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I aus der Landesarchäologie

aus Mecklenburg-Vorpommern. Von dort


war bisher kein einziges Stück bekannt.
Mecklenburg­
Zwei von ihnen zählen zu Typ 1, dem Paar.
Vorpommern
Der eine wurde mittels Metallsuchgerät
Landesamt für Kultur und Denkmalpflege
Mecklenburg-Vorpommern auf einem Acker bei Biestow südlich von
Landesarchäologie
Rostock geborgen. Der andere, schlichte­
Domhof4/5
19055 Schwerin re kam bei Grabungen im Stralsunder Jo­
Tel. 0385 58879-643, Fax 0385 58879-344 hanniskloster zutage. Er stammt aus einer
AiD-Korrespondent: Dr. Detlef Jantzen
Schicht des 17./18.Jh. mit umgelagertem
d.jantzen@kulturerbe-mv.de
spätmittelalterlichem Material. Der dritte
Schlüsselhaken, ein Vertreter von Typ 2,
fand sich in Erhöhungsschichten des
Modisches Masc; nprodukt 18. Jh. bei Grabungen auf dem Rostocker
Fischerbruch. Er wurde, wie die mittlere an
Topaktuelle Accessoires, ohne die es Vergleichsstücken fehlende Bohrung zeigt,
»nicht geht« - praktisch jede Epoche kennt wohl sekundär verwendet. Bei zwei Stü-
sie, seit Menschen die Mode erfanden. En- cken ist der Haken praktisch komplett, bei
de des 15. Jh. waren Schlüsselhaken in einem zum Großteil alt abgebrochen. Dies
Menschengestalt angesagt. Diese meist mag auf eine Schwachstelle in der Kon-
5,5 cm bis 8 cm hohen Objekte goss man struktion des modischen Massenprodukts
aus Messing. Ihre Schauseite hat stets die hinweisen. A. Homann, J. Ansorge
Form von einem oder zwei Menschen. Das
Zentrum der Produktion wird in Nürnberg
vermutet.
Unter den bisher bekannten Schlüs­
selhaken dominieren Vertreter von zwei

Bad Schwalbach. Im Typen: Typ 1 zeigt einen Mann und eine


Durchmesser erhalten waren. Mutmaßlich Grabhügel an der Bä­ Frau, die sich offenbar umarmen. Sie wer­
handelt es sich bei dem Kessel um einen derstraße wurde eine den als Liebespaar bzw. als tanzendes Paar
intakte Grabkammer
seltenen Import aus dem mediterranen gedeutet. Typ 2 zeigt eine männliche Ge­
aus frühkeltischer Zeit
Raum. Ein flaschenförmiges Beigefäß stalt mit angewinkelten, in die Hüften ge­
freigelegt. Der Bronze­
grenzt den Zeitrahmen für die Bestattung kessel enthält eine stemmten Armen und leicht gespreizten
derzeit auf den Übergang von der ausge­ Brandbestattung, dane­ Beinen. Weitere Typen kommen seltener
ben steht ein Beigefäß.
henden Stufe Hallstatt D bis Latene A ein, vor. Die künstlerische und handwerkliche
also späte Hallstatt- bzw. frühe Latenezeit Qualität der Ausführung variiert stark. Mal
um 500 v. ehr. Die herausragende Stellung wurden die Figuren sehr detailfreudig ge­
des »Herren« oder der »Herrin« von Bad gossen, in anderen Fällen sind Gesichter
Schwalbach drückt sich neben den exqui­ und Gewandfalten nur sparsam durch
siten Beigaben nicht zuletzt auch in der Kerbschnitt angedeutet.
Auswahl der Örtlichkeit für das Grab aus: Alle Stücke haben auf der Rückseite
Es liegt unmittelbar neben einem uralten einen mitgegossenen Haken, der es er­
Weg, der heutigen Bäderstraße, und dürf­ laubte, sie in einen Gürtel einzuhängen.
te vermutlich eine weithin sichtbare Land­ Am unteren Ende gibt es verschiedeneVor­
marke für alle Durchreisenden dargestellt richtungen zum Anhängen. Häufig ist es
haben. Das Fehlen weiterer Hügelgräber eine quer liegende Röhre, die etwa der
im direkten Umfeld des Bad Schwalbacher Drei Neufunde aus Befestigung eines Rings oder eines ange­
Neufundes unterstreicht die offenbar he­ Mecklenburg-Vor­ schraubten Bügels diente. Alternativ kom­
pommern zeigen, dass
rausgehobene Stellung der bestatteten men bis zu drei nach vorn geöffnete Trag­
spätgotische Schlüssel­
Persönlichkeit. Offen sind noch Detail­ ringe vor. Bildquellen zeigen, dass daran
haken auch an der süd­
fragen wie das Geschlecht des oder der lichen Ostseeküste ver­ vor allem Schlüssel hingen bzw. ein Schlüs­
Verstorbenen. Darüber hinaus dürfen im breitet waren: Oben selbund.
Bronzekessel weitere Beigaben vermutet Rostock, Fischerbruch, Spätgotische Schlüsselhaken waren in
Länge 6,7 cm; Mitte
werden. Das soll zeitnah unter Werkstatt­ den Territorien des Heiligen Römischen
Rostock-Biestow, Länge
bedingungen im Zuge der Restaurierung Reiches weit verbreitet. Dass einige Lücken
5,8 cm; unten Stral­
geklärt werden. sund, Johanniskloster, in derVerbreitung durch den Forschungs­
K. Mückenberger Länge 5,5 cm. stand bedingt sind, zeigen drei Neufunde

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