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Ueber die Haftung des einen Korrealschuldners für culpa und mora des andern

Author(s): Dr. Eisele


Source: Archiv für die civilistische Praxis, 84. Bd., H. 2/3 (1895), pp. 295-304
Published by: Mohr Siebeck GmbH & Co. KG
Stable URL: https://www.jstor.org/stable/40998562
Accessed: 23-02-2020 21:01 UTC

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295

VI.

Ueber die Haftung des einen Korrealschuldners für


eulM und moill des andern.
Von

Herrn Geheimen Hofrath Professor I)r. Eisele


in Freiburg i. Br.

Ob ein oorrsuZ clsdynäi für oulpa des andern einzu-


stehen habe, ist bekanntlich trotz der I. 16 äs äuod. rei8
(45, 2) noch immer bestritten. Nicht minder ist bestritten,
ob der Satz der I. 32 § 4 äs U8ur. (22, 1), wonach det
eine Korrealfchuldner für die inora des andern nicht haftet,
mit der zitirten I. 18 in Widerspruch stehe. Für Viele ist
das eine ausgemachte Sache, dergestalt, daß solche, die die
Haftung für oulpa. verneinen, dies gerade mit Rücksicht auf
die die morn. betreffende Bestimmung thun, und andre hin-
wiederum, welche die Haftung für onlpg. bejahen, auch die
Haftung für mora als römifches Recht ptoklamiren und die
l. 32 § 4 oit. als smguläre Ansicht eines römischen Juristen
(des Marcianus) hinstellen. Andere freilich sind der Mei-
nung, daß die Verschiedenheit der Bestimmungen begründet
sei in der Verschiedenheit der Fälle, also ein Widerspruch
nicht vorliege; diese sind aber keineswegs einig in Bezug auf
die Frage, wie die differente Behandlung des Näheren zu
begründen und zu erklären fei. Die Aufzählung aller Einzel-
heiten mit Literaturbelegen bitten wir uns zu erlassen. Zu-
nächst befassen wir uns mit der Haftung für culpa,.
Früher hat man unter den Argumenten für und wider
auch die Einheit oder die Mehrheit der Obligationen im
84. 2 U. 3. 20

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296 Eisele: Ueber die Haftung des einen Korrealschuldners

Correalverhältniß angeführt. Dies darf jetzt wohl als ein


überwundener Standpunkt bezeichnet werden. Auch Wind-
scheid bemerkt (Pand. § 295 Note 13), es scheine ihm ein
Irrthum zu sein, daß die Haftung des einen oori-6U8 für
culpa des andern durch die Einheitstheorie gefordert oder
auch nur erklärt werde. Gewiß: man kann Anhänger der
Einheitstheorie sein, und doch NichtHaftung annehmen (in
solchen Fällen hilft ja immer die „Mehrheit der subjektiven
Beziehungen" aus), und man kann sich zur Mehrheitstheorie
bekennen und gleichwohl Haftung annehmen^). Immerhin
wird man aber doch auch sagen dürfen, daß für einen An-
hänger der Einheitstheorie die Bejahung der Haftung weit
näher liege als die Verneinung. Daher ist es nun sehr merk-
würdig, daß Wind scheid, der zäheste Vertreter der Ein-
heitstheorie, die ihm theoretisch näherliegende Bejahung der
Haftung abgelehnt und sich für die NichtHaftung entschieden
hat 2), obwohl diese praktisch in hohem Grade bedenklich ist.
Das läßt sich doch nur so erklären: Windfcheid hat sich
die Frage, wie die Sache bei der einen und der andern Ent-
scheidung sich praktisch gestalte, gar nicht gestellt.
Sehen wir uns jetzt die Gründe an, die Windscheid
für feine gegen die Erwartung getroffene Entscheidung an-
führt. Sie bestehen darin, daß der Hauptschuldner nicht für
oulpa. des Bürgen haftet, und ebenfo der ooi'i-6U8 äsdenäi
nicht für inora des andern oorrmi^).

l) Daraus folgt aber keineswegs, daß es wissenschaftlich gleich-


giltig sei, ob man sich für die eine oder andere Theorie entscheidet.
2) So leider auch der Entwurf e. b. G.-B. § 325, 334 und
zweite Lesung § 368 trotz den so treffenden und eindringlichen Be-
merkungen G. Hartmann's in dessen Abhandlung „Der Civilgesetz-
entwurf" u. s. w. in diesem Archiv Bd. 73, S. 392 ff. Wäre doch
von dem Sinn und Geist, der aus diesen Bemerkungen spricht, etwas
mehr im Entwurf zu spüren!
3) Attt der 1. 18 K.t. findet sich Windscheid durch die Be-
merkung ab, es sei (wie Fritz gezeigt habe) jedenfalls nicht unmöglich
sie in andrer Weise zu verstehen.

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für oulpa und mora des andern. 297

Was das zweite Argument betrifft, so beruht es auf der


Annahme, daß unmöglich etwas Anderes hinsichtlich des
Haftens für culpa Rechtens sein könne, als was hinsichtlich
des Haftens für mora gilt. Ob diefe Annahme Grund habe,
ob die Dinge in beiden Fällen wirklich gleich liegen, wird
nicht untersucht; es wird als selbstverständlich angenommen.
Aus den Darlegungen, die weiter unten zu geben sind, wird
das Gegentheil erhellen und damit dieses Argument sich er-
ledigen.
Das erste Argument aber kann Windscheid nur ver-
wenden, weil er Hauptschuldner und Bürgen als Korreal-
schuldner auffaßt. Wenn man dies auch zugeben wollte,
weil eine, und zwar eine sehr charakteristische Erscheinung
des Korrealverhältnisses, die gesammtbefreiende Wirkung der
Litiskontestation, auch für die Bürgschaft des klassischen Rechts
zutrifft: so darf man dabei doch nicht übersehen, daß zwischen
den beiden Verhältnissen doch auch Unterschiede bestehen, daß
namentlich der Bürge nur accessorisch haftet. Und da
leuchtet dann sofort ein, daß gerade in der accessorischen
Qualität der Haftung ein Moment gegeben ist, welches, wenn
man nicht rein nach der äußeren Schablone geht, es durch-
aus verbietet, den Satz, daß der Hauptschuldner nicht für
oulpk des Bürgen einstehe, für die Frage nach der Haftung
des c0rr6U3 äsdsnäi für oulpa. des andern corr6U8 zu ver-
wenden. Der Bürge haftet für das, was der Hauptfchuldner
fchuldig ist oder noch wird, aber keineswegs findet die um-
gekehrte Haftung statt. Danach versteht es sich nun ja ganz
von selbst: wenn der Hauptfchuldner nicht für ein äsditum
des Bürgen haftet, haftet er auch nicht für culpa desselben.
Ferner ist aber auch klar, daß gerade in diesem ent-
scheidenden Punkt die Sache beim Korrealverhältniß sich
anders verhält: es haftet nicht nur der corr6U8 ^ für das,
was der corrkus L schuldet, sondern auch umgekehrt L für
das, was der ^ schuldet; denn es steht Jeder für den An-
20*

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298 Eifele: Ueber die Haftung des einen Korrealschuldners

dern, oder, wie man auch sagen kann, sie haften wechselseitig
für einander 4).
Von der Lehre Windscheid's: eine odlißatio und
dennoch keine Haftung des einen o0rr6u8 für ouipa. des an-
dern, ist, sowohl was den theoretischen als was den prak-
tischen Theil angeht, das gerade Gegentheil das Richtige:
mehrere Obligationen und dennoch Haftung des Einen für
cuipa. des Andern.
Was die Mehrheit der Obligationen betrifft, so ist darüber
wohl genug gesagt; ich wenigstens wüßte dem, was ich da-
rüber in meiner Abhandlung über „Korrealität und Soli-
darität"^ ausgeführt habe, nichts mehr beizufügen.

4) Diese Charakterisirung des Korrealverhältnisses ergiebt sich


wie von selbst, sobald man es mit dem Verhältniß von
Hauptfchuldner und Bürgen vergleicht. Erwägt man nun,
daß in der Novelle 99 in der praokatio von Mandatoren und Fide-
jusforen die Rede ist, und daß dann diesen die äXX^XT-^ülu? ün3Üö>uvv'.
entgegengesetzt werden, so wird man sehr geneigt sein, unter diesen
letzteren einfach Korrealfchuldner und weiter nichts zu verstehen.
5) In diesem Archiv Bd. 77, S. 370-394. Sonderbarer We^e
erwähnt Dernburg Pand. II § 72 Note 9 unter den Gegnern der
Ginheitstheorie mich nicht, obwohl ich, wie ich meine, für die Mehr-
heitstheorie einige neue Argumente geltend gemacht habe. - Ich
möchte bei dieser Gelegenheit noch bemerken, daß Dernburg's
Ansicht über den Grund der gesammtzerstörlichen Wirkung der Litis-
kontestation im Korrealverhältniß mit der meinigen genau genommen
nicht im Widerspruch steht. Nach Dernburg hat man diese Wir-
kung statuirt, um eine mehrfache Verurtheilung zu verhüten: im alten
Recht habe jedes Iudikat eine einwandfreie und selbstständige Ver-
pflichtung erzeugt, dergestalt, daß es dem einen Korrealschuldner
nicht mehr zu Gute kommen konnte, wenn der andere auf Grund
seiner Verurtheilung zahlte. Hatte das Iudikat diese Selbst-
ständigkeit, so mußte es sie doch wohl auch dann haben, wenn dem
Gläubiger nur ein Schuldner gegenüberstand. Das heißt aber:
wenn der Beklagte, ehe er auf Grund des Iudikats gezahlt hat,
nochmals belangt wird (und zwar so, daß es zur 1,'t. oont68t. kommt),
so muß er, ohne den Rechtsfatz von der gesammtzerstörlichen Wirkung
der Ut. eout., nochmals verurtheilt werden, und kann sich, wenn er
aus diesem zweiten Iudikat in Anspruch genommen wird, nicht

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für ouipn. und nwra des andern. 299

Was aber den praktischen Theil der soeben hingestellten


Antithesis, die Haftung für culM, anlangt, so sind die durch-
schlagenden praktischen Gesichtspunkte, welche eine solche Haf-
tung dringend empfehlen, schon von Ribbentrop im Zu-
sammenhang mit der Tragweite des Haftens in golicluin
erkannt worden, wenn er auch diese Haftung noch keines-
wegs in genügendem Umfang statuirt hat"). Im Uebrigen
wird es, vorbehaltlich einer weiter unten vorzunehmenden
Ergänzung, hier genügen, auf die Bemerkungen von Dern-
burg (Pand. II § 73 bei Note 4) und insbesondere von
Hartmann in der oben citirten Abhandlung zu verweisen.
Erweist sich aber das gegenseitige Verhaftetsein der eori-si
für culpa als das durch die praktischen Bedürfnisse des
Lebens Geforderte, so ist dann von selbst auch gegeben, daß
man davon abzustehen hat, an dem klaren Ausspruch des
Pomponius in 1. 18 k. t. zu deuteln, oder der durch sie -
wirtlich oder vermeintlich - bereiteten Schwierigkeit durch
Abänderung oder Interpolationsannahme zu begegnen^);

darauf berufen, daß er (nach der lit. oout. auf die zweite Klage)
auf Grund der ersten Verurtheilung gezahlt habe. Dem Iudikat
wird hier nicht mehr Selbstständigkeit vindicirt, als es von Dern-
burg für den Fall des Korrealverhältnisfes geschieht. Dann aber
würde die Sache so stehen, daß Vermeidung einer „Multiplikation
der Ansprüche" der Grund ist nicht speziell für die gesammtzerftörliche
Wirkung der Litiskontestation im Korrealverhältniß, sondern für
die Konsumtionswirkung der Litiskontestation über-
haupt, m. a. W. für den Rechtssatz di8 äs eaäem 1-6 no gib aotio.
Der juristische Grund für die Gesammtwirkung der lit. 0011t. wäre
danach allerdings der Satz dig äo enäsni rs us 8it «.otio; das Motiv
für diesen Satz aber (und in diesem Sinne dann der letzte Grund
für die Gesammtwirkung der lit. oout.) die von Dernburg für das
älteste römische Recht angenommene Gestaltung der Iudikats-Ob-
ligation.
tt) Zur Lehre von den Korrealobligationen S. 129 und dazu
meine Bemerkungen in der in der vorigen Note citirten Abhandlung
S. 447.
7) Ueber die Literatur zu vergleichen Windscheid, 8 295
Note 13.

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300 G i s e l e : Ueber die Haftung des einen Korrealschuldners

dies um so mehr, als sie in I. 5 § 15 ooinmoä. (13, 6)


eine Unterstützung findet, einer Stelle, welche jetzt wohl Nie-
mand mehr auf sog. Solidarität i. e. S. beziehen wird 5).
Es steht also als Satz des römischen Rechts fest: der
eine oorrsu» äsksnäi haftet für oulpa des andern. Nun
erhebt sich die weitere Frage: wie verträgt es sich damit,
daß bezüglich des Einstehens für moi-a des andern o0ri-6U3
Entgegengesetztes bestimmt ist?
Die Versuche, die abweichende Behandlung sachlich zu
rechtfertigen und so zu erklären, sind ohne Ausnahme un-
befriedigend, und so scheinen Diejenigen Recht zu haben, die
Beides für unvereinbar halten. Gerade daraus erklärt es
sich ja auch, daß so mancherlei Versuche gemacht worden
sind, die I. 16 K. t. so oder anders zu beseitigen. Wie
Windfcheid nimmt auch Dernburg Unvereinbarkeit an.
Während aber Windscheid die Haftung für mora ohne
Weiteres als Beweis für die NichtHaftung wegen ouipg. ver-
wendet, fügt Dernburg dem Satze, daß im römischen Recht
„die gegenseitige Haftung für Verschuldung des Mitschuldners
herrschende Lehre" wurde (Pand. II 8 73 bei Note 5), un-
mittelbar den folgenden an: „Folgerecht wird man jeden
Korrealschuldner auch für den Verzug des Mitschuldners
als haftbar erachten müssen"; die I. 32 § 4 äs U8ur. aber
erledigt er durch die Bemerkung, daß Pomponius und
Marcian eben verschiedener Ansicht gewesen seien. „Ein
leidiges Auskunftsmittel" nennt Unger das mit Rechts;
denn wenn an sich auch kein Grund einzusehen ist, „warum
die römischen Juristen in derartigen Fragen weniger oft
widersprechender Ansicht gewesen sein sollten, als die neuern
dies sind" (Replik Dernburgs a. a. O. Note 6), so
handelt es sich für uns eben nicht blos um Differenzen

8) Meine cit. Abhandlung S. 447.


v) In I Hering 's Jahrbüchern Bd. 22, S. 248 Note 88.

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für culpa und inora des andern. 301

juristischer Schriftsteller, sondern um einen Widerspruch im


Gesetzbuch Iustinians.
Alles weist darauf hin: aus dem Wirrwarr der in ver-
schiedenster Richtung sich durchkreuzenden Ansichten wäre
herauszukommen, wenn es gelänge, auf befriedigende Weise
zu erklären, warum oulpa. und mora verschieden behandelt wer-
den; in diesem Falle blieben auch die deutlichen Aussprüche
der Quellen unangetastet. Eine solche Erklärung kann aber
unsres Erachtens gegeben werden aus denselben praktischen
Erwägungen heraus, welche die wechselseitige Haftung für
ouIpH als innerlich so wohl begründet erscheinen lassen. Wir
greifen zu diesem Ende nochmals auf die Haftung für culpa
zurück.

Hart mann hat a. a. O. diese Haftung in erster Linie,


wie Ribbentrop, aus dem Sinne des Versprechens der
Solidarhaftung hergeleitet, fodann aus dem allgemeinen prak-
tischen Zweck des passiven Korrealverhältnisses, den Gläu-
biger gegenüber Unvermögen oder bösem Willen eines ein-
zelnen Schuldners sicherer zu stellen. „Vei der Entscheidung
des Entwurfs in §§ 325 und 334 brauchte nur Einer der
Schuldner, der vielleicht bankerott geworden ist und dem des-
halb nichts an einer weiteren Steigerung seiner Schulden
liegt, die zu leistende Sache vorsätzlich zu zerstören, um dem
Gläubiger jeden Vortheil der Korrealobligation zu zerstören
und die übrigen Schuldner zu befreien." Wir unsererseits
möchten das Hauptgewicht auf den Verpflichtungswillen der
Korrealschuldner schon um deswillen nicht legen, weil unsrer
Ansicht nach passive Korrealität in weitem Umfange auf
Rechtssatz beruht"). Wir stellen also objektiv den prak-
tischen Zweck des passiven Korrealverhältnisses und des Haf-
tens in 80liäum in den Vordergrund, und dieser besteht uns
nicht blos in Sicherung gegen Zahlungsunfähigkeit, sondern

10) Cit. Abhandlung S. 42<5 f., 434-458.

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302 Eisele: Ueber die Haftung des einen Korrealfchuldners

auch in Erleichterung der Rechtsverfolgung"). Wo nun


oulpg. in Frage kommt, wird viel häufiger, als der von
Hartmann vorgeführte, der folgende Fall vorliegen: es ist
klar, oder es läßt sich beweisen, daß auf der Schuldnerseite
irgend ein Verschulden vorgekommen ist; aber welchem der
om-lsi es zur Last fällt, ist nicht zu ermitteln. In solchen
Fällen hat für den Gläubiger die Korrealität keinen Werth,
wenn man ihm die Ermittlung des Schuldigen zumuthet;
ja er ist da übler daran, als wenn er nur einen Schuldner
hätte. Will man die Solidarhaftung für den Gläubiger
wirklich und unter allen Umständen werthvoll machen, so
darf man an ihn diefe Iumuthung nicht stellen. Eine der-
artige Anforderung an den Gläubiger zu stellen, würde aber
auch an sich etwas Unbilliges sein, denn es würde in der
Regel eine Überwachung der Schuldner voraussetzen, die der
Gläubiger füglich nicht leisten kann und welche die Schuldner
sich auch nicht leicht gefallen lassen würden. Darum hat
sich das römische Recht dafür entschieden, daß die frag-
liche Ermittlung dem Gläubiger nicht aufgebürdet
werden solle, daß die oorrsi äsbsncli vielmehr die Schuld-
frage unter sich auszumachen haben. Nur das juristische
Corollarium hievon, und mehr nicht, ist der Satz: ein
oorrsuL äebOncli haftet für die oulpa des anderen. Denn
das ist ganz unzweifelhaft, obwohl es meines Wissens nie-
mals ausgesprochen worden ist: dieser Satz hat nur
Geltung im Verhältniß zum Gläubiger; im Verhält-
niß der oorrsi zu einander hat natürlich jeder nur die Folgen
seiner ouipa. zu tragen.
Uebrigens besteht zwischen dieser vom römischen Recht
getroffenen Entscheidung und der Gesammtwirkung der 1iti3
«ontoswtio im Korrealverhältniß insofern ein gewisser Zu-
sammenhang, als bei dieser Gestaltung der Korrealität der

11) Idiä. S. 409, 447 f.

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für oulp» und inora des andern. 303

Schaden, der den Gläubiger bei entgegengesetzter Entschei-


dung treffen würde, ein wesentlich intensiverer sein würde.
Wenn nicht die lit. ooutsLt. die übrigen oorroi befreit, son-
dern erst absolutorisches Urtheil, so kann der Gläubiger,
wenn sich bei der Beweisaufnahme zeigt, daß er den Un-
schuldigen belangt hat, die Klage fallen lassen und gegen
den Schuldigen klagen; er hat zwar dann vergebens pro-
zessirt, aber doch nicht die Sache verloren, wie dies dann
der Fall ist, wenn die Uebrigen schon durch lit. ocmte8t.
frei geworden sind. Gerade die klassische Gestaltung der Kor-
realität fordert also die Gesammthaftung für oulpa am
dringendsten, und es kann daher keine Rede davon sein,
daß die I. 18 K. t. mit Rücksicht auf das spätere (justinia-
neische) Recht der passiven Korrealität interpolirt worden sei.
Wir brauchen nunmehr, um zum Ende zu kommen, nur
zu fragen: liegen bei der inora die Verhaltnisse auch so,
daß es als unbillig erscheint, dem Gläubiger zuzumuthen,
sich wegen der Folgen der inora lediglich an den oorrsus
zu halten, der in mora ist? Sofort ist klar, daß diese
Frage zu verneinen ist. Hier steht der Gläubiger nicht
Vorgängen gegenüber, die ihm fremd sind, sondern es han-
delt sich, da ja die mora. in der Regel durch Interpellation
des Gläubigers begründet wird, um sein eigenes Thun, und
auch wo mora. ex rs iit, tritt sie ein auf Grund von
Thatfachen, deren Feststellung dem Gläubiger nicht schwer
fallen kann. Das Korollar aber der Entscheidung: dem
Gläubiger kann und soll zugemuthet werden, sich wegen der
Folgen der inora an denjenigen oorrsus zu halten, der in
inora ist, ist wiederum der Satz: ein ooii-eug äsbsnäi steht
für die inora. des Anderen nicht ein, und dieser Satz gilt natür-
lich ebenso wohl im Verhältniß zum Gläubiger, als im
Verhättniß der oorrei zu einander.
Die beiden, die oulpa und inora. der om-rei clsdsnäi
betreffenden Sätze, die man so vielfach als unvereinbar an-

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304 Eifele: Ueber die Haftung des einen Korrealschuldners 2c.

sieht, verhalten sich aber zu einander so. Der Satz, be-


treffend die inora, entspricht der ratio iuri8: jeder corrsus
haftet aus seiner odiißatio, und folglich auch nur für die
Modifikationen, die diese odiißatio erhält; sie kann aber
nur durch feine mora modifizirt werden. Daß dagegen ein
C0rr6u8 für die culpa des anderen einsteht, ist contra wno
i-6m rationis uti1jtati8 oausa statuirt'2), nämlich aus den
oben dargelegten praktischen Erwägungen heraus.

12) Das bemerkt ausdrücklich auch Dernburg a.a.O. Ziff. 2


am Anfang. Um so weniger durfte er sagen „Folgerecht wird
man jedem Korrealschuldner auch für Verzug des andern Mit-
schuldners als haftbar erachten müssen", denn mit dieser Folgerung
verstößt er gegen die 1. 14 äs 16Z. (1, 3): yuoä oontra rationsin
iuris rsoeptum 68t, uou 68t proäuoonänni aä o0i286ciu6utia8.

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