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In " guter Stimmung"

Klänge gemeinsam erleben


DAS UNISONO
Intonation ist ein wichtiges Thema im Chor. Um möglichst gute Bedingungen zu schaffen,
sollten die Sänger*innen (immer m/w/d) gemeinsam sammeln, welche Parameter des Klangs
und Gesangs vereinheitlicht werden können.
Besonders wichtig ist der einheitliche Vokal, da unterschiedliche Vokale die Wahrnehmung und
den Zusammenklang maßgeblich beeinflussen und das einheitliche Singen erschweren können.
Grundvoraussetzung für "gute Stimmung" ist zu allererst das körperliche Wahrnehmen
des Klanges. Dieses soll mit den nachfolgenden Übungen erreicht und ausgebildet werden.

Übung 1
Um diese "Körperlichkeit" des Klangs wahrnehmen zu können, sollen alle Sänger auf einem
beliebigen Ton summen oder singen, und sich dabei besonders auf die entstehenden
Reibungen (Schwingungen) konzentrieren und diese gezielt erspüren und körperlich

 
und stimmlich erfahren.

 
    

Um nun von dieser Vielzahl der tonalen Möglichkeiten einen Einklang zu bilden,
muss die Vorstellung des Einklangs vereinheitlicht werden.
Wie man bei Übung 1 nun erfahren hat, hat jeder eine andere Vorstellung von einem
einfach normal gesungenen Ton. Wir können nicht automatisch einfach "denselben" Ton
singen, sondern müssen uns immer aneinander anpassen und Acht geben auf die Umgebung.

Übung 2
Um diese Vereinheitlichung der Tonvorstellung zu erzielen, versuchen sich alle Sänger von
ihrem Anfangston aus (s.o.) gemeinsam auf einen Ton in der Mittellage zu einigen.
Die einen müssen von ihrem Ton aus aufwärts, um den gemeinsam gefundenen Ton zu erreichen,
die anderen abwärts, einige liegen vielleicht genau in der Mitte.
Wichtig ist, dass sich der gemeinsame Ton nicht aus einer Vorgabe ergibt, sondern durch
gemeinschaftliches Ausprobieren und "Aufeinander-Hören".
Als eine Art Variation oder Vertiefung kann man für den gemeinsamen Ton auch relative
Tonhöhen angeben: "Wir finden uns auf einem tiefen/hohen Ton ein" etc..

     
 
                
       

© Dominik Giesen
2 In "guter Stimmung"

Um nun das Finden eines gemeinsamen Tones zu beschleunigen, aber dabei immer noch die
Eigenverantwortung zum "Ausprobieren" und "Experimentieren" mit der Tonhöhe zu erhalten,
kann der Tonbereich nun von Mal zu Mal eingeschränkt werden.
Somit werden die Wege kürzer und die Wahrnehmung der Genauigkeit der einzelnen
Tonabstufungen nimmt zu.

Übung 3
Einschränkungen des Tonraums für den Anfangston können nun vom Klavier vorgespielt oder
auch vorgesungen werden. Die Aufgabe ist es, sich wie zuvor auf einem Ton zu treffen.

      



        
  
 

Um nun noch weiter einzuschränken, aus welchen Tönen man zueinander finden soll, werden nun
zwei Rahmentöne festgelegt, von denen aus die zwei Gruppen sich in der Mitte treffen.
Wie bei Übung 2 kann ein gemeinsamer tiefer/hoher Ton als Variante gesungen werden.

Übung 4
Von den vorgegebenen Tönen aus nähern sich alle Sänger langsam der Mitte und verharren auf dem
sich herausbildenden gemeinsamen Ton.
Wie in Übung 3 können die Abstände nach und nach verringert werden.

     



  
     
 

Nun haben wir auf verschiedenen Wegen DAS UNISONO erfahren.


Ohne Vorgabe, sondern nur durch das Hören und Aufeinander-Reagieren konnten wir einen
einheitlichen Klang und dadurch einen wahren Einklang erreichen.

Übrigens!
Das körperliche Erfahren dieses vollen Unisonos verdanken wir der Natur:
Schall ist nichts anderes als Wellen, also Luft, die in Bewegung gesetzt wird (durch das Schwingen
unserer Stimmbänder). Wenn wir nun alle "auf derselben Welle" singen und schwingen, wird diese
verstärkt. In der Physik nennt man dies eine Interferenz. Dass also ein einstimmig gesungener Chor
lauter wirkt als ein mehrstimmiger, liegt im wahrsten Sinne in der "Natur der Sache".
In "guter Stimmung" 3

Um die Schwingungen der Wellen noch gezielter wahrzunehmen, kann man sich von dem
gemeinsam gefundenen Unisono ein kleines bisschen entfernen und wieder annähern.
Dabei entsteht eine Reibung, die sich wie ein Vibrieren oder Pulsieren des Tons anhört und anfühlt.
Je weiter sich der Ton vom Unisono entfernt, desto schneller wird die Schwingung, je näher man
dem Einklang wieder kommt, desto langsamer wird sie. Wieder beim Unisono angekommen verschwindet
die Schwingung, da sich die Wellen wieder überschneiden.

Übung 5
Der Chor bildet zwei Gruppen: Eine Gruppe hält den gemeinsamen Ton, während die andere sich
vom Unisono langsam auf- oder abwärts entfernt. Wichtig ist, genau auf die Vibrationen zu achten
und zu versuchen, diese gezielt wahrzunehmen!
Das Unisono ist auf dem "Rückweg" erreicht, wenn keine Schwingung mehr zu hören ist.

                      

Die Erfahrung des Unisono kann nun dabei helfen, auch die Existenz der Obertöne besser
zu begreifen. Wenn alle Stimmen im Einklang schwingen, also ein perfektes Unisono singen,
verstärkt sich (durch die Interferenz) nicht nur der Grundton (oder Grundfrequenz), sondern auch
gleichermaßen die Obertöne.

Übung 6
Der Chor singt ein stabiles, langes Unisono und versucht, auf die Obertöne zu achten.
Die Oktave, Quinte und Terz sind die ersten drei Töne der Obertonreihe und am leichtesten
wahrnehmbar.


  

Übrigens!
Wichtig ist es, nicht zu versuchen, theoretische und physikalische Erklärungen verstehen zu wollen,
sondern vielmehr durch das Hören und Singen und das gemeinsame Ausprobieren "Erfahrungswerte"
zu sammeln und im wahrsten Wortsinne körperlich wahrzunehmen, wie sich das Singen "anfühlt".
Die Vibration, die Schwingung, das Schnellerwerden der Schwingungen sind alles Klänge und Zu-
stände, die erfahrbar und spürbar sind.
Unbedingt muss man sich hierbei auf die körperliche Wahrnehmung und das Gefühl verlassen.
Nur so kann sauberes, ja reines Singen wirklich und nachhaltig gelingen und erfolgreich trainiert werden.
4 In "guter Stimmung"

DIE OKTAVE
Gehen wir zunächst in der Reihenfolge der Obertonreihe vor.
Auf den Grundton folgt die Oktave. Wenn man eine Saite von 1m Länge in der Mitte teilt
und die 1/2 Saite spielt, erklingt die Oktave! Dementsprechend schwingt diese doppelt so schnell,
also mit genau der doppelten Anzahl der Schwingungen pro Minute wie der Grundton.
Diese Schwingungen pro Minute nennt man Hertz.
Beispiel: Der Kammerton a' schwingt mit 440 Schw./min. bzw. Hz, die Oktave a'' mit 880 Hz..
Verdoppelt man die Saitenlänge, erhält man demnach einen Ton mit 220 Hz.

Übung 7
Das "Klangerlebnis" der Oktave entspricht am ehesten dem, was auch beim Unisono erfahrbar ist:
Die Schwingungen verlangsamen sich, bis sie im Einklang nicht mehr wahrnehmbar sind.
Aus dem Unisono wird nun die Oktave gebildet, indem die eine Gruppe den Grundton aushält,
während die zweite Gruppe ohne Glissando direkt in die Oktave springt.

 
 

Um die reine Intonation der Oktave nun weiter zu festigen, kann auch hier, wie in Übung 5,
das beabsichtigte Abweichen von der Oktave die Wahrnehmung für den schwingungslosen, reinen
Klang schulen.

Übung 8
Der Chor bildet zwei Gruppen: Eine Gruppe hält den Grundton, während die zweite Gruppe die
Oktave singt. Die zweite Gruppe entfernt sich nun langsam auf- und abwärts von der Oktave.
Beachte Anweisungen zu Übung 5.

                     


         

Um nun den großen Raum zu erschließen, den die Oktave spannt, und diesen auch stimmlich und
körperlich wahrnehmen zu können, kann man den Raum nun mit einem Glissando auffüllen.

Übung 9
Statt des Springens in die Oktave, wie in Übung 7, gleitet die eine Gruppe nun vom Grundton in
die Oktave. Dabei kann man das Tempo je nach Bedarf variieren. Besonders wichtig ist, dass das
Glissando möglichst gleichmäßig und ohne Unterbrechungen fortschreitet. Als (anspruchsvollere)
Variante kann die Übung auch von oben nach unten ausgeführt werden.

        


  

 
In "guter Stimmung" 5

Um den reinen Oktavklang weiter zu festigen, wird die Oktave nun aus ihrem Tonraum heraus
von oben und unten erschlossen.

Übung 10
Auf einem beliebigen Ton innerhalb des angestrebten Oktavraums starten beide Gruppen.
Die erste Gruppe gleitet nach oben, die zweite gleitet nach unten, bis der Oktavklang erreicht ist.

  

  
  
 

Erinnerung!
Wichtig ist, dass höchstens die Starttöne vorgegeben werden. Die entstehenden Klänge sollen
allein durch das Erfahren und Wahrnehmen erreicht werden. Somit sind die jeweils notierten
Zieltöne nur Annährungen bzw. zur Verdeutlichung der Übung gedacht.

Nun haben wir auf verschiedenen Wegen DIE OKTAVE erfahren.


Ohne Vorgabe, sondern nur durch das Hören und Aufeinander-Reagieren konnten wir einen
einheitlichen Klang und dadurch aufbauend auf dem erlernten UNISONO
eine reine Oktave erreichen.

DIE QUINTE
Auf die Oktave folgt nach den Gesetzen der Physik in der Obertonreihe die Quinte.
Bei der Oktave wurde die Saite halbiert, bei der Quinte wird sie nun gedrittelt.

Übung 11
Um die reine Quinte zu erfahren, singt eine Gruppe den Grundton, während die andere von der
Oktave langsam heruntergleitet. Währenddessen schwingen die Töne stark. da große Reibungen
entstehen. Beim Erreichen der reinen Quinte verschwinden diese.
Als Variante kann auch der hohe Ton gehalten werden und der untere Ton nähert sich an.

           
  


   
6 In "guter Stimmung"

Um auch die Schwingungen bei kleineren Abweichungen von der reinen Quinte besser
wahrzunehmen, wird der Quintton nun gleitend leicht nach oben und unten verändert.

Übung 12
Die eine Gruppe hält den Grundton, während die zweite die reine Quinte dazu singt.
Nun gleitet sie langsam vom Quintton auf- und abwärts.
Auch hier kann als Variation der obere Ton gehalten und der untere verändert werden.
   
           

     
            

Zur besseren Verortung der Quintklangs im Oktavraum werden nun Oktave und Quinte verbunden.
Durch das Gleiten hin zu und weg von den Tönen werden die zu- und abnehmenden Schwingungen
bis zum reinen Klang stärker bewusst.

Übung 13
Nun gibt es drei Gruppen. Alle starten auf dem Grundton. Gruppe 1 hält den Grundton aus.
Gruppe 2 und 3 gleiten langsam bis zur Oktave. Gruppe 2 hält die Oktave aus.
Gruppe 3 gleitet von der Oktave abwärts zur Quinte (ähnlich wie Übung 11).
Als Alternative können auch Gruppe 1 und 3 den Grundton aushalten, dann gleitet Gruppe 2 zur
Oktave und Gruppe 3 vom Grundton aus zur Quinte.

     


Nun haben wir auf verschiedenen Wegen DIE QUINTE erfahren.


Nur durch das Hören und Aufeinander-Reagieren konnten wir einen
einheitlichen Klang und so durch das erlernte UNISONO und die OKTAVE
den Klang des zweiten Obertons erfahren. Durch das Wahrnehmen der Schwingungen
haben wir so eine reine Quinte erreicht.
In "guter Stimmung" 7

DIE TERZ
Die große Terz
Nach Oktave und Quinte ist der in der Obertonreihe folgende Oberton die (große) Terz.
Sie ist das erste Intervall der Obertonreihe, welches in groß und klein unterteilt werden kann.
Um dieses empfindlichste Intervall der Dur-Moll-tonalen Musik behutsam einzuführen, wird das
Kapitel der "Terz" deshalb in die Dur-Terz und die Moll-Terz unterteilt.

Eine kleine Vorübung hilft, den aufgespannten Quintraum, in den sich die Dur-Terz einordnen muss,
noch genauer zu erspüren, und dabei auch schon das Gebiet der Terzen zu streifen.

Übung 14
Gruppe 1 und 2 singen eine reine Quinte. Die dritte Gruppe gleitet langsam zwischen
Quinte und Grundton hin und her.

     
         

Zum Einordnen in den Quintklang und dem Erfahren der reinen Terz hilft es, den "Umweg" über
die Quinte zu nehmen, damit die Terz in einen harmonischen Kontext gesetzt wird.

Übung 15
Gruppe 1 singt und hält den Grundton, Gruppe 2 gleitet zur Quinte und von dort langsam abwärts


zur reinen Dur-Terz.

     

Um die Durterz nun als eigenständiges Interval weiter zu stabilisieren, wird als Kombination
aus Übung 14 und 15 nun der Tonraum weiter eingeschränkt und so die Durterz direkt erreicht.

Übung 16
Im von Gruppe 1 und 2 bereitgestellten reinen Quintklang wird durch Aufwärts-Gleiten
vom unteren oder Abwärts-Gleiten vom oberen Ton die Dur-Terz erreicht.

          

Wichtig!
Je nachdem, ob die Dur-Terz von oben oder unten erreicht wird, kann der Abstand zum zuvor
gesungenen Ton eine große oder kleine Terz sein. Allerdings ist der erreichte Terzton immer auf den
Grundton zu beziehen und in dieser Hinsicht als Dur-Terz das Intervall einer großen Terz!
8 In "guter Stimmung"

DIE TERZ
Die kleine Terz

Das nächst-wichtige Intervall für das Erfahren reiner Intonation ist nach der Dur-Terz
die Moll-Terz. Sie ist nicht nur für die Akkordbestimmung essenziell, sondern komplettiert
auch die große Terz zur Quinte.
Je nach Zusammenhang kann die kleine Terz also auch in Dur-Akkorden auftauchen, weshalb
die Bezeichnung "Moll-Terz" irreführend sein kann.

Übung 17
Zum Wahrnehmen der kleinen Terz und ihrem Tonraum muss zuvor ein größerer Klangraum
aufgespannt werden. Um in die reine kleine Terz gleiten zu können, wird zuerst die Quarte
angesungen. Diese hat ein ähnliches Spannungsverhältnis wie die Quinte, da sie ihr Komplementär-
intervall ist (Quinte + Quarte = Oktave).

        

Um nun die kleine Terz weiter zu stabilisieren, kann die Quinte als bekannte Bezugsgröße
zuhilfe genommen werden.

Übung 18
Zwei Gruppen singen eine reine Quinte. Vom Grundton gleitet die dritte Gruppe zur Quarte,
dann hinunter zur reinen Moll-Terz und zurück zum Grundton.
Als Variante können Quarte und Grundton auch direkt angesungen werden, lediglich zwischen
Quarte und Moll-Terz wird dann glissandiert. Der Wechsel zwischen Quarte und Moll-Terz
kann bei Bedarf auch öfter wiederholt werden.

      


 

Wichtig!
Die Moll-Terz liegt sehr nah bei ihrem Pendant, der Dur-Terz.
Das bedeutet: wenn man von oben auf die Moll-Terz herunter singt, muss man sich nicht sehr
weit von der Dur-Terz entfernen. Wenn man von unten zur Moll-Terz herauf singt,
muss man sich fast an der Dur-Terz orientieren, aber knapp darunter bleiben.


        
In "guter Stimmung" 9

Um abschließend die Position der Moll-Terz im Verhältnis zu den schon bekannten reinen
Intervallen zu festigen, stellen wir mehr harmonischen Kontext bereit.

Übung 19
Zwei Gruppen singen je Grundton und reine Quinte als Klangraum. In diesen Raum singt die
dritte Gruppe nun Grundton und Moll-Terz hintereinander.

    


   

Nun haben wir auf verschiedenen Wegen DIE TERZ erfahren.


Als Vervollständigung des Akkords, aufbauend auf Unisono, Oktave und Quinte konnten wir
sowohl die große als auch die kleine Terz in ihren klanglichen Kontext einordnen
und die Wahrnehmungsunterschiede zwischen beiden Terzen feststellen.

DIE SEPTIME
Die kleine Septime
Die Septime ist, wie die Terz, eines der Intervalle, das sich in groß und klein einteilen lässt.
Allerdings hat die Natur es dabei nicht belassen und eine Vielzahl von Interpretationsmöglichkeiten
gegeben. Je nach Zusammenhang muss individuell entschieden werden, welcher Septime man sich
nun bedienen möchte.

Um ein generelles Gefühl für die Position der (kleinen) Septime zu bekommen, muss zuerst wieder
der Klangraum der Oktave erschlossen werden.

Übung 20
Die erste Gruppe singt und hält den Grundton, während Gruppe 2 zur Oktave gleitet und von dort
über die kleine Septime bis zur Quinte. Umgekehrt kann die Übung auch aufwärts von der Quinte
beginnend zur kleinen Septime gleitend steigen und dann von dort zur Oktave führen.

            


10 In "guter Stimmung"

Um den Klang der Septime in weiteren Zusammenhang mit den schon erfahrenen Intervallen
zu bringen, wird sie nun vom Quintraum aus erschlossen.
Unterstützend und zur besseren harmonischen Orientierung erklingt dabei auch die Dur-Terz.

Übung 21
Zwei Gruppen singen die reine Dur-Terz. Die dritte Gruppe gleitet langsam von der Quinte auf-
wärts zur kleinen Septime und wieder zurück.

   
    

Um den Abstand zu den benachbarten Tönen besser einordnen zu können und stimmlich zu
erfahren, muss über den Oktavraum der Spielraum um die kleine Septime erkundet werden.

Übung 22
Die erste Gruppe hält den Grundton, während die zweite vom Grundton aus langsam zur
kleinen Septime gleitet. Dort angekommen gleitet sie um den Septimton herum auf- und abwärts,
um am Ende wieder auf ihm auszukommen.
Wichtig ist, wieder auf die Wahrnehmung der Schwingungen zu achten, die sich bei den reinen
Intervallen vermindert.

           


     

Nun haben wir durch die Einordnung in die ersten Obertöne OKTAVE, QUINTE und TERZ
und die dadurch enstehenden wahrnehmbaren Schwingungen und Klänge die kleine Septime
klanglich erfahren können.
Ihre große Schwester, nämlich die große Septime, hat für harmonische Zusammenhänge
vorerst keine besondere Bedeutung.

Übrigens!
Kurioserweise gibt es viele Varianten der Septime. Die, die am besten durch Schwingungen
körperlich wahrnehmbar ist, wird als Naturseptime bezeichnet, die wir vorhin klanglich erlebt haben.
Sie ist insofern ein Kuriosum, als dass es für die keine logische Erklärung gibt - sie ist einfach da!
Erklärungs- und Herleitungsversuche gibt es allerdings für die anderen Varianten der kleinen Septime.
So gibt es die "große kleine" und die "kleine kleine" Septime. Sie ergeben sich aus der Umkehrung der
Varianten des Intervalls der Sekunde (Oktave = Septime + Sekunde).
Allerdings hat die Sekunde, ebenso wie die große Septime, kaum Relevanz im akkordisch-harmonischen
Hören und Wahrnehmen. Deshalb seien die Varianten der Sekunde folgend ohne Übungen
erklärt und hergeleitet.
In "guter Stimmung" 11

DIE SEKUNDEN
Die große Sekunde (Ganzton)
Wie schon erwähnt, gibt es für die Sekunde viele verschiedene Möglichkeiten zur theoretischen
Erschließung. In der Praxis bedeutend ist die Sekunde, sowohl groß als auch klein, in Fortschreitungen
und Durchgängen. Der Einfachkeit halber wird die gr. Sekunde Ganzton und die kl. S. Halbton genannt.
Herleiten kann man sich die verschiedenen Größen der Ganz- und Halbtöne anhand
schon erfahrener Klänge.

Herleitung des großen Ganztons (große große Sekunde)


Zwei reine Quinten ergeben (oktaviert man den Grundton) den großen Ganzton, da sich beide Quinten
hoch aufspannen [hohe reine Quinte + hohe reine Quinte].

   

hohe.Quinte hohe.Quinte gr.GT

Herleitung des kleinen Ganztons (kleine große Sekunde)


Der vom Grundton C nun ermittelte Ton d'' liegt, wie oben beschrieben, höher.
Die reine Dur-Terz zum Grundton, die schon erfahren wurde, liegt im Gegensatz zu den zwei hohen
Quinten tiefer.
Der Abstand dieses durch die Quintschichtung enstandenen (hohen) Tons zu der
reinen (tieferen)Dur-Terz ergibt den kleinen Ganzton.

 
  

2.hohe.Quinten gr.GT reine.(tiefe).gr.Terz kl.GT

Die kleine Sekunde (Halbton)

Auch die kleine Sekunde lässt sich in die "große kleine Sekunde" und die "kleine kleine Sekunde"
unterteilen. Dabei ist maßgeblich, ob beide Töne denselben oder einen unterschiedlichen
(also benachabarten) Stammton haben (z.B. C-Cis oder Cis-D).

Herleitung des diatonischen Halbtons (großer Halbton)


Die vom Grundton C aus reine Dur-Terz und die nach unten aufgespannte Quinte (oktaviert) ergeben
im Zusammenklang den großen großen Halbton.

 
 
reine.(tiefe).gr.Terz reine.Quinte.abwärts gr.gr.HT
12 In "guter Stimmung"

Herleitung des großen chromatischen Halbtons (großes Chroma)


Die vom Grundton C aus reine Dur-Terz wird um 3 hohe Quinten erhöht. Der dadurch entstehende
Abstand zum Grundton wird durch Oktavverschiebung wieder rückgängig gemacht, sodass ein

  
großer kleiner Halbton entsteht.

  
  
reine.(tiefe).gr.Terz 3.reine.(hohe).Quinten gr.kl.HT

Herleitung des kleinen chromatischen Halbtons (kleines Chroma)


Vom Grundton aus beschreibt der kleine kleine Halbton den Abstand zwischen der hoch
liegenden Moll-Terz und der tiefliegenden Dur-Terz.

       
reine.(hohe).kl.Terz reine.(tiefe).gr.Terz kl.kl.HT

Theoretisch haben wir nun gelesen und nachvollzogen, wie sich die verschiedenen Sekunden,
ob groß oder klein, zusammensetzen. Natürlich kann man die Herleitungen und Ergebnisse auch singen,
allerdings sind es vielmehr Rechenaufgaben und Ergebnisse theoretischer Auseinandersetzungen,
als körperlich oder klanglich wahrnehmbare Unterschiede.

DIE "REINE" TONLEITER


Aus den gesammelten Erkenntnissen, aus welchen Klängen und Intervallen unser Tonsystem
ureigen zusammengesetzt ist und welche körperlich wahrnehmbaren Erfahrungen diese natürlichen
Klänge eröffnen, lässt sich nun die Tonleiter vervollständigen. Sie wird die "reine" Tonleiter genannt,
da sie auf den zuvor erlebten Klängen und sich dadurch ergebenen "natürlichen" Intervallen orientiert.

Um die "reine" Tonleiter erschließen zu können, müssen zuerst Referenzintervalle gefestigt werden.

Übung 23
Als Kombinationsübung aus den vorherigen Hör- und Wahrnehmungsübungen werden nun aus dem
Unisono heraus, welches eine Gruppe aushält, von der zweiten Terz, Quinte und Oktave gesungen.
Wichtig ist, auf jedem erreichten Intervall so lange zu verharren, bis der entstehende tonale Raum
durch die Schwingungen (leichtes auf- und absingen) körperlich erfahren wurde.

             


   
Unisono reine.(tiefe).gr.Terz reine.Quinte Oktave
In "guter Stimmung" 13

Nun wird das Gerüst für die "reine" Tonleiter nach und nach aufgefüllt.
Zuerst wird der zweite Ton der Tonleiter, die gr. Sekunde eingesetzt. Diese ist an der Stelle
ein großer Ganzton, da sie auf zwei (hohen) Quintschichtungen basiert.
Wichtig: In diesem Beispiel beziehen sich die Verhältnisse der Töne zueinander auf den
Grundton C!

            
  
         
Unisono gr.GT reine.(tiefe).gr.Terz reine.Quinte Oktave

Nun wird die Quarte ergänzt. Sie ist die Umkehrung der Quinte, man erhält sie, indem man eine
reine Quinte abwärts um eine Oktave nach oben verschiebt. Da die Quinten aufwärts gestreckt
hoch klingen, klingt die Quarte (da sie abwärts gestreckt wurde) etwas tiefer.

            
      
Unisono gr.GT reine.(tiefe).gr.Terz reine.Quarte reine.Quinte Oktave

Es folgt die Sexte. Diese erreicht man, indem man eine rein Dur-Terz aufwärts und dann
eine reine Quinte abwärts geht. Durch Oktavverschiebung des erreichten Tons entsteht so
das Sext-Intervall.
    
 

       
      
Unisono gr.GT reine.(tiefe).gr.Terz reine.Quarte reine.Quinte reine.(tiefe).Sexte...

Zum Schluss folgt die große Septime, die aus einer großen Dur-Terz und Quinte aufwärts
besteht.

    
       
Unisono gr.GT reine.(tiefe).gr.Terz reine.Quarte reine.Quinte reine.(tiefe).Sexte gr.Septime Oktave

Nun haben wir uns durch die Gesetzmäßigkeiten der Obertonreihe und unserer eigenen,
natürlichen Wahrnehmung die gesamte (C-)Dur-Skala erschlossen. Durch die in den Übungen
gemachten Erfahrungen konnten Tonabstände und Beziehungen der Töne zueinander
nicht nur theoretisch sondern auch klanglich und körperlich wahrnehmbar begreifbar gemacht werden.
Weiter geht es nun mit der Anwendung dieser Verhältnismäßigkeiten im harmonischen Zusammenhang.
14 In "guter Stimmung"

DIE AKKORDE
Akkorde sind erst einmal mehere Töne, die zusammen erklingen.
Diese können grundsätzlich Wohl- oder Missklänge sein. In der westlichen, europäischen
Musikgeschichte haben sich aus einem lanwierigen Entwicklungsprozess zwei Ton"geschlechter"
entwickelt: Dur und Moll. Diese beiden Klänge sind Grundsubstanz unserer abendländischen Musik.

Obwohl Akkorde grundsätzlich nur "Vielklänge" sind, sind zur Bestimmung von Dur und Moll
lediglich drei Akkordtöne nötig: Deshalb wird auch häufig von Dur- oder Molldreiklängen gesprochen.
Der Dreiklang besteht nun aus den ersten beiden Intervallen der Obertonreihe, die wir uns zuvor
klanglich erschlossen haben: jeweils vom Grundton aus der Quinte (s. S. 5f.) und der Terz (s. S. 7f.).

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Der Dur-Akkord setzt sich aus der reinen Quinte und der großen Terz zusammen.
Der Moll-Akkord setzt sich aus der reinen Quinte und der kleinen Terz zusammen.
Da für die Wahrnehmung der entsprechenden Intervalle schon viele Übungen gegeben sind,
wird hier nur eine kleine generelle Empfehlung angegeben.
Um die einzelnen Intervalle zu festigen, siehe Seiten 5f. für die Quinte und Seite 7f. für die Terzen.

Übung Akkorde
Es empfiehlt sich, um die gute Wahrnehmung der Akkorde von Anfang an zu gewährleisten,
mit dem gemeinsamen Einfinden der reinen Quinte zu beginnen. Sie ist Grundlage sowohl für Dur-
als auch Molldreiklänge. Für den Durdreiklang ist es am sinnvollsten, vom oberen Quintton abwärts
zu gleiten, für den Molldreiklang vom unteren aufwärts, bis jeweils der gewünschte Akkord entsteht.

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MOLL

Um nun den Unterschied zwischen dem Dur- und Mollklang zu verinnerlichen, können beide
Übungen auch umgekehrt werden. Um die Wahrnehmung dieses Unterschieds noch weiter zu schärfen,
kann jeweils für Moll auf der Dur-Terz oder für Dur auf der Mollterz gehalten werden.

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In "guter Stimmung" 15

Die Umkehrungen
Natürlich gibt es die Akkorde nicht immer nur in der einen Position, bei der der Grundton
unten liegt: Man kann die Akkorde einfach umkehren, indem man die unterste Stimme eine
Oktave erhöht oder die oberste eine Oktave erniedrigt.
Dadurch ergibt sich für die Klänge jeweils ein anderer Bezugspunkt, weshalb die Übungen
der Akkorde hier auch in ihren Umkehrungen geschrieben werden.

  
     

Durch die Verschiebung des (hier) tiefsten Tons um eine Oktave nach oben entsteht die erste
Umkehrung. Wiederholt man dies, ergibt das die zweite Umkehrung.
Genau das ist auch mit den vorherigen Übungen möglich und nötig, denn dadurch schärft man die
Wahrnehmung des Grundtons und des Gesamtklanges, außerdem kann man so lernen, sich in einen
anderen klanglichen Kontext einzuordnen.

Übung Umkehrungen
Bei den ersten beiden Beispielen befindet sich die Terz inmitten des Klangraums der Quinte.
Bei den zweiten Beispielen befindet sich der Klangraum der Quinte in Umkehrung darunter (Quarte).
Bei den dritten Beispielen befindet sich der Klangraum unterhalb der umgekehrten Quinte.

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16 In "guter Stimmung"

KURZE AKKORDVERBINDUNGEN
Hier können nun alle bislang erlangten Erkenntnisse und Fähigkeiten auf einmalige Weise
miteinander verknüpft werden:
Vor allem die "horizonale" und die "vertikale" Wahrnehmung des Klangs und der eigenen Stimme!

Einerseits muss "von links nach rechts" gesehen eine Folge von drei Tönen gesungen werden,
andererseits entsteht "von oben nach unten" gelesen jeweils mit dem Ton ein gesamter Akkord.

Übung Akkordverbindungen
Die Akkorde werden wie notiert gesungen.

Verschiedene Akkordverbindungen
in drei Umkehrungen
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In "guter Stimmung" 17

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Wichtig!
Die Umkehrungen sind im Grunde nur eine Art "Umverteilung":
Es stehen in der Regel 3 Akkordtöne zur Auswahl: Der Grundton, die Quinte, die Terz.
Diese können nun beliebig auf die vier Stimmen verteilt werden. Allerdings ist wichtig, dabei
den Bezugston, unseren Grundton, zu identifizieren und sich beim eigenen Singen darauf zu
beziehen und daran anzupassen.
18 In "guter Stimmung"

BEISPIELE AUS DEM NOTENSCHRANK


Die a-capella-Chorliteratur bietet einen nahezu unerschöpflichen Fundus an Werken und Inspirationen,
eine riesige Vielfalt und Abwechslung.
Hier sei nun eine kleine Auswahl an bekannten Chorwerken herausgenommen, zu deren Gelingen
Intonation eine bedeutende Rolle spielt. In den kleinen Ausschnitten kann man die gelernten
Fertigkeiten gut abrufen und im "echten Chorleben" ausprobieren und einbringen!

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Locus iste - Anton Bruckner
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Abendlied - Joseph Rheinberger

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In "guter Stimmung" 19

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Warum ist das Licht gegeben - Johannes Brahms

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Beati quorum via - C. V. Stanford
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Hebe deine Augen auf - F. Mendelssohn Bartholdy

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20 In "guter Stimmung"

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Es ist ein Ros - Michael Prätorius

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Miserere mei Deus - Allegri


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