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Kapitel 1

Es war für Malgorzatta einer der ungünstigsten Zeitpunkte überhaupt, um mit G wieder nach
Washington zu fliegen.
Wie letztens auch wollte sie überhaupt nicht in die Hauptstadt zurück. Sie hasste sie noch immer.
Außerdem ging es G nicht gut. Mental.
Der Verlust seiner Akte in einem Lagerhaus, die neuen Erkenntnisse über seine Schwester, über
ihren Tod setzten ihm arg zu – wie immer mehr als er eingestehen wollte.
Doch sein schlechter Zustand war unübersehbar.
Er war gereizt. Kleine Unaufmerksamkeiten schlichen sich in seinen Alltag. Und er schlief noch
schlechter, noch weniger als sonst.
Selbst Hetty war das schon aufgefallen.
Sie hatte sie zu einem Gespräch gebeten als G mit den anderen unterwegs war. Hatte versucht, sie
auszufragen weil sie genau so ratlos, genau so besorgt war wie sie selbst.
Und jetzt kam noch diese Order aus Washington dazu, für eine Anhörung vor dem NCIS, weil die
CIA ebenfalls im letzten Fall involviert gewesen war. Jetzt deuteten sich interne Querelen an.
Malgorzatta versuchte, die kleinen positiven Dinge zu sehen.
Frühling in Washington sollte sehr schön sein. Das Blühen der Mandelbäume am Reflection Pool
zum Beispiel.
Auch freute sie sich darauf, Tim McGee wiederzusehen.
Und sie war fest entschlossen, G eine ruhige erholsame Zeit zu verschaffen!
Erst einmal war sie jedoch bemüht, ihm den Flug so angenehm, entspannt wie möglich zu gestalten.
Der NCIS in Washington hatte sie auf einen Linienflug von LA gebucht. Diesmal gab es keinen
Komfort eines Privatjets wie noch beim letzten Mal. Aber immerhin hatten sie ihnen Plätze in der
Business Class gegönnt.
Dies bedeutet breite gemütliche Ledersessel, ausreichend Beinfreiheit und einen exzellenten
Service. Der Aufenthalt hier allein war schon angenehmer als in dem letzten Motel, in dem sie
gewohnt hatten. G war etwas unaufmerksam gewesen als er es ausgesucht hatte, etwas abgelenkt.
Es war nicht unbedingt das Sauberste gewesen.
Hier roch sogar schon die Wolldecke frisch, die sie bekommen hatten, Malgorzatta hatte sie über G
gebreitet als er weggedöst war.
Der Stoff mit dem Air-Line-Emblem war dick und flauschig, wies nicht die geringsten Anzeichen
von Pilling auf.
Gs Kopf war gegen die Rückenlehne zurückgesunken, ein wenig zur Seite, zu seiner rechten
Schulter.
Er hatte die Augen geschlossen. Seine Lider zitterten unruhig. Er war blass. Sein Gesicht selbst im
Schlaf verkniffen. Seine ganze Haltung war nicht entspannt.
Malgorzatta atmete tief durch.
Nur wenn G an ihrer Seite war kam sie momentan etwas zur Ruhe. Wenn sie wusste, wo er war, ihn
sah, merkte, wie es ihm ging.
Sie konnte nicht viel ändern an seinem momentanen Befinden. Es kam zu viel zusammen. Sie
konnte bloß versuchen, bei ihm zu sein und ihn zu unterstützen.
Und selbst das machte G ihr momentan nicht leicht.
Immerhin hatte er sie gebeten, ihn nach Washington zu begleiten. Hetty hatte das befürwortet und
den zuständigen Leuten in der Hauptstadt gegenüber durchgesetzt.
Malgorzatta versuchte, sich etwas zu entspannen.
Sie hatten noch ein paar Stunden Flug vor sich. Momentan war alles gut!
G ruhte. Sie waren in Sicherheit, warm, trocken und sie bekamen gutes Essen. Auch in Washington
würden sie sich keine Sorgen um ihre Unterkunft und Verpflegung machen müssen, doch
Malgorzatta wusste nicht, wie weit die Anhörung G zusetzen würde.
Um was es da genau ging!
Und wie so etwas überhaupt ablief.
Sie hatten auch noch keinen gebuchten Rückflug. Sie wussten noch nicht, ob das Ganze sich über
ein paar Tage hinziehen würde!
Nate hatte sich auch schon eingeschaltet. Hatte versucht, mit G über die Familiensache zu reden.
Doch G hatte völlig dicht gemacht. Für ihn war die Sache noch zu frisch.
Man konnte Glück haben, dass er über manche Sachen sprach wenn ein bisschen Zeit vergangen
war. Diesmal war es jedoch aber noch definitiv zu früh!
Deswegen hatte sich Nate dann an sie gewandt.
Doch Malgorzatta beherrschte das Abblocken mittlerweile genau so gut wie G. Sie machte sich
zwar endlos Sorgen um ihn. Doch dabei würde ihr auch Nate nicht weiterhelfen können!
An ihrem Arm spürte sie, wie G leicht zusammenzuckte. Er stöhnte leise. Bewegte sich so eben.
„G!“
Malgorzatta beugte sich rasch zu ihm herüber und legte sacht ihre Hand an seine Wange.
„G … alles in Ordnung! Du träumst schlecht!“
Außer ihnen saßen noch zwei Männer in Anzügen hier in der Business-Class, viel weiter vorne,
einer mit Kopfhörern, der andere offenbar schlafend.
G wimmerte leise.
Dann schlug er ganz übergangslos die Augen auf.
Sein Blick war leer.
Seine blauen Augen waren auf sie gerichtet, aber Malgorzatta war sich ziemlich sicher, dass er sie
nicht erkannte. Er schien nichtmal richtig wach zu sein.
„Alles gut! Alles in Ordnung, G!“ flüsterte sie ihm beruhigend zu, streichelte mit der Hand zärtlich
über seine Wange.
Sie spürte, dass er leicht zitterte.
G schloss die Augen. Sein Kopf sank etwas gegen die hohe Kopflehne zurück. Sie konnte spüren,
wie er sich leicht entspannte.
Malgorzatta atmete ein wenig durch. Mittlerweile hatte sie sich an Gs Unruhezustände sogar ein
wenig gewöhnt. Nur zu gut konnte sie verstehen, dass seine unterdrückten Emotionen sich auf
diesem Weg Bahn brachen. Und sie war froh, dass bisher nicht mehr passiert war. Deswegen setzte
sie ihre Hoffnung auf ein wenig Ruhe, Entspannung hier in Washington, in einem hochwertigen
Hotel mit guten Mahlzeiten, beruhigendem Ambiente und vielleicht sogar ein wenig Spa.
G schlug ganz übergangslos die Augen auf, richtete sich auf, fuhr sich mit der Hand durch das
Gesicht.
„Was …?“
Für einen langen Moment wirkte er desorientiert.
Als ihre Blicke sich trafen verzog ein kleines Lächeln seine Lippen. Es wirkte jedoch nicht
überzeugend auf sie.
G warf einen raschen Blick auf seine Armbanduhr, sah sie dann wieder an während er die Decke
von seinem Oberkörper schob.
„Alles okay bei Dir?“
Malgorzatta sah ihn an.
Streichelte mit der Hand leicht über seinen Arm.
„Alles gut. Wie fühlst Du Dich? Du hast nicht gut geschlafen, hm?“
„Doch, ich fühl‘ mich besser!“ behauptete G.
Malgorzatta fiel es nicht mehr so schwer, sich von ihm anlügen zu lassen. Am Anfang hatte es sie
fuchsteufelswild gemacht. Doch offenbar war es nicht so, dass er sie für dumm hielt um das zu
glauben.
Viel mehr schien es so, dass er gar nicht anders konnte.
Dass er es so verinnerlicht hatte, Wohlbefinden vorzugeben, dass er es nur sehr schwer ablegen
konnte.
Hatte er es sich als kleiner Junge in dem Glauben angewöhnt, seine jeweilige Pflegefamilie nicht
belästigen zu dürfen?
Oder hatte es die Pflegeeltern nie interessiert und so hatte sich G schließlich diese
Schutzbehauptung zugelegt?
„Das ist schön. So ganz erholsam hat Dein Schlaf aber nicht gewirkt?“
„Ma`m! Sir! Darf ich Ihnen einen Kaffee anbieten nach Ihrer Ruhepause?“
Eine Stewardess war an ihre Plätze herangetreten, beugte sich mit einem unverbindlich-
freundlichen Lächeln zu ihnen hinab.
„Ja.“ meinte G bloß.
„Gerne. Danke!“ gab Malgorzatta zurück.
„Gerne.“
Die Stewardess ging nach einem kleinen Nicken davon.
G sah wieder auf seine Armbanduhr.
Es war früher Vormittag.
G sollte am Nachmittag vor dem Ausschuss aussagen und Malgorzatta hoffte insgeheim, dass sie
morgen würden wieder zurückfliegen können, nach einem ruhigen erholsamen Abend und
Ausschlafen am nächsten Morgen. Und sie hoffte, dass der nächste Fall in Los Angeles noch
möglichst lange auf sich warten lassen würde, damit G sich noch etwas sammeln konnte.
Malgorzatta schob ihre Hand über Gs.
Er saß direkt am Fenster und das hereinfallende helle Morgenlicht über den Wolken ließ ihn noch
viel blasser aussehen als er ohnehin schon war.
Das Blau seiner Pupillen strahlte, auch wenn seine Augen klein, müde waren.
Es beruhigte sie unheimlich, dass er seine Finger leicht um die ihren schloss.
„G, magst Du mir erzählen um was es bei der Anhörung eigentlich geht? Warum musst Du
unbedingt dahin? Als Special Agent?“
„Die CIA war in den Fall involviert.“ ließ G sie bereitwillig wissen.
„Der Agent, der damals vor Ort war, hat Angaben gemacht, die von meinem Bericht abweichen!“
Er atmete tief aus. Malgorzatta spürte für einen Moment, wie sich seine Finger fest um die ihre
schlossen.
„Erschwerend kommt hinzu, dass mir der Fall entzogen worden war als ich am Tatort aufgetaucht
bin. Sowas macht sich nicht so gut wenn Wahlen anstehen und Zuschüsse neu verteilt werden.
Selbst wenn die Öffentlichkeit nichts von uns weiß!“
„Ma`m! Sir! Ihr Kaffee!“
Die Stewardess klappte geschickt die kleinen Tischchen in den Rückenlehnen vor ihnen hinunter
und stellte die kleinen Tabletts darauf ab.
Eine Tasse Kaffee befand sich auf jedem, zwei kleine Kekse und ein Mini-Cupcake auf einem
Tellerchen und ein zusammengerolltes feucht-bedampftes Gästetuch auf einem zweiten. Der Stoff
roch herrlich frisch nach Limone.
Malgorzatta liebte diese Erfrischungstücher.
„Danke schön!“
„Gerne, Ma`m! In etwa einer Stunde werden wir den Imbiss servieren!“
„Das ist nett! Danke schön!“
Malgorzatta wartete, bis die Frau sich wieder entfernt hatte.
„Musst Du Konsequenzen fürchten?“ erkundigte sie sich dann bei G.
Er schüttelte den Kopf.
„Eher nicht! Es ist mehr so … dass Hetty mir eine Lektion erteilen will … weil ich mich über ihre
Anweisung hinweg gesetzt habe! Aber wirkliche Konsequenzen … „ er schüttelte den Kopf „ …ich
denke nicht! Sonst leben wir von Deinem Job!“
Er sah sie an.
Sein Grinsen war klein. Erschöpft.
Aber immerhin ein bisschen amüsiert.
Sie hatten in den letzten Tagen nicht mehr viel zusammen gelacht. Und sie hatten seit drei Wochen
nicht mehr zusammen geschlafen. Malgorzatta vermisste Gs direkte Nähe. Zwar ließ er ihre
Zärtlichkeiten zu, erwiderte sie und genoss sie sogar. Doch er ließ sich nicht darauf ein wenn es zu
intensiv wurde. Nicht mehr.
Jetzt legte er seinen Arm um ihre Schultern und zog sie sacht zu sich, küsste sie.
„Nein. Ich werde alles daran setzen, mich um Dich zu kümmern, Mali! Wenn Du es zuläßt!“
Malgorzatta sah ihn an.
Schenkte ihm ein Lächeln während sie mit der Hand sanft über die Vorderseite seines Shirts strich.
„Nichts lieber als das, G! Aber Du hattest doch auch `mal den Vorschlag mit den Ziegen und dem
Käse in Rumänien?“
G lachte leise. Kurz.
Er griff zu seiner Tasse und trank einen kleinen Schluck von seinem Kaffee.
„Daran erinnerst Du Dich noch?“
„Wie könnte ich das vergessen?“
Malgorzatta hob ihre Linke in seine Augenhöhe und berührte mit dem Daumen ihren rosa-silbernen
Wellendorf-Ring. Sie mochte es, mit ihrem stabilen Daumennagel gegen das kostbare Metall zu
klicken.
„Es war einer der schönsten Tage in meinem Leben. Du hast mir einen Heiratsantrag gemacht!“
G lächelte.
Es wirkte versonnen. Und zärtlich.
„Ich bin so froh, dass Du es nicht vergessen hast, G! Manchmal vergisst man Sachen nach so einer
schwere Verletzung!“
„Ich hab` nicht viel vergessen.“ meinte G langsam.
Es klang, als würde er überlegen.
Mit der Rechten langte er zu dem kleinen Cupcake, nahm ihn von seinem Teller und führte ihn an
ihre Lippen.
„Ich kann mich an die Sache selbst nicht mehr erinnern. Ich weiß noch, dass Sam mich nach Hause
gefahren hat! Wie ich aus seinem Auto gestiegen bin! Dann kann ich mich erst wieder ans
Krankenhaus erinnern.“
Malgorzatta kaute an dem süßen Teig, den G ihr in den Mund geschoben hatte.
„Kannst Du Dich noch daran erinnern, dass wir verabredet gewesen waren?“
„Ich weiß es.“ gab G langsam zurück.
Er schien nachzudenken.
„Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern …“ er beugte sich leicht zu ihr vor, berührte mit
den Lippen sacht, nachdrücklich ihre Haare.
„Ich weiß noch, dass ich mich den ganzen Tag auf Dich gefreut hatte! Wir hatten gerade einen Fall
abgeschlossen, Gibbs und McGee waren damals hier. Ich weiss, dass Du auf mich gewartet hast!
Wir hatten telefoniert!“
Malgorzatta musste lächeln.
„Ja, wir hatten telefoniert! Und ich hatte mich auch total auf Dich gefreut!“
Sie langte ungenau zu ihrer Tasse. Musste sich ein wenig aufrichten um daraus trinken zu können.
Sie spürte dabei Gs Hand langsam über ihren Rücken streichen.
Die Geste tat ihr unheimlich gut.
Sie stellte die Tasse wieder auf den Unterteller zurück, legte ihre Hand an Gs Wange und beugte
sich zu ihm vor und drückte ihm einen sanften Kuss auf die Lippen.
„Ich bin glücklich, dass Du das überstanden hast, G! Und ich bin sehr glücklich, dass ich bei Dir
sein darf! Ich liebe Dich!“
G erwiderte ihren Kuss. Seine Hand streichelte leicht über ihre Schulter,
„G?“
Sie sah zu ihm auf.
„Ja?“
Er erwiderte ihren Blick ruhig.
Seine Augen waren klein und durch seine Müdigkeit waren die kleinen Fältchen um seine
Augenwinkel noch ein bisschen ausgeprägter. Einmal mehr blieb ihr Blick sekundenlang an der
kleinen Narbe an seiner Nasenwurzel, vor seiner rechten Augenbraue hängen.
„Wie hast Du Hetty eigentlich kennengelernt?“
G atmete tief ein.
Sie spürte es an ihrer Hand an seiner Brust.
„Sie hat mich eines Tages auf der Straße angesprochen.“ antwortete er dann.
Er sprach langsam als würde er sich Sekunde für Sekunde erinnern, jedes Wort überlegen.
„Es war im Valley. Sie sprach mich an und fragte mich, ob ich Interesse daran hätte, für eine
Bundesbehörde zu arbeiten. Zuerst habe ich gar nicht verstanden, was sie meinte. Sie gab mir eine
Telefonnummer. Nach ein paar Tagen habe ich angerufen und wurde zu einem Vorstellungsgespräch
eingeladen. Es stellte sich dann heraus, dass es für die DEA war. Dort habe ich Hetty dann
wiedergesehen. Ich habe sie zwischendurch immer wieder gesehen, beim FBI, bei der CIA und auch
beim NCIS, als Macy noch Direktorin war. Es war, als wäre Hetty … „
G schien nach Worten zu suchen. Er trank von seinem Kaffee.
„ … als wäre Hetty irgendwie mit meinem Leben verknüpft, verstehst Du? Ich kann es nicht
beweisen, aber es kommt mir vor, als hätte Hetty mich schon Tage vorher beobachtet, bevor sie
mich damals angesprochen hat! Manchmal … „ er atmete etwas schwer „ … denke ich, dass es
nicht nur Tage waren!“
Malgorzatta betrachtete ihn aufmerksam.
Streichelte mit der Hand beständig sanft über seine Seite.
„Wie kommst Du darauf?“ ...
Kapitel 2
... Gs Stimme hatte verunsichert geklungen.
Sie wollte, dass er weitersprach. Wollte ihn ermutigen.
Je sicherer er mit seiner Vergangenheit umging umso besser würde ihm das auch mit den
Vorkommnissen der Gegenwart gelingen.
„Wieso meinst Du das?“
G schüttelte leicht den Kopf.
„Kann ich nicht erklären. Ist nur so ein Gefühl. Manchmal macht sie so Andeutungen. Ich denke oft,
dass sie mehr über meine Vergangenheit weiß als sie mir sagt!“
Auch Malgorzatta fand Hetty oft geheimnisvoll. Und sehr streng.
„Vielleicht wartet sie nur auf den richtigen Zeitpunkt. Vielleicht weiß sie wirklich mehr und hat
noch nicht alle Informationen zusammen …“
Sie brach ab weil sie es als nicht richtig empfand, G falsche Hoffnungen zu machen.
„ … ehm … wie alt warst Du damals?“
Sie sah ihn an.
„Ich war siebzehn.“ antwortete ihr G.
„Und was hast Du gemacht?“ fragte Malgorzatta weiter.
„Ich mein`, hast Du da schon irgendwo gearbeitet oder … ?“
G schüttelte erneut den Kopf.
„Ich hab` auf der Straße gelebt,“ erzählte er ihr freimütig.
„Ich war grad` bei einer Pflegefamilie abgehauen und … na ja … „ er zuckte die Schultern „… ich
hab` versucht, irgendwie durchzukommen!“
„Und Schule?“ fragte Malgorzatta fast ängstlich weiter.
Sie hatte nicht die geringste Ahnung von dem, was G im Einzelnen durchgemacht hatte.
Und sie hatte nahezu Angst vor jeder neuen Information.
Aber bestimmt würde es G guttun wenn er darüber sprach.
G schüttelte erneut den Kopf.
„Ich bin fast bei jeder neuen Pflegefamilie auf eine neue Schule gekommen. Irgendwann habe ich
mich auch da nicht weiter drum gekümmert.“
Malgorzatta nickte.
Sie hoffte, dass es so verständnisvoll herüberkam wie sie es meinte.
„Ich muss sagen, Du hast es ganz schön weit gebracht nach diesem holprigen Anlauf!“
G lächelte.
Müde, aber ehrlich amüsiert.
Er zog sie sacht zu sich, seine Hand warm an ihrem Nacken.
„Mein Weg ist nicht mehr ganz so holprig seit Du bei mir bist! Danke Mali!“
Malgorzatta musste schlucken.
Gs ehrliche Gefühlsäußerungen ihr gegenüber rührten sie immer wieder. Sie schien irgendetwas
richtig zu machen mit ihm. Ganz abgesehen davon dass sie ihn unendlich liebte.
„Danke, dass Du mich mitnimmst auf Deinem Weg, G!“

Es war 13.02 Uhr als sie in Washington landeten.


Dank Gs Bundesagentenausweis wurden sie bei der Abfertigung bevorzugt behandelt und waren so
schon zwanzig Minuten später auf dem Weg zum Hotel.
Nachdem sie sich dort etwas frisch gemacht hatten, wollten sie von dort zur Anhörung im Navy-
Yard fahren.
G wirkte nicht beunruhigt.
Erschöpft, aber nicht besorgt wegen der Anhörung.
Malgorzatta staunte nicht schlecht, dass das Hotel das Mandarin Oriental war.
Ein langer hoher Kasten in der Nähe des Kapitols, an einer Hauptstraße, schon alleine der Name
stand für Luxus.
Es war ihr unvorstellbar, dass der amerikanische Steuerzahler für ihren Aufenthalt hier ohne
Weiteres aufkam!
„Nein, ich habe uns ein kleines Upgrade verschafft!“ meinte G als sie ihn darauf ansprach.
Er machte die wenigen Schritte zu ihr, legte seinen Arm um ihre Schultern und zog sie zu sich,
Malgorzatta ließ es nur zu gerne geschehen.
Sie legte beide Arme um ihn und sah ihn an
„Die letzte Zeit ist es ein bisschen schwer.“ fuhr G fort.
Malgorzatta betrachtete ihn aufmerksam.
Sie rechnete es ihm hoch an, dass er es zur Sprache brachte, auch wenn es ihm offensichtlich
schwer fiel.
„Ich weiss, dass es nicht schön ist für Dich … das ganze Hin und Her … ich habe gedacht, die
schöne Umgebung hier, wir haben ein bißchen Zeit für uns … „
Malgorzatta musste lächeln. Gerührt.
Sie legte ihre Hand an seine Wange, stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn nachdrücklich
auf die Lippen.
„Danke G. Das ist so lieb von Dir, dass Du Dir darüber Gedanken gemacht hast …“
Sie küsste ihn noch mal, lange zärtlich.
„ … obwohl Du so viel um die Ohren hast! Ich weiß, dass das alles ziemlich … anstrengend ist für
Dich, was da passiert ist, mit dem Lagerraum und so! Ich wünsche, ich könnte Dir dabei mehr
helfen!“
G zog sie an sich.
Er legte seinen Arm um ihren Nacken, lehnte den Kopf an ihren.
Durch den dünnen Stoff seines dunklen Hemdes konnte sie seinen Herzschlag an ihrer Hand spüren.
Langsam ließ sie ihre Hand zu seinem Rücken streicheln.
„Bleib` einfach bei mir, Mali, bitte!“ flüsterte G. Seine Stimme war rau, zitterte ein bisschen.
Glaubte er wirklich, sie trüge sich mit dem Gedanken, ihn zu verlassen?
Rasch überdachte sie ihr Verhalten in den letzten Tagen ihm gegenüber. Sie hatte ihm bestimmt
keinen Anlass gegeben, so etwas in Erwägung zu ziehen, auch wenn es ihr in manchen Situationen
schwer gefallen war.
Ihr fiel das Wort „Verlustängste“ ein, das sie Nate einmal im Zusammenhang eines Gespräches über
G hatte verwenden hören.
Dazu musste sie sich ins Gedächtnis rufen, dass Gs Stärke, seine Souveränität, seine Bestimmtheit
nach außen wahrscheinlich bloß Fassade waren. Dass er in seinem Inneren wahrscheinlich
verletzlicher, angreifbarer war als die Meisten annahmen.
Und die Ereignisse der letzten Wochen diese emotionale Unsicherheit vermutlich bloß verstärkt
hatten!
„Wenn ich Eines nicht vorhabe, G, dann ist es Dich zu verlassen!“ gab sie zurück, sah ihn an.
„Ich liebe Dich, G Callen, ich bin sogar schon wieder mit Dir in Washington, obwohl ich diese
Stadt abgrundtief hasse! Wenn Du mich loswerden willst, hättest Du mir in Hawaii nicht diesen
wunderschönen Ring an den Finger stecken dürfen! Du hattest damit nicht nur eine Frage an mich!
Du hast mir auch etwas versprochen damit! Und das will ich unbedingt haben!“
Sie spürte Gs tiefes Einatmen gegen ihre Brust. Er drückte sie für einen Moment fest an sich. Er
seufzte leise.
„Ich weiß, Mali! Cormoara meu! Ich weiß, dass es im Moment nicht für Dich danach aussieht! Aber
glaube mir, ich vergesse es nicht!“
„Ich muss nicht verheiratet sei, G! Ich möchte einfach nur bei Dir sein!“
G stöhnte leise auf.
„Komm her!“
Seine Lippen suchten die ihren. Er küsste sie. Malgorzatta schmiegte sich an ihn. Langsam
streichelte sie mit der Hand weiter über seinen Rücken während sie seinen Kuss erwiderte.
Es fühlte sich gut an. Alles richtig.
Er hatte einfach viel zu viel um die Ohren im Moment. So viel zu verarbeiten, mental, emotional.
Es gab keinen anderen Menschen, den sie kannte, der so viel zu bewältigen hatte.
Das Schicksal hatte sie an seine Seite gestellt weil sie damit umgehen konnte. Und das Schicksal
war hartnäckig, hatte es ein zweites Mal getan. Sie musste das jetzt bewältigen. Sie würde es
können!
G stöhnte leise, behaglich.
Er löste seine Lippen ganz behutsam von ihren.
„Ich will Hetty und Sam noch anrufen!“
Seine Hand streichelte sanft über ihre Haare.
Malgorzatta nickte.
Seine Zuwendung hatte ihr wieder Kraft gegeben. Und es schmeichelte ihr, wie G seinen linken
Arm um ihre Schultern liegen ließ während er mit der Rechten sein Mobiltelefon aus seiner
Hosentasche zog und über das Display strich.

Nachdem sie sich etwas frisch gemacht, einen Kaffee getrunken hatten, machten sie sich in einem
Taxi auf dem Weg zu Navy-Yard. Seit sie das Hotel verlassen hatten waren Malgorzatta
unterschwellig die Sirenen aufgefallen.
Einsatzfahrzeuge, wie sie in jeder Großstadt unterwegs waren, zuerst vereinzelt, doch schließlich
waren sie ununterbrochen, aus allen Richtungen zu hören.
Ganz subtil baute sich eine Spannung auf, eine Unruhe.
Und sämtliche Fahrzeuge schienen in die Richtung zu fahren, in die sie auch wollten, einzelne
Fahrzeuge, Feuerwehr, Polizei, Krankenwagen, die sie mit rotierenden Blaulichtern und heulenden
Sirenen überholten.
Dann standen sie in einer Straßensperre.
Polizeiwagen blockierten die Straße und Beamte winkten die Wagen beiseite.
„Es geht nicht weiter!“ erklärte ihr Fahrer seelenruhig, uninteressiert.
„Irgendwas ist im Yard passiert!“
„Warten Sie!“ meinte G.
Er nahm sein Mobiltelefon heraus.
„Ich rufe Gibbs an!“ meinte er zu ihr.
Malgorzatta nickte.
Es war schon beunruhigend, wie viele Rettungswagen von den Polizisten an ihnen vorbei auf der
linken Seite Richtung Stadt gewunken wurden während auf der rechten Seite ständig Neue
eintrafen.
„Geht nicht `ran!“ meinte G nach ein paar Minuten und legte auf.
„Ich probier`s mal bei Tim!“
Malgorzatta nahm ihr Mobiltelefon heraus, wischte das Display frei und tippte auf Tims Nummer.
Es baute sich erst gar keine Verbindung auf.
Malgorzatta tauschte einen besorgten Blick mit G.
Sie schloss das Display.
„Wir laufen bis zum Yard!“ meinte G.
„Es ist nicht weit!“
Er reichte dem Fahrer den Betrag, den sie ihm für die Fahrt bis hierher schuldeten.
Dann stiegen sie aus.
Schon nach einem kurzen Weg gelangten sie an eine weitere Absperrung.
Sie durften sie passieren nachdem G seinen Ausweis gezeigt hatte.
Von hier war es nicht mehr weit zum Yard.
Doch Malgorzatta erschrak, als sie die dicke grau-weiße Staubwolke über dem Gebäude sah. Gs
Gesichtsausdruck wurde besorgt.
Er musste am Eingang z Yard bei zahlreichen Polizisten, sogar Militärpolizisten wieder seinen
Ausweis zeigen, obwohl es den Eingang, wie sie ihn vor ein paar Wochen kennen gelernt hatte,
nicht mehr gab!
Ein Stück der Mauer war weggebrochen.
Ebenso die Schranken an der Einfahrt. Hier am Wachhäuschen waren sämtliche Scheiben
zersplittert. Autos auf dem Parkplatz links waren zerbeult, hatten kaputte Fenster, waren von einer
dicken Staubschicht bedeckt.
Am Gebäude rechts schien die komplette Klinkerfassade weggebrochen.
Geröll, Schutt, Staub lag zentimeterhoch auf dem Weg, dem Rasen. Es gab keine einzige
unzerbrochene Fensterscheibe mehr in dem langen Haus. Es gab nur noch leere dunkle
Fensterhöhlen.
Staub umwaberte die Fassade, unzählige Feuerwehrleute liefen umher, löschten, räumten Steine
beiseite oder führten Verletzte zu den Krankenwagen, die in einer langen Reihe hier warteten.
Verstaubte Leute mit kleineren Verletzungen liefen, irrten umher.
Rettungspersonal, Polizeibeamte versuchten, Ordnung in das Chaos zu bringen. Malgorzatta fühlte
sich an die Bilder des 11. September erinnert.
Von überall her hallten Rufe, Befehle, Anordnungen.
Einige Leute lagen sich in den Armen und weinten.
Malgorzatta fing Gs irritierten Blick auf.
Er wirkte genau so geschockt wie sie sich fühlte.
Unterschwellig registrierte sie, dass seine suchende Handbewegung in ihre Richtung, sein kurzer
Griff an ihren Arm, eine Art Schutzreflex war.
Wie um sich ihrer Anwesenheit zu versichern, physisch!
„Was zur Hölle … „
G griff mit der Rechten zu seinem Mobiltelefon.
„Callen!“ klang es in diesem Moment von rechts zu ihnen herüber.
„G!“
Es war Gibbs.
Er kam durch das Trümmerfeld zu ihnen.
Es war das erste Mal, dass Malgorzatta sah, dass seine kurzen grauen Haare durcheinander waren.
Er wirkte insgesamt derangiert.
„Was ist passiert?“ rief G ihm zu.
Gibbs kam zu ihnen.
Er wirkte sehr ruhig, gefasst, doch an seinen Augen konnte man ablesen, dass er völlig geschockt
war.
„Wir hatten eine Bombe im Yard!“
Seine Augen hasteten umher, beobachtend, suchend.
Er fragte gar nicht erst, was sie hier machten. Malgorzatta wusste nicht, ob G im Vorfeld mit ihm
gesprochen, ihm mitgeteilt hatte, dass sie hier sein würden.
Jetzt schien es selbstverständlich für ihn.
„Ein ganzer Kofferraum voll Sprengstoff ist hochgegangen, wir konnten es nicht verhindern! Malin
…!“
Sein Blick richtete sich auf sie.
„ … Tim ist im Krankenhaus, er ist verletzt! Finden Sie ihn, fahren Sie zu ihm!“
So sehr es Malgorzatta schockte von Tims Verletzung zu erfahren, so war sie doch nicht besorgt
genug um auf Gibbs Aufforderung sofort anzuspringen.
Daraufhin streckte er seine Hand aus und drängte sie fast davon.
„Nun gehen Sie schon, worauf warten Sie!“
„Jethro!“ meinte G.
Er stellte sich sofort zwischen sie beide, wie beschützend vor sie, Malgorzatta registrierte sogar die
kleine Handbewegung als er seinen Arm in Gibbs Richtung ausstreckte, wie um ihn von ihr zu
verscheuchen.
Gibbs seufzte genervt und ging ein paar Schritte beiseite, stemmte die Hände in die Hüften.
G wandte sich zu ihr um.
Sein Blick zu ihr war sanft.
Er streichelte ihr über den Arm.
„Willst Du das tun, bitte?“
Malgorzatta sah ihn an.
Die Nachricht über Tim beunruhigte sie. Sie mochte ihn.
„Was machst Du?“
„Ich bleibe hier und sehe, ob ich `was helfen kann!“ gab G bestimmt zurück Er legte seine Hand an
ihre Wange.
„Mali, ich hätte Dich wirklich lieber hier `raus! Es kann sein, dass noch mehr passiert!“
„Und Du?“
Sie sah ihn an. Umklammerte sein Handgelenk. Dabei wusste sie längst, dass seine Entscheidung
fest stand.
G lächelte.
Es gelang ihm zuversichtlich, leicht.
Doch er konnte sie längst nicht mehr täuschen damit.
„Du weißt, dass ich auf mich aufpassen kann!“
„Sagte der Bundesagent mit den fünf Schusswunden!“ gab sie zurück.
G lachte.
Das hatte sie in dieser Situation bestimmt nicht erwartet.
Sein Blick war bittend.
„Dann pass` auch bitte auf Dich auf!“ meinte sie ergeben.
„Bleib` im Krankenhaus! Ich hol` Dich dort später ab!“ erwiderte G sofort.
Er beugte sich zu ihr vor und drückte ihr einen raschen Kuss auf die Lippen.
„Ja, ist gut!“
Sie konnte mit der Hand noch rasch über seinen Arm streicheln bevor er sich abwandte.
Zu Gibbs ging.
Auch wenn er eine wichtige Person für G war, würde sie wahrscheinlich nie mit ihm warm werden.
Selbst wenn er sich jetzt in einer Ausnahmesituation befand.
Sie rechnete es G hoch an, dass er sie sofort in Schutz genommen hatte.
Ohne sich noch einmal zu den beiden Männern umzusehen wandte sie sich ab und sah suchend
durch das Chaos.
Fünf Minuten später hatte sie die Einsatzleitung erblickt, unter einem provisorischen Zeltpavillon.
Es dauerte etwas länger, dort von einem gestressten Mitarbeiter die Information zu bekommen, in
welches Krankenaus Timothy McGee gebracht worden war.
Doch am Längsten dauerte es, ein Taxi dorthin zu bekommen.
Hier im Yard lief gar nichts.
Taxen an der Hauptstraße wurden dazu genutzt, leichter Verletzte zur medizinischen Versorgung zu
bringen. Das war ja auch völlig in Ordnung!
Malgorzatta ging ein wenig stadteinwärts, in die Richtung, aus der sie gekommen waren, und holte
sich in einem Shop einen Kaffee.
Dort ließ sie sich ein Taxi rufen.
Tatsächlich dauerte es einen knappe halbe Stunde bis es schließlich kam.
Der Fahrer war sichtlich mitgenommen.
Während der gut zwanzigminütigen Fahrt berichtete er ihr, dass er bereits einige Verletzte in die
umliegenden Krankenhäuser gebracht hatte.
Das Krankenhaus, das man Malgorzatta genannt hatte, war ihr sogar ein Begriff. Schließlich hatte
sie neun unfreiwillige Monate in dieser Stadt verbracht.
In der Notaufnahme des Hospitals herrschte das blanke Chaos.
Da es sich um ein Militär-Krankenhaus handelte hatte man wohl zuerst versucht, so viele Militär-
Angehörige wie möglich hierher zu bringen, bis die Aussicht auf medizinische Versorgung wohl
völlig erschöpft war...
Kapitel 3
... So teilte ihr eine völlig überforderte Schwester in der Notaufnahme bloß mit, dass sie selbst nach
ihrem Angehörigen suchen müsse weil bei der Flut der eingelieferten Verletzten hier momentan
keiner den rechten Überblick hatte.
Sie machte dabei eine rasche Kopfbewegung Richtung des Flures, nahm dann ein Klemmbrett und
eilte davon, „Danke!“ meinte Malgorzatta mitleidig hinter ihr her.
Sie atmete tief durch und schlug dann den angegebenen Weg ein.
Der Krankenhausflur hinter der Notaufnahme war zu beiden Seiten einfach vollgestellt mit Betten
und Liegen in langen Reihen.
Malgorzatta sah auf den ersten Blick zurückgeschlagene Decken, provisorische Verbände, Leute,
denen es offensichtlich nicht gut ging.
Jeder von ihnen hatte eine große Pappkarte an einer Kordel um den Hals, im Rahmen der Triage,
die die Behandlungsdringlichkeit bewertete.
Sie fand Tim im letzten Bett in der Reihe auf der linken Seite.
Als ihr Blick auf ihn fiel vermochte sie nicht zu beurteilen, ob er bewusstlos oder gnädig sediert
war.
Tims Augen waren geschlossen, sein Kopf auf der Matratze ein wenig zur Seite gesunken. Sein
Gesicht war bleich, wirkte sogar etwas eingefallen. Dunkle Schatten lagen unter seinen Augen.
Kleine Schweißperlen standen auf seiner Stirn.
Sein Atmen klang schwer.
Seine Atemzüge wirkten mühsam, verlangsamt.
Es schien seine Anzugjacke zu sein, die am Fußende des Bettes lag.
Tim trug ein helles Hemd. Der Ärmel war aufgeschnitten.
In seinem linkem Handrücken steckte eine Kanüle, verbunden mit einem dünnen Schlauch, der in
einem Infusionsbeutel steckte, der einfach auf der Wolldecke über Tims Beinen lag.
Auch das weiße Shirt unter Tims Hemd war aufgeschnitten worden, die linke Seite seines
Oberkörpers notdürftig verbunden mit einer Kompresse und Pflasterstreifen.
Einige Blutflecke waren auf dem weißen Verbandstoff zu erkennen, die von innen durchgesickert
waren. Es schien sich eine üble Wunde darunter zu befinden.
Blutflecke waren auch auf der linken Seite seines Hemdes, seines Shirts zu erkennen.
„Tim?“
Malgorzatta beugte sich leicht über ihn.
Er reagierte nicht.
„Tim?“ meinte sie etwas lauter, berührte ihn leicht am Oberarm.
Er reagierte noch immer nicht.
Malgorzatta versuchte zu entziffern, was auf der Karte stand, die von Tims Oberkörper gerutscht
war.
Tim war in die Kategorie „Grün“ eingeteilt, was „leicht verletzt“ bedeutete.
Malgorzatta gefiel das nicht so richtig, aber die nächste Kategorie war „Rot = schwer verletzt“, aber
das schien zum Glück so gar nicht auf ihn zuzutreffen.
Oben rechts öffnete sich eine Tür.
Ein Arzt, gefolgt von einer Krankenschwester, kam in den Flur.
Der Doktor wirkte schwer im Stress.
Er eilte von einem Bett, von einer Liege zur Nächsten, warf jeweils einen kurzen Blick auf den
Patienten und gab der Schwester Anweisungen. Sie notierte sie auf einem Klemmbrett.
Als er bei Tim ankam grüßte er sie nur knapp bevor er einen prüfenden Blick auf Tim warf.
Mit einer raschen Bewegung zog er sein linkes Augenlid hoch und guckte schnell hin.
Dann schlug er das Hemd beiseite und warf einen raschen Blick auf den provisorischen Verband.
„Sind Sie eine Angehörige?“ erkundigte er sich mit einem schnellen Blick zu ihr.
„Eine Bekannte.“ schwächte Malgorzatta ehrlich ab.
Der Doktor nickte.
„Wäre schön, wenn Sie ein Auge auf ihn haben könnten!“ meinte er dabei.
„Er ist zwar bei den leichter Verletzten eingestuft, aber wie Sie sehen … „ er machte eine
raumgreifende Handbewegung „ … haben wir alle Hände voll zu tun! Es wird noch eine ganze
Weile dauern bis er an der Reihe ist!“
„Natürlich.“ gab Malgorzatta zurück.
Von oben rechts kam ein Pfleger, löste die Feststellbremse der ersten Liege auf der rechten Seite
und schob sie in die Richtung, aus der er gekommen war.
„Dürfen Sie mir sagen, was er hat?“
Der Arzt sah fragend zu der Krankenschwester.
Die sah auf ihre Liste.
„Ehm … Glasschnittwunde Thorax mit Verdacht auf Beteiligung innerer Organe!“
„Danke!“
„Gut. Wir müssen wieder `rein!“
Der Doktor und die Schwester eilten wieder zurück.
Malgorzatta sah erneut zu Tim.
Sie langte nach seinem Arm, legte ihre Fingerspitzen an sein Handgelenk. Das Klopfen, das sie dort
spürte, war sehr schnell, kam ihr nicht ganz so kräftig vor. Seine Haut war kühl.
Aus dem Augenwinkel sah sie den Nagel in der Wand.
Er war rostig, etwas schief. Sie rüttelte probeweise daran. Er schien fest.
Sie nahm den Infusionsbeutel von der Decke und hängte ihn an den Nagel, drehte das Rädchen, das
die Tropfgeschwindigkeit regelte, zurück. Zufrieden beobachtete sie, wie die Tropfen regelmäßig in
die kleine Plastikampulle fielen.
Mittlerweile war es kurz vor halb vier.
Wieder kam ein Pfleger und holte das nächste Bett, diesmal von der linken Seite. Fünf Minuten
später kam ein anderer und holte das Nächste von rechts.
Dann geschah sehr lange gar nichts.
Die Blutflecken auf Tims Verbandstoff wurden größer. Nicht schnell, aber beständig.
Malgorzatta ließ sich vorsichtig auf die Matratze sinken.
Sie musste an G denken.
Genoss das warme Gefühl in ihrer Herzgegend als sie sich daran erinnerte, wie er sie Gibbs
gegenüber verteidigt hatte.
Hatte er wirklich geglaubt, sie könnte ihn verlassen?
War sie wirklich nicht aufmerksam genug gewesen, so dass er auf so einen Gedanken kommen
konnte?
Fast schämte sie sich dafür! Zu gerne hätte sie G angerufen.
Doch als sie ihr Mobiltelefon herausnahm und auf das Display sah, erkannte sie, dass es hier kein
Netz gab.
Zudem befürchtete sie, ihn zu stören.
Tim stöhnte leise.
Er wandte den Kopf.
Malgorzatta sah seine Augenlider flattern. Rasch stand sie auf und beugte sich über ihn, legte ihre
Hand an seinen Arm.
„Tim?“
Er stöhnte leise.
„Tim?“
Er wandte den Kopf weiter und sah sie an. Blinzelte.
Sein Blick rutschte immer wieder von ihrem Gesicht.
Ganz offensichtlich hatte er Schwierigkeiten, sie zu fixieren.
„Malin … was … was tust … Du hier?“
Malgorzatta streichelte mit der Hand leicht über Tims Schulter.
Sie spürte, dass er zitterte.
„G und ich sind für die Aussage vor dem Ausschuss hier.“ meinte sie halblaut, sanft zu ihm.
„Hast Du Schmerzen?“
„Verzeihung Ma´m!“
Eine Krankenschwester trat an das Bett, mit einem Blutdruckmessgerät in der Hand.
„Ich möchte eben seinen Blutdruck kontrollieren.“
„Natürlich.“
Malgorzatta machte ihr sofort Platz.
Sie beobachtete, wie die Krankenschwester Tims linken Ärmel hochkrempelte und die Manschette
des Blutdruckmessgerätes um seinen Arm legte.
Der Blick von Tims Augen war verstört.
Malgorzatta streichelte sanft über seine Hand.
„Alles gut! Alles in Ordnung!“ versicherte sie ihm beruhigend.
Die Krankenschwester pumpte die Manschette auf, sah auf die Scala während sie die
Abhörmembran des Stethoskops auf Tims Ellenbeuge hielt. Wiederholte es.
Ihr Gesicht nahm einen besorgten Ausdruck an.
„Hm.“
Sie zog das Stethoskop aus ihren Ohren.
Dann sah sie sie an.
„Sein Blutdruck sinkt ab! Ich sorg` dafür, dass er zum Röntgen kommt!“
„Danke.“
Malgorzatta nickte ihr zu.
„Wie ist sein Wert?“
„Fünfundneunzig zu Vierzig!“
Malgorzatta nickte erneut.
„Danke.“
„Ich werde dafür sorgen, dass er gleich abgeholt wird!“
Die Schwester schloss das Rädchen am Infusionsschlauch und nahm den Beutel von der Wand,
legte ihn auf die Decke. Dann wandte sich ab, machte noch einen kleinen Schlenker zu einer Liege
auf der anderen Seite und ging dann davon.
Malgorzatta sah zu Tim.
Er hatte die Augen halb geöffnet und wirkte ängstlich.
Es war um so schlimmer, wenn es einem schlecht ging, dass über einen hinweg geredet wurde.
Sacht drückte sie seine kalten Finger, beugte sich wieder etwas weiter zu ihm hinab.
„Du wirst gleich zum Röntgen abgeholt.“ meinte sie halblaut, erklärend zu ihm, streichelte seine
Finger.
„Du hast bestimmt Schmerzen, oder?“
„Meine Seite … tut weh … wenn ich atme!“ gab Tim angestrengt zurück.
Seine Atemzüge klangen abgehackt.
„Was … was ist passiert, Malin?“
„Gibbs hat uns erzählt, dass es einen Bombenanschlag gegeben hat!“ erwiderte sie ihm sanft.
Aus dem Augenwinkel sah sie einen Pfleger zügig in die Richtung von Tims Bett kommen.
„Wir bringen ihn jetzt in die Röntgenabteilung!“ meinte er über das Kopfende des Bettes hinweg,
während er seinen Fuß schon fast an der Feststellbremse des Bettes hatte, sie löste und das Bett aus
der Reihe zog.
„Bis später!“ meinte Malgorzatta rasch zu Tim und streichelte noch rasch über seine Hand.
„Jacke!“ hörte sie Tim keuchen.
Rasch machte sie die wenigen Schritte dem Bett hinterher.
„Bitte? Tim?“
„Nimm … meine Jacke! Meine Sachen!“ keuchte Tim.
„Aufpassen!“
„Ja, natürlich!“
Malgorzatta riss rasch seine Jacke vom Fußende und presste sie für einen Moment fest an sich
während der Pfleger das Bett um die Ecke, aus ihrem Blickfeld zog.
Tims Jacke war schwer.
Als sie sie über ihren Arm legte spürte sie die Umrisse seiner Brieftasche darin. Zudem schien sich
seine Waffe in einer Taschen zu befinden.
Tims Geruch hin noch an dem Stoff.
Malgorzatta langte nach ihrem Mobiltelefon.
Sie hatte noch immer kein Netz hier.
Resigniert setzte sie sich auf die Fensterbank.

Erinnerte sich daran zurück, wie sie mit Efremil nach Los Angeles gekommen war:

G war nicht mal im Land gewesen.


Malgorzatta wusste, dass er seit drei Tagen fort war. Er hatte ihr nicht verraten, wo er hin musste.
Als sie mit Efremil den LAX durchquerte, hätte sie am Liebsten geheult.
Natürlich hatte sie nicht erwartet, dass G dort war, selbst wenn er im Land gewesen wäre.
Aber die Erinnerung an die vielen Male, bei denen er sie hier abgeholt hatte, schmerzten sie.
Sie konnte ihre neue Heimat nicht genießen, und auch nicht den kleinen Empfang, den die
Angestellten der Botschaft für sie vorbereitet hatten.
Sie konnte das Gefühl nicht genießen, nun endlich in derselben Stadt wie G zu sein, wenn er nicht
hier war!
Es war nach dem Abendessen als die SMS kam.
Sie bestand nur aus drei Worten und hatte keine Absenderangabe:
`Bin zu Hause` las sie.
Sofort ließ sie alles liegen und stehen. Nahm ihre Handtasche und flunkerte Efremil eine Ausrede
vor, dass eine Freundin soeben akut erkrankt sei und ins Krankenhaus gekommen war, wohin sie
jetzt fahren wolle.
Efremil interessierte das nicht.
Er besprach mit dem Sicherheitschef die Aufrüstung der Überwachungsanlage der Botschaft. Er
winkte sie mit einem beiläufigen Nicken fort.
Malgorzatta fuhr ohne schlechtes Gewissen zum Cunoles Boulevard.
Es war das erste Mal, dass sie diesen Weg alleine fuhr. Es dauerte etwas länger und sie musste sich
richtig auf den Weg konzentrieren, auch weil sie so aufgeregt war, G wiederzusehen.
In der Seitenstraße fand sie einen Parkplatz.
Sie blieb im Auto sitzen und nahm ihr Handy heraus, bestätigte Gs Nummer.
Er meldete sich nach dem vierten Klingeln.
Im ersten Moment erkannte sie seine Stimme kaum.
Er klang heiser und verschlafen.
„G, ich bin im Espina Drive. Wenn es Dir recht ist, komme ich hoch zu Dir?“
Ihr Herz klopfte bis zum Hals. Ihr Mund war plötzlich trocken. Ihre Hände eiskalt.
Es war eine neue Situation.
Vielleicht würde sie jetzt zur Gewohnheit werden.
Es schien mit einem Mal so einfach zu sein, G zu sehen.
Doch war es ihm auch Recht?
G räusperte sich.
„Mali, Du bist da, wirklich?“
Er klang überrascht, ja. Aber nicht erfreut!
„Ja, G. Es … ist ungünstig, oder? Ich störe?“
„Nein, bitte komm her!“ meinte G sofort.
Malgorzatta fiel ein Stein vom Herzen.
„Ja, bis gleich.“
Sie fühlte sich töricht.
Glaubte sie wirklich, G hätte immer Zeit für sie, nur weil sie jetzt in der Nähe wohnte? Er hatte
auch noch ein eigenes Leben!
Sie nahm ihre Handtasche, stieg aus dem Wagen und aktivierte die Zentralverriegelung. Rasch ging
sie um den Obst- und Gemüseladen herum zu der Metalltreppe, eilte sie hinauf.
Sie spürte, wie ihr vor Aufregung fast die Luft wegblieb.
Als sie noch zwei Stufen vor sich hatte wurde oben die Tür geöffnet. G erschien im Türrahmen.
Er trug Jeans und ein graues T-Shirt.
Auf seiner linken Schläfe klebte ein schmaler Pflasterstreifen, der Wundränder zur besseren
Heilung zusammen hielt. Seine linke Gesichtshälfte war übersaet von kleinen Schrammen und
Kratzern. Gs linkes Augenlid war ein bisschen geschwollen und blau unterlaufen.
Malgorzatta verspürte sofort Entsetzen.
Sofort war jegliche Wiedersehensfreude wie weggeblasen.
„G … „
Sie hastete die restlichen Stufen hoch.
Selbst Gs kleines Begrüßungslächeln beruhigte sie nicht.
Es war ehrlich, doch es war unendlich müde und erschöpft!“
„Mali … komm `rein!“
G zog sie am Arm in die Wohnung.
Malgorzatta beobachtete, dass er sich nach allen Seiten umsah bevor er die Tür schloss.
Er sah sie an.
Das Lächeln auf seinem Gesicht wurde deutlicher.
„Mali … bist Du endlich hier.“
Er zog sie in seine Arme und drückte sie an sich, suchte mit den Lippen die ihren.
Malgorzatta schlang beide Arme um ihn, schmiegte sich an ihn. Sie erwiderte seinen Kuss. Jedoch
nur kurz.
Rasch legte sie ihre Hand an seine Wange und sah ihn an.
Seine Haut war kühl.
Ganz eben konnte sie das Beben seines Körpers spüren.
Seine Augen waren gerötet.
„G, was ist passiert?“
G senkte den Kopf. Schüttelte ihn leicht bevor er sie wieder ansah.
„Nichts. Mir geht es gut.“
Malgorzatta sah ihn an.
Sie musste sich zurück nehmen. Atmete tief aus. Für einen Moment musste sie wegsehen.
Dann räusperte sie sich, um ihre Stimme sanft halten zu können.
„G! Was ist passiert?“
„Warte … ich möchte eben … „
G ließ sie los.
Er ging zur Couch, schlüpfte unter die Wolldecke, die aufgeschlagen da lag, und zog sie über seinen
Oberkörper hinauf.
Malgorzatta krauste irritiert die Stirn.
Es war überhaupt das erste Mal, dass die Wohnung bewohnt aussah.
Gs Tasche auf einem Stuhl. Seine Jacke über der Lehne. Eine benutzte Tasse auf dem Tisch im
Wohnzimmer, eines der Sofakissen zerdrückt unter seinem Kopf...
Kapitel 4
... Rasch stellte sie ihre Handtasche auf dem Esstisch ab, eilte zur Couch und setzte sich auf den
Rand.
G hatte seinen linken Unterarm über seine Augen gelegt.
Malgorzatta streichelte über seine Schulter.
„G. Was ist los? Bitte!“
„Ich war … außer Landes … „
G nahm seinen Arm vom Gesicht und sah sie an.
Er war ein bisschen blass. Sie sah kleine Schweißperlen auf seiner Stirn.
Behutsam streichelte sie über seine Wange.
„War eine Sache … war ein Navy-Kommander drin verwickelt und in der Straße … ist `ne
Autobombe hochgegangen. Konnte mich nicht mehr schnell genug wegducken! Ein Arzt im Camp
hat schon draufgeguckt! Ist nicht so schlimm!“
Malgorzatta gab sich Mühe, ihre Ohren auf Durchzug zu halten.
Sie wollte dem, was er sagte, erst gar keine Gelegenheit geben, sich fest zu setzen, sich in ihre
Gedanken einzuklinken, so dass sie immer darum kreisten.
„Was hast Du?“ fragte sie ihn sanft, aber bestimmt, streichelte mit der Hand weiter zärtlich über
seine kühle Wange.
An ihrer rechten Hand, die leicht auf seiner Brust lag, spürte sie seinen Herzschlag.
„Schwindelig und Kopfschmerzen.“ gab G zurück.
Für Malgorzatta klang es ehrlich.
„Der Arzt sagt, in ein paar Tagen kann ich wieder richtig hören! Komm her, bitte!“
Er streckte seinen Arm zu ihr aus und zog sie sacht zu sich.
Malgorzatta ließ es geschehen.
Sie legte beide Arme an seinen Oberkörper, lehnte den Kopf an seine Schulter.
So eben spürte sie seine Lippen an ihren Haaren, seinen Arm an ihren Schultern.
„Schön, dass Du da bist, Mali! Hat alles gut geklappt für euch? Hattet ihr einen guten Flug?“ fragte
G sanft.
Malgorzatta musste für einen Moment schlucken.
„Ich hab` geheult als wir in der Botschaft waren!“ gestand sie ihm dann.
„Ich dachte, jetzt bin ich endlich hier und dann bist Du nicht da! Und das Schlimmste war mit
Efremil am Flughafen, wo Du mich so oft abgeholt hast, da jetzt mit meinem Ehemann her zu
laufen!“
Sie rappelte sich ein wenig hoch, sah ihn an.
Dann beugte sie sich zu ihm vor und berührte mit den Lippen sanft die seinen.
„Ich liebe Dich, G! Ich bin froh, dass ich bei Dir bin, jetzt!“
Gs Lächeln war klein.
Doch sein Gesicht hatte wieder ein bisschen Farbe bekommen.
Er hob seine Hand und streichelte sacht über ihre Wange.
Seine Finger zitterten ein bisschen.
„Meinst Du … Du kannst ein bisschen hier bleiben?“
Malgorzatta sah ihn an.
Die Wunde an seiner Stirn war vielleicht zwei Zentimeter lang und nicht besonders tief.
Sie streichelte mit dem Zeigefinger leicht über seine Augenbraue, seinen Wangenknochen, sein
Kinn.
„Natürlich. Du bist verletzt!“
Sie beugte sich wieder zu ihm hinab, küsste ihn noch mal sanft. Dabei spürte sie Gs Rechte an ihren
Nacken rutschen.
„Kann ich etwas für Dich tun, G?“
Sie sah ihn an.
Ein kleines Lächeln huschte über Gs Gesicht. Es belebte auch den müden Blick seiner blauen
Augen etwas.
Vorsichtig setzte er sich etwas auf, gegen die Lehne, gegen das Sofakissen.
Er legte seine Hand sacht auf ihre, die sie sanft über seine Brust streicheln ließ.
„Es ist schön, dass Du da bist, Mali! Dass Du jetzt wirklich hier bist!“
Malgorzatta schenkte ihm ein Lächeln.
Sie versuchte, sich noch immer zu konzentrieren. Sich nicht anmerken zu lassen, wie durcheinander
sie seine Verletzung brachte, weil sie jetzt stark sein musste für sie beide.
„Ja, G. Ich bin auch sehr froh darüber. Wann bist Du wiedergekommen? Wenn ich das wissen darf!“
G zog sie sanft zu sich.
Es war schön, wie er beide Arme um sie legte, es tat gut. Sie fühlte sich geborgen, sicher, beschützt.
Sie hätte sonst etwas dafür gegeben wenn Ihr Zuhause jetzt hier, mit G am Cunoles Boulevard
gewesen wäre statt mit Efremil in der riesigen Botschaft.
G küsste sie sanft auf die Wange.
Malgorzatta schmiegte sich an seine breite Brust. Lehnte den Kopf an seine Schulter. Sie schloss für
einen langen Moment die Augen. Durch den dünnen grauen Stoff seines Shirts spürte sie seinen
Herzschlag an ihrer Wange.
„Wir waren in Afghanistan.“ entgegnete ihr G halblaut.
Malgorzatta nickte leicht. Zog seinen Arm näher.
„Danke G.“
Sein Vertrauen rührte sie.
„Passiert … das öfter?“
Sie reckte den Kopf ein wenig. Berührte mit den Lippen leicht seinen Bizeps.
„Es war nicht das erste Mal, dass ich dort war!“ antwortete G.
„Es kommt vor … dass ich ins Ausland muss!“
Sie wollte nicht weiter fragen, auch wenn es sie interessierte. Privat.
Weil es G betraf, den Mann, den sie liebte. Es war nichts Berufliches!
„Nicht so oft. Aber … schon.“
Er berührte mit den Lippen wieder sacht ihre Haare.
„Es ist so schön, dass Du da bist!“
Malgorzatta hob den Kopf und sah ihn an.
Gs Gesicht wirkte ein bisschen ruhiger, entspannter. Ein kleines Lächeln lag um seine Lippen.
Dennoch war der Blick seiner kleinen Augen müde und erschöpft.
Wieder einmal musste sie ihren Blicke infach über seine langen dichten Barthärchen wandern
lassen.
Sie kannte keinen anderen Mann, der unrasiert so gut aussah, selbst Sonny Crocket nicht, der diesen
Look in den 80ern etabliert hatte.
Behutsam streichelte sie mit der Hand über seine Wange während sie G einen zärtlichen Kuss auf
die Lippen drückte.
„Schlaf` ein bisschen, hm? Du siehst müde aus!“
Gs Lächeln wurde ein bisschen deutlicher. Zärtlicher.
Er zog sie wieder näher an sich.
„Ich werde nicht schlafen so lange ich es genießen kann, dass Du bei mir bist!“
Seine Lippen streichelten sanft über ihre Wange.
Malgorzatta streichelte über seinen Nacken.
„Ich dachte, Du legst Dich ins Bett und ich lege mich ein bisschen zu Dir!“
Gs Lächeln wurde überrascht. Er lehnte den Kopf an ihren, streichelte mit der Hand ihren Rücken
hinauf, bis zu ihrem Nacken.
„Ich möchte nicht aufwachen und Du bist fort, cormoara meu!“
Malgorzatta musste schlucken. Beugte sich zu ihm vor und küsste ihn.
G erwiderte ihren Kuss.
Er öffnete seine Lippen ein wenig und streichelte mit der Zungenspitze über ihre Unterlippe, tupfte
gegen ihre Zähne.
Für eine ganze Weile ließ er seine Zungenspitze der ihren ausweichen bevor er sie ihr schließlich
entgegenkommen ließ, sie sacht umspielte.
Malgorzatta seufzte leise, behaglich, bevor sie schließlich den Kopf etwas atemlos beiseite wandte.
„Ich wollte eigentlich noch da sein wenn Du aufwachst!“ flüsterte sie ihm halblaut zu.
G sah sie an.
Streichelte sanft über ihre Haare.
Er wirkte ein bisschen überrascht.
„Wirklich?“
„Ja. Ich hatte gehofft, dass ich meine erste `offizielle` Nacht hier wieder in den USA mit dem Mann
verbringen kann, den ich liebe! Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben!“
Sie konnte nicht verhindern, dass ihre Stimme ein bisschen zitterte während sie sprach.
G sah sie an.
Seine blauen Augen wanderten langsam über ihr Gesicht.
„Warum … warum, Mali, verlässt Du ihn nicht? Ich liebe Dich! Komm zu mir, bitte!“
Malgorzatta lächelte gerührt.
Sie musste sich räuspern.
„Das ist lieb von Dir, G! Wirklich … „
Sie machte eine Pause, wählte ihre Worte sorgfältig, behutsam.
„ … jetzt, wo Efremil Vendulov in den USA ist … ist mein Job wahrscheinlich sowieso bald
überflüssig. Die CIA hat ihn hier besser unter Beobachtung! Ich könnte mir vorstellen … dass ich
mich …dann scheiden lassen kann? Oder meine Ehe für ungültig erklärt werden kann? Wenn Du
mich dann noch haben möchtest?“
G lachte leise. Es klang erleichtert.
Er zog sie an sich, legte beide Arme um sie und drückte sie sekundenlang so fest an sich, dass es
richtig weh tat.
„Ich nehm` das mal als ein `Ja`?“ erkundigte sie sich atemlos.
„Hört sich wunderbar an!“ meinte G.
Malgorzatta erstaunte es ein wenig, wie belebt seine gerade noch müden Augen plötzlich waren.
War sie ihm wirklich so wichtig?
G legte beide Hände an ihren Nacken, streichelte mit den Daumen über ihre Wangen.
„Was hälst Du davon … wenn wir ein bisschen nach nebenan gehen?“
Malgorzatta wandte den Kopf während sie ihre Linke auf seine Hand legte, berührte mit den Lippen
nachdrücklich die Innenfläche seiner Finger.
Insgeheim musste sie lächeln.
„Du bist leidend.“
„Es geht mir schon viel besser seit Du bei mir bist … und Dich kümmerst!“ raunte G.
Er küsste sie zärtlich. Schob die Wolldecke bereitwillig beiseite.
Nach einem Moment des Zögerns rutschte Malgorzatta vom Rand der Couch. Sie stand auf und
beobachtete besorgt, wie G langsam von der Couch aufstand. Für einen Moment blieb er stehen.
Fuhr sich mit der Hand durch`s Gesicht. Dann suchte er ihren Blick während er nach ihrer Hand
tastete.
Malgorzatta legte rasch ihre Hand an seine Brust.
„Langsam, hm!“
„Geht schon.“ gab G zurück.
Er legte seinen Arm um ihre Schultern und zog sie sanft, langsam mit hinüber ins Schlafzimmer.
Hier war alles tadellos aufgeräumt wie sie es nur allzu gut kannte.
Das Bett gemacht, fast ohne ein Fältchen glatt gestrichen. Nichts Persönliches lag herum.
Wäre sie zu Weihnachten nicht hier gewesen und hätte den Inhalt des Kleiderschrankes gesehen,
hätte sie vermutet, dass G seine Kleidungsstücke hier gar nicht aufbewahrte.
Warme Luft strömte durch die auf Kippe stehenden Fenster herein.
Malgorzatta fühlte sich noch immer von der Wetterumstellung unterschwellig irritiert. Sie waren in
Kiew bei Kälte losgeflogen.
G ließ sich auf das Fußende des Bettes sinken und zog sie zu sich.
Malgorzatta setzte sich neben ihn. Streichelte mit der Hand über seine Brust.
„Leg` Dich hin und ruh` Dich ein bisschen aus, G!“
G beugte sich zu ihr herüber, legte seine Hand an ihre Wange und küsste sie.
„Ich habe gerade etwas völlig anderes im Kopf!“
Malgorzatta musste lächeln.
Sah ihn an. Streichelte mit dem Zeigefinger sanft über seine Wange.
„Was denn genau, G?“
G nahm ihre Hand und zog sie an seine Lippen, drückte einen Kuss auf ihren Handrücken und ließ
seine Lippen dann sanft ihren Unterarm hinaufstreichen.
„Ich verstehe, was Du meinst, G!“
Behutsam streichelte sie mit der Linken über seinen Hinterkopf.
Beugte sich etwas weiter über ihn und drückte einen Kuss in seinen Nacken.
Seine weiche Haut war stumpf, etwas schwitzig. Nur so eben schmeckte sie das Salz seines
Schweißes.
„Warte!“
G legte ihren Arm sacht auf ihrem Bein ab.
„Ich hab` noch `was für Dich!“
Malgorzatta sah ihn überrascht an.
Verfolgte ihn mit ihrem Blick wie er langsam aufstand, zum Nachttisch auf der rechten Seite des
Bettes, die Seite, auf der er immer schlief wenn sie da war, ging.
Sein Gang wirkte ein bisschen unsicher. Beunruhigend. Sie kannte so etwas nicht von ihm.
G setzte sich auf den Bettrand.
Er öffnete die Schublade des Nachttischchens und nahm etwas heraus. Etwas Kleines.
Damit kehrte er zu ihr zum Fußende zurück und setzte sich wieder neben sie.
G präsentierte ihr ein flaches schwarzes Schmuckkästchen.
„Zur Begrüßung. Weil Du jetzt bei mir bist!“ meinte er zärtlich.
Malgorzatta sah ihn überrascht an.
Sah auf das geschlossene Kästchen in Gs Hand hinab und dann ihn wieder an.
Behutsam streichelte sie über seine Hand, die das Kästchen hielt.
„Du sollst mir nicht ständig etwas schenken, G!“
Sie ließ ihre Finger an seinem Handgelenk liegen während sie ihn ansah.
Gs kleines Lächeln war liebevoll. Er machte eine kleine, ergebene Kopfbewegung.
„Du bist jetzt hier, Mali. Hier in der Stadt. Nicht mehr tausende Meilen von mir entfernt! Es ist
schön, Dich in der Nähe zu wissen, auch wenn Du nicht immer bei mir sein wirst! Aber heute, an
Deinem ersten Abend in der Stadt, bist Du bei mir, und das ist wundervoll!“
Gs Stimme war halblaut, dunkel. Zitterte ein bisschen.
„Danke, G!“
Malgorzatta schenkte ihm ein Lächeln.
Öffnete dann vorsichtig den Deckel des Kästchens.
Ein Lederband lag darin. Daran hing ein kleiner Anhänger aus zierlichen Silbermotiven, eine Kugel,
deren winziger Verschluss an der einen Seite vermuten ließ, dass man sie öffnen konnte. Eine lilane
Kugel schien sich darin zu befinden.
G stupste mit der Zeigefingerspitze ganz behutsam dagegen. Ein hauchfeiner Glöckchenklang
ertönte.
Malgorzatta sah G verwundert an.
"Das ist ein Engelsrufer." meinte er sanft, halblaut zu ihr.
"Mit dem Klang des Glöckchens rufst Du Deinen Schutzengel an Deine Seite. So besagt es
zumindest eine spanische Legende. Ich werde, leider, nicht immer bei Dir sein können um auf Dich
aufzupassen!"
Malgorzatta atmete tief ein.
„Oh G … die ist wunderschön!“
Sie berührte sacht den kleinen Anhänger.
Wieder erklang der sachte Glöckchenton.
Sie konnte erkennen, dass Gs Hand, die noch immer das Kästchen hielt, leicht zitterte.
Behutsam nahm sie das Band heraus.
Es war kurz.
„Tust Du sie mir bitte um, G?“
Sie hielt sie ihm entgegen.
G stellte das Kästchen beiseite. Nahm ihr das Schmuckstück aus der Hand.
Malgorzatta wandte ihm ihren Hals zu.
Wartete.
Wandte sich G wieder irritiert zu als nichts geschah.
Er hielt die Kette in den Händen und hatte offensichtlich Schwierigkeiten mit dem feinen
Verschluss.
Malgorzatta konnte erkennen, dass er angestrengt blinzelte.
„Tut mir leid, Mali … ich kann`s nicht erkennen! Ich seh`s nicht!“
Malgorzatta ließ sofort behutsam ihre Hand über seine rutschen. Besorgt.
„Du hast ganz schön was abbekommen, hm, G? Ich mach` schon, streng` Deine Augen nicht so an
sonst werden Deine Kopfschmerzen schlimmer! Gib` mir!“
„Tut mir leid!“ meinte G während er ihr die Kette überließ. Er klang zerknirscht.
Sie hatte es bisher noch nicht oft erlebt, dass er eine Schwäche zugab.
„Ist ja nicht schlimm! Kannst Du ja nichts zu!“ erwiderte sie ihm sanft.
Tatsächlich hatte sie selbst auch etwas Schwierigkeiten, den feinen Verschluss zu schließen.
Rasch stand sie auf, machte die wenigen Schritte zum Spiegel an der Kleiderschranktür und warf
einen prüfenden Blick hinein.
Die Kette lag kurz um ihren Hals.
Sie liebte sie schon jetzt. Das, wofür sie stand.
„Danke, G!“
Rasch kehrte sie zum Bett zurück, umarmte ihn.
„Aber bitte gewöhn` Dir das nicht an!“
G lachte leise.
Streichelte über ihren Arm.
Malgorzatta beugte sich ein wenig weiter hinter ihn und berührte mit den Lippen erneut behutsam
seinen Nacken, streichelte leicht über seine warme weiche Haut.
G seufzte leise.
Er hielt ganz still. Sie konnte spüren, dass es ihm gefiel, dass er es genoss, was sie tat. Wie seine
Schultern ein wenig nach unten sanken als er sich zu entspannen schien.
Also streifte sie sich die Schuhe von den Füßen und rutschte auf das Bett, hinter ihn, legte beide
Hände an seine Schultern und begann, sie sacht zu massieren.
Durch den Stoff seines Shirts konnte sie spüren, wie verspannt er war.
Behutsam schob sie ihren Kopf neben seinen, streichelte für einen langen Moment mit ihrer Wange
gegen seine bevor sie mit den Lippen zu seinem Ohr rutschte, ihre Zungenspitze an seinem
Ohrläppchen spielen ließ.
G stöhnte leise, behaglich...
Kapitel 5
... Er legte den Kopf etwas schief, zur Seite, langte nach hinten, streichelte über ihr Bein.
„Angenehm für Dich, G?“ flüsterte sie ihm zu.
„Hmmm.“ raunte G und legte seinen Kopf noch etwas zur Seite.
Malgorzatta küsste seinen Nacken.
Ließ ihre Hände dann langsam seinen Rücken hinabrutschen bis zum Saum seines Shirts, umfasste
ihn.
Wartete.
G zeigte keine Anzeichen, dass ihm mißfiel, was sie vorhatte, was sie tat.
Also streifte sie den Stoff langsam über seinen Oberkörper hinauf, achtete dabei darauf, dass ihre
Finger über seine Haut streichelten.
Während sie es vorsichtig über Gs Kopf streifte lehnte sie sich gegen ihn, schob den Stoff weiter
über seine Arme.
Sie ließ das Shirt auf das Bett fallen.
Schloss beide Arme um Gs Oberkörper während sie ihren Kopf wieder neben seinen schob.
Behutsam ließ sie ihre Hand über seine Brust streicheln.
Selbst jetzt, während G ganz still dasaß, spürte sie die verhaltene Kraft seiner breiten Schultern. Sie
liebte es, seinen Bizeps zu spüren, und konnte es nicht lassen, ihre Oberarme gegen seine zu
drücken.
Sie spürte den weichen Widerstand dieser großen Muskeln unter seiner Haut.
„Du fühlst Dich wunderbar an, cormoara meu!“ flüsterte G. Er streichelte mit der Hand über ihren
Arm.
„Leg` Dich hin, dann mache ich noch ein bisschen weiter!“ meinte sie leise zu ihm, an seinem Ohr.
G wandte den Kopf und sah sie an.
Er lehnte sich etwas zurück, damit ihm das besser gelang, und zog sie dabei am Arm noch näher zu
sich.
Sein Gesichtsausdruck war ein bisschen entspannter.
Malgorzatta beugte sich über ihn und küsste ihn.
Ließ ihre Hand dabei sacht seinen Oberkörper hinabstreicheln.
G zog sie nach hinten, auf die Matratze, während er ihren Kuss erwiderte.
Seine Hände streiften langsam ihre Jacke von ihren Schultern.
Malgorzatta zog ihre Arme aus den Ärmeln und ließ ihre Rechte wieder sanft über Gs Oberkörper
streicheln, langsam um seinen Bauchnabel kreisen, und dann weiter zum Bund seiner Jeans.
Sie ertastete den Ledergürtel. Über das Metall der eckigen Gürtelschnalle.
Langsam zog sie das Lederband zurück, hakte den Dorn aus und öffnete den Gürtel ganz. Weiter
tastete sie nach dem Metallknopf seiner Jeans.
Es gelang ihr nur etwas umständlich, mit einer Hand den Knopf durch die verstärkte Öffnung zu
schieben.
Für den Reißverschluss musste sie ihre andere Hand zur Hilfe nehmen.
Dabei spürte sie Gs Hand über ihre Schulter streicheln.
Sie musste ein bisschen lachen als sie Gs Finger unter den breiten Träger rutschen spürte. Als er ihn
beiseite strich und sie Gs Augen kurz zu ihrer Schulter dort wandern sah.
Und dann erst recht als er sich etwas aufrichtete, den Stoff ihres Tops etwas von ihrer Brust lupfte
und einen Blick darunter warf.
„G … „
Äußerst amüsiert ließ sie ihre Hände über seine Brust rutschen während sie ihn verwundert ansah.
Sie kannte ihn nicht so offensiv-forsch auf diesem Gebiet.
„Ich war nur neugierig.“ gab G zurück, legte seine Linke an ihre Wange und küsste sie.
Malgorzatta kam es fast wie eine kleine Entschuldigung vor.
„Du hast doch immer … diese schönen Sachen an!“
Malgorzatta legte ihre Rechte auf seine.
„Tut mir leid für Dich, G! Heute bekommst Du nur die Efremil-Ausgabe! Ich habe heute nicht mit
Dir gerechnet und als Deine SMS kam, bin ich gleich los!“
G lachte leise. Es klang irgendwie geschmeichelt.
„Du machst einen Unterschied zwischen uns?“
Malgorzatta sah ihn beinahe erstaunt an.
„Natürlich. Ich liebe Dich doch … „
Sie sah Gs Gesicht sehr ernst werden.
Fast als hätte sie ihn damit überrascht, als hätte er es nie zuvor von ihr gehört.
Verwundert sah sie ihn an.
Die kleinen Kratzer auf seiner linken Gesichtshälfte schmerzten sie selbst schon beim Hinsehen.
Die Wunde an seiner Stirn war schön verkrustet und würde wahrscheinlich ohne eine Narbe
abheilen.
Malgorzatta hoffte, dass ihm sein Auge nicht weh tat, dass er keine Kopfschmerzen hatte.
„Ich liebe es, wenn Du das sagst, Mali! Ich kann das gar nicht genug hören!“
Malgorzatta lächelte.
Streichelte über seine Hand.
„Demnächst wirst Du es wahrscheinlich so oft zu hören bekommen, dass es Dir bald über ist! Ich
wohne jetzt hier!“
G lächelte zärtlich.
Er zog ihre Hand an seine Lippen und drückte einen liebevollen Kuss in die Handinnenfläche.
„Ich glaube nicht, dass mir das jemals zu viel wird! Bitte, sag`s noch `mal, ja?"
Malgorzatta lächelte. Suchte seinen Blick.
Streichelte mit den Fingerspitzen langsam, sanft über seine Lippen während sie ihm zuflüsterte:
"Ich liebe Dich, G! Ich liebe Dich unglaublich! Ich habe zuvor noch nie jemanden getroffen, der mir
so wichtig ist!"
Gs Lächeln wurde sehr klein. Sein Gesichtsausdruck war zugetan, warm, wohlwollend, der Blick
seiner blauen Augen zärtlich. Sie spürte mehr als dass sie es ihm ansah, dass er es richtiggehend
genoss während sie es aussprach.
"G ... ich würde es lieben, heute Abend mit Dir zu schlafen! Aber ... ich möchte Dich nicht drängen!
Es geht Dir nicht gut. Ich weiß nicht ... "
G küsste sie.
Seine Hand streichelte unendlich sacht ihre Wange hinab, über ihren Hals.
"Mach` Dir keine Sorgen, cormoara meu!"
Er küsste sie erneut.
"Ich schaff` das schon!"
Malgorzatta schenkte ihm ein Lächeln.
Streichelte seine Wange.
"Siehst Du, das meine ich, G! Du musste es nicht `schaffen`! Das ist kein Zwang! Ich möchte nur
wissen ... "
Behutsam, langsam ließ sie ihre Hand seinen Oberkörper hinabstreicheln, über seine Seite, seine
Leiste, schob ihre Finger nur so eben unter den breiten Gummibund seiner Shorts.
" ... ob es Dir angenehm wäre, wenn ich mich heute Abend etwas um Dich kümmere oder ob es Dir
schlecht geht und Du Deine Ruhe haben möchtest!"
G schloss die Augen ein wenig.
Er genoss ihre Worte genau so wie ihre Bemühung als sie ihre Fingerspitzen sanft unter den Bund
weiterstreicheln ließ, über seine weiche Haut dort, über die feinen kurzen Härchen.
Er seufzte leicht. Behaglich.
Seine Atemzüge wurden schwerer. Tiefer.
Schließlich öffnete er die Augen und sah sie an. Sein Blick war leicht verhangen.
G räusperte sich.
Dennoch klang seine Stimme belegt als er sprach.
"Es geht mir nicht schlecht wenn Du bei mir bist, Mali! Es gibt nichts Schöneres für mich! Dass Du
Deinen ersten Abend hier im Land mit mir verbringst, das habe ich mir nur zu wünschen gewagt!"
"Du brauchst mir hier nicht den Helden zu spielen, G Callen, das bist Du jeden Tag!" gab sie ihm
zärtlich zurück.
Sie genoss es wie sich G - während sie sprach - langsam nach hinten auf die Matratze zurücksinken
ließ um ihrer Hand mehr Raum zu geben.
Insgeheim musste sie lächeln.
Freute sich darüber, dass G es ihr gestattete. Sonnte sich ein wenig in seinem Vertrauen.
Er seufzte wohlig als sie ihre Hand jetzt weit unter den hellblauen Stoff schob. Schloss die Augen.
Gs Haut war ganz weich, an seinem Körper, ja selbst in seinem Gesicht, ganz feinporig.
Bestimmt gab es da gute Gene in seiner Familie!
Ganz unwillkürlich kam Malgorzatta in den Sinn, dass seine Mutter bestimmt sehr hübsch gewesen
war.
Ob sie ihm auch diese strahlend blaue Augen vererbt hatte?
Es geschah nicht oft, dass G ihr so völlig die Kontrolle überließ.
Ob es ihm wirklich so schlecht ging?
Sie betrachtete ihn prüfend, liebevoll, während sie ihre Fingerkuppen weiter sanft über seine Haut
streicheln ließ.
G wirkte entspannt. Erschöpft zwar, doch ruhig, und offenbar konnte er die Situation genießen. Er
schien abschalten zu können. Das war ihr wichtig. Er hatte Schlimmes durchgemacht!
Seine Brust hob und senkte sich regelmäßig.
G hatte die Augen noch geschlossen. Sein Kopf war auf der dicken Matratze leicht zur rechten Seite
gesunken.
Seine langen braunen Wimpern zitterten ein wenig.
Seine Lippen waren leicht geöffnet und sie konnte seine weißen Zähne so eben zwischen ihnen
schimmern sehen.
Das schmale Pflaster an seiner Stirn hob sich weiß gegen seine leicht gebräunte Haut ab.
Sein Daumen und sein Zeigefinger der rechten Hand hielten locker eine kleine Falte der Bettdecke
fest. So ganz entspannt war er offenbar doch nicht!
Malgorzatta beugte sich leicht über ihn.
Berührte mit den Lippen nachdrücklich die seinen.
"Ich liebe Dich!" flüsterte sie.
G hielt die Augen geschlossen.
Doch es war unheimlich schön zu sehen, wie seine Lippen sich zu einem leisen geschmeichelten
Lächeln verzogen. Beinahe wurde es ein kleines Grinsen.
Für einen langen Moment schien er ihre Worte in sich nachklingen zu lassen.
Dann legte er ganz unvermittelt beide Arme um sie und zog sie noch näher zu sich während er die
Augen öffnete, sie ansah.
Sein Lächeln stand auch in seinen Augen.
Malgorzatta spürte seine Hand sanft über ihre Wange streicheln.
"Ich liebe Dich auch, Mali!"

Tim kam nicht wieder.


Es wurden noch einige Betten mit Patienten abgeholt.
Ab und zu ging eine Schwester herum und sah nach den Patienten hier.
Sie war es auch, die schließlich zu ihr kam und ihr mitteilte: „Mister McGee ist operiert worden und
befindet sich jetzt in einem Zimmer im dritten Stock, Ma`m! Er hat alles gut überstanden! Wenn Sie
hoch gehen möchten wird man Ihnen dort weiterhelfen! Die Fahrstühle sind vorne rechts hinter der
Anmeldung!“
„Danke schön!“ gab Malgorzatta rasch zurück.
Mittlerweile war es 21.10 Uhr.
Sie hatte Kopfschmerzen, vom unbequemen Sitzen auf dem Fußboden. Ihr war kalt. Sie war müde.
Und sie machte sich mittlerweile ziemliche Sorgen um G.
Die Station im dritten Stock war komfortabel.
Hier war es ruhig.
Keine Spur mehr von der Hektik in der völlig überfüllten Notaufnahme, gedämpfte indirekte
Beleuchtung und heimelige Braun- und Beigetöne, Schwestern, die nicht gestresst aussahen und
auch nicht mit angespannten Gesichtern hin und her laufen mussten.
Malgorzatta ging zu dem Tresen in der Mitte des Stationsflures, gegenüber den Fahrstühlen, und
erkundigte sich nach Timothy McGee.
„Zimmer Fünf.“ meinte die Schwester mit einer kleinen Kopfbewegung nach links.
„Er ist noch sediert, wir haben ihn gerade erst aus dem Aufwachraum übernommen! Sind Sie eine
Angehörige?“
„Eine Bekannte.“ antwortete Malgorzatta erneut.
Die Schwester nickte.
Malgorzatta schlug den Weg in die angegebene Richtung ein.
Ein Vorhang war von innen vor die Glaswand gezogen, die das Zimmer vom Flur trennte. Die Tür
stand offen.
Ein leises regelmäßiges Piepsen war von hier zu hören.
Das Bett stand an der linken Wandseite.
Das Kopfende war sehr hoch aufgestellt, so dass Tim sich fast in einer sitzenden Position befand.
Er trug eines dieser gemusterten Krankenhaushemden.
Die Bettdecke war bis über seine Brust hinauf gezogen und über dem linken Ärmel um seinen
Oberarm lag eine Blutdruckmanschette. In Tims linkem Handrücken steckte noch die Kanüle und
ein Infusionsbeutel hing über dem Bett.
Der Monitor neben dem Bett zeigte Tims Blutdruck mit Einhundertzehn zu Siebzig an, eine kleine
Verbesserung. Auch sein Puls mit achtundsechzig war beruhigend gut.
Malgorzatta entlockte dies ein kleines Lächeln.
Behutsam legte sie Tims Jacke über dem Sessel ab bevor sie leise an das Bett trat.
Tims Kopf war auf dem kleinen Kissen leicht zur rechten Seite gesunken.
Er war noch immer reichlich blass. Dunkle Schatten lagen unter seinen Augen. Doch sein Atmen
schien ein bisschen ruhiger, leichter.
Behutsam streichelte sie über seinen Arm.
Tim schlug die Augen auf.
Sein Blick irrte über ihr Gesicht.
Er stöhnte leise.
„Ich … ich habe geschlafen!“
„Ja, und dabei haben sie Dich operiert!“ meinte Malgorzatta sanft, halblaut zu ihm.
„Und wenn Du noch ein bisschen weiterschläfst, wird es Dir bald wieder besser gehen! Hast Du
Schmerzen?“
„Nein! Ich bin … unsagbar müde!“
„Dann mach` einfach Deine Augen wieder zu und schlaf` weiter!“ flüsterte sie ihm halblaut zu.
„Es ist alles in Ordnung, es ist spät und wenn Du morgen wach wirst, geht es Dir besser! Schlaf`
einfach noch ein bisschen, Tim!“
Tim gab einen unbestimmten Laut von sich.
Seine dunklen Augen klappten zu.
An seinen tiefen, regelmäßigen Atemzügen registrierte sie, dass er schnell wieder eingeschlafen
war.
Behutsam zog sie die Bettdecke noch ein wenig höher über seine Brust, warf, während sie sich
etwas abwandte, einen Blick auf die bunten Kurven auf dem Monitor neben dem Bett.
Tims Blutdruck war unverändert, sechsundsechzig sein Puls.
Die Werte waren gut.
„Mali!“
Es war Gs Stimme an der Tür.
Malgorzatta fuhr herum.
G kam eben herein. Gefolgt von Tony DiNozzo.
Tonys Blick rutschte sofort zum Bett.
Gs Blick suchte den ihren während er zu ihr kam.
„Mali! Alles in Ordnung?“
„G!“
Malgorzatta wandte sich ihm sofort zu, registrierte, wie müde und erschöpft er aussah.
Nur zu gerne schmiegte sie sich in seinen Arm, den er nach ihr ausstreckte, begrüßte Tony rasch,
mit einem kurzen Lächeln, während sie ihren Arm um Gs Seite legte.
„Wie geht es Tim?“ fragte Tony, ernst, mit einer raschen Kopfbewegung zum Bett.
Dass er von Tim mit seinem richtigen Namen sprach zeigte Malgorzatta, dass es ihm diesmal
wirklich wichtig war.
„Ich glaube, ganz gut!“
Sie spürte Gs Hand über ihren Rücken streichen während sie sprach. Dass er sie leicht an sich
drückte. Es tat ihr unendlich gut.
„Sie haben ihn operiert, ich weiß nicht genau, weswegen! Aber er war gerade schon kurz wach und
hörte sich ganz gut an!“
Sie schmiegte sich kurz an G.
Sein Hemd, seine Jacke rochen staubig.
„Wir haben ihn im Büro mit einer Glasscherbe in der Brust gefunden!“ erwiderte Tony.
Er klang schon wieder heiter.
„Er war kreideweiß, aber er lief noch herum! Hat ganz schön `was weggesteckt, der Probie!“
Er machte ein paar Schritte ins Zimmer, zum Sessel, wandte sich dann an sie.
„Fahrt ihr ins Hotel zurück! Ich bleibe hier bei ihm!“
„Das ist nett!“ fand Malgorzatta.
Die Aussicht auf Ruhe, auf ein bequemes Bett und G an ihrer Seite, in fast greifbarer Nähe, war
mehr als verführerisch.
„Ziva kommt auch gleich noch!“ meinte Tony einfach, und ließ sich lässig in den Sessel fallen.
„Okay, wir fahren dann!“ meinte G knapp zu ihm.
Malgorzatta spürte, wie er sie sacht mit Richtung der Tür zog.
„Auf Wiedersehen, Tony!“ meinte sie rasch.
„Auf Wiedersehen!“ gab DiNozzo zurück.
Malgorzatta sah zu G während sie das Zimmer verließen.
„Du siehst müde aus!“ meinte sie zu ihm während sie Richtung der Fahrstühle gingen.
Wenn sie sich gar nicht erst mit der Frage, wie es ihm ging, aufhielt, sondern ihn mit Feststellungen
konfrontierte, bekam sie meist mehr aus ihm heraus.
„Ich habe mit Gibbs und Fornell versucht, noch ein paar Beweise zu finden und zu sichern!“ gab G
zurück und unterdrückte ein Gähnen.
„Ward ihr erfolgreich?“ ...
Kapitel 6
... Sie betraten die Kabine.
G drückte den Knopf für das Erdgeschoss.
Während sie nach unten fuhren spürte Malgorzatta, wie er mit den Lippen sacht ihre Haare
berührte.
„Ist … `ne komplizierte Geschichte! Der Täter ist eigentlich schon bekannt, hat `ne Vorgeschichte.
Es geht nur noch darum, ihn zu finden! Gibbs … schafft das!“
Die Türen der Kabine öffneten sich und gaben den Weg frei in die Etage zu ebener Erde.
Trotz der späten Stunde waren hier noch viele Leute unterwegs, ein geschäftiges Kommen und
Gehen. Jeder Stuhl in dem kleinen Wartebereich vor der Notaufnahme war besetzt.
Jede der vier Krankenschwestern hinter dem Empfangstresen war beschäftigt.
„Hetty sorgt dafür, dass wir morgen Nachmittag zurückfliegen können!“ ließ G sie wissen während
er mit ihr den kleinen Flur Richtung Ausgang ging.
„Sir kümmert sich darum, dass uns Plätze in einer Militärmaschine zur Edwards Air Base reserviert
werden. Schneller geht es nicht! Mali? Was ist?“
Er blieb stehen und sah sie irritiert an.
Malgorzatta musste blinzeln.
Sein Bild verschwamm sekundenlang vor ihren Augen. Sie konnte nicht verhindern, dass ihr ganz
unvermittelt die Tränen kamen, wusste selber nicht, warum.
Sie konnte nur ahnen, dass ihr im Moment alles zu viel wurde.
Sekundenlang war ihr Hals schmerzhaft eng. Sie musste schniefen.
Sie spürte, wie G sie sehr sanft an sich zog. An sich drückte. Seine Hand legte sich warm an ihren
Nacken. Er verschränkte beide Arme in ihrem Rücken.
Augenblicklich kam sie sich sehr beschützt, getröstet vor.
„Ist es wegen … McGee?“
Sofort wurde ihr bewusst, was in G vorgehen musste
Rasch hob sie den Kopf und sah ihn an. Fest. Schluckte dabei ihre Tränen bestimmt herunter.
„Nein, G … bitte! Es ist nicht wegen Tim! Natürlich tut es mir leid, was ihm passiert ist, ja … aber
es ist ja nichts Lebensgefährliches! Es kommt nur noch dazu, zu dem, was mit Dir ist, die letzten
Wochen, was Du da durchmachst! Und … Du hast mich weggeschickt vorhin!“
Sie konnte nicht verhindern, dass ihre Stimme zitterte.
An ihrem Oberkörper spürte sie Gs tiefes Ausatmen. Nur zu genau fühlte sie, wie sehr sie ihn jetzt
damit forderte. Sofort tat es ihr leid, dass sie sich so hatte gehen lassen!
Gs Gesichtsausdruck war dennoch unendlich geduldig, zärtlich.
Das verstärkte ihr schlechtes Gewissen bloß noch.
G zog ihren Kopf etwas näher an seinen und küsste sie.
„Ich wollte Dich vom Tatort weg haben! Ich wusste nicht, ob dort vielleicht noch etwas passiert!
Tut mir leid!“
Seine Stimme war ein sanftes, halblautes Flüstern an ihrem Ohr, an ihrer Wange.
„G und was soll ich machen wenn Dir etwas passiert? Glaubst Du, ich möchte noch `mal ohne Dich
sein?“
Sie sah  ihn aufgebracht an.
Stemmte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn.
G ließ es geschehen.
Seine Hand rutschte langsam an ihre Wange.
„Es ist alles etwas viel, ich weiß! Ich hätte Dich nicht mit hineinziehen sollen!“
Er drückte sie fest an sich.
Malgorzatta schluckte und genoss es für einen langen Moment.
Dann richtete sie sich bestimmt in seiner Umarmung auf, suchte seinen Blick.
Streichelte mit der Hand langsam über seine Brust.
„Nein, G, ist schon gut! Mir tut es leid! Es ist auch alles gar nicht so schlimm! Das war nur so`n
Moment! Ich schwimme gerne in Deinem halbleeren Glas wenn ich nur bei Dir sein darf! Ich liebe
Dich!“
„Komm her!“
G zog sie wieder an sich. Drückte sie fest und wiegte sie für einen langen Augenblick sacht hin und
her.
„Laß` uns ins Hotel zurück fahren und da in Ruhe darüber reden, ja?“
Er sah sie an, streichelte mit der Hand sanft über ihre Wange.
Malgorzatta lächelte ihm zu.
„Wir fahren ins Hotel zurück und ruhen uns erst einmal aus, hm? Wir reden danach. Du musst erst
ein bisschen schlafen!“
G lächelte. Müde. Sein Lächeln wirkte umso zärtlicher dadurch.
Er zog sie wieder zu sich und küsste sie.
Malgorzatta schmiegte sich an ihn.
Momentan war es ihr egal, was andere Leute von ihnen dachten. Augenblicklich war ihr nichts
wichtiger als G. Dass ihre Beziehung weiter funktionierte. Dass zwischen ihnen alles stimmte. Da
mussten die Anwesenden einfach über ein bisschen Knutscherei in der Öffentlichkeit hinwegsehen,
wenn sie es überhaupt zur Kenntnis nahmen und es sie störte.
Behutsam legte sie ihre rechte Hand an Gs Wange, suchte seinen Blick.
„Ich liebe Dich, G!“ wiederholte sie, bewusst betont, langsam, nachdrücklich.
Ein kleines Lächeln verzog Gs müdes Gesicht. Es wirkte ehrlich.
„Es klingt gut, wenn Du das sagst!“
Er lehnte seinen Kopf leicht gegen ihren.
„Das Schönste ist, dass ich es nicht nur sage sondern auch wirklich tue!“ flüsterte sie ihm zu.
Gs Lächeln wurde noch ein bisschen deutlicher. Sein Ausatmen gegen ihre Brust war tief.
„Komm! Wir sehen zu, dass wir ein Taxe bekommen, das uns zum Hotel bringt!“ meinte er.
Seine Hände streichelten zu ihren Wangen.
Der Blick seiner blauen Augen auf ihrem Gesicht war ruhig.
„Hast Du außer im Flugzeug eigentlich schon `was gegessen, G?“
„Wir hatten vorhin ein paar Sandwiches, irgendwas!“ antwortete G.
„Und Du?“
Malgorzatta schüttelte den Kopf.
„Ich würde viel lieber etwas Warmes trinken! Einen Tee oder einen Kakao!“
„Dann sehen wir doch gleich im Hotelrestaurant nach, ob es dort noch etwas gibt!“ meinte G sanft.
Er zog sie sacht mit in Richtung des Ausganges.
Es war kalt jetzt in der Nacht draußen, Malgorzatta schauderte.
„Komm!“
G legte seinen Arm etwas fester um ihre Schultern.
Jetzt war es kein Problem mehr, ein Taxi zu bekommen.
Es brachte sie zum Hotel und als sie dort gegen 23. 30 Uhr ankamen war Malgorzatta nach der
ruhigen Fahrt nun selbst zu müde zu Essen.
Aber sie wollte wenigstens noch Duschen, nur für ein paar Minuten stellte sie sich unter das heiße
Wasser, mit ihrem Lieblingsduschgel, um wieder etwas zu entspannen und sich besser zu fühlen.
Danach kuschelte sie sich in den großen weichen Hotelbademantel.
Als sie das Bad verließ schnupperte sie irritiert. Es roch nach Kaffee.
Fast im selben Moment kam schon G zu ihr mit einem Becher in der Hand.
Durch die kleinen Löcher im Deckel stieg ihr Schoko-Duft in die Nase.
„Oh G … „
Gerührt streichelte sie über seine Brust.
„ … Du warst noch draußen?“
„Unten in der Halle ist ein Kiosk, der hatte noch auf!“ gab G sanft zurück.
„Ich hab` Dir auch noch einen Schoko-Riegel mitgebracht! Die Du so gerne magst!“
Er machte eine rasche Kopfbewegung Richtung des Nachttischchens.
Malgorzatta stellte sich auf die Zehenspitzen und drückte ihm einen Kuss auf die Lippen.
„Danke G! Das ist so lieb von Dir! Ich liebe Dich!“
G erwiderte ihren Kuss für einen langen Moment.
Streichelte ihre Wange.
„Ich würde so gerne mit Dir, heute Nacht, aber ich bin ziemlich müde!“
„Und wenn ich nicht so müde wäre würde ich es mir so gerne gefallen lassen!“ gab Malgorzatta
rasch zurück.
Gs Lachen war matt.
Er küsste sie.
„Geh` ins Bett!“ meinte er, mit einer raschen Kopfbewegung in Richtung der Schlafstätte.
„Ich geh` eben duschen, dann komme ich auch!“
„Ist gut!“
Malgorzatta sah ihm noch einen Moment nach, wie er im Badezimmer verschwand, nahm dann den
Deckel vom Becher während sie zum Bett ging.
Sie setzte sich auf die dicke Matratze. Berührte den Schoko-Riegel fast liebevoll. Trank dann einen
vorsichtigen Schluck von dem Kakao.
Er war nicht mehr ganz heiß. Schmeckte nicht überzeugend. Aber die warme Süße tat gut. Und
noch mehr Gs liebende Absicht.
Nachdem sie den halben Becher leer getrunken hatte, stellte sie ihn auf dem Nachttisch ab und
schlüpfte unter die Bettdecke.
Vom Badezimmer hörte sie das Rauschen des Wassers der Dusche. Das war ein paar Sekunden
bevor sie einschlief.

Als sie wach wurde war es halbdunkel rundherum.


Im ersten Moment wusste sie nicht, wo sie sich befand. Sekundenlang musste sie sich orientieren.
Das große Fenster auf der linken Seite war ihr fremd. Genau so wie der schmale Lichtschein unter
der Tür vorne rechts.
Dann hörte sie Gs Atemzüge links neben sich. Spürte seine Schwere auf der Matratze. Und seine
Nähe.
Er schien zu schlafen. Sie war froh darüber.
Leise wollte sie aus dem Bett rutschen. Sie wollte ins Bad.
Und sie war wach genug, um neugierig zu sein, ob sich in der Ferne wirklich hell beleuchtet das
Capitol zwischen all den Gebäuden abzeichnete.
Doch kaum hatte sie sich bewegt als sich blitzschnell ein Arm um ihre Hüften legte und G sie
rigoros zu sich zog.
„Bleib` bei mir, Mali!“
Sie musste erst sekundenlang den Ton seiner Stimme analysieren um zu begreifen, wie er es meinte.
Ob er wach war.
Oder er schlecht träumte und es ein Reflex war.
Auch das kannte sie von ihm.
Sie drehte sich zu ihm um, legte ihre Hand im Halbdunkeln an seine Wange, streichelte mit dem
Daumen sacht über seine Barthärchen.
„Hast Du gut geschlafen, G?“
„Ja, war okay.“ gab G zurück. Er schien sie nicht mal anzulügen. Seine Stimme klang etwas
erholter.
Malgorzatta reckte den Kopf und suchte seine Lippen
Sie fand sie nur etwas ungenau für einen Kuss.
Gs Hand streichelte langsam ihren Rücken hinab.
„G, ich würde gerne kurz ins Badezimmer gehen!“
„Mhmh!“ meinte G bloß und ließ seine Hand weiterstreicheln.
Malgorzatta musste lachen.
„Bitte! Ich komm` auch wieder! Du weißt, ich bin gut im Wiederkommen!“
G lachte leise.
Seine Lippen streichelten zärtlich über ihre Wange.
„Oh ja … ich weiß! Du bist großartig darin! Ich bin sehr dankbar dafür … ich bin sehr froh, dass
Du bei mir bist, Mali!“
Er ließ sie sacht los.
Malgorzatta drängte sich an ihn und küsste ihn rasch.
Dann rutschte sie von der Matratze, unter der Decke hervor, und tappte barfuß ins Bad.
Als sie zurückkam konnte sie es nicht lassen, einen kleinen Schlenker vorbei am Fenster zu
machen.
„Was machst Du?“ fragte G.
„Ich wollte `mal sehen, ob das das Capitol dort ist!“ gab Malgorzatta vom Fenster zurück.
„Sollen wir morgen `mal hin?“ fragte G.
„Ich würde … „ Malgorzatta verließ das Fenster, ging auf dem dicken flauschigen Teppich zum
Bett. Rutschte hinter G auf die Matratze und suchte im Halbdunkeln seinen Nacken, drückte einen
langen Kuss auf seine warme weiche Haut dort.
„ … lieber noch `mal ins Krankenhaus zu Tim bevor wir zurückfliegen! Wenn es geht!“
Sie ließ ihren Arm um Gs Oberkörper rutschen.
G legte seinen Arm an ihren, preßte ihn fest an seine Brust während er seine Finger zwischen die
ihren schob.
„Mhmh … nur wenn Du weitermachst!“
Malgorzatta musste lachen.
Das hatte sie nicht erwartet.
„Mache ich gerne! Ich kann auch noch viel besser!“
Sie küsste die warme weiche Haut unter seinen kurzen Haaren noch mal und noch mal,
nachdrücklich, sanft.
Dann löste sie behutsam ihren Arm von seinem, strich seinen Oberkörper hinab und mogelte sie
behutsam unter den Stoff seines Shirts.
G hielt still.
Seufzte behaglich.
„Mali … ist es Dir wichtig?“ fragte er dann ganz unvermittelt nach einer Weile.
Komischerweise wusste sie genau, was er meinte.
„Du meinst … dass wir Tim im Krankenhaus besuchen?“
„Mhmh!“ machte G noch mal, diesmal eher zustimmend.
Malgorzatta dachte nach.
Ja, es war ihr wichtig! Sie konnte wegen G zwar drauf verzichten. Aber sie wollte es nicht! Sie
wollte auch nicht, dass G wegen ihr Sachen aufgab!
„Ja. Es ist mir wichtig, dass wir Tim besuchen! Ich mag ihn sehr gerne. Aber Dich, mein Schatz …
„ sie beugte sich nach vorne, über ihn, suchte seine Lippen „ … Dich liebe ich! Wirklich!“
G erwiderte ihren Kuss.
Malgorzatta spürte seine Hand leicht über ihr Bein streichen.
G wandte den Kopf.
„Wenn es Dir wichtig ist, machen wir es! Ich bekomme noch Bescheid, wann unser Rückflug ist,
aber wenn noch Zeit ist, fahren wir zum Krankenhaus!“
„Es ist mir wichtig, dass Du mitkommst, damit Du siehst, dass da nichts ist mit Tim!“
Sie spürte G im Halbdunkeln lächeln.
Während sie ihre Zungenspitze noch an seinem Ohrläppchen spielen ließ, wandte er sich langsam
zu ihr um.
„Ich weiß, dass da nichts ist, Mali! Ich vertraue Dir!“ raunte er ihr zu.
„Ich … ich wollte Dir das auch nicht unterstellen! Ich war nur … es hat mich verwirrt, dass Du
vorhin geweint hast! Ich hab` Dich noch nie weinen sehen! Du bist immer so stark!“
Malgorzatta musste lächeln.
Sie fühlte sich ein bisschen geschmeichelt.
„Du warst bisher nie da wenn ich geweint habe!“ erwiderte sie ihm zärtlich. Behutsam versuchte
sie, ihre Hand wieder unter sein Shirt streicheln zu lassen.
G ließ es geschehen.
Legte ihre Hand sogar auf ihre und führte sie sacht, langsam über seine Haut. Sie konnte spüren,
wie er es genoss.
„Als ich aus dem Krankenhaus kam, nachdem Du angeschossen worden warst, habe ich auf dem
Weg zurück zur Botschaft Rotz und Wasser geheult!“
„Wegen mir?“ flüsterte G.
Seine Stimme klang belegt.
Malgorzatta suchte seine Lippen. Küsste ihn nachdrücklich.
„Natürlich wegen Dir! Jetzt waren wir endlich in der Botschaft in Amerika, in derselben Stadt, und
dann warst Du angeschossen und keiner konnte mir sagen, ob Du überlebst! Das war schrecklich!“
G zog sie noch etwas näher an sich. Ohne dass er etwas sagte. Malgorzatta spüren, dass ihre Worte
ihre Wirkung nicht verfehlt hatten.
„Und ich hatte geglaubt, ich hätte Dich für immer verloren!“ flüsterte er schließlich.
„Ich bin wirklich froh, dass Du bei mir bist, Mali!“
„Ich bin froh, dass ich bei Dir sein darf, G!“
Sie spürte, wie er ihre Hand langsam unter den breiten Gummibund seiner Shorts schob. Spürte das
Kitzeln der feinen Härchen dort an ihren Fingerkuppen.
„Schön, G?“
Seine Atemzüge gegen ihren Oberkörper waren tief. Langsam bewegte sie ihre Finger.
„Wundervoll.“ gab G leise zurück.
Malgorzatta streckte ihre Finger ein wenig mehr. Verlagerte ihr Gewicht etwas mehr gegen Gs
Oberkörper.
„Leg` Dich hin, Schatz, dann machen wir es ganz schön! Oder möchtest Du weiterschlafen?“
„Wie könnte ich bei so einem Angebot schlafen wollen?“
Gs Hand strich leicht über ihre Haare. Sie musste sich noch ein wenig mehr gegen ihn lehnen bis er
nachgab, sich zurück in die Kissen sinken ließ.
G Callen gab nicht gern die Kontrolle ab. Nicht einmal in so einer Situation der leidenschaftlichen
Zweisamkeit.
Eigentlich machte ihr das nichts aus.
Aber es hatte viel Geduld, Überzeugungskraft ihrerseits gebraucht, um ihn dorthin zu führen, dass
er ihre Zärtlichkeiten geschehen ließ, sie einfach genoss.
Jetzt streifte sie sacht den Stoff seines Shirts beiseite, beugte sich über ihn und berührte mit den
Lippen leicht die Gegend um sein Brustbein. Tupfte langsam mit ihrer Zunge hinterher.
Sie spürte Gs tiefes langsames Einatmen. Dass er sich noch etwas mehr entspannte, noch ein wenig
mehr zurück in die Kissen sank während seine Rechte sich in ihre kurzen Haare grub.
Langsam ließ sie ihre Lippen weiterstreicheln, zu seinem Bauchnabel hinab...
Kapitel 7
... Behutsam, kurz tupfte sie mit der Zungenspitze um die Vertiefung seines Nabels. Vorsichtig ließ
sie ihre gekrümmten Finger dabei über seine Haut streichen, ihre Fingernägel darüber kratzen.
G stöhnte leise, behaglich.
Malgorzatta ließ ihre Lippen unter seinem Bauchnabel weiterwandern. Die kurzen Härchen
kitzelten ihre Lippen. Behutsam schob sie ihre Finger unter den Gummibund seiner Shorts.
Bewegte sie sacht, während sie ihre Lippen folgen ließ, zuerst nur ganz leicht ihren warmen Atem
unter den leichten Stoff streicheln ließ.
„Das fühlt sich so gut an, Mali!“ raunte G.
Malgorzatta spürte seine Hand durch ihre Haare streichen, zu ihrem Nacken.
Sie strich den Stoff weiter zurück, schob ihre Hand langsam weiter, bis ihre Fingerkuppen an den
weichen Widerstand stießen. Behutsam schloss sie ihre Finger darum.
G stöhnte leise.
Sie mochte es zu hören, dass es ihm gefiel, was sie tat.
Umso mehr überraschte es sie, dass ihre Zärtlichkeiten nicht das gewohnte Ergebnis zeigten.
„Du bist nicht ganz bei der Sache, hm?“
Sie bemühte sich, ihre Stimme sanft, in keiner Weise vorwurfsvoll klingen zu lassen während sie
sich aufrichtete, wieder zu ihm hoch rutschte. Während sie sich wieder neben ihn sinken ließ,
streichelte sie mit der Hand zärtlich über seinen Oberkörper.
G legte seinen Arm um ihre Schultern und zog sie zu sich.
„Nein. Tut mir leid. Lässt sich schlecht verbergen!“
Malgorzatta musste lächeln.
„Ja … „
Sie suchte im Dunkeln seine Lippen, küsste ihn.
G ließ es geschehen. Erwiderte ihren Kuss.
„Tut mir leid.“ raunte er noch mal.
„Ist ja nicht schlimm!“
Sie hatte es ihm bereits einige Male versichert, wenn er von ihren intensiver werdenden
Zärtlichkeiten Abstand nahm. Immer wieder. Geduldig. Auch jetzt war sie es. Es war gewiss nicht
seine Schuld!
„War halt alles ein bisschen viel für Dich!“
„Meinst Du …“ G atmete schwer „ … ich sollte Nate … mal nach diesen blauen Pillen …“
„Nein!“ antwortete Malgorzatta sofort, bestimmt.
Sie spürte, dass es G überraschte.
Sacht rutschte sie noch etwas enger an ihn, drückte ihn fest.
„Das ist ja nur vorübergehend! Und außerdem … „
Sie suchte nach den richtigen Worten.
„ … ich will das nicht künstlich! Nichts Nachgeholfenes! Entweder es ist G oder es ist gar nichts!
Wenn Du nicht … „
Sie wollte das Wort `kannst` auf jeden Fall vermeiden!
„ … wenn Dir nicht danach ist, lassen wir es! Ich möchte nur den echten G!“
Sie hörte Gs kleines Lachen. Es klang nur unterschwellig amüsiert. Viel mehr spürte sie eine
gewisse Rührung darin.
„Das ist schön von Dir, dass Du das sagst! Aber vielleicht … ich bin schon Vierzig … „
Sie spürte Gs Hand an ihrer Wange. Seine Lippen an ihren. Seine Stimme wackelte ein bisschen.
„Ein unglaublich attraktiver Vierziger!“
Behutsam, langsam streichelte sie mit den Lippen über seine kratzige Wange, Richtung seines
Ohres.
„Ich möchte Dir etwas erzählen, G!“
Sie ließ ihre Rechte langsam über seinen Rücken streicheln während sie flüsterte.
„Als ich mit Efremil im Eingang der Botschaft stand, kam dieser Mann herein im Smoking. Er
wurde uns vorgestellt als Jason Tedrow, dem Attaché eines Botschaftsangestellten. Er hatte
wunderschöne blaue Augen. Und sein Smoking war tiefschwarz, ohne ein Stäubchen, ohne einen
Fussel, Mister Tedrow machte mich sofort neugierig. Er wirkte so viel … aufregender als mein
eigener Mann. Er war so höflich, so galant. Und schien so interessiert, viel aufmerksamer als mein
Ehemann. Und er sah beim Essen immer zu mir herüber. Das fühlte sich toll an! Ich wollte ihn
unbedingt näher kennenlernen! Nach dem Essen, als ich mir endlich `was überlegt hatte, was ich zu
ihm sagen wollte, war er plötzlich weg! Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er einfach so gegangen
war, denn der Mann aus der Botschaft war noch da. Also habe ich ihn gesucht! Er war in der Halle.
Auf der Treppe. Er kam eindeutig von oben, wo unsere Privaträume waren. Es störte ihn nicht
wirklich, dass ich das gesehen hatte. Stattdessen machte er mir einfach ein Kompliment über mein
Kleid. Er lächelte und auch wenn er nicht direkt mit mir flirtete, so habe ich doch gemerkt, dass er
mir sehr zugetan war. Ich habe gehofft, dass es echt war! Du hast wunderbar ausgesehen, G … „
Sie ließ ihre Hand über seine Schulter, an seinem Hals nach vorne streicheln, behutsam über sein
Kinn.
„ … so unrasiert und ich habe mir auf der Treppe schon gewünscht, das zu tun, was ich jetzt mit
meinem Finger mache! Ich habe gebetet, dass ich Dich wiedersehe. Dass Du mich nur etwas
interessant findest! Ich habe mit Gott noch nie um ein Date gedealt. Es war das erste Mal! Du hast
so gut gerochen! Du warst so höflich! Und dann kam Efremil …“
Sie konnte für einen Moment nicht weitersprechen als sie an den Augenblick zurück dachte. Er
hatte Trennung bedeutet.
Sekundenlang hatte es sich angefühlt, als würde ihr Herz stehenbleiben.
„Ich habe mich Hals über Kopf in Dich verliebt!“ nutzte G ihre Atempause um es ihr zuzuflüstern.
„Ich war da um … für diesen Job … und dann stehst Du da und ich wusste sofort, dass ich Dich
wiedersehen wollte … fast mehr als alles andere, was ich jemals gewollt habe!“
Seine Hand streichelte sacht über ihren Kopf.
„Sofort als Efremil auf dem Weg zu uns war habe ich überlegt, wie ich ihn am Besten loswerde!“
fuhr Malgorzatta fort.
„Also … erstmal in der Situation, aber tief innendrin wusste ich schon, dass es für immer sein
musste! Es hat nur so furchtbar lange bis zu meinem Kopf gebraucht!“
„Sehr lange.“ flüsterte G leise, kein bisschen vorwurfsvoll, aber zärtlich.
„Dein Anzug hat so unglaublich gut ausgesehen!“ fuhr Malgorzatta fort, suchte mit den Lippen Gs
Ohrläppchen, spielte mit der Zungenspitze ein wenig daran.
Sie spürte, dass es ihm gefiel.
„Ich habe mir das erste Mal, seit ich verheiratet war, überlegt, mit einem anderen Mann zu schlafen!
Wie es wohl wäre, Deine Fliege zu lösen … „
Sie ließ ihre Hand langsam, sanft zu Gs Hals streichen und von dort etwas weiter hinab, zu seiner
Kehle.
„ … und dann langsam Knopf für Knopf Deines Hemdes zu öffnen!“
Während sie sprach ließ sie ihren Zeigefinger sacht an seiner Brust hinabtippen, jeweils in der
Höhe, wo Knöpfe eines Hemdes zu vermuten waren.
Sie spürte, hörte Gs Atemzüge tiefer werden. Er drängte sich etwas näher an sie.
„Wenn Du ein Shirt unter Deinem weißen Hemd gehabt hättest … „
Sie machte absichtlich eine kleine Pause bevor sie ihm zuraunte:
„ … hattest Du ein T-Shirt unter Deinem weißen Hemd an?“
„Ja.“ antwortete G.
„Hm. Das hätte die Sache etwas schwieriger gemacht!“ fuhr Malgorzatta leise fort.
„Wahrscheinlich hätte ich einfach meine Hand … hier …“
Sie schob ihre Finger unter sein Shirt, auf seine warme weiche Haut, an seine Seite.
„ … hierhin geschoben!“
G räusperte sich. Ließ seine Lippen langsam über ihre Wange streicheln.
„Wenn`s mit den Ziegen und dem Käse nicht so läuft werde ich Dich bei einer Erzählreise durch
Rumänien für erotische Geschichten managen!“
Malgorzatta musste lachen.
Sie suchte Gs Lippen.
Es war nicht so oft, dass er scherzte. Aber noch wichtiger war, dass er es tat, dass sie wieder
zusammen lachen konnten.
„G … wie kommst Du denn da drauf?“
„Weil Du so gut erzählen kannst!“ gab G halblaut zurück.
Malgorzatta registrierte, dass er sie mit seinem Gewicht langsam zurück in die Kissen drückte, und
ließ es nur zu gerne geschehen.
Seine Linke streichelte über ihren Arm.
„Erzähl` weiter! Was hättest Du gemacht?“
„Hm … hättest Du mich zwischenzeitlich geküsst?“
G lachte.
Malgorzatta liebte es, das zu hören. In ihrer jetzigen Situation besonders. Sie mochte sein Lachen.
Es dunkel und offen.
„Vermutlich. Ich habe überlegt, wie ich es anstellen kann seit ich beim Empfang Deine Hand
geschüttelt habe! Sie war kalt! Du hast gefroren!“
Er küsste sie sacht.
Sein Körper war angenehm schwer an ihrer Seite, fast halb auf ihrem.
„Mir war nicht kalt! Ich war aufgeregt. Ich war aufgeregt seit ich Dich in der Begrüßungsschlange
gesehen habe! Ich war gespannt, wer Du warst!“
G stutzte sekundenlang. Sie spürte es regelrecht.
„Das würde bedeuten, ich mache meinen Job ziemlich schlecht wenn ich in einer Menschenmenge
auffalle!“
Malgorzatta musste lächeln.
Ihr wurde warm ums Herz wenn sie an den Moment zurück dachte.
„Ich habe Dich nicht mit meinen Augen gesehen! Mein Herz hat Dich erkannt! Ich habe erst später
Deine schönen blauen Augen gesehen!“
Komplimente waren immer etwas kompliziert bei G. Er konnte sie schlecht annehmen. Sie konnte
ihn erst langsam damit vertraut machen.
An ihren Fingerspitzen spürte sie die Wärme, die leichten Schweißperlen auf seiner Haut. G lag so
nah bei ihr, dass sie das schnelle Klopfen seines Herzens spüren konnte. Sein beschleunigtes Atmen
gegen ihren Oberkörper.
„Das klingt wundervoll wenn Du das sagst, Mali!“
Gs Stimme klang ein bisschen rau, heiser.
„Noch schöner war es natürlich, als Du in Rio plötzlich hinter mir gestanden hast!“ fuhr sie leise
fort, streichelte mit den Fingerspitzen sacht über seine kratzige Wange, seinen Hals.
„Ich habe Deine Stimme sofort erkannt! Ich habe das total genossen, ich weiß nicht, ob Du gemerkt
hast, dass ich mich erst nach einem Moment zu Dir umgedreht habe! Und es war so superspannend
in dem Café, als Du immer ein bisschen näher gerückt bist und Deinen Arm auf meiner Stuhllehne
liegen hattest! Das war so schön mit Dir, G!“
Sie reckte ihm ihren Kopf entgegen und suchte seine Lippen.
G erwiderte ihren Kuss.
Auch seine Rechte strich über ihren anderen Arm hinauf, bis zu ihrer Hand, seine Finger gruben
sich zwischen die ihren.
Langsam ließ er sich über sie sinken.
„Ich war so unsicher, ob das okay für Dich war, bis Du schließlich Deine Hand auf mein Bein
gelegt hast! Das war ein so schönes Gefühl. Und Du hast so unglaublich gut gerochen! Deine Haare
…„
Seine Stimme war halblaut.
Malgorzatta spürte seine Atemzüge rasch, tief gegen ihre Brust.
„Ich hab` gemerkt, dass Du oft an meinen Haaren geschnuppert hast! Das war total süß von Dir!“
flüsterte sie ihm zu.
„Du hast wunderbar gerochen!“ raunte G.
Er ließ seine Nasenspitze langsam ihre Wange, ihren Hals hinabstreichen.
„Genau wie jetzt auch! Du hattest dieses Parfüm auch in der Botschaft an Dir!“
„Und Du fühlst Dich wunderbar an wenn Du so nah bei mir liegst, G!“ flüsterte Malgorzatta zurück.
Sie wandte den Kopf ein wenig, um Gs Lippen mehr Raum zu geben, die warm über ihre Haut
streichelten, damit das kribbelige Gefühl in ihrem Inneren bloß noch verstärkten.
Für einen Moment schloss sie ihre Finger fest um seine.
Dabei konnte sie ein leichtes Aufstöhnen nicht unterdrücken.
G küsste sie.
Nach einem langen Moment löste er behutsam seine Rechte aus ihrer Hand, ließ seine Finger sacht
ihren Arm hinabstreicheln.
Dann wanderten sie weiter über ihre Schulter, ihren Oberkörper hinab und am Bund ihrer
Pyjamahose langsam auf ihren Bauch, zärtlich unter den Stoff ihres Shirts wieder nach oben.
„In Rio, in Deinem Hotel, konnte ich es kaum erwarten … dass Du so nah bei mir bist!“ flüsterte
Malgorzatta.
Sie ließ ihre freie Hand über seine Schulter, zu seinem Nacken streicheln.
„Du hattest so ein grünes Hemd an. Der Stoff war so weich, fließend … es war total aufregend als
ich es aufknöpfen durfte … meine Finger haben gezittert! Hast Du vielleicht gemerkt?“
„Konnte ich nicht drauf achten!“ gab G halblaut zurück.
„Ich habe nur in Deine wunderschönen Augen geschaut, die mich immer angesehen haben … und
ich konnte es gar nicht fassen, dass Du endlich bei mir warst nachdem ich es mir so lange
gewünscht hatte!“
Er stöhnte leise, behaglich während er sich eng an sie drückte.
Seine Lippen streichelten über ihre Wange, zu ihrem Ohr.
„Kannst Du Dir vorstellen, an was ich jetzt denke, cormoara meu?“
„Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass wir Beide jetzt dasselbe denken, mein Schatz!“ flüsterte
sie zurück.
Für einen Moment nahm es ihr fast den Atem als sie spürte, wie rigoros seine Hände an den Bund
ihrer Pyjamahose rutschten.
Es war nicht unangenehm.
Manchmal bedurfte es nicht vieler Worte oder eines ausgiebigen Vorspiels.
Manchmal liebte sie es, ihn einfach nur bei sich zu spüren.
„G …“
Ihre Finger zitterten als sie zum Saum seines Shirts griff und es über seinen Oberkörper nach oben
zog, G schlüpfte etwas ungelenk hinaus.
Malgorzatta ließ den Stoff neben sich auf die Matratze fallen.
Rasch streichelte sie mit den Händen über seine Oberarme hinauf, legte beider Arme um seinen
Nacken.
Es nahm ihr – wie schon so oft zuvor – den Atem, als G sich wieder behutsam über sie, in sie sinken
ließ.
Er schob beide Arme unter ihren Rücken, ihre Hände unter ihren Kopf, wühlte seine Finger in ihre
Haare während er sie fest an sich gedrückt hielt.
„Das ist so wunderschön mit Dir, Mali …“
Gs Lippen streichelten über ihre Wange, trocken, sein Atem war schnell.
„Was Du mir erzählt hast … das war total aufregend! Ich kann Dir nicht garantieren …dass wir es
diesmal zusammen schaffen!“
Malgorzatta sah ihn an.
Sie streichelte mit der Hand sacht über seine erhitzte Wange.
„Du weißt … ich liebe es, Dir zuzusehen wenn Du kommst!“
„Du weißt … das liebe ich auch bei Dir!“ Gs Stimme war tonlos, atemlos.
Er stöhnte leise.
Für einen Moment schloss er die Augen ein wenig, suchte mit den Lippen die ihren.
Sein Kuss war halbherzig.
An seinen Bewegungen gegen ihren Körper, die mit einem Mal intensiver wurden, konnte sie
merken, dass er ein bisschen weiter war als sie.
„Mali … „
Es geschah mit einem kleinen Aufstöhnen seinerseits, dass er sie an sich riss, sein Kopf gegen den
ihren sank.
Ein kleines Zittern ging durch seinen Körper.
Im Moment lenkte es sie so ab, dass die Spannung in ihrem Körper sofort abebbte. Das Hoch ging
nicht weiter, es blieb ihr nichts anderes übrig, als ihre Arme noch etwas fester um seine Schultern zu
legen und ihn an sich gedrückt zu halten.
Gs Haut war warm, verschwitzt.
An ihren Fingerspitzen an seinem Nacken spürte sie kleine Schweißperlen. Gegen ihre Brust fühlte
sie seinen raschen Herzschlag. Tief in ihrem Inneren spürte sie das leichte abklingende Pulsieren.
G hob den Kopf, ließ seine Lippen über ihre Wange streichen auf der Suche nach ihren. Sein Kuss
war ungenau. Mit der Hand suchte er im Halbdunkeln ihre Wange, korrigierte sacht die Lage ihres
Kopfes bevor er sie noch mal küsste, hingebungsvoll, zärtlich.
„Mali … cormoara meu … es ist so wunderschön mit Dir … „
Sie spürte seine Finger noch ein wenig zittern als während er ihre Wange streichelte.
„Wir sollten die Sache mit Deinen erotischen Geschichten allerdings etwas einschränken!“
Seine Stimme war halblaut. Er kam langsam wieder zu Atem.
Sie genoss die Hitze, die von seinem Körper ausging, den Schweiß an seiner Haut, der sich mit
ihrem vermischte.
Langsam streichelte sie mit der Hand über seine verschwitzte Stirn.
„Warum?“
G suchte ihre Lippen. Küsste sie. Malgorzatta spürte seine Finger leicht, spielerisch durch ihre
Haare streicheln.
„Es war nicht schön für Dich, hm?“
Seine Stimme war leise, zärtlich.
Malgorzatta reckte den Kopf und küsste ihn.
„Es war wunderschön mit Dir, G! Es ist wunderschön mit Dir!“ antwortete sie ihm ernst, ehrlich.
„Ich muss nicht jedes Mal einen Orgasmus haben! Aber ich möchte Dich immer wieder so nah bei
mir haben! Wir haben so lange nicht … ich habe das wirklich vermisst! Und das hier jetzt, mit Dir,
das genieße ich wirklich sehr!“
G zog sie wieder ein bisschen näher an sich. Lehnte den Kopf wieder an ihren.
„Ich liebe Dich.“ flüsterte er.
„Ich liebe Dich auch, G!“ flüsterte Malgorzatta zurück, streichelte mit der Hand über seinen
Hinterkopf.
„Es ist so schön mit Dir!“
G atmete tief aus.
Er wirkte nun etwas ruhiger auf sie als tagsüber. Vielleicht war er auch nur müde mittlerweile.
Sie wünschte es ihm.
„War ein schlimmer Tag heute für Dich, hm, G?“ fragte sie ihn sanft, ließ ihre Hand
weiterstreicheln, leicht über seinen Nacken, seine Schulter.
„Was habt ihr gemacht?“ ...
Kapitel 8
... „Wir haben versucht, Spuren zu sichern, zusammen mit Fornell!“ gab G zurück.
„Von dem Auto, in dem die Bombe war, war nicht mehr viel übrig! In einem Nebengebäude ist eine
provisorische Einsatzzentrale aufgebaut worden. Gibbs sagt, dass es nur eine Frage von ein paar
Tagen sein wird bis sie den Schuldigen finden!“
„Hat es nur Verletzte gegeben?“ fragte Malgorzatta halblaut weiter.
So eben sah sie G im Halbdunkeln den Kopf schütteln.
An ihren Fingerkuppen spürte sie noch den leichten Schweißfilm auf seiner Haut.
In ihrem Inneren spürte sie, wie der Kontakt langsam nachließ.
Sie bedauerte das jedes Mal, es war immer wieder wie ein kleiner Verlust, auch wenn G nach wie
vor so nah bei ihr liegen blieb weil er wusste, wie gerne sie das hatte.
„Ich glaube, es hat einen Toten gegeben!“
Gs Lippen streichelten über ihre Wange. Suchten ihre Lippen und küssten sie.
Dabei ließ er sich behutsam neben sie rutschen.
„Komm!“ flüsterte er ihr zu, legte seinen Arm um ihre Schultern und zog sie an sich.
Malgorzatta rutschte an ihn. Legte ihren Kopf an seine Schulter während sie sich in seine
Umarmung schmiegte.
G zog die Bettdecke fürsorglich bis zu ihren Schultern hinauf. Malgorzatta streichelte mit der Hand
spielerisch über seine Brust.
Sie spürte Gs Lippen sacht an ihren Haaren.
Seine Hand tätschelte für einen Moment ihre Schulter.
„Es war wunderschön mit Dir, Mali!“ raunte er ihr zu.
Er drückte sie kurz an sich. Küsste sie.
Malgorzatta legte ihre Hand an seinen Hals. Reckte ihren Kopf noch ein wenig höher, G entgegen.
Das Spiel seiner Zungenspitze, erst an ihren Lippen, dann mit der ihren, verstärkte das kribbelige
Verlangen in ihrem Inneren bloß wieder.
"Was hälst Du davon ... " G streichelte mit den Lippen weiter über ihre Wange.
" ... wenn wir ein paar Tage einfach irgendwo hin fahren? Oder ein paar Tage hier anhängen?"
Malgorzatta holte überrascht Luft.
"Oh, G, das wäre wirklich schön! Ein paar Tage Urlaub. Ich würde gerne mit Dir wegfahren!"
G lachte leise. Es klang noch immer geschmeichelt.
Seine Hand streichelte leicht, spielerisch ihren Rücken hinab.
"Du möchtest nicht noch ein paar Tage hier in D.C. anhängen?"
Es geschah nicht oft, dass er sie aufzog.
"Nein, nicht wirklich, G!" gab sie ihm ernst zurück. Sie streichelte seine Schulter.
"Du weißt, ich hasse Washington!"
"Ich weiß, cormoara meu!" G küsste sie. Seine Stimme klang mit einem Mal unendlich sanft.
"Wo möchtest Du hin? Wo möchtest Du wirklich gerne einmal hin?"
"Ich möchte mit Dir, irgendwann bitte, wirklich einmal gerne nach Paris mit Dir, G!" antwortete sie
ihm ehrlich.
Sie küsste seine Wange.
Und war überrascht von der unterschwelligen Ablehnung, die sie spürte.
"War ich schon zwei Mal." gab G zurück.
"Wird total überschätzt!"
Malgorzatta musste sich für einen Moment zurück nehmen.
Es war noch nie geschehen, dass G mit einem Wunsch ihrerseits wirklich so negativ umging. Sie
kannte das nicht von ihm, er war sonst so überaus zuvorkommend. Er musste wirklich schlechte
Erinnerungen an die französische Hauptstadt haben.
"Fand ich auch das eine Mal, das ich dort war!" gab sie ihm sanft zurück, ohne sich etwas anmerken
zu lassen.
"Aber das lag daran, dass ich definitiv mit dem falschen Mann dort war!"
Sie spürte wie G sekundenlang stutzte.
"Sag` das noch `mal!" flüsterte er dann halblaut.
Seine Stimme war nicht mehr als ein halblautes Raunen.
Zitterte ein bisschen.
Malgorzatta holte tief Luft.
"Ich war damals mit meinem Ex-Mann in Paris und das war eine der schlechtesten Entscheidungen,
ich je jemals getroffen habe!"
An Gs tiefem Einatmen konnte sie merken, dass ihm gefiel, was er hörte.
Sie spürte, wie er sich noch ein wenig mehr entspannte.
"Dann lass` mich eben aufstehen und meinen Laptop holen!"
Er richtete sich ein wenig auf. Streichelte mit der Hand über ihren Rücken während er sich leicht
über ihre Schulter beugte, mit den Lippen über ihre Haut streichelte.
"Wir können sofort buchen!"
"Das ist so lieb von Dir!"
Malgorzatta legte ihre Hand an seine Wange, drückte ihn mit ihrem Oberkörper wieder sacht nach
hinten in die Kissen zurück.
G ließ es geschehen.
"Ich würde schrecklich gerne mit Dir nach Paris fliegen, G, und ich weiß, es würde wunderbar
werden. Aber ... "
Sie beugte sich leicht über seinen Oberkörper, berührte mit den Lippen seine Brust, drückte eine
Reihe von Küssen auf seine warme, schwitzige Haut.
" ... Du sollst nicht mit mir dorthin wenn Du nicht möchtest und vor allen Dingen ... im Moment ist
es mir viel wichtiger, hier mit Dir zu liegen und zu kuscheln!"
Gs Hand streichelte über ihre Haare.
"Du hast mich überredet. Ich würde gerne mit Dir nach Paris fliegen!"
Seine Hand streichelte ihren Rücken hinab, über ihre Seite, ihre Hüfte, zu ihrem Oberschenkel.
Behutsam zog er sie zu sich. Ließ sie sacht über sich sinken.
"Aber vorher würde ich wirklich gerne noch ... eine ... von Deinen Geschichten hören!"
Malgorzatta atmete überrascht ein.
Sie ließ ihre Hände langsam über seinen Oberkörper hinabstreicheln, suchte im Halbdunkeln Gs
Blick. Nur so eben vermochte sie zu ahnen, wo seine Augen sich befanden.
Behutsam legte sie beide Hände an seine Wangen. Beugte sich sacht zu ihm hinab und küsste ihn.
"Bevor ich erzähle, G ... wo möchtest Du gerne hin? Außer Paris, weil ich es gerne will! Sei ehrlich,
bitte!"
G schwieg. Er schien nachzudenken.
"Ich möchte wirklich noch einmal gerne nach Rio mit Dir, cormoara meu!" antwortete er ihr
schließlich. Seine Stimme war halblaut, klang unendlich zärtlich.
"Es war wunderschön dort mit Dir. Ich glaube, ich war zuvor in meinem ganzen Leben noch nie so
glücklich wie dort!"
Seine Rechte streichelte sanft über ihre Seite während er sprach.
Malgorzatta musste schlucken.
Langsam streichelte sie mit den Lippen über seine Wange, genoss das Kratzen seiner Barthärchen.
G wandte den Kopf ein wenig. Nur so eben, bis seine Lippen die ihren berührten.
Malgorzatta ließ den Kontakt nur ganz leicht, kurz geschehen.
Sie hörte Gs kleinen Laut des Unwillens. Für einen Moment konnte sie spüren, wie seine Finger an
ihrer Hüfte ihren Griff verstärkten. Langsam streichelte sie mit der Zungenspitze über seine
Unterlippe.
"Erzähl` mir!" hauchte sie ihm zu.
Sie spürte wie G stutzte.
Er war gewiss kein Mann großer oder vieler Worte. Aber es interessierte sie schon, wie er es in Rio
damals wahrgenommen hatte, wie es für ihn gewesen war.
"Ich ... hatte natürlich herausgefunden, dass Du mit Deinem Mann in Rio bist." begann G etwas
zögerlich.
"Ich wollte Dich wiedersehen, nach Kiew, und dort bot sich die Gelegenheit. Ich hatte nichts zu tun
dort, nichts Berufliches! Ich war einfach bloß da, weil ich Dich wiedersehen wollte! Leider hatte ich
nur die zwei Tage frei, aber ich konnte Dich finden ... "
Malgorzatta küsste ihn rasch damit sie eine Zwischenfrage stellen konnte.
"WIE ... hast Du mich gefunden?"
G lachte leise.
"Der Status Deines Ex-Mannes als Botschafter war nicht gerade dazu angetan, unsichtbar zu sein.
Nachdem ich wusste, in welchem Hotel ihr ward, musste ich Dir bloß noch folgen. Ich gebe zu, ich
hatte Dich kurz aus den Augen verloren bevor ich Dich angesprochen hatte. Aber ... nun ja ... "
Sie konnte im Halbdunkeln mehr spüren als wirklich sehen, wie G die Schultern zuckte.
" ... ich habe Dich wiedergefunden!"
Malgorzatta hatte noch immer Gs kleines Lachen im Ohr.
Es hatte überlegen geklungen. Siegreich.
Sein Satz über Efremil hatte einen unüberhörbar abfälligen Unterton gehabt.
"Es war wunderschön, Dich dort wiederzusehen, G!" flüsterte sie ihm zu, ließ ihre Hand spielerisch
über seine Brust streicheln.
"Ich hatte es mir seit Kiew gewünscht, aber ich hatte keine Ahnung, wie ich es anstellen sollte ... "
"Es war unglaublich, das zu merken." fuhr G halblaut fort.
"Du hast meine Einladung zum Kaffee so bereitwillig angenommen. Das in Deinen schönen Augen
zu sehen ... dass es Dir ehrlich war ... dass Du wirklich gerne wolltest!"
"Bin ich froh, dass Du es gemerkt hast! Ich war zuerst so überwältigt, dass ich zuerst gar nicht
wusste, was ich machen sollte!"
Behutsam ließ sie ihre Fingerkuppe ein wenig um Gs linke Brustwarze kreisen. Dann senkte sie den
Kopf und berührte sie behutsam mit den Lippen, tupfte ein wenig mit der Zungenspitze daran.
G seufzte leise, wohlig.
Er wandte den Kopf.
"Ich habe es endlos genossen, mit Dir im Cafè zu sitzen." fuhr er dann halblaut fort.
"Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, über was wir gesprochen haben, ich ... ich war zu
aufgeregt! Ehrlich! Ich hab`s nicht so mit daten!"
"Mhmh, dafür warst Du wundervoll, mein Schatz." gab Malgorzatta sofort zurück.
Sie ließ ihre Lippen weiterwandern, zu seinem Brustbein.
"Du hast so perfekt mit mir geflirtet dass ich dachte, diesem Agent Callen liegen die Frauen nur so
zu Füßen. Wir ... "
Sie strich leicht mit der Zungenspitze über seine Haut.
" ... wir haben übrigens versucht, im Café ein bisschen `was voneinander zu erfahren ohne uns
gegenseitig auszuhorchen! Es war so lieb, wie Du das versucht hast, ohne mich in Schwierigkeiten
bringen zu wollen!"
G lachte leise.
Sie spürte die Bewegung seines Brustkorbes leicht gegen ihr Kinn. Seine Hand streichelte langsam
ihren Rücken hinauf, bis zu ihrem Hinterkopf. Seine Finger wühlten sich zwischen ihre kurzen
Haare.
"Es war so einfach mit Dir, Mali. Es passte einfach eines zum anderen, ich brauchte mich gar nicht
groß anzustrengen. Selbst Dich zu küssen vor dem Hotel schien einfach so zu passieren, ohne es
groß zu planen, es passte einfach. Und es war wundervoll!"
Malgorzatta musste lächeln.
Gs Hand streichelte sanft über ihren Hinterkopf.
Behutsam kratzte sie mit den Fingernägeln langsam über seine Seite.
"Ja, es war wundervoll. Und das habe ich unendlich genossen! Das ... und das was dann kam!"
G atmete tief ein. Es klang wie ein halblauter Seufzer.
"Du hast Dich so gut angefühlt. Als ich Dich das erste Mal berührt habe. Deine Haut war so
weich ... und ist sie immer noch ... "
Seine Hand rutschte in ihren Nacken, zu ihrer Schulter.
"Du hast so gut gerochen ... und tust es immer noch ... komm!"
Er zog sie sanft wieder ein wenig weiter zu sich hoch. Küsste sie, ausgiebig, hingebungsvoll.
Malgorzatta seufzte leise. Behaglich.
"Möchtest Du noch ein bisschen etwas von Rio hören?"
Langsam ließ sie ihre Zungenspitze über seine Unterlippe streicheln.
G seufzte leise.
"Gerne, cormoara meu!"
Malgorzatta musste ein bisschen lachen.
"Ich wusste gar nicht, dass Dir das so gut gefällt, mein Schatz!" flüsterte sie ihm zu während sie
ihre Daumen sanft über seine kratzigen Wangen streicheln ließ.
"Ich auch nicht!" raunte G zurück.
Malgorzatta spürte seine Hand sacht über ihre Oberschenkel, bis zu ihrem unteren Rücken
streicheln.
"Aber es ist schön, Dir zuzuhören!"
"Vielleicht möchtest Du hören, dass es in Rio wunderschön war, mit Dir zu schlafen!" flüsterte sie
ihm zu.
"Du hast Dich schon so wunderbar angefühlt als Du mich draußen auf der Straße geküsst hast. Vor
Deinem Hotel. So stark ... und Du hast so gut gerochen! Es hat sich so schön angefühlt als Du mich
umarmst hast und als Du dann das erste Mal so nah bei mir gelegen hast ... hmm, schön, G!"
G hatte beide Arme um sie gelegt und sie auf die Matratze neben sich sinken lassen während er sie
ganz fest hielt.
Er küsste sie.
Warm, bestimmt und doch unheimlich sanft, achtsam schob sie sich Körper über ihren, rutschte
seine Haut weich an ihrer längs und sie konnte gar nicht genug davon bekommen, ihn so nah bei
sich zu spüren.
Nur zu bereitwillig ließ sie ihre Beine noch etwas nach außen sinken. Schloss ihre Arme fest um
seinen breiten Rücken, hielt sich an ihm fest während G sämtliche empfindlichen Nervenenden an
ihrer empfindlichen Stelle zwischen den Beinen zu berühren schien als er sich weiter über sie
schob.
"Erzähl' weiter ... cormoara meu!"
Gs Stimme klang atemlos, angespannt während seine Lippen die ihren berührten.
"Ich ... kann nicht ... "
Malgorzatta musste sich räuspern. Sie rang nach Atem als G begann, sich leicht gegen ihren Körper
zu bewegen.
"Das ist so schön mit Dir!"
Sie ließ ihre Hände zu seinem Nacken rutschen, suchte seine Lippen.
G küsste sie.
Tief, innig.
Es steigerte ihr Verlangen sofort um einiges.
Sie drängte sich an ihn. Streichelte mit der Hand über seinen Hinterkopf, genoss das leichte Kratzen
seiner kurzen Haare gegen ihre Handinnenfläche.
"G ... das ist mit Dir noch immer genau so schön ... wie in Rio!"
Sie konnte ein leises Aufstöhnen nicht unterdrücken als sie seine Hand sanft über ihre Brust
streicheln spürte.
"Es ist ... jedes Mal ... wunderschön mit Dir, Mali!"
Gs Stimme war halblaut, heiser.
Wieder küsste er sie.
Malgorzatta streichelte mit der Rechten langsam über seinen Rücken hinab.
Seine Haut war warm, schwitzig. An der geraden Linie seiner Wirbelsäule spürte sie Schweißperlen
an ihren Fingerkuppen.
Abgelenkt suchte sie mit dem Zeigefinger den Letzten seiner Wirbel. Streichelte über die
geschwitzte Haut über dem kleinen Knochen.
Die Anspannung in ihrem Inneren war fast unerträglich.
Ihr pochender Herzschlag nahm ihr fast den Atem.
Malgorzatta spürte ihre Wangen brennen und wie der Schweiß auf ihrer Haut sich mit Gs
vermischte.
Auch G war atemlos.
Sie spürte wie er schwer, kurz gegen ihren Oberkörper atmete.
"Ich liebe Dich, G ... ich liebe das mit Dir, hier ... "
Sie presste sich an ihn. Umschlag ihn fest, in dem Moment als G sie bei seiner letzten, heftigen, fast
schmerzhaften Bewegung in seine Umarmung riss, beide Arme fest hinter ihrem Rücken
verschränkte.
Seine Lippen zitterten ein wenig an ihrer Wange.
Es war ein leichter Schauder, mit dem die Anspannung überkippte, über den Punkt hinaus, der ihr
ein Aufstöhnen entlockte.
Rasch wandte sie den Kopf, drückte ihre Lippen auf Gs.
Seine Arme rutschten in ihren Nacken. Seine Hände wühlten sich in ihre Haare und er gab einen
Laut des Wohlbefindens von sich während er ihren Kuss kurz erwiderte.
"Mali ... das ist ... wundervoll ... "
Sie spürte den leichten Schweißfilm an seiner Wange. Seine Haut war erhitzt.
Malgorzatta rang nach Atem.
Behutsam streichelte sie mit der Hand über seine Wange, seine Stirn.
Gs Atmen gegen ihren Oberkörper war noch immer hastig.
Sie selbst spürte, wie sie allmählich wieder ruhiger wurde.
Die Annspannung wich einer Mattheit, mit der sie sich bloß noch an G kuscheln, in seinen Armen,
in seiner unmittelbaren Nähe ruhen wollte.
"Das war so schön mit Dir, G ... "
Auf der Suche nach seinen Lippen ließ sie ihre über seine Wange streicheln.
Sein Schweiß schmeckte ein bisschen salzig. Seine Barthärchen kratzten.
" ... und ich glaube wirklich nicht, dass Du Dich um die blauen Tabletten bemühen musst!"
G lachte leise.
Es fühlte sich gut an gegen ihre Brust.
Sie konnte spüren, wie er sich ein wenig entspannte.
Sich wieder ein wenig über sie sinken ließ, matt, schwer!
"Ja? Warst Du zufrieden?"
"G ... "
Malgorzatta musste sich Mühe geben, es nicht vorwurfsvoll klingen zu lassen.
Sie streichelte über seine Wange.
Küsste ihn bestimmt, nachdrücklich...
Kapitel 9
... Sie war noch immer etwas atemlos.
G auch.
Gegen ihre Brust konnte sie seinen raschen Herzschlag spüren. Auch ihr Puls pochte noch an ihrem
Hals.
"Du machst das hier doch bitte nicht, damit ich zufrieden bin! Ich meine, es ist wunderschön mit
Dir, ich liebe es, mit Dir zu schlafen, aber ich bin auch zufrieden, wenn ich neben Dir auf der Couch
sitze! Ich bin zufrieden, sobald Du bei mir bist!"
G atmete tief aus.
Sie spürte mehr als dass sie wirklich sah, wie er sich mit der Hand durch das Gesicht fuhr.
"Ich möchte aber, dass Du zufrieden bist, Mali! Ich liebe Dich!"
Es klang ein bisschen verlegen.
Wahrscheinlich hatte er Gespräche zu diesem Thema noch nicht oft geführt. Hatte sie auch nicht!
Aber sie liebte es, sie mit ihm zu führen. Es war ihr wichtig.
Sie lernten Beide!
Sie musste sich räuspern.
Reckte den Kopf ein wenig zu ihm hoch und küsste ihn.
"Ich muss mich verbessern, G! Ich bin glücklich mit Dir!"

Neben G aufzuwachen war der pure Luxus.


Meistens war er schon auf, wenn sie wach wurde, er war Laufen oder beschäftigte sich mit anderen
Dingen. Er ließ sie gerne lange schlafen.
Lief er am Wochenende brachte er ihr oft einen Kaffee mit.
Jetzt, neben ihm in diesem Viele-Sterne-Hotel aufzuwachen, bewirkte, dass sie sich geradezu ein
bisschen privilegiert fühlte.
G schlief sogar noch.
Das kam äußerst selten vor. Noch ein Zeichen dafür, wie sehr ihn das alles mitgenommen hatte!
Sein linker Arm lag über ihrem Kopf. Die Bettdecke war bis knapp über seine rechte Hüfte
hinaufgezogen, seine rechte Hand lag auf der Decke, mit locker geöffneten Fingern. Sie kannte sie
meistens im Schlaf zur Faust geballt.
Gs Gesicht wirkte ruhig, entspannt. Seine Atemzüge waren tief und regelmäßig. Sein Schlaf schien
wirklich einmal erholsam zu sein.
Malgorzatta lächelte. Konnte ein wenig erleichtert aufatmen.
Langsam ließ sie ihren Blick über sein Gesicht wandern. Genoss es.
Seine etwas hellere linke Augenbraue und Gs lange braune Wimpern.
Der Schlaf schien ihm gut zu tun, denn die kleinen Fältchen um seine Augen waren weniger
ausgeprägt.
Kurze braune Härchen breiteten sich über Gs Brust, hoben sich von seiner leicht gebräunten Haut
ab, ebenso wie an seinen Unterarmen.
Sie spürte die Wärme, die von seinem Körper ausging.
Der Geruch von Schlaf hing an ihm.
So eine vertrauliche, behütete Situation hatten sie nicht oft.
In Los Angeles mussten sie ständig damit rechnen, dass G zu einem Einsatz, einem Fall gerufen
wurde.
Hier würde das nicht geschehen.
Sie warteten nur noch auf den Anruf von Hetty, der es ihnen ermöglichen würde, nach Hause zurück
zu kehren.
Malgorzatta musste ein bisschen mehr lächeln.
Eigentlich hatten sie ja kein Zuhause.
Zurück in Los Angeles würden sie ein weiteres Hotel aufsuchen.
Sie hatte keine Ahnung, wie lange das noch so weitergehen würde.
Es gab keine Beständigkeit bei diesen Hotelaufenthalten.
Manchmal blieben sie nur eine Nacht, manchmal mehrere. Manchmal übernachteten sie hier länger
und dort kürzer. Wie es G gerade in den Sinn kam. Sie glaubte nicht, dass ein Muster dahinter
steckte.
Es war anstrengend.
Es waren keine höherwertigen Hotels, meist bloß Motels.
Wenn G arbeiten war und sie nichts zu tun hatte zog sie los und suchte einen Waschsalon. Später
zurück im Hotel hatte sie oft um ein Bügeleisen gebettelt um seine Hemden und Shirts bügeln zu
können.
Sie war bei der CIA ausgebildet worden.
Es war erniedrigend, um ein Bügeleisen zu bitten, wenn sie eigentlich genug Geld auf dem Konto
hatte, um sich sogar einen Automaten dafür zu kaufen.
Also hatte sie sich ein Bügeleisen gekauft.
G hatte sie überaus erstaunt angesehen als sie es ihm das nächste Mal zu ihren Sachen in den
Kofferraum legte als sie wieder einmal das Hotel wechselten.
Dann hatte er sie in seine Arme gezogen und geküsst.
Ihr Blick fielt jetzt auf die Narben auf Gs Brust.
Nach über einem Jahr waren sie nicht weiter verheilt, nicht kleiner geworden, ebenso wie die an
seinen Armen, an seiner Schulter nicht.
Sie kannte auch alle anderen Narben an seinem Körper.
Die Längliche unter seinem Kinn, die Kleine an seinem linken Handgelenk aus seiner Kindheit und
die Windpockennarbe an seiner Nasenwurzel.
Auf seiner Seele waren noch ungleich mehr. Sie schienen ebenso wenig zu heilen!
G seufzte leise im Schlaf.
Seine Augenlider bewegten sich ein bisschen. Seine Hand rutschte kurz über die Decke. Dann lag er
wieder still.
Malgorzatta atmete vorsichtig.
Sie wollte gerne, dass er noch ein bisschen schlief. Sich erholte.
Sie musste an Tim denken. Hoffte, dass es ihm besser ging!
Ihr Blick rutschte zu der Narbe rechts an Gs Brust.
Ganz unvermittelt musste sie an die Momente denken, bevor am Cunoles Boulevard die Hölle
losgebrochen war:

G hatte ihr einen Schlüssel zu seiner Wohnung gegeben.


Doch sie mochte sie nicht ohne ihn betreten. Deswegen hatte sie draußen gewartet. G hatte sie
angerufen und ihr erzählt, dass er einen Fall abgeschlossen hatte, sie gefragt, ob sie sich sehen
konnten.
Malgorzatta hatte in der Botschaft alles stehen und liegen lassen.
Eigentlich hatte sie ein Menu zusammenstellen sollen für einen Empfang am übernächsten
Wochenende. Doch das konnte sie immer noch.
Sie hatte ihren Wagen geparkt, schräg gegenüber dem Obst- und Gemüseladen war eine Lücke
gewesen.
Es war später Nachmittag. Die Sonne stand tief. Es war angenehm warm. Ein Vorteil von Los
Angeles.
Viele Leute waren hier unterwegs weil sie sich in unmittelbarer Nähe des Ocean Drive befanden.
Sie hatte an ihrem Auto gewartet.
Aus der Gasse neben dem Laden hatte sie den dunklen Challenger auftauchen sehen, langsam
heranrollend und dann an der Ecke stoppend.
Gs Partner hatte am Steuer gesessen. Sam.
Die Beiden sprachen kurz.
Dann stieg G aus.
Ging ein paar Schritte auf dem Bürgersteig.
Der dunkle Van war sehr langsam herangerollt.
Sam war im Wagen nervös geworden, sie hatte seinen hastigen Bewegungen durch die
Windschutzscheibe gesehen. Zuerst hatte sie es sich nicht erklären können. Dann hatte es auch
schon geknallt.
Malgorzatta hatte sofort Schüsse erkannt.
Hatte gesehen, wie Sam aus dem Wagen sprang während G zu Boden ging.
Passanten schrien und flüchteten, gingen hinter parkenden Wagen in Deckung.
Malgorzattas Herz schien sekundenlang nicht geschlagen zu haben. Sie war erstarrt. Dann tastete
ihre Rechte zu ihrem Mobiltelefon.
Sam war bei G angelangt und riss ihn vom Boden hoch.
G trug - ganz untypisch für ihn - ein weißes Hemd.
Aus der Ferne hatte sie die Blutflecken auf dem weißen Stoff erkannt während sie an der
Einsatzzentrale um eine Ambulanz bat.
Die Frau am anderen Ende hatte ihr versichert, dass diese bereits auf dem Weg war weil schon
mehrere Leute angerufen hatten.
G lag reglos in Sams Arm.
Sam hielt sein Mobiltelefon an sein Ohr gepresst.
Der schwarze Van war längst verschwunden.
Sie hatte nicht mal auf das Nummernschild achten können ...

G schlug ganz unvermittelt die Augen auf.


Sein Blick strich für einen Moment verschlafen über ihr Gesicht bevor er schließlich lächelte.
"Mali ... "
Er fuhr sich mit der Hand durch das Gesicht, suchte erneut ihren Blick.
Rasch küsste er sie.
"Hast Du gut geschlafen?"
Malgorzatta nickte, so gut es ging im Liegen.
Sie streichelte über seine Brust.
"Ja. Du auch?"
"Ganz gut." gab G zurück.
Malgorzatta wusste, dass er sie nicht anlog. Er wirkte noch verschlafen, ein Zeichen dafür, dass sein
Schlaf wirklich tief gewesen war. Wenn er mal wieder nur für eine halbe Stunde oder so wegdöste
war er beim Aufwachen immer gleich voll da.
"Frühstücken wir gleich schön?"
Sie ließ ihre Finger sanft über sein Kinn, seine Barthärchen streicheln.
"Mhmh. Gute Idee." fand G.
Er zog sie fest an sich, für einen langen Moment.
Malgorzatta spürte, wie er sein Gesicht an ihren Nacken grub. Seine Hand streichelte über ihren
Rücken.
"War schön heute Nacht mit Dir, G!" flüsterte sie ihm zu.
"Ich liebe es mit Dir, cormoara meu." gab G halblaut zurück, sein Gesicht noch immer an ihrem
Nacken. Sie spürte seinen warmen Atem als er sprach.
"Ich liebe Dich ... "
Malgorzatta ließ ihre Hand langsam um seine Seite, auf seinen Rücken streicheln.
Sie wusste auch hier auswendig, wo sich die Narben befanden.
Zärtlich streichelte sie an seiner Wirbelsäule hinab.
Gs halblautes tiefes Einatmen verriet ihr, dass es ihm gefiel.
Also ließ sie ihre Hand weiterstreicheln, unter die Decke, über seine weiche Haut seines unteren
Rückens.
Sie spürte den großen starken Muskel dort.
G ließ sich langsam zurück neben sie sinken. Ihre Hand rutschte dabei um seine Seite nach vorne.
G küsste sie. Seine Hand streichelte ihre Wange.
"Mir fällt vorher ... " er küsste sie erneut, langsam, zärtlich " ... auch noch etwas ganz anderes ein."

Nach einem ausgiebigen Frühstück, fuhren sie zum Krankenhaus.


Mittlerweile lief hier alles wieder geordnet.
Die Flure waren nicht mehr überfüllt. Das Personal hastete nicht mehr über die Korridore. Alles
wirkte wieder sehr ruhig wenn man durch die Notaufnahme zu den Fahrstühlen ging.
Der Albtraum schien vorüber.
G hatte am Morgen mit Gibbs telefoniert. Nur kurz. Gibbs hatte ihn wissen lassen, dass sie dem
Verdächtigen bereits auf der Spur waren.
Sie wollten in den nächsten Tagen noch mal telefonieren wenn der Fall abgeschlossen war.
Malgorzatta sah zu G während sie jetzt aus dem Fahrstuhl stiegen.
Er wirkte ein bisschen erholter. Frischer. Ruhiger.
Der Schlaf in geordneter Umgebung, die Ruhe im Hotel hatte ihm offensichtlich gut getan.
Sie hatte es genossen.
Ungestört mit ihm Zeit zu verbringen, neben ihm zu liegen, mit ihm zu schlafen. Einfach wieder mit
ihm zu reden, ohne dass sie von einem Telefonklingeln unterbrochen wurden oder aufpassen
mussten, weil sie sich im Hautquartier befanden und alle Räume offen waren.
Mit ihm herumzualbern, mit ihm zu lachen.
Und hier konnten sie sich als Paar präsentieren weil es keine Arbeitskollegen, keine Arbeitszeit gab,
auf die sich Rücksicht nehmen mussten.
Es tat ihr allein schon gut, dass G seine Hand an ihrer Schulter liegen ließ als sie jetzt im dritten
Stock in den Flur traten.
Sie erfuhren, dass Tim am frühen Morgen bereits entlassen worden war. Auf eigenen Wunsch.
Malgorzatta fing Gs Blick auf.
Sein kleines Lächeln.
„Komm! Dann sehen wir uns noch das Capitol an, bevor wir zurückfliegen!“ raunte er ihr sanft zu.