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ÜBER METHODEN

Methodismus: Lehre jemanden den


Gebrauch des Hammers. Anschließend
wird er die Welt als Nagel sehen.

Methoden sind Werkzeuge.

Die Verwendungsmöglichkeiten der meisten Werkzeuge sind zahlreich - daher vielfältig in


ihrer Wirkung. Oft wirken sie gegensätzlich. Denken wir z.B. nur an das Messer – einerseits
verwendbar als Mordwaffe, anderseits verwendbar als heilsames Skalpell. Neutral gesagt:
Messer sind da, um etwas zu teilen. Wie stellen wir also sicher, dass wir Methoden /
Werkzeuge angemessen anwenden?

Es ist die KLUGHEIT, also die aufgeklärte und reflektiere Absicht des Anwenders von
Werkzeugen, welche darüber entscheidet, ob deren Verwendung in einer bestimmten
Situation für alle davon Betroffenen, also für die Allgemeinheit - schädlich oder nützlich ist.

Philosophen wussten das immer schon. So stellt der z.B. Immanuel Kant (1724 - 1804) im
ersten Satz der "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" die provokante Behauptung auf:
"Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer derselben zu denken möglich, was
ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille."

Es gibt dazu aber scheinbar auch eine plausible Gegenposition, sie lautet: „Das Gegenteil von
gut ist gut gemeint.“ Diese Formulierung wird Karl Kraus zugeschrieben. Sie ist die
Kurzfassung einer alten Volksweisheit: „Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten
gepflastert.“

► Was also ist ein ‚guter Wille‘, eine ‚gute Absicht‘ in Kontexten methodischer
Anwendungen?

Die Antwort scheint nicht einfach zu sein.

Aber das ist falsch. Denn ‚Guter Wille‘ im kantschen Sinn können wir getrost mit
‚Wohlwollen‘ übersetzen, mit ‚wohlwollender Grundhaltung‘ - also sich selber und anderen
‚wohl wollen‘, wie immer auch die Umstände sein mögen. Unter allen Umständen! Nur eine
solche Haltung sei vernünftig, menschlich, sagt er.

Somit lautet die Aufgabe für jeden Anwender von Methoden: Sich zu fragen, welches
Vorgehen in der je gegebenen Situation gut für mich und für die Anderen ist. Meine
Entscheidung hängt also von meiner Grundhaltung und von meiner Wahrnehmung der
gegebenen Situation ab.
Wenn dieses Fragen, dieses Untersuchen und diese Selbstbeobachtung entfällt, weil wir von
Vorurteilen ausgehen, wenn wir die gegebenen Interessenlagen nicht klären, wenn wir
vorschnell und kurzsichtig handeln, auf schnellen persönlichen Gewinn aus sind – dann
können sich solcherart ‚gute Absichten‘ als fatal für alle Beteiligten erweisen. Dann stimmt:
„Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert.“

Was auf den ersten Blick so kompliziert ausgesehen hat, war bei genauerer Betrachtung
recht einfach. Denn die Antwort auf die Frage ist nun eine weitere Frage an mich selber:
„Wie wohlwollend gehe ich mit selber und allen anderen Beteiligten in je gegebenen
Lebenslagen um?“

Und diese Frage ist jetzt wirklich kompliziert, oder?

Deshalb suchen wir zumeist schnellen Rat in Handbüchern, Ratgebern, Vorschriften,


Gesetzen, bei Vorgesetzten, Fachleuten, Autoritäten, etc.

Deshalb fliehen wir gerne in Methodismus, denn man ohne Probleme als das Ausführen von
KULTHANDLUNGEN übersetzen kann. Einhaltung von entlastenden Riten und Ritualen, also
Zuflucht in vorgegebene Konventionen. Tun, was andere Mitglieder dieser (Sub-)Kultur für
richtig halten. Statt die Sache selber frei durchzudenken – was Kant und die bürgerliche
Philosophie unter Aufklärung gemeint haben - nehmen wir in Konformismus Zuflucht. Am
leichtesten fällt uns dies, wenn diese Zuflucht eine wissenschaftlich anerkannte Technik,
eine bewährte Methode ist. Dann scheint die geforderte Aufklärungsarbeit ja von anderen
schon zuvor geleistet worden zu sein. Wir brauchen daher nur mehr zu imitieren……. Was
mühsam genug ist, denn das Lernen und Einüben solcher Methoden kann äußerst
anstrengend, herausfordernd und kostspielig sein. Die eingesetzten Mühen rechtfertigen
und stützen dann das ‚methodistische‘ Vorgehen……

Und so kommt es dann, dass nicht mehr wir entscheiden, sondern die Algorithmen der
Methode, denen wir folgen – denn Methoden sind algorithmisch darstellbar, als
Handlungsroutinen, welche zu befolgen sind, um qualitätsgesichert die gewünschten
Handlungsergebnisse zu erzielen.

Wissen sie noch, mit welcher Frage wir gestartet sind? Vermutlich ist ihnen diese in der
Zwischenzeit abhandengekommen.

Die Frage lautete: Wie stellen wir sicher, dass wir Methoden / Werkzeuge angemessen
anwenden?

► Vor lauter Methodismus hat sich die Frage erübrigt! Und damit auch unsere menschliche
Verantwortung, unsere Menschlichkeit, Mitmenschlichkeit.

Sehen wir hier als eine weitere Version der alten Volksweisheit „Der Weg zur Hölle ist mit
guten Absichten gepflastert“? In unserem Fall wären es also die ‚guten technischen
Absichten‘? - Schaut ganz so aus.