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Geschnitzte Ikonen von Inessa und Raschid Asbuchanow

Die geschnitzten Ikonen von Inessa und Raschid Asbuchanow sind so wertvoll,
dass weltweit nur ein sehr exklusiver Kreis ein solches Werk erhält. Präsident
Medwedew und Ministerpräsident Putin besitzen eine geschnitzte Ikone der
Asbuchanows, ebenso wie Patriarch Alexi II., der Papst und europäische
Monarchen.

Von Jürg Vollmer / maiak.info

Inessa Asbuchanow wurde 1961 in Mogilew in Belarus geboren, ihre Eltern waren als
Linienpilot respektive Psychiaterin tätig. Nicht weit davon entfernt, zumindest für
sowjetische Verhältnisse, wurde Raschid Asbuchanow 1955 im west-russischen Nischni
Nowgorod in eine Arbeiterfamilie mit fünf Kindern geboren.

Ihr Studium führte Inessa und Raschid Asbuchanow in das russische Dorf Abramzewo
etwa 60 Kilometer nordöstlich von Moskau. In dieser Künstlerkolonie lebten vor Ihnen
schon Michail Wrubel, Ilja Repin, Wassili Polenow, Konstantin Korowin und Walentin
Serow — Abramzewo gilt als die Geburtsstätte des neorussischen Stils und der
russischen Moderne. Auch heute prägen die Absolventen des kleinen aber feinen
Wasnezow-Institutes für Kunstgewerbe die russische Kultur.

Die Wieder-Entdeckung der geschnitzten Ikonen durch Inessa und Raschid


Asbuchanow

Während ihres Studiums in Abramzewo entdeckten die Asbuchanows die längst


vergessene Kunst der geschnitzten Ikonen. In der traditionellen, eher statischen Schule
wurden Details wie Gesichter und der Faltenwurf der Kleidung wie bei den altrussischen
Ikonen mit Farbe gemalt. Die europäische, eher lebendige Schule zeigte diese filigranen
Details mit plastischen Kerbschnitten.

Unabhängig von der Richtung waren geschnitzte Ikonen seit dem 18. Jahrhundert von den
Herrschern immer wieder verboten worden, weil zuerst die Zaren in ihnen einen Einfluss
des Katholizismus sahen und nach der Oktoberrevolution 1917 die kommunistischen
Bolschewiki alle religiösen Aktivitäten unterdrückten.

Historische Ikonen bergen ein Geheimnis

Viele geschnitzte Ikonen landeten deshalb im Ofen und spendeten armen Seelen statt
seelischer Erbauung wenigstens handfeste Wärme. «Die wenigen, noch erhaltenen
geschnitzten Ikonen bergen aber ein Geheimnis, das wir entdeckten wollten», erklären
Inessa und Raschid Asbuchanow. Und dafür waren sie zur rechten Zeit am richtigen Ort.

In den späten 1980er Jahren wurden die Repressionen gegenüber den orthodoxen
Kirchen sukzessive aufgehoben und seither einige Tausend Kirchen und Klöster re-
säkularisiert. Aus Kornkammern und Kulturhallen wurden wieder Gotteshäuser, zerstörte
Ikonostasen mussten neu geschaffen werden. Wichtige kreative Impulse dazu kamen aus
Abramzewo, wo die Asbuchanows 1986 ihre erste Ikone schnitzten, «Der heilige Georg».

1989 gründeten Inessa und Raschid Asbuchanow nur wenige Kilometer von Abramzewo
entfernt in Dmitrow am Moskau-Wolga-Kanal ein eigenes Atelier. «Die Wahl von Dmitrow
war ein Zufall, aber ein glücklicher Zufall», glaubt Inessa Asbuchanow.

Geschnitzte Ikonen halten einige Jahrhunderte

Die ersten Inspirationen für ihre Ikonen fanden die Asbuchanows in der byzantinischen
Kunst. Heute ist auch ihre Familie eine Quelle der Inspiration, denn «unsere Töchter
Anisja und Taisja bringen als Designerin respektive Jazzsängerin täglich frische Ideen ins
Atelier.». Zudem nehmen die Bildhauer regelmässig an zeitgenössischen Ausstellungen
teil und besuchen Galerien zeitgenössischer Kunst.

Auf die Frage, wer denn nun im Atelier welche Arbeiten ausführt, schauen Inessa und
Raschid Asbuchanow verständnislos. «Wir sind als Bildhauer eine Einheit, ein
Organismus, von der Idee über den Entwurf bis zum Schnitzen der Ikonen.»

Die Auswahl des Holzes erklärt Raschid Asbuchanow: «Am geeignetsten sind
kurzfaserige, homogene Holzsorten wie Kiefer und Linde, dauerhafte Hölzer wie Zeder
oder Edelhölzer wie Nussbaum. Je älter der Baum, und je weiter entfernt von den
Umwelteinflüssen der Städte er wachsen konnte, desto besser ist sein Holz.»

Nach dem Baumfällen ist Geduld angesagt. «Das Holz muss unter natürlichen
Bedingungen fünf bis sieben Jahre getrocknet werden, damit es sich gut bearbeiten lässt
und die geschnitzte Ikone einige Jahrhunderte alt werden kann» — wenn kein Bildersturm
dazwischen kommt.

Die geschnitzten Ikonen der Asbuchanows strahlen Wärme aus

In 25 Jahren haben Inessa und Raschid Asbuchanow rund 100 Werke geschaffen. Zwei
Monate arbeiten sie an einer geschnitzten Ikone, die Arbeit an einer Ikonostase dauert ein
Jahr. Zeit genug, um sich Ihre Käufer sorgfältig auszusuchen, wobei auch die
Verkaufspreise von 100'000 Euro pro Ikone den Käuferkreis klein halten.
Neben Russlands Präsident Dmitri Medwedew und Ministerpräsident Wladimir Putin
gehören dazu der Patriarch von Moskau und ganz Russland Alexius II., der verstorbene
Papst Johannes Paul II. und die exklusiven Kunstsammlungen von Königin Beatrix von
den Niederlanden und König Juan Carlos I. von Spanien.

Die geschnitzte Ikonen der Asbuchanows waren bisher nur in wenigen


Einzelausstellungen vor allem in Moskau zu sehen: Im Jahr 2000 im Museum des
Patriarchenpalastes im Kreml, 2004 im Zentralmuseum für antike russische Kultur und
Kunst von Andrei Rubljow und 2009 in der Tretjakow-Galerie. Dazu noch 2004 im Lateran-
Palast des Vatikans und 2005 im Staatlichen Museum für Religionsgeschichte in St.
Petersburg.

Die geschnitzten Ikonen der Asbuchanows strahlen Wärme aus

Im Gespräch mit den Bildhauern merkt man, dass sie ihre Ikonen aber lieber in
Gotteshäusern sehen. 1988 schnitzten Inessa und Raschid Asbuchanow für die Erlöser-
Kathedrale in Nischni Nowgorod ihre erste Ikonostase (die mit Ikonen geschmückte Wand
mit drei Türen zwischen dem Kirchenschiff und dem Altarraum). Andere Ikonostasen
folgten, welche die spirituelle Tradition wahren und mit einer neuen "Sprache" gleichzeitig
grosse zeitgenössische Kunst sind.

Dazu kommt, dass im Gegensatz zum dunklen, verwitterten Holz alter Ikonen mit seiner
Jahrhunderte alten Patina von den modernen Ikonostasen der Asbuchanows im wahrsten
Sinne des Wortes ein Leuchten ausgeht. Die leichten, fast transparenten Farben der
geschnitzten Ikonen von Inessa und Raschid Asbuchanow geben dem Betrachter ein
Gefühl von Wärme, die nur lebendes Holz ausstrahlen kann.

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Den Originalbeitrag und Fotos finden Sie hier:

www.maiak.info/inessa-raschid-asbuchanow-ikonen-geschnitzte