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Startups

Hier lachen 23,2 Millionen


Euro
 von Göran Schattauer (FOCUS, 44/2017)

Zwei Brüder und Mathe-Nerds aus Berlin schafften, wovon


viele Jungunternehmer träumen: Sie verkauften ihre Firma mit großem Gewinn in die USA. Der
Mega-Deal um die Nachhilfe-App Math 42 zeigt: Die deutsche Start-up-Szene boomt

Im Herbst 2015 prophezeite ein Wirtschaftsexperte zwei milchgesichtigen Bubis aus Berlin ein


Wunder: Sie würden eine ähnliche Karriere hinlegen wie Mark Zuckerberg.
Damals winkten die Teenie-Brüder, die eine Nachhilfe-App für Mathematik entwickelt hatten, ab.
Vom Facebook-Gründer seien sie „weit entfernt“. Zugleich erklärten die beiden Studenten, sie planten
nichts Geringeres, als „die Bildung weltweit“ zu revolutionieren. Wenn das geschafft sei, könne man
über den Zuckerberg-Vergleich noch einmal reden.
Zwei Jahre später sind Raphael und Maxim Nitsche, 21 und 22 Jahre alt, ihrem Ziel ein Stück näher.
Für 12,5 Millionen Euro verkauften sie ihre Firma Cogeon inklusive der zugehörigen App Math 42 an
den börsennotierten US-Lernanbieter Chegg. Mit künftigen Erfolgsbeteiligungen dürften die
Überflieger, die schon mit 14 am digitalen Nachhilfelehrer bastelten, weitere 10,7 Millionen Euro
kassieren. Macht summa summarum 23,2 Millionen Euro.
Nicht übel für ein Projekt, das vor zwei Jahren in der Vox-Gründershow „Die Höhle der Löwen“
gefloppt war. Obwohl die Nitsche-Brüder keinen Investor überzeugen konnten, profitierten sie von
ihrem publicityträchtigen TV-Auftritt. Im Anschluss an die Sendung wurde ihre E-Learning-App, die
Schülern komplizierteste Aufgaben Schritt für Schritt erklärt, 250000-mal heruntergeladen. Heute
stehen 2000 bis 4000 Downloads zu Buche. Am Tag. Weltweit.
Der gerade abgeschlossene und von einem Medien-Hype begleitete Mega-Deal um Math 42 zeigt:
Deutschland kann nicht nur Fußball und Autos, Deutschland kann auch Start-ups!
Wie erfolgreich sich die Gründerszene zwischen München und Hamburg in den letzten Jahren
entwickelt hat, lässt sich an vielen Indikatoren ablesen.
So gehört Deutschland laut einer Studie der britischen Investmentbank GP Bullhound zu den am
schnellsten wachsenden Tech-Nationen Europas. Mit Zalando, Trivago, Delivery Hero, Rocket
Internet, HelloFresh, Xing und Auto1 weisen bereits sieben junge Digitalfirmen eine Bewertung von
mindestens einer Milliarde Dollar auf und gehören damit zum Club der Einhörner (FOCUS 41/2017).
Zudem stecken Risikokapitalgeber so viel Geld wie nie in deutsche Newcomer – allein im ersten
Halbjahr 2,16 Milliarden Euro.
Weiteren Auftrieb verspricht sich die Start-up-Branche von HelloFresh aus dem Imperium der
Samwer-Brüder. Der 2011 in Berlin angetretene Lebensmittel-Lieferdienst drängt am 2. November an
die Börse. Das Team um Gründer und CEO Dominik Richter will bei Anlegern bis zu 357 Millionen
Euro einsammeln, um das Wachstum finanzieren und im knallharten internationalen Wettbewerb
bestehen zu können. (…)
Auch wenn der Abstand zur Konkurrenz aus den USA und Asien insgesamt weiterhin groß ist –
Experten bescheinigen dem Digitalstandort Deutschland durchaus Spitzenniveau. (…)