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Kapitel 1

Epilog - Burned

Selbst nachdem Eric das Licht wieder angeschaltet hatte, der Strom wieder durch die Leitungen lief
und einige der Computer, die nicht ordnungsgemäß herunter gefahren worden waren, wieder
angingen, blieb ein Gefühl der Verletzlichkeit zurück.
Malgorzatta fragte sich nur am Rande, wie es den anderen wohl gehen mochte, die den virtuellen
Angriff direkt mitbekommen hatten.
Ihre Sorge galt G.
Sam hatte ihr bei seiner Rückkehr ins Hauptquartier zwar versichert, das mit G alles in Ordnung
war, und er später nachkommen würde.
Doch Malrgorzatta wusste nur allzu gut, dass auch Sam nicht immer alles mitbekam, was G betraf,
dass es auch seinem Partner gelang, Geheimnisse vor ihm zu haben.
Sie wusste nicht wirklich, was passiert war.
Sam hatte sie und all ihre Sachen am Morgen in aller Eile aus dem Motel geholt, in dem sie in
Venice Beach gewohnt hatten.
Hatte sie bloß wissen lassen, dass G untertauchen musste, und sie dann für den Rest des Tages in
seinem Haus untergebracht, bei seiner Frau Michelle und seiner kleinen Tochter.
Bevor er sie verließ hatte er sie eindringlich gebeten, nicht zu versuchen, Kontakt zu G
aufzunehmen.
Erst am späten Abend war er wiedergekommen.
Er hatte ihr versichert, dass mit G alles in Ordnung war, und sie dann in die Zentrale gebracht.
Hier hatte sie von dem virtuellen Angriff erfahren, der heute Morgen hier stattgefunden hatte,
konnte nun beobachten, wie langsam alles zur Normalität zurückkehrte.
Und wartete auf G.
Kensi und Sam saßen in der Sitzecke, warteten ebenfalls auf ihn. Hetty war in ihrem Büro.
Es war nach zweiundzwanzig Uhr.
Es war dunkel und sie war müde, fühlte sich erschöpft, zum einen durch das Spielen mit Sams
lebhafter kleiner Tochter, zum anderen weil sie sich Sorgen um G machte.
Es hatte gut getan, das Vertrauen des kleinen Mädchens so schnell geschenkt zu bekommen, ihre
Sorglosigkeit und Fröhlichkeit zu sehen. Auf der anderen Seite hatte es ihr nur noch mehr bewusst
gemacht, wie sehr ihr G fehlte, vor allen Dingen wenn die Kleine von ihrem „Onkel Callen“
erzählte.
Jetzt kam G ganz unvermittelt herein.
Als er das Motel heute Morgen verlassen hatte, hatte er Jeans und ein wunderbares blaues Hemd
getragen, das seine Augen nur noch mehr leuchten ließ.
Nun erkannte sie ihn kaum wieder.
Er trug eine sandfarbene Cargohose, ein schwarzes Shirt und eine dunkle Sweat-Jacke darüber. Es
wirkte lässig, schlabberig an ihm. So kannte sie ihn nicht!
G ging hinüber zu Kensi und Sam.
Er hatte sie noch nicht gesehen.
Malgorzatta hatte den Eindruck, Kensi wollte im ersten Moment von der Couch rutschen als sie G
sah. Ihn umarmen.
Die Frage war ihr schon des Öfteren in den Sinn gekommen, wie Kensi zu G stand. Die
Körpersprache der Beiden erschien ihr nicht immer neutral.
Sie vertraute G.
Dennoch war sie eifersüchtig.
G sprach nur kurz mit den Beiden.
Malgorzatta konnte erkennen, dass er sich dabei suchend zu ihr umsah.
Sie stand an der Treppe.
Konnte von hier erkennen, dass ein kleines Lächeln seine Lippen verzog als er sie schließlich sah.
Dennoch kam er nicht zu ihr.
Er ging direkt hinüber zu Hettys Büroecke.
Sprach mit Hetty.
Malgorzatta fand, dass er ziemlich entspannt wirkte. Müde zwar, aber für das, was sie wusste, was
er durchgemacht hatte, nicht sonderlich berührt.
Sie konnte von hier aus nicht verstehen, was Hetty zu ihm sagte. Doch ihr Gesichtsausdruck war
gütig. Zugewandt.
„Verzeihung!“
Es war Eric Beale, der von oben, von der Treppe herunter an ihr vorbei lief, zu Hetty und G. Er
hatte eine weiße Karte in der Hand, einer Schlüsselkarte nicht unähnlich.
Während er mit den Beiden sprach verabschiedeten sich Sam und Kensi von ihnen, wünschten
ihnen einen schönen Feierabend und gingen hinaus.
„Schönen Feierabend!“ rief Malgorzatta rasch hinter ihnen her.
Eric ging wieder nach oben.
Und G kam endlich zu ihr.
Sein Gang, seine Haltung wirkten matt.
Mit einer langsamen Bewegung legte er seinen Arm um ihre Schultern.
Er drückte sie kurz, fest an sich.
„Komm!“
Dabei zog er sie mit hinüber zur Sitzecke.
Malgorzatta wagte es, ihren Arm um seine Taille zu legen.
Sie mochte keinen Austausch von Zärtlichkeiten am Arbeitsplatz. Und spürte irgendwie noch immer
Hettys Blick in ihrem Rücken.
G hauchte ihr einen kurzen Kuss auf die Wange.
Malgorzatta spürte, dass er leicht zitterte.
Er schien weit von der Ausgeglichenheit entfernt, die er Hetty soeben vorgegeben hatte!
„Magst Du mir erzählen was passiert ist, G?“
Sie sah ihn fragend an.
Und wusste sofort, dass er noch nicht bereit war, es sie wissen zu lassen.
Sein Lächeln zu ihr war klein. Und unehrlich.
„Später.“
Er drückte ihr wieder einen Kuss auf die Wange, wandte sich dann ab und ging zu seinem
Schreibtisch. Er nahm ein Fläschchen mit kleinen weißen Tabletten, ging damit hinüber zum
Sideboard und goss aus der Warmhaltekanne Kaffee in eine Tasse.
„Gute Nacht, Malin! Gute Nacht, Mister Callen!“ wünschte ihnen Hetty ihnen in diesem Moment
und wandte sich zum Gehen.
„Gute Nacht, Hetty!“ erwiderte Malgorzatta.
„Nacht, Hetty!“ meinte G zu ihr herüber.
Er öffnete die kleine Flasche, schüttete zwei Tabletten in seine Hand, warf sie in seinen Mund und
spülte sie mit dem Kaffee hinunter.
Malgorzatta ging zu ihm. Legte sacht ihre Hand an seinen Rücken.
„Hast Du ein bisschen `was gegessen heute?“
G sah sie an.
Schüttelte kaum merklich den Kopf.
„Nein. Keine Zeit!“
Seine Stimme hatte einen angespannten, verteidigenden Unterton.
Malgorzatta streichelte mit der Hand langsam, beruhigend über seinen Rücken.
„Wir haben hier sicher noch irgendwas im Kühlschrank.“ fuhr G fort.
Er wirkte nicht ganz bei der Sache. Abgelenkt.
Malgorzatta konnte sich gut vorstellen, dass ihn im Moment alles andere beschäftigte als
Mahlzeiten.
Dennoch musste auch ein G Callen auf sich achten.
Seine Aspirin-Kaffee-Angewohnheit war schon schlimm genug!
„Ich hol` uns `was, hm?“
Es war das erste Mal, seit sie ihn wiederhatte, dass ihr auffiel, wie viele seiner Barthaare bereits
grau waren.
Momentan wirkte er zwar sehr jugendlich in den Sachen.
Doch ein Blick in sein müdes Gesicht verriet, wie erschöpft er wirklich war. Übermorgen wurde er
Vierzig.
„Ja … klingt gut.“
Es klang ein bisschen widerwillig.
So, als stimme er nur zu, damit sie Ruhe gab. Das kannte sie nicht von ihm.
„Was möchtest Du, G?“
„Einfach ein Stück Pizza! Komm, Mali!“
G legte seinen Arm wieder um ihre Schultern und zog sie zu sich, an sie, lehnte seinen Kopf für
einen langen Moment gegen ihren.
„Ich bin froh, dass Du bei mir bist, cormoara meu! Ich liebe Dich!“
Malgorzatta schluckte für einen Moment.
Sie legte beide Arme um ihn, schob sie unter seine Jacke. War froh, dass er es geschehen ließ.
„Du scheinst einen schrecklich anstrengenden Tag gehabt zu haben, mein Schatz! Ruh` Dich ein
bisschen aus! Ich hol` uns etwas zu Essen! Schinken auf Deiner Pizza?“
„Mhmh.“ G nickte kurz.
Hielt sie einfach weiter an sich gedrückt.
Malgorzatta streichelte mit der Rechten langsam über seinen Rücken.
Sie spürte, sie geschwitzt sein T-Shirt war.
Er zitterte noch immer leicht. Stand unter Anspannung.
Mit einem Mal atmete er tief aus, was einem Seufzen glich.
„Er hat mit mir gespielt! Hat mir immer und immer wieder gesagt, er hätte Informationen über
mich! Ich habe mich zu sehr darauf eingelassen!“
G fuhr sich mit der Hand durch das Gesicht.
„Ich konnte an gar nichts anderes mehr denken als vielleicht mehr über meine Vergangenheit
herauszufinden! Ich hätte das nicht tun dürfen!“
Er sah sie an.
Malgorzatta glaubte, für einen Moment ein Glitzern in seinen Augen zu sehen.
„Gab es da heute jemanden … der Dir Informationen über Deine Vergangenheit geben wollte?“
G nickte kurz.
„Ja.“
Er fuhr sich mit der Hand über die Augen.
„Ist doch nicht schlimm!“ meinte sie zu ihm.
„Es ist doch nur zu verständlich, dass Du diese Informationen haben wolltest! Es ist verwerflich, so
etwas auszunutzen, sie Dir nicht einfach so zu geben!“
„Ich hätte mich nicht darauf einlassen dürfen!“ wiederholte G.
Seine Stimme klang matt.
Er unterdrückte ein Gähnen.
Malgorzatta stellte sich auf die Zehenspitzen und berührte mit den Lippen sanft die seinen.
Streichelte mit der Zungenspitze leicht über seine Unterlippe während sie ihre Hand an seinen
warmen, leicht geschwitzten Nacken legte.
„Ruh` Dich aus, G! Ich geh` Essen holen!“
G nickte.
„Danke!“
Malgorzatta streichelte mit der Hand rasch über seine Brust.
Dann holte sie ihre Handtasche und verließ das Gebäude.
Sie war nicht lange weg.
Dennoch saß G auf der Couch, als sie wiederkam, und schlief tief und fest.
Im ersten Moment stutzte sie.
Legte den Pizza-Karton auf dem Sessel ab.
Sie war froh, dass er schlief.
Auch wenn es unbequem aussah, nach hinten gegen die Rückenlehne gelehnt, seinen Kopf im
Nacken etwas überstreckt.
Er würde Kopf- und Nackenschmerzen bekommen, wenn er länger so lag, doch G schlief nie lange.
Vorsichtig nahm sie die gefaltete dicke Wolldecke von der Rückenlehne des Sessels, ließ sie
auseinander fallen und breitete sie achtsam über G.

Callen, G

Malgorzatta machte sich in der Zentrale nützlich.


Sie war die halbe Nacht herumgelaufen weil sie nicht wusste, wo sie hinsollte.
Sie hatte ein bisschen an Gs Schreibtisch gedöst. Auf einer Bank im Fitneß-Raum. Und im Sessel
neben der Couch.
Doch sie einfach nur froh, dass G wieder zurück war, unbeschadet, und dass sie bei ihm sein
konnte.
G war heute Morgen mit Kensi und Sam zu einem Lagerhaus aufgebrochen.
Sie wollte unter allen Umständen hier bleiben. Also versuchte sie, Hetty möglichst aus dem Weg zu
gehen, denn sie hatte die böse Vorahnung, dass Gs Vorgesetzte sie – falls die Dinge sich zuspitzen
sollten – der Zentrale verweisen würde!
Möglichst unauffällig, mit sachten Bewegungen und so leise wie möglich, räumte sie momentan die
bunten Garnrollen, nach Farben sortiert, in die Regalfächer in der Schneiderecke.
In diesem Moment hörte sie schwere Schritte vom Eingang.
Sams Stimme.
Sie fuhr herum.
Kensi, Sam und G kamen herein.
G trug noch immer die fremden Sachen. Er wirkte angeschlagen. Sein Gesicht war verschlossen,
beinahe böse. In seiner Hand war ein dickes Buch, sie konnte nicht erkennen, was darauf stand,
doch es besorgte sie noch mehr, dass er damit direkt zu seinem Schreibtisch ging und sich auf den
Stuhl fallen ließ.
Kensi wirkte ganz ungewohnt verwirrt.
Sie ging zu dem kleinen Sideboard und machte sich einen Tee.
Es war Sam, der an seinem Schreibtisch stehen blieb und sich suchend umsah.
Als ihre Blicke sich trafen verzog er keine Miene. Er hatte kein Lächeln für sie. Das kannte sie nicht
von ihm. Er wirkte besorgt.
Malgorzatta musste sich ernsthaft zusammen reißen um nicht herüber zu laufen.
Sie musste G diese Freiheit lassen, auch wenn es ihr unsagbar schwer fiel. Sie durfte ihn nicht
drängen! Und sie durfte sich schon gleich gar nicht in seine Arbeit einmischen!
Erst einmal musste sie froh sein, dass er zumindest unverletzt zurück war.
Hier, vom Regal her, konnte sie jetzt sehen, dass das dicke Buch gar kein Buch war sondern ein
Behältnis.
G klappte es auf und nahm Bilder heraus. Kensi kehrte zu ihm zurück und sprach mit ihm.
Aus dem Augenwinkel sah sie Sam leicht den Kopf schütteln.
Dann kam er zu ihr herüber.
Das beunruhigte Malgorzatta noch viel mehr.
Sie hielt beinahe den Atem an als Sam sie erreicht hatte. Ihr Herz klopfte bis zum Hals.
Sie zwang sich zu schweigen, sah Sam an, versuchte, ihm ein Lächeln zu schenken.
„Ist so weit alles okay, Malin!“ meinte Sam knapp zu ihr, machte eine rasche kleine Kopfbewegung
zu G herüber.
„G ist etwas durch den Wind, wir konnten seine Akte nicht mehr retten! Na ja, wird er Dir dann
selbst noch erzählen!“
„Danke Sam!“ meinte Malgorzatta rasch zu ihm. An ihm vorbei äugte sie zu G.
Er betrachtete die Fotos.
Es war noch nie zuvor geschehen, dass er ihr keine Aufmerksamkeit zukommen ließ. Das war
ungewohnt für sie. Befremdlich.
„ Also, keine Sorgen!“
Sam berührte sie leicht am Arm bevor er wieder hinüber zur Büroecke ging, an Gs Schreibtisch
stehen blieb.
G nahm ein kleines Notizbuch aus dem Behältnis. Blätterte darin. Er sah zu Sam.
Bemüht sortierte sie die Garnrollen weiter in die kleinen Fächer.
Aus dem Augenwinkel sah sie immer wieder zu G herüber.
Kensi hatte ihren Platz an ihrem Schreibtisch eingenommen ...

Kapitel 2

Sie sprach mit G.
G gab etwas zurück.
Dann, nach einer Weile, legte er Fotos und Buch beiseite und stand auf, kam zu ihr herüber.
Malgorzatta spürte, wie ihr Herz wieder sehr schnell zu schlagen begann. Ihr Mund war mit einem
Mal trocken. Ihre Hände plötzlich eiskalt.
G war etwas blass. Er wirkte unruhig, getrieben.
„Mali, alles okay?“
Er berührte sie leicht am Arm.
Seine Bewegung war fahrig.
Malgorzatta sah ihn an. Antwortete absichtlich einen Moment lang nicht sondern ließ ihren Blick
über sein Gesicht wandern.
Schenkte ihm dann ein zuversichtliches Lächeln.
„Ich hab` gehört, es ist nicht ganz so gut gelaufen?“
„Nein.“ G atmete tief aus. Es gleich einem Seufzen.
„“Ich … erzähl` Dir das ein anderes Mal! Wir müssen gleich zur Besprechung hoch!“
Seine Körpersprache hätte nicht deutlicher unterstreichen können was er sagte. Er stand vor ihr und
hatte beide Arme vor dem Oberkörper verschränkt und nichts an sich heranzulassen. Wirklich
Sorgen machte ihr allerdings die Art, wie er die langen Ärmel weit über seine Hänge gezogen hatte
und die Bündchen mit den Fingern festhielt. Eine typische Geste von Unwohlsein, Hilflosigkeit.
Das kannte sie nicht von ihm!
Das machte es ihr bloß noch schwerer, ihre Finger bei sich zu behalten.
Sie hätte ihn nur zu gerne berührt. Ihn am Liebsten in den Arm genommen. Doch sie traute sich
nicht hier vor all den Leuten, an seiner Arbeitsstelle, wusste nicht, ob es ihm Recht sein würde.
„G, bitte … „ Sie senkte ihre Stimme.
„Versuch`, Dich etwas auszuruhen! Du siehst … erschöpft aus!“
G nickte leicht.
„Mach` Dir keine Sorgen! Es ist alles in Ordnung!“
Malgorzatta sah ihn an. Sie wusste, dass er log. Und G wusste, dass sie es wusste.
„G, bitte! Es ist überhaupt nichts in Ordnung!“
G wich ihrem Blick aus.
Zog den langen Ärmel seiner Jacke etwas von seiner linken Hand wie um auf die Uhr zu sehen.
Nur, dass er keine Armbanduhr trug.
Es war nicht oft, dass sie ihn ohne gesehen hatte. Er nahm sie meist nicht `mal zum Duschen ab.
„Ich muss hoch!“
Seine Hand streichelte rasch über ihre Schulter.
„G, bitte, pass` auf Dich auf!“
G nickte bloß, flüchtig.
Dann wandte er sich ab und ging zur Treppe, verschwand nach oben, in den Einsatzraum.
Sam und Kensi folgten ihm kurz darauf.
Malgorzatta berührte einmal mehr den Ring an ihrem Finger. Nachdrücklich.
Dann wandte sie sich wieder ihren Garnrollen zu.
In ihrem Kopf rotierte es.
Sie hatte G erst ungefähr vier Wochen wieder, doch bereits jetzt erkannte sie eine Grenze.
Es war schon viel passiert in dieser Zeit.
Jetzt wäre es ihr wichtig gewesen, bei G zu sein. Sie wollte ihn nicht alleine lassen ohne überhaupt
zu wissen, was geschehen war, was noch auf ihn zukam.
Doch hier, in seinem Arbeitsumfeld, vor seinen Arbeitskollegen waren ihr die Hände gebunden. Sie
wollte ihn auch nicht in die Enge treiben, zu sehr bemuttern, auch wenn er manchmal ganz gerne
geschehen ließ, dass sie sich um ihn kümmerte.
Jetzt versuchte sie erstmal, die positive Seite zu sehen.
Dass sie direkt dort sein konnte, wo es passierte, in der ersten Reihe sozusagen, und nicht irgendwo
darauf warten musste, dass sie etwas mitgeteilt bekam.
Vermutlich würde sie verrückt werden, würde sie in irgendeinem Hotelzimmer sitzen und auf G
warten.
G kam mit den anderen die Treppe hinab.
Noch bevor sie seinen Blick gefunden hatte, hörte sie Hetty anordnen: „Mister Callen, in mein
Büro!“
Es klang unerbittlich.
Malgorzatta schielte um das Regal.
Die kleine Frau stand neben ihrem Schreibtisch und winkte auffordernd mit dem Zeigefinger.
G wirkte erschüttert.
Er war so nicht hinaufgegangen.
Dort oben musste irgendetwas Gravierendes passiert sein!
Sam und Kensi gingen hinaus.
G folgte Hetty in ihr Büro.
Sie nahm hinter ihrem Schreibtisch Platz.
Die Stimmen der Beiden schaukelten sich sehr schnell hoch.
Malgorzatta tat es regelrecht körperlich weh, G so aufgebracht, ratlos zu hören.
Er wirkte gequält als sie um die Regalwand linste, seine Körperhaltung in den schlabbrigen
Klamotten weit von seiner üblichen Selbstsicherheit entfernt.
Hetty zeigte ihm einen Bleistift.
Malgorzatta konnte nicht verstehen, was sie sagte, doch allein der Ton ihrer Stimme klang streng.
Ihr Gesichtsausdruck war hart.
G wandte sich ab und ging wieder die Treppe hinauf, verschwand nach oben Richtung des
Einsatzraumes.
Hetty brach den Bleistift ab.
Sie konnte es bis hier hören.
Malgorzatta konnte sich längst nicht mehr auf die Farben des Garns konzentrieren.
Am Liebsten wäre sie dazwischen gegangen. Um G in Schutz zu nehmen, der sich gegen Hetty
offenbar nicht durchgesetzt hatte.
Dabei wusste sie nur zu genau, dass sie zu wenige Informationen hatte um Partei zu ergreifen.
So unverständlich Hettys Handeln ihr auch schien, sie musste ihre Gründe haben. Gs Wohlergehen
lag ihr am Herzen, man spürte es, auch wenn es nicht so schien. Sie musste ihr einfach vertrauen,
auch wenn es ihr schwer fiel, G dabei so offensichtlich leiden zu sehen.
Hetty knallte den Telefonhörer auf die Gabel.
Nur um ihn gleich wieder herunter zu reißen und erbost auf die Tasten zu tippen.
G kam nach einer Weile die Treppe wieder hinab. Eilig und zielstrebig. Er kam zu ihr herüber.
„Ich muss kurz weg! Bleib` auf jeden Fall hier! Ich bin bald zurück und dann kümmere ich mich um
eine Unterkunft für heute Nacht!“
Er küsste sie sogar kurz auf die Wange.
Malgorzatta spürte, dass er mit den Gedanken ganz woanders war während er mit ihr sprach.
Abgelenkt. Innerlich wappnete sie sich für eine weitere Übernachtung hier.
„Natürlich, G! Bitte pass` auf Dich auf!“
Sie schenkte ihm ein ruhiges Lächeln.
Es war für sie nur zu deutlich, dass er äußerst angespannt war, und dass es ihn bloß noch mehr
belasten würde, reagierte sie jetzt anders als verständnisvoll und ruhig.
G nickte kurz.
Wandte sich dann ab und ging, lief beinahe hinaus. Mehr denn je musste Malgorzatta daran denken,
dass sie ihn vielleicht grade zum letzten Mal lebend gesehen hatte.
Sie versuchte den Gedanken rasch wieder zu verdrängen.
Doch in den letzten Tagen, seit die Sache angefangen hatte, drängte er sich ihr bei jedem Abschied
von ihm auf.
Sie hatte Angst.
„Malin?“
Hetty war neben ihrem Regal aufgetaucht, war lautlos in ihr Blickfeld geschlichen.
Malgorzatta zuckte regelrecht zusammen als sie ihr jetzt ganz unvermittelt gegenüber stand.
„Ich würde Sie gerne sprechen! Darf ich Sie für ein paar Minuten zu mir bitten?“
„Natürlich, Hetty!“
Malgorzatta folgte ihr hinüber in die Büroecke.
„Setzen Sie sich!“
Hetty wies auf den Korbstuhl vor ihrem Schreibtisch.
Malgorzatta ging ganz unwillkürlich durch den Kopf, wie oft G hier wohl schon gesessen hatte.
„Danke.“
Malgorzatta verfolgte mit ihren Blicken, wie Hetty hinter ihren Schreibtisch ging und dort Platz
nahm. Sie erwiderte ihren Blick für einen langen Moment ruhig.
„Hat Mister Callen Ihnen gesagt, wo er hinwill?“ fragte sie sie dann geradeheraus.
„Nein.“ antwortete Malgorzatta sofort wahrheitsgemäß.
„Er hat mir nicht einmal verraten, um was es geht!“
Hetty nickte langsam.
„Darf ich Ihnen eine Tasse Tee anbieten, Malin?“ fragte sie sie schließlich.
„Sehr gerne.“
Hetty goss Tee aus der großen geblümten Kanne auf dem Tablett auf ihrem Schreibtisch in eine
zweite Tasse, reichte sie ihr.
„Ich habe hier eine Mischung aus Zitronengrass mit einer Grundnote aus Orangen und Vanille. Es
ist ein sehr fruchtiger Tee!“
„Danke, Hetty!“
Malgorzatta pustete leicht über die Oberfläche der klaren karamellfarbenen Flüssigkeit. Sie roch
sehr orangig.
„Mister Callen ist gestern verfolgt worden.“ setzte Hetty jetzt an.
„Wie wir herausgefunden haben, geschah das im Auftrag eines Mannes, der behauptete,
Informationen über Mister Callen zu besitzen. Er wollte sie ihm im Gegenzug für eine Gefälligkeit
überlassen. Sie können sich sicher vorstellen, dass Mister Callen durch nichts davon abzubringen
war, darauf einzugehen. Leider wurde der Informant getötet. Bei der Untersuchung seines
Lagerraumes heute Morgen wurde eine große Menge von gespeicherten Daten entdeckt, unter
denen sich auch eine Akte von Mister Callen befand. Bevor der Bestand durch ein Feuer vernichtet
wurde, ist es Miss Blye, Mister Hanna und Mister Callen gelungen, eine Akte mit ein paar Fotos
und einem Notizbuch zu retten. Bei der Analyse der Fotos stellte sich heraus, dass sie darauf
abgebildete Frau … unter dem Mädchennamen von Mister Callens Schwester bei unseren Behörden
geführt wird. Kensi und Sam kümmern sich jetzt darum! Ich habe Mister Callen den Fall entzogen!“
Malgorzatta holte tief Luft.
Sekundenlang schien alles über ihr zusammen zu schlagen wie eine riesengroße Welle.
Ihr war schwindelig. Der Boden unter ihr schien mit einem Mal weggezogen. Plötzlich war nichts
mehr wie vorher!
Sie preßte ihre Lippen fest zusammen.
„Wie ist ihr Name?“ fragte sie dann.
Sie musste sich räuspern. Trotzdem klang ihre Stimme noch heiser. Ihr war kalt.
„Amy.“ antwortete Hetty ruhig.
„Ihr Name ist Amy.“
„Amy Callen.“ flüsterte Malgorzatta.
Es berührte sie, den Namen `Callen` auszusprechen, in einer anderen Verbindung als mit `G` oder
`Malin`.
Sie hatte eine zukünftige Schwägerin!
Wenn es ihr schon so nahe ging, wie musste G sich dann erst fühlen?
„Hat Mister Callen Ihnen wirklich nicht gesagt, wo er hinwill?“ fragte Hetty weiter.
Malgorzatta schüttelte den Kopf.
Sie versuchte, auf Abstand zu gehen. Die Sache erst einmal von sich zu schieben. Sie wollte sich
später damit beschäftigen! Sie musste ruhig sein für Gs Reaktion darauf.
„Nein. Er hat nur gesagt, er müsse kurz weg und würde bald wieder hier sein!“
Hetty nickte.
Malgorzatta hatte ihren Tee völlig vergessen. Jetzt trank sie einen kleinen Schluck. Er war schon
merklich abgekühlt.
„Gehen Sie wieder an Ihre Arbeit!“ meinte Hetty zu ihr.
Sie machte eine kleine Kopfbewegung Richtung des Garnregals.
„Ich vertraue darauf, dass Sie es mich wissen lassen falls … Mister Callen sich … über meine
Anweisung hinwegsetzen sollte!“
Sie blickte sie streng an.
Malgorzatta wusste, dass Hettys Forderung nur zu Gs Bestem war. Doch sie wusste nicht, ob sie sie
würde umsetzen können.
Selbst zu seinem Besten.

Es war nach der Mittagspause als G zurückkam.


Die meisten der Mitarbeiter verließen das Gebäude. Für die, die ihren Arbeitsplatz nicht verlassen
konnten, ging jemand herum und nahm Bestellungen für Sandwiches und Snacks auf.
Malgorzatta lehnte dankend ab als sie gefragt wurde. Sie würde keinen Bissen herunter bringen.
Hetty bat sie nach der Mittagspause zur Archivkontrolle von Disketten in einem Regal gegenüber
ihres Büros.
Sie hatte eine Tasse Tee bei sich stehen und war dabei, die Kennzeichnungen der alten
Computerdisketten mit ihrem Vorhandensein in einer Liste zu überprüfen als G plötzlich hier in den
kleinen abgegrenzten Bereich mit der großen Schrankwand und dem Teppich kam.
Ganz sacht spürte sie seine Hand an ihrer Schulter während er ihr einen Kuss auf die Wange
hauchte.
„Hallo.“
Seine Stimme klang müde. Er roch verschwitzt, schon seit gestern, wie auch seine Klamotten, an
denen zudem ein Geruch nach Rauch tief in den Fasern lag. Seine Bartstoppeln waren lang. Dunkle
Schatten lagen unter seinen Augen.
Nur im Krankenhaus hatte er noch schlechter ausgesehen.
„G! Hat alles gut geklappt für Dich?“
Sein Begrüßungskuss beunruhigte sie bloß noch mehr.
Dass er Zärtlichkeiten mit ihr an seinem Arbeitsplatz austauschte wo er doch sonst so überaus
korrekt und zurückhaltend war, zeigte ihr nur, wie liebebedürftig und verletzlich er augenblicklich
war. Wie sehr ihn das alles mitnahm!
„Nicht so gut.“ gab G zurück.
Er legte seine Hand an ihren Rücken und wollte sie sacht zu dem Sessel hier am Holzpfeiler führen.
„Hör` zu! Du weißt doch noch als Sam Dich am Motel …“
Malgorzatta blieb einfach stehen.
Sie spürte sein leichtes Zittern. Schmiegte sich ein wenig an seinen Arm.
Sie konnte es nicht lassen, mit der Hand leicht über seine Brust zu streicheln.
„Hetty hat mir alles erzählt, G!“
Sie sah ihn an.
Konnte erkennen, dass sein Gesicht sich sekundenlang verschloss. Er senkte den Kopf. Sah zu
Boden.
Malgorzatta spürte an ihren Fingern an seiner Brust seinen hastigen Herzschlag.
Sie senkte ihre Stimme.
„Tust Du das, was sie nicht möchte, dass Du es tust?“
Sie konnte sich nicht vorstellen, dass er Hettys Anweisungen Folge leistete.
Nicht, wenn es um seine Familie ging!
G hob den Kopf und sah sie an.
Malgorzatta registrierte, dass er ihr nicht antworten wollte. Weil er sich nicht an die Anweisungen
hielt! Er wollte sie nicht mit hineinziehen!
„Hast Du Deine Schwester gefunden, G?“
„Ich habe keine Schwester!“ stieß G hervor.
Er schob ihre Hand grob von seiner Brust.
Malgorzatta sah ihn verblüfft an.
„Die Frau muss eine Schwindlerin sein! Ich habe keine Schwester! Kann mich nicht daran
erinnern!“
Seine Brust hob und senkte sich rasch. Seine Stimme kippte fast über. Sie hatte ihn noch nie so
aufgeregt erlebt.
Kleine Schweißperlen standen auf seiner Stirn.
„Das tut mir leid, G! Du hattest Dir sicher Hoffnungen gemacht!“ gab sie ruhig zurück.
G sah sie an.
Seine blauen Augen rutschten nach einem Moment an ihr vorbei.
„Ich muss gehen! Hetty kommt!“
Er schlüpfte an der Trennwand vorbei Richtung der Büroecke, ließ sich dort in seinen
Schreibtischstuhl fallen nachdem er seine Jacke ausgezogen hatte.
Hetty ging in seine Richtung, jedoch nicht ohne langsam an ihrem Bereich hier vorbei zu gehen. Sie
warf ihr einen strengen Blick zu.
Malgorzatta musste sich zusammenreißen.
Sie fühlte sich völlig verblüfft. Sie hatte gedacht, G wäre aus dem Häuschen, setzte sich über Hettys
Anweisungen hinweg weil er es nicht abwarten konnte, seine Schwester wiederzusehen.
Statt dessen verleugnete er sie.
Mit dieser Möglichkeit hatte sie nicht gerechnet. Dies kostete wahrscheinlich noch mehr Kraft als
die eventuelle Enttäuschung für ihn hinterher, falls die Frau es doch nicht war.
Hetty sprach zu G.
Streng.
Malgorzatta verstand die einzelnen Worte nicht. Doch Hettys Stimme klang erziehend.
G saß an seinem Schreibtisch, beide Arme lässig auf den Lehnen, zurückgelehnt, nahezu
hingelümmelt!
Malgorzatta kannte diese fast respektlose Pose nicht von ihm. Er saß mit dem Rücken zu ihr.
Schließlich stand er auf. Ging nach oben davon.
Hetty blieb noch einen Moment vor seinem Schreibtisch stehen bevor sie zu ihrem Büro ging …
Kapitel 3
…. Es war früher Nachmittag als Nate plötzlich bei ihr auftauchte.
Sie hatte sich gerade einen Kaffee geholt und überlegte, ob sie sich einen Moment auf die Couch
setzen sollte.
G war noch nicht wieder heruntergekommen.
„Malin … kann ich Sie einen Augenblick sprechen?“
Malgorzatta sah den Teampsychologen für einen Moment verwundert an.
Sie lehnte seinen Beruf für sich ab. Wahrscheinlich hatte er das auch schon gemerkt.
Dass er jetzt trotzdem bei ihr auftauchte und mit ihr sprechen wollte, beunruhigte sie noch mehr.
Wahrscheinlich ging es um G!
„Ja, natürlich. Was gibt`s?“
„Mh!“ Nate zog eine Grimasse.
„Gehen wir in mein Büro?“
Malgorzatta sah ihn an.
Nickte dann verwirrt.
„Ja. Gut.“
Sie folgte ihm hinauf.
Nates Büro lag auf dem Flur gegenüber dem Einsatzraum. Es war ein sehr kleines Zimmer, in dem
der großen Mann plötzlich fast übermächtig wirkte.
Malgorzatta fühlte sich mit einem Mal eingeschüchtert.
Dies geschah nicht so oft, aber da es ihr ohnehin nicht so gut ging war das leicht.
Nate wies auf den Stuhl vor seinem kurzen Schreibtisch.
„Setzen Sie sich!“
„Danke!“
Malgorzatta nahm Platz.
Nate setzte sich in den Bürostuhl hinter seinen Schreibtisch.
Der Raum wirkte nun bedrückend klein.
Nate lehnte sich lässig in seinem Stuhl zurück und legte zu allem Überfluß auch noch einen Fuß auf
seinen Oberschenkel.
Es wirkte unglaublich lächerlich bei ihm.
Malgorzatta hätte gelacht, wäre die Situation nicht so ernst gewesen.
„Ich habe vorhin mit Callen gesprochen.“ begann Nate.
Malgorzatta hatte den Eindruck, er habe zuerst `G` sagen wollen, traute sich letztendlich aber nicht.
„Er hat mich um dieses Gespräch gebeten! Er hat mir gesagt, er befände sich in einer Krise! Es war
das erste Mal, dass er mir gegenüber eine Schwäche zugegeben hat. Was wissen Sie davon?“
„Gar nichts.“
Sie gab sich Mühe, nicht zu schnell zu antworten, legte einen Hauch Verblüffung in ihre Stimme.
Nate nickte.
Ihrer Meinung nach war er leicht zu beeinflussen.
„Hetty hat mir erzählt, dass Unterlagen über eine Frau aufgetaucht sind, die eventuell Callens
Schwester sein könnte!“ fuhr Nate fort.
„Callen selbst hat mir ein Notizbuch gezeigt, in dem sämtliche Pflegefamilien aufgeführt sind, in
denen er jemals war. Zudem sind hinten im Buch fünf Adressen angefügt, die ihm nicht bekannt
sind. Ich habe sie überprüft. Es sind Kinderheime und eine Pflegefamilie. Es kann sein … dass
Callen mir dabei über die Schulter gesehen hat!“
Sein `Es kann sein` klang unüberhörbar wie ein `Es war so`!
Malgorzatta nickte.
„Es kann sein … „ fuhr Nate weiter fort „ … dass Callen zu der Adresse der Pflegefamilie gefahren
ist!“
Malgorzatta nickte noch `mal.
„Weiß Hetty das?“ fragte sie.
„Hetty weiß immer alles!“ gab Nate zurück.
Es kam sehr schnell heraus und klang fast ein wenig ängstlich. Malgorzatta fand es immer
irritierend wenn sie mit Leuten zu tun hatte, deren Körpersprache nicht mit dem zusammenpaßte,
was sie sagten.
„Wie viele Pflegefamilien waren für G im Buch eingetragen?“ fragte sie ihn.
„Siebenunddreißig.“ gab Nate zurück.
Malgorzatta atmete tief ein.
Es war ihr bewusst, dass Nate sie beobachtete. Sie wollte ihm keinen Stoff für seine Arbeit liefern.
„Warum sind Sie nicht mit ihm gefahren?“
Es kam heftiger heraus als sie beabsichtigt hatte.
„Er hat nicht danach gefragt ob ich mit ihm fahren würde!“ verteidigte sich Nate gleich.
„Und Sie wissen selbst … Callen ist niemand, der sich leicht begleiten läßt!“
„Wenn er Ihnen gegenüber, dem Team-Psychologen, zugibt, dass er eine Krise hat, sollten Sie
jemanden wie G nicht alleine handeln lassen!“
Es ging ihr schon im Hinterkopf umher, ob sie wohl die Adresse aus ihm herausbekommen würde
um G zu folgen.
Nate verzog das Gesicht. Unbehaglich.
„Ich muss zugeben … Callen ist der komplexeste Fall, den ich je hatte!“
Malgorzatta warf ihm einen bösen Blick zu.
Dann stand sie auf.
„G ist kein Fall! Er hat es fürchterlich schwer! Entschuldigen Sie mich!“
Sie wandte sich zum Gehen.
„Mal … Mrs. Callen … oh Mann, das klingt verrückt!“
Nate war hinter seinem Schreibtisch hoch.
„Es tut mir leid! So habe ich das nicht gemeint!“
Malgorzatta hörte nicht auf ihn.
Sie wollte wieder hinunter zu ihrer Arbeit, doch an der Treppe sprach sie eine junge Frau an.
Sie war kreideweiß und fühlte sich offensichtlich unwohl.
In der Hand hatte sie eine dünne Mappe.
„Verzeihung … würden Sie das bitte zu Mister Beale in den Einsatzraum bringen? Er braucht das,
aber ich … „
Sie drückte ihr die Mappe in die Hand, preßte sich die Hand vor den Mund und stürzte mit einem
würgenden Geräusch davon.
Malgorzatta sah ihr verunsichert nach.
Sie wusste nicht, was sie tun sollte.
Sie wusste nicht, ob es ihr wirklich erlaubt war, dorthin zu gehen.
Doch die Situation schien eine Ausnahme erforderlich zu machen.
Langsam ging sie hinüber.
Zu ihrer Überraschung öffnete sich die automatische Tür problemlos als sie kurz davor stand.
Sie war noch nie hier im Allerheiligsten gewesen.
Malgorzatta hatte einmal den Film `Tron` gesehen.
Dies hier erinnerte sie sofort daran.
Eine große Videoleinwand links, die sich nahezu über die gesamte Wandbreite zog, ein Tisch in der
Mitte des Raumes. Viele Computerbildschirme.
Der Raum war halbdunkel, leicht bläuliches Licht herrschte vor, überall blinkte es, viele Tastaturen
waren eingelassen an Sitzplätzen. Auch die Kopfseite des Raumes schien als übergroßer PC-
Bildschirm zu dienen.
Es war nur eine einzige Person im Raum.
Sie saß an einem Pult oben links im Raum.
„Verzeihung … Mister Beale?“
Der junge Mann, in kurzen Hosen, mit Flip Flops an den Füßen und in einem karierten Hemd, fuhr
herum.
Malgorzatta schätzte ihn auf Ende Zwanzig.
„Entschuldigung! Wer sind Sie? Sie haben hier keinen Zutritt!“
Malgorzatta konnte ihm nur die Mappe entgegen halten während sie sich dem Pult näherte. Darauf
war ein großer Bildschirm montiert. Und darauf war das Innere eines Wagens zu sehen.
G.
Hinter dem Steuer, mit verbissenem, entschlossenen Gesichtsausdruck.
Es war zu erkennen, dass der Wagen mit hoher Geschwindigkeit fuhr. Einen anderen zu verfolgen
schien.
„Ist das live? Ist das von jetzt?“
G hatte noch immer das dunkle Shirt an.
„Das darf ich Ihnen nicht sagen … Ma´m!“
Der junge Mann hatte die Mappe genommen. Seine dunklen Augen hinter der Brille hingen an ihr,
so wie ihre Augen auf dem Bildschirm klebten.
„Bitte … „
Malgorzatta konnte das leichte Zittern in ihrer Stimme nicht verbergen.
„ … Mister Beale … wo ist das? … Bitte … „
Sie konnte nicht weitersprechen.
Auf dem Bildschirm musste sie mit ansehen wie der silberne Mercedes von der Straße abhob. Sich
in die Luft schob.
Sich drehte. Und überschlug.
Die Verbindung brach ab. Schnee flackerte über den Bildschirm.
„Oh … nein … nein …“
Mister Beale wandte sich wieder seiner Tastatur zu und tippte rasch darauf ein.
Nach einem viel zu langen Moment erschien das Bild einer Straße auf dem Bildschirm.
Es war grobkörnig.
Der silberne Mercedes war zu sehen.
Er lag auf dem Dach. Sah nach Totalschaden aus. Den Unterboden stark aufgerissen. Die Räder
standen quer. Fensterscheiben waren herausgesplittert, der Rahmen und die Türen verbogen. Das
Dach eingedrückt.
„Oh nein, das ist nicht gut!“
Mister Beale griff zum Telefonhörer.
Malgorzatta hatte für einen Moment das Gefühl, ihr Herz setzte zwei, drei Schläge aus.
Sie spürte ihre Knie weich werden. Ein Schwindelgefühl breitete sich in ihrem Kopf aus. Hastig
suchte sie mit den Augen die Straße nach einem Schild ab. Es war keines zu sehen.
Dafür trat jetzt ein bärtiger Mann mit einer Waffe vorsichtig an das Wrack.
Sie konnte G nicht entdecken.
Malgorzatta versuchte angestrengt, das Innere des Wagens einzusehen.
„Hetty, Sie müssen sich hier unbedingt etwas ansehen!“ meinte Mister Beale eindringlich am
Telefon.
Er legte auf.
Malgorzatta atmete flach, angespannt.
Der Mann näherte sich weiter vorsichtig dem Mercedes.
Beugte sich langsam hinunter zum Wageninneren. Zielte mit der Waffe hinein.
Plötzlich zuckte er zusammen. Die Waffe fiel ihm aus der Hand. Er fiel zu Boden.
Das alles geschah ohne Ton. Es mussten Bilder sein von einer Verkehrskamera in der Straße.
G schob sich mühsam durch ein kaputtes Seitenfenster aus dem Autoinneren. Er blickte sich
angestrengt um. Ging langsam aus dem Bild.
„Gott sei Dank.“ meinte Mister Beale mit einem tiefen Aufatmen.
Malgorzatta wartete darauf, dass das Telefon klingelte. Dass G sich hier meldete.
Er hatte nicht verletzt ausgesehen, aber so einen Crash überstand niemand ohne einen Kratzer!
Doch statt dessen öffnete sich die Tür und Hetty kam herein, gefolgt von Nate.
Malgorzatta wusste, dass sie besser rechtzeitig verschwunden wäre.
Doch sie konnte sich nicht trennen ohne zu wissen, was mit G war.
„Was haben Sie, Eric?“ fragte Hetty sofort.
Sie klang besorgt.
„Callen hatte einen Unfall.“ erzählte Eric Beale rasch. Er brach ab weil Hetty ihm offensichtlich
nicht mehr zuhörte.
Malgorzatta fing ihren Blick auf.
„Sie verlassen sofort diesen Raum und ich will Sie hier erst wieder sehen wenn ich Sie persönlich
dazu auffordere! Haben Sie mich verstanden, Malin?“
„Ja. Natürlich.“
Malgorzatta schluckte. Langsam ging sie hinaus. Immer wieder hatte sie das Bild vor Augen, wie
Gs Wagen abhob.
An sich war er ein überaus guter Fahrer. Sie fühlte sich sicher mit ihm wenn er fuhr. Doch so wie
seine Augen auf die Straße gerichtet waren, hatte er jemanden verfolgt. Er hatte angespannt
ausgesehen.
Langsam ging sie zu der Sitzecke hinter dem Büro und ließ sich auf die Couch sinken.
Gs Tasche stand neben seinem Schreibtisch auf dem Boden.
Sie musste einfach aufstehen und sie berühren, sich für einen langen Moment auf den kühlen
Steinboden knien und ihre Hand auf den groben Stoff legen.
Am Allerliebsten hätte sie eines seiner Shirts herausgenommen und ihr Gesicht darin vergraben,
einfach nur seinen Geruch geatmet.
Sie hatte fürchterliche Angst um ihn.
Seine nicht vorhandene Familie war seine Schwachstelle.
Es machte ihr Angst, dass das jemand ausnutzte. Jemand so skrupellos war.
Ihr waren die Hände gebunden.
Selbst wenn sie irgendwie hätte erkennen können, wo der Unfall sich ereignet hatte, sie war hier
trotzdem besser aufgehoben. Hier würde sie die Neuigkeiten bekommen, wie auch immer.
Hier war der Platz, an den G zurückkehren würde, denn sie hatten keinen anderen.
Langsam stemmte sie sich vom Boden hoch.
Setzte sich nicht sondern ließ ihren Blick durch das Erdgeschoss schweifen.
Sie fand, dass hier ziemlich viele Leute arbeiteten für eine verdeckte Operationszentrale.
Ständig war irgendwo irgendjemand unterwegs, auf den beiden Treppen, oben auf der Galerie.
Leise Gespräche waren zu hören, Telefone klingelten. In der Nähecke begutachteten zwei Frauen
einen Stoff. Leute tauschten Akten aus. Sie unterhielten sich. Scherzten. Lachten.
Ihr Mobiltelefon in ihrer Hosentasche meldete sich per Vibrationsalarm.
Malgorzatta riss es heraus. Aktivierte hastig das Display, weil sie hoffte, dass es eine Nachricht von
G war.
Doch es war eine SMS von Tim.
Sie hatte Tim McGee in Washington kennengelernt, als sie etwa vor vierzehn Tagen zur Beerdigung
von Lara Macy mit dem Team dort gewesen war. Sie mochte Tim.
Er hatte sogar ein bisschen mit ihr geflirtet und sie waren in Kontakt geblieben. Jetzt schrieb er ihr
einfach nur um zu hören, wie es ihnen ging.
Malgorzatta antwortete ihm schnell mit ein paar nichtssagenden Worten.
Sie würde ihm später ausführlicher schreiben.
Im Moment hatte sie keine Geduld, sich damit zu beschäftigen.
Ihre Gedanken kreisten um G.
Um sein Wohlergehen.
Gs silberner Laptop lag auf seinem Schreibtisch.
Sie strich mit der Hand kurz über das kühle Metall bevor sie sich auf die Couch setzte.
Und wartete.
Und wartete.
Sie hasste es, zu warten. Sie konnte es allerdings ganz gut. Wenn sie irgendwo in einem
Wartezimmer saß und Leute auf ihren Stühlen hin und her rutschen sah, ungeduldig, laut vor sich
hinseufzend, stöhnend, genervt, immer mehr ungebührlich mehr Raum einnehmend, so bildete sich
Malgorzatta ein, dass sie ein Musterbeispiel war.
Leise, unauffällig, ruhig.
So saß sie jetzt auch auf der Couch.
Sie konnte nicht weg.
Es nützte nichts, herumzuzappeln oder lautstark ihren Unmut zu äußern.
Es schien ihr Schicksal zu sein.
Es war ihr Schicksal, dass sie G wiedergetroffen hatte. Jetzt schien es ihre Bestimmung, hier auf ihn
zu warten, so lange es eben dauerte, ganz gleich, mit welchem Ausgang.
Sie konnte bloß hoffen, dass es ein Guter werden würde.
So nach und nach verabschiedeten sich die Mitarbeiter und machten Feierabend.
Es wurde sehr ruhig hier unten.
Malgorzatta war nur einmal aufgestanden.
Sie war auf Toilette gewesen. Hatte sich dann einen Tee gemacht.
Sie nippte noch an ihm als jetzt plötzlich Nate langsam die Treppe hinab kam.
Er sah zu ihr.
Malgorzatta verspürte ein ungutes Gefühl.
Der Team-Psychologe kam zu ihr?
Nate kam quälend langsam zu ihr herüber.
Sein Gesicht zeigte keine Regung.
War er wirklich dabei ihr schlechte Nachrichten zu überbringen? War G etwas passiert? Sie konnte
es nicht glauben!
Nate nickte ihr leicht zu als er vor ihr stehen blieb. Malgorzatta spürte ihre Herz bis zum Hals rasen.
Ihre Hände waren plötzlich eiskalt.
Sie konnte kaum schlucken. Ihr Hals war schmerzhaft eng.
Nate räusperte sich.
„Mrs. Callen … es hat eine Schießerei gegeben!“ sagte er dann förmlich.
„Aber keine Sorge, Callen geht es gut! Es ist alles in Ordnung! Sam und Kensi sind bei ihm im
Bootshaus. Sie werden später alle herkommen! Sie möchten bitte hier warten!“
Malgorzatta hätte ihn im ersten Moment am Liebsten angeschrien.
Sie spürte ihren Adrenalinspiegel regelrecht hochjagen.
Konnte er das nicht gleich sagen? Musste er erst noch stundenlang drumherum reden?
„Danke schön.“
Sie riß sich zusammen.
G ging es gut.
Alles andere war egal!
„Alles in Ordnung?“ erkundigte sich Nate bei ihr vorsichtig.
Malgorzatta schauspielerte ihm ein Lächeln.
„Danke. Alles wunderbar.“
Nate ließ sich auch diesmal von ihr täuschen.
Er ging wieder davon.
Malgorzatta setzte sich einfach wieder auf die Couch.
Wartete darauf, dass sie sich allmählich wieder beruhigte.
Ihr Herzschlag sich wieder senkte, das Zittern ihrer Hände, ihrer Knie aufhörte, das kleine
Schwindelgefühl aus ihrem Kopf verschwand.
Hetty kam langsam die Treppe hinab.
Sah lange zu ihr herüber bevor sie wieder in ihre Büroecke ging und dort hinter ihrem Schreibtisch
Platz nahm.
Langsam wurde es draußen dunkel…
Kapitel 4
… Ihr Mobiltelefon vibrierte.
Malgorzatta fischte es hastig mit zitternden Fingern heraus.
`Sam`s calling` zeigte das Display.
Sie meldete sich rasch.
„Mali, ich bin`s! G!“
Sekundenlang war sie verwirrt.
„G … „
Dann erinnerte sie sich, dass G im Moment gar kein eigenes Mobiltelefon besaß.
Ihr schossen Tränen in die Augen.
„Hör` zu, Mali, es ist alles in Ordnung! Mir geht es gut! Ich komme gleich mit Sam und Kensi
zurück!“
Malgorzatta musste lächeln. Gerührt. Schluckte gleichzeitig an ihren Tränen.
Es entging ihr nicht, wie müde G sich anhörte.
„Danke, G! Lieb von Dir, dass Du daran gedacht hast, anzurufen!“
Sie spürte sein kleines Lächeln durch das Telefon.
„Alles in Ordnung bei Dir … cormoara meu?“
„Alles wunderbar! Mach` Dir keine Gedanken!“
„Okay! Bis später dann!“
„Bis später, G!“
Die Verbindung wurde unterbrochen.
Malgorzatta spürte ihre Hände zittern. Sie brauchte drei Versuche, das Mobiltelefon zurück in ihre
Hosentasche zu schieben. Dann ging sie langsam wieder nach nebenan um die von Hetty
gewünschten Kopien anzufertigen.

Sie hatte noch zwei Kopien zu machen als sie Stimmen am Eingang hörte. Malgorzatta musste ein
paar Schritte nach hinten machen um von hier durch den bewachsenen Paravent zu dem kleinen
Flur sehen zu können.
Es waren Kensi und Sam.
G war bei ihnen.
Es tat ihr unendlich gut zu erkennen, wie er sich suchend nach ihr umsah.
Ihr Herzschlag jagte hoch.
Ihre Blicke trafen sich, trotz der Distanz.
G kam zu ihr.
Malgorzatta hatte ihn selten zuvor so müde und erschöpft gesehen.
Rasch schenkte sie ihm ein Lächeln.
G erwiderte es.
„Mali!“
Er streckte seinen linken Arm zu ihr aus, Malgorzatta schmiegte sich in seine Umarmung, drängte
sich an ihn, wollte beide Arme um ihn legen, doch G zuckte leicht zusammen und unterdrückte ein
Aufstöhnen.
Als sie irritiert zu ihm aufsah konnte sie gerade noch erkennen, dass sein Gesicht schmerzverzerrt
war.
Behutsam griff sie zum Stoff seines Shirts und streifte es wortlos etwas hinauf.
Wie sie sich gedacht hatte, verlief der Abdruck des Sicherheitsgurtes in frischem Blau-Rot als
Bluterguss quer über seinen Oberkörper.
G stöhnte leise und schob den Stoff wieder herunter.
„Ist nicht so schlimm! Komm her!“
Er ließ seinen Arm um ihren Nacken rutschen, zog sie sacht näher und küsste sie.
Selbst sein Kuss war müde, leicht, ein zärtlicher Hauch.
„Das sollte geröntgt werden um zu sehen, ob eine Rippe gebrochen ist!“ wandte sie schnell ein.
„Nicht so schlimm!“ wiederholte G während er sie zaghaft an sich gedrückt hielt.
„Sonst alles gut?“ flüsterte sie ihm fragend zu und streichelte vorsichtig über seine Seite.
Sie sah zu ihm auf.
Gs Augen waren klein. Etwas gerötet. Dunkle Schatten lagen darunter.
Er müffelte sogar etwas weil er seit Tagen in denselben Klamotten unterwegs war.
Sie musste lächeln.
Das kannte sei nicht von ihm. G war immer gepflegt und gut riechend, sie mochte seine warme
weiche saubere Haut.
G zog sie noch etwas näher zu sich. Vorsichtig, behutsam.
Malgorzatta spürte für einen langen Moment sein Gesicht an ihren Haaren.
Langsam streichelte sie mit der Hand über seinen Rücken.
„Alles gut bei mir!“ flüsterte er ihr zu.
„Natürlich.“ gab Malgorzatta leise zurück.
Sie fühlte das leichte Beben seines Körpers.
Langsam streichelte sie mit den Lippen über seine kratzige Wange.
„Wir fahren jetzt zu dem Hotel vorne in der Straße neben dem Gartencenter und da schläfst Du
Dich erstmal aus! Dann nimmst Du ein schönes Bad und dann kannst Du mir noch `mal sagen, dass
alles in Ordnung ist!“
G lachte leise.
Auch das schien ihn zu schmerzen, es klang verhalten und er krümmte sich leicht.
„Ist schon in Ordnung!“ wehrte er ab. Es klang halbherzig.
„G Callen!“
Malgorzatta preßte ihren Hüftknochen ein wenig gegen seinen.
„Du wirst morgen vierzig Jahre alt und Du hast ein paar fürchterlich anstrengende Tage hinter Dir!
Also wirst Du diese Nacht in einem richtigen Bett verbringen … „
„Sonst?“ unterbrach G sie sanft, herausfordernd.
Malgorzatta konnte spüren, dass er ein bisschen ruhiger wurde.
Sein Gesichtsausdruck hatte sich wieder etwas belebt.
Seine schönen blauen Augen blickten wieder etwas wacher.
„Sonst …“
Sie ließ ihre Hand langsam quer über seinen Rücken streichen, Richtung seiner Waffe.
G griff mit seiner Rechten nach hinten und hatte blitzschnell ihr Handgelenk umfaßt.
Sie war einmal mehr unglaublich stolz auf ihn.
G suchte ihren Blick.
Sein Gesichtsausdrück war zärtlich.
„Ich liebe Dich, Mali!“
„Ich …“
„Malin! Hätten Sie bitte einen Moment Zeit für mich?“ rief Hetty zu ihr herüber.
Als Malgorzatta zur Büroecke sah, stand die kleine Frau dort neben ihrem Schreibtisch und winkte
sie resolut heran.
„Entschuldige mich bitte, G!“
Malgorzatta drückte ihm einen raschen Kuss auf die Wange.
Dann ging sie hinüber zu Hetty.
„Bitte?“
Hetty machte noch einen kleinen verschwörerischen Schritt neben sie.
„Malin, ich habe mir erlaubt, für Sie und Mister Callen ein Zimmer im Valley View-Hotel zu
reservieren. Es ist dort auf den Namen `Jason Tedrow` eingetragen. Ich möchte, dass Sie dafür
sorgen, dass Mister Callen sich ausruht. Die letzten Tage waren sehr anstrengend für ihn, in jeder
Hinsicht. Er soll es … meinetwegen … als sein Geburtstagsgeschenk betrachten!“
Malgorzatta musste lächeln.
„Danke Hetty! Das ist sehr nett von Ihnen! Ich werde es ihm ausrichten!“
Hetty nickte leicht.
„Schicken Sie Mister Callen bitte zu mir herüber!“
„Natürlich! Danke Hetty!“
Sie ging hinüber zu den Schreibtischen, wo G mittlerweile an seinem saß.
Er hatte einen Becher vor sich stehen, aus dem es dampfte, nach Kaffee roch, und G schraubte
gerade den Verschluss des Aspirin-Fläschchens zu.
Er warf etwas in seinen Mund und trank von dem Kaffee hinterher, Malgorzatta sah an der
deutlichen Bewegung seiner Kehle, dass er gründlich schluckte.
Seine Angewohnheit „Aspirin-mit-Kaffee“ war ihr ein Dorn im Auge. Aus medizinischen Gründen.
Beides war nicht gut für die Magenschleimhaut.
Der Stress in seinem Job, und auch um seine Vergangenheit griffen sie zusätzlich an.
Über kurz oder lang würde er sicher mit einem Magengeschwür aufwarten.
„G, Hetty würde Dich gerne sprechen!“
G nickte. Er stand auf. Als er an ihr vorbei ging strich er ihr kurz über den Arm.
„Alles in Ordnung, Malin?“ horchte Sam in ihre Richtung als G außer Hörweite war.
Malgorzatta wandte sich zu ihm um.
Sam saß hinter seinem Schreibtisch, an seinem Laptop, sah sehr aufmerksam zu ihr hoch.
Sein Interesse an ihrem Befinden war echt, sie spürte es. Der Blick seiner dunklen Augen zu ihr war
ruhig.
Sie spürte in ihrem Rücken auch Kensis Aufmerksamkeit.
„Ja. Danke, Sam. Alles gut!“
Sie hörte Kensi auf den Steinfließen näher kommen.
„Was habt ihr geplant für morgen?“ fragte sie, mit dieser bewundernswerten Leichtigkeit in der
Stimme als habe sie im Zoo den Job bei den Pinguinen und könne den ganzen Tag mit diesen
putzigen Gefährten verbringen statt Verbrecher zu jagen.
Sie blieb neben ihr stehen.
Malgorzatta musste zu ihr aufsehen.
„Noch gar nichts. G muss sich erst ein bisschen ausruhen! Ich glaube, es war alles ziemlich
anstrengend für ihn … und für euch!“
„Ja, aber es ist Callens vierzigster Geburtstag! Ihr müsst doch etwas planen!“ horchte Kensi nach.
„Kensi!“ mahnte Sam sanft.
„Man wird doch nur einmal Vierzig!“ fuhr Kensi fort, überschwenglich.
„Und Callen hat es ganz besonders verdient …“
„Kensi!“ mahnte Sam noch mal.
Kensi brach sofort ab.
„Oh ja … natürlich! Entschuldige!“
Sie berührte sie leicht am Arm bevor sie sich wieder umwandte und zu ihrem Schreibtisch zurück
ging.
„Danke.“ meinte Malgorzatta einfach in den Raum zwischen beiden hinein.
„Du kannst jederzeit anrufen wenn irgendwas ist!“ meinte Sam jetzt zu ihr mit ruhiger dunkler
Stimme.
„Du weißt! Du hast meine Nummer!“
„Danke Sam!“
G kam zurück.
Er blieb ganz nah bei ihr stehen, kurz, während er meinte: „Wir fahren jetzt, ja?“ bevor er sich
seinem Schreibtisch zuwandte und begann, seine Sachen zusammen zu packen.
„Sehr gerne, G!“
Sie verabschiedeten sich von Kensi und Sam und gingen dann hinaus, zu dem kleinen bewachten
Unterstand für die Fahrzeuge.
G lud ihre Sachen in den Kofferraum.
Seine Bewegungen waren verlangsamt als er ihr die Beifahrertür öffnete.
„Soll ich fahren, G?“
Sie streichelte mit der Hand sacht über seine Brust.
G schüttelte kurz den Kopf.
„Geht schon!“
Sie war nicht traurig darüber.
Sie konnte Autofahren. Fand sie. Etwas über den üblichen Hausgebrauch hinaus, sie hatte einige
Fahrtrainings absolvieren müssen im Rahmen ihres Jobs.
Doch im Gegensatz zu Gs empfand sie ihre Fahrkünste als unzulänglich. Es hatte ihr auch ein
wenig zugesetzt, dass G bei einer ihrer Fahrten reisekrank geworden war.
„Musst Du morgen wieder um halb zehn anfangen?“
„Hetty hat mich für morgen suspendiert!“ gab G düster zurück während er den Wagen aus dem
Parkbereich lenkte.
„Sie meint, als Strafe für … na ja …“
Malgorzatta sah ihn von der Seite an.
Legte ihre Hand auf seinen Oberschenkel und streichelte sanft darüber.
„G, ich weiß nicht viel darüber, was die letzten Tage gewesen ist! Mir fehlen die Zusammenhänge!“
„Erzähle ich Dir später!“ gab G sanft zurück. Er gähnte verhalten.
Malgorzatta musste lächeln.
„Ich war oben im Einsatzraum.“ ließ sie ihn wissen.
„Bei … Eric Beale? … als Du den Unfall hattest! Es sah schlimm aus! Und wie der Mann mit der
Waffe gekommen ist und ins Wageninnere gezielt hat!“
G warf ihr einen kurzen Blick zu.
„Wie bist Du da oben `reingekommen? Hetty ist sehr streng damit, wem sie Zutritt gewährt!“
„War auch mehr Zufall, dass ich da `reingekommen bin.“ gab sie beruhigend zurück.
„Hetty war auch sauer als sie mich erwischt hat. Sie hat mich gleich `rausgeworfen!“
G nickte leicht.
Er wirkte nicht ganz bei der Sache. Seine Bewegungen waren fahrig.
Sie schwiegen, bis sie am Hotel ankamen.
G lud ihre Sachen aus und gemeinsam betraten sie das Gebäude.
Das Hotel schien gehobene Mittelklasse, Hetty schien es gut mit ihnen zu meinen.
Der Empfangsbereich war einladend und die junge Frau an der Reception hübsch gekleidet und sehr
freundlich und zuvorkommend.
Sie bestätigte die Reservierung auf den Namen „Tedrow“ und händigte ihnen ihre Schlüsselkarte
aus, wünschte ihnen einen angenehmen Aufenthalt.
Nachdem sie ihnen dann noch erklärt hatten, wo in dem verschachtelten Gebäude sich ihr Zimmer
befand, fuhren sie mit dem Fahrstuhl nach oben.
Der Raum lag im fünften Stock.
Hier war es sehr ruhig.
Durch einen dicken Teppich, der die Schritte dämpfte, durch textile Wandbespannung, die
Geräusche dämpfte, und durch die Lage dieses Gebäudeteils von der Straße weg mit Blick zu den
Bergen.
Malgorzatta mochte das Zimmer sofort.
Es war deutlich luxuriöser als das im letzten Motel, dass sie so Hals über Kopf hatte verlassen
müssen. Es war einfach gewesen. G brauchte keine Annehmlichkeiten.
Sie hatte sie schon ganz gerne.
Es fiel ihr zunehmend schwerer, keine eigene Bleibe zu haben. Kein eigenes Bett. Ihre Sachen
immer woanders aufzubewahren.
Gut, sie brauchte sich um Nichts zu kümmern.
Aber irgendwie hätte sie schon gerne einen eigenen Haushalt mit G gehabt, und war er noch so
klein. Sie wollte ein eigenes Nest.
Hier hatten sie ein Kingsize-Bett. Einen kleinen Kühlschrank, einen großen Plasmafernseher,
flauschig-weiche Handtücher in dem großen Badezimmer, ebensolche Badetücher und zwei
blütenweiße Bademäntel zum Hineinkuscheln, Badeschlappen in versiegelten Tüten.
Sie mochte den dezent-frischen Duft, der von den Raumbeduftungsstäbchen in einer kleinen Schale
ausging.
Dennoch war ihr leicht übel.
Sie hatte geglaubt, während der Fahrt hierher etwas zur Ruhe kommen zu können, doch stattdessen
spürte sie unterschwellig, dass es noch etwas zu geben schien, das G antrieb, das ihm zusetzte.
Das schlug ihr auf den Magen.
Sie tropfte sich vier Tropfen von ihrer Bachblüten-Notfallmischung, die sie immer bei sich trug, in
etwas Wasser und trank es langsam aus einem der schweren Zahnputzgläser, die auf der Ablage
unter dem großen Spiegel eingeschweißt standen.
Es war noch nicht vorbei.
Sie hatte Angst vor dem, was noch kam. Angst, nicht damit umgehen zu können!
Doch sie konnte G nicht im Stich lassen!
Seine Geschichte bekam sie mit ihm, ob sie wollte oder nicht! Er hatte es sich schließlich auch nicht
ausgesucht!
Insgeheim wunderte es sie, als sie schließlich das Bad verließ, dass G noch nicht an die Tür
geklopft und gefragt hatte, ob alles in Ordnung sei bei ihr.
Er war normalerweise sehr besorgt um sie.
Doch jetzt sah sie, dass er auf dem Bett lag und schlief,
Er schien eingeschlafen so wie er sich hingelegt hatte, sein linker Arm neben dem Körper, seine
rechte Hand ruhte auf seiner Brust.
Selbst jetzt im Schlaf war sein Gesicht noch erschöpft.
Seine Brust hob und senkte sich ruhig, regelmäßig unter seinem dunklen Shirt mit den deutlichen
Schmutzspuren.
Es war ein Stückchen hoch gerutscht und der Stoff gab den Blick frei auf die leicht gebräunte Haut
seines Bauches über dem Bund seiner Jeans. Hellbraune Härchen kräuselten sich unterhalb seines
Bauchnabels.
Er hatte einen kleinen Bauchansatz.
Sie mochte das an ihm. Es stand ihm gut.
Sie fand, dass sein Atem sich etwas schwer anhörte.
Er hatte nicht mal seine Schuhe ausgezogen.
Malgorzatta ging zum Kleiderschrank und öffnete die Türen leise.
Wie sie es von diesem Luxushotel erwartet hatte, lag eine dicke weiche Wolldecke im obersten
Fach.
Sie musste ein bisschen auf den Zehenspitzeln hangeln um sie herauszubekommen. Leise kehrte sie
damit zum Bett zurück und breitete sie über G.
Er schien es nicht zu merken, rührte sich nicht.
Malgorzatta betrachtete ihn für einen Moment.
Mitleidig.
Sein Leben war so verkorkst.
Und morgen war sein 40. Geburtstag und sie hatte kaum eine Möglichkeit, ihn besonders schön zu
gestalten. Vermutlich hatte er noch nie viele schöne Geburtstage gehabt. Von Kindergeburtstagen
ganz zu schweigen!
Sie ging ins Badezimmer und ließ sich ein Bad einlaufen.
Es gab drei verschiedene Schaumbäder in kleinen Fläschchen zur Auswahl, zur Entspannung, zur
Vitalisierung, für empfindliche Haut.
Es gab noch Duschgel in kleinen Fläschchen, Shampoo, Conditioner, es gab Zahnseide im Angebot,
Mundwasser, Zahncreme, kleine Seifen.
Es war unglaublich angenehm, verwöhnend, wenn man gewohnt war, im Bootshaus, ja selbst in der
Zentrale zu leben.
Sie genoss es, in dem heißen Wasser zu liegen, den gut duftenden weichen Schaum an sich vorbei
an der Wasseroberfläche schwimmen zu lassen.
Genoss das große flauschige Badetuch zum Abtrocknen, den Luxus der Zeit zum Eincremen und
den weichen Hotelbademantel danach.
Am Liebsten wäre es ihr gewesen, sich dann mit einer Tasse Tee beim Fernsehen im Bett an G
kuscheln zu können.
Dass sie so eine traute Zweisamkeit hatten, war ewig her.
G schlief noch immer als sie in das andere Zimmer zurückkehrte, noch immer regungslos.
Sie löschte das Licht im Zimmer und rutschte unter die Bettdecke.
Das Bettzeug war kalt.
Doch es roch herrlich frisch gewaschen.
Im Dunkeln hörte sie Gs regelmäßiges Atmen.
Nach ein paar Minuten des ruhigen Liegens spürte sie, wie müde sie selbst war …
Kapitel 5
… Und dann wurde sie ganz übergangslos wach als sie das Rauschen der Dusche hörte.
Verschlafen tastete sie auf der großen Matratze rechts neben sich.
Sie war leer.
Sie langte nach dem Mobiltelefon auf ihrem Nachttisch.
Es war 1.23 Uhr.
Nach einem kurzen Moment des Orientierens, des Nachdenkens schlug sie die Bettdecke zurück,
tappte barfuß zur Badezimmertür, klopfte kurz an und öffnete dann die Tür, trat ein.
Wasserschwaden empfingen sie.
Sämtliche glatte Oberflächen waren beschlagen.
Wassertropfen liefen am Spiegel hinab.
Sie konnte Gs Gestalt in der Duschkabine erkennen. Langsam trat sie heran.
„Mali, bist du`s?“
G öffnete die Milchglastür der Duschkabine.
Wassertropfen liefen über seinen Körper. Ein Streifen Seifenschaum war noch in seinen
Brusthaaren. In tiefem Dunkelblau-Rot hob sich der Bluterguss von seiner Haut ab und schmerzte
Malgorzatta schon allein beim Hinsehen.
Sie fand allerdings, dass G etwas erholter aussah. Ausgeschlafener. Wassertropfen lagen in seinen
Haaren.
Als er aus der Dusche heraussah und ihre Blicke sich trafen, lächelte er.
„Alles Gute zum Geburtstag, G! Ich wünsche Dir alles Liebe und dass Du gesund bleibst! Ich liebe
Dich, mein Schatz!“
Sie stemmte sich auf die Zehenspitzen, ließ ihren Arm um seine Taille rutschen und drückte ihm
einen zärtlichen Kuss auf die Lippen.
G lachte.
„Danke, Mali!“
Er legte seinen Arm um ihre Schultern und zog sie leicht zu sich, erwiderte ihren Kuss kurz.
Malgorzatta spürte, dass er sie auf Abstand hielt damit sie möglichst nicht nass wurde.
Komischerweise würde ihr das gar nichts ausmachen!
Sie schmiegte sich ein wenig enger an ihn.
G ließ es erst nach einem kleinen Zögern gestehen, zog sie zu sich. Sein Kuss wurde intensiver.
Zärtlicher.
Malgorzatta spürte seine nasse Hand an ihrem Nacken.
„Was ist mit Dir? Hast Du gut geschlafen?“
„Sehr gut!“
Sie sah ihn an, streichelte mit der Hand sanft, langsam über seine nasse Brust.
„Aber ich bin wach geworden weil Du nicht mehr da warst! Ich bin nicht gerne ohne Dich!“
G lächelte.
Seine Hand streichelte von ihrem Nacken zu ihrem Arm, er zog ihn zu sich und sie konnte sehen,
wie sein Lächeln ein bisschen zärtlicher, ein bisschen offensichtlicher wurde als er ihre
Arminnenfläche in sein Blickfeld drehte. Er zog sie an seine Lippen, berührte nachdrücklich den
eintätowierten Buchstaben dort in ihrer Haut.
Dann drehte er das Wasser der Dusche ab.
„Ich hol` Dir ein Badetuch!“
Malgorzatta wand sich aus seiner Umarmung und griff zu einem der Badetücher, reichte es G.
Er fuhr sich damit durch das Gesicht, über die Haare und über den Oberkörper bevor er es sich um
die Hüften schlang.
Malgorzatta berührte mit der Kuppe ihres Zeigefingers so eben den Bluterguss an seiner rechten
Seite.
„Tut sicher noch weh, hm?“
G zuckte leicht die Schultern.
„Es geht.“
Es wunderte sie, dass er es überhaupt zugab.
„Geh` wieder ins Bett, Mali! Du siehst müde aus!“
„Nur wenn Du auch gleich nachkommst!“ erwiderte sie.
G beugte sich zu ihr vor und drückte ihr einen raschen Kuss auf die Lippen.
„Ja. Ich bin gleich bei Dir!“
„Schön.“
Sie streichelte leicht über seinen Arm bevor sie wieder zurück nach nebenan ging.
Malgorzatta rutschte wieder ins Bett, unter die Decke.
Für einen Moment betrachtete sie den Lichtschein unter der Badezimmertür.
Sie überlegte, wie sie G an diesem besonderen Tag wohl noch würde überraschen können. Womit
sie ihm noch eine Freude machen konnte.
Ihr Plan für diesen Tag hatte eh auf wackeligen Füßen gestanden weil sich in diesem Job sowieso
immer schlecht planen ließ.
Das Licht im Badezimmer verlöschte.
G verließ den Raum.
Ein Schwall warme feuchte Luft kam aus dem Bad, mit einem Hauch seines Duschgels.
Im Halbdunkeln des Zimmers konnte sie sehen, dass er Boxer-Shorts und ein Shirt darüber trug.
Sie konnte erkennen, wie er an dem kleinen Kühlschrank stehen blieb, ihn öffnete, eine Flasche
Bier heraus nahm.
Er öffnete sie, warf den Kronkorken Richtung des Papierkorbes und schubste die Kühlschranktür
zu. G nahm einen langen Schluck aus der Flasche.
Dann kam er zum Bett, stellte die Flasche auf dem Nachttisch ab und rutschte unter die Decke.
„Mali?“
Seine Stimme war ein halblautes Raunen.
„Ich bin wach!“
Sie drehte sich zu seiner Seite.
G streckte seinen Arm in ihre Richtung aus und sie kuschelte sich hinein, schmiegte sich an ihn, G
drückte ihr einen Kuss auf die Lippen und sie erwiderte ihn.
„Hmm … Du riechst gut, Geburtstagskind!“
Gs Lachen war leise. Amüsiert. Vor allen Dingen ehrlich.
Malgorzatta war froh, ihn überhaupt wieder lachen zu hören nach den Vorkommnissen der letzten
Tage.
Sie ließ ihre Hand behutsam über seinen Oberkörper streicheln.
Seine Haut unter dem dünnen Stoff seines Shirts war warm. Sie ließ ihre Finger sacht darunter
rutschen.
Sie spürte Gs Kuss an ihren Haaren. Seinen Herzschlag an ihrer Wange.
„Wir waren gestern morgen in dem Lagerhaus.“ meinte G.
Seine Stimme war halblaut, ruhig.
„Kensi, Sam und ich. Es gab eine Unmenge Daten dort. Akten. Es gab auch eine über mich. Mein
Name stand auf dem Ordner. G Callen. In einem verschlossenen Schrank. Hinter einem Gitter! Ich
kam einfach nicht dran! Vermutlich haben wir irgendeine Art von Selbstzerstörungsmechanismus
ausgelöst als wir an den Computer gingen, wir mussten das Gebäude sehr schnell verlassen. Wir
konnten bloß eine Akte mitnehmen, die auf dem Tisch lag. Als wir den Namen in der Zentrale
überprüften stellten wir fest, dass es die Akte einer Frau war. Amy Taylor. Eric hat ihre Geschichte
aufgerufen und auf ihrer Heiratsurkunde stand als Mädchenname `Callen`. Es war … merkwürdig
… den Namen … noch bei jemand anderem als bei mir … und bei Dir … Schwarz auf Weiß zu
sehen … „
Er brach ab.
Malgorzatta spürte, hörte, dass er schwer schluckte.
Sie stemmte sich etwas auf ihren Ellbogen hoch, beugte sich leicht über ihn und drückte ihm einen
Kuss auf die Lippen.
Behutsam streichelte sie seine Wange.
„Das muss schlimm für Dich gewesen sein! Dass Du die Akte nicht haben konntest! Was habt ihr
dann gemacht?“
„Hetty hat mir den Fall weggenommen!“ fuhr G fort.
„Sie hat Kensi und Sam zu Amys Adresse geschickt. Ich bin zu einer Adresse gefahren, die ich von
Eric hatte, von dem Mann auf dem Überwachungsvideo des Lagerhauses. Er muss die Explosion
dort mitbekommen haben. Er ist tot. Die CIA war an seiner Wohnung. Bei der Akte war ein
Notizbuch, in dem die Adressen von siebenunddreißig Pflegefamilien aufgeführt sind, in denen ich
gewesen bin. Hinten in dem Buch stehen fünf weitere Adressen, die ich nicht kenne. Nate hat sie für
mich im Computer nachgesehen. Er hat mir den Tip gegeben, bei der letzten Adresse anzufangen,
Nachforschungen anzustellen. Als ich dort ankam stellte sich heraus, dass es eine Pflegefamilie war.
Eine Pflegefamilie, in der Amy war. Sie hatte der Frau … „
Gs Stimme, in der schon bei den letzten beiden Sätzen ein kleines Zittern gewesen war, versagte.
An ihrer Hand an seiner Wange spürte sie, im Halbdunkeln sah sie es, dass er den Kopf beiseite
wandte.
Es dauerte eine ganze Weile bis er weitersprach.
„ … sie hatte der Frau von mir erzählt. Von mir! Ich hatte eine Schwester …“
Seine Stimme war heiser. Zitterte.
Malgorzatta spürte, wie ihr Hals eng wurde. Es tat weh zu hören, wie sehr es ihn berührte.
Offensichtlich schmerzte!
Sie spürte seinen Atem rasch, schwer an ihrem Arm.
„Du … hattest, G?“
Behutsam streichelte sie über seine Wange. Berührte mit den Lippen sanft die seinen bevor sie ihn
im Halbdunkeln ansah.
„Was ist passiert?“
„Amy ist ertrunken.“ flüsterte G halblaut. Er räusperte sich.
„Die Frau, die ich ausfindig gemacht habe, heißt eigentlich Hannah Lawson. Sie hat Amys Identität
angenommen … „
Er holte tief Luft.
„ … wegen einer Familiensache. Weißt Du … „
Seine Stimme zitterte, wurde rau, leise.
„ … ich habe heute wirklich für eine Weile gedacht … ich würde meine Schwester … sehen!“
Er verstummte.
Malgorzatta spürte ganz unvermittelt Feuchtigkeit an ihren Fingerspitzen an seiner Wange. Es
dauerte einen langen Moment bevor sie begriff, dass es Tränen waren.
Gs schweres Atmen waren kleine verhaltene Schluchzer.
„Du hattest völlig verdrängt, dass Du sie hattest, hm, G?“ fragte sie ihn sanft, mitleidig, schob ihre
Linke sanft über seinen Kopf.
Sie war beruhigt, dass er es geschehen ließ. Im Halbdunkeln konnte sie mehr spüren als sehen, wie
G sich mit der Linken durch das Gesicht fuhr.
„Ich habe mich erst wieder an sie erinnert als die Frau in der Pflegefamilie sie erwähnt hat.“ fuhr G
fort.
„Amy hat ihr erzählt … dass sie mich immer in so einem kleinen roten Handwagen in unserem
Garten herumgefahren hat. Ich hätte sie immer angefeuert, noch schneller zu ziehen. Du hast nach
meiner Narbe an der Hand gefragt, erinnerst Du Dich? Als Du mich Weihnachten besucht hast.
Ich weiß jetzt wieder, dass ich irgendwann mit dem Wagen umgekippt bin und mir das Handgelenk
aufgeschlagen habe. Amy hat geweint …“
„Das sind schöne Erinnerungen, die Du an Deine Kindheit hast!“ flüsterte sie ihm betroffen zu.
„Es hört sich an als hättest Du es zuerst … sehr gut gehabt?“
„Ich glaube … ja!“ gab G zurück. Er machte eine Pause.
„Weißt Du, was das Schlimmste war?“
Wieder zitterte seine Stimme.
Malgorzatta hielt beinahe den Atem an.
Dennoch bemühte sie sich, ganz ruhig, stark zu klingen als sie fragte: „Was?“
Es schien ihr unerträglich, dass immer noch etwas dazu kam.
„Sie wusste meinen Namen nicht!“ flüsterte G tonlos.
Wieder spürte sie seine kleinen, abgehackten Atemzüge, Schluchzer.
Er zog seinen Kopf an den ihren, ganz nah, schmiegte seine kratzige Wange an ihre.
„Sie wusste die Geschichte … mit dem Wagen. Mit meiner Narbe. Aber sie wusste nicht … wie ich
heiße! Amy hat mich ihr gegenüber immer nur … nur `mein kleiner Bruder` genannt …“
„Das tut mir so leid, G!“
Sekundenlang konnte sie selbst kaum sprechen.
Sie fragte sich – einmal mehr – ob es nicht zu viel war, was einem einzelnen Menschen da
aufgebürdet wurde?
An ihrer Wange spürte sie seine Tränen.
Sie hatte sich noch nie zuvor so hilflos gefühlt!
„Vielleicht war das heute ein neuer Anfang, G!“ flüsterte sie ihm zu, streichelte langsam über seine
Seite.
„Vielleicht helfen Dir die ganzen Erkenntnisse, die Du in den letzten Tagen gewonnen hast, weiter.
Vielleicht noch nicht sofort, aber irgendwann! Guck` mal, Du hast so viel Neues erfahren, über
Dich, über Deine Schwester. Es ist schade, dass es nicht so weitergeht, und es ist sehr schade, dass
es nicht so ist, wie man sich das vorgestellt hat! Aber manchmal kommt man nur in sehr sehr
kleinen Schritten vorwärts. Ich musste auch drei Tage warten bis ich zu Dir nach Los Angeles
fliegen konnte, damals, obwohl ich Dir von Rio aus am Liebsten sofort hinterher geflogen wäre.
Und wenn ich nicht so dumm gewesen wäre, wäre ich sofort mit Dir gekommen!“
Sie spürte bereits Gs kleines Lächeln unter seinem letzten Schluchzer.
Langsam streichelte sie mit den Lippen über seine tränennasse Wange.
Ganz ungewohnt kühl fühlte sie seine Hand an ihrem Nacken.
„Du machst das Glas gerade wieder halbvoll.“ flüsterte G ihr zu. Seine Stimme bebte noch immer
leicht.
„Ich versuch`s.“ raunte sie leise zurück, konnte ein bisschen darüber lächeln.
Sie drückte ihn fest.
G schmiegte sich an sie. Malgorzatta konnte spüren, dass er wieder ein wenig ruhiger geworden
war.
Sie suchte seine Lippen. Küsste sie nachdrücklich.
„Versuch` ein bisschen zu schlafen, hm? Was hälst Du davon, wenn wir den Tag nachher mit einem
schönen Frühstück anfangen?“
„Hetty hat mir die Grabnummer auf dem Friedhof besorgt wo … wo Amy liegt.“ gab G zurück.
Er entspannte sich wieder etwas. Malgorzatta lockerte ihre Umarmung ein wenig.
„Ich möchte mir das auf jeden Fall ansehen!“
„Natürlich.“ stimmte sie ihm sofort zu.
„Das verstehe ich. Vielleicht … darf ich mitkommen, wenn Du das möchtest!“
G zog sie sacht zu sich und küsste sie.
Es wunderte Malgorzatta nicht wirklich, dass G am Morgen, als sie wach wurde, nicht da war.
Seine Taschen lagen auf der Kofferbank am Fußende des Bettes, seine Sachen, die er die letzten
Tage getragen hatte, waren weg.
Ebenso ihr Mobiltelefon.
Vermutlich war er auf dem Friedhof
Insgeheim hatte es sie gewundert, dass er gestern nicht noch dorthin gefahren war.
G erledigte gerne immer alles sofort. Erst recht, wenn es seine Familie betraf. Sie konnte es ihm
nicht mal verdenken, dass er sie nicht geweckt hatte um sie mitzunehmen. Es leuchtete ihr völlig
ein, dass er erst einmal ohne sie dorthin wollte. G zog es vor, zuerst alles alleine aufzunehmen. Für
sich zu behalten. Wenn er es für richtig hielt, den Zeitpunkt für gekommen, dann teilte er es ihr
schon mit.
Das war schwer, obwohl sie eigentlich auch ein verschlossener Mensch war. Doch G war da extrem.
Sie hatte Verständnis dafür nach seinen siebenunddreißig Pflegefamilien.
Ganz unvermittelt musste sie daran zurückdenken, wie G sie Anfang letzten Jahres am Flughafen
abgeholt hatte, zu ihrem gemeinsamen Wochenende in Puerto Vallarta.
Er hatte sie eingeladen …

Kapitel 6
… Und sie war aufgeregt gewesen. Schrecklich aufgeregt.
Es war nicht nur weil sie G in ein paar Minuten wiedersehen würde.
Sie hatte auch Neuigkeiten für ihn. Sie hoffte, dass es auch für ihn gute Neuigkeiten sein würden.
Und sie hoffte, dass es ihr gelang, so damit umzugehen, dass es für sie beide ein gutes Ende nehmen
konnte.
Sie hatte G drei Wochen lang nicht gesehen.
Das letzte Mal zu einem Schnee-Wochenende in Aspen.
Es war wundervoll gewesen.
Und jetzt sehnte sie sich maßlos nach ihm.
Wahrscheinlich weil sie wusste, dass er vielleicht schon hinter der automatischen Glastür auf sie
wartete.
Der breite, undurchsichtige Flügel glitt mit einem Wischen beiseite.
Für einen Augenblick musste sie lächeln.
Sie kannte sich bereits sehr gut aus hier.
Das matte Grün der Tür war ihr vertraut.
Sie kannte bereits den Weg zum Auschecken, die Zollabfertigung, und sie wusste auch schon jetzt,
in welchem Bereich der Ankunftshalle sie herauskommen würde.
Und dann sah sie G.
Er stand an der kurzen Absperrung, die dafür sorgte, dass die Passagiere nach dem Verlassen des
Zollbereiches nach links und rechts in die Halle geleitet wurden.
Zuerst sah sie den Becher in seiner Hand.
Dann sah sie sein Lächeln.
Er richtete sich auf.
Malgorzatta machte rasch die wenigen Schritte zur Absperrung.
Sie zog ihren Trolley hastig hinter sich her und blieb vor dem Metall, vor G stehen, streckte ihre
freie Linke zu ihm aus.
„G … „
Mehr brachte sie nicht heraus.
G schlang beide Arme um sie und zog sie zu sich, presste sie sekundenlang so fest an sich, dass sie
nicht gegen ihn atmen konnte.
Dennoch schlang sie ihren Arm um seinen Nacken und schmiegte sich an ihn. Genoss es.
Die Wärme seines Körpers. Die Kraft, mit der er sie an sich gedrückt hielt. Sein Geruch, sonst meist
nach einem frischen Duschgel, während er jetzt fast sogar ein wenig müffelte, ganz
untypischerweise.
„Mali … schön, dass Du wieder hier bist!“
Gs Stimme war halblaut, dunkel, ein wenig zittrig, in der Nähe ihres Ohres.
„Ich habe Dich unendlich vermisst, G!“
Malgorzatta rückte ein bisschen vom ihm ab um wieder Luft zum Atmen zu bekommen, sah ihn an.
Er wirkte müde.
Seine Augen waren klein, seine blauen Pupillen leuchteten aber dennoch im hereinfallenden
Tageslicht der großen Halle.
Er war ein bisschen blass.
Die dunklen Bartstoppeln auf seinem Kinn, seinen Wangen, seinem Hals waren lang und dicht.
Sie kratzten gegen ihre Haut als er sie jetzt küsste.
Er schmeckte nach Kaffee.
Malgorzatta sah ihn weiter an.
Bemerkte, dass auch G die Augen nicht schloss, und musste lächeln.
An ihren Lippen spürte sie auch Gs Lächeln. Sah es in seinen Augen.
„Ich bin so froh, dass ich wieder bei Dir bin!“
Sie streichelte über seine Wange.
„Du siehst müde aus, G! Ist alles in Ordnung?“
Aufmerksam sah sie ihn an.
G lächelte ergeben.
„Ich war bis heute Morgen auf einer Überwachung. Bin erst am Mittag schnell zurück und hab` in
der Zentrale noch schnell den Bericht geschrieben damit ich`s rechtzeitig hierher schaffe!“
Malgorzatta stemmte sich auf die Zehenspitzen, beugte sich noch etwas weiter über das Geländer
und berührte mit ihren Lippen Gs.
G gab einen kleinen Laut des Wohlbefindens von sich.
Malgorzatta spürte augenblicklich, wie er ihren Kuss genoss.
Langsam ließ sie ihre Linke unter den Kragen seiner Jacke zu seinem Nacken rutschen, streichelte
mit den Fingerspitzen über seine weiche, warme Haut.
Nur zu bereitwillig öffnete sie ihre Lippen, ließ das Spiel von Gs Zungenspitze nur zu gerne
geschehen, erwiderte es nach einem Moment.
G legte seine Arme wieder fester um sie.
Malgorzatta löste ihre Lippen nach langen Sekunden von seinen. Sie war etwas atemlos.
„Dann lass` uns sehen, dass wir Dich ins Bett kriegen!“
„Ich hab` gehofft, dass Du das sagen würdest!“ gab G halblaut zurück und grinste.
Malgorzatta sah ihn an.
Genoss sekundenlang seine Amüsiertheit bevor sie lachte.
Es war schön, ihn so heiter zu sehen. Das war ihr bisher noch nicht so oft vergönnt gewesen!
„Ich meine, dass Du schlafen sollst!“
G grinste noch ein bisschen mehr.
Küsste sie zärtlich.
„Ich weiss, was Du meinst! Aber wie könnte ich schlafen mit so einer hübschen Frau an meiner
Seite?“
Malgorzatta musste lächeln.
Konnte nicht verhindern, dass sie errötete.
„Danke, G! Es ist lieb, dass Du das sagst!“
„Komm!“ meinte G jetzt zärtlich zu ihr und führte sie sacht an der Absperrung längs, zog sie nach
dem Ende des Metallgitters ganz an sich, in seine Umarmung.
„Schön, dass Du da bist! Willkommen in Los Angeles, Mali!“
„Danke.“
Malgorzatta drückte sich an ihn, suchte seinen Blick.
„Danke für Deine Einladung, G! Für hier und das, was Du noch vorhast!“
Gs Lächeln war zärtlich.
Sein Gesicht wies unübersehbar Züge von Müdigkeit auf.
„Ich freue mich auf unser Wochenende, Mali! Schön, dass Du es geschafft hast!“
Seine Lippen suchten die ihren. Er küsste sie.
Malgorzatta genoss es.
„Ich hätte sonst `was dafür getan! Es war mir so wichtig, Dich wiederzusehen! Ich liebe Dich!“
Gs müdes Lächeln wurde noch ein bisschen deutlicher. Für einen langen Moment lehnte er den
Kopf an ihren.
Es war eine schöne Geste. Vertraut.
Für einen langen Moment ließ sie den Trubel des Flughafens rundherum etwas wegrücken.
Normalerweise mochte sie die Zurschaustellung von Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit nicht!
Doch in diesem Moment war es ihr eher egal, was andere von ihr dachten. Für sie zählte bloß G.
Sie war wieder bei ihm, spürte seine warme Nähe, seine verhaltene Kraft und dass er ihr zugetan
war. Dass sie ihm wichtig war! Das Schönste von allem!
Sie streichelte über seinen Hinterkopf. Über seine kurzen Haare.
„Laß` uns fahren bitte, ja?“
„Natürlich.“ gab G zurück und zog sie sanft mit sich.
„Soll ich Deinen Koffer nehmen?“
Er sah sie fragend an.
„Danke, G, geht schon! Aber darf ich wohl bitte einen Schluck von Deinem Kaffee haben?“
G reichte ihr sofort den Becher. Er blieb stehen.
„Du musst hungrig sein nach dem Flug? Und durstig.“
Malgorzatta schüttelte den Kopf.
„Ich freue mich nur auf einen Kaffee. Der im Flugzeug war schrecklich. Ich glaube, die
Kaffeemaschine war kaputt! Danke!“
Sie nahm den Becher und trank einen kleinen Schluck.
Dabei registrierte sie, dass G offensichtlich seine Finger nicht von ihr lassen konnte.
Es schmeichelte ihr grenzenlos, seine Fingerkuppen leicht über ihren Handrücken streicheln zu
spüren.
„Ist nur noch ein Schluck drin, hm?“ meinte er dabei liebevoll zu ihr.
„Sollen wir noch einen holen für Dich?“
Er machte eine rasche Kopfbewegung hinüber zu einem der Kaffeestände.
„Und etwas zu Essen?“
„Danke, G, nein! Alles wunderbar!“ versicherte sie ihm während sie sich gegen ihn lehnte.
„Wenn Du mir nachher bei Dir einen Kaffee kochen möchtest ist das prima! Und vielleicht hast Du
auch einen Happen zu essen?“
G lächelte.
Er nahm ihr den Becher aus der Hand und setzte ihn ihr zärtlich an die Lippen, flößte ihr den Rest
Kaffee behutsam ein.
„Ich hab` noch Baklava geholt.“
Malgorzatta schluckte den Rest Kaffee hinunter und ließ dabei ihre Hand über Gs Brust streicheln.
„Wunderbar! Lass` uns los!“
G lachte.
Er stülpte den Deckel über den leeren Becher und warf ihn in den nächsten Papierkorb.
Dann kam er zu ihr zurück, legte seine Hand an ihren Rücken und führte sie zu nächsten Ausgang.
Als sie das Gebäude verließen musste Malgorzatta unwillkürlich daran denken, wie G sie im
Dezember hier am Flughafen abgeholt und halb auf dem Bürgersteig geparkt hatte weil er in Eile
gewesen war.
Jetzt war Februar.
Der Valentinstag lag vor ihnen.
Es hatte sie unheimlich gerührt, dass G sie zu diesem Anlass nach Mexico einlud.
„Wo hast Du geparkt?“
G machte eine rasche Kopfbewegung über die Straße, zu den wenigen Parkplätzen unter einer
Auffahrt, die zudem noch aussahen, als wären sie lediglich Flughafenfahrzeugen vorbehalten.
Sie erkannte seinen Wagen sofort.
G führte sie achtsam über die Straße und legte ihren Trolley in den Kofferraum.
Dann öffnete er ihr die Beifahrertür.
Bevor sie jedoch einsteigen konnte legte er seine Hand an ihren Arm und zog sie leicht zu sich,
küsste sie.
Malgorzatta beugte sich zu ihm vor, legte beide Arme um ihn und erwiderte seinen Kuss.
G gab ein halblautes wohliges Seufzen von sich.
Malgorzatta ließ ihre Rechte unter seine Jacke, über den Stoff seines Shirts streicheln. Seine Haut
unter dem Stoff war warm.
Sie genoss den Druck seines Armes um ihre Schultern, das sachte Streicheln seiner Zungenspitze an
ihren Lippen.
„Wie lange hat Deine Überwachung gedauert, Du Armer?“ flüsterte sie ihm zu, legte ihre Linke
sacht an seine Wange.
G senkte für einen Moment den Kopf.
Sie hatte nicht den Eindruck, dass er ihr nicht antworten wollte.
Es war mehr so, dass er zu überlegen schien.
„Wir waren … achtunddreißig Stunden da!“ gab er dann zurück, hob wieder den Kopf und sah sie
an.
Malgorzatta nickte.
„Ist anstrengend sowas.“ meinte sie, stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn nachdrücklich.
„Hatte ihr den wenigstens Erfolg?“ flüsterte sie ihm zu.
„Wir haben den Bericht noch nicht ausgewertet.“ antwortete G.
Er wandte den Kopf, berührte mit den Lippen kurz die Innenfläche ihrer Hand bevor er
weitersprach.
„Ich hab` vorhin nur schnell … den Bericht geschrieben und dann bin ich weg! Ich wollte Dich
endlich bei mir haben!“
„Lieb, dass Du das sagst, G!“
Zärtlich streichelte sie über seine kratzige Wange.
„Dann lass` uns fahren damit Du Dich endlich ausruhen kannst!“
Sie sah ihn an.
G lächelte.
Müde, zärtlich.
„Okay.“ meinte er bloß.
Seine Zustimmung war klein, kurz.
Behutsam wandte er sie Richtung des Wagens.
Malgorzatta sah die dunkelrote Rose auf dem Beifahrersitz liegen.
Rasch wandte sie sich wieder G zu.
Sah das kleine Lächeln auf seinem Gesicht.
G lächelte kurz.
Er zuckte sogar leicht die Schultern.
„Ich dachte mir bevor ich sie wieder liegen lasse … „
Malgorzatta lächelte ihm zu. Streichelte über seine Brust.
„Danke schön. Ich liebe Dich!“
Sie sah sein Lächeln ein bisschen deutlicher werden.
Vorsichtig nahm sie die Blume vom Beifahrersitz und stieg in den Wagen, G schloss die Tür hinter
ihr, ging um den Wagen herum und stieg ein.
Während er den Schlüssel in das Zündschloss schob, unterdrückte er ein Gähnen.
Malgorzatta schnallte sich an.
Der Geruch, das Innere des Wagens waren ihr noch vertraut.
G hatte sie zu Weihnachten, als sie ihn hier in Los Angeles besuchte, darin herumgefahren.
Der Weg zu seiner Wohnung, am Venice Beach, war ihr ebenfalls noch vertraut, auch wenn sie ihn
vom Flughafen erst einmal gefahren war.
Sie fühlte sich sofort wieder heimisch als sie schließlich ausstiegen und sie das kleine Obst- und
Gemüseeckgeschäft sah, über dem Gs Wohnung lag.
Wieder zu Hause. Angekommen.
Gs Wohnung war noch immer makellos.
Wirkte nach wie vor unangetastet. Unbewohnt.
Sie hatte sich – erstaunlicherweise – nicht das kleinste bisschen verändert in den letzten fünf
Wochen seit sie hier gewesen war.
Es schien kein neues Dekorationsstück zu geben, keine Zeitungen, Kissen und Decke auf der Couch
schienen ihre Plätze, ihre Form nicht verändert zu haben, ja selbst die blauen Servietten auf dem
Esstisch rechts schienen in ihrer Anzahl weder abgenommen noch ihren Platz verändert zu haben.
Die Küche wirkte noch immer unbenutzt, es gab nirgends Krümel, kein benutztes Geschirr.
Für einen langen Moment schmerzte sie der Zweifel, ob dies überhaupt Gs Wohnung war?
Oder zeigte er ihr lediglich ein `sicheres Haus`?
Sie wusste noch, wo die Gläser waren.
Nahm eines aus dem Schrank und ließ Wasser hinein laufen, stellte die Rose hinein.
G hatte ihren Trolley derweil ins Schlafzimmer gebracht.
Jetzt kam er wieder, zog seine Jacke aus und hängte sie über eine Stuhllehne in der kleinen Sitzecke
rechts.
Malgorzatta mochte es, dabei die Bewegung seiner Schulterblätter unter dem dunkelblauen Stoff
seines Shirts zu sehen.
Dann kam er zu ihr, streckte seine Hände aus.
„Komm, gib` mir Deine Jacke!“
Malgorzatta schlüpfte aus ihrem Bekleidungsstück.
„Danke, G!“
Er hängte seine Jacke über ihre, trat dann hinter sie, Malgozatta spürte, wie er beide Arme um ihren
Oberkörper legte, vor ihrer Brust verschränkte.
Sekundenlang fühlte sie seinen warmen Atem an ihrem Nacken bevor sie seine Lippen an ihrer
Haut spürte und schließlich, unendlich sacht, seine Zähne.
Es entlockte ihr ein kleines wohliges Seufzen.
Für einen Moment spürte sie direkt ihre Knie ein wenig zittrig werden lehnte sich gegen G zurück
während sie beide Arme über seine Arme legte, ihre Fingernägel sacht über seine Unterarme kratzen
ließ.
An ihren Fingerkuppen kitzelten sie seine feinen braunen Härchen dort.
Gs Stimme war ein leises warmes Raunen an ihrem Ohr, sein warmer Atem an ihrer empfindlichen
Haut dort ließ einen kleinen Schauer über ihren Rücken laufen.
„Was hälst Du davon …“ Gs Hände schoben sich auf ihren Bauch, sanft unter ihr Shirt „ … wenn
ich uns einen Kaffee aufsetze, dann gehe ich Duschen und danach helfe ich Dir … „ er drückte
einen Kuss auf ihren Hals „ … noch ein paar Sachen auszuziehen?“
Malgorzatta musste lachen.
Sie schmiegte sich noch ein wenig enger an ihn, schob seine Rechte mit ihrer Hand für einen langen
Moment über ihre Haut und genoss es.
Sie musste sich räuspern bevor sie etwas sagen konnte.
„Hm … ich glaube, wir haben die falsche Reihenfolge, G! Ich denke, Du solltest mir erst beim
Ausziehen helfen, und Kaffee und Dusche wären dann variabel!“
G lachte. Es klang ein wenig geschmeichelt.
Er streichelte mit den Lippen über ihren Hals, aufreizend langsam, Malgorzatta spürte das Tupfen
seiner Zungenspitze.
Ihre feuchte Wärme an ihrem Ohrläppchen, das zärtliche Spiel seiner Zähne daran ließen sie leise
aufstöhnen.
Fast unbewusst drückte sie ihre Finger zwischen seine, schob seine Hand über ihre Brust.
Sie musste tief einatmen.
„Lass` mich erst Duschen, cormoara meu, ja? Ich fühl` mich grad` nicht so … nach den Stunden im
Auto.“
„Aber Du machst mich grade ziemlich heiß.“ gab Malgorzatta zurück. Sie musste sich räuspern.
Langsam ließ sie ihre Hand über seinen Arm zurück streicheln, langte nach hinten, über sein Bein
hinauf über seine Hüfte, streichelte über die Vorderseite seine Jeans.
G schloss seine Arme noch etwas fester um sie.
Wieder streichelte er mit den Lippen langsam über seinen Hals. Sein leises Raunen dabei klang, als
würde er es genießen genau wie sie.
Sein Atmen gegen ihren Rücken war tief.
Sie spürte seinen schnellen Herzschlag gegen ihr Schulterblatt.
„Hast Du Deine Dienstmarke noch hinten in der Tasche?“
Gs Lachen war leise.
Ein wenig verhalten. Angespannt.
Sie konnte merken, dass er es genoss, wie sie ihre Hand langsam über den groben Stoff seiner Jeans
streicheln ließ.
„Ja.“
Jetzt musste Malgorzatta lachen.
Sie ließ geschehen, dass G sie sanft zu sich herumdrehte.
Er legte beide Hände an ihre Wangen und küsste sie.
„Ich liebe Dich!“ flüsterte er ihr zu.
„Ich geh` eben!“
Malgorzatta nickte und schenkte ihm ein kleines Lächeln.
„Okay.“
Sie streichelte mit der Hand rasch über seine Brust und sah ihm dann noch einen Moment nach
bevor sie sich der Kaffeemaschine zuwandte und Wasser, Kaffeepulver hinein füllte, sie anschaltete.
Für einen Moment lauschte sie auf das Laufen des Wassers in der Dusche.
Dann ging sie ins Bad.
Das einzige Fenster im Raum stand auf Kippe.
Dennoch war die Luft feucht.
Spiegel und Duschwände waren beschlagen. Es roch seifig.
Sie konnte Gs Gestalt undeutlich durch die beschlagenen Milchglasscheiben der Duschkabine
sehen.
Jetzt öffnete er die Tür einen Spalt.
„Mali?“
Als ihre Blicke sich trafen huschte ein kleines Lächeln über sein nasses Gesicht.
Malgorzatta erwiderte es.
Sie ging zur Dusche, blieb an der Tür stehen, beugte sich ein wenig zu G vor.
Er hielt ganz still als sie ihn küsste.
Feuchte Wärme ging von seiner Haut aus, sie merkte es an ihrer.
Nur so eben legte G die Fingerkuppen seiner Rechten an ihre Wange.
Sie konnte sehen, dass er die Augen ein wenig schloss.
Langsam hob sie ihre Hand und ließ sie über seine Brust hinab streicheln.
„Kaffee läuft durch!“ flüsterte sie ihm zu.
„Du weißt, ich mache schrecklichen Kaffee.“
„Kann ich mich gar nicht dran erinnern!“ gab G halblaut zurück.
Er öffnete die Augen und sah sie an, ruhig, fast ein wenig fragend.
„Es ist nett, dass Du das sagst.“ erwiderte sie.
Vorsichtig machte sie noch ein paar Schritte zu ihm, streichelte mit der Rechten um seine Seite, um
seinen Hüftknochen, bis zu seinem Rücken, langsam weiter hinab.
Ein kleines Lächeln verzog Gs Lippen.
Er atmete tief ein.
Sein Gesicht nahm einen leicht angespannten Ausdruck an.
Behutsam streichelte sie mit dem linken Zeigefinger von seiner Schläfe.
G langte – ohne Hinzusehen – mit der Linken zur Armatur und drehte das Wasser ab…

Kapitel 7
… Malgorzatta ließ ihren Zeigefinger weiterstreichen.
Langsam von seiner Wange zu seiner Oberlippe, ein wenig über seine langen, dunklen kratzigen
Barthärchen und über seine Unterlippe zurück.
G hielt ihre Hand ganz unvermittelt fest.
Schob ihren Zeigefinger über seine Lippen und umspielte ihn mit seiner Zungenspitze während sein
Blick nach wie vor auf ihrem Gesicht ruhte.
Malgorzatta musste lächeln.
Sie lehnte sich gegen ihn und ließ ihre Rechte sanft, langsam die Wölbung seines Rückens weiter
hinabstreichen.
G ließ ihre Hand über sein Kinn langsam auf seine Brust rutschen und schob sie sacht, aber doch
bestimmt seinen Oberkörper hinab.
Er suchte ihre Lippen.
Sie ließ sie ihm entgegen kommen, schmiegte sich an ihn.
Seine Haut war ganz weich, warm, vom heißen Wasser, roch verführerisch.
G legte beide Arme um ihre Rücken, verschränkte sie, drückte sie dadurch sekundenlang fest an
sich.
Sein Kuss wurde tiefer, inniger.
Die zärtliche Spielerei seiner Zungenspitze mit der ihren entlockte ihr ein leises Stöhnen.
Gs Hände rutschten an ihren Hals.
Seine Fingerspitzen wühlten sich in ihre kurzen Haare am Haaransatz.
Malgorzatta mochte das Gefühl als er ihren Kopf vorsichtig ein wenig nach hinten bog und seine
Lippen, seine Zungenspitze über ihr Kinn langsam über ihren Hals hinabstreicheln ließ.
Seine Hände rutschten an den Saum ihres Shirts.
Sie konnte spüren, wie er seine Finger auf ihre Haut am Bund ihrer Jeans streicheln ließ, doch keine
Anstalten machte, ihr das Shirt auszuziehen.
Und dabei konnte sie es kaum erwarten!
Seine Zungenspitze spielte für lange Momente mit ihrem rechten Ohrläppchen, seine Zähne spielten
noch ein bisschen weiter bevor er raunte: „Ich bin gespannt, was Du drunter hast! Ich stell` mir das
schon die ganze Zeit vor! Du trägst immer so tolle Sachen! Es fühlte sich eben wunderbar an … als
Du meine Hand dahin geführt hast!“
„Danke, G!“
Malgorzatta musste lächeln.
Sie griff zu seiner Hand, brachte sie sacht wieder unter ihr Shirt, streichelte mit seinen Fingern über
den Stoff ihres BHs.
„Hast Du schon eine Idee zur Farbe, Special Agent Callen?“
Es fiel ihr etwas schwer zu sprechen weil G seine Finger leicht, sacht, nur so eben an ihrer Brust
bewegte.
„Schwarz.“ antwortete er ihr sofort.
Seine Stimme klang rau.
Malgorzatta sah ihn überrascht an.
„Hervorragend … „
Gs Kuss war hingebungsvoll. Fast ein wenig ungeduldig, stürmisch.
Seine Hand streichelte noch immer ihre Brust.
Es fiel ihr etwas schwer zu atmen.
„Ich hab` vorhin den Träger gesehen!“ raunte G an ihrem Ohr.
Malgorzatta schmiegte ihr Gesicht an seine Wange.
„Weil Du so ehrlich bist darfst Du jetzt nachsehen!“
Gs Lachen war leise. Zärtlich.
Seine Rechte streichelte wieder hinab zum Saum ihres Shirts. Kam seiner Linken zur Hilfe beim
Griff nach dem Stoff.
Behutsam streifte er ihn ihren Oberkörper hinauf.
Malgorzatta schlüpfte mit den Armen hinaus.
Nur ungern unterbrach sie den Körperkontakt mit G, doch sie genoss es umso mehr, dass sie im
ersten Moment kaum atmen konnte als er sie wieder eng an sich zog nachdem er ihr Shirt abgelenkt
Richtung der Armaturen geworfen hatte.
Sein rechter Arm lag um ihren Rücken, hielt sie fest an sich gepresst während seine Linke leicht
über ihre Schulter streichelte.
Sie mochte es, wie sein Blick über ihren Oberkörper strich, dass ihm offensichtlich gefiel, was er
sah.
Den schwarzen BH aus kunstvoll verarbeiteter Spitze und Seide, verziert mit einigen kleinen
Swarowski-Steinen, hatte sie extra in dem exklusiven Dessous-Laden in der Innenstadt von Kiew
gekauft.
Efremil hatte ihn nie zu Gesicht bekommen. Und würde es auch nicht!
Das kleine zärtliche Lächeln, das Gs Lippen verzog, war ihr Reaktion genug.
„Wunderschön, Mali!“ flüsterte er.
Seine Stimme klang ein bisschen heiser.
Sein Atmen kam ihr etwas schwer vor gegen ihren fast nackten Oberkörper.
„Es ist nicht nur … dass ich es liebe mit Dir zu schlafen … es ist auch ein Traum, Dich auszuziehen
… Dich wie ein Geschenk, auszupacken … „
Seine Worte wurden begleitet vom Streicheln seiner Finger an ihrem Oberkörper, an dem zarten
Stoff ihres BHs.
Jede dieser Berührungen hinterließ ein warmes Gefühl auf ihrer Haut und machte es ihr schwer, sie
geduldig auszuhalten.
„Du machst so wunderschöne Komplimente, G!“
Sie schmiegte sich an ihn während sie spürte, wie er behutsam den zierlichen Spitzenträger von
ihrer Schulter streichelte.
Fast im gleichen Moment, als sie Gs Hände sanft über ihren Rücken, zum Verschluss ihres BHs
streicheln spürte, fiel ihr ein, dass sie ihm ja hatte etwas erzählen wollen.
Es war für sie etwas unglaublich Wichtiges!
Sie hoffte inständig, dass es für ihn genau so bedeutend sein würde!
„G … „
Behutsam legte sie ihre Rechte an seinen Hinterkopf, streichelte mit den Fingern sacht über seine
kurzen Haare während sie seine Lippen äußerst behutsam über ihre Brust streicheln spürte nachdem
er ihren BH geöffnet und ihn ihr langsam vom Oberkörper gestreift hatte.
„Mh?“
Sein Blick wanderte langsam zu ihr hoch.
Malgorzatta räusperte sich.
Als seine blauen Augen ihren Blick trafen, fühlte sie sich von einer Sekunde zur nächsten plötzlich
verunsichert.
Was, wenn es gar keine gute Nachricht für G war, so wie sie glaubte?
Was, wenn ihre `Beziehung` mit ihm nur so gut funktionierte weil die meiste Zeit so viele Meilen
zwischen ihnen lagen?
Er schien sehr freiheitsliebend, unabhängig, uneingeschränkt. Und das alles war ihm offenbar auch
sehr wichtig!
„Was … Mali?“
G richtete sich gänzlich auf, sah sie fragend an während sich seine Hand sacht, aber eindringlich an
ihren Nacken legte.
„Ist etwas nicht in Ordnung?“
Sein Blick war mit einem Mal wachsam.
„Nein, nein, alles gut!“ versicherte sie ihm rasch, ließ ihre Hand von seinem Kopf bis zu seiner
Schulter hinab streichen.
„Es ist nur … ich hab` bisher ganz vergessen Dir zu erzählen … dass Efremil nach Los Angeles
versetzt worden ist! Wir sind demnächst hier in der Botschaft … „
Sie sah zu ihm auf.
G lächelte.
Und Malgorzatta wusste augenblicklich, dass es ihm bereits bekannt gewesen war.
Natürlich hatte er es gewusst!
Er war Agent.
Es war sein Job, über fremde Regierungsbewegungen informiert zu sein!
Langsam ließ sie ihre Fingernägel über seine Haut rutschen.
„Du … wusstest das natürlich schon?“
Gs Lächeln wurde ein bisschen deutlicher.
Er beugte sich zu ihr hinab und küsste sie.
Leidenschaftlich.
„Ja, ich wusste das.“ stimmte er ihr dann zu.
Seine Hände lagen an ihrem Hinterkopf, seine Fingerspitzen kraulten leicht in ihren Haaren.
„Das gehört zu meinem Job. Aber ich wollte es von Dir hören … dass Du es sagst … „
Ganz plötzlich hielt er ihren Kopf fest.
„Wird sich dadurch etwas ändern … cormoara meu … zwischen uns Beiden?“
Malgorzatta konnte nicht verhindern, dass sich für einen Moment ihre Stirn krauste.
G hatte seinen Griff fast sofort wieder gelockert.
Der Blick seiner blauen Augen in ihrem war zärtlich, sein Gesichtsausdruck sanft.
Er stand ganz nah, an sie geschmiegt, so dass sie sein tiefes Atmen gegen ihren Oberkörper spüren
konnte.
Für den Bruchteil einer Sekunde hatte sein fester Zugriff sie erschreckt.
Tatsächlich jedoch hatte sie das ganz unbestimmte Gefühl, dass seine Geste mehr als ein Anlass zur
Besorgnis als zur Furcht zu werten war.
Sie atmete tief aus.
„Ich hatte gehofft … dass wir uns dann vielleicht ein bisschen öfter sehen können! Dass es dann
nicht mehr so umständlich ist!“
Sie sah zu ihm auf.
Gs Lächeln war zärtlich. Er nickte leicht.
„Ab wann seid ihr hier?“ fragte er dann halblaut.
Sehr behutsam schob er sie von der Dusche weg, ein paar Schritte rückwärts.
Malgorzatta musste lächeln. Ließ es geschehen während sie sich etwas an seinem Oberkörper fest
hielt.
„Offiziell ab ersten März, also zweiter, der Erste ist ein Sonntag. Unser Flug von Kiew nach hier ist
am sechsundzwanzigsten Februar. Dann … bleiben wir hier! Hu … „
Sie konnte den Reflex, ihre Finger um seine Oberarme zu krallen, nicht ausschalten als G sie nun
sanft nach hinten, Richtung des Bodens drückte, nachdem er zuvor mit seiner Rechten ein großes
Badetuch ergriffen und einigermaßen ausgebreitet auf die große flauschige Matte geworfen hatte.
Mit seinem linken Arm hielt er sie noch immer fest an sich gedrückt.
Jetzt sah er sie an, während sie noch immer in seiner Umarmung lag, halb in der Luft, nach hinten
gebeugt.
Seinen Blick empfand sie fast ein wenig als vorwurfsvoll.
„Was? Traust Du mir nicht?“
Gs Stimme war leise, dunkel, unglaublich sanft. Fast überrascht.
Während er sprach ließ er sie sacht auf den dicken weichen Frottee-Stoff sinken.
Sofort nahm sie die Hände von seinen Armen, hielt sie sekundenlang mit gespreizten Fingern in der
Luft.
„Doch G! Natürlich! Das weißt Du! Der Reflex hat mich überrascht!“
G lachte leise.
Malgorzatta langte nach ihm.
Doch G wich ihr aus und öffnete geschickt, mit langsamen Bewegungen den Knopf ihrer Jeans.
Dann zog er behutsam den Zipper des Reißverschlusses hinab, leicht, spielerisch.
Sanft, doch bestimmt streifte er ihr dann den Stoff von den Hüften und Malgorzatta schlüpfte mit
den Beinen hinaus.
Sie genoss es, Gs Linke über ihren Fuß hinauf wandern zu spüren, über ihren Unterschenkel, ihren
Oberschenkel.
Seine Rechte spielte lange Momente an der Zierschleife ihrer Spitzenshorts bevor er den leichten
Stoff sacht hinunterstreichelte.
Er ließ ihn auf das Badetuch fallen, Malgorzatta ließ beide Hände um seine Oberarme rutschen als
er sich sehr langsam, sacht über sie sinken ließ.
Sie liebte den Blickkontakt, den sie beide nun hatten, den sie beide unablässig aufrecht hielten.
Gs Augen lagen auf ihrem Gesicht, aufmerksam, fast angespannt, wie um sich ständig zu
vergewissern, dass alles in Ordnung für sie war während er sich behutsam in sie schob.
Sie vermochte zuerst nicht zu atmen. Wie jedes Mal zuvor.
Doch sie versicherte ihm mit ihrem Lächeln, dass sie sein Näherkommen genoss.
Legte beide Arme um seinen Nacken.
„Ich liebe Dich, G!“
Sie hatte ihre Stimme nicht ganz in der Gewalt.
Für einen Moment schien es auch den letzten Rest Luft aus ihrer Lunge zu pressen als G seine Arme
unter ihren Rücken schob und sie so noch ein bisschen mehr an sich drückte.
Er küsste sie. Begann, sich sehr langsam, vorsichtig zu bewegen.
„Das ist wunderschön mit Dir … „
Seine Arme hielten sie fest an sich gedrückt. Seine Wärme hüllte sie ein.
Mittlerweile gelang es ihr richtig gut, sich auf ihn zu konzentrieren. Das Rundherum auszublenden,
die leisen Stimmen von draußen, die durch das halboffene Fenster hinüber klangen. Die kleine Uhr,
die unablässig in ihrem Hinterkopf zu ticken schien, sobald sie amerikanischen Boden betrat, um G
zu sehen, die ihre gemeinsame Zeit herunter zu ticken schien.
Behutsam legte sie ihre Hand an Gs kratzige Wange und streichelte über seine Barthärchen.
„Es ist schön hier mit Dir, G. Ich liebe Dich!“
Sie reckte den Kopf ein wenig zu ihm hoch, suchte seine Lippen. G wandte ihr den Kopf entgegen,
erwiderte ihren Kuss.
Seine Zungenspitze kitzelte ihre Oberlippe.
Entzog sich der ihren als sie versuchte, sie ihm entgegen kommen zu lassen.
„Trägst Du diese tollen Sachen … „ Gs Stimme war dunkel, rau.
„ … eigentlich auch für Deinen Mann?“
Malgorzatta sah ihn an.
Schenkte ihm ein kleines Lächeln.
„Ich rede jetzt … in dieser wunderschönen Situation mit Dir … so ungern über meinen Mann! Und
nein … die bekommt er gewiss nicht zu sehen!“
Sie reckte ihren Kopf etwas höher, streichelte mit den Lippen über seine Schulter.
Behutsam zupfte sie mit ihren Zähnen an seiner Haut.
G lachte leise.
Es klang ein bisschen angespannt. Er suchte ihre Lippen.
Malgorzatta erwiderte seinen Kuss.
Sie spürte seine Lippen ein wenig davonrutschen als sie ihre Rechte langsam über seinen Rücken
hinabstreichen ließ, bis zum untersten Wirbel.
Behutsam, sanft ließ sie ihren Finger den kleinen Knochen liebkosen, den sie unter Gs warmer Haut
spüren konnte.
G genoss es einmal mehr.
Malgorzatta konnte sehen, wie er den Kopf in den Nacken legte und für einen langen Moment die
Augen schloss. Ein kleines Stöhnen kam über seine Lippen.
Er verharrte in seinen Bewegungen.
Malgorzatta ließ ihre Beine noch etwas nach außen sinken.
Atmete tief aus während sie versuchte, noch etwas unter ihn, näher an ihn zu rutschen.
Langsam streichelte sie mit beiden Händen über die sanfte Wölbung seines unteren Rückens, hielt
sich leicht fest während sie begann, sich behutsam gegen ihn zu bewegen.
G lag so dicht, so schwer bei ihr, dass ihr nur wenig Spielraum dazu blieb.
Sie mochte diese Eingeschränktheit durch ihn.
Es war nicht unangenehm, weil es freiwillig war, sie konnte ihn gar nicht nahe genug bei sich
haben.
G suchte ihren Blick.
Seine Rechte rutschte in ihren Nacken. Ganz behutsam streichelte seine Linke über ihre Brust, sein
Daumen umspielte sekundenlang die Brustwarze und das wiederum entlockte ihr ein wohliges
Seufzen.
„Schön, G … „
Sie konnte nicht weitersprechen.
G ließ seinen Kopf über ihre Brust sinken, streichelte mit den Lippen über ihre Haut hinab.
Auch seine Zungenspitze nahm den kleinen Umweg über ihre rechte Brustwarze.
Malgorzatta konnte für einen langen Moment tatsächlich nicht weiteratmen weil das warme Gefühl
an ihrer Haut sie verlangend hochpuschte, G noch viel näher, am Liebsten für immer, so unendlich
nah bei sich haben zu wollen.
G stöhnte leise als sie ihre Hände sanft über seinen Hinterkopf streicheln ließ.
Er sah sie an.
Seine Wangen waren leicht gerötet. Kleine Schweißperlen standen auf seiner Stirn.
Sie wischte behutsam mit der Innenseite ihres Handgelenkes darüber.
G hielt ihre Hand fest.
Er legte sie an seine erhitzte Wange während er begann, sich wieder langsam gegen sie zu bewegen.
„Es ist so wunderbar mit Dir, Mali … ich liebe Dich …“
Malgorzatta stemmte sich ein wenig gegen ihn hoch. Küsste ihn.
„Es ist wunderschön mit Dir, G …“
G schlang seinen Arm um ihre Schultern und hielt sie fest an sich gedrückt.
Malgorzatta legte rasch beide Arme um ihn.
Schon jetzt war das Gefühl im ersten Moment fast überwältigend.
Für einen Moment schnappte sie nach Luft.
Gs Körper berührte den ihren bei jeder Bewegung, großflächig, warm, verführerisch. Sie spürte den
leichten Schweißfilm an seiner Haut.
Sein Atmen gegen ihren Oberkörper war tief und rasch. Gs Stimme, als seiner Lippen an ihr Ohr
gewühlt hatte, klang atemlos, tonlos.
Sein warmer Atem kitzelte ihre Haut.
„Mali … weißt Du noch … als Du mich Weihnachten besucht hast … bevor Du wieder geflogen
bist an dem Tag?“
Malgorzatta sah ihn an.
Sein Gesicht war von ihrem nur wenige Zentimeter entfernt. Rasch küsste sie ihn. Streichelte mit
der Zungenspitze über seine Oberlippe. An ihrer Hand spürte sie die Schweißtropfen an der geraden
Linie seiner Wirbelsäule.
Sie hatte das unbestimmte Gefühl, dass sie schon wusste, was er sagen wollte.
„Natürlich mein Schatz! Das werde ich nicht … vergessen … „
„Es war … wirklich schön, wie wir es gemacht haben … als ich hinter Dir war!“ raunte G atemlos.
„Meinst Du, wir könnten noch mal … so …?“
Malgorzatta musste lächeln.
Es war nicht unbedingt ihre Lieblingsstellung, die er ihr da vorschlug.
Aber sie hatte schon gemerkt, dass es ihm gefallen hatte ...
Kapitel 8
... Es gefiel ihr besser von Angesicht zu Angesicht, gerade bei G liebte sie es, ihn anzusehen, ihm
zuzusehen.
Sie wusste, dass es nicht mal einer Ablehnung ihrerseits bedurfte um G davon abzubringen. Ein
Hauch Zögern bei der Beantwortung seiner Frage würde schon ausreichen.
Rasch küsste sie ihn.
Streichelte über seinen Arm.
„Schöne Idee, G! Es war … wunderschön … Weihnachten. Als Du … als Du Deinen Bart immer so
an meiner Schulter gerieben hast!“
„So … meinst Du?“
G streichelte mit dem Kinn sacht über ihre Schulter.
Malgorzatta musste ein wenig lächeln.
Seufzte wohlig.
„Ja … komm!“
Sie küsste ihn erneut.
Noch immer konnte sie sich mit dem Gedanken schlecht anfreunden.
Sie mochte keine Unterbrechungen ihres Körperkontaktes dabei. Sie mochte es, wenn G plötzlich
inne hielt und sie ganz ruhig ansah, sie beobachtete. Sie mochte es, ihn anzusehen.
Die Anspannung auf seinem Gesicht, die Zärtlichkeit in seinen blauen Augen. Sie mochte es zu
sehen, wie er sich schließlich doch hingab und den Moment genoss.
Ihr gelang das beim besten Willen nicht immer!
Vorsichtig gab sie ihren Platz auf.
Gs Rechte streichelte sanft, langsam über ihren Rücken während seine Linke an ihrem Hüftknochen
ruhte.
Er zog sie behutsam zu sich.
Die Bewegung, mit der er sie dann an sich drückte, beide Arme vor ihrem Oberkörper verschränkte,
war fast ungestüm, bestimmt.
Malgorzatta hatte festgestellt, damals zu Weihnachten schon, dass sie das mochte.
G war nicht unangenehm dominant.
Er war immer zärtlich, sanft, rücksichtsvoll, aber eben doch bestimmt.
Im Moment machte sie das wirklich an.
„Das ist schön, G!“
Sie langte mit ihrer Rechten nach hinten, an Gs Bein, ließ ihre Hand langsam hinauf streicheln.
G seufzte leise, behaglich.
Sie spürte seine Lippen, seinen warmen Atem an ihrem Hals.
Zielstrebig schob sie die Finger ihrer linken Hand zwischen die seinen.
G umschloss sie fest.
„Es ist wundervoll mit Dir, Mali … so schön …“
Malgorzatta spürte seine Lippen, sein Kinn über ihre Schulter hinab wandern.
G strich behutsam ihre kurzen Haare beiseite. Drückte einen langen Kuss in ihren Nacken während
er sie mit seinem Gewicht sacht nach vorne schob.
Sie merkte, wie er es genoss, merkte es an seinen Bewegungen, die immer ein bisschen intensiver,
ein bisschen stärker wurden.
Seine warme, schwitzige Haut rieb an ihrer.
G war viel weiter als sie.
Sie genoss es unendlich, mit ihm zusammen zu sein, doch sie konnte sich nicht fallen lassen, nach
dem langen Flug, mit dem Gedanken, was sie momentan hinter sich ließ und dass sie doch wieder
zurück musste, wenn auch endlich nur für begrenzte Zeit. Noch gab es eine Einschränkung für sie,
und die konnte sie einfach nicht vergessen. Schließlich konnte es immer sein, dass sie sich nie
wieder sahen!
Ganz unvermittelt verharrte G in seiner Bewegung.
Richtete sich ein wenig auf und zog sie mit sich, verschränkte beide Arme vor ihrem Oberkörper
während seine Lippe über ihre Wange, zu ihrem Ohr streichelten.
"Was mache ich falsch, Mali? Du bist noch nicht so weit. Ich möchte es so gerne mit Dir zusammen
schaffen!"
Malgorzatta musste für einen Moment lächeln.
Seine plötzliche Bewegungslosigkeit machte sie kribbelig. Machte ihr bewusst, wie sehr sie seine
Zärtlichkeiten doch schon mitgenommen hatten.
"Du machst gar nichts falsch, G!"
Sie wandte den Kopf und drückte einen zärtlichen Kuss auf seine verschwitzte Wange. Schob ihre
Hand an seinen Hinterkopf und streichelte sanft über seine kurzen Haare.
"Es ist nur ... ich bin nur noch nicht richtig hier angekommen! Tut mir leid, G! Aber ich genieße es
wirklich ... hier, mit Dir!"
"Was kann ich tun ... ?"
Gs Rechte streichelte leicht über ihren Oberkörper hinab, über ihren Bauch, ihre Hüfte, bis zu ihrem
Oberschenkel. Seine Fingerkuppen wanderten sehr leicht, sehr behutsam nach innen über ihre Haut.
Malgorzatta legte ihre Hand rasch auf seine.
"Bitte nicht, G! Mach` einfach so weiter wie eben ... "
Sie streichelte mit seiner Hand sehr langsam wieder ihren Oberkörper hinauf, zog seine Finger an
ihre Lippen und küsste sie nachdrücklich.
"Es ist schön so ... "
G schloss seine Hand leicht um die Rundung ihres Kinns. Zog ihren Kopf noch ein wenig näher zu
sich.
"Ich möchte nicht ohne Dich, cormoara meu ... "
Seine Stimme war halblaut, angespannt.
Er bewegte sich noch immer nicht.
Malgorzatta reckte ihre Arme hinter sich, zu sich Gs Oberschenkel, ließ ihre Hände langsam
hinaufstreicheln bis zu seinen Hüftknochen.
Behutsam streichelte sie mit den Fingerkuppen über seine Leisten, über sie kurzen Härchen
unterhalb seines Bauchnabels.
G stöhnte leise.
Weigerte sich noch immer, sich zu bewegen, also verstärkte sie die Berührung ihrer Fingerkuppen
leicht, rieb ihre Schulter gegen seinen Oberkörper.
"Bitte, hör` nicht auf, G ... !
"Mmmh ... wie könnte ich, Mali? Ich liebe es, wenn Du so nah bei mir bist."
G zog sie an sich.
Malgorzatta ließ ihre Hände zu seinen Oberschenkeln rutschen während sie seinen raschen Kuss
erwiderte.
Es bedurfte nur zwei, drei kleine auffordernde Streichler ihrerseits um Gs Körper wieder sacht,
regelmäßig gegen ihren zu spüren. Seine Hände streichelten über ihre Schultern.
Das leichte Tupfen seiner warmen Lippen an ihrem Hals entlockte ihr ein kleines Aufstöhnen.
G ließ sein Kinn sacht über ihre Schulter streicheln. Seine Bartstoppeln kratzten über ihre Haut. Es
nahm ihr den Atem.
Sie spürte wie er ihre Arme hinter ihrem Rücken zusammen nahm, an den Handgelenken sanft, aber
bestimmt fest hielt.
Es überraschte sie ein wenig.
G hielt ihre Arme noch fest während er seine Rechte um ihren Oberkörper schlang und sie fest an
sich presste.
„Mali … „
Erst mit seinem kleinen Aufstöhnen ließ er ihre Handgelenke los, ließ auch seine Linke um ihre
Brust rutschen während seine Lippen ungenau die ihren suchten und er sie für eine Moment so fest
an sich drückte, dass es fast weh tat, dass sie nicht atmen konnte.
Seine Wange an ihrer war verschwitzt.
Sie spürte sein Zittern.
Rasch schob sie ihren Arm um seinen Hals, erwiderte seinen atemlosen, abgelenkten Kuss.
Gs Griff lockerte sich leicht. Dennoch hielt er sie ganz nah bei sich.
Sie spürte, das leichte Beben seiner Lippen, das Zittern seines Körpers.
Seine Atemzüge gegen ihre Seite waren kurz, rasch.
Malgorzatta drückte sich wieder fest an ihn.
„Das ist so schön mit Dir!“ flüsterte sie ihm zu, streichelte mit dem Finger über seine gerötete
Wange.
Der Blick seiner blauen Augen war verhangen.
An ihrem Arm konnte sie den leichten Schweißfilm an seinem Nacken spüren.
„Ich liebe Dich, Mali! Es ist wundervoll, dass Du hier bist!“ flüsterte G atemlos.
Seine Hände streichelten ihren Oberkörper hinab.
„Das ist so schön mit Dir … „
Er küsste sie rasch.
Seine Atemzüge waren noch immer schnell.
Er drehte ihren Kopf noch ein wenig weiter zu sich, ließ seine Hand an ihrem Kinn, ihrem Hals
liegen während seine Rechte oberhalb ihres Bauchnabels ruhte, ihren Körper noch immer fest an
seinen presste.
So spürte sie noch immer das leichte Beben seines Körpers.
„Es ist so toll mit Dir …“
Sie konnte ein wohliges Seufzen nicht unterdrücken als Gs Hand sanft über ihren Oberkörper
hochstreichelte, er ihren Kopf noch ein wenig im Nacken zurückbog, sie küsste.
„Komm!“ flüsterte G.
Er zog sie zärtlich, behutsam hinab auf das Tuch während er zu einem anderen Badetuch griff, es
über sie Beide breitete als er neben sie rutschte.
G schob seinen Arm unter ihren Nacken.
Malgorzatta rutschte ganz nah an ihn heran. Legte ihre Hand an seine verschwitzte Wange, küsste
ihn.
Gs Gesichtsausdruck war ein bisschen erschöpft. Ein Hauch Rot lag auf seinen Wangen.
Sie nahm einen Zipfel des Badetuches und tupfte ihm zärtlich über die Stirn.
„War schön mit Dir.“ flüsterte sie ihm zu.
Gegen ihren Oberkörper spürte sie seine ruhiger werdenden Atemzüge. Sein kleines Lächeln war
zärtlich.
G küsste sie während er seine Hand langsam über ihre Schultern streicheln ließ.
„Es ist wunderbar mit Dir, cormoara meu.“
Er räusperte sich. Fuhr sich mit der Hand durch das Gesicht.
„Ich habe mir das vorgestellt wenn Du nicht bei mir warst! Vorhin bei der Beobachtung noch … „
Malgorzatta legte ihren Zeigefinger an seine Lippen.
G schwieg sofort.
„Du sollst Dich von mir nicht ablenken lassen bei Deiner Arbeit! Das ist zu gefährlich! Du sollst
Dich konzentrieren, ich möchte nicht dass Dir etwas passiert! Ich möchte Dich behalten!“ mahnte
sie.
G lachte.
Er legte seine Hand sanft an ihre Wange, beugte den Kopf zu ihr vor und küsste sie.
„Ich kann aber nicht anders!“ flüsterte er ihr zu.
„Wird Dir sicher noch vergehen wenn ich demnächst hier wohne und Du mich öfter sehen wirst!“
gab sie zurück.
Doch G lachte nicht. Lächelte nicht einmal.
„Sag` nicht so etwas cormoara meu!“ meinte er leise, sanft, fast ein wenig mahnend zu ihr,
streichelte mit seiner Hand über ihre Haare.
Sein Blick auf ihrem Gesicht war sehr ernst.
„Ich finde es wunderschön wenn Du bei mir bist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich jemals
davon genug haben sollte!“
Malgorzatta streichelte mit der Hand über seine kratzige Wange, ließ ihre Finger langsam
weiterwandern, über seinen Hals hinab, seine Schulter, seine Brust.
„Wenn man etwas ständig hat, wird es einem schnell leid!“
„Das glaube ich nicht!“
G beugte sich zu ihr vor und küsste sie.
Seine Haut war noch ein bisschen schweißbedeckt. Wärme ging von seinem Körper aus.
Sie suchte seinen Blick.
G wirkte müde. Erschöpft.
„Gehen wir ins Schlafzimmer, hm, G? Du wolltest ein bisschen schlafen!“
„Ich wollte nicht schlafen!“ widersprach G sanft.
Er streichelte mit den Fingerkuppen leicht über ihre Wange.
„Ich wollte neben Dir liegen und Dich ansehen!“
Malgorzatta musste lächeln.
„Das kannst Du in Mexico bestimmt zur Genüge tun! Im Hotel und vielleicht auch am Strand. Darf
ich wissen, was Du vorhast, dort?“
G erwiderte ihr Lächeln.
Küsste sie.
„Wenn wir angekommen sind …“ er küsste sie noch mal.
„ … fahren wir erst mal zum Hotel. Dort trinken wir vielleicht einen Kaffee. Packen unsere Sachen
aus. Vielleicht sehen wir uns erst etwas um. Oder essen etwas … „
Er küsste sie erneut.
„ … Oder uns fällt etwas ganz anderes ein!“
Er fuhr sich mit der Hand durch das Gesicht.
Malgorzatta musste lachen.
„Ich freue mich, G! Ich freue mich jetzt schon total, dass ich bei Dir bin, und ich freue mich absolut
auf Mexico mit Dir!“
„Schön, Mali.“ gab G halblaut zurück.
Sein Blick, der über ihr Gesicht wanderte, war zärtlich.
Malgorzatta spürte die Wärme, die darin lag. Seine ehrliche Zugewandtheit.
Es tat ihr gut.
Er hatte einen lebensgefährlichen Job. Er setzte jeden Tag sein Leben auf`s Spiel als perfekt
ausgebildeter Bundesagent. Doch davon war momentan kein bisschen zu merken.
Es schien nur sie beide zu geben, ungestört von der Welt unter dem dicken Frotteetuch auf dem
Badezimmerboden.
G war so unglaublich sanft, liebevoll, aufmerksam, dass man ihm den knallharten Special Agent
kaum zutraute wenn man es wirklich nicht besser wusste.
Bei keinem anderen Mann zuvor hatte sie sich so geborgen, so verbunden, so gut aufgehoben
gefühlt. Eigentlich konnte sie noch immer nicht ganz begreifen, was ihr da passiert war.
Aber um nichts in der Welt wollte sie das wieder hergeben!
„Legen wir uns ein bisschen hin, G!“ meinte sie sanft, auffordernd.
Langsam ließ sie ihre Hand über seine Brust streicheln.
Sie sah, wie G die Augen schloss. Spürte, wie sich sein Körper an ihrem ein wenig entspannte.
„Komm!“
Vorsichtig rappelte sie sich hoch, als Erste, um zu verhindern, dass G hier auf dem Boden
einschlief.
Sie zog auch gleich das Badetuch mit sich und schlug es um sich, bedeckte ihre Blöße.
„Hey!“ meinte G matt.
Malgorzatta spürte so eben seine Hand an ihrem Fuß.
Dann stand er ebenfalls auf, schlang das Badetuch, auf dem sie gelegen hatten, um seine Hüften,
und legte seinen Arm um ihre Schultern, drückte einen Kuss auf ihre Wange. Langsam zog er sie
dabei hinüber ins Schlafzimmer.
„Leg` Dich hin!“
Malgorzatta machte eine rasche Kopfbewegung zum Bett während sie über seine Seite streichelte.
„Ich mach` eben die Kaffeemaschine aus!“
„Bringst Du mir bitte ein Wasser mit!“ bat G.
„Steht im Kühlschrank!“
„Gerne, G!“ erwiderte Malgorzatta.
Er bat sie nicht oft um etwas. Er ging lieber selbst. Sie war froh, ihm mal eine Gefälligkeit erweisen
zu können, selbst wenn sie noch so winzig war.
G berührte mit den Lippen ihre Wange bevor er sich Richtung Bett wandte.
Malgorzatta ging in die Küche.
Sie schaltete die Kaffeemaschine aus. Dann nahm sie sich eine Tasse aus dem Küchenschrank, goss
einen großen Schluck Kaffee hinein und trank ihn langsam, genießerisch, während sie die Tür des
großen Kühlschrankes öffnete.
Drei kleine Wasserflaschen standen darin. Und eine kleine flache Pappschachtel. Ihr Boden wirkte
dunkel angeweicht, wie etwa von einer Flüssigkeit durchtränkt. G hatte Baklava erwähnt. Sie hatte
Weihnachten davon probieren dürfen.
Es war köstlich gewesen.
Sie nahm eine der kleinen eckigen Wasserflaschen heraus, bewunderte sie, weil es sie in der
Ukraine nicht gab, und sie ihr gefielen.
Dann ließ sie die Kühlschranktür zufallen, trank ihren Kaffee aus und spülte die Tasse aus.
Mit der Flasche kehrte sie ins Schlafzimmer zurück.
G schlief.
Schien die Bettdecke nur so eben noch über sich gezogen zu haben, und lag jetzt da mit etwas auf
dem Kopfkissen zur Seite gesunkenen Kopf.
Er hatte die dünne Decke bis knapp über seinen Bauchnabel, über das Badetuch hinauf gezogen.
Seine leicht gebräunte Haut hob sich von der beigefarbenen Bettwäsche ab. Ganz regelmäßig hob
und senkte sich sein Brustkorb mit seinen ruhigen Atemzügen.
Malgorzatta stellte die Flasche vorsichtig auf dem Nachttisch ab und setzte sich sacht auf den
Bettrand.
Behutsam beugte sie sich über G und berührte mit den Lippen zärtlich seine Wange.
„Ich liebe Dich.“ flüsterte sie leise.
G zuckte ganz leicht zusammen.
Gab einen kurzen wimmernden Laut von sich.
Sein Kopf sank wieder zur Seite und sein Atmen wurde wieder ruhig und tief.

Sie war glücklich gewesen. Hatte sich nicht vorstellen können, es jemals an seiner Seite nicht zu
sein.
Und sie war es auch jetzt nicht wirklich unglücklich. Es war alles nur etwas schwierig.
Aber sie sagte sich beständig, dass G sich dieses Schicksal ganz gewiss auch nicht ausgesucht hatte!

Es war kurz nach neun als G zurückkam.


Sie hatte sich gerade fertig gemacht und hatte sogar, beim Durchstöbern ihrer Tasche, ganz
versteckt in einem Paar Socken, das in einem Schal eingewickelt war, die Kette wiedergefunden,
die G ihr zu Weihnachten in Los Angeles geschenkt hatte.
„Magic bowl of love“.
Irgendwie war sie ihr völlig aus dem Gedächtnis gerutscht, obwohl sie sie in Aspen noch getragen
hatte, doch nach dem was G passiert war, nach ihrem Krankenhausaufenthalt hatte sie sie völlig
vergessen. Es schien ihr ein Zeichen, dass sie sie ausgerechnet an Gs Geburtstag wiedergefunden
hatte und sie legte sie um ihren Hals während sie sich auf ein schönes gemütliches Frühstück mit G
freute.
Jetzt hörte sie, wie draußen die Schlüsselkarte durch das Schloss gezogen wurde.
Sie sah zur Tür.
Und registrierte sofort, als G hereinkam, dass ihn wieder irgend etwas berührte. Wieder etwas an
seiner Fassung gekratzt hatte. Er wirkte verstört, war blass.
Malgorzatta versuchte, ruhig zu bleiben.
Sie hatte sich den Verlauf von Gs Geburtstag gewiss anders vorgestellt. Jetzt schienen ihre schönen
Pläne für ihn mit einem Mal wieder dahin.
„Was ist, G?“
Bemüht, wenigstens nicht allzu beunruhigt zu klingen, ging sie zu ihm, legte ihre Hand an seine
Seite.
Gs Begrüßungskuss an ihre Lippen war flüchtig, beinahe automatisch. Seine Lippen waren kalt.
„Ich war auf dem Friedhof.“ ließ er sie wissen.
Seine Stimme zitterte ein bisschen.
„An Amys Grab, Du weißt. Dort habe ich das gefunden!“
Er langte in die Tasche seiner Sweat-Jacke und nahm einen kleinen Zettel heraus, reichte ihn ihr mit
zitternden Fingern.
`to my sweet daughter always in my heart` stand darauf geschrieben, neben einer aufgedruckten
zarten Blütenranke.
„Das war in einem Strauß frischer Blumen. Auf Amys Grab!“
Gs Stimme klang mit einem Mal heiser.
Malgorzatta sah zu ihm auf.
„Du hast mir gesagt, dass Deine Schwester dort liegt, aber unter der Identität von Hannah Lawson,
oder?“
G nickte.
Sein Blick war unstet, aufgeregt.
Er nahm ihr Mobiltelefon aus seiner Jackentasche, wischte ein paar Mal über das Display, hielt es
ihr dann mit zitternden Fingern entgegen.
Das Bild zeigte einen grauen Grabstein.
`Hannah Lawson` stand darauf.
` Age 11 - In Peace`
„Born January 6, 1967 – Died August 25, 1978“
„Ja! Der Schreiber - mein Vater, meine Mutter – muss es wissen! Sie sind irgendwo da draußen! Sie
leben noch! Warum haben sie uns weggeben?“
Gs Stimme kippte fast über. Rote Flecken brannten auf seinen Wangen. Seine Brust hob und senkte
sich rasch unter seinen hastigen Atemzügen. Malgorzatta fühlte den Stoff seines Shirts klamm an
ihren Fingerkuppen.
„Sie hatten bestimmt einen guten Grund, G!“
Beruhigend streichelte sie mit der Hand über seine Brust. Sie spürte die Hitze, die von seinem
Körper ausging, weil er so aufgeregt war.
„Guck` mal, wenn Du das Ganze mit Hannah und Amy nicht herausgefunden hättest, hättest Du das
Grab nicht besuchen können und … „
Sie brach ab.
Es gab noch eine andere Möglichkeit.
Sie traf sie wie ein Schlag, war ungeheuerlich, enttäuschend.
Sie konnte sie G so nicht mitteilen.
Doch er kannte sie bereits zu gut.
„Was?“
Mit einer heftigen Bewegung wischte er über das Display ihres Telefons, warf es auf das Bett.
Sein Blick zu ihr war prüfend, hart, weil sie den Satz nicht beendet hatte. Er war misstrauisch.
„ … und … und Du hättest den Zettel nicht gefunden, der Dir vielleicht weiterhilft!“
Sie brachte es einfach nicht übers Herz ihm zu sagen, dass der Zettel vielleicht von einem Elternteil
Hannah Lawsons stammte, der sich alleine von dem Namen auf dem Grabstein leiten ließ und nicht
ahnte, dass in Wirklichkeit jemand ganz anderes unter der Erde lag.
Und der damit – wahrscheinlich unabsichtlich - dafür verantwortlich war, dass G noch immer nicht
zur Ruhe kam!