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16.01.

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Ermessen

I. Gerichtliche Überprüfbarkeit (relevant für die Klausur)


Grundsätzlich ergibt sich gem. § 40 VwVfG, dass die Behörde bei der Ausübung ihres
Ermessens die gesetzlichen Grenzen (Vorbehalt u. Vorrang des Gesetzes, Art. 20 III
GG) einzuhalten und ihr Ermessen im Zwecke der Ermächtigungsgrundlage
auszuüben hat. Aufgrund der Gewaltenteilung, Art. 20 III GG steht dem Gericht daher
gem. § 114 1 VwGO lediglich ein Prüfungsrecht hinsichtlich Verstößen gegen
Ermessensgrenzen zu.

II. Fallgruppen möglicher Ermessensfehler


1. Ermessensnichtgebrauch/-unterschreitung
Ermessensnichtgebrauch bzw. eine Ermessensunterschreitung liegt vor, wenn
die Behörde keinerlei Ermessenerwägungen anstellt, obwohl ihr gesetzlich ein
Ermessen eingeräumt ist.
2. Ermessensüberschreitung
Eine Ermessensüberschreitung liegt vor, wenn die Behörde eine Entscheidung
trifft, die außerhalb des gesetzlich abgesteckten Rechtsfolgenrahmens liegt.
3. Ermessensfehlgebrauch
Ermessensfehlgebrauch ist der häufigste Ermessensfehler. Hier ermangelt es
der Ermessensentscheidung letztlich einer der Parameter des § 40 VwVfG.
a) Zweckverfehlung
Eine Zweckverfehlung liegt vor, wenn der Sinn und Zweck (z.B. ein
Schutzzweck) einer gesetzlichen Regelung erkennbar nicht oder nicht
hinreichend beachtet wird.
b) Abwägungsdefizit
Ein Abwägungsdefizit liegt vor, wenn die Behörde bei ihrer
Entscheidung nicht alle Umstände des Falles berücksichtigt hat, obwohl
diese aufgrund der Sachverhaltslage und der Maßgabe der gesetzlichen
Regelung zu berücksichtigen waren.
z.B. Verbot einer Versammlung gem. § 15 I VersG obwohl dies wegen
der schlechthin konstituierenden Wirkung des Art. 8 GG lediglich die
ultima ratio ist. Dennoch wurde entgegen der hohen Anforderungen an
ein Verbot einer Versammlung keine hinreichenden Erwägungen in
Form einer VHP angestellt um die Interessen abzuwägen.
c) Ermessensmissbrauch
Ermessensmissbrauch liegt vor, wenn die Behörde sachfremde
Erwägungen anstellt.
4. Verstoß gegen GR und allgemeine Verwaltungsgrundsätze
z.B. Selbstbindung der Verwaltung, Art. 3 GG oder
Verhältnismäßigkeitsgrundsatz, Art. 20 III GG.
5. Ermessensreduzierung auf Null
Liegt vor, wenn aufgrund einer gesetzlichen Regelung (z.B. effet utile)
lediglich eine Handlungsalternative zulässig ist, die Behörde jedoch eine
andere Handlung vornimmt.

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