Sie sind auf Seite 1von 78

- Oie Streiche und fientem einer der ra fe fö rn ftto deutschen Heslrrlten -

2 Teile
Junge m Lektüren
Till
Eulenspiegel
Nacherzählt von Marion Mohr

Junge Lektüren
Inhalt

6 Wie Till entstanden ist


8 Vor dem Lesen
10 Kapitel 1 Till als Seiltänzer
Till soll ein Handwerk lernen
18 Aufgaben
20 Kapitel 2 Till, der W underdoktor
Till näht eine Katze in ein Hasenfell
28 Aufgaben
30 Kapitel 3 Till im Weinkeller
Till backt Eulen und Meerkatzen
38 Aufgaben
40 Kapitel 4 Till im Dienst eines Priesters
Till will fliegen
48 Aufgaben
50 Kapitel 5 Till in Rom beim Papst
Till und der Herzog von Lüneburg
58 Aufgaben
60 Kapitel 6 Till lehrt einen Esel lesen
Till am Hof des Königs von Dänemark
68 Tills Begräbnis
70 Aufgaben
72 Zum Weiterlesen Hermann Bote und
Till Eulenspiegel
74 Zum Weiterlesen Die Eule und der Spiegel
76 Teste dich selbst!
77 Syllabus

Zeichen für die Hörtexte auf der CD


Anfang (►) Ende ■ 5
Vor dem Lesen
1 Wie heißt das Gegenteil der Verben?
schweigen .sE ec.^ .n............
1 antworten .......................................
2 holen .......................................
3 nehmen............................................................
4 tadeln .......................................

2 Bilde das Präteritum der folgenden Verben.


gehen........................ ............. ................
1 ziehen .......................................
2 sterben .......................................
3 wollen .......................................
4 entkommen .......................................
5 fallen .......................................
6 verlangen .......................................
7 steigen...................... .......................................
8 schneiden .......................................

3 Welche Präposition passt?


Tills Mutter stammte ...ß.y.?. einer sehr armen Familie.
1 Die Leute w o h n e n ......... einem H aus Fluss.
2 Der Junge k le tte r t das Fenster hinaus.
3 Das Publikum la c h t....... den Clown.
4 Die Mutter w e in t ihren ungezogenen Sohn.
5 Er w ill seinen Freund nicht länger warten.

8
4 Bilde zusammengesetzte Substantive mit dem passenden
Artikel.
EDTouristen a brot
1 □ Park b mal
2 □ Rathaus c streich
3 □ Denk d haus
4 □ Kranken e platz
5 □ Seil f laden
6 □ König g tanz
7 □ Schelmen inform ation
8 □ Bäcker i haus
9 □ Schwarz j reich

5 Welche Verben stecken in den folgenden Substantiven?


die Wohnung: W9!?.Q$.Q.............
1 der Tanz .......................................
2 der Bäcker .......................................
3 der Fall .......................................
4 das Versteck .......................................
5 der Tadel........................................................................
6 der Spiegel....................................................................
7 der Lohn................................. .......................................
8 die Besserung...............................................................
9 die Rache............................... .......................................
10 die Hilfe .......................................

9
Kapitel 1

Till als Seiltänzer

►2 Till war ungefähr 16 Jahre alt, als sein Vater


beschloss mit der Familie in ein Dorf an der Saale1
umzuziehen, aus dem auch seine Mutter stammte.
Kurz darauf starb der alte Claus Eulenspiegel
und die Mutter blieb mit ihrem Sohn allein im
Dorf. Sie brauchten alles auf2, was sie besaßen
und wurden arm. Eulenspiegel wollte aber kein
richtiges Handwerk3lernen, sondern sich lieber in
verschiedenen Künsten üben.
Tills Mutter wohnte in einem Haus, dessen
Hof bis an die Saale ging. Heimlich, ohne dass sie
es merkte, begann Till auf dem Dachboden des
Hauses das Seiltanzen zu üben. Einmal erwischte4
ihn seine Mutter dabei, nahm einen großen
Knüppel5und wollte ihn vom Seil jagen. Aber Till
entkam6 ihr durch ein Fenster und stieg auf das
Dach, wo sie ihn nicht mehr erreichen konnte.

1e Saale Fluss in Ostdeutschland


2aufbrauchen konsumieren
3s Handwerk die Arbeit
4erwischen überraschen
5r Knüppel, - der Stock
6entkommen, entkam, entkommen weglaufen vor jemandem

10
I X I X I I Till Eulenspiegel M M M M M

Als Till ein wenig älter und auch sicherer auf


dem Seil geworden war, spannte1er das Seil vom
Haus seiner Mutter über die Saale bis zum Haus
gegenüber. Es kamen viele Leute herbei, die
neugierig nach oben schauten und ihn auf dem
Seil tanzen sehen wollten. Tills Mutter wollte das
aber nicht und schnitt das Seil kurzerhand durch.
Platsch und Eulenspiegel war ins Wasser gefallen.
Die Zuschauer lachten ihn aus und spotteten2
noch lange über sein Bad im Fluss. Das kränkte
ihn sehr und er überlegte, wie er sich wohl rächen3
könnte.
Eines Tages zog er das Seil mitten im Dorf von
einem Haus zum Nachbarhaus und versprach den
Leuten ein schönes Kunststück zu zeigen. Dazu
verlangte er von jedem Zuschauer den linken Schuh.
Die Leute lachten und gaben ihm alle einen
Schuh. Als er einen ganzen Sack davon voll
hatte, zog er die Schuhe auf eine Schnur4 und

'spannen ziehen
2spotten sich über jemanden lustig machen
! sich rächen jemandem, etwas heimzahlen
4e Schnur, “e die Leine
I I I I I Kapitel 1 I I I I 1 I

stieg damit auf das Seil. Die Zuschauer schauten


gespannt nach oben und warteten auf eine lustige
Vorstellung.
Als nun Till auf dem Seil saß und seine Kunststücke
machte, rief er frech: „Gebt alle acht, jetzt kann sich
jeder von euch seinen Schuh suchen!"
Dann schnitt er die Schnur durch, alle Schuhe
fielen auf den Boden und waren total durcheinander.
Die Leute suchten und suchten, fanden nicht den
richtigen Schuh und stolperten1 übereinander. Am
Ende begannen sie sogar, sich zu prügeln2.
Till beobachtete alles vom Seil aus und
verspottete sie so, wie sie es getan hatten, als er
in die Saale gefallen war. Zufrieden stieg er dann
vom Seil und ließ die Leute sich weiter um die
Schuhe zanken3.

'stolpern fallen
2sich prügeln sich schlagen
3sich zanken sich streiten
12
Till soll
ein Handwerk lernen
*

Eulenspiegels Mutter war böse auf ihren Sohn,


weil er kein Handwerk1 lernen wollte und hörte
nicht auf, ihn zu drängen2. Schließlich sagte
Eulenspiegel zu ihr: „Wenn ich erst einmal ein
Handwerk gelernt habe, komme ich ein Leben
lang nicht wieder davon los.“ Da antwortete die
Mutter: „Seit vier Wochen haben wir kein Brot
mehr im Haus ..."
„Das ist keine Antwort für mich“, sagte
Eulenspiegel und verließ das Haus. Er dachte bei
sich: „Wie kann ich bloß die Mutter beruhigen
und woher soll ich Brot bekommen?“

Er ging in die Stadt und kam zum Laden eines


reichen Bäckermeisters. Diesen fragte er: „Könnt
ihr meinem Herrn für zehn Schilling Roggen3-
und Weißbrot bringen?“

' s Handwerk die Arbeit


2drängen ( hiei) keine Ruhe geben
3s Roggenbrot Schwarzbrot

14
X X I X 2 I Kapitell X X X X X X

Ernannte den Namen eines Herrn aus der Gegend


und die Herberge, wo dieser wohnte. Der Bäcker
sollte einen Jungen mit in die Herberge schicken
und sich dort vom Herrn bezahlen lassen. Der
Bäckermeister war einverstanden.
Eulenspiegel hatte einen Sack mit einem Loch
bei sich, in der er das Brot steckte. Nicht weit
vom Bäckerladen ließ Till das Weißbrot durch das
Loch auf die Straße fallen. Danach stellte er den
Sack mit dem restlichen dunklen Roggenbrot auf
den Boden und sagte zu dem Jungen:
„Ach, dieses schmutzige Brot darf ich aber
nicht meinem Herrn bringen. Lauf rasch wieder
zum Bäckermeister zurück und bring mir ein
anderes Weißbrot! Ich warte hier auf dich.“
Der Junge lief zurück um das Brot zu holen.
Eulenspiegel war aber schon auf dem Weg zu
seiner Mutter, als der Junge zurück kam. Dieser
erzählte dem Bäckermeister alles ganz genau, der
sofort zur Herberge ging, von der Till gesprochen
]J S S S I S Till Eulenspiegel M M M M M

hatte. Doch da war niemand und der Bäcker


merkte, dass ihn Eulenspiegel betrogen1hatte.
Eulenspiegel brachte seiner Mutter das Brot
nach Hause und sagte zu ihr: „Sieh her und iss,
solange du etwas hast, und faste2, wenn du nichts
zu essen hast.“ ■

'betrügen, betrog, betrogen hintergehen, täuschen


2fasten wenig oder nichts essen

17
Lesen & Lernen
1 Richtig oder falsch?
R F
1 Als Till 16 Jahre alt war, starb
seine Mutter. □ □
2 Nach dem Tod des Vaters erbte
seine Mutter viel Geld. □ □
3 Die Mutter war m it Tills Seiltanzen
einverstanden. □ □
4 Till wollte sich an den Zuschauern
rächen, weil sie ihn ausgelacht hatten. □ □
5 Eulenspiegel sah ein, dass er einen
richtigen Beruf lernen musste. □ □
6 Eulenspiegel ging bei einem reichen
Bäckermeister in die Lehre. □ □
7 Der Junge sollte von einem Herrn in
der Herberge Geld einkassieren. □ □

Worte & Wörter


2 Vervollständige die folgenden Sprichwörter.
kurze Hans gewinnt Gold alles Licht Meister

Lügen haben Beine.


1 Morgenstund h a t...............im Mund.
2 Zeit is t .................
3 Was Hänschen nicht lernt, le r n t...............nimmermehr.
4 Wer nicht wagt, der n ic h t................
5 Ende g u t,... gut.
6 Früh übt sich, wer ein... werden will.
7 Wo viel ...ist, ist auch viel Schatten.
3 Bilde aus den Adjektiven Nonnen mit dem Suffix -heit
oder -keitl
schaIkhaft: ..$.9.. ..........................................
1 d u m m :......................................................................................
2 sch ö n :.......................................................................................
3 k la r:...........................................................................................
4 w a h r:.........................................................................................
5 le b h a ft:.....................................................................................
6 b o s h a ft:...................................................................................

Strukturen & Satzbau


4 Setze die Verben in Klammern in der Vergangenheitsform ein.
Im ganzen Land man über die Abenteuer dieses
Schelms (lachen).
1 Die M u tte r... über ihren Sohn (weinen).
2 Auf den Dach ... man Till nicht erreichen (können).
3 E r ... ein Seil über den Fluss (spannen).
4 Die M u tte r... das Seil durch (schneiden).
5 Die Leute ... Till sehr (verspotten).
6 Till ... das Brot in einen Sack m it einem Loch (stecken).
7 Eulenspiegel ... den Bäckermeister betrogen (haben).

Fit für Fit 2 - Sprechen


5 Erzähle deinem Lernpartner etwas über deinen Tagesablauf.
Wie beginnt dein Tag?
Was isst du gerne zum Frühstück?
Wie kommst du zur Schule?
Was machst du in deiner freien Zeit?
Stelle nun deinem Lernpartner Fragen zu seinem Tagesablauf.

19
Kapitel 2

Till, der Wunderdoktor

►3 In Nürnberg gab sich Eulenspiegel als Arzt und


Heiler aller möglichen Krankheiten aus1.
Das neue Spital der Stadt war überfüllt. Der
Spitalleiter wollte gerne einige Kranken loswerden
und bat Eulenspiegel, den Arzt, um Hilfe. Er
versprach Till auch eine hohe Belohnung. Till
erwiderte2, dass er ohne Probleme viele seiner
Kranken gesund machen wollte. Das sollte den
Spitalleiter zweihundert Gulden kosten. Dagegen
brauchte dieser Till nichts zu bezahlen, wenn er
die Kranken nicht heilen konnte. Der Spitalleiter
war einverstanden und gab Till zwanzig Gulden
im Voraus.
Daraufhin ging Eulenspiegel ins Spital und
. fragte die Kranken nach ihrer Krankheit und sagte
zu jedem einzelnen:
„Was ich euch jetzt sage, dürft ihr niemandem
verraten. Wenn ich euch Kranken wieder gesund
machen soll, kann ich das nur so: ich muss den

1sich ausgeben, gab aus, ausgegeben sich präsentieren als


2erwidern antworten

20
S Ä Ä S M K Till Eulenspiegel W 'M

Kränksten von euch allen, und zwar der, der nicht


laufen kann, zu Pulver verbrennen, damit die
anderen geheilt1werden können. Ich werde mich
morgen zusammen mit dem Spitalleiter an die
Tür stellen und euch rufen. Gebt also Acht und
kommt schnell zu mir heraus, denn den Letzten
von euch muss ich töten.“

Am nächsten Tag stellte sich Till an die Tür des


Krankensaales und rief: „Wer nicht krank ist,
der soll sofort zu mir kommen!" Da standen die
Kranken sofort auf und begannen aus dem Saal
hinaus zu laufen.
Als das Spital nun ganz leer und die Kranken
alle draußen waren, wollte Eulenspiegel sofort
sein Geld haben. Er bekam es und ließ sich nicht
mehr in Nürnberg sehen

Aber nach drei Tagen kamen die Kranken alle


wieder und klagten über ihre Beschwerden. Der
Spitalleiter fragte sich, wie das denn nur sein

' heilen gesund machen

21
I I I I I K apitell I I |[ I

konnte, der große Meister hatte sie doch alle


gesund gemacht. Da verrieten ihm die Kranken,
womit Eulenspiegel ihnen gedroht hatte: „Wer
von euch als Letzter durch die Tür geht, den
verbrenne ich zu Pulver“, hatte er zu ihnen gesagt.
Da erst merkte der Spitalleiter, dass Eulenspiegel
ihn betrogen hatte. Aber der war bereits weit weg.

22
Till nähteine Katze
in ein Hasenfell
*

Eulenspiegel konnte sich sehr schnell tolle Streiche


ausdenken. Dazu hatte er kurz vor der Fastnacht
bei den Kürschnern1 in Leipzig Gelegenheit.
Diese saßen bei einem Glas Bier zusammen und
hätten gerne auch noch Wildbret2 dazu gegessen.
Eulenspiegel hörte davon und dachte bei sich:
„Der Kürschner in Berlin hat mir nichts für meine
Arbeit gegeben. Das sollen mir nun diese Herren
hier bezahlen.“
Till ging in seine Herberge, wo sein Wirt
eine schöne, fette Katze hatte. Till versteckte sie
unter seinem Mantel und bat den Koch um ein
Hasenfell.

1r Kürschner Handwerker, der Pelze zu Kleidungsstücken verarbeitet


2s Wildbret Fleisch von Reh oder Hirsch

24
X X 1 I I X Kapitel 2 I Z I I X X

Der Koch gab ihm das Hasenfell, in das Eulenspiegel


die Katze einnähte. Dann zog er Bauernkleider an,
stellte sich vor das Rathaus und hielt das Tier so
lange unter seiner Jacke verborgen, bis einer der
Kürschner vorbei kam. Eulenspiegel fragte ihn:
„Wollt Ihr nicht einen guten Hasen kaufen?“ und
zeigte ihm das Tier ganz kurz. Sie kamen überein1,
dass er ihm vier Silbergroschen für den Hasen und
sechs Pfennig für den alten Sack gab, in dem der
Hase steckte. Den trug der Kürschner hocherfreut
ins Haus seines Meisters, wo der und seine Kollegen
laut und fröhlich feierten. Er sagte: „Ich habe den
schönsten lebendigen Hasen gekauft, den ich seit
Jahren gesehen habe!“ Ein Kürschner nach dem
anderen wollte das Tier sofort anfassen.

Weil sie den Hasen erst zur Fastnacht2 haben


wollten, ließen sie ihn in einem eingezäunten3
Garten umherlaufen, holten ihre Jagdhunde und
wollten bei der Hasenjagd ihren Spaß haben.

1überein kommen sich einigen


2e Fastnacht Karneval
5eingezäunt mit einem Zaun versehen

26
I X X I X X Till Eulenspiegel M M M M

Die Kürschner ließen den Hasen los und die


Hunde dem Hasen nachlaufen. Der Hase aber
sprang einfach auf einen Baum und rief: „Miau!“
Als das die Kürschner hörten, waren sie entrüstet1:
„Kommt, kommt schnell, und schlagt den Burschen
tot, der uns an der Nase herum geführt2hat!“
Dabei blieb es aber, denn Eulenspiegel hatte
inzwischen andere Kleider angezogen und keiner
erkannte ihn wieder. ■

1entrüstet empört, verärgert


2jemanden an der Nase herum führen sich lustig machen über

27
Lesen & Lernen
1 Richtig oder falsch?
R F
1 Der Spitalleiter wollte nicht, dass Till als
A rzt bei ihm arbeitete. □ □
2 Im Nürnberger Krankenhaus waren viele
Betten nicht belegt. □ □
3 Der A rzt versprach Till viel Geld, wenn
er die Kranken heilen könnte. □ □
4 Till verbrannte den Kränksten, um so die
anderen gesund zu machen. □ □
5 In Leipzig verkaufte Till einen toten Hasen. □ □
6 Er nähte eine tote Katze in ein Hasenfell ein. □ □
7 Er steckte die Katze in einen Sack. □ □

Worte & Wörter


2 Vervollständige die Sprichwörter.

Silber Meister Stein aufgehoben

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben


1 Es ist nicht a lle s ............. .......... was glänzt.
2 Es ist noch k e in .............. ........vom Himmel gefallen.
3 Steter Tropfer.'höhlt den

Strukturen & Satzbau


3 Welche Präposition passt?
nach an- über durch vor m it

Ich denke immer gern die schönen Ferien zurück.


1 Meine Mutter fährt jeden T a g dem Auto ins Büro.
2 ihre lange Krankheit hat sie ihren Arbeitsplatz
verloren.
3 Ich habe in der B ib lio th e k dem Buch gefragt.

28
4 Sie hat eine ganze Stunde la n g dem Kino auf ihn
gewartet.
5 Hat der Lehrer auch heute w ie d e r das gleiche
Thema gesprochen?

Fit für Fit 2 - Schreiben


4 Dein deutscher Austauschpartner hat dir geschrieben.
V / cJ / g )

i d f lin P e t e r > \6 J a h r e a j t U n d l o g h n e in f u r n i e r ^ . M e m

Vc(t&r a r l e i t e t l e i e in e r g r o ß e n P/rmU) U n d me> ne M u t t e r >St

K in d e rg ä rtn e rin . J)ann h o l e i d h n G d h em en J ü n g e r e n B r u d e r ,

f J m m i e . i f i r LOGhnen in e i ne m £ n f a m iZ ie n h a u S , m d / lt Loe/t

Von m e in e m P jy m n a S iU m . £ n m e in e r f r e i Z e it S p n A e i d h

P u 3 3a// u n d /löte. OjUdh ß e rn e M u s i p M e in e Liel/inc^Sc^ruy?y?e

i s t 7 o / f / ’o 'tjo te / . Meine. L i e l / / noyS fäd h er m der' S d h u / e Srn d

M a t h e m a t ik U n d S p o r '’/ . i f i r -fre u e n U n S a//e a u f deinen

A u fe n t h a lt l e i u n S .

S a h r e il m ir la J d ,

Z ie le t j r ü ß e ,

P e te r.

Beantworte nun Peters Brief. Schreibe zu jedem Punkt


zwei Sätze.
• Stelle dich kurz vor.
• Erzähle von deiner Familie.
• Sprich über deine Hobbys
• Stelle Peter ein paar Fragen zu dem Gymnasium, das du
m it ihm zusammen besuchen wirst.

29
Kapitel 3

Till im Weinkeller

►4 Eigentlich wollte Eulenspiegel in Lübeck keine


Streiche mehr spielen, denn dort gab es sehr strenge
Gesetze. In der Stadt lebte aber ein Verwalter des
Ratsweinkellers1, ein sehr hochmütiger2und stolzer
Mensch. Viele Bürger der Stadt hassten ihn.
Als nun Till von diesem arroganten Menschen
hörte, hatte er Lust, ihm einen Streich zu spielen.
Er besorgte sich also zwei Krüge3. In den einen
goss er Wasser, den anderen ließ er leer.
Den mit Wasser gefüllten Krug versteckte
er unter seinem Mantel, den leeren trug er in
der Hand. Dann ging er in den Weinkeller und
ließ sich ein Glas Wein einschenken4.
Till zog den mit Wasser gefüllten Krug hervor
und stellte ihn auf die Zapfbank5, ohne dass es
der Verwalter sah. Dann fragte Eulenspiegel den
Verwalter: „Was kostet das Glas Wein?“ Dieser

1r Ratsweinkeller Weinstube im Keller des Rathauses


2hochmütig arrogant
3r Krug, “e ein Behälter für Wasser oder Wein
4einschenken eingießen
.5e Zapfbank, “e die Theke

30
2 1 X X I X Till Eulenspiegel M M M M M

antwortete: „Zehn Pfennig“ und Eulenspiegel


entgegnete: „Der Wein ist mir zu teuer, ich habe
nicht mehr als sechs Pfennige, kann ich ihn dafür
haben?“

Der Verwalter wurde zornig und sagte: „Willst du


etwa meinem Herrn den Weinpreis vorschreiben?
Das hier ist ein Kauf zu festen Preisen. Wem das
nicht gefällt, der soll den Wein im Keller lassen.“
Eulenspiegel sagte ruhig: „Ich habe sechs Pfennig,
wollt Ihr sie nicht, so gießt den Wein wieder aus!“

Da nahm der Verwalter voller Zorn den Krug - wie


er dachte - mit dem Wein. Aber es war das Wasser,
das er zurück in den Behälter mit Wein goss. Dann
sagte er: „Was bist du für ein Tor1! Lässt dir Wein
einschenken und kannst ihn nicht bezahlen!“
Eulenspiegel nahm den leeren Krug, ging hinaus
und dachte sich: „Was für ein Narr der ist!“

1r Tor, en Narr, Dummkopf

31
I I I I I Kapitel 3 M X X 1 X 1

*
Den Krug mit dem Wein trug er unter seinem
Mantel. Den, in dem das Wasser gewesen war,
hielt er in der Hand.
Till backt Eulen
und Meerkatzen

In Braunschweig lernte Eulenspiegel einen Bäcker


kennen. Dieser lud ihn zu sich nach Hause ein
und fragte ihn nach seiner Arbeit.
Till antwortete: „Ich bin Bäckergeselle.“ Der
Bäcker sagte: „Ich habe gerade keinen Gesellen1.
Willst du bei mir arbeiten?“ Eulenspiegel war
einverstanden.
Nach zwei Tagen befahl ihm der Bäcker allein
zu backen. Eulenspiegel fragte: „Ja, was soll ich
denn backen?“ Der Bäcker, ein leicht erregbarer
Mann, wurde zornig und spottete: „Du bist ein
Bäckergeselle und fragst mich, was du backen
sollst? Was pflegt man denn zu backen? Eulen2
oder Meerkatzen3!“ Dann legte er sich schlafen.
Eulenspiegel aber ging in die Backstube, formte
aus dem Teig Eulen und Meerkatzen und stellte
sie ins Backrohr.

' r Geselle,n der Lehrling


2e Eule,n ein Nachtvogel
!e Meerkatze,n eine Affenart

34
1 X X I 1 Kapitel 3

Der Meister stand früh am Morgen auf und wollte


nach Till schauen. Als er in die Backstube kam,
fand er aber weder Brot, noch Semmeln1, sondern
nur lauter Eulen und Meerkatzen. Voller Wut2
sagte er: „Till, was hast du denn da gebacken?
Dich soll der Teufel holen!“
Eulenspiegel antwortete: „Das, was Ihr mir
gesagt habt, Eulen und Meerkatzen.“
Der Bäcker sprach: „Was soll ich nun mit dem
Narrenzeug3 tun? Dieses Brot kann ich nicht zu
Geld machen.“
Dann packte er Eulenspiegel am Hals und
sagte: „Bezahl mir meinen Teig!“
Und Till: „Ja, wenn ich Euch den Teig bezahle,
soll dann die Ware mir gehören?“ Der Meister
antwortete: „Solche Ware interessiert mich nicht.
Eulen und Meerkatzen kann ich in meinem Laden
nicht gebrauchen.“

1e Semmel,n (süddeutsch) Brötchen


2eWut der Zorn
•3s Narrenzeug das Produkt eines Narren

36
^ 8 Ä M )j( H Till Eulenspiegel 'M, )K Ä M M

Also bezahlte Till dem Bäcker seinen Teig, packte


die Eulen und Meerkatzen in einen Korb und
trug sie in die Herberge, Zum Wilden Mann’.
Eulenspiegel dachte sich: „Ich habe schon oft
genug gehört, dass man in Braunschweig mit den
sonderbarsten1 Dingen Geld verdienen kann.“
Es war gerade der Tag vor dem Sankt-Nikolaus-
Abend. Till stellte sich mit seiner Ware vor die
Kirche, verkaufte alle Eulen und Meerkatzen und
verdiente viel Geld.
Das ärgerte den Bäcker sehr und er wollte von
Eulenspiegel auch die Kosten für das Holz zum
Backen. Aber da hatte sich Eulenspiegel bereits
aus dem Staub gemacht2 und der Bäcker hatte das
Nachsehen3. ■

'sonderbar seltsam
2sich aus dem Staub machen schnell weit weg gehen
3das Nachsehen haben nichts bekommen

37
Lesen & Lernen
1 Richtig oder falsch?
R F
1 Eulenspiegel bekam im Lübecker Weinkeller
Wasser anstatt Wein. □ □
2 Er wollte eigentlich in dieser Stadt keine
Streiche mehr spielen. □ □
3 Der Verwalter des Ratsweinkellers war
ein freundlicher und bescheidener Mensch. □ □
4 Der Verwalter bildete sich ein, er sei
der Klügste von allen. □ □
5 Der Bäckermeister konnte m it Tills
Backwaren einen hohen Gewinn erzielen. □ □

Worte & Wörter


2 Ordne den Nomen die Synonyme zu.
E der Meister a die Haushälterin
1 D das Spital b der Narr
2 O die Herberge c der Priester
3 □ der Geselle d der Arzt
4 □ die Magd e das Brötchen
5 O der Tor f der Lehrling
6 G der Pfarrer 9 das Krankenhaus
7 G das Handwerk h die Arbeit
8 G die Semmel i das Hotel
9 G der Doktor X der Vorgesetzte

38
Fit für Fit 2 -Lesen
3 ln einer Jugendzeitschrift steht dieser Artikel über das
deutsche Schulsystem.
Nach dem Kindergarten (zwei oder drei Jahre) gehen alle
Kinder m it sechs oder sieben Jahren in die Grundschule.
Dort bleiben sie in der Regel vier Jahre. Dann gehen zirka
26% auf die Hauptschule (fünf Jahre lang), 26% auf die
Realschule (sechs Jahre lang) und ungefähr 31% auf das
Gymnasium (neun Jahre lang). In einigen Bundesländern
g ibt es Gesamtschulen, d.h., die drei Schultypen sind in
einer Schule oder einem Schulzentrum zusammen (17%).
Man darf nur zwei Klassen wiederholen, sonst muss man
die Schule wechseln. Alle Kinder müssen neun oder zehn
Jahre eine Schule besuchen.
Nach der Hauptschule kann man arbeiten und Geld
verdienen oder eine Ausbildung oder Lehre machen
und gleichzeitig in die Berufsschule gehen. Nach der
Realschule machen viele eine Ausbildung als Kaufmann
oder Techniker. Nach dem A b itur kann man einen Beruf
lernen oder an Universitäten studieren.
Fast alle Schulen sind öffentlich und kostenlos.

Richtig oder falsch?


R F
1 Die Kinder müssen m it sechs oder sieben
Jahren in die Grundschule gehen. □ □
2 Bis zum Realschulabschluss dauert
es zehn Jahre. □ □
3 Nach der Grundschule kann man eine
Lehre beginnen. □ □
4 Nach der Realschule kann man auf die
Universität gehen. □ □
5 In Deutschland gibt es sehr viele
private Schulen. □ □

39
Kapitel 4

Till im Dienst
eines Priesters

►5 Im Dorf Büddenstedt trat Till in den Dienst eines


Priesters, denn der Priester hielt ihn für einen
Knecht1 und nahm ihn bei sich auf. „Du sollst es
für deine Arbeit bei mir gut haben. Iss und trinke
vom Feinsten, genau so wie meine Haushälterin!
Du brauchst auch nicht schwer zu arbeiten!“ sagte
er zu ihm. Damit war Eulenspiegel einverstanden.
Ihm war aufgefallen2, dass die Haushälterin
nur ein Auge hatte. Einmal schlachtete sie zwei
Hühner, steckte sie auf einen Bratspieß und ließ
sie von Till über dem Feuer braten.
Die Hühner waren fast gar3, als Till an die
Worte des Priesters dachte.

1r Knecht,e ein Hausangestellter


2auffallen, fiel auf, aufgefallen bemerken
! gar fertig gekocht oder, gebraten

40
zzxxx Kapitel 4 X X I I I

Zur Mittagszeit ging die einäugige1 Haushälterin


zum Herd, um die Hühner zu holen. Da musste
sie feststellen, dass nur ein Huhn am Spieß steckte.
Sie sagte zu Eulenspiegel: „Es waren doch zwei
Hühner. Wo ist denn das andere hingekommen?“
Eulenspiegel entgegnete: „Frau, macht Euer anderes
Auge auch auf, dann seht Ihr alle beide Hühner." Die
Köchin war beleidigt, dass sich Till so über sie lustig
machte, lief zum Priester und erzählte ihm alles.
Der Priester ging zu Eulenspiegel und tadelte
ihn: „Was spottest du über meine Magd? Ich sehe
sehr gut, dass nur ein Huhn am Spieß steckt, und
es waren doch zwei. Wo ist denn das andere?“

Eulenspiegel sprach: „Nun ja, das eine ist weg und


das andere steckt noch am Spieß. Ich habe das
eine gegessen, denn Ihr hattet mir gesagt, ich soll
ebenso gut essen und trinken wie Ihr und Eure
Haushälterin. Darauf antwortete der Priester:
„Mein lieber Knecht, es geht mir doch nicht um

1einäugig mit nur einem Auge sehend

42
S S S S ][ Till Eulenspiegel I I 9 S 2

r
einen Braten, aber von jetzt an tue alles, was die
Haushälterin gern sieht.“
Danach machte Eulenspiegel seine Arbeit nur
zur Hälfte. Wenn er einen Eimer Wasser holen
sollte, so brachte er ihn halb voll, und wenn er zwei
Stück Holz fürs Feuer holen sollte, so brachte er ihr
nur eins.
Darüber beschwerte sich die Frau wieder beim
Priester. Der sagte zu Eulenspiegel:
„Lieber Knecht, ich hatte dich doch gebeten,
alles zu tun, was die Haushälterin gerne sieht.“
Eulenspiegel antwortete: „Ja, Herr, ich habe auch
nichts anderes getan, als das, was Ihr mir befohlen
habt. Ihr sagtet, dass ich Euren Dienst mit halber
Arbeit tun kann, denn Eure Haushälterin sieht
gern mit beiden Augen, aber in Wirklichkeit sieht
sie doch nur halb. Also habe ich auch nur die
Hälfte der Arbeit gemacht.“
Da wurde die Köchin sehr zornig und sprach:
„Herr, wenn Ihr diesen Tunichtgut1 noch länger

1r Tunichtgut frecher Lümmel

43
X 1 Z X I X Kapitel 4 X X X X X 1

als Knecht behalten wollt, so werde ich von Euch


gehen.“
So musste der Priester - ob er nun wollte oder
nicht - Eulenspiegel aus seinen Diensten entlassen.

44
Till will fliegen

In Magdeburg, wo Till den Leuten schon viele


Streiche gespielt hatte, baten ihn einige angesehene1
Bürger, etwas Abenteuerliches und Schelmisches
zu tun. Er war einverstanden und sagte: „Ich
werde auf das Rathaus steigen und vom Erker2
herabfliegen!“
Alle Leute in der Stadt waren begeistert. Auf
dem Marktplatz vor dem Rathaus versammelten
sich viele neugierige Zuschauer.
Till stand also auf dem Erker des Rathauses,
bewegte seine Arme und tat so, als wollte er fliegen.
Die Leute starrten3 gespannt nach oben und
glaubten tatsächlich, dass Till fliegen würde.
Da begann Eulenspiegel zu lachen und rief:
„Ich dachte, ich bin der einzige Narr auf der Welt.
Nun sehe ich aber, dass hier die ganze Stadt voller
Toren ist. Wie soll ich denn bloß fliegen können?

' angesehen bekannt und wohlhabend


2r Erker,-der Turm
Starren blicken

45
X I I X Kapitel 4 S 2X JX H

Ich bin doch weder eine Gans noch eine Ente!


Auch habe ich keine Flügel, und ohne Flügel oder
Federn kann bekanntlich niemand fliegen. Nun
müsst ihr einsehen1, dass ich gelogen habe.“
Darauf stieg er vom Rathauserker und ließ
die Leute einfach stehen. Die einen fluchten2, die
anderen lachten und stellten fest: „Auch wenn
er ein Narr ist, so hat er trotzdem die Wahrheit
gesagt." ■

1etwas einsehen verstehen, begreifen


2fluchen schimpfen
Lesen & Lernen
1 Richtig oder falsch?
R F
1 Till arbeitete in Magdeburg als Küster. □ □
2 Die Einwohner der Stadt baten Till darum,
vom Rathausturm zu springen. □ □
3 Die Leute waren von Tills Plan begeistert. □ □
4 Sie lachten ihn aus, als er nicht fliegen konnte. □ □
5 Er sagt nicht die Wahrheit, weil er ein Schalk ist. □ □

Worte & Wörter


2 Welche Verben stecken in den folgenden Nomen.
die Bewegung ................................
1 das Essen .................................
2 der Gedanke .................................
3 die Beleidigung .................................
4 die Beschwerde .................................
5 der Dienst.............................. .................................
6 die Verhandlung.....................................................
7 die Wahl .................................
8 die Leistung........................... .................................
9 die Feststellung......................................................
10 die Erzählung .................................

Strukturen & Satzbau


3 Wie heißen die Verben im Präsens?
Er hieß .......... ........
1 Er betrog .................................
2 Er nahm .................................
3 Er hielt .................................
4 Er lief .................................
5 Er stieg .................................
6 Er zog..................................... .................................

48
4 Welche Präposition passt?
über am auf von in hinter vom

Der Priester tadelte Till: „Warum lachst du meine


Magd?
1 Till antwortete: „Das eine Huhn habe ich gegessen, und
das andere steckt n o c h Spieß.
2 Der Priester befahl ihm: „Tue alles, was die K ö c h in ........
dir w ill!“
3 Till sagte: „Ich steige aufs Rathaus und flie g e .........
Turm herab.“
4 Till fragte sich: „Bin ich etwa der einzige N a rr der
W elt?“

Fit für Fit 2 - Sprechen


5 Spiele die folgende Situation. Du gehst auf eine lange
Reise. Welche drei Dinge nimmst du als Erinnerung mit?
1 .............................................................................................................
2 ...............................................................................................
3 ...................................................................................................

Frage nun deinen Lernpartner/ deine Lernpartnerin, was


er/ sie mitnimmt und warum.
Dein Partner/ deine Partnerin fragt nun dich. Antworte auf
die Fragen.

49
Kapitel 5

Till in Rombeim Papst

►6 Eulenspiegel hatte ein schelmisches1Wesen. Eines


Tages kam ihm das alte Sprichwort in den Sinn:
„Wer nach Rom zieht, der sucht einen Schalk2,
beim zweiten Mal findet er ihn, beim dritten Mal
bringt er ihn mit sich.“
Also zog er nach Rom und suchte bei einer
Witwe Unterkunft3. Die Frau fragte Till, woher
er kommt: „Meine Heimat ist Sachsen und nach
Rom bin ich gekommen, um mit dem Papst zu
sprechen.“ Da sagte die Frau: „Lieber Freund, den
Papst werdet Ihr wohl sehen können, aber ob Ihr
mit ihm reden könnt, das weiß ich nicht. Ich bin
hier geboren und aufgewachsen und stamme aus
einer angesehenen Familie, aber ich habe noch
nie mit dem Papst sprechen können. Wie wollt
Ihr das denn schaffen? Ich möchte so gerne einmal
mit ihm reden!“

'schelmisch schlau, schalkhaft


2r Schalk der Narr
3e Unterkunft das Quartier

50
| I I 1 1 I Till Eulenspiegel M W W W W W

Eulenspiegel antwortete: „Liebe Wirtin, wenn


ich es schaffe, Euch vor den Papst zu bringen,
damit Ihr mit ihm reden könnt, wollt Ihr mir
dann hundert Dukaten geben?“ Die Frau war
einverstanden und versprach, ihm das Geld zu
geben, wenn ihm dieser Plan glückte.
Eulenspiegel wartete vier Wochen, bis er erfuhr,
dass der Papst in der Kapelle der Basilika St. Johannis
im Lateran die Messe lesen sollte. Während der
Messe drängte sich Eulenspiegel so nah wie möglich
an den Heiligen Vater heran. Aber während der
Stillmesse kehrte Eulenspiegel dem Sakrament den
Rücken zu. Das sahen die Kardinäle und als der
Papst den Segen sprach, da drehte sich Eulenspiegel
wieder nach vorn. Am Ende der Messe berichteten
die Kardinäle dem Papst, dass eine Person während
der Stillmesse dem Altar den Rücken gekehrt hatte.
Der Papst sprach: „Das ist zu untersuchen, denn
das geht gegen die heilige Kirche. Wenn man den
I X Z X I Kapitel 5 M M M M M M

Unglauben nicht bestraft, ist das Unrecht gegen


*
Gott, und wenn ein Mensch so etwas getan hat,
dann ist er wohl kein guter Christ.“
Die päpstlichen Boten forderten Eulenspiegel
auf, beim Papst vorzusprechen. Dieser fragte ihn,
was er für ein Mensch ist. Eulenspiegel antwortete:
„Ich bin ein guter Christenmensch.“ Der Papst
fragte auch nach seinem Glauben. Till erwiderte,
dass er denselben Glauben hat wie seine Wirtin und
nannte ihren Namen, der wohlbekannt war. Da
ließ der Papst die Frau kommen und fragte auch sie
nach ihrem Glauben. Die Witwe antwortete: „Ich
glaube an das, was die heilige christliche Kirche von
mir verlangt1. Ich habe keinen anderen Glauben.“
Eulenspiegel stand dabei und sagte: „Allerheiligster
Vater, du Knecht aller Knechte, denselben Glauben
habe ich auch, ich bin ein guter Christenmensch.“
Der Papst wollte wissen: „Warum kehrst du
dann dem Altar den Rücken während der Stillmesse
zu?“ Eulenspiegel sprach: „Ich bin ein armer Sünder

1verlangen wollen

52
i m : x Kapitel 5 Ä I I I I I

und habe meine Sünden wohl vor Augen. Mir fehlt


der Mut, mich dem Altar zuzuwenden, solange ich
keine Beichte1 abgelegt habe.“ Damit gab sich der
Papst zufrieden, verließ Eulenspiegel und ging in
seinen Palast.
Till aber ging geradewegs in seine Herberge
und bekam von der Wirtin die hundert Dukaten.

1die Beichte ablegen die Sünden eingestehen

54
Till und der Herzog
von Lüneburg

Der Herzog von Lüneburg hatte Till nach seinen


Streichen verboten, sein Land noch einmal zu
betreten. „Wenn man ihn in meinem Herzogtum
findet", so der Herzog, „soll man ihn festnehmen
und auf hängen1."
Aber Eulenspiegel war das egal. Einmal ritt Till
gerade durch das Lüneburger Land, als ihm der
Herzog begegnete. Till erkannte ihn und dachte
sich: „Ist es der Herzog und du fliehst, so holen
sie dich mit ihren Pferden ein und hängen dich am
nächsten Baum auf."
Kurz entschlossen sprang Till von seinem Pferd
und schnitt ihm rasch den Bauch auf. Dann nahm
er die Eingeweide2 heraus und stellte sich in den
Rumpf des Tieres.
Der Herzog ritt zu ihm und fragte:
„Eulenspiegel, bist du das? Was tust du in dem
Aas3 hier? Weißt du nicht, dass ich dir verboten
habe, mein Land zu betreten?“

1aufhängen an den Galgen bringen


2Eingeweide (PI.) die Innereien
5das Aas totes Tier

55
X I X I X Kapitel 5 xxxxx

Da sprach Eulenspiegel: „O gnädigster Herr und


Fürst, ichhoffe, Ihr werdet mir das Leben schenken.
Ich habe doch nichts Böses getan!“ Der Herzog
erwiderte: „Komm her zu mir und beweise mir
deine Unschuld! Und was hat das eigentlich zu
bedeuten, dass du in einer Pferdehaut stehst?“
Eulenspiegel trat zu ihm und antwortete ganz
zerknirscht1: „Gnädigster Fürst! Ich fürchte2mich
sehr vor Euch! Aber ich habe immer gehört, dass
man in seinen vier Pfählen3 Frieden findet.“ Da
fing der Herzog an zu lachen und seufzte: „Ach,
bleib, wie du bist!“
Till sprang rasch aus dem toten Pferd heraus,
bedankte sich bei dem Herzog und lief zu Fuß
davon. ■

'zerknirscht bedrückt
2sich fürchten Angst haben
3die vier Pfähle ( hier)die eigenen vier Wände

56
Lesen & Lernen
1 Richtig oder falsch?
R F
1 Eulenspiegel war eigentlich kein Schelm,
sondern ein sehr ernster Mensch. □ ö
2 Die W itwe aus Rom war sich sicher, dass es
Eulenspiegel gelingen könnte, m it dem
Papst zu sprechen. □□
3 Der Papst und die Kardinale dachten zuerst,
dass Till kein guter Christ ist. □□
4 Till schaffte es, dass auch die W itwe mit
dem Papst sprechen konnte. □□
5 Er konnte den Papst schließlich davon
überzeugen, dass er kein ungläubiger Mensch war. □ □□
6 Till hatte immer den Befehl des Herzogs
respektiert, dessen Land nicht mehr zu betreten. □□
7 Der Herzog hatte ihm auch befohlen,
sein Pferd zu töten. □□
8 Eulenspiegel war froh, dass seine Begegnung
m it dem Herzog so gut ausgegangen ist,
weil er ein Schalk ist. □ □

Worte & Wörter


2 Welches Pronominaladverb passt?
dovon danach darauf darüber daran
Was hältst du ^9.Y9.0..,wenn wir ins Kino gehe
1 Der Freund sagt, er könne helfen, er solle noch einmal
nachdenken.
2 Zweifelst d u , dass er die Wahrheit sagt?
3 Sie sehnt sich schon la n g e .............wieder in Rom sein zu
können.
4 Der Trainer h o f f t dass seine Mannschaft dieses mal
siegt.

58
Strukturen & Satzbau
3 Sage es anders.
Der Gast w ollte vom W irt ein Glas Rotwein.
Er ließ sich einGlas Rotwein bringen.........
1 Der König befahl der alten Dame, in seinen Palast zu kommen.

2 Mein Auto muss repariert werden.

3 Seine Kleider sind schmutzig. Er bringt sie zur Reinigung.

4 Ich bitte darum, dass man mir die Bücher zuschickt.

5 Ich möchte ein neues Kleid vom Schneider.

6 Man durfte sie nicht kritisieren, sie mochte es einfach nicht.

7 Marie wollte nicht wie ein dummes Mädchen behandelt


werden.

Fit für Fit 2 - Schreiben


4 Dein Freund Michael hat dir geschrieben.
Nächste Woche fahren w ir m it dem Fahrrad in Urlaub.
Der Weg ist das Ziel. Und es g ibt viele Vorteile: es ist billig,
gesund, und man trifft nette Menschen. Und du? Wo bist
du gewesen? Wie bist du gereist? Was hast du im Urlaub
gemacht? Was ist dir im Urlaub wichtig? Wo m öchtest du
deinen nächsten Urlaub machen?
So viele Fragen! Viele Grüße, Michael
Schreibe den Brief an Michael weiter und antworte auf seine
Fragen.
Lieber Michael,
vielen Dank für deinen Brief! Ja, das sind wirklich viele Fragen.
Aber ich will dir gerne von meiner letzten Reise erzählen.

59
Kapitel 6

Till lehrt einen Esel


lesen

►7 Als Eulenspiegel nach Erfurt kam, erzählte er


allen Leuten, dass er jede Kreatur in kurzer
Zeit Lesen und Schreiben lehren kann. Die
Professoren an der Universität Erfurt, die bereits
viel von Eulenspiegels Streichen gehört hatten,
beschlossen ihn auf die Probe zu stellen und ihm
einen Esel in die Lehre zu geben. Sie gingen zu Till
und sagten zu ihm: „Wir möchten, dass Ihr einen
jungen Esel Lesen lehrt. Traut1Ihr Euch das zu?“

Eulenspiegel sagte, dass er dazu aber viel Zeit


braucht, denn ein Esel denkt nicht nach. Man
einigte sich also auf zwanzig Jahre. Till dachte
bei sich: „Wir sind zu dritt, stirbt der Rektor, so bin
ich frei. Sterbe ich, wer kann dann noch etwas von
mir wollen? Stirbt mein Schüler, so bin ich ebenfalls
frei.“ Und damit nahm er die Aufgabe an.
Till nahm den Esel und zog mit ihm in die

’ sich etwas Zutrauen: meinen etwas zu können

60
X M M X M Till Eulenspiegel M M M M M

Herberge „Zum Turm“. Dort verlangte er einen


Stall nur für seinen Schüler und besorgte sich einen
alten Psalter1, den er in die Futterkrippe legte.
Zwischen jedes Blatt streute er Haferkörner2. Das
merkte sich der Esel und lernte auf der Suche nach
Hafer schnell, die Buchseiten mit seinem Maul
umzublättern3. Und jedesmal, wenn er keinen
Hafer mehr zwischen den Buchseiten fand, rief
er: „ I - A, I - A ! “

Nach einer Weile ging Eulenspiegel zum Rektor


und fragte ihn: „Herr Rektor, wollt Ihr nicht
einmal sehen, was mein Schüler macht? Mit
großem Fleiß habe ich es geschafft, dass er einige
Buchstaben kennt und aussprechen kann. Kommt
doch mit und schaut es Euch selbst an.“
Dem guten Schüler hatte Till den ganzen Tag
nichts zu Fressen gegeben. Als nun Eulenspiegel
mit dem Rektor und einigen Magistern in den
Stall ging, legte er dem Esel sogleich ein neues

1r Psalter, - das Buch der Psalmen


2s Haferkorn, „er Getreide
3umblättern Umschlagen

61
X X X 2 I Kapitel 6 I X I I I I

Buch vor. Sofort blätterte er die Seiten um und


suchte nach Hafer.

Als er nichts fand, begann er mit lauter Stimme zu


schreien: „I - A, I - A!“ Da sprach Eulenspiegel:
„Seht Ihr, die Buchstaben I und A, die kann er
jetzt schon lesen. Er wird bald noch viel mehr
lesen können.“
Bald darauf starb aber der Rektor. Und
Eulenspiegel verließ zufrieden die Stadt.

62
Till amHof des Königs
von Dänemark

Eulenspiegel wollte sich an den dänischen


Königshof begeben. Sein Ruf eilte ihm voraus.
Alle redeten von seiner Schalkhaftigheit, und
da wo Till vorbeikam, gab man ihm großzügig
Kleider, Pferde, Geld und Kost1.
Der König von Dänemark war ein geselliger Herr,
der Scherze liebte. Er bat Till, sich einen Streich
auszudenken. Als Belohnung könne Till sein Pferd
mit den allerbesten Hufen2 beschlagen lassen.

Also ritt Eulenspiegel mit seinem Pferd zum


Goldschmied3 und ließ es mit goldenen Hufeisen
und silbernen Nägeln beschlagen. Dann ging er
zum König, um ihn zu bitten, den Hufbeschlag
zu bezahlen. Der König befahl seinem Schreiber,
den Hufschmied4zu bezahlen. Aber Eulenspiegel
brachte ihn zu dem Goldschmied, der hundert
dänische Kronen verlangte.

' e Kost das Essen


2s Huf,e unterer Teil des Fußes beim Pferd
J r Goldschmied, e Handwerker, der Gold bearbeitet
4r Hufschmied,e Handwerker, der Pferde beschlägt.

64
1 1 1 I I Till Eulenspiegel M M M M

Der Schreiber weigerte1 sich, das zu bezahlen


und berichtete alles dem König. Dieser ließ
Eulenspiegel holen und sagte:

„Eulenspiegel, was hast du für einen teuren


Hufbeschlag machen lassen? Das war nicht in
meinem Sinne, das Pferd mit Gold beschlagen zu
lassen."
Eulenspiegel erwiderte: „Majestät, Ihr sagtet doch,
es sollte der beste Hufbeschlag sein, und ich habe
Eure Worte befolgt2. Denn für mich gibt es keinen
besseren Beschlag als den aus Silber und Gold.“
Da fing der König zu lachen an und sprach: „Du
bist mir mein liebster Höfling3, weil du immer
genau das tust, was ich dir sage.“ Und ohne zu
zögern, bezahlte er die hundert Kronen für den
Hufbeschlag.

Danach ließ Till die goldenen Hufeisen wieder


entfernen, verkaufte sie für viel Geld und ließ

1weigern nicht machen


2befolgen machen
J r Höfling,e Person am Königshof

65
X X X I I I Kapitel 6X

in einer anderen Schmiede sein Pferd mit Eisen


beschlagen.
Till blieb am Hof des dänischen Königs bis zu
dessen Tod.
Tills Begräbnis

Als Eulenspiegel immer kränker wurde, machte


er sein Testament und teilte Hab und Gut in drei
Teile. Einen Teil sollten seine Freunde erhalten,
einen der Rat von Mölln und den dritten der
Pfarrer der Stadt. Denn Till wollte unbedingt ein
christliches Begräbnis1 haben und man sollte für
seine Seele beten.
Vier Wochen nach seinem Tod sollten dann die
Erben eine verschlossene Kiste, die er ihnen zuvor
gezeigt hatte, mit seinem Nachlass2 öffnen.

Bei Eulenspiegels Begräbnis passierten dann aber


seltsame Dinge. Denn als alle Leute auf dem Friedhof
um seinen Sarg standen, und die Seile gelegt waren,
um den Sarg ins Grab hinunterzulassen, riss plötzlich
ein Seil. Der Sarg fiel senkrecht3 in die Grube und
Tills Leiche kam auf die Füße zu stehen.

's Begräbnisse die Beerdigung


2r Nachlass das Erbe
3senkrecht vertikal

68
S S 2 2 ET Till Eulenspiegel 2 2 2 ST 21

Alle Leute, die um das Grab standen, sprachen:


„Lasst ihn so stehen. Er war in seinem Leben
immer wunderlich und will es auch in seinem Tod
sein.“ Man ließ ihn also aufrecht im Grab.
Nach vier Wochen kamen die Erben, um Tills
Nachlass untereinander zu aufzuteilen. Es waren
aber nur Steine in der Kiste. Einer sah den anderen
an, und man beschuldigte sich gegenseitig, den
Schatz heimlich an sich genommen zu haben.
Das war Till Eulenspiegels letzter Streich.

Später setzten die Leute ihm einen Stein, in der


eine Eule gemeißelt1 war, die einen Spiegel in
ihren Klauen hält. Die Inschrift lautet:
„Disen Stein sol nieman erhaben. Hie stat
Ulenspiegel begraben. Anno domini MCCCL jar.“2 ■

1meißeln in Stein hauen


2 „Diesen Stein soll niemand wegnehmen. Hier steht
Eulenspiegel begraben. Im Jahre des Herrn 1350.“

69
Lesen & Verstehen
1 Richtig oder falsch?
R F
1 Der König von Dänemark verstand keinen Spaß. □ □
2 Er versprach Till, dass er sein Pferd mit
goldenen Hufen beschlagen wird. □ □
3 Till sollte sich für den König einen lustigen
Streich ausdenken. □ □
4 Bei Tills Begräbnis geschahen m erkwürdige
Dinge. □ □

Worte & Wörter


2 Welche W örter passen in die Lücken?
verkaufen sehen Lesen und Schreiben plötzlich
Schatz dumm
Wenn der Herzog alle seine Pferde mit Gold beschlagen
lässt, muss er alles verkaufen...
1 Till gab bekannt: „Ich kann jeder K reatur.......................
beibringen.“
2 Er sagte aber, er braucht Zeit, denn der Esel is t ................
und unvernünftig.
3 Till fragte den Rektor: „Willst du e inm a l....................... ,
welche Fortschritte der Esel gemacht hat?“ .
4 Alle standen um das Grab u n d .......................riss das Seil.
5 Eulenspiegel war gerade erst gestorben, und schon kamen
die Erben, um d e n ........................ zu teilen.

70
Fit für Fit 2 - Lesen
3 Nationalfeiertage
Seit 1990 wird der „Tag der deutschen Einheit“ am 3.
O ktober gefeiert. An diesem Tag gedenkt Deutschland der
W iedervereinigung. Davor gab es zwei deutsche Staaten:
im Osten die DDR (Deutsche Demokratische Republik)
und im Westen die BRD (Bundesrepublik Deutschland).
Von 1949 an war Deutschland ein geteiltes Land und Berlin
eine geteilte Stadt, ab 1961 besonders sichtbar durch
die Berliner Mauer. Am 9. November 1989 fiel die Mauer,
ein Jahr später war Deutschland wieder vereinigt. Am 3.
O ktober wurde die ehemalige DDR ein Teil der BRD.
Die offizielle Feier findet jedes Jahr in einem anderen
Bundesland statt. An diesem Fest nehmen nicht nur
Politiker teil.
Was ist richtig?
1 Der 3. Oktober
A □ war schon immer ein Feiertag in Deutschland.
B □ war seit 1990 Nationalfeiertag.
C □ wurde kurz vor 1990 zum deutschen Nationalfeiertag.
2 Man erinnert sich an diesem Tag
A □ an die W iedervereinigung zwischen den beiden
deutschen Staaten.
B □ an den Krieg.
C D an die Europäische Union.
3 Im Jahr 1949
A □ baute man die Berliner Mauer.
B □ war Berlin die Hauptstadt für alle Deutschen.
C G war Deutschland in zwei Staaten geteilt.
4 Am 9. November 1989
A □ fiel die Berliner Mauer.
B G wurde die DDR ein Teil der BRD.
C G unterschrieben die beiden deutschen Staaten einen
Vertrag.

71
Zum Leben des Dichters
Die Geschichten um Till Eulenspiegel haben Braunschweiger Ratskellers tätig. Eine
eine lange Tradition. Höchstwahrscheinlich vollständige Biographie Botes fehlt bis
war Herman Bote (1467-1520) der Verfasser. heute. Zu Botes Lebzeiten gab es in
Der Dichter, als Sohn eines ßraunschweig oft heftige Kämpfe zwischen
Schmiedemeisters in Braunschweig den Patriziern einerseits und Kaufleuten
geboren, war als Zollschreiber, Amtsvogt und Handwerkern andererseits. Der Dichter
und wohl auch als Verwalter des stand auf Seiten der Patrizier.

72
Was uns Bote mit seinem Buch mitteilen wollte
Mit seinen Historien wollte Bote ein dar. Außerdem wollte er aber auch
humorvolles und vergnügliches Buch allgemeine menschliche Schwächen
vorlegen und seinen Helden mit allen wie Hochmut, Stolz, Habgier,
Leuten aus dem Volk zusammenbringen. Scheinheiligkeit, Hartherzigkeit, Faulheit
Mit viel Spott, Ironie und Übertreibung und vor allem Dummheit aufdecken. Er
stellt er die Personen, Meinungen und wollte durch Tills Worte und Taten dem
Zustände der Gesellschaft seiner Zeit Leser einen Spiegel Vorhalten.

Das Werk als Hat Till Eulenspiegel


Bestseller wirklich gelebt?
Die Erzählungen von Tills Diese Frage war lange umstritten. Neuere Forschungen
abenteuerlichen Reisen bejahen dies jedoch meistens. Der Vorname Till leitet sich vom
durch das damalige niederdeutschen Tilldrick und das wiederum von Dietrich ab.
Europa wurden schon Der Nachname ist eine Zusammensetzung aus den Wörtern
kurz nach dem Erscheinen ule und spegel, Eule und Spiegel. Till wird oft auf einem Pferd
im Jahre 1510/11 ein sitzend dargestellt, mit einer Eule in der einen und einem
„Bestseller“ und der Spiegel in der anderen Hand.
Eulenspiegel-Stoff in Till soll also im Jahr 1300 in Kneitlingen bei Braunschweig
Musik und Kunst bis heute geboren worden sein. Sein Vater hieß Claus Eulenspiegel und
immer wieder bearbeitet. seine Mutter Ann Wibcken.

Weitere Einzelheiten zu Till und seiner Familie


Wie man weiß, verließ die Familie vor Till in seinem wahren Leben zum Raubritter
1350 aus Armut ihre Heimat, und auch wurde, weil seine Familie gegen den
weil sie gegen die ungerechte Herrschaft Fürsten rebelliert hatte und dass er deshalb
des Landesfürsten kämpfte. Sie zogen ins keine Anstellung als Höfling oder Beamter
Magdeburgische Land. Wenig später starb finden konnte. Wen wundern da noch Till
Vater Claus. Dem Wunsch der Mutter, ein Eulenspiegels Streiche?
Handwerk zu lernen kam Till nicht nach, gab So wie Eulenspiegel im Volksbuch
es doch viel bessere Möglichkeiten durchs beschrieben wird, ist er allerdings eine
Leben zu kommen. Forscher vermuten, dass Schöpfung des Dichters.
Zum Weiterlesen

Die Eule und


der Spiegel
Die Eule - Mythos
und Symbol
Bei allen Völkern und quer durch alle
Epochen erscheint die Eule in Mythos,
Volksglauben und Symbolik auf die
unterschiedlichste Art und Weise.
Einerseits fasziniert sie uns, andererseits
macht sie uns auch Angst. Sie ist
Sinnbild für Gut und Böse.
Im Gegensatz zu anderen Vögeln hat die
Eule stark nach vorne gerichtete Augen.
Außerdem kann sie - wie wir Menschen
- die Augenlider nach unten ziehen.
Daher sieht ihr Gesicht sehr menschlich
aus. Da sie uns ähnlich ist, denken wir,
dass sie auch intelligent und weise
ist. Man stellt die Eule deshalb oft als
Symbol der Weisheit mit Doktorhut und
Talar oder auch auf Büchern sitzend dar.
Im griechischen Altertum genoss die
Eule ein hohes Ansehen und galt als
Weisheitsvogel, ausgewählt von der
Göttin Athene, der Beschützerin Athens isf M to p tp b a iid c n
und Göttin der Weisheit.
ulen5prgel Jnrunnpr
Die Eule war gleichzeitig Beschützerin M ravpn m frHrhwl
und begleitete die Heere in den Krieg. J to p flftflö ro n w o rik
Darüber hinaus symbolisierte sie in
gpnjpff op rr5nnnotten
Griechenland auch Wissenschaft und
Besonnenheit.
disr nmjliffr fwrfcpn
Die Eule quer durch die Geschichte und die Kulturen
Wir bekommen Eulen sehr selten zu Gesicht,
weil sie meist nur nachts aktiv sind. Aber wir
hören ihre Schreie in der Nacht, die uns in
der Dunkelheit manchmal recht unheimlich
Vorkommen. Auch ihr geräuschloser Flug
erscheint manchmal beängstigend, und
ihren nächtlichen „kuwitt“-Ruf interpretierte
man als „Komm mit“, als Vorankündigung In vielen Naturreligionen, wie z.B. bei den
des nahenden Todes. In den meisten Indianern Nordamerikas, in Australien und im
abendländischen Kulturen wurde die Eule also alten China hatte man von diesem Nachtvogel
sogar zum Totenvogel und Unglücksboten. ein positives Bild. Diese sahen in der Eule eine
Im Mittelalter brachte man die Eule häufig Mittlerin zwischen der Welt der Lebenden und
auch mit Hexen und Zauberern in Verbindung. der Welt der Toten.

Der Spiegel Symbolik


Die ersten vom Menschen erschaffenen Spiegel gab es wahrscheinlich schon in der Bronzezeit,
um das Jahr 3000 v. Chr. in Mesopotamien. Auch der Spiegel ist oft ein Symbol. Zum einen gilt
er als Zeichen der Eitelkeit, zum anderen steht er für Selbsterkenntnis, Klugheit und Wahrheit.
In antiken Kulturen stand der Spiegel als Abbild der Seele einer Person. Die Seele, konnte,
so dachte man, sogar in einem Spiegel eingefangen und festgehalten werden. - Wenn also
Eulenspiegel den Leuten „einen Spiegel vorhält“, dann will er damit sagen, wie die Menschen
wirklich sind und denken.

Die Zauberkraft des Spiegels


In der Sagenwelt Mitteleuropas gehören hin. Spiegelnde Oberflächen hatten
Spiegel stets mit Weissagen zusammen. also auch etwas Magisches. In Klöstern
Noch im Mittelalter haben jüdische waren Spiegel manchmal verboten,
Gelehrte geglaubt, dass Spiegel beim weil die Menschen nicht zu eitel werden
Hineinsehen die Kraft der Augen sollten. Dagegen konnte man sich in der
stärkten. Deshalb stellten die gelehrten chinesischen Tradition mit dem Spiegel
beim Schreiben einen Spiegel vor sich vor dem Bösen schützen.

Aberglauben
Außerdem ist mit dem Spiegel auch viel Aberglauben verbunden. So sollte man kleinen
Kindern keinen Spiegel zeigen, damit sie nicht ängstlich oder oft krank werden. Auch
bringt beispielsweise ein zerbrochener Spiegel angeblich sieben Jahre Unglück.

75
Welches Bild passt zu welchem Abenteuer von Till?

□ Wie Eulenspiegel eine


Karre Sand kauft.

2 □ Wie Eulenspiegel einen


Dachhasen für einen
Feldhasen verkaufte.

3 □ Wie Eulenspiegel dem


Herzog weismachte,
Uneheliche sähen das
Bild nicht.

4 □ Der Eulenspiegelhof in
Kneitlingen.

5 □ Wie Till mit seinem


Paten, dem Burgherrn
C
von Ampleben, verfuhr.

□ Wie Eulenspiegel die


Mönche in die Messe
zählte.

□ Wie Eulenspiegel einen


Dachhasen für einen
Feldhasen verkaufte.

□ Wie der getaufte


Eulenspiegel abermals
zu einer Taufe kam.

76
Teste dich selbst!
1 Welche Geschichte hat dir am besten gefallen? Fasse sie
mit deinen Worten zusammen:

2 Beschreibe Till Eulenspiegels Charakter.

3 Wie reagieren die Personen auf Tills Streiche?

4 Wie endet Eulenspiegels Leben?

5 Hältst du die Eulenspiegel-Geschichten heute noch für


aktuell? -Begründe deine Meinung.
Syllabus

Themen
Abenteuer
Streiche
Menschliche Eigenschaften
Wahrheit und Lüge
Gerechtigkeit
Eindrücke vom Leben im Mittelalter
Sprachhandlungen
Ubergegenwärtige, vergangene und zukünftige
Ereignisse berichten
Die eigene Meinung sagen
Anweisungen geben
Gefallen und Missfallen ausdrücken
Vergleichen
Beurteilen
Gesagtes oder Gehörtes wiedergeben
Handlungszusammenhänge nacherzählen
Grammatik
• Die Deklination des Adjektivs
• Die Steigerung des Adjektivs
• Starke und schwache Verben
• Modalverben
• Verben mit trennbaren und untrennbaren Vorsilben
• Präsens, Präteritum, Perfekt, Futur
• Präpositionen
• Imperativsätze
• Relativsätze
• dass- Sätze
• Kausalsätze
• Finalsätze
• indirekte Fragesätze
• Vergleichssätze

79
J u n g— 1 _ Niveau 2

ELI-L« n d en und
aktue lassik er.

T i l l E u ls jE S fl

Till, ein ■ ’ l n und zu Streichen aufgelegt ist


Lustige G e s W ^ ^ w ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ h la n d s bekanntesten Spaßvogel,
den. Protagonisten des Volksbuchs aus dem Jahrisio, vereinfacht
nacherzählt.

- Originaltext mit Erklärung schwieriger Wörter als Fußnoten


- Übungen zu Leseverständnis, Wortschatz und Grammatik
- Übungen zur Prüfungsvorbereitung Fit in Deutsch 2
- Abschlusstest

3
( ) Niveau 1 Al (Fit 1)
O Niveau 2 A2 (Fit 2)
3
C * Niveau 3 Bl (Zertifikat Deutsch für Jugendliche - ZD J)

Originaltext

Mit CD
Audio

Das könnte Ihnen auch gefallen