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Das innere Patriarchat

it "la otra Campaiia" initiierte die EZlNl 2006 eine breite außerparlamentarische Allianz zur politischen
obilisierung "von unten", Eva Bahl und Zara pfeiHer sprachen mit Norma Cacho über die Genderverhältnisse
In der "Anderen Kampagne",

an,schläge,Wie begann die Andere entwickeln sich einige sehr interessante gung zu sein und immer wieder sagen
Kampagne? Prozesse. zu müssen: "Liebe Mitstreiter, wir müs-
Norma Cacho: Die Andere Kam- Als wir das Manifest3 lasen, schien es sen aber auch die Forderungen der
pagne startete offiziell am ,. Ja- uns, als ob der Feminismus großen Ein- Frauen berücksichtigen. Oie Fragen von
nuar 2006. Davor fand eine Reihe fluss in der "Anderen Kampagne" gehabt Gender und Patriarchat müssen disku-
von Treffen mit sozialen und Bauernor- hätte. tiert werden, meint ihr nicht?" Wir Frau -
ganisationen, indigenen Gemeinden, Für uns Frauen war es sehr kom- en stehen in einer doppelten Auseinan-
Kollektiven, NGOs und Einzelpersonen plex und voller Brüche. Es wurde ver- dersetzung: sowohl mit dem patriar-
statt. Mit einer Rundreise durch die sucht zu spalten, die "Problematik der chalen System an sich als auch inner-
Bundesstaaten Mexikos begann die EZ- Frauen " wieder einmal auf später zu halb der Sozialen Bewegung selbst, wo
LN, Bewusstseinsarbeit für einen gesell- verschieben. Als die verschiedenen Ar- wir versuchen, die spezifischen Bedin-
schaftlichen Wandel in der Bevölkerung beitssektoren der Anderen Kampagne gungen für uns mexikanische Frauen zu
zu leisten und sich darüber auszutau- benannt wurden, wie z.B. Arbeiter, Bau- definieren und zu konkretisieren.
schen. Ziel war, die Erfahrungen, die ern usw. versuchte man uns Frauen in Welche Methoden habt ihr gegen
Kämpfe, die Probleme des "Mexiko von einen Bereich zusammen mit LGBTQs den Sexismus innerhalb der Anderen
unten" kennenzulernen - gleichsam ei· (Lesbian , Gay, Bisexual, Transgender, Kampagne entwickelt?
ne Art Röntgenaufnahme davon zu ma- Queer) und den Minderheiten zu Der Kapitalismus ist patriarchal.
chen. Es war von Anfang an klar, dass stecken. Obwohl sich die Andere Kam- aber nicht nur der, sondern viele politi -
die Andere Kampagne ein langfristig pagne als anti-patriarcha l definiert, ist sche Systeme und Bewegungen. Es
angelegter Prozess sein würde. sie in der Praxis sehr patriarchal und reicht also nicht zu fordern, der Kapita-
Nach den Repressionen in Atenco 2 ziemlich sexistisch. Wir, die feministi- lismus müsse zerstört werden, und zu
im Mai 2006 entwickelte die Andere schen Kollektive hatten hier große glauben, damit würden alle aufhören,
Kampagne Gegenstrategien, um Wider- Schwierigkeiten. Doch wir wollten auch patriarchal zu sein. Und dass dies dann
stand zu leisten. Allerdings waren diese nicht einen bereits eroberten Raum automatisch für die politische Praxis
nicht sehr konkret, die Tour ebbte dar- wieder aufgeben. und für deine persönlichen Beziehun-
NOIMA (AcHO ist Mllg'ini dtr aufhin ziemlich ab. Ein Aufschwung im Im Programm zum ersten Forum gen gelten würde.
_~ iomKhtn Nicht' I'9'l'flJngs-
Oktober 2007 führte schließlich zum der Anderen Kampagne kam z.B. Gender Wir brauchen einen Raum inner-
aryoni5Q!Iofl Clf PAC ((entrode
tMst'9«/OfltS Econamkos Y Treffen der lndigenen Völker von Ameri- kaum vor. Von den dreißig Diskussions- halb der Anderen Kampagne, um dort
Fb' tlCQS de AcäOn Comunltofia) In ka in Vicam, Sonora.lm Augenblick be- punkten, die auf der Tagesordnung diskutieren und konkrete Vorschläge zu
kmCmtOboI,Choopos
findet sich die Kampagne in einer neuen standen, hieß der letzte, die Rechte von den Themen machen zu können. Da
:,lDtM1Ung QUS dtm Spanoschen PhaSE - man kann es auch als eine Art Frauen respektieren. Es ve rschleißt geht es noch nicht einmal um Sexis-
:bt'rhQrd Albrl!Cht Umgruppierung beschreiben,derzeit schon sehr, Teil einer Sozialen Bewe- mus. Männer müssen sich die Frage

'4 ",-schläge mirl101J


bewegungsoziale
stellen: Wann schaffen wir es, euch ein- große Herausforderung. Es mü ssen For- Am besten beginne ich mit den
zuschließen? Denn in der Praxis wird men gefunden werden , diese Diversität grotesken Bezeichnungen, mit denen
dieses "auf gleicher Ebene agieren " sehr zu diskutieren. Bei den Versammlungen wir belegt werden, Lesben, Verbitterte
infrage gestellt. Aber wir wissen auch, kommen ja nur die Leute, die die Mög- und Männerfeindinnen. Dass wir unse-
dass es sich um einen Prozess handelt. lichkeit dazu haben. Da kann es sc hon re Rolle nicht akzeptieren, oder dass wir
Das geht nicht von heute auf morgen. mühsam sein, sich einzubringen. schlechte Frauen sind. Wir haben ge-
Wir sind weiter im Kampf und werden Welche Rolle nehmen denn Feminis- lernt, damit umzugehen.
sehen, wie weit wi r kommen können. tinnen innerhalb der Anderen Kampagne Für die große Mehrheit, vor allem
Beim Lesen der zehn Punkte des Ma- ein? in den konservativen Städten, ist eine
nifestes ist uns auch aufgefallen, dass Es gibt viele Frauenkol lektive und Fem inistin eine Frau, die nicht einver-
Transsexuelle und Intersexuelle aus- -gruppen, die mitmachen. Aber sie sind standen ist. Nur einige wenige teilen
drücklich aufgeführt werden. sehr zurückhaltend, wenn es darum die Überzeugung, dass die Frauen das
Zu r Anderen Kampagne wurde sehr geht, sich öffentlich dem Femini smus Recht haben, eine Schwangerschaft
intensiv und breit aufgerufen. Das richte- anzuschließen. Wirkli ch schwierig ist, abzubrechen, und erkennen an, dass
te sich an jeden und jede, der/ die interes- immer wieder zu erklären, dass der Feministinnen dreißig Jahre dafür
siert war und Lust dazu hatte,diese an- Feminismus ein interessanterVorschlag gekämpft haben. Oder dass es jetzt
dere Sache zu schaffen. Damit wurden ist. Es geht nicht darum, dass die Ande- Gesetze gegen Gewalt an Frauen gibt
auch Gruppen erreicht, die in der Sozia - re Kampagne femin istisch wird, son- und der vierzig Jahre andauernde
len Bewegung traditionell am Rande ste- dern darum anzuerkennen, dass eine Kampf der Feministinnen zu Fort-
hen und sich unterordnen müssen. Es patriarchale Alternat ive ke ine echt e AI - schritten bei der politischen Beteili -

Es REICHT ALSO NICHT ZU FORDERN, DER KAPITALISMUS MÜSSE ZERSTÖRT WERDEN, UND ZU
, Oie EZLN (EjfrritoZapollsto* . .
GLAUBEN, DAMIT WÜRDEN ALLE AUFHÖREN , PATRIARCHAL ZU SEIN. ro<ion Nocional) mCh,apoi tr_
derorms ten Bundess taaten MeuC"I.
lral am I,Janua r 1994 mllel"",,, __
waffneten Aufsta nd ers tmoll f.tJfrr:"
schloss sich also ein breites Spektrum ternative ist. Da rüber streiten wir auf gung der Frauen geführt hat. Dieser lieh m Erscheinung und sttn JdII
von Organisationen an: Das ging von allen Ebenen. Wir sind zwar wenige, andere Teil der Gesellschaft, der unsere ~el ldem mIt polltl~hen Mir<..riI'IfJl

Gruppen mit la nger Geschichte bis hin aber wir sind da. Wir haben au ch am Errungenschaften achtet, ist sehr die Rechtedef indlgenen ~
MexikOiabf>rouch gentftj ~
zu klei nen Kollektiven, die sich gerade Marsch der zapatistischen Frauen teil- klein, aber er existiert. neoliberale Polrtlk und for alitOflOl'lW
erst bildeten und dabei waren , sich poli - genommen, und auch das war schwie- Komplizierter ist, dass Ablehnung ~Ibstvtrwaltung em

tisch zu positionieren. So kamen au ch rig. Die Genoss_innen sind in einem in- auch von linken kommt. Die Genossen
1 Bemnnt wurde Atenco durrJt Im
In itiativen dazu, die die Anerkennung der teressanten Empowerment-Prozess, wollen ihren Machtstatus nicht verlie - WlfierstandsemerEm~
Vielfalt geschlechtlicher Identitäten for- und das ist nicht immer so, wie w ir es ren. Wenn also eine Frau hergeht und gegen emen gephmten NeubtN *'
dern, Inter- und Transsexuelle, und sie gern sehen würden . Am Eingang einer das, was sie sagen, infrage stellt, heißt mternoflOOOlen Flvghafrrts 10'1 Mr-
xlkcr5todt 1001/1003. dere ",C,.
legten ihre Forderungen auf den Tisch, Gemeinde hing zum Bei spiel ein Trans- es, "Moment mal!" Ich bin unter linken eI(Jnung der meisten Ihft'( ~
dass sie gleich zu achten seien wie jede parent, auf dem stand zu lesen , In die- einigen Machos begegnet, die waren bedeuttt hotte Doe EI"""'"
andere Person in der Kampagne auch. sen Tagen können Männer nur dann an schlimmer als die bei den Rechten. Wir Ofganisiert mder.Ffente de FuttIfIs
en Otifenso de 10 Tlt'rfo·, MfIrtf'I
Es ging also darum, dass sich alle den Treffen teilnehmen, wenn sie dabei müssen das konkret ansprechen . Es sind mit Protrsten und der~...,
anschließen konnten, aber auch das war die Kinder versorgen und das Essen ma - interessante Dinge erreicht worden, jen tlicller Amter AnjangMollOCJ6
schwer, denn es gibt weiterhin viele Vor- chen. Das Transparent endete allerd ings aber bei den zwischenmenschlichen Be- gefiel Aleneo erneut m dlt' ~
Jen. als die Polizei 9f'fjen8Ju~
urteile. Auch hier wird der Ka m pfwei- mit dem Satz, Nach Ende des Treffens ziehungen habe ich bei Linken Dinge hand/ero u~ dem Ort 'fOf9 fVJ iM
t ergehen. Das Ma nifest ändert die Ein- wird alles wieder so sein wie früher. gesehen ... uff! Wenn zum Beispiel je- entwickelnden ZU50m~'"
stellung nicht. Wie schon gesagt, befin- Das war doch bestimmt Ironie? mand vom Militär eine Frau vergewal - ten In Straßen~hlochtf'l! o..a.*"
Son SolvudorAtenro ous e ttm .....
det sich die Andere Kampagne im Au - Die EZLN hat öffentlich bekannt, tigt, dann sind alle empört. Aber wenn r",nen und Bauern zu HJfeIlftll
genblick in einer neuen Etappe. Lange dass eine Frage, in der sie sich stärker das "intern" passiert, wird das wenig bl(1d,ertend,el'lOhe~

Zelt gab es keine Aktionen, die Koordina- engagieren muss, die Situation der Frau- thematisiert. SchneUstra}e Bei demfoItJrr*tI
sotzlOt1mdtfolsl000~
~ Io n war schwierig. Das Ganze hatte en ist. Wir erkennen das an. Au ßerdem Die Linke ist eben auch Teil der Ge- gobrs twel Tote. mehrtft ~
'Icht den Zusammenhalt und die Wir- sind wir davon überzeugt,dass die auto- sellschaft .. ktztelJndj05tjOO~

'ung, die man sich anfangs erhofft hat- nomen zapatistischen Gemeinden ihre ... die aus Machos und Patriarchen gerJrssen wu,*n sdI~
Anklagen wtgf'l! Sf'JC~/t'm .u.s.
te. Aktuell versucht man mittels der Fö- Probleme selbst lösen müssen. Wir mi- besteht, davon müssen wir ausgehen. sbrauch. Vergewo t'9""'9 1I~
ren, die es jetzt wieder gibt, sich zu arti- schen uns auch aus einem anderen Jeder beginnt bei sich, bei seiner AII - lung IJnd Folter etllOberl." ~
ulieren und die Kampagne erneut zum Grund nicht ein:Wir wissen,dass dort tagsrealität und bei der Arbeit an sich letlung derfundo~~"""
schenrechte dorstel!efl.
Brodeln zu bringen. Gewalt für die Frauen immer noch eine selbst Wie du deinen inneren Patriar-
Es ist wirklic h sehr komp lex, wenn Realität ist. Dort steht noch viel Arbeit im chen dekonstruierst. denn du bist erzo- 3 OeutscheGwppe liA.SJ.A. ..IIe'Ift
"Tlan in einer so breiten Initiative alles Inneren an, Selbstkritik ist notwendig. gen und unterrichtet worden. Wir sind lung O(InOono
httpllpfOjehe!reedlolbgnt/att
zusa mmenführen will. Diese große Viel- Wie wird der Feminismus in der me- zur Unterordnung erzogen worden, und bastalczoo60701 hrmt Q.dt
falt bedeutet auf der einen Seit e einen xikanischen Gesellschaft im Affgemeinen dies zu dekonstruieren ist auch sehr http,lItflJocuopo!sraeziulr9.o
t;roßen Reichtum, ist aber auch eine wahrgenommen? mühsam. I /o-ctra·campol'lQ/j70