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Über Freimaurer, Iluminaten und echte Freunde der Wahrheit

Adolph Freiherr Knigge


Inhalt

Vorwort – Bruder Knigge


Berichte eines Insiders . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7

Erste Ordenserfahrungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 8

Freimaurerei im 18. Jahrhundert und die


„Strikte Observanz“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9

Knigge und die Strikte Observanz . . . . . . . . . . 10

Der Illuminatenorden – „Philos endliche


Erklärung“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12

Absage an das Geheimbundwesen . . . . . . . . . . 13

Politisierung durch die Französische Revo-


lution . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14

Schikanen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16

„Manifest einer nicht geheimen, sondern


sehr öffentlichen Verbindung echter
Freunde der Wahrheit, Rechtschaffenheit
und bürgerlichen Ordnung“ . . . . . . . . . . . . . . 17

Die Blumauer-Affäre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18

Aufklärung und Schriftverkehr . . . . . . . . . . . 19

Zur Textgestalt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20

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Inhalt

Beitrag zur neuesten Geschichte des


Freimaurerordens in neun
Gesprächen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21

Vorerinnerung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22

Inhalt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25

Erstes Gespräch. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27

Zweites Gespräch. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35

Drittes Gespräch. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46

Viertes Gespräch. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56

Fünftes Gespräch. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66

Sechstes Gespräch. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73

Siebentes Gespräch. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84

Achtes Gespräch. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99

Neuntes Gespräch. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108

Philos endliche Erklärung und Antwort


auf verschiedene Anforderungen und
Fragen, die an ihn ergangen, seine
Verbindung mit dem Orden der
Illuminaten betreffend. . . . . . . . . . . . . . 121

Manifest einer nicht geheimen, sondern


sehr öffentlichen Verbindung echter
Freunde der Wahrheit, Recht-
schaffenheit und bürgerlichen
Ordnung an ihre Zeitgenossen. . . . . . . 195

Nötige Einleitung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 196

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Vorwort
Bruder Knigge
Berichte eines Insiders

Im Jahre 1788 schrieb Knigge in seinem bekanntesten


Werk „Über den Umgang mit Menschen“: „Unter die man-
cherlei schädlichen und unschädlichen Spielwerke, mit wel-
chen sich unser philosophisches Jahrhundert beschäftigt,
gehört auch die Menge geheimer Verbindungen und Orden
verschiedner Art.“ Knigge wusste, wovon er sprach.
Bis zu diesem Zeitpunkt – im Februar 1788 hatte er das
Manuskript des „Umgang“-Buchs abgeschlossen – war sein
Leben stark geprägt durch Freimaurerei und Geheimbünde
in vielerlei Spielarten. Sein Vater, Philipp Carl Freiherr von
Knigge, war einer der ersten deutschen Freimaurer. Bereits
im Jahr 1744, während seines Studiums in Halle, ist er dort
im Alter von 21 Jahren zusammen mit seinem Hofmeister
der 1743 gegründeten Loge „Zu den drei Schlüsseln“ bei-
getreten. Drei Jahre später promovierte er an der Göttinger
Universität zum „Doctor beyder Rechte“. Dies war inso-
fern ungewöhnlich, als sich seinerzeit ein Adliger, zumal
wie im Fall Knigges ein Reichsritter, normalerweise nicht
von bürgerlichen Professoren einen Titel verleihen ließ.
Dieser promovierte Jurist, der zudem auch noch einer
der wenigen Freimaurer in Deutschland war, gab offenbar
nicht viel auf Konventionen, und so konnte der Sohn im
Rückblick berichten, dass Philipp Carl auch seine Familie
an seiner Leidenschaft für Freimauererei und geheime Wis-
senschaften teilhaben ließ. Knigge schreibt darüber in seiner
Geheimbundautobiographie „Philos endliche Erklärung“.

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Vorwort – Bruder Knigge

Erste Ordenserfahrungen

Philipp Carl bewohnte mit seiner Familie das Schloss


Bredenbeck bei Hannover, wo auch sein Sohn Adolph am
16. Oktober 1752 geboren wurde. Nach dem frühen Tod
der Mutter im Jahr 1763 und des Vaters 1766 wurde er von
seinen Vormündern zu einem Lehrer in Hannover in Pen-
sion gegeben und dort auf die Universität vorbereitet. Im
Oktober 1769 immatrikulierte er sich in Göttingen, um wie
sein Vater Jura zu studieren. Mitglied eines Studentenordens
brauchte er in Göttingen gar nicht zu werden; er war näm-
lich schon in Hannover für die Gustavs-Loge des Concor-
dienordens angeworben worden.
Studentenorden waren damals Organisationen, die wäh-
rend des Studiums Geselligkeit pflegten und einen gewissen
organisatorischen Zusammenhalt in der Zeit danach boten.
Von der Form her hatten sie zu Knigges Zeit Ähnlichkeit
mit den Freimaurerlogen; so kannte der Concordien-Orden
nach freimaurerischem Vorbild eine Unterteilung in drei
Grade: Allgemeine, Geheime und Aufsehende Brüder.
Knigge war sogleich mit großem Eifer bei der Sache. Im
Sommer 1770 erwarb er den zweiten und dritten Grad des
Ordens, und im November 1770 wurde er Ordensmeister
der Gustavs-Loge. Als er sein Studium abbrach, um eine
Hofanstellung in Kassel anzutreten, erteilte ihm seine Loge
eine Vollmacht, eine Dependance in Kassel zu errichten.
Über eine solche ist aber nichts überliefert; es scheint dort,
auch bei ehemaligen Ordensbrüdern, kein Interesse bestan-
den zu haben.
Dagegen wurde Knigge, kaum älter als zwanzig Jahre,
am 20. Februar 1773 in die Kasseler Freimaurerloge „Zum
gekrönten Löwen“ aufgenommen. Diese Loge war erst zwei
Jahre zuvor gegründet worden und unterstand dem System
der „Strikten Observanz“.

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Freimaurerei im 18. Jahrhundert und die „Strikte Observanz“

Freimaurerei im 18. Jahrhundert


und die „Strikte Observanz“

Die Freimaurerei, in ihren Ursprüngen ein Männer-


bund mit philanthropischen Zielen und nichtöffentlichen
Ritualen, wollte ihre Mitglieder, „Brüder“ genannt, durch
Einweisung in Stufen höherer Vollkommenheit („Grade“)
diesen Zielen näherbringen und auf diese Weise eine bes-
sere Welt schaffen. Die anfangs nur drei sogenannten sym-
bolischen Grade hießen der mittelalterlichen Maurerzunft
entsprechend, auf deren Tradition und Symbolik man sich
berief, Lehrling, Geselle und Meister. Die reale Maurerei des
Mittelalters nannte man „operative“ oder Werk-Maurerei,
die neue dagegen „spekulative“ Maurerei.
Keine Vereinigung hatte in der Zeit der Aufklärung so
große Anziehungskraft wie die Freimaurerei. Über die vie-
len prominenten Mitglieder wie Friedrich II. von Preußen,
Goethe, Lessing, Herder, Mozart u. v. a. m. hinaus waren
große Teile der bürgerlichen Oberschicht vor allem in den
Universitäts- und Handelsstädten Mitglied einer Loge.
Nach der Gründung der ersten Freimaurerloge 1717 in
London entstand 1737 in Hamburg die erste in Deutsch-
land. Als nahezu einzige Möglichkeit der Bürger zur we-
nigstens internen Artikulation und Selbstverständigung im
18. Jahrhundert breiteten sich die Logen rasch aus.
Schnell fand auch der Adel Geschmack an diesen ge-
heimnisumwitterten Vorgängen und nahm zumindest diese
Erscheinungsform bürgerlicher Emanzipation teilweise in
seine Hände, und die Freimaurerei nahm ihren Weg in die
höfische Gesellschaft. Den Adligen genügten aber die drei
Grade nicht, und das Ritual war ihnen zu nüchtern; beim
Stichwort Mittelalter dachten sie weniger an Maurer als
vielmehr an Kreuzzüge und Tempelherren.
Die Folge davon war der Erfolg der Hochgradsysteme,
insbesondere der Strikten Observanz. In diesem System
gab es sieben Grade, deren untere drei die der „englischen“

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Vorwort – Bruder Knigge

Freimaurerei waren, also Lehrling, Geselle und Meister. Da-


rauf bauten die oberen vier auf. Ab dem sechsten Grad war
man „Eques“, Ritter. Die Strikte Observanz beherrschte
zwischen 1760 und 1780 fast flächendeckend die deutsche
Freimaurerei. Auf dem Wilhelmsbader Konvent 1782 wur-
de das System zu Grabe getragen. Im „Beitrag zur neuesten
Geschichte des Freimaurerordens“ beschreibt Knigge diese
Entwicklung ausführlicher.

Knigge und die Strikte Observanz

Von Hause aus war Knigge geprägt durch das System der
Strikten Observanz. Sein Vater Philipp Carl war in Han-
nover zunächst Mitglied der Loge „Friedrich“ gewesen,
zeitweise als „Meister vom Stuhl“, also Vorsitzender. Gleich
nach Gründung der Strikte Observanz-Loge „Georg“ im
Jahre 1762 aber trat er zu dieser über und wurde ein Jahr
darauf deren Meister vom Stuhl. 1766 vereinigten sich bei-
de Hannoveraner Logen unter dem Namen „Zum weißen
Pferde“. Die neue Loge unterstand der Strikten Observanz.
Die beiden Logen in Kassel und Hanau, denen Knigge
jun. ab 1772 zuerst angehörte, unterstanden ebenfalls der
Strikten Observanz. In Hanau erhielt Knigge 1779 deren
VII. Grad. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war er sich sicher,
dass diese Form der Freimaurerei ein Irrweg war. An einen
Freund schrieb er: „Unsere Loge gewinnt ein immer elende-
res Ansehen. Wir nehmen auf, was Degen tragen darf, das ist
unsere Richtschnur.“ Nicht nur, dass die Hanauer wie üb-
rigens auch Knigges Kasseler Loge hauptsächlich vom Hof
getragen war, irritierte ihn, sondern auch die sogenannten
Geheimnisse im Dunstkreis der Strikten Observanz. Über
alchimistische Rezepte, „Processe“, befand er: „Keiner ist
echt. Lauter Lügen.“
Und so bemühte sich Knigge einige Zeit vergeblich um
eine Reform der Strikten Observanz, die er auch „Ritter-
spielerei“ nannte. In „Philos endliche Erklärung“ (S. 135 ff)
sind diese Versuche beschrieben.

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Knigge und die Strikte Observanz

Dennoch blieb ein gewisses Maß an Prägung bei Knig-


ge erhalten. Von der Form her erinnert manches, was er für
den Illuminatenorden ausgearbeitet hat, an die Strikte Ob-
servanz; in „Philos endliche Erklärung“ schreibt er ja selbst,
dass er der Strikten Observanz eine gewisse „Anhänglich-
keit“ bewahrt habe (S. 164).
Von Hanau aus aber besuchte Knigge einige Male die be-
nachbarte freie Reichsstadt Frankfurt, und dort lernte er in
der Loge „Zur Einigkeit“ die andere Freimaurerei kennen.
Diese Loge arbeitete nach englischem System, kannte nur
die drei unteren „Johannisgrade“ und setzte sich vornehm-
lich aus Kaufleuten zusammen. Meister vom Stuhl war der
Buchhändler und Verleger Johann Carl Brönner. Bei die-
sem besorgte Knigge den Erstdruck des zweiten Teiles von
Gotthold Ephraim Lessings Freimaurergesprächen „Ernst
und Falk“; dies geschah ohne Lessings Kenntnis. Knigges
Urheberschaft daran blieb auch noch mehr als 200 Jahre
lang unbekannt, ebenso wie der Umstand, dass er der Ver-
fasser der „Vorrede“ war, und nicht Lessing.
Von der Form her an diese Schrift Lessings angelehnt ist
Knigges 1786 erschienener „Beitrag zur neuesten Geschich-
te des Freimaurerordens in neun Gesprächen“. Lessings von
Knigge veröffentlichte Schrift richtete sich explizit gegen
die freimaurerischen Verirrungen der Strikten Observanz,
Knigges Schrift dagegen steht am Ende der aktuellen Dis-
kussion. Hier fasst ein Insider die Ergebnisse zusammen.
Zu diesem Zeitpunkt, 1786, nahm Knigge nicht mehr teil
und konnte damals bereits beim Schreiben die nötige Di-
stanz aufbringen, um zu ziemlich abgeklärten Urteilen zu
gelangen.

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Vorwort – Bruder Knigge

Der Illuminatenorden –
„Philos endliche Erklärung“

Viel bedeutender für Knigges Leben aber war, dass er,


der im Frühjahr 1780 nach Frankfurt gezogen war, in der
Loge „Zur Einigkeit“ einen Abgeordneten des Illuminaten-
ordens kennen lernte, der nördlich der Mainlinie Mitglieder
anzuwerben suchte. Am 1. Juli 1780 unterschrieb Knigge
ein Revers, durch das er Mitglied des Ordens wurde. Nun
entfaltete er beinahe drei Jahre lang mit allergrößtem Ein-
satz eine stürmische Tätigkeit, wurde bald zweiter Mann
im Orden, entwickelte zum großen Teil das zum Zeitpunkt
seines Beitritts noch fast völlig unausgearbeitete System der
Illuminaten und – scheiterte letzten Endes ziemlich kläg-
lich. Was Knigge nämlich mit dem Orden zu erreichen ver-
suchte, war etwas gänzlich anderes als das, was der Ordens-
stifter Adam Weishaupt zu erreichen suchte: Knigge wollte
die Strikte Observanz unterwandern und auf diese Weise
die Freimaurerei wieder zu ihren alten Zielen zurückfüh-
ren, die Freimaurerei wieder zu einer Bewegung für eine
bessere Welt machen. Adam Weishaupt dagegen wollte um-
gekehrt die Freimaurerei nutzen, um den Illuminatenorden
stark zu machen und auf diese Weise für eine bessere Welt
zu wirken; die Freimaurerei selbst, und schon gar die Strik-
te Observanz mit ihrem Pomp, war ihm völlig fremd und
gleichgültig.
Bei allem gegenseitigen Unverständnis haben Knigge und
Weishaupt zwei Jahre lang recht produktiv für ihr Fernziel
Weltverbesserung zusammengewirkt und den Orden so
ausgebreitet, dass sogar heute noch manche Menschen glau-
ben, er sei mächtig gewesen.
Eben dieser Irrglaube hat zum Erscheinen des Büchleins
„Philos endliche Erklärung“ im Jahre 1788 geführt. Dem
Verbot des Illuminatenordens in Bayern im Jahr 1785 war
nämlich eine erste Welle von Verfolgungen und Denunzia-
tionen gefolgt, in deren Verlauf Anfang 1788 auch Knigges

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Absage an das Geheimbundwesen

ziviler Name aufgedeckt wurde, so dass er sich zu einer öf-


fentlichen Rechtfertigung genötigt sah.
Die zweite Welle der Illuminatenverfolgung setzte nach
Beginn der Französischen Revolution ein. Sie war ungleich
härter als die erste, fühlten sich die Herrschenden doch
nun real bedroht. Grundlage der Verfolgung war die jeder
Grundlage entbehrende These, die im Geheimen wirkenden
Illuminaten hätten den Umsturz in Frankreich bewirkt. Il-
luminaten, Jakobiner, Demokraten: diese Begriffe wurden
beinahe synonym verwendet.

Absage an das Geheimbundwesen

Knigge hatte mittlerweile dem Geheimbundwesen ab-


geschworen. So schrieb er zum Beispiel 1791 an seinen
Freund, den Schauspieldirektor Gustav Friedrich Wilhelm
Großmann: „Sie wissen, mein Bester! daß ich von dieser
zeitverderbenden Hieroglyphen-Kramerei gar nichts mehr
halte und überhaupt allen geheimen Verbindungen herzlich
gram bin. Ich bin daher seit mehr als 5 Jahren außer allen
Verhältnissen mit der edlen Freimaurerei.“ Die Zahl der Jah-
re stimmt überein mit Knigges Umzug von Heidelberg nach
Hannover im Winter 1786/87. In Heidelberg hatte Knigge
noch in der Loge „Carl zum Reichsapfel“ mitgearbeitet, die
dem englischen System folgte und dem 1783 von Frankfurt
aus unter Beteiligung Knigges ins Leben gerufenen Eklekti-
schen Freimaurerbund angehörte. Diese Logenvereinigung
war nach dem Wilhelmsbader Konvent gegründet worden,
um einen organisatorischen Zusammenhalt gegen die Strik-
te Observanz zu gewährleisten.
Auch öffentlich gemacht hat Knigge seine Absage an die
Freimaurerei und andere Geheimbünde, im „Beitrag zur
neuesten Geschichte des Freimaurerordens“ schon 1786 en
passant und sehr ausführlich im 1787 erschienenen Roman
„Die Verirrungen des Philosophen oder Geschichte Lud-
wigs von Seelberg“. Am deutlichsten und einprägsamsten
geschah dies aber im 1788 erschienenen Buch „Über den

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Vorwort – Bruder Knigge

Umgang mit Menschen“, das ein eigenes Kapitel „Über ge-


heime Verbindungen und den Umgang mit den Mitgliedern
derselben“ enthält. Dort steht zu lesen: „Ich habe mich lan-
ge genug mit diesen Dingen beschäftigt, um aus Erfahrung
reden und jeden jungen Mann, dem seine Zeit lieb ist, abra-
ten zu können, sich in irgendeine geheime Gesellschaft, sie
möge Namen haben, wie sie wolle, aufnehmen zu lassen.“
Knigge scheint sich an seinen Rat gehalten zu haben – bis
auf ein kurzes Techtelmechtel mit der „Deutschen Union“
des Theologen Carl Friedrich Bardth, einer Mischung aus
Buchclub, Lesegesellschaft und Geheimbund zur Beförde-
rung kritischer Aufklärung.

Politisierung durch die


Französische Revolution

Die Französische Revolution wurde anfangs von den


deutschen Intellektuellen fast durchweg emphatisch be-
grüßt. Selbst ein Aristokrat wie Friedrich Leopold Stolberg
schwärmte 1789 von „der herrlichen Sache der Freiheit“.
Spätestens nach der Hinrichtung des französischen Königs
im Januar 1793 aber waren die Meinungen geteilt. Knigge
positionierte sich eindeutig und öffentlich für die Ziele der
Revolution.
1791 erschien zunächst sein Roman „Benjamin Nold-
manns Geschichte der Aufklärung in Abyssinien“, zum Teil
Satire auf die Zustände des feudalen Deutschland, zum Teil
aber auch ein ausgearbeiteter republikanischer Verfassungs-
entwurf; Knigge überlegte ernsthaft, ihn an die französische
Nationalversammlung zu schicken, nachdem diese die Den-
ker Europas aufgerufen hatte, sich an der Diskussion um
eine französische Verfassung zu beteiligen.
1792 folgte anonym Knigges Satire „Des seligen Herrn
Etatsrats Samuel Conrad von Schaafskopf hinterlassene Pa-
piere“, mit der er zwei Ziele aufs Korn nahm: Geheimbün-
delei und vor allem die Gegner der Aufklärung, die er sich
als Mitglieder des „Pinselordens“ dachte, der seit Menschen-

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