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Carlos Gerlach – Christlich-spirituelle Begleitung am Lebensende

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Carlos Gerlach – Christlich-spirituelle Begleitung am Lebensende

Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis.................................................................................................................................2
0. Vorbemerkung..................................................................................................................................3
1. Voraussetzungen – „Man sieht nur mit dem Herzen gut“................................................................4
2. Das lebendige Wort in Gespräch und Ritus – Lebensrückschau .....................................................6
3. Musik für die Seelen ........................................................................................................................8
4. Aetherische Öle und Waschzusätze ...............................................................................................10
5. Die Totenwaschung, Totensalbung und festliches Ankleiden .......................................................12
6. Die spirituelle Verabschiedung und Aussegnung ..........................................................................15
7. Über den Tod hinaus – Johannesevangelium.................................................................................18
und die Geisteswissenschaft Rudolf Steiners.....................................................................................18
8. In Memoriam und Ausklang ..........................................................................................................20
Bildnachweis – Quellenangaben – weiterführende Literatur .............................................................22
ANHANG ………………………………………………………………………...………………...25
Worte eines Sterbenden an seine Angehörigen und Freunde …………………………………...….26
Alexa Kriele – 5.V. Professionelle Sterbebegleiter ……………………………………………...…27
Checkliste – Wichtige Hilfen im Falle eines Todes ……………………………………………..…31
Beispiel-Meditationen – Geburtsmeditation …………………………………………………….....32
Beispiel-Meditationen – Namensmeditation …………………………………………………...…..33
GEDICHTE ………………………………………………………………………………………...34
Manchmal – Carlos Gerlach ………………………………………………………………………..34
novemberengel – Michael Brose …………………………………………………………………...35
Wer vom Ziel nicht weiß – Christian Morgenstern …………………………………………..…….36
Abendmahls-Hymne – Novalis ………………………………………….…………………………37
Der Schauende – R. M. Rilke ………………………………………..……………………………..39
Requiem für Wolf Graf von Kalckreuth – R. M. Rilke ……….…………………………………....40
BIBEL-ZITATE ……………………………………………………………………………………45
Apokalypse des Johannes 1, 4-8 – Emil Bock ……………………………………………………..45
Prolog aus dem Johannesevangelium 1-18 – Emil Bock ……………………………………….….46
Johannes-Evangelium – Sieben mystische Stufen christlich-rosenkreuzerischer Schulung …….…48
Hymne der Maria aus dem Lukas-Evangelium 1, 46-55 – Emil Bock ………………………….…49
Hymne des Zacharias aus dem Lukas-Evangelium 1, 68-79 – Emil Bock………….……………...50
Paulusbrief an die Römer 13, 10-14 – Johannes Lauten ……………………………………….…..51
Paulusbrief an die Korinther 1, 13 – Hohelied der Liebe – Emil Bock & Heinrich Ogilvie …..…..52
PSALM 8 - Herr unser Herrscher – Rudolf Frieling …………………………..…………………..54
PSALM 23 - Der Herr ist mein Hirte – Hermann Beckh …………………………………..……...55
MEDITATIONEN von Rudolf Steiner ………………………………………………………...….56
In den reinen Strahlen des Lichtes ……………………………………………………………...…56
Meditation für Pflegende und Therapeuten ……………………………………...………………..57
Hierarchien-Spruch – Steiner-GA 237 – und Hierarchien nach Dionysios Areopagita …….……58
Grundstein-Meditation – Steiner-GA 40 …………………………………………………..….…..59
Geist Deiner Seele – für Verstorbene – Steiner-GA 40 ………..……………………………….…62
GEBETE ……………………………………………………………………………………….….63
Abschiedsworte-1 – bei Waschung oder Aussegnung ………………………………………….…63
Abschiedsworte-2 – vervollständigt und umgestellt - bei Waschung oder Aussegnung ……….…64
SEGEN ………………………………………………………………………………….…………67
BILDER …………………………………………………………………………………………...70

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Carlos Gerlach – Christlich-spirituelle Begleitung am Lebensende

0. Vorbemerkung

Manchen Fragestellungen der Kindheit bleibe ich lebenslänglich treu. „Was haben
Tod und Sterben mit meinem Leben zu tun?“ … fragte ich mich am Vorabend meiner
Geburtstage bei den traditionellen Gedenkspaziergängen zu Allerseelen auf dem
Friedhof in der Fülle brennender Kerzen auf den Gräbern. Totengedenken in einer
katholischen Region. Kerzen als Sinnbilder einzelner Seelen, die im Wesentlichen
nicht aus der Welt verschwunden sind – sondern nur in anderer Daseinsform leben.
Mit 16 Jahren verließ ich meinen Kindheitsort und absolvierte meine erste
Berufsausbildung in Weimar. Auch hier behielt ich die Tradition meiner Geburtstags-
Spaziergänge auf dem Friedhof bei. Noch heute kann ich die Stelle angeben auf
diesem beeindruckenden historischen Friedhof, an der ich mit 17 Jahren eine meiner
stärksten Intuitionen im Leben gefunden habe:
„Geboren werden, ist ein Absterben aus der geistigen Welt heraus.
Sterben – ist ein Geboren-werden in die geistige Welt hinein.“
Zwanzig Jahre später – auf einer Zugfahrt nach Stuttgart an der Rheinstraße entlang –
fand ich in den Fragmenten des Novalis fast die identischen Worte, die mich mit
einem freudigen Schreck erfüllten. Mit 17 Jahren kannte ich Novalis und seine Werke
noch nicht. Offenbar gibt es einen Bereich des Geistigen, aus dem heraus wir alle als
geistige Wesen eine Heimat haben und mit der Wahrnehmung unseres Denkens
eintauchen können in eine andere Realität als derjenigen unserer Alltagswelt.
Spiritualität erlebbar. Unmittelbar. Nicht allein gebunden an einen religiösen oder gar
kirchlichen Bezugsrahmen.
Trotz späteren theologischen Studien, fühlte ich mich nicht eindeutig zu einer
Priester-Wirksamkeit in der Organisation Kirche berufen, sondern ich rief in mir stets
das Grundempfinden vom „allgemeinen Priestertum aller Christen“ (Apostel Paulus)
auf. Dies kann ich mit meiner Arbeit als Krankenpfleger gut vereinen.
Pastoralmedizin war der frühere Begriff dafür, heute nennt man es „Spiritual care“
und wird seit 2010 an der Universität München gelehrt. Ein Priester äußerte mir
gegenüber einmal im Gespräch, daß er mich um meine Möglichkeiten
seelsorgerlichen Wirkens in der Krankenpflege beneide: „Zu mir kommen nur die
Menschen, die ihren Weg ohnehin schon gefunden haben. Sie haben mit allen
Menschengruppen zu tun, die existentiell betroffen sind.“ Mit der realeren und
greifbareren Aussicht auf die eigene Sterblichkeit z.B. durch eine Krebsdiagnose,
verschiebt sich das Wertebewußtsein der meisten Menschen augenfällig. So sind
nicht mehr die Berufsgruppen von Arzt, Krankenpfleger, Krankenschwester,
Psychotherapeut, Kunsttherapeut und Seelsorger scharf voneinander gesondert wie
noch vor 20-30 Jahren. Es geht also um die Erweiterung meiner eigenen Wirksamkeit
innerhalb des Pflegeberufes in einem interdisziplinären Team auf der Palliativstation
der Uniklinik Düsseldorf.

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Carlos Gerlach – Christlich-spirituelle Begleitung am Lebensende

Alexa Kriele prägt in ihrem Buch „Mit den Engeln über die Schwelle zum Jenseits“1
einen wunderbaren Begriff: „Sterbe-Ammen“. So wie an der Schwelle IN das Leben
die Hebammen, sollte es auch am Lebensende kompetente Helfer geben, die auch
spirituell wissen, was zu tun ist. Sie können den Weg AUS der irdischen Welt in die
geistige Welt mit ihrer fachlichen und menschlichen Kompetenz begleiten. Dieses
Kapitel über professionelle Helfer in o.g. Buch finde ich so prägnant und
einleuchtend, daß ich es als Zitat in den Anhang dieser Arbeit aufgenommen habe. Es
hat meinen Entschluß bewirkt, meinen Dienst seit nunmehr 2½ Jahren auf der
Palliativstation in diesem Sinne zu leisten.
Innerhalb meiner Beschäftigungen mit diesem Thema kenne ich zwar einige
Besonderheiten anderer Religionen wie Judentum, Buddhismus und Islam. Aber ich
stamme aus dem christlichen Kulturkreis, habe mich innerlich damit verbunden und
mein Gemüt kennt die Herzenssprache, andere Christen darin zu erreichen. Deshalb
grenze ich meine Arbeit auf dieses Thema ein. Es ist selbstverständlich, daß ich
Kranke und Sterbende anderer Glaubensbekenntnisse ebenfalls mit allen
Möglichkeiten würdevoll aus dem Leben begleite, aber eine wirklich spirituelle Hilfe
kann meiner Erfahrung nach besser ein Angehöriger der gleichen Religion sein.
Natürlich gibt es auch religionsübergreifende Vorstellungen z.B. von hilfreichen
Engeln und gemeinsame Wertebezüge in einer fruchtbaren Lebensrückschau.

1. Voraussetzungen – „Man sieht nur mit dem Herzen gut“

Nicht allein Wissen und Ausbildung befähigen zu einer solchen christlich-spirituellen


Begleitung Schwerstkranker, Sterbender und deren Angehöriger in der
Trauerbegleitung – unser ganzes menschliches Sein ist gefordert: Achtsamkeit,
Demut, Bereitschaft zum Lauschen auf das DU, Verwandtschaft in den
Schicksalsähnlichkeiten, Ehrfurcht vor dem Lebendigen, Taktgefühl in der
Begegnung mit der ganz anderen Seele und ihren individuellen Bedürfnissen und
Lernaufgaben in der Welt. All das sind Grundlagen geglückter spiritueller
Begegnungen von Mensch zu Mensch. In allem Wirken bin ich zugleich Lernender.
Bis zuletzt. Es geht nicht um fertige ideologische Vorstellungen, nicht um fest
beschriebene Moralgrundsätze, sondern um lebendige Prozesse und gelebte
Gemeinschaft. In jedem Verlust, jedem Loslassen sterbe ich in kleinen Schritten und
bin dem Sterbenden und seinen Angehörigen nah. Abschiede sind für uns ein
tägliches Erlebnis und prägt unsere Haltung. Ein übender Weg – meist durch das
Leben selbst bestimmt. Dadurch auch wahrhaftig und dem anderen Menschen
gegenüber glaubwürdig. Meine Lebensmaximen sind mit den Jahren einfacher
geworden: „Alles, was aus wirklicher Liebe geschieht, kann nicht verloren gehen.“
Spirituelle Begleitung ist ein Liebesdienst. Es geht auch um Geistes-Gegenwart:
Ideen haben zur rechten Zeit. Lauschen auf die Bedürfnisse – die eigenen ebenso, wie
die der anderen Menschen.

1
Alexa Kriele, „Mit den Engeln über die Schwelle zum Jenseits“, Heinrich Hugendubel Verlag München, 2004

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Freude erleben über jeden geglückten und sinnvollen Kontakt. Künstlerischer Sinn ist
dabei hilfreich. Freude an der Natur ebenso, wie Erlebnisse in Musik, bildender
Kunst, Umgang mit dem Wort. Wenn ich etwas Lebendiges pflege, kann ich auch
Kranke pflegen. Wir sind alle täglich eingebunden in hohe spirituelle Prozesse, aber
nur selten haben wir ein Bewußtsein davon. Sympathie und Liebe öffnen die eigene
Seele für das DU. In der eigenen Seelenhygiene und Achtung vor dem Geheimnis
meines Lebens mache ich mich bereit, den anderen zu achten und ihn in seiner
Besonderheit anzunehmen. Das gelingt nicht immer. Als Maßstab übenden
Bemühens hat es sich bewährt. Christus ist der Lehrer der Menschenliebe und
Geistesliebe. Auch wenn ich nicht über meine Beweggründe spreche – meine
Haltung wirkt. Die Fragen und Ängste, die uns bewegen, sind letztlich gar nicht so
verschieden: Sinnfragen, Lernfragen, das Erwerben von Fähigkeiten; Spuren, die wir
hinterlassen. Lebensmodelle. In unserem Kurs Palliative care haben mich die
Ausführungen unseres Dozenten Herrn Schlotmann in dieser Richtung sehr
unterstützt, ebenso die Ausführungen über „Palliative Haltung“.
Im Denken, im Fühlen und im Handeln erlebe ich mich als Mensch. Jede Begegnung
verläuft anders, verlangt von mir Einfühlung und Geistesgegenwart, Improvisations-
vermögen. Meine Lehrer sind u.a. Elisabeth Kübler-Ross, A. Moody, Rudolf Steiner,
Dichter wie Goethe, Schiller, Kleist, Novalis, Lessing, Rilke und Hermann Hesse.
Meine Kräfte sind begrenzt. Durch meditative Übungen seit meinem 20. Lebensjahr
schaffe ich es jeden Tag, meine Kräfte neu zu mobilisieren. Darin tausche ich mich
mit anderen Übenden aus und entwickelte zum Beispiel Geburts-Meditationen nach
dem Geburts-Horoskop – so wie wir von der geistigen Welt veranlagt sind. Ein
Beispiel für Namens- und Geburtsmeditation findet sich im Anhang. Für manche
Patienten, Angehörige und Kollegen habe ich solche Meditationen erarbeitet und
weitergegeben und kann von der Stärkung, die von ihnen ausgehen aus eigener
Erfahrung berichten. Auch Märchen können diese Kräftigung bewirken, wenn sie
mindestens täglich über einen Zeitraum von 4 Wochen gelesen werden. (Immer das
gleiche Märchen.) Ich erlebe Verstorbene und Engel in meinem Leben als Helfer, die
mich beschützen und inspirieren. Das Wiederholen von christlichen Gebeten und
Evangelienstellen wurde zum lebendigen Besitz; und wenn ich eine solche Stelle
rezitieren kann, statt sie nur zu lesen, sind Erlebniskräfte in diese Worte aus meinem
Leben mit eingegangen. Sie wirken anders, dichter, umfassender.
In den „Briefen an einen jungen Dichter“2 charakterisiert der Dichter R. M. Rilke die
Liebe einmal folgendermaßen: „…der Liebe, die darin besteht, daß zwei
Einsamkeiten einander schützen, grenzen und grüßen…“ Darin können wir
Einsamkeit überwinden und zur Gemeinsamkeit finden. Vom Verstehen ausgehen
und münden in ein Ein-verstanden-Sein. Einverstanden mit dem eigenen
Lebensverlauf und bereitmachen zum letzten Loslassen im Sterben.
Meine Patienten und meine Kollegen sind mir gleichermaßen Ansporn und Lehrer.
Auch darin lebt sich ein neuer Geist von Gemeinschaft.
Im Folgenden beschreibe ich nun einige Mittel spiritueller Begleitung.

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R. M. Rilke, „Briefe an einen jungen Dichter“ (an Franz Xaver Kappus), Rom 14. 5. 1904, Insel Verlag 1952, Bd. 406

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2. Das lebendige Wort in Gespräch und Ritus – Lebensrückschau

Als Pflegende sind wir neben Angehörigen und Freunden diejenigen, die die meiste
Zeit am und mit dem Patienten verbringen. Unsere Handlungen vollziehen wir ja
nicht stumm. Wir sprechen dabei mit den Menschen. Und dies im Rahmen einer
täglich gelebten Normalität – nicht in Sonderstellung wie im Arztgespräch, im
Psychologengespräch und Seelsorgergespräch. Auch die Angehörigen sprechen uns
oft an, da sie weniger Hemmungen empfinden, als gegenüber den anderen
Berufsgruppen. Bei Waschungen, Verbandwechseln und Ähnlichem besteht zudem
eine große körperliche Nähe, die Vertrauen schafft und zum Gespräch einlädt.
Wir hören von Erlebnissen, Reisen, Familienzusammenhängen, Interessen und
Vorlieben und können so viel erfahren und darauf eingehen. Sinnfragen und
Lebensängste kommen zur Sprache. Auf Bücher, die auf dem Nachttisch liegen,
könne wir Bezug nehmen und so teilhaben an der Innenwelt dieser Mitmenschen.
Berufserfahrungen und Lebenshintergründe bilden den Ausgangspunkt für
Gespräche, die über das übliche Mitteilungsbedürfnis hinausgehen. Auch religiöse
Fragen werden berührt. Was hatte einen Wert? Da ich nur nachts arbeite, erlebe ich
dies ganz besonders: Besucher sind gegangen, keine Ablenkungen durch Arztvisiten,
es wird ruhig; die einbrechende Nacht hat ihre eigene Dynamik. Mit wachsender
Lebenserfahrung habe ich auch keine Scheu, ausgewählte eigene Erlebnisse und
Interessen zu erzählen. Ich kann nach Lieblingsbüchern fragen, Gebete, die im Leben
eine Rolle gespielt haben. Vielleicht ein Lieblingsmärchen vorlesen oder ein Gedicht
sprechen, welches eine Bedeutung hatte, Lieblingslieder erfahren und nochmals mit
dem Kranken oder Angehörigen gemeinsam singen.
Interesse und Wahrheitssinn bilden das Fundament für Gespräche auf Augenhöhe.
Wünsche kann ich erfahren, die ich zu einem späteren Zeitpunkt berücksichtigen
kann, wenn sich der Kranke oder Sterbende vielleicht nicht mehr mitteilen kann. Ich
kann auch fragen, ob ich nach dem Tod für sie oder ihn beten darf. „Das würden Sie
für mich tun?“, kommt dann manchmal als erstauntes Echo und wird auch als eine
Form von persönlicher Zuwendung erlebt.
Die Rolle von Meditationen habe ich bereits angesprochen. Davon erzähle ich auch
ganz freimütig, wenn es in den Rahmen paßt. Oder ich wünsche eine gute Nacht und
füge bei: „Wenn Sie im Schlaf Ihrem Schutzengel begegnen, grüßen Sie ihn bitte von
mir. Wir können seine Hilfe gut brauchen, denn nur aus unserer eigenen Kraft heraus
vermögen wir diese Arbeit nicht allein zu schaffen.“
Manchmal kommt auch eine subjektiv empfundene Schuld zur Sprache, die im
Gespräch anders beleuchtet werden kann. Das Gelernte, Gelungene und Sinnvolle
dieses Lebens in den Focus des Anschauens nehmen und nicht nur das Nicht-
Gelungene. Ermutigungen geben, die bislang unausgesprochenen Themen mit
Partnern, Angehörigen, Kindern zu besprechen und möglicherweise aufzulösen, wenn
noch Zeit dafür ist… Abschied zu nehmen, vielleicht noch um Besuche bitten für ein
letztes Danke sagen oder um Verzeihung zu bitten.

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Carlos Gerlach – Christlich-spirituelle Begleitung am Lebensende

Anregungen zum Schreiben: ein Brief für „danach“ oder gar eine Art Tagebuch für
ein Kind, das noch zu klein ist. Damit es weiß, wer seine Mutter war…
Lebensrückschau für die eigene Stärkung und gegen das Vergessen.
Spuren hinterlassen, noch ein Bild malen am kommenden Tag mit der
Kunsttherapeutin.
Lebens-Eindrücke und Lebensausdruck mit Hilfe eines künstlerischen Mittels.
Mir kommen da einige Erinnerungen:
Frau V., 33 Jahre, die noch ein Buch schrieb für ihren 3-jährigen Sohn.
Frau S., 74 Jahre, seit drei Tagen ohne Bewußtsein, die – meine Erzählung vom
großen Eindruck des Sterbens meiner Mutter ihren beiden Töchter erzählt – wie ein
Boot benutzte, um selbst die große Reise anzutreten.
Herr S., 62 Jahre, der nach einer Waschung und Aufmerksamkeit für seine
Tätowierungen von seinem Leben erstmalig erzählte, seiner Einsamkeit ohne
Partnerin und Familie, seiner unglücklichen Jugendliebe, Gewalterfahrungen durch
Vater und Bruder, 7 Jahre Leben auf der Straße, Selbstmord des Vaters,
Schuldgefühlen … wie eine Lebensbeichte, Erlebnisse die ihn lange bedrückt haben
und die nun losgelassen werden konnten. So daß er zwei Tage später friedlich sterben
konnte.
Das Gespräch mit Iwona, einer 32-jährigen Partnerin eines Patienten, fragend, wie sie
nach dem Tod ihres Mannes weiterleben könne (Suicidgedanken) – und ich ihr vom
Tod meiner ersten Partnerin erzählte und ich später doch noch eine große Liebe
gefunden habe. Die Rolle, die mein Glauben dabei gespielt hat. Buchempfehlung:
Marie von Nagy – R. Steiner über den Selbstmord.
Frau D., die mit der Kirche haderte, weil sie geschiedenen Menschen keine weitere
kirchliche Ehe erlaubte, die dann nach dem Tod ihres Mannes ganz liebevoll von
ihren reichen gemeinsamen Jahren erzählte. Ihr Staunen über so viel Reichtum und
Trost, trotz des schmerzenden Verlustes.
Drei Söhne einer verstorbenen 52-jährigen Krankenschwester zwischen 14 und 18
Jahren, die mich nach einer Aussegnung fragten zum Leben nach dem Tod und ich
ihnen Literatur empfehlen konnte, die mir nach dem Tod meiner Eltern geholfen hat.
Worte, die berühren, die aufklären, die trösten. Worte, die Einsamkeit und Isolation
überwinden helfen. Worte des gemeinsamen Gebetes im Vater-Unser, im Spenden
eines christlichen Segens, im dankbaren Verabschieden der Sinne der Verstorbenen
(siehe Anhang). Und das kraftvolle altgriechische Mantra, gesungen mit einer
gregorianisch-nachempfundenen Melodie.

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3. Musik für die Seelen

Der romantische deutsche Dichter Novalis schrieb einmal in seinen Fragmenten3:


„Krankheit ist ein musikalisches Problem.
Heilung ist dessen musikalische Auflösung.“
Die Kraft der Musik ist uns allen bekannt, egal, welche Musikformen wir im Hören
bevorzugen: Musik kann in Bewegung bringen, Musik kann Angst lösen und Unruhe
mildern, Musik kann den Schlaf herbeiführen, der lange nicht kommen will, Musik
als Erinnerungs-Schatz der „guten alten Zeiten“, Musik als Quelle spiritueller
Grunderfahrungen in Kirchenmusik oder im Jazz, psychedelische Musik, Weltmusik
für Patienten, die ihre Wurzeln in Indien, Asien oder Afrika haben und sich dort
wieder heimisch fühlen, Musik im Volkslied oder Kirchenlied als Bestandteil der
eigenen Lebensgeschichte, Ausdruck der Lebensfreude. Musik, die zur Ruhe
kommen läßt bei großem Verlust und Schmerz, Musik als Ein-Stimmung von
rituellen Abschieden bzw. Aussegnungen.
Auf unserer Station haben wir einen mobilen Snoezelenwagen, der neben farbigen
Lichtspielen, Duftlampe auch einen CD-Player besitzt. Gerade bei Unruhe und
Ängsten oder scheinbar wenig sichtbaren Wahrnehmungen somnolenter Patienten,
kann die richtige Musikauswahl für elementare Beruhigung und Freude sorgen. Ob
klassische Musik oder Balladen der Jugendzeit, ob Meditationsmusiken oder
Musiken mit Naturgeräuschen von Meer und Natur. Sie kann Frieden bringen. Das
Hören ist der letzte physische Sinn, der sich im Sterben verabschiedet.
Auch Klangschalen, Trommeln, Gong, Zimbeln kommen bei uns zum Einsatz (siehe
Bilder unten).
Einstimmung auf das Hören von Sphärenmusik, die von Menschen beschrieben
wurde, die klinisch tot waren und von ihren Erlebnissen berichtet haben.
Daher sollten wir den Musikgeschmack der Patienten kennen und ihnen möglichst
anbieten, was ihnen vertraut ist und keine Widerstände erregt.
Wir können nicht die ganze Zeit bei den Patienten sein. So kann die Musik
Stellvertreter sein und ein Maß für die vergehende Zeit, die auch in den letzten
Stunden eine oft hilfreiche Orientierung bildet, da sie in der Zeit verläuft und doch
auch Zeitlosigkeit repräsentiert. Es gibt Stimmen in Chören von „überirdischer
Schönheit“ – ich denke da an Musiken des Hilliard-Ensembles z.B., an Oratorien von
Händel oder Felix Mendelssohn Bartholdy oder Beethoven’s „Missa solemnis“ und
Mozart’s „Requiem“. Der Komponist Franz Schubert soll auf seinem Totenbett
kraftvoll gesungen haben.
Eine Patientin auf Station hatte einen wunderbaren Nachmittag, als sie mit ihrer
Schwester alle bekannten Volkslieder und Kirchenlieder 3 Stunden lang gesungen hat
(diese Generation kennt noch die Liedtexte!) und erst kürzlich erlebt ich einen Sohn,
der seiner Mutter Lieder von ihrer Pilgerreise in Trier vor ihrem Tod gesungen hat
und damit ein letztes Lächeln hervorlockte.

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Novalis, Fragmente, Verlag C. H. Beck, München 1969, Fragmente „Blütenstaub“ 1797-1798

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Carlos Gerlach – Christlich-spirituelle Begleitung am Lebensende

Bei der Totenwaschung einer verstorbenen Lehrerin auf Station sang die jüngere
Tochter ganz unglaublich, was mich zu dem Schreiben eines Gedichtes bewegte
(„Manchmal“ – siehe Anhang).
Bei der Aussegnungsfeier singe ich gerne ein altgriechisches Mantram von Menander
(siehe voriges Kapitel). Man muß den Text nicht verstehen und es wirkt dennoch
einen starken Frieden.
Als Ein-Stimmung nehme ich gerne die kleinen Zimbeln aus Nepal, die mit ihrem
schwebend-hellen Klang wie Glöckchen zur Ruhe kommen lassen in dem
vorherrschenden Schmerz der Angehörigen. Dabei beginne ich am Kopf und gehe
dann Station für Station abwärts bis zu den Füßen. Auch die kleine Klangschale ist
gut geeignet. Ihr Obertonreichtum bewegt friedvoll und fördert die Aufmerksamkeit
jenseits der Worte.
Wenn trauernde kleine Kinder junger Verstorbener zugegen sind oder Enkel, nehme
ich auch gerne die Klangstäbe und lasse sie von den Händen der Kindern erklingen,
die dann aktiv beteiligt sind. Der Gong kommt relativ selten zum Einsatz und wird
nur ganz behutsam angeschlagen, da seine mystische Kraft unangenehm oder
„magisch“ empfunden werden kann. Er ist im Abschiedsraum aber ständig zu sehen,
da seine verschiedenen Metalle im Anschauen wie eine kosmische Sonne erlebt
werden kann.

Klangschale aus Asien Zimbeln aus Nepal

Gong aus Asien Klangstäbe

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Carlos Gerlach – Christlich-spirituelle Begleitung am Lebensende

4. Aetherische Öle und Waschzusätze

Das Betätigungsfeld in der Aromatherapie ist sehr umfassend und bedarf eigentlich
einer eigenen Hausarbeit – auch einer eigenen Ausbildung.
Düfte sprechen unmittelbar unsere tiefsten Emotionen an und sind sehr persönlich
definiert in Vorlieben und Abneigungen – ganze Erinnerungslandschaften tun sich
auf, wenn wir zum Beispiel einen „Kindheitsduft“ von Karamel oder Zimt und
Nelken erleben.
Auf unserer Station haben wir das für Kliniken seltene Privileg, Öle und
Waschzusätze der Firmen Wala® und Weleda® bestellen und nutzen zu dürfen. Sie
sorgen bei Waschungen mit ihnen für Wohlbefinden, Kräftigung und unterstützen die
therapeutischen Prozesse. Reine Duftöle in Verdunstungslampen benutzen wir ebenso
(manchmal in Kombination mit ausgestellten Tellern mit gemahlenem Kaffee zur
Geruchsneutralisation) bei Patienten mit offenen Tumorwunden oder pathologischen
Diarrhoen.
Der Geruchssinn gehört zu den sogenannten antipathischen Sinnen. Dies können wir
selbst überprüfen bei einer neuen Wahrnehmung, wenn wir zunächst vorsichtig
prüfend, schnüffelnd, eine kleine Duftprobe einatmen und erst nachher einen tiefen
Atemzug nehmen, sofern wir den Duft als angenehm empfinden. Andererseits stellen
unangenehme, faulige Gerüche eine der heftigsten Herausforderungen dar in unserer
pflegenden Tätigkeit. Unterdrückung des Geruchssinnes z. B. durch Ausschalten der
Nase und alleiniges Atmen durch den Mund sind dann die Folge, bzw. die Tätigkeit
in einem Patientenzimmer ist nur zeitlich begrenzt und bei offenem Fenster möglich.
Seelisch ist es für Patienten sehr belastend, „sich selbst nicht mehr riechen zu
können“.
Öle als Waschzusätze für den ganzen Körper oder auch als einzelnes Hand- und
Fußbad sollten in Dispersionen mit Milchfetten verwendet werden, da sie sich sonst
nicht mit dem Wasser verbinden und nicht von der Haut aufgenommen werden
können.
Lavendel wirkt beruhigend; Rosmarin erfrischend, belebend und antriebssteigernd;
Citrusdüfte erfrischend; Malvenöl wirkt antidepressiv, kräftigend und steigert das
Wohlgefühl. Arnikaöl ist für Massagen gut geeignet, fördert die Durchblutung und
wirkt gegen lokale Traumata. Bei Schmerzen nehmen wir zur lokalen Einreibung und
Massage Aconitöl. Zusätze mit einigen Tropfen Orange, Mandarine wirken
erfrischend; Sandelholz wärmt und vermittelt Geborgenheit; Muscat, Zeder,
Weihrauch und Myrrhe werden relativ selten benutzt und eignen sich als Zusatz bei
der Salbung von Verstorbenen durch die holzig-würzige und markant-dominante
Duftnote.
Gerade in diesem Zusammenhang ist das Erfragen von persönlichen Vorlieben der
Patienten wichtig bzw. das angebothafte Präsentieren eines Duftes vor der
Anwendung – auch sind Stimmungsschwankungen einzubeziehen:
„Könnte Ihnen heute dieser Duft zusagen?“

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Carlos Gerlach – Christlich-spirituelle Begleitung am Lebensende

Nach der Totenwaschung nehme ich persönlich meist Lavendelöl, weil es auf die
Angehörigen und mich selbst ebenfalls beruhigend wirkt. Auch Malvenöl und
Rosmarinöl mit einer Note Orange/Mandarine eignen sich hier gut. Bei schnell
eintretendem Verwesungsgeruch bevorzuge ich das frische Citrusöl.
In der Geschichte sind schon in den alten Kulturen Duft-Öle und damit versetzte
Salben verwendet worden. Vor allem in Ägypten, im Orient und in Palästina. Im
Neuen Testament wird es auch mehrfach erwähnt.
Bei christlich-kultischen Ritualen wie Taufe, Firmung, Priesterweihe, „letzter
Ölung“, die heute als Krankensalbung erfolgt, wird Krisam / Chrisam genommen.
Christos heißt übersetzt „der Gesalbte“. Dies wurde auch bei Königskrönungen in der
europäischen Geschichte verwandt.
Als intimer Akt der Totensalbung nach der Totenwaschung (kommendes Kapitel) ist
es Gelegenheit, zusammen mit den Angehörigen oder auch persönlich, in einer
liebevoll streichelnden Art (mit Lemniskatenbewegungen der endlosen Acht)
Abschied zu nehmen und das „Weggehen“ auch physisch zu be-greifen.
Wenn dabei Angehörige beteiligt werden, ist unser Taktgefühl besonders gefragt und
eine intensive seelische Begleitung ist notwendig. Es gibt aber kaum eine innigere
Art für Angehörige, Abschied zu nehmen. Eine feinfühlige Anleitung hierbei ist
unsere Herausforderung und zugleich dankbarste Aufgabe.
In diesem Akt können wir einzelne Körperregionen nochmals einzeln bedenken, wie
ich es in zwei Formen im Anhang angefügt habe (Verabschiedung von Ohren,
Augen, Stirn, Hände, Füße) …

Szenenfoto aus dem Film: „Ich sehe Dich“ – Lehrfilm in Palliativmedizin


Mit freundlicher Genehmigung von SpielRaum Filmproduktion GmbH.
Regie: Peter Wohlgemuth – Kamera: Raphael Wohlgemuth

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Carlos Gerlach – Christlich-spirituelle Begleitung am Lebensende

5. Die Totenwaschung, Totensalbung und festliches Ankleiden

Szenenfoto aus dem Film: „Ich sehe Dich“ – Lehrfilm in Palliativmedizin


Mit freundlicher Genehmigung von SpielRaum Filmproduktion GmbH.
Regie: Peter Wohlgemuth – Kamera: Raphael Wohlgemuth

Wir kommen nun zu den Ritualen. Hier ist im Besonderen die eigene palliative
Haltung zu üben und zu beweisen. Der Tod und die von ihm betroffenen
Verstorbenen strahlen einen eigentümlichen Frieden, eine eigene Würde aus, die
mich jedesmal neu ergreift und tief beeindruckt. Die sichtbare Verjüngung im Tode
durch das Wegfallen des Leidens und des Schmerzes, erlebte ich beim Tode meiner
Mutter ganz besonders intensiv – ich konnte mir erstmalig vorstellen, wie sie
gewesen sein muß als junge Braut, als meine Eltern sich kennenlernten.
Ein Gesicht wird zum Antlitz, der Kopf zum Haupt. Liebe und Demut bestimmen das
Erleben und das Geschehen.
„Das, was geschieht, hat einen solchen Vorsprung
vor unserm Meinen, daß wirs niemals einholn
und nie erfahren, wie es wirklich aussah…“
Rilkes Requiem für Wolf Graf von Kalckreuth

Es gibt eine ganz besondere ästhetische Qualität von „Schönheit“ im Tode. Einzelne
Merkmale des Menschen fallen mir dabei erstmalig bewußt ins Auge, die zur Zeit des
Lebens in der Wahrnehmung durch Handlungen und Gespräche abgelenkt, von mir
nicht bemerkt wurden: die langen Wimpern, beeindruckende Augenbrauen, sensible
Schläfen, ausdrucksvoll feine Hände …
Dies wird Euch und Ihnen allen bekannt sein.
Sehr eindrucksvoll wird eine solche Toten-Waschung und Versorgung nach dem
Nokan-Ritual in dem Film des japanischen Regisseurs Yojiro Takita gezeigt:
„NOKAN – Die Kunst des Ausklangs“.
Es gibt eine lehrhafte Christuslegende über die positive Haltung: Christus zeigt
seinen Jüngern in der Wüste einen Tierschädel. Die Jünger können damit zunächst
nichts anfangen.
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Carlos Gerlach – Christlich-spirituelle Begleitung am Lebensende

Da spricht er zu ihnen: „Aber schaut! Was hat er für schöne Zähne!“


Nach den Vorbereitungen für die Waschung und Versorgung, dem Aufstellen
elektrischer Kerzen, sammle ich mich in einem kurzen inneren Gebet, bringe mich
innerlich zur Ruhe und zum seelischen „Lauschen“. Es ist mir wichtig, daß diese
Handlungen in voller Freiheit und absoluter Ruhe erfolgen, ohne Gedanken, was
hinter den Kulissen auf mich wartet. Ich kläre mit den Angehörigen, ob sie die
Waschung mit vollziehen möchten. Wenn ich dann mit Angehörigen wasche, kommt
es manchmal zu liebevoll wertschätzenden Erzählungen über das Leben der
Verstorbenen und eröffnen mir einen vollkommen neuen Blickwinkel auf diesen
Menschen, den ich in der Klinikbehandlung so natürlich nicht haben konnte. Das
Gedicht „Desiderata“ von Max Ehrmann sagt „…auch sie haben ihre Geschichte“.
Alles ist dabei möglich: schweigen, sprechen, singen, beten; das Verabschieden
einzelner Regionen beim Waschen wie im Anhang beschrieben: wohin die Füße den
Menschen getragen, die Hände empfangen und gegeben haben …
Wir können mit mehreren parallel waschen, oder einzeln: einer wäscht, der andere
hält den Arm, das Bein und trocknet ab. Ein ganz besonderes Zusammenspiel.
Ich erinnere mich an eine Totenwaschung zusammen mit einer psychotischen
Ehefrau – unser psychologischer Oberarzt war zugegen und leitete diese Waschung –
ganz liebevoll, damit die Frau be-greifen fühlte, daß ihr Mann nun tot ist. Sie hatte im
Zimmer geschlafen und bemerkte nicht den Weggang ihres Mannes. Sie war darüber
völlig fassungslos und verzweifelt, daß sie nicht wach geworden ist. Der Arzt war
sehr behutsam mit ihr und schlug ihr vor, was sie als nächstes zulassen und versuchen
kann; fragte immer nach, wie es sich für sie anfühlt, ob sie eine Pause braucht. Dies
erfüllte mich dem Arzt gegenüber mit noch mehr Achtung und Liebe, und zeigte mir
erneut, mit welch tollen Kollegen in meinem Team ich arbeite. Jedesmal lerne ich
dazu.
Ebenso wie bei der Betreuung somnolenter oder komatöser Patienten, gehe ich davon
aus, daß die Seele dieses verstorbenen Menschen anwesend ist, alles hört und
mitbekommt. Ich wasche also keinen toten Gegenstand, einen Leichnam, sondern
einen MENSCHEN – und dies zum letzten Mal… –
Über die Waschzusätze erzählte ich bereits.
Von polnischen Angehörigen habe ich gelernt, mit den Verstorbenen dabei zu
sprechen und sie zu bitten, mitzuhelfen. Seitdem geht es viel leichter, auch wenn ich
alles alleine verrichte und der Verstorbene sehr schwer erscheint. Beim Drehen,
frisch Betten und besonders beim Ankleiden mit Festkleidung.
Die Salbung mit Duftölen ist besonders schön. Mit zarten Lemniskatenbewegungen,
wie ich es bei einer Weiterbildung in einer anthroposophischen Klinik gelernt habe,
trage ich das Öl auf und lasse es einziehen. Überschüssiges Öl wird danach vorsichtig
abgetupft. Zuvor habe ich den Verstorbenen frisch gebettet und es ist nicht schlimm,
wenn etwas Öl auf das weiße Laken gerät.
Das Ankleiden erinnert mich an das Bibelwort von der königlichen Hochzeit, wo nur
eingelassen wird, der ein Festkleid trägt. Denn es geht ja nun auf den Weg zur
Hochzeit mit dem höheren Selbst, der unsterblichen Seele mit Gott.

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Carlos Gerlach – Christlich-spirituelle Begleitung am Lebensende

Es macht im Bilde deutlich, daß ja auch der physische Leib, unser treuer Freund – der
Körper, der uns so lange gedient hat, auch letztlich ein Kleid, eine Hülle ist, welche
die Menschenseele nun zurückläßt, da sie nicht mehr gebraucht wird für weitere
irdische Erfahrungen.
Ich lege eine Kinnrolle an, damit der entspannte Kiefer nicht unten bleibt. Diese kann
ich nach Einsetzen der Totenstarre wieder entfernen. Abschließend decke ich ein
weißes Laken darüber bis zum Brustansatz. Es gibt immer ein feierlicheres Bild als
farbige Bettwäsche. Die Hände locker übereinander gelegt (damit sie so bleiben ist
manchmal eine Unterpolsterung der Ellenbogen erforderlich). Dann stecke ich eine
oder mehrere Blumen unter die Hände. Bei polnischen, italienischen, spanischen und
lateinamerikanischen Christen ist ganz wichtig, einen Rosenkranz mit in die Hände
mit einzubinden. Das mantrische Rosenkranz-Beten hat hier eine besondere
Bedeutung und kann überleiten zum Gebet im Abschiedsraum, welches dann die
Angehörigen verrichten können. Manchmal wird noch ein Kreuz, ein Engel, eine
Ikone dazugelegt von Christus, von der Gottesmutter Maria, einem Schutzheiligen.
Auch Familienfotos, eine Kinderzeichnung, ein Kuscheltier der Kinder.
Besonders rührte mich einmal, daß Enkelkinder eine weiße Krawatte für ihren Opa
bemalten, die wir dem Verstorbenen dann umgebunden haben.
Wenn alles bereit ist, bringe ich oder bringen wir den Verstorbenen in unseren
speziellen Abschiedsraum – Möglichkeit letzter Verabschiedungen. Da wir darin eine
kleine Kühlanlage haben, dürfen wir die Verstorbenen hier bis zu 48 Stunden auf
Station halten. So haben auch entfernt wohnende Angehörige noch die Möglichkeit,
anzureisen; Familie und Freunde können somit auch später noch Abschied nehmen.
Vor dem jeweiligen Patientenzimmer bzw. Abschiedsraum steht dann ein kleiner
Hocker-Tisch mit Deckchen, elektrischen Kerzen, Blumenstrauß und einer Schale mit
Sand, Muscheln und Kieselsteinen.
Für das gesamte Team, Mitpatienten und Besucher ein Zeichen, daß jemand
gestorben ist und wir uns in angemessener Lautstärke auf Station bewegen.

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Carlos Gerlach – Christlich-spirituelle Begleitung am Lebensende

6. Die spirituelle Verabschiedung und Aussegnung

Szenenfoto aus dem Film: „Ich sehe Dich“ – Lehrfilm in Palliativmedizin


Mit freundlicher Genehmigung von SpielRaum Filmproduktion GmbH.
Regie: Peter Wohlgemuth – Kamera: Raphael Wohlgemuth

In diesem Kapitel über die eigentliche christlich-spirituelle Verabschiedung, spielt


die persönliche Haltung die wichtigste Rolle. Wie ich den Patienten bereits zur
Verabschiedung in die Nacht mit dem Gruß an die Schutzengel sage: wir brauchen
ihre Hilfe und Unterstützung. Wir brauchen selbst den Segen Gottes und Christi, um
rituell redlich handeln zu können. Und der Heilige Geist bringt uns die so dringend
notwendige Geistes-Gegenwart: „Der Geist weht, wo er will…“
Dazu gehört Demut. Uns vor Höherem innerlich beugen. Ein Begriff, der
Zeitgenossen zumeist nur noch wenig sagt. Nicht auf meine Person kommt es hier an.
Innerhalb des „allgemeinen Priestertums aller Christen“ (Apostel Paulus) bin ich nur
derjenige, der diesen Raum schafft und Möglichkeiten zur Verfügung stellt. Sie sind
mir durch viele vorbildliche Lehrer in meinem Leben selbst zugewachsen. „Und ohne
Liebe ist alles vergeblich“, wie es im Hohen Lied der Liebe im Paulusbrief an die
Korinther heißt (siehe Anhang).
Geistesgegenwart bedeutet auch lebendige Improvisation. Keine Formelhaftigkeit
zulassen, die alle Lebendigkeit tötet. Ich bewege mich in gewissen Formen, aber mit
„künstlerischer Improvisation“; spüre Stimmungen aus Gesprächen mit Angehörigen
ab. Je nach Art und Anwesenheit (z.B. Kinder) entscheide ich mich manchmal im
letzten Moment für andere Reihenfolgen oder Textauswahlen. Bei Anwesenheit von
Kindern erzähle ich dann auch, daß der Verstorbene nun als Schutzgeist über sie und
die Familie wacht.
Vergebung. Christus hat uns allen längst vergeben. Es kommt nun darauf an zu
vermitteln, daß wir uns selbst vergeben lernen für das, was wir – aus welchen
Gründen auch immer – in unserem Leben nicht geschafft haben. Kollegen gegenüber,
der Familie, Freunden, Kindern, Anvertrauten.

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Carlos Gerlach – Christlich-spirituelle Begleitung am Lebensende

Die Bücher von Alexa Kriele – und von Sergeij Prokofieff: „Die okkulte Bedeutung
des Verzeihens“ – haben mir den Weg gezeigt.
Insofern bin ich Bruder, von Mensch zu Mensch. Mitfühlend und zugleich
hoffnungsvoll.
Ich kann nichts vermitteln, wenn ich nicht selbst aus meinem eigenen Glauben Kraft
schöpfen würde und das, was ich tue, für sinnvoll und wichtig halte. Und: es macht
mir Freude. Sonst würde ich es nicht tun. Eine Freude, die alltägliche Freuden an
Lebensgenuß weit übersteigt. Eine geistige Freude.
In dem Kapitel über das lebendige Wort habe ich schon etwas zu möglichen Texten
gesagt. Eine Auswahl von geeigneten Texten und Gebeten finden sich im Anhang:
Das können Gedichte von Rilke, Christian Morgenstern, Hesses „Stufen“ oder die
Abendmahls-Hymne des Novalis sein. Texte, die mich innerlich berührt haben – und
die verstanden werden können; im Glücksfall sind sie den anderen Beteiligten
vertraut oder sie vermögen anzuregen.
Gemeinschaftsbildung. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da
bin ich mitten unter ihnen.“, sagt Christus. Dies wird mir immer wieder bewußt,
wenn wir uns im VATER-UNSER-GEBET zusammenfinden, unsere Hände haltend
einen Schutzkreis um den Verstorbenen bilden. Und dies von den Angehörigen auch
kraftvoll mit gebetet wird. Es ist das einzige Gebet, das wörtlich im Neuen Testament
angegeben ist. Indem wir es Zeile für Zeile auch rückwärts sprechen, wird es
vollständiger. Denn es geht auf ein noch älteres Gebet des Essäer-Ordens zurück,
welches der Christus in der Reihenfolge umgestellt hat (Quelle: „Rudolf Steiner,
„Von Jesus zu Christus“).
Segen. Segnen können wir nur aus einer Vollmacht heraus. Ich erinnere meine
Mutter, die uns vor der Abreise von zu Hause ein Kreuzzeichen auf die Stirn malte
und sagte: „Bleibe behütet auf Deiner Reise, bis wir uns wiedersehen.“ …
Es gibt einen überlieferten Segen im Alten Testament (Genesis 14, 17-19) in der
Begegnung zwischen Abraham und Melchisedek. Der Sonnenpriester Melchisedek
bringt Abraham Brot und Wein entgegen und segnet ihn mit den Worten:
Der Herr, unser Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat,
segne und behüte Dich auf all Deinen Wegen.
Er lasse sein Angesicht leuchten über Dir
Und er erfülle Dein Herz mit Frieden!“
Bei der Priesterweihe wird eben dieser „Hohepriesterliche Segen“ dem werdenden
Priester gespendet. Nach „der Weise des Melchisedek“. Die Eucharistie mit Brot und
Wein (als unblutiges Opfer ohne Opfertiere) ist hier vorweggenommen und durch
Christus erneuert in der Stellvertretung seines Blutes und seines Leibes. Melchisedek
ist hebräisch und bedeutet: „König der Gerechtigkeit“ – er war der Priesterkönig von
Salem (Frieden). – Bezeichnenderweise wird diese Szene nur ganz knapp
beschrieben. – Diesem Segen geht ein Reinigungsgebet voraus, das je nach Situation
leise oder auch laut von mir gebetet wird (Anhang, Segen, Variante-2).

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Carlos Gerlach – Christlich-spirituelle Begleitung am Lebensende

Dieser Segen wird dann mit drei Kreuzeszeichen über Stirn, Mund und Herz
bekräftigt und besiegelt: im Namen der Trinität von Gott-Vater, Gott-Sohn und
Heiliger Geist. Weitere Texte aus dem Neuen Testament wie das „Hohelied der
Liebe“ (Paulus an die Korinther 1, 13), Paulus an die Römer (Römer 13, 10-14),
beide Hymnen aus dem Lukas-Evangelium (Maria und Zacharias), Passagen aus der
Apokalypse des Johannes, oder auch der Prolog aus dem Johannes-Evangelium
eignen sich. Über viele Monate las ich davon allein das „Hohelied der Liebe“,
rezitiere aber häufig auch die Hymne der Maria (Lukas 1, 46-55). All diese Texte und
andere finden sich im Anhang. Auswendiges Rezitieren ist mein Ziel dabei.
Ein möglicher Ablauf:
Eingerahmt werden diese Aussegnungen mit musikalischen Mitteln. Zimbelklänge zu
Beginn und zum Ende führen die Aufmerksamkeit in die Stille. Andacht. Mit
Kindern gern auch die Klangstäbe benutzend, da sie dadurch aktiv mitwirken können.
Danach intoniere ich in einer der Gregorianik nachempfundenen Melodie das
altgriechische Mantram des Menander (siehe oben im Kap. 2).
Dann ein Bibeltext. (z.B. Hymne der Maria, Johannes-Prolog, Hohelied der Liebe)
Vater-unser-Gebet gemeinsam bzw. ergänzt in der Muttersprache des Verstorbenen
durch die Angehörigen (bisher in polnisch und italienisch erlebt).
Segen. Mit Bekräftigung durch das Anrufen der Trinität.
Engels-Gebet „Geist Deiner Seele, wirkender Wächter.“ (Rudolf Steiner)
Eventuell ein Kirchenlied gemeinsam.
Musikalischer Abschluß mit Zimbeln oder anderem Instrument.
Dann verlasse ich den Raum und die Angehörigen pflegen ihren eigenen Abschied.

Ölgemälde von Dierick Bouts, Abraham trifft Melchisedek, Niederlande um 1464-1467

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Carlos Gerlach – Christlich-spirituelle Begleitung am Lebensende

7. Über den Tod hinaus – Johannesevangelium


und die Geisteswissenschaft Rudolf Steiners

Eine Sonderstellung der christlich-spirituellen Begleitung bilden nach dem Tod das
laute Vorlesen des gesamten Johannesevangelium und die Werke Rudolf Steiners, die
man dem Verstorbenen vorlesen kann.
Wichtig dabei ist, daß wir in diesem Falle LAUT lesen. Nur dann kann der
Verstorbene davon für seine Orientierung und sein Wachstum gewinnen. Das leise
Lesen ist für ihn nicht wahrnehmbar. Da dieses Lesen des Johannesevangeliums ca 4
Stunden dauert, kann man es mit anderen Familienangehörigen zusammen und
abwechselnd lesen. Für die Begleitung im stationären Rahmen ist dies zu lang und
kann nur außerhalb regulärer Arbeitszeiten praktiziert werden. Christlichen
Angehörigen empfehle ich diese Möglichkeit für zu Hause oder während der Zeit der
Aufbahrung. Es ist eine Anstrengung, die reiche Früchte für beide Seiten in sich
birgt. Für die Lesenden und aktiv Zuhörenden ebenso, wie für den Verstorbenen. Ich
habe dies 7mal bisher für meine Eltern, eine verstorbene Partnerin und mehrere
Freunde und einen Patienten getan.
Meine Mutter starb bei den Worten aus Johannes 14:
„Ich gehe hin, Euch eine Wohnung zu bereiten…
Ihr kennt den Weg, den ich jetzt gehe.“

Und bei einem verstorbenen Patienten während meiner Ausbildungszeit auf der Aids-
Station in der Uniklinik, fing beim Lesen abends nach 22 Uhr im Herbst bei völliger
Dunkelheit eine Amsel an zu singen: nur bei der Stelle von der Auferweckung des
Lazarus. (Johannesevangelium 11, 41-44) Danach wieder vollkommene Stille.
Das laute Lesen ist aber nicht an die erste Zeit nach dem Sterben gebunden – es kann
auch nach der erfolgten Bestattung gelesen werden. Die physische Gegenwart des
Verstorbenen ist nicht erforderlich. Die Seele weiß, wo für sie gebetet und gelesen
wird.
Laut Rudolf Steiner bewirkt dieses Erleben für den Verstorbenen eine geistige
Erweckung, die ihr oder ihm als Seele die Orientierung in der ersten Zeit in der
geistigen Welt erleichtern.
Das Johannes-Evangelium ist das letzte der 4 Evangelien und beginnt nicht wie die
anderen mit dem physischen Stammbaum oder der Weihnachtsgeschichte von Jesu
Geburt.
Wie ein Paukenschlag steht dieser unglaubliche Logos-Prolog im Anfang:
„Im Anfang war das Wort…“
Die geistige Herkunft und Vollmacht Christi wird hier lebendig beschworen. Und so
geht es weiter. Ab Kapitel 14 bis 17 finden wir die „Abschiedsreden Christi“ mit den
in christlichem Kontext allbekannten „ICH-Bin-Worten“ – sieben an der Zahl.
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Carlos Gerlach – Christlich-spirituelle Begleitung am Lebensende

Laut dem Geistesforscher und Begründer der Anthroposophie, Rudolf Steiner,


handelt es sich bei diesem Evangelisten um „den Jünger Johannes, den der Herr lieb
hatte“. Er ist die durch den Tod und Auferstehung gegangene Persönlichkeit des
Lazarus. Johannes beschreibt dies also „aus erster Hand“. (Joh. 11, 41-44) Im Alter
ist dies auch die Persönlichkeit desjenigen Johannes, dem Schreiber der geheimen
Offenbarung, der „Apokalypse“, dem letzten Buch des Neuen Testaments –
allerdings nicht mehr in dieser hoch philosophischen und gefeilten Schreibweise des
Johannesevangeliums, sondern in der relativ einfach gehaltenen, aber durch
unglaubliche Imaginationskraft gespeisten Sprache.
Im Anhang und in den beigefügten ebooks finden sich weitere Werke Rudolf Steiners
über das Leben der Seele zwischen dem Tod und der erneuten Wiedergeburt.
Für diejenigen, die eine Idee der Reinkarnation nicht generell ablehnen, ist das
Studium dieser Bücher bzw. Vorträge ein großer Fortschritt in der eigenen
Persönlichkeitsentwicklung. Und wenn man sie Verstorbenen ebenfalls laut vorliest,
haben auch sie eine große weitere Entwicklungsmöglichkeit in der persönlichen
Geistes-Evolution. (GA 9, GA 140 und GA 141; Themen-Taschenbücher TTB 9,
TTB 14, TTB 15, TTB 16, TTB 17).
Dies kann man erwähnen, sollte aber andere Christen nicht damit vor den Kopf
stoßen. Ich erwähne dies hier nur für vorurteilsarme Interessierte.
Des weiteren gibt es eine Reihe von Meditationen Rudolf Steiners, die ich im Anhang
abgelegt habe: darunter die sogenannte Grundstein-Meditation mit Anrufung aller 9
im Christentum beschriebenen Engels-Hierarchien; eine weitere Hierarchien-
Meditation und eine Meditation für Verstorbene: „Geist Deiner Seele, wirkender
Wächter…“, die sich um Unterstützung an den Schutzengel des Verstorbenen
wendet. Diese, sowie die anderen Meditationen von Rudolf Steiner, wie dem
„Anthroposophischen Seelenkalender“ und die „Zwölf Stimmungen“ (den
Meditationen zu den Sternkreiszeichen) entstammen alle dem Band GA 40
„Wahrspruchworte“, sind aber der Übersichtlichkeit halber dem ebook-Ordner als
Einzelausgaben angefügt.
In diesem Zusammenhang möchte ich noch ein weiteres Buch empfehlen, das ich
ebenfalls im Ordner der ebooks abgelegt habe:
Friedrich Rittelmeyer – Meditationen – 12 Briefe über Selbsterziehung (über das
Johannesevangelium).
Von Rudolf Steiner stammt ein weiterer Hinweis: Bei unerledigten Dingen kann ein
Angehöriger ins Einschlafen hinein Bitten oder Gebetswünsche für den Verstorbenen
äußern. Dann achte man auf die Träume und die ersten spontanen Ideen nach dem
Aufwachen. Darin kann die Antwort des Verstorbenen oder der Engel zum Ausdruck
kommen.
Einmal hat auch geholfen, bei Unerledigtem einen Brief zu schreiben und ihn dem
Verstorbenen laut vorzulesen. Daraufhin fanden beide Seiten Frieden.

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Carlos Gerlach – Christlich-spirituelle Begleitung am Lebensende

8. In Memoriam und Ausklang

Familie Alaimo – Voglia di vivere – Lust auf Leben

Sterbe-Kultur. Das Leben danach. Wie geht es weiter? Vergessen und Erinnern …
die Angehörigen und unser Team insgesamt.
Manchmal kommen die Angehörigen zum Jahrestag auf unsere Station. Oder es
bleibt ein Gruß, ein Gedicht, eine Zeichnung in unserem Gästebuch auf Station
(siehe Anhang).
Wir versenden persönliche Beileidsgrüße mit einem Gedicht, einem Spruch, einem
Psalm mit unterschiedlichen Bildern – durch die Spende eines kleinen christlichen
Verlages ermöglicht.
Persönlich bin ich das Vergessen leid und habe damit begonnen, wieder Tagebuch zu
schreiben, wie in meiner Jugend. Besonders über die Verstorbenen in meinem Dienst,
die ich versorgt und begleitet habe. Ich bin überzeugt, daß wir uns eines Tages
wiedersehen. Das Gedächtnis arbeitet unzuverlässig und vergißt, um frei zu sein für
Neues. Auch das ist gesund. Tagebuch als „dingfestes Vergessen“ – Loslassen –
Einüben des eigenen Sterbens, welches mit Sicherheit kommen wird. Reichtum der
Erinnerungen, Sinn und Selbst-Besinnung dessen, was mein Leben auch ausmacht.
Erfahrungen lassen mich lernen – und helfen dann auch wieder Angehörigen und
Patienten. Wie in dem Fall des russischen Professors, der im Sterbeprozeß seine
Hand in den Raum ausstreckte, als wolle er jemanden berühren und auf ihn zeigen.
Die ratlose Tochter fragte mich, was das sein könne. „Manchmal sehen Sterbende vor
ihrem Tod Engel oder zuvor verstorbene Angehörige, die sie abholen kommen und
willkommen heißen.“ – Sie kam später ganz aufgewühlt zu mir und erzählte, daß ihr
Vater das Gesicht seiner Mutter gesehen habe, von Sternen umkränzt …

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Carlos Gerlach – Christlich-spirituelle Begleitung am Lebensende

Wir erzählen uns als Team unsere Erlebnisse in den Supervisionen und
Einzelgesprächen. Alle haben Anteil, haben mitgewirkt – jede und jeder mit seinen
fachlichen und persönlichen Kompetenzen. „Sterbe-Ammen“ allesamt und zumeist
fröhliche Menschen mit viel Humor und Lust am Lachen. Das ist sehr gesund!
Im November jeden Jahres (inzwischen zweimal) zwischen Allerseelen und
Totensonntag halten wir ein Ritual ab:
Jeder verstorbene Patient bekommt seinen Namen auf einen Stein geschrieben, der
dann in ein großes Glas gelegt wird, Erinnerungen werden ausgetauscht, besondere
Situationen erwähnt, die Eindruck gemacht haben. Dieses Glas wird von
Angehörigen bemerkt und es ist in der schönen Kassettenwand in unserem
Abschiedsraum aufgestellt. Unsere Leben haben sich in einem Zeitabschnitt berührt.
Manche nur wenige Stunden, andere über Wochen, manchmal ist die Frucht ein
Briefkontakt mit Angehörigen wie mit Olivia K. seit nun fast einem Jahr.
Eine Meditation für Verstorbenen begleitet mich seit zwanzig Jahren täglich. Und ich
bin in meinen Intentionen nicht allein. Meine Kollegen, meine Dozenten und
Mitstreiter in diesem Kurs „Palliative care“ zeigen es mir. Das macht Sinn.
Lebenssinn.
Einatmen – Ausatmen. Erinnern und Vergessen. Wie das Leben selbst.
Und jede Menge zu Lernen …

Glasvase mit Gedenksteinen für jeden verstorbenen Patienten unserer Palliativstation

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Carlos Gerlach – Christlich-spirituelle Begleitung am Lebensende

Bildnachweis – Quellenangaben – weiterführende Literatur

Bildnachweis
Titelseite: Wandbehang „Neunerkreis Erde“ von Textilkünstlerin Heike Utta, Karlsruhe
Seiten 11, 12, 15: Szenenfotos aus dem Film: „Ich sehe Dich“ – Lehrfilm in Palliativmedizin.
Mit freundlicher Genehmigung von SpielRaum Filmproduktion GmbH. – Regie: Peter Wohlgemuth
– Kamera: Raphael Wohlgemuth

S. 7, 9, 21, Patientenbilder und Besucherbucheinträge aus dem Anhang


und Einbandfoto: eigene Fotografien
S. 17: Dierick Bouts, Niederlande um 1464-1467, Quelle Wikipedia zu Melchisedek
S. 20: Familiengemälde der Familie Alaimo „Voglia di vivere – Lust auf Leben“
unter Anleitung unserer Kunsttherapeutin Stephanie Hartmann, Offenbarung 21, 4

S. 72: Anhang – Kinderzeichnung von Maximilian – Oma ist nun ein Engel
S. 73: Anhang – Zeichnung von Familie Maathuis – Abschied und Weihnachten
Quellenangaben
S. 4: Alexa Kriele, „Mit den Engeln über die Schwelle zum Jenseits“, Kailash /
Heinrich Hugendubel Verlag München, 2004

S. 5: R. M. Rilke, „Briefe an einen jungen Dichter“ (an Franz Xaver Kappus), Rom 14. 5. 1904,
Insel Verlag 1952, Bd. 406
Rilke: Die Gedichte: Insel Verlag, 1957

S. 8: und Gedicht im Anhang: Novalis, Studienausgabe, Verlag C. H. Beck, München 1969,


Fragmente „Blütenstaub“ 1797-1798

Gedicht im Anhang: novemberengel, Autor: Michael Brose, Venedig, Alle Rechte beim Autor,
Widmung für Carlos Gerlach, 2. November 1986

Texte im Anhang: Abschied nehmen – Eine Hilfe bei Sterben und Tod, Thomas Verlag Leipzig
Bibelzitate aus dem NT:
Emil Bock – Das Neue Testament, Verlag Urachhaus, Stuttgart, 1980
Heinrich Ogilvie – Das Neue Testament, Verlag Urachhaus, Stuttgart, 1996
Aus den Briefen des Paulus, Übertragungen aus dem Griechischen von Johannes Lauten, Essen,
Römerbrief 13, 10-14 –Selbstverlag – mit freundlicher Genehmigung des Autors 2012 (2. Auflage)
Psalm 8 – Rudolf Frieling, Bibel-Studien, Verlag Urachhaus, Stuttgart, 1963

Psalm 23 – von Hermann Beckh – mündliche Überlieferung


Film: NOKAN – Die Kunst des Ausklangs, Regie: Yojiro Takita, 2008, Departures Film Partners

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Carlos Gerlach – Christlich-spirituelle Begleitung am Lebensende

Weiterführende Literatur
Alle als ebook ausgewiesenen Bücher sind für nichtkommerziellen,
persönlichen Gebrauch bestimmt und sind im Ordner „EBOOKS“ abgelegt.
Die meisten sind von mir selbst erstellt und gestaltet (Einbände).
Sie können auch als Download bezogen werden unter: www.scibd.com
Petra Anwar & John von Düffel – Geschichten vom Sterben, Verlag Piper
Bronnie Ware – 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen – arkana Verlag
Susanne Jung – Besser Leben mit dem Tod – (Bestatterin)Verlag Klett-Kotta
Gian Domenico Borasio – Über das Sterben – Was wir wissen, Was wir tun können, Wie wir uns
darauf einstellen – Verlag C.H. Beck
Walter Hinz – Geborgenheit – Vom Leben nach dem Tode – Arthur Brunner Verlag Zürich, 1977
David Keßler – Am Ende ist da nur Freude
Wolfgang Bergmann – Sterben lernen
Irvin D. Yalom – In die Sonne schauen – Wie man die Angst vor dem Tod überwindet – btb,
Originalausgabe 2008
Alexa Kriele – Beten mit den Engeln – Verlag Kailash / Hugendubel – ebook anbei
Alexa Kriele – Mit den Engeln über die Schwelle zum Jenseits – ebook anbei
Anthologie – Tod wird Leben – C.H. Mellinger Verlag, Stuttgart, 1989 – ebook anbei
Anthologie – Wandlung – C.H. Mellinger Verlag, Stuttgart, 1983 – ebook anbei
Apokalypse – Holzschnitte von Josef Weiss nach dem 1. Weltkrieg, Verlag Hugo Schmidt,
München, 1920 – als ebook anbei
Arie Boogert – Wir und unsere Toten – Verlag Urachhaus Stuttgart – ebook anbei
Otto Julius Hartmann – Wir und die Toten – Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt a.M., 1986
Rudolf Frieling – Christentum und Wiederverkörperung – Unionverlag, 1986
Brücke über den Strom – Hrsg. Herbert Hillringhaus – Novalis Verlag – ebook anbei
Das Büchlein vom Leben nach dem Tode – Theodor Fechner – Insel Verlag Leipzig, 1836 – ebook
anbei
Das Kind, das die Engel weinen hörte – Märchen vom Tod – Verlag Urachhaus, Stuttgart – ebook
anbei
DESIDERATA – Gedicht von Max Ehrmann – ebook anbei
Diktate über Sterben und Tod – Peter Noll – mit Totenrede von Max Frisch – Pendo Verlag
München und Zürich – ebook anbei
Dr. Günther Wachsmuth – Die ätherische Welt in Wissenschaft, Kunst und Religion – Verlag am
Goetheanum, 1927 – ebook anbei

Dr. Günther Wachsmuth – Kosmische Aspekte von Geburt und Tod, Beiträge zur Karma Forschung
– Verlag am Goetheanum, 1956 – ebook anbei

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Carlos Gerlach – Christlich-spirituelle Begleitung am Lebensende

Dr. Günther Wachsmuth – Die Reinkarnation des Menschen als Phänomen der Metamorphose –
Verlag am Goetheanum, 1935 – ebook anbei

Dr. med. Friedrich Husemann – Vom Bild und Sinn des Todes, Verlag Emil Weises Buchhandlung,
Dresden, 1938
Dr. Rudolf Steiner – Anthroposophischer Seelenkalender – dt., frz., engl., span. – als ebook anbei
Dr. Rudolf Steiner – Zwölf Stimmungen – Meditationen zu den Sternkreiszeichen – ebook anbei
Dr. Rudolf Steiner – GA 09 – Theosophie – ebook anbei
Dr. Rudolf Steiner – GA 140 – Okkulte Untersuchungen über das Leben zwischen Tod und neuer
Geburt, Verlag am Goetheanum, Dornach, Schweiz – ebook anbei
Dr. Rudolf Steiner – GA 141 – Das Leben zwischen dem Tode und neuer Geburt im Verhältnis zu
den kosmischen Tatsachen – Verlag am Goetheanum, Dornach, Schweiz – ebook anbei
Dr. Rudolf Steiner – GA 318 – Pastoral-Medizinischer Kurs –– Verlag am Goetheanum, Dornach,
Schweiz – ebook anbei
Dr. Rudolf Steiner – TTB 01 – Wege der Übung – Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart – ebook
anbei
Dr. Rudolf Steiner – TTB 09 – Wiederverkörperung – Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart – ebook
anbei
Dr. Rudolf Steiner – TTB 14 – Christologie – Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart – ebook anbei
Dr. Rudolf Steiner – TTB 15 – Das Leben nach dem Tod – Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart –
ebook anbei
Dr. Rudolf Steiner – TTB 16 – Mensch und Sterne – Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart – ebook
anbei
Dr. Rudolf Steiner – TTB 17 – Vom Wirken der Engel – Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart –
ebook anbei
Emil Bock – Apokalypse – Verlag Urachhaus – ebook anbei
Emil Bock – Wiederholte Erdenleben – Verlag Urachhaus, Stuttgart, 1975
Friedrich Rittelmeyer – Meditation – Zwölf Briefe über Selbsterziehung (Johannesevangelium) –
ebook anbei
Joy Snell – Der Dienst der Engel – Krankenschwester an Sterbebetten – Turm Verlag, 1994 – ebook
anbei
Marie von Nagy – Rudolf Steiner über den Selbstmord – ebook anbei
Novalis – Gedichte – Faksimile aus 1896 – ebook anbei
Rilke – Briefe an einen jungen Dichter – Insel Bücherei – ebook anbei
Rudolf Meyer – Weisheit der deutschen Volksmärchen – Fischer Taschenbuch – ebook anbei
Rudolf Meyer – Die Wiedergewinnung des Johannesevangeliums – Union Verlag, 1989
Sergeij O. Prokofieff – Die okkulte Bedeutung des Verzeihens – Verlag Freies Geistesleben,
Stuttgart, 1995 – ebook anbei
Sigrid Früh – Märchen von Leben und Tod – Fischer Taschenbuch – ebook anbei

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Anhang

Alexa Kriele – Professionelle Sterbebegleiter

Beispiel von Geburts- und Namens-Meditation

Gedichte

Meditationen

Bibel-Zitate

Aussegnungs-Texte

Worte eines Sterbenden an seine Angehörigen und Freunde

Checkliste – wichtige Hilfen im Falle eines Todes

Gästebuch-Einträge und Bilder


auf der Palliativstation
PM 01 / IZP Uniklinik Düsseldorf
Worte eines Sterbenden an seine Angehörigen und Freunde

Worte eines Sterbenden an seine Angehörigen und Freunde

Ich weiß, ihr fühlt euch unsicher.


Ihr wißt nicht, was ihr sagen oder tun sollt.
Aber glaubt mir bitte, wenn ihr in der Wahrheit bleibt,
dann könnt ihr gar keine Fehler machen.

Es mag sein, daß ich Fragen stelle


nach dem Woher und dem Wohin.
Ich habe noch so viele Fragen an das Leben und an euch ...

Wenn wir jetzt ehrlich sind,


dann können unsere Seelen sich berühren.
Bleibt bei mir und sucht mit mir nach Antworten.
Vielleicht schweigt ihr auch einfach mit mir,
weil es jetzt noch keine Antworten gibt.
Und wir lauschen gemeinsam in unseren Seelen
auf das, was kommt.
Weint mit mir –
auch hierin können wir uns nahe sein – ohne Worte.

Lauft nicht weg, wartet und haltet meine Hand.


Ich habe Angst, denn ich habe keine Erfahrungen im Sterben.
Andererseits bin ich schon oft in kleinen Schritten gestorben, in jedem wirklichen
Loslassen.
Ich habe es vielfach geübt – und dennoch ist es neu.
Den letzten Weg durch das Tor werde ich allein gehen müssen, ohne euch.
Allein – All-Eins.

Wenn ihr bei mir bleibt – auch im Krankenhaus,


in der Fremde – ist es vielleicht nicht so hart zu sterben.
Ich danke euch.

Verfasser unbekannt

Quelle: Abschied nehmen – Eine Hilfe bei Sterben und Tod, Thomas Verlag Leipzig
Alexa Kriele – Mit den Engeln über die Schwelle zum Jenseits

Alexa Kriele – Mit den Engeln über die Schwelle zum Jenseits

V. Professionelle Sterbebegleiter

Rätst du, professionelle Sterbebegleiter auch im Hause oder in der Klinik


heranzuziehen?
Ja, unbedingt. Solche werden ja zunehmend von den Gemeinden oder
Kirchengemeinden zur Verfügung gestellt, und es gibt sie auch in den Kliniken. Es
kommt allerdings darauf an, daß sie persönlich geeignet und gut ausgebildet sind. Sie
können dann dem Sterbenden seinen Weg erleichtern und ihm verständlich machen,
was in den verschiedenen Phasen geschieht und warum das gut so ist. Sie können
aber auch den Angehörigen mit Rat zur Seite stehen und ihnen sagen, wie sie sich
verhalten und was sie möglichst unterlassen sollten.
So wie ihr Hebammen braucht, braucht ihr sozusagen auch Sterbe-Ammen. Für
diesen Beruf sind sehr liebevolle und sehr geduldige Menschen geeignet, die aber
nicht nur sanft und verständnisvoll, sondern auch couragiert, entschieden und streng
sein sollten.
Sollten es Frauen sein?
Nicht unbedingt, aber man wird Menschen, die sich dafür entscheiden, eher unter
Frauen als unter Männern finden.
Worin sollte die Ausbildung bestehen?
– Erstens sollte der Sterbebegleiter eine gewisse psychologische und soziale
Schulung durchlaufen haben, die ihm eine gute Gesprächsführung sowohl mit dem
Sterbenden als auch mit den Angehörigen ermöglicht. Auch die medizinischen
Grundkenntnisse, die zum Verstehen des Sterbevorgangs unerläßlich sind, sollten
ihm vertraut sein.
– Zweitens sollten der Sterbebegleiter mit den typischen Phasen des Sterbens, aber
auch mit atypischen Varianten vertraut sein. Er sollte also die einschlägige Literatur
studiert haben, aber auch als Praktikant diese Phasen miterlebt haben.
– Drittens sollte er Offenheit für Spiritualität und Religion mitbringen. Er sollte
zumindest wissen, was die Seele in der ersten Zeit nach ihrem Sterben erwartet. Er
sollte möglichst die Berichte der Menschen kennen, die eine so genannte
Nahtoderfahrung gemacht haben. Wer sie selbst gemacht hat, wird als Sterbebegleiter
besonders gut geeignet sein. Es genügt aber, wenn das Sterben eines nahe stehenden
Menschen eine Betroffenheit ausgelöst hat, die zur intensiven Beschäftigung mit den
Phasen des Sterbens und mit den Nahtoderlebnissen geführt hat. Eine private
Vorerfahrung solcher Art wäre jedenfalls sehr hilfreich.
Alexa Kriele – Mit den Engeln über die Schwelle zum Jenseits

– Viertens wäre für einen wirklich guten Sterbebegleiter wünschenswert, daß er sich
möglichst realistische Vorstellungen auch von den Erlebnissen der Seele machen
kann, die in der Nahtoderfahrung nicht erreicht werden, z.B. von dem liebevollen
Empfang der Seele im Himmel, von der Generalbeichte, vom Gespräch mit Christus,
von der Heimkehr in den Zwölferkreis, von den verschiedenen
Betätigungsmöglichkeiten der Seele im Himmel. Zwar braucht der Sterbebegleiter
weder dem Sterbenden noch den Angehörigen davon erzählen, wenn er damit
religiös-weltanschauliche Irritationen auslösen würde. Sein Wissen darum wird ihn
aber mit einem Vertrauen erfüllen, das eine starke Ausstrahlungswirkung entfaltet.
Damit trägt er dazu bei, dem Sterben seine Schrecken zu nehmen und die Annahme
des Unvermeidlichen leichter zu machen.

Sollte er auch etwas über Reinkarnation wissen?

Der Blick darauf steht in der Phase des Sterbens nicht im Vordergrund. Jedenfalls
gehört die Lehre von der Reinkarnation nicht zum Ausbildungsprogramm des
Sterbebegleiters. Ohne äußeren Anlaß davon zu sprechen, könnte leicht auf
Befremden stoßen, es sei denn, der Sterbende fragt von sich aus danach. Tut er das,
und ist der Sterbebegleiter mit diesem Gedanken vertraut, dann braucht er nicht
darüber zu schweigen, sondern kann dem Sterbenden etwa sagen: »Du wirst in diese
Welt wiederkommen und wieder zu ihrem und deinem Heile wirken können, bis du
endgültig zum Vater heimkehren wirst.«

Sollte der Sterbebegleiter Christ sein?

Man wird am besten einen Sterbebegleiter heranziehen, der derselben Konfession


angehört wie der Sterbende. Ist dieser z. B. katholisch, dann kann ein katholischer
Sterbebegleiter mit ihm nicht nur über die Engel, sondern auch über die Heiligen
sprechen, die ihn liebevoll empfangen und ihm hilfreich zur Seite stehen werden. Er
kann ihm sagen, daß es Zeit ist, einen Priester zu rufen, Beichte abzulegen und die
Sakramente zu empfangen. Ist der Sterbende evangelisch, kann ein evangelischer
Sterbebegleiter vertraute Gebete mit ihm sprechen und ihm vertraute Lieder
vorsingen. Ist der Sterbende Moslem, wäre es gut, wenn auch der Sterbebegleiter
Moslem wäre. Wo das nicht machbar ist, sollte der Sterbebegleiter zumindest in
Grundzügen mit der Konfession des Sterbenden vertraut sein: ihre Heilige Schrift,
ihre Gebete, ihre Sprech- und Ausdrucksweise kennen, um seine Gespräche daran
anknüpfen zu können.
Alexa Kriele – Mit den Engeln über die Schwelle zum Jenseits

Und wenn der Sterbende und seine Familie keiner Konfession angehören?

Dann ist es erst recht wichtig, daß der Sterbebegleiter die Realitäten des Geschehens
nach dem Sterben kennt und auszusprechen bereit ist. Er sollte die Wahrheit sagen
und sich nicht etwa in vermeintlich weltanschaulicher »Neutralität« zurückhalten:
»wie Sie meinen«. Er ist nicht der Staat. Für ihn, für den Sterbenden und seine
Angehörigen geht es um die Wirklichkeit, d. h. um die Realitäten, die sich nach dem
Sterben zeigen werden.

Der Begriff »Glaube« wird mißverstanden, wenn man ihn gleichsetzt mit Meinungen,
die relativ und subjektiv sind. Glaube bedeutet ein Sich-Angeloben, nicht etwa einen
Weg in die Beliebigkeit. Der Sterbebegleiter wird seiner Aufgabe nur gerecht, wenn
er sich dem Himmel angelobt hat und wenn er vermittelt, was für eine Reise der
Sterbende antritt. Es geht darum, daß dieser versteht, was geschehen wird und nicht
davon überrascht wird. Es geht darum, diese Reise möglichst schön und würdig zu
gestalten und auch die Angehörigen nicht im Unklaren zu lassen.

Und wenn der Sterbende ein überzeugter Anhänger des materialistischen Dogmas
ist?

Dann sollte der Sterbebegleiter in höflicher Form versuchen, Zweifel zu wecken und
den Sterbenden auf die ihm bevorstehenden Erlebnisse vorzubereiten. Er wird ja sehr
bald den Realitäten begegnen! Er wird sich leichter tun, wenn er sie zumindest für
möglich, jedenfalls nicht für ganz ausgeschlossen gehalten hat.
Vom Arzt erwartet ihr ja auch nicht mehr, daß er dem Patienten die Wahrheit über
seinen Zustand vorenthält, selbst wenn diese schockierend und schmerzlich ist.
Ebenso wenig sollte der Sterbebegleiter dem Sterbenden die Wahrheit verschweigen,
sondern ihm erklären, was bevorsteht. Das gilt umso mehr, als die Wahrheit für ihn
zwar desillusionierend, aber nicht erschreckend ist – im Gegenteil. Allerdings sollte
auch der Sterbebegleiter – ebenso wie der Arzt – rücksichtsvoll, verständnisvoll,
behutsam vorgehen.
Es ist zwar wichtig, daß der Sterbende menschliche Wärme erfährt und liebevoll
behandelt wird. Aber die Sterbebegleitung ist nicht nur eine humanitäre Aktion; der
Sterbebegleiter sollte nicht nur nett sein, die Kissen aufschütteln, etwas zum Trinken
bringen und dergleichen. Er hat vielmehr eine weit darüber hinausgehende Aufgabe:
Er gibt dem Sterbenden Orientierung, er begleitet ihn wie ein Lehrer und guter
Freund. So wie bei der Geburt nicht nur liebe Angehörige anwesend sind, die es der
Mutter nett, warm und hell machen, sondern vor allem die Hebamme, die Meisterin,
die Bescheid weiß und deren Anweisungen ernst genommen werden, so sollte auch
die Sterbebegleitung sehr, sehr ernst genommen werden.
Alexa Kriele – Mit den Engeln über die Schwelle zum Jenseits

Wird sich eine ideale Sterbebegleitung in unserer Gesellschaft organisieren lassen?

Gewiß, die Zeitströmungen sind derzeit so günstig dafür wie seit Jahrhunderten nicht.
Es sind zwei Schritte erforderlich:

– Erstens könnt ihr euch dafür einsetzen, daß der Sterbebegleiter als ein Berufsbild
dieselbe offizielle Anerkennung findet wie die Berufe der Hebamme und der
Krankenschwester, daß eine offizielle – z. B. psychologische und soziale –
Ausbildung dafür eingerichtet wird und daß die Finanzierung gesichert ist.

– Zweitens könntet ihr private Einrichtungen schaffen, in denen die Sterbebegleiter


ergänzend in den Fragen unterrichtet werden, die vielleicht in den offiziellen
Ausbildungsgängen noch nicht sogleich vorgesehen werden, nämlich in den
Realitäten des Sterbeprozesses und den Erlebnissen der Seele nach dem Sterben.
Wenn Menschen, die in diesen Fragen bewandert sind, ein Hospiz für Sterbende
einrichten, könnten Sterbebegleiter dort als Praktikanten arbeiten, Unterricht erhalten
und alle auftauchenden Fragen in Kursen besprechen.
In der Anfangszeit wird sicherlich viel Verzicht und Opferbereitschaft gefordert sein.
Aber ihr werdet sehen, daß die Nachfrage nach solcherart geschulten Sterbebegleitern
in den nächsten Jahrzehnten ständig wachsen wird.

Quelle: Alexa Kriele, „Mit den Engeln über die Schwelle zum Jenseits“, Kailash /
Heinrich Hugendubel Verlag München, 2004
Wichtige Hilfen im Falle eines Todes

Wichtige Hilfen im Falle eines Todes

Vor dem eigenen Sterben:


Oft sind die Angehörigen über bestimmte Wünsche nicht informiert.
Deshalb ist der Gedanke, schon zu Lebzeiten Festlegungen zu treffen, wichtig.
„Ich möchte selbst auch dabei sein“ ist kein abwegiger Gedanke,
sondern gehört zur Würde des Todes.
Folgende Festlegungen können wichtig sein:
Über den Familienkreis hinaus sollen folgende Personen im Todesfall durch Brief,
Email oder Telefon benachrichtigt werden ...
Eine Todesanzeige soll (nicht) aufgegeben werden / soll in folgenden Zeitungen
erscheinen...
Der Text der Anzeige soll lauten ...
Statt Blumen Geldspende für ...
Die Trauerfeier soll stattfinden: im engsten Familienkreis / im Kreis der Verwandten
und Freunde ...
Mit der Erledigung der Formalitäten und der Durchführung der Trauerfeier soll
folgendes Bestattungsinstitut beauftragt werden ...
Als Bestattung wünsche ich eine Feuerbestattung / eine Erdbestattung (bei Suicid ist
stets eine Erdbestattung vorzuziehen!) ...
Die Grabrede soll halten ....
Ich gehöre folgender Kirchgemeinde an ... / Die kirchliche Trauerfeier soll halten ... /
Das Motto der Trauerfeier soll lauten ... (Bibelspruch)
Als musikalischen Beitrag zur Trauerfeier wünsche ich ...
Meine letzte Ruhestätte soll auf folgendem Friedhof sein ...
Die Urne soll resistent / fest oder verwitterungsfähig sein ...
Als Grabmal wünsche ich ein Holzkreuz / einen Grabstein ...
Die Beschriftung des Grabmals soll lauten ...
Vertrag über Grabpflege und Grabdauer ...
Folgender Vertrag wurde bereits abgeschlossen …

Quelle: Abschied nehmen – Eine Hilfe bei Sterben und Tod, Thomas Verlag Leipzig
Beispiel-Meditationen: Geburts-Meditation nach Horoskop & Namens-Meditation

Und anschließend Zeile für Zeile rückwärts:

Das Wesen erhält die Wesen.


Erblühe die Lebenswirkensmacht.
Im Sterben erreift das Weltenwalten.
Im Werden verharret Wirken.
Erreichtes beschließt die Strebelust.
Die Seele ergreife Welten.
Das Sein, es verzehrt das Wesen.
Beispiel-Meditationen: Geburts-Meditation nach Horoskop & Namens-Meditation

Laut- und Namens-Meditation von Carlos Gerlach

C – Im Christuslichte erleuchtet.

A – Atmende strahlende Sterngestalt.

R – In strömender reifender Reinheit.

L – Zu blühender Entfaltung.

O – So wird Gottes Odem verborgen.

S – Suche der Gottheit Gesetz!

G – Drängende Grundgewalten.

E – Stehst als Mensch Du gefestigt.

R – In strömender reifender Reinheit.

L – Zu blühender Entfaltung.

A – Atmende strahlende Sterngestalt.

C – Im Christuslichte erleuchtet.

H – In Herz und Haupt erhebend.


Gedicht „Manchmal“ von Carlos Gerlach

MANCHMAL

Manchmal...
vermag die Poesie meiner Sprache,
Dich zu berühren.
Manchmal...
gelingen Menschenbegegnungen.
Manchmal...
vergoldet das Lächeln
eines fremden Menschen den ganzen Tag.
Manchmal...
sucht die Musik ihren Weg und bringt die inneren Saiten zum klingen.
Manchmal...
sind wir die Person zur rechten Zeit
am rechten Ort.
Manchmal...
sind wir nur ohnmächtige Zeugen.
Manchmal...
verhindert eine Freundin, ein Freund, daß wir ins Bodenlose stürzen.
Manchmal...
gelingt das Verstehen ohne Verzerrung.
Manchmal...
ist das Schweigen so köstlich
und vollmundig wie ein guter Wein.
Manchmal...
nimmt Dich das Urvertrauen eines Kindes blind an die Hand,
Dich zu erinnern.
Manchmal...
sind wir Bestandteil der großen Mysterien von Geburt, Tod und Liebe.
Manchmal...
kommt Wärme aus einer unverhofften Richtung.
Manchmal...
sind wir schutzlos und dennoch dankbar.
Manchmal...
für Momente, steht der Himmel offen.
Manchmal...
strömt durch Dich eine Kraft,
die Dir bislang unbekannt war.
Manchmal...
reicht EIN Gerechter,
damit wir verschont bleiben.
Manchmal...
gibt es Geistes-Gegenwart.
Manchmal...
ja manchmal,
ist das Leben voller Wunder.
Gedicht: „novemberengel“ von Michael Brose
geeignet für Gedächtnisfeiern für Verstorbene im November

novemberengel

die engel
wie sie so mit leichtem
schritt (und ohne sinken)
durch die stürme gehn

und wem sie ihre hände reichten


muß licht aus ihnen
wie aus kelchen trinken

ihr handwerk ist das auferstehn


und in der dunkelheit
spürst du das winken
ihrer flügel die
schicksal mahlen aus dem
menschenkorn

weil sie sich gottwärts drehn

die engel sind der born


aus dem wir unser
bestes denken schöpfen

– und ohne sie


gäb’s keinen trost
in unsern köpfen
wir wär’n verlor’n

Autor: Michael Brose, Venedig


Alle Rechte beim Autor
Widmung für Carlos Gerlach, 2. November 1986
Christian Morgenstern – Wer vom Ziel nicht weiß

Wer vom Ziel nicht weiß,


kann den Weg nicht haben,
wird im selben Kreis
all sein Leben traben;
kommt am Ende hin,
wo er hergerückt,
hat der Menge Sinn
nur noch mehr zerstückt.

Wer vom Ziel nichts kennt,


kann's doch heut erfahren;
wenn es ihn nur brennt
nach dem Göttlich-Wahren;
wenn in Eitelkeit
er nicht ganz versunken
und vom Wein der Zeit
nicht bis oben trunken.

Denn zu fragen ist


nach den stillen Dingen,
und zu wagen ist,
will man Licht erringen:
wer nicht suchen kann,
wie nur je ein Freier,
bleibt im Trugesbann
siebenfacher Schleier.

Christian Morgenstern – Wir fanden einen Pfad


Quelle: Projekt Gutenberg
Novalis – Abendmahlshymne

NOVALIS – 13. HYMNE – Abendmahl – Geistliche Lieder

1798-1799

Wenige wissen
Das Geheimnis der Liebe,
Fühlen Unersättlichkeit
Und ewigen Durst.
Des Abendmahls
Göttliche Bedeutung
Ist den irdischen Sinnen Rätsel;
Aber wer jemals
Von heißen, geliebten Lippen
Atem des Lebens sog,
Wem heilige Glut
In zitternde Wellen das Herz schmolz,
Wem das Auge aufging,
Daß er des Himmels
Unergründliche Tiefe maß,
Wird essen von seinem Leibe
Und trinken von seinem Blute
Ewiglich.
Novalis – Abendmahlshymne

Wer hat des irdischen Leibes


Hohen Sinn erraten?
Wer kann sagen,
Daß er das Blut versteht?
Einst ist alles Leib,
Ein Leib,
In himmlischem Blute
Schwimmt das selige Paar. –
Oh! daß das Weltmeer
Schon errötete,
Und in duftiges Fleisch
Aufquölle der Fels!
Nie endet das süße Mahl,
Nie sättigt die Liebe sich.
Nicht innig, nicht eigen genug
Kann sie haben den Geliebten.
Von immer zärteren Lippen
Verwandelt wird das Genossene
Inniglicher und näher.
Heißere Wollust
Durchbebt die Seele.
Durstiger und hungriger
Wird das Herz:
Und so währet der Liebe Genuß
Von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Hätten die Nüchternen
Einmal gekostet,
Alles verließen sie,
Und setzten sich zu uns
An den Tisch der Sehnsucht,
Der nie leer wird.
Sie erkennten der Liebe
Unendliche Fülle,
Und priesen die Nahrung
Von Leib und Blut.

Quelle: Novalis, Studienausgabe, Verlag C. H. Beck, München 1969


R. M. Rilke – Der Schauende – Quelle: Rilke, Die Gedichte, Insel Verlag, 1957

R. M. Rilke – Der Schauende

Ich sehe den Bäumen die Stürme an,


die aus laugewordenen Tagen
an meine ängstlichen Fenster schlagen,
und höre die Fernen Dinge sagen,
die ich nicht ohne Freund ertragen,
nicht ohne Schwester lieben kann.
Da geht der Sturm, ein Umgestalter,
geht durch den Wald und durch die Zeit,
und alles ist wie ohne Alter:
die Landschaft, wie ein Vers im Psalter,
ist Ernst und Wucht und Ewigkeit.
Wie ist das klein, womit wir ringen,
was mit uns ringt, wie ist das groß;
ließen wir, ähnlicher den Dingen,
uns so vom großen Sturm bezwingen, –
wir würden weit und namenlos.
Was wir besiegen, ist das Kleine,
und der Erfolg selbst macht uns klein.
Das Ewige und Ungemeine
will nicht von uns gebogen sein.
Das ist der Engel, der den Ringern
des Alten Testaments erschien:
wenn seiner Widersacher Sehnen
im Kampfe sich metallen dehnen,
fühlt er sie unter seinen Fingern
wie Saiten tiefer Melodien.
Wen dieser Engel überwand,
welcher so oft auf Kampf verzichtet,
der geht gerecht und aufgerichtet
und groß aus jener harten Hand,
die sich, wie formend, an ihn schmiegte.
Die Siege laden ihn nicht ein.
Sein Wachstum ist: der Tiefbesiegte
von immer Größerem zu sein.
R.M. Rilke – Requiem für Wolf Graf von Kalckreuth

R.M. Rilke - Requiem für Wolf Graf von Kalckreuth

SAH ich dich wirklich nie? Mir ist das Herz


so schwer von dir wie von zu schwerem Anfang,
den man hinausschiebt. Daß ich dich begänne
zu sagen, Toter der du bist; du gerne,
du leidenschafttlich Toter. War das so
erleichternd wie du meintest, oder war
das Nichtmehrleben doch noch weit vom Totsein?
Du wähntest, besser zu besitzen dort,
wo keiner Wert legt auf Besitz. Dir schien,
dort drüben wärst du innen in der Landschaft,
die wie ein Bild hier immer vor dir zuging,
und kämst von innen her in die Geliebte
und gingest hin durch alles, stark und schwingend.
O daß du nun die Täuschung nicht zu lang
nachtrügest deinem knabenhaften Irrtum.
Daß du, gelöst in einer Strömung Wehmut
und hingerissen, halb nur bei Bewußtsein,
in der Bewegung um die fernen Sterne
die Freude fändest, die du von hier fort
verlegt hast in das Totsein deiner Träume.
Wie nahe warst du, Lieber, hier an ihr.
Wie war sie hier zuhaus, die, die du meintest,
die ernste Freude deiner strengen Sehnsucht.
Wenn du, enttäuscht von Glücklichsein und Unglück,
dich in dich wühltest und mit einer Einsicht
mühsam heraufkamst, unter dem Gewicht
beinah zerbrechend deines dunklen Fundes:
da trugst du sie, sie, die du nicht erkannt hast,
die Freude trugst du, deines kleinen Heilands
Last trugst du durch dein Blut und holtest über.

Was hast du nicht gewartet, daß die Schwere


ganz unerträglich wird: da schlägt sie um
und ist so schwer, weil sie so echt ist. Siehst du,
dies war vielleicht dein nächster Augenblick;
er rückte sich vielleicht vor deiner Tür
den Kranz im Haar zurecht, da du sie zuwarfst.
R.M. Rilke – Requiem für Wolf Graf von Kalckreuth

O dieser Schlag, wie geht er durch das Weltall,


wenn irgendwo vom harten scharfen Zugwind
der Ungeduld ein Offenes ins Schloß fällt.
Wer kann beschwören, daß nicht in der Erde
ein Sprung sich hinzieht durch gesunde Samen;
wer hat erforscht, ob in gezähmten Tieren
nicht eine Lust zu töten geilig aufzuckt,
wenn dieser Ruck ein Blitzlicht in ihr Hirn wirft.
Wer kennt den Einfluß, der von unserm Handeln
hinüberspringt in eine nahe Spitze,
und wer begleitet ihn, wo alles leitet?

Daß du zerstört hast. Daß man dies von dir


wird sagen müssen bis in alle Zeiten.
Und wenn ein Held bevorsteht, der den Sinn,
den wir für das Gesicht der Dinge nehmen,
wie eine Maske abreißt und uns rasend
Gesichter aufdeckt, deren Augen längst
uns lautlos durch verstellte Löcher anschaun:
dies ist Gesicht und wird sich nicht verwandeln:
daß du zerstört hast. Blöcke lagen da,
und in der Luft um sie war schon der Rhythmus
von einem Bauwerk, kaum mehr zu verhalten;
du gingst herum und sahst nicht ihre Ordnung,
einer verdeckte dir den andern; jeder
schien dir zu wurzeln, wenn du im Vorbeigehn
an ihm versuchtest, ohne rechtes Zutraun,
daß du ihn hübest. Und du hobst sie alle
in der Verzweiflung, aber nur, um sie
zurückzuschleudern in den klaffen Steinbruch,
in den sie, ausgedehnt von deinem Herzen,
nicht mehr hineingehn. Hätte eine Frau
die leichte Hand gelegt auf dieses Zornes
noch zarten Anfang; wäre einer, der
beschäftigt war, im Innersten beschäftigt,
dir still begegnet, da du stumm hinausgingst,
die Tat zu tun –; ja hätte nur dein Weg
vorbeigeführt an einer wachen Werkstatt,
wo Männer hämmern, wo der Tag sich schlicht
verwirklicht; wär in deinem vollen Blick
R.M. Rilke – Requiem für Wolf Graf von Kalckreuth

nur so viel Raum gewesen, daß das Abbild


von einem Käfer, der sich müht, hineinging:
du hättest jäh bei einem hellen Einsehn
die Schrift gelesen, deren Zeichen du
seit deiner Kindheit langsam in dich eingrubst,
von Zeit zu Zeit versuchend, ob ein Satz
dabei sich bilde: ach, er schien dir sinnlos.
Ich weiß; ich weiß: du lagst davor und griffst
die Rillen ab, wie man auf einem Grabstein
die Inschrift abfühlt. Was irgend licht
zu brennen schien, das hieltest du als Leuchte
vor diese Zeile; doch die Flamme losch
eh du begriffst, vielleicht von deinem Atem,
vielleicht vom Zittern deiner Hand; vielleicht
auch ganz von selbst, wie Flammen manchmal ausgehn.
Du lasests nie. Wir aber wagen nicht,
zu lesen durch den Schmerz und aus der Ferne.

Nur den Gedichten sehn wir zu, die noch


über die Neigung deines Fühlens abwärts
die Worte tragen, die du wähltest. Nein,
nicht alle wähltest du; oft ward ein Anfang
dir auferlegt als Ganzes, den du nachsprachst
wie einen Auftrag. Und er schien dir traurig.
Ach hättest du ihn nie von dir gehört.
Dein Engel lautet jetzt noch und betont
denselben Wortlaut anders, und mir bricht
der Jubel aus bei seiner Art zu sagen,
der Jubel über dich: denn dies war dein:
Daß jedes Liebe wieder von dir abfiel,
daß du im Sehendwerden den Verzicht
erkannt hast und im Tode deinen Fortschritt.
Dieses war dein, du, Künstler; diese drei
offenen Formen. Sieh, hier ist der Ausguß
der ersten: Raum um dein Gefühl; und da
aus jener zweiten schlag ich dir das Anschaun,
das nichts begehrt, des großen Künstlers Anschaun;
R.M. Rilke – Requiem für Wolf Graf von Kalckreuth

und in der dritten, die du selbst zu früh


zerbrochen hast, da kaum der erste Schuß
bebender Speise aus des Herzens Weißglut
hineinfuhr –, war ein Tod von guter Arbeit
vertieft gebildet, jener eigne Tod,
der uns so nötig hat, weil wir ihn leben,
und dem wir nirgends näher sind als hier.

Dies alles war dein Gut und deine Freundschaft;


du hast es oft geahnt; dann aber hat
das Hohle jener Formen dich geschreckt,
du griffst hinein und schöpftest Leere und
beklagtest dich. – O alter Fluch der Dichter,
die sich beklagen, wo sie sagen sollten,
die immer urteiln über ihr Gefühl,
statt es zu bilden; die noch immer meinen,
was traurig ist in ihnen oder froh,
das wüßten sie und dürftens im Gedicht
bedauern oder rühmen. Wie die Kranken
gebrauchen sie die Sprache voller Wehleid,
um zu beschreiben, wo es ihnen wehtut,
statt hart sich in die Worte zu verwandeln,
wie sich der Steinmetz einer Kathedrale
verbissen umsetzt in des Steines Gleichmut.

Dies war die Rettung. Hättest du nur e i n Mal


gesehn, wie Schicksal in die Verse eingeht
und nicht zurückkommt, wie es drinnen Bild wird
und nichts als Bild, nicht anders als ein Ahnherr,
der dir im Rahmen, wenn du manchmal aufsiehst,
zu gleichen scheint und wieder nicht zu gleichen -:
du hättest ausgeharrt.

Doch dies ist kleinlich,


zu denken, was nicht war. Auch ist ein Schein
von Vorwurf im Vergleich, der dich nicht trifft.
Das, was geschieht, hat einen solchen Vorsprung
vor unserm Meinen, daß wirs niemals einholn
und nie erfahren, wie es wirklich aussah.
R.M. Rilke – Requiem für Wolf Graf von Kalckreuth

Sei nicht beschämt, wenn dich die Toten streifen,


die andern Toten, welche bis ans Ende
aushielten. (Was will Ende sagen?) Tausche
den Blick mit ihnen, ruhig, wie es Brauch ist,
und fürchte nicht, daß unser Trauern dich
seltsam belädt, so daß du ihnen auffällst.
Die großen Worte aus den Zeiten, da
Geschehn noch sichtbar war, sind nicht für uns.
Wer spricht von Siegen? Überstehn ist alles.

Quelle: Rilke: Die Gedichte: Insel Verlag, 1957


APOKALYPSE 1, 4-8

APOKALYPSE 1, 4-8 – Übersetzung: Emil Bock

Gnade und Friede mögen euch zuteil werden


von dem, der ist und der war und der kommt,
und von den sieben Schöpfergeistern vor seinem Thron,
und von Jesus Christus.
Durch seine Zeugenschaft ist er das Urbild des Glaubens,
er ist der Erstgeborene aus dem Reich des Todes,
er ist der Führergeist der Könige auf Erden.
Er hat sich uns in Liebe zugewandt
und durch seines Blutes Kraft
den Bann der Sünde gelöst, der auf uns lag.
Er hat uns in die wahre Königswürde eingesetzt
und uns zu Priestern gemacht vor dem göttlichen Weltengrunde,
seinem Vater.
Ihm gehört alles Geistlicht und alle Seelenkraft
von einem Äon zum anderen.
AMEN.

Siehe, er kommt im Wolkensein.


Alle Augen sollen ihn schauen,
auch die Augen derer,
die ihn durchstochen haben.
Alle Geschlechterfolgen auf Erden
werden wehklagen um ihn.
Ja, AMEN.

Ich bin das Alpha und das Omega,


so spricht der Herr, unser Gott,
der ist und der war und der kommt,
der Gebieter des Alls.

Quelle: Das Neue Testament – Übersetzung von Emil Bock,


Verlag Urachhaus, Stuttgart, 1980
Prolog des Johannesevangeliums

Prolog aus dem Johannesevangelium 1, 1-18


Übersetzung: Emil Bock

Im Urbeginne war das Wort,


und das Wort war bei Gott,
und ein göttliches Wesen war das Wort.
Dieses war im Urbeginne bei Gott.
Durch es sind alle Dinge geworden,
und nichts von allem Entstandenen
ist anders als durch das Wort geworden.
In ihm war das Leben,
und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht scheint in der Finsternis;
aber die Finsternis hat es nicht aufgenommen.
Es kam ein Mensch,
von Gott war er gesandt,
sein Name war Johannes.
Er kam, um Zeugnis abzulegen.
Er sollte von dem Licht zeugen
und so in allen Herzen den Glauben erwecken.
Er war nicht selbst das Licht,
er sollte ein Zeuge des Lichtes sein.
Das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet,
sollte in die Welt kommen.
Es war in der Welt,
denn die Welt ist durch es geworden,
aber die Welt hat es nicht erkannt.
Zu den Ich-Menschen kam es,
aber die Ich-Menschen nahmen es nicht auf.
Allen aber, die es aufnahmen,
gab es die freie Kraft, Gotteskinder zu werden.
Das sind die, die vertrauensvoll seine Kraft in sich aufnehmen.
Sie empfangen ihr Leben nicht aus dem Blute,
auch nicht aus dem Willen des Fleisches
und nicht aus dem menschlichen Willen;
denn sie sind aus Gott geboren.
Prolog des Johannesevangeliums

Und das Wort ist Fleisch geworden


und hat unter uns gewohnt.

Und wir haben seine Offenbarung geschaut,


die Offenbarung des eingeborenen Sohnes des Vaters,
erfüllt von Hingabe und Wahrheit.

Johannes legt Zeugnis für ihn ab


und verkündet laut:

Dieser ist, von dem ich sagte:


Nach mir kommt, der vor mir war,
denn er ist größer als ich.

Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade über Gnade.
Das Gesetz ist durch Moses gegeben.
Die Gnade und die Wahrheit sind durch Jesus Christus entstanden.

Den göttlichen Weltengrund hat nie ein Mensch mit Augen geschaut.
Der eingeborene Sohn, der im Schoße des Weltenvaters war,
er ist der Führer zu diesem Schauen geworden.

Quelle: Emil Bock – Das Neue Testament, Verlag Urachhaus, Stuttgart, 1980
Sieben Stufen im Johannesevangelium

Sieben Stufen im Johannesevangelium

Sie erleichtern den Verstorbenen die Orientierung in der geistigen Welt.


Sie gelten auch als 7 mystische Stufen christlich-rosenkreuzerischer Schulung.

1. Fußwaschung

2. Geißelung

3. Dornenkrönung

4. Kreuzigung

5. Mystischer Tod

6. Grablegung

7. Auferstehung
HYMNE der MARIA – Lukasevangelium 1, 46-55

HYMNE – MARIA – Lukasevangelium 1, 46-55


Übersetzung: Emil Bock

Weit spannt meine Seele sich, Dich zu preisen, Herr des Lebens.
Jubelnd frohlockt mein Geist vor Dir, Du heilbringendes Gotteswesen.
Du hast mir Deinen Blick zugewandt, mir, Deiner niedrigsten Magd.
Siehe, es werden mich selig preisen die Menschen aller künftigen Zeiten.
Der als Kraft in mir lebt, Er hat mich groß gemacht, heilig ist Sein Name.
Durch alle Geschlechter der Menschheit strömt Seine Güte
und wendet sich denen zu, die Seine Größe empfinden.
Sein Arm hat gewaltige Taten vollbracht.
In alle Winde hat Er zerstreut,
die sich erhaben gedünkt in ihren stolzen Herzen.
Von den Thronen hat Er die Mächtigen gestürzt,
erhöht hat Er die niedrig Geborenen.
Die Hungernden überschüttet Er mit Gütern,
und die Reichen läßt Er leer ausgehen.
Er nimmt sich Seines Kindes Israel wieder an.
In Seinem Herzen wird die Güte neu lebendig,
mit dem Er einst zu unsern Vätern sprach,
zu Abraham und Seinem Samen.
So trägt Er uns durch alle Erdenzeiten.

Quelle: Emil Bock – Das Neue Testament, Verlag Urachhaus, Stuttgart, 1980
HYMNUS – ZACHARIAS

HYMNUS – ZACHARIAS – Lukasevangelium 1, 68-79


Übersetzung: Emil Bock – Das Neue Testament, Verlag Urachhaus, Stuttgart, 1980

Aller Lobpreis gehört dem Herrn des Lebens,


dem Führergeist des Gottesvolkes.
Gütigen Blickes hat er sich seinem Volke zugewandt,
Erlösung trägt er ihm entgegen.
Des Heiles Füllhorn hat er für uns aufgerichtet
im Hause seines Sohnes David,
und so erfüllt sich,
was er zu allen Zeiten durch den Mund
seiner heiligen Propheten sprach.
Erlösung finden wir von Feindesmächten,
und aus dem Zwang der Haßgewalten werden wir befreit.
Was von den Vätern kommt,
es stirbt nicht mehr,
es wird geschützt durch göttliche Barmherzigkeit.
Der Sinn des alten heilgen Gottesbundes
wird im Geiste neu lebendig,
der Treueid, den er einst
dem Vater Abraham geschworen:
Von aller Furcht befreit,
erlöst von allen Feindgewalten,
soll unser ganzes Leben nur noch Dienst im Anblick Gottes sein,
in Seelenreinheit und im Sein
des Göttlich-Guten.
Du, Kindlein, wirst des höchsten Gottes Vorverkünder heißen.
Du bringst seinem Volk
Erkenntnis der Erlösung,
du zeigest ihm die Kraft,
die alle Sündenkrankheit heilt:
die Liebe und Barmherzigkeit
des väterlichen Weltengrundes,
durch die auf uns herniederscheint
der Sonnenaufgang in den Höhen.
Ein helles Licht erstrahlt den Seelen
in der Finsternis
im Reich der Todesschatten.
Und dieses Licht,
es lenke unsern Fuß
und führe uns
den Pfad des Friedens.
Apostel Paulus an die RÖMER 13, 10-14

Paulus an die RÖMER 13, 10-14 – Übersetzung: Johannes Lauten

Allschaffend ist das Gotteswort


in uns durch die Liebe.

Laßt uns Wissende werden und den Schlaf beenden.


Laßt uns Sehende sein in Gottes Gegenwart,
denn es ist an der Zeit.
Nahe gekommen ist uns das Heil.
Der unwissende Glaube verging
und dem Tag wich die Nacht.
Laßt uns meiden die Werke der Finsternis
und kämpfen mit den Waffen des Lichts,
und unser Leben sei würdig
Seines Lichts und Seines Tages.
Laßt uns Sieger sein gegen die Versucher dieser Erde.
Bauen wir Gott unser Inneres
zum Raum Seiner Nähe.
Und die Nähe Jesu Christi,
unseres Herrn,
sei uns lebendiger Schutz,
bilde in uns den Menschen der Zukunft.

Quelle: Aus den Briefen des Paulus, Übertragungen aus dem Griechischen von Johannes Lauten,
Essen, Selbstverlag 2012 – mit freundlicher Genehmigung des Autors
Hohelied der Liebe – Korinther 1, 13

Brief des Apostels Paulus an die KORINTHER, 1, 13

Das Hohelied der Liebe


Übersetzungen: Emil Bock und Heinrich Ogilvie – Neues Testament,
Verlag Urachhaus, Stuttgart 1980 und 1996

Doch will ich euch einen Weg weisen,


Der höher als alle anderen ist:
Wenn ich mit Menschen- und mit
Engelszungen redete:
bin ich ohne Liebe, so bleibt mein Sprechen wie tönend Erz
und eine klingende Schelle.
Und wenn ich die Gabe der Prophetie besäße
und wüßte alle Mysterien und alle Erkenntnisse
und hätte dazu die Kraft des bergeversetzenden Glaubens:
wenn ich ohne Liebe bin, so bin ich nichts.
Und wenn ich alles, was mein ist, herschenkte und schließlich
meinen Leib im Feuer der Hingabe zum Verbrennen gäbe:
bin ich ohne Liebe, so ist alles umsonst.
Die Liebe macht die Seele groß.
Die Liebe erfüllt die Seele mit wohltuender Güte.
Die Liebe kennt keinen Neid,
sie kennt keine Prahlerei,
sie läßt keine Unechtheit aufkommen,
sie benimmt sich nicht taktlos,
sie will nicht sich selbst zur Geltung bringen,
die Liebe verletzt nicht,
was wohlanständig ist,
sie treibt die Selbstsucht aus,
sie läßt nicht die Besinnung verlieren,
sie trägt niemandem Böses nach,
sie freut sich nicht über Unrecht,
sie freut sich nur mit der Wahrheit.
Die Liebe erträgt alles,
sie ist stets zu gläubigem Vertrauen bereit,
sie darf auf alles hoffen
und bringt jede Geduld auf.
Hohelied der Liebe – Korinther 1, 13

Die Liebe kann, wenn sie wirklich da ist,


nicht verlorengehen.
Die Gabe der Prophetie muß einmal erlöschen,
das Wunder der Sprachen hört auf,
das hellsichtige Erkennen geht zu Ende.
Stückwerk ist unser Erkennen,
Stückwerk unsere Prophetie.
Einmal aber muß das Vollkommene kommen,
das volle Weihe-Ziel,
dann ist es mit dem Stückwerk vorbei.
Als ich noch ein Kind war,
da sprach ich wie ein Kind,
und ich fühlte und dachte wie ein Kind.
Als ich ein Mann wurde,
streifte ich das unmündige Wesen ab.
Denn jetzt sehen wir noch
wie in einem Spiegel nur Rätselbilder
in dunklen Konturen.
Einmal werden wir alles schauen
Angesicht in Angesicht.
Jetzt ist mein Erkennen Stückwerk.
Dann aber werde ich im Strome
des wahren Erkennens stehen,
in welchem Erkennen und Erkannt-werden eines sind.
Nun aber bleibt
Glaube,
Hoffnung,
Liebe,
diese Dreiheit.
Die größte aber unter ihnen ist die Liebe.
Psalm 8 – Herr, unser Herrscher

PSALM 8 – Übersetzung: Rudolf Frieling

Herr, unser Herrscher,


wie leuchtet von Deines Namens Glanz alle Erde!

Der Du Deine Wesens-Erstrahlung


ausgetan hast in die Himmel.
Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge
hast Du eine Macht begründet
wider Deine Bedränger,
zum Schweigen zu bringen den Feind und Empörer.
Wenn ich anschaue Deine Himmel,
das Werk Deiner Hände,
Mond und Sterne, die Du begründet hast,
was ist der Mensch, daß Du sein gedenkest,
und des Menschen Sohn,
daß Du Dich seiner annimmst?
Du ließest ihm wenig fehlen an der Gottes-Würde.
Mit Offenbarungs-Licht und Hoheits-Glanz
kröntest Du ihn.
Du hast ihn zum Herrscher gemacht
über das Werk Deiner Hände.
Alles hast Du unter seine Füße getan.
Schafe und Rinder allzumal,
und auch die Tiere des Feldes.
Die Vögel des Himmels und die Fische des Meeres,
und was seine Bahnen zieht in ozeanischen Weiten.

Herr, unser Herrscher,


wie leuchtet von Deines Namens Glanz alle Erde!

Quelle: Rudolf Frieling, Bibel-Studien, Verlag Urachhaus, Stuttgart, 1963


Psalm 23 – Der Herr ist mein Hirte

PSALM 23 – Übersetzung: Hermann Beckh

Der das ICH in mir spricht,


ist mein Hirte.
Es wird mir nichts mangeln,
auf frischem Grün läßt er mich ruhn,
zum Lebensstrom führt er mich hin.
Meine Seele läßt er genesen.
Den Weg der Wahrhaftigkeit läßt er mich wandeln
in seines ICH-Wesens waltender Kraft.

Ob ich auch ginge im Abgrund


der finsteren Todesschatten,
fürchte ich nicht des Bösen Gefahr,
denn DU bist bei mir.
Dein Stecken und Stab sind mir Stütze und Trost.

Im Angesicht meiner Feinde deckst DU den Tisch vor mich hin.


Mein Haupt salbst DU mit Öl,
meinen Becher schenkst DU mir voll ein.
Ja, Güte und Barmherzigkeit werden mich tragen
durch all mein Leben.
Und im Hause des Herrn,
der das ICH in mir spricht,
will auf immer ich ruhn.

Quelle: Die Christengemeinschaft, mündlich überliefert


Meditation von Rudolf Steiner – In den reinen Strahlen des Lichtes

Meditation von Rudolf Steiner zur täglichen Übung:

In den reinen Strahlen des Lichtes


Erglänzt die Gottheit der Welt.

In der reinen Liebe zu allen Wesen


Erstrahlt die Göttlichkeit meiner Seele.

Ich ruhe in der Gottheit der Welt.


Ich werde mich selbst finden
In der Gottheit der Welt.
Danach Zeile für Zeile rückwärts:

In der Gottheit der Welt.


Ich werde mich selbst finden
Ich ruhe in der Gottheit der Welt.

Erstrahlt die Göttlichkeit meiner Seele


In der reinen Liebe zu allen Wesen.

Erglänzt die Gottheit der Welt


In den reinen Strahlen des Lichtes.

Quelle: Rudolf Steiner, GA 40 – Wahrspruchworte


Meditation für Pflegende und Therapeuten

Meditation Rudolf Steiners


für Pflegende und Therapeuten:

Im Herzen wohnt
in leuchtender Helle
des Menschen Helfersinn.

Im Herzen wirket
in wärmender Macht
des Menschen Liebekraft.

So lasset uns tragen


der Seele vollen Willen
in Herzenswärme und Herzenslicht.

So wirken wir
das Heil den Heilbedürftigen
aus Gottes Gnadensinn.

Quelle: Rudolf Steiner – Wahrspruchworte, GA 40


Hierarchien-Spruch aus den Karma-Vorträgen, 3. Band – GA 237

Es empfangen Angeloi, Archangeloi, Archai


im Ätherweben
das Schicksalsnetz des Menschen.

Es verwesen in Exusiai, Dynameis, Kyriotetes


im Astralempfinden des Kosmos
die gerechten Folgen des Erdenlebens des Menschen.

Es auferstehen in Thronen, Cherubim, Seraphim


als deren Tatenwesen
die gerechten Ausgestaltungen des Erdenlebens
des Menschen.

Rudolf Steiner – (als Totengedenken zu lesen)


GA 237 – Karmavorträge, Band 3

Nach der Engelslehre des Dionysios Areopagita:

1. Throne – Geister des Willens


2. Cherubim – Geister der Harmonie
3. Seraphim – Geister der Liebe

4. Kyriotetes – Geister der Weisheit


5. Dynameis – Geister der Bewegung
6. Exusiai – Geister der Form

7. Archai – Urbeginne, Geister der Persönlichkeit


8. Archangeloi – Erzengel
9. Angeloi – Engel
Steiner – Grundstein-Meditation

Menschenseele!
Du lebest in den Gliedern,
Die dich durch die Raumeswelt
In das Geistesmeereswesen tragen:
Übe Geist-Erinnern
In Seelentiefen,
Wo in waltendem
Weltenschöpfer-Sein
Das eigne Ich
Im Gottes-Ich
Erweset;
Und du wirst wahrhaft leben
Im Menschen-Welten-Wesen.

Denn es waltet der Vater-Geist der Höhen


In den Weltentiefen Sein-erzeugend:
Ihr Kräfte-Geister,
(Seraphim, Cherubim, Throne),
Lasset aus den Höhen erklingen,
Was in den Tiefen das Echo findet;
Dieses spricht:
Aus dem Göttlichen weset die Menschheit.
Das hören die Geister in Ost, West, Nord, Süd:
Menschen mögen es hören.

Menschenseele!
Du lebest in dem Herzens-Lungen-Schlage,
Der dich durch den Zeitenrhythmus
Ins eigne Seelenwesensfühlen leitet:

1
Steiner – Grundstein-Meditation

Übe Geist-Besinnen
Im Seelengleichgewichte,
Wo die wogenden
Welten-Werde-Taten
Das eigne Ich
Dem Welten-Ich
Vereinen;
Und du wirst wahrhaft fühlen
Im Menschen-Seelen-Wirken.

Denn es waltet der Christus-Wille im Umkreis


In den Weltenrhythmen Seelen-begnadend:
Ihr Lichtes-Geister,
(Kyriotetes, Dynameis, Exusiai),
Lasset vom Osten befeuern,
Was durch den Westen sich formet;
Dieses spricht:
In dem Christus wird Leben der Tod.
Das hören die Geister in Ost, West, Nord, Süd:
Menschen mögen es hören.

Menschenseele!
Du lebest im ruhenden Haupte,
Das dir aus Ewigkeitsgründen
Die Weltgedanken erschließet:
Übe Geist-Erschauen
In Gedanken-Ruhe,
Wo die ew’gen Götterziele
Welten-Wesens-Licht
Dem eignen Ich
Zu freiem Wollen
Schenken;
Und du wirst wahrhaft denken
In Menschen-Geistes-Gründen.

2
Steiner – Grundstein-Meditation

Denn es walten des Geistes Weltgedanken


Im Weltenwesen Licht-erflehend:
Ihr Seelen-Geister,
(Archai, Archangeloi, Angeloi),
Lasset aus den Tiefen erbitten,
Was in den Höhen erhöret wird;
Dieses spricht:
In des Geistes Weltgedanken erwachet die Seele.
Das hören die Geister in Ost, West, Nord, Süd:
Menschen mögen es hören.
In der Zeiten Wende
Trat das Welten-Geistes-Licht
In den irdischen Wesensstrom;
Nacht-Dunkel
Hatte ausgewaltet;
Taghelles Licht
Erstrahlte in Menschenseelen;
Licht,
Das erwärmet
Die armen Hirtenherzen;
Licht,
Das erleuchtet
Die weisen Königshäupter.
Göttliches Licht,
Christus-Sonne,
Erwärme
Unsere Herzen,
Erleuchte
Unsere Häupter;
Daß gut werde,
Was wir
Aus Herzen gründen,
Was wir
Aus Häuptern
Zielvoll führen wollen.
3
Meditation für Verstorbene von Rudolf Steiner

Meditation für Verstorbene von Rudolf Steiner

Sie richtet sich an den Engel des Verstorbenen


und wurde anläßlich der Gefallenen im 1. Weltkrieg gegeben.

Für einen einzelnen Verstorbenen:

Geist Deiner Seele, wirkender Wächter


Deine Schwingen mögen bringen
Meiner Seele bittende Liebe
Deiner Hut vertrautem Sphärenmenschen.
Daß, mit Deiner Macht geeint,
Meine Bitte helfend strahle,
Der Seele, die sie liebend sucht.

Für mehrere Verstorbene:

Geister Eurer Seelen, wirkende Wächter


Eure Schwingen mögen bringen
Meiner Seele bittende Liebe
Eurer Hut vertrauten Sphärenmenschen.
Daß, mit Eurer Macht geeint,
Meine Bitte helfend strahle,
Den Seelen, die sie liebend sucht.

Quelle: Rudolf Steiner, Wahrspruchworte, GA 40 und Vorträge in der Zeit des 1. Weltkrieges
Abschiedsworte-1-Original – mit Segnung von Augen, Ohren, Mund,
Hände, Füße und Stirn

Abschiedsworte-1-Original – mit Segnung von Augen, Ohren, Mund,


Hände, Füße und Stirn

Nehmt Abschied, ihr AUGEN,


von allem, was ihr auf dieser Welt gesehen habt,
und richtet euch auf die Herrlichkeit des Schöpfers.

Nehmt Abschied, ihr OHREN,


von allem, was ihr auf der Welt gehört habt,
und hört auf die Worte der Gnade und Barmherzigkeit.

Nimm Abschied, du MUND,


von allen Worten, die du auf Erden gesagt hast,
und bereite dich, Dank und Ehre zu sagen.

Nehmt Abschied, ihr HÄNDE,


von eurem Tun und Arbeiten auf dieser Erde
und öffnet euch, die Gaben der Ewigkeit zu empfangen.

Nehmt Abschied, ihr FÜSSE,


von allen Wegen dieser Erde
und bereitet euch, den Weg in die lichte Heimat zu gehen.

Nehmt Abschied, ihr GEDANKEN,


von dieser Welt
und richtet euch hin zur unendlichen Liebe.

Nimm Abschied, du MENSCH,


von dieser Welt mit ihren Freuden und Leiden,
von denen, die du liebst,
und von denen, die dich lieben,
und bereite Dich, der alles umfassenden Liebe zu begegnen.

Diese unendliche Liebe vergebe dir alles,


was dich von ihr geschieden hat,
und gewähre dir den Eingang in das Reich der Freude und der Herrlichkeit.

Quelle: Abschied nehmen – Eine Hilfe bei Sterben und Tod, Thomas Verlag Leipzig
Abschiedsworte-2-ergänzt – Segnung von Gedanken....

Abschiedsworte-2-ergänzt – Segnung von Gedanken....

Nehmt Abschied, ihr GEDANKEN,


von dieser Welt
und richtet euch hin zur unendlichen Liebe.
Ihr habt dem Erleben in der Welt eine weitere Dimension gegeben,
fehlende Aspekte ergänzt und Gesetzmäßigkeiten aufgezeigt.
Nun geht ihr auf in die umfassende gültige Gedankenwelt des Universums.

Nehmt Abschied, ihr AUGEN,


von allem, was ihr auf dieser Welt gesehen habt,
und richtet euch auf die Herrlichkeit des Schöpfers.
Die Schönheiten dieser Welt habt ihr in die Seele aufgenommen,
und liebevoll habt ihr die Welt angeschaut aus der Liebe eurer Seele
heraus.

Nehmt Abschied, ihr OHREN,


von allem, was ihr auf der Welt gehört habt,
und hört auf die Worte der Gnade und Barmherzigkeit.
Als Orientierung in der Welt wart ihr zu Hause
sowohl in Sinn-Geschehen, als auch in den Qualitäten.
Welten-Harmonien fanden durch Euch den Weg in die Seele.

Nimm Abschied, du MUND,


von allen Worten, die du auf Erden gesagt hast,
und bereite dich, Dank und Ehre zu sagen.
Die Welt wurde Dir im Geschmack zum Erlebnis
und begann in dir den Weg der großen Verwandlung.

Nehmt Abschied, ihr HÄNDE,


von eurem Tun und Arbeiten auf dieser Erde
und öffnet euch, die Gaben der Ewigkeit zu empfangen.
Liebe habt ihr in der Welt verbreitet und Euer Leben formend eingeprägt
und empfangen aus der Fülle, die euch von anderen zugekommen ist.
Abschiedsworte-2-ergänzt – Segnung von Gedanken....

Nehmt Abschied, ihr FÜSSE,


von allen Wegen dieser Erde
und bereitet euch, den Weg in die lichte Heimat zu gehen.
Schreitet stets in das hellste Licht.

Nimm Abschied, du MENSCH,


von dieser Welt mit ihren Freuden und Leiden,
von denen, die du liebst,
und von denen, die dich lieben,
und bereite Dich, der alles umfassenden Liebe zu begegnen.

Diese unendliche Liebe vergebe dir alles,


was dich von ihr geschieden hat,
und gewähre dir den Eingang in das Reich der Freude,
der Herrlichkeit und weiterer Entwicklung.

Quelle: Abschied nehmen – Eine Hilfe bei Sterben und Tod, Thomas Verlag Leipzig
Umgestellt und ergänzt von Carlos Gerlach
Nach dem Sterben

Nach dem Sterben:

Wir wollen Abschied nehmen von (N.N.)


und in der Stille bedenken, was uns mit ihr (ihm) verbindet:

Wir denken an alles Liebe und Gute,


das wir durch sie (ihn) erfahren durften. – STILLE

Wir denken auch an die Zeit, in der wir es schwer miteinander hatten,
und was wir dabei aneinander gelernt haben. – STILLE

Wir denken an das, was unerledigt geblieben ist


und wir ihr (ihm) schuldig geblieben sind. – STILLE

So nehmen wir Abschied


mit Dank für alles Gewesene und im Frieden.

(Wer möchte, kann sich jetzt in der Stille, mit einer Geste,
oder mit einem Gedanken, der noch ausgesprochen wird,
von N.N. verabschieden.)

Quelle: Abschied nehmen – Eine Hilfe bei Sterben und Tod, Thomas Verlag Leipzig
Sterbesegen mit Handauflegung – Variante-1

Sterbesegen mit Handauflegung – Variante-1:

(N.N.)
Es segne dich Gott, der Vater,
der dich nach seinem Bild geschaffen hat.

Es segne dich Gott, der Sohn,


der dich durch sein Leiden und Sterben erlöst hat.

Es segne dich Gott, der Heilige Geist,


der dich zum Leben gerufen und geheiligt hat.

Gott der Vater und der Sohn und der Heilige Geist
geleite dich durch das Dunkel des Todes.
Er sei dir gnädig im Gericht – wie auch du dir gnädig sein mögest in der
Lebensrückschau –
und gebe dir Frieden und ewiges Leben.

Quelle: Abschied nehmen – Eine Hilfe bei Sterben und Tod, Thomas Verlag Leipzig
blaue Ergänzung durch Carlos Gerlach
STERBESEGEN mit Handauflegung – Variante-2
1. & 2. & 4. – Kultus der Christengemeinschaft – Menschenweihehandlung

STERBESEGEN mit Handauflegung – Variante-2:

1. Reinigungsgebet:

Vor meinem Munde sei die Schwelle behütet.


Eine Mauer hindere meine Irrungen, um mich zu strömen.
Alles Böse sei meinen Worten entnommen.
Und guter Wille ergieße sich in sie. (kann still gebetet werden)

2. Bitte um den Segen Christi für das Segnen des Verstorbenen:

Dein Segen, o Christus, ströme lebend durch das Wort,


Du mögest sein in meinem Herzen,
Dein Wort möge entströmen meinen Lippen.
So wird aus würdiger Quelle und in rechtem Strome
Dein Segen gespendet. (kann still gebetet werden)

3. Hohepriesterlicher Segen des Melchisedek:

(N.N.)
Der Herr, unser Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat,
segne und behüte Dich auf all Deinen Wegen.
Er lasse sein Angesicht leuchten über Dir
und er erfülle Dein Herz mit Frieden!

4. Trinität als Bekräftigung:


Der Vater-Gott SEI in Dir. (Kreuzzeichen über der Stirn)
Der Sohnes-Gott SCHAFFE in Dir. (Kreuzzeichen über dem Mund)
Der Geist-Gott ERLEUCHTE Dich. (Kreuzzeichen über dem Herzen)
A M E N (mantrisch gesungen)

5. VATER-UNSER – gemeinsam – die Hände haltend


und einen Kreis um den Verstorbenen bildend.

6. Gebet um Beistand – gerichtet an den Engel des Verstorbenen:

„Geist, Deiner Seele, würdiger Wächter,


Deine Schwingen mögen bringen
Meiner Seele bittende Liebe
Deiner Hut (Obhut) vertrautem Sphärenmenschen,
Daß, mit Deiner Macht geeint,
Meine Bitte helfend strahle
Der Seele, die sie liebend sucht.“
(gegeben durch Rudolf Steiner)
Abschiedsritual – Sterbesegen

Abschiedsritual – Sterbesegen

Abschiedsritual

Wir erbitten Gottes Trost und Kraft für die „große Reise“:

So spricht der Herr, der dich geschaffen hat:


Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst.
Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen, du bist mein. (Jes 43, 1)
Siehe, ich sende einen Engel vor dich her, der dich behüte auf dem Wege
und dich bringe an den Ort, den ich bestimmt habe. (Ex 23, 20)

Christus spricht:
Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,
und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.
(Joh. 11, 25-26)

Quelle: Abschied nehmen – Eine Hilfe bei Sterben und Tod, Thomas Verlag Leipzig
Unser Gästebuch
Gästebucheintrag mit Gedicht von Paul Celan

Kinderzeichnung im Abschiedsbuch von Maximilian B.


Gästebucheintrag der Familie Maathuis – mit dem vorgezogenen Weihnachtsfest

Gedenkstein mit Labyrinth