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Arbeiten und Leben in Deutschland

Ihr individuelles Informationspaket


28. Oktober 2020

Bildungsland Deutschland

Allgemeines

Das deutsche Bildungs- und Ausbildungssystem genießt international einen hervorragenden Ruf. Wer in
Deutschland eine Ausbildung absolviert, lernt meist nicht nur in der Schule, sondern ist über einen
Ausbildungsvertrag frühzeitig in die berufliche Praxis eingebunden. Da die Bevölkerungszahl in Deutschland
tendenziell sinkt, suchen viele Unternehmen für viele attraktive Berufsfelder auch Auszubildende aus dem Ausland.
Wer eine Ausbildung im deutschen Ausbildungssystem erfolgreich absolviert, hat damit gute Chancen auf dem
Arbeitsmarkt – nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland.

Gründe für eine Ausbildung in Deutschland

Es gibt viele gute Gründe, sich für eine Ausbildung in Deutschland zu entscheiden. Zu den wichtigsten gehören:

• Die hohe Praxisorientierung im dualen und im schulischen System.

• Die Qualität der deutschen Berufsausbildung, die auch im Ausland angesehen ist.

• Das Ausbildungsgehalt im dualen System: Bezogen auf das gesamte Bundesgebiet lag der Durchschnitt im Jahr
2016 bei 854 € pro Monat und die Vergütung nimmt in den meisten Ausbildungen mit jedem Lehrjahr zu.

• Die Einstiegsmöglichkeiten in den deutschen Arbeitsmarkt, auf dem qualifizierte Fachkräfte in vielen Berufen
gesucht werden.

Mehr Informationen zu den fünf wichtigsten Gründen für eine duale Ausbildung in Deutschland sind auf dem Portal
„Make it in Germany“ zusammengefasst.

Perspektiven für Ausbildungsinteressierte aus dem Ausland in


Deutschland

Eine Ausbildung in Deutschland bedeutet einen frühen und tiefen Einstieg in die berufliche Praxis und führt in vielen
Fällen zu einer anschließenden Anstellung im erlernten Beruf. Bei der dualen Ausbildung, die zwischen zwei und
dreieinhalb Jahren dauert, werden Auszubildende in einem Ausbildungsbetrieb eingestellt und besuchen parallel
eine Berufsschule. Teile der Ausbildung können auch im Ausland absolviert werden, etwa im Rahmen eines
Auslandspraktikums oder eines Austauschs. Sie sind früh in ein Unternehmen eingebunden, lernen ihren
zukünftigen Beruf kennen und erhalten ab dem ersten Arbeitstag ein Ausbildungsgehalt. Die duale Ausbildung ist
daher für viele Auszubildende zugleich ein idealer Einstieg in den Arbeitsmarkt.

Einige Ausbildungsberufe werden an speziellen Berufsfachschulen gelehrt. Hier verdienen die Auszubildenden, mit
Ausnahme der Gesundheitsbranche, kein durchgängiges Ausbildungsgehalt. Trotzdem sind Auszubildende an
Berufsfachschulen früh über Praktika und längere Aufenthalte in die berufliche Praxis einbezogen und können ihr
Wissen früh einsetzen. Etwa zwei Drittel der ehemaligen Auszubildenden werden von ihrem Lehrbetrieb
übernommen, teilweise unbefristet und teilweise befristet. In großen Unternehmen sind die Chancen auf eine
Übernahme deutlich größer, als bei kleinen und mittelständischen Unternehmen. Nach Abschluss einer Ausbildung
ist auch eine Weiterbildung, ein Studium oder eine Ausbildung in einem anderen Beruf möglich.

Eine Ausbildung in Deutschland planen

Allgemeines

Wer eine Berufsausbildung in Deutschland aufnehmen möchte, sollte den Weg zum Ausbildungsplatz gut planen.
Dabei gilt es vor allem, die formalen Voraussetzungen für eine Ausbildung in Deutschland zu beachten. Eine Reihe
von Angeboten hilft anschließend bei der Orientierung im deutschen Ausbildungsmarkt und bei der Suche nach
einem konkreten Ausbildungsplatz.

Visum zur Ausbildungsplatzsuche

Bewerber, die in Deutschland eine qualifizierte Berufsausbildung absolvieren möchten, aber noch keine
Ausbildungsstelle gefunden haben, können mit einem Visum zum Zweck der Ausbildungsplatzsuche nach § 17
Abs. 1 AufenthG nach Deutschland kommen, um sich in Deutschland auf Stellen zu bewerben und einen passenden
Ausbildungsplatz zu finden.

Voraussetzungen:

• Bewerber dürfen das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben

• sie benötigen einen Schulabschluss, der sie zu einem Hochschulzugang berechtigt oder einen Abschluss einer
deutschen Auslandsschule

• Deutschkenntnisse auf dem Niveau B2 des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER)
können nachgewiesen werden

• der Lebensunterhalt ist für die gesamte Dauer des Aufenthalts gesichert
Mit dem Visum beziehungsweise der Aufenthaltserlaubnis zur Ausbildungsplatzsuche können Interessenten bis zu
sechs Monate nach Deutschland einreisen, um sich vor Ort auf eine Ausbildungsstelle zu bewerben. Während
dieser Zeit dürfen sie keiner Erwerbstätigkeit nachgehen.

Der Weg zur Ausbildung in Deutschland

Interessierte an einer Ausbildung in Deutschland können sich an folgenden Schritten orientieren, um den Weg zu
einem Ausbildungsplatz systematisch zu planen:

1. Voraussetzungen klären: Interessierte sollten sich zunächst darüber informieren, welche Voraussetzungen sie als
Bürgerinnen und Bürger ihres Heimatlandes erfüllen müssen. Dabei sollten sie insbesondere klären, ob sie ein
Visum beantragen müssen, um nach Deutschland zu kommen. Außerdem sollten sie in Erfahrung bringen, ob sie
durch ihren Schulabschluss für eine Ausbildung in Deutschland qualifiziert sind.

2. Wunschberuf finden: Dann können sich Interessierte mit der Vielfalt möglicher Ausbildungsberufe
auseinandersetzen. Es gibt verschiedene Beratungsangebote, die über das Internet zur Verfügung stehen und so
im Heimatland zur Vorbereitung genutzt werden können.

3. Potenzielle Ausbildungsstellen finden: Ist der Wunschberuf gefunden, helfen eine Reihe von Internetportalen bei
der Suche nach passenden Stellen.

4. Bewerben: Im nächsten Schritt sollten Interessierte Kontakt mit dem potenziellen Ausbildungsbetrieb oder der
Fachschule aufnehmen und sich aktiv auf eine Ausbildungsstelle bewerben.

5. Finanzierung klären: In vielen Fällen erhalten Auszubildende während der Ausbildung ein Gehalt. Dennoch ist es
gerade für Auszubildende, die ein Visum für die Einreise benötigen, notwendig, nachzuweisen, dass sie ihren
Lebensunterhalt während der Ausbildung bestreiten können. Hierbei sollte die Frage geklärt werden, ob die
Ausbildungsvergütung vollständig zu Deckung der Lebenshaltungskosten ausreicht. Auszubildende haben gemäß
§16a Abs.3 AufenthG die Möglichkeit, neben der Ausbildung bis zu zehn Stunden zu arbeiten.

6. Visum beantragen: Wenn Bewerberinnen und Bewerber die Zusage für einen Ausbildungsplatz erhalten, müssen
sie aus Ländern außerhalb der EU, des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) oder der Schweiz ein Visum
beantragen, um nach Deutschland einreisen zu können.

Sind all diese Schritte erledigt, steht einer Ausbildung in Deutschland nichts mehr im Wege.

Zugang zum deutschen Ausbildungssystem

Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten der Europäischen Union, aus Island, Liechtenstein, Norwegen und der
Schweiz steht es ohne weitere Auflagen frei, zur Aufnahme einer Ausbildung nach Deutschland zu kommen.

Ausbildungsinteressierte aus Drittstaaten müssen ein Visum beantragen, für das folgende Voraussetzungen erfüllt
sein müssen:
• Zusage für einen Ausbildungsplatz

• Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit (Vorrangprüfung) (für Absolventen, die ihren Schulabschluss an einer
Deutschen Auslandsschule erworben haben, entfällt die Vorrangprüfung). Die Zustimmung der Bundesagentur für
Arbeit wird in der Regel in einem behördeninternen Verfahren nach Visumsbeantragung eingeholt.

• Nachweis, dass Bewerberinnen und Bewerber während der Ausbildung ihren Lebensunterhalt finanzieren können
(dabei ist zu beachten, dass Auszubildende im dualen Ausbildungssystem ein Ausbildungsentgelt erhalten, an einer
Berufsfachschule hingegen in der Regel nicht).

• Für die Beantragung des Visums zum Zwecke der betrieblichen Ausbildung ist ein Sprachnachweis erforderlich.
Zum Zeitpunkt der Antragsstellung benötigt man einen Nachweis über Sprachkenntnisse auf dem Niveau von
mindestens A2, bei Ausbildungen in reglementierten Gesundheitsberufen mindestens B1.

Wer aus einem Drittstaat nach Deutschland kommen möchte, sollte sich also schon frühzeitig nach einem
Ausbildungsplatz umsehen und klären, wie die Ausbildung finanziert werden kann.

Schulabschluss als Voraussetzung

Die deutsche duale Ausbildung kennt grundsätzlich keine formalen Zugangsbedingungen. Allerdings kommt es im
Wettbewerb mit anderen Bewerberinnen und Bewerbern vor allem auf einen guten Schulabschluss an. Eine rein
schulische Ausbildung setzt einen in Deutschland anerkannten Schulabschluss voraus.

Schülerinnen und Schüler mit höheren Bildungsabschlüssen haben bessere Chancen, ihren
Wunschausbildungsplatz zu bekommen. Ausländische Schulabschlüsse können unter bestimmten
Voraussetzungen einem deutschen Schulabschluss gleichgestellt werden. Über die Gleichstellung entscheiden die
Zeugnisanerkennungsstellen der Länder. Die zuständigen Stellen sind über die Datenbank Anabin abrufbar.

Deutsche Sprachkenntnisse

Da die Ausbildung sowohl in Betrieben als auch in Schulen auf Deutsch stattfindet und Prüfungen in deutscher
Sprache abgehalten werden, sind auch gute bis sehr gute Deutschkenntnisse eine wichtige Voraussetzung.
Ausbildungsinteressierte sollten daher am besten bereits im Herkunftsland die nötigen Sprachkenntnisse erwerben.
Die Sprachvoraussetzungen sind von Ausbildung zu Ausbildung unterschiedlich. Manche Betriebe und
Berufsschulen setzen einen Nachweis der Kenntnisse durch einen Sprachtest voraus.

Entscheidungshilfen bei der Wahl des Ausbildungsberufs

Angehende Auszubildende können derzeit aus rund 350 Berufen wählen, die die ganze Vielfalt der heutigen
Wirtschafts- und Arbeitswelt abdecken. Dabei ist es nicht einfach, abzuschätzen, welcher Beruf der passende ist.
Eine Reihe von Angeboten hilft bei der Orientierung:
• Die Bundesagentur für Arbeit hat auf der Website „Welche Berufe passen zu mir?“ eine Reihe von Online-Services
zusammengestellt, die beim Finden des richtigen Ausbildungsberufs helfen. Dort finden Interessierte unter anderem
den BERUFE Entdecker, der mithilfe von Bildern Orientierung bietet sowie ein Selbsterkundungstool, mit dem
Stärken, Schwächen und Interessen erforscht werden können.

• Interessierte, die bereits in Deutschland leben, können sich zum Berufswahltest der Bundesagentur für Arbeit
anmelden lassen, der von professionellen Berufspsychologen durchgeführt wird. Nähere Informationen bietet der
Flyer „Berufswahltest (BWT)“.

• Das Internetportal „Planet Beruf“ der Bundesagentur für Arbeit stellt Informationen zu verschiedenen Ausbildungen
und Berufen für Schülerinnen und Schüler zusammen. Dort finden sich auch alle Artikel des gleichnamigen
Berufswahlmagazins.

• Auch das Portal „beroobi“ des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln informiert Interessierte ausführlich über
verschiedene Berufe und Ausbildungsmöglichkeiten.

Eine Ausbildungsstelle in einem Betrieb finden

Wer sich auf eine Ausbildungsstelle im Rahmen des dualen Ausbildungssystems bewerben will, muss sich direkt
an die auszubildenden Betriebe wenden. Dabei ist zu beachten, dass Stellen in der Regel ein Jahr im Voraus für
August oder September des nächsten Jahres ausgeschrieben werden. Interessierte sollten daher rechtzeitig mit
der Recherche möglicher Stellen in ihrem Wunschberuf beginnen. Insbesondere große Unternehmen
veröffentlichen Ausbildungsstellen auf ihren eigenen Webseiten. Darüber hinaus existiert eine Reihe von
einschlägigen Portalen im Internet, die einen umfassenden Überblick über den deutschen Ausbildungsmarkt bieten.

Einen Überblick über die verschiedenen Portale finden Interessierte auf dem Portal „Make it in Germany“.

Wie bei einer Bewerbung auf eine reguläre Anstellung ist auch beim Bemühen um eine Ausbildungsstelle
Eigeninitiative seitens der Bewerberinnen und Bewerber gefragt. Dabei kommt es darauf an über die formalen
Voraussetzungen hinaus eine insgesamt überzeugende Bewerbung abzuliefern.

Einen Platz an einer Berufsfachschule finden

Wer sich für eine Ausbildung an einer Berufsfachschule interessiert, sollte sich direkt beim jeweiligen Anbieter
bewerben. Bei der Recherche nach passenden Anbietern helfen die Angebote der Bundesagentur für Arbeit. Dabei
sollten Interessierte zunächst über das das Portal „BERUFENET“ den jeweiligen Ausbildungsberuf nachschlagen.
Im zugehörigen Eintrag findet sich unter dem Reiter „Perspektiven“ ein Link, über den nach Schulischen
Ausbildungsangeboten im entsprechenden Beruf gesucht werden kann.
Information und Beratung

Allgemeines

Zahlreiche Anlaufstellen und Internetquellen bieten hilfreiche Informationen zur Vorbereitung und Durchführung
einer Ausbildung in Deutschland. Verschiedene Einrichtungen helfen darüber hinaus mit ihren Internetportalen bei
finanziellen, sozialen und kulturellen Fragen oder Problemen.

Informationsangebote rund um die Ausbildung in Deutschland

• Das Portal PLOTEUS unterstützt Schülerinnen und Schülern, Studierenden, Jobsuchenden, Arbeitnehmerinnen
und Arbeitnehmer, Eltern, Berufsberaterinnen und- berater und Lehrer bei der Suche nach Aus- und
Weiterbildungsmöglichkeiten in Europa. Dazu bietet es unter anderem Verzeichnisse von Schulen, Hochschulen
und sonstigen Bildungseinrichtungen.

• Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) kümmert sich um
alle Fragen zur beruflichen Bildung und zur Weiterbildung. Sie ist unter anderem für das EU-Förderprogramm
Erasmus+ Berufsbildung sowie für den europass zuständig.

• Der Zentralverband des Deutschen Handwerks e.V. (ZDH) erteilt Auskunft zur Aus- und Weiterbildung in
Handwerksberufen und vermittelt Kontakte zu den zuständigen Handwerkskammern und Innungen.

• Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag e.V. (DIHK) vermittelt Kontakte zu den regional zuständigen
Industrie- und Handelskammern, die eine Ausbildungsberatung anbieten.

• BERUFENET ist ein Portal der Agentur für Arbeit und bietet ausführliche Informationen zur Berufswahl wie
Zugangsvoraussetzungen und Perspektiven. Es gibt auch Tools wie Berufe-Entdecker, die ein spielerisches
Entdecken von Berufen ermöglichen. BERUFE.TV bietet Filme über verschiedene Ausbildungs- und Studienberufe.

Information und Beratung der Bundesagentur für Arbeit

Bei Fragen rund um das Thema „Arbeiten und Lernen in Deutschland“, hilft die Zentrale Auslands- und
Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit. Sie unterstützt bei der Planung einer Ausbildung oder eines
Bildungsaufenthalts in Deutschland. Die ZAV ist Teil von Euroguidance, dem europäischen Netzwerk der Bildungs-
und Berufsberatung, und berät vor diesem Hintergrund Ratsuchende und Beratungsfachkräfte aus dem In- und
Ausland über die Möglichkeiten des europäischen Bildungs- und Arbeitsmarktes. Die Hotline ist über die
Telefonnummer +49 228 713-1313 montags bis freitags von 8:00 bis 18:00 Uhr erreichbar. Die Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter senden gerne Informationsmaterial zu oder bieten bei Bedarf einen weitergehenden
Beratungstermin mit einem persönlichen Ansprechpartner an. E-Mail: make-it-in-germany@arbeitsagentur.de
Das deutsche Berufsausbildungssystem

Allgemeines

Das deutsche Berufsausbildungssystem zeichnet sich durch eine große Nähe zum Arbeitsmarkt aus. Viele Berufe
werden nicht allein in Schulen, sondern im dualen System in Verbindung mit einer Anstellung in einem Betrieb
erlernt. Voraussetzung ist ein deutscher Schulabschluss. Doch auch Bewerberinnen und Bewerber aus dem
Ausland können ihre in der Heimat erworbenen Abschlüsse in Deutschland anerkennen lassen und so eine
Ausbildung aufnehmen. Nach einer Ausbildung kann man sich weiterqualifizieren, im Beruf aufsteigen oder
studieren.

Schulsystem und Schulabschlüsse in Deutschland

Ein Schulabschluss ist die Voraussetzung für eine Ausbildung in Deutschland. Deutschland verfügt über ein
dreigliedriges Schulsystem, das je nach Schulform zu einem Hauptschulabschluss, einem Mittleren Schulabschluss
oder zum Abitur hinführt. Diese Abschlüsse können entweder an Schulen in Deutschland oder an einer von weltweit
rund 140 Deutschen Auslandsschulen erworben werden.

In Deutschland liegt die Verantwortung für die Schul- und Bildungspolitik bei den Bundesländern, daher gibt es von
Bundesland zu Bundesland Unterschiede. Für Kinder in Deutschland besteht ab dem sechsten Lebensjahr eine
achtjährige Schulpflicht. Alle Schülerinnen und Schüler besuchen ab dem sechsten Lebensjahr die Grundschule.
Der Besuch dauert in der Regel vier Jahre, in Berlin und Brandenburg sechs Jahre. Daran schließt sich der
Sekundarbereich, auch weiterführende Schule genannt, an, in dem Schülerinnen und Schüler zwischen drei
Schultypen wählen können.

Der Sekundarbereich ist gegliedert in Haupt- und Realschule sowie Gymnasium, mit jeweils den Abschlüssen
Hauptschulabschluss, mittlerer Abschluss und Abitur. In Gesamtschulen werden mehrere dieser Schulformen
zusammengefasst und oft die gesamte Bandbreite an Schulabschlüssen angeboten.

• Hauptschulabschluss und mittlerer Abschluss qualifizieren für eine Berufsausbildung. Der Hauptschulabschluss
wird nach der 9. Klasse erworben und vermittelt grundlegende Kenntnisse. Realschülerinnen und Realschüler
erhalten nach der 10. Klasse den mittleren Schulabschluss, der für anspruchsvollere technische, kaufmännische
und Verwaltungstätigkeiten qualifiziert. Obwohl Schulabgängerinnen und Schulabgänger mit diesen Abschlüssen
auf eine Ausbildung festgelegt sind, haben sie die Möglichkeit, sich im Laufe ihres Berufslebens weiter zu
qualifizieren.

• Abitur: Auf dem Gymnasium erwerben Schülerinnen und Schüler nach 12 oder 13 Jahren die allgemeine
Hochschulreife, die zur Aufnahme eines Universitätsstudiums qualifiziert. In der Praxis entscheiden sich auch viele
Abiturientinnen und Abiturienten statt für ein Studium für eine Berufsausbildung. Einer der Gründe dafür ist, dass
viele Berufe wie zum Beispiel Pfleger oder Erzieher, die in anderen Ländern an Universitäten gelehrt werden, in
Deutschland als Ausbildungsberufe erlernt werden können.
Deutsche Auslandsschulen

Weltweit existieren rund 140 Deutsche Auslandsschulen, die meist von gemeinnützigen Schulvereinen getragen
und von der Bundesrepublik Deutschland gefördert werden. An einigen dieser Schulen, den sogenannten
„Begegnungsschulen“, findet der Unterricht in der jeweiligen Landessprache sowie auf Deutsch statt, an
„deutschsprachigen Auslandsschulen“ dagegen vollständig in deutscher Sprache. Schülerinnen und Schüler
können hier neben landeseigenen und internationalen auch deutsche Schulabschlüsse erwerben.

Ein deutscher oder internationaler Abschluss an einer Deutschen Auslandsschule eröffnet zugleich den Zugang
zum deutschen Ausbildungssystem, denn für Abgängerinnen und Abgänger, die eine Aufenthaltserlaubnis zur
Aufnahme einer Ausbildung in Deutschland beantragen, entfällt die Vorrangprüfung. Diese stellt fest, ob es
bevorrechtigte Bewerber oder Bewerberinnen aus Deutschland, der EU, dem EWR und der Schweiz gibt.

Weitere Informationen über Zugangsvoraussetzungen und mögliche Abschlüsse an den Deutschen


Auslandsschulen finden sich auf dem Portal „Make it in Germany“ sowie auf den Webseiten der
Kultusministerkonferenz. Eine Weltkarte der Auslandsschulen wird vom Bundesverwaltungsamt (BVA) zur
Verfügung gestellt.

Weitere schulische Qualifikation

Neben Haupt- und Realschulabschluss und Abitur gibt es weitere anerkannte Schulabschlüsse, die ebenfalls zur
Aufnahme einer Ausbildung qualifizieren.

• Qualifizierter Hauptschulabschluss: Der qualifizierende Hauptschulabschluss kann in verschiedenen


Bundesländern in der neunten beziehungsweise zehnten Klasse erworben werden. Es handelt sich hierbei um eine
freiwillige „besondere Leistungsfeststellung” mit sechs zu bestehenden Teilprüfungen. Wer hierbei einen
bestimmten Notendurchschnitt erzielt, hat bessere Chancen auf einen guten Ausbildungsplatz. Der Abschluss
berechtigt auch dazu, weiterführende Schulen, wie die Berufsfachschule, unter bestimmten
Zugangsvoraussetzungen zu besuchen.

• Fachabitur: Der Begriff „Fachabitur“ steht sowohl für die „Fachgebundene Hochschulreife“ als auch für die
„Fachhochschulreife“. Die fachgebundene Hochschulreife berechtigt zum Studium bestimmter Fachrichtungen an
Universitäten, Technischen Hochschulen und Fachhochschulen. Die Fachhochschulreife berechtigt hingegen
ausschließlich zum Studium an einer Fachhochschule. In einigen Bundesländern berechtigt die Fachhochschulreife
zum Einstieg in das letzte Jahr einer Berufsoberschule der gleichen Fachrichtung. Schülerinnen und Schüler mit
einem der beiden Abschlüsse können auch eine Ausbildung im „Dualen Ausbildungssystem“ beginnen.

Schulabschlüsse als Voraussetzung für eine Berufsausbildung

Je höher die schulische Qualifikation und je höher der Schulabschluss, desto besser stehen auch die Chancen,
den Wunschausbildungsplatz zu erhalten. Zwar qualifiziert grundsätzlich jeder deutsche Schulabschluss für eine
Berufsausbildung. Allerdings können die Ausbildungsbetriebe die Bewerberinnen und Bewerber im dualen
Ausbildungssystem selbst aussuchen und stellen dabei unterschiedliche Ansprüche. Einen Überblick über die
Ausbildungsberufe und die im jeweiligen Fall üblichen Zugangsvoraussetzungen bietet das Portal „BERUFENET“
der Bundesagentur für Arbeit.

Ausländische Schulabschlüsse

Wer zur Ausbildung nach Deutschland kommt, verfügt in der Regel nicht über einen deutschen Schulabschluss.
Daher ist zur Aufnahme einer Ausbildung zunächst die Anerkennung, das heißt die Gleichstellung des erworbenen
Schulabschlusses mit einem deutschen Abschluss, notwendig. Informationen zur Anerkennung von Schul-, Berufs-
und Hochschulabschlüssen bietet die Seite Anerkennung in Deutschland sowie die Datenbank anabin.

Ausbildungsberufe

Eine Ausbildung führt stets auf ein konkretes Berufsfeld hin. Daher entwickelt sich die Ausbildungslandschaft stetig
weiter: Neue Ausbildungswege kommen hinzu und alte werden angepasst. Derzeit können Auszubildende
zwischen rund 350 Ausbildungsberufen wählen, von denen die meisten auf dem Weg einer dualen Ausbildung,
also mit einem Ausbildungsplatz in einem konkreten Betrieb und dem parallelen Besuch einer Berufsschule, erlernt
werden. Andere Berufe werden in speziellen Berufsfachschulen gelehrt.

In einigen Branchen ist die Nachfrage nach Fachkräften derzeit hoch. Daher sind viele Unternehmen auf der Suche
nach Auszubildenden, sodass die Chancen für ausländische Bewerberinnen und Bewerber zurzeit gut sind.
Besondere Nachfrage besteht unter anderem im Bereich Gesundheit, Medizin und Pflege, im MINT-Bereich oder
im Bereich Bildung und Erziehung.

Auf dem Portal „Make it in Germany“ werden beispielhaft fünf derzeit besonders gefragte Ausbildungsberufe
vorgestellt. Einen Überblick über alle in Deutschland erlernbaren Berufe bieten die Portale „planet-beruf.de“ und
„BERUFENET“ der Bundesagentur für Arbeit.

Duale Berufsausbildung

Das Ziel des Systems der dualen Berufsausbildung ist es, qualifizierte Fachkräfte auszubilden. Wichtig sind dabei
die sich wandelnden Anforderungen des Berufsfeldes und die Nähe zum Arbeitsmarkt. Eine duale Ausbildung findet
deswegen in einem Unternehmen statt. Parallel dazu gibt es Unterricht an ein oder zwei Tagen in der Woche in
einer Berufsschule.

• Ausbildung im Betrieb: Auszubildende schließen einen Ausbildungsvertrag und arbeiten vom ersten Tag als
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Unternehmen. Dadurch werden sie früh in Arbeitsabläufe und den
Kollegenkreis eingegliedert und haben im Anschluss die Chance von ihrem Ausbildungsbetrieb in ein reguläres
Beschäftigungsverhältnis übernommen zu werden.

• Berufsschule: In der Berufsschule setzt sich der Lehrplan zu etwa einem Drittel aus allgemeinbildenden Fächern
wie Sprachen oder Sozialkunde und zu zwei Dritteln aus berufsbezogenen Inhalten zusammen. Dadurch haben
die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, das in der Schule Erlernte umgehend in der betrieblichen Praxis
anzuwenden.

• Kosten und Vergütung: Die duale Ausbildung ist kostenlos. Auszubildende erhalten in ihrem Betrieb von Anfang an
eine Vergütung.

• Dauer der Ausbildung: Sie dauert je nach Beruf zwischen zwei und dreieinhalb Jahren und kann in Absprache mit
Betrieb und Berufsschule verkürzt werden, wenn die Auszubildenden über entsprechende Vorkenntnisse verfügen.

• Abschlussprüfung: Den Abschluss der Ausbildung bildet eine Prüfung vor der zuständigen Kammer, also der
berufsständischen Kammer im jeweiligen Handwerk oder Industriezweig. Inhalte und Ablauf dieser Prüfung sind
bundesweit einheitlich geregelt.

• Zugangsvoraussetzungen: Die duale Ausbildung steht prinzipiell allen Bewerberinnen und Bewerbern mit
Schulabschluss offen. Die Anforderungen sowie das Bewerbungsverfahren für einen Platz in der dualen Ausbildung
richten sich nach dem jeweiligen Ausbildungsbetrieb. Dabei spielen nicht nur die Schulnoten in den für den Beruf
wichtigen Fächern eine Rolle, sondern auch Neigungen und Vorerfahrungen. Während große Betriebe teilweise
formalisierte Verfahren wie Assessment-Center einsetzen, verlassen sich kleinere Handwerksbetriebe oft auf den
persönlichen Eindruck.

Schulische Ausbildung

Nicht alle Berufe können im Rahmen des dualen Ausbildungssystems erlernt werden. Vor allem im sozialen,
pflegerischen sowie in einigen kaufmännischen und technischen Bereichen absolvieren Auszubildende die
Ausbildung an Berufsfachschulen.

• Berufsfachschule und Praktika: Die Ausbildung findet in der Regel in Vollzeit an der Fachschule statt, wird jedoch
durch längere verpflichtende Praktika ergänzt.

• Kosten und Vergütung: Manche Fachschulen verlangen ein Schulgeld. Auszubildende an Berufsfachschulen
erhalten anders als in dualen Ausbildung in der Regel keine Vergütung.

• Dauer der Ausbildung: Die Ausbildung dauert je nach Beruf zwischen zwei und drei Jahren.

• Abschlussprüfung: Die schulische Ausbildung wird durch eine bundesweit einheitliche Prüfung abgeschlossen.

• Zugangsvoraussetzungen: Voraussetzung ist in der Regel der mittlere Schulabschluss.

Eine Ausnahme bilden die Berufe im Gesundheitsbereich. Dort absolvieren die Auszubildenden lange
Praxisphasen in Krankenhäusern oder Pflegeheimen und erhalten während der gesamten Ausbildungszeit ein
Gehalt.
Duales ausbildungsorientiertes Studium

Neben den klassischen Wegen der dualen sowie der schulischen Berufsausbildung besteht in Deutschland die
Möglichkeit, ein Hochschulstudium mit einer betrieblichen Ausbildung zu kombinieren.

Ausbildungsvergütung

In der dualen Ausbildung sowie bei einer schulischen Ausbildung im Gesundheitsbereich erhalten Auszubildende
vom ersten Tag an eine Ausbildungsvergütung. Diese ermöglicht den Auszubildenden bereits früh eine zumindest
teilweise finanzielle Unabhängigkeit von den Eltern. Sie steigt mit jedem Ausbildungsjahr und entspricht in etwa
einem Drittel des Gehalts einer ausgebildeten Fachkraft. Ihre tatsächliche Höhe hängt von den in der Branche und
Region jeweils gültigen Tarifverträgen ab. Vom Einkommen werden Sozialabgaben und eventuell Steuern
abgezogen. Eine jährlich aktualisierte Übersicht über die Höhe der Vergütungen bietet die Datenbank
Ausbildungsvergütung des Bundesinstituts für Berufsbildung.

Ab 1. Januar 2020 gibt es eine 515 € Mindestvergütung für Auszubildende. 2021 erhöht sie sich auf 550 Euro, 2022
auf 585 Euro und 2023 auf 620 Euro.

Berufliche Weiterbildung

Viele beruflich Qualifizierte bilden sich nach der Ausbildung weiter und erwerben dadurch beispielsweise die
deutschen Qualifikationstitel „Meister/in“ oder „Techniker/in“. Als Meisterin oder Meister leiten sie dann Teams oder
führen als Selbständige ihren eigenen Handwerksbetrieb. Technikerinnen und Techniker führen komplexe
Aufgaben in der Entwicklung von Gütern und der Produktionssteuerung aus, leiten Produktionsstätten oder arbeiten
als Fachlehrerin oder Fachlehrer an technischen Schulen. Neben diesen sogenannten Aufstiegsfortbildungen gibt
es eine Reihe weiterer Möglichkeiten, von berufsbezogenen Sprachkursen bis zu betrieblichen Weiterbildungen in
bestimmten Themen und Fertigkeiten. Weitere Informationen bietet das Portal „Make it in Germany“.

Anerkennung deutscher Ausbildungsabschlüsse im Ausland

Aufgrund der guten Reputation des Ausbildungssystems sind Bewerberinnen und Bewerber mit einem deutschen
Schulabschluss in der Regel auch im Ausland gefragt. Wer in seine Heimat zurückkehrt, hat daher gute Chancen
auf eine Anerkennung seiner deutschen Ausbildung. Dabei ist grundsätzlich zwischen nicht-reglementierten und
reglementierten Berufen zu unterscheiden.

Reglementiert ist ein Beruf im jeweiligen Land dann, wenn der Berufszugang und die Berufsausübung durch
Rechts- und/oder Verwaltungsvorschriften an den Nachweis einer bestimmten Qualifikation gebunden sind. In den
reglementierten Berufen (z. B. Ärztin/Arzt, Apotheker/in, Krankenpfleger/in, Rechtsanwältin/-anwalt, Erzieher/in und
Ingenieur/in) ist für die Ausübung des Berufs oder das Führen der Berufsbezeichnung eine Anerkennung der
Berufsqualifikationen notwendig.

In nicht-reglementierten Berufen ist eine Anerkennung keine zwingende Voraussetzung für die Berufsausübung. In
diesen Berufen können sich Bewerberinnen und Bewerber direkt auf dem Arbeitsmarkt bewerben und arbeiten.
Eine Bewertung des Abschlusses kann aber hilfreich sein, um Arbeitgebern und Unternehmen die ausländische
Qualifikation verständlicher zu machen.

Innerhalb der Europäischen Union (EU) und des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) ist der Zugang zur
Ausübung eines im jeweiligen Land reglementierten Berufes durch eine EU-Richtlinie geregelt. Die EU-Richtlinie
erfasst Qualifikationen, die in einem Mitgliedsstaat erworben wurden, und gewährleistet so den Zugang zur
Berufsausübung, also die automatische Anerkennung. Ein bilaterales Abkommen mit der Schweiz regelt die
gegenseitige Anerkennung von Abschlüssen aus diesem Land. Informationen zum Anerkennungsverfahren bietet
die Website „Ihr Europa“. Auf der Website der Europäischen Kommission findet sich eine Übersicht der für das
Verfahren zuständigen nationalen Kontaktstellen in den jeweiligen Staaten sowie eine Datenbank, die Auskunft
darüber gibt, welche Berufe in welchen Staaten reglementiert sind. Bei der Übertragung eines deutschen
Ausbildungszeugnisses in ein europaweit einheitliches Format hilft der Service europass der Europäischen
Kommission.

Informationen über die Stellen, die für die Anerkennung von deutschen Berufsabschlüssen in Drittstaaten zuständig
sind, erteilen die jeweiligen Botschaften und Konsulate.

Anerkennung von Teilleistungen der deutschen Ausbildung im


Ausland

Für die internationale Anerkennung von Teilleistungen einer nicht abgeschlossenen deutschen Ausbildung nach
Rückkehr ins Ausland gibt es bislang kein einheitliches System. Das europäische Leistungspunktesystem ECVET
erleichtert die Anerkennung im europäischen Rahmen und hilft, die erworbenen Kenntnisse transparent zu
dokumentieren, damit sich zukünftige Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ein konkretes Bild machen können.
Weitere Informationen bietet die Nationale Agentur für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA am BIBB).

In Deutschland absolvierte Praktika können mit Hilfe des europass in einem europaweit einheitlichen Format
nachgewiesen werden.

Dokumentation von in Deutschland erworbenen Kompetenzen mit


Europass

Der Europass ist ein Service der Europäischen Kommission, der dabei hilft, im In- und Ausland erworbene
Kompetenzen europaweit verständlich zu dokumentieren. Europass erstellt neben Dokumenten wie europaweit
einheitlichen Lebensläufen und Sprachpässen auch den Europass Mobilität, in dem Lernaufenthalte im
europäischen Ausland wie Praktika oder Aus- und Weiterbildungen nachgewiesen werden. Er ist hilfreich, um
sowohl in Deutschland absolvierte Ausbildungen und Praktika im Ausland zu dokumentieren, als auch eigene
Kompetenzen bei einer Bewerbung auf einen deutschen Ausbildungsplatz zu belegen.
Der Service von Europass ist kostenlos. Weitere Informationen bieten die Webseiten europass der Europäischen
Kommission sowie europass Deutschland der Nationalen Agentur für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung
(NA am BIBB).

Austauschprogramm Erasmus+

Das EU-Programm Erasmus+ fördert die internationale Mobilität in der beruflichen Bildung und steht auch
Auszubildenden offen. Es ermöglicht es Auszubildenden, über Auslandspraktika in anderen Unternehmen weitere
berufliche, sprachliche und interkulturelle Kompetenzen zu erwerben und so ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt
zu erhöhen. Mit einem Erasmus-Stipendium können sowohl Auszubildende aus Deutschland ins Ausland gehen
als auch Auszubildende aus dem Ausland nach Deutschland kommen, um in deutschen Betrieben Erfahrungen zu
erwerben.

Die Praktika dauern zwischen zwei Wochen und zwölf Monaten und können noch bis zu zwölf Monate nach
Abschluss der Ausbildung durchgeführt werden. Praktika werden vergütet, für Unterkunft und Anreise erhalten die
Stipendiatinnen und Stipendiaten einen Zuschuss. Interessierte können sich nicht direkt bewerben, die Stipendien
werden über den Betrieb, die Schule oder die zuständige Kammer vermittelt. Weitere Informationen bietet die
Website „Mach mehr aus deiner Ausbildung“ der Nationalen Agentur für Europa beim Bundesinstituts für
Berufsbildung (NA am BIBB).

Finanzierung und Soziales

Allgemeines

Wer eine Ausbildung in Deutschland plant, sollte sich vorher Gedanken über die Finanzierung machen.
Insbesondere für Personen, die mit einem Visum nach Deutschland kommen, ist es wichtig, die Frage der
Finanzierung frühzeitig zu klären, da für die Bewilligung des Visums nachgewiesen werden muss, dass der
Lebensunterhalt während der Ausbildung gesichert ist.

Kosten einer Ausbildung in Deutschland

Die Ausbildung im dualen System ist kostenlos. Bei einer schulischen Ausbildung kann dagegen ein Schulgeld
anfallen. Staatliche Schulen sind in der Regel kostenlos, während Schulen in privater Trägerschaft ein Schulgeld
erheben, das zwischen 75 und 300 Euro im Monat liegen kann.

Für die Abschlussprüfung können zusätzlich Gebühren anfallen, die teilweise mehrere hundert Euro betragen
können. Im dualen System werden diese Kosten vom Arbeitgeber getragen, während Absolventinnen und
Absolventen einer schulischen Ausbildung sie meinst selbst bezahlen müssen. Die genaue Höhe ist der
Prüfungsgebühren-Ordnung der jeweiligen Kammer zu entnehmen.

Zusätzlich können sowohl im Rahmen der schulischen Ausbildung als auch an der Berufsschule im dualen System
Kosten für Lehr- und Arbeitsmaterialien, Fachbücher sowie für Fahrt und Unterbringung, zum Beispiel bei
Blockunterricht, entstehen.

Ausbildungsvergütung

In der dualen Ausbildung sowie bei einer schulischen Ausbildung im Gesundheitsbereich erhalten Auszubildende
vom ersten Tag an ein Ausbildungsgehalt. Diese ermöglicht den Auszubildenden eine zumindest teilweise
finanzielle Unabhängigkeit von den Eltern. Sie steigt mit jedem Ausbildungsjahr und entspricht in etwa einem Drittel
des Gehalts einer ausgebildeten Fachkraft. Ihre tatsächliche Höhe hängt von den in der Branche und Region jeweils
gültigen Tarifverträgen ab. Vom Einkommen werden Sozialabgaben und eventuell Steuern abgezogen. Eine
jährlich aktualisierte Übersicht über die Höhe der Vergütungen bietet die Datenbank Ausbildungsvergütung des
Bundesinstituts für Berufsbildung.

Finanzielle Unterstützung während der Ausbildung

Je nach Hintergrund haben Auszubildende gegebenenfalls Anspruch auf eine Reihe von Unterstützungsleistungen,
die ihnen helfen, ihre Ausbildung zu finanzieren und ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Folgende
Förderprogramme richten sich speziell an junge Menschen in der Ausbildung:

• Berufsausbildungsbeihilfe (BAB)

• BAföG

• Bildungskredite

Darüber hinaus haben Auszubildende unter bestimmten Bedingungen Anspruch auf staatliche Unterstützung in
Form von Kindergeld und Wohngeld. In einigen Fällen besteht auch die Möglichkeit, Hilfe zum Lebensunterhalt
nach dem Sozialgesetzbuch (SGB XII) zu erhalten. Zudem haben Auszubildende grundsätzlich Anspruch auf
Unterhaltszahlungen durch ihre Eltern.

Eine weitere Möglichkeit zur Finanzierung der Ausbildung sind Stipendien, die von verschiedenen
Trägerorganisationen oder auch von den Berufsfachschulen vergeben werden. Zudem erhalten Auszubildende, die
über das EU-Programm „Your first EURES job“ nach Deutschland kommen, in der Anfangsphase ihrer Ausbildung
eine finanzielle Unterstützung.

Ausbildungskosten sind teilweise steuerlich absetzbar. Dies gilt auch für die Eltern der Auszubildenden, wenn diese
die Kosten für die Ausbildung tragen. Nähere Informationen bietet das Finanzamt oder ein Steuerberater.
Berufsausbildungsbeihilfe (BAB)

Auszubildende im dualen Ausbildungssystem, deren Ausbildungsvergütung nicht ausreicht, um die Kosten für
Miete, Heimfahrten und Lebensunterhalt zu decken, können Berufsausbildungshilfe (BAB) bei der Bundesagentur
für Arbeit beantragen. Auch Ausländerinnen und Ausländer können BAB beantragen. Grundsätzlich haben folgende
Gruppen Anspruch auf BAB:

• Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union, Islands, Liechtensteins, Norwegens und der Schweiz sowie
deren Familienangehörige

• Ausländerinnen und Ausländer aus Drittstaaten, die über eine Niederlassungserlaubnis oder eine Erlaubnis zum
Daueraufenthalt-EU verfügen

• anerkannte Flüchtlinge mit einem dauerhaften Aufenthaltsrecht

• heimatlose Ausländerinnen und Ausländer

Ausländerinnen und Ausländer mit einer Duldung haben Anspruch auf BAB, wenn sie sich seit mindestens 15
Monaten rechtmäßig im Inland aufhalten. Bei Ausländerinnen und Ausländern mit einer Aufenthaltsgestattung
beträgt diese Wartefrist fünf Jahre. In beiden Fällen besteht ein Anspruch ohne Wartefrist, wenn sich zumindest ein
Elternteil innerhalb der letzten sechs Jahre mindestens drei Jahre in Deutschland aufgehalten hat und dort
rechtmäßig erwerbstätig gewesen ist.

In jedem Fall müssen auch Ausländerinnen und Ausländer die grundsätzlichen Voraussetzungen für den Bezug
der BAB erfüllen. Einen Überblick über die BAB bietet das Merkblatt „Berufsausbildungsbeihilfe“ der Bundesagentur
für Arbeit.

Eine schnelle und unverbindliche Auskunft über die Höhe der zu erwartenden BAB verschafft der BAB-Rechner der
Bundesagentur für Arbeit. Für die Feststellung des tatsächlichen BAB-Anspruchs sollten Interessierte Kontakt zur
Bundesagentur für Arbeit aufnehmen.

BAföG

Auszubildende in einer schulischen Ausbildung können Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz


(BAföG) beantragen, wenn sie zu Beginn der Ausbildung jünger als 30 Jahre alt sind und es sich um eine
mindestens zweijährige Erstausbildung handelt.

Grundsätzlich Anspruch auf BAföG haben auch Bürgerinnen und Bürger aus den Staaten der EU, aus der
Liechtenstein, Island, Norwegen und der Schweiz sowie Ausländerinnen und Ausländer mit einer
Niederlassungserlaubnis oder einer Daueraufenthaltserlaubnis-EU, anerkannte Flüchtlinge, Asylberechtigte und
heimatlose Ausländer. Für Ausländerinnen und Ausländer mit einer Duldung gelten besondere Regelungen.
Nähere Informationen bietet das zuständige Amt für Ausbildungsförderung, auch BAföG-Amt genannt.

BAföG muss beim zuständigen Amt für Ausbildungsförderung beantragt werden. Dieses legt auch die Höhe des
BAföG individuell fest. Grundsätzlich orientiert sich das BAföG an bestimmten Bedarfssätzen, auf die das
Einkommen der Auszubildenden sowie das von Eltern, Ehe- und Lebenspartnern unter Berücksichtigung
verschiedener Freibeträge angerechnet wird. BAföG-Leistungen, die während der schulischen Ausbildung gewährt
werden, müssen nicht zurückgezahlt werden.

Informationen über die Höhe der aktuellen Bedarfssätze, anzurechnender Einkommen und Vermögenssummen,
Details zum Antragsprozess sowie eine Übersicht über die BAföG-Ämter der Kreise und kreisfreien Städte bietet
die BAföG-Website sowie die Broschüre „Das BAföG“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Bildungskreditprogramm der Bundesregierung

Reichen die finanziellen Mittel während der Ausbildung nicht aus, haben Auszubildende die Möglichkeit, einen
Bildungskredit der Bundesregierung zu beantragen. Dabei handelt es sich um einen zinsgünstigen
zweckgebundenen Kredit, der in Form von monatlichen Raten zum Bestreiten des Lebensunterhalts oder einer
Einmalzahlung für ausbildungsbezogene Aufwendungen bezogen werden kann.

Grundsätzlich kann der Kredit von Ausländerinnen und Ausländern beantragt werden. Die Regelung gilt für
Bürgerinnen und Bürger der EU, des EWR und der Schweiz sowie für ausgewählte Drittstaatlerinnen und -staatler
mit bestimmten Aufenthaltstiteln. Eine Übersicht über die berechtigten Personengruppen gibt es auf der
Internetseite des Bundesverwaltungsamtes.

Bildungskredite lassen sich mit anderen Unterstützungsleistungen wie BAföG oder BAB kombinieren, sind
unabhängig von Einkommen und Vermögen und können auch für eine Zweit- oder Folgeausbildung aufgenommen
werden. Die Rückzahlung wird erst vier Jahre nach Auszahlung der ersten Rate fällig und kann durch monatliche
Raten oder Sonderzahlungen bestritten werden.

Nähre Informationen zum Bildungskreditprogramm sowie ein Online-Formular zur Antragsstellung bietet die
Website der Bundesverwaltungsamtes.

Wohngeld

Volljährige Auszubildende ohne Anspruch auf BAföG und Berufsausbildungsbeihilfe können Beihilfe zur
Finanzierung der Miete in Form von Wohngeld beantragen. Wohngeld wird bei der örtlichen Wohngeldbehörde,
das heißt bei der Gemeinde, Stadt-, Amts- oder Kreisverwaltung beantragt. Antragssteller müssen dabei einen
Ablehnungsbescheid für die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) vorlegen sowie einen Nachweis, dass sie nicht mehr
bei ihren Eltern wohnen.

Auszubildende, die Anspruch auf BAföG und Berufsausbildungsbeihilfe haben, haben in der Regel keinen Anspruch
auf Wohngeld.

Nähere Informationen zum Wohngeld bietet die Broschüre „Wohngeld“ des Bundesministeriums für Umwelt,
Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB).
Kindergeld

Auszubildende haben bis zum 25. Lebensjahr Anspruch auf Kindergeld. Kindergeld wird in der Regel an die Eltern
gezahlt, solange die Auszubildenden bei diesen wohnen. Auszubildende, die eine Wohnung beziehen, haben
Anspruch, das Kindergeld selbst zu erhalten. Voraussetzung für den Erhalt von Kindergeld ist jedoch, dass das
Einkommen der Auszubildenden einen Freibetrag von jährlich 7680 Euro nicht überschreitet. Zum Einkommen
zählen dabei neben der Ausbildungsvergütung auch Leistungen wie Berufsausbildungsbeihilfe (BAB), BAföG oder
Stipendien. Das Kindergeld wird bei der zuständigen Familienkasse beantragt. Nähere Informationen zum Thema
Kindergeld und zu den Familienkassen vor Ort bietet die Website „Familie und Kinder“ der Bundesagentur für Arbeit.

Stipendien

Neben Ausbildungsvergütung und staatlichen Unterstützungsleistungen sind Stipendien eine weitere Möglichkeit
für Auszubildende, ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Stipendien werden von einer Vielzahl von Trägern
angeboten, richten sich an Stipendiaten mit unterschiedlichen Hintergründen und unterscheiden sich teilweise stark
in Art und Umfang der Unterstützung. Einen Einstieg in die vielfältige Förderlandschaft bietet die Website
„Stipendienlotse“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Hier finden Interessierte eine umfangreiche
Datenbank, mit der sie gezielt nach Stipendien für Auszubildende suchen können. Darüber hinaus bieten viele
private Berufsfachschulen Stipendien an, um den Schülerinnen und Schülern die Zahlung des Schulgeldes zu
erleichtern. Interessierte sollten sich bei der jeweiligen Schule informieren.

Nebentätigkeit in der Ausbildung

Grundsätzlich haben Auszubildende das Recht, neben der Ausbildung eine Nebentätigkeit aufzunehmen, um sich
Geld dazu zu verdienen und ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Gemäß §16b Abs. 2 AufenthG dürfen
Auszubildende bis zu 10 Stunden neben der Ausbildung arbeiten. Der Arbeitgeber oder die Schule muss über die
Nebentätigkeit informiert werden.

Auch bei schulischen Ausbildungen darf der Nebenjob den Ausbildungserfolg nicht gefährden. Das
Arbeitszeitgesetz findet allerdings keine Anwendung. Die Regelungen für schulische Ausbildungen sind Sache des
jeweiligen Bundeslandes bzw. schulintern geregelt.

Bei der Aufnahme von Nebentätigkeiten ist grundsätzlich zu beachten, dass diese bei der Berechnung der
Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) sowie des BAföG angerechnet werden. Für die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB)
werden Nebentätigkeiten in vollem Umfang berücksichtigt. Auszubildende, die ihre Ausbildung an einer
Berufsfachschule absolvieren und BAföG beziehen, haben die Möglichkeit, neben dem BAföG einen 450-Euro Job
als Nebentätigkeit auszuführen. Nähere Informationen bietet die BAföG-Informationsseite des Bundesministeriums
für Bildung und Forschung.
Unterstützung nach Sozialgesetzbuch XII

Grundsätzlich können Auszubildende Unterstützung nach Maßgabe des §22 SGB XII beantragen. Auszubildende,
deren Ausbildung im Rahmen des BAföG oder der BAB förderungsfähig ist, haben keinen Anspruch auf diese
Sozialhilfe. Da es sich hierbei immer um eine behördliche Einzelfallentscheidung handelt, die auch sehr lange
dauern kann, sollten sich Ausbildungsinteressierte vorrangig um andere Finanzierungswege kümmern.

EU-Programm „Your first EURES job“

Mit dem Programm “Your First EURES Job” fördert die Europäische Kommission die berufliche Mobilität junger
Menschen in Europa. Das Programm hilft bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz innerhalb der Europäischen
Union sowie in Island und Norwegen. Interessierte aus diesen Ländern, die zwischen 18 und 35 Jahren alt sind,
können sich über das Programm auch um einen Ausbildungsplatz in Deutschland bemühen.

Neben der Vermittlung von Arbeits- und Ausbildungsstellen und ideeller Förderung bietet „Your first EURES job“
den Teilnehmenden finanzielle Unterstützung. Diese deckt einerseits anfallende Kosten in der Vorbereitungs- und
Bewerbungsphase, etwa Reisekosten für Bewerbungstermine, für Sprachkurse oder die Anerkennung von
Qualifikationen ab. Andererseits hilft sie Auszubildenden beim Start in der neuen Heimat: Neben einem einmaligen
Zuschuss zu den Umzugskosten erhalten die Teilnehmer für bis zu sechs Monate Unterstützungszahlungen zum
Lebensunterhalt.

Nähere Informationen bieten die Website „Your first EURES job“ sowie die gleichnamige Broschüre der
Europäischen Kommission.

Kosten für Lebenshaltung und Wohnen

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind die Lebenshaltungskosten in Deutschland eher gering. Den
größten Anteil der Kosten macht in der Regel die Miete aus, die je nach Stadt sehr unterschiedlich ausfällt. In
kleineren Städten kommt man oft mit weniger Geld aus. Ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft kostet monatlich
je nach Ausbildungsort zwischen 210 und etwa 500 Euro. Meist wird von der Vermieterin oder vom Vermieter eine
Kaution in Höhe mehrerer Monatsmieten gefordert. Wer ein Zimmer gefunden hat, sollte sich umgehend beim
Einwohnermeldeamt der jeweiligen Stadt anmelden.

Einen Überblick über die monatlichen Kosten, mit denen Auszubildende zu rechnen haben, sowie eine
Beispielrechnung bietet die Website „Planet Beruf“.
Sozialversicherung für Auszubildende

Auszubildende mit einer Ausbildungsstelle in einem Betrieb sind aus sozialversicherungsrechtlicher Sicht reguläre
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und zahlen in die deutschen Sozialversicherungssysteme ein. Dadurch sind
sie kranken- und unfallversichert und erwerben Ansprüche in der Renten- und Arbeitslosenversicherung. Liegt die
Ausbildungsvergütung unterhalb der sogenannten Geringverdienergrenze von 325 Euro, werden die
Sozialabgaben vollständig von der Arbeitgeberin oder vom Arbeitgeber übernommen.

Auszubildende an einer Berufsfachschule sind nicht sozialversicherungspflichtig. Es besteht lediglich die Pflicht zur
Krankenversicherung. Dabei gilt, dass Auszubildende bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres über die
Familienversicherung ihrer Eltern mitversichert sind, sofern diese Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung
sind. Ab dem 26. Lebensjahr müssen sich Auszubildende selbst krankenversichern.
Bei weiteren Fragen steht Ihnen das Virtuelle Welcome
Center der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung
der Bundesagentur für Arbeit gerne erneut zur
Verfügung.

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV)


Virtuelles Welcome Center
Telefon: +49 (0)228 713-1313
E-Mail: make-it-in-germany@arbeitsagentur.de
www.make-it-in-germany.com