Sie sind auf Seite 1von 1

Beratungsleitfaden

(Rezidivierende)
Harnwegsinfektionen

Definition:
Ein Harnwegsinfekt ist eine durch Krankheitserreger verursachte Infektion der ableitenden Harnwege.
Chronisch rezidivierende Harnwegsinfektionen treten mit einer Häufigkeit von mindestens drei Episoden
pro Jahr oder zwei pro Halbjahr auf.

Symptome:1
Akute Reizung der Blase, häufiger Harndrang bei kleinen Urinmengen,
schmerzhafte Blasenentleerungsstörung, Dauer < 5 Tage

Fragen für das Beratungsgespräch:


Für wen ist das Mittel? Welche Beschwerden liegen vor? Seit wann bestehen die Beschwerden (einmalig oder häufiger)?
Wurde Fieber festgestellt? Was ist die Ursache der Beschwerden? Wurden bereits Arzneimittel eingenommen? Sind
Unverträglichkeiten und/oder Vorerkrankungen bekannt? Sind Sie schwanger oder stillen Sie?

Wann zum Arzt?1


Dauer der Beschwerden > 5 Tage, Fieber, Flankenschmerzen, veränderter Geruch oder Farbe des Urins,
häufig rezidivierende Beschwerden, Nierenfunktions- und Blasenentleerungsstörungen, Anwendung von Diuretika,
Kinder, Schwangere, Diabetiker, Männer mit Prostatabeschwerden

Therapie in der Selbstmedikation:


(evtl. in Kombination)
Basistherapie Zusätzliche Maßnahmen
Aquaretika Ansäuerung des Harns
• Intensive Durchspülungstherapie • Zur Rezidivprophylaxe bei sich wiederholenden Infektionen
z. B. mit Goldrutenkraut, Schachtelhalmkraut, Birkenblättern, z. B. Methionin, hochdosierte Ascorbinsäure, Preiselbeersaft
Queckenwurzelstock

Desinfizientia Blasenstärkung mit Cranberryextrakten


• Leicht desinfizierender Effekt durch pflanzliche Wirkstoffe • Prophylaktische Wirkung der enthaltenen Pro- und
z. B. Bärentraubenblätter, Orthosiphonblätter, Kapuziner- Anthocyanidine
kresse, Meerrettichwurzel

Spasmolytika D-Mannose
• Tonussenkung der überaktiven Blasenmuskulatur • Bindet sich an die Fimbrien der E.-coli-Bakterien1
z. B. Butylscopolamin, Goldrutenkraut • Verhindert das Anheften der Bakterien an die Urothel-
zellen der Harnorgane1
• Bakterien werden mit dem Urin ausgeschieden. 2

Stärkung der Immunabwehr / Verhaltenstipps:


Wechselduschen, Sauna, Bewegung an der frischen Luft, mehr als 2 Liter pro Tag trinken,
regelmäßige Blasenentleerung, Vorbeugung nach ärztlicher Verordnung (z. B. Langzeitantibiose)
© DAP DeutschesApothekenPortal, Stand: Dezember 2019

Stärkung der Immunabwehr / zusätzliche Tipps:


} täglich 2–3 Liter Wasser oder ungesüßten Tee trinken
} Analgetika (Ibuprofen, Paracetamol)
Fotos: © anetlanda/stock.adobe.com

} Rücken und Unterleib z. B. durch Wärmflasche oder Kirschkernkissen warmhalten


} Blase regelmäßig und vollständig leeren, um den Erregern den Nährboden zu entziehen
} Wechselduschen, Sauna
} Bewegung an der frischen Luft

1 Lennecke, K., Hagel, K. Selbstmedikation; Leitlinien zur pharmazeutischen Beratung; 6. Auflage 2016; Deutscher Apotheker Verlag, Stuttgart
2 Intervening with Urinary Tract Infections Using Anti-Adhesives Based on the Crystal Structure of the FimH-Oligomannose-3 Complex. Welles A et al. PLos ONE 2008; 4, e2040

DeutschesApothekenPortal