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Ein Bericht über die Fünf Kompetenzfelder aus dem Text Domänen von

Lehrer/innen/professionalität im Rahmen des Seminars „Einführung in die Fragen der


Unterrichtsentwicklung und Erprobung von Methoden der Praxisforschung in den
Sekundarstufen“

Einleitung

In dieser Arbeit werde ich beschreiben, welche Lehrerkompetenzen ich im Verlauf meines
Studiums und darüber hinaus bereits erworben habe. Als Grundlage für meine Ausarbeitung
dient der Text „Domänen von Lehrer/innenprofessionalität: Entwicklung von Professionalität
im internationalen Kontext“ von Schratz u.a. (2007). Es werden fünf Domänen
angesprochen, die eine Reihe von Kompetenzen beschreiben, welche ein Lehrer haben
sollte: Reflexions- und Diskursfähigkeit, Kollegialität, Differenzfähigkeit,
Professionsbewusstsein und Personal Mastery. Zu den einzelnen Domänen werde ich
Erfahrungen aus meinem bisherigem Leben schildern und Strukturen des Seminars
benennen, die mir beim Erwerb dieser Kompetenzen geholfen haben.

Reflexions- und Diskursfähigkeit

In dieser Domäne geht es darum, seine Tätigkeiten als Lehrer zu reflektieren, sich selbst,
sein Handeln und auch das der anderen objektiv wahrzunehmen und zu hinterfragen. In
meiner Zeit als Zivildienstleistender arbeitete ich in einer Kindertagesstätte im Integrativen
Bereich und betreute Kinder. Dort lernte ich, mir Gedanken über die Kinder zu machen. Ich
reflektierte meine Rolle als „Erzieher“ und redete regelmäßig mit Erziehern über das
Verhalten der Kinder und auch mein Verhalten den Kindern gegenüber. Hierbei sah ich die
Situation von einer Metaebene aus, um mir ein differenziertes Bild von meinem Verhalten
und das der Kinder zu machen. Ich habe dort durch Berichtigung seitens der Erzieher und
Diskussionen über Betreuungssituationen (auch mit Freunden) gelernt Bedürfnisse der
Kinder anders wahrzunehmen. Streitsituationen konnte ich dadurch besser entgegentreten
und zur Problemlösung beitragen. Ich verwende hier Beispiele für diese Kompetenzen, die
ich nicht unbedingt in diesem Seminar erworben habe, weil ich zeigen möchte, dass ich die
Kompetenzen schon vorher erworben habe. Aber dennoch war das Seminar hilfreich, um die
Fähigkeiten wieder zu aktivieren und in einen wissenschaftlichen Kontext zu bringen. Ich
lernte Begriffe wie „Diskursfähigkeit“, „Reflection on action“, lernte den Aktions-
Reflexionskreislauf kennen und bekam einen Einblick in die Schultheorien und in

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Schulentwicklungsprozesse. Ich kann jetzt Probleme und Herausforderungen ganz anders
benennen und habe gelernt, dass es wichtig ist als Lehrer eine Fachsprache zu entwickeln
und sie auch anzuwenden.
Die Seminargestaltung hat mir sehr dabei geholfen, die eigene Vorgehensweise zu
überdenken. Ich bin ein relativ spontaner Mensch und habe so im Rahmen von „reflection in
action“ wenig Probleme, wenn etwas anders läuft als es geplant war. In der Sitzung, die ich
gestaltet habe, wurde zum Beispiel der Vortrag von Frau Paseka früher gehalten, weil es,
spontan entschieden, besser ins Thema passte und eine optimaleren Ablauf ergab. Zunächst
gefiel es mir nicht, dass unser Ablauf unterbrochen wurde, aber als ich noch einmal darüber
nachdachte, habe ich für mich erkannt, dass es hilfreich und nötig ist, als Lehrer die zu
vermittelnden Inhalte und auch die Abläufe losgelöst von meiner Persönlichkeit zu
betrachten. Durch diese Trennung von Selbstwertgefühl und Methodik bzw. Didaktik im
Unterricht bin ich jetzt mehr in der Lage, im Unterricht etwas spontan zu verändern, ohne
dass es mich als angehenden Lehrer wirklich angreift.
Direkt nach der Seminarsitzung wurde in einer Kleingruppe der Verlauf, die Methodik unser
Auftreten etc. reflektiert. Dies hat mir sehr geholfen, denn durch die Verbalisierung unserer
Probleme wurden diese auf einmal greifbar und deren Lösung konnte einfach zum
Mittelpunkt des Reflexionsgesprächs werden. Ich konnte mir die Kritik anhören und mich
auch verteidigen und erklären, wenn etwas missverstanden wurde. Dort war Raum für
Probleme, und sie wurden auch zum großen Teil in der Reflexion gelöst. Dadurch, dass das
Reflexionstreffen zeitlich und räumlich getrennt von der Seminargestaltung war, konnte ich
die einzelnen Komponenten der eigenen Seminargestaltung aus einer anderen Perspektive
betrachten. Dieses Treffen schulte sowohl die Distanzierungsfähigkeit als auch die
Kritikfähigkeit.

Kollegialität

Im Bereich Kollegialität habe ich umfangreiches theoretisches Hintergrundwissen erworben,


dafür aber weniger praktisch erfahren.
Das Kollegium bietet viele Möglichkeiten die Produktivität von Kooperation zu erhöhen.
Allerdings muss dafür eine gewisse Offenheit im Kollegium herrschen. Ich lernte in dem
Seminar, dass in einem Lehrerkollegium bestimmte Kommunikationsregeln herrschen
müssen, um ein produktives Miteinander gewährleisten zu können. Außerdem bedarf es
eines Raums für Offenheit im Kollegium, Offenheit für Kritik und Veränderung. Gegenseitige
Unterrichtshospitationen und Gespräche mit Kollegen, in denen Expertenwissen

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ausgetauscht werden kann, sind hilfreiche Mittel, den eigenen Unterricht weiter zu entwickeln
und die Professionalität des Unterrichts zu heben. Es ist hilfreich, eine gemeinsame Vision
für die eigene Schule zu haben. Lehrer an einer Schule sollten sich als Team fühlen und
Lehrerteams bilden - soweit der theoretische Hintergrund.
Ich hörte, dass in der Schulpraxis Teamteaching, die Bildung von Lehrerteams sowie
Unterrichtshospitationen wenig praktiziert werden. Ich bin daher gespannt, was mich später
in der Schule erwarten wird. Ich bin ein Teammensch und bin viel produktiver, wenn ich in
einem Team arbeite. Von daher ist mir dieser Kollegialitätsgedanke sehr wichtig geworden
und ich bin dankbar, eine Reihe an Möglichkeiten kennengelernt zu haben, Unterricht zu
reflektieren und in Verbingung mit einem ganzen Team zu gestallten. Diesen Teamgedanken
habe ich auch in dem Seminar bei Frau Paseka bemerkt. Ich hatte oft den Eindruck, dass
Frau Paseka sich nicht allein und isoliert fühlte, wenn sie eine Seminarsitzung oder Teile
davon leitete. Besonders habe ich es gemerkt, wenn ihre Arbeit kritisiert wurde. Sie nahm die
Kritik als eine unpersönliche sachliche Aussage zu Verbesserung ihrer Praxis auf. Sie
erwähnte, dass manche strukturellen Merkmale des Moduls im Team entwickelt wurden. Ich
glaube, dass hinter ihrer Arbeit ein festes Konzept steht und dass sie nicht allein dieses
Konzept vertreten muss. Wenn solche Strukturen hinter der Lehre stehen, führt es zu einer
Stärkung des Professionsbewusstseins und wirkt der Hilflosigkeit und Überforderung des
einzelnen Lehrers in der großen Welt der Schule entgegen. Eine Strukur, die dazu
beigetragen hat, Kompetenzen in dieser Domäne zu erwerben, war die ausführliche
Feedbackkultur. Jeder Studierende bekam zu der zu gestalteten Sitzung eine umfangreiche
Rückmeldung.
Meine Seminarsitzung gestaltete ich mit einem Kommilitonen. Ich konnte mich sowohl in der
Planung als auch in der Durchführung der Seminargestaltung immer mit dem Kollegen
absprechen und musste nicht alles allein machen. Ich lernte in der Vorbereitung auch, meine
Ansichten zur Gestaltung der Seminarstunde zu rechtfertigen und zu verteidigen. Teamarbeit
bedeutet sich auseinanderzusetzen, Absprachen zu treffen, Kompromisse schließen und
sich gegenseitig die Arbeit zu erleichtern.
Ein weiterer Aspekt dieses Bereichs ist, dass wir in der Vorbereitung für die Klausur eine
gemeinsame Informationsplattform im Internet eingerichtet haben, bei der jeder seinen
Beitrag leistete und wovon alle Teilnehmer profitieren konnten. Dies war für uns wie eine
Materialkiste zur Bewältigung einer Herausforderung. So etwas ist nur in einem Team
möglich.

Differenzfähigkeit

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Bei der Domäne Differenzfähigkeit möchte ich kurz erwähnen, dass ich durch meine Arbeit
mit Kindern auf der pädagogischen Ebene Vorwissen erworben habe. Ich lernte in der
Integrativen Kindergartengruppe, dass es sehr schwierig sein kann, einen Raum zu schaffen,
in dem alle nach ihrer Art und Begabung betreut werden. In der Schule sehe ich dies als eine
der größten Herausforderungen meines Lehrerberufs an. Ich stellte mir im Laufe des
Semesters immer wieder Fragen über die Erziehung von Kindern, Fragen über die
Unterrichtsform, über die Schulstruktur. Fragen wie „Ist es wirklich besser, wenn alle Kinder
eine Schule besuchen?“, „Welches Bild von Schule vertrete ich im Allgemeinen?“, „Profitiert
eine Klasse wirklich von Heterogenität? Und wenn ja, wie sieht das genau aus?“, „Was
möchte ich als Lehrer, sowohl im Kollegium als auch direkt im Unterricht ,bewirken und
verändern?“ Auf diese Fragen fand ich im Seminar teilweise ausführliche Antworten, teils
jedoch eher nicht. Die Diskussionen in den Seminarsitzungen waren für die Beantwortung
hilfreich, dort entstanden die meisten Fragen. Antwortmöglichkeiten boten auch die
Zusammenfassungen von Frau Paseka. Das Seminar hat mir deutlich gemacht, dass ich als
Lehrer die Aufgabe habe Schüler in Ihrem Lernprozess aktiv zu begleiten. Es ist wichtig,
Kinder beim Lernen zu beobachten, ihnen Rückmeldung zu geben, zusammen
herauszufinden, welche Zugänge es zu Wissen und Können bevorzugt. Es geht dabei im
Wesentlichen um das Bewusstmachen des Unbewussten. Lernt ein Schüler eher visuell oder
auditiv? Braucht er viel Zeit und Ruhe? Lernt er lieber allein oder in Gruppen? Ein weiterer
wichtiger Aspekt dieser Domäne ist der Kampf mit Vorurteilen und Klischees. Jeder weiß,
dass Klischees nicht auf die Allgemeinheit übertragbar sind, macht es aber trotzdem. Mir
wurde in den Sitzungen klar, welche Folgen es für Schüler haben kann, in eine Schublade
gesteckt zu werden.
Strukturen, die mir beim Erwerb der Kompetenz geholfen haben, waren auch die
Durchführungen des Seminars seitens der Studierenden. Einige Semianrleitungsteams war
sehr darauf bedacht, die Studierenden nicht zu überfordern, zum Beispiel indem eine flexible
Zeiteinteilung für die Aufgabenbearbeitung ermöglicht wurde.
Diagnosefähigkeit, welche sehr eng mit Differenzierungsfähigkeit verwoben ist, erlernten wir
in den Nachbereitungssitzungen, in denen ausführlich über den Verlauf der Sitzung
gesprochen wurde. Insgesamt kann ich aber sagen, dass mir wenige Situationen in
Erinnerung geblieben sind, in denen mir die Struktur des Seminars beim Erwerb der
Differenzierungskompetenz geholfen hat.

Professionsbewusstsein

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Alle Domänen sind untrennbar miteinander verknüpft, so auch das Professionsbewusstsein.
Professionsbewusstsein bedeutet „sich als Experte wahrnehmen“. Ein professioneller Lehrer
weiß, welche Rechte, Pflichten und Freiheiten er hat, aber auch, welche Risiken der Beruf in
sich birgt. Diese Domäne war mir zunächst ein wenig suspekt, weil ich sie immer mit
Arroganz des Lehrers verwechselte. Ich hatte die Vorstellung, diese Domäne beschriebe,
dass ein Lehrer sich grundsätzlich erst einmal verteidigen müsse. Später habe ich dann
erkannt, dass diese Domäne etwas mit Abgrenzung des Lehrerberufs von anderen Berufen,
mit Selbstvertrauen und Mündigkeit zu tun hat.
Ich kann zu dieser Domäne sagen, dass ich mich jetzt, am Ende des Seminars,
professioneller fühle als vorher. Ich habe erkannt, das der Lehrerberuf ein vollwertiger Beruf
ist. Dieses Erkennen stellt einen inneren Prozess dar, den ich noch durchlaufe. Ich bekomme
mehr und mehr eine Vorstellung davon, was es bedeutet, ein selbstsicherer und auch
selbstkritischer Lehrer zu sein. Diese zunehmende Sicherheit erwarb ich sowohl in der
Durchführung der Seminarsitzung als auch in der Vor- und Nachbereitung. Vor anderen
Menschen zu stehen, das Geschehen zu lenken und als Leiter andere Studierende zu
begleiten, stärkt das Selbstbewusstsein. Auch die Reflexionsgespräche halfen mir dabei,
Professionsbewusstsein zu erwerben.

Personal Mastery

Ein Zitat von Frau Paseka ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: „Wir lernen hier kein
Handwerk, sondern unsere Ausbildung ist das Resultat eines individuellen
Bildungsprozesses.“ Jeder muss seinen Weg finden und seine Rolle als Lehrer mit Leben
füllen. In der Domäne Personal Mastery geht es um das Wissen über das Können und
Wissen. Weiß ich, was ich kann und wann ich was zu tun habe? Was tue ich, wenn in einer
Klasse spontan ein Problem auftaucht? Bin ich der Situation gewachsen oder verunsichert
mich Unvorhergesehenes? Selbst wenn ich nicht weiter weiß, brauche ich nicht aufzugeben.
Personal Mastery bedeutet auch, zu wissen, wo die eigenen Grenzen liegen. Wo brauche ich
Hilfe und wo kann ich anderen bei ihren Problemen helfen? In der Reflexion der
Seminargestalltung wurde ich für mein Verhalten und meine Vorgehensweise kritisiert. Durch
vorgegebene Regeln der Kommunikation konnte man zu diesen Themen ein professionelles
produktives Reflexionsgespräch halten, in dem nicht nur die Seminargestaltung analysiert
wurde, sondern auch implizit Kritikfähigkeit, Selbstreflexion und damit Professionaliät in
einem geschützten Rahmen geübt wurde. Des weiteren habe ich in der Seminargestaltung
theoretisches Wissen über Unterricht ausprobieren und auf Tauglichkeit überprüfen können.
Außerdem ist noch zu sagen, dass diese Domäne sehr auf Praxis bezogen ist. Ich werde im

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Bereich dieser Domäne die meisten Kompetenzen erst erwerben, wenn ich Lehrer bin und
unterrichte. Mir ist wichtig geworden, dass ich mein Handeln nicht nur auf Erfahrungen der
Praxis ausrichten sollte, sondern ebenfalls aus den theoretischen Grundlagen der
Unterrichtsforschung schöpfe.

Fazit

Durch diese Aufgabe bekam ich nochmals einen Überblick über das ganze Seminar. Ich
dachte intensiv über meine Lernfortschritte und meinen persönlichen Fortschritt in Bezug auf
den Lehrerberuf, aber auch darüber hinaus nach. Viele Fragen wurden beantwortet und es
kamen einige neue dazu. Ich wurde mir der Verantwortung eines Lehrers wieder einmal
bewusster. Ich werde später heranwachsende Menschen erziehen, begleiten, ihnen helfen,
sie ermahnen, betreuen und lehren. Diese große Verantwortung erfordert es, meine
Lebenseinstellung zu hinterfragen, notfalls zu berichtigen und über das Bild nachzudenken,
das ich von Kindern und Jugendlichen als Schülern habe. Dieses Semester und diese
Ausarbeitung hat mir bei ebendiesen Aufgaben geholfen.