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DAS BUCH JUDITH

Nach der Übersetzung Doktor Martin Luthers von 1545

Neue Revision von Torsten Schwanke 2020

(Luther 1545 V2.0)

I.

1 Arphaxad, der Meder König, hatte viel Land und Leute unter sich gebracht, und baute eine große
gewaltige Stadt, die nannte er Ekbatana. 2 Ihre Mauern machte er aus lauter Werkstücken, siebzig
Ellen hoch, und dreißig Ellen dick. 3 Ihre Türme aber machte er hundert Ellen hoch, 4 und zwanzig
Ellen dick ins Geviert. 5 Und die Stadttore machte er so hoch wie Türme. Und trotzte auf seine
Macht, und große Heereskraft.

6 Nebukadnezar aber, der König von Assyrien, regierte in der großen Stadt Nineve, und kämpfte im
zwölften Jahr seines Königreichs gegen Arphaxad. Und die Völker, die am Wasser Euphrat, Tigris
und Hydaspes wohnten, halfen ihm, und er schlug ihn auf dem großen Feld, Ragau genant, welches
vorzeiten gehört hatte Arioch, dem König von Elassar.

7 Da wurde das Reich Nebukadnezars mächtig, und sein Herz stolz. Und er sandte Botschaften zu
allen, die da wohnten in Cilicien, Damaskus, auf dem Libanon-Gebirge, 8 auf dem Karmel und in
Kedar, auch zu denen in Galiläa, und auf dem großen Feld Esdrelom, 9 und zu allen, die da waren
in Samaria und jenseits des Jordan, bis nach Jerusalem, auch ins ganze Land Gesem, bis zum
Gebirge von Kusch. 10 Zu diesen allen sandte Nebukadnezar, der König von Assyrien, Botschaften.
Aber sie schlugen es ihm alle ab, und ließen die Boten mit Schande wieder heim ziehen. 11 Da
wurde der König Nebukadnezar sehr zornig gegen alle diese Länder, und schwor bei seinem
Königsthron und Reich, dass er sich an allen diesen Ländern rächen wollte.

II.

1 Im dreizehnten Jahr Nebukadnezar, des Königs, am 22. Tag des ersten Monats, wurd beratschlagt
im Hause Nebukadnezars, des Königs von Assyrien, dass er sich rächen wollte. 2 Und er forderte
alle seine Räte, Fürsten und Hauptmänner, 3 und beratschlagte heimlich mit ihnen, und hielt ihnen
vor, wie er gedachte, alle diese Länder unter sein Reich zu bringen.

4 Da solches ihnen allen wohlgefiel, forderte der König Nebukadnezar den Holofernes, seinen
Feldhauptmann. Und er sprach: 5 Ziehe aus gegen alle Reiche, die gegen Westen liegen, und
besonders gegen die, die mein Gebot verachtet haben. 6 Du sollst kein Reich verschonen, und alle
festen Städte sollst du mir untertänig machen.

7 Da forderte Holofernes die Hauptmänner und die Obersten des Assyrischen Kriegsvolks, und
rüstete das Volk zum Krieg, wie ihm der König geboten hatte, 120 000 zu Fuß und 12 000 Schützen
zu Ross. 8 Und er ließ all sein Kriegsvolk vor ihm hin ziehen mit zahllosen Kamelen, großem
Vorrat, dazu mit Ochsen und Schafen ohne Zahl für sein Volk. 9 Und er ließ aus ganz Syrien Korn
einführen zu seinem Heer. 10 Gold und Geld aber nahm er über Maßen viel mit sich aus des Königs
Kammer. 11 Und er zog also fort mit dem ganzen Heer, mit Wagen, Reitern und Schützen, welche
den Erdboden bedeckten wie Heuschrecken.

12 Da er nun über die Grenze des Assyrisschen Landes gezogen war, kam er zu dem großen
Gebirge Ange, an der linken Seite von Cilicien, und eroberte alle ihre Dörfer und festen Städte. 13
Und zerstörte Meloti, eine berühmte Stadt, und beraubte alle Leute in Tharsis, und die Kinder
Ismael, die da wohnten in der Wüste und im Süden des Landes Chellon. 14 Er zog auch über den
Euphrat, und kam nach Mesopotamien, und zerstörte alle hohen Städte, die er fand, vom Bach
Mamre an, bis ans Meer. 15 Und er nahm die Grenzen ein, von Cilicien an, bis an die Grenze von
Joppe, die Richtung Süden liegen. 16 Und er führte auch weg die Kinder Midian, und raubte all ihr
Gut und schlug alle, die ihm widerstrebten, mit der Schärfe des Schwerts. 17 Danach reiste er hinab
ins Land von Damaskus, in der Erntezeit, und verbrannte all ihr Getreide, und ließ niederhauen alle
Bäume und Weinberge. 18 Und das ganze Land fürchtete sich vor ihm.

III.

1 Da schickten die Könige und Fürsten von Syrien, Mesopotamien, Syrien-Sobal, Lybien und
Cilicien ihre Botschaften aus allen Städten und Ländern, die kamen zu Holofernes und sprachen: 2
Wende deinen Zorn von uns ab, 3 denn es ist besser, dass wir Nebukadnezar, dem großen König,
dienen, und dir gehorsam sind, und am Leben bleiben, als dass wir umkommen und gewinnen
gleichwohl nichts. 4 Alle unsere Städte, Güter, Berge, Hügel, Äcker, Ochsen, Schafe, Ziegen,
Pferde und Kamele, und was wir sonst haben, dazu auch unsere Knechte und Mägde, das ist alles
dein, mach damit, was du willst. 5 Ja, auch wir samt unsern Kindern sind deine Knechte. Komm zu
uns, und sei unser gnädiger Herr, und gebrauche unsere Dienste, wie es dir gefällt.

6 Da zog Holofernes vom Gebirge herab, mit dem ganzen Kriegsvolk, und nahm die festen Städte
und das ganze Land ein. 7 Und er las Knechte aus, das beste Volk, das er unter ihnen fand. 8
Darüber erschraken alle Länder so sehr, dass die Regenten und Vornehmen aus allen Städten, sammt
dem Volk, ihm entgegen kamen, und nahmen ihn auf, mit Kränzen, Kerzen, Tänzen, Pauken und
Flöten. 9 Und sie konnten dennoch mit solcher Ehre keine Gnade erlangen, 10 denn er zerbrach ihre
Städte, und haute ihre heiligen Haine ab. 11 Denn Nebukadnezar, der König, hatte ihm geboten,
dass er alle Götter und Göttinnen in den Ländern vertilgen sollte, auf dass alle Völker, die
Holofernes bezwingen würde, ihn allein als Gott preisen.

12 Da er nun Syrien-Sobal, Apamean und Mesopotamien durchzogen hatte, kam er zu den


Edomitern ins Land Gabaa, und nahm ihre Städte ein, und lag da dreißig Tage lang. Indessen
forderte er sein Kriegsvolk alle zusammen.

IV.

1 Da die Kinder Israel, die im Lande Juda wohnten, solches hörten, fürchteten sie sich sehr vor ihm.
2 Und Zittern und Schrecken kam sie an, denn sie sorgten sich, er möchte der Stadt Jerusalem und
dem Tempel des Herrn auch so tun, wie er den andern Städten und ihren Göttertempeln getan hatte.
3 Darum sandten sie ins ganze Land Samaria umher, bis nach Jericho, und besetzten die Festungen
auf den Bergen, 4 und machten Mauern um ihre Dörfer, und schafften Vorrat zum Krieg.

5 Und der Priester Jojakim schrieb allen, die um Esdrelom wohnten, das ist, bei dem großen Feld
bei Dothaim, und an alle, wo die Feinde durchkommen möchten, dass sie die Klippen am Gebirge
gegen Jerusalem schützen sollten. 6 Und die Kinder Israel taten, wie ihnen Jojakim, des Herrn
Priester, befohlen hatte.

7 Und alles Volk schrie mit Ernst zum Herrn, und sie und ihre Frauen demütigten sich mit Fasten
und Beten. 8 Die Priester aber zogen Säcke an, und die Kinder lagen vor dem Tempel des Herrn,
und des Herrn Altar bedeckte man mit einem Sack. 9 Und sie schrien zum Herrn, dem Gott Israels,
einmütig, dass ihre Kinder und Frauen nicht weggeführt, ihre Städte nicht zerstört, ihr Heiligtum
nicht verunreinigt, und sie von den Heiden nicht geschändet würden.
10 Und Jojakim, der Hohepriester des Herrn, ging umher, ermahnte das ganze Volk Israel 11 und
sprach: Ihr sollt wissen, dass der Herr euer Gebet erhören wird, wenn ihr nicht ablasst mit Fasten
und beten vor dem Herrn. 12 Gedenckt an Mose, den Diener des Herrn, der nicht mit dem Schwert,
sondern mit heiligem Gebet den Amalek schlug, der sich auf seine Kraft und Macht, auf sein Heer,
Schilde, Wagen und Reiter verließ. 13 So soll es auch gehen allen Feinden Israels, wenn ihr euch
also bessert, wie ihr angefangen habt.

14 Nach solcher Ermahnung baten sie den Herrn, und blieben vor dem Herrn, also dass auch die
Priester in Säcken gingen und Asche auf dem Haupt hatten, und also Brandopfer dem Herrn
darbrachten. Und es baten alle den Herrn von ganzem Herzen, dass er sein Volk Israel besuchen
wolle.

V.

1 Und es wurde dem Holofernes, dem Feldhauptman von Assyrien, angesagt, dass die Kinder Israel
sich rüsteten, und sich wehren wollten, und wie sie die Klippen am Gebirge eingenommen hätten.
Da ergrimmte Holofernes, und fordert alle Obersten und Hauptmänner der Moabiter und
Ammoniter, und sprach zu ihnen: 2 Sagt an, was ist dies für ein Volk, das im Gebirge wohnt? Was
haben sie für große Städte? Was können sie? Und was für Kriegsvolk und Könige haben sie? Dass
sie allein, vor allen andern im Orient, uns verachten, und sind uns nicht entgegengegangen, dass sie
uns annehmen mit Frieden?

3 Da antwortete Achior, der Oberste aller Kinder Ammon, und sprach: 4 Mein Herr, willst du es
gerne hören, so will ich dir die Wahrheit sagen, was dies für ein Volk ist, das im Gebirge wohnt, und
werde dich nicht anlügen. 5 Dies Volk ist aus Chaldäa hergekommen, 6 und hat zuerst in
Mesopotamien gewohnt, denn sie wollten nicht folgen den Göttern und Göttinnen ihrer Väter in
Chaldäa. 7 Darum verließen sie die Sitten ihrer Väter, welche viele Götter und Göttinnen hatten, auf
dass sie dem einzigen Gott des Himmels dienen möchten, welcher ihnen auch gebot, von dort weg
zu ziehen, und zu wohnen in Haram.

8 Da nun in allen Ländern Teuerung war, reisten sie hinab nach Ägypten. Da sind sie in 400 Jahren
so viele geworden, dass man sie nicht zählen konnte. 9 Da aber der König von Ägypten sie belastete
mit Erde-Fuhren und Ziegel-Machen, seine Städte zu bauen, riefen sie zu ihrem Herrn, der schlug
ganz Ägypten mit mancherlei Plagen. 10 Da nun die Ägypter sie von sich ausgestoßen hatten, und
die Plagen von ihnen abließen, und sie wollten sie wieder fangen, und zu Diensten ins Land führen,
tat ihnen der Gott des Himmels das Meer auf, also dass das Wasser auf beiden Seiten fest stand wie
eine Mauer, und sie gingen trockenen Fußes auf dem Meeresgrund, und kamen davon. 11
Da aber die Ägypter ihnen mit ihrem ganzen Heer nacheilten, wurden sie alle ersäuft im Meer, also
dass auch nicht einer wäre übriggeblieben, der es hätte kundtun können.

12 Und da dies Volk aus dem Roten Meer kam, lagerte es sich in der Wüste des Berges Sinai, wo
zuvor kein Mensch wohnen, noch sich enthalten konnte. 13 Da ward das bittere Wasser süß, dass sie
es trinken konnten. Und sie bekamen Brot vom Himmel vierzig Jahre lang. 14 Und wo sie
hinzogen, ohne Bogen, Pfeile, Schilde und Schwerter, da kämpfte Gott für sie, und siegte. 15 Und
niemand konnte diesem Volk Schaden tun, außer wenn es abwich von den Geboten des Herrn,
seines Gottes. 16 Denn so oft sie außer ihrem Gott einen andern anbeteten, wurden sie geschlagen
und weggeführt in Schande. 17 So oft sie es aber reute, dass sie abgewichen waren von den
Geboten ihres Gottes, gab ihnen der Gott des Himmels wiederum Sieg über ihre Feinde.

18 Darum vertilgten sie der Kanaaniter Könige, die Jebusiter, die Peresiter, die Hethiter, die Heviter,
die Amoriter, und alle Gewaltigen in Heschbon, und nahmen ihr Land und ihre Städte ein. 19 Und
es ging ihnen gut, solange sie sich nicht versündigten an ihrem Gott, denn ihr Gott hasst das
Unrecht. 20 Sie sind auch vor diesen Zeiten oft vertrieben worden von vielen Völkern und
weggeführt in fremde Länder, weil sie abgewichen waren von dem Gebot, das ihnen Gott gegeben
hatte, dass sie danach wandeln sollten. 21 Aber sie sind neulich wiedergekommen aus dem Elend,
darin sie waren, nachdem sie sich wieder bekehrt hatten zum Herrn, ihrem Gott, und haben sich
wieder festgesetzt in diesem Gebirge, und wohnen wiederum in Jerusalem, wo ihr Heiligtum ist.

22 Darum, mein Herr, lass nachforschen, ob sich das Volk versündigt hat an seinem Gott, dann
wollen wir hinaufziehen, und ihr Gott wird sie dir gewiss in die Hände geben, dass du sie
bezwingst. 23 Haben sie sich aber nicht versündigt an ihrem Gott, so können wir nichts gegen sie,
denn ihr Gott wird sie beschützen, und wir werden zu Spott werden dem ganzen Land.

24 Da Achior solches geredet hatte, wurden alle Hauptmänner des Holofernes zornig, und wollten
ihn töten, und sprachen untereinander: 25 Wer ist dieser, der solches zu sagen wagt, dass die Kinder
Israel sich wehren würden gegen den König Nebukadnezar und sein Kriegsvolk? Sind es doch
nichts als nackte Leute, und keine Krieger. 26 Dass aber Achior sehe, dass er gelogen habe, darum
lasst uns hinaufziehen, und wenn wir ihre besten Leute fangen, so wollen wir Achior mit ihnen
erstechen, auf dass alle Völker inne werden, dass Nebukadnezar ein Gott des Landes sei, er und
kein anderer.

VI.

1 Danach ergrimmte Holofernes auch über Achior und sprach: 2 Wie wagst du es, uns weiszusagen,
dass das Volk Israel werde von seinem Gott Schutz haben? Wenn wir sie aber nun schlagen, wie
einen einzigen Menschen, so wirst du sehen dass es keinen anderen Gott gibt als allein
Nebukadnezar. Und dann sollst du auch durch der Assyrer Schwert mit ihnen erstochen werden, und
ganz Israel soll mit dir umkommen. So wirst du dann inne werden, dass Nebukadnezar der Herr
aller Welt sei, 3 wenn du mit meinem Schwert erstochen wirst, und liegst unter den Erschlagenen
Israels, und musst sterben und verderben. 4 Meinst du aber, dass deine Weissagung gewiss ist, so
brauchst du nicht zu erschrecken noch zu erblassen. 5 Wie es ihnen gehen wird, so soll es dir auch
gehen, denn ich will dich jetzt zu ihnen schicken, dass ich dich mit ihnen bestrafe.

6 Da befahl Holofernes seinen Knechten, dass sie Achior ergreifen sollten, und hinein nach Bethulia
führen, in die Hände der Kinder Israel. 7 Und die Knechte des Holofernes ergriffen ihn. Und da sie
übers freie Feld ins Gebirge kamen, zogen gegen sie heraus die Schützen. 8 Da wichen sie auf eine
Seite am Berg, und banden Achior an einen Baum, mit Händen und Füßen, und stießen ihn hinunter,
und ließen ihn also hängen, und zogen wieder zu ihrem Herrn. 9 Aber die Kinder Israel kamen
herunter von Bethulia zu ihm, und banden ihn los, und brachten ihn hinein nach Bethulia, und
führten ihn unter das Volk und fragten ihn, wie das zugegangen wäre, und warum ihn die Assyrer
gehängt hätten?

10 Zur selben Zeit waren die Obersten in der Stadt Osias, der Sohn Michas, vom Stamm Simeon,
und Charmi, der auch Othoniel hieß. 11 Vor diesen Ältesten und vor allem Volk sagte Achior alles,
was Holofernes ihn gefragt, und was er geantwortet hatte, und dass ihn des Holofernes Leute um
dieser Antwort willen hätten töten wollen. Aber Holofernes hatte befohlen, man sollte ihn den
Kindern Israel übergeben, auf dass, wenn er die Kinder Israel geschlagen hätte, er den Achior auch
strafen und umbringen wollte, 12 weil er gesagt hatte, der Gott des Himmels würde ihr Schutz und
Schirm sein.

13 Da Achior solches gesagt hatte, fiel alles Volk auf ihr Angesicht, und sie beteten den Herrn an,
weinten alle zugleich, und beteten zum Herrn,/ und sprachen: 14 Herr, Gott des Himmels und der
Erde, siehe ihren Hochmut an, und unser Elend, und siehe deine Heiligen gnädig an, und beweise,
dass du nicht verlässt, die auf dich trauen, und dass du stürzt, die sich auf sich selbst und ihre Kraft
trotzig verlassen.

15 Also weinten und beteten sie den ganzen Tag, und trösteten Achior und sprachen: 16 Der Gott
unserer Vorfahren, dessen Macht du gepriesen hast, wird es dir vergelten, so dass sie nicht ihre Lust
an dir sehen, sondern dass du sehen wirst, wie sie geschlagen und vertilgt werden. 17 Und wenn uns
der Herr, unser Gott, rettet, so sei Gott mit dir unter uns, und willst du, so sollst du mit allen den
Deinen bei uns wohnen.

18 Da nun das Volk wieder auseinander ging, führte Osias ihn mit sich in sein Haus, und richtete ein
großes Abendmahl zu, 19 und bat zu sich alle Ältesten, und sie lebten wohl, nachdem sie lang
gefastet hatten. 20 Danach wurde das Volk wieder zusammengerufen, und sie beteten um Hilfe von
dem Gott Israels, in der Versammlung, die ganze Nacht.

VII.

1 Des andern Tages gebot Holofernes seinem Kriegsvolk, dass man auf sein sollte gegen Bethulia. 2
Und er hatte 120 000 zu Fuß und 12 000 zu Pferde, ohne den Haufen, den er erwählt hatte, an jedem
Ort, wo er ein Land eingenommen hatte. 3 Dieses Kriegsvolk rüstete sich gegen die Kinder Israel,
und sie lagerten sich oben auf dem Berg Richtung Dothaim, von Belma an, bis nach Chelmon, das
da liegt bei Esdrelom.

4 Da nun die Kinder Israel das große Volk der Assyrer sahen, fielen sie auf die Erde, und legten
Asche auf ihre Häupter, und baten alle zugleich, dass der Gott Israels seine Barmherzigkeit zeigen
möge über sein Volk. 5 Und sie rüsteten sich mit ihren Waffen, und nahmen die Klippen ein am
Berg, und bewachten sie Tag und Nacht.

6 Da aber Holofernes umherzog, merkte er, dass außerhalb der Stadt gegen Süden eine Quelle war,
welche durch Röhren in die Stadt geleitet ward. Diese Röhren gebot er, umzuhauen. 7 Und obwohl
sie nicht ferne von der Mauer kleine Quellen hatten, da sie heimlich Wasser holten, so war es doch
kaum so viel, dass sie sich damit laben konnten.

8 Darum kamen die Ammoniter und Moabiter zu Holofernes und sprachen: 9 Die Kinder Israel
wagen es nicht, sich gegen uns zu wehren, sondern halten sich auf in den Bergen und Hügeln,
darunter sie sicher sind. 10 Darum lass nur die Quellen bewachen, dass sie nicht Wasser holen
können, so werden sie ohne Schwerter sterben, oder die Not wird sie dringen, dass sie die Stadt
übergeben müssen, von welcher sie meinen, dass sie nicht zu gewinnen sei, weil sie in Bergen liegt.
11 Dieser Rat gefiel Holofernes und seinen Kriegsleuten gut, und er legte je hundert Mann an
jegliche Quelle.

12 Da man nun zwanzig Tage die Quellen bewacht hatte, hatten die von Bethulia kein Wasser mehr,
weder in Zisternen noch sonst wo, dass sie einen Tag länger noch für den Bedarf haben möchten,
und man musste täglich den Leuten das Wasser zuteilen. 13 Da kam Frau und Mann, jung und alt,
zu Osia und den Ältesten, klagten sehr und sprachen: Gott sei Richter zwischen euch und uns, dass
ihr uns in solche Not bringt, damit, dass ihr uns nicht wollt mit den Assyrern Frieden machen
lassen, so uns doch Gott in ihre Hände gegeben hat, 14 und wir keine Hilfe haben, sondern müssen
vor ihren Augen vor Durst verschmachten, und jämmerlich umkommen!

15 Darum fordert das Volk zusammen, dass wir uns dem Holofernes freiwillig ergeben. 16 Denn es
ist besser, dass wir uns ergeben und am Leben bleiben, und also Gott loben, als dass wir
umkommen und vor aller Welt zuschanden werden, und sehen sollen, dass unsere Frauen und
Kinder so jämmerlich vor unsern Augen sterben müssen! 17 Wir bezeugen heute vor Himmel und
Erde und vor unserer Vorfahren Gott, der uns jetzt straft um unserer Sünden willen, dass wir euch
gebeten haben, die Stadt dem Holofernes zu übergeben, dass wir doch durchs Schwert bald
umkämen, und nicht so lang vor Durst verschmachten!

18 Da war ein großes Heulen und Weinen im ganzen Volk, etliche stunden lang, und schrien zu Gott
und sprachen: 19 Wir haben gesündigt samt unsern Vätern, wir haben schlecht gehandelt und sind
gottlos gewesen. 20 Aber du bist barmherzig, darum sei uns gnädig, und strafe uns, du allein, und
dieweil wir dich bekennen, übergib uns nicht den Heiden, die dich nicht kennen, damit sie nicht
prahlen: Wo ist denn nun ihr Gott?

21 Da sie nun lange geschrien und geweint hatten, und ein wenig stille worden waren, stand Osias
auf, weinte und sprach: 22 Liebe Brüder, habt doch Geduld, und lasst uns noch fünf Tage auf Hilfe
von Gott warten, 23 ob er uns wolle Gnade erweisen, und seinen Namen herrlich machen. 24 Wird
uns in diesen fünf Tagen nicht geholfen, so wollen wir tun, wie ihr gebeten habt.

VIII.

1 Solches kam vor Judith, welche war eine Witwe, eine Tochter Meraris, des Sohnes Uz‘, des
Sohnes Josephs, des Sohnes Osias, des Sohnes Elais, des Sohnes Jamnors, des Sohnes Jedeons, des
Sohnes Raphaims, des Sohnes Achitobs, des Sohnes Malchias, des Sohnes Enans, des Sohnes
Nathanias, des Sohnes Schealthiels, des Sohnes Simeons. 2 Und ihr Man hatte Manasse geheißen,
der war in der Gerstenernte gestorben, 3 denn da er auf dem Felde war, bei den Arbeitern, wurde er
krank von der Sonnenhitze, und starb in seiner Stadt Bethulia, und wurde bei seinen Vorfahren
begraben. 4 Der ließ Judith zurück, die war nun drei Jahre und sechs Monate eine Witwe. 5 Und sie
hatte oben in ihrem Haus sich ein abgesondertes Zimmer gemacht, darin sie saß mit ihren Mägden,
6 und war bekleidet mit einem Sack, und fastete täglich, außer am Sabbat, am Neumond und andern
Festen des Hauses Israel. Und sie war schön, und reich, und hatte viele Diener, und Höfe voll
Ochsen und Schafe. 7 Und hatte einen guten Ruf bei jedermann, dass sie Gott fürchtete, und es
konnte niemand Schlechtes über sie reden.

8 Diese Judith, als sie hörte, dass Osias zugesagt hatte, die Stadt nach fünf Tagen den Assyrern
auszuliefern, sandte sie zu den Ältesten Chambri und Charmi. 9 Und da sie zu ihr kamen, sprach sie
zu ihnen: Was soll das, dass Osias eingewilligt hat, die Stadt den Assyrern auszuliefern, wenn uns in
fünf Tagen nicht geholfen wird? 10 Wer seid ihr, dass ihr Gott versucht? Das dient nicht dazu,
Gnade zu verdienen, sondern vielmehr Zorn und Unmut. 11Wollt ihr dem Herrn nach eurem
Gefallen Zeit und Tage bestimmen, wann er helfen soll? 12 Doch der Herr ist geduldig. Darum lasst
uns das leid sein, und Gnade suchen mit Tränen, 13 denn Gott zürnt nicht wie ein Mann, dass er
sich nicht versöhnen lasse.

14 Darum sollen wir uns demütigen von Herzen, und ihm dienen, und mit Tränen vor ihm beten,
dass er nach seinem Gefallen Barmherzigkeit an uns erweisen wolle. 15 Und wie wir jetzt trauren
müssen, von wegen ihres Hochmuts, dass wir uns nach diesem Jammer wieder freuen können, dass
wir nicht gefolgt sind der Sünde unserer Väter, die ihren Gott verließen und fremde Götter
anbeteten, darum sie ihren Feinden übergeben und von ihnen erschlagen, gefangen und geschändet
worden sind. 16 Wir aber kennen keinen andern Gott außer ihn allein, und wollen mit Demut von
ihm Hilfe und Trost erwarten. 17 So wird er, der Herr, unser Gott, unser Blut retten von unsern
Feinden, und alle Heiden, die uns verfolgen, demütigen und zuschanden machen.

18 Und ihr, liebe Brüder, die ihr die Ältesten seid, tröstet das Volk mit euren Worten, dass sie
bedenken, dass unsere Vorfahren auch versucht wurden, damit sie bewährt würden, ob sie Gott von
ganzem Herzen dienten. 19 Erinnert sie daran, wie unser Vater Abraham oft versucht wurde, und ist
Gottes Freund geworden, nachdem er in mancherlei Anfechtung bewährt ward. 20 Also sind auch
Isaak, Jakob, Mose, und alle, die Gott lieb gewesen sind, beständig geblieben, und haben viel
Trübsal überwinden müssen. 21 Die andern aber, so die Trübsal nicht haben wollen annehmen mit
Gottesfurcht, sondern mit Ungeduld gegen Gott gemurrt und gelästert haben, sind von dem
Verderber, und durch die Schlangen umgebracht worden. 22 Darum lasst uns nicht ungeduldig
werden, in diesem Leiden, sondern bekennen, dass es eine Strafe von Gott ist, viel geringer als
unsere Sünden, und glauben, dass wir erzogen werden, wie seine Knechte, zur Besserung, und nicht
zum Verderben.

23 Darauf antworteten Osias und die Ältesten: Es ist alles wahr, was du gesagt hast, und an deinen
Worten nichts zu tadeln. 24 Darum bitte für uns zum Herrn, denn du bist eine heilige,
gottesfürchtige Frau. 25 Und Judith sprach: Weil ihr denkt, dass aus Gott sei, was ich gesagt habe,
so wollt auch prüfen, ob dasjenige, was ich vorhabe zu tun, aus Gott sei, und bittet, dass Gott Glück
dazu gebe. 26 Diese Nacht wartet am Tor, wenn ich hinausgehe mit meiner Magd, und betet, dass
der Herr in diesen fünf Tagen, wie ihr gesagt habt, sein Volk Israel trösten wolle. 27 Was ich aber
vorhabe, dem sollt ihr nicht nachforschen, sondern betet nur für mich zum Herrn, unserm Gott, bis
ich euch weiter ansage, was ihr tun sollt. 28 Und Osias, der Fürst von Juda, sprach zu ihr: Gehe hin
in Frieden, der Herr sei mit dir, und räche uns an unsern Feinden. Und sie gingen wieder von ihr
weg.

IX.

1 Danach ging Judith in ihr Zimmer, und bekleidete sich mit einem Sack, und streute Asche auf ihr
Haupt, und fiel nieder vor den Herrn, und schrie zu ihm und sprach.

2 Herr, Gott meines Vaters Simeon, dem du das Schwert gegeben hast, den Heiden zu strafen, der
die Jungfrau Dina vergewaltigt und zuschanden gemacht hatte, und hast ihre Frauen und Töchter
wiederum fangen und berauben lassen durch deine Knechte, die da in deinem Eifer geeifert haben:
Hilf mir armen Witwe, Herr, mein Gott. 3 Denn alle Hilfe, die vorzeiten und danach je geschehen
ist, die hast du getan, und was du willst, das muss geschehen. 4 Denn wenn du helfen willst, so kann
es nicht fehlen, und du weißt wohl, wie du die Feinde strafen sollst.

5 Schau jetzt auf der Assyrer Heer, wie du vorzeiten auf der Ägypter Heer geschaut, da sie deinen
Knechten nachjagten mit großer Macht, und trotzten auf ihre Wagen, Reiter und großes Kriegsvolk.
6 Da du sie aber angesehen, wurden sie verzagt, 7 und die Tiefe überholte sie, und das Wasser
ersäufte sie. 8 Also geschehe auch jetzt mit diesen, o Herr, die da trotzen auf ihre Macht, Wagen,
Spieße und Geschütze, und kennen dich nicht, und denken nicht, dass du, Herr, unser Gott, der bist,
der da den Kriegen steuert von Anfang an, und heißt zurecht Herr. 9 Strecke aus deinen Arm, wie
vorzeiten, und zerschmettere die Feinde durch deine Macht, dass sie umkommen durch deinen
Zorn, die sich rühmen, sie wollten dein Heiligtum zerstören und die Hütte deines Namens
entheiligen und mit ihrem Schwert deinen Altar umwerfen. 10 Strafe ihren Hochmut durch ihr
eigenes Schwert, dass er mit seinen eigenen Augen gefangen werde, wenn er mich ansieht, und
durch meine freundlichen Worte betrogen werde.

11 Gib mir einen Mut, das ich nicht erschrecke vor ihm und vor seiner Macht, sondern dass ich ihn
stürzen möge. 12 Das wird deines Namens Ehre sein, dass ihn eine Frau gestürzt hat. 13 Denn du,
Herr, kannst wohl Sieg geben ohne alle Menge, und hast nicht Lust an der Stärke der Pferde. Es
haben dir die Stolzen noch nie gefallen, aber immer hat dir gefallen der Elenden und demütigen
Gebet. 14 O Herr, Gott des Himmels, Schöpfer der Wasser und Herrscher aller dinge, erhöre mein
armes Gebet, die ich allein auf deine Barmherzigkeit vertraue. 15 Gedenke, Herr, an deinen Bund,
und gib mir ein, was ich reden und denken soll, und gib mir Glück dazu, auf dass dein Haus bleibe,
und alle Heiden erfahren, dass du Gott bist und kein anderer außer dir.
X.

1 Da sie nun zu Ende gebetet hatte, stand sie auf, 2 und rief ihre Magd Ava, und ging hinunter ins
Haus, legte den Sack ab, und zog ihr Witwenkleid aus, 3 und badete sich, und salbte sich mit
köstlichem Öl, und flocht ihre Haare, und legte einen Schleier um, und zog ihr schönstes Kleid an, 4
und schmückte sich mit Spangen und Geschmeide, und legte ihren Schmuck an. 5 Und der Herr gab
ihr Grazie, dass sie reizend anzusehen war. Denn sie schmückte sich nicht aus Eitelkeit, sondern
Gott zu Lob. 6 Und sie gab ihrer Magd einen Schlauch voll Wein und einen Krug voll Öl und einen
Sack, darin sie Feigen hatte, Mehl und Brot, dass sie essen könne, und sie ging dahin.

7 Und am Tor fand sie Osias und die Ältesten, die auf sie gewartet, wie sie verlassen waren. 8 Und
sie wunderten sich, dass sie so schön war! 9 Doch fragten sie nicht, was sie vorhätte, sondern ließen
sie hinaus und sprachen: Der Gott unserer Vorfahren gebe dir Gnade, und lasse deinen Plan
gelingen, dass sich Israel über dich freue, und dein Name werde gerechnet unter die Heiligen. 10
Und alle, die da waren, sprachen: Amen, Amen. 11 Aber Judith betete, und ging fort mit ihrer Magd
Ava.

12 Und da sie frühmorgens den Berg hinab ging, begegneten ihr die Wächter der Assyrer, und fielen
sie an, und fragten sie, woher sie käme und wo sie hin wolle? 13 Und sie antwortete: Ich bin eine
hebräische Frau, und bin von ihnen geflohen, denn ich weiß, dass sie euch in die Hände fallen
werden, weil sie euch verachtet haben, und nicht wollen Gnade suchen und sich willig ergeben. 14
Darum hab ich mir vorgenommen, zu dem Fürsten Holofernes zu kommen, dass ich ihm ihre
heimlichen Pläne offenbare, und sage ihm, wie er sie leicht gewinnen kann, dass er nicht Einen
Mann verliere.

15 Dieweil sie so redete, schauten sie sie an, und verwunderten sich sehr, dass sie so schön war, 16
und sprachen: Das möge dir helfen, dass du es so gut meinst und zu unserm Herrn gehen willst. 17
Denn wenn du vor ihn kommst, wird er dir gnädig sein, und wirst ihm von Herzen wohl gefallen. 18
Und sie führten sie hin in des Holofernes Zelt, und sagten ihm von ihr. 19 Und da sie vor ihn kam,
wurde er rasch entflammt für sie. 20 Und seine Diener sprachen untereinander: Das hebräische Volk
ist nicht zu verachten, weil es so schöne Frauen hat! Sollte man um solche schönen Frauen nicht
Krieg führen? 21 Da nun Judith den Holofernes sitzen sah auf seinem Teppich, der schön gewirkt
war mit Purpur und Gold, und mit Smaragden und viel Edelsteinen geziert, fiel sie vor ihm nieder,
und verehrte ihn. Und Holofernes gebot ihr, sich wieder aufzurichten.

XI.

1 Und Holofernes sprach zu ihr: Sei getrost, und fürchte dich nicht! Denn ich habe nie einem
Menschen Leid angetan, der sich unter den König Nebukadnezar ergeben hat. 2 Und hätte mich
dein Volk nicht verachtet, so hätte ich nie einen Spieß aufgehoben gegen sie. 3 Nun sage an, warum
du von ihnen gewichen und zu mir gekommen bist.

4 Judith antwortete ihm und sprach: Du mögest deine Magd gnädig hören. Wirst du tun, wie dir
deine Magd sagen wird, so wird dir der Herr Glück und Sieg geben. 5 Gott gebe Nebukadnezar
Glück und Heil, dem König des ganzen Landes, der dich ausgesandt hat, alle Ungehorsamen zu
strafen. Denn du kannst ihm untertan machen nicht allein die Leute, sondern auch alle Tiere auf
dem Lande. 6 Denn deine Vernunft und Weisheit ist berühmt in der ganzen Welt, und jedermann
weiß, dass du der gewaltigste Fürst bist im ganzen Königreich, und dein gutes Regiment wird
überall gepriesen. 7 So wissen wir auch, was Achior geredet hat, und wie du dagegen ihm getan
hast. 8 Denn unser Gott ist erzürnt über unsere Sünden, wie er durch seine Propheten hat
verkündigen lassen, er wolle das Volk strafen um seiner Sünden willen.
9 Weil nun das Volk Israel weiß, dass sie ihren Gott erzürnt haben, sind sie erschrocken vor dir. 10
Dazu leiden sie großen Hunger, und müssen vor Durst verschmachten. 11 Und haben jetzt vor, ihr
Vieh zu schlachten, dass sie dessen Blut trinken, und das heilige Opfer zu essen, an Korn und Wein
und Öl, das ihnen Gott verboten hat, dass sie es auch nicht anrühren sollten. Darum ist gewiss, dass
sie umkommen müssen, weil sie solches tun. 12 Und weil ich das weiß, bin ich von ihnen geflohen,
und der Herr hat mich zu dir gesandt, dass ich dir solches sagen solle. 13 Denn ob ich wohl zu dir
gekommen bin, so bin ich doch nicht darum von Gott abgefallen, sondern ich will meinem Gott
noch dienen bei dir. Und deine Magd wird hinausgehen, und Gott anbeten, der wird es mir
offenbaren, wenn er ihnen ihren Lohn geben will für ihre Sünden, so will ich denn kommen, und
will es dir sagen, und dich mitten durch Jerusalem führen, dass du das ganze Volk Israel habest
wirst, wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und es wird nicht ein Hund dich anbellen dürfen. Denn
das hat mir Gott geoffenbart, 14 weil er über sie erzürnt ist, und hat mich gesandt, dass ich es dir
sage.

15 Diese Rede gefiel Holofernes und seinen Knechten wohl, und sie wunderten sich über ihre
Weisheit, und sprachen untereinander: 16 Diese Frau hat nicht ihres Gleichen auf Erden von
Schönheit und Weisheit! 17 Und Holofernes sprach zu ihr: Das hat Gott also geschickt, dass er dich
her gesandt hat, ehe denn das Volk in meine Hände käme. Wird nun dein Gott solches ausrichten,
wie du gesagt hast, so soll er auch mein Gott sein, und du sollst groß werden beim König
Nebukadnezar, und dein Name soll gepriesen werden im ganzen Königreich.

XII.

1 Da ließ er sie hineinführen in die Schatzkammer, wo sie bleiben sollte, und befahl, dass man sie
von seiner Tafel speisen solle. 2 Aber Judith antwortete und sprach: Ich darf nicht essen von deiner
Speise, dass ich mich nicht versündige, sondern ich hab ein wenig mitgenommen, davon will ich
essen. 3 Da sprach Holofernes: Wenn das auf ist, was du mit dir gebracht hast, woher sollen wir dir
anderes beschaffen? 4 Judith antwortete: Mein Herr, so gewiss du lebst, ehe deine Magd alles
verzehren wird, so wird Gott durch mich ausrichten, was er vorhat.

5 Und da sie die Knechte in das Gemach führen wollten, wie er befohlen hatte, 6 bat sie, dass man
ihr erlaube, abends und morgens herauszugehen und ihr Gebet zum Herrn zu verrichten. 7 Da
befahl Holofernes seinen Kammerdienern, dass man sie drei Tage frei aus und ein gehen lassen
solle, ihr Gebet zu verrichten zu Gott. 8 Und des abends ging sie heraus, in das Tal vor Bethulia,
und badete sich im Wasser. 9 Danach betete sie zum Herrn, dem Gott Israels, dass er ihr Glück
gebe, sein Volk zu erlösen, 10 und ging wieder in das Zelt, und hielt sich rein, und aß nicht vor dem
Abend.

11 Am vierten Tage machte Holofernes ein Abendmahl für seine nächsten Diener allein, und sprach
zu Bagoa, seinem Kämmerer: Gehe hin, und überrede die hebräische Frau, dass sie sich nicht
weigere, zu mir zu kommen. 12 Denn es ist ein Schande für die Assyrer, dass eine solche Frau
unbeschlafen von uns gehen und einen Mann genarrt haben sollte. 13 Da kam Bagoa zu Judith:
Schöne Frau, du möchtest dich nicht weigern, zu meinem Herrn zu Ehren zu kommen, und mit ihm
zu essen und zu trinken, und lustig zu sein. 14 Da sprach Judith: Wie dürfte ich das meinem Herrn
versagen? 15 Alles, was ihm lieb ist, das will ich von ganzem Herzen gerne tun mein ganzes Leben
lang.

16 Und sie stand auf und schmückte sich, und ging hinein vor ihn, und stand vor iihm. 17 Da
brannte dem Holofernes sein Herz, denn er war entflammt mit Brunst für sie! 18 Und sprach zu ihr:
Sitz nieder, trink und sei lustig! Denn du hast meine Huld gefunden. 19 Und Judith antwortete: Ja,
Herr, ich will lustig sein, denn ich bin mein Leben lang noch nie so hoch geehrt worden. 20 Und sie
aß und trank vor ihm, was ihre Magd zubereitet hatte. 21 Und Holofernes war lustig mit ihr, und
trank so viel, wie er sonst nicht pflegte zu trinken!

XIII.

1 Da es nun sehr spät wurde, gingen seine Dienerhin weg in ihre Zelte, und sie waren allesamt
betrunken. 2 Und Bagoa machte des Holofernes Kammer zu und ging davon. Und Judith war allein
bei ihm in der Kammer. 3 Da nun Holofernes im Bette lag, betrunken war und schlief, 4 sprach
Judith zu ihrer Magd, sie solle draußen warten vor der Kammer.

5 Und Judith trat vor das Bett, und betete heimlich mit Tränen, 6 und sprach: Herr, Gott Israels,
stärke mich, und hilf mir gnädig das Werk zu vollbringen, das ich mit ganzem Vertrauen auf dich
mir vorgenommen habe, dass du deine Stadt Jerusalem erhöhst, wie du zugesagt hast.

7 Nach solchem Gebet trat sie zu der Säule oben am Bett, und griff das Schwert, das daran hing, 8
und zog es heraus, und ergriff ihn beim Schopf, und sprach abermals: 9 Herr, Gott, stärke mich in
dieser Stunde! Und sie hieb zweimal in den Hals mit aller Macht, danach schnitt sie ihm den Kopf
ab, und wälzte den Leib aus dem Bett, und nahm die Decke mit sich.

10 Danach ging sie hinaus, und gab das Haupt des Holofernes ihrer Magd und hieß sie es in einen
Sack zu tun. 11 Und sie gingen miteinander hinaus, nach ihrer Gewohnheit, als wollten sie beten
gehen, durch das Lager, und gingen umher durch das Tal, dass sie heimlich ans Tor der Stadt
kamen.

12 Und Judith rief den Wächtern zu: Tut das Tor auf, denn Gott ist mit uns, der hat Israel den Sieg
geben. 13 Da nun die Wächter ihre Stimme hörten, forderten sie bald die Ältesten der Stadt. 14 Die
kamen alle zu ihr, denn sie hatten schon verzagt, dass sie nicht würde wiederkommen. 15 Und sie
zündeten Fackeln an, und gingen um sie herum, 16 bis sie auf den Platz kam, und sie hieß sie still
sein und zuhören, und sprach also:

17 Dankt dem Herrn, unserm Gott, der nicht verlässt diejenigen, so auf ihn vertrauen, und hat uns
Barmherzigkeit erwiesen, durch mich, seine Magd, wie er dem Hause Israel verheißen hatte, und
hat diese Nacht den Feind seines Volkes durch meine Hand umgebracht. 18 Und sie zog das Haupt
des Holofernes hervor, und zeigte es ihnen und sprach: 19 Seht, dies ist das Haupt des Holofernes,
des Feldhauptmanns der Assyrer. Und seht, das ist die Decke, darunter er lag, da er betrunken war,
da hat ihn der Herr, unser Gott, durch die Hand der Frau umgebracht. 20 So wahr der Herr lebt, hat
er mich durch seinen Engel behütet, dass ich nicht verunreinigt worden bin, so lange ich draußen
gewesen bin, und hat mich ohne Sünde wieder hergebracht, mit großer Freude und großem Sieg. 21
Darum dankt ihm alle, denn er ist gütig, und hilft immer!

22 Und sie dankten alle dem Herrn, und sprachen zu ihr: Gelobt sei der Herr, der durch dich unsere
Feinde heute hat zuschanden gemacht! 23 Und Osias, der Fürst des Volkes Israel, sprach zu ihr:
Gebenedeit bist du, Tochter, vom Herrn, dem höchsten Gott, vor allen Frauen auf Erden! 24 Und
gelobt sei der Herr, der Himmel und Erde geschaffen hat, der dir Glück gegeben hat, den
Hauptmann unserer Feinde zu töten, und hat deinen Namen so herrlich gemacht, dass dich allezeit
preisen werden alle, die des Herrn Werk achten, darum dass du dein Leben nicht geschont hast in
der Trübsal und Not deines Volkes, sondern hast es errettet für den Herrn, unsern Gott. 25 Und alles
Volk sprach: Amen, Amen.

26 Danach forderte man den Achior, zu dem sprach Judith: Der Gott Israels, den du gepriesen hast,
dass er sich an seinen Feinden rächen kann, der hat diese Nacht der Gottlosen Haupt umgebracht
durch meine Hand. 27 Und das du es siehst, so ist hier der Kopf des Holofernes, der den Gott Israels
trotzig gelästert hat und dir den Tod angedroht, da er sprach, 28 wenn das Volk Israel gefangen
würde, so wollte er dich mit ihnen erstechen lassen. 29 Und da Achior des Holofernes Kopf sah,
entsetzte er sich, dass er erstarrte. 30 Danach, als er wieder zu sich kam, fiel er zu ihren Füßen und
sprach: 31 Gebenedeit bist du von deinem Gott in allen Zelten Jakobs, denn der Gott Israels wird in
dir gepriesen werden bei allen Völkern, die deinen Namen hören werden.

XIIII.

1 Danach sprach Judith zu allem Volk: Liebe Brüder, hört mich 2 Sobald der Tag anbricht, hängt
den Kopf über die Mauern hinaus und nehmt eure Waffen und fallt allesamt aus mit einem Haufen
und mit großem Geschrei, 3 so werden die auf der Wache fliehen und werden denn ihren Herrn
aufwecken zur Schlacht. 4 Und wenn die Hauptleute zu Holofernes Zelt kommen werden und den
Leichnam da sehen im Blut liegen, so werden sie erschrecken. 5 Und wenn ihr merkt, dass sie
verzagt sein werden und fliehen, so dringt getrost auf sie ein, denn der Herr hat sie unter eure Füße
geworfen.

6 Da nun Achior sah, dass der Gott Israels geholfen hatte, verließ er den heidnischen Glauben und
glaubte an Gott und lies sich beschneiden und ist unter Israel gerechnet worden, er und alle seine
Nachkommen, bis auf diesen Tag.

7 Und da der Tag anbrach, hängten sie den Kopf über die Mauern hinaus und nahmen ihre Wehr
und fielen hinaus mit einem Haufen und mit großem Geschrei. 8 Und da solches die, die auf der
Wacht saßen, sahen, liefen sie zu des Holofernes Zelt, und die drinnen richteten ein Poltern an vor
seiner Kammer, davon sollte aufwachen, 9 denn man wagte nicht anzuklopfen oder hineinzugehen
in des Fürsten von Assyrien Kammer. 10 Aber da die Hauptleute der Assyrer kamen, sagten sie zu
den Kammerdienern: 11Geht hinein und weckt ihn auf, denn die Mäuse sind herausgelaufen aus
ihren Löchern und sind kühn geworden, dass sie uns nun anzugreifen wagen.

12 Da ging Bagoa hinein und trat vor den Vorhang und klatschte mit den Händen, denn er meinte, er
schliefe noch mit Judith, 13 und horchte, ob er sich regen wollte. Da er aber nichts vernahm, hob er
den Vorhang auf. Da sah er den Leichnam, ohne den Kopf, in seinem Blut auf der Erde liegen. Da
schrie und heulte er laut und zerriss seine Kleider. 14 Und sah in Judiths Kammer, und da er sie
nicht fand, lief er hinaus zu den Kriegern und sprach: Eine einzige hebräische Frau hat das ganze
Haus Nebukadnezar von Assyrien zu Spott und Hohn gemacht vor aller Welt! Denn Holofernes
liegt da tot auf der Erde und es ist ihm der Kopf abgehauen. 15 Da das die Hauptleute von Assyrien
hörten, zerrissen sie ihre Kleider und erschraken über die Maßen sehr 16 und es war ein großes
Geschrei unter ihnen.

XV.

1 Da nun das Kriegsvolk hörte, dass dem Holofernes der Kopf abgeschlagen war, erschraken sie
und wurden irre, und konnten nicht erkennen, was sie tun sollten, so war ihnen der Mut gesunken. 2
Und sie flohen, dass sie den Hebräern entrinnen möchten, die sie sahen gegen sie daher ziehen.

3 Und da die Kinder Israel sahen, dass die Feinde flohen, 4 eilten sie ihnen nach mit großem
Geschrei und Trompeten. 5 Weil aber der Assyrer Ordnung zerstreut war und die Kinder Israel in
ihrer Ordnung einher zogen, schlugen sie alle, die sie einholen konnten.

6 Und Osias sandte zu allen Städten im Lande Israel, 7 dass man in allen Städten aufstand und jagte
den Feinden nach, bis zum Land hinaus. 8 Aber das übrige Volk von Bethulia fiel in der Assyrer
Lager ein und plünderten und führten hinweg, was die Assyrer da gelassen hatten, und brachten
großess Gut davon. 9 Die andern aber, als sie wiederkamen, brachten mit sich alles, was jene mit
geführt hatten an Vieh und anderem, und das ganze Land wurde reich von solchem Raub.

10 Danach kam Jojakim, der Hohepriester, von Jerusalem nach Bethulien mit allen Priestern, dass
sie Judith sehen. 11 Und sie ging zu ihnen. Da priesen sie sie alle und sprachen: 12 Du bist die
Krone Jerusalems, du bist die Wonne Israels, du bist ein Ruhm des ganzen Volkes, dass du solch
eine lobenswerte Tat getan hast, und Israel so große Wohltat erwiesen hast, dass Gott sie wiederum
errettet hat. Gebenedeit seist du von Gott ewiglich! 13 Und alles Volk sprach: Amen, Amen.

14 Und da man nun dreißig Tage lang die Beute ausgeteilt hatte, 15 gaben sie Judith köstliche
Geräte, die Holofernes gehabt hatte, aus Gold, Silber, Edelsteinen, und Kleider. 16 Und es war
jedermann fröhlich, sie sangen und sprangen, Jung und Alt.

XVI.

1 Da sang Judith dem Herrn dies Lied und sprach:

2 Spielt dem Herrn mit Pauken und klingt ihm mit Zymbeln, singt ihm ein neues Lied, seid heiter,
und ruft seinen Namen an.

3 Der Herr ist es, der den Kriegen wehren kann, Jehova heißt sein Name.

4 Er kämpft für sein Volk, dass er uns rette von allen unsern Feinden.

5 Assur kam vom Gebirge von Norden mit einer großen Macht. Seine Menge bedeckte die Wasser,
seine Pferde bedeckten das Land.

6 Er drohte, mein Land zu verbrennen und meine Mannschaft zu erwürgen und Kinder und
Jungfrauen wegzuführen.

7 Aber der Herr, der allmächtige Gott, hat ihn gestraft und hat ihn in eines Weibes Hände gegeben.

8 Denn kein Mann, kein Krieger hat ihn umgebracht und kein Gigant hat ihn angegriffen, sondern
Judith, die Tochter Meraris, hat ihn niedergeworfen mit ihrer Schönheit!

9 Denn sie legte ihr Witwenkleid ab und zog ihr schönstes Kleid an zur Freude den Kindern Israel.

10 Sie bestrich sich mit duftendem Wasser und flocht ihre Haare, um ihn zu betören!

11 Ihre schönen Sandalen blendeten ihn , ihre Schönheit nahm sein Herz gefangen! Aber sie hieb
ihm den Kopf ab!

12 Dass sich die Perser und Meder entsetzten vor solch einer kühnen Tat 13 und der Assyrer Heer
heulte, da meine Elenden hervor kamen, die vor Durst verschmachtet waren.

14 Die Knaben erstachen die Assyrer und schlugen sie in die flucht wie Kinder, sie sind vertilgt von
dem Heer des Herrn, meines Gottes.

15 Lasst uns singen ein neues Lied dem Herrn, unserm Gott.

16 Herr, Gott, du bist der allmächtige Gott, der große Taten tut, und niemand kann dir widerstehen.
17 Es muss dir alles dienen. Denn was du sprichst, das muss geschehen. Wozu du einem Mut gibst,
das muss eintreten, und deinem Wort kann niemand Widerstand leisten.

18 Die Berge müssen beben und die Felsen zerschmelzen wie Wachs vor dir.

19 Aber die dich fürchten, denen zeigst du deine große Gnade. Denn alles Opfer und Fett ist viel zu
gering vor dir, aber den Herrn zu fürchten, das ist sehr groß.

20 Wehe den Heiden, die mein Volk verfolgen, denn der allmächtige Herr rächt sich an ihnen und
sucht sie heim zur Zeit der Rache.

21 Er wird ihre Leiber plagen mit Feuer und Würmern, und sie werden brennen und heulen in
Ewigkeit.

22 Nach solchem Sieg zog alles Volk von Bethulia gen Jerusalem, den Herrn anzubeten, und
reinigten sich, und opferten Brandopfer und was sie gelobt hatten. 23 Und Judith hängte auf im
Tempel alle Waffen des Holofernes und den Vorhang, den sie von seinem Bett genommen hatte,
dass es dem Herrn verbannt sein sollte ewiglich. 24 Und das Volk war heiter zu Jerusalem bei dem
Heiligtum mit Judith drei Monate lang und feierten den Sieg. 25 Darnach zog jedermann wieder
heim.

Und Judith kam auch wieder nach Bethulia 26 Und wurde hoch geehrt im ganzen Land Israel. 27
Und sie nahm sich keinen Mann, nach ihres ersten Mannes Manasse Tod. 28 Und sie wurde sehr alt
und blieb in ihres Mannes Haus, bis sie 105 Jahre alt wurde, und ihre Magd Ava ließ sie frei.
Darnach starb sie in Bethulia, und man begrub sie bei ihrem Mann Manasse. 29 Und das Volk
trauerte um sie sieben Ttage lang. Und all ihr Hab und Gut teilte sie unter ihres Mannes Verwandte.
30 Und während sie lebte, und dazu lang danach, wagte niemand, Israel zu überfallen. 31 Und der
Tag dieses Sieges wird bei den Hebräern als ein großes Fest gehalten und von ihnen gefeiert
immerdar.