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Überblick zum Thema


"Zitieren und Bibliografieren"
Uni Frankfurt
Einführung in die Sprachwissenschaft 1
Simone Heinold

BIBLIOGRAFIEREN

1. Wie kann man eine bestimmte Literatur bzw. Literaturen zu einem bestimmten Thema finden?

a. Bibliografien zu einem Thema:

Es gibt Bibliografien, die die wichtigsten Literaturen zu einem Thema auflisten. Das Thema kann
ziemlich weit (die Werke aller deutschsprachigen Verlage) oder eher enger gefasst sein (z.B. zu
Themen wie Lexikologie, Morphologie, Korpuslinguistik, etc.). Bibliografien der letzteren Sorte
(Spezialbibliografien) sind vor allem für Ihre Arbeiten relevant. In der Reihe
"Studienbibliographien Sprachwissenschaft" vom J. Groos Verlag/Brigitte Narr GmbH gibt es, zum
Beispiel, solche Literatursammlungen zu den unterschiedlichsten linguistischen Themen.

• Biere, Bernd Ulrich & Hans-Joachim Diekmannshenke. 2000. Studienbibliographien


Sprachwissenschaft: Sprachdidaktik Deutsch. Tübingen: Narr.

• Lenz, Susanne. 2000. Studienbibliographien Sprachwissenschaft: Korpuslinguistik.


Tübingen: Narr.

• Thomé, Günther & Dorothea Thomé. 1999. Studienbibliographien Sprachwissenschaft:


Schriftspracherwerb. Tübingen: Narr.

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b. Literaturen aus allgemeinen Einführungen und anderen speziellen Literaturen zum
Thema:

Als ersten Schritt kann man aber auch alternativ einfach mal einen Blick in allgemeine
Einführungen zu einem Thema (wie z.B. in unseren Meibauer oder in Einführungsbücher
speziellerer Thematiken) werfen und dort die Literaturlisten auswerten. Hierdurch können Sie schon
einmal einige grundlegende Publikationen zum Thema abdecken. Durch diese Publikationen und
ihre Verzeichnisse können Sie dann auf noch speziellere Artikel zum Thema stoßen, und so weiter.
Allerdings besteht die Gefahr, dass diese Suche allein zu unsystematisch ist und Ihnen wichtige (vor
allem neuere) Texte durch die Lappen gehen.

c. Bibliothekssystem

Im Bibliothekssystem (der Uni- und Institutsbibliotheken) sind meist auch sehr aktuelle Literaturen
schon erfasst. Ein Vorteil hier ist, dass Sie online nach allen möglichen Kriterien suchen können:
Thema, Stichwort, genauer Titel, Verfasser, etc. Außerdem besteht die Möglichkeit von Fernleihen,
falls ein Titel nicht vorhanden sein sollte oder ein Zugang zu (nur) elektronisch verfügbaren
Zeitschriften.
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d. Internet

Eine tolle, eher neuere Einrichtung ist: http://scholar.google.de/. Dort können Sie nach
Publikationen bestimmter Personen suchen, herausfinden wo und von wem diese zitiert wurden und
natürlich auch die kompletten bibliografischen Angaben für eine Literatur finden. Manchmal
werden Sie von dort direkt zu einer google.books-Seite weitergeleitet, wo Sie dann schon einen
ersten Blick hineinwerfen und feststellen können, ob diese Literatur für Ihre Zwecke geeignet ist.
Zum Zitieren von Büchern auf google.books, siehe unbedingt Punkt 2.d zum Thema
"Internetquellen". Achtung: bei google.books sind aus Urheberrechtsgründen manche
(entscheidende) Seiten nicht verfügbar!! Dann müssen Sie das Buch auf jeden Fall noch als Print
ausleihen!!

Das beste Vorgehen, um eine breite und eher mehr als minder vollständige Abdeckung der
relevanten Literatur zu gewährleisten, ist es, alle Methoden zu kombinieren.

2. Wie sollte ein Literaturverzeichnis in einer Seminararbeit aufgebaut sein?

Was kommt in das Literaturverzeichnis überhaupt hinein?

Sie müssen alle Texte/Quellen, die in dem von Ihnen verfassten Text genannt werden, auch
hinten im Verzeichnis auflisten. Selbst wenn Sie den Text nur über eine andere Quelle zitieren.
Bücher, die Sie zwar gelesen haben, aber nicht nennen, werden NICHT aufgelistet. Gehen Sie am
besten am Ende der Arbeit nochmal den ganzen Text durch und schauen Sie, ob Sie nichts
vergessen (oder zuviel) haben.

Man ordnet alphabetisch. Wenn es mehrere Werke vom selben Autor gibt, wird nach
Erscheinungsjahr geordnet (entweder das älteste zuerst oder das neuste). Wenn es mehrere Werke
vom Autor alleine und dann noch welche zusammen mit anderen gibt, kommen zuerst die vom
Alleinautor. In den Literaturangeben werden ALLE Autoren genannt, wohingegen man im Text bei
mehr als drei Autoren mit "et al." abkürzen kann (Alexiadou et al. 2009).

3. Welche Daten müssen unbedingt in einer Literaturangabe vorkommen?

a. Monografien: hier müssen Autor(en), Jahr, Titel (in kursiv), Ort und Verlag unbedingt
angegeben werden. Wie das genau zu designen ist, variiert je nach
Institut/Zeitschrift/Verlag/persönlichen Vorlieben.

• Kamp, Hans & Uwe Reyle. 1993. From Discourse to Logic. Introduction to Modeltheoretic
Semantics of Natural Language, Formal Logic and Discourse Representation Theory.
Dordrecht: Kluwer.
• Leumann, Manu. 1977. Lateinische Laut- und Formenlehre. München: C.H. Beck.
• Plag, Ingo. 2003. Word Formation in English. Cambridge: Cambridge University Press.
• Quirk, Randolph & Charles L. Wrenn. 1955. An Old English Grammar. London: Routledge.

b. (Artikel in) Sammelbänden: Hier wird zuerst der Artikel angegeben. Dazu braucht es die
Autoren, das Jahr und den Aufsatznamen in Anführungszeichen. Dann gibt man das Sammelwerk
an: Die Herausgeber (entweder als (eds.) oder (Hrsg.)), den Titel des Sammelbandes (in kursiv),
Ort, Verlag und Seitenzahl des Artikels im Sammelband.
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• Alexiadou, Artemis, Gianina Iordăchioaia & Elena Soare. 2009. “Plural Marking in
Argument Supporting Nominals.” In: Patricia Cabredo-Hofherr & Brenda Laca (eds.):
Layers of Aspect. Stanford: CSLI Publications, 1-22.

• Baayen, Harald. 1993. "On Frequency, Transparency and Productivity." In: Geert E. Booj &
Jaap Van Marle (eds.): Yearbook of Morphology 1992. Dordrecht/London: Kluwer, 181-208.

c. Artikel in Zeitschriften: Hier geht man vor wie im vorigen Punkt: Autor(en), Jahr, Aufsatztitel
in Anführungszeichen. Dann Name der Zeitschrift in Kursiv, Nummer der Ausgabe, Seitenzahlen
des Artikels.

• Dowty, David. 1991. “Thematic Proto-Roles and Argument Selection.” In: Language, 67,
547-619.

• Ehrich, Veronika & Irene Rapp. 2000. „Sortale Bedeutung von Argumentstruktur: ung-
Nominalisierungen im Deutschen.“ In: Zeitschrift für Sprachwissenschaft, 19.2, 245-303.

d. Internetquellen bzw. Im Internet gefundene Quellen: Richtige Internetquellen (also Schriften


die NUR per Internet verfügbar sind) können Sie in ein separates Unter-Verzeichnis stecken oder in
die "normale" Bibliografie aufnehmen, je nach Zitierstil und Art der Quelle. Was auf jeden Fall drin
sein sollte, ist die komplette URL und das Abfragedatum. Wenn der Verfasser bekannt ist, sollte er
auch, wie die Autoren der Printwerke, angegeben werden.

• Homepage Simone Heinold, Universität Frankfurt. https://docs.google.com/viewer?


a=v&pid=sites&srcid=ZGVmYXVsdGRvbWFpbnxzaGVpbm9sZHxneDozYmEwYTc4YW
Q5OGI4NmI3. Zugriff: 29.3.2011.

• Anatol Stefanowitsch Sprachlog.


http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/sprachlog/kultur/2011-02-16/guttenberg-roadkill.
Zugriff: 29.3.2011.

oder

• Stefanowitsch, Anatol. 2011. "Guttenberg Roadkill." In: Sprachlog.


http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/sprachlog. (Zugriff: 29.3.2011).

• Uth, Melanie. 2008. “The Semantic Change of the French -age-Derivation”. In: Kata
Balogh (ed.): Proceedings of the 13th ESSLLI student session, 203-212. Hamburg:
http://staff.science.uva.nl/~kbalogh/StuS13/StuS13_Proceedings.pdf. (Zugriff: 29.3.2011).

Es gibt auch Quellen, die Sie zwar im Internet finden, die aber nicht wirklich als
Internetquellen gelten.Dazu gehören Werke aus google.books-Quellen: hier wurden nur die
eigentlichen Printwerke (auch noch lückenhaft!!) kopiert. Hier sollten Sie sich vorsichtshalber
immer noch das Printwerk ausleihen, wenn Sie etwas nachschlagen. Google.books ist, wie gesagt,
lückenhaft.

Zitieren Sie IMMER das Original Printwerk (sowie unter a. Monografien,


bzw. b oder c) und NICHT einfach den google.books-Link!
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e. Skripte/Diplom-/Magister-/Doktorarbeiten u.ä.: Hierbei gelten dieselben Regeln wie bei den


Monografien. Die meisten dieser Werke sind jedoch nicht in Verlagen veröffentlicht. Daher gilt:
man gibt auch Verfasser, Jahr, Titel, Ort/Universität an, aber statt Verlag dann zum Beispiel die Art
der Arbeit (Dissertation, Habilitationsschrift, Diplomarbeit, etc.).

• Heinold, Simone. 2005. Nominalisierungen im heutigen Französisch auf -tion, -ment und
-age. Universität Stuttgart: Magisterarbeit.

• Meinschaefer, Judith. 2004. Deverbale Nominalisierungen im Französischen und


Spanischen. Ein Modell der Schnittstelle von Syntax und Semantik. Universität Konstanz:
Habilitationsschrift.

• Pulvermüller, Esther. 2008. Anglizismen im heutigen Französisch unter Berücksichtigung


morphologischer Aspekte. Universität Stuttgart: Magisterarbeit.

f. Lexika/Wörterbücher/Wikipedia:

Das Zitieren aus Wikipedia ist äußerst problematisch und sollte unterlassen werden (wörtlich und
ungekennzeichnet schon gleich gar nicht!!). Die Quelle ist zu unsicher für wissenschaftliche
Zwecke. Ebenso wie google. Für die Definition von Fachbegriffen, gerade in der Linguistik, sollten
Sie auf Primärquellen zurückgreifen und z.B. Einführungsliteratur oder etablierte Grammatiken
benutzen. Es gibt natürlich auch Printnachschlagewerke, wie z.B. ein Linguistiklexikon, aber es ist
immer am Besten, die Primärwerke zu haben. Lexika können Sie benutzen, um für sich selbst eine
erste Definition des Begriffs nachzuschlagen.

Manchmal, gerade wenn man in der Linguistik experimentell arbeitet, muss man allerdings Lexika,
Wörterbücher etc. benutzen – zum Beispiel wenn der Wortschatz das Thema ist. Hier werden diese
dann aber als Primärwerke gesehen, aus denen Sie Daten gewinnen, und in einem separaten
Literaturverzeichnis angegeben.

Hier ist es dann auch wichtig, genaue Angaben zu den von Ihnen gewählten Werken zu machen.
"Der DUDEN. (Punkt)" ist keine Literaturangabe. Es gibt diverse Arten des Duden (Rechtschreib-,
Grammatik-, Aussprache-, etc.) und davon wiederum diverse Auflagen. Also ebenso wie die
Monografien mit Verfasser (z.B. Die Dudenredaktion, wenn keine einzelnen Autoren genannt sind),
Jahr, Titel, etc. auflisten.

ZITIEREN

1. Sinngemäßes Zitieren

Sinngemäß zitieren bedeutet, dass Sie Ideen von anderen Autoren übernehmen, diese aber in
eigenen Worten erklären. Auch so etwas muss kenntlich gemacht werden. In größeren Arbeiten
besteht die Möglichkeit, dies schon mal durch Überschriften zu tun und das Kapitel nach dem Autor
oder dem Werk zu benennen, das man vorstellen will. So zeigen Sie gleich an, dass Sie hier
lediglich etwas zusammenfassen und kommentieren und der Leser kann – wenn er den Text schon
kennt und keinen Wert auf Ihre Kommentierung legt – das Kapitel überspringen.
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• Kapitel 1: 1.1 Die Aktionsarttypen nach Vendler 1957.


• Kapitel 1: 1.2 Die Lexikonbegriffe nach Lutzeier 1995.

Im Text können Sie sinngemäße Zitate durch Klammersetzung oder Fußnoten kennzeichnen oder
in den Satz einbauen:

• Traditionell werden vier Aktionsarten unterschieden (Vendler 1957): Accomplishment,


Achievement, Aktivität und Zustand.
• Vendler (1957) unterscheidet folgende Aktionsarten: Accomplishment, Achievement,
Aktivität und Zustand.
• Traditionell werden vier Aktionsarten unterschieden1: Accomplishment, Achievement,
Aktivität und Zustand.

2. Wörtliches Zitieren

Wörtlich zitieren heißt, dass Sie hier die Worte 1:1 aus dem Originaltext übernehmen (gilt auch für
Übersetzungen, die Sie selbst vornehmen!!). Dies wird – im Gegensatz zum sinngemäßen Zitieren –
mit Anführungszeichen und Seitenangaben markiert. (Auch beim sinngemäßen Zitieren kann man
Seitenangaben machen, wenn das sinnvoll ist, aber hier ist es Pflicht!). Auch hier können Sie
zwischen Fußnote und Klammersetzung wählen:

• "Natural languages pair sound and meanings over an unbounded domain of structures.
Humans, on the basis of a rather slender data base, come to master this practically infinite
mapping in a surprisingly short time, without conscious effort, explicit instruction, or
apparent difficulty." (Hornstein 1990: 1)./ (Hornstein 1990, S. 1)/ (Honstein 1990, 1), etc.

• "Natural languages pair sound and meanings over an unbounded domain of structures.
Humans, on the basis of a rather slender data base, come to master this practically infinite
mapping in a surprisingly short time, without conscious effort, explicit instruction, or
apparent difficulty."2

Je nach Länge des Zitats wird dieses in unterschiedlicher Form im Text dargestellt. Normalerweise
ist die Regelung so, dass ab einer Länge von über drei Zeilen das Zitat vom Textkörper abgesetzt
wird, eingerückt, in kleinerer Schrift oder mit kleinerem Zeilenabstand (da gibt es unterschiedliche
Philosophien). Alle anderen, kürzeren Zitate können fließend in den Text eingebaut werden.

• Textextextextexttextextextextexttextextextextexttextextextextexttextextextextexttextextextex
texttextextextextexttextextextextexttextextextextexttextextextextextvtextextextextextvtextext
extextexttextextextextext:

"Natural languages pair sound and meanings over an unbounded domain of structures.
Humans, on the basis of a rather slender data base, come to master this practically infinite
mapping in a surprisingly short time, without conscious effort, explicit instruction, or
apparent difficulty."3

1 Vendler (1957).
2 (Hornstein 1990: 1)./ (Hornstein 1990, S. 1)/ (Honstein 1990, 1), etc.
3 (Hornstein 1990: 1)./ (Hornstein 1990, S. 1)/ (Honstein 1990, 1), etc.
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• Textextextextexttextextextextexttextextextextexttextextextextexttextextextextexttextextextex
texttextextextextexttext: "Human beings have the capacity to acquire any human language if
placed in the appropriate speech community." (Hornstein 1990: 1). Textextextextexttextext.

Beim wörtlichen Zitieren müssen Sie auch Fehler übernehmen, die der/die Autor/in des
Originaltexts eventuell gemacht hat. Um anzuzeigen, dass nicht Sie der/diejenige waren, der/die den
Fehler begangen hat, können Sie ein [sic!] einfügen.

• Imaginäres Beispiel: "Natrual [sic!] languages pair sound and meanings over an unbounded
domain of structures." (Hornstein 1990: 1).

Bei besonders langen Sätzen, können Sie, um Platz zu sparen, auch einfach nur Teilsätze
übernehmen. Die Auslassung von Teilen des Originaltexts wird mit [...] oder (...) angezeigt.

• ... deshalb ist Hornstein der Meinung, dass Menschen jede Sprache "(...) in a surprisingly
short time, without conscious effort, explicit instruction, or apparent difficulty"4 erlernen
können.

Insgesamt ist zu sagen, dass jedes Institut, jeder Verlag, jede Zeitschrift ihre eigene Art und Weise
hat zu zitieren und Literaturverzeichnisse zu erstellen. Wenn es aber darum geht, WAS
gekennzeichnet werden soll, gibt es da genaue Regeln und es herrscht Einigkeit: fremdes
Gedankengut muss gekennzeichnet werden - egal ob sinngemäß oder wörtlich übernommen!!!!!!
Wenn Sie das nicht tun, können Ihnen rechtliche Konsequenzen bis zun Ausschluss aus dem
Studium drohen.

4 (Hornstein 1990: 1)./ (Hornstein 1990, S. 1)/ (Honstein 1990, 1), etc.