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30/8/2020 Arbeit von Frauen in Zeiten der Globalisierung | bpb

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30.7.2010 | Von: Dr.rer.pol. Daniela Grunow

Dr.rer.pol. Daniela Grunow


Zur Person

Dr.rer.pol. Daniela Grunow ist Assistant Professor of Sociology an


der Universiteit van Amsterdam und Associate Fellow am Center
for Research on Inequalities and the Life Course, Yale University.
Nach ihrem Soziologie-Studium in Marburg, Amsterdam und
Bielefeld hat sie 2006 in Bamberg 'summa cum laude' promoviert.

Arbeit von Frauen in Zeiten der Globalisierung


Hohe Erwerbsquote, Dienstleistungsberufe und Minijobs: Die weibliche Erwerbstätigkeit hat sich in den letzten Jahrzehnten
in Deutschland stark verändert. Wie hängen die Prozesse zusammen mit der Globalisierung von Wirtschaft und Arbeit?

Der Begriff Globalisierung wird in verschiedenen Kontexten unterschiedlich de niert. Gemeinhin umfasst Globalisierung eine
Vielzahl wirtschaftlicher Prozesse, die sich im späten 20. Jahrhundert massiv verstärkt haben (vgl. Hofmeister/Blossfeld/Mills
2006). Dazu gehören die Internationalisierung von Märkten durch den verstärkten Strom von Gütern, Arbeitskraft und Kapital
über nationale Grenzen hinweg, Wettbewerbsverschärfungen aufgrund von Deregulierung, Privatisierung und Liberalisierung,
die weltweite Ausbreitung von Wissen und Kommunikationsnetzwerken durch die neuen Informations- und
Kommunikationstechnologien und die wachsende weltweite Ver echtung von Märkten und deren Abhängigkeit von globalen
Schocks, wie beispielsweise der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise.

Im Zuge dieser Veränderungen hat sich die von Frauen geleistete Arbeit massiv vom unbezahlten, häuslichen Bereich in den
bezahlten Bereich des Arbeitsmarktes ausgedehnt. Die wohl auffälligste Veränderung in Deutschland seit den 1950er Jahren
ist dabei die steigende Erwerbsbeteiligung von verheirateten Frauen und Müttern. Damit verbunden ist die Abkehr vom Modell
der "Hausfrauen- und männlichen Versorger-Ehe", das speziell in Westdeutschland lange Zeit institutionell und normativ
prägend war und ist. Frauen verbringen heutzutage mehr Zeit ihres Erwachsenenlebens auf dem Arbeitsmarkt als jemals zuvor
in der Geschichte der Bundesrepublik. So hat sich die Erwerbsquote verheirateter Frauen allein in Westdeutschland zwischen
1950 (26 Prozent) und 1980 (48 Prozent) fast verdoppelt (Müller et al. 1983). In der ehemaligen DDR verlief diese Entwicklung
noch rasanter, da Frauen hier, auch aus politischen Gründen, systematisch als bezahlte Arbeitskräfte in den Arbeitsmarkt
eingebunden wurden. Insgesamt stieg die Frauenerwerbsquote von 44 Prozent im Jahre 1950 auf 66 Prozent in 2005 an, trotz
massiver konjunkturell und strukturell bedingter Nachfrageschwankungen auf dem Arbeitsmarkt (Ibid. & Statistisches
Bundesamt).

Veränderungen im Globalisierungsprozess
Die Veränderungen, die in den letzten Jahrzehnten auf dem Arbeitsmarkt und im Sozialstaat stattgefunden haben, lassen sich
selten eindeutig als Ergebnis des Globalisierungsprozesses zurechnen (vgl. Leitner/Ostner 2000; Blossfeld 2001). Vielmehr
handelt es sich dabei um Entwicklungen, die in ihren Grundzügen den meisten modernen Gesellschaften gemein sind und sich
mit der wachsenden Dominanz des Weltmarktes durchgesetzt haben (Ibid.). Insbesondere die folgenden Entwicklungen, die
das Arbeitskräfteangebot sowie die Nachfrage nach Arbeitskräften nachhaltig verändert haben, werden in der einschlägigen
Literatur mit Globalisierung in Verbindung gebracht (Ibid.): Die wachsende Bedeutung des Wissens und der Information, die
sich auch in der Bildungsexpansion zeigt - d.h. seit den 1960er Jahren erwerben immer mehr junge Menschen mittlere oder
höhere Bildungsabschlüsse (Geißler 2004); die immense Steigerung der Produktivität in der industriellen Produktion, die eine
Abnahme von niedrig quali zierten Produktionsberufen und eine Zunahme von Dienstleistungsberufen sowie einen Anstieg der
Arbeitslosigkeit nach sich gezogen hat; die zunehmende Flexibilisierung von Beschäftigungsverhältnissen durch Teilzeitarbeit,

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Minijobs und befristete Beschäftigungsverhältnisse; die zunehmende Unsicherheit und Instabilität sozialer Beziehungen, die in
einem Anstieg der Scheidungszahlen, gesunkener Kinderzahlen, und generell, in einer Pluralisierung familiärer Lebensformen
zum Ausdruck kommt; sowie schließlich der wachsende internationale Wettbewerb zwischen Nationalstaaten, in dessen Zuge
ein Großteil der gering- und mittelquali zierten Arbeitsplätze in Niedriglohnländer verlagert worden ist.

Wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland


Durch das Wirtschaftswachstum in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie durch die Zunahme von
Dienstleistungsberufen und exiblen Beschäftigungsformen, wie zum Beispiel Teilzeitarbeit, ist die Nachfrage nach weiblichen
Arbeitskräften deutlich angestiegen. Ein Indikator hierfür ist der Anteil der Beschäftigten im Dienstleistungssektor, der
zwischen 1970 und 2006 von ca. 45 Prozent auf 72 Prozent massiv angestiegen ist (Statistisches Bundesamt: Strukturwandel
in Deutschland 2009) . Den Hintergrund dieser Entwicklungen bildeten unter anderem die Produkt- und Prozessinnovationen
in der Produktion und Organisation der industriellen Fertigung, wo Frauen zunächst als exible Arbeitskräfte in der Produktion
und schließlich zunehmend in den unteren und mittleren Hierarchien im Büro- und kaufmännischen Bereich eingesetzt wurden.
Zeitweise, speziell in Zeiten des Wirtschaftswunders, war die generelle Nachfrage nach Arbeitskräften schlichtweg größer als
das Angebot an männlicher Arbeitskraft. Gleichzeitig entstanden durch den wirtschaftlichen Wandel aber auch neue Berufe
und Beschäftigungsformen, wie z.B. Teilzeitarbeit, die Männer in dieser Form zur damaligen Zeit nicht ergriffen hätten, da sie
zu gering entlohnt waren, um davon eine Familie zu ernähren. Für verheiratete Frauen boten die neuen Jobs die Möglichkeit,
etwas zum Familieneinkommen dazu zu verdienen und ein Stück Eigenständigkeit zu erlangen.

In dieser Zeit erwarben junge Frauen auch immer bessere Schul- und Berufsausbildungsabschlüsse, sodass sie inzwischen bei
den quali zierenden Berufs- und Universitätsabschlüssen mit den Männern gleichziehen und entsprechend in mehreren
quali zierten Berufsfeldern, z.B. als Bürokau eute, Ärzte, Lehrer, mit ihnen konkurrieren. Durch den Ausbau des Sozialstaats in
den 1960er Jahren waren auch Arbeiten, die Frauen bis dahin unbezahlt in der Familie verrichtet hatten, wie die Versorgung
und P ege von Alten, Kranken und Kindern, ein Stück weit in bezahlte Arbeit im öffentlichen Sektor umgewandelt worden. So
weiteten sich auch sogenannte klassische Frauenberufe wie Erzieherin, Krankenp egerin oder Verwaltungsangestellte aus. Ein
Indikator des sozialstaatlichen Ausbaus ist der Anteil der Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Die Gesamtzahl der
Beschäftigten im öffentlichen Dienst stieg von 3,2 Millionen im Jahr 1960 auf 4,6 Millionen Beschäftigte im Jahre 1982 und
betrug 2009 4,5 Millionen. (Statistisches Bundesamt, Strukturwandel in Deutschland, Personalanstieg im öffentlichen Dienst
Pressemitteilung Nr. 258, 2010 und Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik). Im gleichen Zeitraum
stieg die Frauenquote im öffentlichen Dienst von 27 Prozent 1960 auf 52 Prozent im Jahre 2005 (Statistisches Bundesamt,
Pressemitteilung Nr. 093, 2005) . Globalisierung spielt in diesem Zusammenhang eine untergeordnete Rolle, da der
sozialstaatliche Ausbau eher der konservativ-wohlfahrtsstaatlichen Tradition Westdeutschlands folgte. In Ostdeutschland war
bezahlte Beschäftigung ein staatlich garantiertes Recht und eine Verp ichtung zugleich (Drobnic 1997). Es herrschte
Vollbeschäftigung und die Arbeitsnachfrage war weitgehend abgekoppelt von Konsum oder Produktivität (Ibid.).

In beiden Teilen Deutschlands gingen die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt Hand in Hand mit Produktinnovationen und
Neuerungen im häuslich-privaten Bereich. Frauen verbrachten durch Veränderungen bei der Produktion und im Konsum von
Haushaltsgütern, wie zum Beispiel Konfektionskleidung oder Fertigprodukte zunehmend mehr Zeit in Erwerbsarbeit und
weniger Zeit mit unbezahlter Haus- und Familienarbeit.

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