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Der Text Script 3

Kohärenz
Mit Kohärenz ist ein Textzusammenhang gemeint, der nicht durch grammatisches, sondern
durch kulturelles Wissen hergestellt wird.
Kulturelles Wissen umfasst:
- das lexikalische Wissen, d.h. die Kenntnis der in einer Kultur gängigen Wörter und
ihrer semantischen Zusammenhänge
- das Welt- und Handlungswissen, d.h. die Kenntnis von Fakten und
Zusammenhängen in der Welt sowie das Wissen, wie man bestimmte Handlungen
vollzieht
- das Textwissen, d.h. die Regeln, wie Texte typischerweise aussehen, die man in
bestimmten Situationen zu bestimmten Zwecken verfasst werden.
1. Lexikalisches Wissen
Inhaltswörter = die Wörter und Phraseologismen (feste Wortverbindungen), mit denen man
sich auf Objekte und Sachverhalte in der Welt inhaltlich bezieht, also sie tragen
Bedeutungen. Inhaltswörter sind vor allem Substantive, Adjektive und Verben, aber auch
viele Adverbien.
Die Bedeutungen der Inhaltswörter stehen untereinander in Beziehungen, die also
semantische Zusammenhänge herstellen.
(!! Funktionswörter produzieren Zusammenhänge zwischen Sätzen im Rahmen
grammatischer Kategorien: Pronomen beziehen sich auf Inhaltswörter durch Konguenz –
acord gramatical – mit ihnen in Person, Numerus, Genus. Ihre Bedeutung wird durch ihre
Inhalswörter bestimmt.)
Inhaltswörter produzieren Textkohärenz, indem sie in ikonische Beziehungen zueinander
treten. Ikonizität (= Ähnlichkeit, von griechisch ikona, Abbild) maniferstiert sich in
verschiedenen Aspekten:
a. Schon die formale Ikonizität (ohne realen Bedeutungszusammenhang) kann
Textzusammenhang herstellen oder stützen:
Bsp.
(Überschrift von einem Zeitungsartikel): Arm ab, arm dran. Die Regierung operiert an der
gesetzlichen Unfallversicherung. Es drohen Sparmaßnahmen zu Lasten der Betroffenen.
b. Ikonizität der begrifflichen (konzeptuellen) Bedeutung spielen eine wichtige Rolle.
Traditionell unterscheidet man hier:
- Synonyme: anfangen – beginnen
- Antonyme – kontradiktorische A. (= die Pole schließen sich aus: lebendig – tot) und
konträre A. (= die Pole bilden die beiden Enden einer Skala: Freund – Feind)
- Hyperonyme (Oberbegriffe) und Hyponyme (Unterbegriffe): Gemüse – Tomate
- Kohyponyme (= Hyponyme zu demselben Hyperonym): Tomate, Kartoffel, Gurke
- Heteronyme (= Wörter ohne formale Beziehung, die aber semantisch eng
zusammenhängen): rot, gelb, grün, blau
c. Ikonizität der dargestellten Welt betrifft die Referenz (= Realität, auf die der
jeweilige Begriff sich bezieht) der Inhaltswörter.
Für die Kohärenz von Texten spielt besonders die wiederholte Referenz auf dieselben
Personen, Objekte oder Sachverhalte einen wichtige Rolle (Referenzidentität). Dieser
wiederholte Bezug heißt auch explizite Wiederaufnahme (Brinker) und spielt eine ähnliche
Rolle wie phorisch oder deiktisch verwendete Pronomen und Pronominaladverbien.
Zu den referenzidentischen Beziehungen gehören:
- Rekurrenz (= dasselbe Inhaltswort wird wörtlich wiederholt): Brennstoffzellen
erzeugen zu Hause Strom. Und das umveltfreundlich dank Katalysatoren aus der
Chemie. Sie ermöglichen es, dass Brennstoffzellen Strom viel effizienter als bisherige
Systeme produzieren.
Es gibt auch teilweise Rekurrenz: dasselbe Wort wird durch Wortbildung verändert
wiederholt: Bestimmte Gene sorgen dafür, dass eine Zelle nicht krankhaft wächst. Wird ein
solches Schutzgen ausgeschaltet, geht seine Wirkung verloren.
Bei Ellipsen wird das Wort weggelassen, ist aber aus dem Kontext zu ergänzen: Die
Deutschen hadern weiter mit ihrer Regierung. Über ein Drittel [der Deutschen – hier
ausgelassen!] sind mit deren Arbeit unzufrieden.
- Wortsubstitution: Ein bestimmtes Wort (Substituendum) wird referenzidentisch
durch ein bestimmtes Wort (Substituens) ersetzt:
Zur Freude der Bauer war der Frühling regnerisch. Nachdem sie wegen einer langen
Dürreperiode um ihre Ernten gezittert hatten, konnten die Landwirte nun endlich
wieder aufatmen. (Substitution durch Synonym)
Eine Libanesin machte beim Öffnen einer Auster den Fund ihres Lebens: In der
Muschel fand sie 26 Perlen. (Substitution durch Hyperonym)
Der Hund eines alten Rentners wurde zum Helden des Tages. Der Dalmatiner rettete
das Leben seines Herrn, indem er durch sein Bellen die Nachbarschaft auf einen
Brand, der in der Wohnung ausgebrochen war, aufmerksam machte.( Substitution
durch Hyponym)
Die Mischung aus hohen Profiten und illegalen Methoden zieht auch die Unterwelt
an: Sowohl die italienische als auch die japanische Mafia sollen tief in das Geschäft
mit Thunfisch involviert sein. (Substitution durch Bedeutungsexpansion = ein Wort
wird durch eine Wortgruppe wiederaufgenommen.)
- Wortgruppensubstitution:
Zwei Lottospieler aus Niederbayern und Nordrhein-Westfalen haben den Jackpot
geknackt und und je 6 Millionen Euro gewonnen. Die Glückspilze hatten sechs
Richtige und die passende Superzahl 0. (Substitution durch Bedeutungskondensation =
die erneute Referenz erfolgt in einem zusammenfassenden Ausdruck.)

Häufig liegt im Textverlauf keine Referenzidentität vor, die Referenz basiert nur auf
inhaltlicher Verwandtschaft. In solchen Fällen spricht man von impliziter Wiederaufnahme
(Brinker):
Das Kind kann nicht mal eine halbe Stunde mit der Freundin im Park sein. Gleich ist die
Mutter wieder da und schimpft.
Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer.

2. Welt- und Handlungswissen


Kulturelles Wissen hat mehrere Komponenten:
- Alltagswissen – es ist am stärksten überindividuell und enthält das Wissen, das die
Menschen in ihrem alltäglichen Leben brauchen und benutzen (z.B. wie man kocht,
wäscht, einkauft usw.).
- Fakten- und Erfahrungswissen hängen von der individuellen Allgemeinbildung /
Ausbildung / von individuellen Interessen ab und sind oft von der sozialen und
kulturellen Umgebung geprägt (z.B. Kenntnisse aus dem Schulunterricht, über Kunst,
Basiskenntnisse aus der Technik usw.).
- Fachwissen – sehr stark personenbezogenes Wissen oder spezielles Gruppenwissen
(z.B. Fachkenntnisse aus Naturwissenschaften).
Der Spezialisierungsgrad von Texten nimmt je nach diesen Komponenten zu. Deshalb sind
Fachtexte oft für Nichtspezialisten unverständlich.
Kulturelle Kenntnisse werden in der Kommunikation oft vorausgesetzt und deshalb nicht
genannt, sondern nur mitgemeint. Man braucht sie, um Implizites in Texten aufzufüllen, wenn
ein Textzusammenhang hergestellt wird:
Menschenfleisch muss oft auf dem Speiseplan vorgeschichtlicher Menschen gestanden haben.
Diesen Schluss ziehen Forscher aus der Entdeckung von Genen, die vor Krankheiten wie
Kuru oder Creutzfeltd-Jakob schützen.
Im vorliegenden Fragment bleibt der Zusammenhang zwischen Menschenfleisch und der
genannten Krankheiten unklar, wenn man bestimmte Vor- / Fachkenntnisse nicht hat.

3. Textwissen
Textwissen ist vor allem das Wissen über allgemeine Formen und Funktionen von Texten in
bestimmten Kommunikationssituationen. Dieses Wissen konkretisiert sich in der
Zuordnung von einzelnen Texten zu Textsorten, d.h. Klassen von Texten die spezifische
Merkmale gemeinsam haben.Eine typische Kombination von Merkmalen wird als
Textmuster einer Textsorte bezeichnet.

3.1. Beschreibung von Textsorten durch Textmuster

3.1.1. Texträumliche Gliederung


Textmuster haben bestimmte, charakteristische formale Merkmale. Die äußere Erscheinung
des Textes spielt also eine wichtige Rolle.
Es gibt Varianten der Schreibung bzw. des Drucks: groß, klein; schmal, fett; schräg.
Oft sind Texte (v.a. von Sachbüchern) in Abschnitte gegliedert, die Überschriften tragen.
Diese Gliederung gibt Hinweise auf den Textzusammenhang.
Oft besteht zwischen der Gliederung des Textes und der Textsorte eine enge Beziehung, z.B.
bei einem Brief, der üblicherweise nach dem Muster Anrede – Text in Absätzen –
Unterschrift gebildet ist.
!!! Weitere äußere Merkmale bestimmter Textsorten sind bei den Beispielen in der pdf-Datei
zu finden!!!

3.1.2. Stilistische Textmerkmale


Die Variation der sprachlichen Ausdrucksseite von Texten ist Gegenstand der stilistischen
Analyse. Sie beschreibt die lexikalischen, syntaktischen und textbezogenen Eigenheiten der
Sprache, die auf den Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Wörtern, grammatischen
Konstruktionen und Verknüpfungen basieren. Die syntaktischen und stilistischen Normen ds
Deutschen sind an der geschriebenen Sprache orientiert. Die gesprochene Sprache weicht in
vielen Einzelheiten davon ab.
Sehr wichtig für die geschriebene Sprache ist die räumliche und zeitliche Distanz zwischen
den Kommunikationspartnern. Das beeinflusst stark den geschriebenen Diskurs, der in der
Regel expliziter ist als der gesprochene.
3.1.2.1. Vertextungsstrategien (Texttypen)
! Textsorten kombinieren in der Regel mehrere der folgenden Strategien, oft ist aber eine
Strategie dominierend. Folgende Vertextungsstrategien werden unterschieden:
Beschreiben
Aussagen über einzelne Aspekte eines Themas werden kopulativ aneinandergereiht.
Oft wird auf explizite Verknüpfung verzichtet.
Die Beschreibung bringt die Phänomene des beschriebenen Sachverhalts in eine bestimmte
(lokale) Reihenfolge.
Das Tempus ist das neutrale Präsens.
Adverbien ermöglichen räumliche Orientierung: dort, daneben, links, rechts.
Es dominieren Adjektive, die die Eigenschaften des Beschriebenen vermitteln.
Wenn eine Beschreibung hat einen hohen Anteil an Subjektivität, spricht man von einer
Schilderung.
Erzählen
Sachverhalte werden in ihrem zeitlichen Ablauf dargestellt.
Vorrangig treten temporale Kohäsionsmittel auf.
Der erzählende Text gibt die Transformation eines Ausgangszustands zu einem Endzustand
wieder.
Charakteristisches Tempus ist Präteritum (= „Erzähltempus“). Es codiert also die diskursive
Situation „erzählt“.
Formen der chronologischen, möglichst objektiven Wiedergabe von Fakten tragen den
Namen Bericht.
Typisch sind Geschehens- und Handlungsverben: kommen, retten, nehmen, bleiben, schreiben
usw.
Erklären
Dieser Strategie folgen Texte, die komplexe Zusammenhänge zwischen Sachverhalten
abbilden.
Typisch sind die konditionale und kausale Verknüpfung.
Syntaktisch kommen vollständige Sätze sowie Aussagen in Form von Nominal- und
Partizipialkonstruktionen vor.
Das ist eine Vertextungsform, die insbesondere in Sachtexten aller Art zu finden ist, z.B. in
Gesetzbüchern.
Argumentieren
Diese Verstextungsstrategie charakterisert Texte, die den Leser von der Richtigkeit von
Thesen überzeugen und ihn zu bestimmten Handlungen führen sollen.
Auch hier treten verschiedene Typen der konditionalen und kausalen Kohäsion auf.
Die Sätze sind relativ lang, weil sie beschreibende und erklärende Zusammenhänge
einschließen.
Argumentative Textsorten sind z.B. Zeitungskommentare und Kritiken. Auch Werbetexte
(Werbeanzeigen) kommen hier vor, dabei sind Argumentationen oft komprimiert: Shopping
wird nicht günstiger, weil Sie Ihre Freundin mitnehmen. Bahnfahren schon. Neue Preise. Mit
System. Deutsche Bahn.
Anweisen
Diese Vertextungsstrategie wird verwendet, wenn man eine bestimmte Handlung steuern
soll. In Anweisungstexten fehlen weitgehend argumentative Begründungen der
Aufforderungen. Das führt zu einer typischen Struktur einer additiven Aufeinanderfolge von
einzelnen Handlungsschritten, wie z.B. in militärischen Befehlen, Kochrezepten und
Bedienungsanleitungen.
Typische Verbformen: Imperativ, aber häufig auch Infinitiv (direkt / unhöflich), Präsens oder
Futur (weniger direkt und höflicher).
Unter den Verben dominieren Handlungsverben.
Oft sind die Sätze verkürzt (z.B. Infinitivsätze).
3.1.2.2. Funktionalstile
Bestimmte Kommunikationsbereiche haben typische stilistische Eigenschaften. Allgemein
werden die folgenden Funktionalstile unterschieden:
Alltagssprache
Sie ist oft spontan, gefühlsbetont, und bildhaft. Sie steht der gesprochenen Sprache nahe.
Es überwiegen unverbundene Aussagen und einfache Formen der Verknüpfung.
Hier kommen oft Ellipsen, Anakoluthe, Einschübe und dialektale Elemente vor.
Sprache des öffentlichen Verkehrs
Hier sind zwei Bereiche zu unterscheiden: (1)Verwaltungssprache und Geschäftssprache; (2)
Sprache der Politik.
Verwaltungssprache und Geschäftssprache
Sie ist in Institutionen anzutreffen und hat eine exakte, aber offizielle und unpersönliche
Art.
Grammatische Besonderheiten: häufige Verwendung von Funktionsverbgefügen, viele
passivische Formen, Substantive und Adjektive anstelle von Verben (Nominalstil:
Substantivierungen von Verben komprimieren die Aussagen), Präpositionalkonstruktionen
Als Vertextungsstrategien sind Erklären und Anweisen dominant.
Sprache der Politik
Sie ist weniger einheitlich in ihren Stilmerkmalen. Oft haben politische Reden eine
individuale Färbung.
Politische Texte folgen typischerweise der Strategie des Argumentierens.
Wissenschaftssprache
Sie hat das Ziel, Erkenntnisse zu vermitteln.
Typische Vertextungsstrategie: Erklären und Argumentieren.
Wissenschaftliche Texte sind klar und genau. Einzelheiten werden explizit ausformuliert, aber
oft sind Texte dieser Kategorie nicht allgemenin verständlich, da der wissenschaftliche
Zusammenhang (Hintergrund-, Fachwissen) vorausgesetzt wird.
Es gibt eine Neigung zum Nominalstil: Attributketten und erweiterte Partizipialattribute.
Passivformen sind häufig, handelnde Subjekte treten zurück.
Typisch im Wortschatz ist die Verwendung von Fachtermini.
Sprache von Presse und Publizistik
Sie will allgemeinverständlich sein, daher kommt ihre Stilneutralität, die jedoch an die
erwarteten Leser angepasst ist: so unterscheidet sich z.B. die Satzlänge der Boulevardpresse
und die der intellektuellen Presse deutlich.
Typische Textsorten: Nachricht, Reportage, Kommentar.
Der Kommentar benutzt prototypisch die argumentative Strategie, während die Reportage
chronologische Formen wie Berichten und Erzählen heranzieht.
Typisch ist die Angabe der Quellen von Informationen (Presseagenturen, Politiker,
Wissenschaftler, Zeugen, andere Texte usw.)

3.2. Textmuster von Textsortenbeispielen


!! Siehe pdf-Datei!!!