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Farbkontraste

Der Farbe-an-sich-Kontrast
Der Farbe-an-sich-Kontrast ist der einfachste der sieben Farbkontraste. Er stellt an das Farben-sehen keine großen
Ansprüche, weil zu seiner Darstellung alle Farben ungetrübt in ihrer stärksten Leuchtkraft verwendet werden
können.
Gelb, Rot und Blau bringen den stärksten Farbe-an-sich-Kontrast zum Ausdruck. Zu seiner Darstellung sind
mindestens drei klar voneinander abstehende Farben notwendig. Die Wirkung ist immer bunt, laut, kraftvoll und
entschieden. Die Stärke der Farbe-an-sich-Kontrast-Wirkung nimmt ab, je mehr sich die verwendeten Farben von
den drei Farben erster Ordnung (Rot, Gelb, Blau) entfernen.
So sind die Farben Orange, Grün, Violett schwächer in ihrem Charakter als Gelb, Rot, Blau. Die Wirkung der
Farben dritter Ordnung ist noch undeutlicher. Wenn die einzelnen Farben mit schwarzen oder weißen Linien
voneinander getrennt werden, treten sie noch stärker als besondere Charaktere hervor. Ihre Überstrahlungen und
gegenseitigen Beeinflussungen werden dadurch weitgehend unterbunden. Jede Farbe bekommt einen realen,
konkreten Wirkungswert. Wenn der Dreiklang Gelb, Rot, Blau auch den stärksten Farbe-an-sich-Kontrast enthält,
so lassen sich selbstverständlich alle reinen, ungebrochenen Farben zu diesem starkfarbigen Kontrast
zusammenstellen.

Franz Marc: Pferd in Landschaft, 1910

Die reinbunten Farben bilden untereinander


bereits einen Kontrast. Nach Itten ist der
Kontrast am stärksten, wenn der Dreiklang Gelb,
Rot und Blau verwendet wird. Die geschickte
Zusammenstellung der Farben erzeugt
Stimmungen und Spannungen, die den
Betrachter unmittelbar ansprechen.

Der Hell-Dunkel-Kontrast
Licht und Finsternis, Hell und Dunkel als polare Kontraste sind für das menschliche Leben und die ganze Natur
von großer, grundlegender Bedeutung. Für den Maler sind die Farben Weiß und Schwarz das stärkste
Ausdrucksmittel für Hell und Dunkel. Schwarz und Weiß sind in ihren Wirkungen in jeder Hinsicht
entgegengesetzt, zwischen beiden liegt das Reich der Grautöne und der Farben. Unser Auge ist sowohl für die
Hell-Dunkel-Kontraste der Grautöne zwischen Schwarz und Weiß als auch für die Hell-Dunkel-Kontraste der
reinen Farben sensibilisiert.

Michelangelo Caravaggio: Berufung des heiligen Matthäus, 1599

Die hellen, leuchtenden Farben im Dunkel des Raumes


verleihen dem Bild Caravaggios Ausdrucksstärke und
Dramatik. Helles und Dunkles spielt in unserem
alltäglichen Leben eine entscheidende Rolle. In der Malerei
wird dieser Kontrast vor allem auch in der
Landschaftsmalerei eingesetzt.
Der Kalt-Warm-Kontrast
Es mag befremden, aus dem optischen Empfindungsbereich der Farben eine Temperaturempfindung ablesen zu
wollen. Versuche haben ergeben, daß in zwei Arbeitsräumen, von denen der eine blaugrün und der andere
rotorange gestrichen war, die Empfindung für Kälte oder Wärme um drei bis vier Grad differierte. Das bedeutet,
wissenschaftlich untersucht, daß Blaugrün den Impuls der Zirkulation dämpft, während Rotorange zu deren
Aktivierung anregt.
Rotorange und Blaugrün sind die Farben mit dem stärksten Kalt-Warm-Kontrast. Rotorange oder Saturnrot ist die
wärmste und Blaugrün oder Manganoxyd ist die kälteste Farbe. Die Farben Gelb, Gelborange, Orange, Rotorange,
Rot und Rotviolett werden im allgemeinen als warme, und Gelbgrün, Grün, Blaugrün, Blau, Blauviolett und
Violett werden als kalte Farben bezeichnet. Eine derartige Unterscheidung ist allerdings sehr irreführend, da die
Wirkung einer Farbe als warm oder kalt je nach Kontrastierung mit wärmeren oder kälteren Farben variieren
kann.

Paul Cézanne: Das Meer bei L'Estaque, 1876

Das Blau des Himmels und des Wassers wirkt


im Gegensatz zu den warmen Rot- und
Gelbtönen der Häuser auf Cézannes Bild eher
kühl. Gerade aber durch diesen Gegensatz
wirken die Häuser besonders einladend und
angenehm. Kälte und Wärme sprechen die
Gefühle und Empfindungen eines Betrachters
besonders an.

Der Komplementär-Kontrast
Zwei pigmentäre Farben, die zusammengemischt ein neutrales Grauschwarz ergeben, bezeichnen wir als
komplementäre Farben. Physikalisch sind zwei farbige Lichter, die miteinander gemischt weißes Licht ergeben,
ebenfalls komplementär. Zwei komplementäre Farben sind ein seltsames Paar. Sie sind entgegengesetzt, fordern
sich gegenseitig, steigern sich zu höchster Leuchtkraft im Nebeneinander und vernichten sich in der Mischung zu
Grau - wie Feuer und Wasser. Es gibt immer nur eine einzige Farbe, die zu einer anderen Farbe komplementär ist.
Im Farbkreis (nach Itten) stehen sich die komplementären Farben diametral gegenüber. Diese komplementären
Farbenpaare sind: Gelb - Violett, Gelborange - Blauviolett, Orange - Blau, Rotorange - Blaugrün, Rot -Grün und
Rotviolett - Gelbgrün.
Wenn wir diese komplementären Farbenpaare zerlegen, machen wir die Feststellung, daß immer die drei
Grundfarben, Gelb, Rot, Blau, in ihnen enthalten sind: Gelb - Violett = Gelb - Rot und Blau, Blau - Orange = Blau -
Gelb und Rot, Rot - Grün = Rot - Gelb und Blau.

Vincent van Gogh: Nachtcafé, 1888

Das exzessive und fast aufdringliche Vorherrschen


der Farbe (Rot) und der Komplementärfarbe (Grün)
im Nachtcafé verstärkt beim Betrachter die von dem
Bild ausgehenden Gefühle. Man empfindet
Verlorenheit oder Traurigkeit. "Ich habe versucht, mit
Rot und Grün die schrecklichen menschlichen
Eigenschaften auszudrücken." (Zitat von van Gogh)
Der Simultan-Kontrast
Mit dem Simultan-Kontrast bezeichnen wir die Erscheinung, daß unser Auge zu einer gegebenen Farbe immer
gleichzeitig, also simultan, die Komplementärfarbe verlangt, daß es sie selbsttätig erzeugt, wenn sie nicht gegeben
ist. Diese Tatsache beweist, daß das Grundgesetz farbiger Harmonie die Erfüllung des Komplementärgesetzes in
sich schließt. Die simultan erzeugte Komplementärfarbe entsteht als 'Farbempfindung im Auge des Betrachters
und ist nicht real vorhanden. Sie kann nicht fotografiert werden. Der Simultan-Kontrast und der Sukzessiv-
Kontrast haben vermutlich die gleiche Entstehungsursache.

Georges Seurat: Un dimanche après-midi à l'Ile de la


Grande Jatte, 1884-1886

Der Simultankontrast beruht darauf, dass eine


Farbe von ihrem Untergrund beeinflusst wird.
Das Paar rechts im Vordergrund wird von der
gelben Farbe der Wiese bestimmt. Man „sieht“
einen Teil des Gelbs im Kleid der Dame mit und
denkt gleichzeitig an die Komplementärfarbe
Violett.

Der Qualitätskontrast
Unter dem Begriff der Farbqualität verstehen wir den Reinheits- und Sättigungsgrad der Farben. Als Qualitäts-
Kontrast bezeichnen wir den Gegensatz von gesättigten, leuchtenden Farben zu stumpfen, getrübten Farben. Die
prismatischen Farben, welche durch die Brechung des weißen Lichts entstehen, sind Farben größter Leuchtkraft.
Farben können auf vier verschiedene Arten getrübt oder gebrochen werden. Sie reagieren sehr unterschiedlich auf
die Trübungsmittel:
• Durch Beimischung von Weiß wird der Farbcharakter etwas kälter.
• Durch Beimischung von Schwarz verlieren Farben ihren Lichtcharakter und wirken rasch düster und
abgestorben.
• Durch Beimischung von Weiß und Schwarz, also Grau werden die Farben trüber, neutralisieren und werden
mehr oder weniger blind.
• Durch Beimischung der Komplementärfarbe erreicht man ebenfalls eine Trübung.

August Macke: Kathedrale zu Freiburg in der Schweiz, 1914

Die Stadt Freiburg wurde von dem Maler recht düster


gesehen, was an den stark vergrauten Farben erkennbar ist. Im
Gegensatz dazu hebt sich das leuchtende und gesättigte Gelb
und Rot der kleinen Wirtshausschilder umso mehr hervor,
wodurch menschliche Wärme in der Kneipe angedeutet wird.
Der Quantitäts-Kontrast
Der Quantitäts-Kontrast bezieht sich auf das Größenverhältnis von zwei oder mehreren Farbflecken. Es ist also
der Gegensatz »viel und wenig« oder »groß und klein«.
Farben können in beliebigen Fleckengrößen zueinander komponiert werden. Wir müssen uns aber fragen, welches
jenes Größenverhältnis zwischen zwei oder mehreren Farben ist, von dem wir sagen können, daß es
gleichgewichtig ist, daß keine der verwendeten Farben mehr hervortritt als die andere. Zwei Faktoren bestimmen
die Wirkungskraft einer Farbe. Erstens ihre Leuchtkraft und zweitens ihre Fleckengröße. Um die Leucht- oder
Lichtstärke, den sogenannten Lichtwert, abschätzen zu können, müssen wir die reinen Farben vor einem
mitelhellen, neutralgrauen Grund miteinander vergleichen. Wir werden feststellen, daß die Lichtwerte der
einzelnen Farben verschieden sind.

Vincent van Gogh: Die Sternennacht, 1889

Schon Schopenhauers Farbkreis wies darauf hin,


dass die Wirkung einer Farbe von ihrer
Leuchtkraft und ihrer Flächengröße abhängt. In
dem Bild Sternennacht dominiert das kalte Blau
der Nacht flächenmäßig. Trotzdem erzeugen die
Sterne und der Mond einen gleichwertigen
Gegenpol, so dass ein Gefühl der Geborgenheit
suggeriert wird.

Quellen:
• http://www.tomatoco.de/valbers/kontrast1.html (Text zu den sieben Farbkontrasten)
• http://www.seilnacht.com/Lexikon/kontrast.htm (Bilder mit Kommentar)

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