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i.

Auflage August 2020

Copyright © 2020 bei


Kopp Verlag, Bertha-Benz-Straße io, 72108 Rottenburg

Alle Rechte Vorbehalten

Lektorat, Layout und Satz: Helmut Kunkel


Umschlaggestaltung: Stefanie Beth

ISBN: 978-3-86445-766-1

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Kopp Verlag
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Christian Jung

Die heimliche Machtergreifung


der Linksextremisten

KOPP VERLAG
Inhalt

Einleitung............................................................................................... 7

Von der Terrorszene in die Asylindustrie - eine deutsche


Karriere......................................................................................... 9
Das Ausländerrecht: Ein Witz in vielen Akten............................... 27
Der »Kampf gegen Rechts« begann mit einer Lüge ... der viele
weitere folgten............................................................................. 39
Wie der Verfassungsschutz linksextreme Straftaten vertuscht........... 53
Wie der Bund und Bayern linke Straftaten gegen
Polizeibeamte verheimlichen...................................................... 81
Keine Distanzierung von Gewalt: Wie die Rote Hilfe
linksextreme Straftäter unterstützt.............................................. 91
Linksextremismus und die öffentlich-rechtlichen Medien................. 101
Ein Antifa-Redakteur als Tagesschau-Reporter................................ 105
Millionen für den Verein eines Antifa-Autors................................... 113
Linksextremisten in Aufsichtsgremien
und Verfassungsgerichten......................................................... 123
Das kleine Einmaleins zum Herunterrechnen des
linksextremen Personenpotenzials............................................ 139
Daniel H.: Eine Tötung mit einem politischen Motiv........................ 159
Linksextremes aus dem Äther: GEZ-Geld fürs Antifa-Radio............ 167
Internes aus dem Verfassungsschutz: Wie ein Gutachten
die Meinungspolizei entlarvte................................................... 173

Anlagen.............................................................................................. 245
Quellenverzeichnis............................................................................. 253
Stichwortverzeichnis............................................................................ 271

5
Den über wo Millionen Opfern des linken Terrors,
die, statt das verheißene Paradies vorzufinden, in den Kerkern,
im Gulag und den Massengräbern linker Utopisten und
Revolutionäre landeten. Mögen sie uns Mahnung genug sein,
diese Wege nicht erneut zu beschreiten, die immer so harmlos
beginnen und doch so tragisch enden.
Einleitung

im jahr 2001 öffnete die Bundesregierung der Antifa die Staats­


kasse. Dieses Buch zeigt die Hintergründe, das Vorgehen, die beglei­
tenden Maßnahmen in den Sicherheitsbehörden und Ministerien.
Seither hat sich die Zusammenarbeit der Antifa, linksextremer Ver­
eine und Verbände innerhalb und außerhalb etablierter Parteien mit
staatlichen Institutionen, Parteien und Parlamenten ausgeweitet und
verfestigt. Verfassungsschutz, Kriminalämter auf Bundesebene und
in den Ländern nehmen massiv Einfluss auf die politische Diskus­
sion - mit gefälschten Zahlen, manipulierten Berichten und einseitiger
Informationspolitik.
Die Sicherheitsbehörden lassen sich nicht nur durch die Antifa zu­
arbeiten, die Methoden anwendet, die Geheimdiensten und Polizei
aus guten Gründen zum Schutz des Rechtsstaates und der Freiheit
der Bürger untersagt sind. Linksextreme Organisationen werden mit
Steuergeld direkt und indirekt gefördert.
Die Unterstützung des Staates für Antifa & Co. endet hier jedoch
nicht. Systematisch wird die vom Linksextremismus ausgehende Ge­
fahr kleingeredet und auch kleingerechnet. Dieses Buch nimmt Sie
mit auf die Reise durch die Vernetzung der linksextremen Szene mit
staatlichen Institutionen. Und es deckt auf, wie sie vorgeht: die »Staats-
Antifa«.

7
Von der Terrorszene in die Asylindustrie -
eine deutsche Karriere

es ist der 31. märz 1976. Eine Frau betritt im bayerischen Erlan­
gen die Zweigstelle der Sparkasse. Mit einer Schusswaffe in der Hand
verlangt sie Geld. Zunächst scheint sie Erfolg zu haben. 20 000 DM
können sie und ihr ebenfalls mit einer Pistole bewaffneter Komplize
erbeuten. Dass es sich um Waffenattrappen handelt, wissen die ein­
geschüchterten Mitarbeiter des Geldhauses nicht. Als die beiden
Gangster die Bank verlassen, werden sie von Angestellten der Bank
und Passanten verfolgt und festgesetzt. Es folgt die Festnahme durch
die Polizei. Bei der Frau geht die Polizei bald darauf davon aus, dass es
sich um Irmgard Deschler handelt.
Zumindest Deschler ist schon länger im Visier der Polizei. In der
Wohnung, die von Deschler bewohnt worden sein soll, ist im Juni
1975 eine Bombe hochgegangen. Einsatzkräfte finden bei der Durch­
suchung der Kommune zwei weitere »Höllenmaschinen« (Süddeutsche
Zeitung). Sie sollen sich in jenem Zimmer befunden haben, das die
Polizei laut im Archiv zu findenden übereinstimmenden Medienbe­
richten der damals 18-jährigen Deschler zuordnete. Allesamt mit »We­
ckern und Zeitzündern« versehen.
Bei Durchsuchung des Bombenzimmers in der Wohngemeinschaft
soll die Polizei laut damaligen Medienberichten »Schriftmaterial der
Baader-Meinhof-Gruppe und der Bewegung 2. Juni«1 gefunden haben.
An der Tür der Wohngemeinschaft hing ein Bild des RAF-Terroristen
Holger Meins, darauf die Behauptung: »Es war Mord.«* Nur Deschler
war verschwunden. Heute ist sie leichter zu finden. Sie sitzt einem
Verein der Asylindustrie vor. Der Verein hat über die Jahre erhebliche
Steuerzuschüsse erhalten.

* Holger Meins, Mitglied der sogenannten »ersten Generation« der RAF (Rote
Armee Fraktion) starb am 9. November 1974 nach einem Hungerstreik in der
Haft. Die Umstände des Todes des (unzureichend) zwangsernährten Häftlings
waren immer wieder Anlass, die linksextreme Szene und die Sympathisanten
der RAF zu mobilisieren.

9
10 Staats-Antifa

Der Weg, den Deschler beschritt, um an ihren jetzigen Positionen


anzukommen, ist legendär. Es ist der »Marsch durch die Institutionen«.
Dieses Buch wird die vielen Irmi Deschlers auf dem Weg von linken
Wohngemeinschaften, Hörsälen und der Straße in die staatlich sub­
ventionierte Zivilgesellschaft bis hinauf in schwindelerregende Höhen
von Ministerien und dem Kabinettssaal des Bundeskanzleramtes be­
gleiten und ihnen dabei zusehen, wie sie die Bezuschussung des Links­
extremismus durch die DDR in eine Finanzierung durch den eigenen
Steuerzahler ersetzten.

Die 1970er-Jahre: Ein Klima von Hass und Gewalt


als Resultat einer langen Entwicklung
Dem im wahrsten Sinne des Wortes aufgeflogenen Bombenlager und
dem Banküberfall war eine gesellschaftliche Entwicklung vorausgegan­
gen, von der die Gymnasiastin Deschler offenkundig stark beeinflusst
war, worauf der damals von Medien berichtete Fund von »Schriften«
der »RAF« und der »Bewegung 2. Juni« hindeuten, die Deschler in
ihrem Zimmer gehortet haben soll. Beim Lesen blieb es augenschein­
lich nicht. Man muss sich die gesellschaftliche Stimmung vor Augen
führen, als Irmi Deschler durch die Münchner Medien der »Anarchis­
tenszene« zugerechnet wurde und sich einem linksextremen Umfeld
anschloss. Es lohnt sich, auch um die heutige Situation zu verstehen,
diese Entwicklung zumindest anrissartig näher zu betrachten. Es gab
viel mehr Vorfälle als auf den folgenden Seiten beschrieben. Gleich­
wohl vermitteln die ausgewählten Vorkommnisse und Unterstützer in
der Gesellschaft - vor allem bei den Medien - einen Eindruck.
Die BRD als faschistoid zu betrachten war eine schon früh unter
linken Studenten weit verbreitete Sichtweise, nicht zuletzt durch die
DDR befördert. Das sozialistische Regime hatte sich seinen Einfluss
auf die westdeutsche Studentenschaft nicht zuletzt durch etliche Zeit­
schriften gesichert. Mit die erfolgreichste: konkret (anfänglich Studen-
ten-Kurier). Deren Gründung hatte das Sekretariat des Zentralrates
der Freien Deutschen Jugend (FDJ) im April 1955 beschlossen.2 Der
damalige erste Vorsitzende des Zentralrates der FDJ sollte es später
noch weit bringen: Erich Honecker zeichnete den Plan zur Gründung
der konkret ab.
Von der Terrorszene in die Asylindustrie 11

Geführt wurde die über etliche Jahre ganz zentrale Figur der Zeit­
schrift, Klaus Rainer Röhl, durch die SED. Genau wie die spätere Star­
journalistin - und Ehefrau Röhls - Ulrike Meinhof. Doch die Zeit­
schrift konkret war nur ein Teil der umfangreichen Unterwanderung
der westdeutschen Gesellschaft und ihrer Institutionen. Röhls erster
Führungsoffizier, Manfred Kapluck, berichtet Jahrzehnte später der
Tochter Röhls und Meinhofs, Bettina Röhl, von den Erfolgen dieser
Einflussnahme in Parteien, Gewerkschaften und Protestformen, wie
etwa der Ostermarschbewegung, die laut Kapluck »komplett von uns
inszeniert« worden war. Der Kommunist Kapluck meint dann auch:

Ohne unsere Arbeit wäre die Studentenbewegung von 1968 nicht möglich
gewesen. Als schließlich die neuen Linken kamen mit Mao und dem gan­
zen Kram, war das Feld von uns Kommunisten schon bestellt, die Jugend
bereits bewusstseinsmäßig vorbereitet.3

Als Autor der konkret tat sich auch der spätere Bundespräsident Gustav
Heinemann hervor, der in der Zeitschrift die sowjetische Niederschla­
gung des Ungarnaufstandes von 1953 rechtfertigte. Bereits 1952 hatte
er mit anderen die Gesamtdeutsche Volkspartei (GVP) gegründet, die
sich von dem SED-finanzierten »Bund der Deutschen« unterstützen
ließ.4 Der GVP gehörte auch Johannes Rau an, der es später ebenfalls
bis ins Amt des Bundespräsidenten schaffte. Ende Mai 1968 war es
ebenjener damalige Justizminister Heinemann, der eine Amnestie für
Demonstrationsvergehen anregte.5
Die konkret war beileibe nicht die einzige DDR-Filiale im west­
deutschen Medienbetrieb. Nahezu zahllos sind die Namen von wei­
teren SED-beeinflussten Publikationen in der BRD. Auch die Blätter
für deutsche und internationale Politik wurden von der SED finanziert
und nahmen auf die aufkommende Studentenbewegung und spätere
APO starken Einfluss. 1960 erschien in der Zeitschrift ein Aufruf zu
einer Sammlungsbewegung, aus dem die Deutsche Friedensunion
(DFU) hervorgehen sollte, deren Vorsitzende Meinhofs Ziehmutter
Renate Riemeck wurde. »Die Freunde Ulbrichts«, wie die DFU ge­
nannt wurde, scheiterte bei der Bundestagswahl 1961 an der Fünfpro­
zentklausel. Nach der Friedlichen Revolution von 1989 blieb die Fi­
nanzierung der Partei durch die SED (heute Die Linke) aus. Die DFU
12 Staats-Antifa

gab im Juni 1990 ihren Parteistatus auf. Die Blätter für deutsche und
internationale Politik existieren noch heute; vor allem ihr Redakteur
Albrecht von Lucke ist gern gesehener Gast in den Talkrunden der
öffentlich-rechtlichen Sender. Die Blätter für deutsche und internatio­
nale Politik sind zusammen mit etwa fünfzig weiteren Zeitschriften in
ein gemeinsames Projekt eingebunden: Linksnet. Weitere Beteiligte,
die keines weiteren Kommentars bedürfen: Antifa-Infoblatt, marxzi,
arranca!*, Marxistische Blätter, Sozialistische Zeitung, Zeitschrift Mar­
xistische Erneuerung und etliche andere ähnlicher »Qualität«.6
Aber auch etablierte Medien unterstützten die i968er-Bewegung,
insbesondere der Stern, die Zeit und der Spiegel. Ein besonders ge­
wichtiger Sympathisant: Rudolf Augstein, Herausgeber des Spiegel.
Dieser spendete im April 1968 (wie auch der Verleger der Zeit, Gerd
Bucerius) nicht nur einem der Vorläufer der späteren Roten Hilfe, der
»Berliner Rechtshilfe«, Geld,7 sondern griff auch Heinemanns Idee auf
und forderte im Spiegel eine Amnestie:

Werden Brandt und Scheel den Mut haben, das Verhältnis zur rebellischen
Jugend durch eine Amnestie neu zu gründen? 10 000 Verfahren stehen an.8

Kurz darauf schlug die Zeit in die gleiche Kerbe.9


Bereits 1962, als Meinhof wegen Beleidigung des Verteidigungs­
ministers Franz Josef Strauß angeklagt wurde, stand Augstein der
Kommunistin bei. Meinhof hatte in dem Text »Hitler in Euch« ge­
schrieben: »Wie wir unsere Eltern nach Hitler fragen, so werden wir
eines Tages nach Herrn Strauß gefragt werden.« Der Spiegel-Verleger
schrieb Meinhof:

Liebe Frau Röhl! Ich habe mit Herrn Heinemann1 und mit einem anderen
recht einflußreichen Herrn über Ihre Sache gesprochen. Es besteht kein
Grund zu irgendeiner Art von Beunruhigung.10

* Zeitschrift der Interventionistischen Linken (IL), die zu den bedeutendsten


Gruppierungen bei den Krawallen in Hamburg im Rahmen der Ausschreitungen
am Rande des G20-Gipfels gezählt wurde. Die Zeitschrift verkündet schon seit
Jahren auf ihrer Website (zuletzt aufgerufen am 27. März 2020): »Jetzt sind wir
die Zeitschrift der Interventionistischen Linken (IL).«
’ Heinemann war der damalige Anwalt Meinhofs; Anm. d. Autors.
Von der Terrorszene in die Asylindustrie 13

Augstein sollte recht behalten: Das Amtsgericht Hamburg stellte das


Verfahren ein.
***

Anfang der i96oer-Jahre betreten neue Spieler das Feld: Die 1959 ge­
gründete Fatah beginnt in Europa Netzwerke aufzubauen und für die
eigenen Ziele zu werben, zu denen die Vernichtung Israels gehört. Dies
mit Schwerpunkt an den Universitäten. Einer der Schwerpunkte in
Westdeutschland ist Frankfurt am Main. Eine zentrale Figur in der
Mainmetropole: Abdallah Frangi. Unterbrochen von einer militäri­
schen Ausbildung und bewaffnetem Einsatz, studiert er von 1963 bis
1972 in Frankfurt Medizin und Politik. Frangi über seine Studienzeit:

Das war eigentlich eine gute Stimmung für uns, und es begannen damals
diese Demonstrationen, und die haben wir praktisch mitgestaltet, indem
wir palästinensische Tücher verteilt [haben] - und palästinensische Slo­
gans. Und immer, egal wo, habe ich eine Rede gehalten.11

Juni 1962 in München: Im Stadtteil Schwabing wird eine Gruppe von


fünf Musikern* gegen 22:30 Uhr von der Polizei wegen Ruhestörung
festgenommen. Es folgen vier (je nach Quelle auch fünf) Nächte lang
Straßenschlachten zwischen Jugendlichen und der Polizei mit bis zu
40 000 Teilnehmern aufseiten der Jugendlichen. Mit dabei: Andreas
Baader.
1965, Rudi Dutschke notiert: »Die Möglichkeit, die sich durch grö­
ßere Demonstrationen ergibt, ist unter allen Umständen auszunutzen.
Genehmigte Demonstrationen müssen in die Illegalität überführt wer­
den. Die Konfrontation mit der Staatsgewalt ist zu suchen und unbe­
dingt erforderlich.«

* Oftmals wird nur von zwei Musikern berichtet, wie etwa bei Stefan Aust: Der
Baader-Meinhof-Komplex, vollständige Taschenbuchausgabe 1989, S. 38. Tat­
sächlich waren es wohl fünf Musiker, wie einer der Beteiligten in einem späteren
Interview berichtete: »Als die Polizisten uns dann in das Polizeiauto gezerrt hat­
ten, sind zwei von uns auf der anderen Seite des Autos gleich wieder ausgestiegen
und weggelaufen - na ja, zu fünft hätten wir sowieso nicht auf die Rückbank
gepasst.« (Hannes Kerber: »Die Weltstadt mit Schmerz«, jetztgedruckt, 18. Juni
2007, https://www.jetzt.de/jetztgedruckt/die-weltstadt-mit-schmerz-386547)
14 Staats-Antifa

Im selben Jahr kommt es dann doch noch zu einer Anklage gegen


Ulrike Meinhof, weil sie Strauß als den »infamsten Politiker« bezeich­
net. Augstein gibt Tipps zur Strategie (das Verfahren durch Vorspiege­
lung einer Erkrankung zu verzögern und zu recherchieren, ob Strauß
von anderen Politikern nicht auch als »infam« bezeichnet wurde).
Meinhof hält sich nicht daran und wird zu einer Geldstrafe von 600
DM verurteilt.12
Augstein springt erneut ein. An Meinhof schreibt er:

Wir übernehmen die bisher aufgelaufenen Kosten. Machen Sie sich über
die Begleichung keine Gedanken.

Sehr freundliche Grüße


Ihr Rudolf Augstein

Das nimmt Meinhof gern in Anspruch und lässt am 17. Mai 1966 den
Chef des »Sturmgeschützes der Demokratie« (Augstein über den Spie­
gel) wissen:

Das Urteil ist noch nicht da, dafür die Rechnung. Ich erlaube mir, sie zu
schicken ... dankbar natürlich, aber auch herzlich.

Eine Woche später meldet Augstein Vollzug.13


Am 22. Mai 1967 kommt es im Brüsseler Kaufhaus Ä l’innovation
zu einem Großbrand. Über 300 Menschen sterben. Das Kaufhaus war
bereits zuvor mehrfach Ziel linker Anschläge geworden. Im Flugblatt
Nr. 7 der Kommune I vom 24. Mail 1967 mit dem Titel »Neue Demons­
trationsformen in Brüssel erstmals erprobt« heißt es unter anderem:

Ein brennendes Kaufhaus mit brennenden Menschen vermittelte zum


erstenmal in einer europäischen Großstadt jenes knisternde Vietnam­
gefühl (dabeizusein und mitzubrennen), das wir in Berlin bislang noch
missen müssen.14

In Flugblatt Nr. 8 vom selben Tag heißt es:

Wenn es irgendwo brennt in der nächsten Zeit, wenn irgendwo eine Ka­
serne in die Luft geht, wenn irgendwo in einem Stadion die Tribüne ein-
Von der Terrorszene in die Asylindustrie 15

stürzt, seid bitte nicht überrascht. Genausowenig wie beim Überschreiten


der Demarkationslinie durch die Amis, der Bombardierung des Stadtzen­
trums von Hanoi, dem Einmarsch der Marines nach China.
Brüssel hat uns die einzige Antwort darauf gegeben:
burn ware-house, burn!15

Am 27. Mai trifft Mohammad Reza Pahlavi, der Schah von Persien,
in Berlin zu einem Staatsbesuch ein. Er ist seinerzeit das Feindbild
der linken Szene, während Mao, Castro und andere linke Diktatoren
als Helden verehrt werden. Ein Großteil der Bevölkerung nimmt den
Schah und insbesondere seine Frau Farah Diba als Mitglieder der High
Society wahr, über die in der Klatsch- und Adelspresse berichtet wird.
Nach Ansicht der Studentenbewegung, die sich zu Mord- und Folter­
praktiken ihrer Vorbilder ausschweigt, wird zu wenig über das Unter­
drückungsregime des Schahs gesprochen. Am 30. Mai 1967 tritt die
Kommune I den von ihr ausgemachten Versuchen entgegen, die Linke
in Bezug auf den Schah-Besuch als nicht handlungsfähig darzustellen,
und schreibt:

Hier die Tatsachen:


Seit Wochen werden, wie uns zuverlässig berichtet wurde, in kleinen
Zirkeln unter strengster Geheimhaltung Aktionen und vermutlich auch
Attentate auf den Schah geplant. Sie sollen sich auf das Hilton, wo der
Schah residieren wird, auf die Deutsche Oper, die er besuchen wird, und
seine Besichtigungsfahrten konzentrieren. [...]
Berliner, zeigt dem Schah, daß ihr ihm, seiner Gemahlin und seinem
Land einen herzlichen Empfang bereiten könnt!16

2. Juni 1967 in Berlin. Vor der Berliner Oper ist es so weit. Die Linke
marschiert auf. Persische Schah-Anhänger, später als »Jubelperser« be­
zeichnet, gehen mit Latten, an denen zunächst ihre Plakate befestigt
waren, auf protestierende Studenten los. Die Demonstrationen halten
bis in den Abend an. Ohne Bedrängnis erschießt der Polizeibeamte
Karl-Heinz Kurras den Studenten Benno Ohnesorg. 2009 und damit
Jahrzehnte später stellt sich heraus, dass SPD-Mitglied Karl-Heinz
Kurras Inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit
(Stasi) und auch Mitglied der SED (der heutigen Partei Die Linke) war.
16 Staats-Antifa

Ob die Stasi im Todesfall Ohnesorgs überhaupt eine Rolle spielte - und


wenn ja, welche liegt weiterhin im Dunkeln.
Schon am Abend des Todes von Ohnesorg drängt es die spätere
RAF-Terroristin Gudrun Ensslin in eine Versammlung des Berliner
SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund), wo sie zur Bewaff­
nung aufruft, um sich gegen die »Faschisten« zur Wehr zu setzen.17
Eine Woche später verbreitet der SDS die Erklärung: »Das postfaschis­
tische System in der BRD ist zu einem präfaschistischen geworden.«
Am 5. September 1967 hält Rudi Dutschke auf der 22. Delegierten­
konferenz des SDS in der Frankfurter Mensa eine Rede, die er mit
Hans-Jürgen Krahl erarbeitet hat und die unter der Überschrift steht:
»Das Sich-Verweigern erfordert Guerilla-Mentalität«.
Zur Erklärung der »Guerilla-Mentalität« lässt der Studentenführer
sein Publikum wissen:

Die »Propaganda der Schüsse« (Che) in der »Dritten Welt« muss durch
die »Propaganda der Tat« in den Metropolen vervollständigt werden, wel­
che eine Urbanisierung ruraler Guerilla-Tätigkeit geschichtlich möglich
macht. Der städtische Guerillero* ist der Organisator schlechthinniger
Irregularität als Destruktion des Systems der repressiven Institutionen.18

Rudolf Augstein spendet laut dem »Studentenführer« zu dieser Zeit an


Dutschke und Genossen.19
Am 2. April 1968 verüben Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Thor­
wald Proll und Horst Söhnlein drei Brandanschläge auf die Frankfurter
Kaufhäuser Schneider und Kaufhof. Meinhof interviewt die beiden,
will aber den Inhalt des Gespräches nicht veröffentlichen, da sonst
beide nie mehr aus der Haft entlassen würden, wie sie dem konkret-
Kollegen Stefan Aust erklärt. Stattdessen publiziert Meinhof das Essay
»Warenhausbrandstiftung« und schreibt:

Das progressive Moment einer Warenhausbrandstiftung liegt nicht in der


Vernichtung der Waren, er liegt in der Kriminalität der Tat, dem Geset­
zesbruch.20

* Im Mai 1971 wird Ulrike Meinhof das Heft Das Konzept Stadtguerilla veröffent­
lichen, das Grundsatzdokument der RAF.
Von der Terrorszene in die Asylindustrie 17

Sieben Monate nach der Aufforderung Dutschkes zur »Propaganda


der Schüsse« und der »Propaganda der Tat« wird am n. April 1968,
Gründonnerstag, der »Studentenführer« Rudi Dutschke von dem
Hilfsarbeiter Josef Bachmann niedergeschossen. Dutschke überlebt
nach einer Notoperation den Mordversuch, erliegt aber am 24. De­
zember 1979 den Spätfolgen der Schussverletzungen.
Die auf das Attentat hin ausbrechenden sogenannten Osterunru-
hen von 1968 in den Großstädten der Bundesrepublik bringen neue
Gewalt (die teilweise wegen der Amnestie ungesühnt bleiben sollte).
Bürgerkriegsähnliche Zustände sind auf den Straßen zu beobachten.
Einer der Hauptfeinde: die »Springer-Presse«, die wegen ihrer oftmals
derben Kritik an den Studentenunruhen und an Rudi Dutschke für
den Mordversuch verantwortlich gemacht wird.
Karfreitag 1968 in München. Mit Barrikaden versuchen linke Stu­
denten die Auslieferung der Bild zu verhindern. Ein gutes Jahr später,
am 27. Mai 1969, wird Rolf Pohle, der 1967 der Münchner AStA vorsaß,
durch ein Münchner Schöffengericht wegen der Beteiligung an diesem
Barrikadenbau und damit wegen Landfriedensbruchs zu 15 Monaten
ohne Bewährung verurteilt,21 muss die Haft jedoch nie antreten. Pohle
gründet darauf die »Münchner Rechtshilfe«.*
Drei Tage nach dem Barrikadenbau an Karfreitag 1968 durch Pohle
und andere kommt es in München bei einer durch den SDS abgehal­
tenen Demonstration zu zwei Toten. Der Pressefotograf Klaus Frings
wird von einem 1,5 kg schweren Stein und der Student Rüdiger Schreck
von einem Bauholz am Kopf getroffen. Beide erleiden einen Schädel­
bruch und versterben an den daraus resultierenden Hirnblutungen.
Weder der bärtige, 1,80 Meter große dunkelhaarige Mann, der Frings
erschlagen hat, noch der mit brauner Windjacke und brauner Hose
bekleidete Mörder Schrecks werden jemals gefasst?

* Pohle wird 1974 wegen der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung


und Unterstützung der RAF zu 6V2 Jahren verurteilt. Der Terrorist wird 1975 im
Rahmen der Lorenz-Entführung (siehe unten) durch die »Bewegung 2. Juni«
ff eigepresst werden.
* Die linke Szene verbreitete später, auch Polizisten hätten mit Steinen geworfen.
Zudem warteten sie mit Gegenzeugen auf, deren Aussagen jedoch mehr als un­
stimmig waren.
18 Staats-Antifa

Ulrike Meinhof reist nach München und erklärt die Münchner Pro­
teste für notwendig und richtig, wodurch sich die Stimmung dreht.
Das schlechte Gewissen ist wie weggeblasen, der SDS wird wieder
kämpferisch.*
Wie Meinhofs Tochter, Bettina Röhl, in Die RAF hat Euch lieb Jahr­
zehnte später richtigerweise feststellt, werden die Morde an Frings und
Schreck durch die linke Szene kleingeredet, meist jedoch ganz ver­
schwiegen, während der Mord an Ohnesorg durch den Stasi-Spitzel
Kurras im Dienste der Westberliner Polizei auch nach der Enttarnung
Kurras’ beständig thematisiert wird. Die Opfer linker »Demokultur«
sind nur dann solche, wenn sie für die Sache genutzt und ausgebeutet
werden können. Frings und Schreck gehören als Opfer der 68er nicht
dazu.
Ein gewisser Joschka Fischer reist 1969 als Mitglied einer SDS-Dele-
gation nach Algier, um dort an einem »Solidaritätskongress« der PLO*
teilzunehmen. Teilnehmer berichten später dem Spiegel, der spätere
Außenminister Deutschlands sei während der Verlesung der Reso­
lution anwesend gewesen, die den »Endsieg« der Palästinenser über
Israel forderte.*
Am 9. November 1969, dem absichtsvoll gewählten 31. Jahrestag
der Pogrome von 1938, verübt der Linksextremist Albert Fichter ei­
nen Bombenanschlag auf das Jüdische Gemeindehaus in Berlin. Die

* Bettina Röhl (Die RAF hat Euch lieb, Seite 96), eine Zeugin zitierend, zum Stim­
mungsumschwung beim SDS durch die Rede Meinhofs: »Ulrike Meinhof habe
den SDS ermutigt, in seinem Protest nicht nachzulassen. Zwei Tote, bei denen
der SDS angenommen hatte, dass sich die Täter unter den Demonstranten be­
funden hätten, waren vom Tisch und wurden nie wieder ernsthaft thematisiert.«
* Palestine Liberation Organization, Palästinensische Befreiungsorganisation.
* Joschka Fischer wird später in dem Buch Die rot-grünen Jahre - Deutsche Außen­
politik vom Kosovo bis zum 11. September behaupten, die Teilnahme am Solidari­
tätskongress sei unter anderem der Tatsache geschuldet gewesen, dass sich bei
der SDS-Versammlung sonst niemand bereit erklärte teilzunehmen. Zudem sei
es eine »gute Gelegenheit« für seine erste Flugreise gewesen. Fischer, der sich
hier demgemäß sehr genau an diese Reise und ihr Zustandekommen erinnern
kann, hatte zunächst gegenüber dem Spiegel noch die Unwahrheit über diese
Reise berichtet. Siehe https://www.spiegel.de/politik/deutschland/neue-vorwuerfe-
nahm-fischer-1969-an-plo-konferenz-teil-a-117287.html.
Von der Terrorszene in die Asylindustrie 19

Bombe, die wohl durch den V-Mann Peter Urbach geliefert wurde und
geeignet ist, das ganze Haus zu »zerfetzen«, explodiert wegen einer al­
tersschwachen Zündkapsel nicht. Der Zeitzünder ist so eingestellt, dass
die Detonation während der geplanten Gedenkveranstaltung erfolgen
soll. Anfänglich wird eine rechtsextreme Tat angenommen. Dann füh­
ren die Ermittlungen ins linksextreme Lager.
Fichter ist Mitglied der von Dieter Kunzeimann gegründeten Grup­
pierung »Tupamaros West-Berlin«, die sich auf das Konzept der »Stadt­
guerilla« bezieht. Kunzeimann, Gründungsmitglied der Kommune I
und verdächtigt, Anstifter des Attentats von 1969 zu sein, schreibt
einige Tage später: »Palästina ist für die BRD und Europa das, was
Vietnam für Amerika ist. Die Linken haben das noch nicht begriffen.
Warum? Der Judenknax.« Der Holocaust mache es den Deutschen
unmöglich zu erkennen, dass es sich beim »Zionismus« um Faschis­
mus handele. Antisemit Kunzeimann wird von 1983 bis 1985 für die
Alternative Liste (AL), den Vorläufer der heutigen Grünen, als Abge­
ordneter im Berliner Abgeordnetenhaus sitzen. Dieser AL war Renate
Künast 1979 beigetreten.
Über Kunzeimanns Tod äußerte sich die Grünen-Politikerin auf
Twitter wie folgt:

Der beeindruckende, kreative und auch anstrengende Dieter #Kunzel-


mann ist tot. Habe einiges von ihn [sic] gelernt. Die Berliner Grünen auch.
Danke #RIP.22

Vom Zeit-Magazin gefragt, was sie von Kunzeimann, einem ihrer ers­
ten Mitstreiter (wobei zu dieser Zeit wohl eher Künast Mitstreiterin
Kunzeimanns war), gelernt habe, antwortete sie:

Damals hieß es: an der Sache dranbleiben, sie zu Ende aufklären, zu Ende
bewegen. Das heißt: nicht ein, zwei Mal etwas fordern, sondern an einem
Thema dranbleiben, bis es entschieden ist.23

Diese Lektion hat Künast tatsächlich verinnerlicht; sie wird uns daher
auch in diesem Buch noch begegnen. Gleichfalls äußerst hartnäckig
ist die Grüne, wenn es gilt, sich zu dem Bombenanschlag auf das jüdi­
sche Gemeindehaus auszuschweigen, der mit ihrem antisemitischen
20 Staats-Antifa

Mentor in Verbindung steht. Die Süddeutsche Zeitung jedenfalls be­


kam trotz ursprünglicher Zusage durch Künasts Referentin auch nach
3 Monaten Wartezeit keine Stellungnahme der Antifa-Unterstützerin
aus Berlin.24
Einen ähnlich fanatischen Hass auf Israel wie Kunzeimann entwi­
ckelte auch Ulrike Meinhof. Vor ihrer terroristischen Karriere war sie
in den Medien und sehr kurz auch an einer Hochschule tätig gewe­
sen. Für das Wintersemester 1969/1970 erhält Meinhof durch die Freie
Universität Berlin einen Lehrauftrag für Publizistik. Die Veranstaltung
der wenige Monate später zur Fahndung ausgeschriebenen Terroristin
hatte einen vielsagenden Titel: »Funklabor - Möglichkeiten von Agi­
tation und Aufklärung in Hörfunk-Features«.25
Im Februar 1970 begannen die Dreharbeiten für den Film Bambule,
dessen Konzept von Meinhof entwickelt worden war. Nach Auseinan­
dersetzungen um die Besetzung der Rollen zog sie sich dann aber von
den Dreharbeiten zurück.
Es war wiederum die Politik, die Augsteins Bemühungen um das
Demonstrationsstrafrecht zur Umsetzung verhalf. Ausgerechnet am
Jahrestag der Revolution von 1848, am 18. März 1970, verabschiedete
die sozialliberale Koalition von SPD und FDP gegen die Stimmen der
Union die Amnestie. Wer zwischen dem 1. Januar 1965 und dem 31. De­
zember 1969 Demonstrationsdelikte wie Widerstand gegen die Staats­
gewalt, tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung
oder Landfriedensbruch begangen hatte, wurde nicht mehr verfolgt;
die Strafen, sofern sie 9 Monate Freiheitsstrafe nicht überstiegen, wur­
den aufgehoben.26 Ab 1970 unterstützte Augstein auch Rudi Dutschke
finanziell.27
***
Am 14. Mai 1970 versucht Ulrike Meinhof mit vier Mittätern, Andreas
Baader zu befreien. Baader ist zuvor erlaubt worden, mit Meinhof an
einem Buch zu arbeiten. Die beiden geben vor, dies in der Bibliothek
des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen tun zu wollen, was
dem Häftling Baader auch gestattet worden ist. Bei der anschließenden
Flucht wird der Hausmeister, Georg Linke, angeschossen und lebens­
gefährlich verletzt. Baader, Meinhof und die Mittäter springen durch
das Fenster der Bibliothek in den Vorgarten und tauchen unter.
Von der Terrorszene in die Asylindustrie 21

Aus dem Untergrund heraus wendet sich Meinhof im Juni 1970 er­
neut an Augstein. Sie hat einen Text auf Tonband gesprochen, der am
15. Juni 1970 auszugsweise unter dem Titel »Natürlich kann geschossen
werden« veröffentlicht wird. Darin will Meinhof die Befreiung Baaders
rechtfertigen und den Aufbau der RAF ankündigen. Der Text ist vor
allem für folgende Passage bekannt:

... wir sagen, natürlich, die Bullen sind Schweine, wir sagen, der Typ in der
Uniform ist ein Schwein, das ist kein Mensch, und so haben wir uns mit
ihm auseinanderzusetzen. Das heißt, wir haben nicht mit ihm zu reden,
und es ist falsch, überhaupt mit diesen Leuten zu reden, und natürlich
kann geschossen werden.28

Meinhofs kernige Empfehlung soll dann auch schon bald Schule ma­
chen. Als RAF-Mitglied Petra Schelm zusammen mit Werner Hoppe
im Rahmen einer Großfahndung in eine Kontrolle gerät, versuchen
sich die beiden durch Flucht der Festnahme zu entziehen, wobei sie
auf die sie verfolgenden Polizisten feuern. Allerdings wird Schelm bei
dem Schusswechsel am Ende selbst tödlich getroffen.
Im Herbst 1970, nach der Verhaftung Horst Mahlers, schreibt Ulrike
Meinhof dem »lieben Rudolf« und bietet darin dem Verleger einen
Text an. Dafür verlangt die im Untergrund lebende Terroristin 2000
Dollar Vorausbezahlung, zu spenden an die Rote Hilfe Berlin.29 Aug­
stein druckt den Text nicht ab.*

* Es wird noch 7 Jahre dauern, bis Rudolf Augstein erkennbar Distanz zur linksex­
tremen Szene aufbaut. Nach der Entführung Hanns Martin Schleyers und dessen
Ermordung durch die RAF veröffentlicht das Magazin des Meinhof-Sympathi­
santen den Artikel »Mord beginnt beim bösen Wort«. Es folgt eine kritische Serie
des Magazins zur linken Szene, bei dem auch die Rote Hilfe beleuchtet wird. Die
linksextreme Literatur nimmt das als Trennung des Spiegel-Herausgebers von
der Unterstützung der Radikalen wahr. Im Buch Das Prinzip Solidarität - Zur
Geschichte der Roten Hilfe in der BRD heißt es in Bezug auf diese Artikelserie des
Spiegel auf Seite 94: »Interpretiert man dies als Hinweis von Rudolf Augstein,
markiert die Serie den intellektuellen Bruch des Spiegel-Herausgebers mit der
seit 1967 existierenden Fundamentalopposition der Bundesrepublik.« In dem
Artikel »Blut in diesem Land« nimmt Augstein am 31. Oktober 1977 in einem
Namensartikel noch einmal Stellung und macht jetzt eine große Sympathisanten-
22 Staats-Antifa

Norbert Schmid, 32 Jahre alter Polizeibeamter aus Hamburg, wird


am 22. Oktober 1971 bei dem Versuch, Meinhof festzunehmen, von
deren »Leibwächter« Gerhard Müller erschossen. Die Waffe stammt
aus einem Kauf Meinhofs von 35 sogenannten »Firebirds« bei der Ter­
rororganisation Al Fatah.
Am 22. Dezember 1971 überfällt die RAF in Karlsruhe eine Filiale
der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank. Herbert Schoner, wie
Schmid Polizist, kontrolliert an diesem Tag vor der Bank ein Fahrzeug,
dessen Fahrer ihm in die Brust schießt und flieht. Als der ebenfalls 32
Jahre alte Schoner schwer verletzt in die Filiale taumelt, erschießen ihn
die Terroristen, ohne zu zögern. Die Beute bei dem Überfall: 134 000
D-Mark.
1972 händigt die Rote Hilfe Westberlin Götz Aly nach dessen eige­
nem Bekunden 1000 D-Mark aus, die er ausgeben und in 4 Wochen
zurückbringen soll. Aly schreibt in Unser Kampf 1968: »Mir war son­
nenklar, dass es um Geld ging, das aus einem kurz zuvor begangenen
Banküberfall stammte.«30 Mindestens zwanzig Leute hätten sich an
dieser Geldwäsche beteiligt. Welchen Banküberfall Aly meint, wird in
dem Buch nicht klar.
Hans Eckhardt, Hamburger Polizeibeamter und Leiter der Sonder­
kommission »Baader-Meinhof«, wird am 2. März 1972 bei der Fest­
nahme der Terroristen Wolfgang Grundmann* und Manfred Grashof
von Letzterem durch zwei Schüsse niedergestreckt. Grashof hatte ange­
feilte Patronen, sogenannte Dum-Dum-Geschosse, auf den Polizeibe­
amten abgefeuert, welche besonders große Wunden reißen. An diesen
verstarb Eckhardt 22 Tage später.
Die RAF startet am 11. Mai 1972 ihre sogenannte »Mai-Offensive«
mit einem Bombenanschlag auf das Hauptquartier des 5. US-Corps

szene aus, die Personalreserve der RAF sei: »Die hundert erkennbar Kriminellen,
die unserer Staatsspitze politisch zu schaffen machen, verfügen also über ein
Reservoir für die Rekrutierung des Nachwuchses. Von der Tätigkeit in irgendei­
ner roten oder schwarzen Hilfe, vom Hausbesetzertum zum aktiven kriminellen
Terrorismus ist oft nur ein Schritt.«
* Wolfgang Grundmann, der sich bei der Festnahme sofort ergeben hatte, wurde
2016 im Rahmen der hessischen Kommunalwahlen für die SPD in den Ortsbeirat
des Stadtbezirkes Marburg-Weidenhausen gewählt und fungierte dort zeitweise
als Ortsvorsteher.
Von der Terrorszene in die Asylindustrie 23

in Frankfurt. Der amerikanische Soldat Paul A. Bloomquist wird von


einem umherfliegenden Splitter getötet. Weitere dreizehn Personen
werden verletzt. In Hamburg attackiert die RAF am 19. Mai 1972 das
Axel-Springer-Hochhaus mit insgesamt drei Bomben. Siebzehn Men­
schen werden verletzt.
Gleich zwei Autobomben zündet die RAF nur 5 Tage später in Hei­
delberg. Bei dem Anschlag auf das Hauptquartier der US-Armee ster­
ben die Soldaten Clyde R. Bonner, Ronald A. Woodward und Charles
Peck. Weitere fünf Personen werden verletzt. Im »Blutigen Mai 72«
kommt es weiterhin zu Angriffen auf das Landeskriminalamt in Mün­
chen und die Polizeidirektion Augsburg sowie zu einem Bombenan­
schlag auf das Auto des Richters Wolfgang Buddenberg, der den RAF-
Täter Manfred Grashof zu isolierter Einzelhaft verurteilt hat.
Die »Bewegung 2. Juni«, benannt nach dem Todesdatum des 1967
erschossenen Studenten Benno Ohnesorg, verübt ab 1972 mehrere
Terroranschläge. Am 27. Februar 1975 entführt sie den CDU-Spitzen­
kandidaten zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses Peter Lorenz.
Am 30. und 31. Juli 1975 überfallen Mitglieder der »Bewegung 2. Juni«
zwei Banken und erbeuten dabei etwa 100 000 DM.
In Stockholm nimmt die RAF am 24. April 1975 bei einem Überfall
auf die deutsche Botschaft 27 Geiseln. Während der Geiselnahme wer­
den die Botschaftsattaches Andreas von Mirbach und Heinz Hillegaart
von den Terroristen erschossen.

Irmgard Deschlers Marsch durch die Institutionen

All diese Anschläge und Morde sind schon geschehen, als Irmgard
Deschler zur Münchner »Anarchistenszene« stößt. Seit am 11. Juni
1975 eine von drei in der von ihr mitbewohnten Kommune gelagerten
Bomben explodiert ist, ist sie der Polizei bekannt, es gelingt ihr aber
unterzutauchen. Alles, was die Beamten in ihrer Wohnung gefunden
haben sollen, sind Schriften der RAF und der »Bewegung 2. Juni«.
Die Angestellten der Sparkasse wollen beim Überfall im März 1976
das Geld nicht so einfach dem Gangsterduo überlassen. Deschler
wird gestellt und als Bankräuberin festgenommen. Aus dem Gefäng­
nis schreibt sie einen »Brief aus der Haft« an die Rote Hilfe. Sie be­
klagt sich über »Nervenfieber« und Angst. Aber laut dem Heft 1/77 der
24 Staats-Antifa

Roten Hilfe gibt es auch gute Nachrichten: »Irmi« will, nachdem sie
zu 5 Jahren Haft verurteilt ist und auf ihren Berufungsprozess wartet,
mit ihrem Mittäter »im Knast« ein Archiv aufbauen. Themen neben
der Umwelt: »Repression und Militär«. Die Revision ihres »Mitbru­
ders« (Rote Hilfe) ist zu diesem Zeitpunkt schon verworfen, sodass
ihm 6 Jahre Zeit für die Archivarbeit sicher sind. Von den Opfern des
Banküberfalls und deren Ängsten findet sich in dem Beitrag nichts.
Einige Jahrzehnte später: Irmi Deschler beziehungsweise der von
ihr geführte Verein erhält nun ganz ohne Gewalt und Drohungen Geld
von der Sparkasse. Denn 2007 wurde die Linksextremistin Vorsitzende
des Fördervereins des Bayerischen Flüchtlingsrates. Und dieser erhält
Zuschüsse von der Stadtsparkasse München.31 Aber nicht nur das, son­
dern auch von vielen anderen Institutionen, wie von der Landeshaupt­
stadt München und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales.
Könnte es aber sein, dass dies alles gar nicht so schlimm ist? Hat
Deschler je ihrer linksextremen Gesinnung abgeschworen? Wohl
kaum, denn Deschler bleibt sich treu. Gehörte die Linksextremistin
in den i97oer-Jahren den Anarchisten an, sind es in neuerer Zeit die
Autonomen, denen ihre linke Solidarität gilt. Noch bis Ende 2011 war
sie zusätzlich zu ihrem Engagement beim Flüchtlingsrat auch Vorsit­
zende des Vereins »Zeit, Schlacht & Raum«. Dahinter verbirgt sich
der Betreiber des Autonomentreffs »Kafe Marat«. Die Einrichtung,
die Linksextremen zur »Selbstverwaltung« zur Verfügung steht, wird
von der Stadt München finanziert. Unter anderem hat dort die vom
Landesamt für Verfassungsschutz beobachtete Antifa-NT ihren Sitz.32
Deschler ist innerhalb des Bayerischen Flüchtlingsrates auch keine
Ausnahme,* wenn auch mit besonders extremistischem Hintergrund.
So beteiligten sich am 27. März 2017 Mitarbeiter des Flüchtlingsrates
zusammen mit Antifa-NT an einer Demonstration am Münchner Flug­
hafen. Etwa Matthias Weinzierl, der damalige »Viertelgeschäftsführer«
des Flüchtlingsrates, oder auch Dr. Stephan Dünnwald. Kein Wunder,
hatte doch unter anderem der »Flüchtlingsrat selbst« zu dem Protest
gegen eine Sammelabschiebung von Straftätern aufgerufen - wie auch

* Das zeigt auch die Beteiligung des »Bayerischen Flüchtlingsrates« an der Schleu­
sertagung, die im Buch Der Links-Staat ausführlicher dargestellt wird.
Von der Terrorszene in die Asylindustrie 25

die Gruppierung Antifa-NT. Ebenfalls anwesend: die Fraktionsvorsit­


zende der Grünen im Bayerischen Landtag, Katharina Schulze.
Gemeinsam mit der ebenfalls vom Verfassungsschutz beobachteten
MLPD,* der marxistischen Hochschulgruppe »Waffen der Kritik« und
dem »Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD« zog man dann
durch den Flughafen? Dabei wurde unter anderem skandiert: »Feuer
und Flammen den Abschiebebehörden - Solidarität muss Praxis wer­
den«, wobei die Einforderung von »Praxis« hier als Aufforderung zum
Handeln zu verstehen ist. Des Weiteren hallte es durch den Flughafen:
»Mord, Folter, Deportation - das ist deutsche Tradition« - was aller­
dings der Forderung, die Abschiebung von Personen aus einem Land
zu verhindern, das mordet und foltert, um die Betroffenen vermeint­
lich vor Mord und Folter in der Heimat zu schützen, einen doch recht
unlogischen Spin verleiht.
Der Flüchtlingsrat Bayern ist auch Mitglied im »Netzwerk Selbst­
hilfe München e. V.«, in welchem »selbstverwaltete Betriebe und Pro­
jekte organisiert sind.* Weitere Mitglieder sind:

♦ Ende Gelände
♦ Kafe Marat
♦ Rote Hilfe OG-München

Die Kampagne »Ende Gelände« wird sowohl vom Verfassungsschutz


des Bundes als auch vom Land Bayern beobachtet. Gleiches gilt für die
Rote Hilfe. Die Verbindungen zu Linksextremisten und die Zugehö­
rigkeit zu einem linksextremen Netzwerk verhindern allerdings nicht,
dass Mitarbeiter des Bayerischen Flüchtlingsrates im Landtag zur Asyl­
politik als Experten gehört werden.33 Katharina Grote vom Bayerischen
Flüchtlingsrat erklärte am 26. September 2019 den Gesetzgebern im

* MLPD: Marxistisch Leninistische Partei Deutschlands.


* Siehe hierzu die Kurzdokumentation des Autors auf YouTube: Demo mit Frak­
tionschefin der Grünen! »Mord, Folter, Deportation - das ist deutsche Tradition«,
https://youtu.be/oyvu6x1NWnQ.
* Die vollständige Liste findet sich im Anhang dieses Buches, Anlage 1; Quelle:
https://www.netzwerk-muenchen.de/netzwerk-projekte/ (letzter Abruf 25. Mai
2020).
26 Staats-Antifa

Rechtsausschuss des Landtages, die Verweildauer von Asylbewerbern


in den Ankerzentren sei zu lange. Bereits am nächsten Abend dürfte
die »Expertin« ganz Ähnliches noch einmal erzählt haben. Denn Grote
hatte einen weiteren Termin in Sachen »Flüchtlinge« - dieses Mal bei
der Antifa im »Kafe Marat«, das laut Verfassungsschutzbericht unter
anderem »Linksextremisten, insbesondere Autonomen, als Treffpunkt,
logistisches Zentrum und Informationsbörse« dient. Zu der Antifa-
Veranstaltung lud die »Karawane München« via Facebook ein.34 Die
»Karawane« hat auch sonst interessante Beschäftigungen: etwa ge­
meinsames Transparentemalen mit Antifa-Symbolen. Wer mitmalen
wollte, war am 5. Februar 2020 herzlich eingeladen. Gedacht waren
die Transparente für die Proteste gegen die Sicherheitskonferenz in
München - eine Demonstration, die regelmäßig im Verfassungsschutz­
bericht an prominenter Stelle genannt wird. So auch 2019:

In München beteiligte sich die Ortsgruppe der VVN-BdA an den vom


linksextremistisch beeinflussten »Münchner Bündnis gegen Krieg und
Rassismus« organisierten Protesten gegen die Münchner Sicherheitskon­
ferenz. An der Demonstration nahmen circa 3500 Personen teil, darunter
auch zahlreiche Linksextremisten. 200 Personen des linksextremistischen
Spektrums schlossen sich zu einem schwarzen Block zusammen und zün­
deten bengalische Feuer und andere Rauchkörper.

Der multiaktive Bayerische Flüchtlingsrat ist auch sonst gut ver­


netzt, insbesondere mit weiteren Flüchtlingsräten. Kein Wunder: Alle
Flüchtlingsräte werden von Pro Asyl gefördert. Pro Asyl bezeichnet die
Flüchtlingsräte, die in allen Bundesländern aktiv sind, als »unser Netz­
werk«. So nimmt an der linksextremen Demonstration am Münchner
Flughafen auch »vom Flüchtlingsrat Thüringen eine ganze Delegation«
(Weinzierl) teil. Martin M. Arnold vom Flüchtlingsrat Thüringen ist
auch am Münchner Flughafen dabei und spricht sich gegen die Ab­
schiebung von »Afghaninnen« aus, obwohl zu dieser Zeit nur Männer
abgeschoben werden.
Pro Asyl wiederum ist nahezu Dauergast im Reichstag. Wann im­
mer etwas zum Ausländer- und vor allem zum Asylrecht zu entschei­
den ist, ist Pro Asyl zur Stelle.
Das Ausländerrecht: Ein Witz in vielen Akten

die Gesetzgebung in Deutschland krankt nicht nur an zahlreichen


Diktaten der EU - was beispielsweise die illegale Vergemeinschaftung
von Schulden und die schleichende Enteignung durch die Nullzinspo­
litik der EZB betrifft nein, auch Bund und Länder schießen sich gern
selbst ins Knie. Die nationale und die individuelle Souveränität fallen
dabei regelmäßig linken Utopien zum Opfer. Aber es gibt nur wenige
Gebiete, die durch den linken Vormarsch derart umgepflügt wurden
wie die Migrationspolitik. Beständig wurde das Recht zugunsten von
Ausländern geändert. Zahllos sind die Bleiberechtsregelungen. Dabei
erhalten Ausländer, die kein Aufenthaltsrecht haben, trotz illegaler
Einreise, trotz aller möglichen Täuschungen im Asylverfahren und
trotz viel zu geringer Integrationsbemühungen am Ende doch noch
eine Aufenthaltserlaubnis.
Der Öffentlichkeit wird ständig etwas anderes versprochen - oder
angedroht, je nach Standpunkt. Anfang 2017 kündigte Bundeskanz­
lerin Angela Merkel eine »nationale Kraftanstrengung« bei Abschie­
bungen an. Seither gehen die Abschiebungen aber beständig zurück.
Wie ist das zu erklären? In erster Linie liegt es an der Bundeskanz­
lerin selbst, die nichts so sehr fürchtet wie »negative Bilder«. Das war
auch schon der Grund gewesen, warum sie im Herbst 2015 die Migra­
tionskrise 2015 einfach hinnahm, indem sie im Alleingang die Grenzen
öffnete. Diese in alle Welt propagierte »Geste der Toleranz und der
Freizügigkeit« löste die Krise dann ja auch erst richtig aus. Die von
Merkel angekündigte »Kraftanstrengung« entpuppte sich auch recht
schnell als verbales Schmankerl im Wahljahr, der Wille zum Vollzug
blieb aus. Denn damit wären ja sogleich wieder jene unerwünschten
negativen Bilder einhergegangen, die von den meist links ausgerichte­
ten Medien ausgeschlachtet und angeprangert worden wären.
Gleichzeitig ist die Migration eines der am stärksten umstrittenen
Felder der Politik. Und genau hier tobt sich die »Staats-Antifa« aus.
Während die Forderungen der Migrationsbefürworter kaum absurd
genug sein können, gerät selbst verhaltene Kritik meist sofort in den
Verdacht der Verfassungsfeindlichkeit.

27
28 Staats-Antifa

Anlässe zu einer Kurskorrektur gäbe es freilich zuhauf. Das erkennt


man, wenn man etwa öffentliche Verhandlungen vor den Verwaltungs­
gerichten zum Aufenthaltsrecht besucht. Gerade dort, wo die breite
mediale Öffentlichkeit nicht so genau hinsieht, spielt sich Unglaub­
liches ab. Selbst ausgewiesene Serienstraftäter erhalten das Recht auf
Rückkehr. Denn eine Ausweisung bedeutet noch lange nicht, dass da­
mit ein dauerhafter Abschied aus Deutschland verbunden wäre.

***

München, März 2020. Ob die Menschen Deutschland wirklich ver­


lassen müssten, habe mit dem Verwaltungsgericht nichts zu tun, er­
klärt mir Pressesprecher Martin Friedrich am Telefon. Friedrich, selbst
Richter am Verwaltungsgericht München, will erst gar nicht die Illu­
sion aufkommen lassen, Entscheidungen der Justiz hätten auch durch­
gängig die im Urteil festgelegten Folgen. Einer solchen Hoffnung hatte
ich mich jedoch schon lange nicht mehr hingegeben. Ehe ich journa­
listisch tätig wurde, war ich selbst in der Ausländerbehörde München
für Ausweisungen und Abschiebungen zuständig.* Und das Amt in

* Häufig wird in der Alltagssprache und insbesondere in der Berichterstattung


der Mainstream-Medien nicht zwischen Ablehnung einer Aufenthaltserlaub­
nis, Ausweisung und Abschiebung getrennt. Doch der Unterschied ist erheblich,
ja entscheidend. Eine Ausweisung ist lediglich ein Bescheid, also ein Brief der
zuständigen Ausländerbehörde, in dem erklärt wird, der Ausländer sei ausgewie­
sen. Das hat die Ausreisepflicht zur Folge. Für diese Ausreise wird eine Frist fest­
gelegt. Erst wenn der Ausgewiesene seiner Pflicht zur Ausreise nicht nachkommt,
wird er abgeschoben. Das bedeutet, die Behörde kümmert sich um einen Flug
und lässt ihn von der Polizei (so ist es zumindest in vielen Bundesländern gere­
gelt) zum Flugzeug bringen. Die damit verbundenen Kosten trägt der Abgescho­
bene selbst. Ähnlich ist das Vorgehen bei Ausländern, denen die Erteilung einer
Aufenthaltserlaubnis verweigert wurde. Während eine Ausweisung immer aus
Sicherheitsgründen erfolgt, etwa weil der Betroffene ein Straftäter, Mitglied einer
terroristischen Vereinigung ist oder aus anderen Gründen die öffentliche Sicher­
heit gefährdet, ist dies bei der Ablehnung einer Aufenthaltserlaubnis anders.
Diese erfolgt dann, wenn die Voraussetzungen zur Erteilung nicht/nicht mehr
gegeben sind. Wenn zum Beispiel der Lebensunterhalt nicht mehr gesichert ist
(etwa beim Nachzug des ausländischen Ehepartners). So jedenfalls die Theorie.
Das Ausländerrecht: Ein Witz in vielen Akten 29

der bayerischen Landeshauptstadt ist immerhin die größte kommunale


Ausländerbehörde Deutschlands. Aber nicht nur Akten und Vorge­
hen der Ausländerbehörde München bekam ich zu Gesicht, sondern
habe alle möglichen Vorgänge aus vielen Behörden Deutschlands lesen
dürfen und oftmals müssen. Denn mit dem Wechsel des Wohnsitzes
eines Ausländers zieht auch seine Akte mit an den neuen Wohnort.
Mir ist deshalb schmerzlich bewusst, wie sich die rechtliche Theorie
und die behördliche Praxis unterscheiden. Heute, etwa 10 Jahre nach
meiner jahrelangen Tätigkeit in der Ausländerbehörde, hat sich wenig
beziehungsweise nichts wesentlich geändert. Genauer gesagt: Es hat
sich nichts gebessert. Im Gegenteil. So jedenfalls der Eindruck aus Ge­
sprächen mit Mitarbeitern diverser Ausländerbehörden.
Der erste Akt des Witzes »Ausländerrecht« beginnt schon mit der
Einreise. Zwar schreibt das Aufenthaltsgesetz eine Passpflicht vor, doch
ein Verstoß bleibt, soweit es um Asylrecht geht, letztlich ohne Folgen.
Ob derjenige tatsächlich aus dem Land kommt, in dem er angeb­
lich politisch verfolgt wird, bleibt für die Behörden oftmals ungewiss.
Selten wurde das so deutlich wie im Falle des Franco A. Der deutsche
Bundeswehrsoldat hatte unter dem Namen »David Benjamin« Asyl
beantragt - und wurde Ende 2016 als syrischer Bürgerkriegsflüchtling
anerkannt. So spektakulär der Fall auch scheint, er ist bei Weitem keine
Seltenheit. Schon seit Jahrzehnten werden die Behörden im Asylver­
fahren getäuscht. Das macht den nächsten Betrug möglich: das Er­
gaunern von Sozialhilfe.
So berichtete der Spiegel im Jahr 2000 von einer türkischen Familie,
die, mit Pässen eingereist, zunächst als Türken Asyl beantragte, später
dann nochmals als Libanesen. Diesmal gab Familienvater Kemal an,
die Pässe verloren zu haben. Das ermöglichte es der elfköpfigen Fa­
milie, die 1988 eingereist war, 11 Jahre lang Sozialhilfe »zu ergaunern«,
wie der Spiegel es ausdrückte.35 Das Hamburger Magazin, das heute
wohl kaum mehr einen derart asylkritischen Artikel veröffentlichen
würde, machte seinen Lesern damals Hoffnung auf eine Chipkarte, auf
der Fingerabdrücke des Ausländers gespeichert werden sollten. CSU
und SPD in Bayern hätten sich schon darauf geeinigt; nur die Grünen
seien dagegen.
Gekommen ist die Chipkarte allerdings nicht - weder im Jahr 2000
noch 2015. Zwar werden mittlerweile die Fingerabdrücke zentral ge-
30 Staats-Antifa

speichert, doch nicht alle Sozialbehörden verfügen über Geräte, um


die Daten abzugleichen.
Was aber viele nicht wissen: »Verschwundene« oder »verlorene«
Pässe sind auch im Zusammenhang mit dem Familiennachzug von
großer Bedeutung. Denn ein Familiennachzug kann auch scheitern.
Die Ehe wird geschieden, das Einkommen reicht nicht mehr, sodass
die Familie oder ein Teil davon Sozialleistungen bezieht. Die Verlän­
gerung der Aufenthaltserlaubnis kann dann abgelehnt werden. Der
Ausländer müsste in der Folge - eigentlich - ausreisen.
Doch er hat seinen Pass nicht mehr. Kein Problem, sollte man mei­
nen. Sein Herkunftsland müsste doch dem Ausländer - aus völker­
rechtlicher Verpflichtung heraus - einen neuen Pass oder zumindest
einen Passersatz ausstellen. Weit gefehlt. Jetzt beginnt das Ärgernis
erst so richtig Fahrt aufzunehmen, während gleichzeitig die Ausreise
oder Abschiebung sehr an Fahrt verliert. Viele der Herkunftsländer
verweigern regelmäßig die Zusammenarbeit. Mal gibt die zuständige
Botschaft vor, der Betroffene sei kein Staatsangehöriger, mal sollen
die Daten nicht korrekt sein. Oftmals warten die Ausländerbehörden
überhaupt völlig vergeblich auf eine Antwort - oder vielmehr eine
Ausrede.
Kein Wunder - welches Land will schon wahlweise einen Straf­
täter, Gefährder oder Terroristen aufnehmen beziehungsweise einen
Devisenerbringer durch Rücknahme verlieren? Aus Sicht des Her­
kunftslandes ist der Aufenthalt des Landsmannes in Deutschland fast
ausschließlich mit Vorteilen verbunden. Die Rücknahme hingegen be­
deutet meist ein Minusgeschäft.
Dass die Herkunftsländer von solchen Schreckensszenarien ver­
schont bleiben, dafür sorgen Organisationen wie der Bayerische
Flüchtlingsrat, der Ausländer vor anstehenden Abschiebungen warnt
und ihnen so das Untertauchen ermöglicht. Die Landesregierung, die
unter Horst Seehofer den Bayerischen Flüchtlingsrat im Jahr 2015 in
die Staatskanzlei zum »Asylgipfel« geladen und sich mit ihm beraten
hatte, empörte sich kurz - und machte dann unverändert weiter.
Anis Amri, der islamistische Attentäter vom Breitscheidplatz in Ber­
lin, konnte ebenfalls mangels Personalpapieren nicht abgeschoben wer­
den. Jedoch erhielten die deutschen Behörden schließlich doch noch
eine positive Antwort des Herkunftsstaates Tunesien - 2 Tage nach dem
Das Ausländerrecht: Ein Witz in vielen Akten 31

Anschlag vom 19. Dezember 2016. Zu einem Zeitpunkt also, als der
mit mindestens vierzehn Identitäten agierende Amri die Straßen der
deutschen Hauptstadt bereits mit seinen Mordopfern gepflastert hatte.
Tunesien ist aber nicht das einzige Land, dessen Zusammenarbeit bei
der Rücknahme der eigenen Bürger auf die Souveränität Deutschlands
abzielt, selbst bestimmen zu dürfen, wer in seinen Grenzen lebt. Im Ge­
genteil. Und so liegt eine unterbliebene Ausreise oft nicht nur an dem
Ausländer, der seiner Passpflicht nicht nachkommt, sondern auch an
seinem Herkunftsland. Passlosigkeit ist eine der Hauptursachen für das
Unterlaufen der Ausreisepflicht. Wie viele dieser Pflicht nachkommen
müssten, weiß letztlich niemand genau. Die bekannt gewordenen Zah­
len sind für einen vermeintlichen Rechtsstaat beschämend. Im März
2020 waren rund 250 000 Ausländer ausreisepflichtig.*
Bereits im September 2018 hatten über 71000 Ausreisepflichtige
eine Duldung nur deshalb erhalten, weil sie keinen gültigen Reise­
pass besaßen. Dies wird nicht in jedem Fall mit der unzureichenden
Zusammenarbeit der Herkunftsländer mit deutschen Behörden zu er­
klären sein, aber doch bei einem erheblichen Teil der Fälle.
Die Tabelle der Länder, deren Staatsbürger in Deutschland wegen
fehlender Papiere geduldet werden, führt Pakistan mit über 5500 Aus­
reisepflichtigen an.36 Das islamisch geprägte Land verweigert sich aber
augenscheinlich nicht nur. Es nimmt auch gerne an - wenn auch keine
eigenen Staatsbürger. So zeigt sich die Atomstreitmacht annahmewil­
lig, wenn es um Entwicklungshilfe geht. Für 2019 und 2020 sagte das
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) 109
Millionen Euro zu.37 Einer der Schwerpunkte der Zusammenarbeit laut
des durch Gerd Müller (CSU) geführten Ministeriums: »Fluchtursa-

* Göran Schattauer: »Neue Zahlen des Bamf - Erstmals mehr als 250.000
Ausreisepflichtige: Rekord bei Zahl der Abschiebe-Kandidaten«, Focus Online,
10. März 2020; https://www.focus.de/politik/sicherheitsreport/neueste-zahlen-aus-
dem-bamf-erstmals-mehr-als-250-ooo-ausreisepflichtige-zahl-der-abschiebe-
kandidaten-auf-rekordhoch_id_117547oo.html; Hinweis: Der Artikel von Focus
Online ist insofern schon unrichtig, als er davon spricht, nur wer keine Dul­
dung habe, sei vollziehbar ausreisepflichtig. Allerdings sind auch Inhaber einer
Duldung vollziehbar ausreisepflichtig. Siehe hierzu das Unterkapitel »Fake News
erkennen: Warum es einen geduldeten Asylbewerber< nicht geben kann«, S. 34.
32 Staats-Antifa

chen bekämpfen«. Tatsächlich sorgt Pakistan jedoch dafür, dass sich


eine »Flucht« nach Deutschland wirklich lohnt. Denn eine Abschie­
bung ohne Pass oder ein Ersatzpapier ist nicht möglich.
Neben der Passlosigkeit der Ausländer trägt auch die Ratlosigkeit
des deutschen Rechtsstaates in Fragen Migration zu Fehlentwicklun­
gen und zu einer fragwürdigen Zuwanderung bei. Etwa wenn es darum
geht, Straftäter wieder loszuwerden. Darum bemühen sich die Aus­
länderbehörden - jedenfalls in Teilen.
»Ich muss meine Unschuldigkeit beweisen«, erklärt Omar* vor
der 24. Kammer des Münchner Verwaltungsgerichtes. Ein durchaus
ehrgeiziges Unterfangen, das der Iraker gegenüber der Vorsitzenden
Richterin Elisabeth Zollner-Niedt im März 2020 ankündigt. Zollner-
Niedt, die ihre eigene Kammer als eine »strenge« beschreibt, scheint
nicht recht überzeugt. Der versprochene Eifer Omars, ein nützliches
Mitglied der Gemeinschaft zu werden, rührt jedoch kaum aus tieferer
Einsicht, sondern dürfte dem Thema der Verhandlung geschuldet sein:
Omar soll ausgewiesen werden. Er hat dagegen geklagt. Ebenso seine
Kinder. Die beiden Jugendlichen machen geltend, den Vater gerne wei­
ter besuchen zu wollen. Daher solle er in Deutschland bleiben. Frei­
lich: Während der knapp 4 Jahre Haft, die Omar in einem deutschen
Gefängnis verbrachte, hat es nie für einen Besuch der ach so besorgten
Kinder gereicht. Nicht einmal einen Brief hat einer der beiden an das
vermeintliche Familienoberhaupt geschrieben, das schon lange vor der
Haft von der Mutter der gemeinsamen Kinder getrennt lebte. Auch
Omar konnte sich nicht dazu aufschwingen, aus der Haft einen Brief
an seine Kinder zu verfassen. Selbst dem Wohlmeinendsten wird klar:
Eine Vater-Kind-Beziehung, die einer wirklichen Berücksichtigung bei
der Abwägung einer Ausweisung ins Gewicht fallen könnte, existiert
noch nicht einmal auf dem (Brief-)Papier.
Existent ist hingegen ein Strafregister, das es in sich hat: 1996 reiste
der damals 33-Jährige nach Deutschland ein, um schon 1997 das erste
Mal verurteilt zu werden. Weiter ging es laut Zollner-Niedt 2001,2002,
2003, 2008 (zweimal), 2009 (zweimal), 2012, 2015. 2016 war die letzte
Verurteilung. Nach Verbüßen von 3 Jahren und 11 Monaten Haft sitzt
Omar im März 2020 im Gerichtssaal und ist wenige Wochen nach

Name durch den Autor geändert.


Das Ausländerrecht: Ein Witz in vielen Akten 33

seiner Entlassung von seiner »Unschuldigkeit« überzeugt. Zeiten in


Freiheit hat Omar demnach immer genutzt, um seine kriminelle Ader
auszuleben. Kein Wunder, dass Zollner-Niedt nicht von der »Unschul­
digkeit« überzeugt ist: »Es geht um die ganze Palette des Strafrechts.«
Omar hätte sogar ein 6-jähriges Kind bedroht, sich des Einschleusens
von Ausländern schuldig gemacht. Betrug, Sachbeschädigungen und
Körperverletzungen kämen noch hinzu. Als Zuschauer im Gerichts­
saal ahnt man: Das war bei Weitem noch nicht alles.
Omar schuldet deutschen Sozialbehörden zudem mindestens
40 000 Euro. Diese hat er sich erschlichen. Er hat seine »Familie«, von
der er getrennt lebte, als Bedarfsgemeinschaft angegeben und eine
Eigentumswohnung sowie die Einnahmen daraus verschwiegen. Die­
ser Wohnung gilt vor allem die Sorge der Tochter. Wiederholt will sie
wissen, was aus der mittlerweile der Zwangsverwaltung unterliegenden
Immobilie wird. Richterin Zollner-Niedt erklärt geduldig, dazu nichts
sagen zu können, jetzt gehe es nur um die Ausweisung, was sie als ein
»Hausverbot für Deutschland« umschreibt. Erneut drängt die Vorsit­
zende Richterin die Ausländerbehörde, die Dauer der Ausweisungs­
wirkung zu beschränken. Ein »Hausverbot für Deutschland« darflaut
§ 11 AufenthG 10 Jahre nur in besonderen Ausnahmen überschreiten.*
Wenn aber die Obergrenze 10 Jahre beträgt und es noch deutlich
schlimmere Zeitgenossen als Omar gibt, muss man einen gehörigen
Abstand zur Obergrenze halten. 4 Jahre soll sich nach Ansicht des
Gerichts Omar von Deutschland fernhalten. Dann darf er wieder ein­
reisen. Voraussetzung: Nachweis der Straffreiheit. Einziges Problem,
das zumindest in der öffentlichen Verhandlung komplett ausgeblen­
det wird: Man wird nicht erfahren, wo Omar sich in diesen 4 Jahren
überall aufgehalten hat. Ein »Nachweis« der Straffreiheit aus dem äu­
ßerst korrupten Irak* ist schon deshalb ungeeignet, die mit der Aus-

* Das gilt nicht für Gefährder etwa im Sinne einer terroristischen Betätigung. In
diesen Fällen kann die Dauer des Wiedereinreiseverbotes (zunächst) unbefristet
ausgesprochen werden. In anderen Konstellationen, wie bei einer Durchsetzung
der Ausreisepflicht durch Abschiebung, ist diese Frist wesentlich kürzer (1 Jahr)
als bei einer Ausweisung wegen Straffälligkeit.
* Der Irak belegte im Korruptionsbericht 2018 der »Transparency International«
im Vergleich von 180 Nationen den 168. Platz.
34 Staats-Antifa

reise plötzlich ausbrechende Gesetzestreue eines Serienstraftäters zu


belegen.
Aber so »hart« kommt es für Omar ohnehin nicht. Das Gericht ist,
wie die gesamte Verwaltungsgerichtsbarkeit, überlastet, nicht zuletzt
wegen einer Flut von Asylverfahren seit 2015. Ein vielseitiges Urteil zu
verfassen ist Gift bei dem Versuch, Rückstände aufzuholen. Wohl auch
deshalb will Zollner-Niedt erreichen, dass Omar seine Klage gegen die
Ausweisung der Ausländerbehörde zurücknimmt. Als Gegenleistung
würde die Ausländerbehörde Omar bei der Ausweisungsfrist sogar
noch weiter entgegenkommen, so die Vorsitzende. Der Vertreter der
Ausländerbehörde nickt ergeben. Zudem werden Berufsverbrecher
Omar bis zu drei Betretungserlaubnisse für Deutschland pro Jahr für
je 14 Tage in Aussicht gestellt. Zu diesen Zeiten dürfte er dann trotz
gültiger Ausweisung in Deutschland Urlaub machen.
Omars Anwalt ist - wenig überraschend - sehr angetan und rät zur
Annahme. Doch Omar tut Deutschland - sicher zum ersten Mal in
seinem Leben - einen wirklichen Gefallen. Er will seine »Unschuldig­
keit« beweisen. Reue und Einsicht eines Straftäters sehen anders aus.
Es bleibt bei 4 Jahren Einreiseverbot (mit Ausnahme von Deutschland-
Urlauben). Die Kammer wird ein Urteil schreiben müssen. Omars
Schuld steht - Ausweisung hin oder her - durch die rechtskräftigen
strafrechtlichen Verurteilungen ohnehin fest. Der ersehnte Nachweis
der »Unschuldigkeit« bleibt für Omar unerreichbar. Doch dafür hat
der Serienstraftäter wie nebenbei belegt, dass Deutschland unwillig
und unfähig ist, angemessen auf einwandernde Straftäter zu reagieren.
»Darf er dann nach 4 Jahren wiederkommen?«, fragt die Tochter. Die
Vorsitzende der »strengen« 24. Kammer, Zollner-Niedt, blickt auf und
sagt: »Ja.« Na dann ...

Fake News erkennen: Warum es einen


»geduldeten Asylbewerber« nicht geben kann
Wer in Zeitungsmeldungen von einem »geduldeten Asylbewerber«
liest, ist schon über den ersten »Fehler« gestolpert. Eine Duldung wird
nur erteilt, wenn der Ausländer - gerade weil bei ihm keinerlei Asyl­
grund anerkannt wird - ausreisen muss. Zusätzliche Voraussetzung:
Der Rechtsweg muss erschöpft sein. Die Ausreisepflicht ist damit voll-
Das Ausländerrecht: Ein Witz in vielen Akten 35

ziehbar. Seine »Bewerbung« um Asyl ist folglich abgeschlossen. Er ist


genauso wenig ein »Asylbewerber« wie jemand, der sich bei Siemens
oder BMW um einen Posten als Manager bewirbt, nach der Ablehnung
seines Angebots noch ernsthaft wird behaupten können, er sei ange­
hender Manager bei Siemens oder in der Autoindustrie.
Die »Vollziehbarkeit« der Ausreisepflicht bezieht sich dann auch
auf den juristischen Aspekt, weil weitere Klagen, Anträge etc. an der
grundsätzlichen Ausreisepflicht nichts ändern. Die »Vollziehbarkeit«
bezieht sich jedoch nicht auf die faktische Möglichkeit, die Ausreise­
pflicht auch durchzusetzen, notfalls auch durch Abschiebung. Ob die
Ausreise oder Abschiebung dann aber tatsächlich durchführbar ist,
steht auf einem anderen Blatt.
Solange der Ausländer nicht in der Lage ist auszureisen, erhält er
eine Duldung. Seine Ausreisepflicht bleibt unverändert bestehen.*
Folglich gibt es keinen »geduldeten Asylbewerber«. Der Terminus wird
entweder eingesetzt, um den Leser zu täuschen, oder aus Unkenntnis.
Dies wurde etwa in der Pressekonferenz vom August 2015 zur »deut­
lichen Verstärkung des Wohnungsbaus« klar.+ Der bayerische Innen­
minister Joachim Herrmann (CSU) erklärte dabei: »Noch einmal: Es
ist klar - diejenigen, die kein Asylrecht genießen, müssen unser Land
wieder verlassen! Aber es ist auch völlig klar, dass wir einen erheb­
lichen Anteil haben, die Asylrecht zugesprochen bekommen, und die
müssen vernünftigen Wohnraum erhalten.«
Ergo: Kein Asyl bedeutet Ausreise oder Abschiebung. Wer demnach
eine Duldung hat, könnte keine staatlich erbaute oder geförderte Woh­
nung erhalten, nicht wahr? Weit gefehlt! In derselben Pressekonferenz
erklärte der damalige Nürnberger Oberbürgermeister zu der Frage,

* So legt es der § 60a Aufenthaltsgesetz fest. In Absatz 3 heißt es denn auch: »Die
Ausreisepflicht eines Ausländers, dessen Abschiebung ausgesetzt ist, bleibt un­
berührt.«
f Die beschriebenen Nachfragen durch Journalisten des BR beim Autor zu Dul­

dungen und negativ beendeten Asylverfahren sind (naturgemäß) zwar in der


Kopp-Dokumentation Der Links-Staat, Teil 2: Antifa und Staatspropaganda (ab
15:45 Min.) nicht zu sehen, aber sehr wohl die Täuschung der Öffentlichkeit im
Hinblick auf die Ausreise abgelehnter Asylbewerber. Siehe https://www.youtube.
com/watch?v=5V2y_iFDPIg&feature=youtu.be&t=88s.
36 Staats-Antifa

wer von dem staatlichen Wohnungsbauprogramm profitieren solle:


»Es geht um anerkannte und geduldete Asylbewerber.«
Trick erkannt? Der Öffentlichkeit wird hier via Presse eine faust­
dicke Lüge aufgetischt. Manche der abgelehnten Asylbewerber, die laut
Herrmann alle »unser Land verlassen« müssen, können statt dessen
in staatlich geförderte Wohnungen einziehen. Von den anwesenden
Journalisten wurde diese Täuschung einfach geschluckt.
Aber wenn es dann doch seitens der Behörden zur Abschiebung
kommen soll, gibt es noch die Möglichkeit, nicht reisefähig zu sein.
In fast allen größeren Städten Deutschlands gibt es Vereine, die sich
dieses Ausreisehindernisses annehmen. Etwa Refugio in München.
Der Verein erhält auch Geld vom Steuerzahler. Für das Jahr 2020 sieht
der Haushaltsplan der Landeshauptstadt München 1.090.508 Euro für
Refugio vor.38 Gern attestiert Refugio Ausländern, nicht reisefähig zu
sein. Dann kämpft etwa das Bundesamt für Migration und Flücht­
linge vor Gericht gegen das Gutachten eines Vereins an, der durch den
Steuerzahler gesponsert wird und sich offenkundig dazu verpflichtet
sieht, sich als Bleiberechtsverein von abgelehnten Asylbewerbern zu
verdingen. Da stört es den Verein nicht, wenn der Ausländer über
Jahre in Deutschland weilt und in ihm erst mit dem Näherkommen
der Ausreisepflicht dämmert, er könnte ein Folteropfer sein. Eine ent­
sprechende »Begutachtung« durch Refugio wird dann vom obersten
Bayerischen Verwaltungsgericht, dem Verwaltungsgerichtshof (VGH),
verworfen.
In einem Urteil vom 6. Juli 2018, das eine Berufung gegen ein Urteil
eines Verwaltungsgerichtes als unzulässig erklärt, wird klar, auf welch
unzuverlässiger Grundlage eine vermeintliche Traumatisierung als Ab­
schiebungshindernis geltend gemacht wird. Dies habe schon die erste
Instanz festgestellt:

Das Verwaltungsgericht hat in diesem Zusammenhang ausgeführt: So­


wohl die psychologische Stellungnahme 15. Oktober 2014 als auch der
fachärztlich-psychotherapeutische Befundbericht 6. August 2015 gehen
nicht darauf ein, dass die Klägerin erst nach rechtskräftiger Ablehnung
des Asylantrags und mehr als drei Jahre nach ihrer Einreise ihre Erkran­
kung geltend gemacht hat. Des Weiteren setzen sie sich nicht mit den
Ausführungen im rechtskräftigen Urteil vom 31. März 2014 auseinander,
Das Ausländerrecht: Ein Witz in vielen Akten 37

wonach das Vorbringen der Klägerin hinsichtlich der vorgebrachten Ver­


gewaltigung nicht glaubhaft ist.

Doch Refugio und die abgelehnte Asylbewerberin geben nicht auf.


Und so hält der VGH fest:

Weitere Stellungnahmen wurden vorgelegt (insbesondere Refugio Mün­


chen: Fachärztlich-Psychotherapeutischer Befundbericht v. 6.8.2015, Psy­
chologisch-Psychotherapeutischer Befundbericht v. 30.5.2016).39

Dass diese, insbesondere der Bericht von Refugio, nichts taugen, stel­
len die Richter kurz und bündig fest, etwa durch die Formulierung:

Auch verhalten sich die vorgelegten ärztlichen und psychologischen Be­


richte nicht dazu, warum die Krankheit nicht früher geltend gemacht
wurde, bzw. nicht früher aufgetreten ist und die Klägerin von ihrer Ein­
reise im Juli 2011 bis August 2014 keiner psychologischen bzw. psychiatri­
schen Behandlung bedurfte. Im Fachärztlich-Psychotherapeutischen Be­
fundbericht vom 6. August 2015 (unter VII. Prognose) heißt es in diesem
Zusammenhang beispielsweise unverständlich zum »Zeitkriterium«: »Die
Symptome traten innerhalb von 6 Monaten nach dem Trauma auf und
bestehen seither fort.«

Nicht die erste Fehlleistung des mit Millionen Steuergeld gesponserten


Vereins. So urteilte das Verwaltungsgericht München bereits Anfang
2017 in seiner Klageablehnung einer Asylantragstellerin über die Qua­
lität eines derartigen Attestes von Refugio:

Der psychologisch-psychotherapeutische Befundbericht von Refugio ent­


spricht insbesondere auch inhaltlich nicht den von der Rechtsprechung
gestellten Anforderungen an die Substantiierung eines Beweisantrags zum
Nachweis einer PTBS durch eine qualifizierte ärztliche Bescheinigung.

Aber es kommt noch schlimmer aus Sicht des Gerichtes:

Der Befundbericht von Refugio bietet auch deswegen keinen Anlass zu


weiterer Sachverhaltsaufklärung, weil er auf unzureichenden Anknüp-
38 Staats-Antifa

fungstatsachen beruht. Die dort gezogenen Schlussfolgerungen beruhen


in wesentlichen Punkten auf unglaubhaften Angaben der Klägerin.

Trotz solcher Fehlleistungen Refugios geht die Bezuschussung mun­


ter weiter.40 Es geht dem Verein allem Anschein nach nicht in erster
Linie um die Betreuung von Kranken oder Traumatisierten. Vielmehr
scheint das eher Mittel zum Zweck, um so das Ausländer- und Asyl­
recht im eigenen Sinne faktisch umgestalten zu können. Die Dunkel­
ziffer an untauglichen Attesten und Gutachten, durch Refugio und an­
dere ausgestellt, dürfte enorm sein. Nicht wenige Ausländerbehörden
werden sich mit ungenügenden Bescheinigungen zufriedengeben. Wer
legt sich schon gerne mit der Asyllobby an?
Der »Kampf gegen Rechts« begann
mit einer Lüge ... der viele weitere folgten

den langen marsch durch die Institutionen trat nicht nur Irmi
Deschler an. Viele machten sich auf den Weg an die Spitze von Poli­
tik, Bildungseinrichtungen, Medien und »Zivilgesellschaft«. Manche
hatten einen Bezug zum Terrorismus oder waren »nur« Mitglied ex­
tremistischer linker Organisationen gewesen. Manche gehörten der
Generation Dutschkes an, andere, jüngere, stießen dazu. Nichts vom
Kommenden war Teil »eines Plans«, war verabredet. Es ergab sich.
Wann immer die Rote Fahne sank, wurde sie vom Nächsten aufgenom­
men und weitergetragen. Nahezu alle dieser Fahnenträger waren be­
einflusst von gewaltverliebten Extremisten wie Dutschke, Kunzeimann
oder Meinhof und zugleich beseelt von der sich selbst vermittelnden
Gewissheit, der richtigen, moralisch überlegenen Seite anzugehören.
Mit solcher »Gewissheit« ausgerüstet, glaubten diese und die ihr
folgenden Generationen von linken Politikern, zweifelsfrei zwischen
einer vermeintlich richtigen und falschen Meinung unterscheiden zu
können. Die »Intoleranz vor allem gegenüber den Konservativen und
der politischen Rechten«, wie sie sich einer der Vordenker der 68er,
Herbert Marcuse, schon 1965 in seinem Essay »Repressive Toleranz«
vorstellte, konnte nun Form annehmen und Wirkung entfalten. Hatte
Marcuse noch bedauert, dass »keine Macht, Autorität oder Regie­
rung vorhanden ist, die eine befreiende Toleranz in Praxis übersetzen
würde«, sollte sich das am Ende des Marsches ändern.
Denn gut 30 Jahre nach 1968 und 43 Jahre nach dem Gründungs­
beschluss zu konkret durch Erich Honecker gewinnt Rot-Grün die
Bundestagswahlen. Selbstverständlich gab und gibt es keinen ausge­
arbeiteten Plan, keine alles überspannende Strategie, die von der Un­
terstützung der DDR für linke, linksextreme und terroristische Grup­
pen hin zur Staatsfinanzierung der Antifa führte. Aber die geistige
Grundlage, die Idee, der linken Sache durch staatliche Unterstützung
Vorteile im Meinungskampf zu verschaffen und am Ende deren Vor-

39
40 Staats-Antifa

herrschaft sicherzustellen, überlebte als Ansatz und als Überzeugung


das Ende der DDR und wurde durch alle Wendungen hindurch am
Leben erhalten.
Die Finanzierung linker Organisationen und Strömungen endet
nicht mit 1968, sondern wird über die gesamte Dauer der Existenz der
DDR fortgesetzt. Etwa im Falle der Friedensbewegung, beginnend in
den 1970er-Jahren. Das war auch vielen, wenn nicht den meisten Be­
teiligten klar. Das zumindest lässt sich den Aussagen Cora Stephans
entnehmen, selbst eine Mitstreiterin der 68er:

Es gab ja noch einen ganz anderen Einfluss, der von den Brüdern und
Schwestern aus der DDR kam. Die Friedensbewegung ist - und das wuss­
ten wir damals, also jedenfalls wir Frankfurter Spontis wussten es -, dass
die Friedensbewegung sehr intensiv von der SED finanziert wurde.41

Etliche Einrichtungen und Organisationen, über die zum Teil auch in


diesem Buch berichtet wird, wurden durch das Unrechtsregime DDR
noch bis 1989 finanziert. Die DDR finanzierte aber auch über ihren
Untergang hinaus den einen oder anderen linken Aktivisten, wenn
auch nicht direkt. Nach der Friedlichen Revolution von 1989 wurde das
von der DDR zusammengetragene Vermögen zum Teil in die Hände
eines Antifa-Aktivisten gelegt. Mehr als 20 Millionen Mark hatten die
Jugendbrigaden der DDR an Guthaben, als der Unrechtsstaat unter­
ging. Das Vermögen wanderte in die 1990 gegründete »Stiftung Demo­
kratische Jugend«. Im Jahr 2009 übernahm dann der Antifa-Aktivist
Johannes Zerger als Geschäftsführer die Macht über das Vermögen,
das aus einer linken Diktatur stammte und dort der politischen Bil­
dung der Jugend gewidmet gewesen war.42
Das Ende der DDR ist also nicht das Ende der Finanzierung linker
Netzwerke. Und es wird womöglich nicht lange dauern, bis die Lin­
ken es schaffen, die Finanzierung vonseiten der DDR durch die des
gesamtdeutschen Steuerzahlers zu ersetzen. Denn spätestens seit jener
Wahlnacht vom 27. September 1998 ist der Einfluss der Kommunarden,
der Maoisten und der kommunistischen Kaderorganisationen an der
Staatsspitze angekommen. Der eine oder andere ist geläutert, man­
cher gibt sich nur so. Politische Ansichten haben sich geändert, Streit,
auch bei Linken eine geliebte Beschäftigung, gibt es zuhauf. Einig ist
Der »Kampf gegen Rechts« begann mit einer Lüge 41

man sich aber letztlich in einem zentralen Punkt: Man will die Tür der
Freiheit, durch die Rote und Grüne zur Macht marschiert sind, mit
voller Wucht hinter sich zuschlagen.* Meinungsäußerungen jenseits
der grün-linken Wahrnehmung der Dinge sollen bekämpft werden -
und zwar immer mit dem Argument, die Freiheit zu verteidigen. Je­
doch werden bald nicht etwa lediglich die Meinungen bekämpft, die
dem Grundgesetz entgegenstehen, sondern alle, auch demokratisch
legitimierte Meinungen, sofern sie sich nicht mit den eigenen decken.
Das richtige Personal hierfür ist vorhanden. Im ersten Kabinett Ger­
hard Schröders (SPD) von 1998 sitzen unter anderem:

=> Andrea Fischer (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesministerin für


Gesundheit bis 2001, einst Mitglied der Gruppe Internationale Mar­
xisten (GIM),43 wird nach ihrem Rücktritt abgelöst von:
■=> Ulla Schmid, einst Mitglied im Kommunistischen Bund West­
deutschland.44
■=> Jürgen Trittin, Minister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsi­
cherheit; zuvor schon Mitglied des niedersächsischen Regierungs­
kabinetts unter Ministerpräsident Gerhard Schröder; ist aus den
K-Gruppen hervorgegangen.
■=> Joschka Fischer, einst Mitglied der linksextremen Vereinigung
»Revolutionärer Kampf«, wird am 10. Mai 1976 im Rahmen einer
Demonstration anlässlich des Todes von Ulrike Meinhof festgenom­
men. »Rache für Ulrike« soll damals die Devise der linken Ran­
dalierer gewesen sein.45 Keine 8 Jahre später zieht Straßenkämpfer
Fischer erstmals in den Bundestag ein. Dort behauptet er 2001,
Daniel Cohn-Bendit und er seien schon immer die »entschiedens-

* Frei zitiert nach der Entscheidung des BVerfG zum NPD-Verbot vom 17. Januar
2017 (Az.: 2 BvB 1/13, RN 517: Herrschaft auf Zeit als Wesensgehalt von Demokra­
tie erfordert, dass die jeweilige Mehrheit in (steter) Konkurrenz zur Minderheit
steht und diese die Chance hat, selbst zur Mehrheit zu werden. Die vorüber­
gehende Mehrheit darf daher nicht die offene Tür, durch die sie eingetreten ist,
hinter sich zuschlagen (vgl. Horst Dreier, JuristenZeitung 1994, S. 741 (751); Mar­
kus Thiel: Wehrhafte Demokratie, Mohr Siebeck Verlag, Tübingen 2003, S. 20,23;
Ernst-Wolfgang Böckenförde in: Josef Isensee, Paul Kirchhof (Hrsg.): Handbuch
des Staatsrechts, Bd. II: Verfassungsstaat, 3. AufL, C. F. Müller Verlag, Heidelberg
2004, § 24 Rn. 54).
42 Staats-Antifa

ten Gegner des Wegs in den Terrorismus«46 gewesen. Wenig über­


zeugend für einen Teilnehmer an einer Demonstration für Ulrike
Meinhof. 1977 will Fischer angeblich eine Wandlung zum Anhänger
des Rechtsstaates durchgemacht haben. Sonderlich war die Reini­
gung von Extremismus jedoch nicht, wie ein Spiegel-Gespräch vom
Juli 1983 zeigt. Dabei lobt Fischer den »Rechtsbruch der damaligen
Häuserkämpfer« in Frankfurt und Berlin und fährt dann später fort:

Da kann ich Ihnen nur sagen: Ich werde weiterhin Rechtsbrüche in Kauf
nehmen, um menschliche Verhältnisse zu schaffen.47

Zu diesem Zeitpunkt war der Pol-Pot-Bewunderer Hans-Gerhart »Jo-


scha« Schmierer gerade mal ein Jahr nicht mehr Sekretär des Zentral­
komitees des Kommunistischen Bundes Westdeutschland. Von Fischer
bereits 1999 in den Planungsstab des Auswärtigen Amts geholt, stellt
Joscha seine Expertise Minister Joschka zur »Schaffung menschlicher
Verhältnisse« zur Verfügung.
Nicht alle Grünen haben einen extremistischen Hintergrund, nicht
jeder in der SPD war oder ist mit der Förderung linksextremer Orga­
nisationen oder Personen einverstanden. Aber wenn es keine Sym­
pathie für Steineschmeißer gab, so wurde doch sehr viel Nachsicht
geübt und letztlich alles verziehen. Dies beschränkt sich nicht auf die
1980er- und i99oer-Jahre, sondern gilt heute ebenso. Allerdings ist
die Zusammenarbeit mittlerweile offensichtlicher und offensiver. Dies
wird insbesondere durch das Bündnis »Aufstehen gegen Rassismus«
deutlich. In diesem Rahmen arbeiten Spitzenpolitiker von SPD, Linken
und Grünen mit ausweislichen Extremisten zusammen.
Bereits vor 1998 hatten rot-grüne Koalitionen in Ländern und
Kommunen linke bis linksextreme Kreise beim Aufbau und in der
Pflege einer sogenannten »Zivilgesellschaft« unterstützt,* doch mit der

* Eines von vielen Beispielen ist das Kafe Marat in München. Ab den i99oer-Jah-
ren vor allem durch die Grünen unterstützt, baut der Linksextremistentreff seine
Unterstützung durch die Stadt immer weiter aus. Heute ist das Kafe Marat als
»Treffpunkt«, »logistisches Zentrum« und «Informationsbörse« (Verfassungs­
schutzbericht Bayern 2018) in der Landeshauptstadt Bayerns eine etablierte
Größe, deren Finanzierung die Stadt München sicherstellt.
Der »Kampf gegen Rechts« begann mit einer Lüge 43

Machtübernahme von Rot-Grün sollte auch auf Bundesebene die Um­


setzung der »Repressiven Toleranz« erfolgen.* Vorbereitet wurde dies
im Koalitionsvertrag vom 20. Oktober 1998. Dort hieß es zum »Kampf
gegen Rechts«:

4. Bündnis für Demokratie und Toleranz


Die neue Bundesregierung wird die politische Auseinandersetzung mit
und die Bekämpfung von Rechtsextremismus zu einem Schwerpunkt ma­
chen. Dabei werden wir ein Bündnis für Demokratie und Toleranz - gegen
Extremismus und Gewalt, für die Umsetzung der Werte und Garantien
unseres sozialen und demokratischen Rechtsstaates schaffen.48

Was in den Hauptstädten der Republik schon begonnen hatte, sollte


sich nun auf Bundesebene fortsetzen: die umfangreiche Finanzierung
der eigenen Szene, des eigenen Milieus durch Steuergelder. Der Um­
weg über das Bündnis wurde dabei nicht immer genommen.
Eines der ersten linken Projekte, die mit Steuergeld des Bundes ge­
fördert worden sein dürften, war die Zeitschrift Blick nach Rechts. Den
»SPD-eigenen Informationsdienst«49 förderte das durch SPD-Mitglied
Otto Schily geführte Bundesinnenministerium mit 56.497,75 DM.50
Damit hübschten seinerzeit die Genossen ihren Internetauftritt auf.
Der sah bald dergestalt aus, dass die damals oppositionelle CDU-Frak­
tion im Jahr 2004 an den vielen Verlinkungen zu linksextremen Grup­
pierungen Anstoß nahm. Die elektronischen Weiterleitungen zu offen
erkennbaren Linksextremisten wurden von den Redaktionen nach
einem Hinweis aus Schilys Ministerium gelöscht - und dann ging es
ungestört weiter.
Ein Jahr nach der Anfrage zum Blick nach Rechts dämmerte es ei­
nigen CDU-Abgeordneten um den Innenpolitiker Wolfgang Bosbach,

* Ob dieses »Bündnis« sonderlich erfolgreich dabei ist, in der Breite der Gesell­
schaft zu wirken, bleibt auch nach 20 Jahren fraglich. Dagegen sprechen etwa die
mit erkennbar hohem Aufwand produzierten Videos, die via YouTube verbreitet
werden. Die knapp unter 100 Videos haben häufig Aufrufzahlen im unteren
zweistelligen Bereich, und nur selten werden über 1000 Zuschauer angelockt.
Das Video BfDT Botschafter für Demokratie und Toleranz 2018: Pulse ofEurope
e. V. konnte gerade einmal 83 (Stand: 7. April 2020) Zuschauern unter anderem
näherbringen, wie Angela Merkel auf den Straßen Europas zugejubelt wird.
44 Staats-Antifa

dass es bei dem »Bündnis für Demokratie und Toleranz - gegen Ex­
tremismus und Gewalt« eventuell nicht mit rechten Dingen zugehen
könnte. Sie äußerten den »Verdacht der finanziellen Förderung links­
extremistisch beeinflusster Initiativen durch das Bündnis«, wie sie es
in ihrer großen Anfrage formulierten. So ganz wollte den Unionspoli­
tikern nicht einleuchten, inwiefern etwa ein Preisgeld von 2000 € im
Rahmen des Wettbewerbs »Aktiv für Demokratie und Toleranz« für
die »Antifa AG der Universität Bielefeld« der Demokratie zuträglich
sei. Schließlich, so die Parlamentarier, wüssten sie über die Geförder­
ten Folgendes zu berichten:

Unter www.ag.antifa.net rief die Antifa-AG auf zu der Demonstration »ge­


gen Abschiebemaschinerie und kapitalistische Verwertungslogik! 3. Ok­
tober 2004 13:00 Uhr an der JVA Büren-Stöckerbusch«. Diese Demons­
tration findet jährlich statt. Über die Demonstration im Jahr 2001 heißt
es im Verfassungsschutzbericht NRW 2001, es hätten bis zu 700 Personen
überwiegend aus dem linksextremistischen Spektrum, wie Autonome und
orthodoxe Linke, am 3. Oktober 2001, dem Tag der Deutschen Einheit,
gegen die Abschiebehaftanstalt in Büren bei Bielefeld demonstriert (Ver­
fassungsschutzbericht NRW 2001, S. 178).
Auf der Webseite www.antifa-west.org werden neben der Antifa-AG der
Universität Bielefeld weitere zahlreiche Antifa-Initiativen mit Anschriften
etc. präsentiert, unter anderem »LOTTA, antifaschistische Zeitung aus
NRW«, (Verfassungsschutzbericht NRW 2003, S. 147) »nadir« (Verfas­
sungsschutzbericht NRW 2002, S. 189), »Der Rechte Rand« (Verfassungs­
schutzbericht des Bundes 1998, S. 115,130), »Die Vereinigung der Verfolg­
ten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten
in der Bundesrepublik e.V.« (VVN-BdA, Verfassungsschutzbericht des
Bundes 2003, S. 133 f.).51

Aber in Bielefeld wurde noch eine andere Gruppe gefördert, sogar mit
noch mehr Geld: 5000 € erhielt die »Antifa-West Bielefeld« im Jahr
2002 für ihren Beitrag für »Demokratie und Toleranz« - in jenem Jahr
also, als das Mitglied der Antifa-West Bielefeld Annelie Buntenbach
für die Grünen im Bundestag saß. Aber nicht nur dort, sondern von
2000 bis 2004 auch im Beirat ebenjenes »Bündnisses für Demokra­
tie und Toleranz«. Als Beiratsmitglied lobte sie die Preisverleihung an
Der »Kampf gegen Rechts« begann mit einer Lüge 45

die Zeitschrift Der Rechte Rand (10 ooo € Preisgeld) und erklärte, Der
Rechte Rand sei »eine der wichtigsten Informationsquellen bei der Be­
kämpfung des Rechtsextremismus«. Buntenbach, die nach ihrer Tätig­
keit im Bundestag zum DGB wechselte, ist noch heute im Impressum
der Zeitschrift Antifaschistische Nachrichten als eine der Herausgebe­
rinnen verzeichnet, zusammen mit »Anarchistische Gruppe / Räte­
kommunisten«, der Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke, einer der
bedeutendsten Antifa-Fürsprecherinnen im Bundestag, und etlichen
weiteren Extremisten.
Die von Buntenbach derart gelobte Zeitschrift Der Rechte Rand
wurde jedoch noch im Verfassungsschutzbericht für das Jahr 1998 er­
wähnt.* Das machte dem Herausgeber des Berichts, Bundesinnenmi­
nister Otto Schily (damals SPD, zuvor Grüne), alsbald Sorgen. Denn
Der Spiegel veröffentlichte einen Artikel mit der Überschrift »Extre­
mismus - Verfassungsfeinde im Kabinett«. Zu den Unterstützern der
»Postille« gehörten auch Kabinettsmitglieder, so der Spiegel, darunter
»Grüne und SPDler, so auch Bildungsministerin Edelgard Bulmahn
und Umweltminister Jürgen Trittin. Der gehört gar zu den Gründern
des Periodikums und tauchte mehrfach als Autor im Rechten Rand
auf.«52 Trittin war zudem nach Auskunft der Bundesregierung bis Fe-
bruar/März 1993 im Impressum der Antifa-Zeitschrift genannt.53
Das Problem war schnell aus der Welt geschafft. Im Verfassungs­
schutzbericht des Bundes tauchte Der Rechte Rand ab 1999 nicht mehr
auf. Freilich musste die Bundesregierung noch 2003 einräumen, dass
nach wie vor »Anhaltspunkte für linksextremistische Bestrebungen«
vorlägen.54
Gegen eine Förderung der Zeitschrift Der Rechte Rand mit einem
Preisgeld von 10.000 € aus dem Steuertopf des Bundes unternahm die

* Verfassungsschutzbericht des Bundes für das Jahr 1998, der erste vom langjähri­
gen Innenminister der Regierung Schröder/Fischer, Otto Schily, herausgegebene
VS-Bericht. Auf Seite 130 des Berichts heißt es zur Zeitschrift Der Rechte Rand:
»Das in Hannover sechsmal jährlich erscheinende Blatt Der Rechte Rand - Infor­
mationen von und für Antifaschistinnen will über tatsächlichen und vermeint­
lichen Rechtsextremismus aufklären. Es arbeitet dabei stark personenkonzen­
triert: Porträts von rechtsextremistischen Funktionären werden veröffentlicht,
personenbezogene Daten politischer Gegner durch Fettdruck hervorgehoben.«
46 Staats-Antifa

Bundesregierung jedoch nichts. Im Gegenteil: In ihren Vorbemerkun­


gen zur Antwort an Bosbach und andere zum Verdacht der Förderung
linksextremer Strukturen führte sie aus:

Grundsätzliche Anmerkung zu verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen


Aus Geheimhaltungsgründen ist es nicht möglich, im Rahmen der Beant­
wortung dieser Großen Anfrage für einzelne Organisationen anzugeben,
ob und in welcher Intensität diese von den Verfassungsschutzbehörden
des Bundes oder der Länder beobachtet werden und welche Erkenntnisse
gegebenenfalls vorliegen. Dies könnte lediglich in den dafür vorgesehenen
parlamentarischen Gremien erfolgen.55

Als die Bundesregierung gefragt wird, wie sie die Förderung der An­
tifa-Postille bewerte, erklärt sie unter Verweis auf die Vorbemerkung,
dazu könne sie aus Geheimhaltungsgründen keine Auskunft erteilen.
Zugleich macht Rot-Grün aber klar: Keine der im aktuellen Verfas­
sungsschutzbericht des Bundes oder der Länder genannten Organisa­
tionen sei gefördert worden.
Und damit wird ein Muster deutlich: Für die eigene linksextreme
Klientel, der man teilweise selbst angehört, wird der Verfassungs­
schutzbericht geschönt. Das lässt lästige Nachfragen zur eigenen Zu­
sammenarbeit mit Linksextremisten oder zu eigenen linksextremen
Überzeugungen zunehmend ins Leere laufen und macht die Förderung
der linksextremen Szene möglich. Bei Nachfragen versteckt man sich
hinter Geheimhaltungsinteressen. Für den Bürger, der einerseits den
Verfassungsschutz und anderseits durch die Förderpolitik die Antifa
finanziert, wird - bei Bedarf - einfach nicht mehr erkennbar, für wel­
che Extremisten sein Steuergeld ausgegeben wird.
Bei solchem »Kleinkram«, wie durch das Bündnis für Demokratie
und Toleranz ermöglicht, will es Rot-Grün jedoch nicht belassen. Man
hat mehr und Größeres vor.

Ob arabische oder erfundene »Nazis« - zur Begründung taugen alle


Der »Kampf gegen Rechts«, wie wir ihn heute kennen, nahm erst
2 Jahre nach dem Machtwechsel richtig Fahrt auf. Von da an gab es viel
mehr Geld für die Antifa und ihr Umfeld. Der entscheidende Anlass
Der »Kampf gegen Rechts« begann mit einer Lüge 47

war ein Anschlag gegen eine Synagoge in Düsseldorf am 2. Oktober


2000. Sofort wurden in der Berichterstattung Rechtsextremisten als
Täter vermutet, obwohl gleich von Beginn an zwei arabischstämmige
junge Männer der Tat verdächtig waren. Am Tag nach dem Anschlag
rief der damalige Bundeskanzler Schröder zu einem »Aufstand der
Anständigen« auf. Das Geständnis der beiden Täter erfolgte Anfang
Dezember 2000. Wie sich herausstellte, hatten sie sich für den Tod
eines palästinensischen Jungen rächen wollen, für den sie Israel ver­
antwortlich machten.
Doch vom einmal begonnenen »Kampf gegen Rechts« wollte man
trotz der Aufklärung der Tat nicht mehr ablassen. Bundeskanzler
Schröder sagte: »Die Strategie der Bundesregierung gegen Rechtsra­
dikalismus wird sich nicht ändern.«56
Das Klima wurde noch weiter aufgeheizt, als im November 2000
die BiW-Zeitung den vermeintlich rassistischen Mord von Sebnitz an
einem kleinen Jungen publizierte. Ein Mord, den eine ganze sächsi­
sche Stadt angeblich unter dem Mantel des Schweigens zu vertuschen
suchte. Zahlreiche Medien berichteten von einem »Trupp« von Neo­
nazis, die den »kleinen Joseph«, Sohn eines Irakers und einer Deut­
schen, im Schwimmbad des sächsischen Ortes Sebnitz ertränkt hätten.
»300 Menschen waren dabei, wie der kleine Joseph ums Leben kam«,
berichtete die Welt.57 Doch die Berichterstattung von Springer sowie
anderen Medienhäusern und Zeitungen wie etwa dem Tagesspiegel war
genau das, was einige Jahre später als »Fake News« bekannt werden
sollte - zwar mit der »richtigen Haltung« in die Welt hinausposaunt,
aber eben doch schlicht falsch. Der »kleine Joseph« starb an einem
Herzleiden. Das hatte nichts mit vermeintlichen Nazis zu tun.
Der Herztod des Jungen aus dem sächsischen Sebnitz und der An­
schlag auf die Synagoge von Düsseldorf als Rache an Israel waren je­
doch die Grundlage für die rot-grüne Bundesregierung, »Programme
gegen Rechts« aufzulegen.58 Unter dem Motto »Jugend für Toleranz
und Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit
und Antisemitismus« wurden mehrere Programme ins Leben geru­
fen. Eines davon: Civitas; deutsch: Bürgerschaft. Aber um die »Bür­
gerschaft« ging es von Anfang an nicht. Wie heute, wenn nach der
vermeintlichen »Zivilgesellschaft« gerufen wird, waren das auch schon
damals linke Strukturen, Netzwerke, die der Steuerzahler von nun an
48 Staats-Antifa

finanziell unterstützte. Die »Zivilgesellschaft« ist - nach über 20 Jahren


der Steuerfinanzierung - insofern nicht (mehr) bürgerlich, nicht zivil.
Die viel bemühte »Zivilgesellschaft« ist zu großen Teilen ein quasi­
staatliches Gebilde, das mit staatlichem Geld, im staatlichen Auftrag
und in enger Abstimmung mit dem Staat eine Bewegung aus der Mitte
der Gesellschaft lediglich simuliert. Einer der größten Vorteile: Staat­
liche Beschränkungen wie weltanschauliche Neutralität können so um­
gangen werden. Gleiches gilt für die gebotene Zurückhaltung beim
Erfassen der Bürger und ihrer politischen Überzeugungen, wie es das
Bundesverfassungsgericht in seinem berühmten Urteil zur Volkszäh­
lung Behörden und Regierung auferlegte.
Die Antifa begriff dann auch sofort, was zu tun war: das Geld des
Staates, des verhassten »Systems«, abgreifen. Das Antifaschistische
Infoblatt schrieb schon kurze Zeit nach Anlaufen der »Demokratie­
förderung«:

... von Anfang an auf der Hand, dass man im Rahmen des CIVITAS-Pro-
gramms der Bundesregierung hier Geld von ebenjenen erhält, die man im
Rahmen der selbst gewählten und konzipierten Arbeit würde bekämpfen
müssen.59

Der anfänglichen Begeisterung von Teilen der Antifa folgte nach


jahrelangen enormen Steigerungen der öffentlichen Linksextremis-
mus-Finanzierung der Ruf nach mehr - mehr Geld vom Staat, dessen
Grundgesetz man bekämpfte. Zugleich gab es innerhalb der linken
Szene allerdings auch genau deshalb heftige Kontroversen. Der Teil der
Antifa, der Geld von dem ach so verhassten Staat ablehnte, warf den
Zuschussempfängern vor, eine »Staats-Antifa« zu sein. Gleichwohl sah
sich die »Staats-Antifa« nie ausreichend unterstützt, ganz gleich welch
absurde Summen aus verschieden Steuergeldtöpfen ihr zuflossen.
Zum Teil sind diese Konflikte und die als mangelhaft empfundene
staatliche Unterstützung in einem von der Rosa-Luxemburg-Stiftung
geförderten Buch dargestellt: Der Sommer ist vorbei... Vom »Aufstand
der Anständigen« zur »Extremismus-Klausel«: Beiträge zu 13 Jahren
»Bundesprogramme gegen Rechts«. Mit »Sommer« ist hierbei der so­
genannte »Sommer der Antifa« gemeint, als im Jahr 2000 diverse
Ereignisse, rechtsextreme und auch nur vermeintlich rechtsextreme
Der »Kampf gegen Rechts« begann mit einer Lüge 49

Übergriffe, die gesellschaftliche Unterstützung für die Antifa zu si­


chern schienen. In dem Buch werden die tatsächlichen Hintergründe
des Anschlags auf die Düsseldorfer Synagoge am 3. Oktober 2000 ver­
schwiegen.* Die Herausgeber stellen im Vorwort aber zufrieden fest,
es seien im Rahmen des »neuen Bundesprogramms der rot-grünen
Regierung» viele Personalstellen geschaffen worden, was zu vielen
hauptamtlichen Mitarbeitern geführt habe. Aber, so der Tenor, das sei
selbstverständlich alles nicht genug.
Einer der Herausgeber ist Friedrich Burschei, der zugleich Autor
bei der linksextremen Zeitschrift analyse & kritik (ak) ist, die als eine
Zeitung des Kommunistischen Bundes startete (siehe das Kapitel »Mil­
lionen für den Verein eines Antifa-Autors«, S. 113).
In dem 2013 herausgegebenen Buch wird über Burschei behauptet,
er habe 2007 die Landeskoordinierungsstelle »Bayern gegen Rechtsex­
tremismus« im Rahmen des Bundesprogrammes »kompetent, für De­
mokratie« aufgebaut. Die Aufsichtsbehörde dieser Koordinationsstelle
ist das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie
und Integration. Sollte wirklich unter staatlicher Aufsicht ein in links­
extreme Netzwerke Verstrickter im angeblich so konservativen Bayern
für eine Koordinationsstelle gegen Extremismus verantwortlich ge­
wesen sein? Das Bayerische Sozialministerium verweigert jedoch die
Auskunft: »Wir bitten um Verständnis, dass wir zu Einzelpersonen
keine Auskunft geben.«
Auskunftsfreudiger ist hingegen Bianca Klose. Die Leiterin der
»Mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus Berlin« (mbr)
wird in dem von Burschei herausgegebenen Buch in einem Interview
unter anderem gefragt, ob das Narrativ stimme, viele Protagonisten der
Antifa-Szene seien in das Programm Civitas gegangen. Klose bestätigt,
viele Antifas hätten das Bundesprogramm genutzt, um ihre bisherige
Antifa-Arbeit fortzusetzen. Klose selbst ist ferner Geschäftsführerin
des »Vereins demokratische kultur in berlin - initiative für urbane de-
mokratieentwicklung e.v.« (Eigenschreibweise, kurz: vdk). Dieser ist
Träger der mbr. Zudem hat der Verein noch die Recherche- und In­
formationsstelle Antisemitismus (RIAS) gegründet und die durch den

* Es werden andere - tatsächliche, ungeklärte oder mutmaßliche - rechtsextreme


Taten herangezogen.
50 Staats-Antifa

Berliner Senat geförderte Onlineplattform »Berlin gegen Nazis« zum


Leben erweckt. Selbstredend sind Initiativen zum Schutz der Demo­
kratie vor Extremismus an und für sich zu begrüßen, es fragt sich nur,
in wessen Hände man sie legt.
Auch Henning Obens erklärt in dem Buch zum angeblichen Ende
des »Antifa-Sommers«, wie die Antifa zur Staats-Antifa wurde. Links­
extremist Obens muss es wissen, denn der Mitarbeiter der Linken­
nahen Rosa-Luxemburg-Stiftung ist Mitglied bei der »Interventio­
nistischen Linken« (IL). Die IL ist wohl die derzeit einflussreichste
linksextremistische Gruppierung in Deutschland und bei zahlreichen
Kampagnen von Fridays for Future bis Blockupy vertreten. Sie wird seit
Jahren vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet und war eine
der maßgeblichen Gruppierungen im Rahmen der Ausschreitungen
während des Hamburger G20-Gipfels im Juli 2017.
Obens unterscheidet zwischen der Antifa-Szene, auch »Bewegungs-
Antifa« genannt, und den »Antifa-NGOs«, die häufig nach dem »An­
tifa-Sommer« (und damit in der Folge des Civitas-Programms) ent­
standen seien, um professionelle Beratungsarbeit anzubieten.
Etwa ein Jahr nach Erscheinen des Buches zum vermeintlichen
Antifa-Sommer traten das IL-Mitglied Obens und Bianca Klose bei
dem Kongress »Antifa in der Krise?« auf.60 Geladen zu dem seit Jah­
ren »ersten größeren Antifa-Kongress« (»Jungle World«) hatte die IL
Klose und Vertreter der IL sowie des genau wie die IL beobachteten
kommunistischen Bündnisses »...ums Ganze!«. Eine Debatte mochte
nach Beobachtung der »Jungle World« jedoch nicht aufkommen. Man
sei sich schlicht zu einig gewesen.
Übereinstimmung herrschte offensichtlich auch im Bayerischen
Landtag, als die mit Linksextremisten offenkundig bestens vernetzte
Klose dort im Rahmen einer Anhörung auftrat. Die Vertreterin des
mbr verlangte im Oktober 2016 vom Freistaat mehr Anstrengungen
im Kampf gegen Rechts, ergo mehr Geld für die »Staats-Antifa«. Das
klappte nicht unmittelbar.
Doch mittlerweile bezuschusste Bayern die Recherche- und Infor­
mationsstelle Antisemitismus Bayern (RIAS Bayern), laut Impressum
ein Ableger der RIAS Berlin und damit des vdk. Schon 2018 ging es
mit der Förderung los, wie das Bayerische Sozialministerium auf An­
frage mitteilte:
Der »Kampf gegen Rechts« begann mit einer Lüge 51

2017: keine Förderung


2018: 50 000 Euro
2019: 330000 Euro
2020: voraussichtlich 342 000 Euro

Wichtig ist dem Bayerischem Ministerium noch festzustellen: »Der


starke Mittelanstieg von 2018 auf 2019 ist damit zu erklären, dass die
Förderung erst im Herbst 2018 startete.«
Dass es bei der vermeintlichen »Förderung der Demokratie« auch
der großen Politik immer um die Unterstützung der Antifa geht, wurde
spätestens 18 Jahre nach Start von Civitas durch eine Politikerin ein­
geräumt, die ab Januar 2001 auch schon dem ersten Kabinett Gerhard
Schröders angehörte. Renate Künast, nach 2 Jahrzehnten der Antifa-
Förderung durch den Steuerzahler immer noch nicht zufrieden, er­
klärte am 12. März 2020 im Bundestag:

Wir brauchen ein Demokratiefördergesetz. Und ich bin es ehrlich gesagt


leid, wie wir seit Jahrzehnten kämpfen darum, dass NGOs und Antifa-
Gruppen, die sich engagieren, immer um ihr Geld ringen und von Jahr zu
Jahr nur Arbeitsverträge abschließen können, meine Damen und Herren.
Das reicht nicht. Sie müssen eine verlässliche Finanzierung haben. Wir
sind es leid, dass zwischendurch einigen das Geld gestrichen wird. Dann
wird es wieder angeglichen. Dann reden Sie über ein Demokratieförder­
gesetz. Wir wollen dieses Gesetz endlich haben, es gehört mit in den Teil
zur Bekämpfung des Rechtsextremismus.61

In dieser Rede beklagt Künast auch, es gebe in Deutschland jeden Tag


antisemitische Diskriminierung und Übergriffe. Ihren politischen
Ziehvater, den Antisemiten Kunzeimann, erwähnt sie nicht.
Wie der Verfassungsschutz
linksextreme Straftaten vertuscht

Steuergelder zu vergeben ist aber nicht alles, was der Staat zur
Unterstützung des Linksextremismus unternimmt. Bei der Öffentlich­
keit soll auch der Eindruck erweckt werden, dass bei den Zahlen zu
extremistischen Straftaten ein Übergewicht rechts vor links herrscht.
Und so fassen die Innenminister der Länder zusammen mit dem des
Bundes im Jahr 2001 und damit zum Start des Programmes Civitas
einen Beschluss zur veränderten Erfassung Politisch Motivierter Kri­
minalität (PMK).62
Der Beschluss vom Mai 2001 legt fest, dass rückwirkend (!) Straf­
taten mit zugrunde liegender politischer Motivation ab Januar 2001
zu unterscheiden sind in solche, die »politisch motiviert« und solche
die »extremistisch« sind. »Extremistisch« ist dabei eine Teilmenge der
»politisch motivierten« Straftaten. Die Besonderheit: Prozentual sind
in allen Jahren seit 2001 immer die »extremistischen« Straftaten im
Phänomenbereich links deutlich niedriger als im Bereich rechts. Das
Ziel der damaligen »Reform« ist somit spätestens im Rückblick klar:
Der Öffentlichkeit soll die Dringlichkeit beim »Kampf gegen Rechts«
auch mit Zahlen klargemacht werden. Daher sollen die linksextremen
Zahlen nach Möglichkeit absinken, die rechten Taten dagegen im Ver­
hältnis übermächtig erscheinen. Dies ist nicht nur auf Bundesebene
der Fall, sondern auch in Bayern, wo man sich - zum Schein - immer
besonders kämpferisch gibt, wenn es um Linksextremismus geht. Ein
genauerer Vergleich der letzten Jahre macht das deutlich. Dort sank
der Anteil linker Gewalttaten, die als extremistisch betrachtet werden,
im Jahr 2016 auf 65,5 Prozent. Rechte Gewalttaten wurden im selben
Jahr im Freistaat jedoch zu 95,8 Prozent als extremistisch eingeordnet.
Während linke Straftaten meist nur gut zur Hälfte als »extremis­
tisch« angesehen werden, sind es im Bund im Falle von Rechtsextre­
mismus regelmäßig etwas über 95 Prozent. Auf diese Weise gelingt hier
und da auch eine Umkehrung der wahren Verhältnisse. Im Jahr 2018
begingen Linke mit 1340 Delikten zwar mehr Gewalttaten als Rechte
(1156), doch nach statistischer »Nachbearbeitung« ist es umgekehrt.

53
54 Staats-Antifa

Nun sind es 1010 »linksextremistische Gewalttaten«, während Rechts­


extremisten mit 1088 plötzlich mehr Gewalttaten verüben.

STRAFTATEN BUND

links davon Prozent rechts davon Prozent


gesamt extremis­ extremis­ gesamt extremis­ extremis­
tisch tisch tisch tisch
2016 9389 5230 55,7 23.555 22.471 95,4
2017 9752 6393 65,6 20.520 19.476 95,9
2018 7961 4622 58,1 20.431 19.409 95,0

STRAFTATEN BAYERN

links davon Prozent rechts davon Prozent


gesamt extremis­ extremis­ gesamt extremis­ extremis­
tisch tisch tisch tisch
2016 1112 575 51,7 2474 2379 96,1
2017 1108 614 55,4 2087 1897 90,1
2018 1291 752 58,2 2084 1834 88,0

GEWALTTATEN BUND

links davon Prozent rechts davon Prozent


gesamt extremis­ extremis­ gesamt extremis­ extremis­
tisch tisch tisch tisch
2016 1702 1201 70,6 1698 1600 94,2
2017 1967 1648 83,8 1130 1054 93,3
2018 1340 1010 75,4 1156 1088 94,1

GEWALTTATEN t SAYERN

links davon Prozent rechts davon Prozent


gesamt extremis­ extremis­ gesamt extremis­ extremis­
tisch tisch tisch tisch
2016 110 62 65,5 118 113 95,8
2017 66 54 81,8 79 68 86,1
2018 65 46 70,1 72 63 87,5

Die obigen Zahlen sind dem »Verfassungsschutzbericht des Bundes«63 sowie


dem des Freistaats Bayern (Statistik)64 und einer Abfrage beim LKA Bayern ent­
nommen.
Wie der Verfassungsschutz linksextreme Straftaten vertuscht 55

Ergebnis: Hatte die linke Szene zunächst 184 Gewalttaten mehr auf
dem Konto, waren es nach der behördlichen Bereinigung 78 Gewalt­
akte weniger als aus den Reihen der Rechtsextremisten. Durch die
Statistik wurde das Ergebnis »Mehr Gewalttaten durch linke Szene als
durch rechte« umgekehrt.
In einem Bundesland gelten Aktionen Linker als Straftäter beson­
ders selten als extremistisch: in Sachsen-Anhalt. So betrug im Jahr 2015
der extremistische Anteil an den linken Straftaten gerade einmal 17,8
Prozent (41 von insgesamt 230 Taten). Im selben Jahr galten von den
linken Gewalttaten nur etwas mehr als ein Viertel (25,9 Prozent; 15 von
58 Taten) als extremistisch. Für das Jahr 2018 sah es wieder ähnlich aus:
Von 280 links motivierten Straftaten wurden nur 109 als extremistisch
eingestuft (38,9 Prozent), im rechten Lager hingegen liegt der ermit­
telte Anteil extremistischer Straftaten bei 96,1 Prozent.65
Zwar sind zumindest im Verfassungsschutzbericht für das Land
Sachsen-Anhalt in der Tabelle zur Politischen Kriminalität die Zah­
len komplett abgebildet, was eine etwas größere Transparenz einer
am Ende aber dennoch willkürlichen Unterscheidung darstellt. Denn
auch in dem von einer »Kenia-Koalition« aus CDU, SPD und Grü­
nen regierten Bundesland gibt es keine wirkliche Erklärung für die
Unterscheidung zwischen extremistischen und nichtextremistischen
Straftaten.
Sowohl vom Bundesinnenministerium als auch vom Bayerischen
Staatsministerium des Inneren wurde im September 2019 auf Anfrage
bestätigt, dass der prozentuale Anteil an extremistischen Taten seit
2001 links in jedem einzelnen Jahr niedriger lag als bei rechten Straf­
taten. Diese Aussage bezieht sich damit nicht auf das Jahr 2019, da
während der Recherche zu diesem Buch die Zahlen auf Bundesebene
noch nicht vorlagen.
Aber wie erklärt sich das Bundesinnenministerium diese Zahlen?
Nach knapp 2 Jahrzehnten sollte eine Bundesbehörde durchaus mal ins
Grübeln kommen - sollte man zumindest meinen. Also fragten wir im
Herbst 2019 nach: Wie erklärt sich aus Sicht des Bundesministeriums
des Inneren die Tatsache, dass regelmäßig (immer?) im Phänomenbe­
reich »links« der prozentuale Anteil extremistischer Straftaten geringer
ausfällt als im Phänomenbereich »rechts«? Die Erklärung des Bundes­
innenministeriums ist überraschend:
56 Staats-Antifa

Die Bewertung, ob eine Straftat als extremistisch eingestuft wird oder


nicht, obliegt den jeweiligen Polizeidienststellen in den Ländern. Das
Bundesministerium des Innern kann daher keine Erklärung abgeben.

In Bayern hält man da recht gut mit, wenn die Ergebnisse der Gewalt
auch nicht umgekehrt werden. Liegen im Freistaat im Jahr 2018 linke
und rechte Gewalttaten fast gleichauf, wird aus den 7 Prozent mehr
rechten Gewalttaten (110 linke gegenüber 118 rechten Gewalttaten)
nach sorgfältiger Bereinigung der Statistik im Verfassungsschutzbe­
richt ein Vorsprung von rund 57 Prozent der Anzahl der rechten Ge­
walttaten gegenüber solchen von linker Seite.
Von den rechten Gewalttaten fallen auf dem Weg von der Krimi­
nalstatistik in den Verfassungsschutzbericht in Bayern im Jahr 2018
ganze fünf unter den Tisch (die allesamt ebenfalls in den Bericht auf­
genommen werden sollten beziehungsweise müssten, s. o.), während
38 linke Gewalttaten unter den Teppich gekehrt werden. Es bleibt ein
Rätsel, warum linke Gewalttaten 7,6 Mal häufiger keinen Extremis­
mus darstellen als rechte Taten. Nicht weniger obskur: Im Jahr 2016
etwa werden ein Raub und zwei Delikte aus dem Bereich »Brand- und
Sprengstoff« bei den linksmotivierten Straftaten als nicht extrem an­
gesehen. Man kann in Bayern also seine politischen Ziele mit Raub
oder Brandstiftung zu erreichen versuchen, ohne ein Extremist zu sein.
Erstaunlich - und zugleich erhellend.
Die wahren Zahlen sucht man im bayerischen Verfassungsschutz­
bericht vollkommen vergeblich, auf Bundesebene versteckt man sie
in einem Wortsalat. In den Tabellen des Verfassungsschutzberichts
des Bundes tauchen die Gesamtzahlen schon nicht mehr auf. Von den
Mainstream-Medien werden meist nur die (derart manipulierten)
Zahlen aus den Tabellen wiedergegeben.
Der Wahrheit kommt man allerdings näher, wenn man eine andere
Statistik heranzieht. Das Bundesinnenministerium gab die Broschüre
»Politisch Motivierte Kriminalität im Jahr 2018 - Bundesweite Fall­
zahlen« heraus. Selbstverständlich ist auch diese Statistik mit Vorsicht
zu »genießen«, aber daraus geht hervor, dass ohne Unterscheidung in
extremistische und nichtextremistische Gewalttaten jene der Linken
seit 10 Jahren immer oberhalb der der Rechten liegen. Im Folgenden
dazu das Schaubild:
Wie der Verfassungsschutz linksextreme Straftaten vertuscht 57

Entwicklung der politisch motivierten Gewalttaten nach Phänomenbereichen


im Verlauf der letzten 10 Jahre (2009-2018)

B Politisch motivierte Gewalttaten gesamt*


B Politisch motivierte Gewalttaten rechts
Politisch motivierte Gewalttaten links

2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018

PMK: gesamt 3044 2636 3108 2464 2848 3368 4402 4311 3754 3366

PMK: rechts 959 806 828 842 837 1029 1485 1698 1130 1156

PMK: links 1822 1377 1809 1291 1659 1664 2246 1702 1967 1340

Nicht zuzuordnen 119 300 215 152 185 285 326 314 332 387

PMAK 144 153 256 179 167 390 345 597

PMK: ausl. Ideologie 233 425

PMK: rel. Ideologie 92 58

Quelle: Bundesinnenministerium

In der Medienlandschaft wird jedoch meist der Verfassungsschutzbe­


richt herangezogen. So berichtete dann auch der Deutschlandfunk - wie
andere Presseerzeugnisse - anhand der Tabellen im Verfassungs­
schutzbericht. Unter dem Titel »Nachgefragt: Rechts- und linksex-

* Bei diesem Schaubild, das ursprünglich farbig angelegt war, wurden aus Dar­
stellungsgründen nur die Gesamtzahlen an politisch motivierten Straftaten sowie
die des linken und rechten Lagers aufgefiihrt. Die Zahlen der weiteren, deutlich
kleineren Phänomenbereiche sind in der Tabelle darunter zu ersehen.
58 Staats-Antifa

tremistisch motivierte Straftaten« gab sich der öffentlich-rechtliche


Sender besonders aufklärungsbereit.66 Allerdings bezieht sich die ver­
meintlich kritische »Nachfrage« nur auf die Tabellen innerhalb des
Verfassungsschutzberichtes 2017. Diese »bereinigten« Zahlen werden
im Artikel dann auch abgedruckt und dienen als die Grundlage für die
scheinkritische Betrachtung.
Durchaus peinlich: Mit diesem Beitrag will der Deutschlandfunk die
Kritik an der Statistik zur politisch motivierten Kriminalität und der
zugehörigen Berichterstattung durch die AfD aufgreifen. Zwar kommt
der Autor zu dem Schluss, die Statistik tauge nicht zur Argumentation
beziehungsweise zum Vergleich von linken und rechten Straftaten, was
an sich lobenswert ist. Doch der wichtigste Punkt wird übersehen:
Die Statistik (vor allem wenn man sich auf die Tabellen bezieht) taugt
schon deshalb nicht, weil die Zahlen darin manipuliert sind.
Besonders dreist geht das Innenministerium im Freistaat Bayern
bei dieser Art von Manipulation vor. Im VS-Bericht für Bayern ist für
den Leser auch bei noch so sorgfältigem Studium des »Berichts« nicht
zu entnehmen, dass die politisch motivierte Kriminalität sehr viel hö­
her liegt. Ausschließlich die als »extremistisch« ausgemachten Taten
schaffen es in das Machwerk.
Die Gesamtzahlen zu politisch motivierten Straftaten hingegen wer­
den nirgends veröffentlicht; jedenfalls konnte das Bayerische Innenmi­
nisterium auf Nachfrage keine Stelle oder Publikation nennen, die den
Bürger über die wahren Verhältnisse aufklärt. Erst eine Abfrage beim
Landeskriminalamt der gesamten politischen Kriminalität brachte
Licht ins Dunkel. Der Vergleich zwischen den Zahlen des Bayerischen
LKA und denen des Verfassungsschutzberichts ergibt eindeutig: Auch
in Bayern werden rechte Straftaten viel häufiger als extremistisch ein­
geordnet als solche von links.
Dieses Vorgehen ist insbesondere im Hinblick auf politisch moti­
vierte Gewalt, aber auch angesichts der Rechtsprechung des Bundes­
verfassungsgerichts zumindest pikant, wenn nicht gar schlicht illegal.
Denn das BVerfG gibt vor, was verfassungsfeindlich ist. Dazu werden
regelmäßig die Urteile zu Parteiverboten herangezogen. Im jüngsten
dieser Urteile, dem angestrebten Verbot der NPD, erklärten die Karls­
ruher Richter unter anderem in Leitsatz 3 (Hervorhebung durch den
Autor):
Wie der Verfassungsschutz linksextreme Straftaten vertuscht 59

Der Begriff der freiheitlichen demokratischen Grundordnung im Sinne


von Art. 21 Abs. 2 GG umfasst nur jene zentralen Grundprinzipien, die für
den freiheitlichen Verfassungsstaat schlechthin unentbehrlich sind. [...]
c) Für den Begriff der freiheitlichen demokratischen Grundordnung sind
schließlich die im Rechtsstaatsprinzip wurzelnde Rechtsbindung der öf­
fentlichen Gewalt (Art. 20 Abs. 3 GG) und die Kontrolle dieser Bindung
durch unabhängige Gerichte bestimmend. Zugleich erfordert die verfas­
sungsrechtlich garantierte Freiheit des Einzelnen, dass die Anwendung
physischer Gewalt den gebundenen und gerichtlicher Kontrolle unterlie­
genden staatlichen Organen Vorbehalten ist.

Im Leitsatz 6 heißt es:

Die Anwendung von Gewalt ist bereits für sich genommen hinreichend
gewichtig, um die Annahme der Möglichkeit erfolgreichen Agierens gegen
die Schutzgüter des Art. 21 Abs. 2 GG zu rechtfertigen.

Und die Randnummer 547 dieses Urteils gibt vor:

Zugleich erfordert der Schutz der Freiheit des Einzelnen, dass die An­
wendung physischer Gewalt den gebundenen und gerichtlicher Kontrolle
unterliegenden staatlichen Organen vorbehalten ist. Das Gewaltmonopol
des Staates ... ist deshalb ebenfalls als Teil der freiheitlichen demokrati­
schen Grundordnung im Sinne des Art. 21 Abs. 2 Satz 1 GG anzusehen.

Aber auch der Gesetzgeber selbst hat die Bedeutung von Gewalt
in seiner Reform des Verfassungsschutzes sehr deutlich betont. So
reicht allein die Anwendung von Gewalt für sich genommen schon
aus, um eine Zuständigkeit des Bundesamtes für Verfassungsschutz
auszulösen.67
Bei der Kompetenz der Behörden folgt man demnach dem BVerfG
bei der Einordnung extremistischer Taten hingegen nicht.
Zunächst darf das Bundesamt für Verfassungsschutz nur in Bezug
auf Personenzusammenschlüsse tätig werden, also wenn es sich um
eine Gruppierung handelt. Eine von zwei Ausnahmen laut § 4 Abs. 1
Satz 4 BVerfSChG: Gewalt. Diese berechtigt den Geheimdienst, auch
Einzelpersonen unter die Lupe zu nehmen. Während nach dem Willen
60 Staats-Antifa

des Gesetzgebers politisch motivierte Gewalt als Legitimationsquelle


für das Einschreiten von Sicherheitsbehörden und Inlandsgeheim­
diensten dient, soll sie bei der Darstellung politischer Verbrechen
plötzlich nicht unbedingt entscheidend sein. Und so werden die Vorga­
ben des BVerfG umgangen, da die Polizeibehörden prüfen, ob der Ge­
walttäter ein Grundprinzip der Verfassung außer Kraft setzen wollte,
während das oberste deutsche Gericht sagt, dies geschehe allein durch
die Anwendung von (politisch motivierter) Gewalt selbst.
Hinter dem Vorgehen der Behörden mag sich auch das Motiv ver­
bergen, nicht nur die Zahl der Straftaten, sondern auch das linksex­
treme Personenpotenzial rechnerisch kleinzuhalten. Denn würde ein
Gewalttäter als extremistisch motiviert handelnd zum Beobachtungs­
objekt, wäre er dem extremistischen Lager auch dann zuzuordnen,
wenn er keiner Gruppierung zugerechnet werden kann. Drückt man
den vermeintlichen Einzeltäter damit unter die Schwelle des Extremis­
mus, gibt er keinen Anlass zur Beobachtung, und er fällt nach dieser
Logik aus dem Personenpotenzial heraus.
Diese Richtlinien zur Erfassung der politischen Kriminalität sorgen
auch noch auf andere Weise für die Vertuschung der wahren Verhält­
nisse im Bereich der politisch motivierten Kriminalität. Dies geht auf
die Einordnung als linke oder rechte Tat zurück. Eines der eindrück-
lichsten Beispiele ist der Überfall auf das Büro des AfD-Abgeordne-
ten Daniel Rausch aus Sachsen-Anhalt. Bei dem Übergriff wird unter
anderem mit blauer Farbe ein Hakenkreuz auf das Gebäude gesprüht.
Das Hakenkreuz, das in der Parteifarbe der AfD gehalten ist, genügt
der Polizei zur Einordnung. Die Tat wurde als »rechts motiviert« in die
Statistik aufgenommen, wie Sachsen-Anhalts Innenminister Holger
Stahlknecht (CDU) gegenüber der Enquetekommission Linksextre­
mismus des Landtages auf Drängen von AfD-Abgeordneten einräu­
men musste. Doch Stahlknecht machte noch etwas anderes klar: Diese
absurde Einordnung einer augenscheinlich links motivierten Tat als
»rechts motiviert« sei auf Grundlage der bundesweit geltenden Be­
stimmungen erfolgt.
Damit gilt nicht nur in Sachsen-Anhalt, sondern bundesweit: Je­
der Linksextremist, der ein AfD-Plakat mit einem Hakenkreuz be­
schmiert, begeht zwar real eine links motivierte, aber statistisch eine
»rechts motivierte Straftat«, die als ein Propagandadelikt des politi-
Wie der Verfassungsschutz linksextreme Straftaten vertuscht 61

sehen Gegners in die Statistik eingeht und somit einen zusätzlichen


»Beweis« für den vermeintlichen Rechtsruck der Gesellschaft liefert -
zumal das Propagandadelikt eines ist, dass beim Linksextremismus
letztlich nicht zu verzeichnen ist.
Allerdings ist, anders als oftmals behauptet, auch Linken ein Pro­
pagandadelikt möglich, vor allem im Zusammenhang mit der PKK
(Arbeiterpartei Kurdistans). So besteht etwa ein Verbot für Symbole
der YPG, der kurdischen Miliz im Norden Syriens. Dieses Verbot ist
jedoch so schwammig formuliert, dass eine Strafverfolgung mehr mit
einer Lotterie als mit der Bestimmtheit einer Norm zu tun hat. Das
lässt sich nicht zuletzt der Antwort des Bundesinnenministeriums ent­
nehmen, die ich hierzu erhalten habe:

Die strafrechtliche Bewertung einzelner Symbole liegt in der ausschließ­


lichen Kompetenz der Strafverfolgungsbehörden der Länder. Die Ver­
botsbehörde des Bundes hat allerdings festgestellt, dass Kennzeichen der
syrischen Ableger der PKK (u. a. YPG) dann dem allgemeinen PKK-Kenn­
zeichenverbot unterfallen, wenn sich die PKK dieser Kennzeichen ersatz­
weise bedient, d. h. diese Kennzeichen in einem erkennbaren PKK-Zu­
sammenhang verwandt werden.

Es liegt allerdings im Auge des Betrachters und ist wohl häufig schwer,
einen »erkennbaren PKK-Zusammenhang« rechtssicher festzustellen.
Am Ende bleibt: Propagandadelikte sind links am Rande der Unmög­
lichkeit angesiedelt. Rechts hingegen sind sie leicht möglich - und ge­
hen zudem zum Teil auch noch auf linke Täter zurück.
Dort, wo Zahlen zur Gewichtung zwischen links beziehungsweise
rechts zugeordneten Propagandadelikten zur Verfügung stehen, spre­
chen diese denn auch eine eindeutige Sprache. So weist der Verfas­
sungsschutzbericht des Landes Sachsen-Anhalt linke und rechte Pro­
pagandadelikte gesondert aus. Demnach soll es in dem Bundesland im
Jahr 2016 zwar 3 linke, jedoch 1050 rechte Straftaten dieser Art gegeben
haben. In den Jahren 2017 (2 links, 1020 rechts) und 2018 (5 links,
923 rechts) war die Verteilung ähnlich eindeutig.68 Auf Bundesebene
machten von den 19 409 »rechtsextremistisch motivierten Straftaten«
ganze 12404 Propagandadelikte und damit rund 69 Prozent aller rech­
ten oder vermeintlich rechten Straftaten aus.69
62 Staats-Antifa

Dennoch trägt die Zählweise dazu bei, die Gefahr links als klein
und die von rechts als überproportional groß zu betrachten. »Rechts­
extreme Straftaten machen weiterhin die Hälfte der registrierten De­
likte aus«, so Horst Seehofer am 14. Mai 2019 während einer Presse­
konferenz.
Klingt dramatisch, ist aber angesichts der Grundlagen nichts als
Wortgeklingel. Von etlichen Medien werden solche Aussagen dennoch
kritiklos übernommen. Kein Wunder, entspricht diese fragwürdige
Darstellung doch oftmals der Linie vieler Medien. Das zeigt auch der
Umgang mit einem Vorfall in der Bayerischen Landeshauptstadt.
Ein Afghane zeigte auf dem Oktoberfest den Hitlergruß. Auch die­
ses Propagandadelikt wurde als »rechts« eingeordnet, wie die Polizei
bei Twitter auf Nachfrage eines Nutzers einräumte. Zu einem rechtsex­
tremen Weltbild im Sinne der Nationalsozialisten gehört jedoch meist
die Überzeugung, die »deutsche Rasse« sei allen anderen überlegen.
Eine dem Hitlergruß zugrunde liegende Vorstellungswelt, die den Af­
ghanen sich selbst eine Minderwertigkeit zusprechen ließ, dürfte wohl
kaum die Ursache sein; zumindest ist dies fraglich.
In einem Artikel zu diesem Fall erklärte T-Online70 die Kritik an
der fragwürdigen Erfassung für unzulässig. Denn schließlich sei der
Afghane von »zwei Deutschen« begleitet worden. Zumindest hätten
sie deutsch anmutende Namen. Einer der vermeintlichen Germanen
habe ebenfalls den Hitlergruß gezeigt. Zugleich lässt T-Online-Autor
Lars Wienand seine Leser wissen, es könne keine Rolle spielen, ob ein
Täter mit rechtsextremer Gesinnung Ausländer sei.
Zum Motiv des Afghanen, so Wienand in seinem Beitrag, könne die
Polizei nichts sagen. Zitat aus dem Artikel:

Über die Gesinnung des Afghanen zu spekulieren, lehnt die Polizei dabei
ab: »Mutmaßungen über eine zu Grunde liegende Motivation der Tatver­
dächtigen wären höchst unseriös und können daher nicht beantwortet
werden.«

Zugleich sehen sich die Ordnungshüter jedoch in der Lage, diese Tat
als politisch motivierte Kriminalität von rechts einzuordnen. Und das,
obwohl die Polizei ihre eigene Einordnung zur Motivation laut Wie­
nand selbst als »höchst unseriös« bezeichnet. Finde den Fehler! Eine
Wie der Verfassungsschutz linksextreme Straftaten vertuscht 63

Aufgabe, von der T-Online-Autor Wienand erkennbar überfordert ist.


Aber auch die Polizei selbst. Denn die Pressestelle des Münchner Poli­
zeipräsidiums bestätigte auf meine Nachfrage, tatsächlich zum Motiv
des Täters nichts sagen zu können. Ob der Afghane Anhänger des
Nationalsozialismus sei oder ob er in einer (verbalen) Auseinander­
setzung sein Gegenüber als einen solchen kennzeichnen wolle, wisse
man einfach nicht, erklärt ein Sprecher des Präsidiums. Somit sagt
sogar die Polizei selbst, dass ihre Einordnung anhand eines nicht zu
ermittelnden Motivs »unseriös« ist.
Was bleibt, ist das sich auch aus Wienands Artikel aufdrängende
Fazit: Die Statistik zur politisch motivierten Kriminalität ist unbrauch­
bar, auch wenn Wienand selbst von einem »Frühwarnsystem« spricht.
Die Untauglichkeit der Statistik zur politisch motivierten Krimi­
nalität zeigt ein weiterer Fall. Bereits am 13. Oktober 2018 hatte im
bayerischen Fürth vor einem Infostand der AfD ein linker Gegende­
monstrant den Hitlergruß gezeigt. Offenkundig eine Provokation und
augenscheinlich eben gerade keine Sympathieerklärung gegenüber der
Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten. Dennoch: Auch dieses Pro­
pagandadelikt ging in die Statistik als »rechte Straftat« ein.
Die Unsicherheit zur Ursache und zum Hintergrund der jeweili­
gen Taten macht klar: Ein verlässlicher Beitrag zur Einschätzung des
Rechtsextremismus ist diese Form der statistischen Erhebung nicht.
Bei den meisten Menschen wird die Zahl den Eindruck hervorrufen,
NPD-nahe Rechtsextremisten seien hinter diesen Zahlen zu vermu­
ten, und so werden sie von einer entsprechend umfangreichen Veran­
kerung rechtsextremen Gedankenguts in der deutschen Gesellschaft
ausgehen.
»Antifa bekennt sich zu Anschlag auf Moschee in Kassel« titelt die
Bild am 11. April 2018. Weiter schreibt das Flaggschiff des Hauses Sprin­
ger: »Linksextreme veröffentlichen Schreiben«. Tatsächlich hatte die
Gruppierung »Antifa International« auf de.indymedia.org ein Beken-
nerschreiben veröffentlicht: »Nachdem bereits viel spekuliert worden
ist, bekennen wir uns zu dem Angriff mit Molotowcocktails gegen den
Treffpunkt türkischer Faschisten in der Kasseler Bunsenstraße.« Wo­
rum es geht, wurde auch mitgeteilt: »Die Aktion ist Teil der militanten
Kampagne in Solidarität mit dem kurdischen Kanton Afrin und der
Revolution in Rojava.«
64 Staats-Antifa

Eigentlich recht eindeutig. Welcher Kategorie aber wird diese Brand­


stiftung zugeschrieben? PMK-links oder PMK-ausländische Ideologie?
Beides wäre möglich, denn die sogenannte Kurdistan-Solidarität ist
sowohl in der linken Szene als auch in der kurdisch-extremistischen
Szene ein wichtiges Agitationsfeld. Die Antwort ist aber: weder noch.
Die Informationen reichten auch ein Jahr später noch nicht aus, um
sich hier festzulegen, teilte das Landeskriminalamt Hessen mit.
Ob die LKA-Beamten das Bekennerschreiben für authentisch hal­
ten, wollen sie auch nicht mitteilen - aus ermittlungstaktischen Grün­
den. Also wird ein Anschlag trotz eines Bekennerschreibens nicht der
Antifa (und auch nicht dem PKK-Umfeld) zugeschrieben. Nicht ganz
ohne Widerspruch ist dabei, dass der Verfassungsschutzbericht des
Landes Hessen Bekennerschreiben* auf indymedia sehr wohl als Nach­
weis für einen linksextremen Bezug heranzieht. In einem Abschnitt
mit der Überschrift »Zusammenarbeit der Pkk mit deutschen Linksex­
tremisten« findet man dort folgende Passage (Hervorhebungen durch
den Autor):

Ebenso wurden auf den Internetseitenfight4afrin.noblogs.0rg und de.in-


dymedia.org Bekennerschreiben in Bezug auf Angriffe, die vermehrt nicht
nur türkische Einrichtungen, sondern auch Rüstungsbetriebe, Banken,
Parteibüros und staatliche Einrichtungen zum Ziel hatten, veröffentlicht.71

Die Staatsanwaltschaft Kassel teilte dann aber mit, das Verfahren - zu


dem sich das Landeskriminalamt aus ermittlungstaktischen Gründen
nicht äußern konnte - sei eingestellt. Es sei auch kein Motiv ermittelt
worden, sodass eine Zuordnung zu einem Phänomenbereich nicht
möglich sei. Damit würde es aber überhaupt keiner politischen Aus­
richtung zugeordnet. Seltsam: Schließlich liegt ein Bekennerschreiben
vor. Gilt das den Behörden etwa nicht als authentisch? Erst nach drei­
maliger Nachfrage, zu welcher Einschätzung (!) die Strafverfolger in
Bezug auf die Authentizität gekommen seien, konnte sich die Staats­
anwaltschaft Kassel lediglich zu folgender Erklärung durchringen:

* Nach meiner Anfrage beim Landeskriminalamt Hessen zum Bekennerschreiben


auf de.indymedia.org war dieses nicht mehr aufrufbar, sodass kein funktionieren­
der Link dazu angegeben werden kann.
Wie der Verfassungsschutz linksextreme Straftaten vertuscht 65

Eine sichere Einschätzung der Authentizität des »Bekennerschreibens«


konnten die Ermittlungen nicht erbringen.

Die Neigung, linke Straftaten nicht als solche zu betrachten und sie
deshalb nicht in die Statistik aufzunehmen, ist mit den Händen zu
greifen. Genügt für eine angeblich »rechte« Straftat ein Hakenkreuz auf
einem offenkundig von Linken beschmierten Büro der AfD, ist bei lin­
ken Straftaten noch nicht einmal ein Bekennerschreiben ausreichend.
Soweit sich hier eine Unsicherheit ergibt, ist dies auf einen ohnehin
in den Statistiken angelegten Fehler zurückzuführen. Denn die Tren­
nung linker Straftaten von solchen mit PKK-Bezug ist aufgrund der
personellen und ideologischen Übereinstimmung beider Lager ohne­
hin künstlich und geschieht ohne den notwendigen Bezug zum realen
Geschehen. Das wird dieses Buch noch an diversen Stellen aufzeigen.
In der Gesamtschau der Statistik zur politischen Kriminalität und
zum Personenpotenzial der jeweiligen extremistischen Szene wird klar:
Das Zahlenwerk ist nicht zur Aufklärung des Wahlvolkes bestimmt,
sondern zu dessen Manipulation.
Diese hat jedoch zur Folge, dass die Widersprüche zwischen den
Zahlen und der Realität, die von den Behörden des Bundes und der
Länder überdeckt werden soll, immer wieder offenkundig werden.
In einer schriftlichen Anfrage an die Bayerische Staatsregierung
vom 22. Oktober 2019 wollte der Abgeordnete Richard Graupner (AfD)
wissen, woraus sich bei den Taten des Afghanen und des »erklärten
Nazigegners« in Fürth das vermeintlich zugrunde liegende Motiv einer
»rechten« Geisteshaltung entnehmen lasse. Die Antwort der Landes­
regierung kann jedoch nicht überzeugen. Ein Auszug (Hervorhebung
durch den Autor):

Politisch motivierte Kriminalität wird im Rahmen des bundesweit ein­


heitlichen Kriminalpolizeilichen Meldedienstes in Fällen Politisch Mo­
tivierter Kriminalität (KPMD-PMK) erfasst. Eine Zuordnung zu einem
der Phänomenbereiche erfolgt einzelfallbezogen in Würdigung der Um­
stände der Tat und/oder der Einstellung des Täters. Dem Phänomenbe­
reich PMK-rechts werden Straftaten insbesondere dann zugeordnet, wenn
Bezüge zu völkischem Nationalismus, Rassismus, Sozialdarwinismus oder
Nationalismus ganz oder teilweise ursächlich für die Tatbegehung waren.
66 Staats-Antifa

Nach Auskunft der jeweils örtlich zuständigen Polizeipräsidien rechtfer­


tigte zum Zeitpunkt der Erfassung im KPMD-PMK die Gesamtschau der
jeweiligen Einzelfalle unter Berücksichtigung aller im Rahmen des Er­
mittlungsverfahrens gewonnenen Erkenntnisse und unter Beachtung der
bundesweit einheitlichen Richtlinien des KPMD-PMK sowohl im in der
Vorbemerkung angeführten Vorfall in Fürth als auch im Fall in München
eine Zuordnung zum Phänomenbereich PMK-rechts.72

Doch dann folgt eine glatte Unwahrheit der Staatsregierung, wie wir
gleich sehen werden. Denn weiter heißt es im Antwortschreiben:

Ergeben sich im Laufe des Strafverfahrens neue Erkenntnisse, welche die


Zuordnung zu einem anderen Phänomenbereich erfordern, erfolgt eine
entsprechende Änderung.

Das ist so nicht richtig, wie der nächste Fall zeigt. Im Dezember 2014
kam es zu einem Brandanschlag auf ein noch im Bau befindliches Asyl­
bewerberheim im bayerischen Vorra. Innenminister Joachim Herr­
mann zeigte sich sogleich empört und äußerte den Verdacht, es könnte
sich um eine rechtsextreme Tat handeln. »Kein Asylat (sic) in Vorra«
hatten die Täter auf das im Umbau befindliche Gebäude geschrieben.
Der Verfassungsschutzbericht für dieses Jahr wies - einschließlich
des Brandanschlages von Vorra - insgesamt 66 rechtsextreme Gewalt­
taten aus. Dabei stellten die vermeintlichen Verfassungshüter einen
Zusammenhang zu »Hetzkampagnen gegen Asylunterkünfte« her:

Durch die Hetzkampagnen könnten sich einzelne Rechtsextremisten dazu


ermutigt fühlen, sich weiter zu radikalisieren oder gewalttätige Aktionen
durchzuführen.
Am 11. Dezember wurden in Vorra, Landkreis Nürnberger Land, zwei
geplante Asylbewerberunterkünfte und ein Nebengebäude in Brand ge­
setzt. An einem Gebäude waren zwei Hakenkreuze und der Schriftzug
»Kein Asylat1 in Vorra« angebracht. ('Originalschriftzug)

Die vermeintlichen Nazis mit Rechtschreibschwäche gab es aber nicht.


Vielmehr keimte schon 2016 bei der zuständigen Staatsanwaltschaft
der Verdacht auf, zwei Bauarbeiter aus dem Kosovo hätten den Brand
Wie der Verfassungsschutz linksextreme Straftaten vertuscht 67

gelegt und das Hakenkreuz mit obiger Parole auf die Mauern des ehe­
maligen Gasthauses geschmiert. Es wurde gar Untersuchungshaft
angeordnet. Noch heute geht die Staatsanwaltschaft von diesem Tat­
hergang aus, auch wenn das zuständige Gericht die Eröffnung eines
Strafverfahrens ablehnt.
Allem Anschein nach waren es also keine Rechtsextremisten, die
sich durch die Kampagne ermutigt fühlten, sondern Täter, die wussten,
wie leicht man Behörden und Medien durch einen Bezug zum Rechts­
extremismus - ein einfaches Hakenkreuz reicht aus - auf die falsche
Fährte locken kann.
An der Statistik änderten die neuen Erkenntnisse freilich nichts.
Noch im Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2018 wurden im An­
hang weiterhin 66 rechtsextreme Gewalttaten für das Jahr 2014 aus­
gewiesen. Zu diesen gehört auch die Tat von Vorra. Der Bericht wurde
am 17. Mai 2019 veröffentlicht, etwa 3 Jahre nachdem sich im »Laufe
des Strafverfahrens neue Erkenntnisse ergeben« hatten.
Von einer »Änderung der Zuordnung« jedoch keine Spur. Sollte
die Staatsregierung folglich den Parlamentarier Graupner angelogen
haben? Was stimmt denn nun: Wird die Statistik berichtigt oder eben
nicht?
Auf Nachfrage, wie es auch Jahre später noch zur Nennung des Vor­
falls von Vorra im Verfassungsschutzbericht kommen konnte, teilte
das Innenministerium mit, wie man vorgeht (Hervorhebungen durch
den Autor):

Beim KPMD-PMK handelt es sich um eine Einlaufstatistik, welche gemäß


der bundesweit einheitlichen Vorgaben zum Stichtag31.01. des Folgejahres
geschlossen wird. Der Verfassungsschutzbericht wird, wie auch grundsätz­
lich andere statistische Beauskunftungen, auf Basis dieses finalisierten Da­
tenbestands des KPMD-PMK erstellt. Eine nachträgliche Änderung dieser
finalisierten Fallzahlen im Rahmen von Jahresberichten oder ähnlichem
erfolgt grundsätzlich nicht.

Was die Staatsregierung demnach dem Abgeordneten Graupner ver­


heimlicht hat, ist die Tatsache, dass eine solche Berichtigung/Ände-
rung der Zuordnung »im Laufe des Strafverfahrens« überhaupt nur
infrage kommt, wenn diese bis zum 31. Januar des Folgejahres erfolgt.
68 Staats-Antifa

Bei Fällen wie den Hitlergrüßen des Afghanen oder dem des linken
Gegendemonstranten, die sich beide erst im Oktober ereignet hatten,
ist die Chance angesichts der üblichen Abläufe von Ermittlungsver­
fahren auf eine Berichtigung augenscheinlich von vornherein nahezu
ausgeschlossen.
Einen unauflösbaren Widerspruch liefert auch der nächste Fall.
Stuttgart, 16. Mai 2020: Etwa zehn Personen sind gegen 14 Uhr auf
dem Weg zur »Querdenken 7ii«-Demonstration gegen die Corona-
Einschränkungen. Sie sind der alternativen Gewerkschaft Zentrum
Automobil (ZA) zuzurechnen oder gehören dieser an. Die Stimmung
in jenem Frühsommer ist aufgeladen. Das rührt auch von einer Be­
richterstattung her, die vor einer Unterwanderung der Corona-De-
monstrationen durch Rechtsextremisten warnt. Als Quelle geben die
Medien den Verfassungsschutz an. Entsprechend alarmiert zeigt sich
auch die Antifa, die Proteste gegen die Corona-Beschränkungen zu
be- und verhindern sucht.
Von einer Gruppe aus der linken Szene wird die Gruppe der Ge­
werkschafter entdeckt. Simon Kaupert, der für die ZA die Medien­
arbeit macht, erklärt gegenüber der Jungen Freiheit: »Es ging alles sehr
schnell.«73
Eine Gruppe von ca. 50 Vermummten sei auf sie zugekommen, so
Kaupert. Einer von ihnen habe gerufen: »Die gehören auch zu denen.«
Es folgte die Attacke. Dabei sei von ca. zehn Angreifern auf am Boden
liegende Opfer eingetreten worden, gibt Kaupert die Aussagen weiterer
Zeugen wieder. In der Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Stuttgart
wird der Übergriff auch kurz abgehandelt:

Bereits vor der Versammlung griff eine Gruppe mutmaßlich Linker in


der Mercedesstraße auf Höhe der Mercedes-Benz-Arena kurz nach 14.00
Uhr drei Passanten an, die offensichtlich auf dem Weg zur Versammlung
waren.

Laut der Jungen Freiheit, die sich auf die Polizei beruft, wurde eine
Schreckschusswaffe in Tatortnähe gefunden. Der für politische Taten
zuständige Staatsschutz sei an der gemeinsamen Ermittlungsgruppe
mit der Kriminalpolizei beteiligt, berichtet die Wochenzeitung in ihrer
Onlineausgabe vom 18. Mai 2020.
Wie der Verfassungsschutz linksextreme Straftaten vertuscht 69

Eine Woche später: Focus Online berichtet am 27. Mai 2020, der
Überfall mutmaßlicher Linksextremisten habe das von Thomas Strobl
(CDU) geführte Innenministerium in Baden-Württemberg »alar­
miert«.74
Am selben Tag der Focus-Meldung, im fernen Berlin. Auf einer
Pressekonferenz stellen Bundesinnenminister Horst Seehofer und
Holger Münch die Kriminalitätszahlen für das Jahr 2019 vor. Dabei
erklärt Seehofer, wie die PMK gehandhabt wird ... angeblich gehand­
habt wird:

Die Politisch Motivierte Kriminalität ist eine Eingangsstatistik. Da werden


alle Straftaten erfasst, bereits mit Aufnahme der polizeilichen Ermittlun­
gen und damit bereits bei einem Anfangsverdacht.75

Für den Überfall in Stuttgart würde das bedeuten: Die Straftaten haben
in die PMK-links Eingang gefunden. Allerdings: Am selben Tag, am
27. Mai 2020,11 Tage nach der Tat, über eine Woche nach Aufnahme
der Ermittlungen, teilt mir ein Sprecher des Polizeipräsidiums auf die
Frage, wie viele und welche dieser Straftaten in die Statistik der PMK-
links Eingang fänden, mit:

Momentan dauern die Ermittlungen hinsichtlich der Täter an. Daher kann
die Frage jetzt nicht beantwortet werden.

Also doch keine Aufnahme in die PMK mit »Aufnahme der Ermitt­
lungen«, doch nicht bei einem »Anfangsverdacht«, der sich keines­
wegs gegen eine bestimmte Person richten muss.* Zumal der Anfangs­
verdacht sehr konkret ist, wie die Polizei weiterhin mitteilt. Ermittelt
werde wegen »versuchten Totschlags, gefährlicher bzw. ggfs. schwerer
Körperverletzung, schweren Landfriedensbruchs«. Opfer des versuch­
ten Totschlags ist Andreas Ziegler, Mitglied der ZA, der wegen dieser
Zugehörigkeit überfallen, geschlagen, getreten wurde und in der Folge
mit dem Tode ringen musste.

* Oftmals geht die Mehrheit der Fälle von links motivierten Straftaten ohne einen
konkreten Tatverdächtigen in die vermeintliche Eingangsstatistik ein, was man
auch an den Aufklärungszahlen erkennen kann.
70 Staats-Antifa

Die Taten hätten auch Eingang in die Statistik »Hasskriminalität«


finden müssen, denn es steht hier der Anfangsverdacht im Raum, die
alternativen Gewerkschafter dürften wegen ihrer Weltanschauung
Opfer geworden sein. Das Bundeskriminalamt bestätigt auf Anfrage,
dass die Statistik »Hasskriminalität« Teil der PKM und damit eine Ein­
gangsstatistik sei. Dennoch teilt die Stuttgarter Polizei auch auf die
Frage, ob die Taten Eingang in die Statistik der Hasstaten eingegangen
seien, wie zuvor schon auch hierzu mit: »Momentan dauern die Er­
mittlungen hinsichtlich der Täter an. Daher kann die Frage jetzt nicht
beantwortet werden.« (Mehr zu der ebenfalls sehr fragwürdigen Sta­
tistik »Hasskriminalität« im Kapitel: »Wie der Bund und Bayern linke
Straftaten gegen Polizeibeamte verheimlichen«, S. 81).
Anders als all die willkürlich geführten und gefütterten Statistiken
sind die Folgen der Taten, auch wenn dabei nach Auskunft der Polizei
keine Schreckschusswaffe zum Einsatz kam, sehr konkret:

Es gibt drei Verletzte, ein 38-Jähriger ist nach Angaben der Ärzte schwer
verletzt, ein 45-Jähriger ist leicht verletzt, ein 54-Jähriger schwebte einige
Tage in Lebensgefahr, sein Zustand hat sich offenbar stabilisiert.

Wie so oft lässt sich auch in diesem Fall der Umgang von Behörden
und Ministerien mit Statistiken, Studien und Berichten bestenfalls
als intransparent bezeichnen. Man möchte halt die darin genannten
Zahlen aus »Sorge um gesellschaftliche Entwicklungen« heranziehen,
um favorisierte Maßnahmen begründen zu können. Die angeblichen
Grundlagen aber halten einer Überprüfung in vielen Fällen nicht
stand. Vielmehr geht die Politik augenscheinlich umgekehrt vor: Sie
will bestimmte Maßnahmen und gestaltet dann die Daten für die Be­
gründung in willkürlicher Manier.

***

Zurück nach Bayern und zu dem als rechte Straftat inszenierten Vorfall
von Vorra, der hartnäckig in der Statistik verharrt. Dass das Bayerische
Innenministerium eine Korrektur seiner Berichte gar nicht will, wird
anhand der Praxis deutlich. Der Verfassungsschutzbericht von 2014,
den man nach wie vor abrufen kann,76 wurde nie richtiggestellt. Und
auch in den Folgejahren veröffentlichte das Innenministerium weiter
Wie der Verfassungsschutz linksextreme Straftaten vertuscht 71

die Zahlen, von denen es wusste, dass sie in Teilen und damit in ihrer
Gesamtheit falsch sind. Denn Vorra blieb Teil der Gesamtzahl rechts­
extremer Taten. Einmal in der Statistik, immer in der Statistik.
Besonders absurd: Zwar sind im sogenannten Verfassungsschutz­
bericht die Zahlen zu politisch motivierten Straftaten angegeben, aber
bei etlichen Nachfragen verweist der bayerische Verfassungsschutz
mangels eigener Kenntnis an das Landeskriminalamt. Das Landesamt
für Verfassungsschutz Bayern kann also bei der Interpretation von Da­
ten aus dem eigenen Bericht nur an eine andere Behörde verweisen.
Gleichwohl zieht der VS Bayern beständig Schlüsse aus seinem eigenen
Bericht; nicht zuletzt, indem er öffentlich darstellt, wie bestimmte poli­
tische Straftaten im Vergleich zu Vorjahren gesunken beziehungsweise
gestiegen sind. Und das auf der Grundlage von Zahlen, die bewusst
falsch in den Bericht aufgenommen wurden.
Jeder Vorstand einer Kapitalgesellschaft macht sich mit der Ver­
öffentlichung falscher Zahlen und Fakten strafbar.77 Eine Behörde, die
mit ihren Berichten Einfluss auf die Willensbildung der Wähler nimmt
und nehmen will, kann dagegen jeden nur denkbaren, nicht belast­
baren Unsinn veröffentlichen.
Davon macht man im Freistaat umfangreich Gebrauch. Aber damit
steht der bayerische Verfassungsschutz nicht allein da. Sachsen-An­
halt ist ein weiteres Beispiel. Allerdings ist man dort besonders ver­
wirrt, wenn es um die eigenen Zahlen geht, die man der Öffentlichkeit
vorträgt. In der Enquetekommission Linksextremismus werden die
Zahlen zu politisch motivierter Kriminalität von einem Vertreter des
Landeskriminalamtes vorgetragen. Schon dies ist merkwürdig, da es
im Verfassungsschutzbericht des Landes für das Jahr 2014 heißt:

Von der Verfassungsschutzbehörde, der die endgültige Entscheidung über


die Einstufung als extremistische Tat obliegt, erfolgt ein Abgleich mit den
ihr vorliegenden Erkenntnissen. Kommt die Verfassungsschutzbehörde zu
einer gegenteiligen Bewertung, teilt sie dies der Polizei mit, die daraufhin
eine Änderung der Einstufung der entsprechenden Taten vornimmt. Die
auf diese Weise zwischen Polizei und Verfassungsschutz abgestimmten,
bei der Polizei gespeicherten Bewertungen zur politisch motivierten Kri­
minalität spiegeln damit den jeweils aktuell gegebenen Ermittlungsstand,
auch in Bezug auf die Melde-/Bewertungskriterien, wider.
72 Staats-Antifa

Damit hätte eigentlich der Vertreter des Verfassungsschutzes Aus­


kunft erteilen müssen. So oder so: Nach wenigen Fragen, auch zur
PMK, waren ohnehin beide am Ende ihres Lateins.

***

Am 26. August 2018 wird in Chemnitz der 35-jährige Daniel H. er­


stochen (siehe auch Kapitel »Daniel H.: Eine Tötung mit einem politi­
schen Motiv«). Ein 22-jähriger Iraker und ein 23-jähriger Syrer werden
festgenommen. Es folgen Proteste gegen die Zuwanderungspolitik und
Gegendemonstrationen gegen die asylkritischen Versammlungen.
Berühmt wird dabei der Teilnehmer Andre H„ der zwar den Hitler­
gruß zeigt, aber an der Hand ein Tatoo mit der Aufschrift »RAF« trägt.
Eine mögliche Bedeutung: »Rote Armee Fraktion«. Von den alterna­
tiven Medien wird dieser mögliche Widerspruch zwar aufgegriffen,
aber von der Mainstream-Presse als Fake News deklariert. Später muss
jedoch etwa T-Online zurückrudern und eine falsche Berichterstattung
einräumen. Dieser Vorgang sorgt für heftige Debatten zwischen alter­
nativen Medien auf der einen Seite und der Mainstream-Presse auf
der anderen.
Am Ende erklärt der Hitlergruß-Zeiger vor Gericht, er ordne sich
links ein. »Mir war sofort klar, dass da wohl wieder Alkohol im Spiel
gewesen sein wird«, so die Richterin, die über den alkoholabhängi­
gen Angeklagten immer wieder wegen Diebstahl, Körperverletzung,
Drogendelikten und anderen Straftaten zu urteilen hatte. Ein Gutach­
ter bestätigt das Vorhandensein eines Tattoos mit »Antifa«-Symbolik.
Warum ist jedoch ein gerichtsnotorischer Linker mit RAF-Tatoo der
Polizei derart unbekannt, dass sie diesem eine rechte Tat zuschreibt?
Man sollte annehmen, der Meinungsstreit über die Zuordnung des
Hitlergrußes des RAF-Sympathisanten H. werde die Verfassungs­
schutzbehörde Sachsens sensibilisieren. Wurde der berühmteste
Hitlergruß der Chemnitzer Demonstrationen aber dennoch bei den
»rechtsextremen Taten« mitgezählt? Wie schon in Bayern, so verweist
auch in Sachsen der Verfassungsschutz bei Nachfragen zu den in sei­
nem Bericht veröffentlichten Zahlen an die Polizei. Man weiß dem­
nach innerhalb des sächsischen Verfassungsschutzes angeblich nicht,
wie die eigenen Zahlen zustande kommen - und damit letztlich auch
Wie der Verfassungsschutz linksextreme Straftaten vertuscht 73

nicht, wie sie zu interpretieren sind. Eine Sprecherin des sächsischen


Landesamtes für Verfassungsschutz gibt sich jedenfalls ahnungslos,
wie die eigenen Daten zustande kommen. Später wird sich diese Be­
hauptung in einem anderen Zusammenhang als äußerst fragwürdig
herausstellen:

Sehr geehrter Herr Jung,


vielen Dank für Ihre Anfrage vom 21. April 2020, die wir wie folgt be­
antworten:
Grundsätzlich obliegt die Bearbeitung von Straftaten den Strafverfol­
gungsbehörden (Polizei, Staatsanwaltschaft). Entsprechend werden Statis­
tiken zur politisch motivierten Kriminalität von der Polizei veröffentlicht.
Der Verfassungsschutz nutzt diese Statistiken in seinen Publikationen,
regelmäßig im Verfassungsschutzbericht, als Sekundärstatistik.

Das ist doch recht erstaunlich; zumindest dann, wenn man den Ver­
fassungsschutzbericht für Sachsen für das Jahr 2018 ernst nimmt. Dort
heißt es auf Seite 12:

Polizei und Verfassungsschutz arbeiten beim Schutz von Staat und Ver­
fassung eng zusammen.

Die Zusammenarbeit ist aber augenscheinlich nicht so »eng«, dass die


eine Behörde wüsste, welche Bedeutung die Zahlen haben, die sie von
der anderen Behörde übernimmt. Die Polizei, die laut sächsischen Ver­
fassungshütern die Zahlen veröffentlicht, kann allerdings auch keine
Auskunft geben. Man verweist an die zuständige Staatsanwaltschaft.
Die verweist wiederum darauf, erst bei der Generalstaatsanwaltschaft
nachfragen zu müssen. Diese teilt am Ende mit:

Bezug nehmend auf Ihre Anfrage teile ich Ihnen mit, dass das Ermitt­
lungsverfahren gegen die den »Hitlergruß« zeigende Person dem Phä­
nomenbereich »rechtsextremistische Straftaten« zugeordnet worden ist.

Das bedeutet aber auch: Nicht nur hat der Linke Andre H. eine »poli­
tisch motivierte Straftat - rechts« begangen, sondern sie war auch noch
extremistisch - und nicht lediglich politisch motiviert.
74 Staats-Antifa

Als extremistisch sollen nach offizieller Darstellung solche Taten


gezählt werden, die »die Außer-Kraft-Setzung oder Abschaffung eines
Elementes der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zum Ziel
haben«. RAF-Sympathisant Andre H. aus dem linken Spektrum mit
einem augenscheinlich kaum stillbaren Verlangen nach Alkohol und
Aufmerksamkeit wollte folglich nach Ansicht der Polizei, der Justiz und
des Verfassungsschutzes (der die Einordnung ungeprüft übernahm,
siehe oben) mit seinem Hitlergruß den Wesensgehalt des Grundgeset­
zes über den Haufen werfen - natürlich von rechts. So richtig geklappt
hat dieser Umsturzversuch des vermeintlichen Rechtsextremisten und
tatsächlichen Anhängers des Linksextremismus aber nicht, also setzte
das Gericht seine Strafe zur Bewährung aus, auch weil H. angab, eine
Entziehungskur machen zu wollen.

***

Eine weitere Unschärfe: die Abtrennung links motivierter Straftaten


von solchen mit Bezug zur PKK. Die Arbeiterpartei Kurdistans (Par-
tiya Karkeren Kurdistane, PKK) verfolgt eine stramm linke Politik.
Deutsche Linksextremisten (mit und ohne »Migrationshintergrund«)
sympathisieren in großem Umfang mit der Sache der Kurden. Die Kur­
den fordern einen eigenen Staat, stellen aber in den Ländern Türkei,
Iran, Irak und Syrien eine Minderheit dar. Bei diesem letztlich na­
tionalistischen Ansatz mag die teilweise handfeste Unterstützung für
die kurdische Sache vonseiten der deutschen Linken überraschen. Zu­
gleich ist die PKK jedoch sozialistisch oder gar kommunistisch ausge­
richtet. Daher sieht man eher das Gemeinsame und verzeiht der PKK
den »Nationalismus«, den der Linksextremist deutscher Provenienz
ansonsten abzulehnen vorgibt.
In linken und linksextremen Publikationen ist die »Kurdistan-So­
lidarität« beständiges Thema. Es findet faktisch keine größere links­
extreme Veranstaltung ohne Unterstützung kurdischer PKK-Sympa­
thisanten statt. Jede deutsche Antifa-Gruppierung, die etwas auf sich
hält, bekämpft den »türkischen Nationalismus« (um zugleich den kur­
dischen zu befördern!).
Das Gefährdungspotenzial kurdischer Extremisten kann man folg­
lich nur begreifen und (statistisch) erfassen, wenn man linke und PKK-
Wie der Verfassungsschutz linksextreme Straftaten vertuscht 75

nahe Extremisten und deren Straftaten in ihrer Gesamtheit betrachtet.


Denn beide Fraktionen lassen sich für und durch die gleichen Inhalte
mobilisieren und agieren oftmals und seit Jahren in verstärktem Maße
gemeinsam (siehe hierzu das Unterkapitel »Organisierte Kriminalität
und Linksextremismus - Schutzgeld für die Antifa?«, S. 154).
Jedes Ereignis im Ausland, das Bezug zur kurdischen Autonomie
hat, ist damit zugleich ein Thema deutscher Sicherheits- und Innen­
politik. Zunächst vollkommen richtig stellt das Bundesamt für Ver­
fassungsschutz daher auf seiner Website fest:

Ereignisse und krisenhafte Entwicklungen in der Türkei haben stets auch


unmittelbare Auswirkungen auf die Sicherheitslage in Deutschland.78

Das Problem der Kriminalstatistik: Straftaten, die im Zusammenhang


mit Konflikten im Ausland stehen, wie etwa bei Bezügen zur PKK,
werden nicht dem Linksextremismus zugerechnet. Vielmehr erhöhen
solche Straftaten die Zahlen der »politisch motivierten Kriminalität -
ausländische Ideologie«.
Der Verfassungsschutzbericht des Bundes für das Jahr 2018 verbin­
det einen erheblichen Teil dieser Straftaten mit der PKK und ihrem
Umfeld:

Einen extremistischen Hintergrund hatten 1.928 Straftaten (2017: 1.187),


was einen sehr deutlichen Anstieg um 62,4 % bedeutet, der im Wesent­
lichen auf die bundesweiten Protestaktionen insbesondere von Anhängern
der PKK gegen die türkische Militäroffensive im nordsyrischen Kanton
Afrin zurückzuführen ist.79

Und weiter:

Im Vergleich zu 2017 (182 Gewalttaten) haben sich die Gewalttaten beinahe


verdoppelt. Ihr überwiegender Teil sind Körperverletzungen (60,3 %). Im
Berichtsjahr befanden sich unter den Gewalttaten auch 5 Tötungsdelikte
(4 versuchte und 1 vollendetes).

Wenn auch nicht alle Straftaten aus dem Bereich »PMK - ausländische
Ideologie« sich dem »innertürkischen Konflikt« beziehungsweise der
PKK-Szene zuordnen lassen, so doch die übergroße Mehrheit. Drei
76 Staats-Antifa

Viertel aller dieser Straftaten sollen nach Angaben des Bundesinnen­


ministeriums aus diesen Konflikten ihre Motivation beziehen:

Rund 75 % der im Jahr 2018 für den Bereich der PMK -ausländische Ideo­
logie- festgestellten Straftaten sind dem Themenfeld »Befreiungsbewe-
gungen/Internationale Solidarität«, Unterthemen »PKK« und »Kurden«,
zuzuordnen.80

Warum aber nicht Straftaten wie etwa jene der türkischen »Nazis«,
sprich: der Grauen Wölfe, gleichfalls gemeinsam mit den Straftaten
der herkunftsdeutschen Rechtsextremisten betrachten? Dies könnte in
bestimmten Zusammenhängen tatsächlich Sinn ergeben. Aber anders
als auf der linken Seite stehen sich hier zwei feindliche Lager gegen­
über, die der anderen (ethnische) Unterlegenheit zusprechen, weshalb
eine Zusammenarbeit weitgehend ausscheidet, wenn zum Teil auch die
Stoßrichtung übereinstimmt, wie etwa beim Antisemitismus. Damit
würde ein Aufaddieren der jeweiligen Schlagkraft/Gefährlichkeit kei­
nen oder zumindest nur sehr wenig Sinn ergeben. Eine Verstärkung
des einen Phänomenbereichs durch den anderen findet daher nur sehr
eingeschränkt statt.
Übrigens gilt dies nicht für religiös unterlegten Extremismus aus
dem islamischen Bereich mit dem Phänomen des türkischen Rechts­
extremismus. Denn diese beiden Gruppen haben in der Tat eine große
Schnittmenge, sowohl personell als auch organisatorisch. In der öffent­
lichen Diskussion wird dies allerdings in großem Umfang ignoriert.
Ein Beispiel (von vielen) ist der Besuch von Politikern - Grüne, SPD
und CDU - in einer von türkischen Rechtsextremisten (Graue Wölfe)
dominierten Moschee.81
Doch zurück zum Linksextremismus und den PKK-orientierten
Verfassungsfeinden. Hier gibt es nämlich durchaus personelle und
auch organisatorische Überschneidungen. Da wäre etwa der sich selbst
als «Kommunisten« und »Aktivisten« bezeichnende Kerem Scham­
berger, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ludwig-Maximilians-
Universität (LMU) in München am Institut für Kommunikations­
wissenschaften. Schamberger sammelte laut der Website der LMU bei
der durch den Verfassungsschutz beobachteten Zeitung Junge Welt
journalistische Erfahrung. Zugleich ist Schamberger nicht nur Mit-
Wie der Verfassungsschutz linksextreme Straftaten vertuscht 77

glied der »Marxistischen Linken«, sondern auch Vorstandsmitglied


des linksextremistisch beeinflussten »Instituts Solidarische Moderne«
(ISM). (Siehe »Ein vielsagendes Interview: Ramelow und die Inter­
ventionistische Linke«, S. 214.)
Als der deutsche Staatsbürger Schamberger auf Facebook Fotos
der kurdischen Miliz YPG postet, wird er angezeigt. Diese vermeint­
lichen Straftaten Schambergers gehen in die Statistik als »politisch mo­
tiviert - ausländische Ideologie« in die Statistik ein.*
Schambergers Einbindung als Kurdistan-Extremist in die linksex­
treme Szene steht stellvertretend für viele Überschneidungen der deut­
schen mit der kurdischstämmigen Extremistenszene. Das zeigt sich
auch in handfesterer Zusammenarbeit. In mehreren Sammelaktionen
brachten »deutsche« Linksextremisten und kurdische Organisationen
gemeinsam Spenden von jeweils über 100 000 Euro für die Kämpfe
im kurdischen Gebiet im nordsyrischen Kanton Rojava auf. Dort soll
nämlich ein sozialistisches Paradies gemäß den Lehren des PKK-Füh­
rers Abdullah Öcalan errichtet werden. Im Verfassungsschutzbericht
des Bundes von 2015 wird auf die Sammelaktion »Waffen für Rojava«
verwiesen, die 119 000 Euro eingebracht hätte. Und weiter heißt es dort
auf Seite 102:

Einen ähnlich hohen Erlös erzielte die ebenfalls im Vorjahr gestartete


Kampagne »Solidarität mit Rojava«, die von der »Interventionistischen
Linken« (IL) sowie der PKK-Studentenvereinigung »Verband der Studie­
renden aus Kurdistan« (YXK) initiiert worden war. Die Ende Mai 2015
beendete Spendensammlung erbrachte - nach Eigenangaben der IL - bis
März 2015 eine Summe von etwa 100.000 Euro.

* Die Darstellung ist unabhängig davon, wie Polizei, Staatsanwaltschaft, Gericht


und vor allem die ohnehin fragwürdige Statistik Schambergers Taten oder auch
jene anderer werten. Gewichtige Argumente sprechen dafür, eine Meinungsäuße­
rung, die nicht zu unmittelbarer Gewaltanwendung aufruft, nicht als Anlass zur
Strafverfolgung heranzuziehen, wie dies etwa die US-amerikanische Verfassung
garantiert. Das Argument in diesen Darstellungen zielt nicht auf den angeblichen
oder tatsächlichen (juristischen) Unwert von Schambergers Facebook-Posts,
sondern auf die Unsinnigkeit beziehungsweise Unzuverlässigkeit der Kriminal­
statistik in Bezug auf politisch motivierte Straftaten.
78 Staats-Antifa

Im Zusammenhang mit der Kurdensolidarität floss nicht nur Geld


ins Ausland, sondern auch an die Rote Hilfe. 11.000 Euro sammel­
ten etwa oben genannter Kerem Schamberger und Prof. Dr. Michael
Meyen im Zuge eine Lesereihe, bei der sie ihr gemeinsames Buch, Die
Kurden - Ein Volk zwischen Unterdrückung und Rebellion, vorstellten.
Meyen ist Professor für Kommunikationswissenschaft an der
Münchner LMU und arbeitet am gleichen Institut, bei dem auch
Schamberger beschäftigt ist. Das Geld der beiden LMU-Forscher ist
der linksextremistischen Roten Hilfe auch deshalb so wichtig, da sich
ein »großer Teil der deutschen Linken« mit dem kurdisch-sozialisti­
schen Versuch in der syrischen Provinz Rojava »identifiziert«.
Eine trennscharfe Betrachtung von Linksextremismus und links
konnotiertem Ausländerextremismus ist folglich irreführend.*
Wie willkürlich auch sonst die Erfassung der Zahlen und die Aus­
gestaltung der vermeintlichen Statistik zur politisch motivierten Kri­
minalität ist, machte am 22. September 2016 der Brandenburgische
Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) in einem Interview mit dem
Inforadio RBB deutlich:

Wir haben in Brandenburg die Statistik bei rechtsextremen Übergriffen


geändert. Das heißt, bei der Polizei wird erstmal jeder Übergriff, wo nicht
erwiesen ist, dass er keine rechtsextreme Motivation hatte, in diese Sta­
tistik reingezählt.

Auch bei der Strafverfolgung politisch motivierter Kriminalität er­


lahmt der polizeiliche und staatsanwaltschaftliche Eifer deutlich, wenn
es sich um linke Straftaten handelt. Dies geht aus den Aufklärungs­
quoten hervor, die das Bundesinnenministerium Ende November 2019
auf Nachfrage mitteilt:

* Als Sachverständiger in der Enquetekommission Linksextremismus des Land­


tages von Sachsen-Anhalt habe ich diese künstliche Trennung von »deutschem«
und vermeintlich »ausländischem Extremismus« aufgegriffen. Im darauffolgen­
den Jahr bezog sich der VS-Bericht (wie auch die VS-Berichte in anderen Län­
dern) zumindest in einzelnen Punkten auf diese Zusammenarbeit. Die letztlich
zu addierende Schlagkraft beider Phänomenbereiche wurde dadurch dennoch
nicht deutlich.
Wie der Verfassungsschutz linksextreme Straftaten vertuscht 79

2017 Aufklärungsquote 2018 Aufklärungsquote


PMK -rechts- Straftaten 20.520 43,6 % 20.431 46,5 %

PMK -rechts- 1.130 70,9 % 1.156 71,2 %


Gewaltdelikte

PMK -rechtsextremisti­ 19.476 43,2 % 19.409 45,6 %


sche Straftaten

PMK -rechtsextremisti­ 1.054 71,1 % 1.088 71,5%


sche Gewaltdelikte

PMK -links- Straftaten 9.752 24,6 % 7.961 71,5%

PMK -links- Gewalt­ 1.976 38,2 % 1.340 45,8 %


delikte

PMK -linksextremisti­ 6.393 23,1 % 4.622 26,1 %


sche Straftaten

PMK -linksextremisti­ 1.648 34,4 % 1.010 43,1 %


sche Gewaltdelikte

Die Öffentlichkeit wird, was den Linksextremismus betrifft, mit wohl­


feilen Worten, aber auch mit handfesten Unwahrheiten abgespeist. So
erklärte Innenminister Seehofer anlässlich der Pressekonferenz zu
politisch motivierten Straftaten im Mai 2019:

Der Rechtsstaat, das kann ich der Öffentlichkeit zusichern, wird auch in
Zukunft mit allen Mitteln gegen jede Form politisch motivierter Krimi­
nalität vorgehen.

Es sei denn, diese Kriminalität kommt in Form von links daher. Gesagt
hat das der CSU-Politiker freilich nicht.
Wie der Bund und Bayern linke Straftaten
gegen Polizeibeamte verheimlichen

ist Gewalt im politischen Raum schon per se gegen das Grundge­


setz gerichtet, wie auch vom BVerfG eindeutig festgelegt, dann sollte
spätestens bei politisch motivierter Gewalt gegen Polizeibeamte und
damit Repräsentanten des staatlichen Gewaltmonopols ausnahmslos
von »extremistisch« die Rede sein. Doch selbst bei Gewalttaten Links­
extremer gegen Polizeibeamte weigern sich die Innenministerien und
Verfassungsschutzämter, darin immer einen Angriff auf das Gewalt­
monopol und damit auf eine der Säulen der Verfassung zu sehen.
Recherchen zeigen vielmehr: Ein Teil der Gewalttaten gegen Polizei­
beamte wird als »nichtextremistisch« beurteilt und aus den entspre­
chenden Statistiken herausgerechnet. Vom Bundesinnenministerium
wollte ich wissen: Wie viele »Gewalttaten links« wurden 2018 regis­
triert, die gegen Polizeibeamte/Sicherheitsbehörden gerichtet waren
und als nichtextremistisch kategorisiert, also nicht den 625 Gewaltta­
ten* zugeordnet wurden, die der Verfassungsschutzbericht ausweist?
Die Antwort eines Sprechers des Ministeriums fiel nüchtern und zu­
gleich erschreckend aus: »Es handelt sich um 190 Taten.«
Damit finden gerade einmal rund 77 Prozent der Gewalttaten, die
Linke gegen Sicherheitsbehörden beziehungsweise die Polizei begehen,
Einzug in den vermeintlichen »Bericht« zum Schutz der Verfassung.
In Bayern, wo der Linksextremismus durch die Staatsregierung
öffentlichkeitswirksam verbal sehr entschieden, real aber keinesfalls
ernsthaft bekämpft wird, täuscht man die Öffentlichkeit ebenfalls nach
Kräften. Am 27. April 2015 erklärte Joachim Herrmann, der Bayerische
Staatsminister des Innern (Hervorhebungen durch den Autor):

Vor etwas über einem Monat schockierte uns erneut eine Welle linksex­
tremistischer Gewalt; diesmal in Frankfurt. Randalierende Chaoten griffen

* Die Zahl 625 stammt aus dem Verfassungsschutzbericht des Bundes für das Jahr
2018, S. 36. Dort werden in einer Tabelle mit dem Titel »Gewalttaten von Links­
extremisten gegen die Polizei/Sicherheitsbehörden« dargestellt.

81
82 Staats-Antifa

Polizeibeamte und Polizeistationen an. [...] Die Vater des Grundgesetzes


waren sich der Bedeutung von Meinungs- und Versammlungsfreiheit
als Kernbestandteile unser freiheitlichen Demokratie sehr bewusst. [...]
Keine Ideologie, kein angeblich besserer Zweck, kein hehres Ziel rechtferti­
gen Gewalt gegen den politischen Gegner, die Repräsentanten des Staates
odergargegen unbeteiligte Bürger.82

Dies sei letztlich auch die Lehre aus der Schreckensherrschaft der Na­
tionalsozialisten, meint der Bayerische Innenminister und erklärt -
zum Schein ganz unmissverständlich - zur Gewalt:

Wer Gewaltanwendung als Mittel der politischen Auseinandersetzung ein­


setzt, dieses rechtfertigt oder auch nur relativiert, steht nicht mehr auf dem
Boden des Grundgesetzes.83

Am 30. August 2017 und damit über 2 Jahre später hat sich die Lage
nicht verändert: »Neben dem politischen Gegner sind vor allem Poli­
zeibeamte als Repräsentanten des - wie es von Linksextremisten ge­
nannt wird - Systems Ziel von Angriffen«, stellt Herrmann mit Em­
pörung fest.
Man sollte glauben, der Bayerische Innenminister nähme die Ge­
walt von Linksextremisten gegen Polizeibeamte ernst. Dem ist aber
nicht so. Denn auch hier wird künstlich zwischen extremistischer und
nichtextremistischer Gewalt gegen Polizeibeamte durch Linke unter­
schieden.

Anzahl Widerstandsdelikte, PMK -links- extremistisch

2016 33 16
2017 12 9
2018 15 9

Warum aber weicht etwa das Bayerische Staatsministeriums des Inne­


ren insbesondere bei der Betrachtung von Widerstandsdelikten von
der Rechtsprechung des BVerfG ab? Das Bayerische Innenministerium
gibt dazu eine Antwort, die enthüllt, welche Schaumschlägerei Herr­
manns gespielte Empörung bei Gewalt gegen die Polizei tatsächlich ist:
Linke Straftaten gegen Polizeibeamte verheimlicht 83

Die Einstufungen der Politisch Motivierten Straftaten (und damit auch,


ob diese als extremistisch einzustufen sind oder nicht) als solche erfolgen
durch die örtlich zuständigen Polizeidienststellen, ggf. im Zusammenwir­
ken mit dem Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz. Diese orien­
tieren sich an den bundesweit einheitlichen Richtlinien für den Bereich
der Politisch Motivierten Kriminalität.

Und tatsächlich: Beim Bund sieht man das ähnlich, um nicht zu sagen
genauso. Auf die Frage, warum die Bundesregierung insbesondere bei
der Betrachtung von Widerstandsdelikten von der Rechtsprechung
des BVerfG abweiche, erhielt ich eine mehr als unstimmige Antwort
(Hervorhebung durch den Autor):

Die Strafbarkeit gesetzeswidriger Gewaltanwendung ergibt sich - auch


unabhängig von einer möglichen Einordnung als politisch motivierte Kri­
minalität - aus den entsprechenden gesetzlichen Vorschriften. Das Ge­
waltmonopol des Staates bleibt davon unberührt. Die Bewertung und Ein­
ordnung erfolgt nach den Maßgaben des Definitionssystems KPMD PMK.

Unstimmig ist diese Antwort allein schon deshalb, weil es im Verfas­


sungsschutzbericht des Bundes für 2018 zum Linksextremismus unter
der Überschrift »Vertreter des Staates als Feindbild von Linksextremis­
ten« heißt (Hervorhebung durch den Autor):

Im Kampf gegen »Staat, Nation und Kapital« gehört es zur Strategie von
Linksextremisten, Vertreter des »verhassten« Staates nicht nur einzu­
schüchtern oder in der öffentlichen Wahrnehmung gezielt zu diskreditie­
ren, sondern sie auch physisch anzugreifen.
Weil sie das Gewaltmonopol des demokratischen Rechtsstaats ableh­
nen, agieren gewaltorientierte Linksextremisten insbesondere gegen Poli­
zeibeamte als Vertreter des »repressiven Staates«.

Wer den Verfassungsschutzbericht liest, muss spätestens an dieser


Stelle den Eindruck gewinnen, politisch motivierte Gewalt gegen die
Polizei werde durchgängig als extremistisch angesehen - was auch das
einzig Richtige wäre. Allerdings zeigen Recherchen auch hier: Beim
Bund wie auch in Bayern werden Straftaten gegen Polizeibeamte als
84 Staats-Antifa

nichtextremistisch eingestuft und damit verharmlost. Aus den Ver­


fassungsschutzberichten geht das nicht hervor.84
Jedoch stellt nicht nur die unsinnige und widerrechtliche nachträg­
liche Einordnung von Gewalttaten gegen Polizeibeamte letztlich eine
Verfälschung der wahren Lage im Bereich des (Links-)Extremismus
dar. Die Täuschung der Öffentlichkeit beginnt schon bei der zahlen­
mäßigen Erfassung von Straftaten. Dies offenbarte der Verfassungs­
schutzbericht Sachsen für das Jahr 2015. Was die vermeintlichen Ver­
fassungshüter nicht ahnten: 5 Jahre nach der Veröffentlichung sollte der
Beweis für die Falschheit der Zahlen in der Öffentlichkeit auftauchen.
In seinem »Bericht« hatte der sächsische Inlandsgeheimdienst für das
Gesamtjahr die Zahl linksextremer Gewalttaten auf 283 festgelegt.85
Frühjahr 2020: Ein bei YouTube hochgeladendes Polizeivideo wi­
derlegt den Bericht eindeutig. Vermutlich von linken Tatverdächtigen,
die über ihre Anwälte Akteneinsicht erhalten hatten, wurden Video­
aufnahmen von einer gewaltsamen Demonstration in Connewitz der
Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Aufnahmen aus dem »alter­
nativen« Stadtteil von Leipzig zeigen zahllose Steinwürfe gegen Polizei­
beamte. Ein wahrer Regen von Pflastersteinen prasselte an jenem 12.
Dezember 2015 von linker Seite auf die Beamten hernieder. Die Bilder
belegen: Es muss im Gesamtjahr 2015 mehr als 283 Gewalttaten ge­
geben haben, denn diese Zahl war bereits nach 5 Minuten Connewitz
überschritten.
Wie viele dieser Taten in Leipzig wurden als Gewaltdelikte gewertet,
und wie viele Beamte wurden dabei verletzt? Das sächsische Innen­
ministerium antwortet, es seien an diesem Tag in Connewitz 29 Fälle
der linken Gewaltkriminalität gezählt worden. Schon das eine absurd
niedrige Zahl.
Durch diese 29 Fälle seien 86 Personen verletzt worden. Ein wahres
Wunder: Damit hat im Durchschnitt ein linker Gewalttäter mit seiner
Tat drei Opfer auf dem Gewissen. Eine zumindest erstaunliche »Leis­
tung«. Da sind die geschleuderten Steine wohl wie auf der Oberfläche
eines ruhigen Sees von Polizeihelm zu Polizeihelm gesprungen. In aller
Ernsthaftigkeit muss man jedoch feststellen, dass für das Beschönigen
der Statistik hier Straftaten eindeutig unterschlagen wurden.
Diese gefälschten Zahlen aus Sachsen gingen denn auch in den VS-
Bericht des Bundes ein. Wohl nicht der einzige Fall. Schon wegen der
Linke Straftaten gegen Polizeibeamte verheimlicht 85

EZB-Eröffnung im Januar 2015 in Frankfurt hätte die Zahl linker Ge­


walttaten deutlich höher ausfallen müssen als die insgesamt im Ver­
fassungsschutzbericht des Bundes ausgewiesenen 2246 Gewalttaten,
von denen 1608 extremistisch gewesen sein sollen. Wer die Bilder von
Frankfurt und Connewitz betrachtet, weiß, dass die Behörden hier
vertuschen.
Kaum weniger absurd: Im Jahr des G20-Gipfels stellten die Verfas­
sungshüter fest, es hätte nur ein einziges Delikt der versuchten Tötung
von Linksextremisten gegen Polizeibeamte gegeben. 3 Monate nach
den Ausschreitungen in der Hansestadt machte Gerhard Kirsch, der
Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Hamburg, gegen­
über Focus allerdings klar:

Steinplatten auf den Dächern, aus Zwillen abgeschossene Stahlkugeln und


Brandsätze: Das waren eindeutige Tötungsversuche. Da braucht es SEK-
Beamte.86

Während der Ausschreitungen von Hamburg konnte ich selbst beob­


achten, wie nach Auflösung der »Welcome to Hell«-Demonstration
faustgroße Steine von einem erhöht liegenden Gehweg auf die Einsatz­
kräfte geschleudert wurden, die in der tiefer gelegenen Straße zum Teil
hilflos agierten. Die Wurfgeschosse flogen massenhaft.
Im übrigen Bundesgebiet gab es 2017 noch weitere Angriffe gegen
Polizeibeamte, die man durchaus als Tötungsversuche betrachten
könnte. So in Berlin in der Rigaer Straße. Auf die mittlerweile wegen
der linksextremen Szene berühmte Adresse wurde die Öffentlichkeit
einmal mehr im Juni 2017 aufmerksam, als Steine gegen Polizisten ge­
worfen werden. Gezielt auf Kopfhöhe, wie die Märkische Allgemeine
schrieb.87
In den Folgejahren ging die Jagd auf Polizeibeamte in der Rigaer
Straße munter weiter. Peter Trapp (CDU), Mitglied im Berliner Abge­
ordnetenhaus, erhielt auf seine auf ganz Berlin bezogene (und nicht
auf linksextreme Vorfälle beschränkte) Anfrage zu Angriffen gegen
Polizeifahrzeuge im Jahr 2019 Anfang April eine recht eindeutige Aus­
kunft. Es sei von den 23 Fällen, bei denen Polizeifahrzeuge mit Stei­
nen beworfen worden waren, nicht ein einziges Mal von der Polizei
Strafanzeige wegen eines versuchten Tötungsdeliktes erstattet worden.
86 Staats-Antifa

Speziell zu Steinwürfen in der Rigaer Straße ließ der Senat den CDU-
Politiker wissen:

Mit Tatort in 10247 Berlin, Rigaer Straße wurden dreizehn Taten im Sinne
der Fragestellung erfasst. Dabei wurden fünf Verfahren wegen Verdachts
des besonders schweren Landfriedensbruchs, jeweils drei Verfahren wegen
Verdachts der Sachbeschädigung an Kraftfahrzeugen und Verdachts des
gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr sowie zwei Verfahren wegen
Verdachts des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte eingeleitet.88

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verlangte, in allen 23 Fällen wegen


versuchter Tötung zu ermitteln: »Wer Steine und andere Gegenstände
auf Menschen und Fahrzeuge wirft, in denen Menschen sitzen, nimmt
schwerste Verletzungen und sogar den Tod anderer billigend in Kauf.
Es darf keinen Unterschied machen, dass die beworfenen Menschen
Polizistinnen und Polizisten sind«, so GdP-Landesvize Stephan Keim
mit Blick auf die vergangenen Monate und die Anfragen von Trapp.89
Da wird Keim wohl vergeblich auf einen gesteigerten Willen zur
Strafverfolgung aufgrund seines Appells gehofft haben. Im Juni 2019
wurde ein internes Schreiben der Polizei bekannt:

Grundsätzlich ist vor dem gewaltsamen Eindringen in ein linkes Szene­


objekt der Sachverhalt zunächst der Behördenleitung zur Bewertung und
Entscheidung auf dem Dienstweg vorzutragen.90

Deutlicher: Fliegen vor der dem Gebäude Steine auf Polizisten, wird
nicht etwa sofort die Strafverfolgung aufgenommen, sondern alles
hübsch langsam auf dem langen Dienstweg diskutiert. Freilich gilt das
nur für den Fall, dass die Steine vom Dach eines »linken Szeneobjek­
tes« auf die Gesetzeshüter geschleudert werden.
Straftaten, mögen sie auch noch so gewalttätig und ganz ausdrück­
lich gegen die Polizei als Institution gerichtet sein, werden selbst durch
den Präsidenten des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, kleingere­
det. In der Pressekonferenz zu politisch motivierten Straftaten am 14.
Mai 2019 wurde Münch die Frage gestellt:

Zunächst zur Hasskriminalität: Wie zufrieden sind Sie, wenn am 1. Mai


Gruppen durch die Stadt ziehen mit der Parole »Ganz Berlin hasst die
Linke Straftaten gegen Polizeibeamte verheimlicht 87

Polizei«, und anschließend fliegen Flaschen und Steine. Habe ich Sie da
richtig verstanden, dass Sie das trotzdem nicht unter Hasskriminalität ver­
buchen?91

Daraufhin erklärte Münch, ein ironisches Lächeln aufsetzend:

Wir wissen, dass das nicht stimmt, dass ganz Berlin die Polizei hasst. Das
weiß auch die Berliner Polizei.

Was Münch zu wissen glaubt und sicher auch zu Recht annimmt, spielt
allerdings keine Rolle. Die Sache ist natürlich die: Die Linksextremis­
ten hassen die Polizei, und das motiviert ihre Taten. Ob sie dabei, weil
in einer Echokammer agierend, annehmen, ihren Hass würde ganz
Berlin teilen, ist für ihre Motivlage völlig unerheblich. Münch weiter:

Die deliktische Einordnung ist am Ende eine Frage, die darauf hindeuten
soll: Was passiert in der Politisch Motivierten Kriminalität insbesondere
im Hinblick auf solche gesellschaftlichen Auseinandersetzungen? Das ist
nicht so sehr fokussiert auf uns als Polizei.

Münchs Ausführungen werden auch im Folgenden nicht besser. Klar


wird aber: In der Kategorie Hasskriminalität kann eine ausdrücklich
durch den Täter mit Hass begründete Handlung gegen die Polizei nicht
geführt werden. An sich schon unsinnig, wird es endgültig wirr, wi­
dersprüchlich und unverständlich, wenn man sich die Definition der
Bundesregierung zu eigen macht, was denn Hasskriminalität über­
haupt sei. Eine Definition, an der die Bundesregierung schon seit Jah­
ren festhält und die sich auch in Unterlagen des BKA92 wiederfindet
(Hervorhebungen durch den Autor):

Dem Themenfeld »Hasskriminalität« werden politisch motivierte Straf­


taten zugeordnet, wenn die Umstände der Tat oder die Einstellung des
Täters darauf schließen lassen, dass sie sich gegen eine Person aufgrund
ihrer politischen Einstellung, Nationalität, Volkszugehörigkeit, Rasse,
Hautfarbe, Religion, Weltanschauung, Herkunft, sexuellen Orientierung,
Behinderung, ihres äußeren Erscheinungsbilds oder ihres gesellschaftli­
chen Status richtet. Auch wenn die Tat nicht unmittelbar gegen eine Per-
88 Staats-Antifa

son, sondern im oben genannten Zusammenhang gegen eine Institution


oder Sache verübt wird, erfolgt ihre Zuordnung zum Themenfeld »Hass­
kriminalität«.93

Warum ist der Beruf eines Polizeibeamten aber kein »gesellschaftlicher


Status«? Das zu begründen dürfte Münch schwerfallen. Nicht zuletzt
deshalb, weil er anderen Berufsgruppen wiederum zubilligt, Opfer von
Hasskriminalität sein zu können. Und zwar nur wenige Monate nach­
dem der Präsident des BKA es für unmöglich erklärt hat, (politisch
motivierter) Hass könne sich gegen Polizisten zeigen oder gar Grad­
messer für eine gesellschaftliche Entwicklung sein. Auf der Herbstta­
gung des BKA vom 28. bis 29. November 2019 erklärte er:

Wir verzeichnen eine beispiellose Welle von Hasskriminalität, darunter


auch Morddrohungen und Gewaltaufrufe gegen Politiker und Personen
des öffentlichen Lebens, die ein demokratiegefährdendes Ausmaß erreicht
haben.94

Allerdings: Laut BKA kann es Hasskriminalität gegen Flüchtlingshel­


fer, Politiker und Journalisten geben. So jedenfalls eine Studie des BKA
aus dem Jahr 2016, also zu einer Zeit, als Münch bereits 2 Jahre dessen
Präsident ist. Am 29. Mai 2016 berichtet die Berliner Morgenpost, das
BKA verfüge über eine Statistik, die über 245 Hassstraftaten gegen die­
sen Personenkreis ausweise.95 Auf Nachfrage teilt das BKA jedoch mit,
dies sei ein »internes Papier«, das man mir nicht herausgebe.
Bleibt die Frage: Was könnte das Motiv sein, Straftaten gegen Politi­
ker und Personen des öffentlichen Lebens als Hasskriminalität einzu­
ordnen, Stein-, Flaschen- und Molotowcocktailwürfe gegen Polizisten
aber nicht? Die Polizei ist das Feindbild der linken Szene schlecht­
hin. Die Straftaten aus diesem Bereich sind zahlreich, auch wenn viele
ohnehin nicht gezählt werden (siehe Connewitz). Etliche dieser De­
likte würden in die Hasskriminalität eingehen, wenn Hass gegen die
Polizei von linken Straftätern ein Kriterium wäre. Allerdings würde
damit zugleich anerkannt: Es gibt auf der linken Seite ein Problem mit
Hasskriminalität.
In Bayern wiederum können Straftaten gegen Polizeibeamte als
Hasskriminalität eingeordnet werden. Das gilt auch für 2018, das Jahr
Linke Straftaten gegen Polizeibeamte verheimlicht 89

also, über das auch Münch berichtet. Diese Möglichkeit ist im Frei­
staat allerdings nur theoretischer Natur - und das wiederum nur bei
linken Straftaten. So wurden nach Auskunft des Innenministeriums
im Jahr 2018 in den Grenzen Bayerns gegen Polizeibeamte 418 Delikte
begangen, 265 davon von Linken. Nicht eines davon fand Eingang in
die Kategorie »Hasskriminalität«.
Anders bei den Delikten der Rechten. Von deren 65 Straftaten gegen
Polizisten wurden 8 der »Hasskriminalität« zugeordnet. Obwohl die
Rechten 15,5 Prozent der Straftaten gegen die Polizei begingen, waren
sie mit 8 von 10 Hasstaten gegen die Polizei für 80 Prozent der gegen
die Polizei gerichteten »Hasskriminalität« verantwortlich. Die übrigen
gingen von religiös oder durch eine »ausländische Ideologie« motivier­
ten Tätern aus. In dem Meer der von Linken verantworteten Straftaten,
die 63 Prozent aller politisch motivierten Straftaten gegen die Hüter des
Gesetzes ausmachten, fanden sich jedoch null Prozent, die von Hass
gespeist gewesen wären. Ein mehr als erstaunliches Ergebnis polizei­
licher Ermittlungstätigkeit. Oder anders gesagt: Die Lüge springt einen
aus den Zahlen direkt an.
Der Staat schuldet aber denjenigen, die für seine Sicherheit in ganz
besonderer Weise eintreten, als Dienstherr zumindest so viel Fürsorge,
so viel Respekt und so viel Solidarität, die Kriminalität gegen Polizisten
ernst zu nehmen. Zuständig und verantwortlich hierfür sind Politiker,
die durch ebendiese Beamten vor Hasskriminalität geschützt werden.
In diesen Fällen wird die Hasskriminalität dann auch ernst genommen.
Keine Distanzierung von Gewalt: Wie die Rote
Hilfe linksextreme Straftäter unterstützt

Hustenreiz kriecht die Kehle nach oben. Die Sicht ist schlecht.
Vom Lautsprecherwagen ertönt die Ermahnung, sich im Falle von
Problemen mit der Polizei an den »Ermittlungsausschuss« (EA) zu
wenden. Immer wieder wird die lokale Telefonnummer des EA durch­
gegeben. Wie fast immer verbirgt sich dahinter die Rote Hilfe. So auch
in Hamburg, als linke Gewalttäter die Stadt während des G20-Gipfels
mit Gewalt überzogen und die Welt schockten.
Wer von linker Seite her mit dem Gesetz in Konflikt gerät, der erhält
hier Rat und Unterstützung. Allerdings ist unbedingte Voraussetzung:
Keine Distanzierung von »politischen Aktionen«. Darunter versteht
die Rote Hilfe auch, einen Polizeibeamten zu verletzen. Ausdruck des
Bedauerns kann, nein: dürfte in aller Regel zur Streichung der Unter­
stützung etwa zur Finanzierung eines Anwalts, der Erstattung von Ge­
richtskosten etc. führen. So konnte man dies in schöner Regelmäßig­
keit der Rote Hilfe Zeitung entnehmen. Etwa im Heft Nr. 4, 2017:

So bitte nicht!
Während eines Polizeikessels zum 1. Mai soll der Genosse einem Polizisten
ein Bein gestellt haben und wurde daraufhin wegen Widerstands gegen
Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung belangt. In der Verhandlung
legte er ein umfassendes Geständnis ab und entschuldigte sich. Das ist klar
als Distanzierung von seiner politischen Aktion zu werten. Wir sehen uns
daher leider gezwungen, ihm die Unterstützung zu versagen.

Aber auch in Broschüren und Flugblättern kann man lesen, dass man
auf keinen Fall Reue zeigen darf, will man die Unterstützung durch
die Rote Hilfe nicht gefährden. So heißt es zum Beispiel in der Bro­
schüre »Aussageverweigerung«, die man auf der Website des Vereins
herunterladen kann:

Einige Jugendstaatsanwält_innen verlangen für eine Einstellung des Ver­


fahrens grundsätzlich ein Geständnis oder eine Reuebekundung vor dem

91
92 Staats-Antifa

Hintergrund des Gedankens der Verhaltensänderung. Eine solche Reue­


bekundung ist aber nichts anderes als eine Distanzierung von der eigenen
politischen Überzeugung. Ein solches Vorgehen kann von der Roten Hilfe
nicht unterstützt werden, da wir ausdrücklich Menschen unterstützen, die
aufgrund ihres politischen Engagements Repression erfahren.

Aber auch Zeugen sollen schweigen, um letztlich Straftäter zu decken.


Zudem könnten doch zu viele Interna des im Geheimen agierenden
Vereins bekannt werden:

Auch für Zeug_innen ist Aussageverweigerung der einzige Weg, die Er­
mittlungsbehörden bei ihrer Arbeit nicht zu unterstützen und uns und
unsere Strukturen zu schützen.

In dem Infoflyer Beugehaft der Roten Hilfe schreiben die Genossen:

Konsequente Aussageverweigerung ist der einzige Weg, um Ermittlungs­


verfahren ins Leere laufen zu lassen. Zu ihr gibt es keine Alternative.

Die Rote Hilfe dürfte bald ihren 100. Geburtstag feiern. Hatten zu­
nächst kommunistische Kämpfer in den Gefängnissen der Weimarer
Republik Hilfe erhalten - vor allem indem ihren des männlichen Er­
nährers beraubten Angehörigen Unterstützung zuteil wurde -, sind
es heute Straf- und Gewalttäter, die neuerlich gegen die Demokratie
ankämpfen, selbstverständlich immer unter dem Vorwand, die Repu­
blik vor den Nationalsozialisten zu beschützen. Das ist, so sind weite
Teile der linken Szene überzeugt, am Ende immer nur möglich, wenn
der Sozialismus siegt. Denn nach wie vor ist für viele extreme Linke
die These von Georgi Dimitroff zutreffend, wonach die bürgerliche
Gesellschaft letztlich immer auf den Faschismus zusteuere und da­
her vor sich selbst allein durch die Diktatur des Proletariats gerettet
werden könne.
Zugegeben, eine grobe Darstellung, die aber den Kern der abstrusen
These trifft. Zumal die der Dimitroff-These selbst anhaftende man­
gelnde Differenzierung es möglich machte und macht, alles, was sich
dem Sozialismus/Kommunismus entgegenstellte, als faschistoid zu
betrachten.
Wie die Rote Hilfe linksextreme Straftäter unterstützt 93

Und so will die extreme Linke in Teilen die bürgerliche Demokratie


abschaffen, da wir sonst unweigerlich im Faschismus, im National­
sozialismus enden würden. Eine Diktatur soll also vor einer Dikta­
tur schützen - ein Umstand, den vor allem jene Mitstreiter angeblich
»breiter Bündnisse« bedenken sollten, die mit extremen Linken ge­
meinsam für die Demokratie kämpfen oder zumindest glauben, genau
das zu tun.
Die Rote Hilfe fand ihre Auferstehung in den Folgen der 68er-Bewe-
gung. Zunächst scheiterten mehrere Versuche. Die Rote Hilfe in ihrer
heutigen Form entstand in den i97oern. Etliche Terroristen gehen aus
der Roten Hilfe hervor: Hans-Joachim Klein, Birgit Hogefeld, Wolf­
gang Grams oder auch Volker Speitel, der sich allerdings 1977 von der
RAF lossagte.
Sie ist bald die einzig wirklich relevante Hilfsorganisation, die der
Linken im Falle der Strafverfolgung über alle internen Strömungen
hinweg als Unterstützung dient. Seit Jahr und Tag wird sie dabei
durch die Verfassungsschutzbehörden beobachtet. Ein - leicht mög­
liches - Verbot wurde nie verhängt, wenngleich auch diskutiert.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Armin Schuster forderte im
April 2018 den zuständigen Bundesinnenminister Horst Seehofer
(CSU) auf, ein Verbot der Roten Hilfe zu prüfen.96 Die Rote Hilfe sei
wie viele linksextreme Vereinigungen in die Vorbereitungen wie auch
in die Durchführung der G2o-Proteste verstrickt gewesen, hätten die
Sicherheitsbehörden festgestellt. Doch der Ruf verhallte ungehört, es
passierte nichts. Schuster hat sich am Ende damit zufriedengegeben,
dass seine Forderung im Nichts verlief.
Keine Geringere als Ulla Jelpke (Die Linke), die mit Schuster dem
Innenausschuss des Bundestages angehört und die - als ob das nicht
schon Ironie genug wäre - als Innenpolitische Sprecherin der Bundes­
tagsfraktion der Linken fungiert, bezeichnete das Verbot als möglich.
So muss man zumindest ihren Artikel in der Rote Hilfe Zeitung (Heft
4/2018, S. 20) verstehen. Schließlich, so Jelpke zu Recht, habe es schon
einen Präzedenzfall gegeben: das Verbot der rechtsextremistischen
»Hilfsgemeinschaft für nationale politische Gefangene und deren An­
gehörige« (HNG).
Die 2011 verbotene HNG sei natürlich ganz anders einzuordnen als
die Rote Hilfe, so Jelpke, aber das bezieht die Abgeordnete auf die poli-
94 Staats-Antifa

tische Ausrichtung. Von der Funktion her jedoch seien beide Grup­
pierungen abstrakt miteinander zu vergleichen, sodass »die damalige
Verbotsbegründung auch als ein Wink an die Rote Hilfe verstanden
werden muss«, so die Innenpolitikerin.
Ein Wink ganz anderer Art fand sich nur 4 Monate nach Schusters
Forderung eines Verbots auf der Website der linksextremen Bundes­
tagsabgeordneten: »Jetzt erst recht: Hinein in die Rote Hilfe!«97 Anlass
für diesen von Empörung getragenen Aufruf Jelpkes war die Antwort
der Bundesregierung auf ihre Kleine Anfrage zur Roten Hilfe. Darin
hatte die Bundesregierung unter anderem festgestellt, die Rote Hilfe
stehe ungebrochen zu ihrer kommunistischen Geschichte.98 So führt
die Bundesregierung zur Roten Hilfe etwa aus:

Insbesondere bekennt sich die RH ohne jede Einschränkung zu ihrer kom­


munistischen Tradition und bildet bewusst und gewollt ein Sammelbe­
cken für - wenn auch nicht ausschließlich - Anhänger unterschiedlicher
kommunistischer und anarchistischer Theorieansätze sowie diese Ansätze
unterstützende Vereinigungen und Personenzusammenschlüsse. Mit der
Verfassungsordnung des Grundgesetzes sind sozialistisch-kommunisti­
sche Staats- und Gesellschaftsordnungen nicht vereinbar, da insoweit die
Grundrechtsbindung der staatlichen Gewalt, die Freiheit und Gleichheit
der Wahl, die Bindung der öffentlichen Gewalt an Recht und Gesetz, der
Ausschluss jeder Gewalt- und Willkürherrschaft, das Recht auf Bildung
und Ausübung einer parlamentarischen Opposition sowie die Ablösbar­
keit der Regierung und ihre Verantwortlichkeit gegenüber der Volksver­
tretung nicht oder allenfalls eingeschränkt gewährleistet werden. [...]
Die Unterstützungsleistungen der RH umfassen sodann neben finanzi­
eller Hilfe auch die ideelle Unterstützung der Täter, um diese in die Lage zu
versetzen und zu ermutigen, den »Kampf« gegen die bestehende Ordnung
und deren angeblichen »Repressionsapparat« sowie »politische Gegner«
auch weiterhin fortzusetzen.

Die Ausführungen gehen weiter und werfen beim Leser immer stärker
die Frage auf, warum die Rote Hilfe eigentlich nicht verboten wird von
einer Bundesregierung, die - in diesem Fall richtigerweise - auch noch
die folgenden Feststellungen in Bezug auf den linksextremen Verein
macht:
Wie die Rote Hilfe linksextreme Straftäter unterstützt 95

Indem die RH ihre Kritik an der bestehenden verfassungsgemäßen Ord­


nung mit der moralischen, ideologischen und finanziellen Unterstützung
von Personen verknüpft, die sich durch die Begehung bestimmter Strafta­
ten aktiv gegen die bestehende Verfassungsordnung wenden, geht sie über
den Bereich einer zulässigen Verfassungskritik hinaus. Durch die Bewer­
tung strafbarer Handlungen von politischen Gesinnungsgenossen gegen
die bestehende Staats- und Verfassungsordnung als Ausdruck »demokra­
tischen« Widerstands sowie Solidaritätsbekundungen mit inhaftierten ter­
roristischen Gewalttätern, etwa aus der »Roten Armee Fraktion« (RAF),
zeigt die RH ihre Bereitschaft zur aktiven Umgestaltung der bestehenden
Verfassungsordnung, hin zu einer mit dem Grundgesetz unvereinbaren
sozialistisch-kommunistischen Staatsordnung.

Sympathien für die RAF bringt die Rote Hilfe etwa zum Ausdruck,
indem sie deren Verbrechen verharmlost oder gar legitimiert. So die
Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer.
Am 5. September 1977 wurde der Konvoi des Industriemanagers ge­
stoppt. Schleyers Fahrer und die drei Leibwächter wurden auf der Stelle
ermordet. Die Bundesregierung wurde durch die RAF aufgefordert,
elf inhaftierte Mitstreiter der Terroristen freizulassen. Die Bundes­
regierung weigerte sich. Als die Entführung der Lufthansa-Maschine
»Landshut«, die ebenfalls als Druckmittel zur Freipressung von Ter­
roristen erfolgte, durch die Befreiungsaktion der GSG-9 aus Sicht der
Terroristen scheiterte, töteten sich die inhaftierten RAF-Mitglieder
Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe. Schleyer wurde
durch das RAF-Kommando ermordet.
In Heft 4/2017 der Rote Hilfe Zeitung - und damit 40 Jahre spä­
ter - wurde die gewaltsame Entführung Schleyers als »Gefangen­
nahme« bezeichnet. Dennoch: Ein Verbot folgte auf die Diskussion
vom April 2018 dann doch nicht, was auch an den vielen Unterstützern
liegen dürfte. Denn nicht nur Jelpke ist Mitglied in der Roten Hilfe,
sondern auch andere Bundestagsmitglieder sind oder waren dies. Etwa
Pia Zimmermann (Linke) oder auch Norbert Müller (Linke), der ne­
ben der Mitgliedschaft in der Roten Hilfe auf der Seite der Bundes­
tagsfraktion zudem angibt, in »diversen lokalen Initiativen« im Antifa-
Bereich »aktiv« gewesen zu sein. Auch die heutige Parteivorsitzende,
Katja Kipping, erklärte 2007 ihren Beitritt zur Roten Hilfe, zusammen
96 Staats-Antifa

mit den Bundestagsabgeordneten Michael Leutert, Sevim Dagdelen


und anderen. Beistand in der Verbotsdiskussion erhielt die Rote Hilfe
auch von den Jusos (siehe »Die Reinwaschung der SPD«, S. 188). Aber
auch in den Landtagen, wo die Linke oftmals zur Mehrheitsbeschaf­
fung benötigt wird, gibt es Abgeordnete mit Mitgliedschaft in der Ro­
ten Hilfe. Distanzierung vonseiten der Politik muss die Rote Hilfe auch
in den übrigen Parlamenten nicht fürchten. So wurde ein Antrag der
AfD-Fraktion im Landtag von NRW, die Landesregierung möge sich
auf Bundesebene für ein Verbot der Roten Hilfe einsetzen, zwar in den
zuständigen Ausschuss zur Beratung verwiesen," das Protokoll des
Innenausschusses vom 4. April 2019 aber hielt unter Punkt 11, »Demo­
kratie stärken - Rote Hilfe e.V. verbieten!«, fest:

Der Ausschuss lehnt den Antrag Drucksache 17/5076 mit den Stimmen
der Fraktionen von CDU, SPD, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
gegen die Stimmen der AfD-Fraktion ab.100

Einen noch kürzeren Weg nahm der Antrag zum Verbot der Roten
Hilfe in Sachsen-Anhalt. Auch dort hatte die AfD das Ansinnen, die
Landesregierung aufzufordern, sich auf Bundesebene für ein Verbot
einzusetzen.101 Das wurde mit den Stimmen der übrigen Parteien, ein­
schließlich der CDU, abgelehnt. Begründung: Für das Verbot von Ver­
einen, die nicht ausschließlich im Bundesland tätig sind, sei der Bund
zuständig. Das ist zunächst richtig und doch falsch. Denn genau des­
halb wird in den Fällen der Bundeszuständigkeit die Landesregierung
aufgefordert oder gar beauftragt, sich auf der Bundesebene für Anlie­
gen einzusetzen, die nur der Bund umsetzen kann. Dass die Zustän­
digkeit des Bundes nur ein vorgeschobenes Argument war, machten
die vielen Beschlüsse in anderen Politikfeldern deutlich, in denen die
Landesregierung von Sachsen-Anhalt - gerade wegen der Zuständig­
keitsregelung - beauftragt wurde, sich auf Bundesebene für dies oder
jenes einzusetzen. Etwa als es galt, die Landesregierung zu verpflich­
ten, sich beim Bund für die Anerkennung der Gemeinnützigkeit von
e-Sportvereinen einzusetzen. Dies wurde - ohne jede Bedenken der
Zuständigkeit - durch all die Fraktionen so beschlossen, die ein halbes
Jahr später die Nichtzuständigkeit vorschoben, um sich nicht für ein
Verbot der Roten Hilfe einsetzen zu müssen.102
Wie die Rote Hilfe linksextreme Straftäter unterstützt 97

Verbot der Antifa?

Strahlend blau war der Himmel an jenem Morgen am 11. September


2001 in New York. Tonnen von Staub verdunkelten den vor Kurzem
noch so verheißungsvoll wolkenlosen Himmel über der Millionen­
metropole am Hudson-River.
Ausgerechnet in jenem Nebel aus Staub, Angst und Verunsicherung
gelang es in Deutschland Politikern der Grünen und der SPD, links­
terroristische Bestrebungen aus der Schusslinie des Verfassungsschut­
zes zu nehmen. Als alle Welt nach Verschärfung des Kampfes gegen
den Terror rief, nutzte die rot-grüne Koalition unter Kanzler Schröder
mit unglaublicher Chuzpe eine einseitige Ausrichtung der Diskussion
auf den islamischen Terror.
Durch einen Rahmenbeschluss hatte die EU die Mitgliedstaaten
aufgefordert, Terrorismus stärker zu bekämpfen. Ausgerechnet diese
Vorgabe nutzte Rot-Grün, um im Schatten von 9/11 linke Straftäter
und deren terroristische Gruppen dem Zugriff des Verfassungsschut­
zes zu entziehen. Hatten die Geheimdienstler zuvor noch Gruppen,
die Anschläge auf Bahntrassen verübten, sich dem Abfackeln von Ein­
satzwagen der Polizei und Bundeswehr widmeten und andere Brände
legten, noch abhören können, um ihnen auf die Schliche zu kommen,
war dies den Verfassungsschützern ab Ende 2003 nicht mehr möglich.
Eine der treibenden Kräfte: Hans-Christian Ströbele. Der Rechts­
anwalt aus Berlin, verurteilter Unterstützer der RAF, hatte schon ein­
mal diesen Versuch unternommen. Im März 2000 war der damalige
Bundestagsabgeordnete noch gescheitert. Doch jetzt, ausgerechnet in
der Folge der Anschläge von New York, war die Gelegenheit güns­
tig. Zusammen mit den Grünen Jerzy Montag und Volker Beck sowie
weiteren Abgeordneten der Grünen und der SPD brachten sie einen
Gesetzentwurf ein.
Mit diesem sorgten die parlamentarischen Unterstützer des Links­
extremismus für die Streichung von § 129a Abs. 1 Nr. 3 StGB.103 Laut
dieser Vorschrift war eine Gruppe als terroristisch zu betrachten, wenn
sie unter anderem folgende Straftaten beging: § 305a (Zerstörung wich­
tiger Arbeitsmittel [Fahrzeuge von Polizei, Bundeswehr, Feuerwehr,
Katastrophenschutz]), § 306 (Brandstiftung), § 306a (Schwere Brand­
stiftung), § 306b (Besonders schwere Brandstiftung), § 306c (Brandstif-
98 Staats-Antifa

tung mit Todesfolge), § 308 (Herbeifuhren einer Sprengstoffexplosion),


§ 315 (Gefährliche Eingriffe in den Bahn-, Schiffs- und Luftverkehr).
Gefährliche Eingriffe in den Bahn-, Schiffs- und Luftverkehr so­
wie Brandstiftungen etwa sind heute noch eigene Kategorien in der
Statistik des Verfassungsschutzberichtes zu linksextremen Straftaten.
Brandanschläge auf Fahrzeuge von Politikern und Polizei durch linke
Attentäter sind gang und gäbe.
Die dahinterstehenden Täter und Strukturen kann der Verfassungs­
schutz aber nur sehr eingeschränkt aufklären. Abhörmaßnahmen sind
ihm heute, dank Rot-Grün, unmöglich. Denn das G-10-Gesetz, be­
nannt nach dem Art. 10 des Grundgesetzes zum Post- und Fernmelde­
geheimnis, regelt abschließend, in welchen Fällen der Inlandsgeheim­
dienst Telekommunikationseinrichtungen überwachen darf.
In § 3 Abs. 1 Nr. 6 Buchst, a des G-io-Gesetzes104 wird auf den
oben genannten § 129a verwiesen. Doch dort sind fast all die beliebten
Spielarten linker Anschlagsarten gestrichen worden. Es müsste schon
ein Mord oder Totschlag sein oder eine Geiselnahme wie im Falle von
Hanns-Martin-Schleyer, um Linke durch den VS überwachen lassen
zu können.105 Folge: Bei Verdacht auf Volksverhetzung darf der Ge­
heimdienst das Telefon abhören, E-Mail-Verkehr abfangen und spei­
chern, Post heimlich öffnen und die gefundenen Inhalte auswerten.
Wenn sich aber Antifa-Mitstreiter dazu entschließen, Brand- oder
Bombenanschläge zu begehen, ist der Verfassungsschutz zu keiner­
lei Überwachungsmaßnahme im Sinne des G-10-Gesetzes berechtigt.
Dass die Gesetzesreform zur angeblich verbesserten Bekämpfung
des Terrorismus den Verfassungsschutz für linksextreme Akteure und
ihre Anschläge nahezu blind macht, war der damaligen Oppositions­
fraktion von CDU und CSU schon vor Verabschiedung des Gesetzes
klar, wie das Protokoll des Bundestages festhält. Der CDU-Abgeord­
nete Thomas Silberhorn stellte in der zweiten Lesung zu Recht fest:

Im Bereich der politisch motivierten Gewaltkriminalität wird kaum eine


Gruppierung mehr als terroristische Vereinigung strafrechtlich verfolgt
werden können, wenn sie nicht auf Tötungsdelikte oder Geiselnahme aus ­
gerichtet ist. Gerade linksextremistische Gruppierungen, die »nur« Ge­
walt gegen Sachen ausüben, wären dann allenfalls noch als kriminelle,
aber nicht mehr als terroristische Vereinigungen zu verfolgen. Das ist das
Wie die Rote Hilfe linksextreme Straftäter unterstützt 99

Ergebnis der Anhörung, das ein Richter des Bundesgerichtshofes dem


Rechtsausschuss vorgetragen hat.106

Aber laut Protokoll der ersten Lesung war die Wirkung der Geset­
zesänderung nicht nur der Opposition, sondern auch Ströbele und
Konsorten klar, wie Wolfgang Zeitlmann (CSU) am 11. April 2003 im
Plenum des Bundestages feststellte:

WOLFGANG ZEITLMANN: Der Kollege Ströbele hat darüber hinaus


in einer Presseerklärung kundgetan, dass das neue Gesetz nach seiner
Erwartung weniger Ermittlungen nach dem Terrorismusparagrafen zur
Folge haben wird.
NORBERT RÖTTGEN: Aha!

WOLFGANG ZEITLMANN: Er formuliert: »So fallen beispielsweise Ak­


tionen der Antiatombewegung wie das Blockieren und Beschädigen von
Bahngleisen künftig nicht mehr unter den pauschalen Terrorismuspara­
grafen.«

Doch so empört sich die CDU/CSU Fraktion im Jahr 2003 gab, so klar
ihr vor Augen stand, was die Änderung bewirken würde: Auch nach
der Ablösung von Rot-Grün unter der Führung der Union (Große
Koalition mit der SPD ab 2005) und auch während der Koalition mit
der FDP ab dem Jahr 2009 sorgte die ehemals konservative Partei nicht
mehr für eine Änderung.
Diese Norm wieder einzuführen und Gruppen von Attentätern, die
Brand- und Bombenanschläge begehen, wieder als terroristische Ver­
einigungen zu verfolgen und sie damit gleichzeitig mit einem höheren
Strafmaß zu bedrohen wäre ein lohnendes Ziel im Kampf gegen linken
Extremismus.
Da hängt die Frucht eines Verbotes der Antifa schon deutlich höher.
Nicht nur, dass hier weniger politischer Druck erzeugt werden kann,
ein Antifa-Verbot hat auch hohe rechtliche Hürden. Das zeigte nicht
zuletzt der Versuch des Landes Sachsen-Anhalt, die eindeutig rechts­
extreme Gruppierung »Blue White Street Elite« zu verbieten. Am Ende
wurde das Verbot durch das Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalts
wieder aufgehoben. Die Gruppierung sei keine Vereinigung im Sinne
des Vereinsgesetzes, was die Voraussetzung für ein Verbot sei. Es fehle
100 Staats-Antifa

an der Eigenschaft der Vereinigung, so die Richter, da sich die Mitglie­


der der Gruppierung bei ihren Handlungen keinem »gemeinschaftlich
gebildeten Willen« unterworfen hätten.107
Ob eine solche Willensbildung bei der Antifa vorhanden ist, kann
man bezweifeln. Zu zersplittert und zu zerstritten sind die einzelnen
Akteure der Antifa-Szene, um ihnen eine gemeinsame Willensbildung
zu attestieren. Das heißt jedoch gerade nicht, dass einzelne Antifa-
Gruppierungen nicht doch verboten werden könnten - und dass dies
im Falle der Roten Hilfe sogar dringend angezeigt wäre. Doch selbst
hier kann sich das Bundesinnenministerium unter Horst Seehofer
nicht dazu entschließen. Das Beispiel der Roten Hilfe zeigt aber noch
eine Schwierigkeit: Inwiefern wären Gruppierungen, die man der
Antifa-Szene zurechnen kann und muss, wie etwa die Rote Hilfe, von
einem allgemeinen Antifa-Verbot betroffen, wenn sie in ihrem Namen
keinen Bezug zur Antifa haben? Bei dem Antifa-Verbot dürfte es sich
um einen steinigen Acker handeln: Viel Arbeit, wenig Ertrag.
Es wäre daher wohl schon viel mehr gewonnen, wenn man sich bei
der Bekämpfung des Linksextremismus auf das derzeit Erreichbare
beziehungsweise auf alles, was die Regierung unter Handlungsdruck
setzt, konzentrierte: Anschläge verübende Linksextremisten wieder
umfassender zu dem machen, was sie sind: eine terroristische Ver­
einigung.
Linksextremismus und
die öffentlich-rechtlichen Medien

»das thema Linksextremismus ist in den letzten Jahren in Deutsch­


land eigentlich wirklich konsequent auch totgeschwiegen worden«,
zeigt sich Oliver Bendixen erschüttert. Wir schreiben den Juli 2017. Der
Journalist des Bayerischen Rundfunks (BR) sitzt im Schnittstudio und
gibt den Kollegen des Magazins Kontrovers ein Interview.108 Bendixen,
in Hamburg während des G2o-Gipfels für den BR als »Beobachter«
tätig, kann durchaus auf Erfahrungen in Sachen Extremismus zurück­
blicken. Der heute pensionierte Bendixen, der dennoch immer wieder
für den BR tätig ist, war Mitglied der »ARD-Taskforce Extremismus
und Terrorismus«.
Die Republik ist zur Zeit des Bendixen-Interviews erschüttert. Zu
frisch sind die nur wenige Tage alten Bilder von Gewalt und Zerstö­
rung in Hamburg. Sogar die öffentlich-rechtlichen Medien, wie die
Medien überhaupt, kommen nun nicht umhin, über Linksextremis­
mus zu berichten. Bendixen legt für einen kurzen Moment den Finger
in die Wunde:

Stellen wir es uns einmal umgekehrt vor. Es gäbe mitten in München ein
von Neonazis besetztes autonomes rechtes Zentrum, von dem aus per­
manent solche Aktionen ausgehen. So ein rechtes Zentrum, das bestünde
keine zwei Tage.

In dem Beitrag, der Ende Mai 2020 noch auf dem YouTube-Kanal der
ARD zu finden ist, wird sogar die mangelnde Distanz der Parteivor­
sitzenden der Linken, Katja Kipping, zur linksextremen Szene aufge­
griffen. Die ARD lässt den Extremismusexperten Prof. Armin Pfahl-
Traughber zu Wort kommen:

Es gibt in Teilen der Grünen und Teilen der Partei Die Linke tatsächlich
Akteure, denen eine Distanz zu den Autonomen fehlt. Denen auch eine
klare Abgrenzung zu den Autonomen fehlt, und das führt objektiv na­
türlich zur Aufwertung dieser Strömungen innerhalb einer Protestkultur.

101
102 Staats-Antifa

Die Bilder von den Krawallen um den G20-Gipfels waren so scho­


ckierend, dass sich zunächst fast jeder spontan von den gewalttätigen
Demonstranten distanzierte. Ob aber der frühere wissenschaftliche
Mitarbeiter des Referates »Rechtsextremismus« im Bundesamt für
Verfassungsschutz, der seit 2004 eine Professur an der Hochschule
des Bundes für öffentliche Verwaltung innehat, unbedingt der rich­
tige Ansprechpartner für die notwendige »Abgrenzung« vom Links­
extremismus ist, kann man bezweifeln. So veröffentlichte er bei Blät­
ter für deutsche und internationale Politik Artikel, zuletzt 2013.109 Die
Zeitschrift, wie oben beschrieben einst von der DDR finanziert und
heute - auch schon 2013110 - über Linksnet mit linksextremen Blättern
wie ak - analyse & kritik, marx2i, Antifa Infoblatt, Zeitschrift Marxis­
tische Erneuerung und arrancal, der Zeitschrift der Interventionisti­
schen Linken, in einem gemeinsamen Projekt verbunden, bürgt nicht
wirklich für eine ausreichende »Abgrenzung« zum Linksextremismus.
Eine Anfrage ließ der Professor und frühere Verfassungsschützer mit
dem Zuständigkeitsbereich Rechtsextremismus unbeantwortet. Sicher
ist Prof. Pfahl-Traughber im Beirat des »Bündnisses für Demokratie
und Toleranz - gegen Extremismus und Gewalt« etwas gesprächiger.
Auch der Moderator der Sendung Kontrovers vom Juli 2017, Andreas
Bachmann, zeigte sich nicht immer derart vom Linksextremismus ab­
gestoßen wie kurz nach dem G2o-Gipfel. Etwa l’A Jahre zuvor: Der
BR-Journalist interviewt die Leiterin der »Fachstelle gegen Rechtsex­
tremismus« der Landeshauptstadt München, Miriam Heigl. Die er­
zählt begeistert von ihrer Zusammenarbeit mit der Antifa. Kein Wider­
spruch, nicht einmal eine kritische Nachfrage durch Bachmann. Nach
dem G2o-Gipfel ist sogar der BR-Journalist etwas kritischer, wenn
auch nicht in Bezug auf seine eigene Zunft:

Die Politik muss sich die Frage gefallen lassen: Sind wir auf dem linken
Auge blind?

Und heute? Heute kann man Bachmanns an die Politik gestellte Frage
in Bezug auf sein eigenes Medium beantworten: Der BR ist auf dem
linken Auge blind. Sucht man Ende Mai 2020 auf dem Internetpor­
tal der Sendeanstalt, dann ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk des
Freistaats wieder beim Totschweigen angelangt. Gerade einmal vier
Linksextremismus und die öffentlich-rechtlichen Medien 103

Beiträge aus dem Jahr 2020 greifen überhaupt das Wort »Linksext­
remismus« auf. Aber auch diese Beiträge üben allesamt Kritik an
der - vermeintlichen - Gleichsetzung von rechtem mit linkem Extre­
mismus. So auch der jüngste Beitrag vom 27. April 2020. Dieser widmet
sich Michel Abdollahi und seinem Buch Deutschland schafft mich, das
»eine deutliche und kluge Replik« auf das Buch Deutschland schafft sich
ab von Thilo Sarrazin sei, so der BR. »Das menschenfeindliche Pam­
phlet, das vor 10 Jahren veröffentlicht wurde«, ordnet der Sprecher des
Beitrages die Sache mit Sarrazins Buch für den Zuhörer mal so eben
ein. Abdollahi selbst sagt in der BR-Sendung:

In letzter Zeit haben wir uns irgendwie so ein Dogma auferlegt, dass wir
Rechtsextremismus immer mit Linksextremismus vergleichen möchten,
um das irgendwie gleichzusetzen.111

Wen Abdollahi mit »wir« meint, wird nicht so recht klar. Ziemlich
eindeutig handelt es sich um das suggestive »wir«, mit dem man gern
anderen ein Schuldbewusstsein unterjubelt, das man bei sich selbst gar
nicht verortet. Das wird umso deutlicher, wenn man weiß, dass Abdol­
lahi zu den Erstunterzeichnern von »Aufstehen gegen Rassismus« ge­
hört und dort mit linksextremistischen Gruppen wie »TOP B3RLIN«,
der »Interventionistischer Linken« und anderen Kampfgenossen ein
Bündnis gebildet hat (siehe das Kapitel »Das Bündnis >Aufstehen gegen
Rassismus<«, S. 196, und Anlage 2, S. 245). Denn in diesen Gruppie­
rungen werden besagte Vergleiche zwischen Rechtsextremismus und
Linksextremismus wohl kaum die Regel sein.
Ein zweiter Beitrag, den die Suchfunktion der BR-Website nach Ein­
gabe des Begriffs »Linksextremismus« ausspuckt, ist überschrieben
mit: »Polizei und Rechtsextremismus«. Das Feindbild der Polizei ist
Linksextremismus, nur so kann man den Beitrag verstehen, und das
ist auch das Fazit der Sendung.
Zusammengefasst: Nicht ein einziger Beitrag aus dem Jahr 2020
auf der Website des BR112 greift Linksextremismus wirklich als Pro­
blem auf. Größer ist die Auswahl beim BR ganz eindeutig in Sachen
Rechtsextremismus. Sechzig Beiträge - und damit sechzig mehr als
zum Thema Linksextremismus - widmen sich dem Thema allein im
Jahr 2020 kritisch.
104 Staats-Antifa

Auch sonst ist es bei ARD, ZDF und Deutschlandfunk um das


Thema Linksextremismus nicht wirklich besser bestellt. Etwa wenn
der Deutschlandfunk Ende April 2020 einen Artikel zur linksextremen
Jungen Welt veröffentlicht und dabei deren Beobachtung durch den
Verfassungsschutz aufgreift ... wobei allerdings die Sympathie und
das Verständnis für die marxistische Zeitung in jeder Zeile spürbar
sind. Eine Suchanfrage zum Thema Linksextremismus erbringt beim
Deutschlandfunk ganze 103 Treffer, die bis ins Jahr 2000 zurückgehen.
Das Thema »Rechtsextremismus« ist da schon ergiebiger. Dabei spuckt
die Suchmaschine 113 Treffer aus - nur für die Monate Januar bis Mai
2020. Über die letzten 20 Jahre kann sich der Gebührenzahler mit ins­
gesamt 1178 Beiträgen zum Rechtsextremismus beschäftigen.
Ein Antifa-Redakteur
als Tagesschau-Reporter

»rundfunk wird von Menschen gemacht.« Diese Binsenweisheit


kann man auf den Internetportalen von SWR und WDR nachlesen.
Dem nachempfunden, könnte eine ähnliche Binsenweisheit lauten:
»Linke Menschen machen linken Rundfunk.«
Dass diese sinnige Sentenz auch auf die öffentlich-rechtlichen Sen­
der in Deutschland zutrifft, ist zwar keiner offiziellen Verlautbarung
zu entnehmen, wird aber nicht jeden überraschen. Und so berichtet
dann auch die FAZ in einem Artikel mit dem Titel »Linkskurs von
ARD und ZDF - Links von der Mitte«, unter Berufung auf eine Reu­
ters-Studie, ARD und ZDF seien vor allem bei jenen beliebt, die sich
links einordneten.113
Das wäre nicht weiter schlimm, wenn die Finanziers dieses Rund­
funks sich dann auch entscheiden könnten, die Bezahlung einzustellen
und die Dienstleistung abzubestellen. Das könnte besonders dann ein
dringendes Bedürfnis werden, wenn »linksextreme Menschen« Rund­
funk machen.
So zum Beispiel Sebastian Friedrich. Dieser war bis zum Jahr 2017
Redakteur der linksextremen Zeitschrift analyse & kritik (ak) gewe­
sen. Diese Zeitschrift war 1992 aus der ebenfalls mit ak abgekürzten
Zeitung Arbeiterkampf der K-Gruppe Kommunistischer Bund hervor­
gegangen.
Die Nähe der heutigen ak zur Interventionistischen Linken (IL) ist
mehr als eindeutig. Die Redaktion der ak erklärte sich einst zum Mit­
glied der IL. Friedrich, der der Redaktion angehört, wäre damit auch
der IL zuzurechnen.
Nach meiner erstmaligen Berichterstattung für den Deutschland-
Kurier Anfang des Jahres 2019 in der Causa »Sebastian Friedrich und
die ARD« bestritt die Redaktion der ak gegenüber der taz zwar die
Mitgliedschaft in der Interventionistischen Linken; dabei unterschlug
sie der Zeitung gegenüber allerdings die Mitgliedserklärung (siehe Ab­
bildung nächste Seite).

105
106 Staats-Antifa

Im Jahr 2016 erschien die Broschüre »Was tun gegen die AfD?« als Sonderheft
der ak, die für die IL zusammengestellt wurde. Darin erklärte die Redaktion der
ak, sie gehöre der IL an (Markierungen im Bild durch den Autor).

Die Verbindung der ak zur IL ist auch ansonsten mehr als eindeutig.
Für die ARD ist das jedoch kein Hindernis. Die Rauchschwaden, in
die der G2o-Gipfel von Hamburg eingehüllt wurde, waren noch nicht
richtig abgezogen, da machte »Das Erste« den über 30-jährigen Fried­
rich zum Volontär.
Womöglich hatten Friedrichs Artikel in der durch den Verfassungs­
schutz beobachteten jungen Welt die Verantwortlichen für den Antifa-
Redakteur eingenommen.
Oder es war die Antifa-Broschüre, die von der ak-Redaktion her­
ausgebracht wurde. Das Sonderheft Was tun gegen die AfD? Zehn Vor­
schläge, wie der rechte Vormarsch gestoppt werden könnte erschien im
Winter 2016/2017. Autor des Eröffnungsbeitrages: Sebastian Friedrich.
Weitere Autoren: die Antifa-NT aus München, die sich in dem Beitrag
rühmte, mit den Genossen des kommunistischen Bündnisses »... ums
Ganze!« in der gegen die AfD gerichteten Kampagne »Nationalismus
ist keine Alternative« (NIKA) im Kampf gegen die Oppositionspartei
schon ordentlich vorgelegt zu haben.
Der ak blieb Friedrich auch nach seinem Wechsel zum gebührenfi­
nanzierten Journalismus verbunden. Gemeinsam mit der ak brachte er
Ein Antifa-Redakteur als Tagesschau-Reporter 107

im November 2018 nebenbei das Buch Neue Klassenpolitik: Linke Stra­


tegien gegen Rechtsruck und Neoliberalismus heraus. Darin betrauert
Friedrich den Umstand, dass das Wort »Klassenkampf« in »Vergessen­
heit, wenn nicht gar in Verruf geraten« sei. Linksextremist Friedrich,
der sich im erwähnten ak-Sonderheft Gedanken dazu machte, was
man gegen die AfD tun könne, wurde mit einem Bericht über die AfD
und ihre Vorstellungen zum UN-Migrationspakt beauftragt.
Was Klassenkämpfer Friedrich als Volontär bei der »ARD« gelernt
hat, konnte der Gebührenzahler anlässlich der Diskussion um zahl­
reiche Petitionen zum UN-Migrationspakt erfahren. Der Petitions­
ausschuss hatte diese mit teilweise absurden Begründungen nicht zur
Mitzeichnung veröffentlicht. Marian Wendt (CDU), Vorsitzender des
Gremiums, zeigte sich gegenüber Antifa-Aktivist und »ARD«-Repor-
ter Friedrich unwirsch angesichts der für seinen Geschmack zu vielen
Zuschriften von Bürgern, die sich eine Veröffentlichung der Petition
auf dem Internetportal des Bundestages wünschten, sodass ihnen
eine Mitzeichnung möglich wäre. Bei Wendt kam aber offenkundig
das Gefühl auf, von Bittstellern belästigt zu werden. Das Wahlvolk als
Störenfried.
Die vielen E-Mails, die laut Wendt im Sekundentakt eingingen, wa­
ren nach Ansicht des CDU-Politikers jedoch keine Bürgerbeteiligung,
sondern eine Kampagne der AfD und der ihr nahestehenden Bürger.
Angesichts der Regelung des Bundestages, dass eine Petition im Falle
von 50 000 und mehr Unterstützern im Ausschuss öffentlich debattiert
werden muss, legte es das Parlament allerdings selbst darauf an, dass
Petenten für ihr Anliegen unter ihren Mitbürgern werben. Das despek­
tierlich als »Kampagne« zu bezeichnen zeigt Wendts Abwehrhaltung,
nicht aber seinen Respekt vor demokratischen Prozessen.
Aber auch Martin Hebner, Bundestagsabgeordneter der AfD, durfte
gegenüber ARD-Mann Friedrich etwas sagen. Friedrich gab aber dem
Parlamentarier aus Bayern keine Gelegenheit zur erklären, was die AfD
am UN-Migrationspakt oder am Ablauf der Petitionen auszusetzen
habe. Das wäre eine ganze Menge gewesen. Stattdessen war ein kurzes
Statement Hebners im Beitrag enthalten, das sich lediglich auf eine von
über 60 (!) Petitionen bezog.
Diese hatte postuliert, übermäßige Migration, wie sie der Pakt er­
mögliche, sei ein »Instrument zur allmählichen Auslöschung unserer
108 Staats-Antifa

Identität«. Dies Formulierung gefährde aber den »Interkulturellen Dia­


log«, befand Wendt... freilich ohne dass Wendt von Friedrich danach
befragt worden wäre, warum die übrigen Petitionen nicht veröffent­
licht wurden.
Die Begründung, die befürchtete Veränderung der eigenen Kultur
sei ungeeignet für die öffentliche Debatte, spricht aber auch für sich
genommen schon für eine sehr autoritäre Einstellung zur politischen
Diskussion mit dem Bürger.
Ein Jahr später greift ein Flüchtling diese Debatte auf. Der Dalai
Lama, selbst vor dem kommunistischen Regime Chinas geflohen, das
die tibetische Heimat des geistlichen Oberhauptes besetzt hatte und
durch Zuwanderung aus Kern-China zu dominieren versuchte, sprach
sich für eine Begrenzung der Migration nach Europa aus. Schließlich
dürfe sich Europa nicht zu einem muslimischen Land entwickeln. Das
lehnte das geistige Oberhaupt der tibetischen Buddhisten in einem
Interview im Juni 2019 mit der BBC genauso ab wie eine Entwicklung
Europas hin zu einem afrikanischen Land.114 »Erhaltet Europa für die
Europäer«, erklärte der Dalai Lama gegenüber dem öffentlich-recht­
lichen Sender Großbritanniens.
In Deutschland, wo augenscheinlich gar der Dalai Lama als Rechts­
populist gehandelt wird, soll ein »interkultureller Dialog« hingegen
dadurch geschützt werden, dass eine Diskussion über die Veränderung
der Kultur durch Migration als unzulässig betrachtet wird. Jedenfalls,
wenn man dieser Veränderung des eigenen Landes kritisch gegen­
übersteht.
Im öffentlichen Diskurs gilt eine gewollte Veränderung des eige­
nen Landes hingegen als unproblematisch. Bereits im Jahr 2015, als die
»Migrationskrise« ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte, erklärte die
Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eck­
hardt, auf dem Bundesparteitag: »Unser Land wird sich ändern, und
zwar drastisch. Und ich freue mich drauf!«115 Wenige Monate zuvor
hatte der heutige Landesvorsitzende der Grünen in Sachsen-Anhalt,
der Landtagsabgeordnete Sebastian Striegel, auf Twitter »Zuwande­
rung bis zum Volkstod« gefordert.
Wer anders als Göring-Eckhardt und Striegel keine Freude daran
empfindet, wie mittels Zuwanderung das eigene Land »drastisch«, und
zwar »bis hin zum Volkstod«, verändert beziehungsweise abgeschafft
Ein Antifa-Redakteur als Tagesschau-Reporter 109

werden soll, wird jedoch von CDU-Politiker Wendt und Konsorten


von einer Diskussion ausgeschlossen.
Unter dem Titel »Petitionsausschuss: Marian Wendt wirft AfD Kam­
pagne vor« ist das journalistische Qualitätsprodukt der ARD noch
heute in der Mediathek abrufbar.116 Friedrichs vermeintliche Bericht­
erstattung fuhrt dabei weit am Kern der Problemlage vorbei.
Kai Gniffke, »Erster Chefredakteur« von ARD-aktuell, hat aber auf
Nachfrage kein Problem mit dem Beitrag: »Wir gehen davon aus, dass
Journalistinnen und Journalisten ihre berufliche Tätigkeit sehr sorgfäl­
tig von ihren persönlichen Ansichten trennen.« Das sei hier geschehen.
Doch das Gegenteil ist der Fall. Anstatt der Regierung und damit
den Mächtigen auf die Finger zu schauen, verstehen sich insbesondere
die öffentlich-rechtlichen Medien als Anwälte der Regierung Merkel
und nicht als die des kritischen Bürgers.
Die Objektivität des Beitrages sollte auch die Hinzuziehung eines
Experten unterstreichen, den Friedrich ebenfalls vors Mikrofon holte
und der - ganz nüchtern, aus der Sicht eines unbeteiligten Dritten -
über das Anliegen der AfD befand. Jedenfalls dürfte das die Erwartung
des Gebührenzahlers sein. Aber wie so oft, wenn ARD oder ZDF einen
»Experten« vor das Mikrofon holen, dient dieser lediglich dazu, den
Standpunkt des vermeintlichen Journalisten zu unterstreichen.
David Bebnowski zieht aber in ganz besonders deutlicher Weise
über die AfD und auch über die Petition her. Die Oppositionspartei
wolle die eigenen Anhänger »bei der Stange halten«. Die Überlegung,
dass es darum gehen könnte, Bürger zu beteiligen, scheint dem »Ex­
perten« nicht in den Sinn zu kommen. Der will offenkundig lieber den
Eindruck vermitteln, die AfD habe keine Programmatik zu bieten und
müsse sich an eine Petition klammern. »Die AfD versucht, die Leit­
planken, könnte man vielleicht sagen, in denen das alles funktionieren
soll, zu verschieben«, analysiert Bebnowski. »Leitplanken« zu kritisie­
ren, die eine Debatte des Bürgers, des angeblichen Souveräns, mit der
Politik in eine Sackgasse führen, wäre demnach unzulässig.
War David Bebnowski vom »Zentrum für Zeithistorische Forschung
Potsdam« eventuell doch nicht ganz so unvoreingenommen, wie der
»Nachrichten«-Konsument von Tagesschau.de sicherlich geglaubt hat?
Die Information, dass Bebnowski, der auch sonst kein gutes Haar
an dem Vorgehen der AfD ließ und dem Anliegen von über sechzig
110 Staats-Antifa

Antragstellern, den Petitionsausschuss einzuschalten, so gar nichts ab­


gewinnen konnte, ebenfalls Autor der Antifa-Broschüre Was tun gegen
die AfD? war, hätte dem Gebührenzahler eine Einordnung sicherlich
erleichtert. Mit diesem »Detail« wurde er aber nicht belästigt.
Die Antifa-Autoren Friedrich und Bebnowski wollten aber die Dis­
kussion vom Inhalt der Migrationspolitik wegführen. Eine seit 2015
aus allen Fugen geratene Zuwanderung geschah mit dem politischen
Willen und Segen der Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Mer­
kel. Und ebendiese medial viel zu wenig kritisch begleitete Bundesre­
gierung hatte die Absicht gehabt, ohne große öffentliche Debatte - oder
besser noch: ohne jede Diskussion - zusätzlich dem Migrationspakt
beizutreten. Als die AfD kurz vor Annahme des UN-Migrationspaktes
dann doch noch eine Diskussion anstieß, wollten einige Bürger durch
eine Petition die breite politische Debatte herbeiführen. Darunter auch
die DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld.
Aber der Petitionsausschuss machte das ganze Verfahren der Bür­
gerbeteiligung mit Unterstützung der Medien zu einer Farce. Bereits als
»nur« 21 Petitionen eingegangen waren, hatte die AfD der Mehrheit im
Ausschuss Zensur vorgeworfen.117 Anders als es in Friedrichs Beitrag
anklingt, hätten Wendt und seine Ausschusskollegen schon viel länger
eine der zahlreichen Petitionen veröffentlichen können. Wendt stellte
eine solche Veröffentlichung am 19. November gegenüber der Zeitung
Welt Online auch in Aussicht. Am Ende wurde eine Leitpetition auf
dem Internetportal des Bundestages veröffentlicht. Der Ansturm von
Unterstützern überforderte jedoch das System des Bundestages. Den­
noch wurden letztlich über 100 000 Unterstützer registriert. Auch die
Petition Vera Lengsfelds erreichte über 50 000 Unterschriften, sodass
sie ebenfalls in einer öffentlichen Anhörung erörtert werden musste.
Der Pakt sollte allerdings schon am 10. Dezember 2019 per Akkla­
mation angenommen werden und wurde es am Ende auch. 9 Tage
später wurde in der UNO-Vollversammlung darüber abgestimmt.
Deutschland stimmte zu. Erst einen Monat später wurde im Peti­
tionsausschuss über den Wunsch der vielen Unterstützer debattiert,
den - längst angenommenen - Migrationspakt nicht anzunehmen.
Demokratie als absurdes Theater.
Die Petitionen zuvor und nicht im Nachhinein zu diskutieren wäre
nur allzu angemessen gewesen. Es war bereits am Tag des Erscheinens
Ein Antifa-Redakteur als Tagesschau-Reporter 111

des Friedrich-Beitrages auf Tagesschau.de absehbar, dass eine Diskus­


sion, die die Regierung schon nicht unterdrücken konnte, durch die
Verzögerung des Petitionsausschusses ins Leere laufen sollte. Keiner
der wirklichen Knack- und Kritikpunkte wurde in Friedrichs Beitrag
abgedeckt. So von den Medien gegen Kritik abgeschirmt, nahm der
Petitionsausschuss den Migrationspakt erst am 14. Januar 2019 auf
die Tagesordnung. Ein Jahr danach zeigte sich Lengsfeld empört, dass
über die Petitionen immer noch nicht abschließend beschieden wor­
den war.118
Auf diese Weise stört man wenigstens nicht den »interkulturellen
Dialog«. Den demokratischen Diskurs aber zerstört man auf diese
Weise allerdings schon ...
Millionen für den Verein eines Antifa-Autors

der blaue balken wuchs unaufhörlich. Als am Abend des 13. März
2016 die AfD in Sachsen-Anhalt mit 24,3 Prozent in den Landtag ge­
wählt wurde, war die politische Landschaft jenseits der 3 Jahre zuvor
gegründeten Partei vor Schreck wie gelähmt.
Es dauerte jedoch nicht lange und die ersten erwachten aus ihrer
Schockstarre. 3 Tage nach der Landtagswahl rief der Verein »Miteinan­
der« zu einer Demokratieoffensive auf. Ziel: die AfD bekämpfen, und
zwar mit staatlichem Geld. Dafür bot der Verein »Miteinander« auch
etwas an, nämlich seine Unterstützung:

Sofern gewünscht, werden wir die Parteien hinsichtlich der zu erwarten­


den Politikinhalte der AfD und ihrer parlamentarischen Strategie beraten.
Der Partei kann nur mit einer Demokratieoffensive das Wasser abgegra­
ben werden.

Das Wasser, das »Miteinander« zusammen mit den anderen Fraktio­


nen der AfD abgraben will, soll auf die eigenen Mühlen umgeleitet
werden. Diese Mühlen bekamen auch schon zuvor viel »Wasser« aus
dem Steuertopf. Und auch schon vor der Wahl hatte der Verein zahl­
reiche Broschüren gegen die AfD gefertigt.
Zudem warnt »Miteinander« in unzähligen Facebook-Posts vor der
AfD. Das ist der etablierten Politik einiges wert. So erhielt der Verein,
der auch personell mit etablierten Parteien verquickt ist, im Jahr 2017
laut der Auskunft der Landesregierung rund 1,3 Millionen Euro - al­
lein von Land und Bund. Die Steuergelder fließen aber nicht nur aus
dem Bundes- und Landeshaushalt in die Kassen des Vereins. Die Stadt
Magdeburg bezuschusst ebenfalls den Kampf gegen die Opposition. Im
Haushaltsjahr 2019 durfte der Verein rund 1,8 Millionen Euro Zuschuss
durch den Steuerzahler erwarten.
Die systematische Benachteiligung der AfD durch eine solche För­
derpolitik ist mit der Chancengleichheit der Parteien nicht vereinbar.
Doch weder zählt der Art. 21 des Grundgesetzes, noch gelten sonstige
Grenzen bei der Bekämpfung der AfD.

113
114 Staats-Antifa

Bei dieser ungleichen Auseinandersetzung mithilfe aller etablierten


Parteien und der von diesen über den öffentlichen Haushalt aufgefüll­
ten Kriegskasse will »Miteinander«, wie der Verein am 16. März 2016
schrieb, »nicht bei der moralischen Empörung stehenbleiben«.
Einige Monate nach der Landtagswahl vom März 2016: David
Begrich veröffentlicht in der Monatszeitschrift analyse & kritik (ak)
den dazu passenden Artikel: »Die Ebene der moralischen Empörung
verlassen«. In der Zeitschrift also, in der auch ARD-Reporter Sebastian
Friedrich gern für die Antifa schreibt.
David Begrich ist in diesem Zusammenhang nicht irgendwer. Der
studierte Theologe ist die Hauptfigur des Vereins »Miteinander«. Wann
immer der Verein nach außen auftritt, ist Begrich die unbestrittene
Nummer Eins. Von den Mainstream-Medien wird er dabei freilich
immer nur zu Rechtsextremismus befragt, obwohl er zum linken Ex­
tremismus mindestens genauso interessante Einsichten liefern könnte.
Die Zeitschrift ak ist ebenfalls berühmt-berüchtigt. Schon 2014
hatte Rudolf van Hüllen in einem Beitrag für die Bundeszentrale für
politische Bildung (bpb) festgestellt, die ak gehöre zu den »linksext­
remen Medien«.119 Der frühere Mitarbeiter des Bundesamtes für Ver­
fassungsschutz van Hüllen weiter:

Nach 1989 hat eine Reihe kommunistischer Organisationen ihren Betrieb


eingestellt; bisweilen haben ihre Blätter aber überlebt. Ein typisches Bei­
spiel dafür ist die heutige Monatszeitung analyse & kritik.

Diese sei unter dem Namen Arbeiterkampf 1971 als Zentralorgan


des Kommunistischen Bundes in der Stadt Hamburg entstanden. Nach
der friedlichen Revolution von 1989 wurde das linksextreme Blatt al­
lerdings eigenständig und trat ab dem Jahr 2002 unter seinem neuen
und heute noch gültigen Namen auf.
Spätestens bei der Betrachtung der Aktivitäten Begrichs bei der ak
fließen die vielen Bäche des »Kampfes gegen Rechts« zu einem rei­
ßenden Strom des Irrsinns zusammen. Mit etwa zwanzig Artikeln in
mahnend-belehrendem Stil veröffentlichte der staatlich bezuschusste
Antifa-Mitstreiter seit 2013 ansehnlich viel in dem Antifa-Blatt, das
auch schon Thema bei der Bundeszentrale für politische Bildung war.
Spätestens ab 2014 hätte folglich der Verein »Miteinander« beziehungs-
Millionen für den Verein eines Antifa-Autors 115

weise Begrich der Bildungseinrichtung ein Begriff sein müssen. Aber


auch wenn die bpb die ak ab 2014 als linksextremes Blatt bezeichnete:
2017 öffnete sie Begrich beziehungsweise seinem Verein die eigene
Kasse: 29 998,49 Euro im Jahr 2017 erhielt der Verein für ein »Koope­
rationsprojekt mit der Bundeszentrale für politische Bildung«.
Ein Kooperationsprojekt ganz anderer Art betrieb Antifa-Autor
Begrich ein Jahr zuvor. So schrieb er 2016 zusammen mit linksextre­
men Organisationen an dem Sonderheft der ak Was tun gegen die AfD?.
Nicht nur Lenin stellte die berühmte Frage »Was tun?«, sondern neben
Begrich in jenem Sonderheft auch Sebastian Friedrich und die Antifa-
NT. Die aus München stammende und durch den bayerischen Verfas­
sungsschutz beobachtete Antifa-NT schrieb in der linksextremen Pos­
tille, sie hätte im Kampf gegen die AfD bereits vorgelegt. »Gemeinsam
mit unseren Genossinnen aus dem >... ums Ganze!-Bündnis<« hatten
die Antifa-Mitstreiter aus dem Freistaat die Kampagne »Nationalismus
ist keine Alternative« (NIKA) »initiiert«. Die Kampagne NIKA, wiede­
rum selbst durch den Verfassungsschutz beobachtet, macht denn auch
durch viele Aktionen und Anschläge gegen die AfD von sich reden.
»...ums Ganze!« erklärte in einem Aufruf auf der eigenen Web­
site: »Kommunismus statt Schweinesystem!«. Dieser Beitrag fand auch
seinen Eingang in den Verfassungsschutzbericht des Bundes. Der ent­
sprechende Artikel kann heute noch aufgerufen werden.120
Das »Schweinesystem« unterstützt seine Feinde allerdings recht
großzügig. Obwohl von Bund und Bayern als Verfassungsfeinde aus­
gemacht, kann die dem Bündnis »...ums Ganze!« angehörige Antifa-
NT das mitten in München gelegene Kafe Marat nutzen. Das Gebäude
ist Eigentum der Stadt München. Diese übernimmt auch die Miete für
den Autonomentreff Kafe Marat. Auch international ist man gut ver­
netzt. »... ums Ganze!« gehört dem Bündnis »Beyond Europe« an, das
Linksextremisten aus Griechenland, Großbritannien, Zypern, Tsche­
chien, Österreich und Deutschland auf die Beine gestellt haben.121
Die Interventionistische Linke (IL), der die ak ohnehin zugerechnet
werden kann, gehörte ebenfalls zu den Autoren des ak-Sonderheftes
Was tun gegen die AfD?. Die schon seit Jahren flächendeckend durch
die diversen Verfassungsschutzbehörden beobachtete IL beschrieb sich
2014 selbst ebenfalls sehr eindeutig: »Wir sind die Steineschmeißer
und die Abwiegler in einem.«
116 Staats-Antifa

Diese Eigenbeschreibung hätte David Begrich, der staatlich finan­


zierte, vermeintliche Kämpfer gegen antidemokratischen Extremismus
des Vereins »Miteinander«, in der ak nachlesen können,122 zumal in
derselben Ausgabe gleich zwei seiner vielen ak-Artikel veröffentlicht
wurden. Doch statt vermehrten Abstandes zwischen Begrich und der
IL kam es eher zu Annäherungen mit den Steineschmeißern.
Immer wieder trat Begrich bei Veranstaltungen auf, an denen auch
die IL teilnahm. Mindestens einmal trat der staatliche Antifa-Kämp­
fer direkt bei der IL auf. So am 6. Juni 2017, als Begrich bei »Prisma«
Leipzig einen Vortrag hielt. Prisma gehört schon seit Jahren der IL an.
Am 1. und 2. Dezember 2017 fand dann die Veranstaltung »30 Jahre
Antifa in Ostdeutschland - Rückblicke, Gegenwart und Diskussion«
statt. David Begrich trat laut Programm als Teilnehmer des Auftakt­
podiums auf. Davon existiert auch eine Audioaufnahme. Diese Veran­
staltung, unter anderem von der Linken-nahen Rosa-Luxemburg-Stif­
tung des Bundes und Brandenburgs gefördert, bietet natürlich einen
Rahmen, der auch für die IL wie geschaffen ist. Auch sie ist selbstver­
ständlich vertreten, genau wie die Gruppe »Antifa Nordost Berlin«.
Diese ist identisch mit »North East Antifascists« (NEA), wie sich aus
dem Internetauftritt ergibt.123
Die Verfassungsschutzberichte Berlins wissen immer wieder etwas
über NEA zu berichten, so der Bericht für das Jahr 2016:

Im Rahmen der NIKA-Kampagne dürfte neben TOP B3rlin auch die


Gruppe »North East Antifascists« (NEA) an Anti-AfD-Aktivitäten be­
teiligt gewesen sein. Darüber hinaus zeigen auch die Thematisierungen
geplanter Aktionen durch die postautonome »Interventionistische Linke«
(IL) Berlin, dass dieses Thema zu einem Schwerpunktthema der linksex­
tremistischen Szene Berlins avanciert ist.124

Dann folgt eine Beschreibung der Gruppe:

North East Antifascists (NEA)


Gründung: 2007
Mitglieder: Berlin - 20 (2015: 20)
Die NEA sind eine autonome Antifa-Gruppierung, die neben der »radika­
len linken | berlin« eine führende Rolle in der linksextremistischen Szene
Millionen für den Verein eines Antifa-Autors 117

Berlins einnimmt. 2007 gegründet, zeichnet sie, dem Namen gemäß, für
antifaschistische Aktionen im Nordosten der Stadt verantwortlich, betei­
ligt sich aber auch an berlinweiten und überregionalen Aktivitäten und
kooperiert anlassbezogen mit anderen autonomen Gruppen. Um sie he­
rum und aus ihr heraus sind eine Reihe anderer autonomer Gruppierun­
gen entstanden. Mit diesen gemeinsam war sie in den letzten Jahren eine
der federführenden Organisatoren der »Antikapitalistischen Walpurgis­
nacht«. In einer Selbstdarstellung bezeichnen die NEA ihr ideologisches
Fundament als »libertär« und verorten sich zwischen Anarchismus und
Kommunismus. Breiteren Anschluss suchen sie vor allem mit den The­
men Gentrifizierung und Flüchtlingsunterstützung. Die NEA treten nach
außen vergleichsweise gemäßigt auf und verzichten darauf, ihre Gewalt­
bereitschaft allzu plakativ zur Schau zu stellen. Sehr offensiv betreiben sie
»Outings« von vermeintlichen und tatsächlichen Rechtsextremisten, auch
von Mitgliedern der AfD.125

Der Aufklärung harrt allerdings noch die Frage, warum der Verfas­
sungsschutz Sachsen-Anhalts von Begrichs linksextremen Umtrieben
nichts wusste. Der Inlandsgeheimdienst, der augenscheinlich auf der
rechten Seite des politischen Spektrums Facebook-Posts notiert, in
denen Angela Merkel als die »Kanzlerin des Untergangs« bezeichnet
wird (siehe Kapitel »Internes aus dem Verfassungsschutz - wie ein
Gutachten die Meinungspolizei entlarvte«, S. 173), hatte weder Kennt­
nisse über Begrichs Autorenschaft in einer linksextremen Zeitschrift
noch Wissen über seine Teilnahme an linksextremen Veranstaltungen.
Das wurde den Schlapphüten in einer Sitzung der Enquetekommission
nahegebracht - durch die AfD. Das war im Jahr 2018. Der Verein »Mit­
einander« erhält nach wie vor die Steuerzuschüsse, die im Kampf gegen
Rechts gestern und heute den Extremisten der linken Seite zukommen.

Sebastian Striegel (Grüne) und die »Zuwanderung


bis zum Volkstod« - Eine Bilderbuchkarriere im Linksstaat
Ein weiterer Mitarbeiter von »Miteinander« ist Sebastian Striegel, al­
lerdings »ruht« derzeit das Arbeitsverhältnis, da der Grüne anderwei­
tig beschäftigt ist: Er ist Landtagsabgeordneter. Womit eine weitere
Funktion der Kampf-gegen-Rechts-Vereine deutlich wird: Man kann
118 Staats-Antifa

die parteipolitische Personalreserve mit Posten und Geld versorgen.


Sollte Striegel eines schönen Tages nicht mehr in den Landtag gewählt
werden, kann er seine Tätigkeit in der staatlich finanzierten »Zivilge­
sellschaft« wieder aufnehmen.
Der heutige Landesvorsitzende der Grünen bleibt der »Zivilgesell­
schaft« - und was er darunter versteht - auch in den Zeiten seiner
Abgeordnetentätigkeit verbunden. So etwa, als die Organisation »Halle
gegen Rechts« im Jahr 2017 die Kampagne startete: »Naziaufmarsch
in Halle? Läuft nicht!«. Dazu wurde ein gemeinsamer Aufruf für eine
Demonstration am 1. Mai verfasst. Am 9. März 2017 wurde der Appell
veröffentlicht. Mit dabei: die Interventionistische Linke. Aber nicht
nur: Zwei Ministerinnen der Kenia-Koalition in Sachsen-Anhalt hat­
ten den Aufruf ebenfalls unterschrieben.
Die Landesregierung wird später erklären, zum Zeitpunkt der Un­
terschrift durch die Regierungsmitglieder sei noch nicht klar gewesen,
wer alles unterschrieben habe. Das ist, wenn es überhaupt stimmen
sollte, allerdings nur die halbe Wahrheit. Die Ministerin Petra Grimm-
Benne (SPD), stellvertretende Ministerpräsidentin und Arbeitsminis­
terin, machte noch Wochen nach Bekanntwerden der Liste, auf der die
IL zu finden war, Werbung für die Veranstaltung.
Die Ministerin Claudia Dalbert (Grüne), die ebenfalls den Aufruf
unterzeichnet hatte, nahm an der Veranstaltung teil, genau wie die IL,
die DKP, die marxistisch-leninistische MLPD (die ihren Stand gleich
neben dem der CDU hatte), die SPD, die Linke und auch der stell­
vertretende Landtagspräsident von Sachsen-Anhalt, Wulf Gallert (Die
Linke).126
Eine so sehr vom Geist der demokratischen Gesinnung umwehte
Veranstaltung weckte dann auch die Begeisterung Striegels und sei­
nes Fraktionskollegen Wolfgang Aldag. Am 3. Mai 2017 spendeten die
beiden Landtagsabgeordneten der Organisation »Halle gegen Rechts«
500 € und verbreiteten die frohe Kunde der Extremistenunterstützung
auf Facebook.*

* Facebook-Eintrag vom 9. Mai 2017 von »Halle gegen Rechts« durch Übernahme
des Facebook-Eintrages von Wolfgang Aldag vom 4. Mai 2017. Das Bild von der
Übergabe der Überweisung zeigt unter anderem Striegel und Aldag, beide vor
der Geschäftsstelle der Grünen.
Millionen für den Verein eines Antifa-Autors 119

Weniger angetan von der Aktion, insbesondere von der Teilnahme


der Regierungsmitglieder Dalbert und Grimm-Benne, zeigte sich die
AfD-Fraktion, als sie bei eigenen Recherchen diese Zusammenhänge
entdeckte. Die Minister hätten »unter Nennung ihrer dienstlichen
Funktion und folglich in ihrer Eigenschaft als Mitglieder der Landes­
regierung ebenfalls unterzeichnet«, begründete Fraktionsvorsitzender
Oliver Kirchner einen Antrag, die Landesregierung möge sich von
Linksextremismus distanzieren. Die Oppositionspartei forderte die
Landesregierung dazu auf, die Unterschriften zurückzunehmen:

Auch wenn die Demonstrationen, zu denen Mitglieder der Landesregie­


rung zusammen mit Linksextremisten aufriefen, mittlerweile stattfanden,
bleibt ohne Rücknahme der Unterschriften der Eindruck einer Zusam­
menarbeit bestehen.
Um der Öffentlichkeit und den Bürgern Sachsen-Anhalts, aber auch
den Linksextremisten selbst zu verdeutlichen, dass die Landesregierung
im Sinne einer wehrhaften und streitbaren Demokratie sich auf keine
Bündnisse mit Verfassungsfeinden einlässt, wird die Landesregierung
aufgefordert, die Unterschriften öffentlich zurückzunehmen.

Diesen Antrag weisen die übrigen Fraktionen, deren Parteien alle auf
der Versammlung vertreten waren, zurück. Keine Überraschung. In­
teressant dabei, welche Begründung Sachsen-Anhalts Innenminister
Holger Stahlknecht (CDU) für die Verweigerung der Rücknahme
unter anderem anführt:

Die Landesregierung bekämpft den Rechtsextremismus genauso wie den


Linksextremismus. Die Bekämpfung wird dadurch nicht unzulässig, dass
die andere Seite des Extremismus versucht, bei der Bekämpfung mit dabei
zu sein. Denn das würde es verhindern, Extremismus zu bekämpfen.127

Das ist bei gemeinsamen Unterschriften auf jeden Fall unrichtig. Eines
ist allerdings richtig: Bei öffentlichen Versammlungen unter freiem
Himmel kann man nicht bestimmen, ja darf es nach dem Versamm­
lungsrecht auch nicht, wer daran teilnimmt. Würde man allen De­
monstrationen fernbleiben, bei denen auch (!) Extremisten anwesend
sind, hätten die es in der Hand, jedes Protestgeschehen zu steuern.
120 Staats-Antifa

Jeder Nichtextremist wäre gehalten, zu Hause zu bleiben. So weit kann


man Stahlknecht zustimmen, sofern das damit gemeint war.
Doch was die übrigen Parteien für sich in Anspruch nehmen, gilt
nie, wenn Bürgerinitiativen Proteste veranstalten, die die Politik der
Regierung kritisieren. Ob es sich um Corona-Proteste handelt oder
Demonstrationen gegen die Migrationspolitik der Bundesregierung: In
diesen Fällen wird von der etablierten Politik (und dem Verfassungs­
schutz) die Teilnahme von tatsächlichen oder vermeintlichen Extre­
misten sofort als Beleg für die Verstrickung ins extremistische Lager
herangezogen. Insbesondere von Stahlknecht.
Nach einem Beispiel muss man nicht lange suchen: Im September
2018 hatten in Köthen zwei afghanische Männer auf einen Rollstuhl­
fahrer eingeschlagen und -getreten. Der Behinderte starb daraufhin.
Der Tod des herzkranken Kötheners hatte Proteste ausgelöst. Zu Pro­
testen kam es auch, als die 17 und 19-jährigen Migranten im November
2019 wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu 1% beziehungsweise
zu einem Jahr und 8 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wurden, was
nicht nur die Familie des Opfers als Skandal empfand. Am 17. Novem­
ber 2019 kam es zu zwei Demonstrationen. An dem Trauermarsch
nahmen AfD-Politiker teil. Aber auch Rechtsextremisten stießen zu
den Protesten dazu, so Innenminister Stahlknecht. Der Politiker, dem
der Verfassungsschutz des Landes untersteht, kam nun allerdings zu
einer ganz anderen Sicht der Dinge:

Durch ihr Agieren und Bewerben solcher Veranstaltungen bereitet die


AfD Extremisten den Boden und macht sie salonfähig.128

Was nützt es da dem Fraktionsvorsitzenden der AfD, Oliver Kirchner,


festzustellen:

Ich habe mich einer Demo angeschlossen, die von »Zukunft Heimat« an­
gemeldet wurde.

Dort seien die Teilnehmer beständig aufgefordert worden, sich von


Rechtsextremisten abzugrenzen. »Für mich ist jeder Rechtsextremist
auf einer Demo einer zu viel«, erklärte Kirchner gegenüber dem MDR.
Der Unterschied: Weder Stahlknecht noch dessen Regierungskol­
legen distanzieren sich vom gemeinsamen Agieren mit Linksextre-
Millionen für den Verein eines Antifa-Autors 121

misten - noch nicht einmal durch die Rücknahme einer Unterschrift


unter eine gemeinsame Erklärung mit Linksextremisten. Allerdings:
Der CDU-Politiker schreibt letztlich den Verfassungsschutzbericht.
Kirchner, der sich deutlich gegen Rechtsextremisten auf der Demons­
tration in Köthen ausspricht, kann diesen lediglich lesen.
Mehr Einfluss auf die Meinungsbehörde in der Hand der Regierung
hat da schon der Koalitionsabgeordnete Sebastian Striegel. Der Grüne
ist als Landespolitiker nicht weithin bekannt. Dem bundesweiten Pu­
blikum fiel Striegel dann aber doch auf.
Grund war eine eher überraschende Forderung für einen Volks­
vertreter: »Zuwanderung bis zum Volkstod«. Ein Motto, das sich bei
vielen linksextremen Demonstrationen und im sogenannten antideut­
schen Lager großer Beliebtheit erfreut. Der Slogan, der dem Genozid
an den Deutschen frönt, war im März 2015 das geistige Produkt Sebas­
tian Striegels. Via Twitter verbreitet der grüne Landtagsabgeordnete
seine kruden Fantasien und Fantastereien, die bisweilen gern auch mal
den eigenen Souverän, das Volk, in den Untergang entsenden wollen.
Zwar erklärt das Bundesverfassungsgericht die Volkssouveräni­
tät nicht nur zu einer der Säulen, sondern zum Fundament der frei­
heitlich-demokratischen Verfassung und jene, die sich gegen dieses
Prinzip wenden, zu ihren Feinden; gleichwohl wird Striegel aber die
Aufsicht über den Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt anvertraut. Er
wird zum Mitglied jenes Gremiums gewählt, das die parlamentarische
Aufsicht über die Geheimbehörde ausübt.
Und so fand das auf vielen Antifa-Demos auf Transparenten zu le­
sende Motto »We love Volkstod« Eingang in die Debatten des Landta­
ges von Sachsen-Anhalt. Die AfD-Fraktion will partout nicht einsehen,
dass ein Verfassungsfeind den Verfassungsschutz beaufsichtigen soll.
Sie verlangt die Abberufung Striegels aus dem Gremium. Dies wird
schlicht abgelehnt. Auch hier gilt wohl Stahlknechts Prämisse hinsicht­
lich des Extremismus:

Die Bekämpfung wird dadurch nicht unzulässig, dass die andere Seite des
Extremismus versucht, bei der Bekämpfung mit dabei zu sein.

Das kann man hier allerdings auch anders sehen.


Linksextremisten in Aufsichtsgremien
und Verfassungsgerichten

striegel ist nicht der einzige fragwürdige Überwacher der Über­


wacher. Da gibt es noch etliche andere. Kerstin Köditz sitzt in der
Fraktion der Linken am äußerst linken Rand. Neben ihr kommt im
sächsischen Landtag nur noch die Regierungsbank. Von dort aus hätte
sich ein genauerer Blick auf die Abgeordnete aus Grimma empfohlen.
Denn die »Sprecherin für Antifaschistische Politik der Fraktion Die
Linke« erklärt auf ihrer Website, regelmäßig im Rahmen von »Ver­
einsbeiträgen und Fördermitgliedschaften« unter anderem die Rote
Hilfe zu bedenken.129 Zugleich nimmt sie als Mitglied an den geheimen
Sitzungen des Ausschusses teil, bei denen der Verfassungsschutz über­
wacht wird.
In der Parlamentarischen Kontrollkommission (PKK) überwacht
Köditz mit Kollegen von CDU, AfD und SPD die Landesregierung bei
der Aufsicht über ihren Inlandsgeheimdienst. Auch in der ebenfalls ge­
heimen »G10-Kommission« war die Linksextremistin Mitglied. Diese
hat eine ganz besonders delikate Aufgabe, wie man der Beschreibung
dieses Gremiums auf der Website des Landtages entnehmen kann:

Die G lo-Kommission überprüft die Zulässigkeit und Notwendigkeit aller


vom Staatsministerium des Innern angeordneten Überwachungsmaßnah­
men des Landesamtes für Verfassungsschutz, die das Brief-, Post- und
Fernmeldegeheimnis (Artikel 10 GG) beschränken.130

Durch die Neuwahl hat die Linke ihren Sitz in diesem Gremium ver­
loren. Aber bis zur Wahl im September 2019 in Sachsen (und bis zur
Neubesetzung wenige Monate später), hatte die Linke somit brand­
heiße Informationen zu Abhörmaßnahmen. Mehr noch: Köditz be­
fand über die Notwendigkeit der Maßnahmen.
Da hatte Köditz gut zu tun, denn in Sachsen hatte die Polizei einige
Ermittlungen zu führen. Unter anderem wegen Bildung einer krimi­
nellen Vereinigung im linken Milieu. Leider, man weiß nicht genau
warum, gab es dabei immer mal wieder Pannen.

123
124 Staats-Antifa

Etwa als im Jahr 2014 in Leipzig-Connewitz eine Überwachungs­


kamera »entdeckt« wurde, wie die Leipziger Volkszeitung berichtete.131
Köditz wurde in der Zeitung angesichts des völlig zufälligen Fundes
durch Anwohner entsprechend empört zitiert:

Das Lavieren der Polizei finde ich völlig unverantwortlich. Sie hat in den
vergangenen Tagen mal Unwissenheit vorgeschützt, mal Urheberschaft
angedeutet, mal abgestritten, mal keine Auskunft geben wollen.

Zu dieser Zeit gehörte Köditz dem Gremium des Landtages an, das sol­
che Strafverfolgungsmaßnahmen der Polizei beaufsichtigte. Die Linke
empfand es wohl als gute Idee, die Polizei bei dem Versuch der Straf­
ermittlungen von einem derart kritischen Geist überwachen zu lassen.
Andernorts ist man vorsichtiger. Im Jahr 2014 wurde im Landtag von
Sachsen-Anhalt dem Abgeordneten Jörg Schindler wegen Mitglied­
schaft in der Roten Hilfe eine Mitwirkung im dortigen G 10-Gremium
versagt. Die Sicherheitsüberprüfung Schindlers versetzte Sicherheits­
behörden und die Mehrheit im Landtag - mit gewisser Verspätung - in
Alarmstimmung. Er wurde kurz darauf wieder abberufen.
In Sachsen ist man da wesentlich gelassener. Dort ist überhaupt
keine Sicherheitsüberprüfung vorgesehen, wie Ivo Klatte, Pressespre­
cher des Sächsischen Landtages, erklärt. Jedenfalls wisse man im Land­
tag nicht, »ob die Abgeordnete Köditz Mitglied einer linksextremisti­
schen Organisation ist«.
Patricia Vernhold, Pressereferentin des Sächsischen Innenministe­
riums, teilt hingegen mit:

Dem Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Sachsen ist aufgrund von


Eigenangaben bekannt, dass Frau Köditz (MdL) Beiträge an die Rote Hilfe
entrichtet. Über die Art der Beiträge liegen dem LfV keine Informationen
vor. Infolgedessen kann daraus nicht zwingend auf eine tatsächliche Mit­
gliedschaft in der Roten Hilfe geschlossen werden.

Ob die Behörde des damaligen und heutigen Innenministers Roland


Wöller (CDU) durch meine Presseanfrage vom 18. Januar 2019 von
Köditz’ Verbindung erfuhr oder diese dort schon zuvor bekannt war,
geht aus der Antwort nicht eindeutig hervor. Unter Beobachtung, das
Linksextremisten in Aufsichtsgremien und Verfassungsgerichten 125

stellen die Verfassungsschützer allerdings klar, habe man Köditz jeden­


falls nie gehabt.
Die Darstellung des Ministeriums, es sei »nicht zwingend« von einer
Mitgliedschaft Köditz’ auszugehen, umschifft ebenfalls den entschei­
denden Punkt: Eine Verfassungsfeindin überwacht die - vermeintli­
chen - Überwacher von Verfassungsfeinden. Es dürfte bei regelmäßi­
ger finanzieller Unterstützung eines linksextremistischen Vereins wie
der Roten Hilfe eindeutig sein, wes Geistes Kind Köditz ist.
Es ist schlicht von einer Mitgliedschaft auszugehen, wenn Köditz
auf ihrem Webauftritt zu den Zahlungen an die Rote Hilfe, an die in
Bayern ebenfalls beobachtete »Vereinigung der Verfolgten des Nazi­
regimes - Bund der Antifaschisten« (VVN-BdA) und an weitere Orga­
nisationen schreibt: »Vereinsbeiträge und Fördermitgliedschaften: 600
Euro - Regelmäßige Beiträge entrichte ich beispielsweise an folgende
Vereine:« Einen »Beitrag« zahlt regelmäßig nur ein Mitglied, ansonsten
wären es Spenden. Die Landtagsabgeordnete selbst reagierte nicht auf
meine Anfrage zu ihrer mutmaßlichen Mitgliedschaft in der links­
extremen Roten Hilfe.
Nur wenig redefreudiger als Köditz selbst ist das Bundesamt für
Verfassungsschutz. Die Behörde, die eine Woche zuvor in einer Presse­
konferenz ausführlich zu einzelnen Äußerungen von AfD-Politikern
Auskunft gab und eigene Einschätzungen präsentierte, teilte mir zu der
Linksextremistin Köditz mit, keine Auskunft zu personenbezogenen
Daten erteilen zu können. Merkwürdig: Das Gesetz sieht genau das
eindeutig vor. Wir kommen noch darauf zurück.
Der weiteren Politkarriere von Köditz steht trotz ihrer Spendier­
freudigkeit zugunsten von Verfassungsfeinden nichts mehr im Weg.
Ihr Aufstieg verlief bislang ohnehin schon recht erfolgreich. So wurde
das mutmaßliche Mitglied der Roten Hilfe in den Bundesvorstand der
Linken gewählt. Genau wie Jörg Schindler, der einst an der Sicherheits­
überprüfung scheiterte. Ganz so weit links außen sitzt Köditz dann
doch nicht - zumindest nicht innerhalb der Linken. Eher in der Mitte
einer Partei, die in ihre Gremien solche Antifa-Unterstützer wählt.
Nicht weit von der sächsischen Geheimdienstaufseherin der Lin­
ken entfernt ist der Grüne Valentin Lippmann - zumindest was seine
Beziehungen zu linken Extremisten angeht. Lippmann beaufsichtigt
ebenfalls als Mitglied der Parlamentarischen Kontrollkommission
126 Staats-Antifa

den Verfassungsschutz. Zugleich teilen Lippmann und andere Grüne


ihr Dresdner Bürgerbüro »Grünes Eck« mit dem Bündnis »Dresden
Nazifrei«, einem Ableger der Interventionistischen Linken, der auch
nach Feststellung der Verfassungsschutzbehörde Sachsens bestens ins
linksextreme Lager vernetzt ist. So schreibt der VS in seinem Bericht
für das Jahr 2015:

Die mangelnde Distanz zu Gewalt und die Nähe des Bündnisses »Nazi­
frei - Dresden stellt sich quer« zur autonomen Szene zeigte sich bei den
Mobilisierungen zu Gegenprotesten anlässlich des ersten Jahrestages des
Aktivwerdens der PEGIDA-Bewegung am 19. Oktober 2015.
Das Bündnis hatte die Planungen der Proteste initiiert. Außerdem
zählte es selbst - und somit indirekt auch die ihm angehörende »URA
Dresden« - zu den Unterstützern eines hinter den Demonstrationen ste­
henden bürgerlichen Protestbündnisses. Seine Verbindungen zur »URA
Dresden« verdeutlichte »Nazifrei - Dresden stellt sich quer«, indem es
einen Aufruf der »URA Dresden« - »Den PEGIDA-Geburtstag zum De­
saster machen« - unterstützte, dem eine Leitfunktion für die linksextre­
mistische Szene zukam. Das Bündnis selbst beantwortete die Frage auf
seinem Facebookprofil »Warum distanziert ihr euch nicht von der ext­
remen Antifa?« wie folgt: »Weil wir ein spektrenübergreifendes Bündnis
sind und radikale Antifagruppen ein Teil von uns sind.«132

Aber aus irgendeinem Grund glaubt der sächsische Inlandsgeheim­


dienst, »Dresden Nazifrei« sei selbst »in seiner Gesamtheit nicht
extremistisch«. Könnte es damit Zusammenhängen, dass man beim
vermeintlichen Verfassungsschutz die Konsequenzen scheut, den
Untermieter der Grünen als extremistisch einzustufen? Vergleicht
man das gemeinsame Agieren mit dem, was das Bundesamt für Ver­
fassungsschutz mit Blick auf die AfD in dem angeblich internen, aber
(bevorzugt linken) Medien zugespielten Gutachten als Maßstab heran­
zieht, um angebliche Verbindungen ins extremistische Lager »nach­
zuweisen«, dann erkennt man die sich dahinter versteckende Willkür
oder vielmehr den politischen Willen, die politische Linke zu schonen.
Und so notiert der Verfassungsschutzbericht aus Sachsen zwar die Ver­
netzung des Bündnisses »Dresden Nazifrei«, unterlässt aber die einzig
mögliche Schlussfolgerung: Grüne unterstützen mit der Bereitstellung
Linksextremisten in Aufsichtsgremien und Verfassungsgerichten 127

des durch den Steuerzahler finanzierten Parteibüros in Dresden eine


linksextreme Gruppierung:

Dresdner »Autonome« setzten für ihre Aktivitäten am 13. Februar [Jahres­


tag der Bombardierung Dresdens, Anmerkung des Autors] die aus ihrer
Sicht seit 2010 bewährte Bündnispolitik fort und unterstützten mit ihren
Aktionen erneut das in seiner Gesamtheit nichtextremistische Bündnis
Nazifrei - Dresden stellt sich quer. Auch die »URA Dresden« gehörte
diesem Bündnis an. So erklärte ein Gruppenmitglied gegenüber einem
Radiosender: »Wir sind ja in dem Bündnis aktiv.«133

Die URA, die »Undogmatische Radikale Antifa Dresden«, gehört also


dem Bündnis an, das aus irgendeinem unerfindlichen Grund nicht
extremistisch ist. Die URA beschreibt der VS-Sachsen allerdings mehr
als eindeutig:

Am 24. Juli 2015 riefen u. a. die linksextremistischen »Undogmatische


Radikale Antifa Dresden« (»URA Dresden«) und das Bündnis »Nazi­
frei - Dresden stellt sich quer«, in dem auch Linksextremisten aktiv sind,
zu einer Kundgebung vor einer Unterkunft in Dresden auf. Die »URA
Dresden« bezeichnete später »Bullen und Politik« als »Teil des Problems«
und bekräftigte die andauernde Notwendigkeit »linke(r) Intervention«.
Weiter heißt es: »Der Mob fühlt sich legitimiert durch eine hasserfüllte
Stimmung, die u.a. durch Positionen der CDU/CSU, aber auch durch
PEGIDA-Demonstrationen und sogenannte >Bürgerbewegungen< erzeugt
und befeuert wird.«134

Die Selbstbezichtigung, die offenkundig richtige Selbstbeschreibung


des Bündnisses »Dresden Nazifrei« als »Schwarzer Block«, vermag
noch nicht einmal der Verfassungsschutz zu übersehen:

Das im Hinblick auf die Umsetzung der Bündnisstrategie beispielhafte


Bündnis »Nazifrei - Dresden stellt sich quer« legte im Berichtsjahr seine
Verknüpfungen zur linksextremistischen autonomen Szene deutlich offen.
So schrieb es in einem Kommentar auf seiner Facebook-Seite:
»[...[ wir sind das, was ihr den >schwarzen Block< nennt. Er ist Teil
von uns, er ist bei uns im Bündnis. Und ohne ihn würde es weder dieses
128 Staats-Antifa

Bündnis geben, noch hätten wir je einen Nazi-Großaufmarsch blockiert.


Dresden Nazifrei ohne die radikale Antifa wird es nicht geben! Und das
ist auch gut so.«135

Lippmann, der Bürogenosse von »Dresden-Nazifrei« (und damit auch


der IL), kann in der neuen Legislaturperiode nun direkt auf den Ver­
fassungsschutz einwirken. Auch die Polizei und ihre Abhörmaßnah­
men kann Lippmann nun im Parlamentarischen Kontrollgremium
unter die Lupe nehmen. Das Interesse an der Arbeit der Polizei ist bei
dem Grünen zweifellos vorhanden: Ende 2016 stellte Lippmann bereits
eine Kleine Anfrage zu Ermittlungsverfahren wegen der Bildung einer
kriminellen Vereinigung in der linken Szene Leipzigs.136
Das Ermittlungsverfahren war - aus welchen Gründen auch im­
mer - nicht erfolgreich verlaufen. Der Grünen-Politiker wollte nach
Abschluss der Ermittlungen wissen, welche dienstrechtlichen Konse­
quenzen die Strafverfolgungsbemühungen auslösen würden. Kurz:
Lippmann wollte die beteiligten Beamten bei Polizei und Staatsanwalt­
schaft am liebsten bestraft sehen.
Jetzt, da in Sachsen eine schwarz-grüne Koalition Katja Meier zur
Justizministerin ernannt hat, muss Lippmann wohl ohnehin keinen
allzu großen Verfolgungseifer aus den Staatsanwaltschaften heraus ge­
genüber linken Extremisten mehr fürchten. Die Parteifreundin Lipp-
manns war in ihrer Jugend Mitglied in der Punkband »Die Harlekins«
gewesen. Meier zog damals noch am Bass ihre Strippen.
In einer Art Antifa-Weihnachtslied ließ die Musikgruppe ihrem
Hass auf Polizisten freien Lauf. »Advent, Advent ein Bulle brennt«,
heißt es im Text des Liedes Hurra, der Mai ist da. Der 1. Mai ist schon
lange der höchste Feiertag der Antifa und somit das »Weihnachten«
der linksextremen Szene, das meist recht ausgelassen »gefeiert« wird.
Der an sich arbeitsfreie Tag wird dabei dazu genutzt, »Bullen« zu at­
tackieren. Mit welchen Mitteln, das wusste Meiers Band auch kund­
zutun: mit einem Molli (Molotowcocktail), damit nicht nur »erst ein,
dann zwei dann drei« Bullen brennen, sondern auch ein »Sixpack«,
worunter in linksextremen Kreisen in diesem Zusammenhang ein
Polizeimannschaftswagen verstanden wird.
Doch dann kam es in der Silvesternacht 2019/2020 in Connewitz
einmal mehr zu linksextremer Gewalt gegen Polizeibeamte. Die AfD
Linksextremisten in Aufsichtsgremien und Verfassungsgerichten 129

verbreitete daraufhin Meiers Hassbotschaften gegen Polizisten. Hatte


die Grüne im August 2019 noch zu erkennen gegeben, sich von den
Texten ihrer ehemaligen Punk-Band nicht wirklich distanzieren zu
wollen, wurde nun der Druck zu groß. Meier ließ die Öffentlichkeit
auf Twitter wissen:

Ich habe als Jugendliche in einer Punkband Bass gespielt. Darüber wurde
ja schon vielfach berichtet. Ich habe immer gesagt, nicht alle Texte, zu
denen ich mit 16 Jahren Bass gespielt habe, teile ich über 20 Jahre später
inhaltlich. Ich verurteile jegliche Form von Gewalt. Gewalt ist durch nichts
zu rechtfertigen und ihr muss mit den Mitteln des Rechtsstaats begegnet
werden.137

Laut den Angaben unter dem mittlerweile nicht mehr aufrufbaren Vi­
deo war Meier wohl eher 18 als 16 Jahre alt, als sie Hass auf Polizisten
verbreitete. Es ist ohnehin mehr als merkwürdig, dass Meier sich hinter
dem jugendlichen Alter versteckt. In der Wahlarena Sachsen im Au­
gust 2019 hatte sie zum Wahlalter noch erklärt:

Da finde ich es entscheidend, dass wir das Wahlalter senken. Wir Grüne
sagen: Mit 14 sind junge Menschen bereit, sich einzubringen mit ihren
Ideen, und deswegen wollen wir gerne das Wahlalter senken.138

Wenn es um Meiers Verantwortung geht, fühlt sie sich selbst mit etwa
18 noch nicht reif genug, um für ihre Ideen die Verantwortung zu über­
nehmen. Aber beim Wahlalter sollen bereits 14-Jährige alle Rechte er­
halten. Linke Politik im Brennglas: Alle Rechte für jedermann, aber
keine Verantwortung für niemanden.
Das scheint auch das Motto der CDU zu sein. Diese stützte Meier
auch nach Bekanntwerden ihrer Musikdarbietungen. Alles andere
wäre auch überraschend gewesen. Denn schließlich wandte sich die
CDU-Fraktion in Sachsen auch nicht gegen die Wahl der Linken Kö­
ditz oder des Grünen Lippmann. Trotz ihrer Bezüge in extreme Lager
wird beiden die Aufsicht über den Verfassungsschutz beziehungsweise
die Polizei ermöglicht. Die CDU hat es längst aufgegeben, sich gegen
eine Linke zu stemmen, die ihre Bezüge zum Extremismus voll und
auch ungeniert auslebt.
130 Staats-Antifa

Aber noch ein Muster wird - insbesondere bei Meier - erkennbar:


Es sind immer die Rechten die Täter, die Linken die Opfer. Dem Spiegel
erklärte sie ihre Jugend und versäumte es nicht, sich selbst zu vikti-
misieren: »Es ging um Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit und um die
Auseinandersetzung mit Nazideutschland.«139
Weder kam Meier auf die Idee zu erklären, warum Polizisten für
derartige Fehlentwicklungen verantwortlich gemacht werden können,
noch fragt die Spiegel-Journalistin danach. Im Gegenteil: Das ver­
meintliche Nachrichtenmagazin aus Hamburg bietet Meier die Bühne,
um sich selbst zum Opfer zu machen.
Sie habe Angst gehabt, erklärt Meier, um auf Nachfrage - wovor? -
auszusagen: »Dass uns die Rechten überfallen.« Das ist also die Angst
von Leuten, die Polizisten in ihrem Einsatzwagen gleich im Sechser­
pack bei lebendigem Leib verbrennen wollen: Dass sie von Rechten
überfallen werden.

#**

Nicht nur im Freistaat Sachsen üben offenkundig der Realität entzo­


gene Links-Ideologen die Aufsicht über Staatsanwaltschaft und Ver­
fassungsschutz aus. Im Freistaat Bayern gehört Katharina Schulze dem
Kontrollgremium des Landtages zur Überwachung des Verfassungs­
schutzes an. Gewählt wurde die Grüne von der Mehrheit des Land­
tages. Geschadet haben der Fraktionsvorsitzenden der vermeintlichen
Ökopartei dabei auch nicht ihre Verbindungen zu zahlreichen linksex­
tremen Vereinigungen wie »Marxistisch-Leninistische Partei Deutsch­
lands« (MLPD), Antifa-NT und anderen. Über diese Verbindungen
hatte ich in einem Videobeitrag berichtet,140 den augenscheinlich auch
der CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag, Thomas Kreuzer, ge­
sehen hatte. Vor der Wahl zum Landtag im Oktober 2018 richtete sich
Kreuzer in einem offenen Brief an Schulze.141 Auszüge:

Sehr geehrte Frau Schulze,


mit großem Befremden, ja Erschütterung, sehe ich einen Vorgang, der
mir jetzt erst bekannt geworden ist. Sie haben an einer Demonstration
am Flughafen in München teilgenommen. Dort wurde dagegen protes­
tiert, dass nach dem Abschluss eines rechtsstaatlichen Verfahrens aus-
Linksextremisten in Aufsichtsgremien und Verfassungsgerichten 131

reisepflichtige Personen in ihr Heimatland abgeschoben wurden. Das ist


so weit Ihr gutes, grundgesetzlich verbrieftes Recht, selbst wenn Sie da­
mit zeigen, dass Ihnen rechtsstaatliche Verfahren in bestimmten Fragen
egal sind.
Ungeheuerlich wird der Vorgang dadurch, dass Sie dort offen gemein­
sam mit der »Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands« (MLPD)
aufgetreten sind, einer Partei, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird.
Das Gleiche gilt für den gemeinsamen Auftritt mit der Antifa-NT, die im
bayerischen Verfassungsschutzbericht erwähnt wird.
Wahrend Ihrer Anwesenheit wurden die Schlachtrufe »Feuer und
Flamme den Abschiebebehörden« und »Mord, Folter, Deportation - das
ist deutsche Tradition« skandiert.
Sehr geehrte Frau Schulze, ich bin zutiefst empört, dass Sie wider­
spruchslos bei solchen Aktionen mitmachen und sich offenbar mit den
Schlachtrufen identifizieren. Ich darf Sie an Ihre eigenen Worte erinnern:
»Mitgefangen, mitgehangen. Es ist auch Ihre Verantwortung, mit wem Sie
sich auf der Straße zeigen.« [... ]
Ich denke, dass die Bürgerinnen und Bürger Bayerns ein Anrecht ha­
ben, noch vor der Wahl zu erfahren, woran sie bei Ihnen sind. Stehen Sie
auf der Seite der Verfassungsfeinde und der Gewaltaufrufe oder stehen Sie
auf der Seite der besonnenen Demokraten?

Mit freundlichen Grüßen


Thomas Kreuzer, MdL

Nach der Landtagswahl war die Empörung des CSU-Politikers aller­


dings wie weggeblasen. Niemand fragte die Grüne, ob sie »auf der Seite
der Verfassungsfeinde und der Gewaltaufrufe» oder »der besonnenen
Demokraten« stehe. Mit 113 Stimmen und damit auch mit Stimmen aus
der Regierungskoalition von Freien Wählern und CSU, wurde Schulze
damit beauftragt, den Verfassungsschutz zu überwachen. Dieses Glück
wurde dem Leitenden Polizeidirektor im Ruhestand, Raimund Swo­
boda (AfD), nicht zuteil. Weder ihn noch den Polizeibeamten Stefan
Löw (ebenfalls AfD) wollten die übrigen Fraktionen im Bayerischen
Landtag in diesem Gremium sehen. Wie Lippmann in Sachsen, so darf
Schulze in der »G 10-Kommission« zudem auch über Abhörmaßnah­
men der Polizei befinden.
132 Staats-Antifa

Verfassungsfeinde als Verfassungsrichter

Hüter der Verfassung sind nominell auch die Verfassungsgerichte.


Diese gibt es nicht nur im Bund in Form des Bundesverfassungsgerich­
tes, sondern auch in den Ländern. Etwa in Mecklenburg-Vorpommern.
Dort wurde - auch mit den Stimmen der CDU - Barbara Borchardt
zur Verfassungsrichterin gewählt. Die ehemalige Landtagsabgeordnete
gehört nicht nur der Partei Die Linke an, sondern auch der »Antikapi­
talistischen Linken« (AKL). Als Erstunterzeichnerin gehört Borchardt
gar zu den Gründern der linksextremistischen Organisation innerhalb
der Partei Die Linke. Zu diesen Pionieren des neuerlichen Sozialismus­
versuchs im Jahr 2006 zählt auch Kerstin Köditz, die in Sachsen den
Verfassungsschutz unter ihre Fuchtel nehmen durfte.
Borchardt befand in einem gemeinsamen Positionspapier mit wei­
teren Mitstreitern aus der AKL den Mauerbau als den einzig richtigen
Weg, denn dieser sei »für die Führungen der Sowjetunion und der
DDR ohne vernünftige Alternative« gewesen. Kritiker des Todesstrei­
fens wollen aus Sicht von Borchardt und Genossen frecherweise dem
allein seligmachenden Sozialismus Steine in den Weg legen, da sind
sich die Autoren in jenem Pamphlet sicher:

Nutznießer und Verteidiger des kapitalistischen Systems instrumentalisie­


ren den 13. August 1961, um jedwede Suche nach gesellschaftspolitischen
Alternativen jenseits des Kapitalismus bereits im Keim zu ersticken.142

Westberlin war in der Zeit der Teilung und der sozialistischen Diktatur
nicht etwa frei, sondern als »Pfahl im Fleische der DDR« aufgebaut
und »intensiv zur Destabilisierung der DDR genutzt« worden, meinen
Borchardt und Kollegen. Wie die DDR destabilisiert wurde, beschrei­
ben die DDR-Romantiker anhand von vielsagenden Beispielen, ganz
»besonders die Unterstützung der Flucht Hunderttausender aus der
DDR« ist dabei Borchardt und Mitautoren ein Dorn im Auge.
Mehr noch: Die Flucht von der DDR in die Bundesrepublik - also von
Deutschland nach Deutschland - wurde »lediglich als Wohnortwechsel
behandelt«. Das ist aber nicht alles, was Borchardt als Skandal empfin­
det: Westberlin ermöglichte vor dem Mauerbau gar »die Beschäftigung
von Menschen aus der DDR«. Aus Sicht Borchardts also kein Wunder,
Linksextremisten in Aufsichtsgremien und Verfassungsgerichten 133

dass diesem Treiben mit Stacheldraht, Mauerbau und Todesstreifen ein


Riegel vorgeschoben werden musste. Dass es dabei »auf beiden Seiten«
zu Toten kam, findet die frischgebackene Verfassungsrichterin zwar
nicht so toll. Interessant jedoch, was sie mit Toten auf beiden Seiten
meint: »Es sind auch Grenzsoldaten erschossen worden.«143
Doch so deplatziert Borchardts Wahl zur Verfassungsrichterin ist, so
handelt es sich dabei keineswegs um eine Premiere. Schon in dem Buch
Der Links-Staat beschrieben wir den Fall einer Verfassungsrichterin in
Bayern mit besten Verbindungen in die Antifa-Szene. Diese wurde von
den Grünen nominiert.
Zurück zu Borchardt und ihrem Einsatz für das Grundgesetz. Schon
im Jahr 2016 konnte die Öffentlichkeit ihres diesbezüglichen Eifers
gewahr werden. Bei einer Demonstration mit der Antifa gegen den
örtlichen Pegida-Ableger, auf der selbstverständlich auch die Antifa-
Flagge geschwenkt wurde, drückte sie die Ernsthaftigkeit ihrer Be­
mühungen neben einem Transparent stehend aus, das »Faschisten«
empfahl zu laufen, da man den »Abschaum« schlagen werde. Das
Ganze war auf Englisch zu lesen: Fascist you should better run! We
will beat you nazi scum. Das Transparent hatte neben der wenig sub­
tilen Botschaft noch den Appell anzubieten: »Nazis gibt’s in jeder Stadt,
bildet Banden, macht sie platt.« Neben den Transparentträgern: die
entschlossen dreinblickende Verteidigerin demokratischer Werte,
Barbara Borchardt. Doch schon bei diesem Protest geht die damalige
Abgeordnete nur dem Arbeitsprogramm der AKL nach, das auch Anti­
faschismus beinhaltet.
Im Verfassungsschutzbericht des Bundes für 2018 wird die AKL wie
folgt beschrieben:

Die seit 2012 als Bundesarbeitsgemeinschaft in der Partei DIE LINKE orga­
nisierte »Antikapitalistische Linke« (AKL) fordert einen »grundsätzlichen
Systemwechsel« sowie die Überwindung der bestehenden kapitalistischen
Gesellschaftsordnung durch einen »Bruch mit den kapitalistischen Eigen­
tumsstrukturen«. Wesentliche Aktionsfelder sind »Antikapitalismus«,
»Antiimperialismus«, »Antifaschismus« und »Antimilitarismus«.
Verstärkt engagieren sich weiterhin Mitglieder der trotzkistischen »So­
zialistischen Alternative« (SAV) in der AKL. Mitglieder der AKL (darunter
auch SAV-Mitglieder) streben Funktionen in der Partei DIE LINKE an.144
134 Staats-Antifa

Nun wächst sich dieser Einfluss auch auf die Verfassungsgerichts­


barkeit aus. Innerhalb der Linken gelingt es der AKL durchaus, den
Kurs der Partei zu beeinflussen, jedenfalls personalpolitisch. Der AKL
gehört auch Lucy Redler an. Mehr noch: Die »rote Lucy« ist eine von
acht »Bundessprecherinnen«.* Im Rahmen eines Interviews mit der
taz wird Redler als eine linke Kämpferin beschrieben, die »marxis­
tische und trotzkistische Ideen sowie Analysen« entdeckte, an denen
sie auch aktuell noch festhalte. Sie selbst sagte in dem Gespräch mit
der taz im Juli 2018: »Ich habe Marxismus immer als wissenschaftliche
Methode und nie als Dogma verstanden.«145
Redler ist dem gleichen Personenkreis zuzurechnen, der sowohl der
AKL als auch der Sozialistischen Alternative (SAV) angehört. Diese
vermeintliche »Alternative« wird vom Bundesamt für Verfassungs­
schutz wie folgt beschrieben (Auszug):

Die trotzkistische »Sozialistische Alternative« (SAV) verfolgt das Ziel, eine


kommunistische Gesellschaft zu erschaffen. Sie versucht, dies über den
Aufbau einer »revolutionär-sozialistischen Massenorganisation« zu er­
reichen, und strebt die Einheit aller revolutionär-marxistischen Kräfte in
einer »Internationale« an. Die SAV versteht sich als »revolutionäre, sozia­
listische Organisation in der Tradition von Marx, Engels, Lenin, Trotzki,
Luxemburg und Liebknecht«.
Die SAV bedient sich der Strategie des Entrismus: Ihre Mitglieder
agieren vorwiegend im extremistischen Zusammenschluss »Antikapita­
listische Linke« (AKL) der Partei DIE LINKE, um Einfluss auf die Partei
nehmen zu können.146

Oder, wie es Redler im oben genannten Interview mit der taz viel
knapper zusammenfasst: »Die SAV will für marxistische Positionen
innerhalb und außerhalb der Linken argumentieren.« Keine Position,
die eine Parteikarriere hindern würde. Redler gehört auch dem Bun­
desvorstand der Partei Die Linke an. Auf deren Internetportal werden
die Mitglieder des Bundesvorstandes vorgestellt. Bei Redler ist die Mit­
gliedschaft in der AKL und der SAV fein säuberlich aufgelistet.

* Das Impressum des AKL-Internetauftritts weist zwar nur sieben »Bundesspre-


cher*innen« aus, aber in den meisten Publikationen ist von acht die Rede.
Linksextremisten in Aufsichtsgremien und Verfassungsgerichten 135

In Mecklenburg-Vorpommerns Verfassungsschutzbericht wird


praktischerweise die enge Verzahnung von AKL und SAV erst gar
nicht thematisiert, genauso wenig wie die AKL selbst. Lediglich die
SAV blitzt kurz in dem Bericht für 2018 auf. Das ist kein Wunder. In
Mecklenburg-Vorpommern ist mit Manuela Schwesig eine SPD-Frau
Ministerpräsidentin, die als Bundesfamilienministerin Programme ge­
gen Linksextremismus zusammenstrich. Das Problem sei ohnehin nur
»aufgebauscht«, meinte Schwesig laut der Zeitung Welt. Mehr noch:
Diese Programme hätten die Zusammenarbeit vor Ort verhindert und
die »Gräben« vertieft.147
Über einen solchen Graben hin zum Linksextremismus hat nun die
hiesige CDU eine breite Brücke gebaut. Das mag manchen überrascht
haben. Das musste es aber nicht. Man hätte auch den Koalitionsver­
trag zwischen SPD und CDU lesen können. Dort gibt es letztlich nur
einen Extremismus - und der kommt von rechts. Und wie 1998 zwi­
schen SPD und Grünen im Bund, wird die Demokratie gestärkt, indem
man die Opposition von rechts mit Staatsknete bekämpft. Zwar heißt
es unter anderem im Vertrag unter der Zwischenüberschrift »Verfas­
sungsschutz und Extremismusbekämpfung«:

Die Koalitionspartner bekennen sich zu einer Null-Toleranz-Politik ge­


genüber jeglichem politischen und religiösen Extremismus. Sie betonen,
dass es keinen Dialog mit Kräften geben kann, die zu Hass und Gewalt
aufrufen. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit lehnen die Koalitionspart­
ner entschieden ab.148

Dass aber mit »jeglichem« Extremismus nicht der Linksextremismus


gemeint ist, wird nicht erst durch die Wahl Borchardts zur Verfassungs­
richterin und das Verschweigen ihrer extremistischen Organisation
deutlich, sondern schon mit der beschreibenden Einschränkung auf
»Kräfte«, die zu »Hass und Gewalt« aufrufen. Mehr noch wird unter
der Zwischenüberschrift »Politische Bildung, Erwachsenenbildung«
deutlich, dass es nur einen Extremismus gibt: den rechten (Hervor­
hebung durch den Autor):

Eine zentrale Aufgabe beim Kampf gegen den Extremismus und bei der
Stärkung des demokratischen Engagements sollen auch weiter die Regio-
136 Staats-Antifa

nalzentren für Demokratie und Toleranz übernehmen. Hier finden die


Akteure vor Ort kompetente Ansprechpartner, die sie bei der Auseinan­
dersetzung mit Rechtsextremismus unterstützen.149

Diese Regionalzentren für Demokratie und Toleranz kennen tatsäch­


lich auch nur den rechten Extremismus, der linke ist ihnen fremd - je­
denfalls als zu bekämpfendes Phänomen. Wenn es aber mittlerweile
auch für die CDU keinen linken Extremismus mehr gibt, warum dann
nicht auch Borchardt in das Verfassungsgericht wählen, werden sich
die Unionsabgeordneten gefragt haben.
Tief bestürzt von der Entwicklung seiner Partei zeigt sich der Bür­
gerrechtler Arnold Vaatz. Der Bundestagsabgeordnete, der zugleich
stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Unionsfraktion ist, musste
in der DDR wegen Wehrdienstverweigerung während der gegen ihn
verhängten Haft Zwangsarbeit leisten. Entsprechend erschüttert erklärt
er gegenüber Tichys Einblick:

Es gibt auch in meiner Partei offenbar das Ziel einer vollständigen Re­
habilitation der DDR.150

Die Linke ficht das hingegen nicht an. Etliche Medien (Merkur, ntv,
Spiegel, neues deutschland) verbreiteten (oftmals mit Rückgriff auf die
Nachrichtenagentur dpa) Artikel zur Causa Borchardt, die fast wort­
gleich mit dem Satz endeten: »Die beiden Landesvorsitzenden [der
Linken, Anm. des Autors] Torsten Koplin und Wenke Brüdgam er­
klärten, die Debatte sei lächerlich.« Was der Leser dieser Artikel nicht
erfuhr, was aber für die Einordnung wichtig gewesen wäre: Torsten
Koplin ist selbst Gründungsmitglied der AKL. Und Wenke Brüdgam
ist wiederum innerhalb der Linkspartei zuständig für Cuba Si.151
Der Verfassungsschutzbericht des Bundes 2018 beschreibt diese Or­
ganisation wie folgt:

Der als Arbeitsgemeinschaft beim Parteivorstand der Partei DIE LINKE


organisierte extremistische Zusammenschluss AG Cuba Si tritt für eine
uneingeschränkte politische und materielle Solidarität mit dem kuba­
nischen Regime ein. Die dortige kommunistische Gesellschaftsordnung
wird glorifiziert; eine kritische Auseinandersetzung mit den Menschen-
Linksextremisten in Aufsichtsgremien und Verfassungsgerichten 137

rechtsverstößen der kubanischen Regierung findet in der Regel nicht statt.


Die AG Cuba Si unterhält Kontakte zu zahlreichen kubanischen Organi­
sationen und Einrichtungen, unter anderem zur »Kommunistischen Par­
tei Kubas« sowie zum »Kommunistischen Jugendverband Kubas«. Der
Ideologie des sozialistischen Internationalismus folgend führt die AG
Cuba Si auch Solidaritätsaktionen zugunsten Kubas - wie zum Beispiel
die Spendenkampagne »Kuba muss überleben« - sowie zugunsten anderer
sozialistischer Staaten wie beispielsweise Venezuela durch.152

Kein Wunder also, dass diese beiden Landesvorsitzenden die Debatte


um eine linksextreme Verfassungsrichterin »lächerlich« finden. Da ist
es dann auch nur noch eine Petitesse, dass die Ansprechpartnerin in
Sachen kubanischer Kommunismus Brüdgam als Schöffin und damit
ehrenamtliche Richterin am Landgericht wirkt.
Wie zur AKL, so schweigt sich der Verfassungsschutzbericht des
Landes Mecklenburg-Vorpommern 2018 auch zu Cuba SI aus. Laut
Eigenbeschreibung im von Innenminister Lorenz Caffier (CDU) mit
Vorwort und Unterschrift versehenen Verfassungsschutzbericht dient
die Behörde »als Frühwarnsystem« und soll »in diesem Sinne aufklä­
ren, informieren, sensibilisieren, warnen .,.«153.
Weder aufgeklärt noch sensibilisiert - und schon gar nicht ge­
warnt - wird der Bürger allerdings hinsichtlich des Sachverhalts, dass
mit Borchardt und Torsten Koplin, der, wie Jahre zuvor Borchardt, ak­
tuell Landtagsabgeordneter ist, gleich zwei sehr relevante Funktionäre
der Linken jener AKL angehören. Für einen Verfassungsschutz, der im
Falle der AfD bis zum einfachen Mitglied hinab jede Äußerung unter
die Lupe nimmt, ist es freilich sehr widersprüchlich, die extremisti­
schen Verbindungen der Landesvorsitzenden der Linken in Mecklen­
burg-Vorpommern den Bürgern zu verschweigen.
Aber vielleicht wäre das zu viel verlangt. Denn auch der Bundes­
verfassungsschutzbericht führt zwar die beiden linksextremen Or­
ganisationen auf und warnt vor ihrem Einfluss; dass aber mit Sahra
Wagenknecht, Tobias Pflüger, Sevim Dagdelen und Ulla Jelpke Bun­
destagsabgeordnete zu den Erstunterzeichnern und damit Gründern
der AKL gehören, liest man dort auch nicht.
Man erfährt auch nicht, dass der Einfluss der AKL hier nicht endet.
Denn mit dem ehemaligen Stasi-IM Klaus Bartl saß bis 2019 im sächsi-
138 Staats-Antifa

sehen Landtag neben der heute dort noch umtriebigen Kerstin Köditz
ein weiteres Gründungsmitglied in einem Landtag.
Noch ein Gründungsmitglied der AKL ist nicht ohne Einfluss:
Susanne Hennig-Wellsow, Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im
Thüringer Landtag. Hennig-Wellsow, dem breiten Publikum durch
den erzürnten Wurf eines Blumenstraußes vor die Füße des Kurzzeit-
Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich (FDP) bekannt geworden,
wollte ebenfalls zum Start der AKL dabei sein. Das ist jedoch nichts,
was die CDU beunruhigen würde.
Anders jedoch ein Ministerpräsident Thüringens mit dem Par­
teibuch der FDP. Dessen Wahl wurde auf Geheiß der Bundeskanz­
lerin Angela Merkel »rückgängig« gemacht. Mithilfe der CDU sitzt
Hennig-Wellsow mittlerweile wieder einer Regierungsfraktion vor.
Und so kann man ausgerechnet in der Zeitschrift der AKL nachlesen,
was sich Hennig-Wellsow von der Wiederwahl von Ramelow mit Stim­
men der CDU verspricht. Das AKL-Gründungsmitglied wolle errei­
chen, dass »die Linke mit der CDU zusammen eine >antifaschistische
Einheitsfront< bilden muss«.154 Das scheint gelungen.
Das kleine Einmaleins zum Herunterrechnen
des linksextremen Personenpotenzials

ob medien, Politiker oder die zahllosen vermeintlichen Rechtsex­


tremismusexperten, alle kennen scheinbar nur eine Art von Extremis­
mus: den von rechts. Beständig wird die Behauptung aufgestellt oder
zumindest der Anschein erweckt, es gäbe viel mehr Rechts- als Links­
extremisten. Auf den ersten Blick scheint das richtig zu sein. Doch es
stimmt so nicht.
Selbst das Bundesamt für Verfassungsschutz stellt in seinem Bericht
von 2018 fest: Die Zahl der Linksextremisten (32 000) ist höher als die
der Rechtsextremisten (24100).

RechtsextremismuspotenziaP 2017 2018


In Parteien 6050 5510

»Nationaldemokratische Partei Deutschlands« (NPD) 4500 4000

»DIE RECHTE« 650 600

»Der III. Weg« 500 530

Sonstiges rechtsextremistisches Personenpotenzial in Parteien2 400 380

In parteienunabhängigen bzw. parteiungebundenen Strukturen3 6300 6600

Weitgehend unstrukturiertes rechtsextremistisches Personen­ 12900 13240


potenzial4

Summe 25250 25350


Nach Abzug von Mehrfachmitgliedschaften 24000 24100

Davon gewaltorientierte Rechtsextremisten 12700 12700


' Die Zahlen sind zum Teil geschätzt und gerundet.
2 Unter dem sonstigen rechtsextremistischen Personenpotenzial in Parteien werden die Mitglieder von

»Bürgerbewegung pro NRW« (»pro NRW«) und zusätzlich im Jahr 2018 »Freie Bürger Union (FBU) -
Landesverband Saarland« gezählt.
3 Hierzu zählen ein Teil der insgesamt 950 rechtsextremistischen »Reichsbürger« und »Selbstverwal­

ter«, die in überregionalen Strukturen organisiert sind, sowie 600 Mitglieder der »Identitären Be­
wegung Deutschland« (IBD, Verdachtsfall, vgl. hierzu ausführlich S. 82 ff.). Zur IBD liegen tatsächliche
Anhaltspunkte für eine rechtsextremistische Bestrebung vor, sodass die Gruppierung durch das BfV im
Rahmen eines Verdachtsfalles bearbeitet wird.
1 Hierzu zählen ein Teil der insgesamt 950 rechtsextremistischen »Reichsbürger« und »Selbstverwal­

ter«, die keiner festen Struktur zuzurechnen sind.

Quelle: Verfassungsschutzbericht des Bundes 2018 (5. 110)

139
140 Staats-Antifa

Linksextremismuspotenzial1 2016 2017 2018


Gewaltorientierte Linksextremisten2 8500 9000 9000
davon:
Autonome 6800 7000 7400
Anarchisten 800 800 800
Dogmatische Linksextremisten 800

Nicht gewaltorientierte dogmatische Linksext­ 20900 21400 24000


remisten und sonstige Linksextremisten
Summe 29400 30400 33000
Nach Abzug von Mehrfachmitgliedschaften 28500 29500 32000
1 Die Zahlen sind zum Teil geschätzt und gerundet.
2 Bis 2017 wurde bei der Darstellung des Personenpotenzials nur die Gesamtzahl der gewaltorientier­

ten Linksextremisten aufgeführt. Zum besseren Verständnis wird ab 2018 das Potenzial der gewalt­
orientierten Linksextremisten nunmehr aufgeschlüsselt und die Zahl der gewaltorientierten dogmati­
schen Linksextremisten erstmals ausgewiesen.

Quelle: Verfassungsschutzbericht des Bundes 2018 (S. 110)

Allerdings wird eine Kategorie »subkultureller Linksextremismus«


nicht erfasst.
Andererseits wird, anders als das Zahlenwerk der Statistik es na­
helegt, im Text desselben Verfassungsschutzberichtes eben doch eine
subkulturelle Szene ausgemacht (Hervorhebung durch den Autor):

Szeneobjekte, wie zum Beispiel die »Rote Flora« in Hamburg oder das
autonome Wohnprojekt »Rigaer94« in Berlin, gelten als wichtige Wider­
standsstrukturen mit entsprechendem Symbolcharakter. Diese sollen frei
von »kapitalistischer Verwertungslogik« sein, vor allem jedoch frei von
staatlicher Überwachung und Einflussnahme. In diesen Szeneobjekten
wird von Linksextremisten versucht, das staatliche Gewaltmonopol außer
Kraft zu setzen. Mancherorts bilden solche Objekte den Rahmen für eine
subkulturelle »Gegenkultur«, die auch nicht extremistische Personengrup­
pen anspricht.155

Im Bereich des islamistischen Extremismus finden die verbeamteten


Verfassungshüter unter Führung ihres Innenministers ebenfalls kein
subkulturell geprägtes Personenpotenzial. Dennoch hält der Verfas­
sungsschutzbericht 2018 auf Seite 194 fest (Hervorhebung durch den
Autor):
Das Herunterrechnen des linksextremen Personenpotenzials 141

Diese subkulturellen Elemente machen im Wesentlichen die Anziehungs­


kraft der salafistischen Ideologie aus, die vom Wahhabismus, der »Staats­
doktrin« Saudi-Arabiens, geprägt ist und eine besonders strenge und ra­
dikale Strömung innerhalb des Islamismus darstellt.156

Merke: Sowohl im islamistischen als auch im linken Extremismus spü­


ren die Verfassungsschutzbehörden zwar subkulturelle Szenen auf, die
sowohl für die Anschlussfähigkeit an nichtextremistische Personen
(links) und im Falle des Salafismus das wesentliche Element für die
Anziehungskraft ausmachen sollen, doch sind in diesen subkulturel­
len Szenen keine Personenpotenziale auszumachen. Im Bereich des
Rechtsextremismus ist dieses Potenzial hingegen derart groß, dass
diese Szene mehr als die Hälfte aller Rechtsextremisten ausmacht.
Zieht man die subkulturelle Szene im Bereich des Rechtsextremismus
von der Gesamtzahl ab - und stellt ihn so dem Linksextremismus
gleich verteilt sich das personelle Gewicht wie folgt:
142 Staats-Antifa

Diese Betrachtung hat zwar auch eine gewisse Unschärfe, denn es


ist unklar, wie viele Rechtsextremisten aus dem Bereich Subkultur
zugleich auch noch in anderer Weise dem rechtsextremen Personen­
kreis zuzurechnen sind. Dies kann jedoch - als sehr theoretischer
Wert - maximal 1250 Personen betreffen, da nur diese eine Doppel­
mitgliedschaft haben (siehe Tabelle).
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Durch das willkürliche Hin­
zufügen einer rechtsextremen subkulturellen und angeblich unorga­
nisierten Szene und das Weglassen derselben auf der linken Seite
verschieben sich die Gewichte doch recht eindrücklich. Weitere frag­
würdige Erfassungsmethoden bleiben dabei ebenfalls außer Betracht.
Denn wie aus Verfassungsschutzkreisen zu hören ist, wird (in beiden
Phänomenbereichen) sehr unterschiedlich gezählt. Die einen fügen
ihrer Statistik nur dann eine Person hinzu, wenn sie die Personalien
ermittelt haben und damit wissen, mit wem sie es zu tun haben. An­
dere zählen auch ihnen unbekannte Personen hinzu, von denen sie den
Eindruck haben, diese gehörten der Szene an.
Endgültig unglaubwürdig aber wird die ganze Erfassung von
links- und rechtsextremistischen Personenpotenzialen, wenn man die
Summe der Länder mit der des Bundes vergleicht.

Bundesland Links Rechts


Baden-Württemberg 2950 1700
Bayern 3500 2360
Berlin 3140 1410
Brandenburg 620 1675
Bremen 230 170
Hamburg 1335 340
Hessen 2570 1475
Mecklenb.-Vorpommern 520 1500
Niedersachsen 1125 1170
Nordrhein-Westfalen 2420 3255
Rheinland-Pfalz 500 650
Saarland 350 310
Das Herunterrechnen des linksextremen Personenpotenzials 143

Bundesland Links Rechts


Sachsen 785 2800
Sachsen-Anhalt 530 1300
Schleswig-Holstein 670 1100
Thüringen 350 900
Summe 21595 22115
Bund 32000 24100
Differenz -10405 -1985

Damit ist die Summe der Linksextremisten in allen Bundesländern


um über 10 ooo Personen kleiner als die des im Bund festgestellten
Personenpotenzials. Was ist der Grund für ein Abschmelzen der An­
zahl der Linksextremisten um knapp 33 Prozent, wenn die Statistik
nicht die Gesamtzahl von Linksextremisten in Deutschland, sondern
die Summe der Länder ausweist?
Wie aber kommt es nur zu einem solch absonderlichen Ergebnis?
Nachfragen ergeben nichts. Das Bundesamt für Verfassungsschutz
schreibt:

Sehr geehrter Herr Jung,


zu Ihrer Anfrage vom 25.04.2019 kann ich Ihnen mitteilen, dass die
Erfassung des Personenpotenzials für die Phänomenbereiche auf Bundes­
ebene durch das Bundesamt für Verfassungsschutz jährlich in Abstim­
mung mit den Landesbehörden für Verfassungsschutz erfolgt.
Im Übrigen wird darauf hingewiesen, dass die Verantwortung für die
Verfassungsschutzberichte der Länder bei dem jeweiligen Bundesland
liegt. [...]«

Die Statistik kann folglich nach jedermanns Gusto verfälscht werden.


Oder aber sie ist einfach falsch. Jedenfalls kann sie nicht auf einem
abgestimmten Vorgehen basieren. Gleichwohl behauptet die Bun­
desregierung gegenüber dem AfD-Bundestagsabgeordneten Stephan
Brandner, die Zahlen in Bund und Ländern seien nicht nur vergleich­
bar, sondern würden in enger Abstimmung für die Statistik zusam­
mengestellt. Auf die Frage Brandners:
144 Staats-Antifa

Ist die Praxis bei der Erhebung der jeweiligen Personenpotenziale nach
Kenntnis der Bundesregierung in allen Bundesländern und auf Bundes­
ebene gleich und lassen sich insofern die Ergebnisse auf Länder- und
Bundesebene miteinander vergleichen? Welche Unterschiede gibt es ge­
gebenenfalls nach Kenntnis der Bundesregierung in der Erfassung der
jeweiligen Personenpotenziale?

antwortet die Bundesregierung:

Die Erhebung des Personenpotenzials erfolgt für alle vom BfV bearbeite­
ten Phänomenbereiche in einem jährlichen formalisierten Verfahren im
Verfassungsschutzverbund. Dabei werden für die verschiedenen Phäno­
menbereiche jeweils spezifische, die jeweiligen strukturellen Besonderhei­
ten berücksichtigende Kategoriensysteme zugrunde gelegt, die sich an den
jeweils festgelegten Beobachtungsobjekten orientieren. Die Ergebnisse auf
Bundes- und Landesebene sind demnach dem Grund nach vergleichbar.
Geringe Unterschiede können sich jedoch z. B. aufgrund von unterschied­
lichen Voraussetzungen für die Eröffnung der Zuständigkeiten ergeben,
die in den Landesgesetzen geregelt sind.157

»Gering«, also unbedeutend klein im Vergleich zur Gesamtzahl, ist


ein Unterschied, der rund ein Drittel des vollständigen linksextremen
Personenpotenzials verschwinden lässt, jedoch nicht. Ist schon der
Unterschied von 1985 Personen zwischen der Summe der durch die
Länder gezählten Rechtsextremisten und der des Bundes nicht mehr
bloß »gering«, sondern schlechterdings ein Witz, ist eine Differenz von
über 10 405 Linksextremisten im Vergleich von Bund und der Summe
der Länder nur noch absurd.
Wollte man der Bundesregierung hingegen glauben, müssten die
Zahlen übereinstimmen oder zumindest sehr eng zusammenliegen.
Zumal die Bundesregierung in der obigen Antwort behauptet, die Mel­
dungen aus den Ländern sei die Basis der eigenen Zahlen:

[...] die Erfassung des Personenpotenzials für die Phänomenbereiche


Links- und Ausländerextremismus auf Bundesebene erfolgt jährlich in
Abstimmung mit den Landesbehörden für Verfassungsschutz. Basis bildet
eine schriftliche und formalisierte Abfrage bei den Landesbehörden. Die
Das Herunterrechnen des linksextremen Personenpotenzials 145

Erhebung des Personenpotenzials orientiert sich an den für die Phäno­


menbereiche festgelegten Beobachtungsobjekten.

Bedeutsam aber, dass die Bundesregierung erklärt, die Personenpo­


tenziale der links- und rechtsextremen Szene seien nicht miteinander
vergleichbar. Auf die Frage:

Wieso findet die Kategorie der subkulturell geprägten Linksextremisten


keine Erwähnung im Verfassungsschutzbericht?

erklärt die Bundesregierung:

Der Linksextremismus lässt sich weder strukturell noch hinsichtlich der


Verwendung von Begrifflichkeiten mit dem Rechtsextremismus gleich­
setzen.

Folglich dürfte es bezüglich der extremistischen Personalstärke kei­


nen Unterschied zwischen dem Bund und den Ländern geben. Denn
schließlich zählen oder schätzen alle Landesbehörden und die Bun­
desbehörde angeblich gleich. Genau darauf habe man sich im Verfas­
sungsschutzverbund geeinigt. So zumindest die Leiterin der Abteilung
Verfassungsschutz im Bayerischen Innenministerium, Petra Platzgum-
mer-Martin, in der Sitzung des zuständigen Ausschusses im Mai 2019.
Bei Rechtsextremisten werden auch »Internetaktivisten« und »Ge­
walttäter« hinzugerechnet. Die Anbindung an rechtsextreme Parteien
werde von einer subkulturellen Prägung abgelöst. »So gesehen sind
diese Kategorisierungen zugeschnitten auf den jeweiligen Extremis­
musbereich, den wir, der Verfassungsschutzverbund, uns immer ganz
konkret anschauen: Was macht da Sinn, nach welchen Kriterien ist zu
zählen beziehungsweise das Potenzial zu schätzen«, so Platzgummer-
Martin. Demnach dürfte es nirgends eine subkulturell geprägte links­
extreme Szene geben, die man zählen könnte.
Doch, kann man. Findet jedenfalls das Landesamt für Verfas­
sungsschutz in Schleswig-Holstein. Obwohl ja angeblich alles eng
abgestimmt wird im Verfassungsschutzverbund zwischen Bund und
Ländern und die Zahlen auf den gleichen Grundlagen beruhen, gilt
im nördlichsten Bundesland etwas ganz anderes. Dirk Hundertmark,
146 Staats-Antifa

der Pressesprecher des Innenministeriums, hat sogar Zahlen: »Im Be­


richtszeitraum 2019 umfasste das weitgehend unstrukturierte rechts­
extremistische Personenpotenziak in Schleswig-Holstein etwa 550
Personen, und das weitgehend unstrukturierte linksextremistische
Personenpotenziak in Schleswig-Holstein etwa 250 Personen.« Das ist
zwar allein auf das Land bezogen durchaus folgerichtig, da dies dem
eigenen Bericht entspricht. Allerdings widerspricht dies diametral der
Behauptung des Bundes und auch Bayerns, es gäbe eine einheitliche
Erfassung innerhalb des Verfassungsschutzverbundes, auf die man sich
geeinigt habe. Wie andere Bundesländer auch, weist das Land zwi­
schen Nord- und Ostsee im Text des Berichtes auf die subkulturelle
Szene im Linksextremismusbereich hin. Im Verfassungsschutzbericht
Schleswig-Holsteins kann man in Bezug auf die linksextreme Szene in
Kiel und Lübeck unter anderem lesen:

In beiden Städten existieren selbstverwaltete Zentren und Szenetreff­


punkte wie in Kiel die Alte Meierei sowie in Lübeck die Alternative e.V.,
kurz Walli genannt. Des Weiteren spielen insbesondere Wohngemein­
schaften eine wichtige Rolle bei der Bildung subkultureller Strukturen
linksextremistischer Autonomer.

Zudem hatte der Landespräventionsrat Schleswig-Holstein 2019 eine


Studie mit dem Titel »Linksextremistische Erscheinungsformen und
insbesondere linke Gewalt in Schleswig-Holstein« herausgegeben.
Dort heißt es auf Seite 60:

Zusätzlich gilt es, Anziehungspunkte der gewaltbereiten linksextremis­


tischen Szene zu reflektieren. Dazu gehören u. a. subkulturelle Aspekte
wie gewaltverherrlichende Musik, das Ausleben von Machtfantasien sowie
Männlichkeit und Kriegerethik (Kober, 2019).158

Letztlich nicht ungewöhnlich. Wie auch im Bereich des Rechtsextre­


mismus spielt beim Linksextremismus Musik eine zentrale Rolle. Nur
die logische Folge, dieser Subkultur ebenfalls ein Personenpotenzial
zuzurechnen, will man im Verfassungsschutzbund nicht sehen.
Aber der Verfassungsschutzbericht Schleswig-Holstein selbst weist
gleichfalls nur das subkulturelle Personenpotenzial der rechtsextre-
Das Herunterrechnen des linksextremen Personenpotenzials 147

men Szene aus, links unterbleibt dies. Die linksextrem-subkulturellen


Strukturen erhalten - anders als die rechtsextremen - auch kein ge­
sondertes Kapitel. Aber es gibt die linke Subkultur, und sie hat - alles
andere wäre auch schlichtweg nicht nachzuvollziehen - auch Personal.
Von den insgesamt 700 Linksextremisten sollen 250 und damit über
ein Drittel der subkulturellen Szene angehören.
Bei allem Zweifel auch an diesen Zahlen: Diese sind zumindest im
Ansatz etwas schlüssiger als die des Bundes - und wohl auch der meis­
ten übrigen Länder. Spätestens mit der anderen Zählweise in Schles­
wig-Holstein wird jedoch die Behauptung der Bundesregierung von
einer einheitlichen Arbeitsweise widerlegt. Das Bundesamt für Ver­
fassungsschutz begibt sich aber auch in Widerspruch zu sich selbst.
Schließlich hatte das Amt 2016 selbst einen Flyer zur Bedeutung der
Musikszene für das linksextreme Potenzial herausgegeben. Der Text
ist eindeutig:

Musik
Im Rahmen ihrer vielfältigen Aktivitäten nutzen Linksextremisten auch
Musik, um über Liedtexte ihre politischen Vorstellungen zu verbreiten
und zugleich Gesinnungsgenossen zu Unternehmungen zu mobilisieren.
Musik wird aber auch eingesetzt, um Gelder für eigene Aktivitäten zu
erwirtschaften und neue Sympathisanten anzuwerben, indem z. B. Partys
oder Konzertabende in den als »Freiräumen« genutzten Einrichtungen
veranstaltet werden.
Der Einsatz von Musik als Mittel zur Mobilisierung zeigt sich gelegent­
lich auch vor größeren Veranstaltungen. In Videos, die über das Inter­
net verbreitet werden, dienen Musik und gewaltverherrlichende Bilder
dazu, z. B. für Angriffe auf rechtsextremistische Demonstranten zu werben
und die eigene Gewaltbereitschaft gegenüber mutmaßlichen »Nazis« zu
schüren.159

Ähnliches wie die Bundesregierung behauptete die Landesregierung


von Sachsen-Anhalt in der nichtöffentlichen Sitzung der »Enquete­
kommission Linksextremismus«. Auf mehrfache Nachfrage zu der
sehr unterschiedlichen Erfassung der beiden Phänomenbereiche
wurde seitens des Verfassungsschutzes klargestellt, beide Phänomen­
bereiche würden unterschiedlich erfasst und seien insofern nicht mit-
148 Staats-Antifa

einander vergleichbar. Aber aus dieser Unvergleichbarkeit folgt auch


hier: Die linksextreme Subkultur, obwohl zweifellos vorhanden, hat
aus Sicht der Landesregierung kein Personal.

2016 2017 2018


Rechtsextremisten
Parteigebundener Rechtsextremismus 265 265 265
(Parteien)
Parteiungebundener Rechtsextremismus 410 350 340
Weitgehend umstrukturierter, meist subkul­ 800 760 740
turell geprägter Rechtsextremismus
Summe: 1475 1375 1345
Gesamt (nach Abzug der Mehrfachmitglied­ 1400 1400 1300
schaften)
Linksextremisten
Gewaltbereite Linksextremisten, insbesondere 230 230 270
Autonome
Parteien und sonstige Gruppierungen, u.a. die 260 260 260
»Rote Hilfe«
Gesamt 490 490 530
Quelle: Verfassungsschutzbericht Sachsen-Anhalt 2018

Unklar blieb auch hier, warum es im Bereich des Rechtsextremismus


ein »weitgehend unstrukturiertes, meist subkulturell geprägtes« Per­
sonenpotenzial geben soll, im Bereich des Linksextremismus jedoch
nicht. Heißt es doch im Verfassungsschutzbericht Sachsen-Anhalts für
2017 auf Seite 78 (Hervorhebung durch Autor):

Linksextremisten reklamieren für sich seit geraumer Zeit die Schaffung


und den Erhalt selbstbestimmter - subkultureller - Strukturen und mög­
lichst staatlich unkontrollierter »Freiräume außerhalb des kapitalistischen
Systems und seiner Verwertungslogik sowie der dieses stützenden gesell­
schaftlichen Normen und Institutionen«.160

Damit reklamieren genau null Personen die Schaffung und den Erhalt
selbstbestimmter - subkultureller - Strukturen. Ein Aberwitz. Auf der
Das Herunterrechnen des linksextremen Personenpotenzials 149

Seite des Rechtsextremismus gibt es hingegen derer gleich 740. Die


machen dann auch gleich mal mehr als die Hälfte des gesamten Per­
sonenpotenzials aus. Ganze 740 Rechtsextremisten gehören laut dem
Verfassungsschutzbericht im Jahr 2018 der subkulturellen Szene an.
Die übrigen Rechtsextremisten kommen auf 605 Personen.
Diverse Lokalzeitungen berichteten jedoch von einer Einschätzung
des Landeskriminalamtes, dass Musikveranstaltungen Highlights und
Treffpunkt für die jeweiligen Szeneangehörigen seien. Einnahmen
dienten zur Finanzierung von Projekten der Szene. Musik habe so­
wohl in der linken wie auch in der rechten Szene diese herausragende
Bedeutung.161
In der Antwort auf die Kleine Anfrage des Bundestagsabgeordne­
ten Dr. Harald Weil (AfD) - Drs. 19/1367 - werden auf Seite 3 f. für
Sachsen-Anhalt insgesamt sieben Einrichtungen genannt, zu denen
»Linksextremisten uneingeschränkten Zugang« haben. Damit ist Sach­
sen-Anhalt, jedenfalls laut Auskunft der Bundesregierung, eines der
Länder mit der größten Dichte an Einrichtungen, die Linksextremisten
zur Verfügung stehen.*
Das sind denn auch die »Freiräume«, in denen linksextreme Sub­
kultur stattfindet. Freilich - weil es die Behörde und damit die Landes­
regierung beziehungsweise der Verfassungsschutzverbund so festlegt -
ohne jedes Personal.
Die Behauptung, all die Zahlen des Links- und Rechtsextremis­
mus seien angeblich gar nicht miteinander vergleichbar, galt jedoch
sofort nicht mehr, als die AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-An­
halt einen unwillkommenen Antrag stellte. Die Oppositionspartei
wollte, dass sich zu dem Aussteigerprogramm für Rechtsextremisten
eines für Linksextremisten gesellte. Die sogenannte Kenia-Koalition

* Der Vergleich zwischen den Bundesländern ist nur eingeschränkt möglich. Denn
nicht alle unter Beobachtung stehenden Einrichtungen wurden in der Antwort
der Bundesregierung genannt beziehungsweise bei der Auflistung mitgezählt.
Aus Geheimhaltungsgründen, wie es hieß. Die Linksextremisten sollen keine
Rückschlüsse auf die Erkenntnisse der Behörden ziehen können. In den Ländern
können folglich unterschiedlich viele Immobilien Linksextremisten zur Ver­
fügung stehen, die nicht öffentlich bekannt sind. Daher ist hier nur ein Vergleich
sozusagen »in der Tendenz« möglich.
150 Staats-Antifa

(CDU, SPD, Grüne) des Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU)


wollte das aber auf keinen Fall. Und plötzlich waren laut Innenminister
Stahlknecht die Zahlen von Links- und Rechtsextremisten doch wie­
der vergleichbar. Der CDU-Politiker in seiner Rede im Plenum vom
18. Dezember 2019 zum Antrag der AfD-Fraktion:

Zum Bedarf: Im Hinblick auf mögliche Bedarfe ist darauf hinzuweisen,


dass seit Jahren in Sachsen-Anhalt wie auch bundesweit der Rechtsextre­
mismus zahlen- und potenzialmäßig den größten extremistischen Phäno­
menbereich darstellt. Im Verfassungsschutzbericht des Jahres 2018 haben
wir ausgeführt, dass wir in Sachsen-Anhalt von 1.300 Rechtsextremisten
und von 530 Linksextremisten ausgehen. Diese vom Verfassungsschutz
ermittelten relevanten Zahlen haben Sie nicht erwähnt.

Und später (Hervorhebung durch den Autor):

Im Hinblick auf das eingeschränkte Personenpotenzial Ausstiegswilliger,


die in ihrem Deradikalisierungsprozess die Unterstützung von Aussteiger­
programmen suchen, legen die Größe der extremistischen Szenen unter­
schiedliche Bedarfe für Ausstiegshilfeangebote nahe. Ich darf wiederho­
len, dass das Personenpotenzial im Rechtsextremismus mehr als doppelt
so hoch ist wie im Linksextremismus.

Was Stahlknecht nicht erwähnt: 740 der von ihm genannten 1.300
Rechtsextremisten gehören einer Kategorie an, die es links angeblich
nicht gibt, die aber für sich Räume erobert! Bleiben die beiden Ka­
tegorien »Parteigebundener Rechtsextremismus« (265) und »Partei­
ungebundener Rechtsextremismus« (340). Diese 605 sind aber nicht
doppelt so viele wie 530 Linksextremisten. Wie immer werden die Sta­
tistiken mit willkürlichen Zahlen bestückt und genauso willkürlich
interpretiert. Richtig ist von den sich widersprechenden und gegen­
seitig ausschließenden Lesarten immer jeweils die, die momentan den
größten politischen Nutzen verspricht. Die Verfassungsschutzberichte
und die Kriminalstatistik sind - zumindest für den politisch motivier­
ten Bereich - lediglich Regierungspropaganda.
Wie Stahlknechts Verfassungsschutz, so erklärt auch die Bundesre­
gierung, wenn sie nach den Gründen für die nichtvorhandene Katego-
Das Herunterrechnen des linksextremen Personenpotenzials 151

rie »Linksextreme Subkultur« gefragt wird, die Zahlen von Links- und
Rechtsextremisten für überhaupt nicht vergleichbar.

Der Linksextremismus lässt sich weder strukturell noch hinsichtlich der


Verwendung von Begrifflichkeiten mit dem Rechtsextremismus gleich­
setzen.162

Es sei denn, wir behaupten das Gegenteil...

Die vermeintliche Zusammenarbeit der Sicherheitsdienste


Wie wenig nachvollziehbar die Unterschiede zwischen Bund und Län­
dern schon für sich genommen sind, wird einem erst so recht deutlich,
wenn man die - behauptete - Zusammenarbeit der Landesämter und
des Bundesamtes betrachtet. Der NSU-Untersuchungsausschuss zum
Umgang der Behörden mit dem »Nationalsozialistischen Untergrund«
erbrachte als eines der Ergebnisse, dass die einzelnen (Verfassungs-
schutz-)Behörden zwar einiges von Bedeutung wussten, diese Kennt­
nisse aber nicht ausreichend ausgetauscht und zusammengeführt hät­
ten. Das sollte nach dem Willen des Gesetzgebers in Zukunft besser
werden. Die umgesetzte Reform ist zumindest im Bereich des Links­
extremismus allerdings offenbar kein Erfolg.
Zur besseren Zusammenarbeit wurde auch das Gemeinsame Extre­
mismus- und Terrorismusabwehrzentrum (GETZ) eingerichtet. Nach­
dem der Präsident des BKA, Holger Münch, in einer Pressekonferenz
erklärt hat, der Rechtsextremismus werde in enger Abstimmung zwi­
schen BKA und Justiz bekämpft,163 lässt seine Pressestelle auf Nach­
frage wissen, dass dies selbstverständlich auch für den linken und üb­
rigen Extremismus gelte. Schließlich gebe es das GETZ, das sich wie
folgt beschreibt:

Das Gemeinsame Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum (GETZ)


ist die Kommunikationsplattform für Polizei und Nachrichtendienste auf
Bundes- und Länderebene zur Bekämpfung des Rechts-, Links- und Aus-
länderextremismus/-terrorismus sowie der Spionageabwehr einschließ­
lich proliferationsrelevanter Aspekte. Es ist nach dem Vorbild des Ge­
meinsamen Terrorismusabwehrzentrums (GTAZ) zur Bekämpfung
des islamistischen Terrorismus entstanden und hat am 15. November 2012
152 Staats-Antifa

seine Arbeit aufgenommen. Vorläufer des GETZ war das Gemeinsame


Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus/-terrorismus (GAR), welches
im GETZ aufgegangen ist.

Ziel sei: »die Fachkompetenz aller beteiligten Behörden zu bündeln


und einen möglichst lückenlosen und schnellen Informationsfluss si­
cherzustellen«.
Tatsächlich sind dort etliche Behörden versammelt, die jede Er­
kenntnislücke schließen können sollten.

Behörden im GETZ:
♦ Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV)
♦ Bundesnachrichtendienst (BND)
♦ Bundesamt für den Militärischen Abschirmdienst (BAMAD)
♦ Landesämter für Verfassungsschutz (LfV)
♦ Bundeskriminalamt (BKA)
♦ Bundespolizei (BPOL)
♦ Europäisches Polizeiamt (Europol)
♦ Generalbundesanwalt (GBA)
♦ Generalzolldirektion (GZD)
♦ Landeskriminalämter (LKÄ)
♦ Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)
♦ Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)

Da sitzen sie also nun zusammen, all die wichtigen und kompetenten
Sicherheitsbehörden, die trotz aller Kommunikation kein einheitliches
Lagebild vermitteln können.
Diese großen bis absurden Unterschiede zwischen dem Personen­
potenzial Rechts- und Linksextremismus sind auch deshalb nicht so
recht erklärlich, da die Landesämter für Verfassungsschutz per Gesetz
verpflichtet sind, ihre Kenntnisse unverzüglich zu übermitteln. Dafür
werden beim Bundesamt für Verfassungsschutz gemeinsame Dateien
geführt? Es müsste sich auch deshalb zwingend etwa in Bezug auf ex-

* Vgl. § 6 Bundesverfassungsschutzgesetz (BVerfSchG):


® Die Landesbehörden für Verfassungsschutz und das Bundesamt für Verfas­
sungsschutz übermitteln sich unverzüglich die für ihre Aufgaben relevanten
Das Herunterrechnen des linksextremen Personenpotenzials 153

tremistisches Personenpotenzial bei der Summe der Länder und dem


Bund ein einheitliches Lagebild ergeben.
Zumindest die Mitarbeiter der Verfassungsschutzbehörden drü­
cken gemeinsam die Schulbank, um einheitliche Methoden und Vor­
gehensweisen einzustudieren. Zu diesem Zweck wurde bereits 1955 die
»Akademie für Verfassungsschutz« eingerichtet. Als solche hat sie sich
laut Eigenbeschreibung »zu einer gemeinsamen Bildungseinrichtung
der Verfassungsschutzbehörden im Bund und in den Ländern sowie
des Bundesamtes für den Militärischen Abschirmdienst (BAMAD)
entwickelt.
Ziel: »Die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden hinsichtlich
von Grundsatzfragen und Arbeitsmethoden zu optimieren und die
Lehrgangsteilnehmer auf wechselnde Anforderungen vorzuberei­
ten.«164 Das alles auf Basis eines gemeinsamen Schulabkommens aus
dem Jahre 2000.
Allerdings konnte die Akademie diverse Defizite in Bezug auf über­
einstimmende »Arbeitsmethoden« und »Grundsatzfragen« ganz of­
fensichtlich nicht beseitigen. Schließlich können sich die Landesämter
noch nicht einmal auf eine Basis einigen, ob es eine linksextreme sub­
kulturelle Szene gibt und, wenn ja, ob diese von lebenden Personen
oder aus dem luftleeren Raum heraus betrieben wird. Auch sonst ist

Informationen, einschließlich der Erkenntnisse ihrer Auswertungen. Wenn


eine übermittelnde Behörde sich dies vorbehält, dürfen die übermittelten Daten
nur mit ihrer Zustimmung an Stellen außerhalb der Behörden für Verfassungs­
schutz übermittelt werden.
® Die Verfassungsschutzbehörden sind verpflichtet, beim Bundesamt für Verfas­
sungsschutz zur Erfüllung der Unterrichtungspflichten nach Absatz 1 gemein­
same Dateien zu führen, die sie im automatisierten Verfahren nutzen. Die Spei­
cherung personenbezogener Daten ist nur unter den Voraussetzungen der §§ 10
und 11 zulässig. Der Abruf im automatisierten Verfahren durch andere Stellen
ist nicht zulässig; § 3 Absatz 3 Satz 2 des MAD-Gesetzes bleibt unberührt. Die
Verantwortung einer speichernden Stelle im Sinne der allgemeinen Vorschrif­
ten des Datenschutzrechts trägt jede Verfassungsschutzbehörde nur für die von
ihr eingegebenen Daten; nur sie darf diese Daten verändern, die Verarbeitung
einschränken oder löschen. Die eingebende Stelle muss feststellbar sein. [... ]
Hinweis: §§ 10 und 11 regeln, dass auch die Speicherung personenbezogener
Daten (auch von Minderjährigen) zulässig ist.
154 Staats-Antifa

offenbar den Inlandsgeheimdiensten selbst nicht klar, wer ein Extre­


mist ist oder auch nicht.
Weit gefehlt, meint dazu die Landesregierung von Sachsen-Anhalt.
Dies kann man jedenfalls einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der
AfD-Fraktion entnehmen:

Die Ziele in Bezug auf »Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden hin­


sichtlich von Grundsatzfragen und Arbeitsmethoden« werden mit dem
Fortbildungsangebot der Akademie für Verfassungsschutz erreicht.165

Diese Fortbildung scheinen die Mitarbeiter des Verfassungsschutzes,


die sich des Linksextremismus annehmen, weit weniger nötig zu ha­
ben als die Rechtsextremismus-Bearbeiter der Behörde. Während dem
Linksextremismus zwischen 2015 und 2019 ganze 177 Stunden gewid­
met werden mussten, gab es über Rechtsextremismus offenbar viel
mehr zu lernen. Im selben Zeitraum wurden diesem Phänomen 700
Stunden an Weiterbildung gewidmet. Allerdings, so lässt die Landesre­
gierung die AfD wissen, seien diese Informationen »nicht geeignet, um
Rückschlüsse auf die Arbeitsschwerpunkte des Verfassungsschutzes
Sachsen-Anhalt zu ziehen«. Natürlich nicht. Schließlich, so die Lan­
desregierung weiter, orientiere sich der Bedarf an Fortbildung unter
anderem auch an der aktuellen Lage. Das mag sogar stimmen. Denn
nur in den Jahren 2015, als der von linksextremen Protesten umrahmte
G7-Gipfel auf dem bayerischen Schloss Elmau stattfand, und 2017, als
der G2o-Gipfel in Hamburg von bürgerkriegsähnlichen Ausschreitun­
gen der linksextremen Szene begleitet wurde, entstand Fortbildungs­
bedarf in Sachen Linksextremismus. In den übrigen Jahren fiel der
Bedarf auf genau null Stunden ab.

Organisierte Kriminalität und Linksextremismus -


Schutzgeld für die Antifa?

Dies ist - ausdrücklich anders als die übrigen Kapitel dieses Buches -
ein spekulativer Bereich. Die Informationen sind dünn gesät. Doch es
muss hier eine Frage aufgegriffen werden, die sich aufdrängt.
Linksextreme Organisationen sind, wie an mehreren Stellen in die­
sem Buch dargelegt, oftmals aufs Engste mit Gruppen verbunden, die
Das Herunterrechnen des linksextremen Personenpotenzials 155

eine Nähe zur PKK, der kurdischen Arbeiterpartei, haben. Man arbei­
tet zusammen, es gibt personelle Überschneidungen.
Die PKK ist allerdings auch in einen Bereich der Illegalität verwi­
ckelt, der als Organisierte Kriminalität (OK) begriffen wird. Unter an­
derem erpresst sie Schutzgelder.
Der ehemalige deutsche Außenminister Sigmar Gabriel erinnerte
in der Sendung maybrit illner an die damit zusammenhängende Be­
gründung für das Verbot der PKK:

Wegen Schutzgelderpressung, wegen Waffenhandels, wegen Drogenhan­


dels - und zwar immer, um einen in der Türkei existierenden Bürgerkrieg
zu finanzieren. Die ist nicht verboten, weil sie in der Türkei was gemacht
hat, sondern weil sie hier was gemacht hat!166

Es drängt sich daher die Frage auf - oder sollte sich zumindest deut­
schen Sicherheitsbehörden aufdrängen: Kommt der letztlich gemein­
samen, zumindest aber von vielen Überschneidungen profitierenden
linksextremen/kurdischen Szene damit nicht auch Geld aus der OK
zugute, da sie spätestens bei den vielen gemeinsamen Aktionen auch
durch die erhöhte (finanzielle) Schlagkraft der PKK von diesen Schutz­
geldern profitiert?
Wo also bleibt das Geld der PKK? Das BKA kann hier nur eine sehr
unscharfe Auskunft geben:

Der Großteil des jährlich von der PKK in Europa und damit auch in
Deutschland generierten Geldes verbleibt in Europa und fließt der Or­
ganisation zu; dabei dient das Geld der Unterhaltung des Kaderapparates
sowie den medialen Plattformen und der Durchführung jedweder Aktivi­
täten in Europa auf allen Organisationsebenen.

Von Deutschland aus reisen aber Kämpfer der PKK und auch (her-
kunfts- und kurdischstämmige) deutsche Sympathisanten in die
Kampfgebiete der PKK oder ihrer Ableger, werden dort ausgebildet
und kehren nach Deutschland zurück. Ausgebildet und weiter fanati­
siert. Von den Heimkehrern werden einige als Gefährder geführt. Die
Zahl der so durch die Sicherheitsbehörden ermittelten Personen ist
dabei starken Schwankungen unterworfen.
156 Staats-Antifa

Könnte es sein, dass die entsprechenden Ausbildungslager in den


kurdisch dominierten Gebieten der Türkei, dem Irak oder Syrien von
in Deutschland »generiertem« Geld finanziert werden? Jedenfalls kann
das Bundeskriminalamt dazu nichts sagen:

Über den Verbleib sowie die Verwendung des Anteils, der nicht in Europa
verbleibt, kann das BKA keine Aussage treffen.

Merkwürdig ist auch: Linke Politik, die im Rahmen ihrer vermeint­


lichen Friedenspolitik Waffenlieferungen an die Türkei kritisiert und
unterbinden möchte, geht dieser Spur des kurdischen Geldes für Waf­
fen nicht wirklich nach. Das mag auch daran liegen, dass die Linke, ins­
besondere die Bundestagsabgeordneten Sevim Dagdelen, Helin Evrim
Sommer und Gökay Akbulut, durch ihre Politik deutlich macht: Frie­
den ist für Linke, wenn die Gegenseite nicht schießt. Der eigene Waf­
fengebrauch oder der Waffengebrauch einer Gruppe, dem die eigenen
Sympathien gehören, wird als Problem erst gar nicht wahrgenommen.
Während das BKA - wenngleich eine teilweise schwammige - Aus­
kunft zum Verbleib der PKK-Schutzgelder und zu deren Nutzung er­
teilt, sieht sich das das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz
dazu nicht in der Lage:

Zu Finanzermittlungen können wir uns gegenüber den Medien aus ope­


rativen Gründen grundsätzlich nicht äußern.

Zumindest eröffnet die Antwort die Möglichkeit eines Problembe­


wusstseins. Warum aber wird nicht in allgemeiner Form durch das
»Frühwarnsystem« Verfassungsschutz auf die Verbindung von PKK-
Aktivitäten und Organisierter Kriminalität hingewiesen? Die Aufklä­
rung der Bürger, die man sonst so gerne im Munde führt, würde das
eigentlich verlangen. Ein Erkenntnisgewinn für Bürger, die ansons­
ten Gefahr laufen, in »breiten Bündnissen« linker Ausrichtung damit
auch eine Verbrecherorganisation zu unterstützen, ohne dies auch nur
zu ahnen.
Die Nähe zu organisierten Banden eröffnet auch Zusammenhänge
mit der Bandenkriminalität aus dem Rockermilieu. Die oftmals auf
türkischer beziehungsweise kurdischer Abstammung basierenden
Das Herunterrechnen des linksextremen Personenpotenzials 157

Banden beziehungsweise ihre Mitglieder begreifen sich auch politisch


in einer Loyalität zur eigenen nationalen Sache. Auch auf dieser Basis
wurden Konflikte wie etwa zwischen den kurdischen Bahoz und den
türkischen Osmanen Germania ausgetragen.
Noch einfacher als BKA und LfV Bayern macht es sich das Bundes­
amt für Verfassungsschutz. Dort wird meine Nachfrage nach dem Ver­
bleib der durch die PKK erpressten Schutzgelder wie folgt beantwortet:

Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass das Bundesamt für Verfassungs­
schutz keinen gesetzlichen Auftrag für die Beobachtung Organisierter
Kriminalität hat.

Eine fragwürdige Festlegung, zumindest wäre das aber eine Regelungs­


lücke auf der Bundesebene. Denn was nützt die »Beobachtung« von
Verfassungsfeinden, wenn diese zur Finanzierung ihrer extremisti­
schen oder gar terroristischen Pläne auf das Repertoire der Organi­
sierten Kriminalität zurückgreifen und dabei vor einer Beobachtung
des Verfassungsschutzes geschützt sind?
Sollte die Aussage zutreffen und das BfV tatsächlich ahnungslos sein,
würde auch das bedeuten, dass der Blick von Extremisten abgewandt
wird, wenn sie etwa nach einer extremistischen Versammlung noch
ein wenig Drogenhandel betreiben und Schutzgeld erpressen. Was aber
ist dann das Gemeinsame Extremismus- und Terrorabwehrzentrum
(GETZ), »die Kommunikationsplattform für Polizei und Nachrichten­
dienste auf Bundes- und Länderebene«, wert?
Daniel H.: Eine Tötung mit einem
politischen Motiv

in der nacht vom 25. auf den 26. August 2018 wurde Daniel H. er­
stochen. Unter Verdacht standen zwei Asylbewerber. Es kam sowohl
zu asylkritischen Protesten als auch zu Gegendemonstrationen von
linker Seite.
Bekanntlich wurde die Debatte um den Tod Daniel H.s von dem
Narrativ einer angeblichen Menschenjagd durch Rechtsextremisten
überdeckt, die während der Proteste am 26. August 2018 in Chemnitz
stattgefunden haben soll.
Nach Veröffentlichung eines Videos von etwa 19 Sekunden Dauer
durch »Antifa-Zeckenbiss« lässt Bundeskanzlerin Merkel ihren Spre­
cher, den früheren ZDF-Journalisten Steffen Seibert, erklären:

Solche Zusammenrottungen, Hetzjagden auf Menschen anderen Ausse­


hens, anderer Herkunft oder der Versuch, Hass auf den Straßen zu ver­
breiten, das nehmen wir nicht hin.167

Bundeskanzlerin Merkel selbst wollte sogar mehrere Videos (Mehr­


zahl) vorliegen haben:

Wir haben Videoaufnahmen darüber, dass es Hetzjagden gab, dass es Zu­


sammenrottungen gab, dass es Hass auf der Straße gab, und das hat mit
unserem Rechtsstaat nichts zu tun.168

Auch wenn der zuständige Generalstaatsanwalt der Darstellung von


»Menschenjagden« widersprach, wenn der Chefredakteur der Freien
Presse das Wort »Hetzjagden« ablehnte, da es diese nicht gegeben
habe, und wenn auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer
die Darstellung Merkels zurückweist - die Debatte wurde dennoch
gedreht.
Daniel H. verkam zur Randfigur. Im Fokus der medialen Wahrneh­
mung standen fast ausschließlich die Proteste und dabei vor allem die

159
160 Staats-Antifa

Beteiligung von tatsächlichen oder vermeintlichen Rechtsextremisten


(siehe oben, Hitlergruß von Chemnitz).
Die Diskussion um die Ereignisse von Chemnitz wurde noch wei­
ter von der Tötung Daniel H.s weggeleitet, als der damalige Präsident
des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, eben­
falls der Darstellung der Menschenjagd widersprach. Das Interview
mit Maaßens Einschätzung in der Bild sorgte dafür, dass ein Teil der
Medien und Politik kopfstand.
Was folgte, waren zunächst Forderungen, Maaßen zu entlassen. Die
Koalition aus Union und SPD einigte sich im September 2018 jedoch
fürs Erste auf eine Beförderung und eine Versetzung ins Innenminis­
terium. Nach seiner Abschiedsrede als Präsident des Bundesamtes für
Verfassungsschutz vor Vertretern europäischer Inlandsgeheimdienste
im Oktober 2018, bei der Maaßen seine Kritik an der Berichterstattung
und der Darstellung durch Politiker im Zusammenhang der Ereignisse
von Chemnitz bekräftigte, wurde Maaßen Anfang November 2018 in
den einstweiligen Ruhestand versetzt.
Bereits zuvor, am 27. Juni 2019, hatte das Bundesinnenministerium
seinen Verfassungsschutzbericht veröffentlicht. Dort wurde die Tötung
H.s aus dem Bereich »ausländische Ideologie« noch aufgeführt; wenn
auch nur als Zahl innerhalb einer Tabelle. Dass mit dem einen Tö­
tungsdelikt im Bericht von 2018 nur diese eine spezielle Tat gemeint
sein kann, ist dem Leser allerdings nicht klar. Ein erster Hinweis ergibt
sich aus der Bundespressekonferenz vom 14. Mai 2019: »Fallzahlen für
Politisch Motivierte Kriminalität in 2018«.
Der Präsident des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, äußerte
sich in diesem Rahmen auch zu diversen Tötungsdelikten aus politi­
schen Motiven. Neben »versuchten« seien auch »vollendete Tötungs­
delikte« erfasst worden, so Münch. Zu letzteren sei es 2018 nach Zäh­
lung des BKA in drei Fällen gekommen.
Und dann erklärte BKA-Chef Münch auf Nachfrage zu den Tö­
tungsdelikten:

Und ein dritter Fall war dem Themenfeld ausländische Ideologie zuzu­
ordnen. Hier ist von mutmaßlich - noch nicht aufgeklärt - zugereisten
Asylbewerbern ein deutsches Opfer in einer Auseinandersetzung mit dem
Messer tödlich verletzt worden.169
Daniel H.: Eine Tötung mit einem politischen Motiv 161

Mehr erwähnt Münch nicht. Weder Zeit noch Ort noch irgend­
welche Details zum politischen Motiv.* Allzu viele Tötungen mit dem
Messer eines Deutschen durch zwei Asylbewerber gab es in 2018 je­
doch nicht. Sollte es sich um Daniel H. gehandelt haben, der in der
Nacht vom 25. auf den 26. August in Chemnitz erstochen wurde? Der
Tat verdächtig sind tatsächlich zwei Asylbewerber. Das BKA, das in
seiner eigenen Pressekonferenz diesen Fall präsentierte und in seiner
Statistik führt, will sich jedoch nicht so recht erklären. Die Pressestelle
bestätigt lediglich die oben genannte Tatzeit, äußert sich aber nicht
zum Opfer. Das LKA Sachsen könne nähere Angaben machen.
Das LKA Sachsen will sich zunächst nicht äußern, erklärt aber »ganz
generell«, wie verfahren wird:

In unserem Definitionssystem PMK - unter Politisch motivierte Krimi­


nalität/ ausländische Ideologie - wird festgelegt:
Politisch motivierter Kriminalität -ausländische Ideologie- werden
Straftaten zugeordnet, wenn in Würdigung der Umstände der Tat und/
oder der Einstellung des Täters Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass eine
aus dem Ausland stammende nichtreligiöse Ideologie entscheidend für die
Tatbegehung war, insbesondere wenn sie darauf gerichtet ist, Verhältnisse
und Entwicklungen im In- und Ausland zu beeinflussen.

Zu dem Fall an sich äußern sich die Kriminaler nur sehr zurückhal­
tend, bestätigen aber, dass es sich um die Tötung Daniel H.s handelte:

Im Kriminalpolizeilichen Meldedienst wurde das Tötungsdelikt am 26.


August 2018 zum Nachteil des Daniel H. nach einer ersten Würdigung der
Umstände der Straftat in den Phänomenbereich der PMK -ausländische

* Trotzdem ist in diversen Medien eine Meldung der dpa zu der Pressekonferenz
zu finden. Ganz am Ende des relativ langen Artikels wird festgehalten, Daniel
H. sei Opfer einer politisch motivierten Tat geworden (in umgekehrter Täter/
Opfer-Konstellation wäre diese Information sicherlich nicht in den letzten Satz
gerutscht). Außerdem gibt die dpa darin keine Quelle für die Information an.
Aus der Pressekonferenz direkt (siehe oben) stammt diese Information offenkun­
dig nicht. Zudem wird durch die Meldung auch nicht klar, was der Grund für die
Einordnung als Politisch Motivierte Kriminalität ist.
162 Staats-Antifa

Ideologie- eingeordnet, da im Zusammenhang mit der Straftat entspre­


chende Äußerungen, welche dies begründeten, bekannt geworden waren.

Das ist durchaus interessant, hilft aber in Bezug auf das Motiv nur be­
dingt weiter. Was waren die »entsprechenden Äußerungen«? Weitere
Fragen könne die Staatsanwaltschaft Chemnitz beantworten, meint
das LKA, das aber für Nachfragen zur Verfügung stünde. Es ist wie
so häufig: Man wird im Kreis geschickt (wie sich auch hier - zum
Teil - erweisen sollte). Daher noch ein Versuch, das LKA bei der Ehre
zu packen. Im Sinne der Transparenz für den Leser hier der Schrift­
verkehr bis auf die Anrede in Gänze:

[...] herzlichen Dank für Ihre Antwort und auch Ihre begleitenden
Erläuterungen sowie das Angebot, Nachfragen zu stellen.
Mir ist nach Recherchen zu etlichen Einzelfällen und auch zur PMK-
Statistik allgemein durchaus bewusst, dass diese Schwächen hat.
Umso bedeutender ist es, diese PMK zu hinterfragen. Erst recht vor
dem Hintergrund, dass diesen Statistiken in der politischen Debatte hohes
Gewicht beigemessen wird, was man nicht zuletzt an der von mir bereits
angeführten Pressekonferenz erkennen kann.
Wenn Behörden/Ministerien/Minister solche Zahlen als Grundlage zur
Beurteilung gesellschaftlicher Zustände und Entwicklungen der Öffent­
lichkeit vorlegen, sind die Protagonisten allerdings auch verpflichtet, das
Zustandekommen solcher Zahlen zu erläutern. Insofern danke ich Ihnen
so weit auch an dieser Stelle für Ihre Hinweise.
Wie Sie selbst schreiben, ist zur Einordnung die »Würdigung der Um­
stände der Tat und/oder der Einstellung des Täters« entscheidend.
Daher habe ich folgende Nachfrage:
Was bzw. welcher Natur waren die »entsprechenden Äußerungen«, die
zur Einordnung in die PMK-Statistik führten?

Dann lässt das LKA die Katze aus dem Sack (Hervorhebung durch
den Autor):

Sehr geehrter Herr Jung,


den genauen Wortlaut müssten Sie bei der verfahrensführenden Staats­
anwaltschaft erfragen, da nur diese zu Inhalten des Verfahrens Angaben
Daniel H.: Eine Tötung mit einem politischen Motiv 163

machen darf. Grundlegend ging es wohl darum, dass »Deutsche alle Na­
zis sind« und weitere damit verbundene Äußerungen.
Bitte bei der StA nachfragen.

Wären die Behörden auch derart zurückhaltend, wenn ein Deutscher


einen türkischen Staatsbürger »wohl« mit den Worten »ihr Türken
seid alle Dschihadisten« erstochen hätte? Nein. Den Beweis für diese
Annahme liefert der Verfassungsschutzbericht Sachsen für das Jahr
2018, der pikanterweise genau an demselben Tag veröffentlicht wurde,
als das BKA in der Pressekonferenz (indirekt) die Tötung Daniel H.s
als politisch motiviert einordnete. Im Verfassungsschutzbericht Sach­
sen, veröffentlicht am 14. Mai 2019, ist zwar häufig von der Tötung in
Chemnitz und hin und wieder direkt von Daniel H. die Rede; doch
immer nur in dem Sinne, dass dessen gewaltsamer Tod Anlass für
(zum Teil) rechtsextreme Veranstaltungen war. Beschrieben wird die
Tat in zwei Fußnoten wie folgt:

Am Rande des Chemnitzer Stadtfestes kam es zu einer gewaltsamen Aus­


einandersetzung, bei der in Folge ein 35-Jähriger verstarb.170

Kein Wort davon, dass Daniel H. starb, weil er Deutscher war. Auch
nicht im Bereich »ausländische Ideologie«. Das deutschenfeindliche
Motiv, das am selben Tag in Berlin zwar nicht genannt wird, aber als
Grundlage der Einordnung dient, wird totgeschwiegen.
Ganz anders verfährt der Verfassungsschutz Sachsen, wenn es gilt,
Taten aus dem Bereich »unstrukturiertes rechtsextremistisches Perso­
nenpotenzial« aufzuzeigen. Dazu hält der Verfassungsschutzbericht
unter anderem fest:

Mehrfach kam es zu ausländerfeindlichen Beleidigungen:


So wurde jungen Syrern im Januar und Februar in einem Bus in Zittau
wiederholt Sätze, wie »Ausländer raus« und »Du bist Scheiße«, zugerufen.
Ein polnischer Staatsangehöriger wurde am 12. Juli in Görlitz mit den
Worten »Schweinepole« verhöhnt.171

Eindeutig verachtenswert. Aber wenn Derartiges im Verfassungs­


schutzbericht Erwähnung findet, warum nicht die Tötung eines Deut-
164 Staats-Antifa

sehen, weil dieser nach Auffassung des/der Täter allein wegen seiner
Staatsangehörigkeit »Nazi« sei? Zumindest wurde das so durch die
Polizeibehörde festgehalten und ging dann in die Statistik als politisch
motivierte Tat ein. Eine Anfrage erbringt Merkwürdiges:

Das LfV Sachsen äußert sich grundsätzlich nicht zu laufenden Gerichts­


verfahren. Das hier relevante Gerichtsverfahren (LG Chemnitz - 1 Ks 210
Js 27835/18 - Urteil vom 22. August 2019) war bisher nicht rechtskräftig
abgeschlossen, da die Verteidigung Revision eingelegt hatte. Aus diesem
Grund fand bisher keine Erwähnung der »Tötung Daniel H.s« im Zusam­
menhang mit auslandsbezogenen Straftaten seitens des LfV Sachsen statt.

Wurde beim Hitlergruß entbietenden RAF-Bewunderer durch den


Verfassungsschutz Sachsen noch geltend gemacht, für die Einordnung
sei die Polizei verantwortlich (siehe das Kapitel »Wie der Verfassungs­
schutz linksextreme Straftaten vertuscht«, S. 53), soll nun das Umge­
kehrte gelten. Zwar macht das BKA ein politisches Motiv aus, doch
diesmal wird die Einordnung der Polizeibehörde nicht übernommen.
Unstimmig ist auch die Behauptung, das LfV Sachsen äußere sich
grundsätzlich nicht zu laufenden Gerichtsverfahren. Diese Zurück­
haltung wird nicht ganz so stringent aufrechterhalten, wie der VS glau­
ben machen will. So hat sich das Landesamt in seinem eigenen Bericht
vom Mai 2019 für das Jahr 2018 zu den Hitlergrüßen geäußert, die es
in Chemnitz gegeben habe. Verurteilt wurde etwa Andre H. aber erst
im August 2019. Im Verfassungsschutzbericht äußert sich die Behörde,
die sich grundsätzlich nicht zu laufenden Gerichtsverfahren äußert,
unter der Kapitelüberschrift »Bedeutende Verfahren des militanten
Rechtsextremismus und des Rechtsterrorismus« zu drei Ermittlungs­
verfahren - aus dem Bereich des Rechtsextremismus (S. 118 unten und
S. 119 gesamt). Es scheint, der VS-Sachsen äußert sich nur nicht zu Ge­
richtsverfahren, die das eigene Narrativ nicht befördern.
Doch die Umstände des Todes des Daniel H. werden auch in Zu­
kunft für den Verfassungsschutz keine Rolle spielen, wie dessen Spre­
cherin mitteilt:

Eine Erwähnung im Sinne der Anfrage findet allerdings nach derzeitigem


Kenntnisstand auch in Zukunft nicht statt, da nach hiesiger Auffassung
Daniel H.: Eine Tötung mit einem politischen Motiv 165

die Tat keinen ausländerextremistischen oder islamistischen Hintergrund


hatte und somit ein Befassen mit der Tat im ausländerextremistischen
oder islamistischen Zusammenhang nicht in den Aufgabenbereich des
LfV Sachsen fällt.

Chemnitz steht mittlerweile als Synonym für rechtsextreme Ausschrei­


tungen und Hetzjagden. Die Vehemenz, mit der diese Sichtweise zu­
nächst vorangetrieben und dann verteidigt wurde, könnte auch an
dieser Tatsache liegen: Der gewaltsame Tod des Daniel H. geht auf
eine Tat von Asylbewerbern zurück, deren Ablauf laut Polizei als Motiv
den Hass auf Deutsche nahelegt. Die Erfassung solcher Straftaten hat
ihre Schwächen, wie wir an vielen Stellen gesehen haben. Es handelt
sich aber nicht mehr um »Schwächen«, wenn bestimmte Delikte (trotz
gegenteiliger Erkenntnis) in der Statistik gehalten und andere Inhalte
der Statistik unter den Teppich gekehrt werden. Die Information in
der Statistik zu Politisch Motivierter Kriminalität, laut der Daniel H.
mit dem Messer getötet wurde, da er aus Sicht eines oder der Täter als
»Deutscher« ohnehin »Nazi« sein muss, hatte und hat das Potenzial,
die gesamte Diskussion um die Ereignisse von Chemnitz zu verändern.
Kein Wunder, dass sich BKA und LKA so zurückhalten. Der Ver­
weis auf die Staatsanwaltschaft, um weitere Äußerungen der Täter im
Zusammenhang mit der Tat zu erfahren, verläuft im Sande. Denn die
zuständige Staatsanwaltschaft erklärt, die Akte liege wegen des Revi­
sionsverfahrens beim Bundesgerichtshof. In der ersten Instanz war im
August 2019 einer der mutmaßlichen Täter, Alaa S., wegen Totschlags
zu 9:/2 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden.
Mangels Akte könne man keine Auskunft geben, so die Staatsan­
waltschaft. Und dann schicken die Chemnitzer Strafverfolger mich
wieder zum Ausgangspunkt zurück - man möge sich doch bitte an
die Pressestelle des BKA wenden, was offenkundig keinen Sinn macht.
Der Kreis ist geschlossen, wenn er auch erbracht hat, dass Daniel H.
mutmaßlich wegen seiner Staatsangehörigkeit getötet wurde. Auch der
BGH selbst mauert:

Gegenstand der Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 14. April


2020 - 5 StR 14/20 ist die Frage, ob das Landgericht Chemnitz den An­
geklagten rechtsfehlerfrei wegen Totschlags und gefährlicher Körperver-
166 Staats-Antifa

letzung verurteilt hat. Ob der Angeklagte sich in einer bestimmten Weise


verbal geäußert hat, war nicht Gegenstand der Entscheidung. Daher kann
ich Ihre Anfrage nicht beantworten.

Laut Bild stand für die Richterin der ersten Instanz fest: »Die Taten
haben kein politisches Motiv.« Dies sagte die Vorsitzende Richterin
Simone Herberger bei der Urteilsbegründung. Und sie seien auch »we­
der politisch noch medial aufzuklären«.172
Merkwürdig. Seit wann geben Gerichte vor, was »weder politisch
noch medial aufzuklären« sei? Und noch ungleich befremdlicher: Wie
kann die Richterin ein (politisches) Motiv ausschließen, wenn der An­
geklagte im gesamten Prozess schweigt und seine Tat zudem leugnet?
Hier geht es aber ohnehin um etwas anderes: Warum ordnen die Be­
hörden die Tötung als eine politische Tat ein, um bei Nachfragen dar­
über zu schweigen? Anders als das Gericht glaubt vorgeben zu können,
ist hier noch einiges aufzuklären. Medial, aber auch politisch.
Linksextremes aus dem Äther:
GEZ-Geld fürs Antifa-Radio

wer sich als linker informieren oder auch indoktrinieren lassen


will, dem steht eine ganze Armada von Radiosendern zur Verfügung.
Freies Sender Kombinat (FSK) aus Hamburg, Radio Feierwerk aus Mün­
chen oder Radio Aktiv aus der Hauptstadt, es gibt derer viele. Oftmals
nennen sie sich auch »Freie Radios«. Diese Freiheit legen manche die­
ser Stationen ganz eigenwillig aus. Denn die vorgebliche Ungebunden­
heit mancher dieser Radiostationen beruht darauf, dass der Staat per
Zwang Geld für sie beim Bürger eintreibt.
Der sogenannte Rundfunkbeitrag, von vielen immer noch »GEZ«
(von Gebühreneinzugszentrale) genannt, wird seit einigen Jahren
vom Beitragsservice eingezogen. Über 8 Milliarden Euro werden so
vom Bürger an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ARD, ZDF und
Deutschlandradio') transferiert.
Ein Teil davon, und zwar genau 2 Prozent, geht an die Landesme­
dienanstalten. Diese sollen damit, so die Theorie, eine breite und bunte
Medienlandschaft fördern. Zu den Geförderten gehören auch »Offene
Kanäle«, »Bürgerradios« und »Nichtkommerzielle Lokalradios«.
Ein solches ist das Radio Corax in Halle. Gefördert wird die Radio-
Station jährlich mit 167 885 Euro.173 Dafür bekommt der Gebührenzah­
ler einiges geboten, oder vielmehr: Er muss sich einiges bieten lassen.
Etwa die »Antifa-News«, die Radio Corax mit großer Begeisterung
ausstrahlt.
Im Oktober 2016 machte der Sender Werbung für eine Strategie­
veranstaltung, zu der unter anderem Prisma eingeladen hatte. Prisma
gehört zu der Zeit schon Jahre der »Interventionistischen Linken« an.
David Begrich vom mit Steuermillionen gesponserten Verein »Mitein­
ander« hielt laut Programm einen Vortrag. Ebenfalls angekündigt: der
parlamentarische Arm der Antifa in Form von Julia Nagel aus Sachsen,
Mitglied des Landtages und der Partei Die Linke, wie auch Henriette
Quade aus Sachsen-Anhalt, ebenfalls der Partei Die Linke zugehörig
und gleichfalls Landtagsabgeordnete.

167
168 Staats-Antifa

Gern wird auch zur Teilnahme an linksextremen Versammlungen


aufgerufen. So am 4. Januar 2018, als in den besagten Antifa-News eine
Demonstration für den 7. Januar in Dessau angekündigt wurde und
die Sprecherin erklärte, man würde sich ja sicher auf der Demons­
tration sehen. »Kommt zahlreich und seid laut«, wurden die Hörer
der Antifa-Nachrichten aufgefordert. Über den Verlauf einer solchen
Protestaktion kann sich der geneigte Gebührenentrichter dann im Ver­
fassungsschutzbericht informieren. Zahlreich und laut waren demnach
die linken Demonstranten dann in der Tat:

Am 7. Januar nahmen in Dessau-Roßlau bis zu 3.000 Personen an einer


angemeldeten Kundgebung mit anschließendem Aufzug unter dem Motto
»Oury Jalloh - das war Mord« anlässlich dessen 13. Todestages teil. Nicht
zuletzt die erneute mediale Aufarbeitung des Falles Oury Jalloh* und die
damit einhergehende Forderung nach Aufnahme neuer Ermittlungen
ließen im Vorfeld gesteigerte Mobilisierungsaktivitäten in der linksextre­
mistischen Szene erkennen. Anreisen erfolgten unter anderem aus Berlin,
Hamburg, Frankfurt am Main (Hessen) und Braunschweig (Niedersach­
sen). Im Verlauf der Demonstration kam es vereinzelt zu Angriffen auf
Polizeibeamte mit Flaschen und pyrotechnischen Erzeugnissen. Auch auf
das Gebäude der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau und auf das Gelände
des Polizeireviers Dessau-Roßlau warfen die Teilnehmer vereinzelt Gegen­
stände und Pyrotechnik.174

Abgeordnete Henriette Quade, die ihre Thesen zum Tod Jallohs in


einem Heft der Roten Hilfe veröffentlichte, sah in der Demonstration
laut ihrer Facebook-Seite ein beeindruckendes Signal:

* Oury Jalloh stammte aus Sierra-Leone und verstarb am 7. Januar 2015 in Polizei­
gewahrsam, da in seiner Zelle ein Feuer ausbrach. Zwei Polizeibeamte wurden
wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt und freigesprochen. In einer
weiteren Verhandlung wurde einer der beiden dann doch noch zu einer Geld­
strafe verurteilt, da er nach Auffassung des Gerichts seiner besonderen Verant­
wortung für den stark betrunkenen Jalloh wegen unzureichender Überwachung
nicht gerecht geworden war. Der linken Szene und Teilen der linken Politik gilt
der Tod Jallohs als Mord, da - wie von Gerichten angenommen - der Gefangene
Jalloh laut einem neueren Gutachten nicht die Matratze und sich selbst durch
sein eigenes Feuerzeug angezündet haben kann.
Linksextremes aus dem Äther: GEZ-Geld fürs Antifa-Radio 169

Heute haben über 4000 Menschen in Dessau in Gedenken an Oury Jalloh


demonstriert. Das ist ein wirklich beeindruckendes Signal und unendlich
wichtig. Danke an die Initiative Oury Jalloh!

Um Pyrotechnik im weitesten Sinne ging es auch in einem Interview


mit Andreas Blechschmidt, das Radio Corax ausstrahlte. Blechschmidt,
der Anmelder der »Welcome to Hell«-Demonstration während des
G2o-Gipfels in Hamburg und Urgestein der militanten Autonomen­
szene rund um die Rote Flora, stellte dabei sein Buch vor. Gewalt.
Macht. Widerstand. G20 - Streitschrift um die Mittel zum Zweck nennt
sich das Werk. Was davon zu erwarten ist, konnte man bereits in Heft
653 von ak - analyse & kritik nachlesen. Dort hatte das Mitglied der
IL, Christoph Kleine, geschrieben: »Distanzierung von militanten Ak­
tionen«, das wisse man, wenn man der Radikalen Linken angehöre,
dürfe es »unter keinen Umständen« geben. Blechschmidt, so Kleines
gute Nachricht an die linke Szene, distanziere sich aber nicht. Trotz
des von Kleine attestierten pessimistischen Grundtones sieht der Mit­
streiter der IL eine »richtige Kritik« Blechschmidts an der einen oder
anderen, nun ja, »Aktion« in dem Buch. Ungeachtet der Fürsprache
bleibt in Teilen der linken Szene der Eindruck, Blechschmidt hätte sich
mit seiner Feststellung, es sei mit manchen militanten Aktionen eine
rote Linie überschritten worden, distanziert bzw. sei die »Rote Flora«,
für die Blechschmidt regelmäßig spricht, auf Abstand gegangen.
Im Interview mit Radio Corax selbst wehrt sich Blechschmidt zu­
nächst einmal gegen diesen Vorwurf. Mitnichten habe sich die »Rote
Flora« distanziert. Dass er persönlich tatsächlich nahezu keine Gren­
zen der Gewalt kennt, sprich: keinerlei Einschränkung für militante
Aktionen das Wort reden möchte, wird in dem Interview ebenfalls
deutlich. Denn Blechschmidt kritisiert zwar die Brandstiftung in ei­
nem Laden, der während der G2o-Ausschreitungen kurz zuvor ge­
plündert worden war, da darüber Wohnungen gewesen seien, in denen
sich Menschen aufgehalten hätten. Die Plünderung des Ladens selbst
aber, das könne man machen, ist der Autonome überzeugt.
Wenn man sich mit dem Buch beschäftigt, für das der militante
Blechschmidt im gebührenfinanzierten Antifa-Radio unter den Augen
der Landesmedienanstalt Werbung machen durfte, lässt einen dies an
der - sehr eingeschränkten - Abneigung Blechschmidts gegen über-
170 Staats-Antifa

zogene Gewalt sehr zweifeln. Oder präziser: Die Gewaltverherrlichung


Blechschmidts ist umfassend.
In dem Kapitel, das sich vielsagend »Militanz I« nennt, beschreibt
er zwei aus seiner Sicht »beispielhafte« militante Aktionen, mit denen
die »Vermittlung politischer Inhalte verknüpft« sei. Eine davon ist der
Überfall auf eine Polizeiwache in Hamburg. Hier lassen wir aber nicht
Blechschmidt, sondern die Täter selbst durch ihr Bekennerschreiben
zu Wort kommen. Ein Auszug:

In den Abendstunden des 3.12.2009, wenige Tage bevor sich zum ersten
Mal die Ermordung von Alexandras Grigoropoulos durch einen Bullen in
Athen jährt, hat sich eine größere Menschenmenge an der Polizeiwache 16
in Hamburg eingefunden. Wir haben die Fenster des Gebäudes einge­
schmissen, die Eingangstür versperrt und die Garagen mit brennenden
Mülltonnen zugemacht. Die vor der Wache abgestellten Polizeifahrzeuge
fackelten ab und Farbflaschen flogen an die Wände. An einigen Zufahrts­
wegen haben Freund_innen Barrikaden errichtet und Krähenfüße ver­
streut. Das galt den zu Hilfe eilenden Beamten. Unbeteiligte bitten wir für
Unannehmlichkeiten (z.B. platte Reifen ...) um Nachsicht.

Das war sie also, die lobenswerte militante Aktion, die laut Blech­
schmidts Buch politische Inhalte mit Militanz verknüpft. Ein Szenean­
gehöriger in Griechenland, für dessen Tod die linke Szene die dortige
Polizei verantwortlich macht, berechtigt aus Sicht der Täter und der
Blechschmidts zu einem Angriff auf eine Hamburger Wache. In der
Fußnote zu seiner Beschreibung dieses Überfalls schreibt der Rote-
Flora-Kämpfer, das Anzünden von drei Einsatzfahrzeugen direkt vor
dem Polizeigebäude sei ein »selbstbewusstes militantes Statement« ge­
wesen. Schließlich sei die Polizei zu dieser Zeit erheblich unter Druck
geraten, die vielen Fahrzeugbrände in der Stadt aufzuklären und zu
stoppen.
Das Lob für die Aktion durch Blechschmidt zeigt aber noch etwas
auf: Die Sorge um Bewohner eines Hauses, das in Brand gesteckt wird,
ist geheuchelt. Ebenso sein vermeintliches Bekenntnis zum Respekt
vor dem Leben - insbesondere von Unbeteiligten (was deutsche Poli­
zeibeamte zu Beteiligten an einem Vorgang in Griechenland macht,
wird dabei ohnehin das Geheimnis der Täter und Blechschmidts blei-
Linksextremes aus dem Äther: GEZ-Geld fürs Antifa-Radio 171

ben). Denn die Täter nahmen mit ihrer Brandstiftung und Blockade
von Fluchtwegen nicht nur den möglichen Tod von Polizisten in Kauf.
Unmittelbar an die durch die Gewalttäter blockierte Zu- und Aus­
fahrt der Polizeiwache in Hamburg grenzt ein Wohnhaus, auf das die
Flammen der brennenden Tonnen jederzeit hätten übergreifen kön­
nen. Blechschmidt, der behauptet zu wissen, die Angreifer hätten den
Tod von Polizisten, denen sie Fluchtwege abgeschnitten hatten, gerade
nicht beabsichtigt und auch nicht in Kauf genommen, spart diesen Teil
der Geschichte aus.*
Im Verfassungsschutzbericht des Bundes wurde die Aktion so be­
schrieben:

Ebenfalls in der Nacht zum 4. Dezember 2009 griffen unbekannte Täter


eine Polizeiwache im Hamburger Schanzenviertel an. Eine Gruppe von
10 bis 15 Personen warf mehrere Fensterscheiben ein, setzte zwei Streifen­
wagen in Brand und versuchte, die Eingangstür mit einem Ringschloss zu
verriegeln. Ein Fahrzeug brannte komplett aus. Anschließend errichteten
die Täter eine brennende Barrikade auf der Fahrbahn und verteilten eben­
falls sogenannte Krähenfüße auf der Straße. Zur Tat bekannte sich eine
Gruppe »Koukoulofori« (dt.: die Vermummten) und begründete den An­
schlag mit den Unruhen vom Dezember 2008 in Griechenland und dem
Gedenken an diverse Aktivisten, die von »Bullen ermordet« worden seien.
Ferner führte sie zur aktuellen Auseinandersetzung mit der Polizei aus:
»Auf dem Weg der Revolte/Revolution werden wir an handfesten Kon­
frontationen auch mit Repressionsorganen nicht vorbeikommen. Da kann

* Erstaunlich, da Blechschmidt, unmittelbar bevor er mit seinen Lobeshymnen für


den Überfall auf die Polizeistation 16 in Hamburg ansetzt, sich fragt, ob es wirk­
lich ausgeschlossen gewesen sei, dass die brennenden Barrikaden während des
G-20 Gipfels im Schanzenviertel auf die Häuserfassaden übergreifen konnten.
Und schreibt dazu in der Fußnote, im Jahr 2013 hätten Flammen »brennender
Mülltonnen« auf die Fassade und die daran angebrachte leicht entflammbare
Wärmedämmung eines Wohnhauses übergegriffen. Der »Vollbrand« (Blech­
schmidt) sei nur durch das beherzte Eingreifen der Feuerwehr verhindert
worden, die über ein unbebautes Nachbargrundstück zum Brandherd vordringen
konnte. Beim ebenfalls durch Mülltonnen herbeigefuhrten Brand an der Polizei­
wache hätten aber wohl die ausgebrachten Krähenfüße die Annäherung der
Löschfahrzeuge an das Wohnhaus - und die Polizeiwache - verhindert.
172 Staats-Antifa

es manchmal besser sein, sie überraschend und gut vorbereitet anzugehen,


als sich auf Demos von den Robocops den Kopf blutig schlagen zu lassen.«

Die Verfassungshüter enden mit der Bemerkung:

Die Bundesanwaltschaft hat wegen der Schwere der Tat die Ermittlungen
zum Anschlag in Hamburg - u. a. wegen versuchten Mordes und beson­
ders schwerer Brandstiftung - übernommen.

Versuchter Mord und besonders schwere Brandstiftung als beispiel­


hafte »militante Aktion«. Darauf muss man erst einmal kommen. Aber
auch die Idee, einer Figur wie Blechschmidt in einem durch GEZ-
Gebühren finanzierten Format ein Forum und damit Gelegenheit zu
geben, im Rahmen eines vollkommen unkritischen Interviews für ein
derartiges Buch - und die gewaltbereite autonome Szene - die Werbe­
trommel zu rühren, ist mindestens ebenso erschreckend.
Ob die Finanzierung von Radio Corax unter dem Stichpunkt »De­
mokratieförderung« durchgehen kann, wie es im Bericht der Landes­
regierung heißt, ist zweifelhaft. »Engagement« wird hingegen auf jeden
Fall gefördert, wenn auch für die falsche Sache.
Internes aus dem Verfassungsschutz: Wie ein
Gutachten die Meinungspolizei entlarvte

gleich vorweg: Die Verfassungsschutzberichte sind ein Politikum.


Das schon aufgezeigte Beispiel Der Rechte Rand aus dem Jahr 1999 ist
zudem Beleg, dass der VS schon lange ein Mittel im Meinungskampf
und keine neutral agierende Behörde ist. Dennoch sind sie in der poli­
tischen Debatte hochwirksam. Auch weil ihr Zustandekommen unter
dem Einfluss der politischen Ebene auf die angeblich »neutrale« und
»sachorientierte« Behörde im Alltag deutlich unterschätzt wird. Das
gilt auch vor dem Hintergrund, dass ein Teil der Öffentlichkeit dem
Verfassungsschutz zunehmend kritisch gegenübersteht und von »Par­
teien-, Elitenschutz« oder »Meinungspolizei« spricht. Die (berechtigte)
Skepsis gegenüber den vermeintlichen Verfassungsschutzbehörden ist
sowohl im linken als auch im rechten Spektrum zu finden.
Die Linkspartei fordert zwar noch die Abschaffung des Verfassungs­
schutzes. Dies hat auch mit ihrer eigenen jahrelangen Beobachtung
und der noch heute erfolgenden Nennung von Teilen der Partei zu tun,
wie der »Kommunistischen Plattform«, der »Antikapitalistischen Lin­
ken« oder der nicht vom Parteivorstand anerkannten, der Linken aber
gleichwohl sehr nahe stehenden Vereinigung marx2i. Doch je mehr die
Linke aus dem Blick der Inlandsgeheimdienste gerät, desto leiser wird
diese Forderung vorgetragen; zumal die ehemalige Staatspartei nun
selbst die Wirkung der Diffamierung des politischen Gegners durch
die Politikbehörde Verfassungsschutz für sich (wieder)entdeckt. Nun
ist es die AfD, die als Oppositionspartei bekämpft wird, insbesondere
in Thüringen. Dort durch den Ministerpräsidenten Bodo Ramelow
(Die Linke), der selbst jahrelang vom Verfassungsschutz beobachtet
wurde, ehe er vor dem Bundesverfassungsgericht das Ende dieser Ak­
tion erreichen konnte, vor allem mit dem Argument, dass ihm als Ab­
geordnetem ein besonderer Schutz vor Überwachung zustehe.
Doch üblicherweise wird das Ende einer Beobachtung (einer Partei)
auf andere Weise erreicht: durch Regierungsbeteiligung. In einem Ar­
tikel vom 12. März 2018 für die Bundeszentrale für politische Bildung

173
174 Staats-Antifa

(bpb) stellte Tom Thieme, damals Professor für Gesellschaftspolitische


Bildung an der Hochschule der Sächsischen Polizei, fest: Die Linke
werde überall dort nicht mehr beobachtet, wo sie an der Regierung
beteiligt war. In keinem Bundesland, in dem Die Linke (oder deren
Vorgängerorganisation PDS) regierte oder auch nur mitregierte, habe
sich der Verfassungsschutz ihr gewidmet. Thieme weiter:

Im Gegenteil: In unmittelbarem Zusammenhang mit den Koalitionsbe­


teiligungen in Mecklenburg-Vorpommern (1998-2006), in Berlin (2002-
. 2011) und Thüringen (seit 2014) wurde die Überwachung und Erwähnung
in den Verfassungsschutzberichten eingestellt - 1999, 2002 und 2014.175

Allein diese Tatsache macht klar, welcher Willkür diese »Berichte«


der Verfassungsschutzbehörden unterliegen. Quasi über Nacht wurde
eine Partei von einem Feind der Verfassung zu einem Verteidiger des
Grundgesetzes. Wie parteipolitisch aufgeladen die Institution Ver­
fassungsschutz ist, wurde auch im Spätsommer 2018 deutlich, als
der damalige Verfassungsschutzpräsident der Falschbehauptung der
Kanzlerin widersprach, die Bundesregierung habe Videoaufnahmen
vorliegen, die Hetzjagden in Chemnitz nachwiesen. Maaßen erklärte
später gegenüber der Wochenzeitung Junge Freiheit, es sei politischer
Druck auf ihn ausgeübt worden, die AfD zu beobachten. Er, Maaßen,
habe dem Druck »in gebotener Objektivität« widerstanden, indem er
eine Prüfung der AfD eingeleitet habe.176
Das weitere Vorgehen oblag nun Maaßens Nachfolger, Thomas Hal­
denwang. Zu dessen Vorgehen wollte sich Maaßen im oben genann­
ten Interview jedoch nicht äußern. Der Jurist Haldenwang ist bereits
seit 2009 für das Bundesamt für Verfassungsschutz tätig. Im August
2013 wurde der geborene Wuppertaler der stellvertretende Präsident
des BfV.177 Haldenwang war gerade einmal 4 Tage im Amt, als er am 19.
November 2018 vor den Mitgliedern der Parlamentarischen Kontroll­
kommission (PKK) im Reichstag zur Auswertung des vorliegenden
Materials zur AfD erklärte:

Uns kommt es darauf an, das sehr sorgfältig, korrekt, objektiv zu machen.
Fehlerfrei zu machen. Und dann haben wir aber auch einen belastbaren
Vorschlag.178
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 175

Um es vorwegzunehmen: Nichts davon wird gelingen. Weder Sorg­


falt noch Korrektheit oder Objektivität - und schon gar nicht Freiheit
von Fehlern - kennzeichnen das Vorgehen des BfV und seines Prä­
sidenten Haldenwang. Am 15. Januar 2019 trat Haldenwang vor die
Presse und erklärte die AfD zum »bundesweiten Prüffall«.17’
Jedoch sieht das Bundesverfassungsschutzgesetz gar keine Mittei­
lung eines »Prüffalles« vor. Dies ist die unterste von insgesamt drei
vom Verfassungsschutz definierten Kategorien. Oberhalb des »Prüf­
falles« ist der »Verdachtsfall« angesiedelt. Von einem solchen darf die
Behörde nur ausgehen, wenn »tatsächliche Anhaltspunkte« vorliegen,
um einen Verdacht zu begründen. Darüber steht die »erwiesene« Ver­
fassungsfeindlichkeit. Nur für die beiden letzten Kategorien erlaubt das
Verfassungsschutzgesetz eine öffentliche Mitteilung der Behörde, nicht
jedoch in Bezug auf einen »Prüffall«. Dass eine gesetzliche Grundlage
Voraussetzung für eine derartige öffentliche Erklärung ist, hätte dem
Juristen Haldenwang klar sein müssen - insbesondere schon deshalb,
da sich seine Behörde im Jahr seiner Ernennung zum Vizepräsiden­
ten des Verfassungsschutzes eine ganz erhebliche höchstrichterliche
Schlappe eingefangen hatte, die unmittelbar damit zusammenhing.
Im Juni 2013 erklärte das Bundesverwaltungsgericht, das BfV dürfe
über »Verdachtsfälle« nicht berichten. Es fehle einfach an der gesetz­
lichen Grundlage, so die obersten Verwaltungsrichter:

Eine Auslegung von § 16 Abs. 2 Satz 1 BVerfSchG dahingehend, dass eine


Berichterstattung bereits im Verdachtsfall zulässig sein soll, wird durch
den Wortlaut des Gesetzes nicht gestützt.180

Kurz darauf wurde das Gesetz geändert. Nun durfte das BfV über Ver­
dachtsfälle berichten, wenn - so die Voraussetzung des Gesetzes - »tat­
sächliche Anhaltspunkte« für verfassungsfeindliche Bestrebungen
vorliegen. In der Begründung zum Gesetzentwurf vom 20. April 2015
wurde eigens darauf eingegangen, dass das BfV künftig die Öffentlich­
keit über einen Verdachtsfall unterrichten können sollte:

Die Öffentlichkeitsunterrichtung muss sachgerecht auch bereits Ver­


dachtsfälle einschließen. Nach der Rechtsprechung des Bundesverwal­
tungsgerichts (Urteil vom 26. Juni 2013, 6 C 4.12) bietet der geltende § 16
176 Staats-Antifa

dafür keine Grundlage. Deshalb wird die Verdachtsfallberichterstattung


nunmehr ausdrücklich in den Gesetzeswortlaut aufgenommen (»tatsächli­
che Anhaltspunkte«). Dies ist verfassungsrechtlich unbedenklich (BVerfG,
Beschluss vom 24. Mai 2005 - 1 BvR 1072/01), sofern die tatsächlichen
Anhaltspunkte hinreichend gewichtig sind.

Haldenwang und das BfV hätten also wissen können, ja müssen, dass
ein »Prüffall« nicht öffentlich verkündet werden darf. Es war völlig
klar, wie die Justiz hier entscheiden würde. Das Verwaltungsgericht
Köln, das wegen des Hauptsitzes des BfV in der Rheinmetropole zu­
ständig ist, machte denn auch in einer Eilentscheidung deutlich, wel­
ches - nach dieser Vorgeschichte aberwitzige - Versäumnis hier vorlag.
Die Pressestelle des Gerichts teilte der Öffentlichkeit mit:

Das Verwaltungsgericht Köln hat mit Beschluss vom 26. Februar 2019 dem
Bundesamt für Verfassungsschutz (Bundesamt) untersagt, die Partei Al­
ternative für Deutschland - AfD als »Prüffall« zu bezeichnen. [...]
Äußerungen von Hoheitsträgern wie dem Bundesamt, durch die in
die Rechte einer politischen Partei eingegriffen wird, bedürften nach der
Rechtsprechung von Bundesverfassungsgericht und Bundesverwaltungs­
gericht einer ausdrücklichen gesetzlichen Ermächtigung, die sich nach der
klaren Gesetzeslage und insbesondere unter Berücksichtigung des Willens
des Gesetzgebers dem vom Bundesamt genannten § 16 Abs. 1 BVerfSchG
nicht entnehmen lasse. Der Bezeichnung als »Prüffall« komme in der Öf­
fentlichkeit eine negative Wirkung zu. Dieser Eingriff in die Rechte der
AfD aus dem Parteiengrundrecht des Art. 21 GG und dem auch einer
Partei zuzuerkennenden Persönlichkeitsrecht sei mangels Rechtsgrund­
lage rechtswidrig und auch unverhältnismäßig.181

Bei dieser klaren Rechtslage und der Historie des Gesetzes, das schon
einmal wegen Kompetenzüberschreitung des Verfassungsschutzes ge­
ändert wurde, kann man nur von Vorsatz ausgehen.*
Die Vorstellung, das Innenministerium des Horst Seehofer (CSU),
dem das Bundesamt unterstellt ist, als auch das BfV und der Jurist Hal-

Zumindest von bedingtem Vorsatz (i. S. v. wenn es rechtswidrig sein sollte, ist mir
das dann auch egal) muss man hier ausgehen.
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 177

denwang seien ahnungslos oder im guten Glauben an das eigene Tun


in ihre Verurteilung hineingestolpert, ist mit den einfachsten Denk­
gesetzen nicht in Übereinstimmung zu bringen. Ein »Irrtum« über
das Vorhandensein einer zwingend notwendigen Rechtsgrundlage für
die Verkündung einer Einstufung als Prüffall kann mit dem Urteil des
Bundesverwaltungsgerichtes von 2013 schlichtweg nicht mehr ange­
nommen werden. Kein Täter dieser Welt kann sich im Wiederholungs­
fälle auf einen (unvermeidlichen) Rechtsirrtum berufen.
Verfassungsnormen können geändert werden, wie es die - mitt­
lerweile folgenlose - Änderung des Artikels zum Asylrecht von 1993
zeigt. Allerdings gibt es Kernbestandteile des Grundgesetzes, die un­
veränderlich sind. Dazu gehört auch das Demokratieprinzip, zu dem
auch das Recht auf Bildung und Ausübung einer parlamentarischen
Opposition gehört sowie die Chancengleichheit der Parteien, wie dies
auch das Bundesverfassungsschutzgesetz festlegt.182
Was aber, wenn genau die »Behörde« gegen diesen Kernbestand­
teil der freiheitlichen demokratischen Grundordnung verstößt, die zu
schützen ihre Aufgabe wäre? Der offenkundig beabsichtigte Schaden
für die AfD war eingetreten. Das Verbot des Gerichts, diese Zuschrei­
bung zu wiederholen, konnte das einmal Gesagte, das einmal in der
Welt Befindliche nicht wieder auslöschen. Eine schwere Benachteili­
gung für eine Partei, die nur wenige Wochen später die EU-Wahlen
zu bestreiten hatte. Einen solchen rechtswidrigen Eingriff, eine der­
artige Benachteiligung einer Partei hätte nicht nur den Rücktritt von
Haldenwang, sondern auch den des Innenministers zur Folge haben
müssen, dessen Aufgabe die eines »Verfassungsministers« ist, wie es
die inoffizielle, aber dennoch vollkommen zutreffende Zuschreibung
knackig zusammenfasst.
Der Verfassungsschutz unter Haldenwang legte allerdings schon
bald mit dem nächsten Skandal nach. Das vermeintliche »Gutachten«,
das den Prüffall AfD zu begründen vorgibt, wurde öffentlich. Ein In-
landsgheimdienst, der ein Geheimnis nicht wahren kann, ist allerdings
wenig bis nichts wert. Doch auch hier hatte das Versagen keine Kon­
sequenzen. Ob allerdings wirklich Unfähigkeit oder das beabsichtigte
Durchstechen an zumeist linke Medien der illegalen Weitergabe zu­
grunde lag, kann derzeit nicht beantwortet werden - und wird wohl
für immer im Dunkeln bleiben.
178 Staats-Antifa

Zwar hat der freie Zugang zu dem »Gutachten« der AfD zusätzlich
geschadet, wodurch die Chancengleichheit der Parteien noch weiter
verletzt wurde; doch ist die Verfügbarkeit auch ein Glücksfall für alle,
die sich für die Vorgehensweise des Verfassungsschutzes interessieren.
Die offenkundige Hast, mit der das vor Fehlern in Rechtschreibung
und Grammatik nur so strotzende Machwerk daherkommt, beweist
zusätzlich, dass es Haldenwang und seiner Behörde nicht um die ver­
sprochene Sorgfalt ging. Auch nicht darum, korrekt und objektiv zu
sein und fehlerfrei zu arbeiten, wie der Geheimdienstchef ebenfalls
angekündigt hatte. Schnell und schmutzig war offenkundig der Leit­
gedanke.
Das Sammelsurium von Daten zeigt neben vielen - auch in diesem
Buch aufgezeigten - weiteren Beispielen die Voreingenommenheit
des Inlandsgeheimdienstes auf. Es offenbart eine Verfassungsschutz­
behörde, die - unabhängig vom »Prüffall« AfD - ungeeignet und of­
fenkundig unwillig ist, den Bürger so zu informieren, dass dieser eine
informierte Entscheidung treffen kann.
Zu dieser beizutragen ist jedoch das öffentlich gewordene Gutach­
ten des BfV zur AfD geeignet. Im Folgenden werden Widersprüche
und fragwürdige Darstellungen herangezogen. Ein Widerspruch ist
fast schon typisch. Zu Beginn des Gutachtens gibt sich der Autor /
die Autoren sehr bedächtig, abwägend. Man zeigt auf, was man dem
Untersuchungsgegenstand, sprich: der AfD, nicht vorhalten darf. Wel­
che Rechte eine Partei hat, wie weit die Meinungsfreiheit geht und so
weiter und so fort. Kurz: Das Gutachten wird als neutrale Untersu­
chung dargestellt, die ein Für und Wider all der Aspekte sorgsam und
unparteiisch abwägt.
Ein Widerspruch beginnt auf Seite 26 (Hervorhebungen durch den
Autor):

Dies bedeutet allerdings nicht, dass nur aufgrund der Meinungsäußerun­


gen einzelner Abweichler, die für die Partei oder ihre Teilorganisation
nicht repräsentativ sind, eine Beobachtung gerechtfertigt werden könnte.
Insofern kann dahinstehen, ob solche Entgleisungen der Partei oder ihrer
Teilorganisation zugerechnet werden können. Jedenfalls schaffen Entglei­
sungen, wenn sie Entgleisungen bleiben, niemals eine Tatsachenbasis von
hinreichendem Gewicht und hinreichender Zahl.
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 179

Die grundsätzliche Zurechenbarkeit von Äußerungen und Verhaltens­


weisen von Mitgliedern zu der Partei oder ihrer Teilorganisation bedeutet
darüber hinaus auch nicht, dass diese nun gehalten wären, sich von den
Entgleisungen ihrer Mitglieder zu distanzieren. Aus dem Ausbleiben einer
solchen Distanzierung können keine zusätzlichen Anhaltspunkte für ver­
fassungsfeindliche Bestrebungen gewonnen werden.'*3

Über 300 Seiten später klingt das alles jedoch ganz anders. Musste die
AfD sich noch nicht einmal für jede Äußerung eines mit ihr verbunde­
nen Mitgliedes verantworten, ist Björn Hocke auf Seite 335 f. plötzlich
für jeden der vielen Demonstranten verantwortlich und muss sich von
diesen distanzieren. Hier wird ihm das Ausbleiben einer Distanzierung
als negativer Anhaltspunkt angerechnet.

Für den 1. September 2018 organisierten die AfD-Landesverbände Sach­


sen, Thüringen und Brandenburg in Chemnitz gemeinsam mit der
PEGIDA-Bewegung einen »Schweigemarsch für Gewaltopfer« anlässlich
eines Tötungsdelikts am 26. August, bei dem ein Deutscher mutmaßlich
durch zwei syrische bzw. irakische Asylbewerber erstochen wurde. Björn
Hocke und »Der Flügel« riefen auf Facebook zur Teilnahme auf. Nachdem
sich die Teilnehmer einer weiteren Demonstration, die von der Kleinpartei
»Pro Chemnitz« angemeldet wurde, dem Schweigemarsch angeschlos­
sen hatten, wuchs die Teilnehmerzahl auf insgesamt ca. 8.000 Personen.
Hocke selbst führte mit weiteren AfD-Funktionären und Führungsfiguren
von PEGIDA den Demonstrationszug an. Das Teilnehmerfeld setzte sich
überwiegend aus nichtextremistischen Protestierenden, aber auch aus
Rechtsextremisten des Parteien- und Neonazispektrums sowie Fußball­
hooligans zusammen. Insofern bildete sich bei der Versammlung eine ex­
tremismusoffene Mischszene. Eine glaubhafte Distanzierung seitens des
»Flügels« oder Hocke persönlich unterblieb.

Hier soll es nicht um Björn Hocke und seine Politik gehen, vielmehr
soll die Frage beleuchtet werden, ob der Verfassungsschutz sich auf
eine Seite schlägt, also ob er bestimmte Parteien schont, während er
andere benachteiligt.
Dazu werden wir insbesondere betrachten, was laut Verfassungs­
schutz ganz besondere Indizien für eigene extremistische Bestrebun-
180 Staats-Antifa

gen sind. Auch hier wird im Vorspann des Gutachtens wieder das Bild
der abgeklärten Untersuchung entwickelt. Zunächst wird einmal die
Verpflichtung zum Einschreiten betont, ganz sachlich und - natür­
lich - ganz gesetzeskonform. Einleitend heißt es im Gutachten zur AflD:

Gemäß § 3 Abs. 1 Nr. 1 Fall 1, § 4 Abs. 1 Satz 1 lit. c, § 4 Abs. 1 Satz 3


BVerfSchG haben die Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der
Länder den Auftrag, Informationen über Personenzusammenschlüsse zu
sammeln und auszuwerten, wenn tatsächliche Anhaltspunkte dafür vor­
liegen, dass in diesen verfassungsfeindliche Bestrebungen verfolgt werden.

Kurz darauf folgt eine Aufzählung von Bereichen, die auf »Anhalts­
punkte« hin untersucht werden, etwa auf »Überschneidungen mit an­
deren Organisationen«. Der Beurteilungsrahmen wird auch beschrie­
ben - und auf diesen werden wir auf den folgenden Seiten immer
wieder zurückkommen, wenn »Überschneidungen« linker Parteien
aufgegriffen und beschrieben werden:

Von erheblicher Bedeutung sind aber Verbindungen zu erwiesenen ver­


fassungsfeindlichen Bestrebungen, die über bloße Überschneidungen in
der Mitgliedschaft hinausgehen und auch strukturelle Verbindungen be­
inhalten, wie z. B. personelle Überschneidungen auf der Vorstandsebene,
die Herausgabe gemeinsamer Erklärungen oder eine grundsätzliche in­
haltlich-programmatische und taktisch-konzeptionelle Anlehnung an die
andere Organisation.

Laut Fußnote zu dieser Textpassage nimmt der Verfassungsschutz da­


mit Bezug auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts Hamburg. Zur Ein­
ordnung dieser Darstellung ist es wichtig, den Aufbau zu analysieren.
Die Formulierung »z.B.« bedeutet, die obige Aufzählung ist ein soge­
nannter »offener Katalog«, er könnte folglich noch andere - nicht auf­
gezählte - Verbindungsarten beinhalten. Das »oder« vor dem letzten
Punkt des offenen Kataloges macht deutlich, dass jeder Aufzählungs­
punkt für sich genügend ist und nicht alle Punkte (kumulativ) erfüllt
sein müssen (sonst würde es »und« heißen).
Es finden sich in dem Gutachten unzählige Beispiele von Verbin­
dungen einzelner Mitglieder oder einzelner Mitarbeiter von Land-
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 181

tagsfraktionen der AfD etc., die in irgendeinem Zusammenhang mit


anderen Organisationen stehen. Nicht selten, vielmehr sehr häufig,
ist über die vermeintlich mit der AfD oder Protagonisten der Par­
tei verbundenen Organisationen im Verfassungsschutzbericht nichts
zu finden. Gleichwohl werden auch solche Verbindungen, auch weit
unterhalb der Vorstandsebene, in dem Gutachten kritisch aufgegrif­
fen. Insbesondere wird die (oftmals nur vermutete) Mitgliedschaft in
Burschenschaften als Indiz für die Ausrichtung der AfD genommen.
Wird dieser Maßstab herangezogen, müsste der Verfassungsschutz
auch andere Parteien unter die Lupe nehmen. Oftmals, wie im Falle
der Grünen und der SPD, werden »gemeinsame Erklärungen« mit
erwiesenenfalls extremistischen Organisationen abgegeben, die laut
Verfassungsschutz doch von »erheblicher Bedeutung« sein sollten.
Das Gutachten des BfV wirft Teilen der AfD an mehreren Stellen
die Zusammenarbeit mit oder auch nur das Unterstützen von Bürger­
initiativen vor:

Insbesondere die Junge Alternative Brandenburg pflegt nach eigenen Ver­


lautbarungen in den sozialen Medien eine deutliche Nähe zu dem Cott-
busser Verein »Zukunft Heimat«.

An anderer Stelle:

Die Cottbusser Initiative »Zukunft Heimat« unterstützten mehrere Mit­


glieder durch aktive Teilnahme oder in den sozialen Medien, darunter
Jean-Pascal Hohm, Christina Baum, Daniel Roi und Carola Wolle.

Das Brandenburgische Innenministerium erklärt auf Nachfrage hin­


gegen, »Zukunft Heimat« werde nicht beobachtet, und verweist zu­
dem auf die Antwort der Landesregierung vom 13. März 2018 auf eine
Kleine Anfrage der Grünen.184 Diesen wurde darin zunächst erklärt,
es müssten für eine Beobachtung nach dem Verfassungsschutzgesetz
überhaupt einmal Anhaltspunkte vorliegen. »Eine daran ausgerichtete
Beobachtung im Sinne des Brandenburgischen Verfassungsschutzge­
setzes erfolgt derzeit nicht.«
Das BfV hält es damit für verfassungsschutzrelevant, wenn Teile der
AfD Bezüge zu nicht durch den Verfassungsschutz beobachteten Bür-
182 Staats-Antifa

gerinitiativen haben. Demzufolge widerspricht das Gutachten - und


damit das BfV - sich selbst. Das ist nicht nur an dieser Stelle der Fall.
Auf welcher rechtlichen Grundlage werden dann Daten gesammelt?
Warum kann eine Partei, die durch das Grundgesetz angehalten ist, an
der »Willensbildung des Volkes mitzuwirken«, nicht Bürgerinitiati­
ven unterstützen, deren Anliegen sie (oder auch nur einzelne Vertreter
dieser Partei) für richtig hält - und wenn auch nur aus Gründen der
Bürgerbeteiligung? Fragwürdig ist insbesondere, wenn der Verfas­
sungsschutz notiert, was einzelne Abgeordnete tun, um mit Bürgern
zu kommunizieren. Hier hat das BVerfG durch die Rechtsprechung in
Sachsen Ramelow aber besonders hohe Hürden eingebaut, die offen­
kundig missachtet werden. Damit geraten zugleich Bürger ins Visier
von Behörden, die sich wie im Falle des Vereins »Zukunft Heimat« im
Rahmen der ihnen durch das Grundgesetz als Recht zugesprochenen
Koalitionsfreiheit zusammentun.
Wer das Gutachten des BfV zur AfD heranzieht und dann das Agie­
ren anderer Parteien, deren Zusammenschlüsse, Bündnisse und ge­
meinsame Aktionen mit ausgewiesenen Verfassungsfeinden vergleicht,
bemerkt einen weiteren Zweck, den die Veröffentlichung dieses Gut­
achtens erfüllen soll: Es geht darum, jedes Zusammenwirken der AfD
mit Vereinigungen, Bürgerinitiativen und Protestbewegungen durch
Verunsicherung zu erschweren. Alle (etablierten) Parteien haben na­
türliche Verbündete: die CSU eher in traditionsverpflichteten Vereinen
oder den Freiwilligen Feuerwehren, denen man beständig unter die
Arme greift; die Grünen in Umweltverbänden und der »Zivilgesell­
schaft«, was auch für die SPD gilt, die zudem etwas stärker durch die
Gewerkschaften gestützt wird, und so weiter und so fort. Auch wenn
die etablierten linken Parteien bei ihrer Bündnispolitik weit ins links­
extreme Lager ausgreifen, bleibt dies seitens des Verfassungsschutzes
unkommentiert.
Es geht dem VS also darum, den Wirkungskreis der AfD einzu­
schränken, die Wucht und Durchschlagskraft von Kampagnen durch
Aufspaltung der Akteure zu minimieren beziehungsweise ihnen nach
Möglichkeit gänzlich jede Wirkung zu nehmen. Dies wird vor allem
durch den Vergleich deutlich, wie der Verfassungsschutz bei anderen
Parteien reagiert, die sich in tatsächlichen Bündnissen mit Extremisten
befinden - Parteien, deren teils hochrangige Akteure gar selbst in ex-
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 183

tremistischen Organisationen stecken, was in den folgenden Kapiteln


an Beispielen aufgezeigt wird.
Generell kann man die Wertungen, das Vorgehen, ja letztlich die
Parteinahme des Verfassungsschutzes - stark vergröbert, aber im Re­
sultat zutreffend - so zusammenfassen: Ein Rechtsextremist bei einer
Veranstaltung der AfD »infiziert« die gesamte AfD. Ein Politiker einer
etablierten Partei, der an einer linksextremistischen Veranstaltung teil­
nimmt, »immunisiert«, wenn nicht gar die Veranstaltung, so doch die
(etablierte) Partei.

***

Ein Beispiel, das mit der AfD zunächst keine Verbindungen hat: Am
Rande einer Pressekonferenz hatte ich ein Gespräch mit dem Präsi­
denten des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz, Burkhard
Körner, über das Kafe Marat und Körners merkwürdige Position, dass
(grob gefasst) dies nicht ganz so schlimm sei, da es zwar auch von
Extremisten, aber ebenfalls von Nichtextremisten genutzt werde/ Ein
weiteres Beispiel sei das Münchner »EineWeltHaus«. Die Immobilie
gehört der Stadt München, wird großzügig gesponsert und von Linken
und Linksextremisten fast schon exklusiv genutzt. Im Beirat des »Eine-
WeltHauses« sitzen Vertreter des Stadtrates. Dennoch, so Körner, sei
das kein Beobachtungsobjekt, schließlich seien auch Vertreter etwa der
SPD und der CSU im Beirat vertreten. Aha. Antisemitismus kann sich
demnach nur bei Abwesenheit von etablierten Parteien manifestieren.
Nicht die einzige Gelegenheit, bei der bestimmte Tatsachen durch
das Bayerische LfV schlicht als inexistent erklärt werden, insbesondere
wenn die Zusammenarbeit linker Extremisten mit etablierten Parteien
gar öffentlich erklärt wird. Etwa im Bündnis »Aufstehen gegen Rassis­
mus« (siehe Unterkapitel S. 196). Das Bündnis war 2016 zusammen-

* Diese Argumentation war schon deshalb unsinnig, da die extremistischen und


angeblich nichtextremistischen Vereinigungen einen gemeinsamen Verein bil­
deten, der in dem »Treffpunkt für Autonome« (Verfassungsschutzbericht) ganz
im Sinne des Sozialismus über alles »kollektiv« bestimmt. Eine Distanz im Sinne
von getrennter Organisation fand zum Zeitpunkt der Diskussion mit Körner
damit nicht statt.
184 Staats-Antifa

gekommen und besteht aus etlichen linksextremen Gruppen wie der


Interventionistischen Linken (IL), aber auch aus Spitzenpolitikern,
insbesondere aus den Reihen der Grünen. Dazu braucht man sich
nur die öffentliche Liste der Erstunterzeichner anzusehen, die den ge­
meinsamen Aufruf des Bündnisses befürwortet haben.185 Zum grünen
Spitzenpersonal, das sich hier engagierte, gehörten unter anderem die
damaligen Parteichefs Simone Peter und Cem Özdemir sowie die Frak­
tionsvorsitzenden der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt
und Toni Hofreiter. Im folgenden Jahr erklärte Verfassungsschutzprä­
sident Körner auf meine Frage, wie der VS das Bündnis von Grünen
und IL einschätze: »Wir haben keinerlei Anhaltspunkte, dass eine Zu­
sammenarbeit zwischen der Interventionistischen Linken und den
Grünen stattfindet.« Meine Erwiderung: »Aber die haben doch ein
Bündnis miteinander« bügelte Körner mit einem glatten »Nein« ab.186
Gänzlich anders agiert Körner, wenn es darum geht, die AfD zu be­
urteilen. Als die »Identitäre Bewegung« durch die Verfassungsschutz­
behörden zum Verdachtsfall (!) erhoben wird, erklärt sich Petr Bystron,
damals Landesvorsitzender der Bayern-AfD, mit dieser solidarisch:

Daher gründet meine Sympathiebekundung gegenüber der IB auf tiefem


Respekt vor deren Mut, Intelligenz und Entschlossenheit. Die IB ist für
die AfD das, was die Greenpeace für die Grünen war.187

Als einige Zeit nach Bystrons Solidaritätsbekundung die Pressekon­


ferenz zum Verfassungsschutzbericht stattfand, war die Gelegenheit
günstig für eine der vielen illegalen Aktionen diverser Verfassungs­
schutzbehörden. Körner wurde durch einen Journalisten gefragt, ob
Bystron beobachtet werde. In einer offensichtlich vorbereiteten Er­
klärung verlas Körner - im Jahr der Bundestagswahl 2017 -, Bystron
habe »seine große Sympathie zur >Identitären Bewegung< wieder­
holt erkennen lassen«. Das sei ein Grund zur Beobachtung, die auch
erfolge.
Diese Erklärung gegenüber der Presse wurde später durch das Ver­
waltungsgericht als rechtswidrig eingestuft. Es sei eine Verdachtskette,
wenn ein Verdacht gegenüber der IB zu einem Verdacht gegenüber
Bystron ausgeweitet werde. Das sei zu wenig, um sich an die Presse
zu wenden.
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 185

Als erwiesen linksextremistisch hingegen gelten etliche Grup­


pierungen, mit denen SPD, Grüne und Linke sich in verschiedenen
Bündnissen - von »Aufstehen gegen Rassismus« bis »#noPAG«* - zu­
sammentun und dann auch gemeinsame Erklärungen abgeben. Solche
Bündnispolitik wird seitens der Verfassungsschutzämter ignoriert. In
den folgenden Kapiteln werden - quasi zum Ausgleich - diese Bünd­
nisse näher beleuchtet, in denen erwiesene und auch des Extremismus
verdächtige Organisationen Seite an Seite mit linken Parteien durch
die politische Landschaft schreiten.
Gänzlich anders werden die Dinge durch Haldenwang & Co. be­
trachtet, wenn die AfD mit unverdächtigen Vereinen in Verbindung
gebracht werden kann. Etwa mit der Initiative »EinProzent«. Dazu er­
klärt das Gutachten des BfV:

Die Initiative »Ein Prozent« wird von zahlreichen AfD-Funktionären und


Mitgliedern in sozialen Medien unterstützt, so unter anderem von Jens
Maier, Maximilian Kräh, Stefan Räpple, Hans Peter Stauch und Jan Wenzel
Schmidt.

Warum das kritisch sein sollte, ist nicht klar. Zumal die sächsische
Landesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Ab­
geordneten Kerstin Köditz (die Abgeordnete, die Beiträge an die Rote
Hilfe entrichtet, s.o.) am 14. Februar 2020 klarstellte:

»Ein Prozent« ist keine verfassungswidrige Bestrebung im Sinne der §§


2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 des Gesetzes über den Ver­
fassungsschutz im Freistaat Sachsen, die vom Landesamt für Verfassungs­
schutz Sachsen beobachtet wird. Der Staatsregierung liegen daher keine
Erkenntnisse im Sinne der Fragestellung vor.188

In der Bundestagsdrucksache 18/12261 vom 8. Mai 2017 hatte die Bun­


desregierung bereits erklärt:

Bei der Vereinigung »Ein Prozent« handelt es sich nicht um ein Beobach­
tungsobjekt des BfV.

Ein Bündnis, das sich gegen das neue Polizeiaufgabengesetz wendet.


186 Staats-Antifa

In der Bundestagsdrucksache 19/1921 vom 27. April 2018 hält die


Bundesregierung zur Einschätzung von EinProzent an ihrer Position
der Nichtbeobachtung fest und verweist auf die Feststellung (!) vom
Mai 2017:

... auf Bundestagsdrucksache 18/12261 wird verwiesen. Nach Auffassung


der Bundesregierung haben die dort getroffenen Feststellungen weiterhin
Bestand.

In einer Einschätzung des sächsischen Verfassungsschutzes vom 9. Au­


gust 2018 wird die Initiative EinProzent neuerlich als »nichtextremis­
tisch« eingestuft.189
Zwischen Mai 2017 und dem 14. Februar 2020 erklären demnach
die Bundesregierung und die zuständige Landesregierung - und da­
mit letztlich die Verfassungsschutzbehörden - zum wiederholten Male,
EinProzent sei kein Beobachtungsobjekt. Dennoch erstellt dasselbe
Bundesamt für Verfassungsschutz ein »Gutachten«, in dem festgestellt
wird, die Initiative EinProzent werde von zahlreichen »AfD-Funktio-
nären« unterstützt.
Jetzt liegt der Öffentlichkeit das Gutachten vor. Darin wird zur
Begründung des »Prüffalles« AfD unter anderem auch der Kontakt
zu EinProzent herangezogen. Gleiches gilt für das Magazin Compact
des Chefredakteurs Jürgen Elsässer. Beiträge des Magazins seien von
»zahlreichen AfD-Funktionären in den sozialen Netzwerken geteilt«
worden, stellen die Geheimdienstmitarbeiter fest. Auch Kontakte zwi­
schen AfD-Funktionären zu Götz Kubitschek und dem mit diesem
verbundenen Institut für Staatspolitik (IfS) sind dem Inlandsgeheim­
dienst ein Dorn im Auge. Einziges Problem: Diese standen bis dato
nicht unter Beobachtung.
Nun fällt es selbst Haldenwang und seinen Mitarbeitern auf, wie we­
nig schlüssig es ist, einen »Prüf-« oder gar »Verdachtsfall« mit Kontak­
ten zu nicht verdächtigten Personen und Organisationen zu begrün­
den. Und so weitet das Bundesamt seinen »Verdacht« nach und nach
auf immer mehr Personen und Organisationen aus, deren Kontakte in
dem ominösen und fragwürdigen Gutachten als Begründung dienten.
Haldenwang und der Verfassungsschutz kehren damit die Beweis­
führung um: Zunächst wird der Kontakt zwischen AfD-Funktionä-
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 187

ren und Dritten festgestellt - und problematisiert. Dann werden die


Kontaktpersonen - im Nachhinein (!) - zum Verdachtsfall erklärt,
um wiederum den Verdacht gegen die AfD oder den vermeintlichen
»Nachweis« der Verfassungsfeindlichkeit zu begründen.
Mit immer neuen Pressemitteilungen und öffentlichen Äußerungen
arbeitet sich daher der Verfassungsschutz an immer mehr jener Kon­
takte ab, die er in seinem »Gutachten« aufgegriffen hatte.
Das dürfte auch der Klage der AfD gegen das Vorgehen des Ver­
fassungsschutzes zu verdanken sein, die die Partei nach Medienbe­
richten vom Januar 2020 beabsichtigt.190 Seither versucht der VS ganz
offenkundig im Nachhinein die Mängel in seinem Vorgehen dadurch
zu beseitigen, dass er zunächst nicht zu beanstandende Kontakte durch
immer neue Verdächtigungen »heilt«.
Im März 2020 wurde das Magazin Compact zum Verdachtsfall er­
klärt, im April 2020 folgten Götz Kubitschek und das IfS. Zum Zeit­
punkt, als dieses Buch geschrieben wurde, war EinProzent das letzte
Opfer der Verdächtigungspolitik. In einem auf dem Internetportal
des Verfassungsschutzes veröffentlichten Statement vom 29. Juni 2020
machte Haldenwang EinProzent als den neuesten - und bestimmt
nicht letzten - Verdachtsfall aus.
Nicht weniger absurd sind die Passagen in dem Gutachten, die unter
der Überschrift »Demokratieprinzip« vermeintlich »untersuchen«, ob
bestimmte Äußerungen gegen die Kanzlerin - ganz im Sinne einer
»Majestätsbeleidigung« - einen Hinweis auf Extremismus ergeben
könnten:

Besonders heftige Angriffe, Schmähungen und Verunglimpfungen treffen


vor allem die Person der Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Derartige Attacken werden mit Beispielen belegt:

Daniel Roi, Landtagsabgeordneter für die AfD in Sachsen-Anhalt, be­


zeichnete Merkel in einem Facebook-Beitrag vom 22. Juni 2018 als »Kanz­
lerin des Untergangs«.

Keine Sichtweise, die man teilen muss, die jedoch vollkommen zulässig
ist - im Meinungskampf.
188 Staats-Antifa

Die Reinwaschung der SPD

Bundestagsabgeordneter Burkhard Lischka wollte es - scheinbar - ganz


genau wissen. In der öffentlichen Sitzung der Parlamentarischen Kon­
trollkommission (PKK) am 19. November 2018 fragte er den Verfas­
sungsschutzpräsidenten Thomas Haldenwang: »Welche Erkenntnisse
hat denn der Verfassungsschutz hinsichtlich linksradikaler Teile in der
Sozialdemokratischen Partei Deutschlands?«191 Der Sozialdemokrat
Lischka zielte damit auf die wenige Tage zuvor bekannt gewordene
Rede von Hans-Georg Maaßen ab. Dieser hatte am 18. Oktober vor den
Chefs der europäischen Inlandsgeheimdienste unter anderem zu den
Vorkommnissen in Chemnitz im August 2018 erklärt:

Dass aber Politiker und Medien »Hetzjagden« frei erfinden oder zumin­
dest ungeprüft diese Falschinformation verbreiten, war für mich eine neue
Qualität von Falschberichterstattung in Deutschland. Ich hatte mich in
der darauffolgenden Woche gegenüber der Bild-Zeitung in nur vier Sät­
zen dazu geäußert, indem ich klarstellte, dass es nach Erkenntnissen aller
zuständigen Sicherheitsbehörden keine derartigen rechtsextremistischen
»Hetzjagden« gab.

Und kurz darauf weiter (Hervorhebung durch den Autor):

Die Medien sowie grüne und linke Politiker, die sich durch mich bei ihrer
Falschberichterstattung ertappt fühlten, forderten daraufhin meine Ent­
lassung. Aus meiner Sicht war dies für linksradikale Kräfte in der SPD,
die von vorneherein dagegen waren, eine Koalition mit der CDU/CSU
einzugehen, der willkommene Anlass, um einen Bruch dieser Regierungs­
koalition zu provozieren.

Was Lischka nun will, ist klar, weshalb er selbst und die um ihn herum­
sitzenden Abgeordneten auch schon verschmitzt grinsen. Haldenwang
soll der SPD in dieser Sitzung einen Persilschein ausstellen. Der wenige
Tage zuvor neu ernannte Chef des Inlandsgeheimdienstes liefert denn
auch prompt: Haldenwang erklärt schmunzelnd und lachend: »Wenn
es so etwas gäbe, dann würden Sie das in unserem nächsten Verfas­
sungsschutzbericht lesen können, Herr Lischka. Ich glaube aber nicht,
dass wir eine entsprechende Passage aufnehmen werden.«
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 189

Weniger selbstbewusst war Lischka nur wenige Tage später, was die
SPD-Positionen und ihre vermeintliche Abstinenz von Extremismus
betraf. Am 1. Dezember 2018 hatten die Jusos, die Parteijugend der
SPD, auf ihrem Bundeskongress fast einstimmig beschlossen, sich so­
lidarisch mit der Roten Hilfe zu zeigen. Der Beschluss Z3 lautete:

Wir solidarisieren uns mit der Roten Hilfe e.V. und sprechen uns gegen
das Verbot der Roten Hilfe aus. Wir fordern die SPD auf, das angekündigte
Verbot zu verhindern.

Auf Facebook veröffentlichen die Jusos knapp eine Woche später, am


7. Dezember 2018, die Mitteilung:

Funktionierende Strafverteidigung ist eine Säule unseres Rechtsstaates.


Wer sie und ihre Unterstützung als verfassungsfeindlich hinstellt, hat we­
der unser Staatsrecht noch unsere Strafprozessordnung verstanden.
Wir fordern die Bundesregierung auf, von einem Verbot der Roten
Hilfe Abstand zu nehmen.

Eine Anfrage, wie die SPD mit dem Beschluss ihrer Jugendorganisation
umging, blieb bis zur Drucklegung dieses Buches unbeantwortet. Man
könnte aber das nicht erfolgte Verbot der Roten Hilfe als Antwort sehen.
Denn nicht nur bei den Jusos, sondern auch in der SPD hat die
linksextreme Rote Hilfe ihre Anhänger, ja sogar Mitglieder. Ein An­
hänger ist etwa der Stellvertretende Parteivorsitzende, der ein Jahr
nach der Solidaritätsadresse der Jusos in Richtung Rote Hilfe in dieses
Amt in der Spitze der SPD-Führung gewählt wurde: Kevin Kühnert.
Der Bundesvorsitzende der Jusos hatte den Beschluss der Jungsozi­
alisten gegenüber dem früheren Zentralorgan der SED, dem neuen
deutschland, im Dezember 2018 so erklärt: »Wer sie [die Rote Hilfe]
und ihre Unterstützung als verfassungsfeindlich hinstellt, hat weder
unser Staatsrecht noch unsere Strafprozessordnung verstanden.«192
Noch realitätsfremder, auch wenn eine Steigerung zunächst nicht
möglich erscheint, ist ein anderes SPD-Urgestein. Nach den linken
Gewaltexzessen anlässlich des G2o-Gipfels hatte über ein Jahr zuvor
Ralf Stegner in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Rundschau - ohne
jede (willentliche) Ironie - apodiktisch und doch schrecklich falsch
190 Staats-Antifa

festgestellt: »Gewalt ist nicht links«.193 Nur wenige Tage nachdem Ham­
burg durch linke Gewalttäter in ein Krisengebiet verwandelt worden
war, in dem der Staat zeitweise jede Kontrolle und Wirkungsmöglich­
keit verloren hatte, ist das nur mit einer Wahrnehmungsstörung zu
erklären. Aber auch mit einem ganz erheblichen und tief greifenden
Bildungsdefizit: Die Geschichte der linken Weitsicht ist untrennbar
mit Gewalt verbunden.
In der SPD gibt es aber nicht nur Sympathisanten der Roten Hilfe,
wie Jungsozialist Kühnert. Der Berliner Abgeordnete Tom Schreiber
(SPD) erklärte gegenüber der Welt: »Es ist bekannt, dass die Rote Hilfe
Unterstützer und auch Mitglieder in den Reihen der SPD hat.«194
Mitglieder der SPD, die zugleich der Roten Hilfe angehören?! Das ist
doch genau der »linksradikale Teil der SPD«, über den man laut Hal­
denwang im Verfassungsschutzbericht hätte lesen können müssen.195
Doch dort findet sich nichts. Da müsste nach Haldenwangs Ankün­
digung zumindest die Pressestelle des Verfassungsschutzes folgende
Fragen beantworten können:

® Ist dem Bundesamt für Verfassungsschutz bekannt, dass Mitglieder der


SPD Unterstützer oder gar Mitglied der Roten Hilfe sind?
® War dies dem Bundesamt für Verfassungsschutz auch bereits vor der
Offenlegung des Herrn Schreiber bekannt?
® Um wie viele Personen, die Mitglied der SPD und Unterstützer/Mit-
glied der Roten Hilfe sind, handelt es sich?
® Werden Mitglieder der SPD - und wie viele - durch den Verfassungs­
schutz (auch unabhängig von obigen Zusammenhängen) beobachtet?
® Ganz allgemein: Ist die Unterstützung eines Bündnisses, bei dem auch
extremistische Gruppen mitwirken, verfassungsschutzrelevant?
® Ist die Unterstützung der Jusos für die Rote Hilfe verfassungsschutz­
relevant?
® Werden Mitglieder der Jusos - und in welcher Anzahl - durch das
Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet?

Doch plötzlich ist von der Transparenz des Verfassungsschutzes und


ihres Chefs sowie von dessen Bereitschaft zu konkreten Angaben nichts
mehr zu lesen. Vielmehr gibt die Pressestelle nun derartige Informa­
tionen als geheimhaltungsbedürftig aus und teilt auf obige Fragen mit:
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 191

Die Fragen 1-7 werden zusammen beantwortet.


Grundsätzlich wird nur in den für das BfV zuständigen Aufsichtsgre­
mien über nachrichtendienstliche Methoden und Arbeitsweisen berichtet.
Darüber hinaus ist eine Auskunft zu Einzelpersonen aus rechtlichen
Gründen nicht möglich.

Nach »Einzelpersonen« wurde jedoch nicht gefragt, sondern nach der


Anzahl von SPD-Mitgliedern, die zugleich der Roten Hilfe angehören
oder diese unterstützen. Dass eine solche Auskunft nicht möglich ist,
verblüfft. In der Pressekonferenz des Bundesamtes für Verfassungs­
schutz vom 12. März 2020 hatte die Behörde erklärt, dem »Flügel«
gehörten bundesweit (geschätzt) rund 1000 Mitglieder an. Beim Flü­
gel handelt es sich um einen losen Zusammenschluss in der AfD, der
durch die Partei jedoch nicht als Teilorganisation anerkannt wurde.
Mittlerweile bezeichnet sich der »Flügel« als aufgelöst.
Warum kann aber die geschätzte Anzahl der AfD-Mitglieder, die
den Flügel unterstützen, der Presse gegenüber angegeben werden,
während eine Auskunft an die Presse zu Mitgliedern der SPD, die zu­
gleich der Roten Hilfe angehören, angeblich rechtlich unmöglich ist?
Mindestens genauso gewichtig: Haldenwang nahm durch seine öf­
fentliche Aussage eine Reinwaschung der SPD vor. Er erklärte letztlich:
Wir würden über die SPD Informationen herausgeben, wenn an dem
Vorwurf etwas dran sein sollte. Damit hat aber das BfV die Debatte
in der Öffentlichkeit eröffnet, indem es - jedenfalls mittelbar - die
Zugehörigkeit von »Teilen der SPD« zu VS-relevanten Bezügen be­
streitet, ja allein schon die Idee, dies könnte auch nur möglich sein,
ins Lächerliche zieht. Spätestens mit dem Nichtabdruck einer entspre­
chenden Passage im VS-Bericht für das Jahr 2018 wird der SPD amtlich
bescheinigt, in ihren Reihen seien keine »radikalen Teile« zu finden.
Den Widerspruch zwischen Haldenwangs Persilschein und Tom
Schreibers (und auch Hans-Georg Maaßens) Aussage gilt es nun für
die Öffentlichkeit aufzuklären. Unter anderem (aber nicht nur) vor
dem Hintergrund der Solidaritätsadresse der Jusos gegenüber der Ro­
ten Hilfe und der darin enthaltenen Aufforderung an die »Mutterpar­
tei« SPD, das diskutierte Verbot der Roten Hilfe zu verhindern.
Auf ein Geheimhaltungsinteresse kann sich das BfV auch nicht
mehr berufen. Schließlich beantwortete Haldenwang die Frage des
192 Staats-Antifa

SPD-Abgeordneten Lischka in aller Öffentlichkeit. Zugleich lehnte er


in derselben Sitzung in mindestens einem anderen Fall Aussagen zu
einer Fragestellung ab und verwies auf die Öffentlichkeit der Sitzung,
die ihn an Ausführungen hindere. All diese in einer Nachfrage vorge­
brachten Argumente lassen jedoch die Pressestelle des BfV kalt. Man
habe seiner bisherigen Auskunft nichts hinzuzufügen. Denn es gelte,
teilt die Pressestelle am 19. Mai 2020 mit: »Zu Mitgliedern von Organi­
sationen und Parteien, die nicht im Verfassungsschutzbericht genannt
werden, gibt das BfV keine Auskünfte.«
Diese Behauptung ist jedoch unrichtig, ja schlicht falsch. Die Pres­
sestelle des Verfassungsschutzes gibt mit Freuden Auskunft: Wenn sie
belastende Aussagen zu den »richtigen« Organisation machen kann -
und die »richtigen« Medien anfragen. Beispiel: Dem Spiegel teilte die
Verfassungsschutzbehörde auf Anfrage (!) mit, sie beobachte nun das
»Institut für Staatspolitik« des Götz Kubitschek. Das berichtete das
Hamburger Blatt am 23. April 2020.196 Allerdings war das Institut - und
auch Kubitschek selbst - zuvor im Verfassungsschutzbericht überhaupt
nicht genannt worden. Die vermeintliche Voraussetzung für eine Pres­
seauskunft, nämlich die vorherige Nennung der Organisation im Be­
richt der Behörde, ist demnach gar keine. Diese offenkundige Falsch­
behauptung wird nur aufgestellt, wenn es gilt, etablierte Parteien und
deren Personal zu schützen. Verbindungen der Roten Hilfe zur SPD,
die ein SPD-Abgeordneter selbst einräumt, fallen ganz augenscheinlich
unter diese Form der inoffiziellen »Auskunftssperre«: der Verfassungs­
schutz als (Alt-)Parteienschutz.
Diese Form der »Informationspolitik« macht klar: Die Willkür die­
ser Behörde und ihr unbedingter Wille, die Richtung und den Verlauf
der Diskussion über tatsächliche und vermeintliche Extremisten zu
steuern, kennen keine Grenzen.

Bayerns »grüne« Antifa-Abgeordnete: Katharina Schulze


Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag ist sehr
umtriebig. An sich lobenswert. Doch Schulze und die bayerischen
Grünen in ihrer Gesamtheit - sogar der Bundesverband - gehen dabei
mehr als fragwürdige Koalitionen ein. So in dem Bündnis »#noPAG
Nein zum neuen Polizeiaufgabengesetz Bayern«. Diesem Bündnis, das
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 193

gemeinsame Erklärungen abgibt, sind nicht nur der Bundesverband


der Grünen, sondern auch der Landesverband Bayern, der Bezirks­
verband Bayern und der Stadtverband München beigetreten.197 Die
Jungen Liberalen, die Jugendorganisation der FDP, sind ebenfalls mit
von der Partie. An der Gründung dieses Bündnisses beteiligte sich
auch noch die Bayern-SPD, die am 20. April 2018 zur gemeinsamen
Pressekonferenz lud.198
In der Pressemitteilung der SPD wurde nicht nur das Mitwirken,
sondern auch die Zugehörigkeit zum Bündnis deutlich:

[...] mehr als 40 zivilgesellschaftliche Organisationen sowie die Parteien


SPD, Bündnis9o/die Grünen, FDP, die Linke, mut, ÖDP und Piratenpar­
tei sehen durch die Neufassung des Polizeiaufgabengesetzes (PAG) die
Freiheits- und Bürgerrechte der Menschen in Bayern bedroht. Die Orga­
nisatoren haben daher beschlossen, das Bündnis »noPAG - Nein! Zum
neuen Polizeiaufgabengesetz Bayern« zu gründen, in einem ersten Schritt
den Protest verstärkt in die Öffentlichkeit zu bringen und mit einer Groß­
demonstration am Donnerstag, den 10. Mai 2018, auf die Straße zu tragen.
Am Freitag, den 20. April, stellt das Bündnis bei einer gemeinsamen
Pressekonferenz die Beweggründe und rechtlichen Hintergründe, die teil­
nehmenden Organisationen und das weitere Vorgehen vor.199

Und weiter:

Für Interviews stehen nach der PK u. a. zur Verfügung:


♦ Natascha Köhnen, Landesvorsitzende, Bayern-SPD
♦ Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende, B9o/Grüne
♦ Ates Gürpinar, Landessprecher, Die Linke
♦ Claudia Stamm, Vorsitzende, mut

Wer aber waren die anderen etwa 40 »zivilgesellschaftliche Organisa­


tionen«? Die komplette Liste würde sicher den Rahmen sprengen, wir
wollen uns daher nur auf jene konzentrieren, die vom Verfassungs­
schutz beobachtet werden:

♦ Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD (AB)


♦ Antifa-NT
194 Staats-Antifa

♦ Antikapitalistische Linke München (AL-M)


♦ Deutsche Kommunistische Partei (DKP)
♦ Freie Deutsche Jugend (FDJ)
♦ Interventionistische Linke (IL)
♦ Linksjugend [solid] Bayern
♦ Marxistische Jugend München (MJ)
♦ Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD)
♦ MLPD-Jugendorganisation Rebell
♦ Münchner Bündnis gegen Krieg und Rassismus
♦ Rote Hilfe Ortsgruppe München
♦ Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ)
♦ Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Anti­
faschistinnen und Antifaschisten Landesvereinigung Bayern e.V.
(VVN-BdA)

Eine ansehnliche Anzahl von Extremisten, mit denen sich SPD und
Grüne hier zusammengetan haben. Vom 11. April 2018 bis zum August
2019 gibt man auf der Website des Bündnisses beständig gemeinsame
Presseerklärungen heraus. Zudem wird in einem Fragen-und-Antwor­
ten-Katalog die gemeinsame Sichtweise des Bündnisses zu verschiede­
nen Aspekten des neuen Polizeiaufgabengesetzes dargelegt.200
Der Bayerische Verfassungsschutz hält zwar fest, wer sich an diesen
Protesten beteiligt, schweigt sich aber zu Verbindungen mit etablierten
Parteien gänzlich aus.

Proteste gegen das neue Polizeiaufgabengesetz (PAG)


Linksextremisten beteiligten sich intensiv an Kundgebungen gegen die
Novellierung des bayerischen Polizeiaufgabengesetzes (PAG). Dem am
20. April in München gegründeten noPAG-Bündnis traten - neben vielen
Gruppierungen des bürgerlichen Spektrums - auch die folgenden links­
extremistischen Organisationen bei:
Weitere Mitglieder des Bündnisses sind die PKK-nahen Vereinigun­
gen Ciwanen Azad - Kurdische Jugend München und Kurdisches Gesell­
schaftszentrum München.
An einer noPAG-Großdemonstration am 10. Mai in München mit bis
zu 30 000 Teilnehmern beteiligten sich auch Personen des linksextremis­
tischen autonomen Spektrums Nürnberg sowie einzelne Autonome aus
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 195

Österreich. Ein Teil der Autonomen bildete einen »Schwarzen Block« mit
200 bis 300 Personen. Aus dem Block wurden vereinzelt Böller und andere
Pyrotechnik geworfen. Einige Teilnehmer führten sogenannte »Knüppel­
fahnen« mit sich. An der Kundgebung nahmen auch mehrere hundert
nicht dem autonomen Spektrum zuzurechnende Linksextremisten un­
terschiedlicher Gruppen teil. Vereinzelt wurden verbotene Fahnen mit
PKK-Bezug und Embleme der verbotenen »Freien Deutschen Jugend«
(FDJ) gezeigt.

Das Landesamt für Verfassungsschutz Bayern sieht hier aber keinen


Anlass zur Beunruhigung, was Grüne, SPD und Junge Liberale in dem
Bündnis betrifft. Denn gemäß dem inoffiziellen Verfahren, etablierte
Parteien in der eigenen Wahrnehmung gegenüber Extremisten zu im­
munisieren, während im Hinblick auf die AfD von Verdachtsfall zu
Verdachtsfall ganze Infektionsketten aufgebaut werden, bleibt man sich
treu und antwortet auf die Verbindungen von Linksextremisten zu
etablierten Parteien - und deren Führungspersonal:

Von Linksextremisten bediente Themenfelder haben oftmals eine hohe


Anschlussfähigkeit an das nichtextremistische Spektrum. So stehen be­
kannte Aktionsfelder von Linksextremisten wie z. B. Antifaschismus, Anti­
rassismus, Antimilitarismus, Antigentrifizierung wie viele andere Themen
auch, z. B. Klimaschutz, gleichzeitig im Fokus demokratischer Akteure
und Initiativen. Aufgrund der gemeinsamen Themen kommt es dadurch
oftmals sowohl zu Überschneidungen bei der Mobilisierung für Veranstal­
tungen als auch in der Folge zur Teilnahme von Linksextremisten an de­
mokratisch organisierten Protesten und Veranstaltungen und umgekehrt.
Das Bündnis Aufstehen gegen Rassismus ist in seiner Gesamtheit kein BO
[Beobachtungsobjekt, Anm. d. Autors] des BayLfV.

Warum kommt es aus Sicht der Verfassungsschutzbehörden nicht auch


dann zu »Überschneidungen bei Veranstaltungen« zwischen Extre­
misten und »demokratischen Akteuren und Initiativen«, wenn es um
Proteste zu »Themenfeldern« wie Migration, Corona-Maßnahmen
und Euro-Rettung geht?
Wurde im Gutachten zur AfD betont, »gemeinsame Erklärungen«
von Parteien mit extremistischen Organisationen seien ganz beson-
196 Staats-Antifa

ders dazu angetan, die beteiligte Partei selbst zu beurteilen, erfolgte


im Fall der Bündnisbeteiligung etablierter Parteien und ihrer Ju­
gendorganisationen seitens des Verfassungsschutzes keine Reaktion.
Keine Pressekonferenz durch den Verfassungsschutz mit dem Hin­
weis auf Bündnisse, keine Nennung von SPD und/oder Grünen im
Verfassungsschutzbericht. Anders als bei Petr Bystron (s.o.) wird auf
Nachfrage keine Erklärung zur Beobachtung, kein Verdacht der Öf­
fentlichkeit mitgeteilt. Und dies, obwohl im Falle etlicher Beteiligter
am Bündnis »noPAG« kein Verdacht und auch keine Verdachtskette
konstruiert werden muss. Vielmehr wird hier in Pressekonferenzen,
Aufrufen und auf gemeinsamen Websites die Verbindung zu zahlrei­
chen Organisationen offen erklärt, die der VS als nachgewiesen extre­
mistisch betrachtet.
Wurde Bystron für seine Sympathiebekundung gegenüber einer
damals noch lediglich im »Verdacht« des Extremismus stehenden
Gruppierung unter Beobachtung genommen, folgte auf die Solidari­
tätsäußerung der Jusos gegenüber der als erwiesen extremistisch ein­
geordneten Roten Hilfe nichts. »Weder die Jungsozialisten noch ihr
Bundesvorsitzender Herr Kühnert unterliegen dem gesetzlichen Beob­
achtungsauftrag des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz«,
teilte die Behörde kurz und knapp auf Anfrage mit.*

Das Bündnis »Aufstehen gegen Rassismus«


Über das Bündnis »Aufstehen gegen Rassismus«, das sich dezidiert
und explizit gegen die AfD richtet, haben wir bereits in dem Buch

* Ein Argument in der Hinsicht, dass die Jusos die Unterstützung der Roten
Hilfe auf einem Bundesparteitag beschlossen haben und deshalb das Landes­
amt Bayern nicht zuständig wäre, wäre im Übrigen schlicht falsch. Das LfV
Bayern beobachtet den WN-BdA ausdrücklich auf Grundlage der Äußerungen
des Bundesvorsitzenden dieses Verbandes. Dieses Vorgehen wurde durch das
Verwaltungsgericht München (Az.: M 22 K 11.2221) und das oberste Bayerische
Verwaltungsgericht, den Verwaltungsgerichtshof Bayern (Az.: 10 ZB 15.795), als
rechtmäßig bestätigt. Eine Beschränkung der Zuständigkeit auf das eigene Bun­
desland gibt es nicht und war auch in der Vergangenheit nicht gegeben, wie auch
das Urteil des BVerfG (Az.: 1 BvR 1072/01) zur - unzulässigen - Beobachtung der
Jungen Freiheit feststellte.
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 197

Der Links-Staat berichtet. Ein Bündnis zur Bekämpfung einer Partei


wäre selbstverständlich zunächst völlig in Ordnung. Jedoch tun sich
hier etablierte Parteien mit Extremisten zusammen. Neue Recherchen
zeigen: Die Vereinigung, die etliche Antifa-Vereine und eine große
Zahl von zum Teil führenden Politikern als Mitstreiter und Bündnis­
angehörige hat, ist - in viel stärkerem Maße als im Links-Staat berich­
tet - ein gemeinsames Projekt der extremen Linken und etablierter
Parteien. Nicht weniger brisant: Mitstreiter des Bündnisses erhalten
staatliche Zuschüsse, teils genehmigt von Behörden, über die Politiker
der Parteien die Aufsicht führen oder ihnen vorstehen, die mit diesen
Bündnissen gemeinsam durch die Straßen und über die Plätze dieser
Republik marschieren.
Die Grüne Jugend beteiligt sich gleichfalls an dem im Jahr 2016
entstandenen Bündnis, etwa durch die Unterzeichnung des gemeinsa­
men Aufrufs der beiden damaligen »Sprecher«, wie die Vorsitzenden
bei der Grünen Jugend genannt werden, Jamila Schäfer und Moritz
Heuberger, sowie der damals ebenfalls dem Bundesvorstand angehö­
renden Ricarda Lang.
Die Grüne Jugend war sogar auf mehreren Ebenen vertreten. Dazu
muss man aber zunächst verstehen, dass das Bündnis »Aufstehen ge­
gen Rassismus« (AgR) zum Teil wieder aus anderen Bündnissen oder
deren Sprechern besteht. Zu den Erstunterzeichnern des AgR gehören
folgende Bündnisse beziehungsweise deren Sprecher:

♦ Clemens Wagner (Sprecher Bündnis »Halle gegen Rechts«)


♦ Bruno Watara (Bündnis gegen Lager)
♦ Claus Schreer (Münchner Bündnis gegen Krieg und Rassismus)
♦ Bündnis gegen Rechts Braunschweig
♦ Berliner Bündnis gegen Rechts

Das »Münchner Bündnis gegen Krieg und Rassismus« wird in Bayern


durch den Verfassungsschutz beobachtet. Das Bündnis »Halle gegen
Rechts« hat ebenfalls seine Verbindungen ins linksextreme Lager, wie
im Unterkapitel »Bildungswochen gegen Rassismus« (S. 211) beleuchtet
wird.
Besonders interessant ist das »Berliner Bündnis gegen Rechts«, dem
die Grüne Jugend Berlin, aber auch die Jusos Berlin angehören. Auch
198 Staats-Antifa

sonst tauchen in diesem »Berliner Bündnis« Akteure auf, die zugleich


in dem Bündnis »Aufstehen gegen Rassismus« (AgR) agieren. Bei die­
sen vermeintlichen breiten Bündnissen tritt man sich folglich teilweise
selbst bei. Nehmen wir zum Beispiel »TOP B3RLIN«, eine Gruppie­
rung, die dem »Berliner Bündnis gegen Rechts« angehört und somit
schon von Haus aus Teil des Bündnisses »AgR« ist, aber dann - wohl
sicherheitshalber - noch einmal gesondert dem AgR-Bündnis beitritt.
Verwirrend? Das soll wohl so sein, wenn man doch immer nur
mit sich selbst beziehungsweise den immer gleichen Gruppierungen
ein breites Bündnis darstellen will, das so groß und breit dann doch
nicht ist. Dafür stimmte jedoch die Tiefe - und zwar in Bezug auf
Verstrickungen ins linksextreme Lager. Denn mit »TOP B3RLIN«,
das durch den Verfassungsschutz beobachtet wird, und zugleich dem
ebenfalls beobachteten kommunistischen - man ahnt es - »Bündnis«
(was sonst?)».. .ums Ganze!« angehört, kämpfen an der Seite von SPD,
Grünen und der Linken noch mehr amtlich beglaubigte Verfassungs­
feinde und deren Vereinigungen.
So die »Interventionistische Linke«, deren Ortsgruppe in Berlin
dem »Berliner Bündnis gegen Rechts« angehört und deren bundes­
weite Organisation dem AgR beigetreten ist.
Das »Berliner Bündnis gegen Rechts« ist auch sonst ein sehr in­
teressanter Partner des AgR. Betrachtet man die Mitgliedergruppie­
rungen, ergeben sich interessante Konstellationen. Ein Auszug aus der
Mitgliederliste:

♦ Antirassistische Initiative Berlin (ARI)


♦ Antifaschistisches Kollektiv Marzahn-Hellersdorf (AKMH)
♦ Antifaschistischer Kulturaufbau (AKA Vosifa)
♦ Autonome Antifa Berlin (A2B)
♦ Berlin Outback Antifa (BOBA)
♦ Bündnis Neukölln - Miteinander für Demokratie, Respekt und
Vielfalt
♦ Chili TK - Antifaschistische Jugendgruppe aus Treptow-Köpe­
nick
♦ DIDF Berlin - Verein der Arbeiterinnen und Jugendlichen e.V.
♦ DKP Berlin
♦ Emanzipative & antifaschistische Gruppe Pankow (EAG)
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 199

♦ Grüne Jugend Berlin


♦ Interventionistische Linke (IL) Berlin
♦ Jusos Berlin
♦ LAG Antifa (Die Linke Berlin)
♦ Linksjugend [solid] Berlin
♦ ReachOut - Opferberatung und Bildung gegen Rechtsextremis­
mus, Rassismus und Antisemitismus
♦ Die Linke.SDS Berlin
♦ TOP B3RLIN - Theorie, Organisation, Praxis
♦ Ver.di Berlin, AG Rechtsextremismus
♦ Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifa­
schistinnen und Antifaschisten (VVN/BdA)
♦ YXK - Verband der Studierenden aus Kurdistan

Da wäre etwa »ReachOut«. Die Beratungseinrichtung, die sich hier


mit der vom Verfassungsschutz beobachteten »Interventionistischen
Linken« zusammentut, erhält Geld vom Berliner Senat. »ReachOut«
gehört dem Verein ARIBA an. Im Jahr 2016, als sich das Bündnis »Auf­
stehen gegen Rassismus« gründete, schüttete die Senatsverwaltung für
Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung 497.110 Euro allein
an »ReachOut« aus. Bis zum Jahr 2018 stieg die Summe auf 542.156
Euro an. Die daraus erwachsenden Möglichkeiten kommen nicht nur
den ausgewiesenen Extremisten innerhalb des Berliner Bündnisses
zugute, sondern auch dem AgR. Denn an diesem ist das finanziell gut
gepolsterte »ReachOut« über »Berlin gegen Rechts« beteiligt.
Aber ein weiterer Bündnispartner bekam Steuergelder: das »Bünd­
nis Neukölln«. Weil aber auch in diesem Bündnis erneut die »Inter­
ventionistische Linke« (IL) Mitglied ist, wurde 2017 eine geplante
Auszeichnung samt Preisgeld für den Neuköllner Zusammenschluss
gestoppt. »Aktiv für Demokratie und Toleranz« heißt der von Bundes-
innen- und -Justizministerium finanzierte Wettbewerb. Den hatte nach
Ansicht des die Preise vergebenden Beirats das Neuköllner Bündnis
gewonnen, das folglich einen der »Demokratiepreise« erhalten sollte.
Doch das Bundesinnenministerium teilte den Beiratsmitgliedern, wie
der damaligen Staatssekretärin Aydan Özoguz (SPD), mit, die Aus­
zahlung des Preisgeldes werde wegen »verfassungsschutzrechtlicher
Bedenken« gestoppt.
200 Staats-Antifa

Das war nicht die einzige schlechte Nachricht für das Bündnis. Falko
Lieke (CDU), Stadtrat für Jugend und Gesundheit in Neukölln, befand
2018, dem Bündnis könne kein Geld aus dem Programm »Partner­
schaften für Demokratie« ausgezahlt werden. Erneut war der Grund
die IL. Erst wenn sich das Bündnis von den Linksextremisten distan­
ziere, sei an eine Auszahlung zu denken. Die Neuköllner Kämpfer woll­
ten zwar mit dem Geld ein Festival ausrichten, waren aber dennoch
nicht bereit, auf die Genossen von der IL als Bündnispartner zu ver­
zichten. Das Geld blieb in der Staatskasse.
Das war aber nicht weiter schlimm für das linke Bündnis: Denn nun
kam öffentliches Geld über die Berliner Landeszentrale für politische
Bildung, die dem Bildungssenator untersteht.
Lieke hatte sich jedoch mit der Aktion den Zorn der lokalen SPD
zugezogen. Die damalige Bezirksbürgermeisterin wollte das Bundes­
familienministerium befragen, ob eine solche »Gesinnungsprüfung«
überhaupt zulässig sei. Die Dame ist bei der SPD, führt heute selbst
das Familienministerium und heißt Franziska Giffey. Die Politikerin
mit zweifelhaftem Doktortitel, den sie trotz absichtlicher Plagiate be­
halten durfte, vergibt nun selbst das Geld im Kampf gegen Rechts.201
150 Millionen Euro wird das Budget des Programms »Demokratie le­
ben!« im Jahr 2021 umfassen und im Jahr 2022 auf satte 200 Millionen
ansteigen. Im Jahr 2020 sind es »lediglich« 115 Millionen Euro.202 Bis
auf ihre Doktorarbeit macht Giffey keine halben Sachen, weshalb sie
ein »Demokratiefördergesetz« fordert. Wir erinnern uns: Das Gesetz
soll laut Renate Künast die dauerhafte und verlässliche Finanzierung
u. a. von Antifa-Gruppen sicherstellen.
Als das Bündnis »Aufstehen gegen Rassismus« im Jahr 2016 zusam­
menfand, war allerdings eine andere SPD-Genossin Bundesfamilien­
ministerin mit dem großen Budget im Kampf gegen Rechts: Manuela
Schwesig. Diese findet sich denn auch in der Unterstützerliste des
Bündnisses (s.u.).
Die letzte oben aufgeführte Gruppierung des »Berliner Bündnisses
gegen Rechts« hat durchaus ebenfalls schon behördliche Aufmerksam­
keit auf sich gezogen. Bezüglich des YXK, des »Verbands der Studie­
renden aus Kurdistan«, hält der Verfassungsschutzbericht des Bundes
für das Jahr 2018 die Nähe dieses Verbandes zur Terrororganisation
PKK fest und führt aus (Hervorhebung durch den Autor):
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 201

Die PKK versucht, ihre Politik mithilfe sogenannter Massenorganisatio­


nen zu popularisieren, in denen sie ihre Anhänger nach sozialen Krite­
rien oder nach Berufs- und Interessengruppen organisiert. Besonders
hervorzuheben sind die Jugendorganisation »Komalen Ciwan«/»Tevgera
Ciwanen §ore$ger«, die »Kurdische Frauenbewegung in Europa« (AKKH/
TJK-E) sowie die Studentenorganisation »Verband der Studierenden aus
Kurdistan« (YXK).

Zurück zum Bündnis »Aufstehen gegen Rassismus«, dem die beschrie­


benen Bündnisse wiederum angehören, aber nicht nur die. Einzelne
»Schmuckstücke« der Erstunterzeichner hier:

♦ marxistische linke e.V.


♦ TOP B3RLIN organisiert in Ums Ganze!
♦ VVN-BdA
♦ Institut Solidarische Moderne (Vorstand)
♦ Interventionistische Linke
♦ DKP Niedersachsen
♦ Antifa Herzogtum Lauenburg
♦ Antifa Oberhausen

Führende Politiker der SPD und ein Teil des Führungspersonals der
Grünen traten AgR ebenfalls bei, darunter die seinerzeitige Bundes­
vorsitzende Simone Peter, Cem Özdemir und etliche mehr:203

♦ SPD Berlin
♦ Die Linke
♦ Dr. Katarina Barley (Generalsekretärin der SPD)
♦ Dr. Dietmar Bartsch (MdB, Vorsitzender der Linksfraktion im
Bundestag)
♦ Christine Buchholz (MdB Die Linke)
♦ Kai Gehring (MdB Bündnis 90/Die Grünen)
♦ Katrin Göring-Eckardt (Vorsitzende der Bundestagsfraktion
Bündnis 90/Die Grünen)
♦ Uli Grötsch (MdB SPD)
♦ Toni Hofreiter (Vorsitzender der Bundestagsfraktion Bündnis
90/Die Grünen)
202 Staats-Antifa

♦ Dr. Eva Högl (Stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestags­


fraktion)
♦ Juso-Bundesvorstand
♦ Katja Kipping (Parteivorsitzende Die Linke)
♦ Kerstin Köditz (MdL Die Linke Sachsen)
♦ Jutta Krellmann (Die Linke MdB)
♦ Dr. Matthias Miersch (Sprecher Parlamentarische Linke in der
SPD-Bundestagsfraktion)
♦ Cem Özdemir (Bundesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen)
♦ Petra Pau (MdB Die Linke)
♦ Simone Peter (Bundesvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen)
♦ Martina Renner (MdB Die Linke)
♦ Bernd Riexinger (Parteivorsitzender Die Linke)
♦ Dr. Ernst Dieter Rossmann (MdB SPD)
♦ Manuela Schwesig (Stellvertretende Parteivorsitzende der SPD)
♦ Dr. Ralf Stegner (Stellvertretender Parteivorsitzender der SPD)
♦ Johanna Uekermann (Juso-Bundesvorsitzende)

Mit der Unterzeichnung geben diese Politiker aber zusammen mit er­
wiesen extremistischen Organisationen wie der »Interventionistischen
Linken« eine gemeinsame Erklärung ab. Laut Gutachten des Bundes­
amtes für Verfassungsschutz zur AfD ein Sachverhalt von »erheblicher
Bedeutung«.
Dies ist - neben dem Zusammenschluss von »#noPAG« - sogar
schon das zweite Bündnis, bei dem führende Politiker von SPD und
Grünen mit Extremisten Zusammenwirken. Was sagen die Experten,
was sagt das BfV dazu? Wir haben nachgefragt. Die Antwort:

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) sammelt im Rahmen seines


gesetzlichen Auftrags gern. § 3 Abs. 1 BVerfSchG Informationen und wertet
diese aus. Durch eine Stellungnahme zum Beobachtungsstatus einer Orga­
nisation bzw. einer Einzelperson außerhalb der Verfassungsschutzberichte
könnten Rückschlüsse auf den Aufklärungsbedarf, den Erkenntnisstand
sowie die generelle Arbeitsweise des BfV gezogen werden. Dies würde die
Funktionsfähigkeit des BfV nachhaltig beeinträchtigen.
Nach sorgfältiger Abwägung des presserechtlichen Auskunftsanspruchs
mit den Folgen einer Beantwortung für die künftige Arbeitsfähigkeit und
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 203

Aufgabenerfüllung des BfV ergibt sich, dass eine Beantwortung hinsicht­


lich einer etwaigen Beobachtung der Bündnisse »#noPAG« und »Aufste­
hen gegen Rassismus« sowie den ihnen jeweils zugehörigen Organisatio­
nen bzw. Einzelpersonen durch das BfV nicht erfolgen kann.
Es wird darauf hingewiesen, dass aus dieser Beantwortung keine Rück­
schlüsse auf eine Beobachtung der angefragten Organisationen bzw. Ein­
zelpersonen getroffen werden können. Die vorgenommene Abwägung gilt
sowohl für den Fall einer ansonsten zu erteilenden positiven wie negativen
Auskunft.

Das ist schon erstaunlich, berichtet der Verfassungsschutz doch selbst,


die »Interventionistische Linke« (IL) dränge in solche Bündnisse
hinein:

Die IL bemüht sich in Bündnissen und Initiativen um eine kampagnenori-


entierte Zusammenführung linksextremistischer Akteure unterschiedli­
cher ideologischer Prägung zugunsten einer erhöhten Handlungsfähigkeit
sowohl in Deutschland als auch in internationalen Kampagnen und Netz­
werken. Die IL fungiert dabei als Scharnier zwischen militanten Gruppie­
rungen und nicht gewaltorientierten Linksextremisten beziehungsweise
nicht extremistischen Gruppen und Initiativen. Die Einstellung zur Ge­
walt ist taktisch geprägt; sie wird nicht grundsätzlich abgelehnt. Da die
IL auf die Überwindung des »Kapitalismus« mittels eines revolutionä­
ren Umsturzes zielt, bildet der »Antikapitalismus« einen ideologischen
Schwerpunkt.204

In diesem Verfassungsschutzbericht erklärt Innenminister Horst See­


hofer (CSU) das BfV zum »Frühwarnsystem«. Wäre da nicht zu er­
warten, dass die Behörde darauf aufmerksam macht, wenn die IL ihre
Bündnispolitik mit führenden Politikern umsetzt und als »Scharnier«
zwischen »militanten Gruppierungen« und »nichtextremistischen Ini­
tiativen« fungiert? Warum informiert die Behörde Bürger, die zwar
gegen die AfD Stellung beziehen wollen, aber nicht zusammen mit
Linksextremisten, nicht über die Hintergründe dieser Bündnisse? Das
ist schon deshalb erstaunlich, da gerade bei den sogenannten Corona-
Protesten Thomas Haldenwang Innenminister fast jeder Coleur vor
den teilnehmenden Rechtsextremisten warnten.
204 Staats-Antifa

Im Falle von »Aufstehen gegen Rassismus« haben Politiker auch


nicht etwa einfach einen Aufruf unterschrieben. Das AgR wurde durch
die Parteien und vor allem durch die Jugendorganisationen vorberei­
tet. So bildeten die Jusos und die Grüne Jugend zusammen mit der
IL und der in Bayern beobachteten VVN-BdA gar den »organisato­
rischen Kern« der Kampagne. Zumindest Letzteres geht aus einem
Dringlichkeitsantrag beziehungsweise Beschluss unter der Überschrift
»Aufstehen gegen Rassismus« auf dem Landesparteitag der Linken in
Sachsen-Anhalt vom 23. April 2016 hervor. Dort heißt es:

DIE LINKE, Solid, SDS, Jusos, Falken, Grüne Jugend, Interventionistische


Linke, Naturfreunde, Gewerkschaftsjugenden und der VVN-BdA bildeten
den organisatorischen Kern der Kampagne.205

Auch sonst wird einiges über die Koordinierung mit linksextremen


Organisationen in dem Antrag und später auch im Beschluss berichtet
(Hervorhebungen durch den Autor):

Auf einer zeitgleich zu unserem Parteitag stattfindenden Aktionskonfe­


renz in Frankfurt am Main sollen gemeinsame Aktivitäten und Aufklä­
rungskampagnen gegen die AfD geplant und koordiniert werden. Auch
einige Aktivistinnen und Genossinnen aus Sachsen-Anhalt nehmen der­
zeit an der Aktionskonferenz in Frankfurt am Main teil. Ziel ist es, eine
bundesweite Aufklärungskampagne gegen Rassismus und die AfD vorzu­
bereiten, die mit lokalen Aktionen verknüpft werden soll. Auch Vorschläge
wie eine mögliche bundesweite Mobilisierung gegen den Bundesparteitag
der AfD oder größere Kulturevents (Konzerte etc.) sollen bei der Kon­
ferenz diskutiert werden. Wir als LINKE Sachsen-Anhalt werden diese
Bemühungen unterstützen.

Zu den Aufgaben des organisatorischen Kerns gehörte augenscheinlich


auch der Internetauftritt. Die Jusos waren Domaininhaber des Inter­
netportals des Bündnisses »Aufstehen gegen Rassismus«? Im Impres­
sum steht die in Bayern beobachtete WN-BdA.

* Wer zurzeit Domaininhaber ist - ob immer noch die Jusos oder eine andere Or-
ganisation/Person -, ist durch eine einfache Internetabfrage nicht mehr zu klären.
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 205

Dass SPD und Grüne als Parteien ebenfalls von Anfang an einge­
bunden waren, kann man in der ak, der linksextremen Wochenzeitung
für analyse & kritik, nachlesen. Dort diskutierten in einer ganzen Serie
von Artikeln diverse Autoren oder Autorengruppen wie etwa Antifa-
NT aus München, die Entwicklung von Bündnissen zwischen etablier­
ten Parteien und der Radikalen Linken. Wobei man unter »radikal« in
diesem Zusammenhang »linksextrem« verstehen muss.
Julia Meier, laut Beschreibung der Zeitschrift ak bei der Partei Die
Linke und dem linksextremen marxn aktiv, aber auch im AgR enga­
giert, schreibt in Heft 617: »An Aufstehen gegen Rassismus beteiligen
sich LINKE, SPD und Grüne, Gewerkschaften und Akteure der Radi­
kalen Linken.« Das Bündnis sei notwendig, um der Faschismusgefahr
zu begegnen.

Die Jugend der Grünen und Linken


und ihre extremistischen Verbindungen

Zahlreich sind die Gruppierungen, Demonstrationen, Bündnisse etc.


in denen die Jugendorganisationen diverser etablierter Parteien mit­
wirken. Unter anderem war dies auch bei dem »Bündnis #unheimlich-
sicher« der Fall. Diese wurde ins Leben gerufen, um am 24. November
2018 gegen die in Magdeburg stattfindende Innenministerkonferenz
(IMK) zu demonstrieren. Die nur noch über ein Internetarchiv zu­
gängliche - aber bereits auch vorher schon gesicherte - Liste ist äußerst
vielsagend:

Unterstützerinnen:
♦ Aktive Kreative Linke [Hannover]
♦ Antifa Kiez 145
♦ Antifa Nordost - North East Antifascists [NEA]
♦ Antifa Riot
♦ Antifaschistische Jugend 76
♦ Antifaschistische Koordination Lübeck
♦ Antikapitalistische Linke (AKL)
♦ Antirassistisches Netzwerk Sachsen-Anhalt
♦ Autonome Antifa Berlin Spandau
♦ Berliner Bündnis gegen die neuen Polizeigesetze
206 Staats-Antifa

♦ Black Mosquito
♦ Der Funke - Marxistische Linke
♦ Der Funke - Marxistische Strömung in der Juso und Gewerk­
schaften
♦ Der Ziegelbrenner
♦ DGB-Jugend Magdeburg
♦ Ende Gelände
♦ Ende Gelände - Magdeburg
♦ FAU Dresden
♦ FAU Jena
♦ Freak Out Connection (FOC)
♦ Freie Arbeiterinnen Union Magdeburg
♦ Freiheitsfoo
♦ Feministisches Kollektiv Magdeburg
♦ GRÜNE JUGEND (Bundesverband)
♦ Hände weg vom Wedding
♦ Hambacher Forst Besetzung
♦ Havannaä - Kneipenkollektiv Marburg
♦ Infoladen Blackbook Lübeck
♦ Infoladen [Salbke] - Kollektiv
♦ Initiative in Gedenken an Oury Jalloh
♦ Initiative Keupstraße ist überall
♦ Internationalistisches Bündnis
♦ Jugendverband REBELL
♦ Kochupy
♦ LabourNet Germany
♦ LE MONDE EST EN FLAMMES
♦ Libertäres Zentrum Magdeburg e.V.
♦ Linksjugend[\’solid] Bundesverband
♦ Linksjugend [\ solid] Harz
♦ Linksjugend [\solid] Magdeburg
♦ MLPD Magdeburg
♦ MLPD (Bundesverband)
♦ Piratenpartei Niedersachsen
♦ PoC Hochschulgruppe Magdeburg
♦ Prof. Dr.-Ing. Michael Rost (HS Magdeburg-Stendal)
♦ Proletarische Autonomie Magdeburg / Finsterwalde
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 207

♦ Prolos Nürnberg
♦ Queere 1. FC Magdeburg Fans
♦ Rage & Love
♦ Rasmus Otto
♦ Refpolk
♦ Rostock Hart Backboard
♦ Rote Hilfe e.V.
♦ RAF Berlin - Roter Aufbau Friedrichshain
♦ Regina - Ravende Europäer gegen Intoleranz und Nationalismus
♦ Solidaritätsbündnis Kurdistan-Magdeburg
♦ Solidaritätsnetzwerk Berlin
♦ Studierendenrat der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
♦ Sylvia Gabelmann, Mitglied des Bundestags (Die Linke)
♦ Tierrechtsgruppe Veganimal Magdeburg

Organisierende Gruppen und Initiativen:


♦ Arbeitskreis Antirassismus Magdeburg
♦ Borderiess Solidarity
♦ Gruppe Gegenkontrolle
♦ Jugend Offensive
♦ Offene Linke Liste Magdeburg
♦ Rote Hilfe, Ortsgruppe Magdeburg
♦ Zusammen Kämpfen

Nicht weniger vielsagend ist der Text des Verfassungsschutzberichtes


zu der Demonstration. Kunstvoll umschifft er das Problem, die Partei­
jugend von Linken und Grünen zu nennen. Der Text ist somit unter
dem Aspekt interessant, welche Kunstkniffe der VS unternimmt, der
einer Regierung dient, die sich auf eine Koalition aus SPD, CDU und
Grünen stützt. Daher wird hier der gesamte Text dieser politischen
Schonung abgedruckt. Auch weil von Interesse ist, mit wem und unter
welchen Umständen sich linke und grüne Jugend, aber auch Gewerk­
schaften mit Extremisten verbinden können, ohne dass dies für sie
Konsequenzen hat.
Der von dem Volkstod-Fan Sebastian Striegel (Bündnis 90/Die Grü­
nen) beaufsichtigte Inlandsgeheimdienst schreibt über das Bündnis
und sein Auftreten:
208 Staats-Antifa

Proteste gegen die 209. Sitzung der Innenministerkonferenz


Vom 28. bis 30. November fand in Magdeburg die 209. Sitzung der IMK
statt. Gerade für die autonome Szene der Landeshauptstadt stellte die
Konferenz einen Anlass für vielfältige Protestaktionen dar, zu denen sie
umfangreich mobilisierte. Insbesondere das so genannte »Unheimlich Si­
chel-Bündnis rief zu verschiedenen Protestaktionen auf. Vom 12. bis 16.
November gab es eine »Aktionswoche« mit mehreren kleineren Veranstal­
tungen und am 24. November fand in Magdeburg eine Demonstration mit
etwa 1.100 Teilnehmern statt.
Dem »Unheimlich sicher«-Bündnis gehörten sieben »organisierende
Gruppen und Initiativen« an, darunter die Magdeburger Ortsgruppe der
RH [Rote Hilfe, Anm. d. Autors] und die gewaltorientierte Gruppierung
ZK [Zusammen Kämpfen], Daneben gab es eine Vielzahl unterstützen­
der Gruppierungen und Einzelpersonen, unter denen ebenfalls Linksex­
tremisten waren, wie zum Beispiel die PAM [Proletarische Autonomie
Magdeburg].
Regional und überregional, unter anderem in Berlin und Hamburg,
fanden vielfach Vernetzungs- und Mobilisierungsveranstaltungen statt.
Die dort erörterten Themen »Kampf der kurdischen Bewegung«, »Re­
pression gegen Fußballfans«, »Ausbau polizeilicher Befugnisse« zeigten,
welche Personengruppen angesprochen werden sollten.
Am 24. November bewegte sich der Demonstrationszug in sieben
einzelnen Blöcken durch die Innenstadt von Magdeburg. Ein Block war
der »Klassenkampf-Block«, zu dem im Vorfeld unter dem Motto »Wider­
stand - Aufstand - Klassenkampf - IMK abschaffen« mobilisiert worden
war. Es sei »unabdingbar, die kämpfenden Kräfte auf der Straße zu ver­
einen und eine grundlegende Systemfrage in den Widerstand gegen die
IMK zu tragen«.
Weiter hieß es: »Nur als eine vereint organisiert kämpfende Klasse wird
dieses System von kapitalistischer Ausbeutung und Unterdrückung en­
den.« Daher wolle man »den Aufstandsgedanken gegen das kapitalistische
System in den Protest gegen die IMK« tragen und fordert: »IMK abschaf­
fen!«. Unterzeichner des Aufrufs waren die Gruppierungen ZK und RAB
[Roter Aufbau Burg],
Ein weiterer Block war der »Internationalistische Block«, der vom »So­
lidaritätsbündnis Kurdistan-Magdeburg« organisiert wurde. Dazu hieß
es »Reiht euch ein und zeigt, dass wir staatlicher Repression, nationalis-
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 209

tischer Spaltung und alltäglicher Ausbeutung unseren Widerstand ent­


gegensetzen werden.«
Die l.ioo Demonstrationsteilnehmer waren mehrheitlich der linksex­
tremistischen Szene zuzurechnen. Im Verlauf des Aufzuges kam es ver­
einzelt zu veranstaltungstypischen Straftaten. Strafanzeigen gab es unter
anderem wegen schweren Landfriedensbruchs, Sachbeschädigung und
Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Es liegen Erkenntnisse vor, dass
neben regionalen Strukturen auch linksextremistische Gruppierungen
aus Berlin, Hamburg, Leipzig (Sachsen), Frankfurt am Main (Hessen),
Bremen und Hannover (Niedersachsen) teilgenommen haben. Die Ver­
sammlungsteilnehmer führten zahlreiche Banner mit verschiedenen Auf­
schriften mit, wie zum Beispiel: »Kampf dem Polizeistaat heißt Kampf dem
neuen Polizeigesetz«, »Arbeiterklasse Ostdeutschland - gegen die Sicher­
heit des Kapitalismus« und »Kampf um Befreiung bleibt international«.
Die Mobilisierung für die Demonstration war fast ausschließlich von
Linksextremisten ausgegangen; entsprechende Veranstaltungen waren vor
allem in Szeneobjekten der gewaltorientierten linksextremistischen Szene
zu verzeichnen.
Nach hiesiger Einschätzung konnte ein unfriedlicher Verlauf der De­
monstration nur auf Grund der hohen Polizeipräsenz verhindert werden.
Im Stadtgebiet von Magdeburg waren im Anschluss an die Demonstration
mehrere Kleingruppen ehemaliger Versammlungsteilnehmer feststellbar.
Vermummte Personen griffen dabei ein Polizeifahrzeug und Einsatzkräfte
mit Steinen und Pyrotechnik an.

Die »Linksjugend solid«, die sich selbst »linksjugend [solid]« schreibt,


wird zwar weder durch den Verfassungsschutz des Bundes noch durch
den des Landes Sachsen-Anhalt beobachtet, jedenfalls findet sich die
Linksjugend nicht in den entsprechenden VS-Berichten 2018. Aller­
dings wird »[solid]« in Bayern beobachtet. Begründet wird dies im
Verfassungsschutzbericht 2019 mit dem Programm, dass die »[solid]«
sich selbst gegeben habe:

Die Mitglieder der 1999 gegründeten »Linksjugend [solid]« bezeichnen


sich in ihrem Programm selbst als »Sozialistinnen, Kommunistinnen,
Anarchistinnen«. Sie beziehen sich darin unter anderem »positiv auf die
emanzipatorischen Traditionen des Kommunismus«.
210 Staats-Antifa

Dass die Berufung auf die »emanzipatorischen Traditionen des


Kommunismus« in den allermeisten Bundesländern und auf Bundes­
ebene selbst nicht ausreicht, um einer Beobachtung zu unterliegen,
zeigt einmal mehr, wie linksblind etliche Verfassungsschutzbehörden
sind. In einem Land, das wie Deutschland - jedenfalls in Teilen -
eine sozialistisch-kommunistische Diktatur über sich ergehen lassen
musste, sollte man mehr kritischen Umgang mit der Parteijugend der
ehemaligen Staatspartei der DDR erwarten. Zumal »[solid]« nicht
zuletzt durch solche Bündnisse weitere »Anhaltspunkte« der Verfas­
sungsfeindlichkeit liefert.
Gänzlich geschont durch den Verfassungsschutz wird die Grüne
Jugend. Auch hier schlägt der politische Schutz zu. Anlass, die Grüne
Jugend genauer unter die Lupe zu nehmen, gab und gibt es immer
wieder. Im Jahr 2013 startete die Grüne Jugend gemeinsam mit der
Linksjugend die Kampagne »Ich bin linksextrem - Eine Kampagne
zum Extremismusquatsch«. Im Zuge dieser Kampagne wurde die Mit­
gliedschaft der damaligen Sprecherin der Grünen Jugend auf Bundes­
ebene, Sina Doughan, in der Roten Hilfe bekannt.
Ein Jahr später rief der Landesverband Niedersachsen laut der Jun­
gen Freiheit zum Eintritt in die Rote Hilfe auf.206 Wie die Wochen­
zeitung weiter berichtete, verteidigte die damalige Landesvorsitzende
Leonie Köhler diesen Aufruf vehement. Schließlich sei die Rote Hilfe
eine »wichtige strömungsübergreifende Organisation für alle emanzi­
patorischen Kämpfe, sei es gegen Rassismus, Faschismus, Sexismus,
Nationalismus, Kapitalismus oder Umweltzerstörung«.
Heute ist es nicht besser. In Hamburg, von der Bündnispolitik der
Interventionistischen Linken (IL) im Rahmen der G2o-Ausschrei-
tungen besonders betroffen, sollte das »Frühwarnsystem« Verfas­
sungsschutz, aber auch der Senat, besonders empfindlich auf die IL
eingestellt sein. Doch das Gegenteil ist der Fall. Das mag auch daran
liegen, dass ein rot-grüner Senat nicht gern gegen die Jugendorganisa­
tion eines Koalitionspartners vorgeht. Anlass, ja Verpflichtung, diesen
Vereinigungen auf den Zahn zu fühlen, gäbe es genug. Als die AfD im
April 2020 im Rahmen einer Großen Anfrage die zahlreichen Verbin­
dungen, Kooperationen und gemeinsamen Erklärungen der Grünen
Jugend in der Hansestadt mit linksextremen Gruppierungen aufzeigte,
sah der Senat keine ausreichenden Gründe für eine Beobachtung.207
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 211

Dabei wird in der AfD-Anfrage deutlich, dass schon in Vorbereitung


auf den Hamburger G2o-Gipfel vom Juli 2017 enge Kontakte zwischen
der Grünen Jugend und der maßgeblich durch die IL beeinflussten und
ebenfalls beobachteten Kampagne »Ende Gelände« bestanden.
So fand in der Geschäftsstelle der Grünen Jugend am 8. Juni 2017 ein
»Koordinationstreffen« statt. Man werde dabei die »kommenden Akti­
ventreffen, die G2O-Proteste, Ende Gelände u. a. planen. Alle Mitglie­
der sind herzlich eingeladen.« Nanu? Die Grüne Jugend plante »Ende
Gelände«? Wer aber eine Kampagne plant, ist auch ein Teil davon.
Wie in Bayern im Rahmen des Bündnisses »#noPAG«, ruft die
Grüne Jugend gemeinsam mit der IL und anderen linksextremisti­
schen Gruppierungen zu Demonstrationen gegen die Änderung von
Sicherheitsgesetzen auf. Auch hier mit dabei: die Rote Hilfe. Aber man
tritt nicht nur als gemeinsamer Veranstalter auf, sondern bietet, eben­
falls ganz ähnlich wie in der bayerischen Landeshauptstadt, auf einer
Website einen gemeinsamen Pressekontakt an.
Die Medien berichten denn auch fleißig von diesen Protesten gegen
die Reform der Sicherheitsgesetze. Von den extremistischen Hinter­
gründen erfahrt der Medienkonsument freilich meist nichts.

Bildungswochen gegen Rassismus

Gegen Rassismus zu sein ist an sich eine gute, edle Sache. Aber wie so
oft, wenn Organisationen, Vorhaben oder Veranstaltungen sich dem
Hehren, dem Guten und Edlen verschreiben, steckt nichts anderes da­
hinter als das Ziel, staatliche Unterstützung zur Propagierung linker
bis linksextremer Ziele zu generieren.
So ist es auch in Halle. Alljährlich finden dort die Bildungswochen
gegen Rassismus statt. Ausgerichtet wird das von der Vereinigung
»Halle gegen Rechts - Bündnis für Zivilcourage«. Und alljährlich gibt
es staatliche Unterstützung. Und ebenso regelmäßig nehmen Links­
extremisten an den Veranstaltungen teil - gern auch mal solche, bei
denen sogar die etwas linkslahme Innenbehörde Sachsen-Anhalts
Linksextremismus erkennt.
So im Jahr 2017. Da prangte gar auf der Website der Veranstaltung
das Wappen des Landes neben dem Emblem der »Interventionisti­
schen Linken«, die in jenem Jahr innerhalb der »Bildungswochen«
212 Staats-Antifa

eine Veranstaltung verantwortete. Genauso wie die damals bereits in


Bayern beobachtete VVN-BdA, der die Finanzbehörden wegen ihrer
extremistischen Bestrebungen mittlerweile die Gemeinnützigkeit ent­
zogen haben. Im Landtag kam es am 25. Oktober 2018 zur Debatte
über diese Förderpolitik. Nicht wirklich angenehm für die CDU, die
jedoch vom Kurs der Koalition nicht abweichen konnte. Einmal mehr
hatten sich SPD und Grüne durchgesetzt. Es sei unverhältnismäßig, die
Förderung zurückzuverlangen, so lautete die Sprachregelung inner­
halb der Kenia-Koalition. Doch es wurde ein Versprechen abgegeben.
Bildungsminister Marco Tullner (CDU) in ebenjener Sitzung:

Um eine vergleichbare Situation für die Zukunft auszuschließen - da bin


ich mir sehr sicher -, werden zukünftig alle Akteure des demokratischen
Spektrums noch sensibler prüfen, wer ihre Kooperationspartner sind.

Als sich so manche Zwischenrufer nicht beruhigen wollten, fuhr Tull­


ner fort: »Aber ehrlich, Leute: Ich habe doch deutlich gesagt, dass wir
künftig noch sensibler darauf achten werden.«
Sonderlich ausgeprägt war diese Sensibilität aber auch in Zukunft
nicht. Knapp ein Jahr nach dieser Zusage, im August 2019, unternahm
die AfD-Fraktion erneut einen Anlauf. Wiederum sollte der staatliche
Zuschuss gestrichen werden. Im dazugehörigen Antrag war einiges
zusammengetragen worden:

Im Jahr 2018 wurde eine Veranstaltung innerhalb der Bildungswochen


gegen Rassismus durch die SDS Halle (Sozialistisch-Demokratischer Stu­
dierendenverband) abgehalten [...]
Diese postete am 25. August 2017 auf ihrer Facebook-Seite die Aussage
»Solidarität mit der Hasi* - für den Kommunismus«. Mit diesem Post
teilte die SDS Halle einen Beitrag der Linksjugend solid, die sich ebenfalls
mit »der Hasi« solidarisch erklärte. Der Beitrag endete mit demselben
Zitat: »Solidarität mit der Hasi - für den Kommunismus«. Am 14. Juni
2019 postete die SDS Halle ein Bild mit der Aufschrift »Kein Kommunis­
mus ist auch keine Lösung«. Dies bezog sich auf einen durch die SDS

* Die »Hasi« ist ein Haus in der Hafenstraße 7 in Halle, das im Januar 2016 von
linken »Aktivistinnen« besetzt wurde. 2018 kam es zu einer Räumungsklage.
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 213

Halle geteilten Beitrag der Linksjugend solid, der überschrieben war


mit »Our common sense? Communism!«. Auch 2018 und 2019 war die
WN-BdA Teil der Bildungswochen gegen Rassismus. Derzeit wird die
WN-BdA weiterhin durch das Landesamt für Verfassungsschutz Bayern
beobachtet.208

Aber hier endet die Verstrickung des von Bund und Land geförderten
Vereins in die linksextreme Szene noch lange nicht. Vielmehr führen
die Spuren direkt in den Landtag. Denn der Sprecher von »Halle gegen
Rechts«, Valentin Hacken, ist Mitarbeiter der Landtagsabgeordneten
Henriette Quade (Die Linke). Hacken fand trotz dieser Funktionen
die Zeit, nach Wien zu fahren, um dort als Redner an einer Mobilisie­
rungsveranstaltung teilzunehmen.
Ausgerichtet wurde der gesellige Abend durch die »Radikale Linke«.
Diese ist in der österreichischen Hauptstadt eine Art Dachorganisation.
Zu dieser gehört auch die »Autonome Antifa Wien« (Eigenschreib­
weise: »autonome antifa [w]«), die wiederum dem in Deutschland
beheimateten und beobachteten kommunistischen Bündnis »...ums
Ganze!« angehört.209 Hackens Werbung auf Twitter für die »Mobi«-
Veranstaltung wurde von »Halle gegen Rechts« sogleich weiterver­
breitet. Mobilisiert wurde für eine Demonstration gegen die Identitäre
Bewegung in Halle am 20. Juli 2019. Die »Radikale Linke« hielt, was
ihre Namensgebung verspricht, und schrieb daher auf ihrer Website:
»Denn die Notwendigkeit des Kommunismus ergibt sich aus seiner
schlichten Möglichkeit.«
Schlicht ist auch die Sichtweise der »Radikalen Linken«, wenn es
um ihre politischen Gegner geht. Auf ihrem Internetportal war ein
Video zu finden, auf dem ein Schuss mit pyrotechnischer Munition in
den Rücken Martin Sellners, des Sprechers der Identitären Bewegung
Österreich, zu sehen ist.
Der Antrag auf Rückforderung der Zuschüsse wurde abgelehnt.
Von allen übrigen Fraktionen. Geschlossen. In der Debatte erklärte
der CDU-Abgeordnete Tobias Krull, ihm sei angesichts dieses neuer­
lichen Antrages unklar, ob die AfD »hartnäckig, stur oder beratungs­
resistent ist«. Deutlich wurde hingegen, was die CDU unter Sensibilität
in Bezug auf Linksextremismus versteht. Auch wenn Bildungsminister
Tullner in dieser Debatte schwieg.
214 Staats-Antifa

Ein vielsagendes Interview:


Ramelow und die Interventionistische Linke
Es ist Anfang Mai 2017. Wenige Monate vor der Bundestagswahl lädt
das »Institut Solidarische Moderne« (ISM) Thüringens Minister­
präsidenten Bodo Ramelow für sein Format talk im transit zum Ge­
spräch ein.210
Einer der Gastgeber des Spitzenpolitikers der Linken: Tadzio Müller.
Dem kann man durchaus Bezüge zu politischer Gewalt attestieren.
Der Mitarbeiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung vertritt bei einem taz-
Interview seiner eigenen Aussage nach »linksradikale Gruppen aus
dem postautonomen Milieu«. Die taz stellt ihren Lesern Müller als
Mitstreiter der »Interventionistischen Linken« (IL) vor.211 Seinem Ge­
sprächspartner Felix Kolb wirft er vor, nicht gewaltbereit genug zu sein,
und findet es schade, dass es im »klassisch gewaltfreien Spektrum«
viele »Abwehrreflexe« gebe.
Ein Sprecher »linksradikaler Gruppen aus dem postautonomen
Milieu«, der in der IL organisiert ist, als Gesprächspartner für einen
Ministerpräsidenten? Bodo Ramelow findet: ja! Bei anderen ist der
ehemalige Gewerkschaftssekretär, der als Mitglied der Linken selbst
jahrelang durch den Verfassungsschutz beobachtet wurde und sich er­
folgreich juristisch dagegen zur Wehr setzte, deutlich kritischer. Etwa
wenn es sich um seinen Intimfeind Björn Hocke handelt:

Der gemeinsame Auftritt von Herrn Hocke mit gewaltbereiten Nazis vor
Kurzem in Chemnitz war ein weiterer Schritt in diese Richtung.212

Was Ramelow unterschlägt: Das Versammlungsrecht verbietet es,


einen Teilnehmer von einer Demonstration auszuschließen. Es sei
denn, der Unwillkommene stört erheblich. Dazu gehört die bloße Ge­
sinnung, mag sie noch so verfassungsfeindlich sein, allerdings nicht.
Ramelows eigener Maßstab würde jedoch auf ihn selbst zurück­
fallen, ja mehr noch. Sein Gang vor das Verfassungsgericht wegen der
eigenen Beobachtung wäre ohne Erfolg geblieben, wenn die Karlsruher
Richter der Sichtweise des jetzigen Ministerpräsidenten gefolgt wären,
der nun seinerseits den Verfassungsschutz gegen die AfD einsetzt.
Endgültig für seine eigene (erneute) Beobachtung müsste Ramelow
freilich plädieren, wenn man die Auswahl seiner Gesprächspartner
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 215

betrachtet. Hierbei ging es nicht um eine Veranstaltung auf offener


Straße. In der geschlossenen Runde in einem privaten Raum verfügt
der Linken-Politiker durchaus über die Kontrolle hinsichtlich Mitdis­
kutanten und Veranstaltern.
Es ist daher vielsagend, an welcher Gesprächsrunde sich Bodo
Ramelow beteiligt, um vor der letzten Bundestagswahl darüber zu
debattieren, warum es sich angeblich »lohnt, für Rot-Rot-Grün zu
kämpfen«. Neben »Moderator« Tadzio Müller nahmen zumindest zwei
weitere eindeutig linksextremistische »Aktivisten« an dem Stelldich­
ein der Möchtegern-Revolutionäre teil, um über eine augenscheinlich
extrem weit links angesiedelte Machtperspektive zu sprechen.213
Etwa Ralf Hoffrogge. Der Historiker ist selbst ernannter »Aktivist«
und betrauert im Gespräch mit Ramelow, dass der Sozialismus nicht
genug beworben werde. Hoffrogge schrieb - wie Tadzio Müller - für
die linksextreme Postille analyse & kritik, die eng mit der IL verknüpft
ist, jener Organisation, die 2 Monate nach Veröffentlichung der Talk­
runde mit Bodo Ramelow maßgeblich dazu beitrug, die Hamburger
Innenstadt in ein brennendes Schlachtfeld zu verwandeln. In der kaum
minder extremistischen arrancal, einer Zeitung der IL, werden Hoff-
rogges Texte ebenfalls gern veröffentlicht.
Diese Nähe zu der seit Jahren durch den Verfassungsschutz beob­
achteten IL stellt für das Institut Solidarische Moderne jedoch keinen
Hinderungsgrund dar. Kein Wunder, denn einer der Vorstandsspre­
cher des Instituts ist Thomas Seibert. Der in linken Kreisen prominente
Philosoph ist zugleich selbst Mitstreiter der IL.
Diese will laut eigener Aussagen den »revolutionären Bruch« und
so die »bürgerliche Gesellschaft« überwinden. Was man dazu unter­
nehmen will, machte die IL in einer weiteren Eigenbeschreibung klar:
»Wir sind die Steineschmeißer und Abwiegler in einem«, erklärt die
IL seit über 10 Jahren. Diese Eigendefinition stammt aus dem Jahr
2007, als die IL bei dem G8-Gipfel in Heiligendamm erstmals als eine
der Triebkräfte der gewaltaffinen Szene in Erscheinung trat. 7 Jahre
später wiederholt man diese Eigenbeschreibung und hält sie nach wie
vor für richtig.214
Die IL sammelte laut VS-Bericht des Bundes (2015) auch Geld für
die kurdische Provinz Rojava im Norden Syriens. Dass das Geld für
den Einkauf von Waffen verwendet wurde, war der IL von Anfang an
216 Staats-Antifa

klar und wurde bewusst in Kauf genommen.* Das hindert Ramelow


jedoch nicht daran, gegenüber den »Aktivisten« der IL den Export von
Walfen durch Deutschland zu beklagen. Schließlich ist man für den
Frieden - wenn gerade nicht die PKK schießt.
Institutsvorstand Seibert gehört aber nicht nur der Interventionisti­
schen Linken an, sondern auch dem »Wissenschaftlichen Beirat« der
parteinahen Rosa-Luxemburg-Stiftung, dessen Vorstandsmitglied
Ramelow einst war. Die Stiftung beschreibt den Philosophen wie folgt:
»Aktivist bei attac und bei der interventionistischen Linkem (IL),
Arbeitsschwerpunkt: Politische Philosophie (Marxismus, Existenzia­
lismus, Dekonstruktion)«.215
Zusammenhänge mit parteinahen Stiftungen finden im Übrigen
durchaus das Interesse des Verfassungsschutzes unter Haldenwang.
So vermerkt das Gutachten zur AfD in Bezug auf die »Burschenschaft
Gothia« auf Seite 206: Karl Albrecht Schachtschneider, Kurator der
AfD-nahen »Desiderius-Erasmus-Stiftung«, trat als Redner für die
Burschenschaft in Erscheinung. Das taten zwar der frühere Regierende
Bürgermeister Berlins Eberhard Diepgen (CDU) und Egon Bahr (SPD)
auch, aber das war für den Verfassungsschutz offenkundig nicht von
Interesse. Ebenso wenig der Umstand, dass die »Gothia« weder im
Jahr von Schachtschneiders Auftritt (wohl im Jahr 2007) noch heute
im Verfassungsschutzbericht erwähnt wird.
Ein Mitstreiter der beobachteten IL, der sich im wissenschaftlichen
Beirat der Rosa-Luxemburg-Stiftung dem Marxismus widmet, ist hin­
gegen allem Anschein nach für den Verfassungsschutz völlig ohne Be­
lang. Der Marxismus-Philosoph Seibert ist auch noch in anderen Or­
ganisationen tätig. Denn zugleich ist Multi-Aktivist Seibert Mitarbeiter
der 1968 gegründeten Stiftung »medico international«.

* Ines Wallrodt im Interview mit Georg Gruhl: »Empfangsbestätigung erhalten«,


neues deutschland, 25. Februar 2015. Georg Gruhl über Spendengelder für kur­
dische Kämpfer in Rojava. Gruhl führt dabei unter anderem aus: »Wir wollten
nicht direkt Geld für Waffen sammeln, weil damals auch über Waffenlieferungen
aus Deutschland an die Peschmerga diskutiert wurde. Es hätte für die gesell­
schaftliche Linke problematische Folgen, wenn sie da mit eingestimmt hätte. Auf
der anderen Seite wollten wir sagen, die Revolution in Rojava wird bewaffnet ver­
teidigt. Deshalb sollen die Selbstverteidigungskräfte das Geld kriegen.«
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 217

Deren Sprecher und einstiger Geschäftsführer, Thomas Gebauer,


gibt dem öffentlich-rechtlichen Sender Phoenix gern Auskunft, was
nach Ansicht der sehr weit links Stehenden Fluchtursachen sind.216 Un­
willkürlich fallt einem der Flyer des bayerischen Verfassungsschutzes
ein, der festhält, Postautonome seien oftmals »lebensälter und beruf­
lich etabliert. Das ermöglicht ihnen, Netzwerke bis weit in die demo­
kratische Gesellschaft hinein zu knüpfen und für ihre politischen Ziele
zu instrumentalisieren.«
In jener Rosa-Luxemburg-Stiftung verdingt sich Tadzio Müller als
»Referent für Klimagerechtigkeit und Energiedemokratie« und be­
klagt sich als solcher, die Polizei würde - nicht nur sprachlich reichlich
schief - im Hambacher Forst »friedliche Baumhausbewohnerinnen
räumen«.217
Zu den »friedlichen Baumhausbewohnerinnen«, die Polizisten mit
ihren Zwillen beschossen sowie mit Molotowcocktails und ihren Fä­
kalien bewarfen, gehören auch Mitstreiter von »Ende Gelände«. Diese
seit mindestens 2015 durch das Bundesamt für Verfassungsschutz be­
obachtete Kampagne wird maßgeblich durch die IL beeinflusst.218 Bei
dieser ist Müller wiederum Mitglied. Die Kreise schließen sich.
Dem Vorstand des ISM, des Instituts von und für linke Extremis­
ten, gehören neben Seibert aber noch andere Extremisten an. Etwa
die Berliner SPD-Politikerin Franziska Drohsel, die einst Mitglied der
Roten Hilfe war. Kerem Schamberger, der der marxistischen Linken
angehört, ist ebenfalls Mitglied im Leitungsgremium des Instituts.
Eines der prominentesten Vorstandsangehörigen des ISM: Andrea
Ypsilanti. Die SPD-Politikerin aus Hessen hatte einst im Wahlkampf
versprochen, nicht mit der Linken Zusammenarbeiten zu wollen, was
schon kurz nach dem Urnengang jedoch nicht mehr gelten sollte. Die
Regierungsbildung Ypsilantis, die die Bildungspolitik umkrempeln
wollte, während die Sozialdemokratin den eigenen Sohn auf eine Pri­
vatschule entsandte, scheiterte Ende 2008 am Widerstand einer ein­
zigen SPD-Abgeordneten.
Reaktion Ypsilantis auf ihren misslungenen Wahlbetrug: Sie grün­
dete 2010 mit der Antifa-nahen Katja Kipping von der Linken das ISM,
das von dem Grünen-Realo Alexander Bonde als »Ypsilanti-Institut
für angewandte Kuba-Wissenschaften« bezeichnet wurde.219 Dort kann
Ypsilanti mit Protagonisten der Linken eng Zusammenarbeiten.
218 Staats-Antifa

Die Positionspapiere des »Instituts« zielen auf das Erreichen einer


»neuen linken Mehrheit« ab. In Thüringen hat man diese neue linke
Mehrheit schon verwirklicht, was die Sprecherin des ISM, Astrid
Rothe-Beinlich, besonders freuen dürfte. Die Grüne ist nicht nur Vize­
präsidentin des Landtages, sondern auch Parlamentarische Geschäfts­
führerin ihrer Fraktion im Landtag und damit eine der Hauptstützen
der rot-rot-grünen Regierung Ramelows.
Wenig überraschend also, dass der linksextreme »Thinktank« noch
eine weitere Moderatorin aus der Szene für das Gespräch mit dem
ersten Mann Thüringens aufbietet. Elsa Koester gehörte bis 2015 eben­
falls der IL an.
Die heute für Jakob Augsteins Wochenzeitung der Freitag schrei­
bende Journalistin Koester, die zur Zeit des Interviews mit Ramelow
für das neue deutschland (nd) tätig ist, will von Ramelow wissen: »Wenn
du auf deine bisherige Arbeit als Ministerpräsident schaust, was sind
für dich die Leuchtmomente?« Dem fällt als erster Leuchtmoment »das
Hochziehen der Regenbogenfahne vor der Staatskanzlei« ein.
Die Staatskanzlei mag zwar die Fahne der Schwulen- und Lesben­
bewegung hochhalten, doch die der Pressefreiheit genießt deutlich
weniger Ansehen in Ramelows Staatskanzlei: Diese schweigt trotz
Presseanfrage zur Bündnispolitik des Landeschefs.
Noch eine Aussage Ramelows lässt tief blicken: Dürften wohl die
meisten beim Wort »Bahnhofsklatscher« an Szenen am Münchner
Hauptbahnhof denken, wo ein von der eigenen Großartigkeit über­
wältigtes Publikum im Herbst 2015 »Flüchtlinge« bejubelte, glaubt
Ramelow, allein er er sei mit diesem Wort gemeint. Ähnlich wie ein
Hahn, der glaubt, die Sonne gehe auf, weil er kräht, bezieht der Linken-
Politiker den Lauf der Welt offenkundig ausschließlich auf sich selbst.
Geschichtsschreibung in eigener Sache, die Hoffrogge dazu veran­
lasst, dem Ministerpräsidenten »antifaschistische Glaubwürdigkeit«
zu attestieren. Ramelow, der sein Publikum zu bedienen weiß, hat also
erfolgreich auf der Klaviatur des widerständigen Antifa-Aktivisten ge­
spielt.
Die versammelten Antifa-Mitstreiter und Unterstützer schweigen
jedoch trotz des selbst zuerkannten Status als vermeintliche Anti­
rassisten, als ein weiterer Teilnehmer, Imram Ayata, sich eine Politik
wünscht, die nicht so »kartoffelig deutsch« sei. Wäre die Zielrichtung
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 219

dieser Kritik eine andere Nationalität gewesen, hätte sich der ehemalige
Redakteur der Zeitung Politik und Verbrechen sicher den Vorwurf der
»gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit« gefallen lassen müssen.
Hätte jemand aus der Runde eine Politik als zu »kümmelig türkisch«
abgelehnt, hätte Ramelow dies sicherlich als Rassismus gebrandmarkt.
»Kartoffelige Deutsche« sind hingegen dem Linken-Politiker augen­
scheinlich genauso unsympathisch, wie sie es Ayata sind.
Ramelow, eingebettet in eine durch die »Interventionistische Linke«
und ihren Extremismus beherrschte Gesprächsrunde, erklärt dann
auch zur Zufriedenheit der aktivistischen Gesprächspartner seiner
Unterstützerszene, eine Linke mit Machtperspektive brauche »eine
starke außerparlamentarische Linke und auch eine starke außerpar­
lamentarische Abdeckung, Begleitung«.
Es werde dabei jedoch auch immer Widersprüche zwischen den
linken Gruppen geben, lässt Ramelow wissen, der es - nicht zuletzt mit
diesem Gespräch - auf ein breites Bündnis linker und linksextremer
Gruppen anlegt.
Im Verfassungsschutzbericht des Landes Thüringen für das Jahr
2017 heißt es: »Bestrebungen, verschiedene Strömungen des Links­
extremismus zusammenzuführen, hielten an. Als ein maßgeblicher
Akteur trat dabei erneut die interventionistische Linke< (IL) in Er­
scheinung. Die IL zielt dabei letztlich auf eine Überwindung des Ka­
pitalismus« durch einen revolutionären Umsturz ab.«
Seit wann wusste der Ministerpräsident von der Tatsache, dass sein
eigener Verfassungsschutz seine Gesprächspartner und die Träger der
von ihm gewünschten »starken außerparlamentarischen Begleitung«
beobachtet? Die Staatskanzlei schweigt sich auch hier zu meiner An­
frage aus. Auch zu der Frage, ob Ramelow die »außerparlamentarische
Abdeckung« durch die IL als hilfreich für seine Regierungspolitik be­
trachtet, gibt es keine Antwort.
Und so bleibt es an Johanna Uekermann, der damaligen Juso-Vor­
sitzenden, das Schlusswort in der von der IL beherrschten Talkrunde
mit Ramelow zu setzen: Einmal Rot-Rot-Grün reiche nun einfach mal
nicht, um die Gesellschaft umzukrempeln. Aber es reiche vielleicht,
um in »sehr, sehr, sehr kleinen Schritten in Richtung Sozialismus [zu]
wandern«. Eine Wandergruppe von Politikern der Linken, Grünen
und SPD zusammen mit Steineschmeißern und Abwieglern. In »klei-
220 Staats-Antifa

nen Schritten« bewegt sie sich jedoch nicht voran. Auch nicht Ueker-
mann. Die Sozialistin der kleinen Schritte machte wenige Monate nach
dem Gespräch den großen Sprung nach vorn: Im Mai 2017 wurde sie
stellvertretende Vorsitzende der Bayern-SPD und im Dezember 2017
Mitglied des Bundesvorstandes und des Parteipräsidiums der SPD.

Das Problem der vermeintlich »offenen Quellen«


des Verfassungsschutzes
Auf der Website des Inlandsgeheimdienstes klingt die Informationsbe­
schaffung zunächst einmal vor allem harmlos: »Den bei Weitem größ­
ten Teil seiner Erkenntnisse gewinnt das BfV aus offen zugänglichen
Quellen (Zeitungen, Programme, Aufrufe etc.).«
Offen zugängliche Quellen sind somit solche, die jedermann zur
Verfügung stehen. Sollen andere Methoden der Informationsbeschaf­
fung zum Zug kommen, sind die vermeintlichen Verfassungshüter an
gesetzliche Vorgaben gebunden.
Aber für den Staat gibt es dennoch Möglichkeiten, diese Beschrän­
kungen zu umgehen. Er finanziert die Antifa. Diese veröffentlicht ihre
Rechercheergebnisse. Und schon hat der Verfassungsschutz eine »offen
zugängliche Quelle«. Solche offen zugänglichen Quellen wurden auch
im Gutachten des BfV zur AfD genutzt. Mindestens zwei vermeintlich
offene Erkenntnisquellen stehen im Zusammenhang mit der staatli­
chen Finanzierung der Antifa, wie unten noch aufgezeigt wird.
Die Arbeitsmethoden der recherchierenden Antifa-Vereine sind
durchaus bedenklich. Das findet jedenfalls Stephan Kramer. Ausge­
rechnet Kramer. Der Sozialpädagoge ist Präsident des Verfassungs­
schutzamtes in Thüringen. In der Regel muss man dafür ausgebildeter
Jurist sein. Kramer, der offenkundig über andere, gleichwertige Quali­
täten verfügt, weiß zumindest noch Antifa-Recherche einzuordnen.
Diese Gruppierung könne »zum Teil auch mit ganz anderen Methoden
und Mitteln diese Informationen generieren«. Wie unvereinbar mit der
Verfassung die Antifa-Recherche ist, macht Kramer auch klar: »Wür­
den wir dies tun, hätten wir einen Untersuchungsausschuss am Hals.
Wir sind rechtsstaatlichen Grundsätzen verpflichtet.«
Kramer muss es wissen. Der Mann für heikle Aufgaben des Mi­
nisterpräsidenten Bodo Ramelow ist Mitglied des Stiftungsrates der
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 221

Amadeu Antonio Stiftung. Dieser mit Steuergeldern in Millionenhöhe


bezuschusste Verein engagiert sich ebenfalls im Kampf gegen Rechts.
Geleitet wird die Stiftung durch Anetta Kahane, einst IM der Stasi.
Aber auch ohne den Kronzeugen Kramer wird einem die Fragwür­
digkeit offener Quellen aus Antifa-Postillen klar. Man kann sich dazu
etwa durch den Antifa-Verein a.i.d.a. aus München einen Literaturtipp
geben lassen. A.i.d.a., die »Antifaschistische Informations-, Dokumen-
tations- und Archivstelle« aus München, finanziert von der CSU-SPD-
Mehrheit im Stadtrat, empfiehlt auf ihrer Website etwa das Buch Antifa
heißt Angriff von Horst Schöppner. Im Kapitel »Die Recherche« zeigt
der aus der Szene kommende Autor auf, wie man das früher so ge­
macht hat mit der Informationsbeschaffung. Ideen für die heutige Zeit
ergeben sich da von allein, zumal einem beim Lesen ohnehin sofort
Parallelen zur Gegenwart einfallen.
Freut sich der Autor über das Erbeuten einer Gästeliste eines Partei­
tages in den i98oer-Jahren, kann sich der moderne Antifa-Mitstreiter
für die Veröffentlichung der gesamten Teilnehmerliste des AfD-Par-
teitages einschließlich aller Adressen und Telefonnummern begeistern.
Allerdings beschreibt Schöppner durchaus auch »ruppigere« Metho­
den, um an Adressen heranzukommen: Bei jedem niedergeschlagenen
Nazi (oder wen die Antifa dafür hält) wird nach Möglichkeit der Aus­
weis abgenommen, »um seine Daten zu erfassen«.
Heute wird gleich das ganze Handy entwendet, um daraus Daten
von weiteren (vermeintlichen) Rechtsextremisten auszuspähen - na­
türlich für zusätzliche Antifa-Aktionen.220
Der Zweck heiligt die Mittel und lässt die Folgen klein erscheinen.
Aufbereitung von Informationen, die durch einen Wohnungseinbruch
zustande kommen, gehören ebenso zum »Recherche«-Repertoire wie
Ohrfeigen für allzu Schweigsame. Schöppner beschreibt, wie Post ab­
gefangen wird und wie schon in den i98oer-Jahren alle gewonnenen
Daten Einzug in bundesweite Megadateien fanden: angefangen von
Adressen über KfZ-Kennzeichen, Aufenthaltsorte etc.; was man eben
so braucht als Antifa-Mitstreiter.
Stolz erklärt Schöppner, sogar die staatliche Einrichtung Verfas­
sungsschutz habe von diesen Recherchen in den i98oer-Jahren pro­
fitiert und sich den Einschätzungen der Antifa angeschlossen. Dieser
Tradition bleibt Haldenwang treu bzw. lässt sie wieder aufleben.
222 Staats-Antifa

Vielfach nimmt das Gutachten des BfV zur AfD Bezug auf die An­
tifa - und schließt sich ihrer Wertung an. So heißt es in dem »Gut­
achten«:

Mit M. F. [Name gekürzt, Anmerkung des Autors] soll ein Mitarbeiter der
AfD-Fraktion Sachsen-Anhalt und Mitglied in der rechtsextremistischen
Burschenschaft »Dresdensia-Rugia zu Gießen« sein.

Als Quelle Nr. 522 und Beleg hierfür wird angegeben: »Faschisten in
Magdeburg geoutet< vom 22. Juni 2018, in: www.de.indymedia.org.«
Der Artikel findet sich dort tatsächlich mitsamt den Wohnadressen der
derartig Stigmatisierten. In dem indymedia-Beitrag finden sich auch
nach Fahndungsplakatmanier aufgemachte Aushänge, die die Antifa
im Umfeld der Wohnung beziehungsweise direkt an der Haustür der
Betroffenen anbrachte. Darunter der Satz: »Du hast drei Monate Zeit,
um aus Saalfeld [linker Stadtteil Magdeburgs, Anmerkung des Autors]
wegzuziehen.« Offiziell beklagt das BfV allerdings in Verfassungs­
schutzberichten solche »Outing-Aktionen«, zugleich nutzt es sie aber
im Gutachten gegen die AfD.

Im Kampf gegen mutmaßliche oder tatsächliche Rechtsextremisten ist die


»Antifaschistische Recherchearbeit« weiterhin fester Bestandteil der Aktivi­
täten der linksextremistischen Szene. Insbesondere Angehörige des auto­
nomen Spektrums sammeln Informationen über aus ihrer Sicht »faschis­
tische« Personen und Strukturen und veröffentlichen diese im Rahmen
sogenannter Outing-Aktionen vornehmlich im Internet oder in Szenepu­
blikationen. Unter dem Motto »Antifa heißt Angriff!« soll letztlich zu - oft­
mals gewalttätig verlaufenden - »Gegenaktionen« animiert werden.221

Aber stimmt die Einordnung der Antifa, der sich das BfV - ganz sei­
ner Tradition entsprechend - anschloss, die Burschenschaft »Dresden­
sia-Rugia zu Gießen« sei rechtsextrem? Die Vereinigung mit Sitz in
Gießen wurde zuletzt 2014 im hessischen Verfassungsschutzbericht
erwähnt - ausdrücklich als Verdachtsfall. Danach nicht mehr. Darüber
hinausgehende Auskünfte will das LfV-Hessen auch auf Presseanfrage
hin nicht geben. Im Verfassungsschutzbericht des Landes von 2014
wird der Verdacht eher schwammig begründet. Ein Auszug:
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 223

In Hessen sind seit Mitte der i99oer-Jahre immer wieder Personen mit
rechtsextremistischem Hintergrund in Erscheinung getreten, die den Ak-
tivas bzw. dem Altherrenbund der Burschenschaft Dresdensia-Rugia zu
Gießen angehören. Die Burschenschaft wird daher vom LfV als Verdachts­
fall geführt. Zu Vortragsveranstaltungen wurden gelegentlich Personen
mit Bezügen ins rechtsextreme Spektrum eingeladen.

Nicht nur das: Die Namen der Referenten hätte die Burschenschaft
nicht veröffentlicht, was möglicherweise auch mit der Antifa zu tun
haben könnte. Und: »Vereinzelt nahmen an solchen Veranstaltungen
Rechtsextremisten teil.«
Aber: Der Verdacht scheint sich nicht erhärtet zu haben. Seither
wurde die Burschenschaft nicht mehr im VS genannt. Gleichwohl kann
4 Jahre nach der letzten Nennung die vermeintliche Mitgliedschaft
dem einzelnen Bürger zum Vorwurf gemacht werden. Diese von der
Antifa »recherchierte« Zugehörigkeit wird vom Inlandsgeheimdienst
offenkundig registriert und zu den Akten genommen.
Aber vielleicht weiß das BfV etwas, von dem man in Hessen nichts
ahnt. Das wäre wegen der behaupteten und gesetzlich festgelegten
Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern zwar eigentlich nicht
möglich, aber wer weiß... Das Bundesamt erteilte jedoch Ende Mai
2020 eine eindeutige Auskunft: »Die Burschenschaft >Dresdensia-Ru-
gia zu Gießern war bzw. ist kein Beobachtungsobjekt des BfV.«
Merkwürdig allerdings, wie dann diese Burschenschaft in das »Gut­
achten« des BfV geraten konnte. Dazu will man aber nichts sagen.
Auf die Frage: »Was ist Grundlage für die Einordnung der Burschen­
schaft als rechtsextrem im Rahmen des Gutachtens?« teilt der Inlands­
geheimdienst mit: »Zu internen Gutachten und als Verschlusssache
eingestuften Dokumenten nimmt das BfV keine Stellung.«
Nun steht fest: Die Burschenschaft ist nicht rechtsextrem i. S. d.
Verfassungsschutzes, da sie ansonsten verfassungsfeindliche Ziele
verfolgte. Dann aber hätte das BfV die Burschenschaft zu beobachten,
wie die Behörde in dem als »Verschlusssache« deklarierten Gutachten
selbst erklärt:

Vielmehr ist das Bundesamt für Verfassungsschutz zur Beobachtung eines


Personenzusammenschlusses befugt und verpflichtet, sobald aufgrund
224 Staats-Antifa

empirisch beobachtbarer, konkreter Tatsachen vernünftigerweise zu be­


fürchten ist, dass dieser verfassungsfeindliche Bestrebungen ... verfolgt.222

Das BfV macht durch sein Verhalten aber selbst klar: Nicht wenn es
»vernünftigerweise zu befürchten ist«, dass eine Burschenschaft ver­
fassungsfeindliche Ziele verfolgt, werden Mitglieder erfasst, sondern
wenn die Antifa eine Vereinigung als »rechtsextrem« einordnet. Das
BfV behauptet selbst, nur dann zum Sammeln von Daten befugt zu
sein, wenn diese Befürchtung auf »konkreten Tatsachen« beruht.
Zwar gibt sich die Pressestelle in der Kölner Zentrale des BfV ein­
deutig, widerspricht dabei jedoch der eigenen Praxis:

Das BfV sammelt laut §3 Abs. 1 Nr. 1 Bundesverfassungsschutzgesetz


(BVerfSchG) u. a. Informationen über Bestrebungen, die gegen die frei­
heitliche demokratische Grundordnung oder den Bestand oder die Sicher­
heit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind. Als Bestrebung i.S.d. § 4
Abs. 1 c BVerfSchG sind solche ziel- und zweckgerichteten Verhaltenswei­
sen in einem oder für einen Personenzusammenschluss zu verstehen, der
darauf gerichtet ist, die im Gesetz genannten Verfassungsgrundsätze zu
beseitigen oder außer Geltung zu setzen. Sollten Personen einem solchen
Personenzusammenschluss zugerechnet werden können, fallen sie somit
unter den Beobachtungsauftrag des BfV. Sollte ein Personenzusammen­
schluss diese Voraussetzung nicht mehr erfüllen, wird die Beobachtung
des Personenzusammenschlusses insgesamt sowie der in ihm tätigen Per­
sonen entsprechend eingestellt.

Wie aber gerät dann M. F„ der Mitarbeiter der AfD-Fraktion in Sach­


sen-Anhalt, allein wegen der Mitgliedschaft in einer nicht beobach­
teten Burschenschaft in die Akten des BfV? Antwort: indem das BfV
die »offene Quelle« Antifa anzapft und deren Einordnung »rechtsex­
trem« außergesetzlich und entgegen der eigenen Beurteilung über­
nimmt. Mit anderen Worten: Willkür ist die Arbeitsgrundlage des BfV,
das laut Haldenwang bei seinem Vorgehen »sehr sorgfältig, korrekt«
und »fehlerfrei« sein sollte. Der »belastbare Vorschlag« (Haldenwang),
den das Gutachten darstellen sollte, erfüllt in Wahrheit nur den Zweck,
eine Oppositionspartei im Sinne einer parteiischen Anklage einseitig
zu belasten.
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 225

Im Zusammenhang mit den »offenen Quellen« ist auch folgende


Überlegung relevant: Was eigentlich, wenn diese überhaupt nur durch
staatliches Zutun entstanden sind? Was, wenn die vielen Antifa-Web­
sites (auch) von Personen bestückt werden, die von staatlichen Zu­
schüssen ihrer Antifa-Arbeit leben? Damit würde der Staat bewusst
eine Informationsbeschaffung ermöglichen und dann für sich nutzen,
die ihm selbst gar nicht möglich ist, wie Verfassungsschutzpräsident
Kramer klarlegt.
In wie vielen Fällen der Verfassungsschutz und damit der Staat
durch die Nutzung der Antifa-Quellen solche Informationen ermög­
licht, sammelt, aufgreift und verwendet, wird sich nicht nachweisen
lassen. Aber es gibt Beispiele. So heißt es im AfD-Gutachten des BfV
zur Quelle mit der Nummer 519 unter anderem: »in: www.apabiz.de
vom 22.06.2017«.
Dass das »antifaschistische pressearchiv und bildungszentrum ber-
lin« (kurz: apabiz) als Quelle dem Verfassungsschutz überhaupt zur
Verfügung steht, dürfte nicht zuletzt der Förderung durch den Berliner
Senat zu verdanken sein. Im Jahr 2017 erhielt der Antifa-Verein 143.429
Euro mit dem Förderzweck, »kompetente Netzwerke gegen rechts«
aufzubauen. Wohlgemerkt: gegen »rechts«, nicht etwa gegen Rechtsex­
tremismus.223 Diese Antifa-Arbeit fand Berlin auch in anderen Jahren
förderungswürdig. So gab es 2016 bereits 102.317 Euro, 2018 waren es
192.411 Euro Steuergeld.
Als Quelle Nr. 583 gibt das BfV unter anderem an: »>Das rechte
Netzwerk der Berliner AfD< vom 12.09.2016, in: www.rechtsaussen.ber-
lin.de.« Diese Website ist jedoch inexistent. Was es hingegen gibt, ist
das Internetportal https://rechtsaussen.berlin. Dort findet sich auch ein
Artikel mit oben genannter Titelzeile. »Rechtsaußen Berlin« ist jedoch
»Der Berlin-Blog vom apabiz«.
Wichtig ist, dabei auch zu fragen, was der Staat darf und welche
ihn beschränkenden Bürgerrechte er durch die Nutzung von Antifa-
Quellen umgeht. Was Behörden dürfen - und was eben gerade nicht -,
ist unter anderem auch und ganz zuvörderst durch das Bundesverfas­
sungsgericht in seinem Urteil zur Volkszählung von 1983 festgelegt
worden.
Das aus diesem Urteil entstammende Grundrecht auf »Informa­
tionelle Selbstbestimmung« hat laut dem obersten deutschen Gericht
226 Staats-Antifa

seine Wurzeln in der allgemeinen Handlungsfreiheit in Verbindung


mit der Menschenwürde.*
Unmäßiges Datensammeln würde nach Ansicht des Verfassungs­
gerichts den Bürger befürchten lassen, er müsse sich der staatlichen
Erwartungshaltung anpassen (Hervorhebungen durch den Autor):

Mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung wären eine Ge­


sellschaftsordnung und eine diese ermöglichende Rechtsordnung nicht
vereinbar, in der Bürger nicht mehr wissen können, wer was wann und
bei welcher Gelegenheit über sie weiß. Wer unsicher ist, ob abweichende
Verhaltensweisen jederzeit notiert und als Information dauerhaft ge­
speichert, verwendet oder weitergegeben werden, wird versuchen, nicht
durch solche Verhaltensweisen aufzufallen. Wer damit rechnet, daß etwa
die Teilnahme an einer Versammlung oder einer Bürgerinitiative behörd­
lich registriert wird und daß ihm dadurch Risiken entstehen können, wird
möglicherweise auf eine Ausübung seiner entsprechenden Grundrechte
(Art 8, 9 GG) verzichten. Dies würde nicht nur die individuellen Entfal­
tungschancen des Einzelnen beeinträchtigen, sondern auch das Gemein­
wohl, weil Selbstbestimmung eine elementare Funktionsbedingung eines
auf Handlungsfähigkeit und Mitwirkungsfähigkeit seiner Bürger begrün­
deten freiheitlichen demokratischen Gemeinwesens ist.

Was aber hat der Bürger davon, wenn der Staat, statt selbst zu sam­
meln, die Antifa nutzt, die ohne jegliche Rechtsbeschränkung und
oftmals mit illegalen Mitteln bis hin zur Gewalt abweichende Verhal­
tensweisen jederzeit notiert und als Information dauerhaft speichert,
verwendet und gerne auch weitergibt? Ist hier etwa nicht zu befürch­
ten, dass sich die potenziell Betroffenen »unsicher« sind, ob die Antifa
ihre Teilnahme an einer Versammlung oder die Mitwirkung in einer
Bürgerinitiative registriert und diese Information dann in den Akten

* Der Tenor des Urteils lautet in Nr. i: »Unter den Bedingungen der modernen
Datenverarbeitung wird der Schutz des Einzelnen gegen unbegrenzte Erhebung,
Speicherung, Verwendung und Weitergabe seiner persönlichen Daten von
dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht des Art. 2 Abs. 1 GG in Verbindung mit
Art. 1 Abs. 1 GG umfaßt. Das Grundrecht gewährleistet insoweit die Befugnis
des Einzelnen, grundsätzlich selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner
persönlichen Daten zu bestimmen.«
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 227

der Behörde, des Verfassungsschutzes, der Polizei und sonstiger staat­


licher Stellen landet?
Wenn es aber gegen die Menschenwürde und die Handlungsfreiheit
des Einzelnen verstößt, wenn der angebliche Souverän, der Bürger, un­
sicher sein muss, was sich der Staat notiert und was er speichert, warum
ist es dann mit der Menschenwürde des Betroffenen vereinbar, wenn
der Verfassungsschutz solche Informationen bei der Antifa abschreibt?
Könnte ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes sich etwa auf der
Frankfurter Buchmesse vor den Stand eines Verlages stellen und
6 Stunden lang jeden Besucher fotografieren und die Speicherkarte der
Kamera potenziell auch noch Jahre später auswerten? Nein, könnte er
nicht. Aber der Antifa-Fotograf Robert Andreasch kann sich vor dem
Stand des Antaios-Verlages aufbauen und laut Schilderung des Verle­
gers Götz Kubitschek 6 Stunden lang Aufnahmen fertigen. Von Kubit-
schek selbst, aber auch von den Besuchern des Standes.224 Andreasch,
der bürgerlich Tobias Bezler heißt, ist Mitwirkender bei a.i.d.a., der
»Antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archiv­
stelle«. Diesem Verein lässt die Stadt München üppige Zuschüsse zu­
kommen. Ob unter Rot-Grün oder Schwarz-Rot, die Finanzierung der
Antifa war über alle Stadtratskoalitionen hinweg gesichert. Wo auch
immer Bilder aus der Kamera von Robert Andreasch auftauchen soll­
ten, dem Verfassungsschutz werden sie genehm sein. Kein Wunder
also, dass das BfV den »weitaus größten Teil seiner Erkenntnisse aus
offenen Quellen bezieht«.

Der Verfassungsschutz als Religionspolizei


In seinem »Gutachten« macht das BfV unzählige Aussagen über den
Islam. Dabei transportiert das Amt auch die (völlig irrige) Auffassung,
dem Bürger vorschreiben zu können, wie er den Islam zu sehen hat.
Faktisch wird darin festgestellt, es sei zwischen Islam und »Islamis­
mus« zu unterscheiden (Schreibweise aus dem Original):

Mitunter mündet diese Deutung auch in der Gleichsetzung von Islam und
Islamismus. So agitierte beispielsweise Jörg Urban, Landesvorsitzender der
sächsischen AfD und Leiter der dortigen Landtagsfraktion, ausgehend von
der Debatte um islamkonformes Schulessen gegen eine angeblich statt-
228 Staats-Antifa

findende »Islamisierung« und den »Vormarsch der Islamisten in unseren


Schulen«:
»Es ist erschreckend, zu lesen, was hier bereits jetzt für Auswüchse
existieren. Da ist von einem Quasi-Verbot von Schweineschinken auf dem
Pausenbrot die Rede. Oder von der Verbannung von Gummibärchen, weil
die darin enthaltene Gelatine nicht >halal< sei. [...] Als AfD werden wir
dem Vormarsch der Islamisten in unseren Schulen alles Menschenmög­
liche entgegensetzen. Keine Kopftücher im Klassenzimmer und wieder
Schnitzel in der Schulspeisung!«225
Mit der Gleichsetzung von Islam und Islamismus könnte die Folgerung
einhergehen, der Islam stelle keine Religion im Sinne des Grundgesetzes
dar. Allerdings wird die letzte Konsequenz der Gleichsetzung von Islam
mit Islamismus von keinem der Redner explizit gezogen, so dass es im
Unklaren bleibt, ob die Funktionäre der AfD die Abschaffung des Reli­
gionsstatus für den Islam anstreben.

Damit widerspricht sich das Gutachten innerhalb zweier Absätze


selbst. Mal wird behauptet, Islam werde mit Islamismus gleichgesetzt,
um dann festzustellen, dieser Schluss sei von keinem der Redner expli­
zit gezogen worden. Was allerdings bleibt, ist die Feststellung des Am­
tes, es sei quasi verfassungsfeindlich, keine Unterscheidung zwischen
Islam und Islamismus vorzunehmen. Wird man also zum Extremisten,
wenn man diese vermeintliche Kluft zwischen »Islam« und »Islamis­
mus« nicht attestieren will?
Hier soll es nicht um die Frage gehen, ob diese Unterscheidung
»richtig« oder »falsch« ist. Einzig bedeutend ist hier, ob ein Amt Bür­
gern vorschreiben kann, zu welchen Schlussfolgerungen, Überzeugun­
gen und Sichtweisen sie in Bezug auf ihre eigene oder auf eine andere,
möglicherweise von ihnen abgelehnte Religion kommen. Denn mit der
Vorgabe, das Grundgesetz verlange quasi vom Bürger, den Islam in ei­
ner durch eine Behörde festgelegten Weise zu sehen, greift die Behörde
selbst in die Religionsfreiheit der Bürger ein. Jedenfalls dann, wenn
die Sichtweise des Verfassungsschutzes etwa die Einstellung in den
Öffentlichen Dienst verhindert, weil der Vertreter einer abweichenden
Meinung als »Extremist« gilt. Oder aber, wenn sie ihn in Verfassungs­
schutzberichten an den öffentlichen Pranger stellt, weil er keinesfalls
der behördlichen Vorgabe folgen möchte.
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 229

Ein derart gegen die Religionsfreiheit gerichtetes Verhalten geht


dabei etwa vom Landesamt für Verfassungsschutz in Bayern aus. Im
Freistaat wird etwa Michael Stürzenberger wegen »verfassungsschutz­
relevanter Islamfeindlichkeit« beobachtet. Mit die gewichtigste Grund­
lage für dieses Vorgehen ist nach Ansicht des LfV die Behauptung des
Islamkritikers, dem Islam wohnten faschistoide Züge inne. Merkwür­
dig ist allerdings, dass Hamed Abdel-Samad dies auch so sieht. »Der
islamische Faschismus« lautete das Buch des ehemaligen Muslimbru­
ders. Von mir in einer Pressekonferenz danach befragt, warum der eine
wegen der Behauptung, der Islam sei faschistisch, beobachtet werde
und der andere nicht, konnte Bayerns Innenminister Joachim Herr­
mann (CSU) keine sachliche Aussage liefern.
Inwieweit ist aber Kritik am Islam durch die Religionsfreiheit ge­
deckt? Meistenfalls wird die Kritik am Islam (oder einer anderen Re­
ligion) als unter dem Schutz der Meinungsfreiheit stehend betrach­
tet (Art. 5 Abs. 1 GG). Dies ist zu einem Gutteil allerdings zu kurz
gegriffen. Vielmehr kann man sich bei seiner Kritik und/oder Ableh­
nung einer Religion auf Religionsfreiheit nach Art. 4 Abs. 1 Grund­
gesetz berufen.
Dabei ist es nicht unerheblich, auf welches Freiheitsrecht man sich
bei seinen Äußerungen beruft beziehungsweise berufen könnte. Zu­
nächst die beiden Artikel im direkten Vergleich:

Art. 5
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu
äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen
ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Be­
richterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine
Zensur findet nicht statt.
(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemei­
nen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend
und in dem Recht der persönlichen Ehre.

Art. 4
(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiö­
sen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.
230 Staats-Antifa

(3) Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe
gezwungen werden. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.

Der Vergleich macht deutlich, dass Art. 5 unter anderem in Absatz 2


gewissen Einschränkungen unterliegt, während sich bei Art. 4 GG nur
grundgesetzimmanente Schranken ergeben. Das heißt, dieses Grund­
recht ist nur insoweit einschränkbar, als dies zum Schutz anderer
Verfassungswerte notwendig ist. Daher ist der durch Art. 4 gewährte
Schutz vor staatlicher Einmischung »hochwertiger«. Dies bedeutet
jedoch nicht, dass die Meinungsfreiheit hinter der Religionsfreiheit
zurücksteht oder gar, dass ein Anspruch hergeleitet werden könnte,
die eigene Religion - mit staatlicher Unterstützung - vor Kritik zu
schützen. Hier soll es ausschließlich darum gehen, inwieweit Islam­
kritik (oder Religionskritik) dem Schutzzweck der Religionsfreiheit
nach Art. 4 Abs. 1 GG unterfällt.
Jedes Freiheitsrecht trägt immanent das Recht in sich, davon in ne­
gativer Weise Gebrauch zu machen. Die Berufsfreiheit enthält somit
keine Pflicht, einen (bestimmten!) Beruf auszuüben, was aber nicht
den Anspruch gewährt, seinen Lebensunterhalt von anderen gestellt
zu bekommen.
Ebenso gibt es keine Pflicht, eine Religion zu haben oder sich zu der
Religion oder Weltanschauung zu bekennen. Zunächst hat die negative
Religionsfreiheit damit das Recht zur Folge, sich einer oder überhaupt
jeder Religion zu verweigern. Die negative Religionsfreiheit ist damit
nicht (unmittelbar) das Recht zur Kritik an einer Religion.
Allerdings enthält Art. 4 Abs. 1 GG auch die Weltanschauungsfrei­
heit. Die negative, also eine Religion ablehnende beziehungsweise eine
antireligiöse Haltung geht auf eine Weltanschauung zurück, die wiede­
rum denselben Schutz wie die Religion selbst genießt.
Die Rechte des Art. 4 Abs. 1 und 2 GG sind als klassische Abwehr­
rechte subjektive Rechte, die die Freiheit gewährleisten, sich zu einem
Glauben oder einer Weltanschauung zu bekennen, dagegen Stellung
zu beziehen oder darüber zu schweigen (Starck in: GG Kommentar
v. Mangoldt, Hermann/Klein, Friedrich/Starck, Christian [Hrsg.],
5. Aufl. München 2005, RN 21 zu Art. 4).
Es ist daher Ausfluss der eigenen Religion oder der eigenen Welt­
anschauung, zu bezweifeln oder zu bestreiten, dass Mohammed als
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 231

Massenmörder von Khaibar der Prophet eines (die Menschen lieben­


den) Gottes sein kann. Jeder hat aufgrund der Religionsfreiheit das
Recht, das Menschenbild, das der jeweiligen Religion zugrunde liegt,
aufgrund eigener religiöser oder weltanschaulicher Überzeugungen
zutiefst abzulehnen und diese Ablehnung auch zu äußern und andere
von der eigenen Sicht zu überzeugen zu suchen.
Es entspricht somit der Religionsfreiheit, einen Gott abzulehnen,
der die Infragestellung eines brutalen, raubenden, Frauen und Kin­
der versklavenden »Propheten« verbietet und der Zweifel als Abfall
von seiner Religion betrachtet und darin ein todeswürdiges Vergehen
sieht. Diese Ablehnung darf auch geäußert werden. Die Religionsfrei­
heit wird nach dem vorgenannten Kommentar zum Grundgesetz in drei
Schichten gewährt. Die erste Schicht gewährt die Freiheit, eine eigene
Vorstellung zu Religion und/oder Weltanschauung zu entwickeln.
Die Glaubens- und Bekenntnisfreiheit gewährleistet in ihrer ersten
Schicht die elementare Freiheit der inneren Überzeugung, der Gedan­
kenfreiheit in den Fragen des Glaubens, sei er religiös, areligiös oder
antireligiös (Starck in: GG Kommentar v. Mangoldt, Hermann/Klein,
Friedrich/Starck, Christian [Hrsg.], 5. Aufl. München 2005, RN 34 zu
Art. 4). Die zweite Schicht ist die Bekenntnisfreiheit, die nach dieser
Vorstellung auch das Recht gewährt, seine inneren Vorstellungen nach
außen zu tragen.
Der Staatsrechtler Prof. Karl Albrecht Schachtschneider sieht die
Religionsfreiheit nicht als einheitliches Grundrecht, sondern als eine
Art Ansammlung von Grundrechten. Dies, so Schachtschneider werde
schon an der Norm selbst erkennbar, die in Art. 4 Abs. 1 GG von der
»Freiheit des Glaubens, des Gewissens und ... Freiheit des religiösen
und weltanschaulichen Bekenntnisses« spricht, die nach diesem Absatz
»unverletzlich« sei. Im zweiten Absatz heiße es jedoch: »Die ungestörte
Religionsausübung wird gewährleistet.« Damit werde deutlich, dass
das Grundgesetz die innere Überzeugungswelt vollkommen frei von
jeder Eingriffsmöglichkeit sehe, während staatliche Beschränkungen
dann möglich seien, wenn der eigene Glaube in Form religiöser Hand­
lungen an die Öffentlichkeit kommt.
Hier soll jedoch weiter entlang der bisher durch das Bundesver­
fassungsgericht angewandten Rechtsdogmatik argumentiert werden,
zumal sich letztlich ohnehin nichts anderes ergäbe. Daher gilt:
232 Staats-Antifa

In der Bekenntnisfreiheit, die sich auf Religion und Weltanschau­


ung in gleicher Weise bezieht, ist das Recht enthalten, »zu sagen, was
man glaubt oder nicht glaubt, und zu verschweigen, dass und was
man glaubt, (Starck in: GG Kommentar v. Mangoldt, Hermann/Klein,
Friedrich/Starck, Christian [Hrsg.], 5. Aufl. München 2005, RN 36 zu
Art. 4). Somit hat man die Freiheit, eine Religion abzulehnen und die
Ablehnung öffentlich zu begründen. Darin ist somit auch das Recht
enthalten, einen anderen von der eigenen religiösen, areligiösen oder
antireligiösen Sicht zu überzeugen. Somit hat auch der Atheist ein
Recht auf friedliche Mission. Es gibt keinen Anspruch, von anderen
nicht durch Beispiel oder Verkündung in seinem Glauben verunsichert
zu werden (Herzog in: Maunz und Dürig, 8. Auflage, München 2009
RN 74 zu Art. 4 GG).
Es kommt dem Staat nicht zu, von seinen Bürgern ein bestimmtes
Denken in religiösen oder weltanschaulichen Fragen zu fordern, und
es ist ihm erst recht versagt, sich durch Einsatz staatlicher Sanktions­
oder auch nur Lenkungsmittel Nachdruck zu verschaffen. Dies bringt
das Bundesverfassungsgericht in einem seiner mittlerweile vielen
Kopftuchurteile zum Ausdruck: »Dem Staat ist es indes verwehrt, der­
artige Glaubensüberzeugungen seiner Bürger zu bewerten oder gar als
>richtig< oder >falsch< zu bezeichnen; dies gilt insbesondere dann, wenn
hierzu innerhalb einer Religion divergierende Ansichten vertreten wer­
den.« (Urteil des BVerfG vom 27. Januar 2015 - 1 BvR 471/10, RN 86)
Dies ist aber genau das, was der Staat hier unternimmt. Er verlangt
qua Amt von seinen Bürgern, eine Unterscheidung des »Islam« von
»Islamismus« vorzunehmen. Aber schon im Islam selbst gibt es di­
vergierende Ansichten, ob manche gesellschaftlichen Vorstellungen,
ob manche Handlungsanweisungen aus Koran und Sunna »islamisch«
oder »islamistisch« sind. Oftmals wird gerade aus der islamischen Ge­
sellschaft eine Abtrennung von Teilen des Islam in seiner Entstehungs­
geschichte, seiner Tradition und seinen Lehren, die westlich denken­
den Menschen widerstreben, als »islamistisch« vehement abgelehnt.
Nun schwingt sich hier der Staat zum Richter über die richtige Sicht­
weise auf - genau das, was ihm nicht zusteht.
Zwar dürfe und solle der Staat eine zur freien Religionsausübung er­
mutigende Atmosphäre befördern. Doch das hat seine Grenzen, meint
das BVerfG ebenfalls in obigem Urteil:
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 233

Der Staat darf lediglich keine gezielte Beeinflussung im Dienste einer be­
stimmten politischen, ideologischen oder weltanschaulichen Richtung
betreiben oder sich durch von ihm ausgehende oder ihm zuzurechnende
Maßnahmen ausdrücklich oder konkludent mit einem bestimmten Glau­
ben oder einer bestimmten Weltanschauung identifizieren und dadurch
den religiösen Frieden in einer Gesellschaft von sich aus gefährden.

Sich einseitig auf die Seite einer Religion oder Strömung innerhalb
einer Religion zu schlagen ist demnach zwar unzulässig; aber das dem
Bundesinnenministerium unterstehende BfV meint dennoch, vom
Bürger eine von der Behörde festgelegte Sichtweise abverlangen zu
dürfen. Folglich könnte das Amt für sich auch in Anspruch nehmen,
die Richtigkeit der christlichen Lehre der Dreifaltigkeit beurteilen zu
wollen. Ein absurder Gedanke, der sich in Bezug auf den Islam jedoch
zur Staatsräson aufgeschwungen zu haben scheint. Anders als beim
Staat kann es keine Pflicht des Bürgers sein, alle Religionen gleich­
mäßig positiv oder negativ oder eben gar nicht zu beurteilen, da dann
die Freiheit mit einer Pflicht einherginge, die der Staat nicht einfordern
darf. Dies bedeutete, die Religions- und Weltanschauungsfreiheit an
sich infrage zu stellen, da es dem Einzelnen obliegt, sich für die aus
seiner Sicht »bessere« oder gar »beste« Religion zu entscheiden. Al­
lerdings findet der Gleichbehandlungsgrundsatz dort sein Ende, wo
die Religion auf die Abschaffung der freiheitlichen demokratischen
Grundordnung abzielt. Frei nach Schachtschneider: »Die Freiheit be­
inhaltet nicht das Recht, diese abzuschaffen.«
Die Ablehnung der Religion darf sich jedes beliebigen Arguments
bedienen, das einen Bezug zu der kritisierten Religion hat. Es mag
den einzelnen Gläubigen (verständlicherweise) in seinem Glauben
verunsichern, wenn sich der eine oder andere darüber belustigt, dass
ein Prophet Allahs auf einem geflügelten, mit einem Mädchengesicht
ausgestatteten Pferd durch die arabische Nacht geflogen sein soll. Doch
die Freiheit, religiöse Dogmen abzulehnen oder anzuprangern, endet
nicht beim Anschlägen von 95 Thesen an einer Kirchenpforte, sie er­
streckt sich auch auf Kritik am Islam.
Es gilt aber dennoch zu unterscheiden, ob die Ablehnung eines
Glaubensbestandteils dem Recht auf freie Religionsausübung oder
der freien Meinungsäußerung unterfällt. Als Beispiel soll hier die Ein-
234 Staats-Antifa

führung der Scharia betrachtet werden, die unauflöslicher Teil des is­
lamischen Glaubens ist (was zum Beispiel nicht für die alevitischen
Muslime gilt, die allerdings von einem nicht unerheblichen Teil der
Umma [Gemeinschaft der Gläubigen/Muslime] als Ungläubige be­
trachtet werden).
Aber auch im politischen (und nicht »lediglich« religiösen) Mei­
nungskampf sind islamkritische oder gar islamfeindliche Äußerungen
statthaft, wie das BVerfG in seinem Urteil zur NPD festhält:

Dies gilt auch für den Protest und den Aufruf zu einer Demonstration
gegen die Moschee in Leipzig-Gohlis unter dem Motto »Maria statt Scha­
ria! Islamisierung und Überfremdung stoppen« am 17. August 2013. Die
Antragsgegnerin dokumentiert dadurch zwar ihre Islamfeindlichkeit. Dies
rechtfertigt aber trotz des Umstandes, dass die Demonstration unmittelbar
vor der Moschee stattfand, die Annahme nicht, dass hierdurch in Über­
schreitung der Grenzen des zulässigen politischen Meinungskampfes eine
Atmosphäre der Angst geschaffen wurde.226

Würde man allerdings die Forderung nach Einführung der Scharia


der Sphäre des Religiösen zuordnen, da sie auf dem durch die Religion
vermittelten Weltbild fußt, müsste man die Überlegung anstellen, in­
wieweit diese Forderung unter dem Schutz der Religionsfreiheit steht.
Oder aber man betrachtet dies als eine politische Forderung und unter­
stellt sie somit dem Schutz des Rechts auf freie Meinungsäußerung.
Wie man es dreht und wendet: Die Ablehnung der Scharia ist ge­
nauso von der Meinungsfreiheit oder Religionsfreiheit gedeckt wie ihre
Befürwortung. Auch deshalb, da das Neutralitätsgebot des Staates es
schlicht verbietet, die Forderungen der einen Seite einem weiter rei­
chenden Schutz zu unterstellen als die Wertvorstellungen der Gegen­
seite. Es steht dem Staat nicht zu, für eine Seite letztlich dadurch Partei
zu ergreifen, dass er eine Forderung mit einem höherwertigen Schutz
versieht als die Ablehnung ebendieser Forderung. Daher ist es insoweit
unerheblich, welchem Bereich man eine Forderung und deren Ableh­
nung zuordnet. Keine verdient einen höheren Schutz als die andere,
und man begegnet sich damit zunächst auf Augenhöhe.
Es gibt allerdings Bereiche, die eine Unterscheidung nach Schutz­
bereich notwendig macht. So ist es im Beamtenrecht nicht unerheblich,
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 235

ob eine Äußerung im Bereich der freien Meinung nach Art. 5 oder der
Religionsfreiheit nach Art. 4 GG zuzuordnen ist.
Während der Beamte der dienstlichen Pflicht zur Mäßigung beim
politischen (!) Engagement unterliegt, darf seine religiöse Freiheit
keine Einschränkung erfahren, es darf ihm auch kein Nachteil aus der
Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit erwachsen (Art. 33 Abs. 3 Satz
1 und 2 GG). Diese auf den staatlichen Dienst bezogene Bestärkung der
Glaubensfreiheit stellt klar, dass der Eintritt in den öffentlichen Dienst
und die Tätigkeit in ihm die volle Glaubensfreiheit wahrt (Starck in:
GG Kommentar v. Mangoldt, Hermann/Klein, Friedrich/Starck, Chris­
tian [Hrsg.], 5. Aufl. München 2005, RN 116 zu Art. 4).
Einschränkungen der Glaubensfreiheit, was das Reden und Handeln
anbelangt, lassen sich nur mit der verfassungsrechtlich gebotenen re­
ligiösen und weltanschaulichen Neutralität des Staates und der für ihn
handelnden Beamten begründen. So kann ein Bewerber für eine Be­
amtenstelle zurückgewiesen werden, der aus religiösen Gründen - wel­
cher Glaubensgemeinschaft er auch immer angehört - nicht bereit ist,
sich jederzeit und uneingeschränkt für die freiheitliche demokratische
Grundordnung der Bundesrepublik einzusetzen. Auslöser für die Ab­
lehnung des Bewerbers ist nicht dessen Religion, sondern dessen feh­
lende Bereitschaft, sich für die Grundordnung einzusetzen (Starck in:
GG Kommentar v. Mangoldt, Hermann/Klein, Friedrich/Starck, Chris­
tian [Hrsg.], 5. Aufl. München 2005, RN 117 zu Art. 4).
Dem Beamten kann verboten werden, im Dienst oder in Uniform
zu missionieren. Außerhalb des Dienstes steht dem Beamten die Glau-
bens(ab)werbung zu, und zwar auch dann, wenn er als solcher er­
kannt wird und wenn sich die Angesprochenen nicht frei fühlen, ihm
zu widersprechen oder ihn abzuweisen (Starck in: GG Kommentar
v. Mangoldt, Hermann/Klein, Friedrich/Starck, Christian [Hrsg.], 5.
Aufl. München 2005, RN 118 zu Art. 4). So viel zu dem Sonderfall des
Staatsdieners.
Trotz aller Neutralität fußt die Verfasstheit Deutschlands auf der
christlichen Tradition. Darauf nahm das Bundesverfassungsgericht in
seinem Kruzifix-Urteil Bezug:

Auch ein Staat, der die Glaubensfreiheit umfassend gewährleistet und sich
damit selber zu religiös-weltanschaulicher Neutralität verpflichtet, kann
236 Staats-Antifa

die kulturell vermittelten und historisch verwurzelten Wertüberzeugun­


gen und Einstellungen nicht abstreifen, auf denen der gesellschaftliche
Zusammenhalt beruht und von denen auch die Erfüllung seiner eigenen
Aufgaben abhängt. Der christliche Glaube und die christlichen Kirchen
sind dabei, wie immer man ihr Erbe heute beurteilen mag, von überra­
gender Prägekraft gewesen. Die darauf zurückgehenden Denktraditionen,
Sinnerfahrungen und Verhaltensmuster können dem Staat nicht gleich­
gültig sein.

Insgesamt bleibt festzuhalten: Wer sich gegen die Kritik am Islam


wendet, der greift damit das Recht des Einzelnen an, eine Religion ab­
zulehnen und dies auch mitzuteilen. Er wendet sich damit gegen die
Religionsfreiheit selbst - meist mit der Behauptung, diese schützen
zu wollen.

LinXXnet: Ein Abgeordnetenbüro als Stützpunkt


der militanten Szene

Corinna Genschel zeigte sich begeistert: Sehr schnell hatten diverse


Gruppen sich verabredet. »Es gab eine Einigung auf das, was wir kom­
pakte Woche< genannt haben.« Die Woche, die Genschel meint, ist die
der G2o-Gipfel-Veranstaltungen in Hamburg. »Wir haben in dieser
Runde, also von Kirchenvertreterinnen bis hin zu radikalen, radika­
leren Bewegungen beschlossen, dass wir das richtig finden, ein paar
Tage im Zusammenhang miteinander zu organisieren - auch wenn
alle einzeln für die Tage verantwortlich sind.« Es gehe unter anderem
um »massenhaften zivilen Ungehorsam«, um den Beginn des Gipfels
»zu verzögern, zu verhindern, zu stoppen, was auch immer«, erklärt
Genschel.
Es ist der 14. Juni 2017, als Genschel in Leipzig von den Vorberei­
tungen der linken Szene auf den G2o-Gipfel berichtet. Veranstalterin
ist LinXXnet, das Büro der sächsischen Landtagsabgeordneten Jule
Nagel (Die Linke). Es sind nur noch wenige Tage bis zum G2o-Gipfel
in Hamburg. Genschel wird in der Ankündigung der Veranstaltung
als Vertreterin der »Kontaktstelle Außerparlamentarische Bewegun­
gen der Linksfraktion«, aber auch des Bündnisses »Block G20« vor­
gestellt. Die »Kontaktstelle« der Bundestagsfraktion wendet sich auch
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 237

an die Antifa, wie es ausdrücklich auf der Website der Fraktion heißt.227
Deren Mitarbeiterin Genschel berichtet nicht zuletzt deshalb ent­
sprechend gut informiert über Absprachen, Besprechungen und das
»Protestsetting«.
LinXXnet veranstaltet aber nicht nur extrem linke Veranstaltun­
gen, sondern ist auch die Adresse der örtlichen Roten Hilfe. Jeden
Freitag kann man sich dort Tipps und Tricks im Kampf gegen staat­
liche Repression abholen. Das ist nicht weiter verwunderlich, ist doch
Jule Nagel, die dem parlamentarischen Arm der Antifa im sächsischen
Landtag zuzurechnen ist, selbst Mitglied der Roten Hilfe. 10 Euro Mit­
gliedsbeitrag entrichtet die rote Jule an den Unterstützerverein für
Straftäter, die keine Reue zeigen.
Aber Nagel nutzt das LinXXnet nicht allein als Büro. Vielmehr dient
es auch der Landesgruppe Sachsen im Deutschen Bundestag als Ver­
waltungseinrichtung. Ausdrücklich werden Bundestags- und Land­
tagsabgeordnete als Nutzer genannt:

♦ Katja Kipping (MdB)


♦ Michael Leutert (MdB)
♦ Juliane Nagel (MdL Sachsen)
♦ Marco Böhme (MdL Sachsen)

Alle Genannten sind oder waren Mitglied der Roten Hilfe. Denn auch
Marco Böhme gehörte bis mindestens Januar 2019 ebenfalls der Roten
Hilfe an. Mittlerweile ist der Eintrag, der seine Mitgliedschaft in der
Roten Hilfe ausweist, von seiner Website verschwunden.
In so einer Umgebung darf auch der staatliche finanzierte Verein
»Miteinander« nicht fehlen. Als LinXXnet zusammen mit »WERK-
Kulturfabrik« im April 2018 eine Veranstaltung mit dem Titel »Der
Osten ist blau-braun?!« abhielt, diskutierte David Begrich mit Kerstin
Köditz und Jule Nagel.
Am 27. Juni 2017 trat bei der Veranstaltung mit dem Titel »Gip­
fel der Bewegung« der in der Ankündigung als »Autor« bezeichnete
Oliver Rast auf. Er kann tatsächlich auf ein bewegtes Aktivistenleben
zurückblicken. Vom Kammergericht Berlin war Rast, Mitglied der
»militanten gruppe« (mg), zu 3 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt
worden. In seinem Bemühen, mit seinen beiden Mittätern, eine - Zi-
238 Staats-Antifa

tat Kammergericht - »kommunistische Weltordnung« errichten zu


wollen, verübten sie Brandanschläge.228 Rast, der in seiner Jugend bei
den Jusos und dann bei der »Alternativen Liste«, der Vorgängerin der
Grünen in Berlin, engagiert war, bevor er sich »sozialen Bewegungen«
anschloss,229 erzählte, wie im Vorfeld des G8-Gipfels in Heiligendamm,
der auch schon recht gewalttätig verlief, das »Aktionslevel« zum Gipfel
im Jahr 2007 hin erhöht worden war. »Wir müssen halt schauen, was
10 Jahre später möglich ist«, meinte Rast in Bezug auf den G2o-Gipfel
in Hamburg. Wie wir heute wissen, war da sehr viel möglich.

Jutta Ditfurth und die »Konterrevolution« (1989 und heute)


Besonderer Prominenz erfreut sich ein Gast der LinXXnet-Veranstal­
tung im Oktober 2015 im Conne Island, einem jener »selbstverwalte­
ten« linken Läden. Conne Island soll schon bald auch außerhalb der
linken Szene von sich reden machen, als im Jahr darauf die Leiter des
linken Zentrums mitten im alternativen Leipziger Stadtteil Conne­
witz die sexuellen Übergriffe, die von »Flüchtlingen« in ihrem »Club«
ausgehen, öffentlich machen und sich damit intern massive Kritik als
»Rassisten« einhandeln.230
Die linke Welt im Conne Island ist 2015 allerdings noch in Ordnung,
und so kann man sich mit voller Leidenschaft auf einer von LinXXnet
ausgerichteten Veranstaltung dem linken Thema schlechthin widmen:
Militanz, sprich: Gewalt. Stargast: Jutta Ditfurth. Die ehemalige Vor­
sitzende der Grünen rät den Zuhörern, nicht auf die Revolution zu
warten, sondern Revolution zu machen. Es sei ein Irrtum zu glauben,
»die Revolution, der Aufstand, die revolutionären Ansätze, die Revol­
ten oder was auch immer, die Ausbrüche, die kommen ja sowieso.«
Denn: »Die kommen nicht sowieso, weil es nämlich Gegenkräfte gibt,
weil es eine u-u-unglaubliche Welle von Konterrevolution gibt.« Alles
nachzuhören in den von LinXXnet veröffentlichten Mitschnitten der
eigenen Veranstaltungen.231
Dabei kann man auch einem Teilnehmer der Veranstaltung lau­
schen, der eine Anleitung gibt, wie man einen Molotowcocktail so ent­
zünden kann, dass man sich nicht selbst gefährdet. Man spürt: Jutta
Ditfurth fühlt sich in ihrer Selbstdarstellung gestört. »Die kleine Ge­
brauchsanleitung ist glaube ich angekommen«, schließt Ditfurth das
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 239

Thema ab. Keine Distanz von Gewalt, kein Relativieren, nichts der­
gleichen ist vom Podium zu hören. Im Gegenteil.
Eine Gegenrede ist auch von Thomas Ebermann nicht zu erwar­
ten, der wie Ditfurth auf der Bühne Platz genommen hat: »Selbstver­
ständlich, weit ausgeführt durch die Kritische Theorie kommt auch
die militante Aktion, die ich, wie gesagt, immer verteidige und in die
ich verstrickt bin - sowohl im Alltäglichen als auch im Demogröße­
rahmen«, führt der ehemalige Grüne im Kontext weitschweifiger Er­
klärungen aus.
Man hört heraus, warum Ebermann vor den Grünen im Kommu­
nistischen Bund war: »Ich sehe die Militanz oft als Notwehr gegen
die Zumutungen dieser Gesellschaft und ihrer Rituale.« Von 1987 bis
1989 war Ebermann Bundestagsabgeordneter und lässt die Zuhörer
im Conne Island wissen, was er von Parlamentarismus hält: »Jede An­
sprache im Bundestag, die mit den Worten beginnt: >Liebe Kollegin­
nen und Kollegenh, verrät den Redner. Denn das sind für mich keine
lieben Kolleginnen und Kollegen, das ist Feindesland. Deswegen habe
ich vorhin die Passage zum Hass und seiner Legitimation vorgetragen.
Und aus dieser Position glaube ich, die Macht in der Gesellschaft selber
erzeugt Opposition, die unerträglich ist.«
Kein Wunder, dass Herr Ebermann - unwidersprochen von Frau
Ditfurth - der Militanz das Wort redet: »Habituell ausdrücken, dass
das, was ich will, von mir mit einigem Ernst verfolgt wird, das ist die
größte Legitimation von Militanz in meinem Leben.«
Ditfurth steht nicht hintan, hier gleichzuziehen. Vielmehr über­
trifft sie den Militanz-Prediger: Wenn sie jemand so verstanden haben
sollte, als müsste (politische) Gewalt auch noch begründbar sein, dann
habe er nur nicht richtig zugehört: »Also, wenn man so will, Militanz
als eine Negation auf der Straße, ich sage nicht, dass die im Einzelfall
begründet sein muss, sondern das ist der Ausdruck von Hass und Wut
auf scheiß Verhältnisse, auch wenn man in dem Moment, oder gerade
weil man sie im Moment überhaupt nicht durchschaut. Man weiß nur:
Die Welt stimmt nicht, wie sie ist. Das ist vollkommen legitim! Wenn
ich mich da missverständlich ausgedrückt haben sollte...« - »Nein,
hast Du nicht«, springt ihr Ebermann bei.
Die Anti-TTIP Demonstration in Berlin vom Oktober 2015, wenige
Tage vor ihrem Auftritt bei LinXXnet, war der Grünen nicht militant
240 Staats-Antifa

genug: »Das ist ein organisierter Ausdruck von Friedfertigkeit und von
Schafen, die in einen Pferch geführt werden«, erklärte die ehemalige
Grünen-Chefin den Zuhörern. So komme man natürlich nicht voran.
Aber die Mitbegründerin der Grünen, die heute für die Liste »Öko-
LinX - Antirassistische Liste« im Frankfurter Römer sitzt, hat auch
schon Schlimmeres erlebt: die friedliche Revolution:

Als dann die sogenannte Mauer fiel, habe ich völlig erstarrt Fernseh ge­
guckt in Frankfurt. Dachte: Scheiße. Jetzt wird Deutschland fett und groß
und jetzt gibt’s irgendwann Krieg. War nicht so ganz falsch die Vermutung.
Und ich fand auch den Wortschatz jener Zeit ziemlich karg. In allen Inter­
views immer »Wahnsinn« - und unerträglich viele deutsche Fahnen. Das
heißt, ich hatte nicht [das] Gefühl, da ist friedliche Revolution. Ich hatte
das Gefühl: Hier ist ’ne massive Konterrevolution.

»Wir führen den Klassenkampf«

Die Vorstellung, die Gesellschaft sei in fest gefügte Klassen zu unter­


teilen, denen der Einzelne nahezu unentrinnbar zugeordnet ist und
die als Kollektive im Kampf miteinander liegen, ist keine, die mit dem
Grundgesetz und seinem Menschenbild vereinbar wäre.
Aus dem BfV-Gutachten, Seite 18 oben, heißt es - zunächst einmal
vollkommen richtig (Hervorhebungen durch den Autor):

Damit [mit der Menschenwürde] unvereinbar sind zunächst Vorstellun­


gen von einem ursprünglichen und unbedingten Vorrang eines wie auch
immer gearteten Kollektivs gegenüber dem einzelnen Menschen. Die Men­
schenwürde wird nur geachtet, wenn der Einzelne als grundsätzlich frei
und die ihm auferlegten Sozialbindungen als rechtfertigungsbedürftig ge­
dacht werden. [... ] Wer aber eine Gesellschaft will, in der der Einzelne dem
Kollektiv untergeordnet ist, ohne dass es dafür im Einzelfall einer Begrün­
dung bedürfe, wendet sich daher gegen die Garantie der Menschenwürde.

Das Verwaltungsgericht München betrachtet den Begriff des Klassen­


kampfes in seinem rechtskräftigen Urteil zur Beobachtung der VVN-
BdA aus (Az.: M 22 K 11.2221, Hervorhebungen durch den Autor) als
nicht mit dem Grundgesetz vereinbar:
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 241

Der Begriff »Klassenkampf« ist ein zentraler Terminus der marxistischen


Theorie. Im Kampf der gesellschaftlichen Klassen manifestiert sich danach
der Widerspruch zwischen den gesellschaftlichen Produktivkräften (dem
Entwicklungsstand der Arbeitskraft, der Produktionsmittel und Produk­
tionstechniken) und den Produktionsverhältnissen (bzw. den Eigentums­
verhältnissen an den Produktionsmitteln) als Klassengegensatz, welcher
durch den Umsturz der bestehenden Klassengesellschaft eine revolutio­
näre Umwälzung der Produktionsverhältnisse herbeiführt. Das Klassen­
kampf-Konzept ist mit der freiheitlich demokratischen Grundordnung
des Grundgesetzes nicht vereinbar, was der Bericht [Anmerkung Autor:
Verfassungsschutzbericht Bayern] zutreffend zum Ausdruck bringt. Das
Gruß wort von Prof..... welches er ausdrücklich in seiner Eigenschaft als
Bundesvorsitzender der ..., also als oberster Repräsentant der Vereini­
gung, abgab, muss sich die Klägerin zurechnen lassen.232

Die Linke scheint hingegen kein Problem mit dem Klassenkampf zu


haben. Dabei wird gern deren geistige Wurzel unter den Teppich ge­
kehrt und auch die Geschichte mit Millionen von Toten. Etwa bei der
durch Stalin durchgeführten »Entkulakisierung« mit ihren Hundert­
tausenden Todesopfern. Es traf meist (verhältnismäßig) wohlhabende
Bauernfamilien. Ob Kind, ob Greis, wer Mitglied der verfolgten Fa­
milie war, war Klassenfeind. Ein solcher ist auch jeder, der sich der
absoluten Herrschaft der Partei entgegenstellt. Und das in jedem so­
zialistischen Regime.
Die Menschenverachtung, der Verstoß gegen die Menschenwürde
und ihre Negation beginnt aber nicht mit den Massengräbern. Man
hat diese schon weit hinter sich gelassen, wenn man - wie die Staats­
sicherheit des Erich Mielke - eingedenk der Annäherung zwischen
Ost und West nicht mehr ganz so offensichtlich gegen Oppositio­
nelle vorgehen wollte. Meinte Walter Ulbricht Anfang Mai 1945 noch:
»Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand
haben«, so wollte der Minister für Staatssicherheit die absolute Herr­
schaft der Kommunisten tarnen, optisch »aufhübschen«. Mielke wollte
die brutale Verfolgung Oppositioneller, oder wen die Stasi dafür hielt,
wegschminken. Nicht mehr mit voller Wucht, mit offenkundiger und
sichtbarer Brutalität, sondern subtil sollte der Mensch, den Mielke,
Honecker und die übrigen Bosse in der Parteinomenklatura für den
242 Staats-Antifa

Klassenfeind hielten, zerstört, genauer: »zersetzt« werden. So nannte


dies die Richtlinie 1/76, die vom Jahr 1976 an der Stasi vorgab, wie sie
»feindlich negative Kräfte« zu bekämpfen hatte.233
Das konnte auch durch Wohnungseinbrüche geschehen, bei denen
die Stasi-Leute Gegenstände in der Wohnung umplatzierten, bis ihr
Opfer an seinem Verstand zweifelte. Oder indem die Stasi einem oppo­
sitionellen Pfarrer ein außereheliches Verhältnis andichtete und dafür
sorgte, dass sich das Gerücht im Dorf verbreitete. Ganz ähnlich also
zu dem, was heute die Antifa durch Outings betreibt. Bei Bedarf gab
es selbstverständlich noch weit härtere Maßnahmen der Stasi, bis hin
zum Mordanschlag.
Das ist Klassenkampf, auch wenn Linke immer wieder glauben -
oder dies vorgeben -, beim nächsten »Versuch« mit Menschen, ja mit
ganzen Gesellschaften werde alles anders. Die Fehler würden sich nicht
wiederholen. Wobei auch nicht sicher ist, ob die Fehler von so man­
chem in der Linken (Bewegung wie auch Partei) immer als Fehler be­
griffen wird. Zum Beispiel, wenn Bodo Ramelow sich über Menschen
belustigt, die die DDR als das bezeichnen, was sie war: ein Unrechts­
staat. Oder wenn die Verfassungsrichterin Barbara Borchardt in einem
Interview mit der Süddeutschen Zeitung meint, es habe auf beiden
Seiten der Mauer Tode gegeben, da auch Grenzsoldaten erschossen
worden seien. Oder wenn der Historiker Hubertus Knabe von linken
Politikern aus seinem Amt als Leiter der Gedenkstätte Berlin Hohen­
schönhausen, des ehemaligen Stasi-Knasts, gedrängt wird, oder wenn
ehemalige Stasi-Zuträger als Abgeordnete oder in der bezuschussten
»Zivilgesellschaft« vermeintlich der Demokratie dienen. All diese Bei­
spiele zeigen nur eines: Eine tatsächliche Auseinandersetzung mit So­
zialismus und Kommunismus, mit der letzten Diktatur auf deutschem
Boden, hat es nach der »friedlichen Revolution« nicht gegeben.
Und so wird der Klassenkampf weitergeführt, immer am Rande
des augenblicklich Möglichen, den die politische Linke beständig zum
eigenen Vorteil zu verschieben sucht. Manchmal blitzt dieser Kampf
gegen die freie Gesellschaft derart scharf und unverkennbar auf, dass
sogar die breite Öffentlichkeit für einen kleinen Augenblick davon
Notiz nimmt, aber in der großen Mehrheit alles für einen Ausreißer,
eine Ausnahme hält. Etwa wenn auf der Strategiekonferenz der Linken
Ende Februar, Anfang März 2020 in Kassel eine Teilnehmerin erklärt:
Wie ein Gutachten die Meinungspolizei entlarvte 243

»Energiewende ist auch nötig nach ’ner Revolution. Und auch wenn
wir das eine Prozent der Reichen erschossen haben, ist es immer noch
so, dass wir heizen wollen, wir wollen uns fortbewegen. Na ja, is so!«
Der Parteivorsitzende Bernd Riexinger hat eine »bessere« Idee: »Ich
möchte nur sagen: Wir erschießen sie nicht, wir setzen sie schon für
nützliche Arbeit ein.« Nichts Neues. Im Programm der SED von 1976
heißt es: »Sie [die SED, Anm. d. Autors] betrachtet die ... gesellschaft­
lich nützliche Arbeit als Herzstück der sozialistischen Lebensweise.«
Auf derselben Strategiekonferenz legt der wissenschaftliche Mit­
arbeiter mehrerer Bundestagsabgeordneter der Linken - und zugleich
Mitglied der »Anitkapitalistischen Linken« (AKL) -, Tim Fürup, seine
Sicht auf den Parlamentarismus offen (Hervorhebung durch den Autor):

Wir müssen diesen parlamentsfixierten Abgeordnetenbetrieb schwächen.


Und das machen wir damit, dass wir feststellen, was die Aufgaben einer
Linken sind: Staatsknete im Parlament abgreifen, Informationen aus dem
Staatsapparat abgreifen, der Bewegung zuspielen, den außerparlamentari­
schen Bewegungen das zuspielen, und dann braucht man natürlich noch
das Parlament als Bühne, weil die Medien sind so geil auf dieses Parlament,
das sollten wir doch nutzen.

Auch sonst lässt Fürups Rede nichts an Offenheit zu wünschen übrig:


»Wie gehts denn gegen Rechts weiter?«, fragt der Antifa-Unterstützer
rhetorisch und fährt fort: »Abgeordnetengehälter gehören beschränkt,
und ich glaube, dass ein Facharbeiterlohn ausreicht. Die Differenz da­
von: Es gibt in jeder Stadt eine vernünftig operierende Antifa ...«
Fürup wird, nachdem sein Auftritt in der Öffentlichkeit für Auf­
sehen gesorgt hat, vom Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel als
wissenschaftlicher Mitarbeiter beurlaubt. Arbeitsrechtliche Schritte
würden geprüft; es sei schwierig, so Zdebel Mitte März gegenüber dem
Spiegel.234 Die Schwierigkeiten halten Ende Mai 2020 offenbar immer
noch an. Auch am 28. Mai ist auf der Website Zdebels das AKL-Mit-
glied Fürup weiterhin als Mitarbeiter vermerkt. Eine Anfrage, wie es
denn 2 Monate nach Fürups Rede um die vermeintlich diffizile arbeits­
rechtliche Entscheidung bestellt sei, lässt Zdebel unbeantwortet.
Der Klassenkampf findet auch in den Gliederungen der Linken
seine Unterstützer, wie etwa auf der Website des Landesverbandes
244 Staats-Antifa

Sachsen-Anhalt zu lesen ist, wo der Klassenkampf positiv konnotiert


wird:

Gewerkschaften sind das Stärkste, was die Schwachen haben - eine Er­
kenntnis aus vielen Jahrzehnten Klassenkampf in den kapitalistischen
Ländern.235

Anne Geschonneck erklärte als Mitglied der Linksjugend 2013 zur Dis­
kussion, wie weit sich Die Linke der SPD annähern sollte, um nach der
Wahl im März 2016 eine gemeinsame Regierung zu stellen:

Wir sollten jetzt vom Wahlkampf zum Klassenkampf kommen.236

Der Karriere Geschonnecks hat dieser Appell nicht geschadet. Ein


Jahr später, als die Klassenkämpferin Mitglied in der Roten Hilfe ist,
wird sie in den Bundesvorstand der Partei berufen. Dort wird mitt­
lerweile die Fackel des Klassenkampfes von anderen weitergetragen.
In einer Pressemitteilung vom 10. Oktober 2018 zur gemeinsamen
Demonstration mit »#unteilbar« - im Übrigen zusammen mit vielen
Linksextremisten - erklären die Parteivorsitzenden Katja Kipping und
Bernd Riexinger:

Das riecht nach Klassenkampf - und genau den führen wir.237

Man sollte ihnen glauben. Die meinen das so!


Anlagen

Anlage 1:

Liste der Projekte, die beim Netzwerk München e. V. Mitglied sind:

♦ AG Spak
♦ Gesundheitsladen
♦ El Caracol Wohnprojektinitiative
♦ Ende Gelände
♦ Flüchtlingsrat Bayern
♦ Ferienwohnungen Ligurien
♦ Hausprojekt Ligsalz8
♦ Jugendzentrum Dorfen
♦ Karawane
♦ KulturLaden Westend
♦ muc postkolonial
♦ Münchner Literaturbüro
♦ Nicaragua libre
♦ Kafe Marat
♦ Ökumenisches Büro
♦ Stattplan
♦ Stattreisen
♦ Rote Hilfe OG-München
♦ Radio Lora
♦ Werkhaus
♦ Werkkreis Literatur

Anlage 2

Erstunterzeichner des Bündnisses beziehungsweise des Aufrufes »Auf­


stehen gegen Rassismus«:

♦ 15-M Berlin
♦ Aktionsbündnis Sozialproteste (ABSP)
♦ Aktionsnetzwerk Leipzig nimmt Platz

245
246 Anhang

♦ Antifa Herzogtum Lauenburg


♦ Antifa Oberhausen
♦ Antifaschistische Bildungsinitiative e.V. Friedberg
♦ AStA der Universität Göttingen
♦ Attac Deutschland
♦ Berliner Bündnis gegen Rechts
♦ Bündnis 90/Die Grünen Hessen
♦ Bündnis 90/Die Grünen Hamburg
♦ Bündnis antifaschistischer Strukturen Hessen
♦ Bündnis gegen Rechts Braunschweig
♦ Chaos Computer Club e. V.
♦ DIDF - Föderation der demokratischen Arbeitervereine
♦ Die Linke
♦ Die Linke.SDS
♦ DKP Niedersachsen
♦ ETHIA - Leben in die Politik! (Bundespartei)
♦ Flüchtlingsrat Berlin
♦ Flüchtlingsrat Thüringen
♦ fzs - freier Zusammenschluss von studentlnnenschaften
♦ haekelclub59o
♦ Interventionistische Linke
♦ Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD Bund e.V.)
♦ In safe hands e.V. - Initiative deutscher Profitorwärter
♦ Institut Solidarische Moderne (Vorstand)
♦ Izquierda Unida Alemania
♦ JANUN e.V. - Jugendumweltnetzwerk Niedersachsen
♦ Hannover
♦ Jüdische Gemeinde Pinneberg
♦ Jugendtheaterbüro Berlin
♦ Juso-Bundesvorstand
♦ Katholische Landjugendbewegung Deutschlands e. V.
♦ Kotti & Co
♦ LandesAstenKonferenz Berlin
♦ Lautstark gegen Rechts Rhein-Main
♦ linksjugend [solid]
♦ marxistische linke e. V.
♦ Moabit hilft
Anlagen 247

♦ Münster gegen Pegida


♦ Naturfreunde
♦ Naturschutzjugend
♦ Netzwerk antirassistische Aktion Kiel (nara)
♦ No Legida
♦ PIRATEN Berlin
♦ Podemos Berlin
♦ Rainbow Refugees Cologne - Support Group
♦ Refugee Schul- und Unistreik Berlin
♦ Refugees Welcome Flensburg
♦ Solijugend-Bundesvorstand
♦ SPD Berlin
♦ TOP B3RLIN organisiert in Ums Ganze!
♦ VVN-BdA
♦ Michel Abdollahi (Journalist)
♦ Marcus Adler (Vorsitzender Bundesjugendwerk der AWO e. V.)
♦ Gesine Agena (Bundesvorstand Bündnis 90/Die Grünen)
♦ Detlef Ahting (ver.di Landesleiter Niedersachsen)
♦ Düzgün Altun (Vorstandsmitglied DIDF)
♦ Prof. Elmar Altvater (Politikwissenschaftler)
♦ Jeanne Andresen (Aktion Rheinland-Widerstand. Gestern,
heute, morgen)
♦ Antje Arndt (Vorsitzende Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt)
♦ Dr. Katarina Barley (Generalsekretärin der SPD)
♦ Dr. Dietmar Bartsch (MdB, Vorsitzender Linksfraktion im
Bundestag)
♦ Dr. Johannes M. Becker (Friedensforscher)
♦ Rolf Becker (Schauspieler)
♦ Matthias Beer (Gewerkschaftssekretär IG Metall)
♦ Esther Bejarano (Auschwitz-Überlebende)
♦ Prof. Dr. Bernd Belina (Geograf)
♦ Immanuel Benz (Bundesvorsitzender SJD-Die Falken)
♦ Frank Bethke (stellvertretender Landesleiter ver.di NRW)
♦ Sascha Böhm (Bundesleiter Naturfreundejugend)
♦ Jürgen Bothner (Landesbezirksleiter ver.di Hessen)
♦ Matthias Brenner (Intendant Neues Theater Halle)
♦ Cuno Brune-Hägele (Geschäftsführer ver.di Stuttgart)
248 Anhang

♦ Frank Bsirske (ver.di Bundesvorsitzender)


♦ Christine Buchholz (MdB Die Linke)
♦ Günter Burkhardt (Pro Asyl Geschäftsführer)
♦ Prof. Dieter Dettke (Politikwissenschaftler)
♦ Oliver Dietzel (1. Bevollmächtigter IG Metall Nordhessen)
♦ Farhad Dilmaghani (DeutschPlus e. V.)
♦ Prof. Klaus Dörre (Soziologe)
♦ Hannah Eberle (BLOCKUPY)
♦ Janis Ehling (Die Linke.SDS)
♦ Ulrike Eifler (Geschäftsführerin DGB Südosthessen)
♦ Christine Eitel (Kölner Studis gegen Rechts)
♦ Hartwig Erb (1. Bevollmächtigter IG Metall Wolfsburg)
♦ Michael Erhardt (1. Bevollmächtigter IG Metall Frankfurt)
♦ Sophie Feite (Vorsitzende Bundesjugendwerk der AWO e. V.)
♦ Malte Fiedler (linksjugend [solid] Bundessprecherinnenrat)
♦ Robert Fietzke (Sprecher Blockmd)
♦ Sebastian Friedrich (AfD-Experte)
♦ Uwe Funke (Düsseldorf stellt sich quer)
♦ Kai Gehring (MdB Bündnis 90/Die Grünen)
♦ Corinna Genschel (Vorstandsmitglied im Komitee für Grund­
rechte und Demokratie)
♦ Axel Gerntke (1. Bevollmächtigter IG Metall Wiesbaden-
Limburg)
♦ Heiko Glawe (DGB Regionsgeschäftsführer Berlin)
♦ Katrin Göring-Eckardt (Vorsitzende der Bundestagsfraktion
Bündnis 90/Die Grünen)
♦ Dr. Rolf Gössner (Vorstandsmitglied der Internationalen Liga
für Menschenrechte)
♦ Hanni Gramann (Attac KoKreis)
♦ Jürgen Grässlin (Autor und Friedensaktivist)
♦ Oliver Greie (ver.di Landesbezirksleiter SAT)
♦ Corinna Groß (stellvertretende Landesleiterin ver.di NRW)
♦ Uli Grätsch (MdB SPD)
♦ Ernst Grube (Auschwitz-Überlebender)
♦ Simon Habermaaß (Bundesjugendsekretär ver.di)
♦ Erik Hattke (Dresden für Alle)
♦ Frigga Haug (Vorsitzende Berliner Institut für kritische Theorie)
Anlagen 249

♦ Dorothee Häußermann (Attac KoKreis)


♦ Radio Havanna (Band)
♦ Michael Hehemann (1. Bevollmächtigter IG Metall Emden)
♦ Andre auf der Heiden (Personalratsvorsitzender Stadtverwaltung
Oberhausen und ver.di Landesbezirksvorsitzender NRW)
♦ Moritz Heuberger (Grüne Jugend Sprecher)
♦ Prof. Peter Herrmann (Soziologe)
♦ Uwe Hiksch (Bundesvorstand NaturFreunde Deutschlands)
♦ Toni Hofreiter (Vorsitzender der Bundestagsfraktion Bündnis
90/Die Grünen)
♦ Dr. Eva Högl (Stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundes­
tagsfraktion)
♦ Dr. Axel Holz (Bundesvorsitzender VVN-BdA)
♦ Jochen Homburg (1. Bevollmächtigter IG Metall Darmstadt)
♦ Tobias Huth (Gewerkschaftssekretär DGB Südosthessen)
♦ Stefanie Jahn (Gewerkschaftssekretärin IG Metall Oranienburg)
♦ Mario John (1. Bevollmächtigter IG Metall Chemnitz)
♦ Mike Josef (Vorsitzender der SPD Unterbezirk Frankfurt)
♦ Lamya Kaddor (Vorsitzende Liberal Islamischer Bund e. V.)
♦ Stefan Kademann (1. Bevollmächtigter IG Metall Zwickau)
♦ Almut Kapper-Leibe (1. Bevollmächtigter IG Metall Halle-
Dessau)
♦ Felicitas Karimi (Willkommen im Westend)
♦ Erdogan Kaya (Vorsitzender ver.di Bundesmigrationsausschuss)
♦ Romin Khan (Referent Migrationspolitik beim ver.di Bundes­
vorstand)
♦ Ayten Kaplan (Navdem)
♦ Andreas Kemper (AfD-Experte)
♦ Cornelia Kerth (Bundesvorsitzende VVN-BdA)
♦ Luise Klemens (ver.di Landesleiterin Bayern)
♦ Peter Kippes (1. Bevollmächtigter IG Metall Schweinfurt)
♦ Katja Kipping (Parteivorsitzende Die Linke)
♦ Tobias Köck (Stellvertretender Vorsitzender Solijugend)
♦ Kerstin Köditz (MdL Die Linke Sachsen)
♦ Ralf Köhler (1. Bevollmächtigter IG Metall Südbrandenburg)
♦ Thomas Eberhardt-Köster (Attac KoKreis)
♦ Jutta Krellmann (Die Linke MdB)
250 Anhang

♦ Ricarda Lang (Bundesvorstand Grüne Jugend)


♦ Armin Langer (Koordinator der Initiative Salaam-Shalom)
♦ Thomas Lechner (Queerbeats.de)
♦ Prof. Dr. Stephan Lessenich (Soziologe)
♦ Volker Lösch (Regisseur)
♦ Diana Markiwitz (ver.di Geschäftsführerin Schwerin)
♦ Hans-Gerd Marian (NaturFreunde Deutschlands)
♦ Aiman Mazyek (Vorsitzender des Zentralrats der Muslime)
♦ Ferdinand Meyer-Erlach (Bundesvorstand Juso-Hochschul­
gruppen)
♦ Dr. Matthias Miersch (Sprecher Parlamentarische Linke in der
SPD - Bundestagsfraktion)
♦ Michael Müller (Bundesvorsitzender NaturFreunde)
♦ Martina Münch (Sprecherin Cottbusser Aufbruch e. V.)
♦ Rainer Näbsch (1. Bevollmächtigter IG Metall Celle-Lüneburg)
♦ Narcolaptic (Band)
♦ Dirk Neubner (Personalratsvorsitzender der Stadtverwaltung
Mülheim an der Ruhr)
♦ Mario Neumann (BLOCKUPY Koordinierungskreis)
♦ Oliver Ongaro (Stay - Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative)
♦ Cem Özdemir (Bundesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen)
♦ Prof. Dr. Norman Paech (Rechtswissenschaftler)
♦ Luigi Pantisano (Geschäftsführer Fraktion SÖS-Linke-PluS in
Stuttgart)
♦ Peggy Parnass (Schauspielerin)
♦ Petra Pau (MdB Die Linke)
♦ Simone Peter (Bundesvorsitzende der Partei Bündnis 90/Die
Grünen)
♦ Michael Philippi (stellvertretender Dekan der evangelischen
Kirche Freiburg)
♦ Giovanni Pollice (Vorsitzender Mach meinen Kumpel nicht an!)
♦ Rantanplan (Band)
♦ Werner Rätz (Attac KoKreis)
♦ Wolfgang Räschke (1. Bevollmächtigter IG Metall Salzgitter-
Peine)
♦ George Rashmawi (Vize-Präsident Bundesverband Deutsch­
arabischer Vereine)
Anlagen 251

♦ Iman Andrea Reimann (Vorstandsvorsitzende Deutschsprachi­


ger Muslimkreis Berlin)
♦ Martina Renner (MdB Die Linke)
♦ Irie Revoltes (Band)
♦ Bernd Riexinger (Parteivorsitzender Die Linke)
♦ Hannes Rockenbauch (Aktivist Stuttgart2i)
♦ Paul Rodermund (Bundesvorsitzender SDAJ)
♦ Michaela Rosenberger (NGG Bundesvorsitzende)
♦ Dr. Ernst Dieter Rossmann (MdB SPD)
♦ Stefan Sachs (1. Bevollmächtiger IG Metall Mittelhessen)
♦ Prof. Birgit Sauer (Politikwissenschaftlerin)
♦ Jamila Schäfer (Grüne Jugend Sprecherin)
♦ Dr. Michael Schäfers (Bundesgeschäftsführer der KAB
Deutschlands)
♦ Dr. Stefan Schmalz (Soziologe)
♦ Gabriele Schmidt (ver.di Landesbezirksleiterin NRW)
♦ Regina Schmidt-Kühner (Bundesvorstand NaturFreunde)
♦ Horst Schmitthenner (IG Metall)
♦ Schmutzki (Band)
♦ Paul Schöbel (Pfarrer Katholische Kirche SWR)
♦ Friedrich Schorlemmer (Evangelischer Theologe)
♦ Claus Schreer (Münchner Bündnis gegen Krieg und Rassismus)
♦ Matthias Schröder (Sprecher GEW Bundesausschuss der
Studentinnen und Studenten)
♦ Dirk Schulze (1. Bevollmächtigter IG Metall Hannover)
♦ Manuela Schwesig (ehemalige Stellvertretende Parteivorsitzende
der SPD)
♦ Ilya Seifert (Vorsitzender Allgemeiner Behindertenverband in
Deutschland)
♦ Isabell Senff (Vorstand ver.di Jugend)
♦ Frido Seydewitz (NS-Verfolgter und Widerstandskämpfer)
♦ Ahmed Shah (Künstlerischer Leiter Refugee Club Impulse und
Jugendtheaterbüro Berlin)
♦ Justin Sonder (Auschwitz-Überlebender)
♦ Wolfgang Stadler (Vorsitzender AWO Bundesverband)
♦ Dr. Ralf Stegner (Stellvertretender Parteivorsitzender der SPD)
♦ Thomas Steinhäuser (Gewerkschaftssekretär IG Metall)
252 Anhang

♦ Tom Strohschneider (Chefredakteur neues deutschland)


♦ Susanne Stumpenhusen (ver.di Landesleiterin Berlin)
♦ Heshmat Tavakoli (Attac KoKreis)
♦ Prof. Dr. Günther Thien (Soziologe)
♦ Josi Tischner (Bundesvorsitzende SJD-Die Falken)
♦ Johanna Uekermann (Juso-Bundesvorsitzende)
♦ Sami Ullah (My Right is your Right Berlin)
♦ Betül Ulusoy (Juristin und Bloggerin)
♦ Kai Venohr (Bildungsreferent DGB Bildungswerk)
♦ Holger Vermeer (IG BAU Regionalleiter Rheinland)
♦ Clemens Wagner (Sprecher Bündnis Halle gegen Rechts)
♦ Fabian Wagner (Jugendsekretär DGB-Jugend Hessen-Thüringen)
♦ Bruno Watara (Bündnis gegen Lager)
♦ Kai Weber (Geschäftsführung Flüchtlingsrat Niedersachsen)
♦ Prof. Dr. Klaus Weber (Sozialwissenschaftler)
♦ Marita Weber (1. Bevollmächtigte IG Metall Offenbach)
♦ Annik Wecker (Autorin)
♦ Konstantin Wecker (Musiker)
♦ Prof. Peter Weinberger (Chemiker)
♦ Robert Weißenbrunner (1. Bevollmächtigter IG Metall Hanau-
Fulda)
♦ Clara Wengert (Bundesleiterin Naturfreundejugend)
♦ Frederic Wester (BLOCKUPY)
♦ Hans-Peter Wieth (1. Bevollmächtigter IG Metall Herborn)
♦ Prof. Dr. Gabriele Winker (Sozialwissenschaftlerin)
♦ Prof. Ruth Wodak (Sprachwissenschaftlerin)
♦ Andre Zeitler (Vorstand ver.di Jugend)
♦ ZSK (Band)
Quellenverzeichnis

Sämtliche im Folgenden aufgeführten Internetlinks waren bei Redaktionsschluss


online zugänglich. Für Links, die nach der Veröffentlichung von den Seitenbetreibern
gelöscht oder verändert wurden, übernehmen Autor und Verlag keine Verantwor­
tung. Manche verlorene Links können jedoch mithilfe der Wayback Machine im
Internet Archive aufgefunden werden: https://archive.org/web/.

1 Nordbayerische Nachrichten vom 1. April 1976, Titelseite: »Anarchistenpaar in


Erlangen gefaßt«.
2 Bettina Röhl: So macht Kommunismus Spaß! Ulrike Meinhof, Klaus Rainer Röhl
und die Akte Konkret, Taschenbucherstausgabe, Heyne Verlag, München 32oi8,
S. 71 ff.
3 Ebd., S, 92.
4 Der Spiegel vom 13. Mai 2007: »Gesamtdeutsche Volkspartei - Elitezirkel
für sozialdemokratische Bundespräsidenten«, https://www.spiegel.de/politik/
deutschland/gesamtdeutsche-volkspartei-elitezirkel-fuer-sozialdemokratische-
bundespraesidenten-a-482569.html.
5 Markus Mohr: »Treibt Moabit den Teufel aus« in: Das Prinzip Solidarität - Zur
Geschichte der Roten Hilfe in der BRD, Band I, Laika Verlag, Hamburg 2013,
S. 150.
6 Website Linksnet: https://www.linksnet.de/organisationen.
7 Markus Mohr: »Treibt Moabit den Teufel aus« in: Das Prinzip Solidarität - Zur
Geschichte der Roten Hilfe in der BRD, Band I, Laika Verlag, Hamburg 2013,
S. 139.
8 Ebd., S. 150.
9 Ebd.
10 Michael Sontheimer: »RAF Wie sich Rudolf Augstein und Ulrike Meinhof
näherkamen«, Der Spiegel, 15. Mai 2017, https://www.spiegel.de/spiegel/wie-sich-
rudolf-augstein-und-ulrike-meinhof-naeher-kamen-a-1146829.html.
11 Frangi im Interview für die ZDFinfo-Doku »Der Mossad: Permanente Bedro­
hung«.
12 Michael Sontheimer: »RAF Wie sich Rudolf Augstein und Ulrike Meinhof
näherkamen«, Der Spiegel, 15. Mai 2017, https://www.spiegel.de/spiegel/wie-sich-
rudolf-augstein-und-ulrike-meinhof-naeher-kamen-a-1146829.html.
13 Ebd.
14 Libertad! online, Redaktion: »Dokument: Flugblätter der Kommune I zum
Brüsseler Kaufhausbrand«, http://www. info.libertad. de/blogs/7/568.

253
254 Anhang

15 Ebd.
16 Ebd.
17 Jochen Staadt: »1967 und die Folgen - Als die Gewalt begann«, Der Tagesspiegel,
9. April 2017, https://www.tagesspiegel.de/themen/freie-universitaet-berlin/1967-
und-die-folgen-als-die-gewalt-begann/i9627oi4.html.
18 »Zu Protokoll: Günter Gaus im Gespräch mit Rudi Dutschke«, Sendung vom 3.
Dezember 1967 (die wenige Wochen zuvor aufgezeichnet worden war), https://
www.youtube.com/watch?v=U6X-ZeYCs4E.
19 Ebd.
20 Erschienen in konkret, Ausgabe 14,1968, http://www.infopartisan.net/archive/
1967/266785.^011.
21 Humanistische Union: Vorgänge, Heft 6/1969, S. 221.
22 Renate Künast am 16. Mai 2018 auf Twitter: https://twitter.com/renatekuenast/
status/996778246208458753.
23 Moritz von Uslar: »99 Fragen an Renate Künast - Mehr braucht kein Mensch«,
Zeit Online, 8. September 2011, https://www.zeit.de/2011/37/99-Fragen-Kuenast/
komplettansicht.
24 Willi Winkler: »Schon vergessen?«, Süddeutsche Zeitung, 9. November 2012,
https://inrur.is/wiki/Schon_vergessen%3F_Am_9.__November_1969_j1latzierten_
Anarchos_in_Berlin_eine_Bombe._Sie_waren_entschlossen,_Juden_zu_tö-
ten._Teile_der_deutschen_Linken_fürchten_diese_Vergangenheit_bis_heute.
25 Peter Schraeder: »Bewegte Geschichte«, Freie Universität Berlin, campus.leben,
16. Oktober 2018, https://www.fu-berlin.de/campusleben/70-jahre/aktuell/181016-
70-jahre-ifpuk/index.html.
26 »Gesetz über Straffreiheit (Straffreiheitsgesetz 1970 - StrFrhG 1970«, Buzer.de,
https://www.buzer.de/gesetz/5186/index.htm.
27 Redation: »Spiegel-Gründer Augstein unterstützte Dutschke finanziell«,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Juli 2018, https://www.faz.net/aktuell/
politik/inland/spiegel-gruender-augstein-ueberwies-rudi-dutschke-geld-
15711015.html.
28 »Natürlich kann geschossen werden«, Der Spiegel, 15. Juni 1970, https://www.
spiegel.de/spiegel/print/d-44931157.html.
29 Michael Sontheimer: »RAF - Wie sich Rudolf Augstein und Ulrike Meinhof
näherkamen«, Der Spiegel, 15. Juni 2015, https://www.spiegel.de/spiegel/wie-sich-
rudolf-augstein-und-ulrike-meinhof-naeher-kamen-a-1146829.html.
30 Götz Aly: Unser Kampf 1968, S. Fischer, Frankfurt a. M. 2008, S. 22.
31 Siehe unter anderem: »Fair geht vor«, Jahresbericht der Stadtsparkasse Mün­
chen aus dem Jahre 2009, S. 62.
32 Zu »Antifa NT« siehe auch das Kapitel »Millionen für den Verein eines Antifa-
Autors«.
33 Miriam Zirbel: »Rechtsausschuss: Experten ziehen Zwischenbilanz zu Anker-
Quellenverzeichnis 255

Zentren für Flüchtlinge«, Bayerischer Landtag vom 26. September 2019, https://
www.bayern.landtag.de/aktuelles/aus-den-ausschuessen/rechtsausschuss-
experten-ziehen-zwischenbilanz-zu-ankerzentren-fuer-fluechtlinge/.
34 Facebook-Eintrag vom 26. September 2019 von »Karawane München«: https://
www.facebook.com/karawane.munchen/posts/2428580964084321.
35 Wolfgang Bayer, Carsten Holm, Norbert F. Pötzl, Hans-Jörg Vehlewald: »Der
Trick mit dem Libanon«, Der Spiegel, 6. März 2000, https://www.spiegel.de/
spiegel/print/d-i5876i44.html.
36 Antwort der Bundesregierung vom 5. September 2018 auf die Kleine Anfrage
der Abgeordneten Rene Springer, Dr. Lothar Maier, Dr. Roland Hartwig, Dr.
Robby Schlund und der Fraktion der AfD - Drucksache 19/3868 - https://dipbt.
bundestag.de/dip21/btd/19/041/1904156.pdf.
37 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:
«Einflussreiches Partnerland Südasien«, https://www.bmz.de/de/laender_
regionen/asien/pakistan/index.jsp.
38 Haushaltsvorlage der Landeshauptstadt München, Förderung freier Träger,
Amt für Wohnen und Migration 2020, Haushaltsstelle: 40315700, Andere
Soziale Einrichtungen, 6.
39 VGH Urteil v. 6. Juli 2018 - 21ZB 16.30187, aufgerufen unter Bayern.Recht:
https://www.gesetze-bayern.de/C0ntent/Document/Y-3oo-Z-BECKRS-B-2018-N-
i6828?hl=true.
40 Verwaltungsgericht München Urteil v. 19. Januar 2017 - M 21K 16.31317, auf­
gerufen unter Bayern.Recht: https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/
Y-3OO-Z-BECKRS-B-2Oi7-N-iO2467?hl=true.
41 Bibliothek des Konservatismus: »Kulturbruch ’68? Diskussion mit Bettina
Röhl, Cora Stephan, Jörg Friedrich und Gerd Held«, 15. Juni 2018, https://www.
youtube.com/watch?v=PHfÄ2qnaHE8&feature=youtu.be.
42 Siehe Christian Jung: Der Links-Staat, Kapitel: »Ein Antifa-Aktivist bildet die
>demokratische Jugend< - mit Millionenbudget des Steuerzahlers«, S. 83 ff.
43 Frank Nitzsche: »Aus dem Schatten in die Reichweite der Kameras - Die Ent­
wicklung trotzkistischer Organisationen in Deutschland, Österreich und der
Schweiz unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses der neuen Sozialen
Bewegungen von 1968 bis heute«, Dissertation, Siegen 2006, https://dspace.
uh. uni-siegen.de/bitstream/ubsi/39o/i/Historie_Trotzkismus.pdf, S. 54.
44 Aachener Zeitung: »Ulla Schmidt: >Wir dachten, die ganze Welt verändern zu
können<«, Online-Ausgabe vom 27. Mai 2018, https://www.aachener-zeitung.de/
politik/ulla-schmidt-wir-dachten-die-ganze-welt-veraendern-zu-koennen_aid-
24524371-
45 Felix Kurz, Gunther Latsch, Georg Mascolo, Dietmar Pieper, Wilfried Voigt:
»Gefährliche Erinnerungen - Ein wieder aufgenommenes Ermittlungsverfah­
ren aus den wilden siebziger Jahren könnte zur Bedrohung für Außenminister
256 Anhang

Joschka Fischer werden«, Der Spiegel, Heft 3/2001, S. 71, auch zu finden unter
https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-18257326.html.
46 @ba: »Fischer: >Ich habe damals Unrecht getan<«, Frankfurter Allgemeine
Zeitung, 17. Januar 2001, https://www.faz.net/aktuell/politik/fischer-ich-habe-da-
mals-unrecht-getan-113767.html.
47 Marie-Louise Hauch, Paul Lersch: »Wir sind ein schöner Unkrautgarten«,
Spiegel-Gespräch vom 13. Juni 1983 mit Joschka Fischer und Otto Schily, https://
www.spiegel.de/spiegel/print/d-14022103.html.
48 Koalitionsvertrag von 1998, zuletzt am 22. März 2020 abgerufen auf der Web­
site der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung unter http://library.fes.de/pdf-files/
bibliothek/downl/koalitionsvertragi998.pdf.
49 Formulierung aus der Kleinen Anfrage der CDU-Fraktion in der Bundestags­
drucksache 15/4010 vom 22. Oktober 2004 unter Berufung auf entsprechende
Berichterstattung durch Focus und Welt.
50 Bundestagsdrucksache 15/4010 vom 22. Oktober 2004: »Schirmherrschaft der
Parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister des Innern, Ute
Vogt, und finanzielle Förderung durch das Bundesministerium des Innern für
einen Informationsdienst mit Verknüpfungen zu linksextremistischen Grup­
pierungen«, https://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/15/040/1504010.pdf.
51 Bundestagsdrucksache 15/5535 vom 22. Mai 2005: »Verdacht der finanziellen
Förderung linksextremistisch beeinflusster Initiativen durch das >Bündnis für
Demokratie und Toleranz - gegen Extremismus und Gewalt«*, httpMipbt.
bundestag.de/dip21/btd/15/045/1504590.pdf, S. 3.
52 Der Spiegel, Heft 50/1999 vom 13. Dezember 1999, S. 20, https://magazin.spiegel.
de/EpubDelivery/spiegel/pdf/15239599.
53 Bundestagsdrucksache 14/2483, Antwort des Staatssekretärs Claus Henning
Schapper (SPD) auf die Anfrage der Abgeordneten Sylvia Bonitz (CDU/CSU)
vom 28. Dezember 1999, http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/14/024/1402483.
pdf.
54 Bundestagsdrucksache 15/1474, Antwort des Staatssekretärs Lutz Diwell vom
1. August 2003, https://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/15/014/1501474.pdf.
55 Bundestagsdrucksache 15/5535 vom 25. Mai 2005: »Verdacht der finanziellen
Förderung linksextremistisch beeinflusster Initiativen durch das >Bündnis für
Demokratie und Toleranz - gegen Extremismus und Gewalt*«, https://dipbt.
bundestag.de/d0c/btd/15/055/1505535.pdf, S. 7 unten.
56 Georg Bönisch, Barbara Schmid: »Explosive Mischung«, Der Spiegel, 11. De­
zember 2000, https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-18032336.html.
57 Catrin Barnsteiner, Thomas Delekat, Claus Hornung: »Gequält! Ertränkt!
Ermordet?«, Die Welt, 24. November 2000, https://www.welt.de/print-welt/
article5492i2/Gequaelt-Ertraenkt-Ermordet.html.
58 Gerd Meyer, Ulrich Dovermann, Siegfried Frech, Günther Gugel (Hrsg.):
Quellenverzeichnis 257

»Zivilcourage lernen: Analysen - Modelle - Arbeitshilfen«, Bundeszentrale für


politische Bildung, Bonn 2004.
59
Zitiert nach Bettina Blank: »Deutschland, einig Antifa«? - »Antifaschismus« als
Agitationsfeld von Linksextremisten, hrsg. von Prof. Dr. Uwe Backes und Prof.
Dr. Eckhard Jesse, Band 28.1. Auflage 2014, Seite 71. Demnach stammt dieses
Zitat aus dem Antifaschistischen Info Blatt (AIB) Nr. 57 (2002), S. 14.
60
Evelyn Tietze: »>Der Kongress Antifa in der Krise?< Die Feuerwehr hat aus­
gedient«, Jungle World, 17. April 2014, https://jungle.world/artikel/2oi4/i6/die-
feuerwehr-hat-ausgedient.
61
Phoenix: »Renate Künast (Die Grünen) zu Rechtsterrorismus und Hasskrimi­
nalität am 12.03.20«, https://www.youtube.com/watch?v=HRP9eDkTRVE.
62
Aus der »Sammlung zur Veröffentlichung freigegebener Beschlüsse der 167.
Sitzung der Ständigen Konferenz der Innenminister und -Senatoren der Län­
der am 10. Mai 2001 in Schierke/Harz«.
63
Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat: »Politisch Motivierte
Kriminalität im Jahr 2018 - Bundesweite Fallzahlen«, https://www.bmi.bund.
de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/20i9/pmk-2oi8.pdf?_
blob=publicationFile&v=2.
64
Bayerisches Amt für Verfassungsschutz, https://www.verfassungsschutz.bayern.
de/rechtsextremismus/statistik/straf_gewalttaten/index.html.
65
Quelle: Der Landtag von Sachsen-Anhalt: https://www.landtag.sachsen-anhalt.
de/plenarsitzungen/transkript/?tx_apertobase_livetranscript%sBspeaker%sD=
i3995&cHash=94e422d32C578i82if473iO36fdf46o9.
66
Deutschlandfunk: »Nachgefragt - Rechts- und linksextremistisch motivierte
Straftaten«, 29. August 2018, https://www.deutschlandfunk.de/nachgefragt-
rechts-und-linksextremistisch-motivierte.2852.de.html?dram:article_id=426767.
67
Vgl. § 5 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 BVerfSchG.
68
Verfassungsschutzbericht des Landes Sachsen-Anhalt für das Jahr 2018, S. 191.
69
Verfassungsschutzbericht des Bundes für das Jahr 2018, S. 25.
70
Lars Wienand: »Politisch motivierte Kriminalität - Was, wenn ein Afghane
den Hitlergruß zeigt?«, T-Online, 18. Oktober 2018, https://www.t-online.de/
nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_84625354/politisch-motivierte-
kriminalitaet-ist-hitlergruss-von-afghane-auf-dem-oktoberfest-rechts-.html.
71
Verfassungsschutzbericht des Landes Hessen für das Jahr 2018, S. 203.
72
Bayerischer Landtag, Drucksache 18/4960 vom 10.01.2020 auf die Schriftliche
Anfrage »Rechtsextremistische Straftaten durch nichtextremistische Täter«
http://www1.bayern.landtag.de/www/ElanTextAblage_WP18/Drucksachen/
Schriftliche%2oAnfragen/i8_ooo496o.pdf.
73
Lukas Steinwandter: »Das war ein Mordversuch«, Junge Freiheit, 18. Mai 2020,
https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2o2o/das-war-ein-mordversuch/.
74
Göran Schattauer: »Ermittler sind alarmiert - Corona-Protest: Linksextreme
258 Anhang

nutzen Demos für gezielte Angriffe auf Andersdenkende«, Focus Online,


27. Mai 2020, https://www.focus.de/politik/ermittler-sind-alarmiert-
linksextremisten-nutzen-corona-demos-fuer-gezielte-angriffe-auf-
andersdenkende_id_12031203.html.
75 »Polizeiliche Kriminalstatistik: Innenminister Seehofer und BKA-Präsident
Münch«, Phoenix, 27. Mai 2020, https://y0utu.be/tXKyyhVMjU4.
76 Dies betrifft den Stand vom 29. April 2020. Der Bericht ist einsehbar unter
https://www.verfassungsschutz.bayern.de/mam/anlagen/barrierearme_version_
verfassungsschutzbericht_2014.pdf.
77 Vgl. etwa § 331 Handelsgesetzbuch (HGB).
78 »Arbeiterpartei Kurdistans (PKK)«, Internetportal des Bundesamtes für Ver­
fassungsschutz, aufgerufen am 25. April 2020; https://www.verfassungsschutz.
de/de/arbeitsfelder/af-auslaenderextremismus-ohne-islamismus/was-ist-ausla-
enderextremismus/arbeiterpartei-kurdistans-pkk.
79 Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat: »Verfassungsschutzbe­
richt 2018«, https://www.verfassungsschutz.de/embed/vsbericht-2018.pdf, S. 41.
80 Bundesinnenministerium: »Politisch Motivierte Kriminalität im Jahr 2018 -
Bundesweite Fallzahlen«.
81 Till-Reimer Stoldt: »CDU, SPD und Grüne zu Besuch bei türkischen Rechts­
extremisten«, Welt-Online, 7. Oktober 2019, https://www.welt.de/politik/deutsch-
land/article2oi475574/Moschee-in-Remscheid-Zu-Besuch-bei-tuerkischen-
Rechtsextremisten. html.
82 Rede des Bayerischen Staatsministers des Innern, für Bau und Verkehr,
Joachim Herrmann, anlässlich der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes
2014 am 27. April 2015 in München, StMI, http://docplayer.org/3o276159-Baye-
risches-staatsministerium-des-des-innern-fuer-bau-und-verkehr.html, S. 17 f.
83 Ebd., S. 19.
84 Die Zahlen zu Straftaten in den VS-Berichten beruhen auf Angaben des BKA,
das - wie der Verfassungsschutz - dem Bundesinnenministerium untersteht.
Siehe hierzu Fußnote 1 im Verfassungsschutzbericht des Bundes für 2018, S. 25.
85 Verfassungsschutzbericht des Landes Sachsen für das Jahr 2015, S. 241.
86 Christoph Wöhrle: »Was vom Gipfel übrig blieb«, Focus Online, 22. Oktober
2017, https://www.focus.de/politik/deutschland/schanzenviertel-hamburger-
wuetend-nach-g20-gewaltausbruch-sind-laengst-nicht-alle-wunden-verheilt_
id_7709238.html.
87 Holger Mehlig: »Wieder Randale in Rigaer Straße in Berlin«, Märkische All­
gemeine, 17. Juni 2017, https://www.maz-online.de/Lokales/Polizei/Wieder-
Randale-in-Rigaer-Strasse-in-Berlin.
88 Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 18/23 030: »Steinwürfe auf Polizei-
Kraftfahrzeuge in Berlin im Jahr 2019«.
89 Pressemitteilung der GdP Berlin vom 14. April 2020.
Quellenverzeichnis 259

90
Axel Lier: »Neuer Ärger in der Rigaer Straße - Erschwert die Berliner Polizei­
präsidentin das Vorgehen gegen Autonome?«, BZ, 11. Juni 2019, https://
www.bz-berlin.de/berlin/friedrichshain-kreuzberg/erschwert-die-berliner-
polizeipraesidentin-das-vorgehen-gegen-autonome.
91
Phoenix: »Pressekonferenz zu den Fallzahlen für Politisch Motivierte Krimina­
lität, 14.05.2019«, https://y0utu.be/hgydd9qvpHw.
92
»Innere Sicherheit weiterdenken: Ausgrenzung, Hass und Gewalt - Heraus­
forderungen für den Rechtsstaat und die Sicherheitsbehörden«, BKA Herbstta­
gung 27. - 28. November 2019, https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/
Publikationen/Herbsttagungen/20i9/herbsttagung20i9MuenchBegruessung.html;
»Hasskriminalität im digitalen Raum, Langfassung«, Thomas-Gabriel Rüdiger,
Hochschule der Polizei des Landes Brandenburg, Cyberkriminologe, https://
www.academia.edu/42756506/Hasskriminalitdt_im_digitalen_Raum.
93
Deutscher Bundestag: »Drucksache 19/17020 vom 05.02.2020 auf die Kleine
Anfrage der Abgeordneten Petra Pau, Dr. Andre Hahn, Gökay Akbulut,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE«; »Drucksache 19/16599 -
Politisch motivierte Kriminalität rechts im November 2019«.
94
»Ausgrenzung, Hass und Gewalt: Herausforderungen für den Rechtsstaat
und die Sicherheitsbehörden Holger Münch, Präsident des Bundeskri­
minalamtes«, https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/
Herbsttagungen/20i9/herbsttagung20i9MuenchLangfassung.html?nn=ii3686.
95
Miguel Sanches: »BKA-Studie: Die neue Dimension der Hasskriminalität«,
Berliner Morgenpost, 29. Mai 2016, https://www.morgenpost.de/politik/
article2O76i6337/BKA-Studie-Die-neue-Dimension-der-Hasskriminalitaet.html.
96
Manuel Bewarder: »Extrem links und stark wachsend«, Welt Online, 14. April
2018, https://www.welt.de/p0litik/deutschland/article175430458/R0te-Hilfe-Ar-
min-Schuster-CDU-will-Vereinsverbot-pruefen-lassen.html.
97
Ulla Jelpke: »Jetzt erst recht: Hinein in die Rote Hilfe!«, 1. August 2018, https://
www.ulla-jelpke.de/2018/08/jetzt-erst-recht-hinein-in-die-r0te-hilfe/.
98
Deutscher Bundestag: »Drucksache 19/3553 vom 24.07.2018, Antwort auf Kleine
Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Dr. Andre Hahn, Gökay Akbulut, weite­
rer Abgeordneter der Fraktion DIE LINKE«.
99
Landtag Nordrhein-Westfalen Drucksache 17/5076 vom 12. Februar 2019,
Antrag der AfD-Fraktion »Demokratie stärken - Rote Hilfe e. V. verbieten!«,
https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/
MMD17-5076.pdf.
100
Landtag Nordrhein-Westfalen, APr 17/604, https://landtag.nrw.de/portal/
WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMAi7-6o4.pdf.
101
Landtag von Sachsen-Anhalt: Drucksache 7/3714 vom 12. Dezember 2018,
»Verbot der Roten Hilfe«, https://www.landtag.sachsen-anhalt.de/fileadmin/
files/drs/wp7/drs/d3 714aan.pdf
260 Anhang

102 Landtag von Sachsen-Anhalt, Sitzung am 22. Juni 2018, TOP 5, https://www.
landtag.sachsen-anhalt.de/plenarsitzungen/24-sitzungsperiode/#/?accordion=
2&accordionPlenar=i&accordionVideo=7.
103 Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich vom 15. Mai 1871 - Besonderer Teil:

Siebenter Abschnitt. Straftaten gegen die öffentliche Ordnung, Paragraf 129a:


»Bildung terroristischer Vereinigungen«, https://lexetius.com/StGB/129a,5.
104 Bundesamt für Justiz:» Gesetz zur Beschränkung des Brief-, Post- und Fern­

meldegeheimnisses (Artikel 10-Gesetz - G10) - § 3 Voraussetzungen«, https://


www.gesetze-im-internet.de/g10_2001/__ 3.html.
105 Vgl. § 129a Abs. 1 StGB.

106 Deutscher Bundestag: »Stenografischer Bericht, 67. Sitzung, Berlin, Freitag,

den 17. Oktober 2003, http://dipbt.bundestag.de/dip21/btp/15/15067.pdf.


107 Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalt, Urteil vom 20.10.2010 -

3 K 380/10: »Verbot der Gruppierung >Blue White Street Elite< aufgehoben«,


https://www.kostenlose-urteile.de/OVG-Sachsen-Anhalt_3-K-38ow_Verbot-
der-Gruppierung-Blue-White-Street-Elite-aufgehoben.newsiO444.htm?sk=
23686ace46495ac5eac2fb45cd9ac3e8.
108 ARD: »Linke Gewalt: Die unterschätzte Gefahr? | Kontrovers | BR«, 14. Juli

2017, https://youtu.be/Y6axWt2GUkc.
109 Siehe Autorenprofil bei Blätter: https://www.blaetter.de/autoren/armin-pfahl-

traughber.
110 https://web.archive. org/web/201305050353O4/http:/www. linksnet.de/de.

111 Andreas Krieger: »Michel Abdollahi - Buch Deutschland schafft mich«, Baye­

rischer Rundfunk - Puzzle, viele Kulturen - ein Land, 27. April 2020«, https://
www.br.de/br-fernsehen/sendungen/puzzle/michel-abdollahi-deutschland-
schafft-mich-buch-puzzle-100.html.
112 Stichtag: 29. Mai 2020.

113 Frank Lübberding: »Links von der Mitte«, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.

September 2019, https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/reuters-studie-


zur-akzeptanz-von-ard-und-zdf-16389494.html.
114 Rajini Vaidyanathan: »Dalai Lama on Trump women and going home«, BBC

News, 27. Juni 2019, https://www.bbc.com/news/world-asia-48772175.


115 Annett Meiritz: »Parteitag der Grünen ... denn sie wissen nicht, was sie wol­

len«, Der Spiegel, 21. November 2015, https://www.spiegel.de/politik/


deutschland/gruener-parteitag-delegierte-bekennen-sich-zu-notwendigkeit-
v0n-abschiebungen-a-1063923.html.
116 Sebastian Friedrich: »Petitionsausschuss: Marian Wendt wirft AfD Kampagne

vor«, Tagesschau, https://www.tagesschau.de/multimedia/politikimradio/


audio-63371.html.
1,7 Marcel Leubecher: »Warum Petitionen bislang nicht veröffentlicht wurden«,

Welt Online, 19. November 2018, https://www.welt.de/politik/deutschland/


Quellenverzeichnis 261

articlei84OiO57o/UN-Migrationspakt-Warum-Petitionen-bislang-nicht-
veroeffentlicht-wurden.html.
118
Vera Lengsfeld: »Ein Jahr Petition gegen den Migrationspakt - der Petitions­
ausschuss blockt ab«, 14. Januar 2020, https://vera-lengsfeld.de/2020/01/14/
ein-jahr-petition-gegen-den-migrationspakt-der-petitionsausschuss-blockt-ab/.
119
Rudolf van Hüllen: »Linksextreme Medien«, Bundeszentrale für politische
Bildung, 22. Dezember 2014, erschienen in Dossier Linksextremismus, https://
www.bpb.de/politik/extremismus/linksextremismus/3363o/medien.
120
...ums Ganze!: »There is an Alternative! - Kommunismus statt Schweinesys­
tem!«, 12. Juli 2014, https://www.umsganze.org/there-is-an-alternative/.
121
»About Us«, Beyond Europe - Antiauthoritarian Platform Against Capitalism,
https://beyondeurope.net/about-us/.
122
Gabi Bauer, Martin Beck: »Die Interventionistische Linke entwickelt sich ein­
fach weiter«, ak - analyse & kritik - Zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr.
599 /18. November 2014 https://www.akweb.de/ak_s/ak599/51.htm.
123
North East Antifascists (NEA) Berlin: http://antifa-nordost.org.
124
Download-Link zu finden auf: https://www.berlin.de/sen/inneres/verfassungs-
schutz/publikationen/verfassungsschutzberichte/, S. 162.
125
Ebd.
126
TheMarxisten vom 4. Mai 2017: »1. Mai 2017 in Halle/Saale« https://youtu.be/
NyY9rj2V5-Q.
127
Sitzung des Landtages von Sachsen-Anhalt vom 23. Mai 2019, Tagesordnungs­
punkt 22.
128
mdr Sachsen-Anhalt: »Stahlknecht: >AfD macht sich mit Extremisten ge­
mein««, 19. November 2019, https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/landespolitik/
stahlknecht-kritisiert-afd-nach-koethen-wo.html.
129
Internetauftritt von Kerstin Köditz, zuletzt aufgerufen am 7. Mai 2020 https://
kerstin-koeditz.de/?page_id=i85.
130
Sächsischer Landtag: »Gremien«, https://www.landtag.sachsen.de/de/landtag/
gremien/index.cshtml.
131
swd/F.D./mro: »Geheimkamera in Leipzig-Connewitz: Linke fordern Aufklä­
rung statt Vertuschung«, Leipziger Volkszeitung, 8. April 2014, https://www.
Ivz.de/Leipzig/Polizeiticker/Polizeiticker-Leipzig/Geheimkamera-in-Leipzig-
Connewitz-Linke-fordern-Aufklaerung-statt-Vertuschung.
132
Sächsischer Verfassungsschutzbericht 2015, Downloadlink unter: https://
publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/271o8, S. 234.
133
Ebd., S. 229.
134
Ebd., S. 193.
135
Ebd., S. 207.
136
Drs.-Nr.: 6/7113 »Konsequenzen aus dem Ermittlungsverfahren wegen Bildung
einer kriminellen Vereinigung gegen Personen der linken Szene in Leipzig.
262 Anhang

137 Katja Meier auf Twitter, 2. Januar 2020: https://twitter.com/ka_meier/


Status/1212714920352390657.
138 Uta Deckow, Gunnar Breske: »MDR Wahlarena, Sachsens Spitzenkandidatin­
nen im Bürgercheck«, MDR-Fernsehen, 26. August 2019, https://www.mdr.de/
tv/programm/sendung85O424.html.
139 Lydia Rosenfelder: »>Wir hatten bei Auftritten oft Angst«*, Spiegel, 4. Januar
2020, https://www.spiegel.de/politik/deutschland/katja-meier-saechsische-justiz-
ministerin-im-interview-ueber-punkvergangenheit-a-1303581.html.
140 »Demo mit Fraktionchefin der Grünen! >Mord, Folter, Deportation - das ist
deutsche Tradition«*, Metropolico TV, https://youtu.be/oyvu6x1NWnQ.
141 Thomas Kreuzer: »Offener Brief von Thomas Kreuzer an die Fraktionschefin
der Grünen Katharina Schulze: Distanzieren Sie sich von >Feuer und Flamme
den Abschiebebehörden*«, CSU-Landtag, Pressemitteilungen, 11. Oktober 2018,
https://www.csu-landtag.de/lokal_1_4_1393_Offener-Brief-von-Thomas-Kreuzer-
an-die-Fraktionschefin-der-Gruenen-Katharina-Schulze-Distanzieren-Sie-sich-
von-Feuer-und-Flamme-den-Abschiebebehoerd.html.
142 Zitat zu finden bei Marcel Leubecher: »Das seltsame Schweigen der CDU zur
antikapitalistischen Richterin«, Die Welt, 22. Mai 2020, https://www.welt.de/
print/die_welt/politik/article2o8i4i383/Das-seltsame-Schweigen-der-CDU-zur-
antikapitalistischen-Richterin.html.
143 Peter Burghardt: »Mecklenburg-Vorpommern - Grundgesetz als Maßstab«,
Süddeutsche Zeitung, 28. Mai 2020, »Grundgesetz als Maßstab«, https://
www.sueddeutsche.de/politik/barbara-borchardt-landesverfassungsgericht-
mecklenburg-vorpommern-antikapitalistische-linke-1.4919632.
144 Bundesamt für Verfassungsschutz: »Verfassungsschutzbericht Mecklenburg-
Vorpommern 2018«, Download-Link unter: https://www.verfassungsschutz.de/
de/oeffentlichkeitsarbeit/publikationen/verfassungsschutzberichte/publikationen-
landesbehoerden-verfassungsschutzbericht/vsbericht-mv-2018.
145 Susanne Memarnia: »Politikerin Lucy Redler über Linkssein - >Und für den
machst du Politik?*«, taz, 8. Juli 2018, https://taz.de/Politikerin-Lucy-Redler-
ueber-Linkssein/!55i64io/.
146 Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat: »Verfassungsschhutzbe-
richt 2018«, https://www.verfassungsschutz.de/embed/vsbericht-2018.pdf, S. 155.
147 Miriam Hollstein: »Manuela Schwesig: >Linksextremismus ist ein aufgebausch­
tes Problem*«, Die Welt, 30. Juni 2014, https://www.welt.de/politik/deutschland/
articlei29635O99/Linksextremismus-ist-ein-aufgebauschtes-Problem.html.
148 Koalitionsvereinbarung (SPD, CDU) Mecklenburg-Vorpommern für die Wahl­
periode 2016-2021, https://ez-der-laender.de/sites/default/files/bundeslaender/
MV_K0aliti0nsvereinbarung-2016-2021-Endfassung-final.pdf, S. 66.
149 Ebd., S. 48.
150 Redaktion: »CDU-MDB Arnold Vaatz: >Die Revolution von 1989 soll klein-
Quellenverzeichnis 263

gehackt werden*«, Tichys Einblick, 19. Mai 2020, https://www.tichyseinblick.de/


daili-es-sentials/die-revolution-von-i989-soll-kleingehackt-werden/.
151
Internetportal Die Linke - Mecklenburg Vorpommern: »Wenke Brüdgam
Landesvorsitzende«, https://www.originalsozial.de/partei/landesvorstand/
mitglieder/wenke-bruedgam/.
152
Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat: »Verfassungsschhutzbe-
richt 2018«, https://www.verfassungsschutz.de/embed/vsbericht-2018.pdf, S. 161.
153
Verfassungsschutzbericht Mecklenburg-Vorpommern 2018, Downloadlink auf
https://www.verfassungsschutz.de/de/oeffentlichkeitsarbeit/publikationen/verfas-
sungsschutzberichte/publikationen-landesbehoerden-verfassungsschutzbericht/
vsbericht-mv-2018, S. 8.
154
Lukas Eitel: »Regieren oder nicht regieren, das war hier die Frage ...«, Anti­
kapitalistische Linke, 24. März 2020, https://www.antikapitalistische-linke.
de/?p=354O.
155
Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat: »Verfassungsschhutzbe-
richt 2018«, https://www.verfassungsschutz.de/embed/vsbericht-2018.pdf, S. 117.
156
Ebd., S. 194.
157
Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des AfD-Abgeornde-
ten Stephan Brandner »Erfassung subkulturell geprägter Linksextremisten
durch das Bundesamt für Verfassungsschutz« BT-Drucksache 19/9137, https://
kleineanfragen.de/bundestag/19/9673-erfassung-subkulturell-gepraegter-links-
extremisten-durch-das-bundesamt-fuer-verfassungsschutz.txt.
158
Landespräventionsrat Schleswig-Holstein: »Linksextremistische Erscheinungs­
formen und insbesondere linke Gewalt in Schleswig-Holstein«, Download
unter https://www.landesdemokratiezentrum-sh.de/index/materialien.html.
159
Bundesamt für Verfassungsschutz: »Linksextremismus: Erscheinungsformen
und Gefährdungspotenziale«, 2016, https://www.verfassungsschutz.de/de/
oeffentlichkeitsarbeit/publikationen/pb-linksextremismus/broschuere-2016-05-
linksextremismus, S. 43
160
Verfassungsschutzbericht Sachsen-Anhalt 2017, Download unter: https://
mi.sachsen-anhalt.de/verfassungsschutz/verfassungsschutzberichte-zum-
downloaden/.
161
»Hass und Aufruf zu Gewalt - LKA sieht Veränderungen bei extremistischer
Musik«, Mitteldeutsche Zeitung, 1. April 2018, https://www.mz-web.de/
sachsen-anhalt/hass-und-aufruf-zu-gewalt-lka-sieht-veraenderungen-bei-
extremistischer-musik-29951930.
162
Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des AfD-Abgeordneten
Stephan Brandner »Erfassung subkulturell geprägter Linksextremisten durch
das Bundesamt für Verfassungsschutz«, BT-Drucksache 19/9137,
https://kleineanfragen.de/bundestag/19/9673-erfassung-subkulturell-gepraegter-
linksextremisten-durch-das-bundesamt-fuer-verfassungsschutz.txt.
264 Anhang

163 Stephan Kulle: »Pressekonferenz zu den Fallzahlen für Politisch Motivierte Kri­
minalität am 14.05.19«, Phoenix, 14. Mai 2019, https://y0utu.be/hgydd9qvpHw.
164 Bundesamt für Verfassungsschutz: »Akademie für Verfassungsschutz«, https://

www.verfassungsschutz.de/de/das-bfv/akademie-fuer-verfassungsschutz.
165 Landtag von Sachsen-Anhalt, Drs. 7/4915 vom 17.09.2019: »Antwort der

Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des AfD-Abgeordneten Daniel Roi


»Weiterbildung der Mitarbeiter des Landesamtes für Verfassungsschutz bei der
Akademie für Verfassungsschutz«*, https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/
files/drs/wp7/drs/d49i5aak.pdf, S. 3.
166 »Erdogans Krieg - wie machtlos ist Europa?«, ZDF | maybrit illner, 19. Oktober

2019, https://youtu.be/HshcfGzEl2c?t=i63i.
167 Bundespressekonferenz: »Seibert: »Zusammenrottungen und Hetzjagden auf

Menschen anderer Herkunft nehmen wir nicht hin««, 28. August 2018, https://
www.youtube. com/watch ?v=Cu GB Gzv4 GQU.
168 Der Spiegel: »Merkel zu Hass und Gewalt in Chemnitz: »Das hat mit unse­

rem Rechtsstaat nichts zu tun««, 29. August 2018, https://www.youtube.com/


watch?v=tOtTIEE_lU4.
169 Phoenix: »Pressekonferenz zu den Fallzahlen für Politisch Motivierte Krimina­

lität am 14.05.19«, https://youtu.be/hgydd9qvpHw?t=3257, ab Minute 54:19.


170 Verfassungsschutzbericht Sachsen 2018, Download unter https://www.

verfassungsschutz.sachsen.de/601.htm, Text der Fußnoten 193 bzw. 358 im


Verfassungsschutzbericht Sachsen, S. 128 bzw. 232.
171 Ebd., S. 151.

172 Bild: »Gewalttat hatte 2018 Demonstrationswelle ausgelöst - Neuneinhalb

Jahre Haft für Chemnitzer Messer-Killer«, 22. August 2019, https://www.bild.


de/regional/chemnitz/chemnitz-news/nach-tod-von-daniel-h-neuneinhalb-jahre-
haft-fuer-chemnitzer-messer-killer-64124438.bild.html.
173 Landtag von Sachsen-Anhalt, Drs. 7/4586 vom 27. Juni 2019, »Länderbericht

2018: Bürgerschaftliches Engagement in Sachsen-Anhalt - »Demokratieförde­


rung und Engagement«« https://www.landtag.sachsen-anhalt.de/fileadmin/files/
drs/wp7/drs/d4586lun.pdf.
174 Aus dem Verfassungsschutzbericht für Sachsen-Anhalt 2018, S. 128.

175 Tom Thieme: »Repräsentation des Linksextremismus in öffentlichem Diskurs

und Wissenschaft«, Bundeszentrale für politische Bildung, 12. März 2018,


https://www.bpb.de/politik/extremismus/linksextremismus/265353/
repraesentation-des-linksextremismus-in-oeffentlichem-diskurs-und-
wissenschaft.
176 Interview: »Ex-Verfassungsschutzchef Maaßen: »Alles rechts von Frau Merkel

gilt schon als inakzeptabel««, Junge Freiheit, 19. August 2019, https://
jungefreiheit.de/debatte/interview/2019/maassen-alles-rechts-v0n-frau-merkel-
gilt-schon-als-inakzeptabel/.
Quellenverzeichnis 265

177
BfV, Präsident Thomas Haldenwang, Biografie, https://www.ver/assungsschutz.
de/de/das-b/v/amtsleitung/biografie-praesident-haldenwang.
178
Deutscher Bundestag: »BfV-Chef: Islamistischer Terrorismus größte Gefahr für
die Sicherheit«, 19. November 2018, https://youtu.be/-gmc76Ap-iM?t=6o44.
179
Phoenix: »Pressekonferenz des Verfassungsschutzes zur bundesweiten Prüfung
der AfD«, 15. Januar 2019, https://youtu.be/QOWJahMJBmM.
180
Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 26. Juni 2013, Az.: BVerwG 6 C 4.12.
181
VG-Köln: »Bezeichnung der AfD als >Prüffall< durch das Bundesamt für Verfas­
sungsschutz unzulässig«, Pressemitteilung vom 26. Februar 2019, https://www.
vg-k0eln.nrw.de/beh0erde/presse/Pressemitteilungen/Archiv/2019/03_190226/
index.php.
182
Gesetz über die Zusammenarbeit des Bundes und der Länder in Angelegenhei­
ten des Verfassungsschutzes und über das Bundesamt für Verfassungsschutz
(Bundesverfassungsschutzgesetz - BVerfSchG), § 4 Begriffsbestimmungen Abs.
2 Buchst, c).
183
Die Angaben zu Seitenzahl beruhen auf einer durch netzpolitik.org veröffent­
lichten Version einschließlich der durch die Plattformbetreiber vorangestellten
Bemerkungen/Meinungen. Diese Quelle ist derzeit nicht mehr auffindbar, der
Text an sich ist aber hier noch verfügbar: https://netzpolitik.org/2o19/wir-ver-
oeffentlichen-das-ver/assungsschutz-gutachten-zur-a/d/.
184
Landtag Brandenburg: »Drucksache 6/8367, Antwort der Landesregierung auf
die Kleine Anfrage Nr. 3302 der Abgeordneten Ursula Nonnemacher (Fraktion
Bündnis 90/Die Grünen), Benjamin Raschke (Fraktion Bündnis 90/Die Grü­
nen) und Heide Schinowsky (Fraktion Bündnis 90/Die Grünen)«, https://www.
parlamentsdokumentation.brandenburg.de/starweb/LBB/ELVIS/parladoku/w6/
drs/ab_83oo/8367.pdf.
185
Aufstehen gegen Rassismus: »Aufruf«, https://www.au/stehen-gegen-rassismus.
de/kampagne/au/rufi.
186
»Wie sich die etablierte Politik einen Verfassungsschutzpräsidenten vorstellt«,
Metropolico TV, 14. September 2018, https://youtu.be/odr-WEWvbGI.
187
BfV-»Gutachten« zur AfD, wie durch netzpolitik.org veröffentlicht, https://
netzpolitik.org/2o19/wir-veroeffentlichen-das-ver/assungsschutz-gutachten-zur-
a/d/, S. 200.
188
Sächsischer Landtag: »Drs.-Nr. 7/1011 vom 14. Februar 2020, Kleine Anfrage
der Abgeordneten Kerstin Köditz (Die Linke), Thema: Aktivitäten von >EinPro-
zent< in Sachsen 2019«.
189
https://www.ver/assungsschutz.sachsen.de/2068.htm.
190
Georg Mascolo, Sebastian Pittelkow, Katja Riedel: »Nach Einstufung als >Ver-
dachtsfalb - AfD plant Klage gegen Verfassungsschutz«, Tagesschau, 7. Januar
2020, https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/afil-ver/assungsschutz-
159.html.
266 Anhang

191 Deutscher Bundestag: »BfV-Chef: Islamistischer Terrorismus größte Gefahr für


die Sicherheit«, veröffentlicht bei YouTube, 19. November 2018, https://youtu.
be/-gmc76Ä9-iM?t=8y)5.
192 Sebastian Bär: »Debatte um Rote-Hilfe-Verbot - Weite Teile der Linken erklä­
ren Unterstützung / SPD-Politiker wollen sich nicht äußern«, neues deutsch­
land, 10. Dezember 2018, https://www.neues-deutschland.de/artikel/1107717.
hilfe-im-politischen-prozess-debatte-um-rote-hilfe-verbot.html.
193 Ralf Stegner: »Gewalt ist nicht links«, Frankfurter Rundschau, 17. Juli 2017,
https://www.fr.de/meinung/gewalt-nicht-links-11025937.html.
194 »Mögliches Vereinsverbot - SPD-Jugend steht an der Seite der linksradikalen
Roten Hilfe«, Die Welt, 13. Dezember 2018, https://www.welt.de/politik/deutsch-
land/videoi855O93Oo/Moegliches-Vereinsverbot-SPD-Jugend-steht-an-der-Seite-
der-linksradikalen-Roten-Hilfe.html.
195 Eigentlich müsste es hier sogar »linksextreme Teile« der SPD heißen. Der Ver­
fassungsschutz unterscheidet »Radikale«, die noch innerhalb des Verfassungs­
bogens des Grundgesetzes agieren, von den »Extremisten«, die außerhalb
davon aktiv sind. Lischka zitiert aber Hans-Georg Maaßen, der hier die For­
mulierung »linksradikale Teile der SPD« wählte. Siehe hierzu: »>Linksradikale
Kräfte in der SPD< - Die Maaßen-Rede im Wortlaut«, Westdeutsche Zeitung,
5. November 2018, https://www.wz.de/politik/inland/linksradikale-
kraefte-in-der-spd-die-maassen-rede_aid-342877O3.
196 Wolf Wiedmann-Schmidt: »Verfassungsschutz Kubitscheks rechtsradikale
Denkfabrik wird zum >Verdachtsfall<«, Der Spiegel, 23. April 2020, https://
www.spiegel.de/politik/deutschland/rechtsextremismus-goetz-kubitscheks-in-
stitut-fuer-staatspolitik-wird-zum-verdachtsfall-a-ao99e20o-dib6-4b9c-a36c-
870641900031.
197 Internetportal des Bündnisses »#noPAG«, https://www.nopagby.de, zuletzt auf­
gerufen am 11. Mai 2020.
198 Bayern SPD: »Gründung des Bündnisses >noPAG - Nein! Zum neuen Polizei­
aufgabengesetz Bayern<«, 19. April 2018, https://bayernspd.de/news/gruendung-
des-buendnisses-nopag-nein-zum-neuen-polizeiaufgabengesetz-bayern/.
199 Ebd.
200 »Fragen und Antworten zum neuen Polizeiaufgabenbesetzt (PAG)«, Bündnis
#noPAG, https://www.nopagby.de/fragen-und-antworten-zum-neuen-
polizeiaufgabengesetz-pag/.
201 Philip Kuhn, Daniel Gräber: »Kampf gegen Rechtsextremismus - Die Fami­
lienministerin und ihr Problem im Heimatbezirk«, Welt, 1. Juni 2018, https://
www.welt.de/politik/deutschland/article1768916o8/Buendnis-Neukoelln-
Franziska-Giffeys-Problem-im-Heimatbezirk.html.
202 Thoralf Cleven: »Gegen Extremismus: Bund stockt Demokratie-Programm
kräftig auf«, Redaktionsnetzwerk Deutschland, 21. März 2020, https://www.rnd.
Quellenverzeichnis 267

de/politik/gegen-extremismus-bund-stockt-demokratie-programm-kraftig-auf-
5ZZZ3E5M6NBWARE4ZIPHXRGT4.html.
203
Die gesamte Liste der öffentlich einsehbaren Erstunterzeichner findet sich in
Anlage 2 dieses Buches. Sie wurde auf dem Internetportal des AgR-Bündnisses
zuletzt am 25. Mai 2020 aufgerufen, https://www.aufstehen-gegen-rassismus.de/
kampagne/aufruf/.
204
Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat: »Verfassungsschhutzbe-
richt 2018«, https://www.verfassungsschutz.de/embed/vsbericht-2018.pdf, S. 142.
205
Beschluss 4. Tagung des 5. Landesparteitages am 23. April 2016: »Aufstehen
gegen Rassismus«, https://www.dielinke-sachsen-anhalt.de/partei/parteitage/5-
parteitag-4-tagung/beschluesse/aufstehen-gegen-rassismus/.
206
»Grüne Jugend ruft zum Eintritt in Rote Hilfe auf«, Junge Freiheit, 18. März
2014, https://jungefreiheit.de/p0litik/deutschland/2014/144966/.
207
Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, Drs. 22/36 vom 17. April
2020: »Systematische Kooperation der Grünen Jugend Hamburg mit gewaltori­
entierten Linksextremisten - Warum bleibt der Hamburger Verfassungsschutz
untätig?«, https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/7o195/systema-
tische_kooperation_der_gruenen_jugend_hamburg_mit_gewaltorientierten_
linksextremisten_warum_bleibt_der_hamburger_verfassungsschutz_untaetig.
pdf.
208
Landtag von Sachsen-Anhalt, Drs. 7/4748: »Keine Förderung der politischen
Initiative >Halle gegen Rechts - Bündnis für Zivilcouragen Keine Finanzierung
von Feinden der Demokratie. Keine Finanzierung von Extremisten. Rück­
forderung der Fördergelder für die Jahre 2018 und 2019«, https://www.landtag.
sachsen-anhalt.de/fileadmin/files/drs/wp7/drs/d4748aan.pdf.
209
»...ums Ganze!« Selbstdarstellung, zuletzt aufgerufen am 28. Mai 2020, https://
www.umsganze.org/ueber-uns/.
210
Institut Solidarische Moderne: »Es lohnt sich, für Rot-Rot-Grün zu kämpfen«,
talk im transit#5, https://www.solidarische-moderne.de/de/article/497.es-lohnt-
sich-fuer-rot-rot-gruen-zu-kaempfen.html.
211
Tadzio Müller interviewt Felix Kolb: »Streitgespräch Ziviler Ungehorsam:
>Trittbrettfahrer!< - >Formfetischisten!<«, taz, 26. Januar 2012, http://www.taz.
de/15102190/.
212
Jörg Quoos, Diana Zinkler: »Ministerpräsident Ramelow: AfD wandelt sich zu
>profaschistischer Parten«, NRZ, 2. Oktober 2018, https://www.nrz.de/politik/
ramelow-es-geht-nicht-um-dankbarkeit-sondern-um-respekt-id215463o27.html.
213
Institut Solidarische Moderne: »Es lohnt sich, für Rot-Rot-Grün zu kämpfen«,
talk im transit#5, https://www.solidarische-moderne.de/de/article/497.es-lohnt-
sich-fuer-rot-rot-gruen-zu-kaempfen.html.
214
Gabi Bauer, Martin Beck (Interview): »Die Interventionistische Linke entwi­
ckelt sich einfach weiter - Vier Aktivistinnen geben Auskunft über die >IL im
268 Anhang

Aufbruch««, ak - analyse & kritik - zeitungfür linke Debatte und Praxis /


Nr. 599 /18. November 2014, https://interventionistische-linke.org/beitrag/die-
interventionistische-linke-entwickelt-sich-einfach-weiter.
215 Rosa-Luxemburg-Stiftung: »Vorstand / Verein, Wissenschaftlicher Beirat«,
https://www.rosalux.de/stiftung/vorstand-verein.
216 Phoenix plus: »Prof. Conrad Schetter und Thomas Gebauer zur Be­
kämpfung von Fluchtursachen«, 26. Juni 2018, https://www.youtube.com/
watch ?v=RMksXn Q_ UEg.
217 Rosa-Luxemburg-Stiftung: »Tadzio Müller zur Kohlekommission«, 18. Septem­
ber 2018, https://www.youtube.com/watch?v=h6EU33wWpoo.
218 BfV-Newsletter Nr. 3/2015 - Thema 7: »Linksextremisten beteiligten sich an
Aktionstagen „Ende Gelände“ und der zeitweiligen Besetzung des rheinischen
Braunkohlereviers Garzweiler vom 14. bis 16. August«, https://www.
verfassungsschutz.de/de/oeffentlichkeitsarbeit/newsletter/newsletter-archive/bfv-
newsletter-archiv/bfv-newsletter-20i5-3/bfv-newsletter-20i5-03-07.html.
219 Mechthild Küpper: »Linke Denkfabrik - >Ypsilanti-Institut für angewandte
Kuba-Wissenschaften««, Frankfurter Allgemeine Zeitung 29. Juli 2011, https://
www.faz.net/aktuell/politik/inland/linke-denkfabrik-ypsilanti-institut-fuer-an-
gewandte-kuba-wissenschaften-1936618.html.
220 Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Abteilung Verfassungsschutz: »Im
Fokus: Linke Gewalt in Berlin 2009-2013«, S. 54, https://www.berlin.de/sen/
inneres/verfassungsschutz/publikationen/im-fokus/ (vierter Downloadlink von
oben, abgerufen am 22. Juni 2020).
221 Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat: »Verfassungsschhutz-
bericht 2018«, https://www.verfassungsschutz.de/embed/vsbericht-2018.pdf,
S. 111.
222 Hier zitiert das BfV die entsprechende Rechtsprechung: »BVerwG,Urt.v.21.
io.20io,Az.6C22.09,Rn.30-Ramelow; VG München, Urt. v. 16.10.2014 - 22 K
14.1663, Rn. 54 - Islamfeindlicher Verein«.
223 Summen der Zuwendungen des Senats an ababiz ausweislich der Zuwen­
dungsdatenbank Berlin: https://www. berlin.de/sen/finanzen/service/
Zuwendungsdatenbank/.
224 Götz Kubitschek: »>Journalisten«, Ditfurth - Messebrennglas«, Sezession, 20.
Oktober 2019, https://sezession.de/61672/journalisten-ditfurth-messebrennglas.
225 Als Quelle für diese Aussage gibt das vermeintliche Gutachten einen Facebook-
Eintrag des Jörg Urban vom 28. Februar 2018 an.
226 Urteil des Zweiten Senats vom 17. Januar 2017 - 2 BvB 1/13, RN 990.
227 Die Linke: »Kontaktstelle Soziale Bewegungen«, https://www.linksfraktion.de/
fraktion/kontaktstelle/.
228 »Kammergericht Urteil im Verfahren gegen drei Angeklagte wegen eines
Brandanschlages auf Lastkraftwagen der Bundeswehr, Pressemitteilung vom
Quellenverzeichnis 269

16.10.2009«, https://www.berlin.de/gerichte/presse/pressemitteilungen-der-
ordentlichen-gerichtsbarkeit/2oo9/pressemitteilung.42596i.php.
229 Annette Scheid: »Sprecher der Gefangenengewerkschaft: Rente und Mindest­
lohn - auch hinter Gittern«, Oliver Rast bei Deutschlandfunk Kultur, 2. Sep­
tember 2015, https://www.deutschlandfunkkultur.de/sprecher-der-gefangenen-
gewerkschaft-rente-und-mindestlohn.2i65.de.html?dram:article_id=329926.
230 Adrian Arab: »Wenn Linke sich als Rassisten beschimpfen«, Welt, 22. Oktober
2016, https://www.welt.de/print/die_welt/politik/article158965369/Wenn-Linke-
sich-als-Rassisten-beschimpfen.html.
231 linxxNet - Offene Projekt- und Abgeordnetenbüros, Audio: https://www.
linxxnet.de/index.php/mitschnitte/audio/: siehe auch den Mitschnitt »Gewalt,
Militanz und emanzipatorische Praxis - Machen die Richtigen alles falsch?«
unter: https://hearthis.at/linxxnet/militanzvai9ioi5/?fbclid=IwARiunuhWcb-
vad8cKW88pJZFrWaRPQ9jLoOR5ho6o6s39ndPBx2UzNHvc_Ek.
232 VG München, Urteil vom 02.10.2014 - M 22 K 11.2221, https://openjur.
de/u/775502.html.
233 Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen: »Richtlinie Nr. 1/76 zur Entwick­
lung und Bearbeitung Operativer Vorgänge (OV)«, https://www.bstu.de/
assets/bstu/content_migration/DE/Wissen/MfS-Dokumente/Downloads/
Grundsatzdokumente/richtlinie-i-76_ov.pdf.
234 Jonas Schäuble, Kevin Hagen: »Nach Eklat auf Strategiekonferenz - Linkenab­
geordnete beurlauben Mitarbeiter«, Spiegel, 13. März 2020, https://www.spiegel.
de/politik/deutschland/linken-mitarbeiter-tim-fuerup-umstuerzler-beurlaubt-
a-00000000-0002-0001-0000-000169988540.
235 Die Linke, Sachsen-Anhalt, Landesarbeitsgemeinschaft Betrieb Gewerkschaft:
»Generalüberholung linker Politik? Für kämpferische Gewerkschaften und
starke Betriebsräte!«, https://www.dielinke-sachsen-anhalt.de/partei/
zusammenschluesse/lag-betrieb-gewerkschaft/meldungen/.
236 »Kommt zu uns oder haltet die Klappe«, Volksstimme, 14. Oktober 2013, https://
www.volksstimme.de/nachrichten/sachsen_anhalt/1158457_Kommt-zu-uns-
oder-haltet-die-Klappe.html.
237 Katja Kipping, Bernd Riexinger: »Die Linke unterstützt die Großdemons­
tration #unteilbar am 13. Oktober in Berlin«, Pressemitteilung der Partei Die
Linke vom 10. Oktober 2018, https://www.die-linke.de/start/presse/detail/die-
linke-unterstuetzt-die-grossdemonstration-unteilbar-am-i3-oktober-in-berlin/.
Stichwortverzeichnis

.. .ums Ganze 50,106,115,198, 201, analyse & kritik (ak) 49,102,


213,247 105-107,114-116,169,205,215
24. Kammer 32,34 Anarchistische Gruppe / Rätekommu­
5. US-Corps 22 nisten 45
Andreasch, Robert 227
Ankerzentren 26
A Antaios-Verlag 227
Anti-TTIP 239
Abdel-Samad, Hamed 229 Antifa 7,26,39 f„ 44-46,48-51,
Abdollahi, Michel 103,247 68,74 f„ 97-100,105-107,110,
Abschiebung 24-28,30,32,35 f. 113-117,121,126,133,167-169,
AfD-Landesverband 192,220-226.237, 243
Brandenburg 179,181 Antifa AG der Universität Biele­
Sachsen 179 feld 44
Sachsen-Anhalt 113,187,224 Antifa Herzogtum Lauenburg 201,
Thüringen 173,179 246
ag.antifa.net 44 Antifa Infoblatt 102
a.i.d.a. 221,227 Antifa International 63
ak (Zeitschrift). Siehe: analyse & kritik Antifa Kiez 145 205
w Antifa Nordost - North East Antifa-
Akademie für Verfassungs­ scists [NEA] 116,205
schutz 153,154 Antifa-NT 21 f„ 106,115,130 f„ 193,
Akbulut, Gökay 156 205
Aktiv für Demokratie und Tole­ Antifa Oberhausen 201,246
ranz 44,199 Antifa Riot 205
Aktive Kreative Linke [Hanno­ Antifa-NGOs 50
ver] 205 Antifa-West Bielefeld 44
Al Fatah 22 Antifa-Zeckenbiss 159
Aldag, Wolfgang 118 Antifaschistische Jugend 76 205
A l’innovation 14 Antifaschistische Koordination Lü­
Alternative Liste (AL) 19 beck 205
Aly, Götz 22 Antifaschistische Nachrichten 45
Amri, Anis 30 f. Antifaschistischer Kulturaufbau (AKA
Amtsgericht Hamburg 13,259 Vosifa) 198

271
272 Anhang

Antifaschistisches Infoblatt 48 autonome antifa [w] 213


Antifaschistisches Kollektiv Marzahn- Autonome Antifa Berlin (A2B) 198
Hellersdorf (AKMH) 198 Autonome Antifa Berlin Span­
Antigentrifizierung 195 dau 206
Antikapitalistische Linke (AKL) 133, Axel-Springer-Hochhaus 23
134,205 Ayata, Imram 218,219
Antikapitalistische Linke München
(AL-M) 194
Antimilitarismus 133,195 B
Antirassismus 195,207
Antirassistische Initiative Berlin Baader, Andreas 13,16,20 f„ 95
(ARI) 198 Baader-Meinhof-Gruppe 9,13,22
Antirassistisches Netzwerk Sachsen- Bachmann, Andreas 102
Anhalt 205 Bachmann, Josef 17
apabiz 225 BAFA. Siehe: Bundesamt für Wirt­
APO (Außerparlamentarische Oppo­ schaft und Ausfuhrkontrolle
sition) 11 Bahnhofsklatscher 218
Arbeiterkampf 105 Bahr, Egon 216
Arbeitskreis Antirassismus Magde­ Bambule 20
burg 207 Barley, Dr. Katarina 201,247
ARIBA 199 Bartl, Klaus 137
Arnold, Martin M. 26 Bartsch, Dr. Dietmar 201,247
arranca! 12,102,215 Baum, Christina 181
Asylbewerber, geduldet 31,34-36 Bayerische Hypotheken- und Wech­
Asylrecht 26,29,35,38,177 selbank 22
Aufstand der Anständigen 47,48 Bayerisches Staatsministerium für
Aufstehen gegen Rassismus 42,103, Arbeit und Soziales, Familie
183,185,195-205,245 und Integration 49
Augstein, Jakob 218 Bayerischer Flüchtlingsrat 24-26,
Augstein, Rudolf 12-14,16,20 f. 30,245
Ausreisepflicht 31,34-36,131 Bayerisches Landesamt für Verfas­
Außerparlamentarische Opposition sungsschutz 71, 83,156,195,
(APO) 11 213,229
Arbeiterbund für den Wiederaufbau Bayerisches Landeskriminalamt
der KPD(AB) 25,193 (LKA) 23,58,71
Außerparlamentarische Opposition. Bayern gegen Rechtsextremis­
Siehe: APO mus 49
Autonome 24, 26,44,101,115,127, Bebnowski, David 109 f.
148,169,194,240, 246 Beck, Volker 97
Stichwortverzeichnis 273

Begrich, David 114-117,167, 237 Berliner Bündnis gegen die neuen


Bendixen, Oliver 101 Polizeigesetze 205
Benjamin, David (Franco A.) 29 Berliner Bündnis gegen Rechts 200
Beobachtungsstatus (durch den Ver­ Berliner Landeszentrale für politische
fassungsschutz) Bildung 200
#noPAG 203 Berliner Rechtshilfe 12
... ums Ganze! 213 Beugehaft 92
AfD 174,178,181,210 Bewegung 2. Juni 10,17,23
Antifa-NT 24,115,193 Bezler, Tobias 227
Aufstehen gegen Rassismus 195 BfV. Siehe: Bundesamt für Verfas­
Bystron, Petr 184 sungsschutz
Die Linke 173 f. BGH. Siehe: Bundesgerichtshof
Dresdensia Rugia zu Bild- Zeitung 17,47,63,160,166,188
Gießen 223 f. Bildungswochen gegen Rassis­
EineWeltHaus 183 mus 197,211-213
EinProzent 185 f. BKA. Siehe: Bundeskriminalamt
Ende Gelände 25,211,217 Black Mosquito 206
IL (Interventionistische Blätter für deutsche und internationale
Linke) 50,115,194,199, Politik 11,12,102
215,216 Blick nach Rechts 43
Institut für Staatspolitik 192 Blechschmidt, Andreas 169-172
Junge Welt 76,104,106 Blockupy 50,248,250,252
Jungle World 50 Bloomquist, Paul A. 123
Jusos 190 Blutiger Mai 72 23
Linksjugend [’solid] 209 BMW 35
Liste von Organisationen 193 f. BND. Siehe: Bundesnachrichtendienst
MLPD 25,131,194 Böhme, Marco 237
Münchner Bündnis gegen Krieg Bonde, Alexander 217
und Rassismus 197 Bonner, Clyde R. 23
NIKA 115 Borchardt, Barbara 132,135-137,242
Ramelow, Bodo 214 Borderiess Solidarity 207
Rote Hilfe 93,194 Bosbach, Wolfgang 43,46
SPD 190 BR (Bayerischer Rundfunk) 101-103
Stürzenberger, Michael 229 Brandenburgisches Innenministe­
TOP B3RLIN 198 rium 181
WN-BdA 124,204, 212,213,240 Brandenburgisches Verfassungs­
Zukunft Heimat 181 schutzgesetz 181
Berlin gegen Nazis 50 Brandt, Willy 12
Berlin Outback Antifa (BOBA) 198 Breitscheidplatz 30
274 Anhang

Brüdgam, Wenke 136 f. Bündnis Neukölln - Miteinander für


Bucerius, Gerd 12 Demokratie, Respekt und Viel­
Buchholz, Christine 201,248 falt 198 f.
Buddenberg, Wolfgang 23 Bündnis 90/die Grünen 41, 201 f.,
Bulmahn, Edelgard 45 207,247-250
Bund der Antifaschisten 125 Bündnis für Demokratie und Tole­
Bund der Deutschen 11 ranz 43 f., 46,102
Bundesamt für den Militärischen Ab­ Buntenbach, Annelie 44 f.
schirmdienst (BAMAD) 152, Burschei, Friedrich 49
153 BVerfG 41,58-60,81-83,176,182,
Bundesamt für Migration und Flücht­ 196, 232, 234
linge (BAMF) 36,152 Bystron, Petr 184,196
Bundesamt für Verfassungsschutz
(BfV) 50,59,75,102,125 f„
134,139, M3 f-, 152,157.174f-> C
176,178,181 f., 185 f., 190-192,
202 f., 217, 220-227,233,240 Caffier, Lorenz 137
Bundesamt für Wirtschaft und Aus­ Castro, Fidel 15
fuhrkontrolle (BAFA) 152 Chili TK - Antifaschistische Jugend­
Bundesgerichtshof (BGH) 99,165 gruppe aus Treptow-Köpe­
Bundeskriminalamt (BKA) 70, nick 198
86,151 f„ 155-157,160 f., Civitas 47, 49, 50, 53
163-165 Cohn-Bendit, Daniel 41
Bundesministerium für Arbeit und Conne Island 238 f.
Soziales (BMAS) 24 Connewitz 84 f„ 88,124,128, 238
Bundesministerium für wirtschaft­ Corona 68,120,195,203
liche Zusammenarbeit Cuba Si 136 f.
(BMZ) 31
Bundesnachrichtendienst
(BND) 152 D
Bundespolizei (BPOL) 152
Bundeszentrale für politische Bildung Dagdelen, Sevim 96,137,156
(bpb) 114 f„ 174 Dalbert, Claudia 118 f.
Bündnis Beyond Europe 115 Das Konzept Stadtguerilla 17,19
Bündnis für Demokratie und Tole­ DDR 10 f., 39 f., 102,132,136,
ranz - gegen Extremismus und 242
Gewalt 43 f., 46,136 de. indymedia. org 63 f., 222
Bündnis gegen Rechts Braun­ Demokratie leben! 200
schweig 197, 246 der Freitag, Wochenzeitung 218
Stichwortverzeichnis 275

Der Funke - Marxistische E


Linke 206
Der Funke - Marxistische Strömung in Ebermann, Thomas 239
der Juso und den Gewerkschaf­ Eckhardt, Hans 22
ten 206 EinProzent 185-187
Der Rechte Rand 44 f., 173 Emanzipative & antifaschistische
Der Spiegel. Siehe: Spiegel Gruppe Pankow (EAG) 198
Der Ziegelbrenner 206 Ende Gelände 25,206,211,217,245
Deschler, Irmgard 9 f., 23 f„ 38 Ende Gelände - Magdeburg 206
Deutsche Botschaft 23 Ensslin, Gudrun 16,95
Deutsche Friedensunion (DFU) 11 Enquetekommission Linksextremis­
Deutsche Kommunistische Partei mus 60,71,78,117
(DKP) 194 Entkulakisierung 241
Deutsches Zentralinstitut für Soziale Ermittlungsausschuss (EA) 91
Fragen 20 Europäisches Polizeiamt 152
Deutschland schafft mich (Buch) 103 Extremismus-Klausel 48
Deutschland schafft sich ab 103
Deutschland-Kurier 105
DGB-Jugend Magdeburg 206 F
Diba, Farah (Farah Pahlavi) 15
DIDF Berlin - Verein der Arbeiterin­ Facebook 26,77,113,117,118,126,
nen und Jugendlichen e.V. 198 127,168,179,189,212
Die Harlekins 128 Fachstelle gegen Rechtsextremis­
Die Linke 11,15,93,101,118,123 f., mus 102
132,134,136,167,173 f„ 193,199, Fake News 23,47,72
201 f„ 241,244 Falken 204,247,252
Diepgen, Eberhard 216 Fatah 13
Die Zeit 12,19 FAU Dresden 206
Dimitroff, Georgi 92 FAU Jena 206
Dimitroff-These 92 Feministisches Kollektiv Magde­
Ditfurth, Jutta 238 f. burg 206
DKP Berlin 198 Fichter, Albert 18 f.
DKP Niedersachsen 201,246 fight4afrin.noblogs.org 64
Doughan, Sina 210 Firebirds 22
Dresden Nazifrei 126-128 Fischer, Andrea 41 f.
Dresdensia-Rugia zu Gießen 222 f. Fischer, Joschka 18,41
Duldung 31,34 f. Flüchtlingsrat Thüringen 26,
Dünnwald, Dr. Stephan 24 246
Dutschke, Rudi 13,16 f., 20,39 Focus (Magazin) 31, 69, 85
276 Anhang

Frangi, Abdallah 13 Generalbundesanwalt (GBA) 152


Frankfurter Rundschau 189 Generalstaatsanwaltschaft 73
Frankfurter Spontis 40 Generalzolldirektion (GZD) 152
Freak Out Connection (FOC) 206 Genschel, Corinna 236 f., 248
Freie Arbeiterinnen Union Magde­ Gesamtdeutsche Volkspartei
burg 206 (GVP) 11
Freie Deutsche Jugend (FDJ) 10, Geschonneck, Anne 244
194.195 Gewerkschaft der Polizei (GdP) 85,
Freie Presse (Lokalzeitung) 159 86
Freie Universität Berlin 20 GEZ (Gebühreneinzugszen­
Freies Sender Kombinat (FSK) 167 trale) 167,172
Freiheitsfoo 206 Giffey, Franziska 200
Fridays for Future 50 GIM. Siehe: Gruppe Internationale
Friedensbewegung 40 Marxisten
Friedliche Revolution 240 Gipfel der Bewegung 237
Friedrich, Martin 28 Gniffke, Kai 109
Friedrich, Sebastian 105-111,114 f., Göring-Eckardt, Katrin 108,184,
248 201, 248
Frings, Klaus 17 h Gothia (Burschenschaft) 216
Fürup, Tim 243 Grams, Wolfgang 93
Grashof, Manfred 22 f.
Graue Wölfe 76
G Graupner, Richard 65, 67
Greenpeace 184
G20-Gipfel 12,50,85,91,93,101 f„ Grimm-Benne, Petra 118 f.
106,154,169,189, 211,236, 238 Grote, Katharina 25 f.
G7-Gipfel 157 Grötsch, Uli 201, 248
G8-Gipfel 215,238 Grundmann, Wolfgang 22
Gabelmann, Sylvia 207 Grüne im Bayerischen Landtag 25,
Gabriel, Sigmar 155 192
Gallert, Wulf 118 Grüne Jugend 197, 204,206,207,
Gebauer, Thomas 217 210 f., 249-251
Gebühreneinzugszentrale. Siehe: GEZ Grüne Jugend Berlin 197,199
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhau­ Gruppe Gegenkontrolle 207
sen 242 Gruppe Internationale Marxisten
Gehring, Kai 201,248 (GIM) 41
Gemeinsames Extremismus- und Gürpinar, Ates 193
Terrorismusabwehrzentrum GVP. Siehe: Gesamtdeutsche Volks­
(GETZ) 151 partei
Stichwortverzeichnis 277

H Holocaust 19
Honecker, Erich 10,49,241
H., Andre 72-74,164 Hooligans 179
H„ Daniel 72,159-166 Hoppe, Werner 21
Hacken, Valtentin 213 Hüllen, Rudolf van 114
Haldenwang, Thomas 185-188, Hundertmark, Dirk 145
190 f„ 203,216,221,224
Halle gegen Rechts - Bündnis für
Zivilcourage 118,197,211,213, I
252
Hambacher Forst Besetzung 206, Illner, Maybrit 155
217 IMK (Innenministerkonferenz) 205,
Hände weg vom Wedding 206 208
Haseloff, Reiner 150 Indymedia 63,64, 222
Hasskriminalität 70,86-89 Infoladen [Salbke] - Kollektiv 206
Havanna8 - Kneipenkollektiv Infoladen Blackbook Lübeck 206
Marburg 206 Inforadio RBB 78
Hebner, Martin 107 Initiative in Gedenken an Oury
Heigl, Miriam 102 Jalloh 206
Heinemann, Gustav 11 f. Initiative Keupstraße ist überall 206
Hennig-Wellsow, Susanne 138 Innenausschuss des Bundestages 93
Herrmann, Joachim 35 f„ 66, 81 f., Innenministerium Baden-Württem­
229, 249 berg 69
Heuberger, Moritz 197,249 Institut für Staatspolitik 186,
Hilfsgemeinschaft für nationale 192
politische Gefangene und deren Institut Solidarische Moderne
Angehörige (HNG) 91 (ISM) 77,201, 214, 215,
Hillegaart, Heinz 23 263
Hitler, Adolf 12 Internationalistischer Block 208
Hochschule der Sächsischen Internationalistisches Bündnis 206
Polizei 174 Interventionistische Linke (IL) 115,
Hochschule des Bundes für öffentli­ 118,194,199,201, 203 f„ 219,
che Verwaltung 102 246
Hocke, Björn 179,214 Interventionistische Linke (IL)
Hoffrogge, Ralf 215,218 Berlin 116,198 f.
Hofreiter, Toni 184, 201, 248 Islam 227-229,232 f., 236
Hogefeld, Birgit 93 Islamismus 30,140,141,152,165,
Högl, Eva 202. 249 227 f., 232
Hohm, Jean-Pascal 181 Israel 18, 20,47
278 Anhang

J Klose, Bianca 49 f.
Knabe, Hubertus 242
Jalloh, Oury 168 f., 206 Köditz, Kerstin 123-125,129,132,138,
Jelpke, Ulla 45, 93-95,137 202,237,250
Jubelperser 15 Kochupy 206
Judenknax 19 Koester, Elsa 218
Jugend Offensive 207 Köhler, Leonie 210
Jugendverband Rebell 194,206 Köhnen, Natascha 193
Junge Freiheit 174 Komalen Ciwan«/»Tevgera Ciwanen
Junge Liberale 195 §ore?ger 201
Junge Welt 76 Kommunarden 40
Juso-Bundesvorstand 202,246 Kommune I 14,15,19
Jusos 96,189-191,196 f„ 204, Kommunistischer Jugendverband
238 Kubas 137
Jusos Berlin 197,199 Kommunistische Partei Kubas 137
JVA Büren-Stöckerbusch 44 Kommunistischer Bund Westdeutsch­
land 41
kompetent, für Demokratie 49
K Kompetente Netzwerke gegen
rechts 225
Kafe Marat 24-26,115,183,245 konkret (Zeitschrift) 10,11,16,39
Kahane, Anetta 221 Kontrovers (Magazin des BR) 101 f.
Kapluck, Manfred 11 Koplin, Torsten 136 f.
Karawane München 26 Körner, Burkhard 183 f.
Kaufhaus Schneider 16 Köthen (Sachsen-Anhalt) 120 f.
Kaufhof 16 Koukoulofori 171
Kaupert, Simon 68 KPMD-PMK (Kriminalpolizeilicher
Keim, Stephan 86 Meldedienst Politisch moti­
Kemmerich, Thomas 138 vierte Kriminalität) 65-67
Kenia-Koalition 55,118,149, 212 Krahl, Hans-Jürgen 16
Kipping, Katja 95,101,202,217, 237, Krellmann, Jutta 202,250
244, 249 Kretschmer, Michael 150
Kirchner, Oliver 119-121 Kreuzer, Thomas 130 f.
Kirsch, Gerhard 85 Krull, Tobias 213
Klassenkampf 107,208,240-244 Kubitschek, Götz 186 f., 192,227
Klatte, Ivo 124 Kühnert, Kevin 189 f„ 196
Klein, Hans-Joachim 93 Künast, Renate 19,51, 200
Kleine, Christoph 169 Kunzeimann, Dieter 19 f., 39,51
Klimaschutz 195 Kurras, Karl-Heinz 18
Stichwortverzeichnis 279

Kurdische Bahoz 157 Linksextremismus (Forts.)


Kurdische Frauenbewegung in Europa Enquetekommission zu 60,71,
(AKKH/TJK-E) 201 78,117
Kurdische Miliz YPG 61, 77 kleingeredet 7
Musik & 146
Potenzial für 140
L Öffentlich-Rechtliche & 101 f.
Rechtsextremismus & 102-104,
LabourNet Germany 206 119,145,146,148,151
LAG Antifa (Die Linke Berlin) 199 vom Staat unterstützt 53
Landesamt für Verfassungsschutz Zahlen zu 139,141,142 f„ 148
Bayern 24,71,83,156,195, 213, Linksnet (Zeitschriftenverbund) 12,
229 102
Sachsen 124,185 Linkspartei im Thüringer
Schleswig-Holstein 145 Landtag 138
Landeskriminalamt LinXXnet 236-239
Bayern 23, 58,71 Lippmann, Valentin 125 f., 128
Hessen 64 Lischka, Burkhardt 188 f., 192
Sachsen-Anhalt 149 Lorenz, Peter 23
Lang, Ricarda 197,250 LOTTA (antifaschistische Zeitung aus
Lengsfeld, Vera 110 f. NRW) 44
Leutert, Michael 96, 237 Löw, Stefan 131
Libertäres Zentrum Magdeburg Lucke, Albrecht von 12
e. V. 206 Ludwig-Maximilians-Universität
Lieke, Falko 200 (LMU) 76
Linke, Georg 20
Links-Staat 24,35,133,196 f.
Linksjugend [solid] 204,209f„ M
212 f., 246,248
Bayern 194,209 Maaßen, Hans-Georg 160,174,
Berlin 199 188
Bundesverband 206 Mahler, Horst 21
Harz 206 Mai-Offensive 22
Magdeburg 206 Mao 11,15
Linksextremismus Maoisten 40
Ausländerextremismus & 78 Marcuse, Herbert 39
in Bayern angeblich bekämpft 53, Märkische Allgemeine 85
81 marx2i (Organisation) 173,205
Bezuschussung von 10, 48 marx2i (Zeitschrift) 12,102
280 Anhang

Marxistisch-Leninistische Partei Müller, Gerhard 22


Deutschlands. Siehe: MLPD Müller, Norbert 95
Marxistische Blätter 12 Müller, Tadzio 214 f., 217
Marxistische Jugend München Münch, Holger 69,86-89,151.
(MJ) 194 160 f.
Marxistische Linke 206 Münchner »Anarchistenszene« 10,
medico international 216 23
Meier, Julia 205 Münchner AStA 17
Meier, Katja 128-130 Münchner Bündnis gegen Krieg
Meinhof, Ulrike 11 f., 14,16,18, und Rassismus 26,194,197,
20-22,39,41 f. 251
Meins, Holger 9 Münchner Merkur 136
Mercedes-Benz-Arena 68 Münchner Rechtshilfe 17
Merkel, Angela 27,109 f., 117,138,
159> 187
Meyen, Prof. Dr. Michael 78 N
Mielke, Erich 241
Miersch, Dr. Matthias 202,250 nadir 44
Migrationskrise 2015 27,108 Nagel, Julia 167
militante gruppe (mg) 237 Nagel, Juliane (Jule) 236 f.
Ministerium für Staatssicherheit Nationalismus ist keine Alternative
(Stasi) 15,16,18,137,221,241 f. (NIKA) 106,115
Mirbach, Andreas von 23 Nationalsozialismus 63,93
Miteinander e. V. 113 f., 116,117,167, Nationalsozialistischer Unter­
237 grund 151
MLPD (Marxistisch-Leninistische Naturfreunde 204,247,249-252
Partei Deutschlands) Naziaufmarsch in Halle? Läuft
Bayern 130 f. nicht! 118
Bundesverband 194,206 Netzwerk Selbsthilfe München
Jugendorganisation Rebell 194 e.V. 25
Magdeburg 206 neues deutschland (nd) 136,252
Sachsen-Anhalt 118 NIKA. Siehe: Nationalismus ist keine
Mobile Beratungsstelle gegen Rechts­ Alternative
extremismus Berlin (mbr) 49 noPAG 185,192-194,196, 202 f., 211
Montag, Jerzy 97 North East Antifascists (NEA) 116,
Moschee 205
in Kassel 63 NPD 41, 58,63,139, 234
in Leipzig 234 NSU-Untersuchungsausschuss 151
Müller, Gerd 31 ntv (Nachrichtensender) 136
Stichwortverzeichnis 281

O PKK (Arbeiterpartei Kurdis­


tans) 194 f., 200 f., 216
Obens, Henning 50 Platzgummer-Martin, Petra 145
Öcalan, Abdullah 77 PMK (Politisch Motivierte Kriminali­
ÖDP 193 tät) 53> 57. 64-67, 69,72.75.
Offene Linke Liste Magdeburg 207 76,82,161,162
Ohnesorg, Benno 15 f„ 18, 23 PoC Hochschulgruppe Magde­
ÖkoLinX - Antirassistische burg 206
Liste 240 Pogrome von 1938 18
Omar 32-34 Pohle, Rolf 17
Organisierte Kriminalität (OK) 75, Politisch Motivierte Kriminalität.
154-157 Siehe: PMK
Orthodoxe Linke 44 Polizeiaufgabengesetz Bayern 192 f.
Ortsgruppe der WN-BdA 26 Polizeiaufgabengesetz (PAG) 194 f.
Osmanen Germania 157 Polizeidirektion Augsburg 23
Otto, Rasmus 207 Polizeipräsidium Stuttgart 68
Özdemir, Cem 184,201 f., 250 Prisma Leipzig 116,167
Özoguz, Aydan 199 Pro Asyl 26,248
Pro Chemnitz 179
Proletarische Autonomie Magdeburg /
P Finsterwalde (PAM) 206,
208
Pahlavi, Mohammad Reza 15 Proll, Thorwald 16
Parlamentarische Kontrollkom­ Prolos Nürnberg 207
mission (PKK) 123,125,174, Propaganda der Schüsse 16,17
188 Propaganda der Tat 16,17
Patriotische Europäer gegen die
Islamisierung des Abendlandes.
Siehe: PEGIDA Q
Pau, Petra 202,250
PDS 174 Quade, Henriette 167 f., 213
Peck, Charles 23 Queere 1. FC Magdeburg Fans 207
PEGIDA 126 f. 133,179 Querdenken 711 68
Peter, Simone 184,201 f„ 250
Pfahl-Traughber, Prof. Armin 101 f.
Pflüger, Tobias 137 R
Phoenix 217
Piratenpartei 193 RAF. Siehe: Rote Armee Fraktion
in Niedersachsen 206 Riemeck, Renate 11
282 Anhang

Rache für Ulrike (Meinhof) 41 Renner, Martina 202,251


Radikale Linke 116,169,205,213 Repressive Toleranz (Essay) 39
Radio Aktiv 167 RIAS. Siehe: Recherche- und Informa­
Radio Corax 167,169,172 tionsstelle Antisemitismus
Radio Feierwerk 167 Riexinger, Bernd 202, 243 f., 251
RAF. Siehe: Rote Armee Fraktion Rigaer94 140
RAF Berlin - Roter Aufbau Fried­ Röhl, Bettina 11,12,18
richshain 207 Röhl, Klaus Rainer 11
Rage & Love 207 Roi, Daniel 181,187
Ramelow, Bodo 71,138,173,182,214, Rojava 63,77 f„ 215,216
216, 218-222, 242 Rosa-Luxemburg-Stiftung 48,50,
Raspe, Jan-Carl 95 116, 214, 216 f.
Rau, Johannes 11 Rossmann, Dr. Ernst Dieter 202,251
Rausch, Daniel 60 Rost, Prof. Dr.-Ing. Michael 206
ReachOut 199 Rostock Hart Backboard 207
Recherche- und Informationsstelle Rote Armee Fraktion (RAF) 72
Antisemitismus (RIAS) 49,50 Rote Flora 140,169
Rechtsextremismus Rote Hilfe e. V. 23 f„ 78,91-100,
Bayern gegen 49 123-125,148,185,189 f„ 207,210 f.
Bekämpfung von 43,45, 47, 51, Berlin 21,22
119.136.151 Ortsgruppe Magdeburg 207 f.
Beratungsstelle Berlin gegen 49 Ortsgruppe München 25,194,
falsch eingeordnet 63, 67 245
Linksextremismus & 102-104, Rothe-Beinlich, Astrid 218
119.145.146.148.151 Röttgen, Norbert 99
militanter 164
Musik & 146
Potenzial für 139,141,150 S
türkischer 76
übertrieben 53 Salafismus 141
Zahlen zu 139,141,142 f., 148 Sarrazin, Thilo 103
Rechtsausschuss des Landtages 26 SAV. Siehe: Sozialistische Alternative
rechtsaussen.berlin.de 225 Schachtschneider, Karl
Redler, Lucy 134 Albrecht 216,231,233
Refpolk 207 Schäfer, Jamila 197, 251
Refugio 36-38 Schamberger, Kerem 76-78, 217
Regina - Ravende Europäer gegen Scharia 234
Intoleranz und Nationalis­ Scheel, Walter 12
mus 207 Schelm, Petra 21
Stichwortverzeichnis 283

Schily, Otto 43,45 Solidaritätsbündnis Kurdistan-


Schindler, Jörg 124,125 Magdeburg 207,208
Schleyer, Hanns Martin 95, 98 Solidaritätskongress der PLO 18
Schmid, Norbert 22 Solidaritätsnetzwerk Berlin 207
Schmid, Ulla 41 Sommer der Antifa 48
Schmierer, Hans-Gerhart Sommer, Helin Evrim 156
(Joscha) 42 Sonderkommission »Baader-
Schoner, Herbert 22 Meinhof« 22
Schöppner, Horst 221 Sozialistische Deutsche Arbeiter­
Schreck, Rüdiger 17 t jugend (SDAJ) 194,
Schreer, Claus 197,251 251
Schreiber, Tom 190 Sozialistische Zeitung 12
Schröder, Gerhard 41,47,97 Sozialistische Alternative
Schulze, Katharina 25,130 f., 192 (SAV) 133-135
Schuster, Armin 93 Sparkasse (München) 9,23 f.
Schwarzer Block 127,195 SPD Berlin 201,247
Schwesig, Manuela 135,200,202,251 Speitel, Volker 93
SDAJ. Siehe: Sozialistische Deutsche Springer-Presse 17,23,47, 63
Arbeiterjugend Staats-Antifa 7, 27,48, 50
SDS (Sozialistischer Deutscher Stu­ Staatsanwaltschaft Kassel 64
dentenbund) 16-18,204 Stadt München 24,36,102,115,183,
SDS Berlin 16 227
SDS.Die Linke Berlin 199 Stadtguerilla 17,19
SDS Halle 212 f. Stahlknecht, Holger 60,119 f.,
Sebnitz (Sachsen) 47 150
SED 11,15,40,189,243 Stalin, Josef 241
Seehofer, Horst 30,62,69,79,93, Stamm, Claudia 193
100,176,203 Stegner, Ralf 189,202,252
Seibert, Steffen 159 Stephan, Cora 40
Seibert, Thomas 215-27 Stern (Zeitschrift) 12
Sellner, Martin 213 Stiftung Demokratische Jugend 40
Sicherheitskonferenz in Strauß, Franz Josef 12,14
München 26 Striegel, Sebastian 108,117 f., 121,
Siemens 35 123,207
Silberhorn, Thomas 98 Strobl, Thomas 69
Söhnlein, Horst 16 Studenten-Kurier 10
Solid. Siehe: Linksjugend [solid] Stürzenberger, Michael 229
Solidarität mit Rojava 77 Swoboda, Raimund 131
Siehe auch: Rojava Synagoge 47,49
284 Anhang

T Verband der Studierenden aus Kur­


distan (YXK) 77,199-201
Tag der Deutschen Einheit 44 verein demokratische kultur in
Tagesspiegel 47 berlin 49
taz 105,134,214 Vereinigung der Verfolgten des Nazi­
Thieme, Tom 174 regimes 44,125,194,199
Tierrechtsgruppe Veganimal Verfassungsschutz
Magdeburg 207 Akademie für 153,154
T-Online 62, 63,72 Beobachtung durch. Siehe: Beob­
TOP B3RLIN 103,116,198,199,201, achtungsstatus von Personen
247 und Objekten (durch den
Trapp, Peter 85,86 Verfassungsschutz)
Trittin, Jürgen 41,45 Kontrollkommission für 126
Tullner, Marco 212,213 Prüffall 175-178,186
Tunesien 30 f. als Religionspolizei 227 f.
Tupamaros West-Berlin 19 Verdachtsfall 175,184,186 f., 195,222
Verfassungsschutzamt
Bayern 24,71,83,115,116,121,
U 229,241
Bundesamt für 25,59,75,102,
Uekermann, Johanna 202,219 f., 114,125 f„ 134,143,147,152,
252 157,160,209
Ulbricht, Walter 241 NRW 120
UN-Migrationspakt 107,110 Sachsen 72 f., 123 f., 126,132
Unheimlich sicher 205,208 Sachsen-Anhalt 7, 50,154
Universität Bielefeld 44 Schleswig-Holstein 145
Unschuldigkeit 32-34 Verfassungsschutzbericht
Unser Kampf 1968 22 Bayern 26, 54,56, 58,66 f., 70 f.,
URA Dresden (Undogmatische Radi­ 241
kale Antifa Dresden) 127 Berlin 116
Urbach, Peter 19 des Bundes 44,54,56, 58,75,77,
Urban, Jörg 227 81,83-85,115,133,136,139 f„
160,171,176,181,200,202,
209
V Hessen 64,222
NRW 44
Vaatz, Arnold 136 Sachsen 73,126,131,163 f.
Ver.di Berlin, AG Rechtsextremis­ Sachsen-Anhalt 121,148 f.
mus 199 Thüringen 219
Stichwortverzeichnis 285

Verfassungsschutzgesetz 175,177, Y
181,224
Verfassungsschutzverbund 144-146, Ypsilanti, Andrea 217
149 YXK - Verband der Studierenden aus
Vernhold, Patricia 124 Kurdistan 77,199-201
Verwaltungsgericht München 28,37,
196,240
Verwaltungsgericht Köln 176 Z
von Lucke, Albrecht 12
von Mirbach, Andreas 23 Zdebel, Hubertus 243
Vorra (Bayern) 66 f., 70 f. Zeit. Siehe: Die Zeit
WN-BdA 26,44,125,194,196,201, Zeit, Schlacht & Raum e. V. 24
204,212,213, 240,247, 249 Zeitlmann, Wolfgang 99
Zeitschrift Marxistische Erneue­
rung 12,102
W Zentralkomitee des Kommunistischen
Bundes Westdeutschlands 42
Waffen der Kritik 25 Zentralrat der Freien Deutschen
Waffen für Rojava 77 Jugend (FDJ) 10
Wagenknecht, Sarah 137 Zentrum Automobil (ZA) 68
Wagner, Clemens 197,252 Zentrum für Zeithistorische For­
Watara, Bruno 197, 252 schung Potsdam 109
Weil, Dr. Harald 149 Zerger, Johannes 40
Weimarer Republik 92 Ziegler, Andreas 69
Weinzierl, Matthias 24,26 Zimmermann, Pia 95
Welcome to Hell 85,169 Zionismus 19
Wendt, Marian 107-110 Zollner-Niedt, Elisabeth 32-34
Woidke, Dietmar 78 Zukunft Heimat e. V. 120,181 f.
Wolle, Carola 181 Zusammen kämpfen (ZK) 207,208
Wöller, Roland 124 Zuwanderung 32,72,108,110,117
Woodward, Ronald A. 23 Zuwanderung bis zum Volkstod 121
Wie aus einem Rechtsstaat ein
Links-Staat wurde
Beschleichen auch Sie mitunter Zweifel, ob wir
tatsächlich noch in einem Rechtsstaat leben? Viel­
leicht liegt das daran, dass aus unserem Rechts­
staat längst ein »Links-Staat« geworden ist. Ein
allzu simples Wortspiel? Keineswegs, denn:

Die linksextreme Antifa erfährt vielfältige Unterstüt­


zung durch den Staat, sowohl finanziell als auch lo­
gistisch, und das alles finanziert mit Steuergeldern und
verdeckten Kapitaltransfers. Nach jahrelangen und auf­
wendigen Recherchen präsentieren Christian Jung und
Torsten Groß eindrucksvolle Hintergrundinformationen.
Sie nennen Zahlen, Daten und Fakten - und sie nennen
Namen, die Namen derer, die die linksextremen Struk­
turen fördern.

Wie der Linksextremismus vom Staat


systematisch gefördert wird

Was bei den Rechercheergebnissen und der Auswer­ gebunden


tung von Insider-Informationen besonders erschreckt: 316 Seiten
Die »demokratischen« Parteien SPD, Grüne und Linke zahlreiche Abbildungen
unterstützen linksextremistische und gewaltbereite ISBN 978-3-86445-746-3
Gruppen. Mittlerweile haben sich selbst Teile von FDP,
CDU und CSU »Antifa-Bündnissen« verschrieben.
Kopp Verlag
Die Helfershelferin Politik und Medien
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Die Autoren stellen Vordenker, Protagonisten und Un­ D-72108 Rottenburg
terstützer der linksextremen Szene in Deutschland vor. Telefon (0 74 72) 98 06 10
Außerdem werden theoretische Grundlagen, die Stra­ Telefax (0 74 72) 98 06 11
tegie und das taktische Vorgehen der Antifa und ihrer info@kopp-verlag.de
Helfershelfer beleuchtet. www.kopp-verlag.de
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Jetzt mit Zahlen, Daten
und Fakten belegt:
Der Bevölkerungsaustausch in
Europa ist in vollem Gange
Wie Hermann H. Mitterer, Offizier des Österreichischen
Bundesheeres, in diesem Buch zeigt, ist die Flüchtlings­
flut nichts, was unerwartet über uns »hereingebrochen«
wäre. Vielmehr wurde die Masseneinwanderung von
langer Hand geplant; sie wird gelenkt und mit enormem
Aufwand unterstützt. Das eigentlich Schockierende: Die
millionenfache Einwanderung wurde initiiert, um die
ethnische und kulturelle Zusammensetzung der Bevöl­
kerung in Europa zu verändern. Die bisher hier Leben­
den sollen mit Migranten vermischt und von ihnen ver­
drängt werden. Mitterer belegt dies, indem er die Pläne
des Bevölkerungsaustauschs mit den aktuell zu beob­
achtenden Entwicklungen vergleicht und mit Zahlen
konkretisiert.

Mitterer belegt eindrucksvoll: gebunden


Der Bevölkerungsaustausch ist keine 205 Seiten
Verschwörungstheorie, sondern bittere Realität! zahlreiche Abbildungen
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»Europa muss sich über die >Gastarbeiter< hinaus
entwickeln und den US-Weg der Ermunterung zur
signifikanten Einwanderung beschreiten. Rechtsge­ Kopp Verlag
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