage
fast mehr, als wenn man sich unterwegs lediglich an die zahlungbegehrenden hotels halte IMMERMANN
6, 110.

ZAHLUNGSANWEISUNG, f., schriftliche anweisung zur zahlung: über die zahlungsanweisung und
adresse will ich mich gleich morgen früh erkundigen J. GRIMM an s. bruder 24. 11. 1809; beikommend
die zahlungsanweisung auf den dortigen receptor über die für sie eingelöste obligation von fr. 250 briefe

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der br. GRIMM an Benecke s. 54.

ZÄHLUNGSARBEIT, f.: das zensusamt selbst trat bis zum 12. zensus nur für die einzelnen zählungen in
tätigkeit und wurde nach erledigung der zählungsarbeiten wieder aufgelöst CONRAD handwb. d.
staatswiss. 8, 509. vgl. zählung 3, a.

Bd. 31, Sp. 84

ZAHLUNGSART, f.: die zahlungsart ist neu. sonst ward auf geld trassirt STOPPE Parnasz 422.

ZÄHLUNGSART, f.: jezt aber ward ... auch die geschwinde zählungsart unterlassen ARCHENHOLZ
England u. Italien 1, 260; die zählungsart, wo die nacht dem tage vorgeht, ... theilen die Germanen nicht
allein mit allen nördlichen völkern auf derselben bildungsstufe, sondern mit vielen andern sonst FOUQUÉ
gefühle, bilder 1, 221.

ZAHLUNGSAUFFORDERUNG, f.: dies wird vermutet, wenn von dem letzteren (dem rechtsnachfolger)
die zahlung nicht bis zum ablaufe von einem monat geleistet wird, nachdem an ihn die
zahlungsaufforderung und an den rechtsvorgänger die benachrichtigung von dieser erfolgt ist
handelsgesetzb. § 220.

ZÄHLUNGSAUFGABE f.: es ist zu beachten, dasz die volle befriedigung der zu verbindenden
zählungsaufgaben eine umfangreiche fragestellung bedingt CONRAD handwb. d. staatswiss. 8, 504. vgl.
zählung 3, a.

ZAHLUNGSAUFTRAG, m.: so verworren, dasz sich kein mensch auskennt, spricht der zahlungsauftrag
von 'rückständiger' steuer ROSEGGER III 3, 100.

ZAHLUNGSAUSGLEICH, m.: der mangel ... an stabilen münzwerten hat ... zu den ... versuchen geführt,
durch ... geldlosen zahlungsausgleich (wechsel, giroverkehr) dem übel abzuhelfen DOREN Florentiner
wolltuchindustrie 176. vgl. das folgende.

ZAHLUNGSAUSGLEICHUNG, f.: unter dem namen 'reichsbank' wird eine unter aufsicht und leitung des
reichs bestehende bank errichtet, welche die eigenschaft einer juristischen person besitzt und die aufgabe
hat, den geldumlauf im gesammten reichsgebiet zu regeln, die zahlungsausgleichungen zu erleichtern und
für die nutzbarmachung verfügbaren kapitals zu sorgen bankgesetz v. 14. märz 1875 § 12.

ZAHLUNGSBEDINGUNG, f.: von III. gelten dieselben zahlungsbedingungen, welche bei der
taschenausgabe auf druckpapier festgesetzt sind buchhändleranzeige in Göthes werken 42I, 122, 23
Weim.

ZAHLUNGSBEFEHL, m., befehl, zumal gerichtlicher befehl zur zahlung: der erhebung der klage stehen
gleich: 1. die zustellung eines zahlungsbefehls im mahnverfahren bürgerl. gesetzb. § 209.

ZAHLUNGSBESTIMMUNG, f.: zur sicherstellung ... dienten ... alle jene ... verkaufsordnungen und
zahlungsbestimmungen, die uns schon ... beschäftigt haben DOREN Florentiner wolltuchindustrie 315.

ZÄHLUNGSBUCH, n.: als erhebungsformulare dienten (bei einer berufszählung in Britisch-Indien) in


zählungsbüchern vereinigte listen zur fortlaufenden einschreibung der gesamten je einem zähler
überwiesenen bevölkerung eines zählbezirks CONRAD handwb. d. staatswiss. 3 2, 829.

ZAHLUNGSDAUER f.: die zahlungsdauer einer leibrente ist unbestimmt CZUBER


wahrscheinlichkeitsrechnung 2 (1910), 247.

ZAHLUNGSEINSTELLUNG, f.: die aufgabe oder beschränkung von rechten der gläubiger ... kann von der
gläubigerversammlung nur zur abwendung einer zahlungseinstellung oder des konkurses des schuldners

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beschlossen werden gesetz betr. die gemeins. rechte der besitzer von schuldverschreibungen v. 4. dez.
1899 § 11.

ZAHLUNGSEMPFÄNGER, m.: der aussteller (eines schecks) kann sich selbst als zahlungsempfänger
bezeichnen scheckgesetz § 4.

ZÄHLUNGSERGEBNIS, n.: es bedarf zum mindesten auch der geschlechtsgliederung und des
altersaufbaues, um aus dem zählungsergebnisse (bei einer volkszählung) die erforderlichen schlüsse
ziehen zu können CONRAD handwb. d. staatswiss. 3 8, 503.

ZAHLUNGSERLEICHTERUNG, f.: wer mehr vorschieszt als vorgeschrieben, erhält anfangs gewisse
zahlungserleichterungen DOREN Florentiner wolltuchindustrie 334.

ZAHLUNGSFÄHIG, adj., fähig zur zahlung.

1) gewöhnlich activisch, fähig zu zahlen, solvent CAMPE: zuletzt stellte sich heraus, dasz dein vater
wohl eigentlich zahlungsfähig gewesen wäre, hätte ihn nicht der plötzliche tod verhindert seine geschäfte
zu ordnen BENEDIX releg. studenten 1, 6; zumal da er (M. Crassus)

Bd. 31, Sp. 85

... bereitwillig jedem borgte, der zahlungsfähig oder sonst brauchbar war MOMMSEN röm. gesch. 3, 14;
wechsel ... aus welchen in der regel drei, mindestens aber zwei als zahlungsfähig bekannte verpflichtete
haften bankgesetz v. 14. märz 1875 § 13; freier:

o, dasz ich grosze laster säh',


verbrechen, blutig, kolossal, --
nur diese satte tugend nicht,
und zahlungsfähige moral!
HEINE 1, 271.

2) vereinzelt passivisch, fähig, tauglich gezahlt zu werden: münzen sind ja überhaupt nichts anderes als
bestimmte quantitäten von metall, die von einer regierung einen stempel erhalten, welcher bezeugt, dass
die angegebene quantität von zahlungsfähigem metall in ihnen enthalten sei BAER reden u. aufs. 3, 163.

ZAHLUNGSFÄHIGKEIT, f., zum vorigen CAMPE: der werth der ... zinsverschreibungen ... hängt ... von
der zahlungsfähigkeit der ... schuldner ab K. L. V. HALLER restauration d. staatswissensch. 2, 333; ich
habe die gröszte achtung vor der geschäftskenntnisz und der zahlungsfähigkeit eines Londoner ... hauses
GUTZKOW ritter v. geiste 7, 130; die gemeindeämter wurden mehr nach der zahlungsfähigkeit ... der
bewerber vergeben MOMMSEN röm. gesch. 5 (1894), 266; an ihrer zahlungsfähigkeit hege ich nicht den
leisesten zweifel SCHOPENHAUER br. 49; (ich) betrachtete die zahlungsfähigkeit der mutter
gewissermassen als meine eigene KELLER 3, 50; obwohl der mann im lodenmantel einigen zweifel in die
zahlungsfähigkeit des kleinen knirpses zu setzen schien ROSEGGER 9, 271. bildlich: vergegenwärtigen
wir uns, dasz hier an die stelle des eigentlichen dramatischen interesses das psychologische tritt, dasz wir
also in demselben maasze, als wir der fabel ihren gehalt erlassen, auf der vollen zahlungsfähigkeit der
charaktere bestehen müssen HEBBEL 12, 142.

ZÄHLUNGSFÄHIGKEIT, f., fähigkeit zum zählen: aus der bestimmten ... vorstellungskraft, aus welcher
das bewusztsein der einheit und mit ihr die zählungs- und rechnungs-fähigkeit hergeleitet werden musz
PESTALOZZI 5, 120.

ZAHLUNGSFLÜCHTIG, adj.: flüchtig wegen, vor der zahlung, als neubildung bei CAMPE mit
folgendem beleg: aber er giebt auf wucherzinsen und schreit über zahlungsflüchtige verschwender
BENZEL-STERNAU.

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ZAHLUNGSFORDERUNG, f.: in einem wahrhaft fieberischen zustande ... setzte er indesz rastlos seine
bemühungen fort, dem immer stärkeren andrang der auf ihn einstürmenden zahlungsforderungen zu
widerstehen SCHREYVOGEL I /II 47.

ZAHLUNGSFRIST, f., frist zur zahlung, credit CAMPE. vgl. zahlfrist: (er) bediente sich sodann der
gläubiger eigner redlichen überzeugung, dem schuldner hinlänglichen nachlasz und billige zahlungsfristen
in güte zu erwerben MÖSER 1, 238; damit die kurze zahlungsfrist und die richtige verzinsung die
kapitalisten geneigt machen könnte NICOLAI reise 3, 131; die zahlungsfrist ist nun schon vor drey
wochen verlaufen THÜMMEL reise 10, 34; schon früher war sitte, dasz ein schuldner auch sich selbst
verpfändete, und nach versäumter zahlungsfrist sich dem gläubiger leiblich in verhaft gab ZSCHOKKE 30,
362; versäumnisz einer zahlungsfrist wird mit persönlichem bann ... bestraft RAUMER gesch. d. Hohenst.
4, 482; die reisenden gelten insbesondere für ermächtigt, den kaufpreis aus den von ihnen
abgeschlossenen verkäufen einzuziehen und dafür zahlungsfristen zu bewilligen handelsgesetzb. § 55;

zahlungs-fristen.
noch hauptgut, noch die zinsen darff ietzt ein schuldner gelten;
es stehn zwar so die schulden, der glauben aber selten
LOGAU 2, 4, 26;

zahlungs-fristen.
es ist zwar eine frist zu zahlen ausgeschrieben;
mit undanck aber ist zu zahlen frey verblieben
2, 7, 86.

ZÄHLUNGSFRIST, f., von den fristen zwischen volkszählungen: verschiedene staaten haben mit den
zählungsfristen gewechselt, sind dabei aber durchweg zur verlängerung der fristen gekommen CONRAD
handwb. d. staatswiss. 3 8, 506.

Bd. 31, Sp. 86

ZÄHLUNGSGEBIET, n.: man kann ermitteln wollen die geburtsbevölkerung, d. h. die am zählungsort oder
im zählungsgebiete gebürtige bevölkerung CONRAD handwb. d. staatswiss. 3 8, 503.

ZÄHLUNGSGEGENSTAND, m.: was art und anzahl der zählungsgegenstände (bei der gewerbestatistik)
anlangt CONRAD handwb. d. staatswiss. 3 4, 1006.

ZAHLUNGSGESCHÄFT, n.: während des 14. jahrhunderts hat man ... den versuch gemacht, ihre
mitwirkung beim zahlungsgeschäft auf etwas veränderter basis zu organisiren DOREN Florentiner
wolltuchindustrie 180.

ZÄHLUNGSGESCHÄFT, n.: der geist schien auf das zählungsgeschäft gar nicht zu achten MUSÄUS
volksm. 1, 37 (Rübezahl 3).

ZAHLUNGSGRENZE, f.: damals (ist) gerade der kapitalarme gezwungen worden, dem ... drängen des ...
consums nach erweiterung der zahlungsgrenzen nachzugeben DOREN Florentiner wolltuchindustrie 186.

ZÄHLUNGSJAHR, n.: die zählungsjahre sind nach dem gesagten (bei volkszählungen) verschieden
CONRAD handwb. d. staatswiss. 3 8, 507.

ZAHLUNGSKAMMER, f., wie zahlkammer CAMPE.

ZÄHLUNGSKOMMISSION, f.: bei dieser erhebung (einer viehzählung in Belgien) wurde zum erstenmal
unter der leitung örtlicher zählungskommissionen die sogenannte haushaltungsliste angewandt CONRAD
handwb. d. staatswiss. 3 8, 356.

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ZAHLUNGSKUNDE, f.: die handlungswissenschaft theilt er in ... geld- ... fracht- zahlungs-kunde allg. d.
biblioth. 112, 521.

ZAHLUNGSLEISTUNG, f.: nachsicht ... heiszt bey dem wechsel-recht die zeit, so dem acceptanten zur
zahlungs-leistung gegönnet wird haushalt.-lex. 2, 404a; der ehrenakzeptant, welcher nicht zur
zahlungsleistung gelangt, ... ist berechtigt, von dem zahlenden eine provision ... zu verlangen
wechselordnung art. 65.

ZAHLUNGSLISTE, f.: an einigen orten musz (im heerwesen), nebst denen zahlungs-listen, eine
designation auf gleiche weise, wie die zahlungs-list (so!) unterschrieben, eingeschickt werden FLEMING t.
soldat 204, § 4.

ZÄHLUNGSLISTE, f., liste für, über eine zählung, nach zählung 3, a: ob die zählungslisten (vorher:
bevölkerungslisten) der herzoglichen oberbeamten auf Georgii oder zu ende des decembers geschlossen
werden, ist mir nicht bekannt NICOLAI reise 11, 27; den commentar zu diesen worten liefern die
zählungslisten der römischen bürgerschaft MOMMSEN röm. gesch. 2, 82.

ZAHLUNGSLUST, f.: wenn die zahlungslust ... ernst gemeint war KELLER 8, 234.

ZAHLUNGSLUSTIG, adj.: mitglieder ... werden sich ... am zahlreichsten und zahlungslustigsten finden R.
WAGNER 5, 6.

ZÄHLUNGSMATERIAL, n.: dank der schaffung des australischen bundesstaats (1901) erfuhr das
zählungsmaterial (bei einer berufszählung) eine für ganz Australien einheitliche verarbeitung CONRAD
handwb. d. staatswiss.3 2, 830.

ZAHLUNGSMITTEL, n., was zahlmittel: Frankreich wirtschaftete mit papiergeld, welches von den groszen
bogen für die soldaten zurechtgeschnitten ward. allein im kriege kommt das bedürfnisz vieler
zahlungsmittel auch den schlechteren zu gute DAHLMANN gesch. d. frz. rev. 435; es ist ein leichtes
zahlungsmittel für alle meine angehörigen und arbeiter IMMERMANN 7, 16; ja es war sogar billig ..., dasz
das papier dem gelde einen höhern werth gab, weil die erleichterung des umsatzes eine schnellere
wiederbenutzung und disposition der zahlungs- und unternehmungsmittel zuliesz GUTZKOW 8, 75; die
regierung erklärte die noten der bank zu einem gesetzlich anerkannten zahlungsmittel GERVINUS gesch.
d. 19. jh. 1, 491; das machte mir alles so viel vergnügen, als ob es mein eigenes verdienst wäre und ich die
lieben zahlungsmittel selbst erworben hätte KELLER 3, 49; das vieh war eben ein altgermanischer
wertmesser, zu einer zeit, wo haus und flur ein unveräuszerlicher besitz war, während das für den
einzelnen stets verfügbare vieh an geldesstatt als zahlungsmittel gegeben werden konnte WIMMER gesch.
d. deutschen bodens (1905) 440.

Bd. 31, Sp. 87

ZAHLUNGSMODUS, m., art der zahlung: hiesige herrschaft ... dahero bisz hiehin observirten
zahlungsmodi den 6. theil hieran abzutragen gehalten seye HARSDÖRFFER t. secretarius 2, 404; es
bewertet sich also eine derartige rente ... um 174 m höher als bei normalem zahlungsmodus CZUBER
wahrscheinlichkeitsrechnung 2 (1910), 270.

ZAHLUNGSMONAT, m.: bei wechseln ... tritt die verfallzeit ein ... an demjenigen tage der zahlungswoche
oder des zahlungsmonats, der durch seine benennung oder zahl dem tage der ausstellung oder der
präsentation entspricht wechselordnung art. 32.

ZAHLUNGSORT, m.: der bei dem namen oder der firma des bezogenen angegebene ort gilt für den
wechsel, insofern nicht ein anderer zahlungsort angegeben ist, als zahlungsort wechselordnung art. 4.

ZÄHLUNGSORT, m.: man kann ermitteln wollen die geburtsbevölkerung, d. h. die am zählungsort oder im

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zählungsgebiete gebürtige bevölkerung CONRAD handwb. d. staatsw. 3 8, 503.

ZÄHLUNGSPERIODE, f.: von besonderem interesse ist in dieser hinsicht die vergleichung des deutschen
reichs und Frankreichs nach 5 jährigen (volks-) zählungsperioden CONRAD handwb. d. staatswiss. 3 2,
878. vgl. zählungsfrist.

ZAHLUNGSPFLICHT, f.: kein landesherr ist zwar berechtiget, einen schuldner von seiner natürlichen
zahlungs-pflicht zu dispensiren K. L. VON HALLER restaur. d. staatswissensch. 2, 256.

ZAHLUNGSPFLICHTIG, adj.: es lag darin (im verkauf von ämtern) ... eine mittheilung der
regierungsrechte, auf den grund einer anleihe, die man eben deshalb gegen die zahlungspflichtigen mit
aller strenge geltend machte ohne die verrichtungen des amtes abzuwarten RANKE 37, 304.

ZAHLUNGSPFLICHTIGKEIT, f.: er (der leibeigene) ist ... keine sache, sonst müszte man auch jeden
schuldner eine sache nennen, weil man ... seine ... zahlungspflichtigkeit verkauft K. L. VON HALLER
restaur. d. staatswissensch. 3, 205.

ZAHLUNGSPLATZ, m.: die würkungen des geschäfts hatte beim eigentlichen wechsel der
handelsgebrauch so ausgebildet, dasz er sich allmählich der eigenschaft eines allenthalben verkäuflichen
papiers näherte, welches über verschiedene orte nach dem zahlungsplaz geschickt ... werden konnte
EICHHORN deutsche staats- u. rechtsgesch. 528. vgl. zahlungsort.

ZÄHLUNGSPROZESZ, m.: was sich durch einfache, überschauliche zahl exponirt, wird als einklang, als
consonierender accord, was einen verwickelten zählungsprocesz fordert, als unbefriedigende auflösung
erwartende tonverbindung ... empfunden VISCHER aesthetik 3, 819.

ZAHLUNGSQUITT, adj. insolvent, im bilde: wen sie, ehe noch die tassen ausgewaschen sind, aus denen
er seinen morgenthee getrunken, schon zum gott gemacht ... haben, können sie den noch als jenen
irdischen, übernachteten, zahlungsquitten menschen ansehen, wenn die tassen schon so weit gekommen
sind, dasz sie an der luft abtrockneten GUTZKOW ges. w. 6, 295.

ZAHLUNGSRECHNUNG, f., im bilde: denn da die uneheliche verbindung eine zahlungsrechnung ist, die
eheliche aber nur ein tauschhandel, so ist den millionären, wie den buchhändlern, bei der
zahlungsrechnung die rückgabe der exemplare verstattet J. PAUL 6, 31 Hempel.

ZAHLUNGSREGISTER, n.: so führt der rechner ein zahlungsregister allg. deutsche biblioth. 83, 597.

ZAHLUNGSSCHEIN, m. was zahlschein CAMPE.

ZAHLUNGSSCHLUSZ, m.: ich hatte grade nach zahlungsschlusz angefangen zu arbeiten und hatte volle
zahlung denkw. eines arbeiters 213 Göhre.

ZAHLUNGSSCHWIERIGKEIT, f.: in zahlungsschwierigkeiten geraten.

ZAHLUNGSSORGE, f.: aber sie (die schuld) bewirkt auch, ... dasz England vor lauter zahlungssorgen alt
und grau und aller heiteren jugendgefühle entwöhnt wird HEINE 3, 461.

ZAHLUNGSSPERRE, f.: der aussteller (einer abhanden gekommenen oder vernichteten


schuldverschreibung) ist verpflichtet, dem bisherigen inhaber auf verlangen die zur

Bd. 31, Sp. 88

erwirkung des aufgebots oder der zahlungssperre erforderliche auskunft zu ertheilen bürgerl. gesetzb. §
799.

ZAHLUNGSSTAND, m.: A. frägt B., ob er den wechsel honoriren werde? B. antwortet: gewisz, wenn herr

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Schnitter mich bis dahin in zahlungsstand versetzt haben wird GUTZKOW ges. w. 8, 77.

ZAHLUNGSSTATT, f., in der verbindung an zahlungsstatt annehmen, die gebildet ist wie an kindesstatt
annehmen. hier liegt eigentlich die präposition an -- statt mit dazwischen tretendem abhängigen gen.
vor. ob die form an zahlung statt annehmen, die CAMPE bietet, jemals in der lebendigen sprache
vorhanden gewesen ist, erscheint zweifelhaft, weil der gen. da nicht erkannt werden kann. es begegnet
auch die schreibung an zahlungs statt:

ein groszer wüterich,


ein ungeheurer bär läszt sich im walde sehen;
euch soll, an zahlungs statt, die haut zu dienste stehen
HAGEDORN 2, 86.

die heute übliche form, wie sie ADELUNG verzeichnet, ist aber schon früher bezeugt:

er lieb an zahlungsstat zu nemen dieses gelt


HARSDÖRFFER frauenzimmergesprechspiele 5 Po VI a;

auch geb' ich zu,


dasz hier und da gelddürftige spielerinnen
an zahlungsstatt das herz sich lassen abgewinnen
WIELAND 10, 221;

ich habe einen wechsel auf 500 thaler an zahlungsstatt annehmen müssen RABENER 3, 98; ein krämer in
H***, der uns noch einiges schuldig, aber sonst ein guter mann ist, hat mir eins (ein pferd) an zahlungsstatt
angeboten GÖTHE 21, 59 Weim.; ich habe ihn (den wechsel) von dem specereyhändler Schnapper an
zahlungsstatt angenommen BÄUERLE kom. theat. 2, 50; wollt ihr sie (stücke eines rocks) an zahlungsstatt
annehmen IMMERMANN 5, 23; gebt dem vetter das papier, welches euch der wirth gegeben hat, an
zahlungsstatt GOTTHELF 3, 390; Mullrich behielt das buch der bücher gleich an zahlungsstatt für miethe
GUTZKOW ritter v. geiste 4, 117; vielleicht kommt noch ein matador daher, der alle seine habseligkeiten
im bündel auf'm rücken trägt und einem morgen an zahlungsstatt eine zerrissene weste oder ein paar
stiefel ohne sohlen anbietet HEBBEL 5, 283; manche künstler lieszen sich von ihm bekleiden, und er
mochte dadurch, indem er an zahlungsstatt zuweilen eine malerei zu übernehmen oder zu pfänden
genöthigt war, zu einem kleinen galleriebesitzer geworden sein KELLER 3, 54; soweit er (der
pfandgläubiger) zur einziehung berechtigt ist, kann er auch verlangen, dasz ihm die geldforderung an
zahlungsstatt abgetreten wird bürgerl. gesetzb. § 1282.

ZAHLUNGSSTILLSTAND, m.: er ging mit dem entschlusse um, seinen gläubigern einen kurzen
zahlungsstillstand vorzuschlagen SCHREYVOGEL 1, 2, 48.

ZAHLUNGSSTOCKUNG, f.: die gedrückte stimmung der capitalisten, die zahlungsstockungen, die
häufigen bankerotte waren vorboten der gährenden umwälzung MOMMSEN röm. gesch. 3, 163.

ZÄHLUNGSTABELLE, f.: nachdem die zähler gehörig unterrichtet worden sind, wie sie die gezählten
(baum-) stämme in die zählungstabelle einzuschreiben haben, ... stellt man alle zähler an einem ende des
waldes in gerader linie ZSCHOKKE 12, 114.

ZAHLUNGSTAG, m., was zahltag: wenn der zahlungstag der heuerleute ist MÖSER 1, 182; an dem
nächsten zahlungstage fehlten dem herzog zwölfhundert gulden J. V. MÜLLER 24, 206; wenn der
schuldner ... an dem vertragsweise festgesetzten zahlungstage nicht zahlte EICHHORN deutsche staats- u.
rechtgesch. 1, 179; er soll meine wechsel annehmen, wie damals der weinhändler; und wenn der
zahlungstag kommt, bin ich schon lang in London BÄUERLE kom. theat. 5, 42 (reise nach Paris 2, 10);
als daher der zahlungstag ... herannahte, wurde mir ein deficit von siebenhundert thalern angekündigt
IMMERMANN 19, 122; besteht für die forderung eine nach dem kalendertag bestimmte zahlungszeit, so

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beginnt die frist nicht vor ablauf des zahlungstags bürgerl. gesetzb. § 1170; von dem zahlungstag an
laufen zinsen von der ganzen bodmereischuld einschlieszlich der prämie handelsgesetzb. § 687. frei vom
jüngsten gericht als dem tage allgemeiner vergeltung:

Bd. 31, Sp. 89

der rechen-tisch ist da,


das schuld-register offen,
der zahlungs-tag sehr nah,
und keine frist zu hoffen
SCHMOLCKE trost- u. geistr. schr. 1, 558.

ZÄHLUNGSTAG, m., tag einer amtlichen zählung, volkszählung oder dgl.: nur bei dauernden
tiefgreifenden verschiebungen der volksgewohnheiten lassen sich gröszere änderungen in bezug auf
zählungszeit und zählungstag ohne nachteile vornehmen CONRAD handwb. d. staatswiss.3 8, 507.

ZAHLUNGSTERMIN, m., was zahltermin, heute üblicher: anticipare pecuniam, geld herausz nehmen
zuvor, und ehe denn der zahlungstermin kömpt CORVINUS fons latinit. (1646) 150; der zahlungstermin
wäre zwar erst in vierzehn tagen; aber das geld liegt parat, und ein halb prozentchen abzug -- LESSING
Minna v. B. 5, 1; der landmann ... dessen zahlungstermine ... auf gewisse bequeme ... zeiten gesetzt
würden MÖSER 2, 109; der zahlungstermin kam nun heran, und Veit hatte soviel erübrigt, dasz er ohne
beschwerde seine schuld abtragen konnte MUSÄUS volksm. 1, 39; wenn der zahlungstermin aller dieser
kreditpapiere abgelaufen ist, so kann der inhaber nach belieben, entweder baar geld oder neue
obligationen dafür erhalten NICOLAI reise 3, 322; man bemerkte, dasz selten ein Curländer so richtig
zahlungstermin gehalten, wie junker Gotthard HIPPEL lebensl. 3, 1, 419; mit dem zahlungs termin hat's
auch keine eile GÖTHE IV 1, 144, 17 Weim.; der erste zahlungstermin trifft mit dem ersten
ablieferungstermin, also ostern 1815 zusammen, sodann werden die zahlungstermine von acht zu acht
monaten gerechnet IV 26, 13, 1; im Badenschen bestand man streng auf innehaltung der zahlungstermine
IMMERMANN 6, 179; da rückte der erste zahlungstermin heran DAHLMANN frz. rev. 99; da ... es
deshalb möglich wäre, dasz das geld noch grade recht zum zahlungstermine käme DROSTE briefe s. 312;
er lieh aber nur auf kurze fristen und nahm am zahlungstermin statt des baaren geldes ... jede art von
verkäuflichen dingen FREYTAG 4, 117; denn der zahlungstermin rückte mit jeder woche näher KELLER
3, 255; als der zahlungstermin nahte, besaszen sie weder garn noch tuch 8, 196. im bilde: der magen ist
ein ungestümer gläubiger, der den zahlungstermin seiner intraden nicht gern vierundzwanzig stunden lang
kreditirt MUSÄUS volksm. 3, 71.

ZÄHLUNGSTERMIN, m., termin einer amtlichen zählung: das princip der ortsanwesenheit trägt dem
hinreichend rechnung, wenn der zählungstermin im obigen sinne gewählt wird CONRAD handwb. d.
staatswiss.3 2, 797.

ZAHLUNGSTISCH, m., was zahltisch: wer war betroffener als ich, da mir die nebenstehenden zu dem
erlangten besitze dieser kostbarkeit glück wünschten, und mir platz am zahlungstische machten
THÜMMEL reise 3, 282.

ZAHLUNGSUNFÄHIG, adj., unfähig zur zahlung, insolvent CAMPE. vgl. das ungebräuchliche
zahlunfähig und zahlungsfähig: die verschiedenheit des privatrechts ... war in hinsicht zahlungsunfähiger
schuldner durch die zwölf tafeln nicht gehoben NIEBUHR röm. gesch. 2, 310; nach römischem landrecht
war der zahlungsunfähige schuldner knecht seines gläubigers MOMMSEN röm. gesch. 3, 520.

ZAHLUNGSUNFÄHIGKEIT, f., zum vorigen, insolvenz CAMPE: daher wurden die klagen über armuth
und zahlungsunfähigkeit ... wieder laut NIEBUHR röm. gesch. 2, 431; das niedrigste unter allen rechten,
das recht, dasz man selbst bei erwiesener zahlungsunfähigkeit und armut einen einsperren kann NESTROY

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4, 15; die cultur der kleinen districte endet immer mit zahlungsunfähigkeit GUTZKOW ges. w. 9, 86;
sollten sie ... zahlungsunfähigkeit vorschützen SCHOPENHAUER briefe 50; von 7, 846 millionen
grundeigenthümern waren ... 3 millionen steuerfrei wegen zahlungsunfähigkeit TREITSCHKE hist. u. pol.
aufs. 3, 380; geldstrafen ..., an deren stelle im falle der zahlungsunfähigkeit gefängnis ... zu treten hatte
BERNHARDT gesch. d. waldeigent. 3, 142; übernimmt der verkäufer einer forderung die haftung für die
zahlungsunfähigkeit des schuldners bürgerl. gesetzb. § 438.

Bd. 31, Sp. 90

ZAHLUNGSUNVERMÖGEN, n., dasselbe wie das vorige. CAMPE ergänzungswb. (unter insolvenz).

ZAHLUNGSVERBINDLICHKEIT, f.: die Pforte bot nun die äuszerste anstrengung auf, ... um ihren
zahlungsverbindlichkeiten zu genügen GERVINUS gesch. d. 19. jh. 6, 514.

ZÄHLUNGSVERFAHREN, n.: die folgende behandlung des zählungsverfahrens (bei einer viehzählung)
ist daher auf einen beschränkten kreis von ländern angewiesen CONRAD handwb. d. staatswiss. 3 8, 356.

ZAHLUNGSVERLEGENHEIT, f.: nur dasz er die juweliere in das geheimnisz zog, um sich vor
zahlungsverlegenheiten sicher zu stellen DAHLMANN frz. rev. 99.

ZAHLUNGSVERMÖGEN, n., was zahlungsfähigkeit, solvenz CAMPE ergänzungswb.

ZAHLUNGSVERPFLICHTUNG, f.: die umrechnung solcher goldmünzen ... erfolgt nach maszgabe des
verhältnisses des gesetzlichen feingehaltes derjenigen münzen, auf welche die zahlungsverpflichtung lautet
münzgesetz v. 9. 7. 73 art. 14, § 2.

ZAHLUNGSVERSÄUMNIS, n.: in einzelnen fällen kauften auch arbeiter ... direkt beim fabrikanten, wie
schuldklagen dieser wegen zahlungsversäumnis der arbeiter beweisen DOREN Florentiner
wolltuchindustrie (1901) 221.

ZAHLUNGSVERSPRECHEN, n.: ein zahlungsversprechen leisten, abgeben; (die) arbeitgeber ... haben ...
14 tage nach entnahme der ware ein schriftliches zahlungsversprechen zu geben DOREN Florentiner
wolltuchindustrie (1901) 355.

ZAHLUNGSVERTRAG, m.: merkwürdig ist ... der ... zahlungsvertrag vom jahr 1313 zwischen ...
Brandenburg und ... Henneberg allg. deutsche bibl. 882, 24.

ZAHLUNGSVERWEIGERUNG, f.: der papst entschuldigte seine zahlungsverweigerung mit der


zeitherigen bedrängnisz der kirche RAUMER gesch. d. Hohenst. 4, 326; die zahlungsverweigerungen
wurden ... verdammt RANKE 15 (1875), 330.

ZAHLUNGSVORSCHLAG, m.: die gläubiger sollen sich über die zahlungsvorschläge des schuldners
erklären.

ZÄHLUNGSVORSCHRIFT, f.: dasz nach maszgabe der zählungsvorschriften (bei einer berufszählung)
nur dann nebenberuf anzugeben war, wenn die betreffende tätigkeit mindestens den 10. teil der vollen
jahrestätigkeit in anspruch nimmt CONRAD handwb. d. staatswiss. 3 2, 813.

ZAHLUNGSWEISE, f.: wer noch nie in Paris gewesen, braucht allein ... vier tage, um sich die
zahlungsweise und die beste art, sich zu ernähren, zu merken GUTZKOW ges. w. 7, 420.

ZÄHLUNGSWERK, n., von einer volkszählung als arbeitsleistung: dasz durch häufigere anwendung
solcher strafen ... die willigkeit der bevölkerung zur förderung des zählungswerkes wachsen sollte, ist nicht
anzunehmen CONRAD handwb. d. staatswiss. 3 8, 503.

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ZAHLUNGSWERTH, m., geldwerth: auf der rechten seite aller sollte der zahlungswerth angezeigt werden
M. MENDELSSOHN 5, 224; man schlug bewegliche habe, die altgesetzlichen zahlungswerth hatte, ...
auf's niedrigste an DAHLMANN gesch. v. Dänemark 1, 201.

ZAHLUNGSWESEN, n., gesammtart der zahlungsleistung in einem bezirk: ich meine die ordnung des
zahlungswesens, die frage, ob stets ... kredit zu gewähren sei DOREN Florentiner wolltuchindustrie
(1901) 175.

ZÄHLUNGSWESEN, n., gesammtart der vornahme amtlicher zählungen: bis Belgien ... den anstosz zu
einer durchgreifenden verbesserung des zählungswesens gegeben hatte CONRAD handwb. d. staatswiss.
8, 356.

ZAHLUNGSWOCHE, f., was zahlwoche: bei wechseln ... tritt die verfallzeit ein ... an demjenigen tage der
zahlungswoche oder des zahlungsmonats, der durch seine benennung oder zahl dem tage der ausstellung
oder der präsentation entspricht wechselordnung art. 32.

ZAHLUNGSZEIT, f., was zahlzeit, heute üblicher: weil die zahlungszeit vor der tühr BUTSCHKY hd.
kanzlei 53; zahlbar: heiszt in den rechten eine wechsel- oder andere schuld, deren zahlungs-zeit herbey
gekommen haushalt.-lex. 3, 780; 1705 den 24 sten dec. wurden die interessen der banko überhaupt auf 5
procent festgesetzt, und die zahlungszeit bis auf funfzehn jahre verlängert NICOLAI

Bd. 31, Sp. 91

reise 3, 310; ist die zahlungszeit auf anfang oder ist sie auf ende eines monats gesetzt worden, so ist
darunter der erste oder der letzte tag des monats zu verstehen wechselordnung art. 30.

ZÄHLUNGSZEIT, f., von der zeit einer amtlichen zählung: man kann ermitteln wollen ... die
ortsanwesende bevölkerung, d. h. die zur zählungszeit und am zählort ... tatsächlich anwesende
bevölkerung CONRAD handwb. d. staatswiss. 8, 503.

ZAHLUNGSZIEL, n., was zahlungstermin: man weisz die alte sitte, wenn die zahlungsziele nicht gehalten
wurden J. V. MÜLLER 26, 208.

ZÄHLUNGSZIFFER, f.: die einzige zwischen diesen beiden bekannte zählungsziffer, die des census von
668, der nach Hieronymus 463 000 köpfe ergab, ist wohl nur deshalb so gering ausgefallen, weil er mitten
in der krise der revolution stattfand MOMMSEN röm. gesch. 2, 222.

ZAHLUNTERRICHT, m., unterricht über die zahlen: das wesentlichste, was ich in rücksicht auf die
vereinfachung und verdeutlichung des zahlunterrichts leiste, ist dieses PESTALOZZI 5, 209.

ZAHLVERBINDUNG, f., verbindung von zahlen: die einheit einer neuen zahlverbindung KANT 8, 260;
unstreitig spricht das selbstmachen und selbstdarstellen der zahlverbindungen und ihrer auflösung eine
thätigkeit an, welche die meisten sinne auf die kräftigste und einfachste weise belebt PESTALOZZI 14, 79.

ZAHLVERHÄLTNIS, n., verhältnisz in ansehung der zahl, numerisches verhältnisz CAMPE (-nisz), vgl.
zahlenverhältnis: die älteste sprache war musik, und nebst dem fühlbaren rhythmus des pulsschlags und
des athems in der nase, das leibhafte urbild alles zeitmaszes und seiner zahlverhältnisse HAMANN 7, 10;
da diese vernunftwahrheiten aber von raum und zeit nicht abhängen ...; noch weniger aus dem begriff der
zeit die nothwendige wahrheit der zahlverhältnisse folget HERDER 21, 62; aber mit lust horchte ich um
die scheunen der stadt den mannigfachen zahlverhältnissen der tennenschläge VOSS antisymb. 2, 198;
man hat sich sehr bemüht, durch zahl-, maasz- und gewichtsverhältnisse diese mischungen (der farben)
näher zu bestimmen GÖTHE II 1, 223 Weim.; in welchem zahlverhältnis in Pyrrhus heer die fuszvölker
zum phalanx standen NIEBUHR röm. gesch. 3, 548.

ZAHLVERMEHRUNG, f., zahlenmäszige vermehrung: bey mir werden sie eine gleiche darstellung des

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wachsthums der erscheinung finden, nach maaszgabe der zahlvermehrung der platten GÖTHE IV 36, 117
Weim.

ZAHLVERS, m., chronostichon, chronogramm CAMPE.

ZAHLVERSCHIEDENHEIT, f., zahlenmäszige verschiedenheit: die varietäten der nebennieren


beschränken sich auf zahl- und gröszenverschiedenheiten SÖMMERING v. baue d. menschl. körpers 5,
362.

ZAHLVERWERFER, m., unter betrügern genannt: item elenzucker, meszschürtzer, da uns des messen
theurer als bey den pfaffen ankommet, also heiszts, aus dem befürtzen kommen ins bescheissen:
zahlverwerffer: gewichtfälscher Garg. 300 neudr. (27. cap.).

ZAHLWEIFE, f., weife mit vorrichtung zum zählen der gesponnenen fäden, schnopfweife. JACOBSSON
4, 30a schnappweife, in Niederdeutschland zahlhaspel (vgl. dies) ADELUNG, auch zählweife
JACOBSSON 4, 678a (unter zahl), die schnapp- oder zehl-weiffe öcon. lex. 2608.
ZÄHLWEIFE, f., s. das vorige.

ZÄHLWEISE, f., weise, art des zählens, in der münzkunde die bestimmung darüber, wieviel
untereinheiten in der obereinheit eines münzsystems enthalten sein sollen HALKE handwb. d.
münzkunde (1909) 389a: in den münzsystemen des altertums war die zählweise sehr verschieden ebenda.

ZAHLWEISER, m.: zalweyser, arithmeticus, logista STIELER 2570.

ZAHLWEISSAGEREI, f.: arithmantie, zahlweissagerei KINDERLING reinigkeit d. deutschen spr. (1795)


158. bei CAMPE zahlenweissagerei.

ZÄHLWERK, n., vorrichtung zum zählen, z. b. von umdrehungen der trommel des lothapparats auf einem
schiff STENZEL seemänn. wb. 471a, als bestandtheil einer rechenmaschine: wie das zählen die grundlage
des rechnens,

Bd. 31, Sp. 92

so bildet ein zählwerk den hauptbestandtheil einer jeden rechenmaschine encyklop. d. math. wiss. 1
(1898--1904), 959. dazu b o g e n z ä h l w e r k , n.: an den pressen werden in einzelnen fällen
bogenzählwerke angebracht, welche ... eine kontrole über die gesammtleistung der presse zu gewähren
bestimmt sind PRECHTL technol. encyklop. 22, 151.

ZAHLWERTH, m., zahlenmäszig bestimmter werth, so nominalwerth bei münzen: der hausdiener, dem
sein bis zu ende des jahrs laufender lohn in einer binnen der zeit verschlechterten münzsorte bezahlt wird,
... kann bey gleichem zahlwerth, aber ungleichem geldwerth, sich nicht auf sein recht berufen, deshalb
schadlos gehalten zu werden KANT 5, 35; heutiges tages aber ... sieht man nicht mehr darauf, was die
münzen wägen und an innerm gehalt haben, sondern jeder nimmt sie in der circulation, nach dem
gewöhnlichen zahlwerte, den ihnen die allgemeine billigung giebt BODE Montaigne 4, 6. als ausdruck der
mathematik: es sei ein system von positiven zahlwerthen DIRICHLET vorlesungen über zahlentheorie 2
302.

ZAHLWISSENSCHAFT, f., wissenschaft von den zahlen, von den höhern gesetzen der rechenkunst,
neben zahlenwissenschaft CAMPE:

ich gebe dir hiermit die kraft


der zahl- und würfelwissenschaft
RÜCKERT 12 (1869), 100.

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ZAHLWOCHE, f., woche, in der gezahlt wird, gezahlt werden musz, settimana dal pagamento RÄDLEIN
sprachsch. 1, 1081b, hebdomas rationaria STEINBACH 2, 1008, zumal zur abrechnung bestimmte woche
bei den messen, proxime sequens septimana post nundinas STIELER 2534, septimana qua debitores post
nundinas solvunt FRISCH 2, 463b, die letzte meszwoche, da die wechsel verfallen und bezahlt werden
müssen haushalt.-lex. 3, 781 JACOBSSON 4, 678a: darumb habe ich die wechselbrief hier behalten, weil
es aber so lange angestanden, und keine hoffnung mehr, als sende ich dieselben hiermit, in gäntzlicher
zuversicht, werden noch in die zahlwoche kommen HARSDÖRFFER teutscher secretarius 1, C e c VIIIb;
bin ich gesonnen, die maximen des göttlichen rechts ... auff den montag nach der zahlwoche nach mittags
nach zwey uhr wiederum zu erklären anzufangen THOMASIUS v. nachahmung der Franzosen 34, 36. lit.
denkm.; es sollen nach der bevorstehenden Frankfurter oster-messe, und zwar in der ersten woche nach
der dritten zahl-woche allhier offentlich ... verkaufft werden Casseler zeitung 1731 s. 34; ein kaufmann,
welcher in der zahlwoche bankerot machen will RABENER 2, 229; den sonnabend in der zahlwoche
wagte ichs, dem einen bedienten, der mich, ich weis nicht, warum, lange ansah, meinen namen zu
entdecken GELLERT 4, 147; sie würden mir eine wahre reelle freundschaft erweisen, wenn sie mir
sogleich antworteten, damit ich noch in der zahlwoche gegenwärtiger Leipziger messe ihren entschlusz
erführe, und meine maszregeln darnach nehmen könnte LANGBEIN br. von u. an Bürger 3, 254
Strodtmann; es ist heute schon montag in der zahlwoche und ich habe noch keinen brief an dich
angefangen GÖTHE IV 1, 107, 11; wie stehts, herr baron? die messe geht bald zu ende, wir sind schon in
der zahlwoche, und unsere ernte hat noch immer nicht angefangen KOTZEBUE sämmtl. dram. w. 13, 243
(d. gimpel a. d. messe 1, 1); das ganze geld ist schon lange fällig, ich habe ihm aber versprochen, noch bis
zur bevorstehenden zahlwoche zu warten PÜCKLER briefw. u. tageb. 4, 355;

dieweil schon herbey kompt jetzund


der termin und die letzt zahl woch
und die zinsz stets fortgehen noch
DÄHNHARDT griech. dramen 2, 169 (FRÖREISEN nubes, Straszburg 1613, vers 33).

bildlich: da eilte Friedrich selbst das drohende verhängnis abzuwehren, oder, wie er Wedell schrieb,
'zahlwoche zu halten' PRUTZ preusz. gesch. 3, 108.

ZAHLWORT, n., wort für eine zahl, ausdruck der grammatik, zahlwörter, nomina numeralia SCHOTTEL
sprachkunst 3. buch anhang, von den zahlwörtern GOTTSCHED grundlegung einer deutschen
sprachkunst 2. theil 4. hauptstücks 3. abschnitt, auch von ADELUNG und CAMPE verzeichnet. eine
vereinzelt begegnende in gleichem sinne

Bd. 31, Sp. 93

gebrauchte umgelautete bildung, die eigentlich wort zum zählen bedeutet: in dem zélworte (eins)
BUTSCHKY kanzl. 13 ist völlig zurückgedrängt: diesem ('wort') sollen andre wörter vorgefüget werden,
als: ... theilwort, tittelwort, trutzwort, wunderwort, zahlwort HARSDÖRFFER frauenzimmer
gesprechspiele 8, 63; das maas der dinge ... druckten zahlwörter, grade und mancherlei andre partikeln
aus HERDER 21, 127; verbinden wir mit jedem zahlwort ... genau bestimmte abstrakte begriffe
SCHOPENHAUER 1, 97; das bestimmteste zeugnis für das alter und die ursprüngliche ausschlieszlichkeit
des dezimalsystems bei den Indogermanen gewährt die bekannte übereinstimmung aller indogermanischen
sprachen in den zahlwörtern bis hundert einschlieszlich MOMMSEN röm. gesch. 1, 191; in den meisten
sprachen sind zahlwörter über 3 ... nicht vorhanden RATZEL völkerkunde 2, 27; die ... sprache besitzt
zahlwörter, welche die nennung von zahlen bis in die hunderttausende gestatten 132; auch diese (die
kellnerin) schien ihre sprachlichen studien nicht übereilt zu haben und wuszte nicht viel mehr als die
zahlwörter STEUB drei sommer in Tirol 2, 17; während der blonde mit seinem nachbar morra spielte,
fortwährend die finger auswarf und mit wütender stimme die zahlworte ausrief KELLER 6, 253.

ZAHLWURZEL, f.: mit den kasten und den stämmen ist es, wie er (Niebuhr) sagt, allein dasz die einen aus
den andern erwachsen, scheint er doch nicht so recht klar einzusehen, auch sind seine zahlwurzeln nur

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erst ein kleiner theil der vorkommenden GÖRRES ges. br. 1, 25.

ZAHLZAPFEN, m.: in diesen (rechentafeln für blinde) sind löcher, welche zur andeutung der zeichen + --
= √ dienen, wenn zahlzäpfen darinn gesteckt werden allg. deutsche bibliothek 33, 494.

ZAHLZEICHEN, n., zeichen für eine zahl, ziffer KINDERLING reinigkeit d. deutschen sprache 226
CAMPE: bey einer dritten ausgabe rathen wir ... zahlzeichen an den rand ... zu setzen allg. deutsche
bibliothek 15, 621; erst im 13 ten jahrhundert treten in den ungrischen urkunden die arabischen
zahlzeichen an die stelle der römischen 117, 179; sieben tausend kutschen (Slamkenbergius musz gewisz
einen irrthum mit seinen zahlzeichen begangen haben) BODE Tristram Schandi 4, 59; statt der bisherigen
linien, intervalle, notenköpfchen und schwänzchen setzt er zahlzeichen GÖTHE IV 23, 197, 14 Weim; aus
welcher (zeit) ... die römischen zahlzeichen sich erhalten haben NIEBUHR röm. gesch. 1, 199; aus Indien
(stammt) allgemeiner gebrauch der position zur bestimmung des erhöhten werthes weniger zahlzeichen
HUMBOLDT kosmos 2, 150; wie unsere zahlzeichen, welche überhaupt für die zahlenbegriffe das sind,
was die chinesischen schriftzeichen für alle begriffe SCHOPENHAUER 5, 607; konventionelle
zahlzeichen hat es noch bei der scheidung der Griechen und Italiker offenbar nicht gegeben MOMMSEN
röm. gesch. 1, 191; wiszt ihr die zahlzeichen auf eine wachstafel zu schreiben FREYTAG 10, 180; ordnet
man den zu zählenden dingen gleichartige schriftzeichen zu, so erhält man die natürlichen zahlzeichen
encyklop. der math. wiss. 1 (1898--1904), 3.

ZAHLZEIT, f., zum zahlen bestimmte zeit (vgl. zahlungszeit):

ein oberkeit ohn zinsz und rennt,


ein schultheis, der die bauwren verwent (verwöhnt),
ein schreiber, der kein zahlzeit nennt, ...
han bey den bawrn die gröste gunst
KIRCHHOF wendunm. 2, 132.

pluralisch: bestimpte ziel und zahlzeiten nicht verrucken discipl. milit. 8.

ZAHLZIEL, n., was zahltermin: mit ihnen auf leidtliche zahlziel zue handtlen quelle v. 1618 (Darmstadt)
bei DIEFENBACH-WÜLCKER 909.

ZAHM, adj., mansuetus.

I. formales. das wort ist gemeingermanisch und lautet ahd. mhd. zam; as. (bezeugt táma nótilu,
subiugales beluas Werdener Prudentiusglossen 333 s. WADSTEIN kl. as. sprachdenkmäler 95, 27) mnd.
tam, nnd. tam(m) brem. wb. 5, 16, DÄHNERT 484a, MI 91b, DANNEIL 220b und tām brem. wb. 5, 16,
WOESTE 267, BAUER-COLLITZ 103a, SCHAMBACH 224; mnl. nnl. tam; afries. tam, *tom, nfries. tam,
tom, tōm SIEBS in PAULS grdrisz. d. germ. philol. 2 1, 1180; ags. tam,

Bd. 31, Sp. 94

engl. tame; anord. tamr, norw. dän. schwed. tam. es steht in enger etymologischer beziehung zu lat.
domare, griech. δαµαν, wie schon ADELUNG erkannt hat, und skr. damāy bändigen, bezwingen KLUGE
etym. wb. 7 501 b. in den gleichen zusammenhang gehört wohl ziemen und zimmer mit lat. domus, griech.
δοµος, haus, δεµειν, bauen, denen dasselbe thema mit der bedeutung 'binden, fügen' zugrunde zu liegen
scheint WEIGAND-HIRTH deutsches wb. 5 2, 1300, FALK-TORP 2, 1244. neben zam begegnet in älterer
sprache eine gleichbedeutende -ja bildung ahd. zami, bezeugt: zami ros, caballus domitus GRAFF 5,
663, frühnhd. zäm SCHMELLER2 2, 1120: das sechst capitel sagt, wie man die valcken beraitten und zu
der paisz zäm machen sol MYNSINGER 2; da die löwen tzů den heiligen kamen, da wurden sy zäm und
güttig Heiligenleben sommerteil LIIa; aber darumb daჳ er das leben der menschen und iere sitten erzögen
möchte, hat er in syn fabeln redend fogel, böm, wilde und zäme tier ... gezogen STAINHOEWEL Esop 78

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Österley; wie dann unvernünftige tyer noch heut ains tails durch die menschen regiert und za̔m gemacht
werden BERTHOLD V. CHIEMSEE t. theol. 349;

zu beederseits zween felsen stehn,


das meer ist zäm und still darunder
SPRENG Aeneis 6a.

davon ist wahrscheinlich zu trennen mhd. zæme, geziemend, passend, angenehm LEXER mhd. hdwb. 3,
1026, neben dem häufiger in gleicher anwendung gezæme erscheint 1, 1000, ahd. gazâmi, decens,
honestus GRAFF 5, 664. dies zæme, dessen bedeutung sich bei zahm nur vereinzelt zeigt (s. unten II, 3),
könnte frühnhd. in stellen gleich den folgenden noch nachklingen: fürbasz ist zů mercken welich person
und menschen der liebe genosz und zäme seind HARTLIEB das buch Ovidij von der liebe 5b; seyt du jr
nit zäm und genosz bist 16b. vgl. dazu übrigens auch unten II, 2. wie gezæme neben zæme so steht mhd.
neben zam ein gleichbedeutendes gezam, das auch im sinne von gezæme gebraucht wird LEXER mhd.
hdwb. 1, 999. schlesisch gezāme, ruhig, anständig, gehört zum letzteren WEINHOLD schles. wb. 107a.
die schreibung zam bieten DASYPODIUS, MAALER 512a und noch STIELER 2594; die form mit h,
worin die neuhochdeutsche dehnung des vocals erkennbar wird, SCHOTTEL 1446, RÄDLEIN 1, 1081b
und die späteren lexikographen. vereinzelt begegnet frühnhd. die gleichfalls länge des vocals
bezeugende schreibung zaam, so NIGRINUS von zäuberern 551 (die stelle s. unter II 1, a, γ).
mundartlich, namentlich oberdeutsch, ist die alte kürze natürlich noch gewahrt SCHMELLER 2 2, 1120,
MARTIN-LIENHART wb. d. els. mundarten 2, 903a, aber auch oberdeutsch nicht durchweg STALDER 2,
462, MARTIN-LIENHART a. a. o. frühnhd. wird die kürze des vocals wohl durch verdopplung des m
kenntlich, die in flectierter form eine wirkliche veränderung des silbenschlusses bezeichnen kann: wie
ein ander zammer hund das halff verhüten WICKRAM 2, 267, 4. frühnhd. verdunklung des vocals zu au
kann mit einer anlehnung an zaum zusammenhängen: hie schafft er nu am sechsten tag allerley thier, so
da leben auff erden, wild und zaum, und auch den menschen LUTHER 24, 48, 17 Weim. (die form stammt
kaum von L.; vgl. die anm.). gelegentlich erscheint hinter dem m in der gleichen zeit ein unorganisches
b:

den hirschen sie bald machten zamb


SPRENG Aeneis 142b.

STEINBACH verzeichnet als comparativ zähmer, als superlativ am zähmsten 2, 1068, und auch sonst ist
umlaut in der steigerung aus älterer sprache bezeugt:

ein camelthier bald zemer würd,


geht langsam, tregt ein schwere pürd
H. SACHS 7, 450, 29 Keller.

umlautlose steigerungsformen, die ADELUNG heutigem gebrauch gemäsz allein anführt, scheinen
schon früher zu überwiegen: es traff sich auch gleich: dasz ... drey zahmere thiere drey wildere ...
überwanden LOHENSTEIN Armin. 2, 43b; auch mein zahmestes schaf freuet sich mehr über seines
gleichen, als über mich GESZNER 1, 182;

die zahmeren thiere


wählten das grünende feld und blumichte wiesen
ZACHARIAE 8, 54.

Bd. 31, Sp. 95

II. bedeutung und gebrauch. zahm ist der gegensatz zu wild. so erscheint es fast im ganzen umkreise
seines gebrauchs.

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1) die allgemeine bedeutung ist demgemäsz: der wildheit entzogen oder ihrer ermangelnd und gesitteter
menschlicher art sich fügend, zu ihr passend.

a) als eigentlicher gebrauch erscheint noch heute, wohl der bedeutungsentwicklung entsprechend, die
beziehung auf thiere.

α) in allgemeiner anwendung, zame thier, mansuetae bestiae, animantia cicurata, animalia, armenta,
pecudes et pecora MAALER 512a, zame tiere, bestiae condocefactae, placidae, mansuetae, animalia
cicurata STIELER 2594, zahme thiere ADELUNG: sînu thîn cuning quam thir manduuâri, sizzenti ubar
folon zamerâ esilinnâ Tatian 116, 3; eyn zam fogel, als eyn hun, eyn gans DIEFENBACH 26b; tame vogel
also ghense nov. gl. 26b; capo, zamer han 73b; zame rinder, nit stössig, mit denen gůt ist umb zegon,
moribus placidis boves MAALER 512a; kauff zahme thier (kalenderregel) THURNEYSZER magna alch.
113; in eine pasteterei oder garkuchen, darin man nach gewonheit des landes (Frankreich) allerley
viandes feil findet, neben dem fleisch vom zahmen viech, so auch fischen, wildpret etc., kaphanen, hüner,
gänsz, schneppen und des gevögels unendlich gebraten, gesotten oder gebacken KIRCHHOF wendunm. 2,
405; vieh ... sind zahme thiere, an rindern, schafen ziegen und dergleichen GUEINTZ rechtschreibung
149; pigeon franc, zahme haustaube DUEZ nomencl. 28; zamer löwe, leo exarmatus, edomitus STIELER
2594; zame vögel, aves cohortales, vernaculae, villares ebenda; das tier ist ganz zam, bestia haec ad
mansuetudinem domita est ebenda; zahme gänse, anseres cicures STEINBACH 2, 1068; ein zahmer
hirsch, cervus domitus ebenda; vor begierde bey ihnen zu seyn, habe ich ... mir einen luftwagen ersonnen,
zu dessen wirklichkeit mir weiter nichts als ein halbes dutzend zahmer adler fehlen GLEIM briefw. 1, 217
Körte; die rasende fröhlichkeit, mit der diese unsinnigen ... ihre mit zahmen schlangen umwundenen
thyrsos schüttelten WIELAND 1, 7; sie hatten nebst diesen noch zahme hirsche SCHMIDT gesch. d.
Deutschen 1, 356; herr v. Bünau ... im letzten kriege freiwilliger zu rosz, dem die genaue kenntnisz der
nutzbaren zahmen thiere sehr angelegen zu seyn scheint GÖTHE IV 28, 31; die Samierinn ... liebt nichts
so sehr, als zahme singvögel A. G. MEISSNER Alcib. 1, 122; die zahmen thiere, welche wir in Europa
haben, sind gleichfalls auf Madera anzutreffen FORSTER 1, 45; als mir das unglück begegnete, dasz ich
drey zahme türkische gänse schosz KOTZEBUE dram. w. 2, 40 (menschenh. u. r. 2, 6); bei uns drauszen,
da haben wir gar viel zahmes vieh BECK kamäleon 64; Klelie kam jetzt mit ihrem zahmen marder herein
ARNIM 9, 156; das zahme rösslein ward gesattelt ARNDT 1, 15; später wurde besonders zahmes vieh
gegenstand der plünderung HEGEL 9, 235; als ich ... aus der hütte trat, sprang mir das zahme reh, dessen
ich früher gedachte, entgegen E. TH. A. HOFFMANN 6, 52; bald spielen sie mit zahmen rehen 7, 236; der
zahme schwan, der auf den namen Blanche hörte, plätscherte auf dem see daher 10, 146; diese wilden
ochsen werden ... gezähmt, und damit die zahmen kühe belegt RITTER erdkunde 2, 179; dort (im
lustgarten) hatten sich in den laubgängen und künstlich verschlungenen wegen die hochzeitsgäste
ergangen, oder an den zahmen hirschen und rehen im gehege ... sich ergötzt HAUFF 1, 295; da fuhr ein
zahmer storch, der dort übernachtet, mit seinem langen schnabel unter den flügeln hervor
EICHENDORFF 3, 300; dann begannen die gymnischen spiele der jugend (wilder ziegen), welchen nur in
dem niedern zustande gemeiner zahmer ziegen die herabwürdigende bezeichnung von bocksprüngen
zukommen kann IMMERMANN 2, 72; sie besasz einen zahmen papagei 5, 107; nur aus eigner kunde
konnte er (Pytheas) erzählen von dem norden, arm an zahmen thierarten und gewächsen, wo man hirse
iszt und wilde kräuter DAHLMANN gesch. v. Dänemark 1, 5; die bedeutung eines edlen thiers liegt in
seiner selbstständigkeit, seiner kraft ...; das ist es ..., was wir auch an dem zahmen thiere in seinem
verhältnisz zum menschen ... entdecken HOLTEI erzähl. schr. 2, 58; an seiner hand durfte sie ...

Bd. 31, Sp. 96

bis an's pfarrhaus gehen und dort mit seinen zahmen kaninchen spielen 6, 98; ein zahmes reh erschien
neugierig unter der thür KELLER 1, 179; solche reiterzüge pflegten zuweilen einen zahmen hirsch zu
verfolgen, der abgerichtet war, vor jägern und hunden her zu fliehen und sich zuletzt einfangen zu lassen
6, 161; P. Salvatore, beständig von zahmen canarienvögeln umflogen JUSTI Winckelmann 2, 1 101; das
gute wesen (eine kröte) ist fast zahm und friszt beinahe aus der hand SEIDEL Leberecht Hühnchen 246;

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in eines malers werkstatt kam


ein wolff gegangen, der war zam,
und wie ein mensch, mit seinem mund
gewehnt war, das er reden kund
ALBERUS fab. 58 (nr. 13, 2) neudr.;

löw' und tiger gehn in zahmer heerde


HERDER 12, 301;

diese gelben zahmen dinger (kanarienvögel)


seh ich dich im käfig füttern
HEINE 2, 26.

zu zahm: welches pferd reitet mein sohn? ... den falben, die andern sind ihm zu zahm IFFLAND 5, 28.
gesteigert: dort gingen zahmere thiere, stiere mit schweren nacken, rinder und schafe; sie lieszen die fette
weide, kamen zu Adam herab MALER MÜLLER 1, 20; wissen sie nicht, dasz der zahmste löwe, wenn er
blut sieht, wieder seine alte, grimmige löwennatur zeigt? BEER 734.

β) ein thier zahm machen, domare, mansuefacere FRISCH 2, 463b, ADELUNG, zam machen,
mansuefacere, cicurare, domare DASYPODIUS, feritatem detrahere STIELER 2594: so werden sie
(schlangen) so baldt unschedlich und zam gemacht NIGRINUS von zäuberern 112; einen leuen zahm
machen, leonem mansuefacere STEINBACH 2, 1068; kein Orpheus macht hier tieger und löwen zahm
HERDER 12, 27; in Asien hatte sich ein betrüger, Alexander mit namen, hervorgethan, der durch seine
ränke, und eine zahm gemachte schlange, die er bey sich führte, ganz Klein Asien so sehr betäubte, dasz
er durchgehends für einen propheten und wundermann ... gehalten wurde SCHMIDT gesch. d. Deutschen
1, 96; auf diesen bäumen hielten sich allerley tauben, vornehmlich jene art, welche auf den
freundschaftlichen eilanden häufig gefangen und zahm gemacht zu werden pflegt FORSTER 2, 227; nun
denk ich, ob man eine biene nicht könne zahm machen auch wie eine katze BETTINA frühlingskranz 222;
dergleichen auch die spatzen und andere vögel herbeygezogen und zahm gemacht, dasz sie den bohnen
viel abbruch gethan und ich jedoch nicht mehr in die bohnenstauden schieszen können, von wegen der
kleinen insasz KELLER 1, 53;

das man macht zam eyn yedes thier


wie hert, wie wild, wie grymm das ist
BRANT narrensch. s. 22, 32;

ein gedicht von fligend drachen


welche Medea zam kont machen
FISCHART glückh. schiff 5, 74 neudr.;

so schreibt sie oft auf täfelein.


und heftet sie dann an die geweihe
der hirsche, die sie zahm gemacht
BRENTANO 2, 141.

in bildern: die frage für die königin (Elisabeth) sei, ob sie den löwen (Philipp II. von Spanien) zahm zu
machen hoffe, oder ob sie ihn binden wolle RANKE 14, 291;

jetz will (ich, der Papst) selbs bsehen ihren ort


mag mir die bestien (Germania) frey werden
ich schlepp sie fort auff unser erden
beschliesz sie in und machs wol zam

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GENGENBACH 312;

drum müh'n sie (die autoren) sich,


die bösen drachen
durch manchen brief
und autorkniff
recht zahm zu machen
BLUMAUER gedichte 77;

denn so hat sie (Lili) aus des waldes nacht


einen bären, ungeleckt und ungezogen,
unter ihren beschlusz herein betrogen,
unter die zahme compagnie gebracht,
und mit den andern zahm gemacht (den dichter)
GÖTHE 2, 88, 40.

mit unpersönlichem subject:

es dienet der vernunft jedwede creatur ...


sie macht den leuen zahm, und scherzt mit crocodilen
WEICHMANN poesie d. Nieders. 1, 114;

Bd. 31, Sp. 97

aber nichts vermocht' er (der greif), wüthig


machte ihn die löwin zahm
TIECK 8, 117;

sprichwörtlich: hunger, sagt man, macht zahm. das mag wohl eine bemerkung aus irgend einer menagerie
seyn: aber auf meine unterthanen scheint sie nicht zu passen KRETSCHMANN 5, 88. vgl. unten b, β. mit
dativ der person: erstlich muszte ich ihm einen weiszen beern zahm machen, welches mich sehr hart
ankommen STRANITZKY reysz-beschreibung 8, 5 neudr.

γ) zahm werden, mansuefieri FRISCH 2, 463b, adsuescere ad homines STEINBACH 2, 1068, zam
werden, mansuescere DASYPODIUS, STIELER 2594: welche ... schlangen und ottern zwingen, ... dasz sie
jhr gifft von sich legen und zaam werden NIGRINUS von zäuberern 551; es (das vögelchen) wurde bald
zahm, flog ihm auf den ausgestreckten zeigefinger CH. V. SCHMID 1, 20;

der rinder schar, der schaffe grosze herden,


der püsche vieh, das nimmer zahm wil werden
OPITZ bei FISCHER-TÜMPEL evang. kirchenlied 1, 245;

die panther wurden zahm,


wenn ihres gleichen nur für ihr gesichte kam
HOFFMANNSWALDAU u. a. auserles. ged. 1, 244.

mit dativ der person: dein vogel ist mir eben so zahm geworden BETTINE die Günderode 1, 111; ähnlich
mhd.:

er vant dâ wilder rosse vil,


diu wurden sîner hende zam
KONRAD V. WÜRZBURG Troj. 6241.

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δ) zahm und wild in solcher anwendung einander gegenübergestellt: aper ze latein haiჳt ze däutsch eber,
und ist zwairlai, wilder und zamer MEGENBERG 121, 9; capra haiჳt ain gaiჳ und ist zwairlai, zam und
wild 127, 24; wenne ain zameu katz wild well werden, so sneid ir diu oren ab, sô vallent ir die
regentropfen in daჳ haupt und mag niht ze wald beleiben, dar umb wirt si wider zam 152, 1; alle deerte
beyde wilde unde tham quelle bei SCHILLER-LÜBBEN 4, 509a; denn er (gott) hat mir gegeben gewisse
erkentnis alles dinges, das ich weis, ... wie die stern stehen, die art der zamen und wilden thiere weish. Sal.
7, 20; wie man eyn wild bösze thier mit ketten und banden fasset, ... des doch eyn zam korre thier nicht
bedarff LUTHER 11, 251, 10 Weim.; got gibt ... thiere, zam und wild, zur speise der menschen
AGRICOLA sprichw. A VIIb; dasz viel tausend menschen (des zahmen und wilden viehes ... zu
geschweigen) ... jämmerlich ersoffen RIST Parn. 612; grosze potentaten und herren ... zahmem und
wildem gefieder vielmahls groszen abbruch thun AITINGER jagd- u. weidbüchl. A Ib; andere thier stellen
sich biszweilen wild, diese affen aber seyn gantz zahm mediz. maulaffe 977; die wunderbare vorsorge des
allerweisesten werck-meisters (gottes), welcher diesen wilden thieren vor denen zahmen (als bey welchen
man es nicht findet) eine solche verwahrung ihres leibes mitgetheilet, vermittelst welcher sie sich
winters-zeit conserviren können GÖCHHAUSEN notabilia venat. 125; kräftiger aber sprechen ... für die
einheit des menschengeschlechts die vielen mittelstufen der hautfarbe und des schädelbaues, ... die
analogie der abartung in anderen wilden und zahmen thierclassen HUMBOLDT kosm. 1, 379; er wuszte,
dasz der oberste chef aller justizcollegien ... sich in studien über die temperamente, instincte und
angewöhnungen wilder und zahmer bestien einen namen erworben hatte GUTZKOW ritter vom geiste 1,
129;

als under zamen schâfen


ein wilder wolf grisgrammet
KONRAD V. WÜRZBURG Troj. 12 618;

manch fruchtbar baum auch uber das


bschuff ich auf erden zu einr zyr,
allerley wild und zame thier
unnd auch die vögel in dem lufft
H. SACHS 1, 20, 13 Keller

all specerey und die wein-reben


hat gott so überflüssig geben,
der-gleichen auch allerley thier,
wild und zam
178, 16;

also ward in ein zahmes lamb


ein wilder wolff verkehret
RINGWALT ev. H 2a;

die hüner wildt und zam vermehren


sich dergleichen
christl. warn. M 7b;

Bd. 31, Sp. 98

die gänse sind nicht einerley ...


ein theil sind wild, ein theil sind zahm
W. SPANGENBERG ausgew. dichtgen. 118 (ganskönig 6), 179 Martin;

das wild' und zame vieh mag nicht dem tod' entspringen

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OPITZ teutsche poemata 64, 57 neudr.;

wer nähret wild und zahmes vieh ...?


SPEE trutzn. 106, 45 Balke;

drumb lobet ihn (gott), du zahmes vieh,


du wilde zucht beineben
120, 217;

löw' und wolf und tiger,


wild und zahmes vieh
SCHUBART ged. 2, 335.

vgl. auch:

zuvor in seinen sold er nahm


'ne hunderasse, die sonst zahm,
jetzt aber völlig war verwildet,
recht zu bluthunden ausgebildet
RÜCKERT 1, 111.

aber das wild kann auch zahm genannt werden, wenn es zutraulich ist: allda wǎren geblümt wisen und
matten und bechhe yetz fliessend von milch und danne von win ... zam wild gebrett allenthalben in den
wälden lychter gefechnüsz NICLAS VON WYLE 234, 21; daher war das wild in seinem park auf eine
merkwürdige weise zahm STEFFENS was ich erlebte 6, 230.

ε) mit sinnverwandten wörtern verbunden: de elevant is gar eyn geduldich dere unde wert heymeliker
unde tammer dan keyn ander dere quelle bei SCHILLER-LÜBBEN 4, 509a; ein zam korre thier LUTHER
11, 251, 10 Weim. (die stelle s. oben unter δ); doch wenn er (der affe) heimisch und zahm gemacht
worden, so erkennt er seinen herrn, ob derselbige gleich über lange jahr wiederumb zu jhm kompt
GESNER-FORER thierb. (1669) 5a; wie groses gefallen die natur oder vil mehr gott jr schöpffer an der
hauszhaltung trage, sihet man daran, das er ... sonderes zames, geheimes und häuszliches viech hat
gegeben FISCHART ehz. 252, 17 Hauffen; ich gesteh es, das mich keine curiosität so sehr afficirt, als
wenn ich solche thiere zahm und gewohnet sehe WEISE erzn. 167 neudr.; als die hunde nahrung
empfingen, fügten sie ihr nicht das geringste leid zu, sondern wurden ganz vertraulich und zahm BÜRGER
267;

die dohl wird zahm und heimisch gmacht


und laszt von wilder art
d. kn. wunderh. 4, 279 Erk (17. jh.).

ζ) näher bestimmt durch so und einen satz mit dasz: wie wol es (ein thier) von natur etwas wild, wirt es
dennocht so zam, dasz es dem menschen in den bůsen ... laufft GESNER-FORER thierb. (1563) 13; mit
der löwin (welche so zahm ward, dasz sie niemandt kein leyd thet) buch d. l. 7a; ein gefangener machte
einst in seinem einsamen kerker eine spinne so zahm, dasz sie seine stimme kannte, und allemal kam,
wenn er sie lockte und etwas für sie hatte HEBEL 2, 66, 28; sie (waldvögel) waren so zahm, dasz sie
kaum platz machten vor den füszen der pilgerinnen und sich der reihe nach auf das geländer und das
fenster setzten KELLER 5, 161. mit einem vergleich:

hier faulet Mimulus, ein affe.


und leider! leider! welch ein affe!
so zahm als in der welt kein affe
LESSING 1, 15, 56.

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η) in vergleichen: he (der drache) volgede der juncvrouwen also en tham hunt quelle bei SCHILLER-
LÜBBEN 4, 509a; als Roms bischöffe ... fürsten und könige an ihrem seile führten wie zahmes vieh
ZIMMERMANN über d. einsamk. 1, 131; männer such ich, die dem tod ins gesicht sehen, und die gefahr
wie eine zahme schlange um sich spielen lassen SCHILLER 2, 120 (räuber sch. 3, 2); wie ein zahmer affe
sollst du zum geheul der verdammten tanzen 3, 452 (kab. 4, 3); da that es uns so wohl, dasz ... der schöne
frühling uns so stillhielt, wie ein zahmer vogel HÖLDERLIN 2, 144, 15.

der stund vor im als ein zam hund


MAXIMILIAN Teuerd. 39, 46;

es gieng und kam wie täubchen zahm


ARNDT werke 3, 299.

θ) in bildern: ein königscher, ein unterthan, ist ein zahmes thier, das aus der hand friszt HIPPEL lebensl.
2, 171;

Bd. 31, Sp. 99

o du armseligs römischs reich,


wem wirst du doch zletzt werden gleich?
o edler adler, wie so zahm?
schwing dich in dhöh, bis nit so lahm
OPEL-COHN 30 j. kr. 51, 3.

vgl. auch oben β.

ι) zahme bienen, 'welche von menschen gepfleget und gewartet werden, im gegensatze der wilden'
ADELUNG: wir wollen die ersten zame, und diese andere wilde bienen nennen FISCHART binenk. 262b.

κ) zahme fische, 'welche in teichen gepfleget werden, zum unterschiede von den wilden, daher zahme
fischerey' ADELUNG: je nachdem die fischerei die occupation der in natürlichen gewässern in freiheit
sich aufhaltenden wassertiere bezweckt, oder jene in künstlich gebildeten ... gewässern, ... unterscheidet
man: wilde oder natürliche und zahme oder künstliche fischerei SCHWAPPACH forstpolitik, jagd- u.
fischereipol. 332.

λ) zahmes fleisch, fleisch von zahmen thieren: dasz ist czahm fleisch, dasz bringt seinem vatter Jacob czu
essen, Esau bringt wild fleisch LUTHER 9, 397, 31 Weim.; auch nd. so tamm fleesch DÄHNERT 484a.
vgl. die folgende mhd. stelle, wo aber wie sicher in andern unter i, β angeführten stellen
substantivischer gebrauch vorliegen kann:

nu het der wirt daჳ gebotn,


daჳ was gebrâten und gesotn
vil niwer spîse reine,
vische und vleisch gemeine,
beidiu daჳ wilde und ouch daჳ zam
WOLFRAM Willeh. 133, 15

und zur entwicklung des gebrauchs: und ich schätze, ... dasz sie obengedachte zahme schnabelweid
(schweine, hämmel u. dgl.) und das kleine viehe (hühner, gänse, enten) entweder in oder um die dörfer
hinweg gefüchselt oder hin und wieder von den heerden hinweg gewölfelt haben Simpl. 2, 43, 1 Keller.
scherzhaft:

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die jägrin sprach: 'herr bräutigam,


solch wildpret (ein gebratener kater) ist mir gar zu zahm,
es widerstrebt mir dies geschlecht,
ich bleib mamsell und esz was recht'
d. kn. wunderhorn 1, 102 Erk.

b) auf personen bezogen, gesittet, friedsam, folgsam ADELUNG, CAMPE, maszvoll an sich haltend,
gleichfalls schon seit alter zeit bezeugt, gelegentlich mit tadelndem beisinn.

α) in allgemeiner anwendung: docebit mansuetos vias suas. er lêret die zámen sîne uuéga. die sîn ioh
tragen uuellen NOTKER ps. 24, 9; ich rede nicht von zahmen officieren, die niemahls einen tropffen blut
von ihrem feinde gesehen haben WEISE kl. leute 305; ich will es also nur gegen seine währmänner erinert
haben, und herr Klotz hat sich von dem tadel mehr nicht anzunehmen, als davon auf rechnung des zahmen
nachschreibers fallen kann LESSING 10, 400; und werden sehr zahme mitglieder der bürgerlichen
gesellschaft BODE Thom. Jones 4, 434; ach, die zahmen menschen, ich verstehe ihren geist nicht
BETTINE tageb. 31; wir sind ... in früheren jahrhunderten nicht so zahm gewesen ARNDT werke 1, 165;
der meister Bacci war im grunde genommen ein gar zahmes menschenkind GAUDY 2, 104; ist ihm sein
Ruy Blas doch eine gar so zahme haut, dasz derselbe sechs monate lang auf den betrieb der königin immer
höher steigt und noch nicht einmal gewagt hat, ihr dafür in's gesicht zu sehen! GUTZKOW 11, 359; ich
war lange genug zahm, aber es kommt nichts heraus dabei BAUERNFELD 5, 257; doch wuszte er nichts
anderes, als dasz Marti seinem vater schaden zugefügt und dasz man in dessen hause ebenso feindlich
gesinnt sei und es fiel ihm daher nicht schwer, weder den Marti noch seine tochter anzusehen und
seinerseits auch einen angehenden, doch ziemlich zahmen feind vorzustellen KELLER 4, 93;

hern ůnt fụrsten han


sich ym (gott) zůgetạn,
dàs gerechnet -- ein
si auch mugen sein
ain volk gottes zâm,
dæm dînt' Abraham
MELISSUS ps. 182, 10 neudr.;

der wilde Parth' ist zahm


LOHENSTEIN Agripp. 2, 30;

die frauen, die man erst erschreckt,


sind liebenswürdig zahm
GÖTHE 1, 135 Weim.;

Bd. 31, Sp. 100

mit dieser welt ist's keiner wege richtig;


vergebens bist du brav, vergebens tüchtig,
sie will uns zahm, sie will sogar uns nichtig!
3, 233;

ihr guten dichter ihr,


seid nur in zeiten zahm!
3, 258;

mir ist's unmöglich,


wenn feinde höhnisch jauchzen, zahm zu sein
9, 173, 45;

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Valentin fällt (im zweikampf) o weh!


Mephistopheles. nun ist der lümmel zahm!
14, 188;

er thut,
als bräch' er los; er tobt, als wollt' er folgen,
kommt aber nicht! o geht mir, zahmer mensch!
Shakespeare sommernachtstr. 3, 2;

sei zahm, das rath' ich dir, stecks messer weg


TIECK 2, 193.

zu zahm: ist auch unser candidat für diesen posten vielleicht ein wenig zu zahm, so finden sich die
erforderlichen qualitäten nach und nach GÖTHE 422, 29, 28. gesteigert: das volk hier in den bergen ist
nicht eben zahmer als das thracische (von dem Orpheus zerrissen wurde) FOUQUÉ altsächs. bilders. 2,
665.

β) zahm machen, mitem reddere et mansuetum aliquem FRISCH 2, 463b, zam machen, barbariem
comprimere STIELER 2594, auch schon so mhd. (die heiden zam machen quelle bei LEXER mhd. hdwb.
3, 1025): disen handel hat er (der papst) so lang und so beharrlich getriben, bis er sie (die kaiser) zum
letzten zam gemacht, und den eid, on alle widerrede, zů bewilligen gedemütiget hat SLEIDANUS reden
190; macht dise wilde leute zam MOSCHEROSCH Phil. 2, 790; wenn der heulende genius, der dich
ehemals regierte, um sie geschwebt wäre, hättest du sie zahm machen können, und noch eine bessere
beute an ihr gemacht, als alles dein gold in den galanteriebuden zu Paris nicht erkaufen kann LAROCHE
frl. v. Sternheim 2, 202; sie wird ihn schon zahm machen MALER MÜLLER 1, 320; wenn sie mir liebkost
weis ich voraus, sie will mich zahm machen GÖTHE 39, 154, 13; aber der falkenier that's nicht, um den
fürsten auf tauben und hasen zu werfen, sondern um ihn immer wach und zahm zugleich zu machen J.
PAUL 71, 10, 41; wir wollen sie (eine frau) zahm machen HOLTEI erz. schr. 14, 52; einen zahm machen,
durch strafe kleinlaut machen MARTIN-LIENHART els. wb. 2, 903b;

den ich mir zum kriegsmann stählte,


der die feinde machte zahm
RÜCKERT 1, 168;

die freier standen ganz von ferne


in blanken röcken lobesam.
'frau mutter, ach, so sprecht ein wörtchen
und macht das liebe kindchen zahm!'
STORM 8, 291.

mit unpersönlichem subject: die zeit macht ihn zahm, longior dies eum mitigat STEINBACH 2, 1068;

ir (der geliebten) weiplich scham


die macht mich zam
HÄTZLERIN 100;

die gfencknisz hat in zam gemacht


trag. Joh. (1549) M 2;

verstand und witz macht völker zam


GOTTSCHED ged. 303.

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mit instrumentalem zusatz: das wären also einige proben, wie man einen gewinnsüchtigen richter mit
gelde zahm machen soll RABENER 4, 83; dies verdrosz den guten mann so sehr, dasz er mich mit der
ruthe zahm machen wollte BRÄKER schr. 1, 7. gesteigert: troll immer nur trotzig hin; ich will dich schon
zahmer machen KLINGER werke 2, 40. -- einen zahm kriegen, nd. enen tamm kriegen, bändigen, sei es
durch gelinde oder durch scharfe mittel brem. wb. 5, 16: den wollen wir bald zahm kriegen
IMMERMANN 2, 128.

γ) zahm werden, auch von personen: sind sie doch mit der zyt so zahm worden und gewon des
evangelischen saltzes ZWINGLI v. freiheit d. sp. 3 neudr.; (im bilde:) sie müssen auch trübsal haben und
quall, das der alte Adam zam werde LUTHER 103, 405, 30; mich gewinnen lassen, damit ich zahm werde
STEPHANIE lustsp. 121, 2; nun ist er zahm geworden, wie alle die halbmenschen, wenn sie an die
auflösung denken GÖTHE 21, 318, 3; wollten diese nicht zahm werden, so muszte ihr eignes verhängnisz
sie züchtigen BETTINA d. buch gehört d. könig

Bd. 31, Sp. 101

2, 377; als sie die gold'nen füchse sah, da ward sie zahm BAUERNFELD 1, 176; he sall woll tamm
waren, er soll sich schon zum ziele legen DÄHNERT 484a; (im bilde:)

sage mir nun, (stadt) Amsterdam:


wirst du werden jetzo zahm,
da wir Amstelveen genommen,
und dir vor die thore kommen?
DITFURTH 100 volkslieder d. preusz. heeres 62.

gesteigert: je übler man ihnen begegnet, je zahmer werden sie F. L. SCHRÖDER dram. w. 4, 42.

δ) in gegensatz zu wild gestellt: sollen die menschen nicht zahmer als wilde thiere seyn? LOHENSTEIN
Arm. 1, 77a; es müsten ... zweyerley menschen in der welt seyn, so nicht einerley geschlechts von Adam
her, sondern wilde und zahme wären Simpl. 42 Kögel; ich habe mädchen mehr vor mir gehabt, die wild
gegen mich gethan; aber sie sind bald zahm geworden GELLERT 3, 304; Güldenstern: bester herr, bringt
einige ordnung in eure reden und springt nicht so wild von meinem auftrage ab. Hamlet: ich bin zahm,
herr (I am tame, sir), sprecht Shakespeare Haml. 3, 2; im bilde:

das wildbad ist ein wilder man,


ja freilich wild und selten zam
MURNER badenf. 35, XXXII 15.

neben andern gegensätzlichen wörtern: die alte hatte den rohen menschen nach und nach zahm gemacht
GÖTHE 23, 111, 2;

an manchem ort ich gschriben findt,


wie das die heiligen richig (zur rache geneigt) sindt,
das mich des dick ein wunder nam,
das ir sindt jetzundt also zam
MURNER narrenbeschw. 118, 8 neudr.

ε) mit sinnverwandten ausdrücken verbunden: sie gedachte auch durch diese practick Theagenem zam
und gehorsam zu machen buch d. liebe 216d; aus wilden und grausamen leuten zahme und sanftmüthige
machen, ex feris et immanibus mites reddere et mansuetos homines STEINBACH 2, 1068; aber sie waren
zu klug, ... den tyrannen, eh ihn Plato vollkommen zahm und bildsam gemacht haben würde, durch eine
unzeitige entdeckung ihrer absichten in seine natürliche wildheit wieder hineinzuschrecken WIELAND
Agathon 2, 121; er war ganz zahm und heimisch und nach art der Alpenbewohner zutraulich plauderisch

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geworden ARNDT 1, 149; die expedition ... hatte den zweck, die barbarischen stämme botmäszig oder
doch zahm zu machen MOMMSEN röm. gesch.4 3, 38; die buddhistische religion hat die wilden und
rohen nomadenhorden zahm und harmlos gemacht, freilich auch an zahl sehr vermindert DÖLLINGER
akad. vortr. 1, 8; (herr v. Kriebow:) würdevoller, aber auch abgeschliffener und zahmer, nichts von
kecker frische POLENZ Grabenhäger 1, 218;

wenn ich dann morndes wider kam,


so was ich demütig und zam
MANUEL weinsp. v. 3098 neudr.;

(wir) werden wol zam und demütig,


wenn hand von uns abzeucht der gütig (gott)
H. SACHS 18, 499, 6 Keller-Götze;

als das volck dis an-nam,


wurd es sitsam und zam
22, 211, 13;

der schmerbauch mit der kahlen platte!


das unglück macht ihn zahm und mild
GÖTHE 14, 102 Weim.;

denn sie (missionare) wollen euch (wilde) bekehren,


zahm, gesittet machen, klug!
FREILIGRATH 1, 147.

ζ) näher bestimmt durch so und einen satz mit dasz: da ward nun der sonst trotzige fürst so demütig und
zahm, dasz er sich wie ein lamb handeln lies BUCHOLTZ Herkulisk. u. Herkulad. 190; er ist so zam
worden, dasz man ihn um einen finger wickeln kann EISELEIN 554. vgl.:

also (auf diese weise) macht er die pauren zam,


das (so dasz) sie im waren gehorsam
und hetten in do alle holt.
sie thetten alles, das er wolt
pfarrer v. Kalenberg 95, 1971 neudr.

mit vergleichen, besonders zahm als, wie ein lamm, schaf: wenn er zum hefftigsten zürnet: so mach ich jn
so zam, als ein schäflein BOLTZ Terenz deutsch 97b; eine neue mode aus Hamburg konnte diese spröde
so zahm machen, als ein lamm RABENER 2, 54; eine freundliche miene

Bd. 31, Sp. 102

macht ihn so zahm wie ein lamm ADELUNG; dieser konnte sie bald zur ruhe bringen, er hiess sie nur
Lore, dann hiess sie ihn Faramund und war so zahm, wie ein lämmchen STILLING 1, 149;

ihr fraget dem charakter nach,


den ich am liebsten spiele? ...
ein junges bauernmädchen,
voll unschuld und natürlichkeit,
und wie ein lämmchen zahm
GÖTHE im Goethe-jahrbuch 26, 11.

anders: nachdem er (ein von einer wölfin gesäugter knabe) nun reden lernen, zahm worden, wie andere
kinder PRÄTORIUS anthropodem. pluton. 2, 282; sie wurde zahm wie ein täubchen BRÄKER 1, 76;

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ich bin so zahm nicht, als ihr glaubt


FREILIGRATH 5, 187.

η) mit dat. der person:

wer sagts, geehrter man, itzt neuer himmelsbürger,


dasz euch sei leid geschehn, indem der wilde würger (der tod),
den (so alle ausgaben, der hrsg. setzt ohne noth dem) euch (dat.) gott zahm hiesz sein, sich auch an euch
gemacht
und durch sein scharfes recht, wie alles, umgebracht?
FLEMING 1, 50 Lappenberg;

nebenbei ist er auch frech geschwätzig und trotzigen blickes,


wild und der mutter selbst, der geliebten, nicht zahm
ARNDT werke 6, 31.

vgl. auch: die grausamen Komücken, das ungemenschte volck, sahn wir vor dir sich bücken, das wilde
war dir zahm TREUER deutscher Dädalus 1, 427. mit durch und acc. zur bezeichnung des mittels:

durch seine lehren zahm, begriff der klügre hirt,


wie schön der aufenthalt auf freyen feldern wird
DUSCH verm. w. 309.

θ) natürlich auch, wie schon einige der bisher angeführten belege zeigen, in beziehung auf persönlich
gedachtes: wir haben die zeitungspresse ... das ureigenste kind des modernen bürgerthums genannt, aber
das bürgerthum ist ein gar zahmes, friedliches und civilisiertes geschöpfchen KÜRNBERGER lit.
herzenssachen 10;

weiland muste man um ehre wachen, bluten, schwitzen, schnauffen;


nunmehr ist sie zahmer worden, lesset sich um müntze kauffen
LOGAU 542, 76.

hierher oder unter a, θ gehört die folgende stelle: lebe nur noch! mein degen ist zahm gegen deines
gleichen KLINGER theater 3, 252.

c) vom menschlichen innern, menschlichen eigenschaften und äuszerungen in gleicher art, hier in
neuerer zeit besonders mit tadelndem beisinn, mangel an wünschenswerther kraft bezeichnend.

α) schon mhd. im unmittelbaren anschlusz an a:

sint mir die sinne im herzen zam,


so wil ich dir bescheiden von des sêwes tam
HAGEN minnes. 2, 9b;

geist der gnaden, sey mein trost; ...


die begierden mache zahm,
deinen willen zu erfüllen
SCHMOLCKE 1, 8;

ihre zahmen laster,


beherrscht vom zaume, dienen meinen zwecken
SCHILLER don Karlos 2817;

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o zahme, schimpfliche, verhaszte demuth!


Shakespeare Rom. u. J. 2, 1;

nennt es nicht liebe! denn in eurem alter


ist der tumult im blute zahm; es schleicht
und wartet auf das urtheil
Haml. 3, 4;

mancher sähe ..., dasz er in zahmer unterwürfigkeit allenthalben mitläuft, alles mitglaubt und alles
mitmacht ZIMMERMANN über d. einsamkeit 3, 159; Molly hatte zu viel herzhaftigkeit, um eine solche
begegnung in zahmer geduld zu ertragen BODE Thom. Jones 2, 82; und das will doch bei der so zahmen,
durchsichtigen französischen sprache viel sagen PEUCER an BÖTTIGER Göthe-jahrb. 1, 351; es giebt
griechische fehler, vor denen die modernen dichter sehr sicher sind. eine zahme kraft durch den
gewaltsamsten zwang in guter zucht und ordnung halten, ist eben kein groszes kunststück FR. SCHLEGEL
jugendschr. 1, 155, 20 Minor; das gesetz des ... Scaurus ... war für lange zeit der einzige sehr zahme
versuch der ... regierung ihren pöbeltyrannen wieder zu bändigen MOMMSEN röm. gesch. 2, 199; in allen
diesen heimathlosen,

Bd. 31, Sp. 103

in Pufendorf und Thomasius, in Lessing und Fichte, erhebt sich der freie geist, der so lange mit der
zahmen sitte seiner umgebung gerungen, zu schroffem stolze TREITSCHKE hist. u. polit. aufs. 1, 121.
gesteigert: ist kaum ein politisch zahmeres lustspiel zu denken MOMMSEN röm. gesch. 1, 873.

β) in gegensatz gestellt zu wild und ähnlichen wörtern:

dô man den tisch hin dan genam,


dar nâch wart wilder muot vil zam
WOLFRAM Parz. 170, 8;

den wilden gram macht die gewohnheit zahm


Shakespeare Rich. III 4, 4;

mit gesang machst du die grillen


und die wilden sorgen zahm
HOFFMANN V. FALLERSLEBEN 1, 347;

o gnade, wie zahm kannst du die trotzigsten seelen machen! SCHUBART leb. u. gesinnungen 2, 211; bei
jedem einzelnen menschen ist eine grundkraft zur thätigkeit, die sich besonders in der jugend wild,
unbändig und löwenartig äuszert; nach und nach wird sie milder, zahmer, und fängt nun im jünglingsalter
an, nach zwecken zu wirken und nützlich zu werden STILLING 3, 108; bedenkt man, dasz die überschrift:
zahme xenien eine contradictio in adjecto im eigentlichen sinne enthält, so läszt es sich vermuthen, dasz
hie und da etwas von der alten wilden natur hervorblicken werde GÖTHE IV 33, 216, 4; vgl. zu dieser
stelle:

laszt zahme xenien immer walten,


der dichter nimmer gebückt ist.
ihr lieszt verrückten Werther schalten,
so lernt nun wie das alter verrückt ist
I 3, 286, 810.

auch sonst wohl mit contradictio in adiecto: zahme tollheit dennoch, wie deine PÜCKLER briefw. u.
tageb. 1, 110; ich habe vor jahr und tag von dieser selben stelle aus meine überzeugung ausgesprochen,
dasz die union an sich nicht lebensfähig sei, dasz sie mir stets erschienen als ein zwitterhaftes product

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furchtsamer herrschaft und zahmer revolution BISMARCK polit. reden 1, 274. vgl. weiter: ich will ebenso
leicht mit einer messerspitze voll arsenik den ocean vergiften, als ich mit all' meiner narrheit im stande bin,
dem zahmen wesen meiner frau einen beigeschmack von tollheit zu geben BAUERNFELD 4, 29.

γ) mit sinnverwandten ausdrücken verbunden: seine (des Corn. Scipio) reden waren zam, messig und
vernünftig, seine wort nit zů rauch oder zů lind CARBACH Liv. 151a; weil das gemütte solcher
(ungebildeten) leute ... solche künste hasset, wodurch die sitten zahm und sittsam werden BUTSCHKY
Pathm. 95; denn ich bin verzweifelt weichherzig und von zahmer, barmherziger natur BODE Montaigne
1, 3; diese schreckliche vermuthung, die ursprünglich ihrem zahmen und frühe durch klosterzucht
geregelten gemüthe ferne lag C. F. MEYER Jenatsch 183;

ach, liebender glauben ist willig und zahm!


BÜRGER 2, 31.

d) allgemeiner von menschlichen verhältnissen und zuständen: sie gaben die wilde und unsichere freiheit
auf, damit sie die zahme und sichre freiheit besitzen könnten ARNDT schr. f. u. an s. l. Deutschen 2, 124;
inhalt und zuschnitt des gedichtes muszten den zahmen bedürfnissen jener zeitschrift entsprechen HEINE
2, 351; darum zogen viele von ihnen der zahmen dienstbarkeit ein wildes räuberleben in den wagrischen
wäldern vor DAHLMANN dän. gesch. 1, 445; in schon sehr zahmer zeit lebte Mirabeau' s groszvater
gesch. d. franz. revol. 169;

in dieser zahmen zeit, von pflichten und von rechten


umzäunt, wo überall für dich gesetze fechten,
entbehrst du manch' gefühl, um das du einen wilden
im urwald neiden magst und wilder thiere gilden
RÜCKERT 2, 58.

gesteigert: dasz die deutsche renaissance zwar etwas zahmer werden sollte JUSTI Winckelm. 1, 163.

e) von pflanzen, die gebaut werden ADELUNG, die durch anbau veredelt sind CAMPE, culturpflanzen:
haut (hat) aber einer ein zamen oder heimschen poum, da soll im niemants darunder goun (gehn), als es
von im selbs pillich ist weisth. 5, 232 (gegend v. Pforzheim, 1485); dweil die zwo letsten nepten den
müntzen sich vast vergleichen,

Bd. 31, Sp. 104

wöllen wir nun die selbigen auch ordentlich unterscheyden, und sagen, also das der müntzen seindt drei
zamer geschlecht BOCK kräuterb. (1556) 7b; der grosze zahme olivenbaum NEUMARK neuspr. t. palmb.
270; fruchtbarer, zahmer, gezweigter baum, albero fruttifero, franco, domestico KRAMER teutsch-ital.
dict. 1 (1700), 64c; er (der nuszbaum) gehörete unter die zahmen bäume in den gärten DÖBEL jäger-
pract. 4, 32; zahme hölzer ADELUNG; zahme bäume, 'die naturalisiert sind, aber doch noch aus dem
samen gezogen werden müssen' JACOBSSON 8, 234b; um sieben uhr sind schon viele garderobejungfern
im schlosse und der zahme salat in meinem botanischen garten wach J. PAUL 11/14, 330 Hempel;

bald auch die zahm und fruchtbar bäum


sich freudig werden zieren
mit weichem obs, mit kinderträum,
nüsz, oepfel, kirsch und bieren
SPEE trutzn. 89, 141 Balke.

zahme pflanzen wilden gegenüber gestellt: die wisszen bören, die do wachszen an den byerböumen
mystelen, sye (die birnbäume) seyent wild oder zam GERSDORFF wundarzn. L 1a; sie schreiben aber,
es (die myrte) sei nicht ein wilder, sondern ein zamer bawm, wie byrn und epfel bewme LUTHER 23, 510,

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9 Weim.; zam und wilder maieron seind warmer und druckener art. dienen innerlich und eusserlich allen
menschen BOCK kräuterb. (1556) 13b; der schönen lieblichen rosen werden vielerley geschlecht
erfunden, welche doch in zwey geschlecht können abgetheilet werden, also dasz etliche zahm seyn,
etliche wild TABERNAEMONT. (1625) 3, 167 H; zahme (erbsen), die man säen musz, und wilde, die von
sich selbst wachsen HOHBERG georg. cur. aucta 3, 136a; es sind aber dererselben (bäume) zweyerley
gattungen, nemlich zahme und wilde FLEMING t. jäger 25; einer (der beiden olivenbäume) war wild, der
andere zahm BREITINGER crit. dichtk. 1, 461; die haberwurzeln (tragopogon) ... 1) die wilde (t.
pratensis) ... 2) die zahme (t. porrifolius) ... bey uns in gärten als zierpflanze, 2--3' hoch; OKEN 3, 720;

ihr sträuch' und püsche grosz und klein


kommt stimmet alle mit mir ein:
ihr bäume beyde wild und zahm,
kommt lobet meinen bräutigam
A. SILESIUS hl. seelenl. 214 neudr.

ebenso von pflanzentheilen, auch früchten: surculus, ein zamer zwige DIEF. 568c; darzu pfleget man
auch ... wilde oder zame oelbawmpletter ... zuthun SEBIZ 33; sie (die bären) seind auch liebhaber von
zahmen und wilden obst TÄNTZER Dianen hoh. u. nied. jagtgeh. 1, 67;

(Habitis) lehrt auch das grob volck die viehzucht,


ackern und seen zame frücht
H. SACHS 8, 459, 38 Keller.

vom wein: denn Christus hat nit wöllen wilden wein zu trincken geben, sondern zamen wein
PARACELSUS opera 2, 413;

des Bacchus süsser saft, darauff poeten pochen,


musz werden zam durch sonn und zeit
LOGAU 162, 12.

anlehnung an die beziehung des wortes auf personen (s. oben b) zeigt die folgende stelle:

wann ich dich (ein stück holz) mit eim runden bauch
formier und mit eim kragen auch,
und auff dem tach bezieh mit seyten,
und last dich meine finger leyten,
so würst du zam, lieb, mild und zart
und verlierst deine wilde art
FISCHART lob d. lauten 373, 641 Hauffen.

heute ist dieser ganze gebrauch zurückgetreten, während wild die entsprechende anwendung durchaus
gewahrt hat. mundartlich ist er aber noch völlig lebendig, so im Elsasz: zahmi kirschen, winden, zahm
obs u. dgl. MARTIN-LIENHART 2, 903b.

f) als oberdeutsch verzeichnet ADELUNG einen gebrauch im sinne von 'bewohnt': ein zahmes land, ein
bewohntes. schweizerisch ist es nach STALDER 2, 462 in beziehung auf eine gegend das gegentheil von
wild, das er in solcher anwendung mit der bedeutung 'unbebaut oder gar für jede vegetation untauglich'
anführt 451: wie wol etlich die Reüsz nit für ein undermarck wöllen haben zwüschen Zürychgow und
Aergow, sonder geben das zam gebirg ob der statt Baden, genennt Baregk und Heytersperg für

Bd. 31, Sp. 105

ein schidmaur STUMPF 346a; zuo end desz Turtals, als sich das zame fruchtbare Turgow erhebt, volgen

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die stett Wyl und Schwartzenbach 422a; schweizerisch auch zahme alp, geschützte, milde, gegensätzlich
zu rauher alp MARTINY wb. d. milchwirtschaft 140. gesteigert: gleych under disem schlossz am wasser
hat sich erhebt die statt Neüwen-Winterthur in der ebne, als auf dem zämeren und gelegneren platz
STUMPF 447a. alemannisch ebenso vom erdboden selbst, bebauungsfähig: machte das erdreich zahm für
den garten- und feldbau HEBEL (1853) 3, 114. von der art einer gegend hinsichtlich ihrer wirkung auf
menschen gelegentlich auch in der neueren schriftsprache als gegensatz zu wild, mit deutlicher
anlehnung an den gebrauch von thieren: ich begreife, dasz die zahme hausthierartige natur um die stadt
dir nicht wohl thut GÖRRES ges. br. 1, 65; mit contradictio in adiecto: so wanderte ich in ... den
thiergarten ... in seine zahme wildnisz EBNER-ESCHENBACH 4, 417.

g) auch von bestimmten einzelnen theilen oder äuszerungen der unbelebten natur als gegensatz zu wild.

α) in bezug auf bewegung, geräusch, wirkung; mäszig: zamer flussz, der zam, lyns, oder sanfft dahär
laufft, wie die Glatt ausz dem Gryffensee, delicatissimus amnis MAALER 512a: die Pernitz läufft unten
voll lärmen und gepränge durch, bis sie drauszen ein zahmer flusz wird STIFTER 2, 8. ähnlich: sanffter
und zamer runsz, alveus fluminis clementior MAALER 512a. vom meere: SPRENG Aeneis 6a (die stelle s.
oben unter I). negierend: seit dieser zeit ist zwar das meer nicht zahmer, wohl aber die bevölkerung
vorsichtiger geworden WIMMER gesch. d. deutschen bodens 150. von meteorologischen erscheinungen,
mit anlehnung an den gebrauch von thieren oder menschen: die winde selbst waren etliche tage lang so
zahm, als ob sie es mit einander abgeredet hätten, uns keine gelegenheit zu irgend einer schönen
beschreibung eines sturms oder eines schifbruchs zu geben WIELAND Agath. 1, 35;

zahme donner untern füssen,


schläft, gewiegt von Ledas küssen,
schläft der riesentöder ein
SCHILLER 1, 239.

auch in der heutigen umgangssprache kann man sagen: das gewitter war ziemlich zahm, was unmittelbar
als bildlich im sinne des gebrauchs von belebtem empfunden wird. in einem feuerbuche von 1591 wird
das lustfeuerwerk als zames dem kriegs- oder ernstfeuerwerk als wildem entgegengesetzt SCHMELLER2
2, 1120.

β) in bezug auf leichtigkeit der behandlung. so bezeichnet man im Elsasz sandstein als tsameni stein,
granit als weili (wilde) stein MARTIN-LIENHART 2, 903b. im hüttenbau sind zahme erze solche
metallischen erze, die sich auf die bekannte art schmelzen lassen, im gegensatze zu den wilden
JACOBSSON 4, 678a, ADELUNG.

h) adverbial.

α) im sinne von a: die wilden tiere ... sich mer heymlichen oder zame dann wilde peweysten ARIGO
decamerone 543; den (wolf hat) er unter schaafen zahm und ohne beschädigung sehen herumb lauffen
DANNHAWER catechismus milch 1, 18; der in Griechenland zahm-umbirrende bär hätte nie keinen
menschen zerrissen LOHENSTEIN Armin. 1, 301a; wo eine menge amseln, nachtigallen und andre vögel
fast ganz zahm herumhüpften und sangen MILLER Siegw. 1, 40;

da kam ein bär, ein wolf, ein wildes schwein:


die folgten zahm und willig ihr zum stall
HERDER 25, 340;

und als ich in das städtlein kam,


er sasz auf meiner achsel zahm
MÖRIKE 1, 42.

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β) nach c: nachdeme Joannes der täufer ... in der wildnus zahm gelebt an den sitten ABR. A S. CLARA
mercks Wien 122; vor seinen eltern ... gab sich der junge mann ... sehr zahm und unschuldig HOLTEI erz.
schr. 21, 104; schwatzt mir nicht so zahm LUDWIG 3, 168; so sind sie wo möglich noch zahmer gehalten
als die schriften Philons MOMMSEN röm. gesch. 5, 520;

dar hinder (hinter den ofen) schwung sich der schneider zam
H. SACHS 21, 183, 15 Keller-Götze;

schon lernt Iberiens heldenmuth


sich zahm an euer joch gewöhnen
KRETSCHMANN 1, 114;

Bd. 31, Sp. 106

ähnlich:

und derbe knochen, die sich tödtlich schlugen,


sie liegen kreuzweis zahm allhier zu rasten
GÖTHE 3, 93 Weim.;

und eingedenk, wie zahm und brav


die künste gehn nach brot
FULDA neue ged. 217.

gesteigert: dazůmal war ein solcher frid inn Germania, das disz wild volck etwas zamer der Römer sitten
annamen FRANCK chron. Germ. 11.

γ) im sinne von g, α: zamer flusz, der zam ... dahär laufft MAALER 512a (s. oben g, α); der (ein bach) oft
von hohen wänden eingeengt in tosenden fällen niederstürzt, oft wieder, wenn die landschaft breiter wird,
sanft und zahm durch die wiesen läuft STEUB drei sommer 1, 279.

i) substantivisch.

α) als m., nach b: wie nun die zierkunst (das tättowieren) der roheit bei wilden und zahmen nennen?
JAHN 2, 612. im comparativ: auch ein zahmerer als Hamlet würde durch solche beleidigung zur rache
getrieben werden LUDWIG 5, 178.

β) als n.

αα) nach a: zahme thiere oder fleisch zahmer thiere:

dich (Maria) êren minne machen kan


an zamen und an wilde
Lobgesang 34, 10;

wild unbenanten geschlechtes das wild ... ist das wiedrige des zahmens GUEINTZ rechtschreibg. 162; wo
ihr alter sasze, den kopff mit einer hand auf den elenbogen untersteuerte und mit der andern die zähne
sticherte, gleichsam als wann er denselben abend viel zahmes und wildes darmit zermahlen müssen Simpl.
2, 363, 11 Keller; es wär' ihr zu verächtlich und hofwidrig gewesen, andere tauben und schweine auf ihr
tischtuch zu lassen als wilde; denn sie wuszte, dasz man herrentafeln nicht gern mit etwas zahmen (die
gäste ausgenommen) besetzt J. PAUL 6, 18. unflectiert:

wilt und zam daჳ vröut sich sêre


gegen des wunneclîchen meien zît

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HAGEN minnes. 1, 73a;

swaჳ man truoc od tragen solde


für in, daჳ wilde und daჳ zam
WOLFRAM Willeh. 177, 3;
im älteren nhd. zeigen sich deutlichere spuren eines selbständigen subst. mit dieser bedeutung nach
analogie von wild, n.: massen ich weder an wild noch zahm keinen mangel bey ihnen verspüren konnte
Simpl. 2, 42, 22 Keller;

der wilden hölen zucht, der strengen löwen art,


und was die wüste klipp in ihrem schosz verwahrt,
legt, wenn der linde mensch es nicht zu rauhe handelt,
die grimmig unarth ab und wird in zahm verwandelt
A. GRYPHIUS trauersp. 65, (Leo Arm.) 496 Palm.;

auch später noch erscheint wild und zahm gelegentlich so:

ich esse suppe gern von manchem fleisch,


von kalb und ochsen, hammel, hahn und huhn,
und braten aller art von wild und zahm
HOFFMANN V. FALLERSLEBEN werke 5, 273.

in den oben angeführten mhd. stellen schimmert die möglichkeit einer ausdehnung auf pflanzen durch
(vgl. oben e), welche beziehung deutlich mit eingeschlossen ist in der folgenden stelle:

got hât Adâme und Êven geben in paradîse wunne vil:


Adâme tet er undertân gar wild und zam, biჳ ûf ein zil,
ein obeჳ daჳ du soldest mîden durch solch ungemach
HAGEN minnes. 2, 227a.

ββ) nach d: aber das genrehafte, zahme und rücksichtsvolle, welches dieser gattung von (poetischen)
stoffen in der regel anhängt, gibt auch der künstlerischen auffassung völlige berechtigung, welche gerade
hier gern solche kämpfe vorführt, denen wir im wirklichen leben eine milde ausgleichung zutrauen und
wünschen FREYTAG 14, 100.

2) wohl bekannt, vertraut, zugethan, vertraulich, mhd. und vereinzelt noch frühnhd.:

er (Hagen) wart sô baldes herzen,sô frevele und sô zam (mit thieren)


Kudrun 98, 1;

ich bin dem neider ymmer gramm


und wunsch im alles hertzen laid.
ich wolt, er wär auch nit als zamm
und hett auch all unsälikeit
HÄTZLERIN 51;

Bd. 31, Sp. 107

(der böse ruf) ist erstlich klain aus schew und scham,
bald würt es unverschamt und zam
FISCHART 3, 68, 17 Hauffen.

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mit dat. der person:

einer frowen was ich zam,


diu âne lôn mîn dienest nam
minnes. fr. 46, 29;

die mir ie wâren gram:den bin ich allen worden zam


klage 1037;

auch bei unpersönlichem subject:

dâ wart mir senlîch trûren zam


ULRICH V. LICHTENSTEIN 7, 26;

neben gen. der sache:

dô die boten kômenund daჳ er die vernam,


getriuwelîcher dienstewas er im so zam,
daჳ er leiste gerneswaჳ er im gebot
Kudrun 217, 2.

wortspielend mit der gewöhnlichen bedeutung:

zam und wilde beide


was disiu trahte, sam mir got!
den fröiden wilde ân allen spot,
den sorgen zam ân unterlâჳ.
du hâst des ritters herze gâჳ,
daჳ er in sîme lîbe truoc
KONRAD V. WÜRZBURG herzm. 465.

3) angemessen, schicklich, mhd., wie sonst zæme (vgl. oben das formale), mit dat. der person:

ir kleinôt er in alleჳ nam.


daჳ was iedoch niht ritter zam
ULRICH V. LICHTENSTEIN 542, 8.

4) im Berner oberlande bedeutet zahm nach STALDER 2, 462 auch langsam. bair.-östr. ist zamet zahm,
blöde, langsam, träge SCHMELLER2 2, 1120. dort wird zusammenhang mit säumen vermuthet. vgl. dazu
semmeln, zemmeln oben theil 10, 1, 565. aber es kann eine weiterbildung zu zahm sein (zamicht, vgl.
zämig unten). die bedeutung langsam ist auch wohl mit der gewöhnlichen von zahm zu vereinigen. vgl. 1,
g, α.

ZAHM, n., s. zahm, adj. II 1, i, β, αα.

ZÄHM, adj., s. zahm, adj. I.

ZÄHMBAR, adj., zu zähmen, zahmbar (druckfehler oder ndl. einflusz?), tambaar, tembaar KRAMER-
MOERBEEK deutsch-holld. wb. 429a, nach zähmen 1, a: mit dem ersten zähmbaren landthier also, das
die natur diesen gegenden geben konnte, gab sie dem menschen auch einen handleiter zur menschlicheren
lebensweise HERDER 13, 212, 11; wie andere verwandte vögel, ist auch dieser (der wasserläufer) ...
zähmbar NAUMANN naturgesch. d. vögel 8, 73; dasz er der katze die palme unter ... allen ... zähmbaren
thieren zuerkenne, dessen hatte er nie und nirgends hehl HOLTEI erzähl. schr. 24, 151; woneben
allerdings das wasserhuhn ... und die nicht zähmbaren feldhühner ... nicht zu übersehen sind VISCHER

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ästhet. 2, 141; der amerikanische bison scheint eben so schwer zähmbar, als sein europäischer
verwandter, der auer BAER red. u. aufs. 2, 23; weibliche jaguare sind leichter zähmbar als männliche
BREHM thierl. 1, 502 Pechuel-Lösche. gesteigert: aber ist der delphin, mit seinem windungsreichen
gehirne, zähmbarer oder erziehbarer, als manche nagethiere ...? RUD. WAGNER in den Gött. gel. anz.
1843 st. 18/19 s. 169.

ZÄHMBARKEIT, f., zum vorigen: jener vorzug der zähmbarkeit und der verpflanzung in die
mittelasiatischen und südeuropäischen ... temperirten länder der erde ist nur eine mitgift des gemeinen
seidenwurms RITTER erdkunde 8, 706; die feldlerche ist ... wegen ihrer ... zähmbarkeit ein sehr beliebter
stubenvogel NAUMANN naturgesch. d. vögel 4, 169; auch schlieszen sich diese (die gröszeren vögel)
durch ihre zähmbarkeit, mithin durch ihren verstand, mehr an den menschen an OKEN 7, 14; wenn ... das
unwahrscheinliche ihrer zähmbarkeit (der gorillas) ausgesprochen worden ist, so waren wir ... in der lage,
... entgegengesetzte erfahrungen zu machen BREHM thierl. 1, 69 Pechuel-Lösche.

ZAHMBAUM, m., zahmer baum (vgl. zahm II 1, e), gartenbaum, frühnhd.: wie ein lorberbaum für andern
beumen allzeit grunet und etwas sonderlich pranget für allen, sonderlich fur den zambeumen oder
gartenbeumen LUTHER 19, 569, 11 Weim.

ZAHMBRATEN, m., braten von einem zahmen thier: zahmbraten und zahmgesulztes (aus einem
speiszettel) VISCHER auch einer 1, 359.

Bd. 31, Sp. 108

ZAHMBUCHE, f., mundartlich die rothbuche MARTIN-LIENHART elsäss. 2, 11a; vgl. zahm II 1, e.

ZAHME, f., zu zahmen, verb., frühnhd. bezeugt zamme, zähmung (vgl. zahmen 1): und ist allein darumb
gesetzt in ein solche gestalt, dasz solches laster sein straff habe, und ein zamme PARACELSUS chir. schr.
142 B.

ZÄHME, f., zu zahm, adj., schweizerisch.

1) zäme, sanftmüttigkeit, stille. placiditas, mansuetudo, placabilitas, tranquillitas MAALER 511a.

2) die zähme, eine niedrig liegende alptrift, ort, wo jede art laubholz wächst, angebautes land
STALDER 2, 462. vgl. zahm II 1, f.

ZÄHMEL, m., nebenform zu ziemer, s. dies.

ZAHMEN, verb., zahm machen oder werden. ahd. begegnet zamôn, domare, subigere GRAFF 5, 663,
das zu zam, adj. gebildet ist wie offonôn zu offan, reinôn zu reini WILMANNS deutsche gramm. 22, § 47.
mhd. zamen zeigt neben transitiver (factitiver) auch intransitive (inchoative) anwendung nach dem
muster vieler bildungen auf -ên, verhält sich also da zu dem zugehörigen adjectiv wie ahd. altên zu alt.
das ist wohl secundär. frühnhd. ist nur transitives zamen, zammen bezeugt, doch lebt, obgleich die
schriftsprache das wort längst aufgegeben hat, auch die andre durch umlautlose formen von zähmen (s.
dies) nicht begünstigte anwendung bis in die neuere zeit noch mundartlich fort.

1) zahm machen, mundartlich, aber bis in die ahd. zeit zurückreichend (vgl. oben).

a) nach zahm II 1, der wildheit entziehen, bändigen.

α) auf thiere bezogen, zamen, zam oder heimlich machen, cicurare, mansuefacere, domare, perdomare,
mitificare MAALER 512a, els. tsáme, bändigen, an das hausleben gewöhnen MARTIN-LIENHART 2,
903b: gizamôta ros, subacta animalia, quelle bei GRAFF 5, 664; e krapp (raben) tsáme MARTIN-
LIENHART a. a. o.;

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mîn rât iuch underwîset dâ,


wie man die wilden ohsen zampt
KONRAD V. WÜRZBURG Troj. 8455.

β) auf personen bezogen: das du ... mich versuchen lassest, ob ich disen teüfel zamen möcht ARIGO
decam. 182, 34;

ha, ha, was gilts, man kan üch zammen!


BÄCHTOLD schweiz. sp. d. 16. jh. 2, 227, 2878.

γ) auf den menschlichen körper und theile des körpers bezogen, worin sich die innere art äuszert: diese
hat eine sondere weisz, dasz fleisch zu zamen und zu uberwinden, erfunden FISCHART binenk. 23a;

unser kleit ist wullîn,


rûch, vil herte, hærîn,
daჳ wir den swachen lîchamen
hie mite villen unde zamen
RUDOLF V. EMS Barl. 160, 38;

swâ er (gott) die riuwe gerne weiჳ,


dâ machet er die riuwe heiჳ:
ein wildeჳ herze er alsô zamt,
daჳ eჳ sich aller sünden schamt
WALTHER 6, 26.

δ) auf worte als äuszerungen innermenschlicher art:

dirre aventiure nem sich an


ein sô künsterîcher man,
der wildiu wort künne zamen
WIRNT V. GRAVENBERG Wigal. 11655.

b) im anschlusz an zahm II 2, vertraut machen, locken:

und eins das verdreist mich noch vester,


dasz Eglantina, unser schwester,
den verloffnen buben lieben mag,
zammt jhn stets zu jhr in jhr gmach,
als wenn sie jhn zur ehe woll nemen
AYRER 1376, 28.
c) mhd. sich zamen von, sich einer sache enthalten (vgl. a, β):

swenne des briesters hant


wandelt gotes lîchnamen,
sol si sich danne niht zamen
von wîplîchen anegriffen?
HEINR. V. MELK erinnerung 158.

2) zahm werden CAMPE (als neues, jedoch nicht von C. gebildetes wort), STALDER 2, 463 (mit haben),
zamen FULDA 596, auch so schon mhd. (vgl. oben).

a) nach zahm II 1, der wildheit entzogen, gebändigt werden:

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Bd. 31, Sp. 109

α) von thieren: hühner und tauben zahmen leicht CAMPE; kann auch der tiger zahmen? WOLKE ebenda.

β) von einer person, gesittet werden:

ern (der junge Jesus) zamet bî unsern chinden niht


kindheit Jesu 99, 83.

b) nach zahm II 2, gewohnt, vertraut werden:

haჳჳet (al)sô schœnen, bœsen lîp,


der schanden (wohl dat.) zamt unt sich gar êren wildet
minnes. 2, 215a Hagen;

vil nâhen ich im zamt


OSWALD V. WOLKENSTEIN 55, 2, 10.

mit an und dat.:

man sach die milten tugentlîch an manigen vröuden zamen


minnes. 3, 24a Hagen.

ZÄHMEN, verb., zahm machen; gemeingermanische bildung: got. (ga)tamjan, δαµαν; anord. temja,
schwed. tämja, dän. tämme; ags. temian; afries. tema; mnl.-mnd. temmen, temen, nnl. temmen, nnd.
temmen, temen, tāmen TEN DOORNKAAT KOOLMAN 3, 403b, tämmen, tämen brem. wb. 5, 16; ahd.
zemmen, mhd. vereinzelt noch zemmen, sonst durch einflusz von zam zemen LEXER mhd. hdwb. 3, 1057.
es könnte causativ zu ziemen, got. timan sein, ist aber, obgleich got. *tams, zahm, nicht bezeugt ist,
wegen des engen bedeutungszusammenhangs mit zahm, adj. eher als von diesem abgeleitet anzusehen.
der stammvocal schwankt freilich frühnhd. gelegentlich nach ziemen hinüber, was durch die alte starke
flexion dieses verbs (mhd. zemen) begünstigt wird, ein beweis für das damals noch vorhandene gefühl
einer zusammengehörigkeit:

darumb musz mans mit dinstbarkeit,


mit tyranney zymen und zwingen
WALDIS Es. 1, 181;

und zimt mit keuschheit seinen leib


249.

damit steht wohl eine der gleichen zeit angehörige annäherung an das als bedeutungsverwandt
empfundene zäumen in formalem zusammenhang: das were eben, alsz wen yemant sprech: ein wilt
wuttend thier mag niemant mit banden zeemen, aber wenn es losz ist, zeimet sichs selb LUTHER 7, 447,
37 Weim.;

wenn wir über tak pei in legen daheimen,


so würn sie uns ganz nach irm willen zaimen
fastnsp. 770, 7;

o můtter, rath wi söll ich thon,


das ich möcht zeimen recht mein man
SCHWARTZENBERG t. Cic. 122, 1;

was nütz und schadens warten wir,

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mag zaymen unser flaischlich gir


131, 2.

in andrer weise: der selb (der tod) hat dich dick verborgenlich gezömet betbüchlein 50a. so erscheint
denn zäumen auch wohl geradezu für zähmen: domare feras, wilde thier zäumen CORVINIUS fons lat.
278. noch frühnhd. begegnet zemmen, was hier allerdings auch aus mhd. zemen erklärt werden kann:
compesco, zemmen CALEPINUS 285a; er raach seines vatters tod gar mächtig an könig Carolo von
Franckreych, und zemmet jhn STUMPF 259a;

dann wird man dich gar wol zemmen,


wenn dmůst in hellen glůt verbrennen
VAL. BOLTZ bei Bächtold schweiz. sp. d. 16. jh. 2, 208, 2434;

auch in der schreibung: zämmen, zam machen, mansuefacere, commitigare, coercere, compescere,
domare MAALER 511a. ebenso setzt das mhd. zemen sich frühnhd. noch unverändert fort:

wiewol aber die weysen heyden ...


zemeten ir blüende jugent
von aller unart und untugent
H. SACHS 9, 363, 31 Keller.

daneben erscheint zämen, cicurare, domare, mitifacere, moderare, compescere, regere, frœnare RIHEL
lex. tril. (1586) XXxxb; domare, cicurare, mansuefacere STIELER 2594: da ich die starcken Troianer
gezämet SCHAIDENREISZER Od. 49a. dehnung des stammvocals veranschaulicht die frühnhd.
schreibung zehmen: wann alles so in jm ist, ist widerwertig, das musz er mit vernunfft regieren und
zehmen PARACELSUS opera 1, 131A. das gleiche gilt von der heute allein üblichen schreibung zähmen,
wie sie SCHOTTEL 1446, RÄDLEIN 1, 1081b, STEINBACH 2, 1068, FRISCH 2, 463c, ADELUNG und
CAMPE bieten. bisweilen zeigt sich mhd. und frühnhd. hinter dem m ein b oder p, zunächst vor t und im
silbenschlusse, dann aber auch sonst: gezämbt MYNSINGER 6 (s. unten 1, a, α); darumb

Bd. 31, Sp. 110

sie jhren willen mit recht zämpten buch d. liebe 141a; nun aber musz ich mit allem gwalt ... die hand und
feder zämben GUARINONIUS 1112. vgl. auch zahmen 1 oben.

1) nach zahm 1, der wildheit entziehen, gesitteter menschlicher art anpassen, bändigen, mäszigen.

a) auf thiere bezogen.

α) in allgemeiner anwendung: wann der valck von dem valckner nit wol gezämbt und berait wär
MYNSINGER 6; isset, dat se (wilde thiere) horen den namen Cristi, so werden se ghetemmet quelle bei
SCHILLER-LÜBBEN 4, 526a; vil zämen thier ..., sich selbs aber ... mögen sie nit meystern FRANCK
sprichw. 1, 162a; so sy (adler) gezempt, fliegend sy in der statt umbhär und ergreyffend etwan die katzen
so auff den tächern lauffend GESNER-HEUSZLIN vogelb. 1b; ein mutig pfärd zämmen und behalten,
equum celerem arcto frœno compescere MAALER 511a; wasserhüner sein nit leicht zu zämen SEBIZ
113; das er ... die wilden thier gezemet THURNEYSZER magn. alch. vorr. 5; herentgegen sahe er zwey
grausame weisze bären, welche Boris gezähmet LOHENSTEIN Arm. 1, 426b; einen vogel zähmen, avem
cicurare STEINBACH 2, 1068; der mangel des geselschaftlichen lebens mag die ursache seyn, die diese
wilden gehindert hat, das vieh zu zähmen HALLER Alfred 228, 6; mein vater mochte gern wilde thiere
zähmen HIPPEL lebensl. 103; der ziegen wegen, die ich gefangen und gezähmt und dem laffen in seine
heerde schenkte? MALER MÜLLER 1, 71; er (der mensch) muszte sie (die thiere) aus dem stande wilder

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freiheit in den stand der dienstbarkeit und friedlichen ruhe versetzen, d. i. er muszte sie zähmen
SCHILLER 9, 133; schmetterlinge ..., die er vergeblich sich bemüht als raupen zu zähmen BETTINE
Günderode 1, 113; ein kleiner weiszer reiher wird gleichfalls gezähmt CHAMISSO 2, 219; wie erhaben
lautete es, wenn ich von der stärke des Isländers sprach, wie er einen wolf zähmte HAUFF 2, 131, 29; ein
bauer hatte nämlich dem herrn Köhler einen jungen flügellahmen storch zugetragen, den dieser sorgfältig
fütterte und zähmte FREYTAG 13, 20; thiere, die wirklich gezähmt worden sind PESCHEL völkerk. 442;
ein gezähmtes thier wird herrenlos, wenn es die gewohnheit ablegt, an den ihm bestimmten ort
zurückzukehren bürgerl. gesetzb. § 960;

ja, wir wölln hasn und merkatzn fangen


und wöllen wilt affen ausznemen,
sie heimlich machen und zemen
AYRER 2287, 17;

eh es (das vieh) sich wil bequemen,


musz man dasselbe zähmen
und treiben fort mit groszer müh
WERNER bei FISCHER-TÜMPEL ev. kirchenld. 3, 26.

unter spielen wird erwähnt: esel zemmen Garg. 262 neudr. gnomisch: hasen unde horen sint quat to
temmen TUNNICIUS nr. 550;

kein tiger ist so wild, dasz man nicht zähmen kan


mit steter freundlichkeit
RACHEL 20, 136 neudr.

mit unpersönlichem subject: wer zemit daჳ wilde dier wende des menschen wîsheit? quelle des 13. jh. bei
ADRIAN 420, 13; im bilde:

kann dieser saiten-klang der Cimbern klingen lämen,


und durch den anmuts-ton erzürnte leuen zämen
AMTHOR bei WEICHMANN 1, 61.

β) mit näheren bestimmungen. so mit angabe des mittels: gleich wie man alle thier durch arbeit kan
zämen SEBIZ 20; einen leu mit dem hunger zähmen, leonem fame mitificare STEINBACH 2, 1068; wer
kennt nicht die fabel von Orpheus, der mit dem zauber seiner leyer die ungeheuer des waldes zähmte
SCHUBART ästh. d. tonk. 17; mit solch einem herzbrechendem liede hätt' ich wollen tieger auf ihren
jungen zähmen MALER MÜLLER 1, 134; hinter ihm knurrt ein zusammengedruckter bär, der mit
maulkorb und kette gezähmt und mit einer mütze geziert ist GÖTHE 47, 356, 13 Weim.; des heiszen
wunsches voll, es möge ihm doch vergönnt werden, seine gefällte feindin (ein thier) zu heilen, und endlich
durch die milde pflege zu zähmen FOUQUÉ zauberring 1, 54;

es het ein bawr ein jungen stier,


ein gar frech und unbendig thier;
kundt er mit keiner arbeit zemen,
oder jm damit sein tück benemen
WALDIS Es. 2, 10, 3;

Bd. 31, Sp. 111

ein tiger wird gezähmet


durch glimpf mit fässeln nicht
LOHENSTEIN Ibr. sult. 36, 251;

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der zaubernde gesang,


mit welchem Orpheus dort die wilden thiere zähmte
STOPPE Parn. 285;

dein schäfchen blöckt, das du


mit brot gezähmt
VOSS ged. (1802) 2, 143;

wie mit frommer musik Orpheus den löwen gezähmt


GEIBEL 1, 105.

neben einem genetivischen zusatz zur bezeichnung der art, von der ein thier durch die zähmung
abgebracht wird:

der lewe nu mit stangen wart


gezemet sîner hôhfart
Elisabeth 3234.

mit einem dat. der sache zur bezeichnung dessen, woran das thier durch die zähmung gewöhnt wird: dasz
sie (Ceres) die aller erst by den iren den ackerbau erdacht und die ochsen dem ioch gezemet
STAINHÖWEL de claris mulier. 35. mit einem dat. der person: ich zähmte mir eine unke HOFFMANN
V. FALLERSLEBEN ges. schr. 5, 207. mit bezeichnung des zwecks durch zu und dat.: (das bedürfnis
lehrte den menschen,) die thiere zu seinem unter. halte zu zähmen ADELUNG lehrg. d. dtsch. sprache 2,
380.

γ) sich zähmen lassen, von thieren: man mache sy (bären) also heimlich, dasz sy auch sich zähmen lassen
GESNER-FORER thierb. 14; die allermeisten vögel lassen sich zähmen NAUMANN naturgesch. d. vögel
1, 143; selbst die schlangen lassen sich zähmen und tanzen auf der spitze ihres schwanzes KELLER 4,
253; denn mit ausnahme des hundes hätte sich wohl kein australisches säugethier zähmen lassen
PESCHEL völkerk. 346.

δ) in bildern: hilf mir den türkischen hund in Afrika zu zähmen SCHOTTEL friedens sieg 22 neudr.;
unter den zöglingen waren unbändige rosse, die ohne viele autorität nicht zu zähmen waren BAHRDT
gesch. s. lebens 3, 202; euern (den römischen) adler bewältigen und zähmen wir (Germanen) einst
FOUQUÉ alts. bilders. 2, 234; jetzt ist von all' dem bart nur mehr ein ganz kleines bärtchen übrig, der
vollmond (das volle gesicht) ist im abnehmen, der löwe gezähmt BAUERNFELD Helene 1, 1; Waldemar,
du wilder falk, dich musz ich zähmen, damit dein flügelschlag mir die ratte verjagt FREYTAG graf
Waldem. 2, 1;

bapst zu seinen cardinälen.


wir hant schir all bestien zembt
GENGENBACH 312;

aber, weh uns! sie selbst (die Franzosen), die das unthier (den krieg) zähmten, vernichten
ihr hochheilig gesetz, schlagen erobererschlacht
KLOPSTOCK od. 2, 84, 23;

Illo: ein wildes pferd erwarte man zu finden


(in dem heere Wallensteins) ..
es trägt den einen nur, der es gezähmt.
Questenberg: ist es gezähmt, so folgt es einem kinde
SCHILLER Picc. 206/7.

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redensart: vergeblich arbeiten. die mäuse zähmen TREUER deutscher Dädalus 1, 110.

b) auf die art eines thieres oder ihre äuszerung bezogen: wan alle die natur der tir, und der vogel, und
der slangen, und der fierfuჳჳigen, und der andern, di werdent gezemt, und synd gezemt (LUTHER:
gezemet) von menschlicher natur cod. Tepl. 3, 5 (Jac. 3, 7); nur die furcht vor dem gegenwärtigen zwang
kann seine (des thieres) begierde zähmen SCHOPENHAUER 1, 74;

er zähmte bald das gebelfer (der hunde)


VOSS Theokr. 25, 75;

freiheit liebt das thier der wüste,


frei im äther herrscht der gott,
ihrer brust gewaltge lüste
zähmet das naturgebot
SCHILLER 11, 299;

während du die lämmer hütest,


zähm ich dir des wolfes wuth
BRENTANO 2, 389;

im bilde:

ei du hallischer löwentrotz,
wie hat man dich gezähmet!
HEINE 1, 133.

c) auf personen bezogen.

α) in allgemeiner anwendung: keiner mocht in (einen besessenen) zemen 1. deutsche bibel 136, 42
variante (Marc. 5, 5, im text gezemen, entsprechend schon got. hier gatamjan, bei LUTHER auch
zemen); dann wie unser artzt

Bd. 31, Sp. 112

Christus die sacrament geordent hat zuo hayl krancker menschen, also hat er geordent zeitlich trüebsal,
widerwärtikait und anfechtung zuo zämen die unbesniten und gögeln menschen BERTHOLD V.
CHIEMSEE t. theol. 525; niemant wil erbeyten: darumb mussen die handtwercks leut yhre knechte
feyren, die sein dan frey, und mag niemandt zehmen LUTHER 6, 262, 31 Weim.; der Türcke weis den
adel zu mustern und zu demütigen, die bürger zu züchtigen und gehorsam zu machen, die baurn zu zemen
und den mutwillen zu büssen 302, 183, 14, kein band (wird) mich halten, noch einiger mensch mich
zähmen können AYRER proc. jur. 663; wann sie auch der teuffel selbst wehre, so wolt ich sie zähmen
engl. com. u. trag. B 1b; wie soll er andere zähmen und zäumen, da er selber zaumlos in seinen lüsten
dahin rennet? BIRKEN ostld. lorbeerh. 226; man zämbt eher die lewen, tiger undt alle grausame thier als
bösze leütte ELISABETH CHARLOTTE 6, 399; ein wildes volck zähmen, gentem im manitate barbaram
domare STEINBACH 2, 1068; den pöbel zähmen, plebem mansuefacere ebenda; welch ein muth, welch
ein geist gehört dazu, eine rebellische menge von 600,000 in einer dürren wüste zu regieren, zu bilden, zu
zähmen! HERDER 12, 299; wir wollen täglich harmonische musik machen, und ihn (einen wilden
jüngling) zähmen KLINGER 1, 41; es genügte, jeden unruhigen nur mit deportation zu bedrohen, um ihn
zu zähmen ZSCHOKKE ausgew. schr. 2, 171; ich stürzte mich wie ein wildes thier hinein. aber ich sollte
bald gezähmt werden HOLTEI erz. schr. 2, 101; der pfarrer muszte unterschiedliche male: sapperlot!
rufen, um ihn zu zähmen, so sehr aufgeregt war der kleine Christian 16, 224; Spanier, von denen ihre
hauptleute selber sagten, dasz sie nicht zu zähmen seien RANKE 4, 211; Ludwig XIV. verstand es seinen
adel zu zähmen JUSTI Winckelmann 1, 218;

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und mac dir (Achilles) daჳ heil geschehen,


daჳ du von in (frauen) gezemet wirst,
wan du vermîdest und verbirst
vil mangen site vrevelich,
den Schyɵron hât gelêret dich
KONRAD V. WÜRZBURG Troj. 14215;

da hielt ich (ein bettelmönch) ouch grosz triumph und fest


mit spilen, prassen, bůlen, schlemmen,
aber die puren wend mich zemmen
MANUEL v. papst u. priestersch. 482 Bächtold;

wann er ist der allmechtig gott,


der die tyrannen zemen kan
H. SACHS 18, 409, 20 Keller-Götze;

also weisz gott die seinen


am creutz in acht zu nehmen
und, die es böse meynen,
zu rechter zeit zu zähmen
P. GERHARDT bei Fischer-Tümpel kirchenld. 3, 3382;

hier kommt der rauhe freund;


wir wollen sehn, ob wir ihn zähmen können
GÖTHE 10, 184, 1966 Weim.;

das herrlichste, was wir auf erden schauen,


was magisch oft barbaren zähmt,
und selbst die hand des bluttyrannen lähmt,
ist, bleibt ein weib
SEUME ged. 71.

im bilde: vielleicht auch sah Oesterreich nicht ungern die ungläubigen in einem theile des eigenen hauses
walten, um nur die unruhige und nicht zu zähmende ehehälfte zu boden zu halten MOLTKE schr. 1, 112.
auch vom bezwingen im kampfe: kaiser Hinrik, kaiser Otten vader, hadde se (die Wenden) vor getemet,
aver se hadden or truwe gebroken d. städtechron. 7, 50, 2 (Magdeburg); da halff gott dem lieben
Gregorio, das er den herczogen zempt (im zweikampf überwand) heiligenleben winterteil 101a; Otho ist
mit grossem kriegsvolck ... in Galliam gezogen, hat die aufrůhren gestillet, die widerspännigen gezämpt, vil
erschlagen, gefanggen, und all uberwunden STUMPF 74a. dem bloszen besiegen als stärkeres
gegenübergestellt: ein blosz besiegter feind ist nie gezähmt und haszt immer seinen neuen herrn (worte
des Dschingis-chan) RAUMER gesch. d. Hohenst. 4, 76. freier:

von diesem (der kriegerischen tüchtigkeit des groszen kurfürsten) zeiget das geschrey
so fest und doch gezähmter städte
BESSER 4;

du (Lohenstein) hast allein (im poetischen wettkampfe) gesieget,


du hast Italien und Engelland gezähmt
CHRISTIAN GRYPHIUS bei LOHENSTEIN Arm. 1 f.

Bd. 31, Sp. 113

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β) mit näheren bestimmungen. so mit angabe des mittels: desse temede mit wisen rade de borchlude to
der Nyenborch quelle bei SCHILLER-LÜBBEN 4, 526a; einen zämmen mit hinnehmen seines gůts,
pignoribus oblatis aliquem coercere MAALER 511a; mit gefencknusz zämmen, fatigare vinclis et
carcere ebenda; dasz ich durch verstelltes liebkosen den tyrannen auf trey tage gezähmet ZIEGLER
Banise 504; die ältesten weltweisen bedienten sich der poesie, das rohe volk dadurch zu zähmen
GOTTSCHED krit. dichtk. 90; all seine liebesaffairen, ehe er heiratete, wodurch er gezähmt wurde, waren
Don Juanerieen GUTZKOW werke 1, 170;

der rath-stuhl kommt durch dich in ansehn, glantz und ernst,


womit du schon vorlängst den pöbel zähmen lernst
GÜNTHER 736;

durch harmonien dann zähm' er des vaterlands


anwachs, ein Orfeus, lehrer der frömmigkeit und ordnung
VOSS ged. (1802) 3, 14.

mit angabe des zwecks:

lebt Arthur noch? ò eile zu den pairs,


giesz den bericht auf die entbrannte wuth,
und zähme zur ergebenheit sie nieder!
(make them tame to their obedience)
SHAKESPEARE Joh. 4, 2.

mit abhängigem modalsatz: so will ich dich zämen, dasz du mir unter meinen fuszsolen solt liegen
schausp. engl. comöd. 28, 24 Creizenach; einen so zähmen, dasz er sich nicht unterstehe, aliquem ita
mollem placidumque reddere, ut non audeat STEINBACH 2, 1068;

die vrechen sint sô hie gezemt,


daz der turney dervon verdarp
WOLFRAM Parz. 95, 18.

γ) sich zähmen lassen, persönlich: wer ist so einer verruchten ungeschlachten art, der sich nit bessern und
zemen solt lassen HEYDEN Plin. vorr. 6a.

δ) sich zähmen, sich gesitteter menschlicher art anpassen, sich mäszigen, sich zwingen, an sich halten,
in neuerer schriftsprache häufiger sich bezähmen, ebenso nd. sik tämmen brem. wb. 5, 16: ein weib ...
sich dann in wollüsten also zehmen und schemen solte BARTH weibersp. Q 5a; Walpurgis zähmte sich
noch und versetzte LOHENSTEIN Arm. 1, 14a; er (Joh. Christ. Günther) wuszte sich nicht zu zähmen,
und so zerrann ihm sein leben wie sein dichten GÖTHE 27, 81 Weim. (dichtg. u. wahrheit b. 7);

offt kompts, das einr den andern strafft,


ist mit demselben fehl behafft.
nichts bessers, das man sich erst zem
und selber bey der nasen nem
WALDIS Es. 2, 61, 21;

lernt von dem unvernünfftigem viech und thieren,


die jhr hie solt regieren,
last euch von solcher witz und klugheit trämen,
köndt euch doch selbst nit zähmen
HOECK schön. blumenf. 75, 6 neudr.;

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weil sich der mensch nit zähmen kan,


wenn das gelück jhn scheinet an
SPRENG Il. 206b;

wenn böse zungen stechen,


mein glimpf und namen brechen,
so will ich zähmen mich
P. GERHARDT bei FISCHER-TÜMPEL kirchenl. 3, 309;

wenn fürsten sich nicht zähmen können,


bis sie die hand in blut getaucht
J. E. SCHLEGEL 4, 185;

wer kann sich denn im trunke zähmen?


GELLERT 1, 200;

rasende, zähme dich doch!


VOSS ged. (1802) 2, 243;

drum zähm' dich selbst, hör mich gelduldig an


FOUQUÉ held. d. n. 28.

mit abhängigem satz zur bezeichnung dessen, wozu man sich zwingt: hê kun' sük sülfst nêt temen, dët hê
dat dê (oder lêt) TEN DOORNKAAT KOOLMAN 3, 403b.

ε) mit unpersönlichem subject:

(der wein) kan den wilden zämen,


der vor sprang und hoch sang
HÄTZLERIN 271;

wo sind die unbesiegten waffen,


die sonst so leicht die halbe welt gezähmt?
GOTTSCHED ged. (1751) 17;

kaum, dasz mein wort zu zähmen sie vermag


BÜRGER 168 Bohtz;

die zauberäpfel,
die die läuferin Atalanta zähmten
VOSS in seinem musenalm. a. 1777 s. 144;

Bd. 31, Sp. 114

die hohe einfachheit der natur, wie sie mich hier umgibt, zähmt und erhebt mich zu gleicher zeit HEINE 3,
104. mit tadelndem beisinn: als der seichte geschmack den deutschen schauspieler zu zähmen und die
privilegierten spaszmacher von den brettern zu verbannen suchte GÖTHE 40, 175, 21 Weim. näher
bestimmt: die scheu vor der gunst des königs gegen Hugenin sowohl, als vor des ritters tapfern arm zähmte
die verwandten der dame dergestalt, dasz alles im tiefen frieden abging FOUQUÉ zauberring 1, 172.

d) auf den menschlichen körper und theile des körpers bezogen.

α) in der regel für das bezwingen ungestümer art oder von andern untugenden, als deren sitz das durch
das object bezeichnete erscheint. so den leib, körper zähmen: ich beteube meinen leib, und zeme jn, das

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ich nicht den andern predige und selbs verwerflich werde 1 Kor. 9, 27; das es recht seye, das man viel
faste, auff das der leyb gezemt und gezwungen werde LUTHER 15, 450, 27 Weim.; das du den leib zemen
solt, erbarlich leben 24, 394, 18; unser cörper leichtlich kan werden gezämbt und gewehnt zum fasten
ALBERTINUS zeitkürzer 47; mit etwas:

mein zorn euch gar nit zu steht,


sunder meim boszhafftigen weib,
darmit zu zämen iren leib
H. SACHS 21, 97, 28 Keller-Götze.

das fleisch zähmen: nemant en mach vulherden, it en sy, dat he dat vleisch teme quelle bei SCHILLER-
LÜBBEN 4, 526a; wie man das fleisch mit seinen lüsten zemen und zwingen sol LUTHER 171, 103, 16;
Luther ... fing an ... zů predigen, wider das walfarten, fasten, betten, und das fleisch zůzemen NAS antip.
1, 214a; ein ieglicher, wie ihn der herr beruffen hat, so wandelt er, so fern er fastet gott zu ehren, sein
fleisch zu zämen DANNHAWER catechismusmilch 1, 41;

auch das sich nicht erschwing der gaist,


es sei dann gzämmt das träge flaisch
FISCHART podagr. trostb. 95, 30 Hauffen.

mit etwas: darumb sol der mensch sein fleisch und pös naygung zämen mit seiner vernunft BERTHOLD V.
CHIEMSEE t. theol. 172; der du ... mit dem siechbet unser fleysch pflegest zu zemen LUTHER 102, 479,
15 Weim. -- fleisch und blut zähmen: wenn ich nur mein fleisch und blut besser zähmen könte!
SCHUBART br. 2, 105;

sich zu opffern dem höchsten gut,


und auch zu zähmen ir fleisch und blut
H. SACHS 18, 36, 5 Keller-Götze;

mit unpersönlichem subject:

meszigkeyt zemet fleisch und blut


H. SACHS 1, 356, 30 Keller.

das herz zähmen, schon mhd., mit unpersönlichem subject, in anschaulichem bilde:

im hât der minne stricke


sîn wildeჳ herze gezemmet
Reinfr. v. Braunschweig 445;

mit persönlichem subject:

gib (gott) uns vermögen, das gute zu thun,


zähme das herz vom bösen zu ruhn
SCHMOLCK 1, 749;

auf den träger der handlung bezüglich, mit reflexivem dativ:

nicht zähmt' ich mir länger das herz in der brust, und gewaltig
umschlosz ich bestürmend in glühendem sehnen die holde
mod. dichterchar. 43:

von etwas: stylle unde themme dyn herte van quaden dancken quelle bei SCHILLER-LÜBBEN 4, 526a. --
die brust zähmen:

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und selbst als greis noch liebetändelnd,


wuszt er (Göthe) die mächtige brust zu zähmen
PLATEN 1, 227.

den munt zähmen:

du solt dinen mund gar eben zemmen,


gotz namen solt du nit uppeklich nemmen
d. teuf. netz 1481;

der herr Christus thut selber kundt,


wie wir solln zemen unsern mundt,
in unser red bestendig sein,
das ja sey ja und nein sey nein
WALDIS Es. 2, 11, 108;

Bd. 31, Sp. 115

ich wil mein mund zemen allein,


weil ich den gottlosen in nehen
vor mir musz also trutzig sehen
H. SACHS 18, 167, 16 Keller-Götze.

ähnlich: zähme gegen ihm dein loses maul, compesce in illum dicere injuste STEINBACH 2, 1068. -- die
zunge zähmen, linguam compescere ebenda, FRISCH 2, 463a, 'in den gehörigen schranken halten'
ADELUNG: wiltu froh werden, so zem dyn zungen und beschuldige mich für bas nit so offenbarlich
STAINHÖWEL Äs. 62; die zungen kan kein mensch zemen, das unrügige ubel, vol tödlicher gifft Jac. 3, 7
(vgl. oben unter b); ey du ungesaltzene welt! wie magst du dein schnader-, hader- und kader-zungen so
gar nit zähmen ABRAHAM A S. CLARA Judas 1, 124; zähmen sie ihre lästerzunge HAFNER 2, 202;

wiltu bey diesem künig sein,


so must zemen die zungen dein
H. SACHS 7, 389, 27 Keller;

nicht zähmen will ich meine zunge


SCHILLER braut 2378;

quiriten, still! die zunge zähmt!


COLLIN Regulus 5, 6.

die augen zähmen: so bald ich in tempel gieng, facht mich an zu sehen hyn und här, zämpte ich die augen
im jngang, so gaffet ich hynach, wann ich mich am altar umbkeret EBERLIN V. GÜNZBURG 2, 60
neudr.; ähnlich: auch zähm dein gesicht in jhrer pflantzenden gegenwertigkeit, denn viel junge männer
durch schöne und süszes gesprech der frawen sind gefangen worden buch d. liebe 128a; auch bezogen auf
die ohren:

(dasz wir) mit augen, ohren, zung und mund


nit in der sünd umbkrauchen,
sondern diselben zemen fein
RINGWALT Ev. d. 3a.

die hände zähmen, äuszerlicher:

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bis an die zucht gemant,


das du es (salz) mit dem messer nemest
und dein hend darzu zämest,
das sy nit vast umb sich füren
HÄTZLERIN 277, 122;

anders: die hand und feder zämben GUARINONIUS 1112 (s. oben unter dem formalen).

β) für kriegerisches bezwingen: dasz, wie er die cörper vieler leute und völcker mit stärcke der waffen
gezähmet, also auch die gemütter nicht weniger durch seine eloquentz gewonnen CHEMNITZ 473, 1;

mein arm, zu meinem schutz, viel feindes-blut vergosz:


den man zuletzt, doch nicht den muht, hat können zähmen
BIRKEN ostld. lorbeerh. 129.

vgl. auch:

und wer will zähmen des Normannen blut,


der halte das schwert und halt' es gut!
STRACHWITZ ged. (1850) 47.

e) auf andere mittel zu menschlicher äuszerung oder betätigung bezogen: die hand und feder zämben
GUARINONIUS 1112 (s. oben unter dem formalen);

die warnung schrecket mich: ich seh und schweige still,


und zähme mund und kiel, so oft er sticheln will
HAGEDORN versuch 58, 230 neudr.;

den heftigen daktylus zähmt der kraftvolle spondeus VOSS zeitm. d. d. spr. 148; beneidet ihn ... um seine
kunst die spröde sprache zu zähmen, die sich ihm sträubt GERVINUS gesch. d. d. dichtg. 5, 19. für
kriegerisches bezwingen:

Ofens nie gezähmter wall,


ward durch uns zuerst erbrochen
BESSER 2, 757.

f) auf menschliche art und ihre äuszerungen unmittelbar bezogen.

α) meist einschränkung eines übermaszes, bezwingung oder fernhaltung von untugenden bezeichnend:
die anfächtungen und begirden zämmen und meisteren, mentem constringere MAALER 511a; die fräche
zämmen, oder dämmen, gestillen, im zaum halten, temeritatem coercere ebenda; die laster zämmen oder
dämmen, maaszgen, opponere modum vitiis ebenda; wollust zämmen und paschgen, frœnare voluptates
ac domare ebenda; die bosheit zämen, malitiam et improbitatem infringere STIELER 2594; einen wilden
sinn zähmen, animosum et indomitum animum frenis subigere, spiritum ferocem frangere, perdomare et
perpacare ebenda; die lüste zähmen, refrœnare libidines FRISCH 2, 463c; u. ähnl.

Bd. 31, Sp. 116

β) eine andere person betreffend: (im bilde) der psalm ist ain růe der selen, ain fennrich des frids, der die
auffrůr und unstümikait der gedancken zämpt LUTHER 1, 689 Weim.; er vermainet, die hoffart und
tiranney der Walchen zu zemen KNEBEL Kaisheimer chron. 356; gott hat jhm (Lucifer) seinen ring der
allmacht in die nase, und einen zaum in seine kinnbacken gelegt, und dadurch sein macht und grausamkeit
gezämt ALBERTINUS Lucifers kgr. 21, 9; bald werde ich (friede) mit einer vollkommenen macht

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erscheinen, und das wüten des grausamen Mars dergestalt bey dir zähmen, dasz sich die gantze welt
darüber soll verwundern RIST friedej. Teutschld. 149; eines geitz zähmen, coërcere avaritiam alicujus
FRISCH 2, 463c; eines frechheit zähmen, comprimere ferocitatem alicujus ebenda; es ist also thorheit,
bey den frauen eine begierde zähmen zu wollen, die sie so natürlich und heftig empfinden BODE
Montaigne 5, 206; als er mich eines tages zu seiner mahlzeit eingefangen hatte, sperrte er plötzlich das
fenster auf, ... um meinen bettelstolz zu zähmen und mich den vorübergehenden zu zeigen KELLER 3, 74;

(Gott), der dir leben oder tod


kan geben und auch wider nemen
und dein gemüt und willen zemen!
H. SACHS 1, 25, 33 Keller;

indem dein gröste sorg durch deiner zungen thon


der wilden wüsten welt stoltz, torheit und muhtwillen ...
... zuzämen und zustillen
WECKHERLIN 2, 337, 4;

Rom lehrt uns kunst und witz und zähmt die wilden sitten
GOTTSCHED schaub. 4, 9;

du erinnerst es billig,
meinen stolz auf den unverdienten vorzug zu zähmen
BODMER Noah 345 (11, 218).

eigenartig von der musik: so müssen die accompagnisten ... dahin trachten, dasz solche (freche
gedanken) durch einen bescheidenen vortrag, so viel wie möglich, vermäntelt, gezähmet, und sanfter
gemacht werden mögen QUANTZ 245. mit personificierung des subjects:

o du (wehmuth), die ...


der trennung qualen mildert
und die verzweiflung zähmt
SALIS ged. (1798) 16.

γ) den träger der handlung betreffend, seinen zorn zähmen, imperare irae STIELER 2594, seine
begierden zähmen, cupiditates suas frangere STEINBACH 2, 1068, ADELUNG u. ähnl.: o du ellender
Römer, ... zeme und messige dein unkeuschen willen MONTANUS schwankb. 108; zähme die geylheit
ALBERTINUS hirnschl. 255; können ihren zorn selbst nicht zähmen BUTSCHKY Pathm. 11; so sol man
... alle wiedrige affecten unterdrucken und, wenn sie entstehen, sie bey zeiten zähmen, dasz sie nicht
allzuhefftig werden WOLFF v. d. m. thun u. l. 322; diese dame läst sich dadurch nicht bändigen, ihre
unbändigen begierden zu zähmen vernünft. tadlerinnen 1, 289; zähme die regungen deines herzens
sammlg. v. schausp. (Wien 1764--69) 1, 19; von schwangern, die ihren appetit nicht zähmen können
ABBT 3, 374; nachdem sie (künftige anachoreten) ihr novitiat unter den cenobiten ausgehalten und da
versucht hatten ihre leidenschaften zu zähmen ZIMMERMANN einsamk. 1, 227; lasset uns ... unsere
wünsche zähmen HERDER 23, 21; wir wollen unsere begierde darnach (abgüssen einiger griechischen
kunstwerke) mäszigen und zähmen GÖTHE IV 15, 105, 3; alle sogenannten vernunftsgründe müssen an
einem solchen schmerze scheitern, wenn auch die kräftige seele ihn zu zähmen weisz PÜCKLER briefw.
u. tageb. 3, 144; da hüte ich mich denn wohl und zähme meine neugier MÖRIKE ges. schriften (Leipzig)
3, 95; unfähigkeit, den stolzen sinn zu zähmen MOMMSEN röm. gesch. 1, 383; dasz sie darum ihre
ungeduld hätten zähmen wollen HÄUSSER d. gesch. 32, 195;

darumb o fürst Achilles gut,


regier dich selbs, zäm deinen muth
SPRENG Il. 118b;

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aber ein unruhiger kopf wird sich müssen vor ihnen schemen,
und sein böses leben zähmen
NEUMARK fortgepfl. lustw. 2, 182 f.;

viel minder wird itzt sie (des kaisers mutter) den gifft'gen eyfer zähmen
LOHENSTEIN Agripp. 41, 42;

Bd. 31, Sp. 117

von dem stärksten gram, den du nicht zähmen kannst,


gewaltsam fortgeschleppt
GISEKE 48;

oder sollt' er .. zähmen die rachgier?


BÜRGER 188 Bohtz;

o zähme deinen hasz!


AYRENHOFF 2, 33, 13;

ich lernte mich unter der noth bequemen,


die leidenschaft meines herzens zähmen
TIECK 2, 350;

aufgefordert, doch das herbe


ihrem gott zu lieb zu nehmen,
that sie's, wissend, dasz sie sterbe,
gern, um jed' gelüst zu zähmen
BRENTANO 2, 541;

freund!
du zähmest nie die wilde phantasei!
WERNER Luther 123;

hört mich, papa, zähmt den verdrusz!


MÖRIKE 1, 172.

δ) mit unpersönlichem subject: die mässigkait ... zemet alle begierlichait und wolluste des leibes EYB
spieg. d. sitten A 6a; die räuber, deren begierde nichts als die furcht zähmen konnte HALLER Usong
365; nicht auf jenen groben gelagen ... wird man mit jenen ... gefühlen bekannt, die jede sinnliche begierde
zähmen ZIMMERMANN einsamk. 3, 210; aber sie ist schön; verdammte schönheit, die meinen stolz so
gräszlich zähmt NOVALIS 1, 271; die freude des wiedersehens ... zähmte selbst die strenge meines vaters
KERNER bilderb. 252; den alten stürmischen freiheitstrotz der Genter und der Brüggelinge hatten die
jahrhunderte der fremdherrschaft längst gezähmt TREITSCHKE d. gesch. im 19. jh. 4, 33;

der fleisz trieb alles diesz in sein gelehrtes haupt, ...


was die vernunft verklärt, den rohen willen zähmet
PIETSCH 186;

der tugendhafte muth,


der freunde nie verläszt und feinden gutes thut,
den frieden liebt und wirkt, der zwietracht wildheit zähmet
HAGEDORN 1, 20;

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nichts kann den hohen eifer zähmen


ESCHENBURG beispielsammlg. 1, 48.

ε) mit näheren bestimmungen. so mit angabe des mittels: vielleicht wird der artige übermuth ... durch die
eigenschaft der geburt und person eines der edelsten söhne des preuszischen kriegsgottes ... gezähmt
LAROCHE frl. v. Sternheim 2, 111; indem er sie (schlechte begierden) durch vernunft zähmt
SCHLEIERMACHER Platon 6, 420;

beide zähmen selbst den neid (andrer)


durch edle thaten
HERDER 27, 61, 104.

mit angabe des ziels der handlung: weil eine natur, die man zu freundlicherem zügeln und zähmen kann,
das schönste ist, das es auf erden gibt STIFTER 2, 183;

wir zähmen rauhen sinn


zum fromm- und frölich seyn
HARSDÖRFFER gesprechsp. 6, XXXX 3a;

fruchtschwer an Lesbos sonnigen höhn erwuchs


ein hehrer weinstock. ...
der rohen thiersinn zähmte zur menschlichkeit
VOSS ged. (1802) 3, 280.

ζ) sich zähmen lassen: so freyer will ... sich durch gotliche hilf läst zämen und regieren BERTHOLD V.
CHIEMSEE t. theol. 296;

wie schwer und ängstlich liesz sich oft


die ungeduld der wünsche zähmen
STOPPE Parn. 5;

die sanftmuth selber hätte sich


nicht länger zähmen lassen
GRABBE herz. v. Gothld. 2, 1.

g) nur vereinzelt auf äuszere menschliche verhältnisse oder einrichtungen bezogen, mit tadelndem
beisinn: in Frankreich wurde es (das theater) durch die pedanterie des cardinal Richelieu gezähmt und in
seine gegenwärtige form gedrängt GÖTHE 40, 174, 17 Weim.

h) auf pflanzen bezogen, die gebaut werden; veredeln: durch das jmpffen werden ... die wilden bäume
gezämt SEBIZ 321. reflexiv: alles das jenige gewächs, welches die gezweigten bäume tragen, ... zämen
sich auch vil basz und werden vil safftiger 327.

i) auf land bezogen, das bebaut werden soll; ertragfähig machen:

Bd. 31, Sp. 118

ein salziges land, und was man bitteres achtet,


jedem gewächs unfreundlich: das nie vom pfluge gezähmt wird (mansuescit arando)
VOSS Virgils ländl. ged. (1800) 2, 239.

in der ausgabe von 1789 steht an dieser stelle: gemildert. wie 'mildern' erscheint zähmen auch, wenn es

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von der beschaffenheit einer gegend hinsichtlich ihrer wirkung auf den menschen gebraucht wird: die
wildheit der gegend war durch ihre einheit und einfachheit gleichsam gezähmt HEINE 3, 25.

k) auf bestimmte einzelne theile oder äuszerungen der unbelebten natur bezogen; bändigen, mäszigen,
zwingen.

α) bewegung, geräusch, wirkung betreffend. so von wasserfluthen und ihrer bewegung selbst, in
deutlichem anschlusz an a und c: andre ... zähmten die ausgelassenen ströme, ... hemmten die
waldüberschwemmungen NOVALIS 4, 12; weil die kunst die gröszere gewalt ihrer (der ströme)
wassermassen nicht zu zähmen vermochte RITTER erdkunde 1, 853;

deshalb ein andre weisz ist gwisz,


zůzämen die wasser und flüsz,
das sie geschlacht und folgig werden
und die leut färtigen on beschwerden (die art des glückhaften schiffs)
FISCHART glückh. sch. 22;

ein flusz, der oft erzörnt aus seinem ufer drang, ...
vermerkt sich unverhofft gezähmt durch damm und brücken
DROLLINGER ged. (1743) 84;

der du ... die meerflut zähmst mit dem dreizack


VOSZ bei CAMPE.

reflexiv:

als du deine saiten rührtest,


zähmte sich der ströme lauf
KRETSCHMANN 1, 276.

von flammen, im bilde: ich beweisete mich alle zeit frölich und thet, als ob ich ... ein wenig die brennende
flammen der lieb in mir mit gewalt zämen wolt buch d. liebe 140b vgl. 1f. von meteorologischen
erscheinungen, meist mit dichterischer belebung: der nördliche engel zähmte seinen sturmwind (hielt ihn
zurück) für die Wallachei STILLING 3, 160;

wo in räumiger höhle der könig


Aeolus kämpfende wind' und stimmenvolle gewitter
zähmt durch strengen befehl
VOSS Aeneis 1, 54;

und zähme doch den sonnenbrand im äther


durch kühler weste wehn
ged. (1802) 4, 14;

donner zähmet der gott, welchen Olympia


weihrauchduftend verehrt
NOVALIS 1, 252.

in anderer anwendung:

jetzt mit des zuckers


linderndem saft
zähmet die herbe
brennende kraft (der citrone)

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SCHILLER 11, 376 (punschlied).

β) behandlung betreffend: daჳ (eisen) ist kalter nâtûr und ist hert, vest und sneidend, alsô daჳ eჳ alleu
andreu dinch zämt mit seiner vestikait MEGENBERG 479, 17; es ist kein herter und fester ding denn ein
demant, welchen man mit keinem eisen noch stein zwingen odder zemen kan LUTHER 23, 597, 5 Weim.

l) als technischer ausdruck der kochkunst, anscheinend das zusammenbinden des geflügels vor dem
braten bezeichnend, auch von der vorstellung des bändigens ausgehend, das hier wohl auf die
abstehenden knochen geht: nehmet capaune, richtet selbige zum braten zu, zähmet und speilert sie, saltzet
sie ein wenig AMARANTHES 301.

2) nach zahm 2, vertraut machen, mhd.:

dîn herze sorge hât gezemt,


diu dir vil wilde wære,
hetest dô gevrâgt der mære
WOLFRAM Parz. 441, 28.

anlocken, verlocken: Beda spricht, daჳ diu selb slang ain junkfrawenantlütz hab gehabt, dar umb, daჳ si
mit gleicher gestalt Evam zämt und zuolocket MEGENBERG 270, 27; mit angabe der richtung: daჳ kint
loff stætigs zuo dem mer wenn im diu muoter ain prot gab und zämt ainen delphin zuo im auჳ dem mer an
daჳ gestat und ätzt in zuo letzt mit seiner hant 236, 16; unsinnlich:

dâ mite dich der tiuvel lemet,


der dich tegeliche ûf houbetsünde zemet
minnes. 3, 179a Hagen.

Bd. 31, Sp. 119

3) sich zähmen auch wie: sich enthalten. mit gen. der sache:

wer ich unschuldig nicht, das weis der thiere schar,


so stekt ich nimmer mich in solcher tods gefahr.
des hofes würd' ich mich auf solche weyse zähmen
und vielmehr die flucht mit weib und kindern nehmen
Reineke Fuchs (1650) 285;

mit inf. und zu: denn er hat sich ihrer, da ich mich nicht zähmen konnte, mich mit ihnen zu zieren, recht
wohl erinnert ABBT 6, 29. vgl. über den reflexiven gebrauch im übrigen 1, c, δ. die entwicklung dieser
besonderen anwendung erklärt sich von da aus leicht. vgl. z. b.: er hätte es gern getan, aber er zähmte
sich. schon da paszt die glossierung, die bei KINDLEBEN studentenlex. 220 gegeben wird: sich zähmen,
sich wovon enthalten, was einem angenehm ist.

4) ohne object, meist nach 1, c und f: aber die alte wuszte zu zähmen, vorzugsweise durch hunger
GUTZKOW zauberer v. R. 1, 28; sprichwörtlich:

was zähmt,
das lähmt
SIMROCK sprichw. 570, 11961.

im part. präs.: im lesenlernen liegt stets eine zähmende gewalt SCHERER litteraturgesch.2 174;

das zähmende sprüchlein vom meister


vergasz ich vor schauer und graus

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HEINE 1, 29.

5) das part. prät. erscheint in attributiver stellung oft durchaus wie zahm. bei dem gebrauch im sinne
von 1, a ist die verbale bedeutung meist noch erkennbar: gezämte thier, domestica animalia
DASYPODIUS; das zwen gezemet ochsen ... durch die leyttern kommen seindt auff die tächer des gebews
daselbst CARBACH Livius 326a; darauff halten sie ein paar gezähmter kranich AITINGER jagd- und
waidb. 61; nur einen gezähmten löwen liesz er sich schenken, den ihm der könig anbot GRIMM
Michelangelo 2, 200. bei übertragener verwendung tritt sie wohl ganz zurück. nach 1, f: man hat geirrt,
wenn man in ihren gelungensten gestaltungen gerade nichts als versteckte oder gezähmte satire erblicken
will J. GRIMM Reinh. Fuchs XI, nach 1, i: die steinnester jener unwirthlichen landschaften setzten uns
solche hindernisse entgegen, dasz wir aussicht hatten, doppelt so viele zeit zu brauchen, als auf einem
gleichen flächenraume einer gezähmten und fruchtbaren gegend STIFTER 51, 100. im comparativ
adverbial, nach 1, b:

weh dem erobrer,


welcher im blute der sterbenden geht,
wenn die rosse der schlacht gezähmter wüten,
als der schäumende held nach lorbern wiehert!
KLOPSTOCK oden 1, 115, 21.

im superlativ, nach 1, a, mnd.: he wolde sik setten up syn allerbeste themedste pert quelle bei
SCHILLER-LÜBBEN 4, 526a.

6) der inf. substantiviert, das zähmen, domitus STEINBACH 2, 1068, ADELUNG, nach 1, a: zur
formierung gehört unter anderem auch das pflanzen von bäumen, das zähmen und füttern von thieren
HEGEL 18, 37.

ZÄHMEN, verb., in der wendung sich etwas zähmen, sich etwas vergönnen CAMPE, als nd. bezeichnet,
mit folgendem beleg: er zähmt sich nicht wein zu trinken KOSEGARTEN, auch heute noch in der
hochdeutschen umgangssprache nd. gegenden üblich, so in Bremen, meist mit einfachem acc.-object:
wein kann, mag ich mir nicht zähmen; ich habe mir in diesem jahre keinen neuen anzug gezähmt; ich
zähme mir kaum butter, und meine kinder können nicht genug davon kriegen. mundartlich auch md. sich
etwas zähmen, gönnen HERTEL thür. sprachsch. 263. nd. mit dem normalen t für hd. z weit verbreitet
und hier wohl eigentlich zu hause, sick wat tehmen RICHEY 305, tähmen STRODTMANN 383, tämen
brem. wb. 5, 18, DÄHNERT 482a, DANNEIL 220b, SCHÜTZE 4, 244, MI 91b, tæmen SCHAMBACH
224a, temen, tämen TEN DOORNKAAT KOOLMAN 3, 403b, auch tāmen brem. wb. 5, 18; mit
adverbialem, hochdeutschem davon entsprechenden zusatz: he têmd sick d'r doch gên sat ëten und
drinken fan TEN DOORNKAAT KOOLMAN 3, 403b, mit folgendem objectsatz: wo kanst du di dat wol
temen, dat du dat kind so sleist? ebenda. ohne den reflexiven dativ: du soss màl ne tiün dâler temen
WOESTE 270a; dai kann

Bd. 31, Sp. 120

et geld med schiüpeln meten un temet et doch nitt sik satt te eten ebenda. als grundbedeutung, von der
aus sich auch die anwendung mit dem persönlichen dativ erklärt, darf angesehen werden: für geziemend
erachten. auch mnd. begegnet in diesem sinne temen: he bevoel id (das kind) enem riddere, de dat kint
doden scholde. de entemede des nicht to donde, unde bevoel sinem herde. dat he dat kint dreghen scolde
in den wold quelle bei SCHILLER-LÜBBEN 4, 526; in hd. gefärbtem text: den 26. novembris hetten die
(general-)staten wedder einen anslach gemachet auf de stadt Dulman ... do war einer darbei so zu Dulman
zu huis horde. dersolbige wuste den anslach und temede solchs nicht münsterische chron. 3, 110 Janssen.
ebenso erscheint es mndl. FRANCK woordenb. d. ndl. taal 998. dasselbe wort ist augenscheinlich das
gleichbedeutende engl. teem, dessen stammvocal deutlich auf altes ā weist (vor nasal zu ō geworden,
umgelautet ē). dies zähmen musz in engster beziehung zu ziemen stehn. vielleicht geht die entwicklung

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über das zugehörige adj. ahd. zāmi, mhd. zæme, passend, dessen vorstufe im got. adv. gatēmiba, passend
erkennbar ist. vgl. zahm, adj. I. tämen, temen ist als ja-bildung aufzufassen, tamen als alte nebenform
der ai-klasse oder jüngere secundäre entwicklung. vgl. auch bezähmen 5 oben theil 1, 1794.

ZAHMER, m.: zamer, zamerl, im niederöstr. waldviertel junger, noch nicht im zug gewesener ochse, von
MUCH in der z. f. d. alterth. 42, 167 mit griech. δαµαλης, junger stier, δαµαλις, kalb, kelt. damos, rind,
aind. damya, ungezähmter stier zusammengestellt.

ZÄHMER, m., der zähmt, von ADELUNG als dichterisch bezeichnet, qui aliquid domat, qui mansuefacit
STEINBACH 2, 1068, domatore RÄDLEIN 1, 1081b, zämer, domator STIELER 2594, thierzämer,
mansuetarius DASYPODIUS. vgl. zähmerin.

1) im sinne von zähmen 1, a, zämmer der wilden thieren, der die wilden thier zam machet und gewent,
mansuetarius MAALER 511b, wilder thiere zämer, mansuetarius STIELER 2594:

gleich ist beiderlei müh, und gleich an jugend erfordern


zähmer den gaul, so feurig an mut, wie im laufe gewaltig
VOSS Virgils ländl. ged. 3, 475;

früh arbeite der gaul, den mut und die waffen zu schauen
kämpfender, auch zu erdulden die zink', ...
dann je mehr und mehr am schmeichelnden lobe des zähmers
sich zu erfreun, und sanftes geklatsch des halses zu lieben
479.

2) nach zähmen 1, f:

vater des vaterlands, heil dir, o tapferer Brutus,


heil auch, Cato, dir, zähmer des neides und glücks
HERDER 27, 288, 236;

der dichter sei ...


ein zähmer des affekts, gefühles milderer
RÜCKERT 7, 6.

ZÄHMER, m., nebenform zu ziemer, s. dies.

ZÄHMERIN, f., die zähmt ADELUNG (mit nn), zämerin, mulier devincens, coërcens, domitrix, edomitum
reddens STIELER 2594, schon ahd. zamarin, domitrix GRAFF 5, 664: o liebe, o zämerin und zwingerin
aller dingen NICLAS V. WYLE transl. 47, 34.

ZAHMFLEISCH, n., zahmes fleisch, fleisch von zahmen thieren, im bilde: diese gegensätze, salon,
bürgerstube, wald und räuberhütte -- süszes, zahmfleisch und wildbret -- durch gute kompositionsmotive
ineinanderzuflechten ... wäre für ein nach guten rezepten gebildetes talent kein überschweres werk
VISCHER altes u. neues 3, 127.

ZAHMFLIESZEND, part., langsam flieszend (vgl. zahm II 1, g, α): dise dreu geschlecht wonend merteils
in stillen oder zamfliessenden wassern HEROLD-FORER Gesners thierb. 2, 44.

ZAHMGEFLÜGEL, n., zahmes geflügel: der leser hat wohl längst die frage auf den lippen, wo denn das
zahmgeflügel bleibe? VISCHER auch einer 1, 365. dazu z a h m g e f l ü g e l s t ü c k , n.: füllsel von
zahmgeflügelstücken (aus einem speiszettel) VISCHER auch einer 1, 359.

ZAHMGEMACHT, part., gezähmt.

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1) nach zahm II, 1, a: ein zahm-gemachter vogel fliecht mir auch nicht leicht hinweg STRANITZKY
ollapotr. 167, 30 neudr.; ein zahmgemachter hirsch, cervus mansuefactus

Bd. 31, Sp. 121

STEINBACH 2, 6; nach einem zahmgemachten fuchs schwimmen alte und junge STAHL gewehr-gerecht.
jäger 208, 5.

2) nach zahm II, 1, b: the taming of the shrew heiszt nicht die zahmgemachte zauberinn sondern
zänkerinn GERSTENBERG Hamb. n. zeitg. 44, 27 Fischer.

ZAHMGESULZTES, n., gesulztes von zahmen thieren: zahmbraten und zahmgesulztes (aus einem
speiszettel) VISCHER auch einer 1, 359.

ZAHMHEIT, f., das zahm sein. vgl. zahmigkeit.

1) nach zahm II, 1, a: ein ... vogel ... lockt ihn (einen wandrer) durch ... anscheinende zahmheit herbey
HIRSCHFELD theorie d. gartenkst. 2, 53; die zahmheit der last- und weidenden thiere bezeichnet sich
durch die langen ebenen ... linien GÖTHE 37, 348, 19 Weim.; es sind hochgeschätzte stubenvögel, die ...
durch ... ihre zahmheit gar viel vergnügen machen (steinmerle) NAUMANN vögel 21, 354; wir liebten es
(ein pferd) alle wegen seiner zahmheit und kraft KERNER bilderb. 134; eingefangene junge (marder)
erreichen einen hohen grad von zahmheit BREHM thierl. 1, 586 Pechuel-Loesche; dem kanarienvogel,
der um diese stunde aus seinem käfig gelassen wurde und mit bewunderungswürdiger zahmheit sich bei
uns herumtrieb SEIDEL Leber. Hühnchen 131.

2) nach zahm II, 1, b: der lieberale könig war mit der zahmheit des landtages wohl zufrieden
TREITSCHKE d. gesch. 19. jh. 3, 51.

3) nach zahm II, 1, c: die neue komödie läszt sich allerdings in gewisser hinsicht als die zahm gewordene
alte bezeichnen, allein in bezug auf genialität pflegt zahmheit nicht eben für einen lobspruch zu gelten A.
W. SCHLEGEL dram. k. u. litt. 1 (1809) 330; dasz ... immer eine gewisse zahmheit der formen und
schlaffheit ... diesen werken (indischen tempeln) eigen sey RITTER erdkunde 6, 1094; sie (die
Orientalen) wissen nur, dasz einer frei ist, aber eben darum ist solche freiheit nur willkühr, wildheit,
stumpfheit der leidenschaft, oder auch eine milde, zahmheit derselben, die selbst nur ein naturzufall oder
eine willkühr ist HEGEL 9, 21; sie (die französische metrik) ist eine wahre zwangsjacke für gedanken, die
bei ihrer zahmheit gewisz nicht einer solcher bedürfen HEINE 7, 462; O'Connor aus Irland unterschied
sich von seinem radikalen namensvetter durch die zahmheit seines italienischen sonetts GAUDY 6, 16.

4) ob die folgende stelle hierher gehört, erscheint ihres zeitabstands und des textlichen zusammenhangs
wegen zweifelhaft. es könnte, falls kein druckfehler vorliegt, einschränkung in der lebensführung
gemeint sein, was an zahm II, 1, b angeknüpft werden müszte: darbei auch ein solchs leben füren, da
arbeit, wachen, sorg, zamheit, was übriger feuchtin seind, verzeren WIRSUNG arzneib. 567.

ZÄHMIG, adj. zu zähmen, in älterer sprache, zämig, domabilis DASYPODIUS, das man leychtlich und
wol zämmen und gemeisteren mag, domabilis MAALER 511b, zämmig, das mit schräcken und forcht sol
gezämbt und gemeisteret werden, domandus terrore ebenda, zähmig domabilis SCHOTTEL 1446, zämig,
domabilis, domandus, edomandus, coërcendus STIELER 2594, nach zähmen 1: erzeigt sie (die krankheit)
sich lind, mildt, natürlich, und ist zämig PARACELSUS chir. schr. 145 A.

ZAHMIGKEIT, f. zu zahm (vgl. zahmheit, wie rohigkeit neben rohheit, obgleich kein rohig bezeugt ist)
veraltet. im sinne von zahm II, 1, a: wenn sie (kanarienvögel) zur äuszersten zahmigkeit gebracht werden
sollen, musz man sie ... in dem vogel-hausz behalten HOHBERG 3, 364a; noch weniger ist er (ein vogel,
die amsel) zur äuszersten zahmigkeit wohl geschickt KRÜNITZ 1, 712.

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ZÄHMIGKEIT, f. zu zähmig: zämigkeyt, placiditas DASYPODIUS.

ZAHMKIRSCHE, f., die saure kirsche, weichsel, prunus cerasus, in der gegend von Bern PRITZEL -
JESSEN 314b: ich meinte ... es gebe rothe und schwarze und nebenbei noch weichseln oder zahmkirschen
GOTTHELF 10, 312.

ZÄHMLICH, adj., das sich zähmen läst, das zu zähmen ist, domabile RÄDLEIN 1, 1081:

nein, mein bruder, also zähmlich


wirst du niemals mich erblicken
TIECK ges. nov. 10, 293.

Bd. 31, Sp. 122

ZAHMLOS, adj., wahrscheinlich mit anlehnung an zahm aus zaumlos entwickelt (vgl. dies und zaum für
zahm unter dem letzteren, auch zamrecht für zaumrecht, von einem pferd H. SACHS fab. u. schw. 2, 604,
52 Götze), in älterer sprache: Judas verrahtet Jesum mit einem kusz, o gottloser, ehrenloser, heylloser,
grundloser, zahmloser mörder! ABRAHAM A S. CLARA Judas 3, 115; und dann mit einer zahmlosen wuth
und aufruhr die unschuldigen juden als die ausüber der gräulichen handlung anklagen MENDELSSOHN
ges. schr. 3, 207;

und wohnet in der wüsteney,


darinn er ist zamlosz und frey,
dasz in niemand gezemen kan,
geyt weder um gesetz und ban
H. SACHS 15, 349, 18 Keller-Götze.

ZAHMMACHEN, n., im sinne von zahm II, 1, a: was vom zahmmachen der füllen ... gesagt wird, verdient
allen beyfall allg. d. biblioth. 48, 421.

ZAHMMACHUNG, f., domitura CALEPINUS 448a, nach zahm II, 1, b: ihre ... freunde, denen sie
(menschenscheue) ... diese zahmmachung zu danken haben allg. d. biblioth. 22, 387.

ZAHMSEN, verb.: schwäb. zamsen, zahm machen, locken SCHMELLER2 2, 1126, J. C. SCHMIDT bei
CAMPE, an sich ziehen FULDA 596, weiterbildung zu zahmen. nd. wohl auf grund von tämen, hd.
zähmen mit umlaut tämsen, zähmen, bändigen RICHEY 304, SCHÜTZE 4, 248, tämmsen zähmen,
hindern MI 91b, im besonderen sinne von durchprügeln (als einer art der zähmung) holstein. auch
tamsen SCHÜTZE 4, 248. vgl. täms holden, ruhe halten brem. wb. 5, 17.

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ZÄHMUNG, f., das zähmen ADELUNG, domitura FRISCH 2, 463c, STEINBACH 2, 1068, zämung,
domatio, domitura, domitus, vis, adactio, coërctio STIELER 2594, domitura DASYPODIUS, zämmung,
domitura MAALER 511b.

1) im sinne von zähmen 1, a: zämung (des steinbocks) bey den leüten STUMPF 609a; zämung der wilden
tiere, ferarum domitura STIELER 2594; da die zähmung der thiere allen Amerikanern jederzeit so fremd
geblieben ist, dasz man selbst in Mexico ... auch nicht eine spur davon wahrgenommen hat FORSTER
sämmtl. schr. 4, 174; nur bei einigen (vögeln) treten der zähmung sehr viele ... hindernisse in den weg
NAUMANN vögel 1, 144; die älteste tochter des hausherrn gehörte zu den mädchen, welche ... eine
glückliche hand für die auferziehung und zähmung verschiedenster vögel besitzen HOLTEI erz. schr. 26,
195; und nun die zähmung des pferdes, welche gewalt gab sie in die hand desjenigen volkes, welches sie
zuerst ... betrieben hatte BAER 2, 26; doch behauptet man, dasz die tiere (nasenaffen) ... sich nicht ... zur
zähmung eigneten BREHM 1, 123 Pechuel - Loesche; die zähmung des hauspferdes reicht aber, nach
meiner ansicht, bis in die jüngere diluvial-zeit zurück NEHRING tundren u. steppen 189.

2) im sinne von zähmen 1, c: wiewol er hernach durch zähmung der Preuszen ... zeigte: dasz sanfftmut
und tapferkeit ... in einem helden sich vermählen ... können LOHENSTEIN George Wilhelms lob-schrifft
B 5, c; (scherzhaft) ich hätte nicht die schönsten jahre meines lebens mit der zähmung von Engländern
verlohren! LICHTENBERG br. 3, 176; ja, ja, beste freundin! sagte Schlurck lächelnd über die plötzliche
zähmung der wilden frau GUTZKOW ritter v. geiste 3, 60; meistens hat man sie (anhänger einer lehre)
jedoch nur in einem zustand der zähmung und unterjochung geduldet SCHOPENHAUER 2, 191
Grisebach; Shakespeares 'taming of the shrew' heiszt in ESCHENBURGS übersetzung: zähmung eines
bösen weibes 4 (1800), 385, bei SCHLEGEL - TIECK: der widerspenstigen zähmung 6 (1831), 197;

Colombo. ... was macht mein schönes inselparadies?


was meine wilden?
Sebastian. die sind nun gezähmt,
doch an der zähmung sind sie draufgegangen.
RÜCKERT 10, 632.

3) im sinne von zähmen 1, d: des fleisches zemung LUTHER 16, 232 (am rande) Weim.; hat die kirche
als ain sorgkfeltige, gütige můter billich ursach gehabt, sollich fasten zu gebieten unnd etliche tage flaysch
zůr zämung unsres frechen leychnams nit zů essenn verordnet

Bd. 31, Sp. 123

303, 192, 39; darauff geht das volck hin, und folgt diser lehr, läst fasten, betten, almůsen, creutzgäng, und
harte zemung dess fleisch fallen NAS antipap. eins u. hundert 6, 45b; die zämung der zungen betreffend
..., so eyner vileicht dieselbige für geringschätzig und unnötig hielte, der geht inn erkantnus zimlicher
gebür weit jrr FISCHART ehez. 304, 27 Hauffen.

4) im sinne von zähmen 1, f: nachgehends hat man zur notturftigkeyt der kuchen, zur ... zämung und
demmung der geylheyt und wollust zujagen angefangen SEBIZ 560; so sind drey umbstand zu erwegen ...
die art dess mörderischen zorns, desselben kluge zähmung, und rechter löblicher gebrauch der gezämten
bestien DANNHAWER catechismus-milch 2, 182; zämung der begierden, libidinum coërcitio,
cupiditatum moderatio STIELER 2594; wenn er (der erste mensch) eine gleiche freyheit gehabt hat, die
ihm zu zähmung seiner begierden verliehene kräfte zu gebrauchen, oder nicht zu gebrauchen LISCOW
635; in ihm (im zweikampf) lag eine zähmung roher gewalt DAHLMANN dän. gesch. 1, 156; so fühlte man
doch hier lebhaft, dasz für Frankreich ... zähmung seines egoismus ein unermeszlicher fortschritt ist
GUTZKOW ges. werke 7, 169.
dazu: z ä h m u n g s k u n s t , f.: an der cicuration und zähmungs-kunst ligt viel (den frauen
gegenüber) DANNHAWER catechismus-milch 3, 326. z ä h m u n g s m i t t e l , n.: bey ihm (dem pavian)

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gibt es keine zähmungsmittel OKEN 7, 1791. in bezug auf personen: mag immerhin die religion ein
excellentes zähmungs- und abrichtungsmittel des verkehrten ... geschlechts seyn SCHOPENHAUER 5,
357 Grisebach. z ä h m u n g s p r i n z i p , n.: sein zähmungsprincip war grade die allmälige gewöhnung
GUTZKOW ritter v. geiste 9, 58. z ä h m u n g s s c h u l e , f.:

Tranio. und zähmen wird er sie. Bianca. so spricht er, freund.


Tranio. gewisz, er geht schon in die zähmungsschule
(he is gone unto the taming-school)
... Petruchio ist der rector.
Shakespeare widersp. z. 4, 2.

z ä h m u n g s v e r s u c h , m.: eine gefangene jagdhyäne ... schreckte jedermann ab, zähmungsversuche


mit ihr anzustellen BREHM thierl. 2, 65 Pechuel-Loesche. z ä h m u n g s w e i s e , f.: eine verbesserte
kunst des einfanges dieser wilden thiere (elephanten), ... die nebst der eigenthümlichen zähmungsweise
durch elephantenjäger aus Dschittagong ... dahin (nach Süd-Dekan) verpflanzt worden ist RITTER
erdkunde 5, 907.

ZAHN, m., dens.

I. formales.

1) das wort lautet ahd. mhd. zant, -des, zan; as. tand, tan, mnd. tant, tan(e), ten(e), nnd. tant, tān, täɷn;
anfrk. ndl. tand; afrs. tôth, tond; ags. tôþ, engl. tooth; an. toʛnn norw. tonn, schwed. dän. tand. das got.
bietet ein ablautendes tunþus. urverwandt sind lat. dens, -ntis; griech. οδους - δοντος; skr. dan, acc.
dántam; armen. atamn; lit. dantìs; air. dét; kymr. dant. allen liegt wohl das part. präs. der wurzel ed,
essen zugrunde, sodasz zahn eigentlich 'essender' bedeutet KLUGE ety. wb.7 502a, FALK-TORP norw.
dän. wb. 1245.

2) der stammhafte dental begegnet noch in frühnhd. denkmälern: do wirt wainen uud grisgramen der
zende 1. deutsche bibel 1, 29, 41; und als er mit iaren beschwärt nun von alter träg was und syn zend
fürstumpf und verschlissen STEINHÖWEL Äsop 118 Österley. dann verschwindet er aus der
schriftsprache, erhält sich aber mundartlich bis heute, so im bair. zand SCHMELLER2 2, 1132 (neben
zan 1126), welche form auch gilt in Tirol SCHÖPF 8, 24, in Kärnten LEXER kärnt. wb. 262b, im
cimbrischen cimbr. wb. 181a, in der Schweiz STALDER 2, 463, im Elsasz MARTIN-LIENHART 2, 905a
und in Lothringen FOLLMANN 552b, mit längung des stammvocals wienerisch zahnd, plur. zähnd
LORITZA 145a, HÜGEL 192a, nassauisch zahnt neben zannt (und zann) KEHREIN 1, 451. vgl. die auch
nnd. unter andern noch begegnende form tant (tand), wie sie STRODTMANN 241, WOESTE 267b und
TEN DOORNKAAT KOOLMAN 3, 391b verzeichnen. die alte schreibung der verkürzten form zan bieten
von nhd. lexicographen noch DASYPODIUS, MAALER 512a und STIELER 2595. zahn, das die dehnung
des vocals veranschaulicht, erscheint bei SCHOTTEL 1446, FRISCH 2, 463c und den späteren.

3) ursprünglich consonantischer stamm (vgl. griech. οδους, οδοντος, lat. dens, dentis) folgt das wort im
deutschen,

Bd. 31, Sp. 124

ohne dasz vorher übertritt in die u-declination erfolgt zu sein braucht, wie sie got. tunþus zeigt,
durchweg der flexion der i - stämme BRAUNE ahd. gramm. (1911) § 216 anm. 1 und § 238.
unumgelautete pluralformen begegnen im ahd. noch bei NOTKER GRAFF 5, 684. auch LEXER mhd.
hdwb. 3, 1029 verzeichnet noch einen umlautlosen plural zane. selbst im älteren nhd. zeigt sich ein
unumgelauteter plural nach der n-declination: man sagt, das er statt der zahnen einen gantzen knochen
im munde gehabt MICRÆLIUS 3, 515. auch der umgelautete plural schwankt frühnhd. nach der

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gleichen declination hinüber: das hol der zänen, cava dentium MAALER 511c (neben zän im nom. und
acc. 511bc). im nd. begegnet sogar ein plural tähner MI 91b. hier dringt der umlaut auch in den sing.,
mnd. tene, auch f.? SCHILLER-LÜBBEN 4, 531a, mnd. täɷn (tēn) RICHEY 303. 306, SCHÜTZE 4, 244,
brem. wb. 5, 19, DÄHNERT 482a, DANNEIL 220a, TEN DOORNKAAT KOOLMAN 3, 391b, MI 91b, was
sich wohl durch falsche analogie auf grund des häufiger gebrauchten plurals täɷne erklärt. von diesem
sing. geht dann wieder die oben erwähnte stärker unterschiedene pluralbildung tähner aus.

II. bedeutung und gebrauch.

1) das wort bezeichnet die knochengebilde zum beiszen im munde des menschen und bei thieren.

a) beim menschen: unte sint abo dîne zene samo daჳ corter dero gescorenon scâffo WILLIRAM 55, 3;
daჳ öl, daჳ auჳ dem samen des (bilsen-)krauts wirt gemacht, ist guot für der zende smerzen, der von
haiჳer sach kümt MEGENBERG 405, 12; die menschen söllen nit forchtsam noch weybisch sich
ertzaigen, so sy aus weetagen der zene, oder sunst des leibs schmerzen leiden A. V. EYBE spiegel d. sitten
D VIb; die zän seint von der natur der bein, wiewol sye enpfindlicheit haben GERSDORFF wundarzn.
(1517) V 2a; da aber das fleisch noch unter jren zeenen war 4 Mos. 11, 33; dasz ihr (einer alten frau) alle
drey zähne vor die füsze fallen WEISE erzn. 13 neudr.; im andern hieb spaltet er dem andern den kopff
bisz auf die zähne von einander volksb. v. geh. Siegfried 86 neudr.; der lange verweilende kusz auf ihren
entblöszten arm, dasz noch die spur seiner zähne im flammrothen fleck zurükblieb SCHILLER Fiesko 1,
1; sorgfalt ... für haut und haare, für augenbraunen und zähne, für hände und nägel (ward eingeschärft)
GÖTHE 24, 310, 28 Weim.;

ihn haben ghawn die andern zwen,


dasz man im sicht all seine zen
H. SACHS 17, 110, 14 Keller-Götze.

die zeene kann kein goldt an hoher farb' erreichen


OPITZ poet. 44 neudr.;

der purpur-mund, die perlen-reyhen


der zähne sind zu staub gemacht
Königsberg. dichterkr. 45 neudr.;

das fleisch von kalb und rindern


das kam uns armen sündern
niemals für maul und zahn
DITFURTH 100 hist. volksl. d. preusz. heeres;

der email
der zähne glänzt
FREILIGRATH 1, 64.

ebenso bei menschenartig vorgestellten mythischen wesen: die seelen knarrten unter ihren (der teufel)
scharfen zähnen KLINGER 3, 27.

b) bei thieren: diu tier, die vil zend habent, die sint langes lebens MEGENBERG 14, 20; deinen (gottes)
kindern kundten auch der gifftigen drachen zeene nicht schaden weish. Sal. 16, 10; (im bilde) also bleib er
(herzog Friedrich v. Sachsen) ungebissen, wie wol viel hunde die zehen blicken lieszen LUTHER 19, 646
Weim.; dem elephant stelt man seiner zehn halben nach FRANCK sprichw. 1, 136a; das wilde schwein
(für welches zehnen sich zuhüten war) THURNEYSSER magna alch. vorrede 5; welches dann noch ... an
des todten wolffs zähnen zu sehen wäre grillenvertr. (1670) 119; der schaum geifert ihm (einem

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verwundeten löwen) von den zähnen BREITINGER crit. dichtk. 1, 38; an den klippen dieser meere findet
man das walrosz, dessen zähne edler sind, als das helfenbein HALLER Alfred 218, 2; so lang' er (ein
hund) zähne hatte, durfte kein mensch ihm nahe kommen HOLTEI erzähl. schr. 5, 197;

ûf des (eines rüden) zenen solde sich


Reinhart entschuldget hân
Reinhart Fuchs 1124;

Bd. 31, Sp. 125

gleichwie ein junger leu die zähne grimmig beist,


und wenn er wütend wird, den meister selbst zerreist
RACHEL 51 (4, 299) neudr.;

ein marder frasz den auerhahn;


den marder würgt ein fuchs; den fuchs des wolfes zahn
HAGEDORN 2, 77, 2;

wir schlangen echter art bewahren ...


in kleinen bläschen gift bey jedem zahn
AYRENHOFF 5, 71, 18;

denn so hat kein thier, dem sämmtliche zähne den obern


kiefer umzäunen, ein horn auf seiner stirne getragen
GÖTHE 3, 90, 44 Weim.;

sprichwörtlich: an den zähnen kennt man die pferde (ihr alter) WANDER 5, 484, 3; mit bezug auf die
bekannte sage des classischen alterthums:

nicht hoffe, wer des drachen zähne sä't,


erfreuliches zu ärnten
SCHILLER Wall. tod 1, 7.

dichterisch auch als bezeichnung andersartiger freszwerkzeuge von thieren:

der raupen tückischer zahn


wird stumpf an ihnen (blättern)
GÖTHE 4, 183 Weim.

scherzhaft: die weisesten bauersfrauen, ... die sonst das gras wachsen hörten und die zähne im
mückenrachen deutlich sehen und zählen konnten -- an Mariens buhlschaft erlahmte ihre seh- und
hörkraft STELZHAMER dichtungen 2, 237, 14. in freierem bilde:

jetzo ('xenien') nehmt euch in acht vor dem wackern eutinischen leuen (Vosz),
dasz er mit griechischem zahn euch nicht verwunde den fusz
GÖTHE 5, 215 Weim.

in älterer sprache werden bildlich einer person wohl zähne eines wolfs beigelegt:

er ist geborn,
bî dem in lambes munde wahsent wolves zende
minnes. 2, 363b Hagen;

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ir truogt den eiterwolves zan,


dâ diu galle in der triuwe
an iu bekleip sô niuwe
WOLFRAM Parz. 255, 14.

sprichwörtlich: es ist keyn man, er hat eins wolffs zan, hat er nit das maul vol FRANCK sprichw. 1, 90a.

c) zahn in festerer verbindung mit bezeichnungen anderer theile des körpers. zähne und mund
verbunden: artznei zu den zähnen und dem mund SEBIZ 77;

mit kaltem wasser ist nit gesundt


zu wäschen deine zeen und mundt
SCHEIT Grob. 179 neudr.

zunge und zähne, zahn: trotz des kalten capaunen, welchen zunge und zähne zernagten GUTZKOW ges.
w. 5, 176;

und schosz durch's hinterhaupt ...


den scharfen speer, der zung' und zahn zerschnitt
BÜRGER 159, 91 Bohtz.

bildlich: ich kan nicht zugleich mit den zähnen und mit der zungen spielen, jouer des dens et de la langue
en mesme temps DHUEZ guidon de la lang. frc. (1649) 249. zahn und hand, gnomisch:

zwischen zahn und hand


geht viel zu schand
SIMROCK sprichw. 570, 11964a;

wer keine hand hat, hilft sich mit den zähnen HÖLDERLIN 2, 19, 14 Litzmann. rein bildlich: ich halt es
offt mit den zähnen, wenn die hände versagen GÖTHE IV 55, 17 Weim. nd. mit erhaltung der älteren
wortform reimhaft: in diem vivere, ex tempore vivere, et is al ut der hant in den tant SCHILLER-
LÜBBEN 4, 510b; et gêt van hand oppen tand, er lebt von der hand in den mund WOESTE 267b. auch hd.
mundartlich: der lebt us, von der hand in den zand, zahn MARTIN-LIENHART els. wb. 2, 905a. ähnlich:
mit zähnen und fäusten musz man den genusz der vergnügungen des lebens fest halten, welche uns unsre
jahre eins nach dem andern mit starken klauen wegreiszen BODE Montaigne 2, 194. zahn und klaue: mit
seinen klauen und eisernen zähnen möchte es (ein thier) alles zerbrechen RAUMER gesch. d. Hohenst. 4,
32;

Bd. 31, Sp. 126

ein panther, der in Sur die pilgramer ansprengt,


raubt nicht den mantel nur, er setzet zahn und klauen
in fleisch und gliedern ein
LOHENSTEIN Ibrah. sult. 39, 363;

der adel unter thieren


ist klau und zahn
VOSS 5 (1802), 266;

wie tief beschämt uns dann des waldes thier,


das schonungslos mit klau'n und zähnen den,
der ihm die freiheit rauben will, zerfleischt

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RAUPACH dram. w. ernster gattung 5, 30.

ähnlich:

sein (des löwen) anfall dräut mit nägeln und mit zähnen
PIETSCH 28.

biblisch auge um auge, zahn um zahn, das gesetz der vergeltung bezeichnend: ir hört, das geseit ist: aug
umb aug und zan umb zan. wann ich sag euch: nicht wider stet dem ubeln 1 deutsche bibel 1, 20, 29
(Matth. 5, 38) Kurrelmeyer; komt jr (einer schwangeren) aber ein schaden daraus, so sol er (der sie
verletzt hat) lassen seele umb seele, auge umb auge, zan umb zan, hand umb hand, fus umb fus, brand
umb brand, wund umb wunde, beule umb beule 2 Mose 21, 24; wer seinen nehesten verletzt, dem sol man
thun, wie er gethan hat, schade umb schade, auge umb auge, zaan umb zaan 3 Mose 24, 20; ir habt gehört,
das da gesagt ist, auge umb auge, zan umb zan. ich aber sage euch, das jr nicht widerstreben solt dem ubel
Matth. 5, 38; er (Moses Freudenstein) wird es ihnen (den christen) vergelten nach dem gesetz: auge um
auge, zahn um zahn! RAABE hungerpast. 1, 175; dafür ahd.: ouga furi ouga inti zan furi zan Tatian 31, 1;
so auch mnd.: ein oge vor ein ander, enen tant vor enen anderen tant SCHILLER-LÜBBEN 4, 510b.
ähnlich:

wohlan denn, zahn um zahn und blut um blut!


GEIBEL 2, 278.

d) zahn mit adjectiven verbunden.

α) als schön gelten weisze zähne: seine augen sind rötlicher denn wein, und seine zeene weiszer denn
milch 1 Mos. 49, 12; schneeweysser zan, niveus dens MAALER 512a; schöne, weisze zähne, dentes nivei
STIELER 2595; ihre perlweiszen zähne schimmerten recht scharmant zwischen den rothen lippen
hindurch EICHENDORFF 3 (1864), 32; (italienische) burschen und kinder ... grinsten mich mit ihren
blendendweiszen zähnen an GAUDY 2, 52; eine unaussprechliche freundlichkeit ... verbreitete sich über
das gefurchte und doch noch nicht alte soldatengesicht und liesz schneeweisze zähne sehen KELLER 4,
23; wobei er weisze, wundervolle zähne zeigte FONTANE 1, 411;

sô si sich rechte des versinnet,


sô winde ir herze in rôtes mundes gruoჳ,
mit wîჳჳen zenen harte wol bezinnet,
unt tuo mir dâmite sorgen buoჳ
minnes. 1, 309a Hagen;

das kindlein lacht die blüthen an


aus rothem mund mit weiszem zahn
TIECK schriften 4, 131;

sie lacht so gesund, so glücklich, so toll,


und mit so weiszen zähnen
HEINE 1, 248 Elster;

weisze zähne, glänzend weisze,


sich wie sternenlichter zeigen
MÖRIKE 1, 144.
dasselbe bezeichnen verbindungen gleich den folgenden: Dankmar hatte ... blendende, gesunde zähne
GUTZKOW ritter v. geiste 1, 57;

von snêwîჳem beine

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nâhe bî ein ander kleine,


sus stuonden ir die liehten zene
WOLFRAM Parz. 130, 13.

reine, saubere zähne: der salve wär gesund unnd machet die zän und das zanfleysche gar rein und sauber
ARIGO Decam. 289, 4 Keller. gegensatz schwarze, gelbe zähne: als balde ... die hawtt dürre und weytt
wirt, die zene schwartz, ... so wirt die fraw verschmecht EYB d. schr. 1, 17, 10; schwarze zähne, dentes
picei, luridi, atri STIELER 2595; gelbe, garstige zäne, buxei, scabri, lividi ebenda;

zeig ...
die geele zeen auch jederman,
so steht dirs lachen lüstig an
SCHEIT Grob. 297 neudr.

im bilde:

sezz hier nicht ein des lästers gelben zahn!


geharnschte Venus 73 neudr.

Bd. 31, Sp. 127

auffällig: ob aber ... eine eingekerbte oberlefze, oder grünliche zähne daran schuld gewesen NICOLAI
Nothanker 1, 156.

β) auch dasz zähne klein sind, wird gerühmt: ir zene (waren) klain und in glycher ordnung gesetzet N. V.
WYLE transl. 23, 7; ich sah sie ... unbefangen und tüchtig dreinbeiszen mit ihren kleinen weiszen zähnen
KELLER 1, 240; mhd. mit dem sinne des zierlichen:

(Flore hatte) gelîche zene cleine;


von wîჳe lûhtens reine
FLECK Fl. 6841;

ir zene wârn wîჳ, eben und kleine


WIRNT Wig. 917.

grosze zähne: er (der wilde eber) ist swarz und hât grôჳ hawend zend MEGENBERG 121, 12; grosze,
blanke zähne weisend, die man ordentlich wässern sah, rief er seinem opfer zu MEYR 1 (1868), 121. lange
zähne: das ander thier ... hatte in seinem maul unter seinen zeenen drey grosze lange zeene Dan. 7, 5;

die zene wâren (enkeln Adams) lanc in dem munde


gen. 26, 14 Diemer.
auf ein gefühl, das bei eszlust, aber auch bei widerwillen gegen speisen oder beim genusse saurer
sachen eintreten kann, beziehen sich die folgenden wendungen. mit langen zähnen essen, begierig
ADELUNG, aber auch: mit unlust HUPEL 269, WANDER 5, 492, 211. lange zähne haben, nach essen
von sauersüszem MARTIN - LIENHART els. wb. 2, 905a. entsprechend: die zähne werden einem lang, im
bilde: so musz ich denn ... in den sauersten aller äpfel beiszen, obgleich mir von der idee schon die zähne
lang werden, wie zaunpfähle! HOLTEI erzähl. schr. 3, 17; freier, von einem ungeduldigen:

die wächter riefen zehn, und unserm jungen herrn


begannen allgemach die zähne lang zu werden
WIELAND 21, 300 (Clel. u. S. 6, 3);

auch nd.: de tęne werd ęm lang, wamme dat anhæɽren maut WOESTE 267b. lange zähne bekommen,

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lüstern werden MARTIN-LIENHART els. wb. 2, 905a, kriegen: man kriegt völlig lange zähn', wenn man da
zuschaun muß NESTROY 1, 43; a kreït lang zähn, sieht begierig zu beim essen FOLLMANN lothr. wb.
553a; dà sall 'me lange tęne nà krîgen WOESTE 267b. einem lange zähne oder die zähne lang machen:
erstberürter Burgauer, der (in seiner schrift über das podagra) beinah ider haken hat wöllen ein stil
machen unnd allem zipperlin helfen und doch im abzug aim lang zän macht FISCHART podag. trostb. 13,
8 Hauffen; wer war aber anders schuldig dran, als mein schönes weib, die mich mit vorzeigung dieser
schönheit gleichsam geludert (gelockt) und ohne zweiffel mit ihrem ehebrecherischen discurs und eygenen
würcklichen beginnen dem guten mägdgen auch lange zähn gemacht? Simpl. 2, 544 Keller (vogeln. 2, 6);
er hat uns vergebens lange zähne gemacht PESTALOZZI Lienh. u. G. 2, 261; auch heute in Elsasz-
Lothringen wie: lüstern machen MARTIN - LIENHART 2, 905a, FOLLMANN 553a; messend: laszt euch
nicht verdrieszen ..., dasz ich euch die zän so lang mache und mich jetzumal, da jr all die oren gespitzt,
anderswohin beruffe Garg. 1, 30 neudr.; warum macht er einem so lange zähne PESTALOZZI Lienh. u.
G. 3, 139; gesteigert, auf einen trunk bezogen: begert einen trunck, und aber derselbig trunck stehet für
jhm, und wird jhm nit, macht jhm noch lenger zähn PARACELSUS opera (1616) 2, 476. gerade, schiefe,
krumme zähne:

ob tödtend auch durchs herz der speer ihm fuhr,


doch kämpft noch furchtbar kräftig die natur,
mit krummen zähnen sucht's (ein wildschwein) den grund zu hauen
DROSTE 2, 214.

scherzhaft:

ihr lachtet über solchen thieren


den allerletzten backzahn krumm
GÜNTHER 165.

γ) spitze zähne: gerne hätte ers der katze schuld gegeben, wann diese nicht so gar spitze zähne gehabt
hätte polit. maulaffe 48; ich will den unterirdischen schaz aus den klauen des zauberdrachen reiszen, und
wenn er tausend rothe flammen auf mich speyt und seine spizen zähne gegen meinen degen blekt
SCHILLER räuber sch. 4, 5. scharfe zähne: in dem mich aber daucht wie eyn

Bd. 31, Sp. 128

kolschwarcz grausam windspil ... mir mit seinen scharpfen zänen in meiner lincken seiten lag ARIGO
Decam. 283, 18 Keller; umsonst, dasz du (ein eber) ... zwey scharfe zähne fletschest FR. MÜLLER 1,
364;

dar zuo sô kratzt er unde beiჳ


mit grimmen und mit scharpfen zenen
KONRAD V. WÜRZBURG Troj. 9801;

du wirst jhr gift und scharfe zähn


in deinem sinn verlachen
P. GERHARDT bei FISCHER-TÜMPEL kirchenlied 3, 403b.

gnomisch: der mensch, sagt Plinius, wird nicht geboren mit scharfen zähnen NEUMARK palmb. 146.
stumpfe zähne: die alten hunde, wenn sie ausgedient und sich mit jagen abgearbeitet haben, also dasz sie
mit ihren stumpfen zähnen die hasen nicht mehr halten können volksb. 5, 13 (schildbürger) Simrock. in
bildern: es wird die sache (der krieg) ernst gnug mit sich bringen, das den zornigen, trotzigen, stoltzen
eisenfresser die zeen so stumpff sollen werden, das sie nicht wol frische butter beiszen konnen LUTHER
19, 648, 11 Weim.; der nürnbergische katechismus ist eine harte speise. die jugend kaut daran und
mummelt sich die noch nicht festen zähne stumpf NICOLAI reise 1, 302;

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der krittler freche, wenn auch stumpfe zähne


PLATEN 1, 65 Redlich.

in bezug auf mangelndes behagen beim essen:

bei frohen gästen brütet er (der schuldige) unmuthvoll,


versenkt in tiefes, trauriges, eignes weh.
wie der verdammten schatten einer
kostet er alles mit stumpfem zahne
HERDER 27, 31, 20.

ein gefühl nach dem genusse saurer sachen bezeichnend, im bilde: zur selbigen zeit, wird man nicht mehr
sagen, die veter haben heerlinge gessen, und der kinder zeene sind stumpff worden, sondern ein jglicher
wird um seiner missethat willen sterben, und welcher mensch heerlinge isset, dem sollen seine zeene
stumpff werden Jerem. 31, 29 u. 30. vgl. lange zähne oben unter β. in gleichem sinne eilige zähne (zu
eilen, dolere): eilige, sive stumfe zäne, dentes stupidi STIELER 2595. scherzhaft in der Niederlausitz:
einem eilige zähne machen, ihn zur eile antreiben WANDER 5, 490, 140. ebenso schlehe und nur in
älterer sprache verhönete (zu verhöhnen im sinne von schlecht, stumpf machen) zähne: burtzelkraut
gekäuwet oder gessen heile die verhönete oder stumpffe zähn, so von herbem oder rauhem obst und
dergleichen, schlehe oder stumpff worden sind TABERNAEMONT. (1664) 831 C. im bilde: die dortigen
theologen meinen wohl, wenn sie die sache nicht möglichst vertuschten, muthe man ihnen auch am ende
zu, dasz sie statt zu essen, sich mit ein paar johannisbeeren nur die zähne schleh machten GÖRRES ges.
br. 3, 480.

δ) einem die zähne wässerig machen, wie den mund wässerig machen, ihn lüstern machen: du hast mir
nur die zähne wässerig gemacht mit deinem gelde diskursz etzlicher personen A 2b; aber ich wuste wol,
dasz die (prächtigen) kleider ... ihm nur angethan waren mir die zähne wässerig zu machen Simpl. 1, 5
cap. 21.

ε) vergiftete zähne der schlangen, im bilde:

wie hat das falsche volk sich wider mich gesetzt


und den vergiften zahn im grimm' auf mich gewetzt
G. NEUMARK fortgepfl. lustw. (1657) 2, 3;

ähnlich:

wo lauernder schlangen giftspeiender zahn


zerrissen, was edel und grosz
mod. dichterchar. 104.

freier: wenn der zahn des ebers ... etwa giftig genannt wird, so ist diesz wohl uneigentlich für tödlich
gebraucht WELCKER alte denkm. 2, 317. tötliche zähne: sie (schlangen) umringeln seine füsze, ihre
züngelnden zungen deuten auf tödtliche zähne GÖTHE IV 38, 229 Weim.

ζ) starke zähne: betrachten sie mein zottiges fell, meine starken zähne, meine tüchtigen knochen
BAUERNFELD 6, 7 (republ. d. thiere 3). bildlich: die fürsten haben stärkere zähne als der adel ALEXIS
Roland v. Berlin 1, 49. schwache zähne:

wie bald ist es geschehn,


dasz wir den schwachen geist durch schwache zähne sehn
verhauchen in die luft ...?
FLEMING 1, 79 Lappenberg.

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Bd. 31, Sp. 129

η) schöne zähne STIELER 2595 (s. oben α):

wie? fehlt es ihr bereits an schönen zähnen?


LESSING 1, 16, 59 Lachmann-Muncker.

gute zähne: gůt und steyff zän, solidi dentes MAALER 511b; er hat gute zähne, egregie dentatus est
STIELER 2596; (suppe) erhält gute zähne HAFNER lustsp. 2, 180. sprichwörtlich: nachmals ... vor
Landresi und andern orten zu feldt gelegen, manchs mal mit guten und starcken zenen (wie das sprichwort
laut) böszlich geessen, ubel getruncken, hart gelegen FORSTER teutsche liedlein 112 neudr.; nachdem
wir mit müdem leib und füszen zu unsrer wohnung kamen, aszen wir mit guten zähnen übel Simpl. (1669)
31 neudr.; gute zähne haben und nichts zu essen ist verdorben werk SIMROCK sprichw. 570, 11962; er
hat mit guten zähnen übel zu beiszen 11966b. einen guten zahn haben, bildlich: wenn er (Jean Paul)
verhöhnte, hatte er einen guten zahn BÖRNE (1829/34) 4, 54. gesunde zähne, sprichwörtlich:

es ist nit gut, ich kanns ermessen,


mit gesunden zeenen ubel essen
FISCHART Eulensp. 49, 555 Hauffen;

gesunder zahn
kaut brot zu marzipan
SIMROCK sprichw. 570, 11964.

schlechte, schadhafte zähne: wie einer, dem ein ungeschickter zahnarzt einen schadhaften, festsitzenden
zahn gefaszt und vergebens daran geruckt hat GÖTHE 21, 93, 9 Weim. faule zäne, dentes putridi, marcidi
STIELER 2595, faule zähne, dentes cariosi, putridi FRISCH 2, 463c, veraltet: das kraut mit essig
gesotten, ist eine feine collution oder schwenckung der faulen unsaubern zän BOCK kräuterb. 15; als
schelte:

ir müeჳent iuwer fûlen zene


verstôჳen anders denne ûf ime
KONRAD V. WÜRZBURG Troj. 33007.

im vergleich: die hoffnung des verachters zur zeit der not, ist wie ein fauler zan und gleitender fus
sprüche Sal. 25, 19. böse zähne: die bösz zän oder ein bösz bissz hat, maledentata puella MAALER 511b;
kein bessers remedium ist wider den zahnwehe, als dasz man den bösen zahn lasse auszziehen
ALBERTINUS zeitkürzer 7b;

hor, lieber, ich hab do gar ein posen zan,


kust du mir nit ein rat darzu geben?
fastnsp. 89, 31 Keller;

ach weltlich freudt, ein böser zahn,


feind, fewr und dieb so schwechen kan,
das man nicht weis, wo man sich wol
für groszem trübnis lassen sol
RINGWALT christl. warnung E 4 a;

sprichwörtlich: ein böser zahn ist ein böser gast HENISCH 462, 18;

ein böser zan ein böser gast


H. SACHS 5, 274, 32 Keller.

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kranke zähne. hohle zähne: hole zäne, dentes cavi, cariosi, erosi, cavernae dentium STIELER 2595; bley
in einen hohlen zahn stecken, plumbum in cavum dentis addere STEINBACH 2, 1069; überredeten sie
sich einen alt hohlen zahn ausziehen zu lassen GÖTHE III 1, 58 Weim. im vergleich: die ehrlichkeit
wackelt wie ein holer zahn SCHILLER räuber schr. 2, 3. in redensarten zur bezeichnung einer geringen
menge: sie hat fast nicht mehr so viel, dasz sie es könnte in einem hohlen zahn verbergen ollapatr. 188, 2
Werner; das ist so klein, dasz es in einen hohlen zahn kriecht SPIESS 286; es gieng in einen hohlen zahn
SCHMID 542; das ist man auf den hohlen zahn WANDER 5, 488, 107 (vgl.: dat es men op ênen tân
WOESTE 267b); 's ist grad fur in e hohlen zahn MARTIN-LIENHART 2, 905a; däs isch nid fur ine hohle
zant stegge FOLLMANN 553a.

θ) lose zähne: sie geen gern mit linder speisz umb, dann sie fast alt, ain alts evangelium und alte lose zän
haben NAS antipap. eins u. hundert 1, 55a. in gleichem sinne wackelnde, wacklige zähne: den
wackelnden zähnen helfen, mobiles dentes stabilire STIELER 2595; wacklichte zähne fest machen,
mobiles dentes firmare STEINBACH 2, 1069; kam aber mit einer ... beule und einem wacklichen zahn
davon ARNDT 1, 193 Rösch-Meisner. gegensatz: seine zähne wurden wieder fest, und er bekam
gleichsam ganz neues zahnfleisch FORSTER (1843) 1, 104.

Bd. 31, Sp. 130

ι) unterschieden werden an jedem gebisz die oberen, die unteren, die vorderen, die hinteren zähne; vgl.:
die vorderisten zän, aversi dentes MAALER 511b und zusammensetzungen wie vorderzähne, oberzähne,
neben denen andere wie schneidezähne, eckzähne, augenzähne, backenzähne stellung und art der
einzelnen zähne im normalen gebisz bezeichnen. die ersten zähne der kinder heiszen auch milchzähne.
eigenartig der linke zahn in der frühnhd. wendung über den linken zahn ansehen, von der linken, bösen
seite, scheel:

das hat er über den linken zan


wie ein wolf gesehen an
MURNER v. luth. n. 3352 Kurz;

vgl. auch: über den linken zahn lachen unter g, κ. die letzten zähne (SCHNABEL Felsenb. 23, 36 Ullrich
sieh e, α) sind die weisheitszähne.

κ) künstliche zähne. gemachte, falsche zähne: es seye nemlich einsmals ein ungestaltes, kleines und
bucklichtes mägdlein gewesen, welches mit hohen schuhen, falschen haaren, gemachten zähnen, und
ausgefüllten kleidern ihre person ... verstellet hatte HOHBERG 3 (1715), 77b; wenn er (Bacchus) -- --
seine hörner ablege, wie ohngefähr eine alte jungfer ihre falschen zähne und brüste HERDER 3, 64.

λ) den zähnen werden auch mit dichterischer übertragung durch adjective eigenschaften beigelegt, die
in wahrheit dem träger der zähne zukommen. gierige zähne: dasz er (ein zauberer) ... demselbigen todten
einen arszbacken auszgehauen, und ... mit lust und gierigen zähnen ... in das fleisch gebissen PRÄTORIUS
Blockes - berges verrichtung (1668) 246;

und ich entrisz beherzt des frevlers gier'gen zähnen


den ... raub
J. A. CRAMER ged. 3, 357.

in solchen fällen erscheint oft, wie auch sonst gelegentlich, der sing. statt des plur. ekler zahn:

die stadtmaus bisz mit eckelm zahn


die schlechte kost verächtlich an
DROLLINGER 145;

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im bilde: dahingegen eine kältere nachkommenschaft mit eklem zahn an den werken ihrer meister und
lehrer herumkostet GÖTHE 46, 65, 17 Weim. stolzer zahn, im bilde:

wir kosteten nur mit stolzem zahn von der halle tanz,
und schliefen, zu der nacht den tag, gesunden schlaf
KLOPSTOCK od. 1, 219, 103 Muncker-Pawel.
leckrer zahn, im bilde, gesteigert: auch die Schlegeliana und Tieckiana habe mit vergnügen verspeist,
meine hausehre jedoch mit fast noch leckererm zahn F. ARNDT bei E. M. ARNDT schriften f. u. an s. l.
Deutschen 1, 106; vgl. leckerzahn. frecher zahn, bei thieren, frei:

vergebens schreiben wir, in bänden, aufgestellt;


der motten zahlreich heer zernagt mit frechem zahn
den bestvergüldten schnitt, den schönsten saffian
HAGEDORN 3 (1769) 160;

vgl. auch: der raupen tückischer zahn GÖTHE 4, 183 Weim. unter b.

e) verbale fügungen, in denen zahn subject ist.

α) die zähne wachsen, kommen, schieszen hervor, brechen durch: die zän wachsend widerumb, oder
schiessend wider härfür, recrescunt dentes MAALER 511b; (jungfer) der die dentes sapientiae, oder
deutsch zu sagen, die letzten zähne nur allererst schon vor 12. bisz 16. jahren gewachsen waren
SCHNABEL Felsenb. 23, 36 Ullrich; dasz du ungeduldig auf die zähne bist, die sich melden lassen und
nicht kommen wollen HIPPEL lebensl. 1, 8; im vergleich: als noch alles in Versailles in der schwebe
stand, ... brachen die zeichen der zeit wie zähne in einem jungen kopfe durch DAHLMANN frz. rev. 75;
bildlich in der landschaftlichen redensart: sich keinen zahn wachsen lassen auf etwas, nicht lüstern
werden darauf. vgl. unten f, π.

β) die zähne fassen, beiszen, zerbeiszen, zermahlen etwas: die zän zerbeyssend oder zermalend die
speysz, dentes conficiunt cibum MAALER 511b; was nur der zahn fassen konnte, ward gegessen
DAHLMANN Dänem. 2, 114, 19; im bilde: und wil noch kein zan erfur, der die wort Christi beisze
LUTHER 26, 437 Weim.; sprichwörtlich: der zan beiszet die zunge nicht, es fhulets der gantze leib 33,
233, 18 Weim.; der zahn beiszt oft die zunge, und doch bleiben sie gute nachbarn SIMROCK 570, 11963.

Bd. 31, Sp. 131

γ) die zähne wässern einem nach etwas, wenn man es gern essen möchte, vom thier in der fabel: als der
wolff in dem wald herumer mausete, ersahe er ... eine schöne, feiste kuhe, sammt dem kalbel, es
wässerten ihm schon die zähne darnach Ollapatr. 293, 26 Werner; sprichwörtlich: die zähne wässern ihm
nach holzäpfeln, nach nicht begehrenswerthem WANDER 5, 489, 129; auch freier: dieser mensch hoffete
gar gewisz ein stattliches lob, nach dem ihm schon die zähne gewässert ABRAHAM A S. CLARA etwas für
alle 2, 142; singularisch:

nicht nach essen, ...


nein, nach dir, nach dir, o lieber,
wässert täglich mir der zahn
BLUMAUER ged. (1782) 165.

ohne zusatz: zähne, die man wässern sah MEYR 1 (1868) 121 (s. oben d, β).

δ) die zähne stumpfen, ein gefühl nach dem essen von saurem bezeichnend, sprichwörtlich: wer den
andern saures essen sieht, dem stumpfen die zähne SIMROCK 570, 11965; vgl. stumpfe zähne bekommen
unter d, γ.

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ε) die zähne klappen, klappern vor kälte, angst, schmerz: das jhm vor kelte die zeen im munde klapperten
KRÜGER Clawert 34 neudr.; da er dermal eins tantzen und hüpffen wird, dasz ihme die zähn klappern
PRÄTORIUS Katzen - Veit G 3 v; der advokat zitterte, dasz ihm die zähne klapperten SCHILLER räuber
sch. 2, 3; 'wahr, wahr!' entgegnete herr Kurzmichel mit klappernden zähnen EBNER-ESCHENBACH 4,
25;

da wirt sein heulen und klappn der zen


H. SACHS 1, 278, 11 Keller;

die zän jhm (einem zaghaften) klapperen darneben


SPRENG Ilias 173b;

höre doch, kind, wie der athem mir bebt, wie die zähne mir klappern!
VOSS 2 (1802) 137;

sie frieren, dasz ihnen die zähne klappern


GÖTHE 3, 299 Weim.;

dem todesangst die zähne klappern machte


BAUERNFELD 5, 39.

daneben in älterer sprache die zähne schlottern: er hat mir alle zeen zeschlottern gemachet BOLTZ
Terenz deutsch (1539) 90b. auch die zähne schlagen an einander, zusammen: meine zähne schlagen an
einander GÖTHE IV 1, 139, 7 Weim. (nachher: ich schreibe warlich im fieber); mich schauerte es vom
wirbel bis zur zehe, meine zähne schlugen zusammen KELLER 1, 115;

die zähne schlagen mir, die knie mir zusammen,


mir läuft ein kalter schweisz!
GÖTHE 16, 25, 358 Weim.;

die zähne knirschen, vor schmerz, vereinzelt (vgl. f, γ und g, β): da werden allererst den larven die ohren
kreyssen und die tzeen knyrssen LUTHER 102, 147, 28 Weim.; meine zähne knirschen! GERSTENBERG
Ugol. 261, 22 Hamel. ähnlich in älterer sprache die zähne kirren: schertze nicht mit jm (deinem kinde),
auff das du nicht mit jm hernach trawren müssest, und deine zeene zu letzt kirren müssen Sirach 30, 10;
es scheumet der mund, die zähne kirreten, der leib hub an zu zitteren PARACELSUS chir. schr. 540a.

ζ) die zähne schmerzen, thun wehe ADELUNG: ich kan nicht draussen bleiben, mir thůn meine zän so
weh SCHUMANN nachtb. 14 Bolte;

zend und munt mir tâten wê


ULRICH V. LICHTENSTEIN 28, 1;

sprichwörtlich: wo einem der zahn weh thut, da schlägt man mit der zungen an FILIDOR Ernelinde 44;
es thut ihm kein zahn wehe, er fühlt sich ganz wohl SPIESS 286; aber es tuht ihm kein zahn mehr wehe,
ex his miseriis ereptus sine cruciatu et tormentis conquiescit STIELER 2, 595, mortuus est, im scherz
FRISCH 2, 463c, SPIESS 286, oder ihm thun die zähne nicht mehr weh, entsprechend auch nd.
DÄHNERT 482a: dem landschreiber, der die gült ausgefertigt hat, thun die zähne auch nicht mehr weh!
KELLER 2, 102. frühnhd. in gleichem sinne die zäne schweren (mhd. swern oder swæren):

und das eim kein zan nimmer schwert,


da warn sie (henker) uberaus gelert
ALBERUS fab. 194 (nr. 44), 99 neudr.

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Bd. 31, Sp. 132

η) die zäne wackeln, dentes labant, vacillant STIELER 2595, in älterer sprache waggen, mhd. wagen: er
(ein stein) vestent die wagenden zend MEGENBERG 447, 17; zan der steyff stadt und nit wagget, dens
haerens MAALER 512a. in gleichem sinne:

die zähne stehen losz


TREUER 1, 75.

θ) die zän fallend ausz, defluunt dentes MAALER 511b, die zäne fallen aus, dentes decidunt, defluunt,
excidunt STIELER 2595: dentes igitur sunt molentes cibum, os enim est mola. es malt sich ubel, wo die
zeen ausgefallen sind LUTHER 20, 194, 30 Weim.; sie geben vor, wann es einem traumet, als fallen ihm
die zähn ausz, seye es ein unfehlbares anzaigen, dasz jemand ausz der freundschafft sterben werde
ABRAHAM A S. CLARA Judas 1, 3; dasz man, während es zur kirche läutet, nichts essen soll, damit die
zähne nicht ausfallen KNIGGE roman meines lebens 3, 205, 17; scherzhaft:

sie ist mir liep auf einem zan;


fellt er mir ausz, sie musz dervon
fastnsp. 632, 12 Keller;

dichterisch mit sing. statt mit plur.:

so fällt mir fast der zahn


von stillem lachen aus
GÜNTHER 451.

zähne brechen ab: der zan bricht under der zangen ab, confringitur dens sub forfice MAALER 512a.

ι) bei einigen verben kann zahn als subj. oder obj. stehen, z. b. bei blecken. participialverbindungen
solcher verben gleich der folgenden: wann er gleich leut siehet, welche seine närrische geberden, seine
bleckende zähn, sein krummes maul ... belachen! Simpl. 4, 511, 8 Keller begünstigen die entwicklung
syntaktisch gleicher fügungen mit verben, die eigentlich nur transitiv gebraucht werden können: und als
in das schwein ersahe, lieffe es den nechsten auff in mit schumendem mund und wetzenden zänen und
wolt ihne zů der erden werffen MONTANUS 23 Bolte; wie würde Ruggieri ... sich freuen, wenn er mit
fletschendem zahne auch noch diesen wissentlichen mord ... mir vorzuwerfen hätte! GERSTENBERG
Ugol. 269, 7 Hamel. fletschen begegnet allerdings auch sonst vereinzelt intransitiv, s. dies 1, oben theil
3, 1770.

f) verbale fügungen, in denen zahn object ist.

α) zähne bekommen, dentire FRISCH 2, 463c, ADELUNG: er (ein knabe) bekommt zähne ohne
geräusche SCHUBART briefe 1, 54 Strausz. zähne kriegen, redensart: 't ass fir zänn ze kreien, das ist zu
dumm luxemb. wb. (1906) 496b. dafür auch zähne bringen, in älterer sprache: das zahnwehe geschicht,
wann die kleine kinder zähne bringen (dentiunt) COMENIUS janua (1644) 84; das kind bringt zähne,
puer dentes emittit STEINBACH 2, 1069. ebenso zäne becken, dentire STIELER 2595. landschaftlich in
gleichem sinne: das kind macht zähne HUPEL 269, luxemb. wb. (1906) 496b, zähnlen MARTIN-
LIENHART 2, 905a.

β) zähne haben: schon alle zähne haben CAMPE; und wenn ich keinen zahn mehr hätte um mein hartes
kommisbrot zu kauen KOTZEBUE dram. sp. 3, 293; zu einem, dem die witze nicht gelingen, sagt man im
Elsasz: wart, bis er alli zähn het! MARTIN-LIENHART 2, 905a. zähne im maul haben, bildlich: ich bin ein
prediger, der da sol zeene jm maul haben, beiszen und saltzen und jnen die warheit sagen LUTHER 32,

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402, 9 Weim.; gleichwol fielen sie in das land zu Rügen ... und wolten damit bezeigen, das sie auch zähne
im maul hetten, und widerstand zuthun macht hetten MICRÆLIUS 3, 486.

γ) die zän auff einanderen beiszen, dentes comprimere MAALER 511b, auf einander, vor wuth, bei
anspannung der kräfte: wegen erzehlung dieser ... histori wurden die Calvinisten so verbittert, dasz sie die
zähn auf einander bissen und den catholischen zu spott das Ave Maria zu singen anfiengen Simpl. 2, 358,
27 Keller; ich beisze die zähne auf einander und spotte über mein elend GÖTHE 19, 60 Weim;

(Hercules) die zän hart auff einander bisz,


der zoren sein gemüth zerrisz
SPRENG Aeneis 157a.

vgl.: upp de tiäne bieten (vor anstrengung) BAUER-COLLITZ 249b, 25, sech op d' zänn beiszen, sich
zurückhalten, um nicht ausplatzen zu müssen luxemb. wb. (1906) 496b.

Bd. 31, Sp. 133

die zähne über einander beiszen: Humbrecht (beiszt die zähne übereinander) WAGNER theaterstücke 112.
zusammen: tag und nacht sollen sie die zeene zusamen beiszen, ratschlagen, sich plagen und martern mit
ihren gedancken und gedencken, wie sie mich umbbringen LUTHER 33, 411, 17 Weim.; als der fusz zu
grosz war, da bisz sie die zähne zusammen und schnitt ein grosz stück von den zehen ab kinder- und
hausmärchen 1, 100; er hat keinen tropfen blut im gesicht, beiszt die zähne zusammen EBNER-
ESCHENBACH 4, 196;

halt sich und beisz die zen zusammen


MURNER Badenf. H 3a;

auch leget seine waffen an


Achilles mitten auff dem plan,
die zän er grimm zusamen bisz
und beede augen stark aufrisz
SPRENG Ilias 274b;

ein jeder sey bedacht, wie er das lob erwerbe,


datz er in mannlicher postur und stellung sterbe,
an seinem orth besteh fest mit den füszen sein,
und beisz die zähn zusamm und beide lefftzen ein
ZINKGREF auserles. ged. 65, 136 neudr.;

die zähne zusammenbeiszen über einen, über etwas, ergrimmt sein: der gottlose drewet dem gerechten,
und beiszet seine zeene zusamen uber jn ps. 37, 12; Caldus Cälius bisz hierüber die zähne zusammen
LOHENSTEIN Armin. 1, 7a;

ob der gotlosz zusamen beiszt


sein zeen ubr den gerechten
WALDIS psalter 6, 1b.

die zähne beiszen: starr stehet er und beiszt die zähne und knirschet FR. MÜLLER 1, 108. die zähne auf
einander pressen, zusammenschlieszen: da preszte er die zähne seines mundes auf einander und dachte, er
hasse dieses weib recht inbrünstiglich STIFTER 1, 28; ich habe die zähne meines mundes
zusammengeschlossen, wie eisen, und kein wort durch sie herausgelassen 2, 75. die zähne
zusammenschlagen: du kannst nichts thun, als deine zähne zusammenschlagen, und deine wut an
trocknem brode auslassen SCHILLER räuber sch. 2, 1. die zähne knirschen: bald trat er (ein

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nebenbuhler) zurück, bald lehnte er sich über den stuhl und sagte ihr was, ich knirschte die zähne und sah
zu GÖTHE IV 1, 138, 7 Weim.; nicht so bitter die zähne geknirscht SCHILLER kab. 3, 4; auf einen,
ergrimmt sein auf ihn, in älterer sprache:

es ist gewies, dàs der verkẹrt alzeit


aln ụberdrůs dem g'rechten stift ůnt machet,
knirst auch di zæn' auf yn fụr grimmem neid
SCHEDE ps. 137 (nr. 37), 12 neudr.

δ) die zähne weisen, zeigen: die hunde fuchsschwäntzen ihren herren, aber zu rechter maasz und gebühr:
dan auch, wan jhr herr jhnen zu scharff, oder etwas wider billige gewohnheit thun will; so zeigen sie ihm
die zähne an statt desz wadels MOSCHEROSCH Phil. 2 (1650), 99; die kleidung des menschen, das
gelächter, und das weisen seiner zähne, auch sein gang zeigen an, was in ihm sey LAVATER physiognom.
fragm. 1, 24;

er (ein junger löwe) eilet auf die jagd, wo er was finden kan, ...
dehnt seine nerven aus, weiszt seine junge zähne
KÖNIG ged. 3;

vgl.: denn es ist gewohnheit, dasz kein possen kan vorgebracht werden, die gantze compagnie musz
aufweisen, wie viel sie zähne zusammen hat (laut lachen, dasz man die zähne sieht) WEISE kl. leute 315.
von der art der hunde aus (vgl. MOSCHEROSCH Phil. 2, 99 oben) auch bildlich wie: zornig werden,
und besonders: sich zu kraftvollem widerstand aufraffen oder entschlossen zeigen: da aber, nachdem die
Hessische einen vortheilhafften stand im felde ergriffen, ihm die zähne dergestalt gewiesen worden: das er
über hals über kopff wieder zurücke ... gewichen CHEMNITZ 2, 805; die architekten Wolzogen und
Goethe weisen einander die zähne, weil Goethe zum bau des comödienhauses dem armen Wolzogen das
holz zum schloszbau weggefahren hat BÖTTIGER im Göthejahrbuch 2, 375; diesen menschen musz man
nur die zähne weisen, und sie werden zahm GUTZKOW ritter v. g. 3, 191; die meisten sagten: den
liberalen westmächten zeigt man die zähne, vor dem weiszen czaren kriecht man im staube TREITSCHKE
deutsche gesch. 4, 287; dann

Bd. 31, Sp. 134

wird es gelten, dem teufel die zähne zu weisen KELLER 6, 287; du weisest bei gelegenheit die zähne und
hast doch ein gutes herz STIFTER sämtl. werke 3, 372;

hallunke!
dir weis' ich noch einmal, wenn wir allein sind,
die zähne
H. V. KLEIST 1, 375 Schmidt.
mit dem sing. des subst.: der kleine, hartnäckige philosoph aber zeigte auch hier wieder seinen zahn
GÖTHE 47, 199, 8 Weim.;

wer ihn persönlich griffe an,


dem wiese er keck die faust und den zahn
KORTUM 2, 44.

ε) die zähne blecken, grincer les dents RÄDLEIN 1, 1081, von ADELUNG als landschaftlich bezeichnet,
heute veraltend, auch blicken (eigentlich intrans.) DUEZ nomencl. (1652) 103, blöcken, entblecken: als
sie sahen Esopum so ser lachen und in dem lachen die zend also enplecken STAINHÖWEL Äsopus 44
Österley; im lachen die zähn bleken, als ein rosz, das an einem roszseich schmeckt, das würfft das maul
hoch auf KEISERSBERG bei FRISCH 2, 463c; alle deine feinde sperren jr maul auff wider dich, pfeiffen
dich an, blecken die zeene klagel. Jer. 2, 16; man sehe, das ein hund, der die zähne blecket, ... ehe mit

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unzerrissenem felle davon komme, als ein ander, der den schwantz zwischen die beine ziehet CHEMNITZ
2, 9; den affen ..., welche nie grimmiger werden, als wenn man ihnen spottend nachahmet und die zähne
blöckt RABENER 2, 248; der gezähmte löwe ist gehorsamer als das schwache schooszhündchen, das doch
bisweilen die zähne blöckt BAUERNFELD 2, 213;

vor zorn empleckt ich mine zän


MANUEL weinspiel 940 neudr.;

etlich melden den tag mit schall,


in masz recht wie die nachtigall,
gehn den die wölff ir zeen thun blecken
H. SACHS 6, 370, 29 Keller;

pleckt nit die zeen ein jeder hundt


SCHEIT Grob. 300 neudr.;

ein weib soll schweigen still und nicht die zäne blecken
MOSCHEROSCH Phil. 2, 345;

(der tod) der die zähne bleckt, mit seiner sense droht
KÄSTNER verm. schr. 2, 269;

wenn uns die katze auch nicht beiszt,


maulleckend nur die zähne bleckt
BRENTANO 5, 40;

rein bildlich: die zehen (jünger) bleckten die zen gegen Jacobum und Johannem KEISERSBERG ev.
(1517) 50a;

dasz von der bücherschreiberzunft


ihn keine neider kunftig necken,
wird er darauf die zähne blecken
und krallen ihr entgegenstrecken
J. A. EBERT 32.

mit dat. der person: ein halb dutzend hungrige hofhunde blekten uns die zähne BRENTANO Godwi 1, 32.

ζ) die zäne fletschen, albis dentibus ridere STIELER 501, aber auch vor wuth, gier u. dgl.: (zu
Mephisto:) fletsche deine gefräszigen zähne mir nicht so entgegen! GÖTHE 14, 226, 43 Weim.; dies
thierchen ... fletscht mir die zähne BETTINE frühlingskranz 368; die zähne fletschend ging er (ein mann)
auf Michel los ... und suchte ihn niederzureiszen MEYR 1 (1868), 332;

im düstern auge keine thräne,


sie sitzen am webstuhl und fletschen die zähne
HEINE 2, 177 Elster;

bildlich: unverzeihlich heiszt bey ihnen (gewissen recensenten) alles, worüber sie sich nicht enthalten
können die zähne zu fletschen LESSING 10, 233 Lachmann-Muncker.

η) die zähne wetzen, schärfen, in sinnlicher anwendung vom aufeinanderreiben der zähne oder dem
wetzen ähnlichen bewegungen mit den zähnen an andern gegenständen, wie sie gewissen thieren eigen
sind, in wuth oder gier: die zän auff ein anderen wetzen unnd verschleyszen, fatigare dentem in dente
MAALER 511b;

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daჳ du (ein mensch) dein zen so weczest


vergeben umb deinen bart
gesammtabent. 1, 489;

ein junger per, gar frech und küen,


der hort ein jeger horen plasen.
darfon würt er entrüest der masen,
er schnawffet und wezet sein zen
H. SACHS fabeln und schwänke 1, 110, 7 Götze;

Bd. 31, Sp. 135

das ist der wölfe heulende brut,


die hungrig die zähne wetzt
STRACHWITZ ged. (1850) 246;

mit einer speise:

schmackt es (das essen) dir wol, und ist fein safftig, ...
so darff ich dir kein regel setzen,
wie du die zeen damit solt wetzen
SCHEIT Grob. 769 neudr.

bildlich:

ein alt betagter prädikant


sich auf ein zeit mit seim verstand
wider die bibel hat gesetzt
und an der schrift die zähn gewetzt
OPEL-COHN 30 jähr. kr. 8;

soll ich zagen in den nöthen,


wenn ein unfall mich zu tödten
grimmig seine zähne wetzt
Königsb. 82 neudr.;

die feinde werden es mit vielem grame sehn,


jedoch umsonst die zähne wetzen
B. NEUKIRCH ged. 96;

mit sing. statt des plur.: obgleich hie und da verläumder oder neider aufstehn und ihren zahn gegen mich
wetzen MILLER briefw. 1, 111; ob du (der tod) auch deinen zahn auf ostern und michaelis gewezt hast?
SCHILLER 1, 201; es ist für die menge erfunden und geschrieben, die sich, ohne den kritischen zahn zu
wetzen, an allem erfreut, was der einbildungskraft anmuthig geboten wird GÖTHE 41, 181, 26 Weim.

θ) die zähne spitzen, lüstern sein:

auf mich (ein zicklein) darfest (ein wolf) dein zän nicht spitzen
WALDIS Es. 1, 24, 30.

ι) die zähne (ab)stumpfen, mit persönlichem subject und reflexivem dativ, im bilde: diese prediger
stumpften sich (in ihren predigten) die zähne an den schalen ab, indessen ich den kern genosz GÖTHE
22, 319, 21 Weim. mit unpersönlichem subject, in bezug auf das gefühl des stumpfseins der zähne (vgl.

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oben e, δ):

ich hör' 'nen ehrnen leuchter lieber drehn,


oder ein trocknes rad die achse kratzen,
das würde mir die zähne so nicht stumpfen,
so sehr nicht, als gezierte poesie
L. SCHÜCKING bei DROSTE briefe 25 Schücking.

κ) seine zähne an etwas versuchen, probieren, gern bildlich: wieder den gifftigen bisz der affterreder ...:
welche, ihre scharffe zähne daran (einer schrift) zuwetzen und zuversuchen, sich zweiffels ohn gelüsten
lassen werden CHEMNITZ 1, 5; will euch'n räthsel aufgeben, daran ihr (eine alte frau) zum aufbeiszen
eure drey zähne probiren könnt FR. MÜLLER 1, 286; wir scheuten es doch nicht, unsere zähne an diesen
räthseln (Faust II) zu versuchen GERVINUS d. dichtg. 5, 656.

λ) die zähne an etwas setzen, zum beiszen. im bilde: dasz das unglück keinen zahn an mich setzen könnte
BODE Montaigne 5, 417. ähnlich: mit jedem groschen (den meine frau ausgibt) setzt mir der wurm einen
zahn in den magen LUDWIG 2, 415. die zähne (beiszend) in etwas vergraben, senken, im bilde: ach du zu
viel unmilter todt, wie hast du dich nicht geschemet, deine scharpffe zän zu sencken in ein so edeln leib?
buch d. liebe 117d. hennebergisch die zähne hoch heben, nicht gern anbeiszen, wählerisch im essen sein
SPIESS 286, in Sachsen die zähne heben.

µ) die zähne reinigen, säubern, putzen u. ähnl.: die zän wäschen, colluere dentes MAALER 511b; den zan
allenthalben seüberen und reinigen, circumpurgare dentem 512a; die zähne ausbutzen, se nettoyer les
dents RÄDLEIN 1, 1081; (der wolf) säubert nur von haaren die zähne FR. MÜLLER 1, 361; lothr. sich
die zehn nid abzebutze bruche, wenig oder nichts zu essen bekommen FOLLMANN 553a. vgl. dazu die
scherzhafte wendung:

(ich) kan mein zen mit wein begieszen


fastnsp. 851, 2 Keller.

ν) zäne stochern, dentiscalpio, penna vel acicula dentes levare STIELER 2595:

da ging mein herr herum


und stochert sich die zähne
GÖTHE 2, 188, 30 Weim.,

ausstochern: sich die zähne auszustochern MÖRIKE 1 (1905), 223 Göschen, im älteren nhd. stichern: wo
ihr alter sasze,

Bd. 31, Sp. 136

den kopff mit einer hand auf den elenbogen untersteuerte und mit der andern die zähn sticherte Simpl. 2,
363, 10 Keller, auch ausgrübeln:

dasz keiner nicht die zän ausgribel


Garg. 2 neudr.;

mhd. stürn:

ritewanzen, jucken, zende stürn (untugenden)


KONRAD V. HASLAU 270.

vgl. zahnstörer unten.

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ξ) die zähne wechseln, neue zähne bekommen ADELUNG zähne verlieren:

und ob ich mich denn vast darumb swend


und verleus die weil all meine zend,
wer legt mir denn ab den schaden mein?
VINTLER 2117.

vgl. das sprichwort: zähne und erbe verlassen thut wehe SIMROCK 570, 11966a.

ο) sich an, über etwas zähne ausbeiszen, zerbeiszen: es soll in dieser zeit öpffel und biren den bauern
ungeschält zů essen erlaubet sein. o Jockel, beisz kein zan ausz daran FISCHART praktik 6 neudr.; an die
pferscher (pfirsiche) wirst dir kani zähnd ausbeiszen, du bekommst keine HÜGEL 192a. bildlich: sie
werden die zehn auszbeyssen an gottis wort EBERLIN V. GÜNZBURG 3, 173 neudr.; und so brachten
diese elende leute ihre zeit mit solchen wortkriegen zu, zerbissen die zähne über den schalen ARNOLD
kirchen- u. ketzer-hist. (1699) 270b; freudig hätt' ich mit dem tode gerungen, an des feindes waffen mir
die zähne zerbissen KLINGER neues theat. 1, 253; Rose, 's is ne sehr harte nusz! hoffentlich wird man
sich nich die zähne dran auszbeiszen HAUPTMANN Rose Bernd 3, 19; daran will ich mir die zähne nicht
ausbeiszen WANDER 5, 488; mit sing. und bestimmtem artikel:

(der neid wird) sich an seinem glück den zahn umsonst zerbeiszen
STOPPE Parn. 294.

ohne den adverbialen zusatz, bildlich: noch zwei monate, dann hat der winter seine zähne ausgebissen
GÖRRES br. 1, 481. sich die zähne zerbrechen, einbrechen:

(der hausherr) stürzt im fallen auf die uhr


und zerbricht zwo reihen zähne
LICHTWER 41;

bildlich: der adel hält noch zum herzog, und an seinen schlössern wird sich noch mancher die zähne
einbrechen HAUFF 1 (1890), 44, 5.

π) einem die zäne ausschlagen, dentes alicui labefactare, aliquem dentilegum facere, edentare STIELER
2595: wenn er seinem knecht oder magd ein zan ausschlegt, sol er sie frey los lassen umb den zan 2 Mos.
21, 27; das verdros jhre freundtschafft, namen die pfaffen, schlugen jhnen die zene aus
HENNENBERGER landtafel 27 (vgl. dazu SCHULTZ höf. leben 1, 150, wo das ausschlagen der zähne
als mittelalterliche strafe erwähnt wird); der kerl hatte die gewohnheit, dasz er ... jedem verläumder auf
der stelle einen zahn ausschlug MÖSER 3, 241;

den zant,
den du mir mit dynre hant
alre lest us sloges
Karl Meinet 202, 10.

bildlich: den tän will wi uut slaan laten, dazu müssen wir uns den appetit vergehen lassen brem. wb. 5,
19, wüll wy uthslahn, wir wollen uns diese lust vergehen lassen RICHEY 303. freier: den appel-tähn
moot man dit jaar uut slaan, es sind dieses jahr keine äpfel gewachsen brem. wb. 5, 19; upstüns mut man
den karpen-tän utslaan, jetzt sind die karpfen zu teuer SCHÜTZE 4, 244. reflexiv: daher müsten fürsten
ihnen den lüsternen zahn, in der liebe nur ihre vergnügung zu suchen, ausschlagen LOHENSTEIN Arm. 2,
143b; warum sehnet sich denn jedermann ein fürst zu seyn, wenn wir uns den zahn der vergnügung
ausschlagen müssen 621b. einem die zähne einschlagen: auch ist sie (ein böses weib) weder mit güte noch
mit trauworten zustillen, wann man jr auch schon die zän einschlüge FISCHART ehez. 193, 7 Hauffen; er
hatte seinem bedienten an der thüre des salons zwei zähne eingeschlagen HOLTEI erzähl. schr. 2, 24.

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einem die zähne in den hals schlagen WANDER 5, 489, 137:

heb dich nausz, an liechten galgen,


ehe ich dir schlag die zeen in halsz!
H. SACHS 5, 54, 12 Keller;

Bd. 31, Sp. 137

gnomisch: es ist besser, einem die zähne in den hals schlagen, als aufhängen HIPPEL über die ehe (1775)
50. bildlich: dann das glück hat sie all gewalckt und die zeen so offt in den hals geschlagen, das sie jm ...
nit mehr trawen FRANCK sprichw. (1545) 1, 13a. die zähne ausstoszen:

kein gröltzen beschleusz in deinen mundt,


so du lang bleiben wilt gesundt,
drumb gib den gfangnen brůder los,
dasz er dir nicht die zeen ausz stosz
SCHEIT Grob. 342 neudr.;

bildlich: keinem wort' hast du einen zahn ausgestoszen HIPPEL lebensl. 2, 150. die zähne einstoszen:

stosz, gott, stosz unter ihrem dräuen


die zähne ihrer (der schlangen) rachen ein
PIETSCH 297.

die zähne austreten: dasz ich ihm nicht die zähne austreten soll! LESSING Minna v. B. 1, 3.

ρ) zen uszbrechen, edentare DIEF. 194c, die zän ausbrächen, eruere dentes, evellere MAALER 511c,
thieren, sie unschädlich zu machen, daher bildlich: et huic praecepto habens die zehn auszgebrochen
LUTHER 15, 645, 18 Weim., in bezug auf menschen früher von der ärztlichen entfernung kranker
zähne:

zen auszprechen!
her an, her an, her an,
welcher do hat ein posen zan!
fastnsp. 377, 26 Keller;

wolt ich den weibern zähn auszbrechen


oder jhn den staren stechen
MANGOLD E 4.

zäne ausreiszen, evellere, eximere dentes STIELER 2595, einen zahn ausreiszen ADELUNG, vom
zahnarzt heute auch nicht mehr in höherer sprache gesagt, bildlich:

Cleopatra, reisz dir nur selber diesen zahn


der lüsternheiten aus
LOHENSTEIN Cleop. 35, 83;

sech den zant ausreisze lôssen, sich das abgewöhnen luxemb. wb. (1906) 496. berlinisch: eenen en zahn
reiszen, vorwürfe machen BRENDICKE 195a. zen uszziehen, edentare DIEF. 194c, zän auszziehen,
solvere dentes MAALER 511b, einen zahn ausziehen ADELUNG, einen hohlen zahn ausziehen lassen
CAMPE: es ist mir recht leydt, dasz ihr eüch so übereylt habt undt 2 gesunde zahn habt auszziehen lassen
ELISABETH CHARLOTTE 3, 513, bildlich: en tän uttrekken, einem im spiel etwas viel abgewinnen
SCHÜTZE 4, 245, anders: den zahn lasz dir man ausziehen, das bilde dir nur nicht ein (Berliner

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redensart) LIPPERHEIDE spruchwb. (1907) 1039. vgl. dazu den lekkertän uttrekken, utslaan, sich die
lust zu einer leckerei vergehn lassen SCHÜTZE 4, 244 und die unter h angeführte stelle GÖTHE 47,
358, 13 Weim. lothr. zehn robbe (rupfen), ausziehen FOLLMANN 552b.

σ) einem falsche, künstliche zähne einsetzen, vom zahnarzt. sich einen zahn einsetzen lassen. verhüllend:
dere muesz me en zahn einsetzen, dui hets mannwaih (männerweh) WANDER 5, 489, 122 (Ulm).

g) verbale fügungen, in denen zahn mit präpositionen verbunden erscheint.

α) mit den zähnen fassen, packen, ergreifen u. ähnl.: do luod er ab sinen korb von den achseln ... und
ergrift in mit den zenen STAINHÖWEL Äsopus 43 Österley; faszt ihn nur nicht mit zähnen, er möchte
euch die kinnbacken ausziehen GÖTHE 8, 85, 21 Weim.; (im bilde:) wir müssen die hand abhauen, die es
(das schiff der revolution) zu halten wagt, und wenn er (Danton) es mit den zähnen packte G.
BÜCHNER 82; wenn sie nicht ... den einen handschuhknopf ... mit den zähnen zugeknöpft hätte
FONTANE 5, 211. mit den zähnen beiszen, kauen u. ähnl.: se betten mit eren tanden tegen em
SCHILLER-LÜBBEN 4, 510b; was soll ich mein fleisch mit meinen zeenen beiszen ...? Hiob 13, 14; dasz
der priester den leib und blut Christi mit händen antaste oder auch mit den zähnen zerkäuet werde
SCHWEINICHEN 2 Österley; mit den zähnen im maule wird das essen gekaut STEINBACH 2, 1069;
bildlich:

(der neid) nagt alle welt und auch sich selbst mit seinen zähnen
KÖNIG ged. 13.

Bd. 31, Sp. 138

scherzhaft mit den zähnen tanzen, essen:

ich wolt gern mit den zenen dantzen,


so wil der koch nit richten on
H. SACHS 1, 121, 5 Keller.

mit zänen zerreiszen, dentibus aliquid laniare STIELER 2595 u. ähnl.:

das menschenfleisch er grimm zerbisz,


zu stucken mit den zähnen risz
SPRENG Äneis 58a;

man thut auch nit zerbeiszen


den leib Christi so zart,
mit zähnen nicht zerreiszen
nach der gemeinen art
J. HALBMEYR bei FISCHER-TÜMPEL kirchenld. 1, 168;

redensart: he toreet em wol mit de tänen, er ist sein grimmigster feind DÄHNERT 482a. vgl. die
bildliche wendung: es hat sie mit zähnen hingerissen BRENTANO 4, 183. sich mit den zähnen wehren,
sprichwörtlich: viro seni maxillae baculus, die alte leut mussen sich mit den zähnen wehren (mit
scharfen worten) APHERDIANUS method. discendi (1601) 151.

β) mit den zähnen klappern: Müller. (... tritt hervor in bewegung, wechselsweis für wut mit den zähnen
knirschend, und für angst damit klappernd) SCHILLER kab. 2, 6; er zitterte vor frost und klapperte mit
den zähnen CHPH. V. SCHMID 1, 83. knerschen mit den tzenden in tzornigem moede, frendere DIEF.
246c, mit den zähnen knirschen, dentibus frendere, seu crepitare STIELER 2596: (ein besessener)
schewmet und knirsschet mit den zeenen Marc. 9, 18; wie knirschte ich mit den zähnen, dasz sich der kerl

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solch ding unterstund REUTER schelm. 41 neudr. (1885); Cain sto̔szt stirnerunzelnd, knirschend mit den
zähnen, tiefer seinen stab in die erde F. MÜLLER 1, 69; knirsche nur mit den zähnen ... mich ergözt der
grimm eines weibes SCHILLER räuber sch. 3, 1; Serlo hatte ..., wie er es im zorn zu thun pflegte, mit den
zähnen geknirscht und mit den füszen gestampft GÖTHE 22, 252, 13 Weim.;

ja, herr, ich gleub das du mich wirst


vom falschen strick des bösen,
der wider mich mit zähnen knirscht,
genediglich erlösen
RINGWALT handb. A 12b;

wie sehr er litt, so schrie er noch,


die schmerzen sind kein übel doch,
und knirschte heimlich mit den zähnen
HALLER ged. 111 Hirzel;

wenn andre weinen, knirsch' ich mit den zähnen


und habe so mein schärfstes weh verbissen
STRACHWITZ ged. (1850) 154.
vereinzelt in die zähne knirschen:

hei, da ward er bös,


knirscht' in die zähne
FOUQUÉ held d. nordens 1, 118.

mhd. und frühnhd. in gleichem sinne mit den zenen grisgram(m)en: da sehe ich die grisgramen mit ir
zenen veter buoch 36, 26;

schaw, wie sie (eine zornige frau) griszgrambt mit den zänden
H. SACHS fastnsp. 4, 51, 423 neudr.

ähnliche wendungen: zanklaffen, oder mit den zänen kirschen, crepitare dentibus MAALER 512c; er
knirrte mit den zähnen und sah sie düster an GÖTHE 19, 157 Weim.;

(bewaffnete, die Jesus gefangen nehmen)


zugleich mit zähnen kirrten,
griszgrammten ungeschewt
SPEE trutznacht. (1649) 44, 13, 1.

γ) bis an die zähne bewaffnet, geharnischt, gepanzert: ein bis an die zähne geharnischter kämpfer mit
festverschlossenem visir hub sich dazu aus einem nahen hohlwege FOUQUÉ as. bilders. 4, 344; Taplin
wurde einmal von einem baumstarken Australier aus dem bette geklopft, der, bis an die zähne bewaffnet,
bat, ihn bis zu seiner hütte zu begleiten, weil er fürchtete, von geistern angegriffen zu werden RATZEL
völkerk. 2, 94; im bilde: er (Ludwig XVI.) muszte unter den speeren der bis an die zähne geharnischten
volkswuth sich verbluten BETTINE dies buch gehört d. könig 2, 411. schon mhd. gewâpent unz ûf die
zene:

des reit er (Mars) dô mit sînen scharn


gewâpent sêre unz ûf die zene
KONRAD V. WÜRZBURG Troj. 3495.

Bd. 31, Sp. 139

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freier: seefestungen, in denen ... Hamilkar ... sich bis an die zähne verschanzte MOMMSEN röm. gesch.
1, 489. ähnlich:

da kommt er, ha ha ha, vermummt bis an die zähne


KOTZEBUE dram. sp. 2, 174.

δ) einen in die zähne schlagen, schon mhd.:

er sluog in in die zende,


daჳ in daჳ bluot begôჳ
minnes. 2, 117a Hagen.

in gleichem sinne:

em were eyn leit gesungen


in den zande mit eme swerde,
dat hey dar neder up de erde
balde soulde syn gevallen
Karl Meinet 120, 8.

ähnlich: wirf dem jungen herrn dein adage in die zähne HOLTEI erzähl. schr. 7, 32. freier:

erfrischt es doch mein herzensübel recht,


dasz ichs ihm in die zähne rücken kan
(tell him to his teeth):
'das thatest du'
Shakespeare Haml. 4, 7.

andre freiere wendungen zur bezeichnung rückhaltlosen entgegentretens: allein das du gottes und der
leute in die zäne spottest und haltest sie für eitel gense LUTHER 18, 261, 9 Weim.; wir wollen vorgeben,
als hätten wir den fremden ein wenig in die zähne geheyen (spotten) wollen A. GRYPHIUS (1698) 1, 886;
der dem Gulliver in die zähne beweist WIELAND 24, 133. in die zähne greifen, im bilde: welche fromme
bischoff aber dem laster in die zän griffen STUMPF 220a. einem in die zähne lachen: sehen sie, da steht er
und lacht mir noch in die zähne obenein LENZ 1, 58;

lachst mir höhnisch in die zähne,


wenn Isoldens ich gedenke
DROSTE 1, 220 Schücking;

nd. in de tän utlachen SCHÜTZE 4, 245. in Lothringen heiszt einem in die zähne laufen, in schnellem lauf
auf einen stoszen FOLLMANN 553a. etwas schieszt einem in die zähne, von worten, die einem gerade
einfallen: herauszugeifern, was ihnen in die zähne schieszt WIELAND 18, 27.

ε) etwas in den zähnen tragen, von thieren: einer hindin ähnlich, die ihr junges in den zähnen trägt FR.
MÜLLER 1, 367; bildlich:

du (schlacht) trägst mein glück in deinen zähnen blutig


TIECK schr. 1, 349 (Oct. 2, 4).

ähnlich: dann wäre das leder breit genug, so dörffts der schuster nicht inn zenen umbzihen Garg. 59
neudr.

ζ) in den zänen grüblen MAALER 511c, veraltet, dafür stochern: er stochert sich in den zähnen
KAHLENBERG Eva Sehring 102.

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η) töne können einem in den zähnen wehthun: horror serrae acerbus, das knirren der sägen thut einem in
zähnen wehe CORVINUS fons lat. 10; die töne (gesang und lautenspiel) thaten mir in den zähnen weh
GÖTHE 251, 148, 7 Weim. ähnlich, in bezug auf unwahrscheinliche worte: meinst du, das sie (könige
und fürsten) so tol gewest weren, und solche guter dem (priester) gegeben, der nicht fur sie opffert noch
gott versunet, sondern fur sich selbst allein dancket? usch, usch, usch, wie kribbelt mir das jnn den zeenen
LUTHER 302, 613, 34 Weim.

θ) schweiz. ais uffe zan ne, etwas genieszen, einen trunk nehmen SEILER 323a, els. eins uf de zahn
nehmen, essen, eine uf de zahn nehmen, stellen, kautabak in den mund nehmen MARTIN-LIENHART 2,
905. vgl. nd. he is good upn tant, kann gut essen STRODTMANN 241.

ι) einem auf den zahn fühlen, eigentlich vom zahnarzt, zur ermittlung des schmerzenden zahns, dann
bildlich tentare aliquem STEINBACH 1, 520, serio cum aliquo agere 2, 1069, explorare alicujus
voluntatem vel eruditionem FRISCH 2, 463, einen auszuforschen suchen, bei ADELUNG dafür einem
den zahn fühlen und einen auf den zahn fühlen, was auch sonst, doch selten, begegnet: ich fühlte ihm auf
den zahn und sagte, dasz die räuber ja mit ihren pürströhren ihn von ferne erreichen und von pferde
werffen können RIEMER pol. maulaffe 248; so sollten beide da stehende henker mit ihren werkzeuge ihn
bald auf den zahn fühlen pol. stockf. 25; wer grosze erkäntnis vorgiebet, die er nicht besitzet, dem kan
man leicht auf

Bd. 31, Sp. 140

den zahn fühlen WOLFF gedancken v. d. menschen thun u. lassen 231; hat sie denn Aristen ein bischen
auf den zahn gefühlt: will er noch nicht mit der sprache heraus? sammlung v. schauspielen (Wien
1764--69) 2, 58 (CRONEGK); wir hätten die beste gelegenheit gehabt, ihm recht auf den zahn zu fühlen
FR. MÜLLER 2, 65; er scheint ein feiner knabe, vielleicht von stand, aber man musz ihm auf den zahn
fühlen TIECK schr. 3, 45; wo sie ihm auf den zahn fühlen konnten, ob er nach dem tode des frühern
hahns, als dessen erstgeborener sohn, auch den ring wieder im kropfe habe BRENTANO 5, 62; wer den
ausgezeichnetsten von ihnen (Franzosen) auf den zahn zu fühlen gelegenheit hatte, entsetzte sich vor ihrer
unwissenheit HOLTEI erzähl. schr. 23, 44; ich habe Sittig meinem onkel empfohlen ... ich glaube, er fühlt
ihm eben jetzt auf den zahn BAUERNFELD 3, 221;

ich soll
mich nur nach euch erkunden, auf den zahn
euch fühlen
LESSING Nathan 1. a., v. 555;

dasz nur ein einz'ger Danischmende


mit guter art dem herrchen auf den zahn
zu fühlen wagte!
WIELAND 10, 314 (schach Lolo);

unser herr fühlt ihm auf den zahn,


fing etlichmal von Christo an.
da war der ganze mensch respeckt
GÖTHE 38, 62, 211 Weim.
im anschlusz an den seltneren gebrauch mit dem acc. der person ist auch ein persönliches passiv
möglich: aber nehmen sie sich in acht; sie werden auf den zahn gefühlt werden IMMERMANN 5, 172
Boxberger. vereinzelt auf die zähne fühlen: er (Joh. Schulze) ist sehr gelehrt, und die regierung hätte
keinen tüchtigeren mann herschicken können, so gut versteht er einem auf die zähne zu fühlen K.
SCHÖNBORN bei CAUER Schönborn 10. häufiger so nd.: ik will em up de tän fölen, ich will von der
sache zu reden anfangen und hören, was er sagt DÄHNERT 482a.

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κ) haare auf den zähnen haben soll nach ADELUNG eigentlich bedeuten: mit einem starken barte
versehen sein, es ist aber, wie oben th. 4, 2, sp. 17 unter haar II, 10 ausgeführt ist, wohl eher
hyperbolisch zu fassen. starker haarwuchs gilt als zeichen von kraft, und so wird er hyperbolisch zur
bezeichnung besonderer leistungsfähigkeit auch da vorausgesetzt, wo er in wahrheit unmöglich ist, auf
den zähnen und der zunge. haare auf den zähnen haben heiszt dann: erfahrung haben ADELUNG,
tüchtig, unerschrocken, schlagfertig, durchtrieben sein, ebenso nd. haar up den tänen hebben, klug,
schlau sein, sich nicht leicht berücken, etwas weisz machen lassen brem. wb. 5, 20, nicht mit sich machen
lassen, was man will DÄHNERT 482a: was soll das publicum aber zu den groben höflichkeiten sagen,
womit er zehn unsrer berühmtesten schriftsteller beleidigt ... und überhaupt männer, die haare auf den
zähnen haben, mit dem eklen brey halb gekauter bissen mehr besudelt als abspeist HAMANN 3 (1822),
429; die hat haar auf den zähnen, beinahe wie ich. die bleibt keinem eine antwort schuldig LUDWIG 2,
318; nun (in literarischer unterhaltung) galt es zu zeigen, dasz man haare auf den zähnen habe! KELLER
5, 100. landschaftlich heiszt das hat haare auf den zähnen auch 'das ist schwierig, verzwickt'. daneben
haar an den zähnen haben, keck und rasch sein mit worten EISELEIN 266, nicht mit sich spaszen lassen
MARTIN - LIENHART els. wb. 2, 905a. haar um de täne hebben, ein gescheiter mensch sein, der sich zu
verantworten weisz SCHÜTZE 4, 244.

λ) über einen zan lachen, albis dentibus ridere STIELER 2596, eigentlich, wie es FRISCH 2, 463c unter
berufung auf die erklärung bei KEISERSBERG post. 42: ein schalcklachen richtig faszt, heimlich
lachen, im gegensatz zu dem lachen, wobei man man 'alle zähne blekt': daჳ wort ist ein schwere
verspottung über ein zan gelacht Terenz (1499) LXa (glosse); zum letzten machet er ein wenig
kundschafft bey eim schönen mägdlein, die in über ein zan anlachte KIRCHHOF wendunm. 1, 143
Österley; alle (säcke voll gold) besahe und dabey uber einen zahn lachte Felsenb. 4, 53;

Bd. 31, Sp. 141

swen die törper als die hummel snurrent


an dem reien, als sie sîn enbrant,
und als die bocke gein einander turrent,
des muoჳ ich lachen über einen zant
minnes. 3, 225a Hagen;

wo mir von einer ie ein grusz wart


und mich anlacht uber ein zan,
so dacht ich dann: die wil mich han!
fastnsch. 260, 31 Keller;

er hat ir kloster brötlin geschickt,


mit süszen augen angeblickt, ...
uber ein zan sie angelacht
MURNER v. d. luth. n. 123, 3702 Kurz;

scherzhaft: lach uber ein zan, dasz mans (sie, die zähne) alle sihet SCHEIT Grob. s. 19 neudr.
(randbemerkung zu v. 297 ff., s. oben d, α); über den linken zahn lachen scheint auf ein heuchlerisches
lächeln zu gehen (vgl. über den linken zahn ansehen oben unter d, ι):

so lang der spiegel leyt verhalten


und du sy last dir herly spalten,
ein meulgen uff dem ermel machen,
uber den lincken zan dir lachen
MURNER Gäuchmatt 70, 1430 Uhl.

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auch über einen zahn schmollen, der veralteten anwendung dieses verbs im sinne von 'lächeln' gemäsz:

du schmollest über einen zan,


dasz man sy dir all mag gesähen
WICKRAM 4, 90, 2838 Bolte.

auf die frage: woröver lachst du? erfolgt in Holstein oft die abweisende antwort: över de tän SCHÜTZE
4, 244. im sinne von 'verstohlen lachen' begegnet auch in seinen zähnen lachen:

der daus! wie thät sich freuen


das publikum der neuen,
herausstaffierten schönen!
ich lacht' in meinen zähnen
OVERBECK verm. ged. 27.
µ) einem (es) gut unter die zähne, unter den zahn geben, zu essen geben, frühnhd.: er gab ihm auch basz
under die zen dann der bawr, bey welchem er vor gewesen was WICKRAM 2, 56, 36 Bolte;

far hin und greifs nur weislich an


und gib ims nur gůt undren zan!
5, 167, 288.

ν) frei den leuten unter die zähne kommen, ins gerede kommen CREIDIUS 1, 427. vgl. nd.: den lüden in
den tänen kamen, in ein böses gerücht kommen brem. wb. 5, 20.

ξ) etwas knirscht unter den zähnen: wenig sand mag es (das erdreich in Sicilien) enthalten, es knirscht
kaum unter den zähnen GÖTHE 31, 175 Weim.

ο) sprichwörtlich heiszt es in der Schweiz: der mann musz etwas unter den zähnen haben KIRCHHOFER
schweiz. sprichw. (1824) 356, womit wohl gemeint ist: musz beschäftigung haben. die seele unter den
zähnen haben, im sterben liegen, frühnhd., was von der vorstellung ausgeht, dasz die seele den körper
des sterbenden durch den mund verläszt (vgl. seinen geist aushauchen): also pflegt man die krancken got
zu ergeben, die die seel under den zeenen haben FRANCK sprichw. 2, 152b. frühnhd. auch für 'dem tode
nahe sein': du hast den todt under den zänen Amadis 1, 67 Keller.

π) etwas zwischen die zähne nehmen: ausgehungerte menschen ..., die in fünf tagen keinen bissen
zwieback zwischen die zähne genommen hatten KOTZEBUE Indianer in Engld. 2, 9; sie ... nahm ... den
einen ihrer blonden zöpfe zwischen die zähne und lief zur stube hinaus STORM werke 1, 106;

nehmt eure degen zwischen eure zähne,


stürzt euch in's wüth'ge meer
GRABBE herzog Theodor 1, 1.

ähnlich: ich sah ihn die unterlippe zwischen die zähne klemmen, welches er nur thut, wenn er am
grimmigsten ist SCHILLER räub. sch. 2, 3; der junge Ponto (ein pudel) ... faszte es, ehe ich's verhindern
konnte, zwischen die zähne und rannte damit spornstreichs auf und davon HOFFMANN 10, 71
Grisebach.

ρ) etwas zwischen den zähnen halten, tragen (vgl. in den zähnen tragen unter ε): du nimst ain zwifachen
faden ... in den mund ... zů halten zwischen den zenen BRAUNSCHWEIG Chir. (1539) 3b; zwar trug er
(ein

Bd. 31, Sp. 142

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pudel) das manuscript zwischen den zähnen, wie er nun einmal alles zu tragen gewohnt ist HOFFMANN
10, 76 Grisebach.

σ) etwas bleibt zwischen den zähnen hängen, stecken, im bilde: (dasz ihm) die academische speise
zwischen den zähnen hängen blieb quelle bei JUSTI 1, 47; freier: ey! warum bleibt er (der name) auch
einem zwischen den zähnen stecken LESSING schatz 11. ähnlich nd.: dat sall di nig in de täne hakken,
davon soll dir nichts zutheil werden DÄHNERT 482; datt sall di nich in den tän hacken bliwen, du wirst
dich irren, wenn du glaubst, dies zu bekommen DANNEIL 220b.

τ) etwas zwischen den zähnen zerbeiszen und ähnlich:

gleich wie die nusz, die man mit groszem krachen


zwischen den zähnen pfleget aufzumachen
NEUMARK lustw. 80;

freier: zerbisz die worte zwischen den zähnen LUDWIG 2, 36.

υ) zwischen den zähnen murmeln: er schien sehr tiefsinnig zu seyn und murmelte etwas zwischen den
zähnen RABENER schr. 2, 122; es war eine art von cultus, im theater zu sitzen, als mentaler souffleur die
bekannten stücke zwischen den zähnen zu murmeln GÖTHE 40, 134, 11 Weim.; ja es ist aus, murmelte er
zwischen den zähnen HOFFMANN 4, 8 Grisebach; mit sing. statt des plur.:

(sie) murmelte etwas zwischen dem zahn


KORTUM 1, 30.

dafür auch durch die zähne murmeln: Ferdinand (ergrimmt durch die zähne murmelnd) SCHILLER kab.
5, 7. ähnlich: heilige jungfrau! flüsterte er zwischen den zähnen, ich ein abkömmling eines ungläubigen?
PFEFFEL pros. vers. 1, 161; ich knirschte zwischen den zähnen: dasz du lebtest! KLINGER 4, 92; er
brummte ein unverständliches lied zwischen den zähnen TIECK schr. 7, 311; ein mann ... summte eine
zigeunermelodie zwischen den zähnen STORM werke 1, 35; 'sehen wir nach dem andern', sagte der doctor
zwischen den zähnen EBBNER-ESCHENBACH 2, 13; stiesz er in einem fort halbverständliche worte
zwischen den zähnen hervor HAUPTMANN bahnwärter Thiel 52; 'verfluchte kanaille!' knurrte er
zwischen den zähnen POLENZ Grabenh. 2, 288.

φ) durch die zähne brennen, früher eine strafe für diebe und fälscher, zur brandmarkung FRISCH 2,
463c, dentes, id est maxillas urere, alias durch die backen brennen HALTAUS 2142, nd. dör de tänen
bernen, durch die kinnbacken brem. wb. 5, 201, vgl. rechtsaltert. 709: ist sein (gestohlenen gutes) under
vier pfenig, so sol man in durch die zende prennen bair. rechtsbuch bei HEUMANN opuscula (1747) 63;
we stelet dat viff schillinge wert is, de vorschuld des galgen, is des min, so schall men one dor de tenen
bernen unde to der stupen slan Goslarer gesetze bei LEIBNIZ Scriptores Brunsvicenses 3, 500, 55; wert
en budel snider begrepen mit minnerer daet, denne vif schillinge wert, de enes dumen eder der oren nicht
enhefft eder dor de tenen gebrant is, ... den schall men hengen 56; sol man uber in richten mit der schreiat
(rutenstrafe am pranger) und durch die zen brennen (unter dem titel: umb valsch) Augsburger stadtrecht
bei HALTAUS 2142;

der in diu ôren beide absnit,


wie gerne ich daჳ sæhe!
sô het mîn sorge ein ende,
brant man si durch die zende
minnes. 3, 214b Hagen.

mnd. auch to den tenen bernen: unde de velscher is geheten R. unde wart to den tenen gebrant und
vorzwor de stad quelle von 1399 bei SCHILLER-LÜBBEN 1, 249b.

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χ) durch die zähne sprechen: wenn sie etwas fein gefühltes, eine sanfte leidenschaft ausdrücken wollen,
sprechen sie durch die zähne J. G. FORSTER 8 (1843) 6; vgl. durch die zähne murmeln unter v. ein
ausdruck, den man zurückhalten möchte, kann einem durch die zähne springen: hier springt ihm endlich
auch dieser so lang zurückgehaltene ausdruck durch die zähne GÖTHE II 2, 254, 24 Weim.; vgl.:

welch ein wort, o Atreide, durchbrach dir die schranken der zähne?
BÜRGER 217 Bohtz

(Ατρειδη
, ποιον σε επος φυγεν ερκος οδοντων
;
HOMER Il. 14, 83).

Bd. 31, Sp. 143

frei: einen durch die zähne ziehen, scharf über ihn urtheilen WANDER 5, 490, 139.

ψ) nd.: dat mutt man achter eenen tehn eten, davon musz man nur sparsam, nicht mit vollem munde
essen RICHEY 306, SCHÜTZE 4, 245.

ω) einem etwas aus den zähnen ziehen, reiszen, rücken und ähnlich:

gaben wir (flöhe) schon einer ein zwick,


so war es nur z thůn umb ein rück,
das man uns s fleisch zog ausz den zänen
FISCHART flöhhaz 5, v. 59 neudr.;

in bildern: ich zubrach die backenzeen des ungerechten und reis den raub aus seinen zänen Hiob 29, 17;
ich glaub, dasz er auch gern noch länger mit mir (als seiner geliebten) vorlieb genommen hätte, wenn ihm
nur seine eltern das fleisch nicht so schnell aus den zähnen gezogen Simpl. 2, 236, 9 Keller; dieser letztere
nun konte unmöglich verschmertzen, dasz ihm ein so fetter bissen aus den zähnen gerückt werden solte
HAHN einltg. z. d. t. staats-historie 3 (1721) 177, 2; setze armen leuten einen spion auf den hals, der
schon wege finden wird, ihnen das stückchen brod aus den zähnen zu reiszen, wenn er gleich nicht reden
darf DROSTE 2, 291 Schücking; blasser: da sie, wie wir hoffen, uns im entscheidenden augenblick mit
ihren operibus supererogationis zu hülfe kommen und uns dem satan aus den zähnen reisen wird GÖTHE
IV 10, 221, 10 Weim.;

der (priester) hat mit seim schwatzen und klaffen


den kranken mir (dem teufel) ausz den zenen genumen
H. SACHS 6, 177, 6 Keller.

auch allgemein bildlich: er hats jm ausz dem magen, bauch, oder ausz den zenen gerissen FRANCK
sprichw. 2, 21b; das band seiner und des Tiberius freundschafft wäre zerrissen worden, nach dem hertzog
Herrmann beyden die fürstin Thusnelde aus den zähnen gerückt hätte LOHENSTEIN Arm. 1, 25b; i' musz
ihm all's aus de zähnd rama (räumen), alles vor ihm verstecken HÜGEL 192a.

ω1) auszer den zähnen reden, grob, in älterer sprache: wenn ich ausz noth und eifer einer so ernstlichen
sachen etwan biszweilen teutsch und auszer den zänen (wie man pflegt zu sagen) reden ... möchte
GUARINONIUS 8.

h) nur bildlich kann die wendung verstanden werden: einen zahn auf einen kriegen, haben, ihm übel
wollen. sie entwickelt sich wohl von verbindungen wie: die zähne fletschen gegen einen aus. vgl. auch
verbindungen wie: ekler, tückischer zahn (unter d, λ), zahn der lüsternheiten (unter f, ρ). ebenso

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französisch avoir une dent contre quelqu 'un LITTRÉ dict. 2, 1060a: die weltlichen stände ... haben alle
einen zahn auf mich GÖTHE 8, 64, 2 Weim.; die frau doktorin ward fast böse, ... sie kriegte einen zahn
auf Hans Jakob GOTTHELF 17, 299; der vater ... hat einen zahn auf den Mischka EBNER
ESCHENBACH 2, 401; ûf dân hoa ich 'n zoan (schlesisch) WANDER 5, 493, 222. mit näheren
bestimmungen des subst.: Würtenberg hat einen alten zahn auf mich GÖTHE 39, 63, 7 Weim.; warum
dieser satanas einen solchen zahn auf die stadt mag gehabt haben? HOLTEI erz. schr. 15, 81. mit
possessivpronomen: der nord - ost - wind, der auch seinen zahn auf die stadt haben musz, kam uns
trefflich zu statten SCHILLER räub. 2, 3 sch. mit bestimmtem artikel: auf die freiwilligen haben sie
besonders den zahn JAHN 1, 509. mit gegen für auf: wenn ich den ungesitteten ausbruch seiner
schadenfreude mit dem zahn zusammen halte, den er seit langer zeit gegen sie hat GOTTER 3, 335. für
die entwicklung der redensart ist die folgende erklärung eines französischen kupferstichs von interesse:
l'incroyable chez le dentiste. es wird ihm auf eine bösliche weise sein zahn gegen die republik ausgezogen
GÖTHE 47, 358, 13 Weim.
i) zahn erscheint auch auszerhalb der bisher erwähnten fügungen bildlich zur bezeichnung scharfer,
schmerzender, schädigender oder zerstörender wirkung.

α) mit subjectiver beziehung auf personen:

es hatt' als wie ein eber


des grimmen feindes zahn
durchwühlt sogar die gräber
RÜCKERT 1, 138.

in einem von der art der giftschlange hergenommenen bilde:

Bd. 31, Sp. 144

wie scharf und schnell sein (Antonios) zahn das feine gift
mir (Tasso) in das blut geflöszt, wie er das fieber
mir mehr und mehr erhitzt -- du denkst es nicht!
GÖTHE 10, 164, 1470 Weim.

ganz unsinnlich, mit adjectivischem zusatz: der ... worterklärungen nicht deswegen verwirft, weil ihm die
logischen zähne zu deren zermalmung fehlen ABBT 4, 62. früh schon so mit erklärendem gen.: alsô sol
man diu wort mit dem zande der verstantnüsse kiuwen, unz man kumet in die nieჳunge der gotlîchen
heimlîche myst. 1, 375, 25 Pfeiffer. auch neuere verbindungen wie der zahn des neides können so gefaszt
werden. meist aber erscheint hier der gen. als bezeichnung des besitzers. vgl. γ und die ausdrücke zahn
der vergnügung, appeltän, karpentän unter f, π. in andrer weise bestimmt, auf menschen unter dem bilde
von thieren bezogen: so sind doch diese gesetze nichts anderes als eine andere art von zähnen, womit die
aristokratische brut ihre beute erhascht HEINE 3, 497 Elster.

β) mit beziehung auf sinnlich wahrnehmbare dinge und auszermenschliche erscheinungen: thum saltz
heiszt, das die zeene und scherffe verloren hat LUTHER 5, 367a;

zerstörte schlösser, durchnagt vom zahn der fäulnisz, verfinstert


von traurig drohenden ulmen, entlegner kirchhöfe schatten
sind paradiese für ihn (den unglücklich liebenden)
E. V. KLEIST 1 (1766), 158;

knaben sind's die wir gerettet


aus der brandung grimmem zahn

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GÖTHE 15, 172, 8396 Weim.;

warum, ihr reste der vorzeit,


den fäusten des sturmes trotzen, den zähnen des winters
HÖLDERLIN 1, 66, 116 Litzmann;

des Tilly silber hat gewisz


noch, als sein eisen, schärfern zahn
DROSTE 2, 143.

γ) mit beziehung auf erscheinungen des menschlichen lebens: ihre (der begierden) zeen seynd wie eines
löwen zeen, und bringen die seelen der menschen umb ALBERTINUS hirnschl. 36; neckt ihn dagegen
frühe der finger des spotts, der zahn der verläumdung: so drängt er sich in sich zurück HERDER 23, 190
Suphan; zwei herzen, ... dem leise nagenden zahn der alltäglichkeit nicht unterthan STIFTER 1, 66;
zerfleischt von den zähnen und klauen des hasses und der eifersucht erstarb die liebe EBNER-
ESCHENBACH 1, 112;

ir (der sünde) zän sind scharpff wie löwenzän


H. SACHS 19, 85, 12 Keller-Götze;

allein so greift des todes zahn


die menschen allzeit unrecht an
NEUKIRCH ged. (1744) II a;

an seinen (des weisen) thaten beiszt der zahn der miszgunst nicht
HALLER 72 Hirzel;

diesz macht den zahn der bosheit stumpf


GOTTSCHED neueste gedichte (1750) 28;

weniger schon fühl' ich des neides zahn


HERDER 26, 257 Suphan (iam dente minus mordeor invido Horaz carm. 4, 3);

wo
der mangel und der gram die zähne fletscht
KRETSCHMANN 5, 25;

verbrecher durchzuckt's mit rächendem zahn


FOUQUÉ held d. nord. 2, 49:

wie manchen schritt hast du gethan


mit willen auf der schande bahn
und der gewissensbisse zahn
verlacht mit spötterschaaren
RÜCKERT 11, 565;

als noch der winter und des hungers zahn


alljährlich ernte hielt von menschenleben
GRILLPARZER 8 (1887), 68;

du kennst nicht,
hast nicht geprüft in schaudernder erfahrung
des mannes herz, wenn es der grimm'ge zahn

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des zweifels nagt


BEER 578;

er (der herbst) giebt dich preis dem scharfen zahn der sorgen
AMBROSIUS 20.

δ) besonders bekannt ist der zahn der zeit. man führt das bild zurück auf die folgende stelle bei
SHAKESPEARE:

when it deserves with characters of brass


a forted residence 'gainst the tooth of time
and razure of oblivion
measure for measure 5, 1,

Bd. 31, Sp. 145

verweist aber auch auf ein bei STOBAEUS eclog. phys. I 8, 22 angeführtes epigramm des SIMONIDES:

οτοι χρονος οξυς οδοντας και παντα ψηχει και τα βιαιοτατα


.

vgl. BÜCHMANN (1905) 373. LOGAU, bei dem das bild in deutscher sprache zuerst begegnet, mag eher
von SIMONIDES als von SHAKESPEARE beeinfluszt sein, aber ihm fehlte die dichterische kraft nicht,
das bild zu schaffen. bei ihm und gelegentlich noch später erscheint es mit adjectivischen zusätzen:

der lorbeerbäume frisch, der cedern ewigkeit,


und was noch mehr macht stumpff den argen zahn der zeit,
soll nicht dein (einer fichte) meister seyn
LOGAU 186, 112 Eitner;

(das) kein grimmer zahn der tollen zeit anficht


HALLMANN vorw. zu BUTSCHKY Pathm. 3c;

es will mich deine faust mit solchen seilen binden,


die nicht zernagen kan der scharffe zahn der zeit
NEUKIRCH in Hoffmannswaldaus u. and. deutschen auserl. ged. 1, 43;

mein (der zeit) scharfer zahn friszt stein und stal,


zermalmt porphyr
WEICHMANN 1, 19;

in schriften, die kein zahn der langen zeit verzehrt


GOTTSCHED ged. (1736) 485;

der zeit
alles nagender zahn schonet voll ehrfurcht dich
GÖTZ verm. ged. 2 (1785), 50;

denn nur was schwert und wort erschafft,


hat unvergänglichkeit
und überdauert in jugendkraft
den scharfen zahn der zeit
ARNDT 4, 305 Rösch-Meisner.

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es heiszt auch pluralisch der zeiten zahn, bei LOGAU gleichfalls mit adjectivischem zusatz und auch
später wohl noch so:

wann der zeiten scharffer zahn


kluge schriften fasset an,
dörffen sie sich ihm mit lachen
sonst mit nichts entgegen machen
LOGAU 575, 90 Eitner;

groszer stamm, der unbeweget


statt der früchte, cronen träget!
ob du gleich an sternen achsen
aufgewachsen,
bist du doch der zeiten zan
unterthan
WEICHMANN 1, 20;

der zeiten neidscher zahn, des Acherons getümmel,


schreckt seine seele nicht
CRONEGK 2, (1766), 86;

barg dich grabes dämmerung


vor der zeiten zahn?
RÜCKERT 3, 29;

der fressende zahn der zeiten hat zwar den ehrenvollen namen des ersten erfinders zermalmet MAYR
päckchen satyren 57. dann setzt sich aber, gewisz unter dem einflusse SHAKESPEARES der ausdruck
der zahn der zeit fest: seine (Manethos) dynastien sind dem zahne der zeit entwischet GOTTSCHED n. a.
d. anmuth. gelehrsamkt. 2, 166; zum glück ... hat der zahn der zeit ... so viel übrig gelassen, dasz man
sehen kann, was es gewesen ist LICHTENBERG Hogarth. kupferst. 3, 242; was der zahn der zeit etwa
daran (weiblicher schönheit) benagt haben mochte WIELAND 27, 221; der zahn der zeit hatte in den
sieben jahren unbarmherzig an ihren reizen genagt MUSÄUS volksm. (1866) 125; wie die sprache der
gräber durch den zahn der zeit verwittert ist BRENTANO Godwi 1, 131; was denn ... nichts weniger als die
durch den zahn der zeit zerknirschten trümmer des kaiserpallastes vorstellen soll H. V. KLEIST 5, 75
Schmidt; so fanden wir auch jene villa ... von vernachlässigung mehr als vom zahn der zeit zerstört
PÜCKLER briefw. u. tageb. 2, 448; man weisz, dasz diese chemischen actionen den begriff von dem zahn
der zeit in sich fassen, welcher die werke der menschen vernichtet und den härtesten felsen nach und nach
in staub verwandelt LIEBIG chem. br. 293;

da sah ich deiner mutter siege


durch jenen liebreiz ihrer züge,
die jetzo noch so mächtig sind,
dasz ihnen -- (keine dichterlüge!) --
der zahn der zeit nichts abgewinnt
EBERT episteln 210;

denn ob es (schuhwerk) auch der zahn der zeit verwüstet,


strahlt der besitzer doch in stolzer freude
HEYSE 1, 263.

Bd. 31, Sp. 146

durch den häufigen gebrauch der formelhaft gewordenen verbindung ist das bild verblaszt und
entwerthet: ein auszerordentlich schönes frauenzimmer, woran der zahn der zeit schon seit zwanzig jahren

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kaut -- nebenbei gesagt, 'der zahn der zeit' ist eine schlechte metapher, denn sie ist so alt, dasz sie gewisz
keine zähne mehr hat, nämlich die zeit HEINE 4, 100. auch der ton der oben angeführten worte HEYSES
ist scherzhaft. um sinnloses mengen von bildern zu verspotten, hat man den schnöden satz gebildet: möge
der zahn der zeit, der schon so manche thräne getrocknet hat, auch über diese wunde gras wachsen lassen.

2) zahn übertragen auf zahnartig gestaltete gegenstände, scharfe vorsprünge, zacken, zinken, zunächst
solche, die zahnähnlich schneiden oder fassen, dann allgemeiner, so:

a) zähne an den sägen ADELUNG: zän an ein sägen machen, incidere ferro dentes MAALER 511c;

das es (ein schartig geschlagenes messer) von solchem wetzen baldt


hett einer segen zän und gestalt
SCHEIT Grob. 4356 neudr.;

sicheln mit zähnen, denticulatae falces FRISCH 2, 463c. weidmännisch die spitzen an den bügeln
mancher fangeisen KEHREIN weidmspr. 331. von den spitzen am raspeleisen:

bisz auf die festung zu, wo man die wilden schleust,


wo man brasilisch holz mit eisern zähnen beist
RACHEL 65 neudr.

auch scharten an einem messer, wodurch es sägenartig wird (vgl. die obige stelle SCHEIT Grob. 4356)
nennt man zähne.

b) das pflugeisen, sech: dentale, der eisni zan oder seche in einem pflug DIEFENBACH 173c. an
modernen maschinen ein messer zur erzeugung eines gewindegangs an schrauben und muttern LUEGER
lex. d. ges. technik 8, 958.

c) zähne eines ankers, die beiden spitzen: als ... inn dem treffen der ancker ausz dem Rhodiser schiff mit
einem hocken und zan in das ander schiff gefallen was CARBACH Livius 345. zähne an einer gabel
ADELUNG (als landschaftlich bezeichnet). zähne an eggen, rechen haushalt.-lex. 3, 780: mit ... einer ...
eggen, oder ... rechen, der höltzine ... zähne hat SEBIZ 501; im wesentlichen besteht eine jede egge aus
mehreren zu einem ... rahmen verbundenen balken, an welchen hölzerne ... zähne oder zinken angebracht
sind SCHWERZ (1882) 144. ähnlich: futterschwingen mit zähnen am rande (bei den Galliern), wodurch
(bei der ernte) die ähren abgerissen wurden und in die schwinge fielen WIMMER 11.

d) die zän an einem sträl, crinales dentes MAALER 511c, die zähne an einem kamm, radii FRISCH 2,
463c, ADELUNG: wenn man nämlich einen zwischenraum des kammes zudeckt, so erhält man nur einen
breitern zahn, der, wenn die intervalle und die zähne gleich sind, dreimal so breit ist wie die übrigen
GÖTHE II 2, 240 Weim. zähne der kämme schneiden JACOBSSON 4, 678b: (Jobst) schnitt verdrossen
seine zähne in die kämme KELLER 4, 218.

e) zähne an den kamm-rädern, womit sie in einander eingreifen öcon. u. phys. lex. (1750ff.) 8, 2372,
ADELUNG: die ganze lehre vom räderwerk gehört nicht in die physik. es geschieht in der unorganischen
natur nichts durch zahn und getriebe LICHTENBERG verm. schr. 9, 160; auch Tycho bediente sich einer
solchen uhr, deren groszes rad zwey ellen im durchmesser und zwölfhundert zähne hatte F. TH. V.
SCHUBERT 4, 275. in vergleichen und bildern: sie (sprudelgeister) waren ... in der menschlichen
gesellschaft, was ein rad ohne zähne in einem uhrwerk, welches nirgends eingreifen kann, und wo es
anstöszt, den ganzen mechanismus verwirret ZIMMERMANN über d. einsamkeit (1784ff.) 2, 9; dasz er
wie ein räderwerk sofort still steht, wenn auch nur ein zahn, nur ein federchen gebrochen wird
IMMERMANN 1, 23 Boxberger;

da er sich doch nicht einst für einen einz'gen zahn

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an einem rad in diesem welt-gebäude


mit rechte schätzen lassen kann
BROCKES 4, 237.

Bd. 31, Sp. 147

zähne andrer art an einem rade sind in der folgenden bildlichen stelle gemeint, wo etwa an ein
glücksrad und an das rad als marterwerkzeug gedacht werden kann: eine so empfindliche färtigkeit hatte
die natur mit der mutter-liebe in Olympiens hertze gepflantzet, welcher sonst das unglück (weiblich
gedacht) mit allen zähnen und nägeln ihres rades keinen seufzer abzuzwingen vermocht hätte
LOHENSTEIN Arm. 1, 238b.

f) bezeichnung der beiden theile einer zange: die finger oder zähne sind die zange, womit der schmidt
einen nagel auszieht, oder der gläser das glas zerbricht SCHUBERT verm. schrftn. 2, 252.

g) zähne an einem turngeräth: auf der einen seite (der latte am springständer) ist eine scala von 5 zu 5
cm angebracht, auf der entgegengesetzten seite sind dementsprechend 'nasen' oder 'zähne' ...
angeschnitten (zum aufhängen des springtaus) KREGENOW u. SAMEL 75.

h) auf die einzelnen theile des mehrfach u-förmig gebogenen drahts beim alten zähl- oder rechenbrett,
wie es bei SCHÜTZE holst. idiot. 4, 246 abgebildet ist, geht vielleicht die von MURNER gebrauchte
wendung: uff dem zan uszgan narrenbeschw. s. 252, cap. 84 (überschrift) Spanier;

der mag wol syn ein thorecht man,


der nit weiszt, uff wölchem zan
syn eigen sach müg uszher gon
252, 2;

darumb so lůg, uff welchem zan


dyn eigen sach müg uszher gon
254, 43;

radtu, wie heiszt der zan,


uff dem all sach würt uszhin gan?
der zan heiszt mir das iüngst gericht
51.

GOEDEKE erklärt in seiner ausgabe zan hier als zahn am kammrade, SPANIER a. a. o. s. 372 unter
hinweis auf das beigefügte bild und den oben theil 3, 348 unter einzahnen angeführten beleg
KEISERSBERG post. 2, 48b als bezeichnung der einzelnen beim unvollendeten bau aus der reihe
hervorstehenden mauersteine. besser scheint die obige auffassung zu passen, für die auch geltend
gemacht werden kann, dasz auf dem bilde ein mantelquast des verzweifelnden bauherrn den eindruck
einer auf linien rechnenden hand macht. das ist aber das princip des rechenbretts, wonach jede höhere
reihe zehnmal soviel als die untere gilt. demnach handelt es sich hier eigentlich darum, wie hoch sich
die rechnung belaufen wird. das stimmt zu BRANT narrenschiff cap. 15, woraus bild und grundgedanke
entlehnt sind. vgl. SPANIER s. 336. auch in der mühle von Schwindelsheim verwendet MURNER die
redensart:

es müst uff dem zan usz gon


dჳ Peter nit sein kopff will lon
(seinen eigensinn lassen will)
A 4a .

i) zähne an andern theilen des animalischen körpers, so in der augenlinse: Brewster berechnet in der

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stockfischlinse 5 000 000 fasern, die wieder 62 500 000 000 zähne haben, da jede faser deren 12 500
besitze SÖMMERRING 5, 764, an der vogelzunge: hinten ist sie wol immer zweispitzig ... und oft mit ...
kleinen zähnen versehen NAUMANN vögel 1, 29.

k) zähne bei pflanzen: die ballonbuffe (sphaerobolus) sind stiellose, lederartige blasen, welche in
sternförmige zähne aufplatzen und die innere blase mit zusammengeballten samen herausschnellen OKEN
3, 84; so lange er (der botaniker) ... in der structur eines laubmooses die einfachen oder doppelten, die
freien oder ringförmig verwachsenen zähne der samenkapsel untersucht A. V. HUMBOLDT kosmos 1, 19.
am rande von blättern CAMPE: nur in der jugend bemerkt man einzelne zähne, im alter sind die blätter
ganzrandig SCHLECHTENDAL flora 10, 38 Hallier; der rand (der blätter bei der feldrüster) ist doppelt
sägezähnig, die gröszeren zähne etwas ... eingekrümmt ROSZMÄSZLER der wald 464.

l) bergspitze: von den Bryger zenden ghat ein pasz über den Simpelberg MÜNSTER cosm. (1550)
CCCXCII; unter uns lagen einige häuser von Vaulion, dahin der zahn gehört und daher er den namen hat
(dent du Vaulion) GÖTHE IV 4, 103, 10; hier ist die spize, die diesem gipfel den namen eines zahns giebt
16.

m) im bergbau heiszen zähne zacken gediegenen metalls, die auf dem erze hervorragen ADELUNG,
JACOBSSON 4, 678. vgl. unten zain, wodurch diese anwendung beeinfluszt sein kann.

Bd. 31, Sp. 148

n) in den hammerwerken und bei den metallarbeitern sind zähne lange metallstücke, woraus kleinere
sachen verfertigt werden, so bei den nagelschmieden die zerschrotenen eisenstäbe, woraus die nägel
geschmiedet werden ADELUNG, JACOBSSON 4, 678b:

wie nun (in der münze) das gold gantz heisz


in lange zähn mit fleisz
gegossen wird gahr bald
fein länglich von gestalt
RIST Parn. 482.

auch dafür ist zain eine andre bezeichnung, die hier zweifellos zugrunde liegt. vgl. dies unten und m.

o) in der baukunst: die sogenannten zähne, welche unter dem gebälke hängen (bei der säulenordnung)
WINCKELMANN 1, 371.

p) zähne an den spitzen, die zur verzierung von kleidungsstücken u. dergl. dienen ADELUNG. vgl.
zähnchen 2, c unten.

ZAHN -- sieh auchZÄHNE --.

ZAHNÄHNLICH, adj.: die zähne gehen verloren und werden durch hornartige, zahnähnliche bildungen
ersetzt BAER 2, 260.

ZAHNANGST, f., heftiges zahnweh, landschaftlich: ich spürte reiszen im kopfe, und dasz ich zahnangst
kriegte HOLTEI erz. schr. 15, 58.

ZAHNANKER, m., armature dentée BLASCHKE wb. d. elektrotechnik 1, 143.

ZAHNANSATZ, m., ansatz, anfang zu einem zahn, nach zahn II, 1: so sind beim wallfisch zähne nicht zur
entwicklung gekommen und ohne bedeutung, indem nur zahnansätze in den kinnladen verborgen liegen
HEGEL 7I, 659, nach II, 2, k: durch die zahnansätze am schlunde der krone entsteht eine 10 zähnige
nebenkrone SCHLECHTENDAL flora 12, 171 Hallier.

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ZAHNARBEIT, f., das zahnen der kinder, dentitio NEMNICH lexicon nosologicum: wahr tadelt der verf.
den gebrauch der federbetten ... bey kindern ... während der zahnarbeit allg. d. biblioth. 87, 140.

ZAHNARM, adj., arm an zähnen: zahnarme (säugethiere), edentata (schnabelthiere u. ähnliche) OKEN
7, 833, BREHM 2, 643 Pechuel-Loesche.

ZAHNART, f.: wenn man die vorderzähne ... abrechnet: so bleiben fünf zahnarten übrig, welche den 5
fingern parallel gehen OKEN 4, 172.

ZAHNARTIG, adj.: zunge ... in vier zahnartige ... lappen zerrissen (bei den kleibern) NAUMANN vögel 5,
374. adverbial: capsel (bei den mark-blumenpflanzen) ... klafft zahnartig OKEN 3, 1347.

ZAHNARZNEI, f.

1) was zahnheilkunde: auf einen ... befehl ..., dasz sich einige wundärzte auf die zahnarzeney ... legen
sollten, legte sich herr B. darauf allg. d. biblioth. 8II, 254.

2) heilmittel für die zähne, zan-artzeney, secreto contro il mal de' denti KRAMER teutsch-ital. dict. 1
(1700), 35 C: (baum) dessen ... beeren heilsame augen - ohren - und zahn-artzeneyen abgäben
LOHENSTEIN Arm. 2, 312a.
dazu z a h n a r z n e i k u n s t , f.: bekanntmachung, die ausübung der zahnarzneykunst betreffend
gesetzsammlung für d. königreich Hannover v. 1844 1 nr. 12.

ZAHNARZT, m., medicus dentium, zanarzt STIELER 51, zahnarzt ADELUNG, als titel heute beschränkt
auf zahnheilkundige mit fachmäsziger universitätsbildung, die eine dafür vorgeschriebene staatliche
prüfung bestanden haben: so erlauben sie meiner wenigkeit ... meine profession als ein zahn-artzt ... zu
practiciren mediz. maulaffe 116; wie einer, dem ein ungeschickter zahnarzt einen schadhaften
festsitzenden zahn gefaszt und vergebens daran geruckt hat GÖTHE 21, 93, 8 Weim.; der zahnarzt kam
heute und erklärte nach untersuchung meines zahnes, dasz er ihn noch retten zu können glaubte
PÜCKLER briefw. u. tageb. 5, 80. sie übten früher ihre kunst im umherziehen, auf jahrmärkten: ich sah
einst auf einem jahrmarkt einen zahnarzt AYRENHOFF 4, 206, 20. vgl. zahnbrecher unten. veraltete
nebenform zähn(e)arzt: wer will zweifflen, dasz nicht unter den zähn-artzten auch fromme und
gottsförchtige leuth anzutreffen seyn ABRAHAM A S. CLARA etwas f. alle 1, 129. dazu
z a h n ä r z t l i c h , adj.: zahnärztliche ausbildung, behandlung. z a h n a r z t m ä s z i g , adj., einem
zahnarzte gemäsz, in adverbialer fügung, tadelnd

Bd. 31, Sp. 149

(vgl. zahnbrecher): der ruf, hundertzüngig, ohne metapher gesprochen, hatte euch so zahnarztmäszig
herausgestrichen GÖTHE 8, 73, 12 Weim.

ZAHNAST, m., astähnlicher theil eines zahns, der wurzel: die hinteren oberen zahnäste selbst ... treten an
die tuberosität des oberkieferbeines SÖMMERRING 4, 380.

ZAHNAUSBRECHEN, n.: der verfasser, welcher mehr geschicklichkeit im zahnausbrechen als


schriftstellerisches talent verräth allg. d. biblioth. 95, 437; (heilige handlungen) z. b. zahnausbrechen,
durchbohrung des nasenknorpels RATZEL völkerk. 2, 95. daneben zähneausbrechen: in stechen desz
cataracten, ... in zähn auszbrechen PARACELSUS chir. (1618) 627 B; paszt wohl in aller welt etwas so
gut auf eine charlatan-bühne, wie staarstechen, zähneausbrechen ...? AYRENHOFF 4, 184, 28.

ZAHNAUSBRUCH, m., was zahndurchbruch: zur beförderung des zahnausbruchs räth der v ... die kinder
auf ... den wolfszahn beiszen zu lassen allg. d. biblioth. 117, 58.

ZAHNAUSFALLEN, n.: vom zahnausfallen allg. d. biblioth. 91, 102.

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ZAHNAUSREISZEN, n.: ist es nicht eine unwahrheit, wenn ich dem kinde ... das zahnausreiszen zum
vergnügen mache? MÖSER 2, 306 Abeken.

ZAHNAUSREISZER, m., wie zahnbrecher: nachdem der locotenent den schlotternden zahnausreiszer
beruhigt ... hatte C. F. MEYER Jenatsch 257;

ein beschwätzter gassenarzt, zahnausreiszer, staarenstecher ...


lieget hier in diesem grabe
GROB versuchg. 97.

bildlich: ob der geist des mittelalters diesen zahnausreiszern (französischen schriftstellern, die dem
mittelalter nach eröffnung seiner gruft die zähne ausrissen) im traume erschienen ist und ihrer ganzen
romantischen herrschaft ein frühes ende prophezeit hat, das weisz ich nicht HEINE 5, 354.

ZAHNAUSSCHLAG, m., knötchenförmiger hautausschlag kleiner kinder, friesel der säuglinge,


schälknötchen MEYER gr. konv.-lex.6 17 (1907), 684b. man sieht das zahnen als die ursache an.

ZAHNAUSZIEHEN, n.: rasiren ... und zahnausziehen (inschrift eines ladenschildes) LICHTENBERG
Hogarth. kupferst. 1, 263; vom rauchen, zahnausziehen, von häuslichen scenen der verschiedensten art
haben wir im voraus schon die vollständigste anschauung HEGEL 10II, 223. daneben zähneausziehen:
unfehlbarlich zieht man durch dasz zähnausziehen den flüsz auf die übrige zähn ELISABETH
CHARLOTTE 3, 513; schüsse ausziehen hat eine nase, fast wie das zähneausziehen, das kann auch nicht
jeder GOTTHELF 15, 283.

ZAHNBACKE, m.: mandibula, kin- oder zanpack DIEF. 346b, ein czanbacken nov. gl. 245a, daneben
tzenbacke, kene- vel czenebag gl. 346b.

ZAHNBALG, m. bezeichnung der säckchen im innern der kiefer des menschlichen embryos, in denen
sich die zähne bilden, folliculus dentium MEYER gr. konv. lex.6 20 (1908), 837b.

ZAHNBALSAM, m., balsam für schadhafte zähne ADELUNG, tinctura odontalgica HOLFERT volksth.
arzneimittelnamen (1902) 225a.

ZAHNBAU, m., bau der zähne: weil der verschiedene zahnbau bey vielen (täfelschlangen) noch nicht
bekannt ist OKEN 6, 538; das kaninchen ... hat einen ganz anderen zahnbau als die wiederkäuer BAER 2,
420.

ZAHNBEIN, n., die knochenartige substanz, die den körper eines zahns bildet, dentin, im gegensatz zum
zahnkeim und zahnschmelz (vgl. diese) MEYER gr. konv. lex.6 20 (1908), 837b: fasern dieser art sind ...
im zahnbein und schmelz ... enthalten SÖMMERRING 6, 189; es (ein fund aus der steinzeit) kann nur
zahnbein sein VISCHER auch einer 1, 176. als volksmäsziger arzneimittelname bezeichnung für cornu
cervi ust. HOLFERT 225a. dazu z a h n b e i n f a s e r , f.: sie (röhren im zahn) sind nicht etwa blosze
lücken, welche zwischen den zahnbeinfasern bleiben, denn sie haben ... ihre eigenen wandungen
SÖMMERRING 7, 421.

ZAHNBEISZEND, part.: offenbarend wir ... unsern grymen, zanbyszenden, zanbleckenden,


griszgramenden zorn RIEDERER (1493) t 3a. vgl. zahn II, 1, f, γ.

Bd. 31, Sp. 150

ZAHNBETRIEB, m., ressort denté BLASCHKE wb. d. elektrotechnik 1, 142. vgl. zahn II, 2.

ZAHNBEWEHRT, part.:

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man iszt und trinkt; der zahnbewehrte mund


zerreiszt, zermalmt
BRENTANO 2, 530.

ZAHNBILDUNG, f.: war ein backzahn eines ganz jungen elephanten von Süszenborn angekommen.
höchst merkwürdig wegen der einzelnen zahnbildung GÖTHE III, 13, 197 Weim.; auch bei thieren
beobachtet man nicht selten zahnbildungen an ungewöhnlichen orten SÖMMERRING 8I, 225.

ZAHNBILLER, m., zahnbilder(n), frühnhd., zahnfleisch, eine pleonastische bildung, vgl. bilern, m., oben
theil 2, 24: dise kochung (von rosen) ... ist ein ... artznei zů dem ... schmertzen ... der ... zanbilder BOCK
(1539 ff.) III, XXI; so ist dieses die gröste ursach, das auch die zanbildern faulen THURNEISSER v.
probierung d. harnen (1571) 41; zahnbiller befestigen TABERNAEMONT. (1625) 1 krankheitsregister.
daneben zän(e)biller: ist auch nutz für schmertzen und gebrechen der zänbiller und zanfleischs RYFF
spiegel d. gesundth. 144a. auch zänbüller, ginguina GERSDORFF wundarzn. (1517) LXXXIIII 1b.

ZAHNBLASE, f., blase in der kinnlade, aus der sich der zahn entwickelt: endlich setzt aber auch die
seitenhaut der zahnblase knochenmasse ab OKEN 4, 137. in deminutivform: die zahnbläschen zeigen sich
schon im unreifen kinde vor ablauf des ersten vierteljahres 139. vgl. zahnbalg oben.

ZAHNBLATT, n., gezähntes oder zahnartiges blatt, zahnähnliches gebilde bei vögeln: die zähne fehlen
(bei den vögeln) gänzlich, und die zahnblätter der gänse und enten sind nur hautfalten OKEN 4, 333. in
deminutivform: der flamingo ... hat ... einen dicken breiten schnabel mit zahnblättchen wie bey den enten
7, 557.

ZAHNBLÄTTERIG, adj., mit gezähnten blättern: zahnblättrige winde (pflanze) DIETRICH lex. d.
gärtnerei u. botanik 3 (1803), 292.

ZAHNBLECKER, m., albis dentibus ridens, cachinno STIELER 197, bronchus, homo dentibus
prominentibus STEINBACH 1, 126, zahn-bläcker, digrignatore de'denti KRAMER teutsch-ital. dict. 1
(1700), 122c. vgl. zähneblecken, zähnebleckend unten.

ZAHNBLINKEN, n., das blinken der zähne: und das lächeln mit dem zahnblinken! RÜCKERT 11, 279.
vgl. zähneblinkend.

ZAHNBLUME, f., bezeichnung einer pflanze mit gezähnter blüthe, dentella DIETRICH lex. d. gärtnerei
u. botanik 3, (1803), 588.

ZAHNBLUTEN, n., haemorrhagia a) ex dentium alveolis, b) gingivarum NEMNICH lex. nosolog.

ZAHNBOGEN, m., bogenförmige zahnreihe: gewöhnlich bemerkt man (bei den fischen) zwei
gleichlaufende zahnbogen auf dem gaumengewölbe BREHM 8, 7 Pechuel-Loesche.

ZAHNBOHNE, f., semen paeoniae (officinalis) HOLFERT volksthüml. arzneimittelnamen (1902) 225a.
sie wurde gegen den zahnausschlag (s. dies oben) oder friesel der kinder gebraucht. vgl.
TABERNAEMONT. (1625) 2, 467.

ZAHNBRASSEN, m., bezeichnung eines groszen seefisches mit einigen langen zähnen, sparus dentex
OKEN 6, 229, zahnbrassem NEMNICH, der älteren form des zweiten bestandtheils (brachsme) gemäsz
landschaftlich zahnbrachsen CAMPE, mit umlaut zahnbrechsme, als f.: die zanbrechszme, dentax mit
namen, streitet mit dem vilfůsz HEYDEN Plinius (1565) 368.

ZAHNBRECHEN, n., das ausbrechen von zähnen: dann ... werden sie (die zähne) gleich auszfallen on
alles zanbrechen SEBIZ (1579) 77.

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ZAHNBRECHER, m., der zähne ausbricht, zanbrecher, edentarius DIEF. 194c, zanbrächer,
dentifrangibulus MAALER 512a, zahnbrecher, medicus dentium HENISCH 493, 9, STIELER 231,
medicus circumforaneus qui dentes extrahit FRISCH 2, 464a, ungeschickter zahnarzt, aus verachtung
ADELUNG, mundartlich zahndbrecher HÜGEL 192b, in älterer sprache auch zä(h)n(e)brecher, nd.
tän(e)bräker (s. unten), tânebręker WOESTE 268a, danach auch hd. vereinzelt zahnebrecher:

Bd. 31, Sp. 151

und geld, so viel er will? und voll die welt


von diesem zahnebrecher?
IMMERMANN 14, 230 Boxberger.

1) das wort scheint zuerst eine neutrale bezeichnung der alten zahnärzte gewesen zu sein, deren kunst
besonders im zahnausziehen bestand, gewinnt aber früh einen verächtlichen sinn, wozu wohl das
marktschreierische gebahren der umherziehenden zahnkünstler zweifelhafter art beitrug: Clawes,
meister, zanbrecher, arczit quelle d. 14. jahrh. (Frankfurt) bei KRIEGK d. bürgerthum im mittelalter
(1868) 36; (im bilde:) der todt der best winterpetz, artzet und zänbrecher WICKRAM 4, 142, 3 Bolte; zur
selben zeit (zeit der mäszigkeit) haben die zähn-brecher wenig arbeit gehabt ABRAHAM A S. CLARA
etwas für alle 1, 126; da hätte ich einen zahnbrecher holen lassen, der ihnen das gebisz ausgebrochen
hätte GOTTSCHED schaubühne 6, 295; denn sie beharrete darauf (sich einen guten zahn ziehen zu
lassen) ...; allein der zahnbrecher wollte nicht PETRASCH 2, 172; unterdessen warst du schon mit einer
zange, wie die zahnbrecher dergleichen besitzen, herbeigekommen HOLTEI erz. schr. 25, 152; ich kann
noch immer den gedanken an deine schmerzen unter der hand des alten zahnbrechers nicht loswerden
BISMARCK br. a. s. braut 174.

2) die umherziehenden zahnbrecher, die auf jahrmärkten erschienen, hängten sich die ausgezogenen
zähne als kette um den hals: von welchen (heringen) er jhm pflegt wöchlich eyn wichtige ketten
zumachen, und hieng sie umb den halsz, wie ein zanprecher die zän Garg. 80 neudr. sie handelten auch
mit arzneien gegen zahnweh wie mit andern heilmitteln und trieben vielfach allerlei schwindel: wa diser
samen (wurmsamen) von den landartzten und zanbrechern nit gefelscht würt, ist es ein edeler samen
BOCK kreuterb. (1565) 128a; uff der kirchweyh zů Iring im Breiszgaw was ein zanbrecher, triackersmann
mit wurmsamen, pillulen, pulver fürs zanweh, purgatzen, entzian, reubarbaren etc. und anderm vil
geschmeisz FREY 38, 10 Bolte; es war eben marckt daselbst, und auff demselben befand sich ein
zahnbrecher, der trefflich geld lösete, da er doch liederlich ding den leuten dafür anhing Simpl. 312
neudr.; B. Porta schreibt, dasz ein italiänischer zahnbrecher solche (eine alraun-) wurtzel als einen
menschen geschnitten WIDMANN-PFITZER 135 Keller.

3) so werden denn die zahnbrecher häufig neben anderem landfahrenden gesindel genannt: folgends
gieng er auch hin, die lugenpriviligirte wortbeutelige landfarer, alte weiber clistirer: coloquintenpurgatzer:
wurmsamenkrämer: triackerslapper: schlangenbeschwerer: starenstecher: zanprecher ... für die langweil
zuhören Garg. 302 neudr.; darumb musz ein artz biszweilen gehen zu den alten vätteln, zu den hexen,
zigeunern, bauwern und zanbrechern und von denselbigen die kunst lernen NIGRINUS von zäuberern 92;
so wenig etwann ein storger, zahnbrecher oder quack-salber, der ein gantzes land betrieget, die
artzneykunst beschimpffen oder verbieten machen kan HARSDÖRFFER poet. trichter 3, a iiib; ein
andrer Italianer hat ... den zahnbrechern und gaucklern ein gewisses einkommen ... verordnet t. secret. 2,
196; zahnbrecher, wurm-schneider, schlangen-beschwerer ... sind von der geringeren sorte und werden
mehrenteils mit den ordinairen spitzbuben in eine rolle gesetzt med. maulaffe 302;

weg redner und sophist, bartscheerer, segensprecher,


zigeuner, gäuckeler, gifftschmierer, zähnebrecher,
disz weib geht allen vor, ihr mangelt nie kein wort

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RACHEL 24 neudr.

4) das wort erscheint sogar als bezeichnung des quacksalbernden landstreichers überhaupt, zanbrecher,
circulator DIEF. 121c, zanbrächer, circulator MAALER 512a: ein landstreicher oder zanbrecher (wie
man sie nennet) kam mit seinen thyriacksbüchsen in einen flecken KIRCHHOF wendunm. 1, 144
Österley; dreyerley leute ... betrügen einen am meisten um die zeit; als: die comödianten, possenreiszer
und storger oder zahnbrecher BUTSCHKY Pathm. 416. verächtlich von reisenden ärzten neuerer zeit: es
kommt alle tage ein neuer zahnbrecher, der unsere hoffnungen und wünsche miszbraucht GÖTHE 12, 42,
24 Weim.

Bd. 31, Sp. 152

5) schreiend priesen diese landfahrer ihre künste und heilmittel an: zanbrecher, die da schreien: hie
gůten triackers, wissen nit was tyriack ist DRYANDER der ganzen arzenei inhalt 1b; eselschreyende
zanbrecher ... und sonst die böse bůben seind im dritten grad FISCHART praktik 11 neudr.; zahnbrecher,
marckschreyer, unter denen der beste, der die andern überschreyet QUENSTED 658;

da war allda (auf einer kirchweih) ein zanbrecher, ...


derselbig fing zu schreyen an:
her, her, wer hat ein bösen zan!
H. SACHS 5, 274, 28 Keller;

da fing erst der zanbrecher an:


kommet herbey, herbey, herbey!
ich hab gar gute artzeney
für das faul und den zipperlein.
275, 4.

daher der vergleich schreien gleich wie die zanbrecher SCHEIT Grob. randbem. zu v. 2089 ff. neudr.,
wie ein zahnbrecher, crier à pleine tête RÄDLEIN 1, 1081c, im Hessischen nach VILMAR 463 seit der
mitte des 19. jhs. vergessen, aber anderswo auch volksmäszig noch durchaus üblich, obgleich der anlasz
lange verschwunden ist SPIESS 286, HERTEL thür. sprachsch. 262, HÜGEL 192b, auch nd. schreyen,
schrijen, schreen as en tänebreker RICHEY 303 brem. wb. 5, 20, tänbräker DÄHNERT 482a, DANNEIL
221a, raupen, ropen as en tânebreker WOESTE 268a, teinnebreker STRODTMANN 241: wie rufft jhr als
die zahnbrecher HEINRICH JULIUS V. BRAUNSCHWEIG 311 Holland; ha, ha, du schreist wie ein
zahnbrecher HARSDÖRFFER frauenz. gesprechsp. 2, 289; sie (bettler) müssen schreyen und růffen, wan
sie etwas bekommen wollen, wie die zahnbrecher grillenvertr. 3 (1670), 61; habt ihr keine scham noch
schande, dasz ihr so spät in der nacht wie zahnbrecher schreyt (gabble like tinkers) Shakespeare was ihr
wollt 2, 3; mein halbbrüderlein ward auf den namen Adolar getauft, sah aus wie ein affe und schrie wie
ein zahnbrecher HOLTEI erz. schr. 5, 167;

herrlein, wie schreyst du in dem saal


eben samb seyst du ein zänbrecher ...?
H. SACHS 17, 215, 8 Keller-Götze;

dem wirdts seltzam zu hören sein,


dasz jhr schreit, wie die zanbrecher
AYRER 1442, 8 Keller;

musz ich denn hundertmal die sache wiederkäuen?


und soll ich noch dazu wie ein zahnbrecher schreyen?
sammlung v. schausp. (Wien 1764--9) 5, 95.

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unverschämtheit kennzeichnete sie: ich glaube nicht, ... dasz der teuffel so unverschampt seyn kan, als ein
zahnbrecher MOSCHEROSCH Phil. (1650) 178.

6) zahnbrecher geradezu im sinne von 'betrüger': diser gottslästerlichen sund in und wider den h. geist ...
folgen die yetzigen zanbrecher und heiligenstürmer NAS antipap. eins und hundert 4, 67a.
dazu z a h n b r e c h e r a r t , f.: zahnbrecherart hat Osiander NAS antipap. eins und hundert 6, index.
z a h n b r e c h e r e i , f., auch mit umlaut bezeugt: 1) thun eines zahnbrechers, im sinne von
quacksalberei, bildlich: dennoch dünkt es uns, dasz die gerügte vermuthung einer gelehrten
quacksalberey ... durch die noch handgreiflichere zahnbrecherey des zweyten theils (von Schlözers
vorstellung einer universalgeschichte) ... einleuchtend und entscheidend bewiesen worden HAMANN 4,
375 Roth. 2) geräth eines zahnbrechers: Jann geht ein, hat sein taschen vol allerley zeenbrecherey gefast
AYRER 2565, 10 Keller. z a h n b r e c h e r g e s c h r e i , n., groszes, unnützes, schwindelhaftes geschrei
(vgl. zahnbrecher 5): sie schreyen wie sie wöllen, so ist es doch mit jhnen allen mehr ein zahnbrecher
geschrey PARACELSUS opera 1 (1616), 1040 A; die Paracelsisten mit ihrem betrüglichen
zahnbrechergeschrey TABERNAEMONT. (1588) 13; freier: ein zanbrechergeschrey. sawren wein
ausrůffen. der uberigen fleisz an ein ding wendet, das sein nit werdt ist FRANCK sprüchw. 2, 90a.
z a h n b r e c h e r i s c h , adj., einem zahnbrecher gemäsz, gleich: hanckt jhm die gutteruff umb den
halsz, wie der zanbrecherischen s. Apollonien die zän Garg. 167 neudr. (zur sache vgl. zahnbrecher 2);
wo wirdt in dieser musterung doctor Cuntz und meister Leuszsträler ... bleiben mit jhren zanbrecherischen
zotten ...? PARACELSUS (1616) 1, 201 B; es musz ihnen nicht allein ihr zahnbrecherisches geschrey,
sondern auch ihr stillschweigen ... gelt tragen grillenvertr. 3 (1670) 180;

Bd. 31, Sp. 153

und ob schon sunst schweigt jederman,


so fang du doch ein plaudern an,
ein ungefüg zanbrecherisch geschrey
SCHEIT Grob. 3704 neudr.;

adverbial: alle länder durchtriegen die doctor und hodenschneider, alles zahnbrecherisch, ohn gewissen
und conscientz PARACELSUS (1616) 1, 1058 C. z a h n b r e c h e r p a t e r n o s t e r , n., kette von
zähnen, wie sie die zahnbrecher trugen (vgl. oben zahnbrecher 2), als rosenkranz gedacht: darumb ist
magister Gentianus wol werd, das man jhn inn gold beschlag, unnd auff den altar setze und mit einem
zanprecher paternoster behenkk FISCHART binenk. (1588) 64b. z a h n b r e c h e r z a n g e , f.: ein
zanbrecherzange, forceps evellendis dentibus comparata CORVINUS fons latinit. (1646) 257, tenaille à
arracher les dents RÄDLEIN 1, 1081b.

ZAHNBREITE, f., breite eines zahns, abstand seiner endflächen beim zahnrade STENZEL seemänn. wb.
471a.

ZAHNBROME, f.: die gemeine zahnbrome Purshia tridentata, ein ausländischer strauch mit zwei- bis
dreizähnigen blättern OKEN 3, 2005. vgl. brame oben th. 2, 293.

ZAHNBRUCH, m., schelte für eine alte, wohl wegen der brüchigen zähne (vgl. steinbruch):

ungewitter, teuffels-braut,
zahnbruch, neid der guten tage, ...
alte, pakk dich, wie du tuhst,
zu den schwarzen abgrunds-geistern
geharnschte Venus 128 neudr.

ZAHNBRÜCHIG, adj., dem die zähne leicht brechen: man soll auch von alten kühen keine kälber

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absetzen oder ziehen; denn man weisz aus der erfahrung, dasz sie gern zahnbrüchig werden oder mürbe
zähne bekommen haushalt-lex. (1749 ff) 2, 48a.

ZAHNBUCHSTABE, m., buchstabe, der mit anstoszen der zunge an die zähne gesprochen wird
MOERBEEK bei CAMPE, dental: ein auge voll blicke ist, ob wir gleich nicht blos gaumen-, zahn- und
zungen-, sondern auch augenbuchstaben haben, immer ein verwirrter schriftkasten voll perlschrift J.
PAUL 11/14, 285 Hempel.

ZAHNBÜRSTE, f., bürste zum reinigen der zähne JACOBSSON 4, 678b: die auf dem rücken (der
bürstenraupen) stehende reihe von dichten haar-büscheln siehet ja einer mit groszem fleisze gemachten
zahnbürste so ähnlich, als irgend etwas in der welt RÖSEL 1 nachtvögel 2, 218; zog feine kämme und
zahnbürsten hervor BRENTANO 4, 257; mit buchstaben, die durch ihre grösze gegen die übrigen
abstechen, ... wird die erfindung eines neuen stiefelwachses angekündigt ... oder einer zahnbürste, welche
die haare fest hält FR. TH. SCHUBERT 1, 201; bringe mir noch handschuh mit, ... besonders aber
zahnbürsten, grosze, dicke BISMARCK br. an s. braut 429. in deminutivform z a h n b ü r s t c h e n , n.:
wo ist mein zahnbürstchen, wo find ich den kamm? MÖRIKE 4 (1905), 113, z a h n b ü r s t l e i n , n.,
haushalt-lex. (1749ff.) 3, 782.

ZÄHNCHEN, n., deminutiv zu zahn ADELUNG, in älterer sprache zähngen, zähnichen, nd. täneken,
tänken.

1) im eigentlichen sinne: mütter, die ... ihr stillendes kind gleich anhauchen, damit ihm die zähngen
leichte ankommen AMARANTHES 1042; dann schienen die nackten kinder ... den athem einzuziehn und
auszuhauchen, so dasz man ... den glanz der weiszen zähnchen wahrnahm TIECK schriften 4 (1828), 373;
frau Hinkel ... erblickte ... die spur von fünf spitzen (mäuse-) zähnchen in Gockel's ohr BRENTANO 5, 45;
nun stellte sie einen spiegel auf und bleckte die zähnchen so artig hinein 4, 258; die sonne schien dem
singenden mädchen in den geöffneten mund, beleuchtete dessen blendend weisze zähnchen und
durchschimmerte die runden purpurlippen KELLER 4, 82;

doch herzhaft schlug sie mit dem sticken


auf meine finger los;
und als sie hiermit nichts gewann,
da setzte sie die zähnchen an
VOSS ged. (1802) 2, 247.

nd. ammenreim:

brumm, brumm, lache nich,


wîs mî dîne täɵnken nich.

lothr. zähncher machen, zahnen FOLLMANN 552b.

Bd. 31, Sp. 154

2) übertragen, kleine zacke, spitze, so

a) an einer säge: so dasz die beiden schneiden zwei ... sägen gleichen, deren zähnchen ... rückwärts
gerichtet sind NAUMANN vögel 11, 17.

b) in der pflanzenwelt: die wenigen kleinen lichtungen, die der wald hatte, waren aus der ferne gar nicht
zu sehen, wohl aber die scharfen zähnchen jener tannenwipfel, die weit hinten am gerade gezogenen rande
des bergrückens in den himmel aufragten ROSEGGER wildlinge 112. die zähnchen eines blatts.

c) eine art schmaler geklöppelter spitzen, frz. dentelles ADELUNG, täneken brem. wb. 5, 20, tänken

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RICHEY 303, SCHÜTZE 4, 245, DÄHNERT 482b. vgl. das hasenzänichen als bezeichnung einer
spitzenart bei A. GRYPHIUS Horribilicr. 30 neudr. (die stelle s. oben theil 4, 2 unter hasenzähnchen).

ZAHNDICKE, f., beim zahne des zahnrads die länge des theilkreisbogens zwischen den flanken
STENZEL seemänn. wb. 471b.

ZAHNDOKTOR, m., was zahnarzt: Agathe erinnerte an seine humoristischen rösselsprünge, wie er einmal
mit der trommel eines durchpassirenden zahndoktors das dorf vergeblich vor sein theater
zusammengetrommelt habe J. PAUL 7/10, 22 Hempel. in der Niederlausitz bezeichnung eines
schmerzlich, aber heilsam wirkenden mittels, z. b. einer züchtigung WANDER 5, 493.

ZAHNDURCHBRUCH, m., das erscheinen der zähne bei ihrer entwicklung: zwischen dem 6. und 8.
monat nach der geburt des kindes beginnt der zahndurchbruch MEYER gr. konvers. lex.6 20 (1908), 838a.

ZÄHNE -- sieh auchZAHN --.

ZÄHNEBEISZEN, verb.: zenebeysen, zenbiszin, frendere DIEF. 246c. vgl. zanbîჳen, n., LEXER mhd.
hdwb. 3, 1026 und zahnbeiszend oben.

ZÄHNEBEWAFFNET, part., mit zähnen bewaffnet:

den schnellen triumph des löwen ...


der, ... gereizt vom drohenden panther,
den nimmer umsonst gewageten sprung thut,
im bauch des feindes die klauen,
im nacken den zähnebewaffneten schlund
RAMLER ged. (1772) 89.

ZÄHNEBLECKEN, n., das zeigen der zähne, wie es thieren und menschen bei gier oder wuth eigen ist,
menschen auch beim lachen (vgl. zahn II, 1, f, ε), in ältererer sprache daneben zähnblecken
zähn(e)blöken, zahnblecken: weret ihr hir, würde euch das zahnblecken greulich vergehen, denn alles ist
bludtsserieux undt das lachen gar nicht mehr à la mode ELISABETH CHARLOTTE 2, 395; ah (mit
frechem zähnblöken gen himmel) hätt' ich nur seinen weltbau zwischen diesen zähnen SCHILLER Fiesko
5, 13; ob er zwar alles mögliche that, durch kopfnicken und schütteln, durch trocknes händewaschen und
zähneblöken diesen eindruck vor herrn Jones zu verbergen BODE Thomas Jones 4, 440;

die zween ... trieben narrenthäding viel


von gaucklen, springen, affenspiel
mit krummen mäulern und zanplecken,
mit lachen, schreyen, zung ausstrecken
FISCHART Eulensp. 3035 Hauffen;

im gefängnisz aber in einer ecken


hockt der teufel mit knurren und zähneblecken
W. BUSCH hl. Antonius 26.

als dauernder zustand bei vorstehenden zähnen zähnblecken (das), proodontia, brochitas STEINBACH
1, 126. bei LUTHER erscheint es einmal fast wie ein verbum, aber dazu hat es sich nicht
weiterentwickelt: zeenblecken können sie, fressen können sie nicht 5, 57b. vgl. das folgende.

ZÄHNEBLECKEND, part., in älterer sprache auch zähneblö(c)kend, zahnbleckend (vgl. das vorige): es
ist für uns ein fremder lustiger anblick diese Äthiopier schwarz gefärbt zu sehen, wie sie zähnebleckend
lachen GÖTHE 49, 104, 4 Weim.; der zähneblökende kardinal (in einem bilde) ist meisterhaft, aber
abscheulich G. FORSTER (1843) 3, 500;

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sie öfnen über dir (Jerusalem) den mund, all deine feinde,
und zischend, zähnebleckend sagen sie
HERDER 12, 342 Suphan.

im bilde: dieses thier, staat genannt, stellt sich überall unsern schritten zähnebleckend entgegen
VARNHAGEN tageb. 1, 23. freier: offenbarend wir ... unsern grymen,

Bd. 31, Sp. 155

zanbyszenden, zanbleckenden, griszgramenden zorn RIEDERER (1493) A 3a; heimtückischer


zähnebleckender neid! GERSTENBERG 244, 16 (Ugol. 3) Hamel;

allein, der gefräszige krieg, vom zähnebleckenden hunger


und rasenden horden begleitet, verheeret oft arbeit und hoffnung
E. V. KLEIST 2 (1766), 10.

von dem als gerippe oder ähnlich vorgestellten tode: die phantasie der dichter ... dürfte uns nicht den tod
... mit zähneblöckender gestalt konterfeyen allg. d. bibl. 105, 127; wie sich aus der kunst (der Griechen)
also jene zähnebleckenden, häszlichen todes- und plagegestalten ... verlieren muszten HERDER 18, 431
Suphan. vgl. bleckezahn oben theil 2, 88. die folgende mundartliche form knüpft an die adjectiva auf
-icht -echt an: ey itze kum ich auffs recht tüpffel mit enck, es zanblöcketen orgelpfeiffer SCHWABE
tintenf. T 1.

ZÄHNEBLINKEND, part., von zähnen blinkend:

aber wenn er (der krokodil) pfeilschnell


mit zähneblinkendem rachen schon über den sand
daherschieszt, wehe dem fliehen wollenden!
WILLAMOW dithyr. 41.

vgl. zahnblinken.

ZÄHNEFLESCH, n.:

wohin man kömmt, sind die unholde da


mit ihrem dummen zähneflesch und grinsen
TIECK schriften 3 (1828), 314.

sonst nicht bezeugt. vgl. flescheln, schalkhaft lächeln oben theil 3, 1770, fleschen, nd. vleschen,
vleseken, adulari DIEFENBACH-WÜLCKER 582 und das folgende.

ZÄHNEFLETSCHEN, n., was zähneblecken: ich erinnere mich, dieses gräszliche zähnefletschen ...
gesehen zu haben SCHREYVOGEL 2, 275; dasz er sich weder durch das boshafte zähnefletschen, noch
durch die entsetzlichen grimassen ... aus der fassung bringen liesz GAUDY 13, 49; er hiesz mich mit wild
freundlichem zähnefletschen willkommen GRABBE 3, 273 Blumenthal; (im bilde:) das lamm (lady Anna)
sieht ... mit entsetzen das zähnefletschen des wolfes (Richards III.) HEINE 5, 430 Elster; dein (des
teufels) grinsen, dein zähnefletschen erschreckt mich gar nicht, obgleich die menschliche larve, die du
angenommen hast, es nur schlecht verbirgt HEBBEL 8, 61 Werner; dieser mensch -- er hat das
zähnefletschen eines hundes -- verlangt mich zum weibe STORM (1899) 1, 282.

ZÄHNEFLETSCHEND, part., auch zähnfletschend, zahnfletschend (vgl. das vorige): diese


zähnefletschenden gesichter wären ... ganz den originalen ähnlich THÜMMEL reise 8, 53; kleine bestie!
meckerte er zähnefletschend E. T. A. HOFFMANN 3, 12 Grisebach; die seinigen sollen für ihn büszen,

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sprach er zähnefletschend HOLTEI erzähl. schr. 20, 114; eben saszen wir noch als tertianer wie junge
affen flegelhaft, zähnefletschend ... im bann der wissenschaften RAABE hungerpastor 1, 134;

sie sahe die funkelnden augen


und den zähnefletschenden schlund (der katze)
ZACHARIAE poet. schr. 2, 152.

freier: ob ich ... dem ... herrn Momo ... bei bevorstehender revüe mit einer spanischen zähnfletzschenden
grandezze, oder pohlnischen sub-submission entgegen gehen müsse? SCHNABEL Felsenb. 9*, 30; im
bilde: bei ihnen (den Franzosen) aber schritt die sünde hochmüthig daher und zähnefletschend wie ein
pantherthier GÖRRES 3, 173. wie 'grimmig': so stürzte er (der kaiser Alexius) sich schon wieder, gleich
einem ergrimmten löwen auf diesen neuen zähnefletschenden feind (Basilakus) SCHILLER 9, 204. als
dauernder zustand bei schädeln: halsschnüre von zahnfletschenden Pelasgerschädeln: das und anderes
wird uns in vorzüglich tönendem glaubenseifer erklärt VOSS antisymbol. 130.

ZÄHNEFLETSCHER, m., der die zähne fletscht, in Düringen bezeichnung eines albernen menschen,
zênfledscher HERTEL thür. sprachsch. 262, weil er so oft beim thörichten lachen die zähne zeigt, schon
bei dem Erfurter STIELER zanfletscher, ridibundus, cachinno, risor 501.

ZÄHNEGÄBLEIN, n.: zängäblin, pleonastische bildung, kleine gabel mit zähnen, unter gärtnergeräth
genannt Garg. 290 neudr.

Bd. 31, Sp. 156

ZÄHNEGEBISZ, n., zähngebisz, pleonastische bildung:

blutig war ihm (dem höllenhunde) die vorderbrust,


und der gierige rachen und das zähngebisz!
HERDER 25, 470 Suphan.

ZÄHNEGEFLETSCH, n., was zähnefletschen:

jetzt weicht, jetzt flieht


mit zittern und zähnegefletsch
SCHEFFEL Gaudeamus 64.

ZÄHNEGEKLAPPER, n., was zähneklappern: 'was ist's? was giebt's? rief Geesche, von seiner
leichenblässe und seinem zähnegeklapper erschreckt, und stürzte hinein HEBBEL 8, 248 Werner;

aus schluchten empor widerhallt das gestein vom zähnegeklapper


der hölle
PLATEN 2, 317 Redlich.

ZÄHNEGREISZEND, part., frühnhd. zængreiszend, wohl gleicher bedeutung mit zähneknirschend


(greiszend ist vielleicht nebenform zu kreischend, die durch das alte grisgramen, knirschen, beeinfluszt
sein kann):

gleich wi ain leɽw fụr grimmem zorn reiszend


ůnt nach dem raub brụllend ůnt zæn-greiszend
si wider mich han aufgespẹrt béiszend
yrn rachen frissig
SCHEDE 79 (nr. 22), 14 neudr.

ZAHNEINFÜGUNG, f.: die gröszte manchfaltigkeit der zahneinfügung findet sich bey den fischen OKEN
4, 412.

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ZAHNEINGUSZ, m., bei den gold- und silberarbeitern eine eisenstange mit länglichen gieszfurchen, das
gold und silber darin zu zähnen zu gieszen ADELUNG. vgl. JACOBSSON 4, 679a und zahn II, 2, n.

ZAHNEINSCHNITT, m., von einschnitten, wodurch zahnähnliche vorsprünge gebildet werden, im


vogelschnabel: die zahnung ... des oberschnabels (bei der ackergans) zeigt einige zahneinschnitte
NAUMANN vögel 11, 287, in der baukunst, als verzierung: von anderweitigen unterschieden des
korinthischen styls vom ionischen und dorischen will ich noch ... anführen den vorsprung der traufe und
die zahneinschnitte und kragsteine am hauptgesims HEGEL 10II, 327.

ZAHNEINSETZEN, n., das einsetzen künstlicher zähne: die gute Knebeln hat ihr zahneinsetzen zu lustig
genommen, weil es immer eine art von wunde oder inoculation ist GÖTHE IV 20, 322, 19 Weim.

ZAHNEISEN, n.

1) ein eisernes geräth, zange zum ausziehen von zähnen CAMPE, zan-, czenysen, -eysen, dentarium vel
dentale (instr. medic.) DIEF. 173c.

2) ein meiszel der bildhauer mit zähnen statt der schneide ADELUNG, JACOBSSON 4, 679a.

3) bei den schlossern ein eiserner beschlag mit zahneinschnitten, der hinter einem thor angebracht
wird, um das thor mittelst einer stange, die man in eine der kerben einhängt, beliebig weit offen halten
zu können JACOBSSON 8, 234b.

4) bei den eisenarbeitern collectivisch kraus geschmiedete eisenstäbe zu nägeln und andern feineren
arbeiten ADELUNG, auch zähneisen öcon. u. physical. lex. (1750 ff.) 3, 840 und zaineisen, s. dies.

ZÄHNEKLAFFEN, verb., frühnhd. frendere, zen- zanklaffen DIEF. 246c, czendklaffen nov. gl. 182a,
zanklaffen, oder mit den zänen kirschen, crepitare dentibus MAALER 512c, auch zankleffen, verdrängt
durch das md. zähneklappen, dessen nebenform mit p statt pp ihm lautlich genau entspricht: und ee man
das feüer anfieng zu machen, da frůr den sun, das er zankleffet und murmlet wider die keltin PAULI 279
Österley;

o Silpha, wie bin ich so madt!


das fasten mich zu-gericht hat.
mir ist verschwunden all mein krafft,
hab heindt schier die halb nacht zanklafft
H. SACHS 13, 106, 9 Keller-Götze;

er (Äsop, der gelacht hat) hat nit glacht, er thut zänklaffen;


die kelt geit im so vil zuschaffen,
dasz ers maul so an angl auffreist.
20, 121, 9.

besonders im substantivierten inf.: also stet geschriben: es würd sein weinen und zanklaffen
KEISERSBERG bilg. 202b bei SCHMIDT els. wb. 435a (vgl. Matth. 8, 12 bei LUTHER unter
zähneklappen 2); do nüt ist dann weinen und klagen und zenklaffen SCHADE sat. u. pasq. 3, 10; da wirt
sein heülen und zänklaffen Züricher bibel v. 1531 Matth. 13, 42;

Bd. 31, Sp. 157

nun will ich (der teufel) in die hell hinein


und auf diesen gast haytzen ein ...

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mit schweffl, pech und prandenwein,


da musz heylen und zanklaffen sein
AYRER 3224, 2 Keller.

auch sonst erscheinen solche begriffe verbunden: in was gestalt sie greinen und zanklaffen werden
PARACELSUS opera (1616) 2, 456;

da er (einer, der aus dem wasser gezogen ist) ward zanklaffen und hewlen
H. SACHS 9, 531, 25 Keller.

dazu z ä h n e k l a f f u n g , f.: zen-, czende-, zanclaffung, stridor DIEF. 556a, ahd. zanoklaffunga
ztschr. f. d. alt. 3, 445 (11. jh.).

ZÄHNEKLAPFEN, verb., in älterer sprache, zähnklapfen, zenklapfen, daneben zanklepfen, dasselbe wie
das md. zähneklappen, dessen oberdeutsche entsprechung es ist:

ir haben vil von der hellen gesagt


und lange jahr von dem fegfeür klagt,
wie das sie sein ietz warm, ietz kalt,
zanklepffen, schne den (lies: schnuden, schnaufen?) manigfalt
MURNER v. d. gr. luth. narren 1109 Kurz.

im substantivierten inf. zähnklapffen, n. zähnklappern, claquement ou bruit de dents RÄDLEIN 1, 1082a:


da würt anders nicht dann weinen und zenklapfen KEISERSBERG ev. mit uszl. 30a bei SCHMIDT els.
wb. 435a (vgl. Matth. 8, 12 bei LUTHER unter zähneklappen 2); so sich ein mensch ... ergeb unbesinnet
zufallen ... mit ... schaum oder zänklapffen oder gliederkrampff, ... so sag ich, dasz der das fallend hab
PARACELSUS opera (1616) 1, 542 C. vgl. auch zähneklopfen unten. dazu zanklapphung, stridor DIEF.
556a.

ZÄHNEKLAPPEN, verb., mit den zähnen klappen, sie zusammenschlagen, in beziehung auf personen
meist vom unwillkürlichen zusammenschlagen vor kälte, schmerz, angst oder erregung andrer art (vgl.
zahn II, 1, e, ε und g, β), die md. entsprechung des verschwundenen oberdeutschen zähn(e)klapfen, mit
der nebenform zehnklapen AYRER 3196, 11 Keller (s. unten), der, wenn sie mehr ist als blosze
schreibung, das gleichfalls zurückgedrängte oberdeutsche zähn(e)klaffen entspricht, s. diese oben. vgl.
weiter frühnhd. zen(e)klapern unter zähneklappern. auch zähnklappen ADELUNG, zahnklappen,
brygmus NEMNICH lex. nosol., zanklapen AYRER 3226, 6 Keller (mit c geschrieben s. unten 2).

1) selten als verbum finitum: mein leib zähneklappte ARNDT 1, 17 Rösch u. Meisner.

2) häufiger und früher im substantivierten inf. (das klappen der zähne, vgl. zahn II, 1, e, ε), durch
LUTHERS bibelübersetzung verbreitet, zumal in der dort erscheinenden verbindung heulen und
zähn(e)klappen: die kinder des reichs werden ausgestoszen in das finsternis hinein, da wird sein heulen
und zeenklappen Matth. 8, 12; (die engel) werden sie (die bösen) in den fewr ofen werffen, da wird sein
heulen und zeenklappen 13, 42; den unnützen knecht werfft in die finsternis hinaus, da wird sein heulen
und zeenklappen 25, 30; da wird sein heulen und zeenklappen, wenn jr sehen werdet Abraham und Isaac
und Jacob und alle propheten im reich gottes, euch aber hinausgestossen Luc. 13, 28; mit bezug auf diese
stellen: finsternisz des unglaubens anders nichts ist als ein praeludium und vorspiel der euszersten
finsternisz, da heulen und zeenklappen DANNHAWER catechismusmilch 1, 209; ich dancke dir (gott) von
hertzen, dasz du mich nicht ins finsternisz hinaus gestoszen, wo heulen und zähnklappen ist
SCHMOLCKE 2, 164; während ihre seelen dort sind, wo heulen und zähnklappen PLATEN 3, 257
Redlich;

da denn wird groszes heilen sein,

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weheklagen und zehnklappen


RINGWALT ev. J 4b;

jagt ihn stracks zur schnöden rechten,


wo geheul und zähneklappen,
dummheit und verdamnis wohnen
KELLER 9, 45.

in der folgenden stelle klingt die biblische verwendung der verbindung gleichfalls an: ach durch all das
heulen und zähnklappen erkenn ich ihn, er ruft mir: Gretgen! GÖTHE 39, 314, 34 Weim. sie begegnet
auch in andersartiger syntaktischer verbindung, rein verbal: ein mensch

Bd. 31, Sp. 158

hätte beim worte tod heulen und zähnklappen sollen HIPPEL lebensl. 2, 306;

do (in der hölle) schlegt ims feuer zum gses hinaus


und wurd heuln und zehnklapen
AYRER 3196, 11 Keller.

ähnliche fügungen: da nur weinen und zeenklappen ist PRÄTORIUS anthropod. 1, 295;

(der reiche in der hölle klagt:)


o angst und weh, o nott und schmertz! ...
zanclapen, winseln und greinen
AYRER 3226, 6 Keller;

hinunter jetzt ins land der qual,


wo händeringen nur und zähneklappen
HEINE 2, 105.

der infinitiv allein: der kalt schweisz sei dir allemal verdechtig, sonderlich wann er mit zeenklappen daher
bricht CONRADINUS 125; ich weisz nun aus eigner erfahrung, wie viel es dem armen kranken kostet, die
erhabenen phantasien, die seine seele beschäftigen, unter zähneklappen verschwinden zu sehen
THÜMMEL reise 3, 228;

(ich) sah mit zähneklappen


ein schrecklich schauspiel an
KIND ged. 3, 95;

'die liegen', sprach mit zähneklappen


herr Donegal, 'in der drachenscheu'r ...'
IMMERMANN 13, 117 Boxberger.

bildlich: es giebt auch einen umsatz (des geldes), der krampfhaft ist ... und wo der fliegenden hitze bald
zähneklappen folgt GUTZKOW 8, 76.

3) zähneklappend: und als er späterhin starb, that er dies so verzagt und zerknirscht, heulend und
zähneklappend und nach gebet verlangend, dasz die guten leute einen glänzenden triumph feierten
KELLER 1, 68. in freierer fügung: wo ich von der jahreszeit schneidendem ost -- und des landstrichs
zähneklappendem frost -- ungemach litt RÜCKERT 11, 374; sicher, dasz er auf diesem schlachtfelde der
flegel und ähren keinen vor frost zähneklappenden strohtod sterben würde ARNDT schriften f. u. an s. l.
Deutschen 3, 136.
dazu z ä h n ( e ) k l a p p , m., in der folgenden verbindung, die vielleicht eigentlich eine

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zusammensetzung mit einem part. praet. darstellt:

ist die historia


von Esther in drama;
ist nach der neusten art,
zähnklapp uud grausen gepaart
GÖTHE 16, 19 Weim.

ZÄHNEKLAPPERN, verb., weiterbildung zum vorigen, gleicher bedeutung, heute üblicher, frühnhd.
zeneclappern, -klapern, frendere DIEF. 246c, (c)zeneklappern, stridere 556a, stridor ebenda, auch
zähnklappern ADELUNG, RÄDLEIN 1, 1082a, zeenklappern, crepitus dentium CORVINUS fons lat.
(1646) 232, zenclappern, -klapern, frendere DIEF. 246a, stridere 556a, czend claperen, frendere nov. gl.
182a und zane-, tzanclappern, stridere gl. 556a, ebenso später wohl noch zahnklappern, so: die hunde ...
suchte sie (eine robbe) durch zahnklappern zu entfernen OKEN 7, 1458.

1) als verbum finitum: er lachet nit, er zenklappert vor kelty STAINHÖWEL Äsop 44 Österley; so
zanklappern etlich (sterbende) EYB spiegel d. sitten I 8b; denn ich schwitzte, dasz ich zahnklappert
grillenvertr. 201; mein liebhaber, der in rauchstiefeln und einem pelze zähnklappert SONNENFELS 4,
125; ich meine, er zähnklappert schon (aus furcht vor dem weltuntergange) IFFLAND theatr. werke 1,
282. im sinne von 'zähneklappernd sagen': 'blitz und donner -- waldstrasze' -- zähnklapperte dieser, -- 'alle
engel und heiligen! ...' KÜRNBERGER nov. 1 (1861), 251.

2) im inf., gern mit heulen verbunden, mit bezug auf die unter zähnklappen 2 erwähnten bibelstellen:
allesampt sollen sie ... zeenklappern und heulen LUTHER 8, 166b. substantiviert: er wird fallen in die
finsternisz, da heulen und zähnklappern ist Matth. 8, v. 12 WIDMANN-PFITZER Fausts leben 441
Keller; wisse aber, dasz du derenthalben wirst müssen das ewige heulen und zähnklappern ausstehen
ABRAHAM A S. CLARA Judas 1 (1686) 686; jene schwarzen tiefen, wo man nichts höret als heulen und
zähnklappern ZIMMERMANN einsamk. 2, 62; hat einen langen grauen schnurrbart und jammert von der
hölle,

Bd. 31, Sp. 159

da wird sein heulen und zähneklappern HOLTEI erz. schr. 22, 275. diese beziehung klingt auch in den
folgenden stellen an: (ich) erfahre nun mit zähnklappern und heulen, dasz zwey menschen wie ich den
ganzen bau der sittlichen welt zu grund richten würden SCHILLER räuber sch. 5, 2; er versucht zu beten,
aber nur heulen und zähneklappern tönt aus seinem halse STORM werke 4 (1899) 59. in verbindung mit
ähnlichen ausdrücken: also musz ich armer und die verdampten ... heulen, weinen und zäenklappern
haben volksb. v. Faust 113 neudr.; es sey in der hellen ein solches stettwehrendes heulen, griszgramen
und zeenklappern AYRER hist. proc. 592; auf furcht folgt zittern und zähnklappern STIELER 2638; das
sind die vorboten (des fiebers); zähneklappern und frösteln am rückgrat herab LUDWIG 3, 114 (erbf. 5,
7);

da denn wirdt heulen und griszgramen


und zeenklappern ir aller samen!
H. SACHS 6, 337, 37 Keller-Götze;

das volck wapnet sich (gegen den winter) als erschrocken


in pelz, hantschuch, kappen und socken,
zen-klappren, zitern war ir los
22, 456, 24.

der inf. allein: dort (in der hölle) will ich zu dir durch verzerrungen sprechen, und mit zähnklappern wirst
du hören SCHILLER Fiesko 3, 1; die kurrendejungen brachten es vor zähneklappern nicht mehr zum

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singen GAUDY 3, 158; die bittere mühe, ... das winternächtliche zähneklappern, die ingrimmigen
anstrengungen, womit er (Platen) seine verse ausgearbeitet HEINE 3, 351; von thieren: unter
schrecklichem zähneklappern ... stürzte das heer (von bisamschweinen) an uns vorüber BREHM thierl. 3,
535 Pechuel-Loesche.

3) zähneklappernd: wenn wir ... durchnäszt und zähneklappernd zurückkamen ARNDT 1, 49 Rösch-
Meisner; gegen abend wurden sie matt und erschöpft ... und legten sich zähneklappernd in das alte bett
KELLER 4, 243;

fröstelnd, zähneklappernd stand ich


eine weile an dem herde
HEINE 2, 403.

substantivisch: Ruggieri allein sei der tobende, aber auch der zähneklappernde GERSTENBERG Ugol. 5
(259, 22 Hamel). in freierer fügung: erst die post mit ihrem wüsten, zähneklappernden getümmel, dann
die landstrasze ... und verregnete, schmutzige dörfer! RAABE Abu Telfan 2, 170;

die zwerge seufzen vor den thoren,


in zähneklappernde schrecken verloren!
GERSTENBERG ged. es. skalden 5 (366, 41 Weilen);

durch heiliger formeln bestrickende macht


schwur ich herauf um mitternacht
vom zähneklappernden, heulenden sitz
ein teufelchen namens Aberwitz
PLATEN 2, 26 Redlich.

dazu z ä h n e k l a p p e r e r , m., der zähneklappert: geben sie ihr einen schluck rothen und geben sie
dem schlingel, dem zähneklapperer da (dem ausgehungerten, ermatteten Horacker) auch einen RAABE
Horacker 48. z ä h n e k l a p p e r u n g , f.: zanklapperung, zen klepprung, stridor DIEF. 556a.

ZÄHNEKLITTERN, n., in älterer sprache, bezeugt als zähnklittern, helleres geräusch


zusammenschlagender zähne bezeichnend: und nahm sein zähnklittern und klappern dannenhero auch
noch desto mehr zu Harnisch 216.

ZÄHNEKLOPFEN, n., frühnhd. zeenklopfen, was zähneklappen, vgl. zähneklapfen: sobald das
zeenklopfen angehet, so sei nur ein jeder gewisz, das diese obernante krankheit dismal vorhanden sei
CONRADINUS 45.

ZÄHNEKNARREN, n., frühnhd. zänknarren, was zähneknirschen:

mit weinen, heulen und zän knarrn


KIRCHHOF wendunm. 2, 47 Österley.

ZÄHNEKNIRSCHEN, verb., in älterer sprache auch zähn-, zahnknirschen, frühnhd. zænknirsen. vgl.
zahn II, 1, e, ε und g, β.

1) als verbum finitum nur frühnhd. bezeugt:

auf mich zænknirsten si leunisch


SCHEDE 129 (nr. 35) 8 neudr.

2) zähnknirschen, n., crissement ou criquettement des dents RÄDLEIN 1, 1082a, CAMPE,


zahnknirschen, dentium stridor NEMNICH lex. nosol., später meist zähneknirschen: welcher die

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zeugnisse von seinem witze jederzeit

Bd. 31, Sp. 160

in dem zahnknirschen dererjenigen, mit denen er umgieng, zu suchen beschlossen hatte J. E. SCHLEGEL
5, 373; ja, ja, sagte er zu sich selbst, mit heimlichem zähnknirschen: das ist ... die ruhige dauernde treue!
GÖTHE 19, 144, 2 Weim.; eine fürstin wiederum, deren herz, deren ganze weibliche glückseligkeit einer
traurigen staatsmaxime hingeschlachtet worden, ... kann mir wohl murren gegen vorsicht und schicksal,
zähneknirschen gegen weltliche konvenzionen abnöthigen SCHILLER 51, 3 (dom Karl vorw.); nicht wahr,
hier hätten sie geschrei, fuszstampfen, zähneknirschen erwartet? TIECK schriften 5, 236; die officiere der
norwegschen garde, die da unten mit zähneknirschen ihren abschied vorlesen hören BEER 293; man sagte
mir, dasz mein vater den namen Tobaldi sehr oft und nie ohne fluch und zähneknirschen im munde geführt
HEBBEL 2, 184 Werner; auf thiere bezogen, in einem gleichnis:

die hunde recht mit zähneknirschen


ausrissen fleisch den armen hirschen
RÜCKERT 1, 111.

in besonderem sinne, vom kribbeln in den zähnen, das schrille thöne verursachen können: er, dem das
schreiben -- oder wie er sich ausdrückt: das herumkratzen mit einem stückchen eisen auf dem papier --
zähneknirschen macht EBNER-ESCHENBACH 4, 161.

3) zähneknirschend, auch zähnknirschend: zähneknirschend rieb ich meine ketten, wenn die sonne hinter
meinem vestungsberg heraufkam SCHILLER 4, 68; 'der alte Dieterich!' -- murrte könig Attila
zähnknirschend FOUQUÉ alts. bilders. 4, 321; wie er zähnknirschend beide hände gen himmel ballte
ALEXIS hosen 1, 92; darauf hat er ... zähneknirschend die geduld des königs bewundert ROON 1, 242;

dasz der sprosz aus edlem stamme


die schneiderscheere zähneknirschend schwingt
GAUDY 1, 85.

in freierer fügung: wie ich in zähneknirschender ohnmacht, aber äuszerlichem glanze 'ordnung und
gesetz' predige ROB. BLUM in den briefen von u. an Herwegh (1896) 111; auf ein thier bezogen: jetzt
singen jamben den heldenkampf und die zähneknirschende wuth des drachen HERDER 32, 77 Suphan.

ZÄHNELN, verb., weiterbildung zu zahnen, zähnen.

1) zähne bekommen: das kind zähnelt schon ADELUNG, als volksmäszig bezeichnet.

2) mit kleinen zähnen versehen: ein uhrrad zähneln, bei den uhrmachern ADELUNG, vgl. zahn II, 2. das
part. praet. adjectivisch: Mikania denticulata. Willd. gezähnelte Mikanie ... mit ... ein wenig gezähnelten,
rauhen blättern DIETRICH lex. der gärtnerei u. botanik 6 (1806), 175; theile von den augen einer frau,
um den zuweilen sägeförmig gezähnelten rand der nervenhaut zu sehen SÖMMERRING 2, XLI V.

ZÄHNELOS, adj., ohne zähne, auch zähnlos. vgl. zahnlos. vom munde: ein lächeln ... zuckte um ihren
zähnelosen mund ALEXIS Roland v. Berlin 1, 293;

voller verwunderung sperrt Andreas den zähnlosen mund auf


ZACHARIAE 1, 296;

beschwörung in den zähnelosen mund


der grauen hexe mit den schwefellippen!
RAUPACH dram. werke ernster gattung 13, 184;

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ähnlich:

(ich) möchte dir


die zähnelosen lippen küssen, alter!
H. V. KLEIST 1, 133 Schmidt.

von einer person: doch kann ich nicht vergessen, dasz ich zähne-, nägel- und haarelos bin J. PAUL
freih.-büchl. 74.

ZÄHNELUNG, f., das zähneln, nach 2: er (der fisch selintan) stimmt zwar sehr in der zähnelung des
vorderdeckels mit den barschen überein OKEN 6, 274; naias flexilis ... unterscheidet sich von der vorigen
nur durch die feine stachelspitzige zähnelung der blätter SCHLECHTENDAL flora 2, 85 Hallier.

ZÄHNEMANGEL, m., mangel an zähnen: zu wissen stehet, dasz ihr vater ein alter mann war, der sich
wegen zähnemangels und aus liebe zur ruhe unaufhörlich mit dem gedanken trug, sich einen gehülfen an
seiner pfarre zu nehmen LENZ 3, 98.

Bd. 31, Sp. 161

ZAHNEN,ZÄHNEN, verb. zu zahn.

1) zähne bekommen, ahd. (er) zanta, dentes ei orti sunt GRAFF 5, 685, präteritum einer ja-bildung,
deren eigentlicher sinn ist: zähne hervorbringen, nhd. zänen, zän herausz lassen, dentire DASYPODIUS,
dentes emittere CALEPIN (1570) 411, STIELER 2596, zähnen, dentire SCHOTTEL 1446, daneben das
zanen, zanwachsen, dentitio MAALER 512b, zahnen, zähne bekommen, dentire FRISCH 2, 463c,
ADELUNG, CAMPE, heute in diesem sinne allein schriftgemäsz, auch mundartlich so HÜGEL 192b,
SEILER 323a, MARTIN-LIENHART 2, 906a, FOLLMANN 553a, MEISINGER 209a, HERTEL thür.
sprachsch. 262, nd. tānen BAUER-COLLITZ 103a: das kind beginnet zu zänen, dentes puero nasci
incipiunt STIELER 2596; da wir eine krankengeschichte jener unglücklich zahnenden person erwarten
können GÖTHE IV 13, 118, 5 Weim.;

so launisch, wie ein kind das zahnt


IV 1, 170, 3.

von thieren: derselbe hat lehrreiche beobachtungen über die verschiedenen arten elephanten und ihr
zahnen angestellt OKEN 7, 1167. das zahnen der kinder galt in der älteren medizin und gilt volksmäszig
noch heute als ursache mancher krankheiten, daher nähere bestimmungen gleich den folgenden: wenn
er nicht etwa über die brust zahnt GÖRRES br. 1, 249; els. dis kind zahnt durchs brüstel, bei
luftröhrenentzündung, durch die glieder, bei gliederschmerzen, durichs büchel, bei durchfall, was als
günstig erscheint MARTIN-LIENHART 2, 906a. mittel zur erleichterung des zahnens: eschen von den
gebranten hundszänen ... mit butter die bilderen gesalbet, macht one schmertzen zanen GESNER thierb.
(1563) 88a; die wolffs zäne eynem kleynen kinde angebunden ... befördern trefflich das zanen SEBIZ 261;
excellenz sind's gewesen, der vor fünfzig jahren einer lebendigen maus den kopf abgebissen haben, den
Julie G. im ledernen säckel am halse tragen sollte, damit sie leichter 'zahnen' möchte HOLTEI erz. schr.
38, 102, vgl. myth. (1835) anhg. XC, 581 und Germ. 20, 349, 15 (Niederösterreich); man soll einem
kinde mit dem wasser, aus welchem ein kreuzschnabel getrunken hat, die sog. zahnpillen (das zahnfleisch)
einreiben, damit dasselbe leichter zahne BLAAS in der Germ. 20, 352, 58 (Wien). zahnen in wortspielen:
disz waren sein eingefaszte und angehenckte wolffszän zum zanen und zännen (s. dies unten) Garg. 197
neudr.; man hält die zeit, da die mädchen anfangen zu zehnen (13, 14 jahre alt werden), ... für
gefährlicher als die, da sie anfangen zu zahnen LICHTENBERG Hogarth. kupferst. 2, 11. bildlich: sie
nennen daher gern denker ungläubige und heterodoxe wölfe, deren zähne glätten und zahnen helfen J.
PAUL 11/14, 278 Hempel; Sterne ist am unglücklichen vermehren der satiren schuld, bei dessen
erscheinung alle kinder unserer schönen geister zu zahnen anfingen grönld. proc. 6.

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der inf. substantiviert, das zänen, herfürwachsung der zänen CALEPIN (1570) 411, das zahnen,
dentitio FRISCH 2, 463c, das zahnen der kinder NEMNIGH lex. nosol.: es ist ein sehr hübscher aufsatz
über das schwere zahnen der kinder darinn GÖTHE IV 11, 182, 2 Weim.; zu den seltensten fällen gehört
das sogenannte dritte zahnen SÖMMERRING 2, 95; jetzt leidet er etwas am zahnen L. SCHÜCKING an
A. v. Droste in den briefen beider 344; sie läszt ... dir sagen, der husten des jungen und die bräuneartigen
zufälle Mariechens hingen lediglich mit dem zahnen zusammen BISMARCK br. a. s. brt. 184. bildlich:
schienen gedachte ich zu produziren für etwanige gefährliche brüche zwischen fürst und volk;
ächtenglische zahnperlen oder wolfszähne, vor dem zahnen desselben, d. h. vor den wahlen anzuwenden
GAUDY 8, 167.

2) mit zähnen versehen. als verbum finitum naturgemäsz kaum anders als in bezug auf zahnähnliches,
nach zahn II, 2, d und f: ein rad, einen kamm zahnen ADELUNG, zähnen CAMPE.
meist im part. praet., schon mhd. gezanet und gezendet neben der adjectivbildung gezan LEXER mhd.
hdwb. 1, 1000, nhd. auch schon früh mit und ohne umlaut bezeugt. dem eigentlichen sinne von zahn
entsprechend: (der königsvogel) hât ainen snabel wol gezendet MEGENBERG 185, 8; ein grabstein ...,
auf welchem das bild des todes mit stark gezahnten kiefern ausgehauen war STORM werke 7 (1899), 200;

Bd. 31, Sp. 162

so ist jeglicher mund (eines thieres) geschickt die speise zu fassen,


welche dem körper gebührt, es sei nun schwächlich und zahnlos
oder mächtig der kiefer gezahnt
GÖTHE 3, 89 Weim.;

bildlich: ich bin ... ein abkömmling des sogenannten grammatischen hundes, des gezähnten humanisten
Scioppius, deutsch Schoppe J. PAUL Tit. 1, 22. häufiger in bezug auf zahnähnliches. von andern theilen
des animalischen körpers: die hörner waren gezant als segen HARTLIEB Alexander 149b; die krebs ...
haben auch ein jederer zwen arm mit gezännten scheren HEYDEN Plinius (1565) 372;

unt wie eჳ (ein thier) in den welden stæt' unbildet


mit einem horne, daჳ eჳ treit.
gelîch den sagen, in sîner stirne vorne ...
gezanet ze beiden sîten scharf
minnes. 2, 379a Hagen.
in der botanik: denticulati pili, gezähnte haare, die auf einer seite wie mit kleinen zähnchen besetzt
sind DIETRICH lex. d. gärtnerei u. botanik 3, 589; mentha dentata, gezähnte münze ... die blätter sind ...
am rande sägeförmig gezähnt 6, 104. von theilen der unbelebten natur: kalksinter, in dem das
abflieszende wasser sich weite, flache bassins bildet, deren ränder alle seltsam gezahnt ... erscheinen
RITTER erdkunde 3, 667; erhöhungen (am sonnenrande): welche ... andere mit unbeweglichen,
gezahnten, rothen flammen verglichen HUMBOLDT kosmos 3, 389. in der baukunst, mit vorsprüngen,
zinnen versehen: die vier thürmchen traten an den vier ecken des mauerwerks von werkstücken heraus,
auch ein gezähnter gang zwischen ihnen war zur bessern vertheidigung hinaus gebaut ARNIM kronenw. 1,
11.

3) ahd. zanôn, mit den zähnen fassen, kauen, nagen, zerreiszen GRAFF 5, 685, neben zenden (*zandjan),
beiszen 686 und der gleichbedeutenden weiterbildung zanigôn ebenda, mhd. frühnhd. zanen, kauen
LEXER mhd. hdwb. 3, 1027;

die fressind hüner und hanen,


sinds nit gsoten, so müends (müssen sie) dran zanen
LILIENCRON hist. volksl. 1, 553 (nr. 121), 7 (von 1468);

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bildlich:

ich mag nun nümmer an dir zanen


fastnsp. 844, 24 Keller.

daneben zanegen LEXER a. a. o. noch später mundartlich zanen, zanigen, mit den zähnen nagen, kauen,
reiszen SCHMELLER 2 2, 1126/27. ebenso nd. tanen, nagen SCHILLER-LÜBBEN 4, 509b, etwas zähes
kauen, durch die zähne ziehen, bildlich einen verkleinern STRODTMANN 241.

4) durch zähne, zahnartige vorspr