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Arbeitsrecht

Begrifflichkeiten

12.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


Arbeitnehmer
• Beschäftigte, die weisungsgebunden tätig und in persönlicher
Abhängigkeit in die Betriebsorganisation und die Betriebsabläufe
eingegliedert sind.
• Sie sind aufgrund eines Arbeitsvertrages tätig :
• Angestellte und Arbeiter
• leitende Angestellte
• Sie sind aufgrund eines Ausbildungsvertrages tätig:
• Auszubildende

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Arbeitnehmerähnliche
Beschäftigungsverhältnisse
§ 2 Begriffe (HAG)
(1) Heimarbeiter im Sinne dieses Gesetzes ist, wer in selbstgewählter Arbeitsstätte … allein
oder mit seinen Familienangehörigen … im Auftrag von Gewerbetreibenden oder
Zwischenmeistern erwerbsmäßig arbeitet, jedoch die Verwertung der Arbeitsergebnisse
dem unmittelbar oder mittelbar auftraggebenden Gewerbetreibenden überläßt. Beschafft
der Heimarbeiter die Roh- und Hilfsstoffe selbst, so wird hierdurch seine Eigenschaft als
Heimarbeiter nicht beeinträchtigt.
(2) Hausgewerbetreibender im Sinne dieses Gesetzes ist, wer in eigener Arbeitsstätte … mit
nicht mehr als zwei fremden Hilfskräften … oder Heimarbeitern … im Auftrag von
Gewerbetreibenden oder Zwischenmeistern Waren herstellt, bearbeitet oder verpackt,
wobei er selbst wesentlich am Stück mitarbeitet, jedoch die Verwertung der
Arbeitsergebnisse dem unmittelbar oder mittelbar auftraggebenden Gewerbetreibenden
überläßt. Beschafft der Hausgewerbetreibende die Roh- und Hilfsstoffe selbst oder arbeitet
er vorübergehend unmittelbar für den Absatzmarkt, so wird hierdurch seine Eigenschaft als
Hausgewerbetreibender nicht beeinträchtigt. …

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Keine Arbeitnehmer
• Beamte und Richter;
• Ehegatten und Kinder, soweit sie aufgrund familienrechtlicher
Grundlage Arbeit leisten;
• Vorstandsmitglieder juristischer Personen;
• Gesellschafter, die für die Gesellschaft tätig werden;
• Strafgefangene (Arbeitsleistung im Rahmen eines öffentlich-
rechtlichen Gewaltverhältnisses);
• Ordensleute, deren Beschäftigung durch Gründe karitativer oder
religiöser Art bestimmt ist

12.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 4


Arbeitgeber
• Jeder, der mindestens einen Arbeitnehmer beschäftigt.
§ 6 Persönlicher Anwendungsbereich (AGG)
(2) Arbeitgeber (Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen) im Sinne dieses
Abschnitts sind natürliche und juristische Personen sowie rechtsfähige
Personengesellschaften, die Personen nach Absatz 1 beschäftigen. …

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Arbeitnehmerbegriff
§ 5 Arbeitnehmer (BetrVG)
(1) Arbeitnehmer (Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer) im Sinne
dieses Gesetzes sind Arbeiter und Angestellte einschließlich der zu ihrer
Berufsausbildung Beschäftigten, unabhängig davon, ob sie im Betrieb,
im Außendienst oder mit Telearbeit beschäftigt werden. Als
Arbeitnehmer gelten auch die in Heimarbeit Beschäftigten, die in der
Hauptsache für den Betrieb arbeiten. Als Arbeitnehmer gelten ferner
Beamte (Beamtinnen und Beamte), Soldaten (Soldatinnen und
Soldaten) sowie Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes einschließlich
der zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigten, die in Betrieben
privatrechtlich organisierter Unternehmen tätig sind.

12.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 6


Arbeitnehmerbegriff
§ 5 Arbeitnehmer (BetrVG)
(2) Als Arbeitnehmer im Sinne dieses Gesetzes gelten nicht
1. in Betrieben einer juristischen Person die Mitglieder des Organs, das zur gesetzlichen Vertretung
der juristischen Person berufen ist;
2. die Gesellschafter einer offenen Handelsgesellschaft oder die Mitglieder einer anderen
Personengesamtheit, soweit sie durch Gesetz, Satzung oder Gesellschaftsvertrag zur Vertretung der
Personengesamtheit oder zur Geschäftsführung berufen sind, in deren Betrieben;
3. Personen, deren Beschäftigung nicht in erster Linie ihrem Erwerb dient, sondern vorwiegend
durch Beweggründe karitativer oder religiöser Art bestimmt ist;
4. Personen, deren Beschäftigung nicht in erster Linie ihrem Erwerb dient und die vorwiegend zu
ihrer Heilung, Wiedereingewöhnung, sittlichen Besserung oder Erziehung beschäftigt werden;
5. der Ehegatte, der Lebenspartner, Verwandte und Verschwägerte ersten Grades, die in häuslicher
Gemeinschaft mit dem Arbeitgeber leben.

12.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 7


Leitende Angestellte
§ 5 Arbeitnehmer (BetrVG)
(3) Dieses Gesetz findet, soweit in ihm nicht ausdrücklich etwas anderes bestimmt ist,
keine Anwendung auf leitende Angestellte. Leitender Angestellter ist, wer nach
Arbeitsvertrag und Stellung im Unternehmen oder im Betrieb
1. zur selbständigen Einstellung und Entlassung von im Betrieb oder in der
Betriebsabteilung beschäftigten Arbeitnehmern berechtigt ist oder
2. Generalvollmacht oder Prokura hat und die Prokura auch im Verhältnis zum Arbeitgeber
nicht unbedeutend ist oder
3. regelmäßig sonstige Aufgaben wahrnimmt, die für den Bestand und die Entwicklung des
Unternehmens oder eines Betriebs von Bedeutung sind und deren Erfüllung besondere
Erfahrungen und Kenntnisse voraussetzt, wenn er dabei entweder die Entscheidungen im
Wesentlichen frei von Weisungen trifft oder sie maßgeblich beeinflusst; dies kann auch bei
Vorgaben insbesondere aufgrund von Rechtsvorschriften, Plänen oder Richtlinien sowie bei
Zusammenarbeit mit anderen leitenden Angestellten gegeben sein.

12.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 8


Zweck des Arbeitszeitgesetzes
§ 1 Zweck des Gesetzes (ArbZG)
Zweck des Gesetzes ist es,
1. die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer in der
Bundesrepublik Deutschland und in der ausschließlichen
Wirtschaftszone bei der Arbeitszeitgestaltung zu gewährleisten und die
Rahmenbedingungen für flexible Arbeitszeiten zu verbessern sowie
2. den Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage als Tage der
Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung der Arbeitnehmer zu
schützen.

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Nichtanwendbarkeit
§ 18 Nichtanwendung des Gesetzes (ArbZG)
(1) Dieses Gesetz ist nicht anzuwenden auf
1. leitende Angestellte im Sinne des § 5 Abs. 3 des Betriebsverfassungsgesetzes
sowie Chefärzte,
2. Leiter von öffentlichen Dienststellen und deren Vertreter sowie Arbeitnehmer im
öffentlichen Dienst, die zu selbständigen Entscheidungen in
Personalangelegenheiten befugt sind,
3. Arbeitnehmer, die in häuslicher Gemeinschaft mit den ihnen anvertrauten
Personen zusammenleben und sie eigenverantwortlich erziehen, pflegen oder
betreuen,
4. den liturgischen Bereich der Kirchen und der Religionsgemeinschaften.
(2) Für die Beschäftigung von Personen unter 18 Jahren gilt anstelle dieses Gesetzes
das Jugendarbeitsschutzgesetz. …

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Begriff der Arbeitszeit
§ 2 Begriffsbestimmungen (ArbZG)
(1) Arbeitszeit im Sinne dieses Gesetzes ist die Zeit vom Beginn bis zum Ende der Arbeit
ohne die Ruhepausen; Arbeitszeiten bei mehreren Arbeitgebern sind zusammenzurechnen.
Im Bergbau unter Tage zählen die Ruhepausen zur Arbeitszeit.
(2) Arbeitnehmer im Sinne dieses Gesetzes sind Arbeiter und Angestellte sowie die zu ihrer
Berufsbildung Beschäftigten.
(3) Nachtzeit im Sinne dieses Gesetzes ist die Zeit von 23 bis 6 Uhr, in Bäckereien und
Konditoreien die Zeit von 22 bis 5 Uhr.
(4) Nachtarbeit im Sinne dieses Gesetzes ist jede Arbeit, die mehr als zwei Stunden der
Nachtzeit umfaßt.
(5) Nachtarbeitnehmer im Sinne dieses Gesetzes sind Arbeitnehmer, die
1. auf Grund ihrer Arbeitszeitgestaltung normalerweise Nachtarbeit in Wechselschicht zu
leisten haben oder
2. Nachtarbeit an mindestens 48 Tagen im Kalenderjahr leisten.

12.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 11


Arbeitszeit
§ 3 Arbeitszeit der Arbeitnehmer (ArbZG)

Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht


überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden,
wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24
Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten
werden.

12.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 12


Bereitschaftsdienst
Als Bereitschaftsdienst wird jene Zeitspanne bezeichnet, in der ein
Arbeitnehmer sich für dienstliche Zwecke bereithalten muss, um seine
Arbeitskraft einsetzen zu können, sofern dies nötig sein sollte. Der
Bereitschaftsdienst muss nicht zwingend im Betrieb selbst abgeleistet
werden; dies kann auch gegebenenfalls von anderen Orten aus
geschehen – je nach Art des Bereitschaftsdienstes.

12.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 13


Arbeit auf Abruf
§ 12 Arbeit auf Abruf (TzBfG)
(1) Arbeitgeber und Arbeitnehmer können vereinbaren, dass der Arbeitnehmer seine
Arbeitsleistung entsprechend dem Arbeitsanfall zu erbringen hat (Arbeit auf Abruf). Die
Vereinbarung muss eine bestimmte Dauer der wöchentlichen und täglichen Arbeitszeit
festlegen. Wenn die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit nicht festgelegt ist, gilt eine
Arbeitszeit von zehn Stunden als vereinbart. Wenn die Dauer der täglichen Arbeitszeit nicht
festgelegt ist, hat der Arbeitgeber die Arbeitsleistung des Arbeitnehmers jeweils für
mindestens drei aufeinander folgende Stunden in Anspruch zu nehmen.
(2) Der Arbeitnehmer ist nur zur Arbeitsleistung verpflichtet, wenn der Arbeitgeber ihm die
Lage seiner Arbeitszeit jeweils mindestens vier Tage im Voraus mitteilt.
(3) Durch Tarifvertrag kann von den Absätzen 1 und 2 auch zuungunsten des
Arbeitnehmers abgewichen werden, wenn der Tarifvertrag Regelungen über die tägliche
und wöchentliche Arbeitszeit und die Vorankündigungsfrist vorsieht. Im Geltungsbereich
eines solchen Tarifvertrages können nicht tarifgebundene Arbeitgeber und Arbeitnehmer
die Anwendung der tariflichen Regelungen über die Arbeit auf Abruf vereinbaren.

12.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 14


Pausen
§ 4 Ruhepausen (ArbZG)
Die Arbeit ist durch im voraus feststehende Ruhepausen von
mindestens 30 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs bis zu
neun Stunden und 45 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als neun
Stunden insgesamt zu unterbrechen. Die Ruhepausen nach Satz 1
können in Zeitabschnitte von jeweils mindestens 15 Minuten aufgeteilt
werden. Länger als sechs Stunden hintereinander dürfen Arbeitnehmer
nicht ohne Ruhepause beschäftigt werden.

12.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 15


Ruhezeit
§ 5 Ruhezeit (ArbZG)
(1) Die Arbeitnehmer müssen nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit eine
ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden haben.
(2) Die Dauer der Ruhezeit des Absatzes 1 kann in Krankenhäusern und
anderen Einrichtungen zur Behandlung, Pflege und Betreuung von Personen,
in Gaststätten und anderen Einrichtungen zur Bewirtung und Beherbergung,
in Verkehrsbetrieben, beim Rundfunk sowie in der Landwirtschaft und in der
Tierhaltung um bis zu eine Stunde verkürzt werden, wenn jede Verkürzung
der Ruhezeit innerhalb eines Kalendermonats oder innerhalb von vier
Wochen durch Verlängerung einer anderen Ruhezeit auf mindestens zwölf
Stunden ausgeglichen wird.
12.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 16
Arbeitnehmerbegriff des § 23 KSchG
• der zu kündigende Arbeitnehmer,
• ein etwaig angestellter (Ehe-)Partner,
• erkrankte Arbeitnehmer,
• die angestellte Reinigungskraft,
• Arbeitnehmer in Elternzeit,
• 450-Euro-Kräfte,
• Teilzeitbeschäftigte, wobei zu beachten ist, dass derartige Kräfte bei einer
Wochenarbeitszeit von nicht mehr als 20 Stunden mit 0,5 Stunden und bei einer
wöchentlichen Arbeitszeit von regelmäßig nicht mehr als 30 Stunden mit 0,75 gezählt
werden.

• Zu beachten ist, dass Auszubildende und Praktikanten nicht mitzuzählen sind.


• Das gleiche gilt für Inhaber sowie Geschäftsführer.
12.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 17
BAG – 8 AZR 418/09

Schadensersatz – betrieblich veranlasstes Handeln – Haftungsbegrenzung bei grober Fahrlässigkeit

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 28.10.2010, 8 AZR 418/09

Tenor

Die Revision der Kläger gegen das Urteil des Landesarbeitsgerichts Niedersachsen vom 24. April 2009
– 10 Sa 1402/08 – wird zurückgewiesen.

Die Kosten des Revisionsverfahrens und der Nebenintervention haben die Kläger zu tragen.

Tatbestand

8 AZR 418/09 > Rn 1

Die Parteien streiten um Schadensersatz wegen der Beschädigung eines Diagnosegeräts.

8 AZR 418/09 > Rn 2

Die Kläger betreiben als Fachärzte eine Gemeinschaftspraxis für radiologische Diagnostik und
Nuklearmedizin. Etwa 2/3 des durchschnittlichen Umsatzes der Praxis werden mit einem
Magnetresonanztomographen (MRT) erwirtschaftet. Die Beklagte ist in der Praxis langjährig als
Reinigungskraft beschäftigt, zuletzt gegen ein monatliches Bruttoentgelt iHv. 320,00 Euro. Die
Nebenintervenientin ist das Versicherungsunternehmen, bei dem die Beklagte eine
Privathaftpflichtversicherung abgeschlossen hat.

8 AZR 418/09 > Rn 3

Am Sonntag, 8. Januar 2006, besuchte die Beklagte ihre über den Praxisräumen der Kläger wohnende
und mit ihr befreundete Arbeitskollegin Frau B. Bei Besuchsende nahmen die beiden Frauen auf dem
Weg zur Haustür in der Praxis einen Alarmton wahr. Die Beklagte ging in die nicht verschlossenen
Praxisräume, stellte fest, dass der Alarm vom MRT ausging und wollte an der Steuereinheit des
Geräts den Alarmton ausschalten. Die fest an der Wand montierte Steuereinheit besitzt fünf
Schaltknöpfe, vier davon sind in blauer Farbe gehalten und mit „host standby“, „alarm silence“,
„system off“ und „system on“ überschrieben. Oberhalb von diesen im Quadrat angeordneten blauen
Schaltknöpfen befindet sich ein deutlich größerer roter Schaltknopf, der mit der weißen Aufschrift
„magnet stop“ versehen ist. Dieser rote Schalter ist hinter einer durchsichtigen Plexiglasklappe, die
vor der Betätigung des Schalters angehoben werden muss, angebracht.

8 AZR 418/09 > Rn 4

Um den Alarm auszuschalten, drückte die Beklagte statt des hierfür vorgesehenen blauen Knopfes
„alarm silence“ den roten Schaltknopf „magnet stop“ und löste hierdurch einen so genannten MRT-
Quench aus. Dabei wird das im Gerät als Kühlmittel eingesetzte Helium in wenigen Sekunden ins
Freie abgeleitet, was das elektromagnetische Feld des Gerätes zusammenbrechen lässt. Die nach
dieser Notabschaltung fällige Reparatur dauerte bis einschließlich Mittwoch, 11. Januar 2006, und
kostete netto 30.843,01 Euro. Unter Berücksichtigung des vertraglich vereinbarten Selbstbehalts
zahlte die Betriebsunterbrechungs-Schadensversicherung der Kläger für einen Ausfalltag
Schadensersatz iHv. 10.289,34 Euro.

8 AZR 418/09 > Rn 5

Die Kläger haben behauptet, der rote Knopf für die Notabschaltung sei zusätzlich durch zwei über
dem Plexiglasdeckel angebrachte Klebestreifen gesichert gewesen, die beschriftet gewesen seien.
Auf dem oberen Streifen habe „bei Alarm alarm silence drücken“ und auf dem unteren habe „nicht
mag stop. Es wird teuer!“ gestanden. Neben den Reparaturkosten sei ein weiterer, von der
Versicherung nicht abgedeckter Nutzungsausfallschaden iHv. 18.390,00 Euro netto entstanden. Sie
haben die Auffassung vertreten, das Handeln der Beklagten, die nicht einmal im Rahmen ihrer
Aufgaben mit der Reinigung des MRT beauftragt gewesen sei, stelle sich als gröbst fahrlässig dar.
Obgleich das Handeln betrieblich veranlasst gewesen sei, scheide wegen der besonders groben
Fahrlässigkeit eine Haftungsprivilegierung aus. Da die Privathaftpflichtversicherung der Beklagten
einstandspflichtig sei, wirke sich die Geltendmachung des vollständigen Schadensersatzanspruchs für
die Beklagte nicht existenzgefährdend aus. Die Kläger seien bei Begründung des Arbeitsverhältnisses
selbstverständlich davon ausgegangen, dass die Beklagte über eine private Haftpflichtversicherung
verfüge.

8 AZR 418/09 > Rn 6

Soweit für die Revision von Bedeutung beantragen die Kläger,

die Beklagte zu verurteilen, an sie als Gläubiger weitere 46.775,81 Euro nebst Zinsen iHv. fünf
Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit dem 29. Mai 2006 zu zahlen.

8 AZR 418/09 > Rn 7

Auf der Beklagtenseite hat die Nebenintervenientin ihren Antrag auf Klageabweisung damit
begründet, dass die Beklagte sich im angenommenen Interesse der Kläger verpflichtet gefühlt habe,
den Alarmton auszuschalten. Dass sie dabei den falschen Knopf betätigt habe, sei versehentlich
erfolgt, wobei sie in der Vergangenheit schon einmal einen MRT-Alarm erfolgreich abgeschaltet
habe. Grob fahrlässig habe die Klägerin nicht gehandelt, da sie nicht einmal die Möglichkeit des
eingetretenen Schadens gesehen habe. Somit scheide eine Haftung der Beklagten aus. Als
Haftpflichtversicherer der Beklagten sei die Nebenintervenientin nur in dem Umfang wie die Beklagte
selbst einstandspflichtig.

8 AZR 418/09 > Rn 8

Das Arbeitsgericht hat der Klage in Höhe von 1.920,00 Euro, dh. iHv. sechs Bruttomonatsbezügen
stattgegeben und sie im Übrigen abgewiesen. Die Berufung der Kläger hatte vor dem
Landesarbeitsgericht insoweit Erfolg, als weitere 1.920,00 Euro zugesprochen wurden. Mit der
zugelassenen Revision verfolgen die Kläger weiter den Ersatz ihres gesamten Schadens.

Entscheidungsgründe

8 AZR 418/09 > Rn 9

Die zulässige Revision ist unbegründet. Rechtsfehlerfrei haben die Vorinstanzen den
Schadensersatzanspruch der Kläger in der Höhe auf ein Bruttojahresgehalt der Beklagten begrenzt.

8 AZR 418/09 > Rn 10

A. Das Landesarbeitsgericht hat seine Entscheidung im Wesentlichen wie folgt begründet: Die
Beklagte habe schuldhaft ihre vertragliche wie gesetzliche Pflicht, das Eigentum der Kläger nicht zu
beschädigen, verletzt. Die schädigende Handlung der Beklagten sei betrieblich veranlasst gewesen.
Sie habe dabei besonders grob fahrlässig gehandelt, weil sie wahllos einen der Knöpfe auf der MRT-
Steuereinheit gedrückt habe, ohne dessen Funktion zu kennen. Das Verschulden der Beklagten
beziehe sich auch auf den Schadenseintritt, weil sie sich der Einsicht verschlossen habe, dass die
Handlung einen Schaden unbekannter Art zur Folge haben könnte. Trotz des hohen
Verschuldensgrades beim Handeln der Beklagten komme ihr aber eine Haftungserleichterung
aufgrund einer Abwägung im Einzelfall zugute. In die Abwägung sei nicht nur der Grad des dem
Arbeitnehmer zur Last fallenden Verschuldens, sondern auch die Gefahrgeneigtheit der Arbeit, die
Höhe des Schadens, ein vom Arbeitgeber einkalkuliertes oder durch Versicherung abdeckbares
Risiko, die Stellung des Arbeitnehmers im Betrieb und die Höhe des Arbeitsentgelts, in dem
möglicherweise eine Risikoprämie enthalten sei, einzustellen. Es könne entscheidend darauf
ankommen, dass der Verdienst des Arbeitnehmers in einem deutlichen Missverhältnis zum
Schadensrisiko der Tätigkeit steht. Bei Berücksichtigung all dieser Umstände hafte die Beklagte mit
einem vollen Jahresbruttoeinkommen. Dies stelle für einen durchschnittlichen Arbeitnehmer eine
enorme Belastung dar, was aber wegen des hohen Verschuldensgrades der Beklagten noch
vertretbar sei. Eine höhere Haftung sei in Anbetracht des uneigennützigen Handelns der Beklagten,
das von dem Willen getragen gewesen sei, den Klägern zu helfen, unbillig. Die von der Beklagten
abgeschlossene Haftpflichtversicherung erhöhe die Haftungsobergrenze nicht.

8 AZR 418/09 > Rn 11

B. Die dagegen gerichteten Angriffe der zulässigen Revision bleiben ohne Erfolg.

8 AZR 418/09 > Rn 12

I. Die besondere persönliche Bindung der Vertragspartner im Arbeitsverhältnis (BAG 7. September


1995 – 8 AZR 828/93 – BAGE 81, 15 = AP BGB § 242 Auskunftspflicht Nr. 24 = EzA BGB § 242
Auskunftspflicht Nr. 4) bewirkt für beide Parteien des arbeitsvertraglichen Schuldverhältnisses, dass
ihre Verpflichtung zur Rücksicht auf die Rechte, Rechtsgüter und Interessen des anderen Teils (§ 241
Abs. 2 BGB) zu einer Vielzahl von Nebenleistungspflichten wie Unterlassungs- und
Handlungspflichten führt. Allgemeine Sorgfalts-, Obhuts-, Fürsorge-, Aufklärungs- und
Anzeigepflichten dienen dazu, die Erbringung der Hauptleistung vorzubereiten und zu fördern, die
Leistungsmöglichkeit zu erhalten und den Leistungserfolg zu sichern (ErfK/Preis 10. Aufl. § 611 BGB
Rn. 707 ff.). Die Beklagte hat, als sie statt des Schaltknopfes „alarm silence“ fehlerhaft den
Schaltknopf „magnet stop“ drückte, ihre arbeitsvertragliche Nebenpflicht, den Arbeitgeber nicht zu
schädigen, verletzt (§ 280 Abs. 1 Satz 1 BGB). Dadurch, dass der bestimmungsgemäße Gebrauch des
Diagnosegeräts für die Dauer der Reparatur aufgehoben wurde, wurden die Kläger auch in ihrem
absolut geschützten Rechtsgut des Eigentums durch die Handlung der Beklagten verletzt (§ 823 Abs.
1 BGB). Da die Beklagte schuldhaft, nämlich zumindest fahrlässig handelte und die fehlerhafte
Bedienung unstreitig kausal für den entstandenen Schaden war, sind die Kläger grundsätzlich als
Mitgläubiger berechtigt, von der Beklagten Schadensersatz zu verlangen (§ 432 Abs. 1 Satz 1 BGB).
Anhaltspunkte für eine die Mitgläubigerschaft ausschließende Gesamtgläubigerschaft, etwa auf
vertraglicher Grundlage, haben die Kläger nicht vorgetragen. Daher ist von einer gemeinsamen
Empfangszuständigkeit der Kläger für den in Geld zu leistenden Schadensersatz und daher iSd. § 432
Abs. 1 Satz 1 BGB von einer unteilbaren Leistung auszugehen (Palandt/Grüneberg 69. Aufl. § 432 Rn.
1).

8 AZR 418/09 > Rn 13

II. Das Handeln der Beklagten war durch den Betrieb der Kläger veranlasst und geschah aufgrund des
Arbeitsverhältnisses zwischen den Parteien.
8 AZR 418/09 > Rn 14

1. Der Begriff der betrieblich veranlassten Tätigkeit ist der gesetzlichen Regelung des § 105 Abs. 1
SGB VII entlehnt und wird von der Rechtsprechung in diesem Sinne ausgelegt (ErfK/Preis § 619a BGB
Rn. 12 unter Hinweis auf BAG GS 27. September 1994 – GS 1/89 (A) – BAGE 78, 56 = AP BGB § 611
Haftung des Arbeitnehmers Nr. 103 = EzA BGB § 611 Arbeitnehmerhaftung Nr. 59; 18. April 2002 – 8
AZR 348/01 – BAGE 101, 107 = AP BGB § 611 Haftung des Arbeitnehmers Nr. 122 = EzA BGB § 611
Arbeitnehmerhaftung Nr. 70; HWK/Krause 4. Aufl. § 619a BGB Rn. 21). Als betrieblich veranlasst
gelten solche Tätigkeiten, die arbeitsvertraglich übertragen worden sind oder die der Arbeitnehmer
im Interesse des Arbeitgebers für den Betrieb ausführt. Das Handeln braucht dabei nicht zum
eigentlichen Aufgabengebiet des Beschäftigten gehören, ausreichend ist, wenn er im wohl
verstandenen Interesse des Arbeitgebers tätig wird (BGH 2. März 1971 – VI ZR 146/69 – AP RVO §
637 Nr. 6; BAG 14. März 1974 – 2 AZR 155/73 – AP RVO § 637 Nr. 8 = EzA RVO § 637 Nr. 5). Das
Handeln ist betrieblich veranlasst, wenn bei objektiver Betrachtungsweise aus der Sicht des
Schädigers im Betriebsinteresse zu handeln war, sein Verhalten unter Berücksichtigung der
Verkehrsüblichkeit nicht untypisch war und keinen Exzess darstellte (BAG 22. April 2004 – 8 AZR
159/03 – BAGE 110, 195 = AP SGB VII § 105 Nr. 3 = EzA SGB VII § 105 Nr. 4). Der betriebliche
Charakter der Tätigkeit geht nicht dadurch verloren, dass der Arbeitnehmer bei der Durchführung
der Tätigkeit grob fahrlässig oder vorsätzlich seine Verhaltenspflichten verletzt, auch wenn ein
solches Verhalten grundsätzlich nicht im Interesse des Arbeitgebers liegt (BAG 18. April 2002 – 8 AZR
348/01 – aaO).

8 AZR 418/09 > Rn 15

2. Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze hat das Landesarbeitsgericht rechtsfehlerfrei erkannt,


dass das Handeln der Beklagten betrieblich veranlasst war. Die Beklagte handelte zwar außerhalb
ihrer Arbeitszeit und nicht in direkter Verfolgung ihrer Hauptleistungspflicht, aber um ihren
allgemeinen Sorgfalts- und Obhutspflichten als Nebenpflichten aus dem Arbeitsverhältnis (§ 241 Abs.
2 BGB) nachzukommen, Schaden von den Klägern abzuwenden und die Leistungsmöglichkeit der
Praxis und damit auch ihren eigenen Arbeitsplatz zu erhalten. Die Beklagte erkannte, als sie aus der
Praxis den Alarmton wahrnahm, dass sie verpflichtet war, Schaden von ihren Arbeitgebern
abzuwenden und ihnen bei der Betriebsstörung zu helfen. Dass sie im Folgenden falsch handelte und
ihr dabei ein Verschulden anzulasten ist, ändert nichts daran, dass zwischen der beabsichtigten
Schadensverhinderung oder -minderung durch die Beklagte und dem wohl verstandenen Interesse
der Kläger ein enger innerer Zusammenhang besteht, wie er für eine betrieblich veranlasste Tätigkeit
typisch ist.

8 AZR 418/09 > Rn 16

III. Das betrieblich veranlasste Handeln der Beklagten ist nach den Grundsätzen über die beschränkte
Arbeitnehmerhaftung zu beurteilen. Dies hat das Landesarbeitsgericht rechtsfehlerfrei erkannt.

8 AZR 418/09 > Rn 17

1. Nach den vom Großen Senat des Bundesarbeitsgerichts entwickelten Grundsätzen (27. September
1994 – GS 1/89 (A) – BAGE 78, 56 = AP BGB § 611 Haftung des Arbeitnehmers Nr. 103 = EzA BGB §
611 Arbeitnehmerhaftung Nr. 59) hat ein Arbeitnehmer vorsätzlich verursachte Schäden in vollem
Umfang zu tragen, bei leichtester Fahrlässigkeit haftet er dagegen nicht. Bei normaler Fahrlässigkeit
ist der Schaden in aller Regel zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu verteilen, bei grober
Fahrlässigkeit hat der Arbeitnehmer in aller Regel den gesamten Schaden zu tragen, jedoch können
Haftungserleichterungen, die von einer Abwägung im Einzelfall abhängig sind, in Betracht kommen.
8 AZR 418/09 > Rn 18

Die Beteiligung des Arbeitnehmers an den Schadensfolgen ist durch eine Abwägung der
Gesamtumstände zu bestimmen, wobei insbesondere Schadensanlass, Schadensfolgen, Billigkeits-
und Zumutbarkeitsgesichtspunkte eine Rolle spielen. Eine möglicherweise vorliegende
Gefahrgeneigtheit der Arbeit ist ebenso zu berücksichtigen wie die Schadenshöhe, ein vom
Arbeitgeber einkalkuliertes Risiko, eine Risikodeckung durch eine Versicherung, die Stellung des
Arbeitnehmers im Betrieb und die Höhe der Vergütung, die möglicherweise eine Risikoprämie
enthalten kann. Auch die persönlichen Verhältnisse des Arbeitnehmers und die Umstände des
Arbeitsverhältnisses, wie die Dauer der Betriebszugehörigkeit, das Lebensalter, die
Familienverhältnisse und sein bisheriges Verhalten können zu berücksichtigen sein.

8 AZR 418/09 > Rn 19

2. Die Haftung der Beklagten ist mithin entscheidend davon abhängig, welcher Verschuldensgrad ihr
zur Last zu legen ist.

8 AZR 418/09 > Rn 20

a) Der Begriff des Verschuldens und die einzelnen Arten des Verschuldens – leichteste, einfache oder
normale und grobe Fahrlässigkeit – sind Rechtsbegriffe. Die Feststellung einer „Fahrlässigkeit“ ist
durch die Revision nachprüfbar (BAG 19. März 1959 – 2 AZR 402/55 – BAGE 7, 290, 301 = AP BGB §
611 Haftung des Arbeitnehmers Nr. 8 = EzA BGB § 276 Nr. 3). Dabei steht dem Tatsachenrichter ein
erheblicher Beurteilungsspielraum zu, da die Feststellung der Voraussetzungen im Wesentlichen auf
tatsächlichem Gebiet liegt. Das Revisionsgericht kann lediglich prüfen, ob der Tatsachenrichter von
den richtigen Beurteilungsmaßstäben ausgegangen ist, die wesentlichen Umstände berücksichtigt
und Denkgesetze, Erfahrungssätze und Verfahrensvorschriften nicht verletzt hat (BAG 18. April 2002
– 8 AZR 348/01 – zu II 3 b der Gründe mwN, BAGE 101, 107 = AP BGB § 611 Haftung des
Arbeitnehmers Nr. 122 = EzA BGB § 611 Arbeitnehmerhaftung Nr. 70). Das Verschulden des
Schädigers muss sich dabei sowohl auf die pflichtverletzende Handlung als auch auf den Eintritt des
Schadens beziehen (BAG 18. Januar 2007 – 8 AZR 250/06 – AP BGB § 254 Nr. 15 = EzA BGB 2002 §
611 Arbeitnehmerhaftung Nr. 2).

8 AZR 418/09 > Rn 21

b) Hinsichtlich der Schädigungshandlung ist das Landesarbeitsgericht ohne Rechtsfehler davon


ausgegangen, dass die Beklagte objektiv die im Verkehr erforderliche Sorgfalt nach den
Gesamtumständen in ungewöhnlich hohem Maß verletzt und unbeachtet gelassen hat, was in der
konkreten Situation für jedermann erkennbar gewesen ist. Der Beklagten musste klar sein, dass sie in
die Bedienung des MRT nicht eingewiesen war, über keine sonst erworbene Sachkunde verfügte und
die Bedeutung der einzelnen Schaltknöpfe nicht kannte. Die wahllose Bedienung eines zumindest
durch einen Plexiglasdeckel besonders gesicherten Schalters musste die Gefahr bergen, dass dadurch
mehr passiert als das einfache Abschalten des Alarmtons. Die Beklagte konnte keine vernünftigen
Zweifel daran hegen, dass die richtige Vorgehensweise in einer Verständigung der Kläger oder
anderer für die Bedienung des Geräts kompetenter Personen gelegen hätte. Insoweit ist es
revisionsrechtlich nicht zu beanstanden, wenn das Landesarbeitsgericht für das Handeln der
Beklagten ein Höchstmaß an grober Fahrlässigkeit festgestellt hat.

8 AZR 418/09 > Rn 22


c) Hinsichtlich des Schadenseintritts hat das Landesarbeitsgericht vom äußeren Geschehensablauf
und vom Ausmaß des objektiven Pflichtverstoßes auf innere Vorgänge und deren gesteigerte
Vorwerfbarkeit geschlossen und auch insofern grobe Fahrlässigkeit angenommen. Dies ist zwar
grundsätzlich zulässig (BAG 18. Januar 2007 – 8 AZR 250/06 – AP BGB § 254 Nr. 15 = EzA BGB 2002 §
611 Arbeitnehmerhaftung Nr. 2). Der Senat sieht aber hinsichtlich des Schadenseintritts nach den
besonderen Umständen des Einzelfalls keinen Anlass, von einer „gröbsten“ Fahrlässigkeit
auszugehen. Auch insoweit handelte die Beklagte grob fahrlässig, weil sie sich der aufdrängenden
Erkenntnis verschloss, dass ihr Handeln einen Schaden verursachen kann, wenn sie irgendeinen
Knopf, dessen Funktion sie nicht kennt, betätigt. Dass die Beklagte hinsichtlich des eingetretenen
„MRT-Quench“ ebenfalls mit „gröbster“ Fahrlässigkeit gehandelt hat, setzte allerdings voraus, dass
sie nach ihren individuellen Fähigkeiten die objektiv gebotene Sorgfalt hätte beachten können. Dafür
gibt es vorliegend keine Anhaltspunkte. Die Klägerin musste damit rechnen, dass ein Schaden,
womöglich ein erheblicher Schaden, eintritt und hat insofern auch diesbezüglich grob fahrlässig
gehandelt. Dass sie durch Betätigen des roten Knopfes eine Notabschaltung auslöst, die einer
partiellen Selbstzerstörung des Geräts gleichkommt, kann ihr ohne weiteres Vorbringen nicht
unterstellt werden. Nur dann aber wäre ihr auch insoweit besonders grobe (gröbste) Fahrlässigkeit
vorzuwerfen.

8 AZR 418/09 > Rn 23

d) Im Übrigen kann es entgegen der mit der Revision vertretenen Auffassung dahinstehen, ob der
Beklagten vorliegend grobe oder „gröbste“ Fahrlässigkeit sowohl hinsichtlich ihres Handelns als auch
des eingetretenen Schadens vorzuwerfen ist. Denn auch bei „gröbster“ Fahrlässigkeit scheiden
Haftungserleichterungen für den Arbeitnehmer nicht grundsätzlich aus. Auch in der von der Revision
angeführten Entscheidung des Senats vom 25. September 1997 (- 8 AZR 288/96 – AP BGB § 611
Haftung des Arbeitnehmers Nr. 111 = EzA BGB § 611 Arbeitnehmerhaftung Nr. 63) wurde auf den
konkret entschiedenen Einzelfall abgestellt und eine Haftungsmilderung nach den Grundsätzen der
Arbeitnehmerhaftung auch im Hinblick auf die Höhe des eingetretenen Schadens „im konkreten Fall“
für nicht angezeigt gehalten.

8 AZR 418/09 > Rn 24

3. Rechtsfehlerfrei hat das Landesarbeitsgericht die Haftung der Beklagten trotz der grob fahrlässigen
Beschädigung des MRT auf ein Jahresgehalt iHv. 3.840,00 Euro beschränkt.

8 AZR 418/09 > Rn 25

a) Bei grober Fahrlässigkeit ist im Einzelfall eine Entlastung des Arbeitnehmers nicht ausgeschlossen.
Ob sie in Frage kommt und wie weit sie zu gehen hat, ist nach einer Abwägung zu entscheiden, die
grundsätzlich dem Tatrichter nach Feststellung aller dafür maßgebenden Umstände obliegt (§§ 286,
287 ZPO). Auf Seiten des Arbeitnehmers müssen insbesondere die Höhe des Arbeitsentgelts, die
weiteren mit seiner Leistungsfähigkeit zusammenhängenden Umstände und der Grad des
Verschuldens in die Abwägung einbezogen werden. Auf Seiten des Arbeitgebers wird ein durch das
schädigende Ereignis eingetretener hoher Vermögensverlust um so mehr dem Betriebsrisiko
zuzurechnen sein, als dieser einzukalkulieren oder durch Versicherungen ohne Rückgriffsmöglichkeit
gegen den Arbeitnehmer abzudecken war (BAG 12. Oktober 1989 – 8 AZR 276/88 – BAGE 63, 127 =
AP BGB § 611 Haftung des Arbeitnehmers Nr. 97 = EzA BGB § 611 Gefahrgeneigte Arbeit Nr. 23). Die
Entscheidung ist nach Abwägung aller Umstände des Einzelfalls zu treffen. Eine feste, summenmäßig
beschränkte Obergrenze der Haftung gibt es nicht, sie festzulegen wäre dem Gesetzgeber
vorbehalten (BAG 23. Januar 1997 – 8 AZR 893/95 – NZA 1998, 140).

8 AZR 418/09 > Rn 26


b) Zu Recht hat das Landesarbeitsgericht vorliegend den Grad des Verschuldens der Beklagten
ebenso haftungserhöhend berücksichtigt wie die Tatsache, dass die Beklagte bei den Klägern als
Reinigungskraft beschäftigt ist, was für die Verursachung eines hohen Schadens, wenigstens der
eingetretenen Art, wenig gefahrgeneigt ist. Ob dagegen das Fehlverhalten der Beklagten für die
Kläger kaum vorhersehbar war, wie das Landesarbeitsgericht in seine Überlegungen einbezogen hat,
begegnet gewissen Zweifeln, kann aber letztlich dahinstehen. Immerhin mussten die Kläger bei
einem Gerät, das offenbar auch außerhalb der Praxisöffnungszeiten und über das Wochenende im
„Stand-By-Modus“ bleiben musste, damit rechnen, dass nicht in die Bedienung des MRT
eingewiesene Kräfte mit einem Alarm oder Fehlalarm konfrontiert werden. In der Gesamtabwägung
ergäbe sich allerdings bei einer anderen Auffassung gleichwohl kein anderes als das vom
Landesarbeitsgericht gefundene Ergebnis. Denn zu Recht haben die Berufungsrichter vor allem die
Ursachen und Motive der Beklagten berücksichtigt, als sie handelte. Die Beklagte erkannte ihre
Pflicht zum Handeln, löste die Aufgabe allerdings völlig falsch. Dieser Ausgangssituation stellt das
Landesarbeitsgericht zu Recht haftungsbegrenzend die geringe Vergütung der Beklagten gegenüber.
Der eingetretene Schaden beläuft sich auf mehr als das Hundertfache eines Monatslohns der
Beklagten, stellt sich mithin als ganz ungewöhnlich groß dar. Zu Recht hat das Landesarbeitsgericht
angenommen, dass bereits eine Haftungsbeschränkung auf zwölf Monatsgehälter für die Beklagte
eine sehr große finanzielle Belastung darstellt, weil bei „Mini-Jobs“ regelmäßig der gesamte
Verdienst zur Existenzerhaltung gebraucht wird und Reserven, Rücklagen oder Sparquoten, auf die
verzichtet werden könnte, nicht bestehen. Damit hat das Landesarbeitsgericht bei zutreffenden
rechtlichen Beurteilungsmaßstäben alle wesentlichen Umstände des Sachverhalts angemessen
berücksichtigt und bei der Begründung seiner Entscheidung nicht gegen Denkgesetze,
Erfahrungssätze oder Verfahrensvorschriften verstoßen.

8 AZR 418/09 > Rn 27

4. Rechtlich zutreffend hat das Landesarbeitsgericht schließlich die von der Beklagten abgeschlossene
Privathaftpflichtversicherung, die vorliegend möglicherweise einstandspflichtig ist, nicht für
entscheidungserheblich gehalten.

8 AZR 418/09 > Rn 28

a) Ein Arbeitnehmer kann sich dann nicht auf Haftungsbeschränkungen berufen, wenn zu seinen
Gunsten eine gesetzlich vorgeschriebene Haftpflichtversicherung, etwa eine Kfz-
Haftpflichtversicherung, eingreift (BAG 25. September 1997 – 8 AZR 288/96 – mwN, AP BGB § 611
Haftung des Arbeitnehmers Nr. 111 = EzA BGB § 611 Arbeitnehmerhaftung Nr. 63). Bei Bestehen
einer Pflichtversicherung liegen Risiken vor, die der Gesetzgeber als so gefahrträchtig erachtet hat,
dass er den Handelnden im Hinblick auf mögliche Gefahren für andere ohne Versicherungsschutz
nicht tätig sehen wollte. Dieser Grund für eine gesetzliche Pflichtversicherung überlagert gleichsam
die Grundsätze der beschränkten Arbeitnehmerhaftung.

8 AZR 418/09 > Rn 29

b) Eine freiwillig abgeschlossene Privathaftpflichtversicherung wirkt sich dagegen grundsätzlich auf


die interne Betriebsrisikoverteilung nicht aus. Insbesondere darf auch beim Bestehen einer solchen
Privathaftpflichtversicherung zu Gunsten des Arbeitnehmers berücksichtigt werden, dass das
gezahlte Entgelt im Verhältnis zu dem von ihm zu tragenden Risiko unangemessen gering ist. Etwas
anderes kann dann gelten, wenn der Arbeitgeber vor Einstellung des Arbeitnehmers wegen der
Risiken der gefahrgeneigten Tätigkeit den Abschluss einer solchen privaten Haftpflichtversicherung
verlangt und zur Einstellungsbedingung gemacht hatte, erst recht, wenn dafür zusätzliche
Vergütungsbestandteile vereinbart wurden (BAG 14. Oktober 1993 – 8 AZR 242/92 – EzA BGB § 611
Gefahrgeneigte Arbeit Nr. 28). Wie bei einer gesetzlichen Pflichtversicherung kann auch zwischen
den Parteien eines Arbeitsvertrages wegen bestehender Risiken der Abschluss einer
Haftpflichtversicherung zwingend vereinbart werden mit der Folge, dass bei einem Schadenseintritt
das Bestehen einer solchen Versicherung für Schäden im Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis
in die Gesamtbetrachtung einzubeziehen ist.

8 AZR 418/09 > Rn 30

c) Dafür gibt es aber vorliegend keine hinreichenden Anhaltspunkte, was das Landesarbeitsgericht
rechtlich zutreffend erkannt hat. Die Kläger räumen ein, das Bestehen einer privaten
Haftpflichtversicherung für beruflich verursachte Schäden nicht zur ausdrücklichen Bedingung für
den Abschluss des Arbeitsvertrages gemacht zu haben. Um eine beiderseitige Geschäftsgrundlage
handelte es sich unstreitig ebenfalls nicht. Die Beklagte hat zudem eine Haftpflichtversicherung für
„privat“ verursachte Schäden abgeschlossen, die für das „betrieblich veranlasste“ Handeln der
Klägerin bislang nur aus Kulanz einzutreten bereit ist.

8 AZR 418/09 > Rn 31

5. Da der Schaden allein am MRT fast das 10-fache eines Jahresgehalts der Beklagten beträgt,
bedürfen die weiteren von den Klägern geltend gemachten Schadenspositionen keiner Erörterung.

8 AZR 418/09 > Rn 32

C. Die Kläger haben nach § 97 Abs. 1 ZPO die Kosten der erfolglosen Revision zu tragen.
Haftung des Arbeitnehmers
Prüfungsschema

14.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


Allgemeine Vertragspflicht
§ 280 Schadensersatz wegen Pflichtverletzung (BGB)
(1) Verletzt der Schuldner eine Pflicht aus dem Schuldverhältnis, so
kann der Gläubiger Ersatz des hierdurch entstehenden Schadens
verlangen. Dies gilt nicht, wenn der Schuldner die Pflichtverletzung
nicht zu vertreten hat.
§ 241 Pflichten aus dem Schuldverhältnis (BGB)
(2) Das Schuldverhältnis kann nach seinem Inhalt jeden Teil zur
Rücksicht auf die Rechte, Rechtsgüter und Interessen des anderen Teils
verpflichten.

14.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 2


Umfang
§ 249 Art und Umfang des Schadensersatzes (BGB)
(1) Wer zum Schadensersatz verpflichtet ist, hat den Zustand
herzustellen, der bestehen würde, wenn der zum Ersatz verpflichtende
Umstand nicht eingetreten wäre.
(2) Ist wegen Verletzung einer Person oder wegen Beschädigung einer
Sache Schadensersatz zu leisten, so kann der Gläubiger statt der
Herstellung den dazu erforderlichen Geldbetrag verlangen. Bei der
Beschädigung einer Sache schließt der nach Satz 1 erforderliche
Geldbetrag die Umsatzsteuer nur mit ein, wenn und soweit sie
tatsächlich angefallen ist.

14.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 3


Beweislastumkehr
§ 619a Beweislast bei Haftung des Arbeitnehmers (BGB)
Abweichend von § 280 Abs. 1 hat der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber
Ersatz für den aus der Verletzung einer Pflicht aus dem
Arbeitsverhältnis entstehenden Schaden nur zu leisten, wenn er die
Pflichtverletzung zu vertreten hat.

14.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 4


Abwägung im Einzelfall
§ 254 Mitverschulden (BGB) analog
(1) Hat bei der Entstehung des Schadens ein Verschulden des Beschädigten
mitgewirkt, so hängt die Verpflichtung zum Ersatz sowie der Umfang des zu
leistenden Ersatzes von den Umständen, insbesondere davon ab, inwieweit
der Schaden vorwiegend von dem einen oder dem anderen Teil verursacht
worden ist.
(2) Dies gilt auch dann, wenn sich das Verschulden des Beschädigten darauf
beschränkt, dass er unterlassen hat, den Schuldner auf die Gefahr eines
ungewöhnlich hohen Schadens aufmerksam zu machen, die der Schuldner
weder kannte noch kennen musste, oder dass er unterlassen hat, den
Schaden abzuwenden oder zu mindern. Die Vorschrift des § 278 findet
entsprechende Anwendung.

14.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 5


Leichte/Einfache Fahrlässigkeit
• Ganz geringes Verschulden

• Keine Haftung des Arbeitnehmers

14.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 6


Mittlere/Normale Fahrlässigkeit
• Außerachtlassen der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt

• Haftungsteilung mit Quote nach Einzelfall

14.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 7


Grobe/Gröbste Fahrlässigkeit
• Außerachtlassen naherliegender Sorgfaltspflichten, die jeder in dieser
Situation befolgt hätte

• Volle Haftung des Arbeitnehmers

14.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 8


Deutliches Missverhältnis
• Bei deutlichem Missverhältnis zwischen
Verdienst und Schadensrisiko
• Haftung des Arbeitnehmers
bezogen auf ein normales Schadensrisiko

14.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 9


Vorsatz
§ 823 Schadensersatzpflicht (BGB)
(1) Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die
Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines
anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus
entstehenden Schadens verpflichtet.
(2) Die gleiche Verpflichtung trifft denjenigen, welcher gegen ein den
Schutz eines anderen bezweckendes Gesetz verstößt. Ist nach dem
Inhalt des Gesetzes ein Verstoß gegen dieses auch ohne Verschulden
möglich, so tritt die Ersatzpflicht nur im Falle des Verschuldens ein.

14.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 10


Vorsatz
• Wissentliche und willentliche Begehung eines Pflichtverstoßes mit
wissentlicher und willentlicher Herbeiführung eines Schadens

• Volle Haftung des Arbeitnehmers

14.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 11


Freistellungsanspruch
§ 670 Ersatz von Aufwendungen (BGB) analog
Macht der Beauftragte zum Zwecke der Ausführung des Auftrags
Aufwendungen, die er den Umständen nach für erforderlich halten
darf, so ist der Auftraggeber zum Ersatz verpflichtet.

14.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 12


Problembereiche
• Leasinggegenstände
• Sonstige Gegenstände Dritter
• Insolvenz des Arbeitgebers

14.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 13


Haftung des Arbeitnehmers
Fälle

14.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


Fall 1.
Eine Schreibkraft trinkt an ihrem Arbeitsplatz Rotbuschtee, den sie mit
in den Kopierraum nimmt um etwas auszudrucken. Dort wird sie
angesprochen und erschrickt so, dass sie den Tee in den Kopierer
schüttet. Die Reparatur der Elektronik des Kopierers kostet 3.750,00
EUR.

14.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 2


Fall 2.
Auf dem Firmengelände fährt ein Arbeitnehmer einen Laster rückwärts
an eine Laderampe. Es ist spät und er hat für das Entladen nur noch
wenig Zeit. Sehr wenig, und außerdem müsste nach ein Kollege anwe-
send sein, um ihn beim Rücksetzen durch Einweisen zu unterstützen.
Trotzdem erteilt der Arbeitgeber die Weisung, den Laster allein an die
Rampe heranzufahren. Der Arbeitnehmer beeilt sich und stößt beim
Zurücksetzen so heftig gegen die Laderampe, dass ein Teil der Ladung
umstürzt und beschädigt wird.

14.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 3


Fall 3.
Der Arbeitnehmer hat eine Kündigung erhalten und muss noch einige
Wochen lang Restarbeiten erledigen. Da er sich durch die Kündigung
ungerecht behandelt fühlt, löscht er die gesamte Festplatte des
Firmenrechners, um sich am Arbeitgeber zu rächen. Die Sabotage fliegt
auf. Die verlorenen Daten können durch eine EDV-Firma später wieder
hergestellt werden, was den Arbeitgeber 11.000,00 EUR kostet.

14.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 4


Besteckfall
Sechster Teil

26.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


Hintergrund
Der seinerzeit im Lager der Besteckfirma Messer und Söhne GmbH
angestellte S. Löffel hat sich schriftlich zu dem ihm zugegangenen
Kündigungsschreiben nicht geäußert.
In einem sehr unerfreulichen Telefonat im neuen Jahr hat er der
Mitarbeiterin in der Personalabteilung mitgeteilt, was sie mit dem
Schreiben tun soll. Hierbei war er so laut, dass ein anwesender Kollege
den Wortlaut mitbekam. Auch hörten beide die Aussage, dass eine
solche Kündigung, wegen „eines kleinen Regalpieksers“ zumindest
unverhältnismäßig wäre. Aber er sei froh weg zu sein, da er dann nicht
dauernd „wie ein Kleinkind“ behandelt würde und ihm keiner mehr
sagen würde „wann er sich anzuschnallen habe“. Zuletzt wollte er noch
ein Zeugnis „aber pronto“.
26.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 2
Aufgabe
Überlegen Sie Sie bitte in Gruppenarbeit, welche Schlüsse aus dem
Telefonat zu ziehen sind und bereiten Sie das weitere Vorgehen vor.
Erstellen Sie dabei bitte auch ein Zeugnis in zwei Varianten
unterschiedlicher Länge.

26.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 3


Kollektivarbeitsrecht
Grundzüge

26.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


Vereinigungsfreiheit
Art. 9 (GG)
(1) Alle Deutschen haben das Recht, Vereine und Gesellschaften zu
bilden.
(2) Vereinigungen, deren Zwecke oder deren Tätigkeit den Strafgesetzen
zuwiderlaufen oder die sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung
oder gegen den Gedanken der Völkerverständigung richten, sind
verboten.

26.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 2


Koalitionsfreiheit
Art. 9 (GG)
(3) Das Recht, zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und
Wirtschaftsbedingungen Vereinigungen zu bilden, ist für jedermann
und für alle Berufe gewährleistet. Abreden, die dieses Recht
einschränken oder zu behindern suchen, sind nichtig, hierauf gerichtete
Maßnahmen sind rechtswidrig. Maßnahmen nach den Artikeln 12a, 35
Abs. 2 und 3, Artikel 87a Abs. 4 und Artikel 91 dürfen sich nicht gegen
Arbeitskämpfe richten, die zur Wahrung und Förderung der Arbeits-
und Wirtschaftsbedingungen von Vereinigungen im Sinne des Satzes 1
geführt werden.

26.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 3


Buch seite 226
rn 26
Falsch

Merkmale der Koalition


• Zweckbestimmung
• Freiwilligkeit
• Dauerhaftigkeit
• Gegnerunabhängigkeit
• Überbetrieblichkeit

• Durchsetzungsfähigkeit
• Arbeitskampfbereitschaft

26.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 4


Tarifkollision
§ 4a Tarifkollision (Tarifvertragsgesetz (TVG))
(1) Zur Sicherung der Schutzfunktion, Verteilungsfunktion, Befriedungsfunktion sowie
Ordnungsfunktion von Rechtsnormen des Tarifvertrags werden Tarifkollisionen im Betrieb
vermieden.
(2) Der Arbeitgeber kann nach § 3 an mehrere Tarifverträge unterschiedlicher
Gewerkschaften gebunden sein. Soweit sich die Geltungsbereiche nicht inhaltsgleicher
Tarifverträge verschiedener Gewerkschaften überschneiden (kollidierende Tarifverträge),
sind im Betrieb nur die Rechtsnormen des Tarifvertrags derjenigen Gewerkschaft
anwendbar, die zum Zeitpunkt des Abschlusses des zuletzt abgeschlossenen kollidierenden
Tarifvertrags im Betrieb die meisten in einem Arbeitsverhältnis stehenden Mitglieder hat
(Mehrheitstarifvertrag); wurden beim Zustandekommen des Mehrheitstarifvertrags die
Interessen von Arbeitnehmergruppen, die auch von dem nach dem ersten Halbsatz nicht
anzuwendenden Tarifvertrag erfasst werden, nicht ernsthaft und wirksam berücksichtigt,
sind auch die Rechtsnormen dieses Tarifvertrags anwendbar. Kollidieren die Tarifverträge
erst zu einem späteren Zeitpunkt, ist dieser für die Mehrheitsfeststellung maßgeblich. …

26.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 5


Besteckfall
Vierter Teil

23.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


Hintergrund
Der bei der Besteckfirma Messer und Söhne GmbH angestellte
Gabelstaplerfahrer S. Löffel weigert sich beharrlich beim Fahren des
Gabelstaplers im Lager den Anschnallgurt zu tragen.
Obwohl ihn seine Kollegen und der Chef des Lagers auf die
Gefährlichkeit hingewiesen haben, schnallt er sich weiterhin nicht an.
Beim letzten Gespräch zwischen S. Löffel und dem Chef des Lagers kam
es beiderseits zu verbalen Ausfällen. Die Stimmung im Lager hat sich
seither extrem verschlechtert („Lagerkoller“).

23.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 2


Aufgabe
Zur Lösung der beschriebenen Problematik bereiten Sie bitte in
Gruppenarbeit die nötigen weiteren Schritte vor.
Bedenken Sie bitte dabei, dass der Geschäftsführer Messer erwägt sich
von S. Löffel zu trennen, wenn sich die Situation nicht grundlegend
ändert.
Ein Auszubildender hat aufgrund der Vorkommnisse seine Ausbildung
im Betrieb abgebrochen.

23.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 3


AGB-Kontrolle
Prüfungsschema

16.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


Einbeziehung in den Vertrag
§ 305 Einbeziehung Allgemeiner Geschäftsbedingungen in den Vertrag (BGB)

(1) Allgemeine Geschäftsbedingungen sind alle für eine Vielzahl von Verträgen vorformulierten Vertragsbedingungen, die eine
Vertragspartei (Verwender) der anderen Vertragspartei bei Abschluss eines Vertrags stellt. Gleichgültig ist, ob die Bestimmungen
einen äußerlich gesonderten Bestandteil des Vertrags bilden oder in die Vertragsurkunde selbst aufgenommen werden, welchen
Umfang sie haben, in welcher Schriftart sie verfasst sind und welche Form der Vertrag hat. Allgemeine Geschäftsbedingungen liegen
nicht vor, soweit die Vertragsbedingungen zwischen den Vertragsparteien im Einzelnen ausgehandelt sind.
(2) Allgemeine Geschäftsbedingungen werden nur dann Bestandteil eines Vertrags, wenn der Verwender bei Vertragsschluss
1. die andere Vertragspartei ausdrücklich oder, wenn ein ausdrücklicher Hinweis wegen der Art des Vertragsschlusses nur unter
unverhältnismäßigen Schwierigkeiten möglich ist, durch deutlich sichtbaren Aushang am Ort des Vertragsschlusses auf sie hinweist
und
2.der anderen Vertragspartei die Möglichkeit verschafft, in zumutbarer Weise, die auch eine für den Verwender erkennbare
körperliche Behinderung der anderen Vertragspartei angemessen berücksichtigt, von ihrem Inhalt Kenntnis zu nehmen,
und wenn die andere Vertragspartei mit ihrer Geltung einverstanden ist.
(3) Die Vertragsparteien können für eine bestimmte Art von Rechtsgeschäften die Geltung bestimmter Allgemeiner
Geschäftsbedingungen unter Beachtung der in Absatz 2 bezeichneten Erfordernisse im Voraus vereinbaren.

16.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 2


Überraschende und mehrdeutige Klauseln
§ 305c Überraschende und mehrdeutige Klauseln (BGB)
(1) Bestimmungen in Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die nach den
Umständen, insbesondere nach dem äußeren Erscheinungsbild des
Vertrags, so ungewöhnlich sind, dass der Vertragspartner des
Verwenders mit ihnen nicht zu rechnen braucht, werden nicht
Vertragsbestandteil.
(2) Zweifel bei der Auslegung Allgemeiner Geschäftsbedingungen
gehen zu Lasten des Verwenders.

16.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 3


Klauselverbote ohne Wertungsmöglichkeit
§ 309 Klauselverbote ohne Wertungsmöglichkeit (BGB)
Auch soweit eine Abweichung von den gesetzlichen Vorschriften zulässig ist, ist in Allgemeinen Geschäftsbedingungen unwirksam
1. (Kurzfristige Preiserhöhungen)
2. (Leistungsverweigerungsrechte)
3. (Aufrechnungsverbot)
4. (Mahnung, Fristsetzung)
5. (Pauschalierung von Schadensersatzansprüchen)
6. (Vertragsstrafe)
7. (Haftungsausschluss bei Verletzung von Leben, Körper, Gesundheit und bei grobem Verschulden)
8. (Sonstige Haftungsaussschlüsse bei Pflichtverletzung)
9. (Laufzeit bei Dauerschuldverhältnissen)
10. (Wechsel des Vertragspartners)
11. (Haftung des Abschlussvertreters)
12. (Beweislast)
13. (Form von Anzeigen und Erklärungen)
14. (Klageverzicht)
15. (Abschlagszahlungen und Sicherheitsleistung)

16.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 4


Klauselverbote mit Wertungsmöglichkeit
§ 308 Klauselverbote mit Wertungsmöglichkeit (BGB)
In Allgemeinen Geschäftsbedingungen ist insbesondere unwirksam
1. (Annahme- und Leistungsfrist)
1a. (Zahlungsfrist)
1b. (Überprüfungs- und Abnahmefrist)
2. (Nachfrist)
3. (Rücktrittsvorbehalt)
4. (Änderungsvorbehalt)
5. (Fingierte Erklärungen)
6. (Fiktion des Zugangs)
7. (Abwicklung von Verträgen)
8. (Nichtverfügbarkeit der Leistung)

16.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 5


Generalklausel
§ 307 Inhaltskontrolle (BGB)
(1) Bestimmungen in Allgemeinen Geschäftsbedingungen sind unwirksam, wenn sie den
Vertragspartner des Verwenders entgegen den Geboten von Treu und Glauben
unangemessen benachteiligen. Eine unangemessene Benachteiligung kann sich auch
daraus ergeben, dass die Bestimmung nicht klar und verständlich ist.
(2) Eine unangemessene Benachteiligung ist im Zweifel anzunehmen, wenn eine
Bestimmung
1. mit wesentlichen Grundgedanken der gesetzlichen Regelung, von der abgewichen wird,
nicht zu vereinbaren ist oder
2. wesentliche Rechte oder Pflichten, die sich aus der Natur des Vertrags ergeben, so
einschränkt, dass die Erreichung des Vertragszwecks gefährdet ist.
(3) Die Absätze 1 und 2 sowie die §§ 308 und 309 gelten nur für Bestimmungen in
Allgemeinen Geschäftsbedingungen, durch die von Rechtsvorschriften abweichende oder
diese ergänzende Regelungen vereinbart werden. Andere Bestimmungen können nach
Absatz 1 Satz 2 in Verbindung mit Absatz 1 Satz 1 unwirksam sein.

16.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 6


Rechtsfolgen
§ 306 Rechtsfolgen bei Nichteinbeziehung und Unwirksamkeit (BGB)
(1) Sind Allgemeine Geschäftsbedingungen ganz oder teilweise nicht
Vertragsbestandteil geworden oder unwirksam, so bleibt der Vertrag im
Übrigen wirksam.
(2) Soweit die Bestimmungen nicht Vertragsbestandteil geworden oder
unwirksam sind, richtet sich der Inhalt des Vertrags nach den
gesetzlichen Vorschriften.
(3) Der Vertrag ist unwirksam, wenn das Festhalten an ihm auch unter
Berücksichtigung der nach Absatz 2 vorgesehenen Änderung eine
unzumutbare Härte für eine Vertragspartei darstellen würde.
16.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 7
Die Parteien streiten über die Wirksamkeit einer außerordentlichen, hilfsweise ordentlichen Kündigung.

Die 1968 geborene Klägerin war seit 1987 bei der Beklagten als Verkäuferin mit Kassentätigkeit beschäftigt.
Die Beklagte betreibt Supermärkte. In diesen besteht die Möglichkeit, Leergut an einem Automaten gegen Ausstellung eines
Leergutbons zurückzugeben. Mitarbeiter der Filiale sind angewiesen, mitgebrachtes Leergut beim Betreten des Markts dem
Filialleiter vorzuzeigen und einen am Automaten erstellten Leergutbon durch den Leiter gesondert abzeichnen zu lassen,
bevor sie den Bon an der Kasse einlösen. Diese Regelungen, die Manipulationen beim Umgang mit Leergut ausschließen
sollen, sind der Klägerin bekannt.
Am XX.XX.2018 fand eine Mitarbeiterin zwei nicht abgezeichnete Leergutbons im Wert von 0,48 Euro und 0,82 Euro. Sie
trugen das Datum dieses Tages und waren am Automaten erstellt worden. Die Mitarbeiterin legte die Bons dem Filialleiter vor.
Dieser reichte sie an die Klägerin mit der Maßgabe weiter, sie im Kassenbüro aufzubewahren.
Am YY.YY. 2018 kaufte die Klägerin in der Filiale außerhalb ihrer Arbeitszeit privat ein. An der Kasse überreichte sie ihrer
Kollegin zwei nicht abgezeichnete Leergutbons. Laut Kassenjournal wurden diese mit Werten von 0,48 Euro und 0,82 Euro
registriert.
Zur Klärung der Herkunft der eingereichten Bons führte die Beklagte mit der Klägerin ab dem ZZ.ZZ. 2018 insgesamt vier
Gespräche, an denen jeweils zwei Mitglieder des Betriebsrats teilnahmen. Sie hielt ihr vor, die eingelösten Bons seien nicht
abgezeichnet gewesen und stimmten hinsichtlich Wert und Ausgabedatum mit den im Kassenbüro aufbewahrten Bons
überein. Es bestehe der dringende Verdacht, dass sie - die Klägerin - die dort abgelegten „Kundenbons“ an sich genommen
und zu ihrem Vorteil verwendet habe.
Die Frist zur ordentlichen Kündigung wurde eingehalten. Der Betriebsrat war ordnungsgemäß angehört worden.
Kontrollmaßnahmen
des Arbeitgebers
Abwägung
Arbeitgeber Arbeitnehmer

▪ Fürsorgepflicht ▪ Persönlichkeitsrechte
▪ Direktionsrecht

16.08.2019
Abwägung
Intern Extern

▪ Störung des Betriebsfriedens ▪ Rechte Dritter

16.08.2019
Direktionsrecht
Der Arbeitgeber will Mobbing vermeiden und zu diesem Zwecke Kontrollmaßnahmen einführen.
Was ist erlaubt ?
1. Hinweis an die Arbeitnehmer,
dass ungehöriges Verhalten von
Kollegen dem Vorgesetzten zu
melden ist.

16.08.2019
2. Befragung von Arbeitnehmern,
ob sie Beschwerden über das
Verhalten von Kollegen
vorzubringen haben.

16.08.2019
3. Befragung von Arbeitnehmern
zu gemeldeten Vorfällen.

16.08.2019
4. Gruppengespräche zu bekannt
gewordenen Vorfällen.

16.08.2019
5. Mithören von Gesprächen.

16.08.2019
6. Mithören von Telefonaten.

16.08.2019
7. Mitschnitt von Telefonaten.

16.08.2019
8. Beobachtung der Arbeitnehmer.

16.08.2019
9. Videoüberwachung.

16.08.2019
10. Zeiterfassung.

16.08.2019
11. Kontrollanrufe beim
Arbeitnehmer zu Hause.

16.08.2019
12. Kontrollbesuche beim
Arbeitnehmer zu Hause.

16.08.2019
13. Verpflichtung der Belegschaft
an einem Seminar zum
Konflikttraining teilzunehmen.

16.08.2019
Besteckfall
Erster Teil

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


Hintergrund
Die Besteckfirma Messer und Söhne GmbH aus Essen besteht seit
vielen Jahren und beschäftigt zehn (bzw. elf) Arbeitnehmer und
Auszubildende, wenn man die Ehefrau des Geschäftsführers
mitrechnet, was zur Zeit beim zuständigen Finanzgericht geklärt wird.
Es besteht kein Betriebsrat.
Die Firma ist nicht tarifgebunden und sucht kurzfristig einen geeigneten
Gabelstaplerfahrer für das Lager.

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 2


Aufgabe
Erstellen Sie bitte in Gruppenarbeit eine Stellenanzeige, wobei Sie
möglichst rechtlich unangreifbar sicherstellen, dass
• wie vom Geschäftsführer Messer gewünscht, ein männlicher
Bewerber eingestellt wird, da im Lager, insbesondere unter den
dortigen Gabelstaplerfahrern, ein rauer Wind weht
• der Bewerber geeignet ist.

Überlegen Sie bitte auch andere Wege geeignete Bewerber zu finden.

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 3


Mängel des Arbeitsvertrages
Anfechtung und Nichtigkeit

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


s56 rn56
Beispiel
BGB §177 Vertragsschluss durch Vertreter ohne
Vertretungsvolmacht

rn 60
Anfechtung
• Wegen arglistiger Täuschung • Wegen Irrtums
• Wegen Drohung § 119 Anfechtbarkeit wegen Irrtums (BGB)
§ 123 Anfechtbarkeit wegen Täuschung (1) Wer bei der Abgabe einer
oder Drohung (BGB) Willenserklärung über deren Inhalt im
(1) Wer zur Abgabe einer Willenserklärung Irrtum war oder eine Erklärung dieses
durch arglistige Täuschung oder Inhalts überhaupt nicht abgeben wollte,
widerrechtlich durch Drohung bestimmt kann die Erklärung anfechten, wenn
worden ist, kann die Erklärung anfechten anzunehmen ist, dass er sie bei Kenntnis
der Sachlage und bei verständiger
Würdigung des Falles nicht abgegeben
haben würde.
(2) Als Irrtum über den Inhalt der Erklärung
gilt auch der Irrtum über solche
Eigenschaften der Person oder der Sache,
die im Verkehr als wesentlich angesehen
werden.

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 2


Nichtigkeit
z.B.:
• § 105 Nichtigkeit der Willenserklärung (BGB)
(1) Die Willenserklärung eines Geschäftsunfähigen ist nichtig.
(2) Nichtig ist auch eine Willenserklärung, die im Zustand der
Bewusstlosigkeit oder vorübergehender Störung der
Geistestätigkeit abgegeben wird.

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 3


rn 70

Nichtigkeit
z.B.:
• § 134 Gesetzliches Verbot (BGB)
Ein Rechtsgeschäft, das gegen ein gesetzliches Verbot verstößt, ist
nichtig, wenn sich nicht aus dem Gesetz ein anderes ergibt.

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 4


Nichtigkeit
z.B.:
• § 138 Sittenwidriges Rechtsgeschäft; Wucher (BGB)
(1) Ein Rechtsgeschäft, das gegen die guten Sitten verstößt, ist nichtig.
(2) Nichtig ist insbesondere ein Rechtsgeschäft, durch das jemand unter
Ausbeutung der Zwangslage, der Unerfahrenheit, des Mangels an
Urteilsvermögen oder der erheblichen Willensschwäche eines anderen
sich oder einem Dritten für eine Leistung Vermögensvorteile
versprechen oder gewähren lässt, die in einem auffälligen
Missverhältnis zu der Leistung stehen.

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 5


Treu und Glauben
jedoch bei ungestörter längerer Erfüllung der Arbeitsleistung zu
beachten:
• § 242 Leistung nach Treu und Glauben (BGB)
Der Schuldner ist verpflichtet, die Leistung so zu bewirken, wie Treu
und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte es erfordern.

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 6


Bericht der Bundesregierung

über die gesetzliche Rentenversicherung, insbesondere über die Entwicklung der Einnahmen
und Ausgaben, der Nachhaltigkeitsrücklage sowie des jeweils erforderlichen Beitragssatzes in
den künftigen 15 Kalenderjahren gemäß § 154 Abs. 1 und 3 SGB VI

(Rentenversicherungsbericht 2018)
-2-

Inhalt

Verzeichnis der Übersichten ................................................................................................... 4


Verzeichnis der Schaubilder ................................................................................................... 6
Anhangsverzeichnis ............................................................................................................... 7
Berichtsauftrag ....................................................................................................................... 9
Das Wichtigste in Kürze ....................................................................................................... 10
Teil A: Die gesetzliche Rentenversicherung in den letzten Jahren........................................ 13
1. Die Zusammensetzung des Versichertenbestandes ............................................. 13
2. Die Entwicklung der Renten nach Rentenarten .................................................... 15
2.1 Anzahl der Renten im Zugang und Wegfall.................................................... 15
2.2 Anzahl und Höhe der Leistungen im Rentenbestand ..................................... 16
2.3 Die Verteilung der Rentenhöhe bei Kumulation von Renten .......................... 17
3. Die Strukturen des Rentenbestandes ................................................................... 19
3.1 Schichtungen nach rentenrechtlichen Zeiten, Entgeltpunkten und
Rentenzahlbeträgen ...................................................................................... 19
3.2 Ruhensbeträge bei Witwen- und Witwerrenten sowie Leistungen wegen
Kindererziehung ............................................................................................ 20
3.3 Das Gesamteinkommen von Rentnerhaushalten ........................................... 22
4. Die Entwicklung der Angleichung der Renten in den neuen Ländern an die in den
alten Ländern ....................................................................................................... 24
5. Die Einnahmen, die Ausgaben und das Vermögen .............................................. 25
5.1 Einnahmen .................................................................................................... 25
5.2 Ausgaben ...................................................................................................... 26
5.3 Vermögen ...................................................................................................... 27
Teil B: Vorausberechnung der Einnahmen, der Ausgaben und des Vermögens .................. 28
1. Die finanzielle Entwicklung im mittelfristigen Zeitraum von 2018 bis 2022 ............ 28
1.1 Allgemeine Rentenversicherung .................................................................... 28
1.2 Knappschaftliche Rentenversicherung ........................................................... 33
2. Die finanzielle Entwicklung im langfristigen Zeitraum von 2018 bis 2032 .............. 36
2.1 Allgemeine Rentenversicherung .................................................................... 36
2.2 Knappschaftliche Rentenversicherung ........................................................... 42
3. Erläuterungen zu den Vorausberechnungen ........................................................ 43
3.1 Rechtsstand .................................................................................................. 43
3.2 Annahmen zu Löhnen und Arbeitsmarkt ........................................................ 45
3.2.1 Allgemeine Rentenversicherung ........................................................... 45
3.2.2 Knappschaftliche Rentenversicherung.................................................. 48
3.3 Verfahren zur Vorausberechnung der Einnahmen, der Ausgaben und des
Vermögens .................................................................................................... 52
3.3.1 Allgemeine Rentenversicherung ........................................................... 52
3.3.2 Knappschaftliche Rentenversicherung.................................................. 60
-3-

Teil C: Die Angleichung der Renten in den neuen Ländern an die in den alten Ländern .... 65
Teil D: Auswirkungen der Heraufsetzung der Altersgrenzen ............................................. 66
Anhang ..........................................................................................................................ab 69
-4-

Verzeichnis der Übersichten

A1 Die Versicherten der gesetzlichen Rentenversicherung ab 2014 zum jeweili­


gen Jahresende in Deutschland .................................................................................. 14

A2 Zu- und Abgänge von Renten in der gesetzlichen Rentenversicherung ab


2015 in Deutschland.................................................................................................... 16

A3 Anzahl und durchschnittlicher Rentenzahlbetrag von Renten wegen vermin­


derter Erwerbsfähigkeit und Renten wegen Alters zum 1. Juli des jeweiligen
Jahres in Deutschland ................................................................................................. 17

A4 Anzahl der Rentner und Rentnerinnen sowie durchschnittlicher Gesamtrenten­


zahlbetrag der laufenden Renten nach dem Personenkonzept zum 1. Juli
2017 in Deutschland.................................................................................................... 18

A5 Versichertenrenten in der gesetzlichen Rentenversicherung zum 31. Dezem­


ber 2017 ...................................................................................................................... 19

A6 Anteile von Einkommenskomponenten am Bruttoeinkommensvolumen ...................... 24

B1 Die Entwicklung der Einnahmen, der Ausgaben, des Vermögens und des er­
forderlichen Beitragssatzes in der allgemeinen Rentenversicherung von 2018
bis 2022 ...................................................................................................................... 28

B2 Die Entwicklung der Einnahmen und der Ausgaben in der allgemeinen Ren­
tenversicherung in den alten Ländern von 2018 bis 2022 ............................................ 29

B3 Die Entwicklung der Einnahmen und der Ausgaben in der allgemeinen Ren­
tenversicherung in den neuen Ländern von 2018 bis 2022.......................................... 31

B4 Die Entwicklung der Einnahmen und der Ausgaben in der knappschaftlichen


Rentenversicherung von 2018 bis 2022 ...................................................................... 33

B5 Die Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben in der knappschaftlichen Ren­


tenversicherung in den alten Ländern von 2018 bis 2022 ........................................... 34

B6 Die Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben in der knappschaftlichen Ren­


tenversicherung in den neuen Ländern von 2018 bis 2022 ......................................... 35

B7 Erforderliche Beitragssätze in Prozent in der allgemeinen Rentenversicherung


von 2018 bis 2032 ....................................................................................................... 37

B8 Versorgungsniveau im Alter für den Rentenzugang aus GRV-Rente und geför­


derter zusätzlicher Altersvorsorge (Riester-Rente) ...................................................... 39

B9 Einnahmen, Ausgaben und Nachhaltigkeitsrücklage in der allgemeinen Ren­


tenversicherung von 2018 bis 2032 in der mittleren Lohnvariante ............................... 40
-5-

B 10 Die Entwicklung des Saldos aus Einnahmen und Ausgaben und des allgemei­
nen und zusätzlichen Bundeszuschusses in der allgemeinen Rentenversiche­
rung in den alten und neuen Ländern von 2018 bis 2032 bei mittlerer Lohn-
und Beschäftigungsentwicklung .................................................................................. 40

B 11 Die Einnahmen und die Ausgaben in der knappschaftlichen Rentenversiche­


rung von 2018 bis 2032 nach drei verschiedenen Annahmen jährlicher Zu­
wachsraten der Durchschnittsentgelte der Versicherten in Deutschland...................... 42

B 12 Veränderung der Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer, der Zahl der Ar­
beitnehmer und der Zahl der Arbeitslosen von 2018 bis 2022 ..................................... 45

B 13 Veränderung der beitragspflichtigen Entgelte und der Zahl der Arbeitnehmer


(ohne Beamte) in den alten und den neuen Ländern von 2018 bis 2022 ..................... 46

B 14 Die Durchschnittsentgelte der Versicherten, die aktuellen Rentenwerte und die


Beitragsbemessungsgrenzen in der allgemeinen Rentenversicherung von
2018 bis 2032 in den alten Ländern in der mittleren Lohnvariante ............................... 47

B 15 Die für die Vorausberechnung der Einnahmen und der Ausgaben angenom­
mene Entwicklung der Zahl der Versicherten in der knappschaftlichen Renten­
versicherung................................................................................................................ 50

B 16 Die Beitragssätze und die Beitragsbemessungsgrenzen in der knappschaftli­


chen Rentenversicherung von 2018 bis 2032 nach der mittleren Variante .................. 51

B 17 Entwicklung des Nachhaltigkeitsfaktors von 2018 bis 2032 bei mittlerer Lohn-
und Beschäftigungsentwicklung .................................................................................. 56

C1 Die mittelfristige Entwicklung der Angleichung des aktuellen Rentenwertes in


den neuen Ländern an den in den alten Ländern ........................................................ 65

D1 Durchschnittliches Rentenzugangsalter in Renten wegen Alters von 2000 bis


2017 ............................................................................................................................ 66

D2 Erwerbstätigenquoten der 60- bis 64-Jährigen in den Jahren 2000 bis 2017 ............... 68
-6-

Verzeichnis der Schaubilder

1 Die Einnahmen der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland im Jahr


2017 ............................................................................................................................ 26

2 Die Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland im Jahr


2017 ............................................................................................................................ 27
-7-

Anhangsverzeichnis

Übersichten zur gesetzlichen Rentenversicherung

1 Übersicht über die Versicherten der gesetzlichen Rentenversicherung ab 2014 zum


31. Dezember des jeweiligen Jahres in Deutschland und in den alten und den neuen
Ländern

2 Die Rentenneuzugänge und Rentenwegfälle in Deutschland nach Versicherungszwei­


gen und alten und neuen Ländern ab 2015

3 Verteilung der Nichtvertragsrentenzugänge des Jahres 2017 nach Beitragszeiten, Be­


rücksichtigungszeiten und nach Altersrentenarten

4 Die Anzahl und der durchschnittliche Rentenzahlbetrag der laufenden Renten nach
dem Rentenfallkonzept und dem Geschlecht in Deutschland nach Versicherungszwei­
gen und alten und neuen Ländern ab 2015 zum 1. Juli des jeweiligen Jahres

5 Die Anzahl der Rentnerinnen und Rentner und der durchschnittliche Gesamtrenten­
zahlbetrag der laufenden Renten nach dem Personenkonzept und dem Geschlecht in
der gesetzlichen Rentenversicherung ab 2015 zum 1. Juli des Jahres in Deutschland
und den alten und neuen Ländern

6 Verteilung nach durchschnittlichen berücksichtigten Entgeltpunkten je Jahr an Beitrags-


und beitragsfreien Zeiten sowie nach Jahren an Beitrags- und beitragsfreien Zeiten der
Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und wegen Alters in der gesetzlichen
Rentenversicherung zum 31. Dezember 2017 in Deutschland und den alten und neuen
Ländern

7 Die Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und wegen Alters sowie die Witwer-
und Witwenrenten in der gesetzlichen Rentenversicherung nach dem Rentenfallkon­
zept, dem monatlichen Rentenzahlbetrag, den berücksichtigten Beitrags- und beitrags­
freien Zeiten und dem Geschlecht zum 31. Dezember 2017 in Deutschland und in den
alten und den neuen Ländern

8 Die Schichtung der Rentnerinnen und Rentner nach dem monatlichen Gesamtrenten­
zahlbetrag und dem Geschlecht in der gesetzlichen Rentenversicherung zum
1. Juli 2017 in Deutschland in den alten und den neuen Ländern

9 Die Zahl, die durchschnittlichen Ruhensbeträge und der durchschnittliche Rentenzahl­


betrag der laufenden Witwer- und Witwenrenten zum 1. Juli 2017, bei denen Erwerbs­
einkommen oder Erwerbsersatzeinkommen zu berücksichtigen ist, in Deutschland
nach Versicherungszweigen und in den alten und neuen Ländern

10 Die Anzahl der Renten mit Kindererziehungszeiten/-leistungen, die durchschnittliche


Höhe der Leistungen sowie der durchschnittliche Auszahlungsbetrag in Deutschland
nach Versicherungszeigen in den alten und neuen Ländern zum 31. Dezember 2017

11 Anteil der GRV-Rente am Bruttoeinkommen nach Rentengrößenklassen von Personen


im Alter ab 65 Jahren (ohne Heimbewohner) in Deutschland 2015

12 Vergleich der verfügbaren Eckrenten in den alten und neuen Ländern seit 1992
-8-

13 Die Entwicklung der Angleichung der verfügbaren laufenden Renten wegen verminder­
ter Erwerbsfähigkeit und wegen Alters der neuen Länder an die in den alten Ländern
seit 1992

14 Die Einnahmen und die Ausgaben in der gesetzlichen Rentenversicherung nach Versi­
cherungszweigen ab 2015 in Deutschland
-9-

Berichtsauftrag

Die Bundesregierung hat gemäß § 154 Abs. 1 und 3 SGB VI (Sechstes Buch Sozialgesetz­
buch) den gesetzgebenden Körperschaften jährlich bis zum 30. November einen Rentenver­
sicherungsbericht vorzulegen. Der Bericht umfasst folgende Themenbereiche:

a) In dem Bericht werden Finanzlage und Finanzentwicklung der gesetzlichen Rentenver­


sicherung dargestellt. Der Bericht muss insbesondere eine Übersicht über die voraus­
sichtliche finanzielle Entwicklung in den künftigen fünf Kalenderjahren auf der Grund­
lage der aktuellen Einschätzung der mittelfristigen Wirtschaftsentwicklung enthalten.

b) Gemäß § 154 Abs. 3 SGB VI wird in dem Bericht auch geprüft, ob das Sicherungsni­
veau vor Steuern bis zum Jahre 2020 46 % bzw. bis zum Jahre 2030 43 % unterschrei­
ten wird oder ob der Beitragssatz bis zum Jahre 2020 20 % bzw. bis zum Jahre 2030
22 % übersteigen wird.

c) Der Bundesrat hat in seiner Stellungnahme zum Rentenversicherungsbericht 1999


(BR-Drucksache 655/99, Beschluss) darum gebeten, „in den künftigen Rentenversiche­
rungsberichten wieder eine Prognose zur Entwicklung der Renten in den neuen Län­
dern im Vergleich zur Entwicklung der Renten in den alten Ländern aufzunehmen unter
dem Gesichtspunkt, wie die Angleichung der Renten zwischen Ost und West auf der
Grundlage des vorliegenden Datenmaterials fortschreiten wird.“

d) Der Rentenversicherungsbericht stellt seit 1997 auch dar, „wie sich die Anhebung der
Altersgrenzen voraussichtlich auf die Arbeitsmarktlage, die Finanzlage der Rentenver­
sicherung und andere öffentliche Haushalte auswirkt“ (§ 154 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3
SGB VI). Eine darüber hinausgehende Berichterstattung im Zusammenhang mit der
schrittweisen Anhebung der Regelaltersgrenze auf das 67. Lebensjahr erfolgt alle vier
Jahre in einem gesonderten Bericht gemäß § 154 Abs. 4 SGB VI, der 2018 zum dritten
Mal vorgelegt wird.

In Teil A wird über die Entwicklung der Zahl der Versicherten, der Renten und deren Höhe
sowie über die Entwicklung der Einnahmen, der Ausgaben und des Vermögens in den letz­
ten Jahren berichtet. Die mittel- und langfristige finanzielle Entwicklung der Rentenversiche­
rung wird in Teil B behandelt. In Teil C wird über die Angleichung der Renten in den neuen
Ländern an die Renten in den alten Ländern und in Teil D über die Anhebung der Altersgren­
zen berichtet. Der Anhang enthält Tabellen zu wichtigen Kenngrößen der gesetzlichen Ren­
tenversicherung.
- 10 -

Das Wichtigste in Kürze

Der Rentenversicherungsbericht liefert ausgehend von den aktuellen Daten auf Basis gelten­
den Rechts und unter Einbezug von Kabinettbeschlüssen des Jahres 2018 einen Überblick
über die Einnahmen und Ausgaben der Rentenversicherung und beschreibt mittels Modell­
rechnungen die zukünftige Entwicklung der Rentenfinanzen über einen Zeitraum von fünf­
zehn Jahren.

Demografische und ökonomische Grundannahmen

Für den Zeitraum bis 2023 werden die Annahmen des interministeriellen Arbeitskreises „Ge­
samtwirtschaftliche Vorausschätzungen“ vom 11. Oktober 2018 zugrunde gelegt. Die lang­
fristigen Annahmen zu den Berechnungen basieren im Wesentlichen auf ökonomischen
Grundannahmen, die die „Kommission für die Nachhaltigkeit in der Finanzierung der sozialen
Sicherungssysteme“ (Rürup-Kommission) im Jahr 2003 erarbeitet hat und die - entspre­
chend weiterentwickelt - auch schon den Berechnungen der Rentenversicherungsberichte
der Vorjahre zugrunde lagen.

Für das Jahr 2018 wird mit einer Zunahme der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer um
rund 1,6 %, für 2019 mit einer weiteren Zunahme um rund 1,1 % und für 2020 mit einer wei­
teren Zunahme um rund 0,8 % gerechnet. Für den anschließenden Zeitraum bis 2023 wird
mit Rückgängen von jährlich rund 0,1 % gerechnet. Bei den Bruttolöhnen und -gehältern je
Arbeitnehmer betragen die angenommenen Veränderungsraten im Jahr 2018 +3,0 %,
2019 +3,1 %, 2020 +3,1 % und danach bis 2023 +3,0 % pro Jahr.

Ausgangspunkt für die Fortschreibung der Rentenausgaben bildet die Bevölkerungsentwick­


lung, die der 2017 aktualisierten Version der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberech­
nung des Statistischen Bundesamtes entspricht. Die Wanderungsannahmen und die Gebur­
tenrate sind an die tatsächliche Entwicklung am aktuellen Rand angepasst. Die mittlere fernere
Lebenserwartung 65-Jähriger beträgt im Jahr 2030 bei Männern 19,1 Jahre und bei Frauen
22,4 Jahre. Die zusammengefasste Geburtenziffer wird langfristig bei 1,59 konstant gehalten.
Bezüglich der Außenwanderung wird für die langfristige Vorausberechnung von einem positi­
ven Wanderungssaldo in Höhe von 200.000 Personen jährlich ausgegangen.
- 11 -

Ergebnisse

 Im Jahr 2018 sind die gesamten Beitragseinnahmen der allgemeinen Rentenversiche­


rung bis September 2018 um rund 4,4 % gestiegen. Unter Berücksichtigung der Bei­
tragssatzabsenkung von 18,7 % auf 18,6 % zum 1. Januar 2018 entspricht dies einer
rechnerischen Zuwachsrate von rund 5,0 %. Für das Jahresende 2018 wird eine Nach­
haltigkeitsrücklage von rund 38,0 Mrd. Euro geschätzt. Dies entspricht 1,77 Monats­
ausgaben.

 Die Finanzentwicklung der kommenden Jahre sind wesentlich durch den Entwurf eines
RV-Leistungsverbesserungs- und -Stabilisierungsgesetzes geprägt, der unter anderem
regelt, dass bis zum Jahr 2025 das Sicherungsniveau vor Steuern nicht unter 48 % und
der Beitragssatz nicht über 20 % steigen darf (doppelte Haltelinie).

 In der mittleren Variante der Vorausberechnungen bleibt der Beitragssatz bis zum Jahr
2023 beim aktuellen Wert von 18,6 % stabil. Anschließend steigt der Beitragssatz auf
19,9 % im Jahr 2024 an, im Jahr 2025 greift jedoch die Haltelinie und verhindert ein
Überschreiten der Marke von 20 %. In den Folgejahren steigt der Beitragssatz bis auf
22,1 % im Jahr 2030 an. Zum Ende des Vorausberechnungszeitraums im Jahr 2032
beträgt der Beitragssatz 22,5 %.

 Ab dem kommenden Jahr steigen die Renten bis zum Jahr 2032 um insgesamt rund
38 % an. Dies entspricht einer durchschnittlichen Steigerungsrate von 2,5 % pro Jahr.
Das Sicherungsniveau vor Steuern, das die Relation von Renten zu Löhnen zum Aus­
druck bringt, beträgt derzeit 48,1 %. Aufgrund einer zunächst stabilen Entwicklung des
Beitragssatzes und der Haltelinie beim Sicherungsniveau wird ein Absinken unter 48 %
bis zum Jahr 2025 verhindert. Danach sinkt das Sicherungsniveau stufenweise über
45,8 % im Jahr 2030 bis auf 44,9 % zum Ende des Vorausberechnungszeitraums im
Jahr 2032.

 Gemäß § 154 Abs. 3 SGB VI hat die Bundesregierung den gesetzgebenden Körper­
schaften geeignete Maßnahmen vorzuschlagen, wenn der Beitragssatz in der allgemei­
nen Rentenversicherung in der mittleren Variante der Vorausberechnungen bis zum
Jahr 2020 den Wert von 20 % und bis zum Jahr 2030 den Wert von 22 % überschreitet
und wenn das Sicherungsniveau vor Steuern bis zum Jahr 2020 den Wert von 46 %
und bis zum Jahr 2030 den Wert von 43 % unterschreitet.
- 12 -

 In der mittleren Variante werden diese Vorgaben nur im Jahr 2030 mit einem Beitrags­
satz von 22,1 % überschritten. Zeitnah wirkende Maßnahmen sind daher nicht erforder­
lich. Im Mai 2018 wurde die Kommission „Verlässlicher Generationenvertrag“ einge­
setzt, die bis Anfang des Jahres 2020 Vorschläge für die Zeit nach dem Jahr 2025 vor­
legen wird. Nach den Vereinbarungen im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD soll
dabei auch für die Zeit nach 2025 eine doppelte Haltelinie angestrebt werden, die Bei­
träge und Niveau langfristig absichert. Die Bundesregierung schlägt den gesetzgeben­
den Körperschaften vor, dass sie auf Basis der Ergebnisse der Kommission geeignete
Maßnahmen entwickelt.

Der Rückgang des Sicherungsniveaus vor Steuern macht deutlich, dass die gesetzliche
Rente zukünftig alleine nicht ausreichen wird, um den Lebensstandard des Erwerbslebens
im Alter fortzuführen. In Zukunft wird der erworbene Lebensstandard nur erhalten bleiben,
wenn die finanziellen Spielräume des Alterseinkünftegesetzes und die staatliche Förderung
genutzt werden, um eine zusätzliche Vorsorge aufzubauen. Zentral für die Altersversorgung
wird aber auch weiterhin die gesetzliche Rente bleiben.
- 13 -

Teil A: Die gesetzliche Rentenversicherung in den letzten Jahren

1. Die Zusammensetzung des Versichertenbestandes

Die Entwicklung der Zahl der Versicherten in der gesetzlichen Rentenversicherung wird
auf der Basis der Versichertenstatistik der Deutschen Rentenversicherung Bund dargestellt.
Hiernach gliedern sich die Versicherten in der gesetzlichen Rentenversicherung in die fol­
genden Personengruppen:

Aktiv Versicherte:

Pflichtversicherte
Unter Pflichtversicherten des Berichtsjahres werden alle Personen verstanden, die in diesem
Berichtsjahr wenigstens einen Pflichtbeitrag geleistet haben. Geringfügig beschäftigte Perso­
nen zählen auch als Pflichtversicherte, wenn sie die Befreiung von der Versicherungspflicht
nicht beantragt haben. Zu den Pflichtversicherten des Berichtsjahres zählen auch die Perso­
nen mit Pflichtbeitragszeiten in dem Berichtsjahr, die am Jahresende bereits eine Rente be­
zogen haben oder verstorben waren.

Freiwillig Versicherte
Personen, die im Berichtsjahr mindestens einen freiwilligen Beitrag geleistet haben, bzw. bei
denen (bei Stichtagsauswertungen) für den Monat des Erhebungsstichtages (31. Dezember)
ein freiwilliger Beitrag im Versicherungskonto gespeichert ist, werden als freiwillig Versi­
cherte bezeichnet.

Geringfügig Beschäftigte
Seit dem 1. Januar 2013 liegt eine geringfügig entlohnte Beschäftigung vor, wenn das mo­
natliche Arbeitsentgelt 450 Euro regelmäßig nicht übersteigt. Es besteht eine Versicherungs­
pflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung; eine Befreiung von der Versicherungspflicht
ist auf Antrag möglich. Eine kurzfristige Beschäftigung liegt vor, wenn die Beschäftigung von
vornherein auf nicht mehr als 70 Arbeitstage oder drei Monate innerhalb eines Kalenderjah­
res begrenzt ist und - sofern das Arbeitsentgelt im Monat 450 Euro überschreitet - diese Be­
schäftigung nicht berufsmäßig ausgeübt wird. Für kurzfristige Beschäftigungen sind keine
Abgaben zur Rentenversicherung zu zahlen.

Anrechnungszeitversicherte
Als Anrechnungszeitversicherte werden alle Personen ausgewiesen, die im Berichtsjahr An­
rechnungszeiten zurückgelegt haben, die im jeweiligen Versichertenkonto gespeichert sind.
- 14 -

Hierbei handelt es sich im Wesentlichen um Zeiten der Arbeitslosigkeit ohne Leistungsbe­


zug, der Arbeitsunfähigkeit ohne Leistungsbezug, der Schul-, Fach- oder Hochschulausbil­
dung, Zeiten wegen Schwangerschaft oder Mutterschaft während der Schutzfristen nach
dem Mutterschutzgesetz sowie Zeiten des Bezugs von Arbeitslosengeld II nach dem 31. De­
zember 2010 unter Berücksichtigung von Ausnahmeregelungen.

Passiv Versicherte:

Latent Versicherte
Hierbei handelt es sich um Versicherte, die weder am Stichtag noch sonst im Berichtsjahr,
wohl aber zuvor einen Beitrag oder eine Anrechnungszeit aufweisen.

Übergangsfälle
Bei den Übergangsfällen handelt es sich um Versicherte, die zwar in dem durch den Stichtag
abgeschlossenen Kalenderjahr einen Tatbestand aktiver Versicherung erfüllt haben, bei de­
nen aber die aktive Versicherung vor diesem Stichtag geendet hat. Nicht zu den Übergangs­
fällen zählen Versicherte, die zum Stichtag verstorben sind oder eine Versichertenrente be­
ziehen.
Übersicht A1

Die Versicherten der gesetzlichen Rentenversicherung


ab 2014 zum jeweiligen Jahresende in Deutschland

Versicherte Aktiv Passiv


Jahr
insgesamt Versicherte Versicherte

Männer und Frauen


2014 53.330.319 36.483.088 16.847.231
2015 53.812.586 37.026.714 16.785.872
2016 54.445.352 37.599.266 16.846.086
Männer
2014 27.624.492 18.801.961 8.822.531
2015 27.929.042 19.114.598 8.814.444
2016 28.373.105 19.497.636 8.875.469
Frauen
2014 25.705.827 17.681.127 8.024.700
2015 25.883.544 17.912.116 7.971.428
2016 26.072.247 18.101.630 7.970.617

Nach der Erhebung der Deutschen Rentenversicherung Bund wurden in der gesetzlichen
Rentenversicherung in Deutschland am Stichtag (31. Dezember 2016) rund 54,4 Mio. Versi­
cherte (28,4 Mio. Männer, 26,1 Mio. Frauen) gezählt. Die Übersicht 1 im Anhang zeigt, wie
sich diese auf die genannten Personengruppen verteilen. Aufgrund der guten Entwicklung
- 15 -

auf dem Arbeitsmarkt ist die Zahl der Pflichtversicherten deutlich gestiegen, während die
Zahl der versicherungsfreien geringfügig Beschäftigten - auch wegen der seit dem 1. Ja­
nuar 2013 geltenden Rentenversicherungspflicht - zurückging.

Nach wie vor ist ein deutlicher Unterschied in der Struktur der Versicherten in Ost- und West­
deutschland festzustellen. Liegt der Anteil der Pflichtversicherten an den Versicherten insge­
samt in den alten Ländern bei 57 %, so ist er in den neuen Ländern mit 69 % höher. Der An­
teil der pflichtversicherten Frauen unter den aktiven Versicherten liegt in den neuen Ländern
um 3 Prozentpunkte über dem Wert in den alten Ländern.

2. Die Entwicklung der Renten nach Rentenarten

2.1 Anzahl der Renten im Zugang und Wegfall

In der Übersicht 2 im Anhang werden die Rentenneuzugänge und -wegfälle von 2015 bis
2017 ausgewiesen. Von der Gesamtzahl der 1,31 Mio. Rentenzugänge in der gesetzlichen
Rentenversicherung im Jahr 2017 entfallen knapp 71 % (924 Tsd.) auf Versichertenrenten
(Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und Renten wegen Alters), rund 25 %
(328 Tsd.) auf Witwen- und Witwerrenten (ohne die wegen Einkommensanrechnung voll­
ständig ruhenden Renten) und 4 % (56 Tsd.) auf Waisenrenten. Insgesamt gingen im Jahr
2017 2,7 % weniger Renten zu als im Vorjahr. Die im Vergleich zu den Jahren 2016 und
2017 hohe Zahl im Rentenzugang 2015 beruht auf einem Sondereffekt. Erstens erlangten im
Jahr 2015 rund 39 Tsd. Personen ab Alter 65, größtenteils Frauen in den alten Bundeslän­
dern, erstmalig einen Rentenanspruch durch die Anerkennung eines weiteren Kindererzie­
hungsjahres für Geburten bis 1992 (sog. „Mütterrente“). Daneben hatten rentenrechtliche
Regelungen zu höheren Zugängen insbesondere von Frauen geführt. Mit dem Auslaufen der
„Altersrente für Frauen“ und der „Rente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeitarbeit“
für Versicherte der Geburtsjahrgänge ab 1952 war der früheste Rentenbeginn für diese Jahr­
gänge das Alter 63 mit Inanspruchnahme der „Altersrente für langjährig bzw. besonders
langjährig Versicherte“ im Jahr 2015.

Die Zahl der Rentenwegfälle in der gesetzlichen Rentenversicherung im Jahre 2017 lag bei
rund 1,39 Mio. Anzahl und Struktur der Rentenwegfälle haben sich gegenüber dem Vorjahr
nur wenig verändert.

Aus der Differenz der Rentenzugänge und -wegfälle lässt sich die Veränderung der Anzahl
der Renten im Rentenbestand gegenüber dem Vorjahreszeitraum nicht ersehen. Wiederan­
- 16 -

weisungen von Renten nach unmittelbar vorangegangenem Rentenbezug (dieselbe Leis­


tungsart, derselbe Versicherungsträger) werden in der Rentenzugangsstatistik nicht erfasst;
in der Statistik zum Rentenwegfall sind diese jedoch enthalten. Im Jahre 2017 waren das
112.559 Fälle.
Übersicht A2

Zu- und Abgänge von Renten in der gesetzlichen Rentenversicherung


ab 2015 in Deutschland

wegen verminderter Erwerbs-


wegen Todes
fähigkeit und wegen Alters
Jahr
Zugänge Wegfälle Zugänge Wegfälle

Deutschland
2015 1.062.849 890.993 403.990 492.024
2016 957.714 878.110 388.029 479.652
2017 924.457 891.380 384.522 494.843

Alte Länder
2015 858.664 719.253 324.670 399.251
2016 766.821 709.690 312.395 391.431
2017 743.645 718.794 308.633 403.980

Neue Länder
2015 204.185 171.740 79.320 92.773
2016 190.893 168.420 75.634 88.221
2017 180.812 172.586 75.889 90.863

Der Bundesrat hat in seiner Stellungnahme zum Rentenversicherungsbericht 2003 (BR-


Drucksache 921/03, Beschluss) angeregt, Aussagen zu Anzahl und Zahlbeträgen vorzeitiger
Altersrenten gestaffelt nach Versicherungsdauer aufzunehmen. Dieser Anregung wird mit
der Übersicht 3 im Anhang Rechnung getragen.

2.2 Anzahl und Höhe der Leistungen im Rentenbestand

Am 1. Juli 2017 wurden in der gesetzlichen Rentenversicherung rund 25,4 Mio. Renten (da­
runter rund 19,8 Mio. Versichertenrenten und rund 5,6 Mio. Hinterbliebenenrenten) an rund
21,0 Mio. Rentnerinnen und Rentner gezahlt (Übersichten 4 und 5 im Anhang). Gegenüber
dem Vorjahr haben sich die Anzahl der Renten um knapp 7 Tsd. und die Anzahl der Rentne­
rinnen und Rentner um knapp 29 Tsd. erhöht. Als Versichertenrenten (Renten wegen ver­
minderter Erwerbsfähigkeit und Renten wegen Alters, ohne Erziehungsrenten) wurden 78 %
der Renten geleistet. Die in der Summe kaum spürbare Veränderung des Rentenbestandes
(+ 7 Tsd. Renten) ist nicht gleichmäßig über die Rentenarten verteilt, sondern beruht auf
- 17 -

zwei gegenläufigen Effekten. Sie resultiert aus der Zunahme des Versichertenrentenbestan­
des um knapp 58 Tsd. und dem Rückgang des Hinterbliebenenrentenbestandes um knapp
51 Tsd. Renten.
Übersicht A3

Anzahl und durchschnittlicher Rentenzahlbetrag von Renten


wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und Renten wegen Alters
zum 1. Juli des jeweiligen Jahres in Deutschland

Jahr insgesamt Männer Frauen

Anzahl
2015 19.616.940 8.821.652 10.795.288
2016 19.786.757 8.888.268 10.898.489
2017 19.844.421 8.899.860 10.944.561
Durchschnittlicher Rentenzahlbetrag in € pro Monat
2015 812,72 1.024,62 639,56
2016 848,32 1.065,36 671,32
2017 865,94 1.083,09 689,36

Am 1. Juli 2017 betrug für Männer in der gesetzlichen Rentenversicherung die Höhe des
durchschnittlichen monatlichen Rentenzahlbetrags für Versichertenrenten 1 083 Euro. Dieser
Wert war in den neuen Ländern mit 1 151 Euro etwas höher als in den alten Ländern
(1 067 Euro). Der durchschnittliche monatliche Zahlbetrag für Versichertenrenten an Frauen
lag am Stichtag bei 689 Euro. Mit einem Wert von 918 Euro lag dieser Zahlbetrag in den
neuen Ländern - vor allem aufgrund der Unterschiede in den Erwerbsverläufen von Frauen
in Ost und West - deutlich über dem der alten Länder von 628 Euro (vgl. Übersicht 4 im An­
hang). Die Zahlbeträge für die in den Versichertenrenten enthaltenen flexiblen Altersrenten
(Altersrente an langjährig Versicherte sowie für schwerbehinderte Menschen vor Erreichen
der Regelaltersgrenze) liegen bei den Frauen in den alten Ländern deutlich über dem durch­
schnittlichen Zahlbetrag bei Versichertenrenten. Der durchschnittliche Zahlbetrag beträgt für
flexible Altersrenten an Frauen 794 Euro (alte Länder) bzw. 867 Euro (neue Länder). Bei den
Versichertenrenten an Männer ist nur für flexible Altersrenten der durchschnittliche Zahlbe­
trag in den alten Ländern mit 1 191 Euro höher als in den neuen Ländern (952 Euro).

2.3 Die Verteilung der Rentenhöhe bei Kumulation von Renten

Nachstehende Darstellung zeigt die Häufigkeit von Mehrfachrentenbezug (Rentenkumula­


tion) in der gesetzlichen Rentenversicherung zum 1. Juli 2017 (Personenkonzept, siehe auch
Übersicht 5 im Anhang). Eine Rentenkumulation liegt vor, wenn neben der Versichertenrente
eine weitere Rente, in der Regel eine Hinterbliebenenrente, bezogen wird.
- 18 -

Übersicht A4

Anzahl der Rentner und Rentnerinnen sowie durchschnittlicher


Gesamtrentenzahlbetrag der laufenden Renten nach dem
Personenkonzept zum 1. Juli 2017 in Deutschland

Personen- Rentner Einzel- Mehrfach-


gruppe insgesamt rentner

Anzahl
insgesamt 20.991.308 16.873.913 4.117.395
Männer 8.995.054 8.439.383 555.671
Frauen 11.996.254 8.434.530 3.561.724
Gesamtrentenzahlbetrag in € je Monat
insgesamt 967,89 877,68 1.337,60
Männer 1.094,63 1.070,56 1.460,15
Frauen 872,86 684,68 1.318,48

Am 1. Juli 2017 erhielten von den rund 21,0 Mio. Rentnerinnen und Rentnern in der gesetzli­
chen Rentenversicherung 19,6 % (rund 4,1 Mio.) mehr als eine Rente. Die Zahl der Mehr­
fachrentnerinnen und -rentner ist damit gegenüber dem Vorjahr nahezu konstant geblieben.
Rund 86,5 % der Mehrfachrentner waren Frauen. Der geringe Anteil der Männer mit Mehr­
fachrentenbezug ist zum einen darauf zurückzuführen, dass im Regelfall die Ehefrauen ihre
Männer überleben und damit bei Männern der Bezug einer eigenen Rente und einer Rente
wegen Todes (der Regelfall beim Mehrfachrentenbezug) vor diesem Hintergrund viel selte­
ner vorkommt. Zum anderen dürfte die geringe Fallzahl auch auf die Regelungen im Hinter­
bliebenenrecht zurückzuführen sein, wonach die Witwen - und Witwerrenten einer Einkom­
mensanrechnung unterliegen, was bei Männern häufig zum vollständigen Ruhen der Rente
führt. Unter den Rentnerinnen der gesetzlichen Rentenversicherung beziehen rund 29,7 %
mehr als eine Rente. Dieser Anteil liegt in den alten Ländern mit 28,9 % unter dem entspre­
chenden Wert für die neuen Länder (32,8 %).

In der Übersicht A 4 sowie in der Übersicht 5 im Anhang sind die Rentnerinnen und Rentner
mit Einzel- und Mehrfachrentenbezug in der gesetzlichen Rentenversicherung auch mit ihren
monatlichen Gesamtrentenzahlbeträgen am 1. Juli 2017 dargestellt. Während Personen mit
nur einer Rente im Durchschnitt über einen monatlichen Gesamtrentenzahlbetrag von rund
878 Euro verfügen, erhalten Mehrfachrentnerinnen und -rentner durchschnittlich rund
1 338 Euro.
- 19 -

3. Die Strukturen des Rentenbestandes

3.1 Schichtungen nach rentenrechtlichen Zeiten, Entgeltpunkten und Ren­


tenzahlbeträgen

Seit Einführung des SGB VI zum 1. Januar 1992 bildet die Summe der in den rentenrechtli­
chen Zeiten erworbenen persönlichen Entgeltpunkte die Grundlage für die Berechnung der
Rente. Zur Ermittlung der Entgeltpunkte wird der Quotient aus dem versicherten individuellen
Entgelt und dem Durchschnittsentgelt gemäß Anlage 1 SGB VI des jeweiligen Versiche­
rungsjahres gebildet.

In der Übersicht 6 im Anhang ist die Verteilung der Versichertenrenten nach den angerech­
neten Beitrags- und beitragsfreien Zeiten und den durchschnittlichen Entgeltpunkten je Jahr
an Beitrags- und beitragsfreien Zeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung dargestellt.
Dabei handelt es sich um die Ergebnisse der Rentenbestandsstatistik der Deutschen Ren­
tenversicherung zum 31. Dezember 2017.
Übersicht A5

Versichertenrenten in der gesetzlichen Rentenversicherung zum 31. Dezember 2017

Gegenstand der Deutschland Alte Neue


Nachweisung insgesamt Länder

Männer
Anzahl der Renten 6.165.948 4.681.425 1.484.523
Entgeltpunkte pro Jahr 1,0113 1,0197 0,9848
ø Zahl der Jahre 41,58 40,64 44,56
ø Rentenzahlbetrag 1.146,08 1.146,66 1.144,25
Frauen
Anzahl der Renten 6.644.457 5.214.256 1.430.201
Entgeltpunkte pro Jahr 0,7435 0,7254 0,8094
ø Zahl der Jahre 30,85 28,04 41,06
ø Rentenzahlbetrag 687,84 629,25 901,46

Die Versichertenrenten an Männer beruhten zum 31. Dezember 2017 im Durchschnitt auf
rund 41,58 Jahren an Beitrags- und beitragsfreien Zeiten und 1,01 Entgeltpunkten pro Jahr.
Die rentenrechtlich relevante Erwerbsbiografie der Männer ist in den neuen Ländern mit
44,56 Jahren im Durchschnitt fast 4 Jahre länger als in den alten Ländern mit 40,64 Jahren
(Übersicht A 5). Den Versichertenrenten an Frauen lagen im Durchschnitt rund 30,85 Jahre
- 20 -

an Beitrags- und beitragsfreien Zeiten und 0,74 Entgeltpunkte pro Jahr zugrunde. Der Unter­
schied dieser relevanten Zeiten zwischen den alten und neuen Ländern ist bei den Frauen
mit mehr als 13 Jahren (28,04 Jahre in den alten Ländern, 41,06 Jahre in den neuen Län­
dern) deutlich größer als bei den Männern.

Die durchschnittlichen Rentenzahlbeträge bei den Frauen sind sowohl in den alten als auch
in den neuen Ländern niedriger als bei den Männern. Dies hat verschiedene Ursachen:
Die Renten an Frauen basieren im Unterschied zu den Renten an Männer anteilsmäßig
deutlich häufiger auf unterdurchschnittlichen Entgelten während der Erwerbsphase. Frauen
arbeiten häufiger in Branchen mit geringeren Entgelten und sind seltener in besser vergüte­
ten Führungspositionen vertreten. Darüber hinaus arbeiten auch mehr Frauen in Teilzeitbe­
schäftigungen als Männer. Frauen unterbrechen häufiger ihr Erwerbsleben für längere Zeit
aus familiären Gründen und geben zum Beispiel die Erwerbstätigkeit wegen Kindererziehung
oder Pflege von bedürftigen Familienangehörigen auf (in der Vergangenheit in den alten Län­
dern deutlich häufiger als in den neuen Ländern).

Übersicht 7 im Anhang zeigt die Verteilung der Renten an Versicherte, Witwen und Witwer
nach Rentenzahlbetragsgruppen sowie nach berücksichtigten Beitrags- und beitragsfreien
Zeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung am 31. Dezember 2017.

3.2 Ruhensbeträge bei Witwen- und Witwerrenten sowie Leistungen wegen


Kindererziehung

Am 1. Juli 2017 wurden in der gesetzlichen Rentenversicherung rund 4,61 Mio. Witwenren­
ten und 650 Tsd. Witwerrenten geleistet (Übersicht 4 im Anhang). Davon war bei 3,445 Mio.
Witwenrenten und 610 Tsd. Witwerrenten gemäß den Vorschriften des § 97 SGB VI (Ein­
kommensanrechnung auf Renten wegen Todes) zu prüfen, ob das eigene Erwerbs- oder das
Erwerbsersatzeinkommen den Freibetrag von 819,19 Euro/Monat in den alten Ländern und
von 783,82 Euro/Monat in den neuen Ländern übersteigt (Übersicht 9 im Anhang). Dies war
bei 1,211 Mio. Witwen (35,2 % der überprüften Renten) und 516 Tsd. Witwern (84,6 % der
überprüften Renten) der Fall. Die entsprechenden Renten wurden durchschnittlich um rund
113 Euro/Monat auf 598 Euro/Monat bei Witwen und um rund 197 Euro/Monat auf
295 Euro/Monat bei Witwern gekürzt.
Aufgrund der deutlich längeren Erwerbsbiografien in den neuen Ländern haben dort im Ge­
gensatz zu den alten Ländern mehr Frauen eigene Rentenansprüche erworben, die den o.g.
Freibetrag übersteigen. Von insgesamt 899 Tsd. Witwenrenten wurde bei rund 850 Tsd. Fäl­
len die Einkommensanrechnung überprüft (94,5 %) und in 555 Tsd. Fällen um durchschnitt­
lich 104 Euro/Monat gekürzt. In den alten Ländern wurden von den insgesamt rund
- 21 -

3,711 Mio. Witwenrenten 2,595 Mio. überprüft (69,9 %) und in lediglich 656 Tsd. Fällen
wurde die Witwenrente um durchschnittlich 116 Euro/Monat gekürzt (Übersichten 4 und 9 im
Anhang).

Für ab 1992 geborene Kinder werden dem erziehenden Elternteil, in der Regel der Mutter,
nach dem SGB VI die ersten 36 Lebensmonate des Kindes als Kindererziehungszeit aner­
kannt. Als Zeiten der Kindererziehung werden für vor 1992 geborene Kinder durch das
RV-Leistungsverbesserungsgesetz hierfür seit dem 1. Juli 2014 nicht mehr 12 Monate, son­
dern 24 Monate anerkannt. Ab 1. Januar 2019 sieht der Entwurf des RV-Leistungsverbesse­
rungs- und -Stabilisierungsgesetzes vor, diese Zeiten um weitere sechs Monate zu erwei­
tern, so dass dann für vor 1992 geborene Kinder Kindererziehungszeiten bis zu 30 Monaten
anerkannt werden. Diese Leistungsausweitung wird erst im Rentenzugang und -bestand
2019 sichtbar werden. Kindererziehungszeiten werden rentenrechtlich wie Pflichtbeitragszei­
ten aufgrund einer Erwerbstätigkeit behandelt und mit einem Entgeltpunkt pro Jahr bewertet.
Der bzw. die Versicherte, dem die Kindererziehungszeit zugeordnet wird, wird damit so ge­
stellt, als ob er durchschnittlich verdient hätte.

Über die Kindererziehungszeit hinaus führen nach 1992 liegende Erziehungszeiten (sog. Be­
rücksichtigungszeiten) bis zur Vollendung des 10. Lebensjahres des Kindes in bestimmtem
Rahmen zu einer Höherbewertung von Pflichtbeitragszeiten. Für die nach 1992 liegende
zeitgleiche Erziehung zweier Kinder unter 10 Jahren erfolgt eine Gutschrift von bis zu
0,0278 Entgeltpunkten je Kalendermonat.

Diese Maßnahmen werden auch zukünftig eine deutlich positive Wirkung auf die eigenstän­
dige Alterssicherung von Frauen haben, da meist ihnen die Kindererziehungszeit zugeordnet
wird (Übersicht A 3).

Mütter der Geburtsjahrgänge vor 1921 (in den neuen Ländern vor 1927), die bei der Einfüh­
rung der Kindererziehungszeit (bzw. Überleitung des Rentenrechts) das 65. Lebensjahr voll­
endet hatten, erhalten eine Leistung für Kindererziehung in gleicher Höhe. Die Leistung für
Kindererziehung wird auch an Mütter gezahlt, die keine Rente aus der gesetzlichen Renten­
versicherung erhalten. Die Anzahl und die durchschnittliche Höhe der Begünstigung durch
die Regelungen lässt sich der Übersicht 10 im Anhang entnehmen.
- 22 -

3.3 Das Gesamteinkommen von Rentnerhaushalten

Oft werden Renten der gesetzlichen Rentenversicherung mit dem gesamten Alterseinkom­
men gleichgesetzt und aus der Höhe der durchschnittlichen Rentenbeträge bestimmter
Gruppen auf deren Wohlstand geschlossen. Die Einkommen älterer Menschen fließen aller­
dings aus unterschiedlichen Quellen. Niedrigere Renten in der Statistik der Versicherungsträ­
ger sagen nur wenig über das Nettoeinkommen der Rentnerinnen und Rentner aus. Zudem
ist die Betrachtung der Einkommen von Ehepartnern für viele Fragestellungen nur auf Haus­
haltsebene aussagekräftig. Ein zuverlässiges und differenziertes Mengengerüst der gesam­
ten Einkommenssituation der älteren Bevölkerung ist deshalb zur Vor- und Nachbereitung
gesetzlicher Maßnahmen unabdingbar. Die Datenbasis mit den differenziertesten Auswer­
tungsmöglichkeiten im Hinblick auf diese Vielschichtigkeit der Alterseinkommen ist die reprä­
sentative Studie „Alterssicherung in Deutschland (ASID)“. Sie wurde zuletzt für das Jahr
2015 von TNS Infratest Sozialforschung im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und
Soziales durchgeführt.

Danach verfügten bei den Rentnerhaushalten mit einer Bezugsperson ab 65 Jahren im


Jahr 2015 in den alten Ländern Ehepaare über ein monatliches Nettoeinkommen von
2 572 Euro, alleinstehende Männer über ein monatliches Nettoeinkommen von 1 593 Euro
und alleinstehende Frauen über ein monatliches Nettoeinkommen von 1 422 Euro. In den
neuen Ländern verfügten im Jahr 2015 Ehepaare über ein Nettoeinkommen von durch­
schnittlich 2 257 Euro, alleinstehende Männer über ein Nettoeinkommen von 1 389 Euro und
alleinstehende Frauen über ein Nettoeinkommen von 1 370 Euro je Monat.

Die Bedeutung der einzelnen Systeme innerhalb des Gesamtgefüges der Alterssicherung
kann durch Darstellung der Zusammensetzung des Volumens der Bruttoeinkommen verdeut­
licht werden. Danach stammen 63 % aller den Seniorenhaushalten zufließenden Einkommen
aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Die anderen Alterssicherungssysteme erreichen
zusammen 22 % am Volumen aller Bruttoeinkommen. Zusammen erreichen die Komponen­
ten außerhalb der Alterssicherungssysteme 15 %. Dabei kommt in den alten Ländern ein
größerer Teil des Einkommensvolumens aus Quellen außerhalb der Alterssicherungssys­
teme. Bei Ehepaaren in den alten Ländern liegt dieser Anteil mit 23 % deutlich höher als in
den neuen Ländern mit rund 15 %. Noch größer ist die Differenz bei alleinstehenden Män­
nern: In den alten Ländern resultieren 20 %, in den neuen Ländern nur rund 8 % der Ge­
samteinkommen aus zusätzlichen Einkommen.
- 23 -
Übersicht A6

Anteile von Einkommenskomponenten am Bruttoeinkommensvolumen

Gesetzliche Andere
Private Transfer- Restliche
Renten- Alterssicherungs-
Gebiet / Personenkreis Vorsorge Leistungen Einkommen
versicherung leistungen
in %

Deutschland
Alle Personen 63 22 8 1 7
Ehepaare 56 22 8 0 13
Alleinstehende Männer 60 22 8 1 9
Alleinstehende Frauen 71 17 6 1 4

Alte Länder
Alle Personen 58 25 9 1 8
Ehepaare 50 26 10 0 13
Alleinstehende Männer 55 25 9 1 9
Alleinstehende Frauen 67 20 7 1 5

Neue Länder
Alle Personen 90 3 3 0 4
Ehepaare 81 4 3 0 12
Alleinstehende Männer 89 3 3 1 5
Alleinstehende Frauen 94 2 2 0 2

Quelle: ASID 2015

Die Höhe der Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung verteilt sich von Kleinstren­
ten bis hin zu sehr hohen Rentenbeträgen. Die Kleinstrenten ergeben sich insbesondere auf­
grund sehr kurzer Beitragszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung. Hintergrund dafür
sind entweder sehr kurze Erwerbsbiografien, wie sie in den alten Ländern besonders bei
Frauen erkennbar sind, oder Wechsel des Versichertenstatus von der gesetzlichen Renten­
versicherung in die Beamtenversorgung oder andere Alterssicherungssysteme. Eine niedrige
Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung sagt dementsprechend wenig über das Ge­
samteinkommen im Alter aus. Dieses wird in der Übersicht 11 im Anhang sowie im Folgen­
den für die einzelnen Rentengrößenklassen, differenziert nach Geschlecht und Familien­
stand, für Deutschland insgesamt dargestellt.
Die Verbreitung von kleinen Renten in Deutschland und ihre Bedeutung für das Gesamtein­
kommen ist je nach Haushaltstyp unterschiedlich:

 Sowohl bei Ehepaaren als auch bei alleinstehenden Personen beziehen jeweils nur
2 bis 4 % der Haushalte Renten unter 250 Euro monatlich.
 Bei Ehepaaren machen diese Kleinstrenten aber z. B. nur 4 % des gesamten Haus­
haltsbruttoeinkommens aus. Weitere Einkünfte neben der Rente aus der gesetzlichen
- 24 -

Rentenversicherung führen hier dazu, dass diese Gruppe sogar über ein überdurch­
schnittlich hohes Bruttoeinkommen verfügt. Dies gilt auch für die alleinstehenden
Männer mit Renten unter 250 Euro. Der Anteil dieser Renten am Gesamteinkommen
beträgt bei ihnen 8 %, ihr Bruttoeinkommen ist ebenfalls überdurchschnittlich.
 Bei alleinstehenden Frauen mit Kleinstrenten liegt das Bruttoeinkommen nur gering­
fügig über dem Durchschnitt. Bei ihnen ist auch die Bedeutung der GRV-Rente mit
einem Anteil von 10 % am Gesamteinkommen höher.

Für alle Haushaltstypen zeigt sich, wenn auch auf unterschiedlichem Niveau, dass mit stei­
gendem Rentenbetrag das Gesamteinkommen zunächst eher sinkt und erst bei höheren
Renten wieder steigt. Geringe Rentenbeträge werden also in der Regel durch zusätzliche
Einkünfte oder das Einkommen des Ehepartners ausgeglichen und sind kein hinreichendes
Indiz für niedrige Gesamteinkommen. Dies spiegelt vor allem die Situation in den alten Län­
dern wider, da in den neuen Ländern kleine Renten bei Ehepaaren gar nicht und bei Allein­
stehenden nur sehr selten vorkommen.

4. Die Entwicklung der Angleichung der Renten in den neuen Ländern an


die in den alten Ländern

Ein Vergleich der verfügbaren Standardrenten in den alten und neuen Ländern kann als Indi­
kator für die schrittweise Angleichung der Einkommensverhältnisse gewertet werden, da
diese Größe in beiden Teilen Deutschlands auf denselben beitrags- und leistungsbezogenen
Grundsätzen - nämlich auf 45 Entgeltpunkten - beruht (Übersicht 12 im Anhang). Der Ver­
hältniswert der Standardrente in den neuen zu derjenigen in den alten Ländern erhöhte sich
durch die häufigeren und höheren Anpassungen in den neuen Ländern von 40,3 % am
1. Juli 1990 auf 95,7 % bis zum 30. Juni 2018.

In der Übersicht 13 im Anhang ist die Entwicklung der Angleichung der verfügbaren Versi­
chertenrenten dargestellt. Ausgehend von einer durchschnittlichen Rente wegen verminder­
ter Erwerbsfähigkeit in Höhe von 78,2 % des Niveaus der entsprechenden Renten an Män­
ner in den alten Ländern im Juli 1992 erreichten am 1. Juli 2017 die Männer in den neuen
Ländern 93,8 %. Bei den Frauen entwickelte sich das Niveau in dieser Zeit von 106,5 % auf
112,0 %. Bei den Altersrenten stieg im angesprochenen Zeitraum das Niveau bei Frauen in
den neuen Ländern von 114,4 % (Männer 73,5 %) auf 150,2 % (Männer 110,1 %).

Das Verhältnis von neuen zu alten Ländern ist damit bei den durchschnittlich verfügbaren
Versichertenrenten deutlich günstiger als bei den verfügbaren Standardrenten. Dies beruht
- 25 -

im Wesentlichen auf längeren Versicherungszeiten mit der Folge deutlich höherer Entgelt­
punktsummen, die den Renten in den neuen Ländern zugrunde liegen. Hinzu kommt, dass
insbesondere die Renten der älteren Jahrgänge in den neuen Ländern auch nennenswerte
Rentenbestandteile im Zusammenhang mit der Überführung der Zusatz- und Sonderversor­
gungssysteme der ehemaligen DDR in die gesetzliche Rentenversicherung enthalten.

5. Die Einnahmen, die Ausgaben und das Vermögen

5.1 Einnahmen

In 2017 hatte die gesetzliche Rentenversicherung nach Abzug der Erstattungen und internen
Ausgleichszahlungen Einnahmen in Höhe von fast 299,5 Mrd. Euro (Übersicht 14 im An­
hang). Damit lagen die Einnahmen über dem Vorjahresergebnis von knapp 286,2 Mrd. Euro.
Von den Einnahmen entfielen ca. 225,2 Mrd. Euro auf Beiträge und ca. 73,0 Mrd. Euro auf
die Zuschüsse des Bundes zur allgemeinen (67,8 Mrd. Euro) und knappschaftlichen Renten­
versicherung (5,3 Mrd. Euro). Von den Beitragseinnahmen, die gegenüber dem Vorjahr um
9,8 Mrd. Euro gestiegen sind, entfielen 90 % auf Pflichtbeiträge.

Der entsprechend den gesetzlichen Vorschriften an die allgemeine Rentenversicherung zu


leistende allgemeine Bundeszuschuss lag im Jahre 2017 mit 43,8 Mrd. Euro um gut
2,4 Mrd. Euro über dem Wert des Vorjahres. Der zusätzliche Bundeszuschuss, dessen jährli­
ches Volumen dem Steueraufkommen eines Mehrwertsteuerpunktes entspricht, betrug gut
11,4 Mrd. Euro. Weitere 12,6 Mrd. Euro flossen der gesetzlichen Rentenversicherung durch
den Erhöhungsbetrag zum zusätzlichen Bundeszuschuss zu.

Der im Rahmen des Defizitausgleichs an die knappschaftliche Rentenversicherung zu zah­


lende Bundeszuschuss stieg im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr um 14 Mio. Euro auf
knapp 5,3 Mrd. Euro.
- 26 -

Schaubild 1

5.2 Ausgaben

Die Ausgaben der Träger der gesetzlichen Rentenversicherung beliefen sich in 2017 ohne
interne Zahlungsströme auf gut 298,9 Mrd. Euro (Übersicht 14 im Anhang). Gegenüber dem
Vorjahr stiegen die Ausgaben um 10,5 Mrd. Euro (3,6 %).

Auf die Rentenausgaben entfielen knapp 268,9 Mrd. Euro, das sind 3,7 % mehr als im Vor­
jahr. Entsprechend sind auch die Ausgaben für die Beitragszuschüsse zur Krankenversiche­
rung der Rentner in 2017 auf knapp 19,1 Mrd. Euro gestiegen.

Die in den Renten enthaltenen Ausgaben für die Anrechnung von Kindererziehungszeiten
machen auf das Jahr 2017 hochgerechnet einen Betrag von ca. 14,2 Mrd. Euro aus; die Aus­
gaben nach dem Kindererziehungsleistungs-Gesetz (KLG) betrugen 79 Mio. Euro.

Die Ausgaben für die Maßnahmen zur Erhaltung, Besserung und Wiederherstellung der Er­
werbsfähigkeit (Leistungen zur Teilhabe) sind 2017 gegenüber dem Vorjahr um 3,1 % gestie­
gen und lagen damit um rund 400 Mio. Euro (6,0 %) unter der durch § 220 SGB VI für das
Jahr 2017 vorgegebenen Obergrenze.
- 27 -

Schaubild 2

5.3 Vermögen

Im Jahr 2017 übertrafen in der allgemeinen Rentenversicherung die Einnahmen die Summe
der Gesamtausgaben um gut 0,5 Mrd. Euro. Das Vermögen am Jahresende 2017 hat sich
damit auf knapp 43,8 Mrd. Euro erhöht (vgl. Übersicht 14 im Anhang). Gegenüber dem Vor­
jahr ist die Nachhaltigkeitsrücklage zum Ende des Jahres 2017 um knapp 1,1 Mrd. Euro auf
rund 33,4 Mrd. Euro gestiegen; das entsprach gut 1,6 Monatsausgaben im Jahre 2017.

In der knappschaftlichen Rentenversicherung waren aufgrund der Ausgestaltung des Bundes­


zuschusses gemäß § 215 SGB VI (Defizithaftung des Bundes) Einnahmen und Ausgaben
ausgeglichen. Das Vermögen blieb gegenüber dem Vorjahr mit 295 Mio. Euro nahezu unver­
ändert.
- 28 -

Teil B: Vorausberechnung der Einnahmen, der Ausgaben und des Ver­


mögens

1. Die finanzielle Entwicklung im mittelfristigen Zeitraum von 2018 bis


2022

1.1 Allgemeine Rentenversicherung

Die Berechnungen gehen von geltendem Recht aus und berücksichtigen darüber hinaus fi­
nanzwirksame Maßnahmen, die sich bereits im Gesetzgebungsverfahren befinden sowie vom
Kabinett beschlossene finanzwirksame Maßnahmen. Im Rentenversicherungsbericht 2018
sind daher die Finanzwirkungen der nachstehenden Gesetze, Gesetzentwürfe bzw. Verord­
nungen zu berücksichtigen:
 Gesetz zur Beitragsentlastung der Versicherten in der gesetzlichen Krankenversiche­
rung (GKV-Versichertenentlastungsgesetz),
 Entwurf eines Gesetzes über Leistungsverbesserungen und Stabilisierung in der ge­
setzlichen Rentenversicherung (RV-Leistungsverbesserungs- und -Stabilisierungsge­
setz),
 Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Chancen für Qualifizierung und für mehr
Schutz in der Arbeitslosenversicherung (Qualifizierungschancengesetz),
 Verordnung über die Erhebung von Beiträgen zur Arbeitsförderung nach einem nied­
rigeren Beitragssatz für die Kalenderjahre 2019 bis 2022 (Beitragssatzverordnung
2019 – BeiSaV 2019) und
 Entwurf eines Fünften Gesetzes zur Änderung des Elften Buches Sozialgesetzbuch
Beitragssatzanpassung.

Auf Basis der Annahmen des interministeriellen Arbeitskreises „Gesamtwirtschaftliche Vo­


rausschätzungen“ vom 11. Oktober 2018 (vgl. Abschnitt 3.2.1, Teil B) ergibt sich für die all­
gemeine Rentenversicherung die nachstehend beschriebene mittelfristige Finanzentwick­
lung.

In den Übersichten B 1, B 2 und B 3 wird die Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben für
Deutschland sowie für die alten und die neuen Länder ausgewiesen. Finanztransfers von
den alten in die neuen Länder sind bei den ausgewiesenen Einnahmen und Ausgaben nur
teilweise berücksichtigt.
- 29 -
Übersicht B 1

Die Entwicklung der Einnahmen, der Ausgaben, des Vermögens und


des erforderlichen Beitragssatzes in der allgemeinen Rentenversicherung von 2018 bis 2022
- Beträge in Mio. Euro -

2018 2019 2020 2021 2022


Erforderlicher Beitragssatz in % 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6
Einnahmen
Beitragseinnahmen insgesamt 235 767 245 353 254 936 262 549 270 016
Allgemeiner und zusätzliche Bundeszuschüsse 69 478 72 310 75 352 78 339 81 633
Sonderzahlungen des Bundes 0 0 0 0 500
Erstattung aus öffentlichen Mitteln 850 850 850 850 850
Erstattung in Wanderversicherung von KnRV 170 166 161 156 152
Vermögenserträge - 60 - 75 - 54 - 16 25
sonstige Einnahmen 135 0 0 0 0
Einnahmen insgesamt 306 340 318 604 331 246 341 877 353 176

Ausgaben
Rentenausgaben 263 019 277 587 289 126 301 231 314 824
Zuschüsse zur Krankenversicherung der Rentner 18 622 20 865 21 732 22 641 23 662
Leistungen zur Teilhabe 6 518 6 843 7 156 7 325 7 497
Erstattung in Wanderversicherung an KnRV 7 327 7 825 8 211 8 615 9 077
Wanderungsausgleich 2 729 2 822 2 947 3 059 3 177
KLG-Leistungen 53 48 28 0 0
Beitragserstattungen 86 89 91 94 97
Verwaltungs- und Verfahrenskosten 3 870 3 987 4 111 4 235 4 363
Sonstige Ausgaben 66 42 42 42 42
Ausgaben insgesamt 302 290 320 109 333 445 347 241 362 739

Einnahmen - Ausgaben 4 050 -1 505 -2 199 -5 364 -9 562

Vermögen
Nachhaltigkeitsrücklage zum Jahresende 37 968 36 602 34 814 29 886 20 823
Änderung gegenüber Vorjahr 4 535 -1 366 -1 788 -4 929 -9 063
Eine Monatsausgabe 21 392 22 739 23 700 24 693 25 801
Nachhaltigkeitsrücklage in Monatsausgaben 1,77 1,61 1,47 1,21 0,81

Durch die gesetzliche Zuordnung von Anteilen an den Beitragseinnahmen im Rahmen der
Organisationsreform ändert sich die Höhe des in den alten und in den neuen Ländern ver­
walteten Beitragsaufkommens. Die Zuordnung der Pflichtbeiträge auf alte und neue Länder
erfolgt im Prinzip nach der Anzahl der Versicherten. Dabei spielen die gebietsspezifischen
Beiträge, die in den neuen Ländern relativ geringer sind als in den alten Ländern, keine
Rolle. Das verwaltete Beitragsaufkommen weicht daher von dem tatsächlich in den Regio­
nen eingenommenen Beitragsvolumen ab, sodass in den neuen Ländern mehr Pflichtbei­
träge gebucht werden, als tatsächlich in dieser Region vereinnahmt wurden, da diese Bei­
träge auf Arbeitsverhältnissen in den alten Ländern beruhen.
- 30 -
Übersicht B 2

Die Entwicklung der Einnahmen und der Ausgaben


in der allgemeinen Rentenversicherung in den alten Ländern von 2018 bis 2022
- Beträge in Mio. Euro -

2018 2019 2020 2021 2022


Entwicklung der beitragspflichtigen Entgelte in % 2,90 3,00 3,10 3,00 3,00
Entwicklung der beitragspflichtigen
1,73 1,14 0,87 -0,10 -0,10
Versichertenzahl in %
Anzahl der Arbeitslosen in 1000 1 901 1 836 1 784 1 784 1 784
Beitragssatz in % 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6
Anpassungssatz zum 1.7. in % 3,22 3,18 2,93 3,09 2,99
KVdR-Zuschuss in % 7,30 7,75 7,75 7,75 7,75
Einnahmen
Beitragseinnahmen insgesamt 205 551 213 941 222 332 229 007 235 559
Allgemeiner und zusätzliche Bundeszuschüsse 54 664 56 795 59 255 61 689 64 373
Sonderzahlungen des Bundes 0 0 0 0 395
Erstattungen aus öffentlichen Mitteln 731 731 731 731 731
Erstattungen in Wanderversicherung von KnRV 123 120 116 112 109
Vermögenserträge - 57 - 65 - 47 - 14 22
sonstige Einnahmen 119 0 0 0 0
Einnahmen insgesamt 240 000 249 107 259 210 267 578 276 411

Ausgaben
Rentenausgaben 206 882 218 462 227 799 237 642 248 690
Zuschüsse zur Krankenversicherung der Rentner 14 542 16 303 16 999 17 734 18 558
Leistungen zur Teilhabe 5 279 5 543 5 795 5 931 6 069
Erstattungen in Wanderversicherung an KnRV 5 062 5 392 5 653 5 927 6 239
Wanderungsausgleich 1 271 1 238 1 300 1 357 1 416
KLG-Leistungen 45 40 20 0 0
Beitragserstattungen 85 88 90 93 96
Verwaltungs- und Verfahrenskosten 3 184 3 280 3 381 3 483 3 587
Sonstige Ausgaben 50 32 32 32 32
Ausgaben insgesamt 215 269 227 962 237 893 248 251 259 912

Einnahmen - Ausgaben 24 731 21 145 21 317 19 327 16 499

Umgekehrt verhält es sich bei den Beiträgen, die die Bundesagentur für Arbeit für die Versi­
cherung ihrer Leistungsempfänger an die gesetzliche Rentenversicherung zahlt. Diese Bei­
träge werden nach dem gleichen Schlüssel wie die Beiträge der sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten den alten und den neuen Ländern zugeordnet, obwohl die Arbeitslosenquote
in den neuen Ländern höher als in den alten Ländern ist. Hierdurch werden im Ergebnis in
der Rentenversicherung in den alten Ländern mehr Beiträge der Bundesagentur für Arbeit
gebucht, als tatsächlich für Arbeitslose in den alten Ländern vereinnahmt werden, da Teile
dieser Beiträge für Arbeitslose in den neuen Ländern gezahlt werden.
- 31 -

Zur Ermittlung des tatsächlichen Finanztransfers von den alten in die neuen Länder muss
daher das in Übersicht B 3 für die neuen Länder ausgewiesene Finanzierungsdefizit aus Ein­
nahmen minus Ausgaben um die durch die Organisationsreform transferierten Beiträge er­
höht werden, deren Volumen jedoch nicht exakt ermittelt werden kann.
Übersicht B 3

Die Entwicklung der Einnahmen und der Ausgaben


in der allgemeinen Rentenversicherung in den neuen Ländern von 2018 bis 2022
- Beträge in Mio. Euro -

2018 2019 2020 2021 2022


Entwicklung der beitragspflichtigen Entgelte in % 3,00 3,10 3,20 3,10 3,10
Entwicklung der beitragspflichtigen
1,71 1,14 0,86 -0,10 -0,10
Versichertenzahl in %
Anzahl der Arbeitslosen in 1000 447 401 364 364 364
Beitragssatz in % 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6
Anpassungssatz zum 1.7. in % 3,37 3,91 3,70 3,81 3,73
KVdR-Zuschuss in % 7,30 7,75 7,75 7,75 7,75
Einnahmen
Beitragseinnahmen insgesamt 30 216 31 412 32 604 33 541 34 458
Allgemeiner und zusätzliche Bundeszuschüsse 14 814 15 515 16 097 16 650 17 260
Sonderzahlungen des Bundes 0 0 0 0 105
Erstattungen aus öffentlichen Mitteln 119 119 119 119 119
Erstattungen in Wanderversicherung von KnRV 47 46 45 44 43
Vermögenserträge -3 - 10 -7 -2 3
sonstige Einnahmen 16 0 0 0 0
Einnahmen insgesamt 66 340 69 496 72 035 74 299 76 765

Ausgaben
Rentenausgaben 56 137 59 126 61 327 63 589 66 134
Zuschüsse zur Krankenversicherung der Rentner 4 080 4 563 4 732 4 907 5 103
Leistungen zur Teilhabe 1 239 1 300 1 361 1 394 1 428
Erstattungen in Wanderversicherung an KnRV 2 265 2 434 2 558 2 687 2 837
Wanderungsausgleich 1 458 1 583 1 646 1 702 1 761
KLG-Leistungen 8 8 8 0 0
Beitragserstattungen 1 1 1 1 1
Verwaltungs- und Verfahrenskosten 686 707 730 753 776
Sonstige Ausgaben 16 10 10 10 10
Ausgaben insgesamt 87 021 92 146 95 551 98 990 102 827

Einnahmen - Ausgaben -20 681 -22 650 -23 516 -24 691 -26 061

In den alten Ländern werden im gesamten Mittelfristzeitraum jährlich rechnerische Über­


schüsse zwischen 16,5 Mrd. Euro und 24,7 Mrd. Euro erzielt (vgl. Übersicht B 2). Durch
diese und die Nachhaltigkeitsrücklage für Deutschland insgesamt werden die rechnerischen
Defizite in den neuen Ländern ausgeglichen.
- 32 -

Gemäß der Verstetigungsregelung des § 158 SGB VI ist der Beitragssatz grundsätzlich zum
1. Januar eines Jahres anzupassen, wenn bei Beibehaltung des bisherigen Beitragssatzes
die Mittel der Nachhaltigkeitsrücklage am Ende dieses Jahres voraussichtlich den Wert des
0,2-fachen der durchschnittlichen Monatsausgaben zu eigenen Lasten der allgemeinen Ren­
tenversicherung unterschreiten bzw. den Wert des 1,5-fachen dieser Monatsausgaben über­
steigen. Ist zum 1. Januar eines Jahres ein neuer Beitragssatz zu bestimmen, so ist dieser in
dem Fall, dass ohne Neufestsetzung 0,2 Monatsausgaben unterschritten würden, so weit zu
erhöhen, dass am Ende des folgenden Jahres voraussichtlich eine Nachhaltigkeitsrücklage
von 0,2 Monatsausgaben verbleibt. In dem anderen Fall, dass die Nachhaltigkeitsrücklage
ohne Neufestsetzung 1,5 Monatsausgaben voraussichtlich übersteigen würde, ist der Bei­
tragssatz hingegen so weit abzusenken, dass am Jahresende des folgenden Jahres voraus­
sichtlich eine Nachhaltigkeitsrücklage von 1,5 Monatsausgaben gegeben ist. Der in dieser
Weise ermittelte Beitragssatz ist auf eine Nachkommastelle aufzurunden. Wegen dieser
Rundungsvorschrift beträgt die voraussichtliche Nachhaltigkeitsrücklage bei Beitragssatz­
neufestsetzungen in der Regel etwas mehr als 0,2 bzw. 1,5 Monatsausgaben.

Abweichend von § 158 SGB VI ist nach dem Entwurf des RV-Leistungsverbesserungs- und -
Stabilisierungsgesetzes der Beitragssatz bis zum Jahr 2025 auf mindestens 18,6 % und
höchstens 20 % festzusetzen (§ 287 SGB VI). Wenn bei der Beitragssatzbestimmung bis
zum Jahr 2025 mit einem Beitragssatz von 20 % der Mindestwert der Nachhaltigkeitsrück­
lage von 0,2 Monatsausgaben voraussichtlich unterschritten würde, ist der zusätzliche Bun­
deszuschuss nach §§ 213 Abs. 3 und 287 Abs. 2 SGB VI so zu erhöhen, dass die Mittel der
Nachhaltigkeitsrücklage den Wert von 0,2 Monatsausgaben voraussichtlich erreichen.

Der Beitragssatz im Jahr 2019 beträgt weiterhin 18,6 % und bleibt in der Vorausberechnung
für den mittelfristigen Zeitraum auf diesem Wert stabil. Zum Ende des Jahres 2018 beträgt
die geschätzte Nachhaltigkeitsrücklage 38,0 Mrd. Euro (1,77 Monatsausgaben). Im Jahr
2017 waren es noch 33,4 Mrd. Euro (1,62 Monatsausgaben). Die Nachhaltigkeitsrücklage
wird in den Folgejahren der Vorausberechnung abgebaut und liegt zum Ende des Mittelfrist­
zeitraums 2022 bei 20,8 Mrd. Euro (0,81 Monatsausgaben).
- 33 -

1.2 Knappschaftliche Rentenversicherung

Bei den Vorausberechnungen der Einnahmen und der Ausgaben der knappschaftlichen Ren­
tenversicherung wird ebenfalls vom in Abschnitt 1.1, Teil B beschriebenen Rechtsstand aus­
gegangen. Die hier unterlegten Wirtschaftsannahmen werden in Abschnitt 3.2.2, Teil B be­
schrieben.
Übersicht B 4
Die Entwicklung der Einnahmen und der Ausgaben
in der knappschaftlichen Rentenversicherung
von 2018 bis 2022 in Mio. Euro

2018 2019 2020 2021 2022

Beitragssatz in % 24,7 24,7 24,7 24,7 24,7

Einnahmen
Beitragseinnahmen insgesamt 582 562 544 525 507
Wanderungsausgleich 2 729 2 822 2 947 3 059 3 177
Erstattungen der Versorgungsdienststellen 8 8 7 6 6
Vermögenserträge 4 4 4 4 4
Sonstige Einnahmen 1 1 1 1 1
Zwischensumme 3 324 3 397 3 502 3 595 3 695
Bundeszuschuss 5 274 5 310 5 268 5 235 5 200

Einnahmen insgesamt 8 598 8 707 8 770 8 830 8 895

Ausgaben
Renten (zu Lasten der KnRV) 7 515 7 564 7 602 7 637 7 675
Auffüllbetrag 0 0 0 0 0
Zuschüsse zur KVdR 572 612 616 621 625
Leistungen zur Teilhabe 49 50 51 52 53
Knappschaftsausgleichsleistung 272 287 303 320 338
KLG-Leistungen 1 1 1 0 0
Beitragserstattungen 0 0 0 0 0
Verwaltungs- und Verfahrenskosten 119 122 126 130 134
Sonstige Ausgaben 70 70 70 70 70

Ausgaben insgesamt 8 598 8 707 8 770 8 830 8 895

In den Übersichten B 5 und B 6 wird die mittelfristige Entwicklung der Einnahmen und der
Ausgaben der knappschaftlichen Rentenversicherung für die alten bzw. die neuen Länder
und in Übersicht B 4 für das gesamte Bundesgebiet ausgewiesen. Demnach sinkt die Höhe
des Bundeszuschusses bis 2022 auf 5,2 Mrd. Euro ab. Der Rückgang beruht insbesondere
auf einer sinkenden Anzahl von Rentnerinnen und Rentnern mit langen knappschaftlichen
Erwerbsbiografien und vergleichsweise hohen Rentenansprüchen im Rentenbestand.
- 34 -
Übersicht B 5
Die Entwicklung der Einnahmen und der Ausgaben in der knappschaftlichen
Rentenversicherung in den alten Ländern
von 2018 bis 2022 in Mio. Euro

2018 2019 2020 2021 2022

Beitragssatz in % 24,7 24,7 24,7 24,7 24,7

Einnahmen
Beitragseinnahmen insgesamt 382 361 341 321 301
Wanderungsausgleich 1 271 1 238 1 300 1 357 1 416
Erstattungen der Versorgungsdienststellen 7 6 5 5 5
Vermögenserträge 3 3 3 3 3
Sonstige Einnahmen 1 1 1 1 1
Zwischensumme 1 664 1 610 1 651 1 687 1 726
Bundeszuschuss 4 415 4 528 4 506 4 487 4 467

Einnahmen insgesamt 6 079 6 138 6 157 6 173 6 193

Ausgaben
Renten (zu Lasten der KnRV) 5 261 5 275 5 273 5 269 5 266
Auffüllbetrag 0 0 0 0 0
Zuschüsse zur KVdR 398 424 425 426 427
Leistungen zur Teilhabe 35 36 37 37 38
Knappschaftsausgleichsleistung 268 284 300 316 334
KLG-Leistungen 1 1 1 0 0
Beitragserstattungen 0 0 0 0 0
Verwaltungs- und Verfahrenskosten 84 87 89 92 95
Sonstige Ausgaben 32 32 32 32 32

Ausgaben insgesamt 6 079 6 138 6 157 6 173 6 193

Dem strukturell bedingten Verlust an Versicherten in der knappschaftlichen Rentenversiche­


rung steht der Wanderungsausgleich gegenüber. Die Träger der allgemeinen Rentenversi­
cherung zahlen der knappschaftlichen Rentenversicherung einen Wanderungsausgleich, der
die Differenz zwischen der durchschnittlichen Zahl der knappschaftlich Versicherten in dem
Jahr, für das der Wanderungsausgleich gezahlt wird, und der Zahl der in der knappschaftli­
chen Rentenversicherung am 1. Januar 1991 Versicherten ausgleicht. Im Wesentlichen als
Folge des strukturell bedingten Rückgangs des Bestandes an knappschaftlichen Versicher­
ten ist der Anteil des Wanderungsausgleichs im Verhältnis zu den Beitragseinnahmen konti­
nuierlich gestiegen, vor allem in den neuen Ländern.
- 35 -
Übersicht B 6
Die Entwicklung der Einnahmen und der Ausgaben in der knappschaftlichen
Rentenversicherung in den neuen Ländern
von 2018 bis 2022 in Mio. Euro

2018 2019 2020 2021 2022

Beitragssatz in % 24,7 24,7 24,7 24,7 24,7

Einnahmen
Beitragseinnahmen insgesamt 200 201 203 204 206
Wanderungsausgleich 1 458 1 583 1 646 1 702 1 761
Erstattungen der Versorgungsdienststellen 2 2 1 1 1
Vermögenserträge 1 1 1 1 1
Sonstige Einnahmen 0 0 0 0 0
Zwischensumme 1 660 1 787 1 851 1 908 1 969
Bundeszuschuss 859 782 762 748 733

Einnahmen insgesamt 2 519 2 569 2 613 2 657 2 702

Ausgaben
Renten (zu Lasten der KnRV) 2 254 2 290 2 329 2 368 2 408
Auffüllbetrag 0 0 0 0 0
Zuschüsse zur KVdR 174 188 191 194 198
Leistungen zur Teilhabe 14 14 15 15 15
Knappschaftsausgleichsleistung 4 4 4 4 4
KLG-Leistungen 0 0 0 0 0
Beitragserstattungen 0 0 0 0 0
Verwaltungs- und Verfahrenskosten 34 36 37 38 39
Sonstige Ausgaben 38 38 38 38 38

Ausgaben insgesamt 2 519 2 569 2 613 2 657 2 702


- 36 -

2. Die finanzielle Entwicklung im langfristigen Zeitraum von 2018 bis 2032

2.1 Allgemeine Rentenversicherung

Nach § 154 Abs. 1 und Abs. 3 SGB VI beziehen sich die Berechnungen des Rentenversiche­
rungsberichts auf die künftigen 15 Kalenderjahre. Die Darstellung der Entwicklung im lang­
fristigen Zeitraum bis zum Jahr 2032 erfolgt durch mehrere Modellrechnungen, die aufzei­
gen, wie die Finanzen der Rentenversicherung auf unterschiedliche Entgelt- und Beschäfti­
gungsannahmen reagieren. Dazu werden drei Entgeltvarianten mit drei Beschäftigungsvari­
anten zu insgesamt neun Modellvarianten kombiniert. Die mittlere Variante ist dabei eine
Verlängerung der Mittelfristrechnung (vgl. Abschnitt 1.1, Teil B). Die Annahmenkombinatio­
nen werden in Abschnitt 3.2.1, Teil B erläutert. Der Rechtsstand ist identisch mit dem der
Mittelfristrechnungen. Die Vorausberechnungen sind reine Modellrechnungen und nicht als
Prognosen zu verstehen.

Für die neun Varianten ergibt sich die in Übersicht B 7 aufgeführte Beitragssatzentwicklung.
Nach dem Entwurf des RV-Leistungsverbesserungs- und -Stabilisierungsgesetz beträgt der
Beitragssatz gemäß § 287 Abs. 1 SGB VI im Jahr 2019 weiterhin 18,6 %. Infolge der Verste­
tigungsregel bleibt der Beitragssatz in der mittleren Variante bis 2023 unverändert bei
18,6 %. Im Jahr 2025 würde sich ohne die vorgesehene Haltelinie beim Beitragssatz in Höhe
von maximal 20 % ein Beitragssatz von 20,3 % ergeben. Daher wird der zusätzliche Bundes­
zuschuss im Rahmen der Beitragssatzgarantie um rund 1,9 Mrd. Euro angehoben, um den
Beitragssatz bei 20 % zu halten. Nach dem Jahr 2025 steigt der Beitragssatz schrittweise
wieder an, über 22,1 % im Jahr 2030 bis auf 22,5 % im Jahr 2032.

In der Variante mit unterer Lohn- und Beschäftigungsentwicklung greift die Beitragssatzga­
rantie bereits ab dem Jahr 2024 und es sind zusätzliche Bundesmittel in Höhe von insge­
samt rund 14,4 Mrd. Euro erforderlich, um den Beitragssatz in beiden Jahren bei 20 % zu
halten. Demgegenüber sind bei höherer Beschäftigungsentwicklung bis zum Jahr 2025 keine
zusätzlichen Bundesmittel notwendig, um einen Beitragssatz von höchstens 20 % zu errei­
chen.

Gemäß § 154 Abs. 3 SGB VI hat die Bundesregierung den gesetzgebenden Körperschaften
geeignete Maßnahmen vorzuschlagen, wenn der Beitragssatz in der allgemeinen Rentenver­
sicherung in der mittleren Variante der Vorausberechnungen bis zum Jahr 2020 den Wert
von 20 % und bis zum Jahr 2030 den Wert von 22 % überschreitet.
- 37 -

In der mittleren Variante wird diese Obergrenze nur im Jahr 2030 mit 22,1 % überschritten.
Zeitnah wirkende Maßnahmen sind daher nicht erforderlich. Im Mai 2018 wurde die Kommis­
sion „Verlässlicher Generationenvertrag“ eingesetzt, die bis Anfang des Jahres 2020 Vor­
schläge für die Zeit nach dem Jahr 2025 vorlegen wird. Nach den Vereinbarungen im Koaliti­
onsvertrag von CDU/CSU und SPD soll dabei auch für die Zeit nach 2025 eine doppelte Hal­
telinie angestrebt werden, die Beiträge und Niveau langfristig absichert. Die Bundesregie­
rung schlägt den gesetzgebenden Körperschaften vor, dass sie auf Basis der Ergebnisse der
Kommission geeignete Maßnahmen entwickelt.

Gemäß § 154 Abs. 3 SGB VI ist die Bundesregierung auch verpflichtet, den gesetzgebenden
Körperschaften geeignete Maßnahmen vorzuschlagen, wenn das Sicherungsniveau vor
Steuern in der allgemeinen Rentenversicherung in der mittleren Variante der Vorausberech­
nungen bis zum Jahr 2020 den Wert von 46 % und bis zum Jahr 2030 den Wert von 43 %
unterschreitet.
Übersicht B 7

Erforderliche Beitragssätze in Prozentpunkten


in der allgemeinen Rentenversicherung von 2018 bis 2032

Erforderliche Beitragssätze

Annahmenkombinationen1)
Jahr
a untere Lohnvariante mittlere Lohnvariante obere Lohnvariante
b 1 2 3 1 2 3 1 2 3

2018 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6
2019 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6
2020 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6
2021 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6
2022 18,9 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6 18,6

2023 19,9 19,3 18,6 19,5 18,6 18,6 18,9 18,6 18,6
2024 20,0* 19,9 19,5 20,0 19,9 18,7 20,0 19,2 18,6
2025 20,0* 20,0* 20,0 20,0* 20,0* 19,9 20,0* 20,0 19,2
2026 21,4 20,9 20,1 21,2 20,7 19,9 21,1 20,4 20,0
2027 21,7 21,1 20,6 21,6 21,1 20,3 21,4 20,8 20,3

2028 22,0 21,5 21,0 21,8 21,3 20,8 21,6 21,0 20,6
2029 22,3 21,8 21,3 22,1 21,7 21,0 22,1 21,5 20,9
2030 22,7 22,2 21,6 22,6 22,1 21,3 22,4 21,7 21,3
2031 23,0 22,5 21,9 22,8 22,4 21,7 22,7 22,1 21,6
2032 23,3 22,7 22,2 23,1 22,5 21,9 23,0 22,3 21,7

Anmerkungen
1) a: Durchschnittliche Zuwachsrate der Durchschnittsentgelte der Versicherten in der mittleren Variante von 2024 bis 2032 in Höhe von
3,0 % in den alten Ländern. Die Zuwachsrate der mittleren Variante (Mittelfristrechnung) wird ab 2019 in der unteren Variante
um einen Punkt vermindert bzw. in der oberen Variante um einen Punkt erhöht.
b: Veränderung der Zahl der beschäftigten Arbeiter und Angestellten ab 2019:
1 = niedrigere Beschäftigungsentwicklung
2 = mittlere Beschäftigungsentwicklung
3 = höhere Beschäftigungsentwicklung
* Der Beitragssatz wird durch zusätzliche Bundesmittel bei 20% stabilisiert.
- 38 -

Übersicht B 8 zeigt für die mittlere Variante die Entwicklung des Sicherungsniveaus vor Steu­
ern sowie das Versorgungsniveau vor Steuern einschließlich Riester-Rente. Letzteres be­
rücksichtigt neben den Renten der gesetzlichen Rentenversicherung auch die Leistungen ei­
ner Riester-Rente für Rentenzugänge.

Das Sicherungsniveau vor Steuern beträgt derzeit 48,1 %. Aufgrund einer zunächst stabilen
Entwicklung des Beitragssatzes und der Haltelinie beim Sicherungsniveau wird ein Wert von
weniger als 48 % bis zum Jahr 2025 verhindert. Danach sinkt das Sicherungsniveau stufen­
weise über 45,8 % im Jahr 2030 bis auf 44,9 % zum Ende des Vorausberechnungszeitraums
im Jahr 2032. Das Mindestsicherungsniveau in Höhe von nicht unter 43 % bis zum Jahr
2030 wird somit eingehalten. Das gesamte Versorgungsniveau aus Sicherungsniveau vor
Steuern einschließlich einer Riester-Rente kann über den gesamten Vorausberechnungszeit­
raum der Rentenzugänge zwischen gut 51 % und gut 53 % gehalten werden.
- 39 -
Übersicht B 8

Versorgungsniveau im Alter für den Rentenzugang


aus GRV-Rente und geförderter zusätzlicher Altersvorsorge (Riester-Rente)

Versorgungs-
niveau vor
Sicherungs- Riester-Rente Gesamt-
Beitragssatz zur Bruttostandard- Steuern
Jahr niveau vor für versorgung
GRV rente einschließlich
Steuern Rentenzugang (2 + 4)
Riester-Rente für
Zugang
in % in Euro mtl. in % in Euro mtl. in Euro mtl. in %

2008 19,9 1 195 50,5 0 1 195 50,5


2009 19,9 1 224 52,0 0 1 224 52,0
2010 19,9 1 224 51,6 32 1 256 53,0
2011 19,9 1 236 50,1 38 1 274 51,7
2012 19,6 1 263 49,4 45 1 308 51,2

2013 18,9 1 266 48,9 52 1 319 50,9


2014 18,9 1 287 48,1 60 1 347 50,4
2015 18,7 1 314 47,7 68 1 382 50,2
2016 18,7 1 370 48,1 77 1 448 50,7
2017 18,7 1 396 48,3 84 1 480 51,2

2018 18,6 1 441 48,1 93 1 535 51,2


2019 18,6 1 487 48,1 105 1 592 51,5
2020 18,6 1 531 48,0 116 1 647 51,7
2021 18,6 1 578 48,0 129 1 707 51,9
2022 18,6 1 625 48,0 143 1 769 52,2

2023 18,6 1 673 48,0 158 1 831 52,5


2024 19,9 1 718 48,3 174 1 892 53,1
2025 20,0 1 760 48,0 190 1 950 53,2
2026 20,7 1 798 47,8 208 2 006 53,3
2027 21,1 1 823 47,2 224 2 048 53,0

2028 21,3 1 854 46,6 242 2 096 52,7


2029 21,7 1 890 46,3 260 2 150 52,6
2030 22,1 1 922 45,8 278 2 200 52,4
2031 22,4 1 956 45,3 295 2 251 52,2
2032 22,5 1 994 44,9 314 2 308 52,0

Hinweise / Annahmen
- Rechnung für Standardrentner (45 Jahre Beitragszahlung aus Durchschnittsverdienst)
- Altersvorsorgeaufwand beträgt 4 %
- Verzinsung der Riester-Rente bis 2014: 4,0 %, 2015: 3,5 %, 2016: 3,0 %, 2017: 2,5 %, 2018: 2,5 %, 2019: 2,5%
danach schrittweiser Anstieg auf 4,0 % bis 2022, danach konstant; Verwaltungskosten 10 %
- Riester-Rente wird in der Auszahlungsphase wie Rente aus der GRV angepasst
- Für Rentenzugänge vor 2010 wird kein Riester-Vertrag unterstellt

Übersicht B 9 zeigt für die mittlere Lohnvariante (bei den drei Beschäftigungsvarianten) die
Entwicklung der Einnahmen, der Ausgaben und der Nachhaltigkeitsrücklage im 15-jährigen
- 40 -

Vorausberechnungszeitraum bis 2032. Die Nachhaltigkeitsrücklage wird ab 2019 zurückge­


führt.
Übersicht B 9

Einnahmen, Ausgaben und Nachhaltigkeitsrücklage


in der allgemeinen Rentenversicherung von 2018 bis 2032 in der mittleren Lohnvariante
- Beträge in Mrd. Euro -

Beschäftigungsvariante
Jahr 1 2 3
E A N E A N E A N

2018 306,3 302,3 38,0 306,3 302,3 38,0 306,3 302,3 38,0
2019 317,7 320,1 35,7 318,6 320,1 36,6 319,5 320,1 37,5
2020 329,4 333,4 32,1 331,2 333,4 34,8 333,1 333,6 37,4
2021 338,9 347,2 24,3 341,9 347,2 29,9 344,9 347,5 35,2
2022 349,0 362,7 11,0 353,2 362,7 20,8 357,4 362,8 30,3

2023 373,9 377,8 7,8 363,9 378,6 6,6 369,3 378,6 21,6
2024 390,7 393,0 6,2 395,9 395,0 8,4 381,2 395,2 8,2
2025 408,9 409,8 5,9 407,6 410,9 5,8 412,2 411,7 9,6
2026 425,6 426,1 6,2 425,8 425,9 6,5 420,3 423,8 6,8
2027 440,1 439,5 7,7 441,3 440,8 7,9 436,5 437,8 6,3

2028 451,5 452,0 8,0 453,3 455,1 6,9 455,0 454,3 7,9
2029 465,1 467,2 6,9 469,5 470,5 6,8 468,0 469,0 7,7
2030 483,3 483,3 8,0 486,4 486,6 7,6 483,3 484,9 7,1
2031 497,5 498,9 7,7 503,0 502,6 9,1 502,3 501,9 8,5
2032 514,8 515,4 8,3 516,4 519,3 7,2 517,9 518,8 8,8

Veränderung der Zahl der beschäftigten Arbeiter und Angestellten: Legende:


alternativ: 1: niedrigere Beschäftigungsentwicklung E = Summe der Einnahmen
2: mittlere Beschäftigungsentwicklung A = Summe der Ausgaben
3: höhere Beschäftigungsentwicklung N = Nachhaltigkeitsrücklage

Für die mittlere Variante ist in Übersicht B 10 die Entwicklung des Saldos aus Einnahmen
und Ausgaben sowie die Entwicklung der Bundeszuschüsse wiedergegeben. Die Bundeszu­
schüsse werden insbesondere mit der Lohnentwicklung sowie mit der Veränderung des Bei­
tragssatzes zur Rentenversicherung fortgeschrieben (vgl. auch Abschnitt 3.3.1, Teil B). Der
Anteil der Bundeszuschüsse an den Gesamtausgaben der allgemeinen Rentenversicherung
bewegt sich im Vorausberechnungszeitraum zwischen 22,4 % und 23,5 %.
- 41 -
Übersicht B 10

Die Entwicklung des Saldos aus Einnahmen und Ausgaben


und des allgemeinen und zusätzlichen Bundeszuschusses
in der allgemeinen Rentenversicherung in den alten und neuen Ländern
von 2018 bis 2032 bei mittlerer Lohn- und Beschäftigungsentwicklung
- Beträge in Mrd. Euro -

Einnahmen weniger Ausgaben allgemeiner und zusätzlicher Bundeszuschuss

Deutschland
Jahr
alte Länder neue Länder Deutschland alte Länder neue Länder in % der
Betrag Gesamt-
ausgaben

2018 24,7 -20,7 4,1 54,7 14,8 69,5 23,0


2019 21,1 -22,6 -1,5 56,8 15,5 72,3 22,6
2020 21,3 -23,5 -2,2 59,3 16,1 75,4 22,6
2021 19,3 -24,7 -5,4 61,7 16,6 78,3 22,6
2022 16,5 -26,1 -9,6 64,4 17,3 81,6 22,5

2023 12,9 -27,6 -14,7 66,9 17,8 84,7 22,4


2024 27,3 -26,3 0,9 72,1 19,1 91,2 23,1
2025 24,1 -27,3 -3,2 76,5 20,0 96,5 23,5
2026 27,1 -27,2 -0,1 78,7 20,6 99,3 23,3
2027 27,6 -27,1 0,5 81,6 21,4 103,0 23,4

2028 25,6 -27,4 -1,8 84,2 22,0 106,2 23,3


2029 26,1 -27,1 -1,0 87,3 22,8 110,2 23,4
2030 26,6 -26,8 -0,2 90,6 23,7 114,3 23,5
2031 26,9 -26,4 0,4 93,7 24,5 118,2 23,5
2032 23,7 -26,6 -2,9 96,4 25,2 121,6 23,4
- 42 -

2.2 Knappschaftliche Rentenversicherung

Die Vorausberechnungen für die knappschaftliche Rentenversicherung haben insbesondere


die Höhe des notwendigen Bundeszuschusses gemäß § 215 SGB VI im Blick, der sich als
Differenz zwischen den Ausgaben und den Einnahmen (ohne Bundeszuschuss) ergibt.

Da in der knappschaftlichen Rentenversicherung zusätzliche Varianten nur einen geringen


Informationsgewinn beisteuern, werden lediglich drei Lohnvarianten berücksichtigt. Hierfür
wird den Vorausberechnungen zur knappschaftlichen Rentenversicherung die durch die mitt­
lere Beschäftigungsvariante bestimmte Entwicklung der Beitragssätze und der Anpassungs­
sätze in der allgemeinen Rentenversicherung unterlegt.

Übersicht B 11

Die Einnahmen und die Ausgaben in der knappschaftlichen Rentenversicherung


von 2018 bis 2032 nach drei verschiedenen Annahmen jährlicher Zuwachsraten
der Durchschnittsentgelte der Versicherten in Mio. Euro
- Deutschland -

untere Lohnvariante mittlere Lohnvariante obere Lohnvariante

Ein- Ein- Ein-


Jahr nahmen nahmen nahmen
Bundes- Bundes- Bundes-
ohne Ausgaben ohne Ausgaben ohne Ausgaben
zuschuss zuschuss zuschuss
Bundes- Bundes- Bundes-
zuschuss zuschuss zuschuss

2018 3 324 8 598 5 274 3 324 8 598 5 274 3 324 8 598 5 274
2019 3 391 8 697 5 306 3 397 8 707 5 310 3 402 8 700 5 298
2020 3 492 8 715 5 223 3 502 8 770 5 268 3 513 8 817 5 304
2021 3 493 8 690 5 197 3 595 8 830 5 235 3 698 8 976 5 278
2022 3 555 8 677 5 122 3 695 8 895 5 200 3 837 9 118 5 281

2023 3 752 8 633 4 881 3 796 8 946 5 150 3 981 9 246 5 265
2024 3 943 8 559 4 616 4 178 8 985 4 806 4 270 9 376 5 106
2025 4 039 8 494 4 455 4 322 8 994 4 672 4 621 9 475 4 854
2026 4 301 8 413 4 112 4 604 8 972 4 367 4 899 9 500 4 601
2027 4 429 8 261 3 832 4 832 8 907 4 074 5 193 9 498 4 305

2028 4 599 8 103 3 504 5 022 8 823 3 801 5 449 9 516 4 067
2029 4 754 7 971 3 217 5 266 8 763 3 497 5 797 9 542 3 745
2030 4 937 7 837 2 900 5 520 8 705 3 185 6 083 9 566 3 483
2031 5 101 7 696 2 595 5 760 8 627 2 867 6 438 9 574 3 136
2032 5 245 7 562 2 317 5 957 8 560 2 603 6 754 9 597 2 843

Entsprechend dieser drei Lohnvarianten ergeben die Modellrechnungen für den Vorausbe­
rechnungszeitraum 2018 bis 2032 drei verschiedene Wertereihen für die Höhe des Bundes­
zuschusses.
- 43 -

In allen drei Lohnvarianten ist der Bundeszuschuss 2032 gegenüber seinem Wert 2018 rück­
läufig. Ursächlich hierfür sind insbesondere die sterblichkeitsbedingten Wegfälle solcher
Rentnerinnen und Rentner, die geschlossene knappschaftliche Erwerbsbiografien und daher
vergleichsweise hohe Renten aufweisen.

Die Entwicklung des Beitragssatzes in der knappschaftlichen Rentenversicherung im 15-jäh­


rigen Vorausberechnungszeitraum ist beispielhaft für das mittlere Lohnszenario in Übersicht
B 16 (vgl. Abschnitt 3.2.2, Teil B) dargestellt.

3. Erläuterungen zu den Vorausberechnungen

Die für die Berechnungen maßgeblichen Annahmen und Schätzverfahren wurden am


11. Oktober 2018 im Abstimmungskreis für die Grundlagen der Vorausberechnungen der Fi­
nanzentwicklung in der gesetzlichen Rentenversicherung beraten. Mitglieder des Abstim­
mungskreises sind das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, das Bundeskanzleramt,
das Bundesministerium der Finanzen, das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, die
Deutsche Bundesbank, das Bundesversicherungsamt und die Deutsche Rentenversicherung
Bund.

3.1 Rechtsstand

Die Berechnungen gehen von geltendem Recht aus. Berücksichtigt werden darüber hinaus
finanzwirksame Maßnahmen, die sich bereits im Gesetzgebungsverfahren befinden sowie
vom Kabinett beschlossene finanzwirksame Maßnahmen. Im Rentenversicherungsbericht
2018 sind daher die Finanzwirkungen der nachstehenden Gesetze, Gesetzentwürfe bzw. Ver­
ordnungen zu berücksichtigen:
 Gesetz zur Beitragsentlastung der Versicherten in der gesetzlichen Krankenversiche­
rung (GKV-Versichertenentlastungsgesetz),
 Entwurf eines Gesetzes über Leistungsverbesserungen und Stabilisierung in der ge­
setzlichen Rentenversicherung (RV-Leistungsverbesserungs- und -Stabilisierungsge­
setz),
 Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Chancen für Qualifizierung und für mehr
Schutz in der Arbeitslosenversicherung (Qualifizierungschancengesetz),
 Verordnung über die Erhebung von Beiträgen zur Arbeitsförderung nach einem nied­
rigeren Beitragssatz für die Kalenderjahre 2019 bis 2022 (Beitragssatzverordnung
2019 – BeiSaV 2019) und
- 44 -

 Entwurf eines Fünften Gesetzes zur Änderung des Elften Buches Sozialgesetzbuch
Beitragssatzanpassung.

Die im GKV-Versichertenentlastungsgesetz geregelte Wiedereinführung der Parität in der


gesetzlichen Krankenversicherung führt bei den Trägern der gesetzlichen Rentenversiche­
rung unmittelbar zu Mehrausgaben von rund 1,4 Mrd. Euro im Jahr 2019. Die Mehrausgaben
zu Lasten der Täger der gesetzlichen Rentenversicherung steigen auf 1,6 Mrd. Euro im Jahr
2022.

Die im Entwurf des RV-Leistungsverbesserungs- und Stabilisierungsgesetzes festgesetzten


Maßnahmen einer Verlängerung der Kindererziehungszeit für vor 1992 geborene Kinder, der
Verlängerung der Zurechnungszeit und der neue Übergangsbereich (Ausweitung der Gleit­
zone) führen bereits im Jahr 2019 zu Mehrausgaben bzw. Mindereinnahmen in der gesetzli­
chen Rentenversicherung von rund 4,1 Mrd. Euro und steigen langfristig auf rund 5 Mrd.
Euro in heutigen Werten an. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass bis zum Jahr 2025 das Si­
cherungsniveau vor Steuern nicht unter 48 Prozent sinken soll und der Beitragssatz zur all­
gemeinen Rentenversicherung nicht über 20 Prozent steigen darf (doppelte Haltelinie). Zur
Wahrung der Beitragssatzobergrenze von 20 Prozent bis zum Jahr 2025 leistet der Bund in
den Jahren 2022 bis 2025 Sonderzahlungen in Höhe von zunächst 500 Mio. Euro je Jahr an
die allgemeine Rentenversicherung, die entsprechend den Regelungen für den allgemeinen
Bundeszuschuss fortgeschrieben werden. Diese Mittel werden erst eingesetzt, wenn der Bei­
tragssatz bei 20 Prozent stabilisiert werden muss. Darüber hinaus wird die Einhaltung der
Beitragssatzobergrenze durch eine neu eingeführte Beitragssatzgarantie abgesichert, nach
der bei Bedarf weitere Bundesmittel für die allgemeine Rentenversicherung bereitzustellen
sind.

Durch die im Entwurf des RV-Leistungsverbesserungs- und -Stabilisierungsgesetzes vorge­


sehene Haltelinie beim Sicherungsniveau haben Veränderungen der Beitragssätze zu den
Sozialversicherungszweigen über ihre Wirkung auf das Sicherungsniveau Auswirkungen auf
die Rentenfinanzen. Sowohl die vorgesehene Beitragssatzsenkung in der Arbeitslosenversi­
cherung um 0,5 Prozentpunkte (dauerhaft 0,4 Prozentpunkte durch das Qualifizierungschan­
cengesetz sowie per Verordnung befristet bis zum Jahr 2022 um weitere 0,1 Prozentpunkte)
als auch die vorgesehene Beitragssatzanhebung in der sozialen Pflegeversicherung um 0,5
Prozentpunkte senken das Sicherungsniveau ab. Diese Absenkung ist im Rahmen der vor­
gesehenen Haltelinie beim Sicherungsniveau durch höhere Rentenanpassungen auszuglei­
chen, was zu Mehrausgaben führt.
- 45 -

3.2 Annahmen zu Löhnen und Arbeitsmarkt

3.2.1 Allgemeine Rentenversicherung

a) mittelfristige Annahmen

Nach den Annahmen des interministeriellen Arbeitskreises „Gesamtwirtschaftliche Voraus­


schätzungen“ vom 11. Oktober 2018 für die Jahre 2018 bis 2022 wird für die durchschnittli­
chen Arbeitsentgelte, die Anzahl der Arbeitnehmer sowie für die Anzahl der Arbeitslosen für
Deutschland folgende Entwicklung unterlegt:

Übersicht B 12
Veränderung der Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer, der Zahl der Arbeitnehmer und
der Zahl der Arbeitslosen von 2018 bis 2022
Deutschland
Veränderung der
Bruttolöhne Zahl der Zahl der
Jahr und -gehälter Arbeitnehmer Arbeitslosen
je Arbeitnehmer in % in % in 1000

2018 + 3,0 + 1,6 2 348

2019 + 3,1 + 1,1 2 238

2020 + 3,1 + 0,8 2 148

2021 + 3,0 - 0,1 2 148

2022 + 3,0 - 0,1 2 148

Übersicht B 13 zeigt die angenommene Entwicklung der Arbeitnehmer ohne Beamte sowie
die der beitragspflichtigen Entgelte, jeweils differenziert nach alten und neuen Ländern.
- 46 -

Übersicht B 13
Veränderung der beitragspflichtigen Entgelte und der Zahl der Arbeitnehmer (ohne Beamte) in
den alten und den neuen Ländern von 2018 bis 2022
Alte und neue Länder
Veränderung der
Beitragspflichtigen Zahl der Arbeitnehmer
Jahr Entgelte in % (ohne Beamte) in %
alte Länder neue Länder alte Länder neue Länder

2018 + 2,9 + 3,0 + 1,73 + 1,71

2019 + 3,0 + 3,1 + 1,14 + 1,14

2020 + 3,1 + 3,2 + 0,87 + 0,86

2021 + 3,0 + 3,1 - 0,10 - 0,10

2022 + 3,0 + 3,1 - 0,10 - 0,10

b) langfristige Annahmen

Im Jahr 2023 wird in der mittleren Variante bei der Entgeltentwicklung eine Zuwachsrate von
3,0 % in den alten Bundesländern und 3,1 % in den neuen Bundesländern angenommen. Im
Anschluss daran verbleibt die Zuwachsrate ab dem Jahr 2024 sowohl in den alten als auch
in den neuen Bundesländern konstant auf einem Niveau von 3,0 % pro Jahr.

Für die Herleitung der unteren Variante werden die Zuwachsraten der mittleren Variante ab
2019 um einen Prozentpunkt vermindert. Zur vervollständigenden Darstellung einer modell­
haften oberen Variante werden die Zuwachsraten der mittleren Variante ebenfalls ab 2019
um einen Prozentpunkt erhöht. Die sich aus der Variation der Annahmen ergebenden Vari­
anten stellen keine Prognosen, sondern reine Modellrechnungen dar, mit denen die Sensiti­
vität des Rechenwerks bezüglich der Annahmen veranschaulicht werden soll.

Die Entwicklung der Durchschnittsentgelte, die daraus abgeleiteten Beitragsbemessungs­


grenzen und die aktuellen Rentenwerte bis zum Jahr 2032 sind für die mittlere Variante der
Übersicht B 14 zu entnehmen. Die ab dem Jahr 2019 ausgewiesenen aktuellen Rentenwerte
sind dabei als Modellergebnisse auf Basis der zugrunde gelegten Annahmen zu verstehen.
Die tatsächlichen künftigen aktuellen Rentenwerte werden jeweils Mitte März eines jeden
Jahres auf Grundlage der dann vorliegenden Daten festgelegt.
- 47 -
Übersicht B 14

Die Durchschnittsentgelte der Versicherten, die aktuellen Rentenwerte und


die Beitragsbemessungsgrenzen in der allgemeinen Rentenversicherung
von 2018 bis 2032 in den alten Ländern in der mittleren Lohnvariante

- Beträge in Euro -

Durchschnittliche Aktuelle Beitragsbemessungs-


Jahr Bruttojahresarbeitsentgelte 1) Rentenwerte 2) grenzen 3)

Betrag/Jahr Betrag/Jahr Betrag/Jahr Betrag/Monat

2018 37 873 32,03 78 000 6 500


2019 38 901 33,05 80 400 6 700
2020 40 365 34,02 82 200 6 850
2021 41 655 35,07 85 200 7 100
2022 43 027 36,12 87 600 7 300

2023 44 234 37,18 90 000 7 500


2024 45 561 38,18 93 000 7 750
2025 46 936 39,11 95 400 7 950
2026 48 335 39,96 98 400 8 200
2027 49 813 40,52 101 400 8 450

2028 51 303 41,20 104 400 8 700


2029 52 848 42,00 107 400 8 950
2030 54 438 42,72 111 000 9 250
2031 56 077 43,46 114 000 9 500
2032 57 765 44,31 117 600 9 800

1) Nach § 69 SGB VI.


2) Nach § 68 SGB VI sowie bis zum Jahr 2025 § 255e SGB VI.
3) Nach § 159 SGB VI.

Hinsichtlich der Entwicklung der Zahl der Beschäftigten in Deutschland liegen den Vorausbe­
rechnungen drei Varianten zugrunde, die jeweils eine niedrigere, eine mittlere und eine hö­
here Beschäftigungsentwicklung beschreiben. Die Annahmen für die mittlere Variante im
Zeitraum bis 2022 entsprechen den oben beschriebenen Mittelfristannahmen. Langfristig ist
die Entwicklung der Beschäftigung vom demografischen Wandel und der Entwicklung der Er­
werbsbeteiligung geprägt. Die Vorausberechnungen in der mittleren Variante orientieren sich
an den Annahmen der „Kommission für die Nachhaltigkeit in der Finanzierung der Sozialen
Sicherungssysteme“ und der im Jahr 2017 aktualisierten 13. koordinierten Bevölkerungsvo­
rausberechnung des Statistischen Bundesamtes.
- 48 -

Die untere bzw. die obere Variante ergibt sich vom Jahr 2019 an aus der Minderung bzw. Er­
höhung der Zuwachsraten der Beschäftigung der mittleren Variante um 0,5 Prozentpunkte.
Mit der Spreizung werden die Auswirkungen unterschiedlicher Beschäftigungsentwicklungen
auf die Finanzlage der Rentenversicherung im Vorausberechnungszeitraum durch eine
Bandbreite der Modellvarianten sichtbar gemacht. Nach 2022 wird die Spreizung bis 2032
zurückgeführt.

Ausgehend von rund 32,9 Mio. Beschäftigten in den alten Ländern im Basisjahr 2018 ergibt
sich in den Modellrechnungen, dass die Beschäftigung bis zum Jahr 2032

 bei niedrigerer Beschäftigungsentwicklung um rund 3,9 Mio. auf rund 29,0 Mio. abnimmt,
 bei mittlerer Beschäftigungsentwicklung um rund 2,6 Mio. auf rund 30,2 Mio. abnimmt und
 bei höherer Beschäftigungsentwicklung um rund 1,3 Mio. auf rund 31,5 Mio. abnimmt.

In den neuen Ländern beträgt die Zahl der Beschäftigten im Basisjahr 2018 rund 5,8 Mio.
Personen. Bis zum Jahr 2032 wird in den Modellrechnungen unterstellt, dass die Beschäfti­
gung

 bei niedrigerer Beschäftigungsentwicklung um rund 0,9 Mio. auf rund 4,9 Mio. abnimmt,
 bei mittlerer Beschäftigungsentwicklung um rund 0,7 Mio. auf rund 5,1 Mio. abnimmt und
 bei höherer Beschäftigungsentwicklung um rund 0,4 Mio. auf rund 5,3 Mio. abnimmt.

Zur Begrenzung der Anzahl der Varianten auf neun wird jede Annahmenkombination in den
alten Ländern nur mit der entsprechenden Annahmenkombination für die neuen Länder ver­
knüpft, also beispielsweise die mittleren Entgelt- und Beschäftigungsannahmen der alten
Länder mit den mittleren Entgelt- und Beschäftigungsannahmen der neuen Länder.

3.2.2 Knappschaftliche Rentenversicherung

a) mittelfristige Annahmen

Für die Modellrechnungen der Finanzentwicklung in der knappschaftlichen Rentenversiche­


rung werden dieselben Lohnannahmen verwendet, die auch in die Modellrechnungen zur all­
gemeinen Rentenversicherung eingehen. Die Entgeltannahme der mittleren Variante wird,
wie bei den Vorausberechnungen für die allgemeine Rentenversicherung, ab 2019 in der un­
teren Entgeltvariante um einen Prozentpunkt vermindert bzw. in der oberen Entgeltvariante
um einen Prozentpunkt erhöht.
- 49 -

Die Beschäftigungsannahmen werden für die knappschaftliche Rentenversicherung über den


gesamten Mittelfristzeitraum gesondert gewählt. Aufsetzend auf dem vorausgeschätzten Er­
gebnis des laufenden Jahres wird für die Entwicklung der Anzahl der Versicherten modellhaft
unterstellt, dass deren durchschnittliche Gesamtzahl in den alten Ländern im Mittelfristzeit­
raum (2019 bis 2022) jährlich zwischen 7,3 % und 7,1 % zurückgeht. Für die neuen Länder
wird modellhaft eine Abnahme der Gesamtzahl der Versicherten von 2019 bis 2022 im jährli­
chen Durchschnitt zwischen 2,6 % und 2,8 % unterstellt.

b) langfristige Annahmen

Auch ab 2023 werden für die Entwicklung der durchschnittlichen Bruttoentgelte sowohl in
den alten als auch in den neuen Ländern die gleichen Annahmen wie bei den Vorausberech­
nungen für die allgemeine Rentenversicherung herangezogen. Analog zur Mittelfrist wird die
mittlere Entgeltannahme in der oberen bzw. unteren Variante um einen Prozentpunkt erhöht
bzw. vermindert.

Langfristige Aussagen über die Entwicklung der Anzahl knappschaftlich Versicherter sind mit
erheblichen Unsicherheiten behaftet. Modellhaft wird für die alten wie auch für die neuen
Länder ein Versichertenrückgang von 1,0 % ab dem Jahr 2023 gegenüber dem jeweiligen
Vorjahr unterstellt.

Der Übersicht B 15 sind die für die Modellrechnungen unterstellten Zahlen der Versicherten
einschließlich der beschäftigten Rentnerinnen und Rentner in der knappschaftlichen Renten­
versicherung für die Jahre 2018 bis 2032 sowie deren prozentuale Veränderung gegenüber
dem jeweiligen Vorjahr getrennt nach alten und neuen Ländern zu entnehmen
- 50 -
Übersicht B 15

Die für die Vorausberechnung der Einnahmen und der Ausgaben


angenommene Entwicklung der Zahl der Versicherten in der
knappschaftlichen Rentenversicherung

jahresdurchschnittliche Veränderung gegenüber


Anzahl der Versicherten 1) dem Vorjahr in %
Jahr
in den alten in den neuen in den alten in den neuen
Ländern Ländern Ländern Ländern

2018 32 762 16 390


2019 30 436 15 937 -7,1 -2,8
2020 28 246 15 504 -7,2 -2,7
2021 26 192 15 090 -7,3 -2,7
2022 24 269 14 692 -7,3 -2,6

2023 24 027 14 545 -1,0 -1,0


2024 23 787 14 400 -1,0 -1,0
2025 23 549 14 256 -1,0 -1,0
2026 23 314 14 113 -1,0 -1,0
2027 23 081 13 972 -1,0 -1,0

2028 22 850 13 832 -1,0 -1,0


2029 22 622 13 694 -1,0 -1,0
2030 22 396 13 557 -1,0 -1,0
2031 22 172 13 421 -1,0 -1,0
2032 21 950 13 287 -1,0 -1,0

1) gemäß § 137 SGB VI i. V. m. § 273 Abs. 1 SGB VI


- 51 -
Übersicht B 16

Die Beitragssätze und die Beitragsbemessungsgrenzen in der


knappschaftlichen Rentenversicherung von 2018 bis 2032
nach der mittleren Variante

Beitragssatz 1) Beitragsbemessungsgrenze2)
Jahr
in % Euro/Jahr Euro/Monat

2018 24,7 96 000 8 000


2019 24,7 98 400 8 200
2020 24,7 101 400 8 450
2021 24,7 104 400 8 700
2022 24,7 107 400 8 950

2023 24,7 111 000 9 250


2024 26,4 114 000 9 500
2025 26,5 117 600 9 800
2026 27,5 121 200 10 100
2027 28,0 124 800 10 400

2028 28,3 128 400 10 700


2029 28,8 132 600 11 050
2030 29,3 136 200 11 350
2031 29,7 140 400 11 700
2032 29,9 144 600 12 050

1) Nach § 158 Abs. 3 SGB VI.


2) Nach § 159 SGB VI.

Übersicht B 16 zeigt am Beispiel der mittleren Variante die Entwicklung des knappschaftli­
chen Beitragssatzes und der knappschaftlichen Beitragsbemessungsgrenze in den alten
Ländern.

Der Beitragssatz in der knappschaftlichen Rentenversicherung betrug im Jahr 1992 23,45 %.


Ausgehend von diesem Wert verändert er sich jeweils in dem Verhältnis, in dem sich der
Beitragssatz in der allgemeinen Rentenversicherung verändert. Der Beitragssatz in der
knappschaftlichen Rentenversicherung ist hierbei für die Beitragssatzfestlegung auf eine De­
zimalstelle aufzurunden (§ 158 Abs. 3 SGB VI).
- 52 -

3.3 Verfahren zur Vorausberechnung der Einnahmen, der Ausgaben und


des Vermögens

3.3.1 Allgemeine Rentenversicherung

Basis der Berechnungen sind die geschätzten Jahresergebnisse 2018 der allgemeinen Ren­
tenversicherung, getrennt für die alten und neuen Länder. Diese Ergebnisse beruhen auf der
Ist-Entwicklung bis einschließlich September 2018.

Für den Vorausberechnungszeitraum werden die wichtigsten Positionen wie folgt ermittelt:

a) Beitragseinnahmen

Die Pflichtbeiträge werden ermittelt, indem das Vorjahresergebnis im Grundsatz pro­


portional zur Entwicklung der Durchschnittsentgelte, der Zahl der Beschäftigten und
des Beitragssatzes fortgeschrieben wird.

Die Bundesagentur für Arbeit zahlt für Arbeitslosengeldempfänger auf der Basis von
80 % des der Leistung zugrunde liegenden Bruttoentgelts Beiträge an die Rentenversi­
cherung. Die Beiträge werden im Grundsatz aus der Entwicklung der Arbeitslosigkeit,
der Durchschnittsentgelte und des Beitragssatzes ermittelt.

Seit dem Jahr 1995 zahlen die Pflegekassen gemäß § 44 des Elften Buches Sozialge­
setzbuch Beiträge zur Rentenversicherung für Pflegepersonen. Die Fortschreibung der
Beiträge orientiert sich an der Veränderung der Nicht-Erwerbspersonen im Alter von 40
bis unter 60 Jahren, die vorwiegend Rentenanwartschaften für häusliche Pflege erwer­
ben. Ferner wird die Entwicklung der Durchschnittsentgelte und des Beitragssatzes zur
gesetzlichen Rentenversicherung berücksichtigt.

Die Fortschreibung der freiwilligen Beiträge erfolgt im Grundsatz gemäß der Entwick­
lung des Beitragssatzes und der Veränderung der Zahl der Beschäftigten.

Die Bemessungsgrundlage für die Beiträge bei Bezügen von Krankengeld ist seit 1995
analog zur Regelung für die Beiträge der Bundesagentur für Arbeit für Arbeitslosen­
geldempfänger auf 80 % des der Leistung zugrunde liegenden Bruttoentgelts festge­
setzt. Bei der Fortschreibung der Beiträge für die Empfänger von Krankengeld werden
neben der Entwicklung der beitragspflichtigen Durchschnittsentgelte und des Beitrags­
satzes auch die Veränderungen der Zahl der Beschäftigten berücksichtigt.
- 53 -

Durch das Gesetz zu Korrekturen in der Sozialversicherung und zur Sicherung der Ar­
beitnehmerrechte werden seit dem 1. Juni 1999 vom Bund Beiträge für Kindererzie­
hungszeiten geleistet. Diese Beiträge werden sich in Deutschland im Jahr 2018 auf
rund 14,3 Mrd. Euro belaufen. Die Fortschreibung erfolgt entsprechend der Entwick­
lung der Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer, des Beitragssatzes in der allgemei­
nen Rentenversicherung und der Zahl der Kinder unter drei Jahren (§ 177 SGB VI).

b) Zuschüsse des Bundes

Der allgemeine Bundeszuschuss in den alten Ländern wird für das jeweils folgende
Jahr gemäß der Veränderung der Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer vom vor­
vergangenen zum vergangenen Jahr fortgeschrieben. Er ändert sich zusätzlich in dem
Verhältnis, in dem sich der Beitragssatz verändert, der sich ohne Berücksichtigung des
zusätzlichen Bundeszuschusses und des Erhöhungsbetrags ergeben würde
(§ 213 Abs. 2 SGB VI). Für das Jahr 2018 beläuft sich der allgemeine Bundeszuschuss
in den alten Ländern auf rund 35 Mrd. Euro.

In den neuen Ländern wird der Bundeszuschuss so berechnet, dass sein Anteil an den
Rentenausgaben in den neuen Ländern so hoch ist wie der entsprechenden Anteil in
den alten Ländern (§ 287e SGB VI). Im Jahr 2018 beträgt er rund 9,6 Mrd. Euro.

Mit dem Rentenüberleitungs-Abschlussgesetz werden neben den Rentenwerten auch


die Rechengrößen in den neuen und alten Bundesländern vereinheitlicht. Ab dem Jahr
2026 ergibt sich daher auch eine veränderte Fortschreibung der Bundeszuschüsse.
Von diesem Zeitpunkt an wird die Summe aus allgemeinem Bundeszuschuss in den
alten Ländern und dem Bundeszuschuss im Beitrittsgebiet mit der Veränderung der ge­
samtdeutschen Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer fortgeschrieben
(§ 213 Abs. 2 SGB VI).

Im Zusammenhang mit dem Rentenreformgesetz 1999 ist durch das Gesetz zur Finan­
zierung eines zusätzlichen Bundeszuschusses zur gesetzlichen Rentenversicherung
der allgemeine Bundeszuschuss um einen zusätzlichen Bundeszuschuss ergänzt wor­
den. Für die Kalenderjahre seit 2000 passt er sich entsprechend der Veränderungsrate
der Umsatzsteuereinnahmen ohne Berücksichtigung von Änderungen des Steuersat­
zes (§ 213 Abs. 3 SGB VI) an. Für das Jahr 2018 beträgt er rund 11,8 Mrd. Euro.

Seit dem Jahr 2000 wird der zusätzliche Bundeszuschuss zur Senkung des Beitrags­
satzes um Einnahmen aus dem Gesetz zur Fortführung der ökologischen Steuerreform
- 54 -

erhöht. Der Erhöhungsbetrag wird seit 2004 ohne weitere Anknüpfung an das Ökosteu­
eraufkommen mit der Entwicklung der Bruttolöhne und -gehälter fortgeschrieben (§ 213
Abs. 4 SGB VI). Diese Mittel betragen im Jahr 2018 rund 13,1 Mrd. Euro.

Mit dem RV-Leistungsverbesserungs- und -Stabilisierungsgesetz werden zwei weitere


Leistungen des Bundes an die allgemeine Rentenversicherung eingeführt, die zur Absi­
cherung der Beitragssatzobergrenze bis zum Jahr 2025 verwendet werden. Zum einen
leistet der Bund in den Jahren 2022 bis 2025 Sonderzahlungen in Höhe von zunächst
500 Millionen Euro je Jahr an die allgemeine Rentenversicherung. Diese werden ent­
sprechend den bestehenden Regelungen für den allgemeinen Bundeszuschuss fortge­
schrieben. Diese zusätzlichen Bundesmittel werden bis zum Jahr 2025 ausschließlich
zur Einhaltung der Beitragssatzobergrenze von 20 Prozent verwendet.

Darüber hinaus wird die Beitragssatzobergrenze durch eine Beitragssatzgarantie des


Bundes abgesichert. Überschreitet der Beitragssatz in der allgemeinen Rentenversi­
cherung bis zum Jahr 2025 bei seiner Festlegung nach § 158 SGB VI voraussichtlich
die Marke von 20 Prozent, wird er abweichend von dieser Regelung gemäß § 287
SGB VI auf 20 Prozent festgesetzt. Der zusätzliche Bundeszuschuss wird dann nach
§§ 213 Abs. 3 und 287 Abs. 2 SGB VI so erhöht, dass unter Berücksichtigung der bis
dahin angefallenen Sonderzahlungen die Nachhaltigkeitsrücklage den Wert von 0,2
Monatsausgaben voraussichtlich wieder erreicht.

c) Erstattungen aus öffentlichen Mitteln

Die Erstattungen aus öffentlichen Mitteln bestehen im Wesentlichen aus den Erstattun­
gen von den Versorgungsdienststellen (jährlich rund 0,7 Mrd. Euro in den alten Län­
dern und rund 0,1 Mrd. Euro in den neuen Ländern).

Erstattungen für Aufwendungen aus der Überführung der Zusatz- und Sonderversor­
gungssysteme werden unter dieser Position nicht erfasst. Analog sind die entsprechen­
den Aufwendungen bei den Renten und der Krankenversicherung der Rentner eben­
falls nicht enthalten.

d) Rentenausgaben

Ausgangspunkt für die Fortschreibung der Rentenausgaben bildet die Bevölkerungs­


entwicklung, die der 2017 aktualisierten Version der 13. koordinierten Bevölkerungsvo­
rausberechnung des Statistischen Bundesamtes entspricht. Die Wanderungsannah­
- 55 -

men und die Geburtenrate sind an die tatsächliche Entwicklung am aktuellen Rand an­
gepasst. Die mittlere fernere Lebenserwartung 65-Jähriger beträgt im Jahr 2030 bei
Männern 19,1 Jahre und bei Frauen 22,4 Jahre. Die zusammengefasste Geburtenziffer
wird langfristig bei 1,59 konstant gehalten. Bezüglich der Außenwanderung wird für die
Vorausberechnung von einem positiven langfristigen Wanderungssaldo in Höhe von
200.000 Personen jährlich ausgegangen, wobei die tatsächliche Entwicklung am aktu­
ellen Rand berücksichtigt ist.

Ausgehend vom Rentenbestand zum 1. Januar 2018 erfolgt die Bestandsfortschrei­


bung durch Ermittlung der Rentenzugänge und der Rentenwegfälle. Die Rentenzu­
gänge in Versichertenrenten werden auf der Basis der Zugangswahrscheinlichkeiten
des Jahres 2017, die Rentenzugänge in Hinterbliebenenrenten auf Basis der durch­
schnittlichen Zugangswahrscheinlichkeiten der Jahre 2015 bis 2017 sowie unter Be­
rücksichtigung der stufenweisen Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre be­
stimmt. Die Rentenwegfälle werden durch die Annahmen zur Lebenserwartung deter­
miniert.

Mit dem Gesetz zur Sicherung der nachhaltigen Finanzierungsgrundlagen der gesetzli­
chen Rentenversicherung (RV-Nachhaltigkeitsgesetz) wurde die Rentenanpassungs­
formel unter anderem durch die Einführung eines Nachhaltigkeitsfaktors modifiziert.
Für den Nachhaltigkeitsfaktor werden die Äquivalenzbeitragszahler bzw. die Äquiva­
lenzrentner wie folgt berechnet: Die Anzahl der Äquivalenzbeitragszahler wird ermittelt,
indem die Summe der Beiträge aller versicherungspflichtig Beschäftigten, der geringfü­
gig Beschäftigten und der Bezieher von Arbeitslosengeld durch den auf das Durch­
schnittsentgelt der Versicherten entfallenden Beitrag zur allgemeinen Rentenversiche­
rung dividiert wird. Die Ermittlung der Anzahl der Äquivalenzrentner erfolgt durch Divi­
sion des Gesamtrentenvolumens durch eine Regelaltersrente mit 45 Entgeltpunkten.
Der Rentnerquotient spiegelt das Verhältnis von Rentenempfängern zu Beitragszahlern
wider. Die Veränderung des Rentnerquotienten und der auf 0,25 gesetzte Parameter
„alpha", der die Wirkung des Nachhaltigkeitsfaktors abmildert, ergeben den Nachhaltig­
keitsfaktor. Durch den Nachhaltigkeitsfaktor wirken sich Veränderungen in der Relation
von Beitragszahlenden zu Rentenbeziehenden langfristig dämpfend auf die Rentenan­
passung aus. Zwischenzeitlich kann sich der Nachhaltigkeitsfaktor auch positiv auf die
Anpassung der Renten auswirken. In Übersicht B 17 ist für die mittlere Lohn- und Be­
schäftigungsvariante die Entwicklung des Nachhaltigkeitsfaktors dargestellt.
- 56 -
Übersicht B 17

Entwicklung des Nachhaltigkeitsfaktors


von 2018 bis 2032 bei mittlerer Lohn- und Beschäftigungsentwicklung
- Deutschland -

Äquivalenz- Äquivalenz- Nachhaltig-


Jahr beitragszahler rentner Rentnerquotient keitsfaktor

2018 30 816 15 594 0,5060 1,0029


2019 31 178 15 932 0,5110 1,0062
2020 30 668 16 076 0,5242 0,9974
2021 30 563 16 234 0,5312 0,9980
2022 30 429 16 440 0,5403 0,9967

2023 30 443 16 647 0,5468 0,9957


2024 30 164 16 866 0,5591 0,9970
2025 29 754 17 101 0,5748 0,9944
2026 29 360 17 326 0,5901 0,9930
2027 28 952 17 615 0,6084 0,9933

2028 28 573 17 911 0,6268 0,9923


2029 28 194 18 191 0,6452 0,9924
2030 27 840 18 476 0,6636 0,9927
2031 27 587 18 760 0,6800 0,9929
2032 27 370 19 038 0,6956 0,9938

Mit dem RV-Nachhaltigkeitsgesetz wurde eine Schutzklausel geschaffen, die sicher­


stellt, dass die Wirkung des Faktors für die Veränderung des durchschnittlichen Bei­
tragssatzes in der allgemeinen Rentenversicherung sowie die des Nachhaltigkeitsfak­
tors nicht zu einer Minderung des aktuellen Rentenwerts gegenüber dem Vorjahr bei­
trägt. Mit dem Gesetz zur Änderung des Vierten Buches Sozialgesetzbuch, zur Errich­
tung einer Versorgungsausgleichskasse und anderer Gesetze wurde die Schutzklausel
dahingehend erweitert, dass es auch aus der Wirkung der anpassungsrelevanten
Lohnentwicklung nicht zu einer Minderung des aktuellen Rentenwerts gegenüber dem
Vorjahr kommen kann. Die durch die Wirkung der Schutzklausel bis zum Jahr 2010 un­
terbliebenen Anpassungsdämpfungen - der so genannte Ausgleichsbedarf - wurden bis
zum Jahr 2014 durch Minderung positiver Rentenanpassungen vollständig abgebaut.

Nach dem Entwurf des RV-Leistungsverbesserungs- und -Stabilisierungsgesetzes soll


bis zum Jahr 2025 das Sicherungsniveau vor Steuern den Wert von 48 Prozent nicht
unterschreiten. Hierfür wird die Rentenanpassungsformel um eine Vorschrift ergänzt,
die dafür sorgt, dass die Renten bis zum Jahr 2025 so angepasst werden, dass min­
destens ein Niveau von 48 Prozent erreicht wird (§ 255e SGB VI). In den kommenden
Rentenanpassungsverordnungen wird zum 1. Juli jeden Jahres dokumentiert, dass die­
ses Ziel durch die Rentenanpassung eingehalten wird.
- 57 -

Die vor diesem Hintergrund aus den Modellrechnungen folgende Entwicklung des aktu­
ellen Rentenwerts in den alten Ländern ist für die mittlere Lohnvariante der Übersicht
B 14 zu entnehmen. Insgesamt steigen die Renten bis zum Jahr 2032 um rund 38 %
an. Dies entspricht einer durchschnittlichen Steigerungsrate von rund 2,5 % pro Jahr.

Seit dem 1. Januar 2002 ist die knappschaftliche Rentenversicherung bereits dann für
die Leistungserbringung zuständig, wenn ein einziger Beitrag aufgrund einer Beschäfti­
gung zur knappschaftlichen Rentenversicherung gezahlt worden ist (§ 136 SGB VI).
Die daraus resultierende Minderung der Rentenausgaben in der allgemeinen Renten­
versicherung wurde bei der Vorausschätzung der Rentenausgaben im Rahmen des
verwendeten Rentenmodells berücksichtigt. Den Minderausgaben stehen erhöhte Aus­
gaben für die Wanderversicherung zwischen der allgemeinen und der knappschaftli­
chen Rentenversicherung in gleichem Umfang gegenüber.

e) Aufwendungen für Leistungen zur Teilhabe, Verwaltung und Verfahren

Im Grundsatz werden die Aufwendungen für Leistungen zur Teilhabe ermittelt, indem
die durch das Wachstums- und Beschäftigungsförderungsgesetz (WFG) festgelegten
und durch das Dritte SGB VI-Änderungsgesetz modifizierten Höchstbeträge mit der
Entgeltsteigerung fortgeschrieben werden. Seit dem Jahr 2014 wird bei der Fortschrei­
bung zusätzlich eine Demografiekomponente gemäß dem Gesetz über Leistungsver­
besserungen in der gesetzlichen Rentenversicherung (RV- Leistungsverbesserungsge­
setz) berücksichtigt. Von diesem Grundsatz wird dann abgewichen, wenn im Basisjahr
eine Überschreitung des Höchstbetrags erwartet wird. Die Überschreitungsbeträge füh­
ren in diesem Fall zwei Jahre später zu einer entsprechenden Minderung der Höchst­
beträge. Im Jahr 2018 dürften die Ausgaben mit rund 6,8 Mrd. Euro unterhalb des
Höchstbetrags bleiben.

Die Aufwendungen für Verwaltung und Verfahren werden mit der Lohnentwicklung fort­
geschrieben. Im Jahr 2018 wird in den alten Ländern von knapp 3,2 Mrd. Euro und in
den neuen Ländern von knapp 0,7 Mrd. Euro ausgegangen.

f) Krankenversicherung der Rentner (KVdR)

Durch das Gesetz zur Weiterentwicklung der Finanzstruktur und der Qualität in der ge­
setzlichen Krankenversicherung (GKV-Finanzstruktur- und Qualitäts- Weiterentwick­
lungsgesetz) wurde der allgemeine paritätisch finanzierte Beitragssatz zum 1. Januar
2015 auf 14,6 % der beitragspflichtigen Einnahmen festgesetzt. Den Zusatzbeitrag, der
- 58 -

bislang nur von den Mitgliedern der Krankenkassen zu tragen ist, erheben die Kran­
kenkassen ab dem 1. Januar 2015 kassenindividuell als Prozentsatz der beitragspflich­
tigen Einnahmen. Mit dem Gesetz zur Beitragsentlastung der Versicherten in der ge­
setzlichen Krankenversicherung (GKV-Versichertenentlastungsgesetz) wird ab dem
1. Januar 2019 auch der Zusatzbeitrag paritätisch finanziert. Die Beiträge zur gesetzli­
chen Krankenversicherung werden damit in gleichem Maße von den Arbeitgeberinnen
oder Arbeitgebern und den Beschäftigten bzw. von der Rentenversicherung und den
Rentnerinnen und Rentnern getragen.

g) Beiträge zur sozialen Pflegeversicherung

Mit dem Zweiten Gesetz zur Änderung des Sechsten Buches Sozialgesetzbuch und
anderer Gesetze ist der Beitrag zur sozialen Pflegeversicherung seit dem 1. April 2004
vollständig von den Rentnerinnen und Rentnern zu tragen. Seitdem fallen für die allge­
meine Rentenversicherung hierfür keine Ausgaben mehr an. Veränderungen des Bei­
tragssatzes zur sozialen Pflegeversicherung wirken sich allerdings auf die Höhe des
Sicherungsniveaus vor Steuern aus.

h) Wanderversicherungsausgleich und Wanderungsausgleich

Seit dem 1. Januar 2002 ist die knappschaftliche Rentenversicherung bereits dann für
die Leistungserbringung zuständig, wenn ein einziger Beitrag aufgrund einer Beschäfti­
gung zur knappschaftlichen Rentenversicherung gezahlt worden ist (§ 136 SGB VI).
Diese Regelung führt dazu, dass sich die Rentenausgaben der allgemeinen Renten­
versicherung vermindern, gleichzeitig aber die Ausgaben für die Wanderversicherung
zwischen der allgemeinen und der knappschaftlichen Rentenversicherung in gleichem
Umfang ansteigen. In den alten Ländern betragen die Rentenaufwendungen, die der
allgemeinen Rentenversicherung aus Rententeilen der von der knappschaftlichen Ren­
tenversicherung ausgezahlten Renten (inklusive KVdR) zuzurechnen sind, im
Jahr 2018 rund 5,0 Mrd. Euro. In den neuen Ländern belaufen sich die Aufwendungen
für solche Rententeile im Jahr 2018 auf gut 2,2 Mrd. Euro. In den Folgejahren steigen
die Ausgaben für die Wanderversicherung jeweils mit den jahresdurchschnittlichen
Rentenerhöhungen und um die Mehrausgaben aus der Neuregelung der Zuständigkeit
der knappschaftlichen Rentenversicherung. Im SGB VI ist ein Wanderversicherungs­
ausgleich auch für die Kosten für Leistungen zur Teilhabe eingeführt worden. Die hier­
durch auftretenden Aufwendungen von insgesamt knapp 82 Mio. Euro im Jahr 2018
werden mit der Entwicklung der Löhne fortgeschrieben.
- 59 -

Zum Ausgleich der Beitragsausfälle als Folge der Abwanderung von Beitragszahlen­
den der knappschaftlichen Rentenversicherung zur allgemeinen Rentenversicherung
nach dem 1. Januar 1991 ist mit dem Renten-Überleitungsgesetz seit 1992 darüber
hinaus ein Wanderungsausgleich zwischen der allgemeinen und der knappschaftlichen
Rentenversicherung eingerichtet worden (§ 223 Abs. 6 SGB VI). In den Vorausschät­
zungen wird unterstellt, dass ausgehend vom Jahr 1991 bis zum Jahr 2018 gut
413 Tsd. und bis zum Jahr 2032 knapp 427 Tsd. Beitragszahlende von der knapp­
schaftlichen Rentenversicherung zur allgemeinen Rentenversicherung abwandern. Die
Aufwendungen für den Wanderungsausgleich belaufen sich im Jahr 2018 auf gut
2,7 Mrd. Euro.

i) Beitragserstattungen

Es wird mit Beitragserstattungen von jährlich rund 0,1 Mrd. Euro in den Jahren ab 2018
in den alten Ländern gerechnet. Die Beitragserstattungen in den neuen Ländern haben
keinen nennenswerten Umfang.

j) Leistungen für Kindererziehung

Mit dem Gesetz über Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung für Kindererzie­
hung an Mütter der Geburtsjahrgänge vor 1921 wurde ab 1. Oktober 1987 in Stufen
auch denjenigen Müttern, die beim Inkrafttreten des Gesetzes zur Neuordnung der Hin­
terbliebenenrenten sowie zur Anerkennung von Kindererziehungszeiten in der gesetzli­
chen Rentenversicherung das 65. Lebensjahr bereits vollendet hatten, für jedes lebend
geborene Kind eine dynamische Leistung für Kindererziehung gewährt. Im Renten-
Überleitungsgesetz wurde für die neuen Länder die Leistung auf Mütter, die am 1. Ja­
nuar 1992 bereits 65 Jahre und älter waren, ausgedehnt.

Durch das Rentenreformgesetz (RRG) 1999 wurden darüber hinaus die Leistungen für
Kindererziehung ab dem 1. Juli 1998 - entsprechend der Bewertung von Kindererzie­
hungszeiten - stufenweise von 75 % auf 100 % des Durchschnittseinkommens angeho­
ben. Mit der Erhöhung der anrechenbaren Kindererziehungszeiten für vor 1992 gebo­
rene Kinder durch das RV-Leistungsverbesserungsgesetz wurden die Leistungen ver­
doppelt. Im Entwurf des RV-Leistungsverbesserungs- und Stabilisierungsgesetzes er­
folgt eine weitere Verlängerung der Kindererziehungszeit für vor 1992 geborene Kinder
auf nunmehr 2,5 Jahre.
- 60 -

k) Vermögen, Verwaltungsvermögen und Nachhaltigkeitsrücklage

Die Berechnungen zur Vermögensentwicklung gehen von dem vorausgeschätzten


Rechnungsergebnis des Bar- und Anlagevermögens in der allgemeinen Rentenversi­
cherung Ende 2018 aus. Das Bar- und Anlagevermögen zukünftiger Jahre wird durch
Fortschreibung mittels des Saldos aus Ist-Einnahmen und Ist-Ausgaben berechnet. Die
Nachhaltigkeitsrücklage ergibt sich dann jeweils durch Abzug des fortgeschriebenen
Verwaltungsvermögens.

3.3.2 Knappschaftliche Rentenversicherung

Grundlage für die Vorausberechnungen bilden die Meldungen der knappschaftlichen Renten­
versicherung über die Einnahmen und die Ausgaben, die zum Zeitpunkt der Fertigstellung
der Vorausberechnungen für die Monate bis einschließlich August 2018 bekannt waren. Aus
diesen Einnahmen und Ausgaben wurden die Jahresergebnisse 2018 geschätzt und hiervon
ausgehend für die Jahre bis 2032 fortgeschrieben.

a) Beitragseinnahmen

Die Beitragseinnahmen für die gemäß § 137 SGB VI und § 273 Abs. 1 SGB VI Versi­
cherten für die Jahre bis 2032 werden proportional zur Veränderung der Zahl dieser
Versicherten, der Durchschnittsentgelte und des Beitragssatzes in der knappschaftli­
chen Rentenversicherung fortgeschrieben.

Die Beitragseinnahmen gemäß § 166 SGB VI für Leistungsempfänger der Bunde­


sagentur für Arbeit werden im Grundsatz mit der Veränderung der Arbeitslosenzahl,
der Durchschnittsentgelte und des Beitragssatzes in der knappschaftlichen Rentenver­
sicherung fortgeschrieben.

b) Wanderungsausgleich

Mit dem Renten-Überleitungsgesetz sind seit 1992 Zahlungen von der allgemeinen
Rentenversicherung zur knappschaftlichen Rentenversicherung im Rahmen eines
Wanderungsausgleichs vorgesehen. Sie dienen dem Ausgleich von Beitragsausfällen,
die sich in der knappschaftlichen Rentenversicherung wegen der strukturbedingten
Verringerung der Versichertenanzahl infolge der Abwanderung von Versicherten erge­
ben. Wenn Versicherte zur allgemeinen Rentenversicherung wechseln, führt das dort
zu höheren Beitragseinnahmen, denen entsprechend höhere Rentenausgaben erst mit
- 61 -

deutlicher Verzögerung gegenüberstehen. Die Beträge errechnen sich aus der Diffe­
renz der durchschnittlichen Anzahl knappschaftlich Versicherter des Jahres, für das der
Wanderungsausgleich gezahlt wird, und der Anzahl knappschaftlich Versicherter am
1. Januar 1991, multipliziert mit den Beitragseinnahmen entsprechend des vorläufigen
Durchschnittsentgelts in der allgemeinen Rentenversicherung (vgl. bereits Abschnitt
3.3.1, Teil B). Dabei wird der Wert für die alten und neuen Länder bis 2018 separat er­
mittelt. Mit dem Rentenüberleitungsabschlussgesetz ist die Festlegung getroffen wor­
den, dass der Wanderungsausgleich ab dem Jahr 2019 für Deutschland insgesamt
festzulegen ist.

c) Erstattungen aus öffentlichen Mitteln

Die Erstattungen aus öffentlichen Mitteln umfassen neben den Erstattungen von den
Versorgungsdienststellen auch die Erstattungen für die Kinderzuschüsse. Die Erstat­
tungen für die Kinderzuschüsse sind mittlerweile bis auf minimale Restbeträge ausge­
laufen.

d) Sonstige Einnahmen

Gemäß § 293 Abs. 1 SGB VI sind Rückflüsse aus den Vermögensanlagen des Rückla­
gevermögens Einnahmen der knappschaftlichen Rentenversicherung. Die Rückflüsse
aus den Vermögensanlagen sind langfristig vernachlässigbar.

e) Bundeszuschuss

Gemäß § 215 SGB VI zahlt der Bund der knappschaftlichen Rentenversicherung den
Unterschiedsbetrag zwischen den Gesamteinnahmen (ohne Bundeszuschuss) und den
Gesamtausgaben eines jeden Kalenderjahres. Er stellt damit die dauerhafte Leistungs­
fähigkeit der knappschaftlichen Rentenversicherung sicher. Die Entwicklung des Bun­
deszuschusses ist in der Übersicht B 11 ausgewiesen. Die Entwicklung der Höhe des
Bundeszuschusses ist im Wesentlichen von der Abnahme der Versichertenzahl, der
Entwicklung des Rentenbestands, dem Zuwachs der Entgelte sowie den Veränderun­
gen des Beitragssatzes und der aktuellen Rentenwerte in der allgemeinen Rentenver­
sicherung abhängig.
- 62 -

f) Rentenausgaben (zu Lasten der knappschaftlichen Rentenversicherung)

Bei der Vorausberechnung der Rentenausgaben werden die Bestandsrenten zum An­
passungstermin mit den aktuellen Rentenwerten der allgemeinen Rentenversicherung
im jeweils laufenden Jahr angepasst.

In den alten Ländern betrug die Anzahl der Versicherten im Jahr 1957 noch rund
700 Tsd. Seitdem hat die Anzahl der Versicherten kontinuierlich bis auf voraussichtlich
rund 33 Tsd. Versicherte im Jahresdurchschnitt 2018 abgenommen. Entsprechend
wird das Rentenvolumen langfristig sinken. Darüber hinaus entwickeln sich auch die
knappschaftlichen Anwartschaften je Versicherten rückläufig. Beide Effekte werden
über eine jährliche Minderung des undynamischen Rentenvolumens von rund 3,0 %
abgebildet. Als Basiswert für 2018 wurde für die Rentenausgaben - inklusive Knapp­
schaftsausgleichsleistungen, Leistungen nach dem KLG und Ausgaben für die Kran­
kenversicherung der Rentner - ein Betrag von 5 928 Mio. Euro angesetzt.

In den neuen Ländern ist das Rentenvolumen bedingt durch Rentenzugänge mit lan­
gen knappschaftlichen Versicherungszeiten bis 2002 noch angestiegen und hat sich in
den Folgejahren auf diesem Niveau gehalten. Als Folge des drastischen Versicherten­
rückgangs (Anfang 1991 rund 250 Tsd. Versicherte, im Jahresdurchschnitt 2018 vo­
raussichtlich rund 16 Tsd. Versicherte mit weiterhin abnehmender Tendenz) muss aber
auch hier langfristig das Rentenvolumen absinken. Dabei wird bei der Fortschreibung
ein Rückgang der undynamischen Rentenausgaben von rund 2 % jährlich angenom­
men. Für das Jahr 2018 sind Rentenausgaben - inklusive Knappschaftsausgleichsleis­
tungen, Leistungen nach dem KLG und Ausgaben für die Krankenversicherung der
Rentner - in Höhe von 2 433 Mio. Euro als Basis geschätzt.

g) Aufwendungen für Leistungen zur Teilhabe

Für 2018 wird bundesweit mit Ausgaben in Höhe von knapp 49 Mio. Euro gerechnet.
Gemäß § 220 SGB VI wird ab 1993 wegen der Annahmen über die langfristige Ent­
wicklung der Anzahl der Versicherten der knappschaftlichen Rentenversicherung mit
einer gegenüber der jeweiligen Entwicklung der Entgelte um einen Prozentpunkt gerin­
geren Steigerung gerechnet.
- 63 -

h) Knappschaftsausgleichsleistung

Die Entwicklung der Anzahl der Knappschaftsausgleichsleistungen ist insbesondere im


Zusammenhang mit dem langfristigen Personalabbau zur Reduzierung der Förderka­
pazitäten im Steinkohlebergbau zu sehen. Die Knappschaftsausgleichsleistung dient
der finanziellen Absicherung der älteren Versicherten nach Ausscheiden aus einem
knappschaftlichen Betrieb. Die Ausgaben für diese Leistungen sind in den alten Län­
dern in den vergangenen Jahren gestiegen. In Anlehnung an diese Entwicklung wird
für die alten Länder ab 2019 ein Zuwachs des undynamischen Leistungsvolumens von
2,5 % jährlich angenommen. Ab dem Jahr 2022 verbleibt das undynamische Leis­
tungsvolumen in den alten Ländern unverändert. Für die neuen Länder wird ein Rück­
gang des undynamischen Leistungsvolumens von 5 % jährlich angenommen. Die
durchschnittliche Höhe der Knappschaftsausgleichsleistungen wird entsprechend der
Entwicklung des aktuellen Rentenwerts fortgeschrieben. Für das Jahr 2018 wird für die
alten und neuen Länder zusammen mit einem Betrag von 272 Mio. Euro gerechnet.
Die Zuschüsse zu den Aufwendungen für die Krankenversicherung der Empfänger von
Knappschaftsausgleichsleistungen sind bei den Ausgaben für die KVdR berücksichtigt.

i) Krankenversicherung der Rentner (KVdR)

Durch das Gesetz zur Weiterentwicklung der Finanzstruktur und der Qualität in der ge­
setzlichen Krankenversicherung (GKV-Finanzstruktur- und Qualitäts- Weiterentwick­
lungsgesetz) wurde der allgemeine paritätisch finanzierte Beitragssatz zum 1. Januar
2015 auf 14,6 % der beitragspflichtigen Einnahmen festgesetzt. Den Zusatzbeitrag, der
bislang nur von den Mitgliedern der Krankenkassen zu tragen ist, erheben die Kran­
kenkassen ab dem 1. Januar 2015 kassenindividuell als Prozentsatz der beitragspflich­
tigen Einnahmen. Mit dem Gesetz zur Beitragsentlastung der Versicherten in der ge­
setzlichen Krankenversicherung (GKV-Versichertenentlastungsgesetz – GKV-VEG)
wird ab dem 1. Januar 2019 auch der Zusatzbeitrag paritätisch finanziert. Die Beiträge
zur gesetzlichen Krankenversicherung werden damit in gleichem Maße von den Arbeit­
geberinnen oder Arbeitgebern und den Beschäftigten bzw. von der Rentenversiche­
rung und den Rentnerinnen und Rentnern getragen.

j) Beiträge zur sozialen Pflegeversicherung

Mit dem Zweiten Gesetz zur Änderung des Sechsten Buches Sozialgesetzbuch und
anderer Gesetze ist der Beitrag zur sozialen Pflegeversicherung seit dem 1. April 2004
vollständig von den Rentnerinnen und Rentnern zu tragen. Seitdem fallen für die
knappschaftliche Rentenversicherung hierfür keine Ausgaben mehr an. Veränderungen
- 64 -

des Beitragssatzes zur sozialen Pflegeversicherung wirken sich allerdings auf die Höhe
des Sicherungsniveaus vor Steuern aus.

k) Beitragserstattungen

Beitragserstattungen haben in der knappschaftlichen Rentenversicherung keinen nen­


nenswerten Umfang.

l) Ausgaben insgesamt

Zu den Ausgaben insgesamt gehören außer den hier erläuterten Ausgabenpositionen


noch die Verwaltungs- und Verfahrenskosten sowie die sonstigen Ausgaben. Bei den
Verwaltungs- und Verfahrenskosten werden die geschätzten Aufwendungen im
Jahr 2018 entsprechend der allgemeinen Lohnentwicklung fortgeschrieben.
Für 2018 wird mit Gesamtausgaben zu eigenen Lasten der knappschaftlichen Renten­
versicherung von 8 604 Mio. Euro gerechnet (wegen des Defizitausgleichs durch den
Bund haben die Gesamteinnahmen die gleiche Höhe). Ihre Höhe wird in der Hauptsa­
che durch die Ausgaben für die Renten zu Lasten der knappschaftlichen Rentenversi­
cherung und für die Krankenversicherung der Rentner bestimmt. Die Entwicklung der
gesamten Ausgaben ist in der Übersicht B 11 wiedergegeben.
- 65 -

Teil C: Die Angleichung der Renten in den neuen Ländern an die in den
alten Ländern

Der aktuelle Rentenwert (Ost) ist seit dem 1. Juli 1991 von 10,79 Euro auf 29,69 Euro zum
1. Juli 2017 gestiegen und hat sich somit fast verdreifacht. Der für die alten Bundesländer
maßgebende aktuelle Rentenwert hat sich in demselben Zeitraum um 46 % erhöht. Der aktu­
elle Rentenwert (Ost) hat sich damit seit 1991 von rund 51 % auf 95,7 % des Westwerts an­
genähert. Dies ist ein sehr positives Ergebnis und spiegelt die erfolgreiche wirtschaftliche
Entwicklung der ostdeutschen Länder seit der Wiedervereinigung wieder.

Fast 30 Jahre nach dem Mauerfall werden mit dem Rentenüberleitungsabschlussgesetz die
Renten in Ost und West vollständig angeglichen. Die Angleichung der Rentenwerte hat am
1. Juli 2018 begonnen und wird zum 1. Juli 2024 abgeschlossen sein. Die weiteren Rechen­
größen in der gesetzlichen Rentenversicherung wie Durchschnittsentgelt, Bezugsgröße und
Beitragsbemessungsgrenze werden - in sieben Schritten - beginnend vom Januar 2019 an­
geglichen.
Übersicht C 1

Die mittelfristige Entwicklung der Angleichung des aktuellen Rentenwertes


in den neuen Ländern an den in den alten Ländern

Stichtag aktueller Rentenwert Verhältniswert des aktuellen


Alte Neue Rentenwertes in den neuen zu
Länder Länder dem in den alten Ländern
in Euro in Euro in %
01.07.2017 31,03 29,69 95,7
01.07.2018 32,03 30,69 95,8
01.07.2019 33,05 31,89 96,5
01.07.2020 34,02 33,07 97,2
01.07.2021 35,07 34,33 97,9
01.07.2022 36,12 35,61 98,6
01.07.2023 37,18 36,92 99,3
01.07.2024 38,18 38,18 100,0

Mit der Rentenanpassung zum 1. Juli 2018 war eine Anhebung auf 95,8 Prozent des West­
werts vorgesehen. Das Gesetz sieht jedoch eine Vergleichsberechnung vor, nach der die
Rentenanpassung der Lohnentwicklung Ost folgt, wenn die Rentenanpassung Ost dadurch
höher ausfällt als nach den festen Angleichungsschritten. Daher ist die Anpassung des aktu­
ellen Rentenwerts (Ost) um einen Eurocent höher ausgefallen als es nach den festen Anglei­
chungsschritten der Fall gewesen wäre. Übersicht C1 zeigt für die mittlere Entgelt- und Be­
schäftigungsentwicklung die Angleichung des aktuellen Rentenwerts (Ost), die zum 1.7.2024
abgeschlossen ist.
- 66 -

Teil D: Auswirkungen der Heraufsetzung der Altersgrenzen

Die voraussichtlichen Auswirkungen der Anhebung der Altersgrenze auf Arbeitsmarkt,


Finanzlage der Rentenversicherung und andere öffentlichen Haushalte (§ 154 Abs. 1
Satz 2 Nr. 3 SGB VI)

Um der seinerzeitigen Frühverrentungspraxis entgegenzuwirken, hat der Gesetzgeber im


Jahr 1989 mit dem Gesetz zur Reform der gesetzlichen Rentenversicherung (Rentenreform­
gesetz 1992 - RRG 1992) beschlossen, die Altersgrenzen bei den Altersrenten wegen Ar­
beitslosigkeit, für Frauen und für langjährig Versicherte schrittweise ab dem Jahr 2001 anzu­
heben. Gleichzeitig wurde eine Berichtspflicht eingeführt, der zufolge die Bundesregierung
beginnend im Jahr 1997 im Rahmen der jährlichen Rentenversicherungsberichte darstellen
soll, wie sich die Anhebung der Altersgrenzen voraussichtlich auf die Arbeitsmarktlage, die
Finanzlage der Rentenversicherung und andere öffentliche Haushalte auswirkt.

Dieser Berichtspflicht kommt die Bundesregierung im Teil D des Rentenversicherungsbe­


richts nach. Eine darüber hinausgehende Berichterstattung im Zusammenhang mit der
schrittweisen Anhebung der Regelaltersgrenze auf das 67. Lebensjahr erfolgt alle vier Jahre
in einem gesonderten Bericht gemäß § 154 Abs. 4 SGB VI, der im Jahr 2018 zum dritten Mal
vorgelegt wird.

Mit dem Gesetz zur Förderung eines gleitenden Übergangs in den Ruhestand und dem
Wachstums- und Beschäftigungsförderungsgesetz aus dem Jahr 1996 sind die Altersgren­
zen zu den oben genannten Altersrenten früher und schneller als ursprünglich vorgesehen
angehoben worden. Die Heraufsetzung der Altersgrenze bei der Altersrente für schwerbehin­
derte Menschen ist durch das Gesetz zur Reform der Renten wegen verminderter Erwerbs­
fähigkeit aus dem Jahr 2000 erfolgt. Mit dem Gesetz zur Sicherung der nachhaltigen Finan­
zierungsgrundlagen der gesetzlichen Rentenversicherung aus dem Jahr 2004 ist die Alters­
grenze für die frühestmögliche Inanspruchnahme der Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder
nach Altersteilzeitarbeit angehoben worden. Die Begründungen der genannten Gesetze ent­
halten Ausführungen zu den Auswirkungen dieser Maßnahmen auf den Arbeitsmarkt und auf
die Finanzlage der Rentenversicherung und der öffentlichen Haushalte. Im Rahmen der par­
lamentarischen Beratungen dieser Gesetze wurden die möglichen Auswirkungen seinerzeit
eingehend diskutiert.

Übersicht D 1 zeigt, dass das durchschnittliche Zugangsalter in Renten wegen Alters seit
dem Jahr 2000 bis zum Jahr 2017 um fast zwei Jahre gestiegen ist.
- 67 -

Übersicht D 1

Durchschnittliches Rentenzugangsalter
in Renten wegen Alters von 2000 bis 2017

Männer Frauen Gesamt

2000 62,2 62,3 62,3


2001 62,4 62,5 62,4
2002 62,6 62,8 62,7
2003 62,9 62,9 62,9
2004 63,1 63,0 63,1

2005 63,1 63,2 63,2


2006 63,3 63,2 63,2
2007 63,3 63,0 63,1
2008 63,4 63,0 63,2
2009 63,5 62,9 63,2

2010 63,8 63,3 63,5


2011 63,8 63,2 63,5
2012 64,0 63,9 64,0
2013 64,1 64,2 64,1
2014* 64,0 64,3 64,1

2015* 63,9 64,1 64,0


2016 63,9 64,2 64,1
2017 64,0 64,1 64,1

* unter Herausrechnung des einmaligen Sondereffekts der "Mütterrenten",


durch w elchen für eine Vielzahl von Frauen im Rentenalter erstmals ein
Anspruch auf Rente entstand. Durchschnittliche Zugangsalter mit
Sondereffekt: 2014: Frauen 65,8 Jahre, Gesamt 64,9 Jahre.
2015: Frauen 64,9 Jahre, Gesamt 64,4 Jahre.
Quelle: Deutsche Rentenversicherung

Die Auswirkungen der bisherigen Anhebung der Altersgrenzen auf den Arbeitsmarkt spiegeln
sich auch in der Erwerbsbeteiligung Älterer und der Zahl der älteren aktiv Versicherten der
Deutschen Rentenversicherung wider. Übersicht D 2 zeigt die Entwicklung der Erwerbstäti­
genquoten der 60- bis 64-Jährigen für den Zeitraum ab dem Jahr 2000.

Die Erwerbstätigenquote der 60- bis 64-jährigen Männer stieg im Zeitraum von 2000 bis
2017 um rund 37 Prozentpunkte auf 64 % an. Die Erwerbstätigenquote 60- bis 64-jähriger
Frauen stieg im gleichen Zeitraum ebenfalls, und zwar um rund 41 Prozentpunkte auf 53 %.
Insgesamt beträgt die Erwerbstätigenquote der 60- bis 64-Jährigen in 2017 das 2,9-fache ih­
res Wertes von 2000. Es ist davon auszugehen, dass die Erwerbsbeteiligung Älterer auch in
Zukunft weiter ansteigen wird.
- 68 -
Übersicht D 2

Erwerbstätigenquoten der 60- bis 64-Jährigen


in den Jahren 2000 bis 2017

Männer Frauen Gesamt

2000 27% 12% 20%


2001 28% 13% 21%
2002 30% 15% 22%
2003 31% 16% 24%
2004 33% 18% 25%

2005 36% 21% 28%


2006 38% 22% 30%
2007 41% 25% 33%
2008 43% 27% 35%
2009 47% 30% 39%

2010 49% 33% 41%


2011 52% 37% 44%
2012 55% 39% 47%
2013 58% 43% 50%
2014 59% 46% 53%

2015 59% 48% 53%


2016 62% 51% 56%
2017 64% 53% 58%

Quelle: Eurostat

Angesichts der weiter steigenden Lebenserwartung und des langfristig demografisch beding­
ten Rückgangs der Personen im erwerbsfähigen Alter ist die schrittweise Anhebung der Al­
tersgrenze für die Regelaltersrente vom 65. auf das 67. Lebensjahr bis 2029 durch das Ge­
setz zur Anpassung der Regelaltersgrenze an die demografische Entwicklung und zur Stär­
kung der Finanzierungsgrundlagen der gesetzlichen Rentenversicherung (RV- Altersgren­
zenanpassungsgesetz, BGBl I 2007, S. 554) eine wichtige rentenpolitische Maßnahme, um
die gesetzlichen Beitragssatzobergrenzen und das Mindestsicherungsniveau einhalten zu
können. Sie darf allerdings nicht ausschließlich als Instrument zur nachhaltigen Finanzierbar­
keit der gesetzlichen Rentenversicherung verstanden werden. Vor dem Hintergrund der de­
mografischen Entwicklung zielt die Maßnahme vor allem auch darauf, die Erwerbstätigkeit
der Älteren zu steigern, um damit einem drohenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Übersicht 1

Übersicht über die Versicherten der gesetzlichen Rentenversicherung ab 2014 zum 31. Dezember des jeweiligen Jahres

1)
Versicherte Aktiv und zwar Passiv davon
Jahr insgesamt Versicherte Pflicht- Freiwillig Geringfügig Anrechnungs- Versicherte Latent Übergangs-
versicherte 2) Versicherte Beschäftigte 3) zeitversicherte 4) Versicherte fälle

Männer und Frauen

Alte Länder

2014 45.386.996 30.227.761 25.772.411 215.186 4.114.010 1.974.792 15.159.235 12.720.392 2.438.843
2015 45.926.114 30.783.200 26.331.557 206.838 3.960.071 2.129.231 15.142.914 12.707.791 2.435.123
2016 46.595.907 31.329.898 26.774.908 199.916 3.901.528 2.323.297 15.266.009 12.802.764 2.463.245

Neue Länder

2014 7.943.323 6.255.327 5.350.563 36.496 396.944 632.929 1.687.996 1.343.168 344.828
2015 7.886.472 6.243.514 5.390.774 34.307 358.974 616.047 1.642.958 1.313.450 329.508
2016 7.849.445 6.269.368 5.420.507 32.115 345.606 628.841 1.580.077 1.261.868 318.209

Deutschland

2014 53.330.319 36.483.088 31.122.974 251.682 4.510.954 2.607.721 16.847.231 14.063.560 2.783.671
2015 53.812.586 37.026.714 31.722.331 241.145 4.319.045 2.745.278 16.785.872 14.021.241 2.764.631
2016 54.445.352 37.599.266 32.195.415 232.031 4.247.134 2.952.138 16.846.086 14.064.632 2.781.454

Männer

Alte Länder

2014 23.516.401 15.612.158 13.767.829 160.601 1.540.506 972.916 7.904.243 6.754.489 1.149.754
2015 23.852.619 15.929.256 14.050.216 151.341 1.495.575 1.051.218 7.923.363 6.773.968 1.149.395
2016 24.307.457 16.289.051 14.319.009 143.976 1.494.705 1.163.606 8.018.406 6.842.148 1.176.258

Neue Länder

2014 4.108.091 3.189.803 2.745.361 24.363 159.413 325.139 918.288 762.731 155.557
2015 4.076.423 3.185.342 2.763.885 22.489 144.495 316.330 891.081 744.226 146.855
2016 4.065.648 3.208.585 2.784.454 20.898 140.578 325.311 857.063 716.041 141.022

Deutschland

2014 27.624.492 18.801.961 16.513.190 184.964 1.699.919 1.298.055 8.822.531 7.517.220 1.305.311
2015 27.929.042 19.114.598 16.814.101 173.830 1.640.070 1.367.548 8.814.444 7.518.194 1.296.250
2016 28.373.105 19.497.636 17.103.463 164.874 1.635.283 1.488.917 8.875.469 7.558.189 1.317.280

Frauen

Alte Länder

2014 21.870.595 14.615.603 12.004.582 54.585 2.573.504 1.001.876 7.254.992 5.965.903 1.289.089
2015 22.073.495 14.853.944 12.281.341 55.497 2.464.496 1.078.013 7.219.551 5.933.823 1.285.728
2016 22.288.450 15.040.847 12.455.899 55.940 2.406.823 1.159.691 7.247.603 5.960.616 1.286.987

Neue Länder

2014 3.835.232 3.065.524 2.605.202 12.133 237.531 307.790 769.708 580.437 189.271
2015 3.810.049 3.058.172 2.626.889 11.818 214.479 299.717 751.877 569.224 182.653
2016 3.783.797 3.060.783 2.636.053 11.217 205.028 303.530 723.014 545.827 177.187

Deutschland

2014 25.705.827 17.681.127 14.609.784 66.718 2.811.035 1.309.666 8.024.700 6.546.340 1.478.360
2015 25.883.544 17.912.116 14.908.230 67.315 2.678.975 1.377.730 7.971.428 6.503.047 1.468.381
2016 26.072.247 18.101.630 15.091.952 67.157 2.611.851 1.463.221 7.970.617 6.506.443 1.464.174

1) Mehrfachnennungen sind möglich.


2) einschließlich pflichtversicherte geringfügig Beschäftigte
3) versicherungsfreie geringfügig Beschäftigte
4) einschließlich Leistungsempfänger nach SGB II

Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung


noch Übersicht 1

Die Versicherten der gesetzlichen Rentenversicherung (ohne Rentenbezug) zum 31. Dezember 2016

Versicherungsverhältnis alte Bundesländer neue Bundesländer Deutschland


Insgesamt Männer Frauen Insgesamt Männer Frauen Insgesamt Männer Frauen

Aktiv Versicherte 31.329.898 16.289.051 15.040.847 6.269.368 3.208.585 3.060.783 37.599.266 19.497.636 18.101.630
1)
und zwar
Pflichtversicherte insges. 26.774.908 14.319.009 12.455.899 5.420.507 2.784.454 2.636.053 32.195.415 17.103.463 15.091.952
1)
und zwar
vers.pflichtig Beschäftigte 2) 25.397.411 13.648.847 11.748.564 5.111.322 2.623.976 2.487.346 30.508.733 16.272.823 14.235.910
und zwar
Altersteilzeitbeschäftigte 195.437 132.932 62.505 38.104 17.526 20.578 233.541 150.458 83.083
geringfügig Beschäftigte 1.051.165 261.258 789.907 104.388 34.630 69.758 1.155.553 295.888 859.665
freiwilliger Wehrdienst 7.195 6.113 1.082 1.614 1.333 281 8.809 7.446 1.363
Leistungsempfänger nach SGB III 574.146 333.772 240.374 137.989 81.644 56.345 712.135 415.416 296.719

Vorruhestandsgeldbezieher 9.366 4.782 4.584 1.520 498 1.022 10.886 5.280 5.606
sonstige Leistungsempfänger 490.608 254.441 236.167 121.164 59.632 61.532 611.772 314.073 297.699
Pflegepersonen 262.148 24.422 237.726 39.851 6.181 33.670 301.999 30.603 271.396

Selbständige 245.935 127.652 118.283 53.453 28.462 24.991 299.388 156.114 143.274
davon
auf Antrag 10.290 7.779 2.511 2.469 1.475 994 12.759 9.254 3.505
kraft Gesetz 47.796 12.323 35.473 10.803 3.365 7.438 58.599 15.688 42.911
Künstler/Publizisten 146.151 74.776 71.375 31.047 16.461 14.586 177.198 91.237 85.961
Handwerker 41.698 32.774 8.924 9.134 7.161 1.973 50.832 39.935 10.897

wegen Kinderziehung 3) 61.587 1.290 60.297 8.271 316 7.955 69.858 1.606 68.252

freiwillig Versicherte 199.916 143.976 55.940 32.115 20.898 11.217 232.031 164.874 67.157

4)
geringfügig Beschäftigte 3.901.528 1.494.705 2.406.823 345.606 140.578 205.028 4.247.134 1.635.283 2.611.851

5)
Anrechnungszeitversicherte 2.323.297 1.163.606 1.159.691 628.841 325.311 303.530 2.952.138 1.488.917 1.463.221

Passiv Versicherte 15.266.009 8.018.406 7.247.603 1.580.077 857.063 723.014 16.846.086 8.875.469 7.970.617
davon
Übergangsfälle 2.463.245 1.176.258 1.286.987 318.209 141.022 177.187 2.781.454 1.317.280 1.464.174

latent Versicherte 12.802.764 6.842.148 5.960.616 1.261.868 716.041 545.827 14.064.632 7.558.189 6.506.443

Versicherte insgesamt 46.595.907 24.307.457 22.288.450 7.849.445 4.065.648 3.783.797 54.445.352 28.373.105 26.072.247

1) Mehrfachnennungen sind möglich.


2) einschließlich pflichtversicherte geringfügig Beschäftigte
3) In der Regel sind diese Zeiten noch nicht im Versicherungskonto erfasst.
4) versicherungsfreie geringfügig Beschäftigte
5) einschließlich Leistungsempfänger nach SGB II

Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung


Übersicht 2

Die Rentenneuzugänge und die Rentenwegfälle 1) in Deutschland nach Versicherungszweigen


und alten und neuen Ländern ab 2015

Rentenneuzugänge Rentenwegfälle
Renten wegen verminderter Renten wegen Todes Renten wegen verminderter Renten wegen Todes
Erwerbsfähigkeit und wegen Alters Erwerbsfähigkeit und wegen Alters
5)
Jahr insgesamt darunter wegen Alters insgesamt darunter insgesamt darunter wegen Alters insgesamt darunter
insgesamt darunter Witwen-/ Waisen- insgesamt darunter Witwen-/ Waisen-
flexible 2) Witwer- renten flexible 2) Witwer- renten
renten 3) renten 3)

Deutschland
Allgemeine Rentenversicherung

2015 1.036.277 868.015 191.947 377.684 315.724 60.717 858.014 784.007 121.314 455.194 337.325 116.239
2016 933.942 765.490 201.904 363.386 305.290 56.851 847.667 771.083 125.558 447.513 328.206 117.668
2017 902.508 741.944 188.975 360.557 305.165 54.306 860.190 785.129 132.173 461.706 332.649 127.541

Knappschaftliche Rentenversicherung 4)
2015 26.572 20.506 6.459 26.306 24.426 1.872 32.979 30.390 5.469 36.830 30.745 6.068
2016 23.772 18.228 6.973 24.643 22.929 1.699 30.443 28.027 5.553 32.139 26.524 5.598
2017 21.949 16.875 5.932 23.965 22.476 1.480 31.190 28.842 5.715 33.137 27.764 5.352

Gesetzliche Rentenversicherung

2015 1.062.849 888.521 198.406 403.990 340.150 62.589 890.993 814.397 126.783 492.024 368.070 122.307
2016 957.714 783.718 208.877 388.029 328.219 58.550 878.110 799.110 131.111 479.652 354.730 123.266
2017 924.457 758.819 194.907 384.522 327.641 55.786 891.380 813.971 137.888 494.843 360.413 132.893

Alte Länder
Gesetzliche Rentenversicherung

2015 858.664 719.018 146.338 324.670 270.020 53.587 719.253 660.597 110.824 399.251 295.418 102.480
2016 766.821 626.988 151.151 312.395 261.019 50.295 709.690 648.520 114.102 391.431 285.372 104.725
2017 743.645 611.129 145.582 308.633 259.938 47.785 718.794 658.573 119.127 403.980 288.424 114.299

Neue Länder
Gesetzliche Rentenversicherung

2015 204.185 169.503 52.068 79.320 70.130 9.002 171.740 153.800 15.959 92.773 72.652 19.827
2016 190.893 156.730 57.726 75.634 67.200 8.255 168.420 150.590 17.009 88.221 69.358 18.541
2017 180.812 147.690 49.325 75.889 67.703 8.001 172.586 155.398 18.761 90.863 71.989 18.594

1) ohne Berücksichtigung von Umwandlungen und ohne Artikel 2 RÜG-Renten


2) Altersrenten an langjährig Versicherte sowie für schwerbehinderte Menschen
3) ohne die wegen Einkommensanrechnung vollständig ruhenden Renten
4) ohne Knappschaftsausgleichsleistungen
5) Zahl der Altersrentenzugänge ist in 2015 u.a. durch Strukturverschiebungen besonders hoch. Dabei handelt es sich insbesondere um die Auswirkungen des
Wegfalls der Altersrente für Frauen und der Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeitarbeit ab dem Geburtsjahr 1952 sowie der Reform der
Altersrente für besonders langjährig Versicherte ("Rente ab 63"). Zudem erlangten im Jahr 2015 noch rund 39 Tsd. Personen ab Alter 65, größtenteils Frauen in
den alten Bundesländern, durch die Anerkennung eines weiteren Kindererziehungsjahres für Geburten bis 1992, erstmalig einen Rentenanspruch.

Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung


Übersicht 3

1)
Verteilung der Nichtvertragsrentenzugänge des Jahres 2017 nach Beitragszeiten und nach Altersrentenarten (GRV-Deutschland)
Männer Frauen
Beitrags- Altersrenten Altersrenten
zeiten von Insgesamt Regel- für für lang- für schwer- wegen für langj. Insgesamt Regel- für für lang- für schwer- wegen für
... bis unter alters- besonders jährig Ver- behinderte Arbeits- unter Tage alters- besonders jährig Ver- behinderte Arbeits- Frauen
... Jahren renten lang- sicherte Menschen losigkeit/ Beschäf- renten lang- sicherte Menschen losigkeit/
jährig Ver- Altersteil- tigte jährig Ver- Altersteil-
sicherte zeitarbeit sicherte zeitarbeit

Anzahl der Renten


unter 40 102.296 73.927 28 20.642 7.497 198 4 201.125 123.923 11.742 50.168 13.253 33 2.006
40-41 8.195 2.514 20 4.310 1.325 22 4 11.353 1.838 3.192 4.827 1.333 6 157
41-42 8.523 2.650 47 4.374 1.419 31 2 11.610 1.985 3.290 4.699 1.467 6 163
42-43 9.525 3.344 171 4.366 1.584 54 6 12.140 2.115 3.757 4.521 1.576 7 164
43-44 10.002 3.014 647 4.096 2.179 50 16 13.281 1.925 5.268 4.043 1.876 3 166
44-45 12.627 3.435 3.682 2.832 2.611 55 12 17.308 2.019 10.901 2.504 1.728 5 151
über 45 148.667 21.431 113.940 6.019 7.140 129 8 80.280 9.480 63.355 4.144 2.849 37 415

Insgesamt 299.835 110.315 118.535 46.639 23.755 539 52 347.097 143.285 101.505 74.906 24.082 97 3.222
über 45
in % 49,6% 19,4% 96,1% 12,9% 30,1% 23,9% 15,4% 23,1% 6,6% 62,4% 5,5% 11,8% 38,1% 12,9%
Durchschnittlicher Rentenzahlbetrag (€/Monat)
unter 40 677 541 1.063 1.048 978 938 2.021 510 396 798 664 719 670 652
40-41 1.224 1.305 1.299 1.187 1.184 1.385 2.228 927 991 888 917 959 1.266 988
41-42 1.226 1.293 1.258 1.201 1.179 1.295 1.053 971 1.063 927 954 991 1.382 1.042
42-43 1.277 1.333 1.232 1.257 1.216 1.257 2.220 1.000 1.101 957 984 1.002 1.091 1.095
43-44 1.280 1.322 1.259 1.274 1.232 1.269 2.151 1.019 1.100 1.009 994 1.011 1.031 1.062
44-45 1.288 1.357 1.279 1.251 1.246 1.384 2.235 1.055 1.147 1.059 971 1.041 1.192 1.113
über 45 1.393 1.348 1.413 1.255 1.331 1.393 1.935 1.142 1.205 1.144 1.009 1.100 1.222 1.143

Insgesamt 1.127 804 1.407 1.154 1.176 1.194 2.099 749 497 1.066 765 858 1.030 817

Hinweis: Statistisch nicht auswertbare Fälle wurden nicht in die Auswertung einbezogen.
1) vollwertige und beitragsgeminderte Zeiten

Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung

noch Übersicht 3

1)
Verteilung der Nichtvertragsrentenzugänge des Jahres 2017 nach Beitragszeiten u. Berücksichtigungszeiten und nach Altersrentenarten (GRV-Deutschland)
Männer Frauen
Beitrags- Altersrenten Altersrenten
zeiten u. Be- Insgesamt Regel- für für lang- für schwer- wegen für langj. Insgesamt Regel- für für lang- für schwer- wegen für
rücksichti- alters- besonders jährig Ver- behinderte Arbeits- unter Tage alters- besonders jährig Ver- behinderte Arbeits- Frauen
gungszei- renten lang- sicherte Menschen losigkeit/ Beschäf- renten lang- sicherte Menschen losigkeit/
ten von jährig Ver- Altersteil- tigte jährig Ver- Altersteil-
... bis unter sicherte zeitarbeit sicherte zeitarbeit
... Jahren

Anzahl der Renten


unter 40 102.167 73.872 8 20.598 7.487 198 4 166.507 116.048 61 39.521 9.527 21 1.329
40-41 8.195 2.519 12 4.316 1.322 22 4 10.011 1.906 84 6.402 1.430 4 185
41-42 8.538 2.666 39 4.383 1.417 31 2 10.951 2.223 222 6.631 1.654 7 214
42-43 9.526 3.346 159 4.374 1.587 54 6 11.990 2.493 613 6.730 1.942 6 206
43-44 10.016 3.026 639 4.105 2.180 50 16 13.463 2.397 2.264 6.071 2.469 2 260
44-45 12.630 3.436 3.674 2.840 2.613 55 12 20.198 2.769 10.948 3.649 2.570 4 258
über 45 148.763 21.450 114.004 6.023 7.149 129 8 113.977 15.449 87.313 5.902 4.490 53 770

Insgesamt 299.835 110.315 118.535 46.639 23.755 539 52 347.097 143.285 101.505 74.906 24.082 97 3.222
über 45
in % 49,6% 19,4% 96,2% 12,9% 30,1% 23,9% 15,4% 32,8% 10,8% 86,0% 7,9% 18,6% 54,6% 23,9%
Durchschnittlicher Rentenzahlbetrag (€/Monat)
unter 40 676 541 1.072 1.048 978 938 2.021 459 369 920 659 701 574 603
40-41 1.223 1.304 1.253 1.186 1.185 1.385 2.228 851 876 1.001 831 894 1.128 854
41-42 1.226 1.292 1.252 1.201 1.180 1.295 1.053 893 959 1.092 856 919 1.416 950
42-43 1.277 1.334 1.246 1.256 1.215 1.257 2.220 928 997 1.064 884 942 991 982
43-44 1.279 1.321 1.261 1.273 1.232 1.269 2.151 947 994 1.019 902 949 776 911
44-45 1.288 1.357 1.279 1.251 1.246 1.384 2.235 987 1.025 1.014 898 959 1.212 978
über 45 1.393 1.347 1.412 1.254 1.330 1.393 1.935 1.066 1.089 1.073 943 1.013 1.152 1.009

Insgesamt 1.127 804 1.407 1.154 1.176 1.194 2.099 749 497 1.066 765 858 1.030 817

Hinweis: Statistisch nicht auswertbare Fälle wurden nicht in die Auswertung einbezogen.
1) vollwertige und beitragsgeminderte Zeiten sowie Berücksichtigungszeiten

Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung


noch Übersicht 3

1)
Verteilung der Nichtvertragsrentenzugänge des Jahres 2017 nach Beitragszeiten und nach Altersrentenarten (GRV-West)
Männer Frauen
Beitrags- Altersrenten Altersrenten
zeiten von Insgesamt Regel- für für lang- für schwer- wegen für langj. Insgesamt Regel- für für lang- für schwer- wegen für
... bis unter alters- besonders jährig Ver- behinderte Arbeits- unter Tage alters- besonders jährig Ver- behinderte Arbeits- Frauen
... Jahren renten lang- sicherte Menschen losigkeit/ Beschäf- renten lang- sicherte Menschen losigkeit/
jährig Ver- Altersteil- tigte jährig Ver- Altersteil-
sicherte zeitarbeit sicherte zeitarbeit

Anzahl der Renten


unter 40 84.399 62.365 27 15.658 6.175 170 4 178.148 114.720 11.617 38.534 11.379 33 1.865
40-41 5.720 2.122 19 2.588 968 19 4 8.048 1.522 3.111 2.337 952 5 121
41-42 5.864 2.014 46 2.690 1.094 19 1 8.105 1.467 3.135 2.333 1.060 3 107
42-43 6.319 2.110 158 2.792 1.223 33 3 8.272 1.488 3.343 2.240 1.091 7 103
43-44 7.199 2.253 582 2.676 1.649 36 3 8.820 1.425 3.930 2.085 1.261 3 116
44-45 8.933 2.454 2.611 1.792 2.042 32 2 10.293 1.443 6.338 1.192 1.225 3 92
über 45 112.131 17.251 84.390 4.269 6.124 91 6 52.192 6.768 40.700 2.150 2.314 25 235

Insgesamt 230.565 90.569 87.833 32.465 19.275 400 23 273.878 128.833 72.174 50.871 19.282 79 2.639
über 45
in % 48,6% 19,0% 96,1% 13,1% 31,8% 22,8% 26,1% 19,1% 5,3% 56,4% 4,2% 12,0% 31,6% 8,9%
Durchschnittlicher Rentenzahlbetrag (€/Monat)
unter 40 672 523 1.080 1.128 1.012 956 2.021 492 381 798 657 714 670 647
40-41 1.317 1.345 1.355 1.326 1.225 1.431 2.228 916 979 888 905 932 1.185 935
41-42 1.298 1.300 1.262 1.327 1.224 1.412 907 949 995 923 947 963 1.069 961
42-43 1.309 1.282 1.233 1.362 1.244 1.201 2.304 976 1.025 949 971 1.001 1.091 1.031
43-44 1.320 1.307 1.277 1.364 1.281 1.358 2.530 1.010 1.045 993 1.010 1.021 1.031 1.028
44-45 1.329 1.354 1.320 1.349 1.290 1.397 1.525 1.046 1.084 1.033 1.059 1.060 1.123 1.007
über 45 1.466 1.370 1.498 1.363 1.375 1.454 2.051 1.180 1.205 1.184 1.120 1.115 1.186 1.126

Insgesamt 1.153 780 1.490 1.243 1.217 1.205 2.076 702 461 1.063 739 845 949 760

Hinweis: Statistisch nicht auswertbare Fälle wurden nicht in die Auswertung einbezogen.
1) vollwertige und beitragsgeminderte Zeiten

Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung

noch Übersicht 3

1)
Verteilung der Nichtvertragsrentenzugänge des Jahres 2017 nach Beitragszeiten u. Berücksichtigungszeiten und nach Altersrentenarten (GRV-West)
Männer Frauen
Beitrags- Altersrenten Altersrenten
zeiten u. Be- Insgesamt Regel- für für lang- für schwer- wegen für langj. Insgesamt Regel- für für lang- für schwer- wegen für
rücksichti- alters- besonders jährig Ver- behinderte Arbeits- unter Tage alters- besonders jährig Ver- behinderte Arbeits- Frauen
gungszei- renten lang- sicherte Menschen losigkeit/ Beschäf- renten lang- sicherte Menschen losigkeit/
ten von jährig Ver- Altersteil- tigte jährig Ver- Altersteil-
... bis unter sicherte zeitarbeit sicherte zeitarbeit
... Jahren

Anzahl der Renten


unter 40 84.275 62.310 7 15.619 6.165 170 4 144.936 107.084 58 28.780 7.787 21 1.206
40-41 5.719 2.127 11 2.593 965 19 4 6.735 1.637 78 3.810 1.051 4 155
41-42 5.880 2.030 38 2.699 1.093 19 1 7.527 1.732 190 4.185 1.259 3 158
42-43 6.320 2.112 147 2.799 1.226 33 3 8.193 1.819 478 4.287 1.459 6 144
43-44 7.212 2.265 574 2.685 1.649 36 3 9.477 1.900 1.562 3.967 1.835 2 211
44-45 8.937 2.456 2.605 1.798 2.044 32 2 13.822 2.155 7.174 2.270 2.029 2 192
über 45 112.222 17.269 84.451 4.272 6.133 91 6 83.188 12.506 62.634 3.572 3.862 41 573

Insgesamt 230.565 90.569 87.833 32.465 19.275 400 23 273.878 128.833 72.174 50.871 19.282 79 2.639
über 45
in % 48,7% 19,1% 96,1% 13,2% 31,8% 22,8% 26,1% 30,4% 9,7% 86,8% 7,0% 20,0% 51,9% 21,7%
Durchschnittlicher Rentenzahlbetrag (€/Monat)
unter 40 671 522 1.139 1.128 1.012 956 2.021 432 352 923 650 691 574 594
40-41 1.317 1.345 1.346 1.324 1.227 1.431 2.228 810 859 983 773 851 1.128 814
41-42 1.297 1.298 1.256 1.326 1.224 1.412 907 839 873 1.049 803 878 1.051 829
42-43 1.310 1.284 1.248 1.362 1.244 1.201 2.304 870 891 1.011 828 920 991 895
43-44 1.320 1.306 1.280 1.363 1.280 1.358 2.530 909 927 963 869 937 776 855
44-45 1.328 1.354 1.320 1.348 1.290 1.397 1.525 945 952 954 908 953 1.129 886
über 45 1.466 1.369 1.498 1.363 1.375 1.454 2.051 1.069 1.066 1.079 990 1.012 1.110 963

Insgesamt 1.153 780 1.490 1.243 1.217 1.205 2.076 702 461 1.063 739 845 949 760

Hinweis: Statistisch nicht auswertbare Fälle wurden nicht in die Auswertung einbezogen.
1) vollwertige und beitragsgeminderte Zeiten sowie Berücksichtigungszeiten

Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung


noch Übersicht 3

1)
Verteilung der Nichtvertragsrentenzugänge des Jahres 2017 nach Beitragszeiten und nach Altersrentenarten (GRV-Ost)
Männer Frauen
Beitrags- Altersrenten Altersrenten
zeiten von Insgesamt Regel- für für lang- für schwer- wegen für langj. Insgesamt Regel- für für lang- für schwer- wegen für
... bis unter alters- besonders jährig Ver- behinderte Arbeits- unter Tage alters- besonders jährig Ver- behinderte Arbeits- Frauen
... Jahren renten lang- sicherte Menschen losigkeit/ Beschäf- renten lang- sicherte Menschen losigkeit/
jährig Ver- Altersteil- tigte jährig Ver- Altersteil-
sicherte zeitarbeit sicherte zeitarbeit

Anzahl der Renten


unter 40 17.897 11.562 1 4.984 1.322 28 - 22.977 9.203 125 11.634 1.874 - 141
40-41 2.475 392 1 1.722 357 3 - 3.305 316 81 2.490 381 1 36
41-42 2.659 636 1 1.684 325 12 1 3.505 518 155 2.366 407 3 56
42-43 3.206 1.234 13 1.574 361 21 3 3.868 627 414 2.281 485 - 61
43-44 2.803 761 65 1.420 530 14 13 4.461 500 1.338 1.958 615 - 50
44-45 3.694 981 1.071 1.040 569 23 10 7.015 576 4.563 1.312 503 2 59
über 45 36.536 4.180 29.550 1.750 1.016 38 2 28.088 2.712 22.655 1.994 535 12 180

Insgesamt 69.270 19.746 30.702 14.174 4.480 139 29 73.219 14.452 29.331 24.035 4.800 18 583
über 45
in % 52,7% 21,2% 96,2% 12,3% 22,7% 27,3% 6,9% 38,4% 18,8% 77,2% 8,3% 11,1% 66,7% 30,9%
Durchschnittlicher Rentenzahlbetrag (€/Monat)
unter 40 700 643 604 798 820 833 - 647 574 825 687 747 - 720
40-41 1.009 1.086 234 979 1.071 1.093 - 954 1.049 895 929 1.027 1.674 1.168
41-42 1.068 1.270 1.085 999 1.027 1.110 1.198 1.023 1.256 1.007 961 1.064 1.696 1.198
42-43 1.214 1.420 1.211 1.070 1.121 1.344 2.136 1.050 1.284 1.024 996 1.005 - 1.203
43-44 1.175 1.366 1.096 1.104 1.082 1.039 2.064 1.036 1.255 1.057 977 991 - 1.140
44-45 1.191 1.363 1.177 1.083 1.087 1.367 2.377 1.069 1.305 1.096 890 995 1.294 1.278
über 45 1.167 1.257 1.169 989 1.062 1.249 1.586 1.071 1.205 1.071 888 1.036 1.296 1.165

Insgesamt 1.041 914 1.169 949 999 1.163 2.116 927 811 1.072 820 911 1.383 1.074

Hinweis: Statistisch nicht auswertbare Fälle wurden nicht in die Auswertung einbezogen.
1) vollwertige und beitragsgeminderte Zeiten

Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung

noch Übersicht 3

1)
Verteilung der Nichtvertragsrentenzugänge des Jahres 2017 nach Beitragszeiten u. Berücksichtigungszeiten und nach Altersrentenarten (GRV-Ost)
Männer Frauen
Beitrags- Altersrenten Altersrenten
zeiten u. Be- Insgesamt Regel- für für lang- für schwer- wegen für langj. Insgesamt Regel- für für lang- für schwer- wegen für
rücksichti- alters- besonders jährig Ver- behinderte Arbeits- unter Tage alters- besonders jährig Ver- behinderte Arbeits- Frauen
gungszei- renten lang- sicherte Menschen losigkeit/ Beschäf- renten lang- sicherte Menschen losigkeit/
ten von jährig Ver- Altersteil- tigte jährig Ver- Altersteil-
... bis unter sicherte zeitarbeit sicherte zeitarbeit
... Jahren

Anzahl der Renten


unter 40 17.892 11.562 1 4.979 1.322 28 - 21.571 8.964 3 10.741 1.740 - 123
40-41 2.476 392 1 1.723 357 3 - 3.276 269 6 2.592 379 - 30
41-42 2.658 636 1 1.684 324 12 1 3.424 491 32 2.446 395 4 56
42-43 3.206 1.234 12 1.575 361 21 3 3.797 674 135 2.443 483 - 62
43-44 2.804 761 65 1.420 531 14 13 3.986 497 702 2.104 634 - 49
44-45 3.693 980 1.069 1.042 569 23 10 6.376 614 3.774 1.379 541 2 66
über 45 36.541 4.181 29.553 1.751 1.016 38 2 30.789 2.943 24.679 2.330 628 12 197

Insgesamt 69.270 19.746 30.702 14.174 4.480 139 29 73.219 14.452 29.331 24.035 4.800 18 583
über 45
in % 52,8% 21,2% 96,3% 12,4% 22,7% 27,3% 6,9% 42,1% 20,4% 84,1% 9,7% 13,1% 66,7% 33,8%
Durchschnittlicher Rentenzahlbetrag (€/Monat)
unter 40 700 643 604 798 820 833 - 639 565 879 684 744 - 690
40-41 1.008 1.086 234 978 1.071 1.093 - 935 981 1.233 916 1.013 - 1.061
41-42 1.069 1.270 1.085 1.000 1.028 1.110 1.198 1.013 1.264 1.349 946 1.047 1.691 1.292
42-43 1.213 1.420 1.228 1.070 1.119 1.344 2.136 1.052 1.285 1.250 983 1.006 - 1.184
43-44 1.175 1.366 1.096 1.104 1.083 1.039 2.064 1.036 1.247 1.143 963 986 - 1.153
44-45 1.191 1.364 1.178 1.083 1.087 1.367 2.377 1.079 1.281 1.128 883 983 1.294 1.246
über 45 1.167 1.257 1.169 989 1.062 1.249 1.586 1.058 1.186 1.060 870 1.019 1.296 1.142

Insgesamt 1.041 914 1.169 949 999 1.163 2.116 927 811 1.072 820 911 1.383 1.074

Hinweis: Statistisch nicht auswertbare Fälle wurden nicht in die Auswertung einbezogen.
1) vollwertige und beitragsgeminderte Zeiten sowie Berücksichtigungszeiten

Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung


Übersicht 4

Die Anzahl und der durchschnittliche Rentenzahlbetrag 1) der laufenden Renten nach dem Rentenfallkonzept 2) und dem Geschlecht
in Deutschland nach Versicherungszweigen und alten und neuen Ländern
ab 2015 zum 1. Juli des jeweiligen Jahres

- Männer -

Anzahl der Renten Durchschnittlicher Rentenzahlbetrag in €/Monat


Renten wegen verminderter Renten wegen Todes Renten wegen verminderter Renten wegen Todes
Erwerbsfähigkeit und wegen Alters Erwerbsfähigkeit und wegen Alters
Jahr insgesamt darunter wegen Alters insgesamt6) darunter insgesamt darunter wegen Alters insgesamt6) darunter
insgesamt darunter Witwer- Waisen- insgesamt darunter Witwer- Waisen-
flexible 3) renten 4) renten flexible 3) renten 4) renten

Deutschland
Allgemeine Rentenversicherung
2015 8.326.476 7.513.104 285.443 610.208 609.306 . 1.010,01 1.040,78 1.088,31 295,21 294,75 .
2016 8.399.476 7.579.768 250.415 628.420 627.496 . 1.050,63 1.082,77 1.117,90 308,87 308,39 .
2017 8.421.432 7.602.780 243.197 640.892 639.991 . 1.068,39 1.101,02 1.124,79 316,12 315,65 .
5)
Knappschaftliche Rentenversicherung
2015 495.176 441.512 15.377 9.469 9.445 . 1.270,34 1.322,67 1.168,30 395,43 394,40 .
2016 488.792 436.815 14.654 9.765 9.732 . 1.318,59 1.371,05 1.223,99 413,44 412,05 .
2017 478.428 428.584 15.390 9.869 9.843 . 1.341,84 1.393,53 1.260,84 427,48 426,52 .

Gesetzliche Rentenversicherung
2015 8.821.652 7.954.616 300.820 619.677 618.751 . 1.024,62 1.056,43 1.092,39 296,74 296,27 .
2016 8.888.268 8.016.583 265.069 638.185 637.228 . 1.065,36 1.098,48 1.123,77 310,47 309,98 .
2017 8.899.860 8.031.364 258.587 650.761 649.834 . 1.083,09 1.116,63 1.132,88 317,81 317,34 .

Alte Länder
Gesetzliche Rentenversicherung
2015 7.121.455 6.461.211 237.908 428.659 427.867 . 1.012,40 1.039,31 1.136,71 273,26 272,65 .
2016 7.169.365 6.501.902 205.292 443.524 442.710 . 1.050,81 1.079,18 1.176,01 283,77 283,12 .
2017 7.171.244 6.502.661 195.889 453.954 453.166 . 1.066,62 1.095,67 1.190,87 288,03 287,41 .

Neue Länder
Gesetzliche Rentenversicherung
2015 1.700.197 1.493.405 62.912 191.018 190.884 . 1.075,83 1.130,49 924,81 349,42 349,23 .
2016 1.718.903 1.514.681 59.777 194.661 194.518 . 1.126,07 1.181,34 944,37 371,32 371,10 .
2017 1.728.616 1.528.703 62.698 196.807 196.668 . 1.151,40 1.205,81 951,72 386,51 386,29 .

1) Rente nach Abzug des Eigenbeitrags zur KVdR und PVdR


2) Anzahlen und durchschnittliche Rentenzahlbeträge der Einzelrenten (an Mehrfachrentner geleisteten Renten werden einzeln entsprechend ihren Rentenarten gezählt)
3) Altersrente an langjährig Versicherte sowie für schwerbehinderte Menschen vor Erreichen der Regelaltersgrenze
4) ohne die wegen Einkommensanrechnung vollständig ruhenden Renten
5) ohne Knappschaftsausgleichsleistungen
6) ohne Waisenrenten, einschließlich Erziehungsrenten

Quelle: Rentenbestandsaufnahme des BMAS aus dem Datensatz des Renten Service der Deutschen Post AG
noch Übersicht 4

Die Anzahl und der durchschnittliche Rentenzahlbetrag 1) der laufenden Renten nach dem Rentenfallkonzept 2) und dem Geschlecht
in Deutschland nach Versicherungszweigen und alten und neuen Ländern
ab 2015 zum 1. Juli des jeweiligen Jahres

- Frauen -

Anzahl der Renten Durchschnittlicher Rentenzahlbetrag in €/Monat


Renten wegen verminderter Renten wegen Todes Renten wegen verminderter Renten wegen Todes
Erwerbsfähigkeit und wegen Alters Erwerbsfähigkeit und wegen Alters
Jahr insgesamt darunter wegen Alters insgesamt6) darunter insgesamt darunter wegen Alters insgesamt6) darunter
insgesamt darunter Witwen- Waisen- insgesamt darunter Witwen- Waisen-
flexible 3) renten 4) renten flexible 3) renten 4) renten

Deutschland
Allgemeine Rentenversicherung
2015 10.673.246 9.798.864 214.894 4.298.682 4.290.826 . 636,88 628,92 803,87 584,19 583,81 .
2016 10.775.582 9.874.582 256.345 4.277.553 4.269.923 . 668,50 660,42 812,68 607,92 607,52 .
2017 10.821.309 9.903.145 312.365 4.240.931 4.233.646 . 686,43 678,59 813,82 618,75 618,36 .
5)
Knappschaftliche Rentenversicherung
2015 122.042 111.828 3.708 383.464 383.394 . 874,00 878,36 943,34 762,60 762,57 .
2016 122.907 112.563 4.688 381.175 381.114 . 918,69 923,62 955,40 790,31 790,29 .
2017 123.252 113.000 5.995 376.298 376.242 . 946,80 951,95 962,30 803,39 803,37 .

Gesetzliche Rentenversicherung
2015 10.795.288 9.910.692 218.602 4.682.146 4.674.220 . 639,56 631,73 806,23 598,80 598,47 .
2016 10.898.489 9.987.145 261.033 4.658.728 4.651.037 . 671,32 663,38 815,24 622,84 622,50 .
2017 10.944.561 10.016.145 318.360 4.617.229 4.609.888 . 689,36 681,68 816,61 633,80 633,45 .

Alte Länder
Gesetzliche Rentenversicherung
2015 8.508.517 7.836.639 164.284 3.774.642 3.768.474 . 586,33 575,45 796,76 590,67 590,38 .
2016 8.593.911 7.898.439 186.682 3.752.968 3.746.919 . 613,34 602,15 800,68 612,61 612,31 .
2017 8.631.440 7.918.677 221.048 3.716.573 3.710.743 . 627,96 616,86 794,46 621,86 621,54 .

Neue Länder
Gesetzliche Rentenversicherung
2015 2.286.771 2.074.053 54.318 907.504 905.746 . 837,63 844,39 834,87 632,63 632,14 .
2016 2.304.578 2.088.706 74.351 905.760 904.118 . 887,51 894,94 851,80 665,24 664,75 .
2017 2.313.121 2.097.468 97.312 900.656 899.145 . 918,46 926,40 866,94 683,08 682,62 .

1) Rente nach Abzug des Eigenbeitrags zur KVdR und PVdR


2) Anzahlen und durchschnittliche Rentenzahlbeträge der Einzelrenten (an Mehrfachrentnerinnen geleisteten Renten werden einzeln entsprechend ihren Rentenarten gezählt)
3) Altersrente an langjährig Versicherte sowie für schwerbehinderte Menschen vor Erreichen der Regelaltersgrenze
4) ohne die wegen Einkommensanrechnung vollständig ruhenden Renten
5) ohne Knappschaftsausgleichsleistungen
6) ohne Waisenrenten, einschließlich Erziehungsrenten

Quelle: Rentenbestandsaufnahme des BMAS aus dem Datensatz des Renten Service der Deutschen Post AG
noch Übersicht 4

Die Anzahl und der durchschnittliche Rentenzahlbetrag 1) der laufenden Renten nach dem Rentenfallkonzept 2) und dem Geschlecht
in Deutschland nach Versicherungszweigen und alten und neuen Ländern
ab 2015 zum 1. Juli des jeweiligen Jahres

- Männer und Frauen -

Anzahl der Renten Durchschnittlicher Rentenzahlbetrag in €/Monat


Renten wegen verminderter Renten wegen Todes Renten wegen verminderter Renten wegen Todes
Erwerbsfähigkeit und wegen Alters Erwerbsfähigkeit und wegen Alters
Jahr insgesamt darunter wegen Alters insgesamt6) darunter insgesamt darunter wegen Alters insgesamt6) darunter
insgesamt darunter Witwer-/ Waisen- insgesamt darunter Witwer-/ Waisen-
flexible 3) Witwen- renten flexible 3) Witwen- renten
renten 4) renten 4)

Deutschland
Allgemeine Rentenversicherung
2015 18.999.722 17.311.968 500.337 5.217.161 4.900.132 308.271 800,41 807,66 966,14 525,64 547,86 165,18
2016 19.175.058 17.454.350 506.760 5.210.718 4.897.419 304.745 835,89 843,83 963,50 546,35 569,20 171,76
2017 19.242.741 17.505.925 555.562 5.165.301 4.873.637 283.478 853,59 862,05 949,95 557,53 578,61 187,38

Knappschaftliche Rentenversicherung 5)
2015 617.218 553.340 19.085 402.120 392.839 9.187 1.191,98 1.232,88 1.124,59 740,77 753,72 185,39
2016 611.699 549.378 19.342 399.728 390.846 8.788 1.238,23 1.279,38 1.158,89 768,02 780,86 195,46
2017 601.680 541.584 21.385 394.343 386.085 8.176 1.260,92 1.301,40 1.177,15 781,72 793,76 212,04

Gesetzliche Rentenversicherung
2015 19.616.940 17.865.308 519.422 5.619.281 5.292.971 317.458 812,72 820,83 971,96 541,03 563,14 165,77
2016 19.786.757 18.003.728 526.102 5.610.446 5.288.265 313.533 848,32 857,12 970,69 562,14 584,84 172,42
2017 19.844.421 18.047.509 576.947 5.559.644 5.259.722 291.654 865,94 875,24 958,37 573,43 594,40 188,08

Alte Länder
Gesetzliche Rentenversicherung
2015 15.629.972 14.297.850 402.192 4.498.300 4.196.341 294.999 780,46 785,07 997,85 532,48 557,98 164,57
2016 15.763.276 14.400.341 391.974 4.489.975 4.189.629 293.483 812,31 817,53 997,25 551,27 577,52 171,14
2017 15.802.684 14.421.338 416.937 4.445.034 4.163.909 274.507 827,03 832,76 980,71 560,89 585,18 186,68

Neue Länder
Gesetzliche Rentenversicherung
2015 3.986.968 3.567.458 117.230 1.120.981 1.096.630 22.459 939,21 964,16 883,14 575,33 582,89 181,51
2016 4.023.481 3.603.387 134.128 1.120.471 1.098.636 20.050 989,42 1.015,33 893,06 605,69 612,76 191,20
2017 4.041.737 3.626.171 160.010 1.114.610 1.095.813 17.147 1.018,09 1.044,19 900,16 623,45 629,44 210,45

1) Rente nach Abzug des Eigenbeitrags zur KVdR und PVdR


2) Anzahlen und durchschnittliche Rentenzahlbeträge der Einzelrenten (an Mehrfachrentnerinnen und -rentner geleisteten Renten werden einzeln entsprechend ihren Rentenarten gezählt)
3) Altersrente an langjährig Versicherte sowie für schwerbehinderte Menschen vor Erreichen der Regelaltersgrenze
4) ohne die wegen Einkommensanrechnung vollständig ruhenden Renten
5) ohne Knappschaftsausgleichsleistungen
6) einschließlich Erziehungsrenten

Quelle: Rentenbestandsaufnahme des BMAS aus dem Datensatz des Renten Service der Deutschen Post AG
Übersicht 5

Die Anzahl der Rentner und der durchschnittliche Gesamtrentenzahlbetrag der laufenden Renten nach
dem Personenkonzept 1) und dem Geschlecht in der Gesetzlichen Rentenversicherung
ab 2015 zum 1. Juli des jeweiligen Jahres in Deutschland und den alten und neuen Ländern

- Männer -

Durchschnittlicher Gesamtrentenzahlbetrag
Anzahl der Rentner
Art der Rentner in €/Monat
2015 2016 2017 2015 2016 2017

Deutschland

Einzelrentner 8.393.116 8.441.497 8.439.383 1.013,32 1.053,31 1.070,56


mit Renten wegen
verminderter Erwerbsfähigkeit 852.489 856.822 853.720 731,79 759,70 771,80
Alters 7.445.054 7.488.942 7.490.486 1.054,48 1.096,11 1.113,92
Todes 2) 95.573 95.733 95.177 317,90 332,92 338,08

Mehrfachrentner 524.129 542.525 555.671 1.369,76 1.430,35 1.460,15

Rentner insgesamt 8.917.245 8.984.022 8.995.054 1.034,27 1.076,08 1.094,63

Alte Länder

Einzelrentner 6.834.212 6.868.672 6.860.208 1.003,74 1.041,64 1.057,14


mit Renten wegen
verminderter Erwerbsfähigkeit 649.874 656.809 657.914 747,92 773,30 782,95
Alters 6.113.357 6.140.096 6.130.399 1.039,19 1.078,94 1.095,33
Todes 2) 70.981 71.767 71.895 292,83 306,43 309,70

Mehrfachrentner 358.237 372.475 382.943 1.304,87 1.356,35 1.378,96

Rentner insgesamt 7.192.449 7.241.147 7.243.151 1.018,74 1.057,83 1.074,15

Neue Länder

Einzelrentner 1.558.904 1.572.825 1.579.175 1.055,32 1.104,25 1.128,88


mit Renten wegen
verminderter Erwerbsfähigkeit 202.615 200.013 195.806 680,06 715,06 734,32
Alters 1.331.697 1.348.846 1.360.087 1.124,70 1.174,25 1.197,71
Todes 2) 24.592 23.966 23.282 390,22 412,24 425,72

Mehrfachrentner 165.892 170.050 172.728 1.509,90 1.592,43 1.640,17

Rentner insgesamt 1.724.796 1.742.875 1.751.903 1.099,04 1.151,88 1.179,29

1) Anzahl der Rentner; die je Rentner geleisteten Renten wurden zu einem Gesamtrentenzahlbetrag zusammengefasst
Gesamtrentenzahlbetrag nach Abzug des Eigenbeitrags zur KVdR und PVdR
2) ohne Waisenrenten

Quelle: Rentenbestandsaufnahme des BMAS aus dem Datensatz des Renten Service der Deutschen Post AG
noch Übersicht 5

Die Anzahl der Rentner und der durchschnittliche Gesamtrentenzahlbetrag der laufenden Renten nach
dem Personenkonzept 1) und dem Geschlecht in der Gesetzlichen Rentenversicherung
ab 2015 zum 1. Juli des jeweiligen Jahres in Deutschland und in den alten und neuen Ländern

- Frauen -

Durchschnittlicher Gesamtrentenzahlbetrag
Anzahl der Rentner
Art der Rentner in €/Monat
2015 2016 2017 2015 2016 2017

Deutschland

Einzelrentner 8.336.716 8.404.342 8.434.530 635,51 666,94 684,68


mit Renten wegen
verminderter Erwerbsfähigkeit 826.931 852.097 868.521 729,11 759,98 774,12
Alters 6.400.831 6.472.576 6.514.860 655,19 688,05 706,98
Todes 2) 1.108.954 1.079.669 1.051.149 452,16 466,93 472,61

Mehrfachrentner 3.568.248 3.574.419 3.561.724 1.235,85 1.290,48 1.318,48

Rentner insgesamt 11.904.964 11.978.761 11.996.254 815,45 853,00 872,86

Alte Länder

Einzelrentner 6.729.782 6.784.778 6.808.257 590,89 618,15 632,84


mit Renten wegen
verminderter Erwerbsfähigkeit 631.033 653.384 669.997 716,05 743,23 754,32
Alters 5.105.096 5.163.723 5.195.747 602,46 630,90 646,68
Todes 2) 993.653 967.671 942.513 452,00 465,68 470,17

Mehrfachrentner 2.773.031 2.777.338 2.766.180 1.168,34 1.214,81 1.236,61

Rentner insgesamt 9.502.813 9.562.116 9.574.437 759,40 791,45 807,28

Neue Länder

Einzelrentner 1.606.934 1.619.564 1.626.273 822,37 871,30 901,72


mit Renten wegen
verminderter Erwerbsfähigkeit 195.898 198.713 198.524 771,18 815,06 840,94
Alters 1.295.735 1.308.853 1.319.113 862,93 913,52 944,47
Todes 2) 115.301 111.998 108.636 453,49 477,72 493,71

Mehrfachrentner 795.217 797.081 795.544 1.471,24 1.554,15 1.603,18

Rentner insgesamt 2.402.151 2.416.645 2.421.817 1.037,17 1.096,52 1.132,14

1) Anzahl der Rentnerinnen; die je Rentnerin geleisteten Renten wurden zu einem Gesamtrentenzahlbetrag zusammengefasst
Gesamtrentenzahlbetrag nach Abzug des Eigenbeitrags zur KVdR und PVdR
2) ohne Waisenrenten

Quelle: Rentenbestandsaufnahme des BMAS aus dem Datensatz des Renten Service der Deutschen Post AG
noch Übersicht 5

Die Anzahl der Rentner und der durchschnittliche Gesamtrentenzahlbetrag der laufenden Renten nach
dem Personenkonzept 1) und dem Geschlecht in der Gesetzlichen Rentenversicherung
ab 2015 zum 1. Juli des jeweiligen Jahres in Deutschland und den alten und neuen Ländern

- Männer und Frauen -

Durchschnittlicher Gesamtrentenzahlbetrag
Anzahl der Rentner
Art der Rentner in €/Monat
2015 2016 2017 2015 2016 2017

Deutschland

Einzelrentner 16.729.832 16.845.839 16.873.913 825,05 860,55 877,68


mit Renten wegen
verminderter Erwerbsfähigkeit 1.679.420 1.708.919 1.722.241 730,47 759,84 772,97
Alters 13.845.885 13.961.518 14.005.346 869,89 906,93 924,62
Todes 2) 1.204.527 1.175.402 1.146.326 441,51 456,02 461,43

Mehrfachrentner 4.092.377 4.116.944 4.117.395 1.253,00 1.308,91 1.337,60

Rentner insgesamt 20.822.209 20.962.783 20.991.308 909,16 948,60 967,89

Alte Länder

Einzelrentner 13.563.994 13.653.450 13.668.465 798,90 831,20 845,79


mit Renten wegen
verminderter Erwerbsfähigkeit 1.280.907 1.310.193 1.327.911 732,22 758,30 768,50
Alters 11.218.453 11.303.819 11.326.146 840,45 874,27 889,52
Todes 2) 1.064.634 1.039.438 1.014.408 441,39 454,68 458,80

Mehrfachrentner 3.131.268 3.149.813 3.149.123 1.183,96 1.231,55 1.253,92

Rentner insgesamt 16.695.262 16.803.263 16.817.588 871,12 906,25 922,21

Neue Länder

Einzelrentner 3.165.838 3.192.389 3.205.448 937,08 986,07 1.013,63


mit Renten wegen
verminderter Erwerbsfähigkeit 398.513 398.726 394.330 724,85 764,90 788,00
Alters 2.627.432 2.657.699 2.679.200 995,61 1.045,85 1.073,03
Todes 2) 139.893 135.964 131.918 442,38 466,17 481,71

Mehrfachrentner 961.109 967.131 968.272 1.477,91 1.560,88 1.609,77

Rentner insgesamt 4.126.947 4.159.520 4.173.720 1.063,03 1.119,72 1.151,93

1) Anzahl der Rentnerinnen und Rentner; die je Rentnerin/Rentner geleisteten Renten wurden zu einem Gesamtrentenzahlbetrag zusammengefasst
Gesamtrentenzahlbetrag nach Abzug des Eigenbeitrags zur KVdR und PVdR
2) ohne Waisenrenten

Quelle: Rentenbestandsaufnahme des BMAS aus dem Datensatz des Renten Service der Deutschen Post AG
Übersicht 6

Verteilung nach durchschnittlichen berücksichtigten Entgeltpunkten je Jahr an Beitrags- und beitragsfreien Zeiten1) sowie nach Jahren an Beitrags- und beitragsfreien Zeiten1) der Renten2) wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und wegen Alters
in der Gesetzlichen Rentenversicherung zum 31. Dezember 2017 in Deutschland3)

Höhe der Beitrags- Durchschnittliche Entgeltpunkte je Jahr an Beitrags- und beitragsfreien Zeiten ø EP/Jahr ø Renten-
und beitragsfreien Anzahl4) von ... bis unter ... Entgeltpunkte an Beitrags- u. zahl-
ø Jahre
Zeiten insgesamt beitragsfreien betrag
über 0 - 0,2 0,2 - 0,4 0,4 - 0,6 0,6 - 0,8 0,8 - 1,0 1,0 - 1,2 1,2 - 1,4 1,4 - 1,6 1,6 - 1,8 1,8 u. m.
von ... bis... Zeiten in €
Jahre 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14

Männer

über 0 - 4 1.597 398 520 422 120 99 24 3 6 3 1 0,3897 3,70 123,25


5-9 123.303 6.063 20.823 47.876 37.760 7.885 1.916 580 292 78 30 0,5486 7,58 129,84
10 - 14 133.719 9.485 14.416 25.850 53.826 22.873 5.290 1.411 488 58 22 0,6348 12,39 232,95
15 - 19 169.406 6.801 16.386 25.922 49.848 49.053 16.769 3.744 784 81 18 0,7217 17,35 362,24
20 - 24 129.744 4.456 12.647 18.145 30.689 35.409 20.582 6.705 970 123 18 0,7683 22,40 488,52
25 - 29 132.456 3.828 14.456 20.590 30.708 30.524 21.333 8.894 1.841 260 22 0,7724 27,54 594,18
30 - 34 178.629 3.533 17.576 30.918 41.979 38.558 26.797 13.783 4.808 621 56 0,7895 32,62 706,66
35 - 39 472.039 3.376 20.938 60.419 114.004 113.895 82.645 45.036 27.799 3.685 242 0,8849 37,81 900,67
40 - 44 1.732.548 1.956 21.643 106.003 270.791 437.574 425.375 254.995 197.847 14.432 1.932 1,0209 43,05 1.141,36
45 - 49 2.882.297 387 8.822 77.216 250.927 655.513 865.597 551.420 431.632 38.951 1.832 1,1083 47,02 1.376,56
50 und mehr 207.936 23 820 5.431 14.788 44.630 65.504 38.401 34.691 3.620 28 1,1249 50,54 1.533,20
Renten insgesamt4) 6.165.948 40.306 149.047 418.793 895.440 1.436.013 1.531.832 924.972 701.158 61.912 4.201 1,0113 41,58 1.146,08
ø EP/Jahr 1,0113 0,1269 0,3192 0,5128 0,7129 0,9080 1,0932 1,2930 1,4875 1,6444 1,8900 - - -
ø Jahre 41,58 20,61 26,96 32,92 37,01 41,99 44,27 44,90 45,57 45,54 43,44 - - -
ø Rentenzahlbetrag i.€ 1.146,08 83,60 239,74 453,02 694,95 1.000,81 1.280,23 1.537,54 1.791,58 2.041,77 2.844,95 - - -

Frauen

über 0 - 4 34.998 892 1.313 6.389 9.935 16.139 210 86 28 3 1 0,7409 3,90 268,76
5-9 681.060 9.822 34.159 181.504 235.283 116.191 34.612 32.512 32.425 4.542 10 0,7458 7,07 224,11
10 - 14 519.542 12.181 38.374 174.990 201.871 41.695 18.491 14.920 14.586 2.430 4 0,6635 12,34 311,13
15 - 19 507.270 7.616 53.975 198.887 176.278 51.998 12.527 4.451 1.342 194 2 0,6080 17,39 374,67
20 - 24 425.065 3.911 43.953 167.398 146.380 47.326 13.126 2.464 412 91 4 0,6137 22,46 470,28
25 - 29 502.376 2.444 32.570 158.520 218.399 67.778 18.167 3.533 833 129 3 0,6566 27,54 581,17
30 - 34 640.310 2.103 24.902 146.787 315.073 111.483 30.172 7.674 1.875 233 8 0,7028 32,57 695,26
35 - 39 926.916 2.154 19.432 135.605 462.534 209.900 69.658 21.286 5.780 555 12 0,7595 37,64 818,85
40 - 44 1.604.324 1.488 16.217 151.603 700.517 431.058 192.195 83.789 25.760 1.665 32 0,8269 42,68 941,41
45 - 49 782.180 253 5.258 79.695 300.131 213.467 113.732 50.875 17.420 1.338 11 0,8503 46,48 1.059,72
50 und mehr 16.589 7 255 1.994 6.007 4.512 2.320 1.015 434 45 - 0,8421 50,50 1.195,98
Renten insgesamt4) 6.644.457 42.871 270.408 1.403.375 2.772.408 1.311.547 505.210 222.605 100.895 11.225 87 0,7435 30,85 687,84
ø EP/Jahr 0,7435 0,1173 0,3327 0,5197 0,7027 0,8857 1,0853 1,2875 1,4808 1,6494 2,0284 - - -
ø Jahre 30,85 17,19 22,28 25,07 31,86 34,53 37,09 34,69 26,75 21,08 33,71 - - -
ø Rentenzahlbetrag i.€ 687,84 84,01 266,02 418,56 660,79 861,63 1.095,51 1.209,76 1.091,68 963,24 1.792,28 - - -

1) berechnet aus Entgeltpunktsumme, dividiert durch die entsprechende Monatszahl an Beitrags- und beitragsfreien Zeiten und multipliziert mit 12
2) Vertragsrenten, umgewertete Renten nach §§ 307, 307a und 307b SGB VI (ohne Rentenberechnung nach SGB VI) und statistisch nicht auswertbare Fälle sind in dieser Auswertung nicht enthalten.
3) Abgrenzung erfolgt nach Wohnort der Rentnerin bzw. des Rentners und nicht wie bei den Auswertungen des BMAS danach, wo die Entgeltpunkte erworben wurden.
4) In der Gesamtsumme sind bei Männern 2.274 und bei Frauen 3.827 Renten ohne Zeitenangaben bzw. Entgeltpositionen enthalten, die mit alleinigen Zeiten aufgrund eines Versorgungsausgleichs, Rentensplitting oder geringfügiger Beschäftigung enstehen können.

Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung


noch Übersicht 6

1) 1) 2)
Verteilung nach durchschnittlichen berücksichtigten Entgeltpunkten je Jahr an Beitrags- und beitragsfreien Zeiten sowie nach Jahren an Beitrags- und beitragsfreien Zeiten der Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und wegen Alters
in der Gesetzlichen Rentenversicherung zum 31. Dezember 2017 in den alten Ländern3)

Höhe der Beitrags- Durchschnittliche Entgeltpunkte je Jahr an Beitrags- und beitragsfreien Zeiten ø EP/Jahr ø Renten-
und beitragsfreien Anzahl4) von ... bis unter ... Entgeltpunkte an Beitrags- u. zahl-
ø Jahre
Zeiten insgesamt beitragsfreien betrag
über 0 - 0,2 0,2 - 0,4 0,4 - 0,6 0,6 - 0,8 0,8 - 1,0 1,0 - 1,2 1,2 - 1,4 1,4 - 1,6 1,6 - 1,8 1,8 u. m.
von ... bis... Zeiten in €
Jahre 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14

Männer

über 0 - 4 1.552 379 505 418 118 94 24 3 6 3 1 0,3915 3,72 118,14


5-9 121.129 5.536 20.472 47.335 37.279 7.697 1.851 569 286 75 29 0,5499 7,58 130,18
10 - 14 130.365 8.472 13.902 25.316 53.125 22.454 5.149 1.390 481 55 21 0,6390 12,38 234,58
15 - 19 165.197 6.034 15.628 25.216 48.945 48.341 16.486 3.684 769 78 16 0,7259 17,35 364,51
20 - 24 120.765 3.956 11.654 17.016 28.361 33.584 18.992 6.173 897 114 18 0,7697 22,36 488,94
25 - 29 115.843 3.420 13.070 18.602 26.230 26.721 18.196 7.659 1.675 249 21 0,7681 27,53 591,13
30 - 34 153.672 3.192 15.765 27.265 35.667 33.401 22.515 10.842 4.373 598 54 0,7831 32,62 700,17
35 - 39 388.560 2.941 18.895 52.749 91.276 88.443 67.626 37.797 25.084 3.523 226 0,8852 37,76 901,18
40 - 44 1.273.522 1.557 18.531 81.800 180.376 280.256 322.287 206.028 168.843 12.188 1.656 1,0408 43,02 1.171,70
45 - 49 2.052.856 381 8.027 52.005 133.639 369.298 642.447 444.655 366.166 34.662 1.576 1,1455 47,05 1.432,05
50 und mehr 155.772 23 790 4.360 9.243 29.656 51.081 29.459 27.992 3.145 23 1,1403 50,56 1.562,73
Renten insgesamt4) 4.681.425 35.891 137.239 352.083 644.259 939.945 1.166.654 748.259 596.572 54.690 3.641 1,0197 40,64 1.146,66
ø EP/Jahr 1,0197 0,1281 0,3192 0,5105 0,7099 0,9101 1,0954 1,2931 1,4885 1,6439 1,8920 - - -
ø Jahre 40,64 20,44 26,44 31,23 34,46 40,45 44,01 44,80 45,50 45,49 43,27 - - -
ø Rentenzahlbetrag i.€ 1.146,66 83,20 236,43 433,38 656,37 979,59 1.281,45 1.539,10 1.790,02 2.027,43 2.851,51 - - -

Frauen

über 0 - 4 34.857 866 1.303 6.363 9.898 16.097 210 86 28 3 1 0,7415 3,91 268,21
5-9 674.909 9.282 33.591 179.539 233.068 115.497 34.559 32.458 32.376 4.529 10 0,7472 7,06 224,36
10 - 14 508.299 11.141 36.969 170.809 198.067 41.024 18.411 14.884 14.568 2.422 4 0,6663 12,33 312,25
15 - 19 491.148 6.927 51.688 192.100 171.112 50.974 12.403 4.415 1.336 191 2 0,6099 17,38 375,91
20 - 24 403.394 3.625 41.635 158.945 138.297 45.496 12.522 2.371 408 91 4 0,6143 22,45 471,94
25 - 29 465.544 2.251 30.687 148.233 200.190 63.320 16.651 3.276 806 127 3 0,6556 27,53 582,04
30 - 34 562.602 1.927 23.352 133.321 269.494 99.017 27.119 6.410 1.728 227 7 0,7002 32,54 695,08
35 - 39 704.590 1.928 18.377 115.802 340.314 154.448 53.359 15.342 4.565 447 8 0,7510 37,53 812,75
40 - 44 928.582 1.242 14.625 107.175 382.522 239.899 118.191 48.246 15.653 1.011 18 0,8214 42,58 945,56
45 - 49 424.577 247 4.870 45.486 158.433 109.320 64.922 29.045 11.086 1.162 6 0,8534 46,53 1.077,98
50 und mehr 11.973 7 248 1.343 4.150 3.168 1.803 836 374 44 - 0,8546 50,54 1.227,41
Renten insgesamt4) 5.214.256 39.443 257.345 1.259.119 2.105.545 938.260 360.150 157.369 82.928 10.254 63 0,7254 28,04 629,25
ø EP/Jahr 0,7254 0,1183 0,3326 0,5179 0,6991 0,8863 1,0856 1,2884 1,4835 1,6499 2,0917 - - -
ø Jahre 28,04 17,02 22,08 23,67 29,02 31,43 34,66 31,05 23,06 19,07 30,57 - - -
ø Rentenzahlbetrag i.€ 629,25 83,83 265,14 404,38 619,22 805,26 1.043,77 1.107,09 967,01 888,05 1.644,60 - - -

1) berechnet aus Entgeltpunktsumme, dividiert durch die entsprechende Monatszahl an Beitrags- und beitragsfreien Zeiten und multipliziert mit 12
2) Vertragsrenten, umgewertete Renten nach §§ 307, 307a und 307b SGB VI (ohne Rentenberechnung nach SGB VI) und statistisch nicht auswertbare Fälle sind in dieser Auswertung nicht enthalten.
3) Abgrenzung erfolgt nach Wohnort der Rentnerin bzw. des Rentners und nicht wie bei den Auswertungen des BMAS danach, wo die Entgeltpunkte erworben wurden.
4) In der Gesamtsumme sind bei Männern 2.192 und bei Frauen 3.781 Renten ohne Zeitenangaben bzw. Entgeltpositionen enthalten, die mit alleinigen Zeiten aufgrund eines Versorgungsausgleichs, Rentensplitting oder geringfügiger Beschäftigung enstehen können.

Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung


noch Übersicht 6

1) 1) 2)
Verteilung nach durchschnittlichen berücksichtigten Entgeltpunkten je Jahr an Beitrags- und beitragsfreien Zeiten sowie nach Jahren an Beitrags- und beitragsfreien Zeiten der Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und wegen Alters
in der Gesetzlichen Rentenversicherung zum 31. Dezember 2017 in den neuen Ländern3)

Höhe der Beitrags- Durchschnittliche Entgeltpunkte je Jahr an Beitrags- und beitragsfreien Zeiten ø EP/Jahr ø Renten-
und beitragsfreien Anzahl4) von ... bis unter ... Entgeltpunkte an Beitrags- u. zahl-
ø Jahre
Zeiten insgesamt beitragsfreien betrag
über 0 - 0,2 0,2 - 0,4 0,4 - 0,6 0,6 - 0,8 0,8 - 1,0 1,0 - 1,2 1,2 - 1,4 1,4 - 1,6 1,6 - 1,8 1,8 u. m.
von ... bis... Zeiten in €
Jahre 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14

Männer

über 0 - 4 45 19 15 4 2 5 - - - - - 0,3278 2,94 299,41


5-9 2.174 527 351 541 481 188 65 11 6 3 1 0,4753 7,77 110,79
10 - 14 3.354 1.013 514 534 701 419 141 21 7 3 1 0,4719 12,55 169,53
15 - 19 4.209 767 758 706 903 712 283 60 15 3 2 0,5577 17,45 273,17
20 - 24 8.979 500 993 1.129 2.328 1.825 1.590 532 73 9 - 0,7496 22,98 482,78
25 - 29 16.613 408 1.386 1.988 4.478 3.803 3.137 1.235 166 11 1 0,8023 27,63 615,47
30 - 34 24.957 341 1.811 3.653 6.312 5.157 4.282 2.941 435 23 2 0,8293 32,64 746,62
35 - 39 83.479 435 2.043 7.670 22.728 25.452 15.019 7.239 2.715 162 16 0,8834 38,03 898,31
40 - 44 459.026 399 3.112 24.203 90.415 157.318 103.088 48.967 29.004 2.244 276 0,9656 43,14 1.057,19
45 - 49 829.441 6 795 25.211 117.288 286.215 223.150 106.765 65.466 4.289 256 1,0162 46,92 1.239,20
50 und mehr 52.164 - 30 1.071 5.545 14.974 14.423 8.942 6.699 475 5 1,0789 50,49 1.445,01
Renten insgesamt4) 1.484.523 4.415 11.808 66.710 251.181 496.068 365.178 176.713 104.586 7.222 560 0,9848 44,56 1.144,25
ø EP/Jahr 0,9848 0,1177 0,3201 0,5252 0,7205 0,9042 1,0864 1,2923 1,4814 1,6483 1,8769 - - -
ø Jahre 44,56 21,99 32,98 41,78 43,58 44,90 45,13 45,30 45,98 45,97 44,54 - - -
ø Rentenzahlbetrag i.€ 1.144,25 86,83 278,27 556,68 793,92 1.041,01 1.276,30 1.530,92 1.800,51 2.150,38 2.802,28 - - -

Frauen

über 0 - 4 141 26 10 26 37 42 - - - - - 0,5938 3,39 403,49


5-9 6.151 540 568 1.965 2.215 694 53 54 49 13 - 0,5870 7,74 196,56
10 - 14 11.243 1.040 1.405 4.181 3.804 671 80 36 18 8 - 0,5379 12,62 260,32
15 - 19 16.122 689 2.287 6.787 5.166 1.024 124 36 6 3 - 0,5516 17,54 336,72
20 - 24 21.671 286 2.318 8.453 8.083 1.830 604 93 4 - - 0,6022 22,65 439,41
25 - 29 36.832 193 1.883 10.287 18.209 4.458 1.516 257 27 2 - 0,6693 27,70 570,19
30 - 34 77.708 176 1.550 13.466 45.579 12.466 3.053 1.264 147 6 1 0,7217 32,84 696,57
35 - 39 222.326 226 1.055 19.803 122.220 55.452 16.299 5.944 1.215 108 4 0,7862 37,96 838,16
40 - 44 675.742 246 1.592 44.428 317.995 191.159 74.004 35.543 10.107 654 14 0,8345 42,80 935,70
45 - 49 357.603 6 388 34.209 141.698 104.147 48.810 21.830 6.334 176 5 0,8466 46,42 1.038,03
50 und mehr 4.616 - 7 651 1.857 1.344 517 179 60 1 - 0,8096 50,39 1.114,45
Renten insgesamt4) 1.430.201 3.428 13.063 144.256 666.863 373.287 145.060 65.236 17.967 971 24 0,8094 41,06 901,46
ø EP/Jahr 0,8094 0,1054 0,3351 0,5353 0,7143 0,8843 1,0846 1,2854 1,4687 1,6443 1,8624 - - -
ø Jahre 41,06 19,16 26,14 37,28 40,83 42,32 43,13 43,45 43,79 42,23 41,95 - - -
ø Rentenzahlbetrag i.€ 901,46 86,07 283,34 542,27 792,04 1.003,30 1.223,96 1.457,43 1.667,09 1.757,23 2.179,93 - - -

1) berechnet aus Entgeltpunktsumme, dividiert durch die entsprechende Monatszahl an Beitrags- und beitragsfreien Zeiten und multipliziert mit 12
2) Vertragsrenten, umgewertete Renten nach §§ 307, 307a und 307b SGB VI (ohne Rentenberechnung nach SGB VI) und statistisch nicht auswertbare Fälle sind in dieser Auswertung nicht enthalten.
3) Abgrenzung erfolgt nach Wohnort der Rentnerin bzw. des Rentners und nicht wie bei den Auswertungen des BMAS danach, wo die Entgeltpunkte erworben wurden.
4) In der Gesamtsumme sind bei Männern 82 und bei Frauen 46 Renten ohne Zeitenangaben bzw. Entgeltpositionen enthalten, die mit alleinigen Zeiten aufgrund eines Versorgungsausgleichs, Rentensplitting oder geringfügiger Beschäftigung enstehen können.

Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung


Übersicht 7

Die Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und wegen Alters sowie die Witwer- und Witwenrenten
in der Gesetzlichen Rentenversicherung nach dem Rentenfallkonzept1), dem monatlichen Rentenzahlbetrag2),
4)
den berücksichtigten Beitrags- und beitragsfreien Zeiten3) und dem Geschlecht zum 31. Dezember 2017 in Deutschland

5
Rentenzahl- Anzahl der Renten )
betragsgruppe Renten an Versicher- davon mit ... Jahren an berücksichtigten Beitrags- und beitragsfreien Zeiten
6
von ... bis unter ... te ) u. Witwen/
unter 20 20 - 29 30 - 39 40 und mehr ohne Zeitangaben
€/Monat Witwer insgesamt

Renten an versicherte Männer


unter 150 139.931 122.707 10.681 4.544 1.100 899
150 - 300 218.645 156.808 30.716 22.891 7.472 758
300 - 450 237.086 101.386 49.840 49.043 36.464 353
450 - 600 299.076 38.786 68.955 81.029 110.196 110
600 - 750 380.054 6.891 55.098 104.704 213.310 51
750 - 900 526.664 1.044 29.919 119.924 375.741 36
900 - 1.050 641.288 231 11.911 99.453 529.668 25
1.050 - 1.200 766.487 96 3.779 72.746 689.847 19
1.200 - 1.350 806.879 39 1.000 43.721 762.108 11
1.350 - 1.500 705.494 20 215 26.471 678.782 6
1.500 und mehr 1.444.344 17 86 26.142 1.418.093 6
Insgesamt 6.165.948 428.025 262.200 650.668 4.822.781 2.274
ø Rentenzahlbetrag 1.146,08 254,01 541,90 847,41 1.298,82 256,15
ø Jahre 41,58 12,94 25,00 36,39 45,74 -
ø Entgeltpunkte/Jahr 7) 1,0113 0,6435 0,7703 0,8587 1,0776 -

Renten an versicherte Frauen


unter 150 229.421 218.327 7.206 2.499 760 629
150 - 300 919.304 827.623 70.651 15.093 4.708 1.229
300 - 450 877.601 495.544 277.380 80.556 23.340 781
450 - 600 797.670 135.954 292.939 265.947 102.340 490
600 - 750 956.802 36.739 168.769 418.619 332.366 309
750 - 900 1.043.682 14.388 63.948 405.882 559.305 159
900 - 1.050 808.091 6.992 26.358 208.284 566.381 76
1.050 - 1.200 460.431 3.261 11.292 97.026 348.805 47
1.200 - 1.350 259.564 1.484 4.705 42.786 210.556 33
1.350 - 1.500 145.901 859 1.930 18.220 124.866 26
1.500 und mehr 145.990 1.699 2.263 12.314 129.666 48
Insgesamt 6.644.457 1.742.870 927.441 1.567.226 2.403.093 3.827
ø Rentenzahlbetrag 687,84 294,77 530,34 768,35 981,67 394,74
ø Jahre 30,85 11,58 25,21 35,57 43,97 -
ø Entgeltpunkte/Jahr 7) 0,7435 0,6811 0,6369 0,7363 0,8346 -

Renten an Witwen und Witwer


unter 150 221.113 107.787 38.480 28.434 46.372 40
150 - 300 265.635 84.419 67.554 65.909 47.745 8
300 - 450 322.038 17.714 63.897 108.805 131.619 3
450 - 600 466.070 2.774 25.565 133.110 304.618 3
600 - 750 616.473 576 6.680 92.650 516.567 -
750 - 900 526.136 157 1.609 38.264 486.105 1
900 - 1.050 280.863 58 418 15.141 265.246 -
1.050 - 1.200 119.313 32 138 3.207 115.933 3
1.200 - 1.350 36.743 13 44 1.111 35.575 -
1.350 - 1.500 14.245 1 16 471 13.756 1
1.500 und mehr 17.124 - 4 404 16.715 1
Insgesamt 2.885.753 213.531 204.405 487.506 1.980.251 60
ø Rentenzahlbetrag 622,06 165,16 302,10 497,45 735,04 235,93
ø Jahre 39,53 13,41 25,25 36,29 44,62 -
ø Entgeltpunkte/Jahr 7) 0,9720 0,6857 0,7565 0,8855 1,0465 -

1) Anzahlen und durchschnittliche Rentenzahlbeträge der Einzelrenten (an Mehrfachrentnerinnen und -rentner geleistete Renten werden einzeln entsprechend
ihren Rentenarten gezählt)
2) Nettorente in Euro, d.h. Rentenhöhe nach Abzug des Eigenbeitrags zur KVdR und PVdR
3) Summe aus Monaten an berücksichtigten Beitrags- und beitragsfreien Zeiten geteilt durch 12
4) Abgrenzung erfolgt nach Wohnort der Rentnerin bzw. des Rentners.
5) Vertragsrenten, umgewertete Renten nach §§ 307, 307a und 307b SGB VI (ohne Rentenberechnung nach SGB VI) und statistisch nicht auswertbare Fälle sind in
dieser Auswertung nicht enthalten.
6) Renten wegen vermind. Erwerbsfähigkeit und wegen Alters
7) berechnet aus der Summe der Entgeltpunkte, dividiert durch die entsprechende Monatszahl an Beitrags- und beitragsfreien Zeiten multipliziert mit 12

Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung


noch Übersicht 7

Die Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und wegen Alters sowie die Witwer- und Witwenrenten
in der Gesetzlichen Rentenversicherung nach dem Rentenfallkonzept1), dem monatlichen Rentenzahlbetrag2),
den berücksichtigten Beitrags- und beitragsfreien Zeiten3) und dem Geschlecht zum 31. Dezember 2017 in den alten Ländern4)

Rentenzahl- Anzahl der Renten 5)


betragsgruppe Renten an Versicher- davon mit ... Jahren an berücksichtigten Beitrags- und beitragsfreien Zeiten
von ... bis unter ... te 6) u. Witwen/
unter 20 20 - 29 30 - 39 40 und mehr ohne Zeitangaben
€/Monat Witwer insgesamt

Renten an versicherte Männer


unter 150 133.388 118.222 9.468 3.987 848 863
150 - 300 208.937 153.817 28.087 20.259 6.042 732
300 - 450 216.651 99.828 45.819 43.361 27.304 339
450 - 600 252.159 38.247 62.667 69.383 81.756 106
600 - 750 279.949 6.765 49.525 85.974 137.635 50
750 - 900 347.551 998 26.397 98.005 222.115 36
900 - 1.050 394.220 213 10.145 80.367 303.470 25
1.050 - 1.200 493.877 85 3.295 58.663 431.815 19
1.200 - 1.350 587.561 33 930 36.232 550.355 11
1.350 - 1.500 562.232 19 197 22.491 539.520 5
1.500 und mehr 1.204.900 16 78 23.510 1.181.290 6
Insgesamt 4.681.425 418.243 236.608 542.232 3.482.150 2.192
ø Rentenzahlbetrag 1.146,66 255,23 538,97 844,21 1.342,68 257,22
ø Jahre 40,64 12,92 24,89 36,31 45,73 -
ø Entgeltpunkte/Jahr 7) 1,0197 0,6466 0,7689 0,8563 1,1070 -

Renten an versicherte Frauen


unter 150 223.848 213.701 6.691 2.249 586 621
150 - 300 898.310 812.478 66.559 14.014 4.042 1.217
300 - 450 838.464 484.721 260.895 73.004 19.073 771
450 - 600 698.941 133.814 273.263 226.717 64.666 481
600 - 750 716.499 36.254 156.257 342.810 180.873 305
750 - 900 687.721 14.138 60.163 308.913 304.349 158
900 - 1.050 498.925 6.903 25.335 161.988 304.623 76
1.050 - 1.200 291.754 3.215 11.032 78.327 199.133 47
1.200 - 1.350 168.002 1.468 4.613 34.570 127.319 32
1.350 - 1.500 93.561 847 1.892 14.463 76.333 26
1.500 und mehr 98.231 1.674 2.238 10.137 84.135 47
Insgesamt 5.214.256 1.709.213 868.938 1.267.192 1.365.132 3.781
ø Rentenzahlbetrag 629,25 294,94 530,92 760,51 989,22 394,68
ø Jahre 28,04 11,53 25,17 35,32 43,88 -
ø Entgeltpunkte/Jahr 7) 0,7254 0,6836 0,6364 0,7285 0,8316 -

Renten an Witwen und Witwer


unter 150 196.383 104.878 34.923 23.258 33.284 40
150 - 300 227.920 83.232 61.532 52.555 30.593 8
300 - 450 234.234 17.481 60.720 82.904 73.126 3
450 - 600 296.009 2.693 24.708 105.524 163.082 2
600 - 750 425.247 541 6.470 78.378 339.858 -
750 - 900 423.439 137 1.543 33.806 387.953 -
900 - 1.050 238.509 49 385 13.650 224.425 -
1.050 - 1.200 101.665 23 118 2.832 98.690 2
1.200 - 1.350 29.892 7 39 990 28.856 -
1.350 - 1.500 11.577 1 12 424 11.140 -
1.500 und mehr 14.355 - 4 359 13.992 -
Insgesamt 2.199.230 209.042 190.454 394.680 1.404.999 55
ø Rentenzahlbetrag 623,25 165,65 305,84 505,52 767,46 159,38
ø Jahre 38,43 13,38 25,19 36,11 44,60 -
ø Entgeltpunkte/Jahr 7) 0,9718 0,6880 0,7595 0,8857 1,0670 -

1) Anzahlen und durchschnittliche Rentenzahlbeträge der Einzelrenten (an Mehrfachrentnerinnen und -rentner geleistete Renten werden einzeln entsprechend
ihren Rentenarten gezählt)
2) Nettorente in Euro, d.h. Rentenhöhe nach Abzug des Eigenbeitrags zur KVdR und PVdR
3) Summe aus Monaten an berücksichtigten Beitrags- und beitragsfreien Zeiten geteilt durch 12
4) Abgrenzung erfolgt nach Wohnort der Rentnerin bzw. des Rentners.
5) Vertragsrenten, umgewertete Renten nach §§ 307, 307a und 307b SGB VI (ohne Rentenberechnung nach SGB VI) und statistisch nicht auswertbare Fälle sind in
dieser Auswertung nicht enthalten.
6) Renten wegen vermind. Erwerbsfähigkeit und wegen Alters
7) berechnet aus der Summe der Entgeltpunkte, dividiert durch die entsprechende Monatszahl an Beitrags- und beitragsfreien Zeiten multipliziert mit 12

Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung


noch Übersicht 7

Die Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und wegen Alters sowie die Witwer- und Witwenrenten
in der Gesetzlichen Rentenversicherung nach dem Rentenfallkonzept1), dem monatlichen Rentenzahlbetrag2),
den berücksichtigten Beitrags- und beitragsfreien Zeiten3) und dem Geschlecht zum 31. Dezember 2017 in den neuen Ländern4)

Rentenzahl- Anzahl der Renten 5)


betragsgruppe Renten an Versicher- davon mit ... Jahren an berücksichtigten Beitrags- und beitragsfreien Zeiten
von ... bis unter ... te 6) u. Witwen/ unter 20 20 - 29 30 - 39 40 und mehr ohne Zeitangaben
€/Monat Witwer insgesamt

Renten an versicherte Männer


unter 150 6.543 4.485 1.213 557 252 36
150 - 300 9.708 2.991 2.629 2.632 1.430 26
300 - 450 20.435 1.558 4.021 5.682 9.160 14
450 - 600 46.917 539 6.288 11.646 28.440 4
600 - 750 100.105 126 5.573 18.730 75.675 1
750 - 900 179.113 46 3.522 21.919 153.626 -
900 - 1.050 247.068 18 1.766 19.086 226.198 -
1.050 - 1.200 272.610 11 484 14.083 258.032 -
1.200 - 1.350 219.318 6 70 7.489 211.753 -
1.350 - 1.500 143.262 1 18 3.980 139.262 1
1.500 und mehr 239.444 1 8 2.632 236.803 -
Insgesamt 1.484.523 9.782 25.592 108.436 1.340.631 82
ø Rentenzahlbetrag 1.144,25 201,67 568,92 863,40 1.184,89 227,36
ø Jahre 44,56 13,55 26,00 36,79 45,77 -
ø Entgeltpunkte/Jahr 7) 0,9848 0,5089 0,7838 0,8709 1,0013 -

Renten an versicherte Frauen


unter 150 5.573 4.626 515 250 174 8
150 - 300 20.994 15.145 4.092 1.079 666 12
300 - 450 39.137 10.823 16.485 7.552 4.267 10
450 - 600 98.729 2.140 19.676 39.230 37.674 9
600 - 750 240.303 485 12.512 75.809 151.493 4
750 - 900 355.961 250 3.785 96.969 254.956 1
900 - 1.050 309.166 89 1.023 46.296 261.758 -
1.050 - 1.200 168.677 46 260 18.699 149.672 -
1.200 - 1.350 91.562 16 92 8.216 83.237 1
1.350 - 1.500 52.340 12 38 3.757 48.533 -
1.500 und mehr 47.759 25 25 2.177 45.531 1
Insgesamt 1.430.201 33.657 58.503 300.034 1.037.961 46
ø Rentenzahlbetrag 901,46 285,86 521,75 801,48 971,75 399,74
ø Jahre 41,06 14,05 25,83 36,64 44,08 -
ø Entgeltpunkte/Jahr 7) 0,8094 0,5537 0,6444 0,7695 0,8386 -

Renten an Witwen und Witwer


unter 150 24.730 2.909 3.557 5.176 13.088 -
150 - 300 37.715 1.187 6.022 13.354 17.152 -
300 - 450 87.804 233 3.177 25.901 58.493 -
450 - 600 170.061 81 857 27.586 141.536 1
600 - 750 191.226 35 210 14.272 176.709 -
750 - 900 102.697 20 66 4.458 98.152 1
900 - 1.050 42.354 9 33 1.491 40.821 -
1.050 - 1.200 17.648 9 20 375 17.243 1
1.200 - 1.350 6.851 6 5 121 6.719 -
1.350 - 1.500 2.668 - 4 47 2.616 1
1.500 und mehr 2.769 - - 45 2.723 1
Insgesamt 686.523 4.489 13.951 92.826 575.252 5
ø Rentenzahlbetrag 618,22 142,62 251,13 463,13 655,86 1.078,01
ø Jahre 43,06 14,69 26,02 37,08 44,67 -
ø Entgeltpunkte/Jahr 7) 0,9727 0,5798 0,7153 0,8847 0,9962 -

1) Anzahlen und durchschnittliche Rentenzahlbeträge der Einzelrenten (an Mehrfachrentnerinnen und -rentner geleistete Renten werden einzeln entsprechend
ihren Rentenarten gezählt)
2) Nettorente in Euro, d.h. Rentenhöhe nach Abzug des Eigenbeitrags zur KVdR und PVdR
3) Summe aus Monaten an berücksichtigten Beitrags- und beitragsfreien Zeiten geteilt durch 12
4) Abgrenzung erfolgt nach Wohnort der Rentnerin bzw. des Rentners
5) Vertragsrenten, umgewertete Renten nach §§ 307, 307a und 307b SGB VI (ohne Rentenberechnung nach SGB VI) und statistisch nicht auswertbare Fälle sind in
dieser Auswertung nicht enthalten.
6) Renten wegen vermind. Erwerbsfähigkeit und wegen Alters
7) berechnet aus der Summe der Entgeltpunkte, dividiert durch die entsprechende Monatszahl an Beitrags- und beitragsfreien Zeiten multipliziert mit 12

Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung


Übersicht 8

Die Schichtung der Rentner 1) nach dem monatlichen Gesamtrentenzahlbetrag 2) und dem Geschlecht
in der Gesetzlichen Rentenversicherung zum 1. Juli 2017 in Deutschland

Zahlbetrags- Einzelrentner Mehrfachrentner Rentner


gruppe in Renten wegen vermin- Renten wegen Renten wegen insgesamt
€ / Monat derter Erwerbsfähigkeit Alters Todes 3)
von ... bis unter ...

Männer

unter 150 29.053 472.669 21.698 1.424 524.844


150 - 300 52.018 385.338 23.812 5.550 466.718
300 - 450 69.535 310.914 21.422 9.401 411.272
450 - 600 99.490 323.671 16.570 12.570 452.301
600 - 750 132.468 380.150 7.923 16.076 536.617
750 - 900 182.092 498.551 2.840 18.658 702.141
900 - 1.050 130.314 659.683 718 24.187 814.902
1.050 - 1.200 80.448 824.280 154 37.585 942.467
1.200 - 1.350 39.781 913.826 29 57.717 1.011.353
1.350 - 1.500 19.933 839.742 9 83.224 942.908
1.500 - 1.650 11.056 660.078 2 98.019 769.155
1.650 - 1.800 5.211 507.510 - 83.751 596.472
1.800 - 1.950 1.590 377.001 - 52.752 431.343
1.950 - 2.100 405 209.160 - 28.931 238.496
2.100 und mehr 326 127.913 - 25.826 154.065
insgesamt 853.720 7.490.486 95.177 555.671 8.995.054

Frauen

unter 150 19.407 387.840 233.407 9.131 649.785


150 - 300 38.450 862.568 136.418 35.091 1.072.527
300 - 450 60.707 788.293 145.842 77.245 1.072.087
450 - 600 102.026 718.712 166.404 111.961 1.099.103
600 - 750 153.657 832.200 152.070 147.026 1.284.953
750 - 900 209.557 897.456 106.161 214.034 1.427.208
900 - 1.050 151.674 764.197 63.877 329.477 1.309.225
1.050 - 1.200 78.857 501.683 30.037 415.564 1.026.141
1.200 - 1.350 34.954 329.037 10.433 453.130 827.554
1.350 - 1.500 13.140 204.497 3.517 485.704 706.858
1.500 - 1.650 4.348 118.233 1.499 485.811 609.891
1.650 - 1.800 1.344 61.500 865 369.476 433.185
1.800 - 1.950 293 29.231 484 215.573 245.581
1.950 - 2.100 77 12.372 118 110.696 123.263
2.100 und mehr 30 7.041 17 101.805 108.893
insgesamt 868.521 6.514.860 1.051.149 3.561.724 11.996.254

Männer und Frauen

unter 150 48.460 860.509 255.105 10.555 1.174.629


150 - 300 90.468 1.247.906 160.230 40.641 1.539.245
300 - 450 130.242 1.099.207 167.264 86.646 1.483.359
450 - 600 201.516 1.042.383 182.974 124.531 1.551.404
600 - 750 286.125 1.212.350 159.993 163.102 1.821.570
750 - 900 391.649 1.396.007 109.001 232.692 2.129.349
900 - 1.050 281.988 1.423.880 64.595 353.664 2.124.127
1.050 - 1.200 159.305 1.325.963 30.191 453.149 1.968.608
1.200 - 1.350 74.735 1.242.863 10.462 510.847 1.838.907
1.350 - 1.500 33.073 1.044.239 3.526 568.928 1.649.766
1.500 - 1.650 15.404 778.311 1.501 583.830 1.379.046
1.650 - 1.800 6.555 569.010 865 453.227 1.029.657
1.800 - 1.950 1.883 406.232 484 268.325 676.924
1.950 - 2.100 482 221.532 118 139.627 361.759
2.100 und mehr 356 134.954 17 127.631 262.958
insgesamt 1.722.241 14.005.346 1.146.326 4.117.395 20.991.308

1) Anzahl der Rentnerinnen und Rentner; die je Rentnerin/Rentner geleisteten Renten wurden zu einem Gesamtrentenzahlbetrag zusammengefasst
2) Rente nach Abzug des Eigenbeitrags zur KVdR und PVdR
3) ohne Waisenrenten

Quelle: Rentenbestandsaufnahme des BMAS aus dem Datensatz des Renten Service der Deutschen Post AG
noch Übersicht 8

Die Schichtung der Rentner 1) nach dem monatlichen Gesamtrentenzahlbetrag 2) und dem Geschlecht
in der Gesetzlichen Rentenversicherung zum 1. Juli 2017 in den alten Ländern

Zahlbetrags- Einzelrentner Mehrfachrentner Rentner


gruppe in Renten wegen vermin- Renten wegen Renten wegen insgesamt
€ / Monat derter Erwerbsfähigkeit Alters Todes 3)
von ... bis unter ...

Männer

unter 150 25.843 465.698 19.430 1.380 512.351


150 - 300 38.245 381.367 19.549 5.502 444.663
300 - 450 55.527 304.157 15.131 9.316 384.131
450 - 600 75.273 297.012 10.696 12.355 395.336
600 - 750 97.119 306.444 4.773 15.466 423.802
750 - 900 128.547 356.109 1.647 17.772 504.075
900 - 1.050 97.521 440.359 506 21.765 560.151
1.050 - 1.200 67.836 566.449 129 30.930 665.344
1.200 - 1.350 35.820 698.767 25 42.360 776.972
1.350 - 1.500 18.420 693.796 7 54.388 766.611
1.500 - 1.650 10.446 559.236 2 59.555 629.239
1.650 - 1.800 5.064 431.232 - 50.818 487.114
1.800 - 1.950 1.541 328.180 - 32.060 361.781
1.950 - 2.100 396 186.935 - 16.367 203.698
2.100 und mehr 316 114.658 - 12.909 127.883
insgesamt 657.914 6.130.399 71.895 382.943 7.243.151

Frauen

unter 150 18.378 380.596 221.966 8.843 629.783


150 - 300 29.488 847.907 124.490 34.698 1.036.583
300 - 450 53.777 760.142 124.096 76.576 1.014.591
450 - 600 86.326 639.764 135.011 110.469 971.570
600 - 750 122.370 635.531 134.144 142.593 1.034.638
750 - 900 156.428 599.396 99.051 204.605 1.059.480
900 - 1.050 110.038 481.681 59.914 308.184 959.817
1.050 - 1.200 56.328 327.205 28.165 374.069 785.767
1.200 - 1.350 23.694 221.474 9.647 379.302 634.117
1.350 - 1.500 8.693 139.328 3.225 357.895 509.141
1.500 - 1.650 3.099 80.705 1.398 311.711 396.913
1.650 - 1.800 1.053 43.387 816 221.670 266.926
1.800 - 1.950 243 22.092 461 124.566 147.362
1.950 - 2.100 59 10.212 113 60.156 70.540
2.100 und mehr 23 6.327 16 50.843 57.209
insgesamt 669.997 5.195.747 942.513 2.766.180 9.574.437

Männer und Frauen

unter 150 44.221 846.294 241.396 10.223 1.142.134


150 - 300 67.733 1.229.274 144.039 40.200 1.481.246
300 - 450 109.304 1.064.299 139.227 85.892 1.398.722
450 - 600 161.599 936.776 145.707 122.824 1.366.906
600 - 750 219.489 941.975 138.917 158.059 1.458.440
750 - 900 284.975 955.505 100.698 222.377 1.563.555
900 - 1.050 207.559 922.040 60.420 329.949 1.519.968
1.050 - 1.200 124.164 893.654 28.294 404.999 1.451.111
1.200 - 1.350 59.514 920.241 9.672 421.662 1.411.089
1.350 - 1.500 27.113 833.124 3.232 412.283 1.275.752
1.500 - 1.650 13.545 639.941 1.400 371.266 1.026.152
1.650 - 1.800 6.117 474.619 816 272.488 754.040
1.800 - 1.950 1.784 350.272 461 156.626 509.143
1.950 - 2.100 455 197.147 113 76.523 274.238
2.100 und mehr 339 120.985 16 63.752 185.092
insgesamt 1.327.911 11.326.146 1.014.408 3.149.123 16.817.588

1) Anzahl der Rentnerinnen und Rentner; die je Rentnerin/Rentner geleisteten Renten wurden zu einem Gesamtrentenzahlbetrag zusammengefasst
2) Rente nach Abzug des Eigenbeitrags zur KVdR und PVdR
3) ohne Waisenrenten

Quelle: Rentenbestandsaufnahme des BMAS aus dem Datensatz des Renten Service der Deutschen Post AG
noch Übersicht 8

Die Schichtung der Rentner 1) nach dem monatlichen Gesamtrentenzahlbetrag 2) und dem Geschlecht
in der Gesetzlichen Rentenversicherung zum 1. Juli 2017 in den neuen Ländern

Zahlbetrags- Einzelrentner Mehrfachrentner Rentner


gruppe in Renten wegen vermin- Renten wegen Renten wegen insgesamt
€ / Monat derter Erwerbsfähigkeit Alters Todes 3)
von ... bis unter ...

Männer

unter 150 3.210 6.971 2.268 44 12.493


150 - 300 13.773 3.971 4.263 48 22.055
300 - 450 14.008 6.757 6.291 85 27.141
450 - 600 24.217 26.659 5.874 215 56.965
600 - 750 35.349 73.706 3.150 610 112.815
750 - 900 53.545 142.442 1.193 886 198.066
900 - 1.050 32.793 219.324 212 2.422 254.751
1.050 - 1.200 12.612 257.831 25 6.655 277.123
1.200 - 1.350 3.961 215.059 4 15.357 234.381
1.350 - 1.500 1.513 145.946 2 28.836 176.297
1.500 - 1.650 610 100.842 - 38.464 139.916
1.650 - 1.800 147 76.278 - 32.933 109.358
1.800 - 1.950 49 48.821 - 20.692 69.562
1.950 - 2.100 9 22.225 - 12.564 34.798
2.100 und mehr 10 13.255 - 12.917 26.182
insgesamt 195.806 1.360.087 23.282 172.728 1.751.903

Frauen

unter 150 1.029 7.244 11.441 288 20.002


150 - 300 8.962 14.661 11.928 393 35.944
300 - 450 6.930 28.151 21.746 669 57.496
450 - 600 15.700 78.948 31.393 1.492 127.533
600 - 750 31.287 196.669 17.926 4.433 250.315
750 - 900 53.129 298.060 7.110 9.429 367.728
900 - 1.050 41.636 282.516 3.963 21.293 349.408
1.050 - 1.200 22.529 174.478 1.872 41.495 240.374
1.200 - 1.350 11.260 107.563 786 73.828 193.437
1.350 - 1.500 4.447 65.169 292 127.809 197.717
1.500 - 1.650 1.249 37.528 101 174.100 212.978
1.650 - 1.800 291 18.113 49 147.806 166.259
1.800 - 1.950 50 7.139 23 91.007 98.219
1.950 - 2.100 18 2.160 5 50.540 52.723
2.100 und mehr 7 714 1 50.962 51.684
insgesamt 198.524 1.319.113 108.636 795.544 2.421.817

Männer und Frauen

unter 150 4.239 14.215 13.709 332 32.495


150 - 300 22.735 18.632 16.191 441 57.999
300 - 450 20.938 34.908 28.037 754 84.637
450 - 600 39.917 105.607 37.267 1.707 184.498
600 - 750 66.636 270.375 21.076 5.043 363.130
750 - 900 106.674 440.502 8.303 10.315 565.794
900 - 1.050 74.429 501.840 4.175 23.715 604.159
1.050 - 1.200 35.141 432.309 1.897 48.150 517.497
1.200 - 1.350 15.221 322.622 790 89.185 427.818
1.350 - 1.500 5.960 211.115 294 156.645 374.014
1.500 - 1.650 1.859 138.370 101 212.564 352.894
1.650 - 1.800 438 94.391 49 180.739 275.617
1.800 - 1.950 99 55.960 23 111.699 167.781
1.950 - 2.100 27 24.385 5 63.104 87.521
2.100 und mehr 17 13.969 1 63.879 77.866
insgesamt 394.330 2.679.200 131.918 968.272 4.173.720

1) Anzahl der Rentnerinnen und Rentner; die je Rentnerin/Rentner geleisteten Renten wurden zu einem Gesamtrentenzahlbetrag zusammengefasst
2) ggf. einschließlich Auffüllbeträge und Rententeile aus ehem. Zusatz- und Sonderversorgungen; Rente nach Abzug des Eigenbeitrags zur KVdR und PVdR
3) ohne Waisenrenten

Quelle: Rentenbestandsaufnahme des BMAS aus dem Datensatz des Renten Service der Deutschen Post AG
Übersicht 9

Die Zahl, die durchschnittlichen Ruhensbeträge und der durchschnittliche Rentenzahlbetrag der laufenden
Witwer- und Witwenrenten1) zum 1. Juli 2017, bei denen Erwerbseinkommen oder Erwerbsersatzeinkommen
zu berücksichtigen ist, in Deutschland nach Versicherungszweigen
in den alten und neuen Ländern

Versiche- Renten insgesamt Renten ohne Ruhensbetrag Renten mit Ruhensbetrag


rungszweig / ø Renten- ø Renten- ø Ruhens- ø Renten-
Geschlecht Anzahl zahlbetrag in Anzahl zahlbetrag 2) Anzahl betrag 2) in zahlbetrag 2)
€/Monat in €/Monat €/Monat in €/Monat

Deutschland
Allgemeine Rentenversicherung

Witwerrenten 600.516 305,27 92.953 372,53 507.563 196,73 294,15


Witwenrenten 3.156.089 650,16 2.041.054 679,89 1.115.035 114,20 590,07
zusammen 3.756.605 595,42 2.134.007 666,37 1.622.598 141,04 492,93

Knappschaftliche Rentenversicherung

Witwerrenten 9.468 402,53 969 483,51 8.499 188,26 391,55


Witwenrenten 288.617 827,63 192.693 872,14 95.924 96,45 697,82
zusammen 298.085 815,99 193.662 870,12 104.423 103,65 673,80

Gesetzliche Rentenversicherung

Witwerrenten 609.984 306,48 93.922 373,69 516.062 196,62 295,39


Witwenrenten 3.444.706 664,69 2.233.747 696,97 1.210.959 113,00 597,71
zusammen 4.054.690 611,25 2.327.669 683,81 1.727.021 139,16 502,28

Alte Länder
Gesetzliche Rentenversicherung

Witwerrenten 420.343 280,09 79.879 329,73 340.464 196,66 268,44


Witwenrenten 2.594.940 652,37 1.938.701 680,02 656.239 116,17 570,68
zusammen 3.015.283 600,47 2.018.580 666,16 996.703 143,66 467,44

Neue Länder
Gesetzliche Rentenversicherung

Witwerrenten 189.641 383,02 14.043 501,23 175.598 196,51 373,57


Witwenrenten 849.766 700,42 295.046 746,14 554.720 103,82 676,11
zusammen 1.039.407 642,51 309.089 735,01 730.318 126,11 603,36

1) In vollem Umfang ruhende Renten sind in der Rentenbestandsaufnahme nicht erfasst und konnten daher nicht berücksichtigt werden.
2) Rente nach Abzug des Eigenbeitrags zur KVdR und PVdR

Quelle: Rentenbestandaufnahme des BMAS aus dem Datensatz des Renten Service der Deutschen Post AG
Ü b e r s i c h t 10

Die Anzahl der Renten mit Kindererziehungszeiten/-leistungen,


die durchschnittliche Höhe der Leistungen sowie der durchschnittliche Auszahlungsbetrag 1)
in Deutschland nach Versicherungszweigen in den alten und neuen Ländern zum 31. Dezember 2017

Anzahl der ø Höhe der Durchschnittlicher davon


Versicherungszweig Kindererziehungs- Leistungen Auszahlbetrag Anzahl der ø Höhe der Anzahl der ø Höhe der
Rentenart /Leistungen zeiten/-leistungen in €/Monat in €/Monat Kindererziehungs- Leistungen Kindererziehungs- Leistungen
leistungen in €/Monat zeiten in €/Monat

Deutschland
Allgemeine Rentenversicherung

zu Versichertenrenten 2) 9.094.991 123,76 685,89 31.390 130,03 9.063.601 123,74


zu Renten wegen Todes 732.487 65,14 339,30 3.793 151,91 728.694 64,69
davon
Erziehungsrenten 7.359 166,14 854,48 - - 7.359 166,14
Witwen/Witwerrenten 635.976 70,07 352,35 3.793 151,91 632.183 69,58
Waisenrenten 89.152 16,96 203,61 - - 89.152 16,96
ohne gleichzeitigen Rentenbezug 6.970 128,45 128,45 6.970 128,45 - -

Leistungen insgesamt 9.834.448 119,40 659,68 42.153 131,74 9.792.295 119,35

Knappschaftliche Rentenversicherung

2)
zu Versichertenrenten 109.357 112,23 977,82 160 133,61 109.197 112,20
zu Renten wegen Todes 15.163 70,36 605,35 899 112,09 14.264 67,73
davon
Erziehungsrenten 50 161,71 990,04 - - 50 161,71
Witwen/Witwerrenten 14.353 72,35 621,84 899 112,09 13.454 69,70
Waisenrenten 760 18,34 268,69 - - 760 18,34
ohne gleichzeitigen Rentenbezug - - - - - - -

Leistungen insgesamt 124.520 107,13 932,47 1.059 115,34 123.461 107,06

Gesetzliche Rentenversicherung

2)
zu Versichertenrenten 9.204.348 123,63 689,35 31.550 130,05 9.172.798 123,61
zu Renten wegen Todes 747.650 65,25 344,69 4.692 144,28 742.958 64,75
davon
Erziehungsrenten 7.409 166,11 855,39 - - 7.409 166,11
Witwen/Witwerrenten 650.329 70,12 358,30 4.692 144,28 645.637 69,58
Waisenrenten 89.912 16,97 204,16 - - 89.912 16,97
ohne gleichzeitigen Rentenbezug 6.970 128,45 128,45 6.970 128,45 - -

Leistungen insgesamt 9.958.968 119,25 663,09 43.212 131,34 9.915.756 119,20

Alte Länder
Gesetzliche Rentenversicherung

zu Versichertenrenten 2) 7.156.133 126,09 621,52 25.157 132,61 7.130.976 126,07


zu Renten wegen Todes 555.444 64,56 326,09 4.496 144,70 550.948 63,91
davon
Erziehungsrenten 5.898 164,74 827,36 - - 5.898 164,74
Witwen/Witwerrenten 472.396 70,30 340,16 4.496 144,70 467.900 69,58
Waisenrenten 77.150 17,03 201,60 - - 77.150 17,03
ohne gleichzeitigen Rentenbezug 6.851 128,45 128,45 6.851 128,45 - -

Leistungen insgesamt 7.718.428 121,66 599,82 36.504 133,32 7.681.924 121,61

Neue Länder
Gesetzliche Rentenversicherung

zu Versichertenrenten 2) 2.048.215 115,04 926,36 6.393 119,98 2.041.822 115,02


zu Renten wegen Todes 192.206 67,23 398,47 196 134,68 192.010 67,16
davon
Erziehungsrenten 1.511 171,44 964,81 - - 1.511 171,44
Witwen/Witwerrenten 177.933 69,66 406,48 196 134,68 177.737 69,58
Waisenrenten 12.762 16,64 219,64 - - 12.762 16,64
ohne gleichzeitigen Rentenbezug 119 128,18 128,18 119 128,18 - -

Leistungen insgesamt 2.240.540 110,94 881,03 6.708 120,55 2.233.832 110,91

1) Rentenzahlbetrag in Euro nach Abzug des Eigenbeitrags zur KVdR und PVdR zuzüglich der Kindererziehungsleistung
2) Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und Renten wegen Alters

Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung


Ü b e r s i c h t 11

1)
Anteil der GRV-Rente am Bruttoeinkommen nach Rentengrößenklassen
von Personen im Alter ab 65 Jahren (ohne Heimbewohner) in Deutschland 2015

Anteil an den Durchschn. Anteil der


Rentengrößen-
jeweiligen Durchschn. Haushalts- Rente am
klassen
Renten- Bruttorente brutto- Gesamt-
von ... bis unter ...
beziehern einkommen einkommen
€/Monat
in v.H. €/Monat in v.H.

Haushalte von Ehepaaren


unter 250 2 159 4.136 4
250 - 500 4 382 3.689 10
500 - 750 5 623 3.338 19
750 - 1.000 6 874 3.043 29
1.000 - 1.500 16 1.266 2.536 50
ab 1.500 67 2.171 2.968 73
Gesamt 100 1.765 2.971 59

Haushalte von alleinstehenden Männern


unter 250 4 153 2.009 8
250 - 500 6 371 2.038 18
500 - 750 7 643 1.396 46
750 - 1.000 12 883 1.341 66
1.000 - 1.500 37 1.249 1.614 77
ab 1.500 34 1.859 2.255 82
Gesamt 100 1.278 1.828 70

Haushalte von alleinstehenden Frauen


unter 250 3 168 1.652 10
250 - 500 5 391 1.357 29
500 - 750 8 634 1.278 50
750 - 1.000 16 877 1.248 70
1.000 - 1.500 40 1.251 1.537 81
ab 1.500 28 1.781 2.054 87
Gesamt 100 1.223 1.611 76

1) eigene und/oder abgeleitete Bruttorente der GRV

Quelle: Alterssicherung in Deutschland 2015 (ASID15), eigene Berechnungen


Ü b e r s i c h t 12

Vergleich der verfügbaren Eckrenten1) in den alten und neuen Ländern seit 1990

Verfügbare Eckrente Verhältniswert der verfügbaren


Alte Neue Eckrente in den neuen zu der
Stichtag
Länder Länder in den alten Ländern
in Euro/Monat in Euro/Monat in %

30.06.1990 826,24 240,31 - 307,802) 29,1 - 37,3


01.07.1990 852,33 343,59 40,3
01.01.1991 852,33 395,23 46,4
01.07.1991 895,25 454,54 50,8
01.01.1992 895,25 507,60 56,7
01.07.1992 919,54 572,51 62,3
01.01.1993 919,54 607,41 66,1
01.07.1993 955,05 693,91 72,7
01.01.1994 955,05 719,15 75,3
01.07.1994 987,46 741,97 75,1
01.01.1995 982,17 758,55 77,2
01.07.1995 988,15 778,21 78,8
01.01.1996 988,15 812,27 82,2
01.07.1996 992,72 816,82 82,3
01.07.1997 1.009,10 859,36 85,2
01.07.1998 1.012,47 866,06 85,5
01.07.1999 1.026,62 890,22 86,7
01.07.2000 1.032,79 896,00 86,8
01.07.2001 1.051,99 915,86 87,1
01.07.2002 1.072,35 941,32 87,8
01.07.2003 1.081,79 950,97 87,9
01.07.2004 1.071,79 944,24 88,1
01.07.2005 1.063,41 936,87 88,1
01.07.2006 1.066,35 939,46 88,1
01.07.2007 1.067,80 940,37 88,1
01.07.2008 1.077,02 948,56 88,1
01.07.2009 1.100,84 976,59 88,7
01.07.2010 1.102,67 978,22 88,7
01.07.2011 1.109,91 984,65 88,7
01.07.2012 1.134,15 1.006,88 88,8
01.07.2013 1.135,71 1.038,85 91,5
01.07.2014 1.154,68 1.065,08 92,2
01.07.2015 1.174,96 1.088,07 92,6
01.07.2016 1.222,09 1.150,26 94,1
01.07.2017 1.242,58 1.188,92 95,7
01.07.2018 1.284,06 1.230,34 95,8

Hinweis: Die ermittelten DM-Beträge wurden mit dem amtl. festgelegten Umrechnungskurs 1 Euro = 1,95583 DM in Euro umgerechnet.

1) Rente wegen Alters eines Versicherten mit durchschnittlichem Bruttojahresarbeitsentgelt und nach 45 anrechnungsfähigen Ver-
sicherungsjahren; nach Abzug des Eigenbeitrags zur KVdR und PVdR
2) je nach Zugangsjahr (1970: 470 Mark, 1990: 602 Mark)

Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales


Ü b e r s i c h t 13

Die Entwicklung der Angleichung der verfügbaren laufenden Renten an Männer bzw. Frauen wegen verminderter
Erwerbsfähigkeit und wegen Alters 1) der neuen Länder an die in den alten Ländern seit 1992

Versichertenrenten insgesamt Renten wegen vermind. Erwerbsfähigkeit Renten wegen Alters


Alte 2) Neue 3) Alte 2) Neue 3) Alte 2) Neue 3)
Verhältnis der Verhältnis der Verhältnis der
Renten in den Renten in den Renten in den
Stichtag
Länder neuen zu den Länder neuen zu den Länder neuen zu den
alten Ländern alten Ländern alten Ländern

Zahlbetrag in €/Monat in % Zahlbetrag in €/Monat in % Zahlbetrag in €/Monat in %


Männer

01.07.1992 864,65 634,98 73,4 719,06 562,34 78,2 896,93 659,29 73,5
01.07.1993 896,70 751,55 83,8 754,60 635,71 84,2 927,41 788,01 85,0
01.07.1994 926,93 820,58 88,5 785,35 691,22 88,0 955,90 853,93 89,3
01.07.1995 918,25 860,75 93,7 785,88 677,51 86,2 944,46 903,18 95,6
01.07.1996 921,22 903,65 98,1 789,81 683,22 86,5 946,63 951,47 100,5
01.07.1997 935,52 946,40 101,2 803,66 698,54 86,9 960,08 998,81 104,0
01.07.1998 937,38 959,60 102,4 806,29 699,81 86,8 960,88 1.013,85 105,5
01.07.1999 948,73 980,02 103,3 818,73 708,13 86,5 971,09 1.036,18 106,7
01.07.2000 951,67 982,21 103,2 820,48 706,00 86,0 972,92 1.037,67 106,7
01.07.2001 966,83 1.000,22 103,5 831,70 712,17 85,6 987,41 1.056,39 107,0
01.07.2002 981,82 1.025,21 104,4 839,46 721,44 85,9 1.002,14 1.082,81 108,0
01.07.2003 986,82 1.033,29 104,7 838,01 718,20 85,7 1.006,72 1.090,54 108,3
01.07.2004 972,71 1.017,95 104,7 816,89 695,98 85,2 992,08 1.072,50 108,1
01.07.2005 962,37 1.005,66 104,5 798,09 676,90 84,8 981,43 1.057,54 107,8
01.07.2006 955,63 999,49 104,6 784,32 661,58 84,4 974,48 1.050,61 107,8
01.07.2007 951,27 994,34 104,5 770,49 649,03 84,2 970,27 1.044,50 107,7
01.07.2008 955,00 995,42 104,2 763,86 642,11 84,1 974,55 1.045,59 107,3
01.07.2009 973,11 1.020,30 104,8 768,37 650,32 84,6 993,52 1.071,94 107,9
01.07.2010 968,29 1.012,27 104,5 753,99 640,43 84,9 989,35 1.063,45 107,5
01.07.2011 968,89 1.010,33 104,3 745,97 638,62 85,6 990,99 1.062,06 107,2
01.07.2012 984,61 1.023,59 104,0 748,82 645,99 86,3 1.008,20 1.076,71 106,8
01.07.2013 981,52 1.045,51 106,5 739,52 658,85 89,1 1.006,11 1.100,59 109,4
01.07.2014 993,30 1.061,06 106,8 741,64 668,75 90,2 1.019,14 1.117,27 109,6
01.07.2015 1.012,40 1.075,83 106,3 749,05 681,06 90,9 1.039,31 1.130,49 108,8
01.07.2016 1.050,81 1.126,07 107,2 774,48 716,11 92,5 1.079,18 1.181,34 109,5
01.07.2017 1.066,62 1.151,40 107,9 784,09 735,33 93,8 1.095,67 1.205,81 110,1
Frauen
01.07.1992 372,28 422,54 113,5 441,13 469,79 106,5 365,67 418,44 114,4
01.07.1993 388,96 486,90 125,2 477,27 524,01 109,8 380,76 483,29 126,9
01.07.1994 405,41 519,65 128,2 513,63 566,15 110,2 395,74 514,68 130,1
01.07.1995 407,20 541,63 133,0 528,13 562,48 106,5 396,60 539,00 135,9
01.07.1996 413,59 555,79 134,4 544,56 570,12 104,7 402,20 553,81 137,7
01.07.1997 424,86 575,17 135,4 564,35 584,27 103,5 412,81 573,83 139,0
01.07.1998 435,43 586,30 134,6 581,05 593,05 102,1 422,99 585,31 138,4
01.07.1999 447,30 602,77 134,8 597,66 606,57 101,5 434,60 602,22 138,6
01.07.2000 456,13 613,83 134,6 610,86 615,79 100,8 443,42 613,56 138,4
01.07.2001 467,05 629,24 134,7 627,22 628,89 100,3 454,12 629,28 138,6
01.07.2002 477,42 649,67 136,1 642,56 645,92 100,5 464,28 650,15 140,0
01.07.2003 482,45 660,92 137,0 651,21 654,96 100,6 469,24 661,64 141,0
01.07.2004 479,19 659,23 137,6 648,67 651,46 100,4 466,26 660,10 141,6
01.07.2005 477,02 659,67 138,3 647,38 650,05 100,4 464,38 660,67 142,3
01.07.2006 476,90 662,85 139,0 648,29 649,93 100,3 464,39 664,13 143,0
01.07.2007 478,15 666,14 139,3 649,04 650,24 100,2 465,85 667,65 143,3
01.07.2008 483,63 673,78 139,3 653,56 653,96 100,1 471,38 675,63 143,3
01.07.2009 497,61 697,78 140,2 669,38 674,56 100,8 485,18 699,92 144,3
01.07.2010 499,72 700,63 140,2 666,01 673,40 101,1 487,61 703,07 144,2
01.07.2011 505,27 706,68 139,9 666,00 676,63 101,6 493,22 709,42 143,8
01.07.2012 518,56 724,07 139,6 675,91 690,02 102,1 506,38 727,24 143,6
01.07.2013 521,54 749,07 143,6 672,12 708,42 105,4 509,36 753,00 147,8
01.07.2014 532,45 770,40 144,7 679,02 723,53 106,6 520,12 775,13 149,0
01.07.2015 586,33 837,63 142,9 713,30 771,72 108,2 575,45 844,39 146,7
01.07.2016 613,34 887,51 144,7 740,41 815,62 110,2 602,15 894,94 148,6
01.07.2017 627,96 918,46 146,3 751,34 841,30 112,0 616,86 926,40 150,2
n o c h Ü b e r s i c h t 13

Die Entwicklung der Angleichung der verfügbaren laufenden Renten an Männer und Frauen wegen verminderter
Erwerbsfähigkeit und wegen Alters 1) der neuen Länder an die in den alten Ländern seit 1992

Versichertenrenten insgesamt Renten wegen vermind. Erwerbsfähigkeit Renten wegen Alters


2) 3) 2) 3) 2) 3)
Alte Neue Alte Neue Alte Neue
Verhältnis der Verhältnis der Verhältnis der
Renten in den Renten in den Renten in den
Stichtag
Länder neuen zu den Länder neuen zu den Länder neuen zu den
alten Ländern alten Ländern alten Ländern

Zahlbetrag in €/Monat in % Zahlbetrag in €/Monat in % Zahlbetrag in €/Monat in %

Männer und Frauen

01.07.1992 593,50 488,91 82,4 615,69 524,21 85,1 590,19 483,49 81,9
01.07.1993 617,19 570,68 92,5 652,23 586,08 89,9 612,11 568,25 92,8
01.07.1994 640,76 620,52 96,8 684,82 630,76 92,1 634,65 618,95 97,5
01.07.1995 638,37 658,00 103,1 690,23 618,96 89,7 631,37 664,33 105,2
01.07.1996 643,67 687,15 106,8 698,24 623,34 89,3 636,42 697,80 109,6
01.07.1997 656,58 717,98 109,4 713,06 636,93 89,3 649,26 731,80 112,7
01.07.1998 663,76 731,96 110,3 720,06 642,54 89,2 656,65 747,18 113,8
01.07.1999 675,72 750,78 111,1 732,96 654,10 89,2 668,70 766,98 114,7
01.07.2000 682,13 759,48 111,3 737,92 658,54 89,2 675,60 775,85 114,8
01.07.2001 695,27 776,77 111,7 749,46 668,69 89,2 689,18 793,74 115,2
01.07.2002 707,84 799,83 113,0 758,25 682,43 90,0 702,42 817,65 116,4
01.07.2003 713,03 810,83 113,7 759,13 685,97 90,4 708,28 828,86 117,0
01.07.2004 704,79 804,64 114,2 744,17 673,56 90,5 700,94 822,23 117,3
01.07.2005 698,77 801,20 114,7 731,59 663,50 90,7 695,72 818,44 117,6
01.07.2006 695,60 801,49 115,2 723,21 655,81 90,7 693,12 818,98 118,2
01.07.2007 694,47 802,14 115,5 715,14 649,63 90,8 692,67 819,73 118,3
01.07.2008 699,27 807,73 115,5 712,88 647,92 90,9 698,11 825,80 118,3
01.07.2009 715,09 832,50 116,4 721,97 662,19 91,7 714,51 851,48 119,2
01.07.2010 713,63 830,80 116,4 712,24 656,48 92,2 713,75 849,84 119,1
01.07.2011 716,55 833,25 116,3 707,58 657,19 92,9 717,32 852,72 118,9
01.07.2012 730,86 849,07 116,2 713,41 667,60 93,6 732,39 869,47 118,7
01.07.2013 731,34 873,38 119,4 706,38 683,39 96,7 733,59 895,33 122,0
01.07.2014 742,90 893,01 120,2 710,45 696,15 98,0 745,90 916,29 122,8
01.07.2015 780,46 939,21 120,3 731,02 727,03 99,5 785,07 964,16 122,8
01.07.2016 812,31 989,42 121,8 757,09 767,25 101,3 817,53 1.015,33 124,2
01.07.2017 827,03 1.018,09 123,1 767,19 790,32 103,0 832,76 1.044,19 125,4

Hinweis: Die ermittelten DM-Beträge wurden mit dem amtlichen Umrechnungskurs 1 Euro = 1,95583 DM in Euro umgerechnet.

1) durchschnittliche Rentenzahlbeträge der Einzelrenten (an Mehrfachrentnerinnen und -rentner geleistete Renten wurden einzeln
entsprechend ihren Rentenarten gezählt)
2) für Pflichtversicherte nach Abzug des Eigenbeitrags zur KVdR und PVdR (ab 1995)
für freiwillig/privat Versicherte Bruttorenten zuzüglich Zuschuss des Rentenversicherungsträgers zur KVdR; ab 1995 nach Abzug
des Eigenbeitrags zur KVdR und PVdR
3) Rentenhöhen wie alte Länder, ggf. einschließlich Auffüllbetrag
Sondereffekt durch "neue Mütterrenten" ist im Zahlbetrag an Frauen erst zum 1.7.2015 sichtbar, da die Erhöhung (Neuberechnung)
erst im Herbst 2014 erfolgte.

Quelle: Rentenbestandsaufnahme des BMAS aus dem Datensatz des Renten Service der Deutschen Post AG
Ü b e r s i c h t 14

Die Einnahmen und die Ausgaben in der Gesetzlichen Rentenversicherung


nach Versicherungszweigen ab 2015 in Deutschland

1)
Allgemeine Knappschaftliche Gesetzliche
Position Rentenversicherung Rentenversicherung Rentenversicherung
2015 2016 2017 2015 2016 2017 2015 2016 2017
Mio. €

Einnahmen

Beiträge 206.636 214.779 224.635 681 643 609 207.317 215.422 225.244

Zuschüsse und Erstattungen

2)
Bundeszuschuss 62.433 64.469 67.793 5.268 5.240 5.254 67.700 69.709 73.047

Sonstige Erstattungen
3)
aus öffentlichen Mitteln 741 823 1.009 11 11 10 753 834 1.019

Erstattungen
in der Wanderversicherung
von der KnRV 192 183 175 - - - - - -
von der Allgem. RV - - 6.696 6.938 7.156 - - -

Wanderungsausgleich an
KnRV nach § 223 (6) SGB VI
von der Allgem. RV - - - 2.409 2.560 2.669 - - -

Vermögenserträge 65 38 -49 4 3 1 69 42 -48

4)
Sonstige Einnahmen 309 181 200 13 0 0 322 182 200

Einnahmen insgesamt 270.377 280.473 293.761 15.081 15.395 15.701 276.161 286.188 299.461

1) ohne Zahlungen der Versicherungszweige untereinander


2) allgemeiner Bundeszuschuss nach §§ 213 und 215 SGB VI, einschließlich zusätzlicher Bundeszuschuss
3) Erstattungen von Versorgungsdienststellen
4) einschließlich Einnahmen in der Wanderversicherung von der allgemeine RV für Auffüllbeträge

Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung


n o c h Ü b e r s i c h t 14

Die Einnahmen und die Ausgaben in der Gesetzlichen Rentenversicherung


nach Versicherungszweigen ab 2015 in Deutschland

1)
Allgemeine Knappschaftliche Gesetzliche
Position Rentenversicherung Rentenversicherung Rentenversicherung
2015 2016 2017 2015 2016 2017 2015 2016 2017
Mio. €

Ausgaben

2)
Renten 236.187 245.671 254.925 13.380 13.674 13.935 249.568 259.345 268.860

Erstattungen
in der Wanderversicherung
an die KnRV 6.696 6.938 7.156 - - - - - -
an die Allgem. RV - - - 192 183 175 - - -

Maßnahmen zur Erhaltung,


Besserung und Wiederher-
stellung d. Erwerbsfähigkeit
und zusätzliche Leistungen 5.899 6.070 6.252 122 123 131 6.022 6.193 6.383

Knappschaftsausgleichs-
leistungen - - - 227 243 253 227 243 253

Krankenversicherung
der Rentner 16.705 17.390 18.049 981 1.003 1.022 17.686 18.393 19.072

KLG-Leistungen 142 106 77 3 2 2 146 109 79

Beitragserstattungen 87 88 88 0 0 0 87 88 89

Wanderungsausgleich an
KnRV § 223 (6) SGB VI 2.409 2.560 2.669 - - - - - -

Verwaltungs- und
Verfahrenskosten 3.707 3.769 3.927 113 109 112 3.820 3.878 4.039

Sonstige Ausgaben 132 124 87 62 57 72 194 180 159

Ausgaben insgesamt 271.965 282.715 293.232 15.081 15.395 15.701 277.749 288.430 298.932

Einnahmen weniger
Ausgaben -1.588 -2.242 530 - - - -1.588 -2.242 530

nachrichtlich:
Vermögen am Jahresende 45.508 43.280 43.795 297 296 295 45.805 43.576 44.090

darunter:
3)
Nachhaltigkeitsrücklage 34.036 32.376 33.433 0 0 0 34.036 32.376 33.433
Verwaltungsvermögen 4.228 4.146 4.032 151 147 159 4.379 4.293 4.191

1) ohne Zahlungen der Versicherungszweige untereinander


2) einschließlich der zu Lasten anderer Rentenversicherungsträger ausgezahlten Leistungsanteile
3) für allgemeine RV Nachhaltigkeitsrücklage nach §§ 216, 217 SGB VI; für KnRV Rücklage nach § 293 SGB VI

Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung


Besteckfall
Zweiter Teil

16.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


Hintergrund
Bei der Besteckfirma Messer und Söhne GmbH haben sich drei
Personen schriftlich beworben, die geeignet erscheinen:
• Friedrich-Torsten Finger, Ende 50, aus Wetzlar, mit Lebenslauf (auf
Schreibmaschine geschrieben und mit aufgeklebtem Polaroidfoto),
einem Arbeitszeugnis im Original und einem handschriftlichem
Motivationsschreiben.
• Sören Löffel, Ende 20, aus Essen, mit Lebenslauf, Foto, Schulzeugnis
und Ausbildungsurkunde in Kopie.
• Robin Rohr, Ende 30, aus Solingen, mit Lebenslauf,
Ausbildungsnachweis und Teilkopie des Führerscheins.
16.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 2
Aufgabe
Bereiten Sie bitte in Gruppenarbeit die Einladungsschreiben und das
Vorstellungsgespräch selbst vor, wobei Sie in letzterem möglich
rechtlich unangreifbar erfahren
• ob die Bewerber fachlich und
• persönlich geeignet sind.

16.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 3


Gedanken zum Fall Sperrzeit, Gruppe ELBE:

- 39 Jahre im Betrieb ( 7 Monate Frist. Laut § 622 Absatz 2 BGB beträgt die
Kündigungsfrist so beispielsweise bei einer 20-jährigen Betriebszugehörigkeit sieben Monate
zum Ende eines Kalendermonats Quelle:
https://www.fachanwalt.de/magazin/arbeitsrecht/kuendigungsschutz-ab-55
- Ist schwerbehindert Verzichtet der schwerbehinderte Mensch etwa durch eigene
Kündigung oder durch Abschluss eines Aufhebungsvertrags auf den besonderen
Kündigungsschutz oder schließt er einen Abwicklungsvertrag, hat er nach seinem
Ausscheiden aus dem Betrieb möglicherweise finanzielle Nachteile in Kauf zu nehmen, wie z.
B. eine Sperrzeit für die Zahlung des Arbeitslosengeldes.
Quelle:
https://de.wikipedia.org/wiki/Besonderer_K%C3%BCndigungsschutz_f%C3%BCr_sc
hwerbehinderte_Menschen

- Über 55 Ja. (58 J. zum Zeitpunkt der Kündigung) kein besonderer Kündigungsschutz

- Aufhebungsvertrag Der Anspruch auf Zahlung des Arbeitslosengeldes I ruht allerdings nur
dann, wenn das Arbeitsverhältnis vorzeitig – also vor Ablauf der für den Arbeitgeber
geltenden Kündigungsfrist – endet.

b) Die vorzeitige Beendigung des Arbeitsverhältnisses

Für das Ruhen des Anspruchs auf Zahlung von Arbeitslosengeld I ist neben der Zahlung einer
Entlassungsentschädigung erforderlich, dass das Arbeitsverhältnis frühzeitig beendet worden
ist. Eine frühzeitige Beendigung liegt nach dem Wortlaut des § 158 SGB III dann vor, wenn
das Arbeitsverhältnis ohne Einhaltung einer der ordentlichen Kündigungsfrist des
Arbeitgebers entsprechenden Frist beendet worden ist. Das Arbeitsverhältnis muss also zu
einem Zeitpunkt beendet worden sein, zu dem der Arbeitgeber es nicht einseitig hätte lösen
können.

Eine solche vorzeitige Beendigung kann insbesondere erfolgen durch:

 Vereinbarung eines Aufhebungsvertrags, einer Abwicklungsvereinbarung oder


 Abschluss eines gerichtlichen Vergleichs, etwa während eines Rechtsstreites über die
Wirksamkeit einer Kündigung.

Quelle: https://www.kanzlei-hasselbach.de/2017/anrechnung-abfindung-arbeitslosengeld/10/

-
- 47.000 € Abfindung Der Anspruch auf Zahlung des Arbeitslosengeldes I ruht allerdings nur
dann, wenn das Arbeitsverhältnis vorzeitig – also vor Ablauf der für den Arbeitgeber
geltenden Kündigungsfrist – endet.
Quelle: https://www.kanzlei-hasselbach.de/2017/anrechnung-abfindung-
arbeitslosengeld/10/

Ist die Sperrzeit zu Recht? Unsere Meinung: NEIN, siehe auch S. 180, RN 485
Soziale Sicherung
Grundlagen

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 1


s295

Geschichte
Kaiserliche Sozialbotschaft 1881

„Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen etc., thun kund und
fügen hiermit zu wissen: … Schon im Februar dieses Jahres haben Wir Unsere Ueberzeugung
aussprechen lassen, daß die Heilung der sozialen Schäden nicht ausschließlich im Wege der
Repression sozialdemokratischer Ausschreitungen, sondern gleichmäßig auf dem der positiven
Förderung des Wohles der Arbeiter zu suchen sein werde.“

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 2


Sozialstaatsprinzip
Art 20 (GG)
(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer
Bundesstaat.
(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und
Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der
vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.
(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die
vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht
gebunden.
(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle
Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich
ist.

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 3


Sozialstaatsprinzip
Art 28 (GG)
(1) Die verfassungsmäßige Ordnung in den Ländern muß den Grundsätzen des republikanischen,
demokratischen und sozialen Rechtsstaates im Sinne dieses Grundgesetzes entsprechen. In den
Ländern, Kreisen und Gemeinden muß das Volk eine Vertretung haben, die aus allgemeinen,
unmittelbaren, freien, gleichen und geheimen Wahlen hervorgegangen ist. Bei Wahlen in Kreisen
und Gemeinden sind auch Personen, die die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaates der
Europäischen Gemeinschaft besitzen, nach Maßgabe von Recht der Europäischen Gemeinschaft
wahlberechtigt und wählbar. In Gemeinden kann an die Stelle einer gewählten Körperschaft die
Gemeindeversammlung treten.
(2) Den Gemeinden muß das Recht gewährleistet sein, alle Angelegenheiten der örtlichen
Gemeinschaft im Rahmen der Gesetze in eigener Verantwortung zu regeln. Auch die
Gemeindeverbände haben im Rahmen ihres gesetzlichen Aufgabenbereiches nach Maßgabe der
Gesetze das Recht der Selbstverwaltung. Die Gewährleistung der Selbstverwaltung umfaßt auch die
Grundlagen der finanziellen Eigenverantwortung; zu diesen Grundlagen gehört eine den Gemeinden
mit Hebesatzrecht zustehende wirtschaftskraftbezogene Steuerquelle.
(3) Der Bund gewährleistet, daß die verfassungsmäßige Ordnung der Länder den Grundrechten und
den Bestimmungen der Absätze 1 und 2 entspricht.

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 4


Soziale Sicherung
• Sozialversicherung
• Sozialversorgung
• Sozialhilfe

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 5


Bücher des SGB
• SGB I - Allgemeiner Teil
• SGB II - Grundsicherung für Arbeitsuchende
• SGB III - Arbeitsförderung
• SGB IV - Gemeinsame Vorschriften für die Sozialversicherung
• SGB V - Gesetzliche Krankenversicherung
• SGB VI - Gesetzliche Rentenversicherung
• SGB VII - Gesetzliche Unfallversicherung
• SGB VIII - Kinder und Jugendhilfe
• SGB IX - Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen
• SGB X - Sozialverwaltungsverfahren und Sozialdatenschutz
• SGB XI - Soziale Pflegeversicherung
• SGB XII - Sozialhilfe
• (SGB XIV - Recht der Sozialen Entschädigung – geplant für 2022)

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 6


Sozialstaatsgebot
§ 1 Aufgaben des Sozialgesetzbuchs (SGB I)
(1) Das Recht des Sozialgesetzbuchs soll zur Verwirklichung sozialer
Gerechtigkeit und sozialer Sicherheit Sozialleistungen einschließlich sozialer
und erzieherischer Hilfen gestalten. Es soll dazu beitragen,
• ein menschenwürdiges Dasein zu sichern,
• gleiche Voraussetzungen für die freie Entfaltung der Persönlichkeit,
insbesondere auch für junge Menschen, zu schaffen,
• die Familie zu schützen und zu fördern,
• den Erwerb des Lebensunterhalts durch eine frei gewählte Tätigkeit zu
ermöglichen und
• besondere Belastungen des Lebens, auch durch Hilfe zur Selbsthilfe,
abzuwenden oder auszugleichen.

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 7


Sozialversicherung
§ 4 Sozialversicherung (SGB I)
(1) Jeder hat im Rahmen dieses Gesetzbuchs ein Recht auf Zugang zur
Sozialversicherung.
(2) Wer in der Sozialversicherung versichert ist, hat im Rahmen der
gesetzlichen Kranken-, Pflege-, Unfall- und Rentenversicherung einschließlich
der Alterssicherung der Landwirte ein Recht auf
1. die notwendigen Maßnahmen zum Schutz, zur Erhaltung, zur Besserung
und zur Wiederherstellung der Gesundheit und der Leistungsfähigkeit und
2. wirtschaftliche Sicherung bei Krankheit, Mutterschaft, Minderung der
Erwerbsfähigkeit und Alter.
Ein Recht auf wirtschaftliche Sicherung haben auch die Hinterbliebenen
eines Versicherten.

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 8


Gestaltungsprinzipien
• Das Versicherungsprinzip geht davon aus, dass ein abschätzbares
Risiko, das jedes Mitglied der Gemeinschaft treffen kann, von dieser
gemeinsam getragen wird. Das Versicherungsprinzip beinhaltet einen
Beitrag, der von allen Mitgliedern der Gemeinschaft zu zahlen ist und
der die Leistung begründet. Ohne Beitragszahlung gibt es keine
Leistung. Dieses Prinzip gilt z.B. bei einer Reise-Unfallversicherung.

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 9


Gestaltungsprinzipien
• Durch das Versorgungsprinzip wird geregelt, dass ein Anspruch auf
Leistungen durch besondere Tätigkeiten, z.B. als Beamter, besteht.
Hier gibt es keine Beitragszahlungen.

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 10


Gestaltungsprinzipien
• Das Fürsorgeprinzip sieht eine Absicherung im Notfall vor. Es gibt
keine Beitragszahlung, der Anspruch auf Hilfeleistung ist nicht in Form
von festlegten Leistungen vorhanden, sondern richtet sich nach dem
individuellen Bedarf, der jedoch zuvor überprüft wird (z.B.
Wohngeld).

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 11


Wirkprinzipien
• Das Äquivalenzprinzip ist die Grundlage jeder privaten Sicherung.
Beiträge und Leistungen müssen sich dabei entsprechen; je höher das
Risiko, desto höher ist der Beitrag. Dieses Prinzip ist z.B. in der
privaten Krankenversicherung oder bei einer Hausratsversicherung zu
finden.

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 12


Wirkprinzipien
• Das Solidaritätsprinzip geht davon aus, dass jeder Bürger Beiträge zur Versicherung nach
seinem persönlichen Vermögen zahlt und Leistungen nach seinem Bedarf erhält. Als
Kriterium zur Beurteilung des persönlichen Vermögens wird zurzeit noch das
Arbeitseinkommen herangezogen, eine Ausweitung auf Einkommen aus Kapitalerträgen
und Mieteinnahmen wird diskutiert. Je mehr eine Person verdient, desto höhere Beiträge
müssen gezahlt werden. Dies ist sowohl in der gesetzlichen Kranken- als auch in der
Rentenversicherung der Fall. Grundsätzliches Ziel ist es, dass jede Person die notwendige
Versorgung unabhängig vom Einkommen erhalten soll. Niemand soll wegen eines
geringen Einkommens unbehandelt oder unterversorgt sein. In der gesetzlichen
Krankenversicherung werden drei Formen des Solidarausgleichs unterschieden: Es gibt
einen Ausgleich zwischen gesunden und kranken Personen, indem sowohl gesunde als
auch kranke Personen den gleichen Prozentsatz ihres Arbeitseinkommens als Beitrag
bezahlen. Dabei ist zu bedenken, dass ca. 10% der Versicherten etwa 80% der gesamten
Kosten in der GKV verursachen. Es gibt einen Solidarausgleich zwischen höheren und
niedrigeren Einkommen durch die Abhängigkeit des Beitrages vom beitragspflichtigen
Einkommen, was als Leistungsfähigkeitsprinzip bezeichnet wird. Und es existiert ein
Solidarausgleich zwischen Beitrag zahlenden Mitgliedern und beitragsfrei
mitversicherten Familienangehörigen.
27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 13
Wirkprinzipien
• Das Subsidiaritätsprinzip geht von der Annahme aus, dass jede soziale
Sicherung nicht vollständig durch den Staat getragen werden kann,
sondern dass sich zunächst jede Einheit (Familie, Gemeinde, Bundesland,
Bundesregierung) selbst helfen muss, bevor die Ressourcen der
übergeordneten Einheit in Anspruch genommen werden können. Damit
soll die Eigenverantwortung und Selbsthilfemöglichkeit des Einzelnen
angesprochen werden. In der gesetzlichen Krankenversicherung sind
deshalb Bagatellarzneimittel aus der Erstattungsfähigkeit durch die GKV
herausgenommen worden, aber es wurden auch Härtefall- und
Überforderungsregelungen eingeführt, um eine Belastungsgrenze bei der
Einführung von Zuzahlungen zu gewährleisten (2% des jährlichen
Bruttoeinkommens bzw. 1% bei chronisch Kranken).

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 14


Versicherter Personenkreis
§ 2 Versicherter Personenkreis (SGB IV)
(1) Die Sozialversicherung umfasst Personen, die kraft Gesetzes oder Satzung (Versicherungspflicht) oder auf Grund freiwilligen
Beitritts oder freiwilliger Fortsetzung der Versicherung (Versicherungsberechtigung) versichert sind.
(1a) Deutsche im Sinne der Vorschriften über die Sozialversicherung und die Arbeitsförderung sind Deutsche im Sinne des Artikels
116 des Grundgesetzes.
(2) In allen Zweigen der Sozialversicherung sind nach Maßgabe der besonderen Vorschriften für die einzelnen Versicherungszweige
versichert
1. Personen, die gegen Arbeitsentgelt oder zu ihrer Berufsausbildung beschäftigt sind,
2. behinderte Menschen, die in geschützten Einrichtungen beschäftigt werden,
3. Landwirte.
(3) Deutsche Seeleute, die auf einem Seeschiff beschäftigt sind, das nicht berechtigt ist, die Bundesflagge zu führen, werden auf
Antrag des Reeders
1. in der gesetzlichen Kranken-,Renten- und Pflegeversicherung versichert und in die Versicherungspflicht nach dem Dritten Buch
einbezogen,
2. in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert, wenn der Reeder das Seeschiff der Unfallverhütung und
Schiffssicherheitsüberwachung durch die Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation unterstellt hat
und der Staat, dessen Flagge das Seeschiff führt, dem nicht widerspricht. …

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 15


Beschäftigung
§ 7 Beschäftigung (SGB IV)
(1) Beschäftigung ist die nichtselbständige Arbeit, insbesondere in einem
Arbeitsverhältnis. Anhaltspunkte für eine Beschäftigung sind eine Tätigkeit
nach Weisungen und eine Eingliederung in die Arbeitsorganisation des
Weisungsgebers.
(1a) Eine Beschäftigung besteht auch in Zeiten der Freistellung von der
Arbeitsleistung von mehr als einem Monat, wenn
1. während der Freistellung Arbeitsentgelt aus einem Wertguthaben nach §
7b fällig ist und
2. das monatlich fällige Arbeitsentgelt in der Zeit der Freistellung nicht
unangemessen von dem für die vorausgegangenen zwölf Kalendermonate
abweicht, in denen Arbeitsentgelt bezogen wurde. …

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 16


s300 rn 19

Meldepflicht
§ 28a Meldepflicht (SGB IV)
(1) Der Arbeitgeber oder ein anderer Meldepflichtiger hat der Einzugsstelle für jeden in der
Kranken-, Pflege-, Rentenversicherung oder nach dem Recht der Arbeitsförderung kraft Gesetzes
Versicherten
1. bei Beginn der versicherungspflichtigen Beschäftigung,
2. bei Ende der versicherungspflichtigen Beschäftigung,
3. bei Eintritt eines Insolvenzereignisses,
4. (weggefallen)

5. bei Änderungen in der Beitragspflicht,


6. bei Wechsel der Einzugsstelle,
7. bei Anträgen auf Altersrenten oder Auskunftsersuchen des Familiengerichts in
Versorgungsausgleichsverfahren,
8. bei Unterbrechung der Entgeltzahlung,
9. bei Auflösung des Arbeitsverhältnisses,

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 17


Meldepflicht
10. auf Anforderung der Einzugsstelle nach § 26 Absatz 4 Satz 2,
11. bei Antrag des geringfügig Beschäftigten nach § 6 Absatz 1b des Sechsten Buches auf Befreiung von der
Versicherungspflicht,
12. bei einmalig gezahltem Arbeitsentgelt,
13. bei Beginn der Berufsausbildung,
14. bei Ende der Berufsausbildung,
15. bei Wechsel im Zeitraum bis zum 31. Dezember 2024 von einem Beschäftigungsbetrieb im Beitrittsgebiet
zu einem Beschäftigungsbetrieb im übrigen Bundesgebiet oder umgekehrt,
16. bei Beginn der Altersteilzeitarbeit,
17. bei Ende der Altersteilzeitarbeit,
18. bei Änderung des Arbeitsentgelts, wenn die in § 8 Absatz 1 Nummer 1 genannte Grenze über- oder
unterschritten wird,
19. bei nach § 23b Absatz 2 bis 3 gezahltem Arbeitsentgelt oder
20. bei Wechsel im Zeitraum bis zum 31. Dezember 2024 von einem Wertguthaben, das im Beitrittsgebiet und
einem Wertguthaben, das im übrigen Bundesgebiet erzielt wurde, eine Meldung zu erstatten. …

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 18


Arbeitslosenversicherung
und Arbeitsförderung
Prinzipien

28.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


Arbeitsförderung
§ 1 Ziele der Arbeitsförderung (SGB III)
(1) Die Arbeitsförderung soll dem Entstehen von Arbeitslosigkeit
entgegenwirken, die Dauer der Arbeitslosigkeit verkürzen und den Ausgleich
von Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt
unterstützen. Dabei ist insbesondere durch die Verbesserung der
individuellen Beschäftigungsfähigkeit Langzeitarbeitslosigkeit zu vermeiden.
Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist als durchgängiges Prinzip der
Arbeitsförderung zu verfolgen. Die Arbeitsförderung soll dazu beitragen, dass
ein hoher Beschäftigungsstand erreicht und die Beschäftigungsstruktur
ständig verbessert wird. Sie ist so auszurichten, dass sie der
beschäftigungspolitischen Zielsetzung der Sozial-, Wirtschafts- und
Finanzpolitik der Bundesregierung entspricht. …

28.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 2


Versicherte
§ 25 Beschäftigte (SGB III)
(1) Versicherungspflichtig sind Personen, die gegen Arbeitsentgelt oder
zu ihrer Berufsausbildung beschäftigt (versicherungspflichtige
Beschäftigung) sind. Auszubildende, die im Rahmen eines
Berufsausbildungsvertrages nach dem Berufsbildungsgesetz in einer
außerbetrieblichen Einrichtung ausgebildet werden, und
Teilnehmerinnen und Teilnehmer an dualen Studiengängen, stehen den
Beschäftigten zur Berufsausbildung im Sinne des Satzes 1 gleich. …

28.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 3


Freiwillig Versicherte
§ 28a Versicherungspflichtverhältnis auf Antrag (SGB III)
(1) Ein Versicherungspflichtverhältnis auf Antrag können Personen begründen, die …
2. eine selbständige Tätigkeit mit einem Umfang von mindestens 15 Stunden wöchentlich
aufnehmen und ausüben,
3. eine Beschäftigung mit einem Umfang von mindestens 15 Stunden wöchentlich in einem Staat
außerhalb eines Mitgliedstaates der Europäischen Union, eines Vertragsstaates des Europäischen
Wirtschaftsraums oder der Schweiz aufnehmen und ausüben,
4. eine Elternzeit nach § 15 des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes in Anspruch nehmen oder
5. sich beruflich weiterbilden, wenn dadurch ein beruflicher Aufstieg ermöglicht, ein beruflicher
Abschluss vermittelt oder zu einer anderen beruflichen Tätigkeit befähigt wird; ausgeschlossen sind
Weiterbildungen … , es sei denn, die berufliche Weiterbildung findet in einem
berufsqualifizierenden Studiengang an einer Hochschule … statt.
Gelegentliche Abweichungen von der in den Satz 1 Nummer 2 und 3 genannten wöchentlichen
Mindeststundenzahl bleiben unberücksichtigt, wenn sie von geringer Dauer sind.

28.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 4


Finanzierung
§ 340 Aufbringung der Mittel (SGB III)
Die Leistungen der Arbeitsförderung und die sonstigen Ausgaben der
Bundesagentur werden durch Beiträge der Versicherungspflichtigen,
der Arbeitgeber und Dritter (Beitrag zur Arbeitsförderung), Umlagen,
Mittel des Bundes und sonstige Einnahmen finanziert.

28.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 5


Arbeitslosenbegriff
§ 16 Arbeitslose (SGB III)
(1) Arbeitslose sind Personen, die wie beim Anspruch auf
Arbeitslosengeld
1. vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen,
2. eine versicherungspflichtige Beschäftigung suchen und dabei den
Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit zur Verfügung stehen
und
3. sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet haben.
(2) An Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik Teilnehmende
gelten als nicht arbeitslos.

28.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 6


Anspruch auf Arbeitslosengeld
§ 136 Anspruch auf Arbeitslosengeld (SGB III)
(1) Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben Anspruch auf
Arbeitslosengeld
1. bei Arbeitslosigkeit oder
2. bei beruflicher Weiterbildung.
(2) Wer das für die Regelaltersrente im Sinne des Sechsten Buches
erforderliche Lebensjahr vollendet hat, hat vom Beginn des folgenden
Monats an keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.

28.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 7


Arbeitslosigkeit
§ 138 Arbeitslosigkeit (SGB III)
(1) Arbeitslos ist, wer Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer ist und
1. nicht in einem Beschäftigungsverhältnis steht (Beschäftigungslosigkeit),
2. sich bemüht, die eigene Beschäftigungslosigkeit zu beenden
(Eigenbemühungen), und
3. den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit zur Verfügung steht
(Verfügbarkeit).
(2) Eine ehrenamtliche Betätigung schließt Arbeitslosigkeit nicht aus, wenn
dadurch die berufliche Eingliederung der oder des Arbeitslosen nicht
beeinträchtigt wird. …
28.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 8
Anspruchsvoraussetzungen
§ 137 Anspruchsvoraussetzungen bei Arbeitslosigkeit (SGB III)
(1) Anspruch auf Arbeitslosengeld bei Arbeitslosigkeit hat, wer
1. arbeitslos ist,
2. sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet und
3. die Anwartschaftszeit erfüllt hat.
(2) Bis zur Entscheidung über den Anspruch kann die antragstellende
Person bestimmen, dass der Anspruch nicht oder zu einem späteren
Zeitpunkt entstehen soll.

28.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 9


Anwartschaftszeit
§ 142 Anwartschaftszeit (SGB III)
(1) Die Anwartschaftszeit hat erfüllt, wer in der Rahmenfrist (§ 143)
mindestens zwölf Monate in einem Versicherungspflichtverhältnis
gestanden hat. Zeiten, die vor dem Tag liegen, an dem der Anspruch
auf Arbeitslosengeld wegen des Eintritts einer Sperrzeit erloschen ist,
dienen nicht zur Erfüllung der Anwartschaftszeit. …

28.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 10


Rahmenfrist
§ 143 Rahmenfrist (SGB III)
(1) Die Rahmenfrist beträgt zwei Jahre und beginnt mit dem Tag vor
der Erfüllung aller sonstigen Voraussetzungen für den Anspruch auf
Arbeitslosengeld.
(2) Die Rahmenfrist reicht nicht in eine vorangegangene Rahmenfrist
hinein, in der die oder der Arbeitslose eine Anwartschaftszeit erfüllt
hatte.
(3) In die Rahmenfrist werden Zeiten nicht eingerechnet, in denen die
oder der Arbeitslose von einem Rehabilitationsträger Übergangsgeld
wegen einer berufsfördernden Maßnahme bezogen hat. In diesem Fall
endet die Rahmenfrist spätestens fünf Jahre nach ihrem Beginn.
28.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 11
Höhe des Arbeitslosengeldes
§ 149 Grundsatz (SGB III)
Das Arbeitslosengeld beträgt
1. für Arbeitslose, die mindestens ein Kind im Sinne des § 32 Absatz 1, 3 bis
5 des Einkommensteuergesetzes haben, sowie für Arbeitslose, deren
Ehegattin, Ehegatte, Lebenspartnerin oder Lebenspartner mindestens ein
Kind im Sinne des § 32 Absatz 1, 3 bis 5 des Einkommensteuergesetzes hat,
wenn beide Ehegatten oder Lebenspartner unbeschränkt
einkommensteuerpflichtig sind und nicht dauernd getrennt leben, 67
Prozent (erhöhter Leistungssatz),
2. für die übrigen Arbeitslosen 60 Prozent (allgemeiner Leistungssatz)
des pauschalierten Nettoentgelts (Leistungsentgelt), das sich aus dem
Bruttoentgelt ergibt, das die oder der Arbeitslose im Bemessungszeitraum
erzielt hat (Bemessungsentgelt).

28.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 12


Kindesbegriff
§ 32 Kinder, Freibeträge für Kinder (EStG)
(1) Kinder sind
1. im ersten Grad mit dem Steuerpflichtigen verwandte Kinder,
2. Pflegekinder (Personen, mit denen der Steuerpflichtige durch ein familienähnliches, auf längere Dauer berechnetes Band verbunden ist, sofern er sie nicht zu Erwerbszwecken in
seinen Haushalt aufgenommen hat und das Obhuts- und Pflegeverhältnis zu den Eltern nicht mehr besteht). …
(3) Ein Kind wird in dem Kalendermonat, in dem es lebend geboren wurde, und in jedem folgenden Kalendermonat, zu dessen Beginn es das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat,
berücksichtigt.
(4) Ein Kind, das das 18. Lebensjahr vollendet hat, wird berücksichtigt, wenn es
1. noch nicht das 21. Lebensjahr vollendet hat, nicht in einem Beschäftigungsverhältnis steht und bei einer Agentur für Arbeit im Inland als Arbeitsuchender gemeldet ist oder
2. noch nicht das 25. Lebensjahr vollendet hat und
a) für einen Beruf ausgebildet wird oder
b) sich in einer Übergangszeit von höchstens vier Monaten befindet, die zwischen zwei Ausbildungsabschnitten oder zwischen einem Ausbildungsabschnitt und der Ableistung des
gesetzlichen Wehr- oder Zivildienstes … liegt, oder
c) eine Berufsausbildung mangels Ausbildungsplatzes nicht beginnen oder fortsetzen kann oder
d) ein freiwilliges soziales Jahr oder … leistet oder
3. wegen körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung außerstande ist, sich selbst zu unterhalten; Voraussetzung ist, dass die Behinderung vor Vollendung des 25. Lebensjahres
eingetreten ist. …
(5) In den Fällen des Absatzes 4 Satz 1 Nummer 1 oder Nummer 2 Buchstabe a und b wird ein Kind, das … den gesetzlichen Grundwehrdienst oder Zivildienst geleistet hat über das 21.
oder 25. Lebensjahr hinaus berücksichtigt.

28.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 13


Kontrollmaßnahmen
des Arbeitgebers
Abwägung
Arbeitgeber Arbeitnehmer

▪ Fürsorgepflicht ▪ Persönlichkeitsrechte
▪ Direktionsrecht

16.08.2019
Abwägung
Intern Extern

▪ Störung des Betriebsfriedens ▪ Rechte Dritter

16.08.2019
Direktionsrecht
Der Arbeitgeber will Mobbing vermeiden und zu diesem Zwecke Kontrollmaßnahmen einführen.
Was ist erlaubt ?
1. Hinweis an die Arbeitnehmer,
dass ungehöriges Verhalten von
Kollegen dem Vorgesetzten zu
melden ist.

16.08.2019
2. Befragung von Arbeitnehmern,
ob sie Beschwerden über das
Verhalten von Kollegen
vorzubringen haben.

16.08.2019
3. Befragung von Arbeitnehmern
zu gemeldeten Vorfällen.

16.08.2019
4. Gruppengespräche zu bekannt
gewordenen Vorfällen.

16.08.2019
5. Mithören von Gesprächen.

16.08.2019
6. Mithören von Telefonaten.

16.08.2019
7. Mitschnitt von Telefonaten.

16.08.2019
8. Beobachtung der Arbeitnehmer.

16.08.2019
9. Videoüberwachung.

16.08.2019
10. Zeiterfassung.

16.08.2019
11. Kontrollanrufe beim
Arbeitnehmer zu Hause.

16.08.2019
12. Kontrollbesuche beim
Arbeitnehmer zu Hause.

16.08.2019
13. Verpflichtung der Belegschaft
an einem Seminar zum
Konflikttraining teilzunehmen.

16.08.2019
s303 rn 29

Gesetzliche
Krankenversicherung
Prinzipien

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 1


Gesetzliche Krankenversicherung
§ 1 Solidarität und Eigenverantwortung (SGB V)
Die Krankenversicherung als Solidargemeinschaft hat die Aufgabe, die
Gesundheit der Versicherten zu erhalten, wiederherzustellen oder ihren
Gesundheitszustand zu bessern. Das umfasst auch die Förderung der
gesundheitlichen Eigenkompetenz und Eigenverantwortung der
Versicherten. Die Versicherten sind für ihre Gesundheit mitverantwortlich;
sie sollen durch eine gesundheitsbewußte Lebensführung, durch frühzeitige
Beteiligung an gesundheitlichen Vorsorgemaßnahmen sowie durch aktive
Mitwirkung an Krankenbehandlung und Rehabilitation dazu beitragen, den
Eintritt von Krankheit und Behinderung zu vermeiden oder ihre Folgen zu
überwinden. Die Krankenkassen haben den Versicherten dabei durch
Aufklärung, Beratung und Leistungen zu helfen und auf gesunde
Lebensverhältnisse hinzuwirken.
27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 2
Krankenkasse als Körperschaft
§ 4 Krankenkassen (SGB V)
(1) Die Krankenkassen sind rechtsfähige Körperschaften des öffentlichen Rechts mit
Selbstverwaltung.
(2) Die Krankenversicherung ist in folgende Kassenarten gegliedert:
• Allgemeine Ortskrankenkassen,
• Betriebskrankenkassen,
• Innungskrankenkassen,
• Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau als Träger der Krankenversicherung der
Landwirte,
• die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See als Träger der Krankenversicherung (Deutsche
Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See),
• Ersatzkassen.
(3) Im Interesse der Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit der gesetzlichen Krankenversicherung
arbeiten die Krankenkassen und ihre Verbände sowohl innerhalb einer Kassenart als auch
kassenartenübergreifend miteinander und mit allen anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens
eng zusammen. …

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 3


jahres arbeits endgeld grenze- wenn man unterhalb ist dan
wird das gehalt belastet -wenn man die übeeigt ist man
nicht - wenn man die übersteigt dann ist man raus aus de
gesetz.versicherungspflicht

Versicherte jahresbeitrags bemessungs grenze-

• § 5 Versicherungspflicht (SGB V)
(1) Versicherungspflichtig sind
1. Arbeiter, Angestellte und zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigte, die
gegen Arbeitsentgelt beschäftigt sind, …

• § 9 Freiwillige Versicherung (SGB V)

• § 10 Familienversicherung (SGB V)

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 4


Leistungsarten
§ 11 Leistungsarten (SGB V)
(1) Versicherte haben nach den folgenden Vorschriften Anspruch auf Leistungen
1. bei Schwangerschaft und Mutterschaft (§§ 24c bis 24i),
2. zur Verhütung von Krankheiten und von deren Verschlimmerung sowie zur Empfängnisverhütung, bei
Sterilisation und bei Schwangerschaftsabbruch (§§ 20 bis 24b),
3. zur Erfassung von gesundheitlichen Risiken und Früherkennung von Krankheiten (§§ 25 und 26),
4. zur Behandlung einer Krankheit (§§ 27 bis 52),
5. des Persönlichen Budgets nach § 29 des Neunten Buches.
(2) Versicherte haben auch Anspruch auf Leistungen zur medizinischen Rehabilitation sowie auf
unterhaltssichernde und andere ergänzende Leistungen, die notwendig sind, um eine Behinderung oder
Pflegebedürftigkeit abzuwenden, zu beseitigen, zu mindern, auszugleichen, ihre Verschlimmerung zu verhüten
oder ihre Folgen zu mildern. Leistungen der aktivierenden Pflege nach Eintritt von Pflegebedürftigkeit werden
von den Pflegekassen erbracht. Die Leistungen nach Satz 1 werden unter Beachtung des Neunten Buches
erbracht, soweit in diesem Buch nichts anderes bestimmt ist.
(3) Bei stationärer Behandlung umfassen die Leistungen auch die aus medizinischen Gründen notwendige
Mitaufnahme einer Begleitperson des Versicherten …

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 5


Ausschluss
§ 11 Leistungsarten (SGB V)
(5) Auf Leistungen besteht kein Anspruch, wenn sie als Folge eines
Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit im Sinne der gesetzlichen
Unfallversicherung zu erbringen sind. …

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 6


Wirtschaftlichkeitsgebot
§ 12 Wirtschaftlichkeitsgebot (SBG V)
(1) Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich
sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. Leistungen,
die nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind, können Versicherte nicht
beanspruchen, dürfen die Leistungserbringer nicht bewirken und die
Krankenkassen nicht bewilligen.
(3) Hat die Krankenkasse Leistungen ohne Rechtsgrundlage oder entgegen
geltendem Recht erbracht und hat ein Vorstandsmitglied hiervon gewußt
oder hätte es hiervon wissen müssen, hat die zuständige Aufsichtsbehörde
nach Anhörung des Vorstandsmitglieds den Verwaltungsrat zu veranlassen,
das Vorstandsmitglied auf Ersatz des aus der Pflichtverletzung entstandenen
Schadens in Anspruch zu nehmen, falls der Verwaltungsrat das
Regreßverfahren nicht bereits von sich aus eingeleitet hat.

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 7


Gesundheitsförderung
§ 20 Primäre Prävention und Gesundheitsförderung (SGB V)
(1) Die Krankenkasse sieht in der Satzung Leistungen zur Verhinderung
und Verminderung von Krankheitsrisiken (primäre Prävention) sowie
zur Förderung des selbstbestimmten gesundheitsorientierten Handelns
der Versicherten (Gesundheitsförderung) vor. Die Leistungen sollen
insbesondere zur Verminderung sozial bedingter sowie
geschlechtsbezogener Ungleichheit von Gesundheitschancen
beitragen. …

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 8


Aufgaben der Krankenkassen
• Auskunftsstelle für alle sozialen Angelegenheiten des SGB

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 9


Aufgaben der Krankenkassen
• Meldewesen
• zur gesetzlichen Sozialversicherung
• Weiterleitung der Sozialdaten

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 10


Aufgaben der Krankenkassen
• Einzug des Gesamtversicherungsbetrages
• Weiterleitung der Beträge an die
• Träger der Pflegeversicherung
• Träger der Rentenversicherung
• Bundesagentur für Arbeit

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 11


Aufgaben der Krankenkassen
• Ausgleich nach Aufwendungsausgleichsgesetz (AAG)
• Umlage U1
• Umlage U2

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 12


U1 bis 30 AN können wir es aussuchen...
wenn es über 30 dan sind wir raus

Aufwendungsausgleichsgesetz
§ 1 Erstattungsanspruch (AAG)
(1) Die Krankenkassen mit Ausnahme der landwirtschaftlichen Krankenkasse
erstatten den Arbeitgebern, die in der Regel ausschließlich der zu ihrer
Berufsausbildung Beschäftigten nicht mehr als 30 Arbeitnehmer und
Arbeitnehmerinnen beschäftigen, 80 Prozent
1. des für den in § 3 Abs. 1 und 2 und den in § 9 Abs. 1 des
Entgeltfortzahlungsgesetzes bezeichneten Zeitraum an Arbeitnehmer und
Arbeitnehmerinnen fortgezahlten Arbeitsentgelts,
2. der auf die Arbeitsentgelte nach der Nummer 1 entfallenden von den
Arbeitgebern zu tragenden Beiträge zur Bundesagentur für Arbeit und der
Arbeitgeberanteile an Beiträgen zur gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung,
zur sozialen Pflegeversicherung und die Arbeitgeberzuschüsse nach § 172a des
Sechsten Buches Sozialgesetzbuch sowie der Beitragszuschüsse nach § 257 des
Fünften und nach § 61 des Elften Buches Sozialgesetzbuch. …

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 13


u2 -

Aufwendungsausgleichsgesetz
§ 1 Erstattungsanspruch (AAG)
(2) Die Krankenkassen mit Ausnahme der landwirtschaftlichen Krankenkasse
erstatten den Arbeitgebern in vollem Umfang
1. den vom Arbeitgeber nach § 20 Absatz 1 des Mutterschutzgesetzes
gezahlten Zuschuss zum Mutterschaftsgeld,
2. das vom Arbeitgeber nach § 18 des Mutterschutzgesetzes bei
Beschäftigungsverboten gezahlte Arbeitsentgelt,
3. die auf die Arbeitsentgelte nach der Nummer 2 entfallenden von den
Arbeitgebern zu tragenden Beiträge zur Bundesagentur für Arbeit und die
Arbeitgeberanteile an Beiträgen zur gesetzlichen Kranken- und
Rentenversicherung, zur sozialen Pflegeversicherung und die
Arbeitgeberzuschüsse …

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 14


Aufwendungsausgleichsgesetz
§ 1 Erstattungsanspruch (AAG)
(3) Am Ausgleich der Arbeitgeberaufwendungen nach den Absätzen 1
(U1-Verfahren) und 2 (U2-Verfahren) nehmen auch die Arbeitgeber teil,
die nur Auszubildende beschäftigen.

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 15


Günstigkeitsprinzip
Fälle

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


Fall 1.
V. vergleicht seinen Arbeitsvertrag mit dem für ihn geltenden
Tarifvertrag. Im Arbeitsvertrag sind 29 Tage Urlaub mit einem täglichen
Urlaubsgeld von 15,00 EUR vorgesehen; im Tarifvertrag stehen 21 Tage
mit 20,00 EUR. V möchte 29 Tage Urlaub mit 20,00 EUR täglichem
Urlaubsgeld. Zu Recht ?

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 2


Fall 2.
Bei einem weiteren Vergleich stellt V. fest, dass der Arbeitsvertrag ein
Weihnachtsgeld von 200,00 EUR und der Tarifvertrag eines von 300,00
EUR vorsieht. Welcher Anspruch besteht?

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 3


Herrn Hamburg, 15. August 2019
Meho Salihovic Tel.: 040 4119-1000
Kilianstr. 106 Fax.:040 4119-3292
33098 Paderborn reiseinfo@hansemerkur.de

Versicherungsschein-Nummer: 796208914G60014
Ihr Versicherungsabschluss vom 15.08.2019

Sehr geehrter Herr Salihovic,

vielen Dank für den Abschluss Ihrer Reise-Versicherung.

Aufgrund der von Ihnen gewählten Zahlart "Rechnung" möchten wir Sie an dieser Stelle vorsorglich
darauf hinweisen, dass die Zahlung der Versicherungsprämie unverzüglich erfolgen muss. Der
Versicherungsschutz beginnt zu dem im Versicherungsschein angegebenen Zeitpunkt, frühestens
nach Zahlung der ersten oder einmaligen Prämie.

Die Rechnung haben wir Ihnen bereits direkt nach Antragstellung, gemeinsam mit allen weiteren
relevanten Vertragsunterlagen per E-Mail übermittelt.

Sollte in den nächsten Tagen kein Zahlungseingang erfolgen, sind wir berechtigt vom Vertrag zurück
zu treten. Nach erfolgtem Rücktritt vom Vertrag, kann dieser auch nicht mehr reaktiviert werden.

Gern beantworten wir weitere Fragen.

Wir sind für Sie da.


Haben Sie noch Fragen zu unseren Reiseversicherungen oder möchten Sie uns etwas mitteilen?
Sehr gerne! Sie erreichen uns über das Kontaktformular auf unserer Webseite www.hmrv.de.

Mit freundlichen Grüßen

HanseMerkur Reiseversicherung AG

ppa. Dr. Mirko Kühne Ute Lakluk

HanseMerkur Reiseversicherung AG
Siegfried-Wedells-Platz 1, 20354 Hamburg
Sitz: Hamburg * HRB: Hamburg 19768
Vorstand: Eberhard Sautter (Vors.),
Eric Bussert, Holger Ehses,
Johannes Ganser, Raik Mildner
Aufsichtsrat: Dr. Karl Hans Arnold (Vors.)
www.hmrv.de
Betriebsrat
Rechte und Pflichten

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


Allgemein
• Ein Betriebsrat ist ein institutionalisiertes Organ der Arbeitnehmer
• Dieses Organ ist weder rechts- noch vermögensfähig

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 2


Weitere Vertretungsorgane
• Gesamtbetriebsrat
§ 47 Voraussetzungen der Errichtung, Mitgliederzahl, Stimmengewicht (BetrVG)
(1) Bestehen in einem Unternehmen mehrere Betriebsräte, so ist ein
Gesamtbetriebsrat zu errichten. …
• Konzernbetriebsrat
§ 54 Errichtung des Konzernbetriebsrats (BetrVG)
• (1) Für einen Konzern …kann durch Beschlüsse der einzelnen Gesamtbetriebsräte ein
Konzernbetriebsrat errichtet werden. …
• Jugend- und Ausbildungsvertretung (§ 60 BetrVG)
• Sprecherausschuss (§ 1 SprAuG)
• Schwerbehindertenvertretung (§ 93 SGB IX)

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 3


Stellung untereinander
§ 2 Stellung der Gewerkschaften und Vereinigungen der Arbeitgeber
(BetrVG)
(1) Arbeitgeber und Betriebsrat arbeiten unter Beachtung der
geltenden Tarifverträge vertrauensvoll und im Zusammenwirken mit
den im Betrieb vertretenen Gewerkschaften und
Arbeitgebervereinigungen zum Wohl der Arbeitnehmer und des
Betriebs zusammen. …
(2) Die Aufgaben der Gewerkschaften und der Vereinigungen der
Arbeitgeber, insbesondere die Wahrnehmung der Interessen ihrer
Mitglieder, werden durch dieses Gesetz nicht berührt.

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 4


Errichtung
§ 1 Errichtung von Betriebsräten (BetrVG)
(1) In Betrieben mit in der Regel mindestens fünf ständigen wahlberechtigten
Arbeitnehmern, von denen drei wählbar sind, werden Betriebsräte gewählt.
Dies gilt auch für gemeinsame Betriebe mehrerer Unternehmen.
(2) Ein gemeinsamer Betrieb mehrerer Unternehmen wird vermutet, wenn
1. zur Verfolgung arbeitstechnischer Zwecke die Betriebsmittel sowie die
Arbeitnehmer von den Unternehmen gemeinsam eingesetzt werden oder
2. die Spaltung eines Unternehmens zur Folge hat, dass von einem Betrieb
ein oder mehrere Betriebsteile einem an der Spaltung beteiligten anderen
Unternehmen zugeordnet werden, ohne dass sich dabei die Organisation des
betroffenen Betriebs wesentlich ändert.

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 5


Anzahl der Mitglieder
§ 9 Zahl der Betriebsratsmitglieder (BetrVG)
Der Betriebsrat besteht in Betrieben mit in der Regel
5 bis 20 wahlberechtigten Arbeitnehmern aus einer Person,
21 bis 50 wahlberechtigten Arbeitnehmern aus 3 Mitgliedern

7.001 bis 9.000 Arbeitnehmern aus 35 Mitgliedern.
In Betrieben mit mehr als 9.000 Arbeitnehmern erhöht sich die Zahl
der Mitglieder des Betriebsrats für je angefangene weitere 3.000
Arbeitnehmer um 2 Mitglieder.

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 6


Wahl
§ 14 Wahlvorschriften (BetrVG)
(1) Der Betriebsrat wird in geheimer und unmittelbarer Wahl gewählt.
(2) Die Wahl erfolgt nach den Grundsätzen der Verhältniswahl. Sie
erfolgt nach den Grundsätzen der Mehrheitswahl, wenn nur ein
Wahlvorschlag eingereicht wird oder wenn der Betriebsrat im
vereinfachten Wahlverfahren nach § 14a zu wählen ist.
(3) Zur Wahl des Betriebsrats können die wahlberechtigten
Arbeitnehmer und die im Betrieb vertretenen Gewerkschaften
Wahlvorschläge machen.

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 7


Durchführung der Wahl
§ 25 Stimmabgabe (Wahlordnung - WO)
Die Stimmabgabe erfolgt in der Weise, dass die Wählerin oder der Wähler
1. den Stimmzettel unbeobachtet persönlich kennzeichnet und in dem
Wahlumschlag verschließt,
2. die vorgedruckte Erklärung unter Angabe des Orts und des Datums
unterschreibt und
3. den Wahlumschlag und die unterschriebene vorgedruckte Erklärung in
dem Freiumschlag verschließt und diesen so rechtzeitig an den Wahlvorstand
absendet oder übergibt, dass er vor Abschluss der Stimmabgabe vorliegt. ...

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 8


Wahltermine
§ 13 Zeitpunkt der Betriebsratswahlen (BetrVG)
(1) Die regelmäßigen Betriebsratswahlen finden alle vier Jahre in der
Zeit vom 1. März bis 31. Mai statt. …
(2) Außerhalb dieser Zeit ist der Betriebsrat zu wählen, wenn ...
6. im Betrieb ein Betriebsrat nicht besteht.

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 9


Wahlberechtigung
§ 7 Wahlberechtigung (BetrVG)
Wahlberechtigt sind alle Arbeitnehmer des Betriebs, die das 18.
Lebensjahr vollendet haben. Werden Arbeitnehmer eines anderen
Arbeitgebers zur Arbeitsleistung überlassen, so sind diese
wahlberechtigt, wenn sie länger als drei Monate im Betrieb eingesetzt
werden.

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 10


Wählbarkeit
§ 8 Wählbarkeit (BetrVG)
(1) Wählbar sind alle Wahlberechtigten, die sechs Monate dem Betrieb
angehören oder als in Heimarbeit Beschäftigte in der Hauptsache für den
Betrieb gearbeitet haben. Auf diese sechsmonatige Betriebszugehörigkeit
werden Zeiten angerechnet, in denen der Arbeitnehmer unmittelbar vorher
einem anderen Betrieb desselben Unternehmens oder Konzerns (§ 18 Abs. 1
des Aktiengesetzes) angehört hat. Nicht wählbar ist, wer infolge
strafgerichtlicher Verurteilung die Fähigkeit, Rechte aus öffentlichen Wahlen
zu erlangen, nicht besitzt.
(2) Besteht der Betrieb weniger als sechs Monate, so sind abweichend von
der Vorschrift in Absatz 1 über die sechsmonatige Betriebszugehörigkeit
diejenigen Arbeitnehmer wählbar, die bei der Einleitung der
Betriebsratswahl im Betrieb beschäftigt sind und die übrigen
Voraussetzungen für die Wählbarkeit erfüllen.
19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 11
Unentgeltlichkeit
§ 37 Ehrenamtliche Tätigkeit, Arbeitsversäumnis (BetrVG)
(1) Die Mitglieder des Betriebsrats führen ihr Amt unentgeltlich als
Ehrenamt.
(2) Mitglieder des Betriebsrats sind von ihrer beruflichen Tätigkeit ohne
Minderung des Arbeitsentgelts zu befreien, wenn und soweit es nach
Umfang und Art des Betriebs zur ordnungsgemäßen Durchführung
ihrer Aufgaben erforderlich ist. …

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 12


Freistellungen
§ 38 Freistellungen (BetrVG)
(1) Von ihrer beruflichen Tätigkeit sind mindestens freizustellen in Betrieben
mit in der Regel
200 bis 500 Arbeitnehmern ein Betriebsratsmitglied,
501 bis 900 Arbeitnehmern 2 Betriebsratsmitglieder,

9.001 bis 10.000 Arbeitnehmern 12 Betriebsratsmitglieder.
In Betrieben mit über 10.000 Arbeitnehmern ist für je angefangene weitere
2.000 Arbeitnehmer ein weiteres Betriebsratsmitglied freizustellen.
Freistellungen können auch in Form von Teilfreistellungen erfolgen. …

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 13


Kündigungsschutz
§ 15 Unzulässigkeit der Kündigung (KSchG)
(1) Die Kündigung eines Mitglieds eines Betriebsrats … ist unzulässig, es sei
denn, daß Tatsachen vorliegen, die den Arbeitgeber zur Kündigung aus
wichtigem Grund … berechtigen, und daß die nach § 103 des
Betriebsverfassungsgesetzes erforderliche Zustimmung vorliegt oder durch
gerichtliche Entscheidung ersetzt ist. …
§ 103 Außerordentliche Kündigung, Versetzung in besonderen Fällen
(BetrVG)
(2) Verweigert der Betriebsrat seine Zustimmung, so kann das Arbeitsgericht
sie auf Antrag des Arbeitgebers ersetzen, wenn die außerordentliche
Kündigung unter Berücksichtigung aller Umstände gerechtfertigt ist. In dem
Verfahren vor dem Arbeitsgericht ist der betroffene Arbeitnehmer
Beteiligter.

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 14


Allgemeine Aufgaben
§ 80 Allgemeine Aufgaben (BetrVG)
(1) Der Betriebsrat hat folgende allgemeine Aufgaben:

1. darüber zu wachen, dass die zugunsten der Arbeitnehmer geltenden Gesetze, Verordnungen, Unfallverhütungsvorschriften,
Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen durchgeführt werden;
2. Maßnahmen, die dem Betrieb und der Belegschaft dienen, beim Arbeitgeber zu beantragen;
2a. die Durchsetzung der tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern … zu fördern;
2b. die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit zu fördern;
3. Anregungen von Arbeitnehmern und der Jugend- und Auszubildendenvertretung entgegenzunehmen … und durch Verhandlungen
mit dem Arbeitgeber auf eine Erledigung hinzuwirken …
4. die Eingliederung schwerbehinderter Menschen einschließlich … sonstiger besonders schutzbedürftiger Personen zu fördern;
5. die Wahl einer Jugend- und Auszubildendenvertretung … durchzuführen;
6. die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer im Betrieb zu fördern;
7. die Integration ausländischer Arbeitnehmer im Betrieb und das Verständnis zwischen ihnen und den deutschen Arbeitnehmern zu
fördern, sowie Maßnahmen zur Bekämpfung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Betrieb zu beantragen;
8. die Beschäftigung im Betrieb zu fördern und zu sichern;
9. Maßnahmen des Arbeitsschutzes und des betrieblichen Umweltschutzes zu fördern.
19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 15
Mitbestimmung
• Spezielle Mitbestimmung

• Zwingende Mitbestimmung
• Ohne Zustimmung des Betriebsrates keine Handlung des
Arbeitgebers

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 16


Mitbestimmung

• In sozialen Angelegenheiten

• Bei der Gestaltung von Arbeitsplatz, -ablauf und -umgebung

• In personellen Angelegenheiten

• In wirtschaftlichen Angelegenheiten

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 17


Zwingende (soziale) Mitbestimmung
§ 87 Mitbestimmungsrechte (BetrVG)
(1) Der Betriebsrat hat, soweit eine gesetzliche oder tarifliche Regelung nicht besteht, in folgenden
Angelegenheiten mitzubestimmen:
1. Fragen der Ordnung des Betriebs und des Verhaltens der Arbeitnehmer im Betrieb;
2. Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit einschließlich der Pausen sowie Verteilung der
Arbeitszeit auf die einzelnen Wochentage;
3. vorübergehende Verkürzung oder Verlängerung der betriebsüblichen Arbeitszeit;
4. Zeit, Ort und Art der Auszahlung der Arbeitsentgelte;
5. Aufstellung allgemeiner Urlaubsgrundsätze und des Urlaubsplans sowie die Festsetzung der
zeitlichen Lage des Urlaubs für einzelne Arbeitnehmer, wenn zwischen dem Arbeitgeber und den
beteiligten Arbeitnehmern kein Einverständnis erzielt wird;
6. Einführung und Anwendung von technischen Einrichtungen, die dazu bestimmt sind, das
Verhalten oder die Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen; …

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 18


Zwingende (soziale) Mitbestimmung
7. Regelungen über die Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten sowie über
den Gesundheitsschutz im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften oder der
Unfallverhütungsvorschriften;
8. Form, Ausgestaltung und Verwaltung von Sozialeinrichtungen, deren Wirkungsbereich
auf den Betrieb, das Unternehmen oder den Konzern beschränkt ist;
9. Zuweisung und Kündigung von Wohnräumen, die den Arbeitnehmern mit Rücksicht auf
das Bestehen eines Arbeitsverhältnisses vermietet werden, sowie die allgemeine
Festlegung der Nutzungsbedingungen;
10. Fragen der betrieblichen Lohngestaltung, … die Aufstellung von
Entlohnungsgrundsätzen und die Einführung und Anwendung von neuen
Entlohnungsmethoden … ;
11. Festsetzung der Akkord- und Prämiensätze und vergleichbarer leistungsbezogener
Entgelte, einschließlich der Geldfaktoren;
12. Grundsätze über das betriebliche Vorschlagswesen;
13. Grundsätze über die Durchführung von Gruppenarbeit; … .

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 19


Ordnung des Betriebs
• Anordnungen und Maßnahmen zur ordnungsgemäßen Erbringung
der Arbeitsleistung
• Reine Arbeitgeberangelegenheit
• Fragen zur Ordnung des Betriebes (§ 87 (1) Nr. 1 BetrVG)
• Mitbestimmungspflichtig

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 20


Einigungsstelle
§ 87 Mitbestimmungsrechte (BetrVG)
(2) Kommt eine Einigung über eine Angelegenheit nach Absatz 1 nicht
zustande, so entscheidet die Einigungsstelle. Der Spruch der Einigungsstelle
ersetzt die Einigung zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat.

§ 76 Einigungsstelle (BetrVG)
(1) Zur Beilegung von Meinungsverschiedenheiten zwischen Arbeitgeber und
Betriebsrat, Gesamtbetriebsrat oder Konzernbetriebsrat ist bei Bedarf eine
Einigungsstelle zu bilden. Durch Betriebsvereinbarung kann eine ständige
Einigungsstelle errichtet werden.

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 21


Betriebsvereinbarung
§ 88 Freiwillige Betriebsvereinbarungen (BetrVG)
Durch Betriebsvereinbarung können insbesondere geregelt werden
1. zusätzliche Maßnahmen zur Verhütung von Arbeitsunfällen und
Gesundheitsschädigungen;
1a. Maßnahmen des betrieblichen Umweltschutzes;
2. die Errichtung von Sozialeinrichtungen, deren Wirkungsbereich auf den
Betrieb, das Unternehmen oder den Konzern beschränkt ist;
3. Maßnahmen zur Förderung der Vermögensbildung;
4. Maßnahmen zur Integration ausländischer Arbeitnehmer sowie zur
Bekämpfung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Betrieb;
5. Maßnahmen zur Eingliederung schwerbehinderter Menschen.

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 22


Form und Wirkung der Betriebsvereinbarung
§ 77 Durchführung gemeinsamer Beschlüsse, Betriebsvereinbarungen (BetrVG)
(2) Betriebsvereinbarungen sind von Betriebsrat und Arbeitgeber gemeinsam zu
beschließen und schriftlich niederzulegen. Sie sind von beiden Seiten zu unterzeichnen;
dies gilt nicht, soweit Betriebsvereinbarungen auf einem Spruch der Einigungsstelle
beruhen. Der Arbeitgeber hat die Betriebsvereinbarungen an geeigneter Stelle im Betrieb
auszulegen.
(3) Arbeitsentgelte und sonstige Arbeitsbedingungen, die durch Tarifvertrag geregelt sind
oder üblicherweise geregelt werden, können nicht Gegenstand einer Betriebsvereinbarung
sein. Dies gilt nicht, wenn ein Tarifvertrag den Abschluss ergänzender
Betriebsvereinbarungen ausdrücklich zulässt.
(4) Betriebsvereinbarungen gelten unmittelbar und zwingend. Werden Arbeitnehmern
durch die Betriebsvereinbarung Rechte eingeräumt, so ist ein Verzicht auf sie nur mit
Zustimmung des Betriebsrats zulässig. Die Verwirkung dieser Rechte ist ausgeschlossen.
Ausschlussfristen für ihre Geltendmachung sind nur insoweit zulässig, als sie in einem
Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung vereinbart werden; dasselbe gilt für die
Abkürzung der Verjährungsfristen.

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 23


Beteiligungsrechte
• Informationsrecht durch den Arbeitgeber
• Recht auf Anhörung durch den Arbeitgeber
• Gemeinsames Beratungsrecht von Betriebsrat und Arbeitgeber
• Zustimmungsrechte

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 24


Verschwiegenheitspflicht
§ 82 Anhörungs- und Erörterungsrecht des Arbeitnehmers (BetrVG)
(1) Der Arbeitnehmer hat das Recht, in betrieblichen Angelegenheiten, die seine Person betreffen,
von den nach Maßgabe des organisatorischen Aufbaus des Betriebs hierfür zuständigen Personen
gehört zu werden. Er ist berechtigt, zu Maßnahmen des Arbeitgebers, die ihn betreffen, Stellung zu
nehmen sowie Vorschläge für die Gestaltung des Arbeitsplatzes und des Arbeitsablaufs zu machen.
(2) Der Arbeitnehmer kann verlangen, dass ihm die Berechnung und Zusammensetzung seines
Arbeitsentgelts erläutert und dass mit ihm die Beurteilung seiner Leistungen sowie die
Möglichkeiten seiner beruflichen Entwicklung im Betrieb erörtert werden. Er kann ein Mitglied des
Betriebsrats hinzuziehen. Das Mitglied des Betriebsrats hat über den Inhalt dieser Verhandlungen
Stillschweigen zu bewahren, soweit es vom Arbeitnehmer im Einzelfall nicht von dieser
Verpflichtung entbunden wird.
§ 83 Einsicht in die Personalakten (BetrVG)
(1) Der Arbeitnehmer hat das Recht, in die über ihn geführten Personalakten Einsicht zu nehmen. Er
kann hierzu ein Mitglied des Betriebsrats hinzuziehen. Das Mitglied des Betriebsrats hat über den
Inhalt der Personalakte Stillschweigen zu bewahren, soweit es vom Arbeitnehmer im Einzelfall nicht
von dieser Verpflichtung entbunden wird.

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 25


Weitere Rechte
§ 90 Unterrichtungs- und Beratungsrechte (BetrVG)
(1) Der Arbeitgeber hat den Betriebsrat über die Planung
1. von Neu-, Um- und Erweiterungsbauten von Fabrikations-, Verwaltungs- und sonstigen
betrieblichen Räumen,
2. von technischen Anlagen,
3. von Arbeitsverfahren und Arbeitsabläufen oder
4. der Arbeitsplätze
rechtzeitig unter Vorlage der erforderlichen Unterlagen zu unterrichten.
(2) Der Arbeitgeber hat mit dem Betriebsrat die vorgesehenen Maßnahmen und ihre
Auswirkungen auf die Arbeitnehmer, insbesondere auf die Art ihrer Arbeit sowie die sich
daraus ergebenden Anforderungen an die Arbeitnehmer so rechtzeitig zu beraten, dass
Vorschläge und Bedenken des Betriebsrats bei der Planung berücksichtigt werden können.
Arbeitgeber und Betriebsrat sollen dabei auch die gesicherten arbeitswissenschaftlichen
Erkenntnisse über die menschengerechte Gestaltung der Arbeit berücksichtigen.

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 26


Weitere Rechte
§ 91 Mitbestimmungsrecht (BetrVG)
Werden die Arbeitnehmer durch Änderungen der Arbeitsplätze, des
Arbeitsablaufs oder der Arbeitsumgebung, die den gesicherten
arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen über die menschengerechte
Gestaltung der Arbeit offensichtlich widersprechen, in besonderer
Weise belastet, so kann der Betriebsrat angemessene Maßnahmen zur
Abwendung, Milderung oder zum Ausgleich der Belastung verlangen.
Kommt eine Einigung nicht zustande, so entscheidet die
Einigungsstelle. …

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 27


Mitbestimmung in personellen
Angelegenheiten (BetrVG)
• § 92 Personalplanung
• § 92a Beschäftigungssicherung
• § 93 Ausschreibung von Arbeitsplätzen
• § 94 Personalfragebogen, Beurteilungsgrundsätze
• § 95 Auswahlrichtlinien
• § 96 Förderung der Berufsbildung
• § 97 Einrichtungen und Maßnahmen der Berufsbildung
• § 98 Durchführung betrieblicher Bildungsmaßnahmen

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 28


Zwingende Mitbestimmung in personellen
Angelegenheiten
§ 99 Mitbestimmung bei personellen Einzelmaßnahmen (BetrVG)
(1) In Unternehmen mit in der Regel mehr als zwanzig
wahlberechtigten Arbeitnehmern hat der Arbeitgeber den
Betriebsrat vor jeder Einstellung, Eingruppierung, Umgruppierung
und Versetzung zu unterrichten, ihm die erforderlichen
Bewerbungsunterlagen vorzulegen und Auskunft über die Person
der Beteiligten zu geben; er hat dem Betriebsrat unter Vorlage der
erforderlichen Unterlagen Auskunft über die Auswirkungen der
geplanten Maßnahme zu geben und die Zustimmung des
Betriebsrats zu der geplanten Maßnahme einzuholen. …

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 29


Zwingende Mitbestimmung in personellen
Angelegenheiten
§ 99 Mitbestimmung bei personellen Einzelmaßnahmen (BetrVG)
(2) Der Betriebsrat kann die Zustimmung verweigern, wenn
1. die personelle Maßnahme gegen ein Gesetz, eine Verordnung, eine Unfallverhütungsvorschrift oder gegen eine Bestimmung in einem Tarifvertrag oder
in einer Betriebsvereinbarung oder gegen eine gerichtliche Entscheidung oder eine behördliche Anordnung verstoßen würde,
2. die personelle Maßnahme gegen eine Richtlinie nach § 95 verstoßen würde,
3. die durch Tatsachen begründete Besorgnis besteht, dass infolge der personellen Maßnahme im Betrieb beschäftigte Arbeitnehmer gekündigt werden
oder sonstige Nachteile erleiden, ohne dass dies aus betrieblichen oder persönlichen Gründen gerechtfertigt ist; als Nachteil gilt bei unbefristeter
Einstellung auch die Nichtberücksichtigung eines gleich geeigneten befristet Beschäftigten,
4. der betroffene Arbeitnehmer durch die personelle Maßnahme benachteiligt wird, ohne dass dies aus betrieblichen oder in der Person des
Arbeitnehmers liegenden Gründen gerechtfertigt ist,
5. eine nach § 93 erforderliche Ausschreibung im Betrieb unterblieben ist oder
6. die durch Tatsachen begründete Besorgnis besteht, dass der für die personelle Maßnahme in Aussicht genommene Bewerber oder Arbeitnehmer den
Betriebsfrieden durch gesetzwidriges Verhalten oder durch grobe Verletzung der in § 75 Abs. 1 enthaltenen Grundsätze, insbesondere durch rassistische
oder fremdenfeindliche Betätigung, stören werde.
(3) Verweigert der Betriebsrat seine Zustimmung, so hat er dies unter Angabe von Gründen innerhalb einer Woche nach Unterrichtung durch den
Arbeitgeber diesem schriftlich mitzuteilen. Teilt der Betriebsrat dem Arbeitgeber die Verweigerung seiner Zustimmung nicht innerhalb der Frist schriftlich
mit, so gilt die Zustimmung als erteilt.
(4) Verweigert der Betriebsrat seine Zustimmung, so kann der Arbeitgeber beim Arbeitsgericht beantragen, die Zustimmung zu ersetzen.

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 30


Zwingende Mitbestimmung in personellen
Angelegenheiten
§ 102 Mitbestimmung bei Kündigungen (BetrVG)
(1) Der Betriebsrat ist vor jeder Kündigung zu hören. Der Arbeitgeber
hat ihm die Gründe für die Kündigung mitzuteilen. Eine ohne Anhörung
des Betriebsrats ausgesprochene Kündigung ist unwirksam.

§ 103 Außerordentliche Kündigung und Versetzung in besonderen


Fällen (BetrVG)
(1) Die außerordentliche Kündigung von Mitgliedern des Betriebsrats,
der Jugend- und Auszubildendenvertretung, … , des Wahlvorstands
sowie von Wahlbewerbern bedarf der Zustimmung des Betriebsrats.

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 31


Mitbestimmung in wirtschaftlichen
Angelegenheiten
• § 106 Wirtschaftsausschuss (BetrVG)
(1) In allen Unternehmen mit in der Regel mehr als einhundert ständig beschäftigten Arbeitnehmern ist ein
Wirtschaftsausschuss zu bilden. Der Wirtschaftsausschuss hat die Aufgabe, wirtschaftliche Angelegenheiten mit dem
Unternehmer zu beraten und den Betriebsrat zu unterrichten. …

• § 111 Betriebsänderungen (BetrVG)


In Unternehmen mit in der Regel mehr als zwanzig wahlberechtigten Arbeitnehmern hat der Unternehmer den
Betriebsrat über geplante Betriebsänderungen, die wesentliche Nachteile für die Belegschaft oder erhebliche Teile der
Belegschaft zur Folge haben können, rechtzeitig und umfassend zu unterrichten und die geplanten Betriebsänderungen
mit dem Betriebsrat zu beraten. …

• § 112 Interessenausgleich über die Betriebsänderung, Sozialplan (BetrVG)


(1) Kommt zwischen Unternehmer und Betriebsrat ein Interessenausgleich über die geplante Betriebsänderung
zustande, so ist dieser schriftlich niederzulegen und vom Unternehmer und Betriebsrat zu unterschreiben. Das Gleiche
gilt für eine Einigung über den Ausgleich oder die Milderung der wirtschaftlichen Nachteile, die den Arbeitnehmern
infolge der geplanten Betriebsänderung entstehen (Sozialplan). Der Sozialplan hat die Wirkung einer
Betriebsvereinbarung. …

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 32


Betriebsversammlung
§ 42 Zusammensetzung, Teilversammlung, Abteilungsversammlung (BetrVG)
(1) Die Betriebsversammlung besteht aus den Arbeitnehmern des Betriebs;
sie wird von dem Vorsitzenden des Betriebsrats geleitet. Sie ist nicht
öffentlich. Kann wegen der Eigenart des Betriebs eine Versammlung aller
Arbeitnehmer zum gleichen Zeitpunkt nicht stattfinden, so sind
Teilversammlungen durchzuführen. …
§ 43 Regelmäßige Betriebs- und Abteilungsversammlungen (BetrVG)
(1) Der Betriebsrat hat einmal in jedem Kalendervierteljahr eine
Betriebsversammlung einzuberufen und in ihr einen Tätigkeitsbericht zu
erstatten.

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 33


Personalvertretung
§ 1 (BPersVG)
In den Verwaltungen des Bundes und der bundesunmittelbaren Körperschaften, Anstalten
und Stiftungen des öffentlichen Rechts sowie in den Gerichten des Bundes werden
Personalvertretungen gebildet. Zu den Verwaltungen im Sinne dieses Gesetzes gehören
auch die Betriebsverwaltungen.

§ 94 (BPersVG)
Für die Gesetzgebung der Länder sind die §§ 95 bis 106 Rahmenvorschriften.

§ 95 (BPersVG)
(1) In den Verwaltungen und Betrieben der Länder, Gemeinden, Gemeindeverbände und
der sonstigen nicht bundesunmittelbaren Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des
öffentlichen Rechts sowie in den Gerichten der Länder werden Personalvertretungen
gebildet …

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 34


Unternehmensmitbestimmung
• Montanmitbestimmungsgesetz (Montan-MitbestG)
• Drittelbeteiligungsgesetz (DrittelbG)
• Mitbestimmungsgesetz (MitbestG)
• Mitbestimmungs-Beibehaltungsgesetz (MitbestBeibG)

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 35


Rechte und Pflichten
Im Arbeitsverhältnis

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


Was is die hauptpflicht? wie ist zu arbeiten ist egal. Fall Verkäuferin in Butik ..besuch von einem schulfreund. Paris einladung. Bittet ihre
zwilingschwester sie am freitag zu vertreten

Plichten des Arbeitnehmers


§ 611a Arbeitsvertrag (BGB)
(1) Durch den Arbeitsvertrag wird der Arbeitnehmer im Dienste eines
anderen zur Leistung weisungsgebundener, fremdbestimmter Arbeit in
persönlicher Abhängigkeit verpflichtet. Das Weisungsrecht kann Inhalt,
Durchführung, Zeit und Ort der Tätigkeit betreffen. Weisungsgebunden ist,
wer nicht im Wesentlichen frei seine Tätigkeit gestalten und seine Arbeitszeit
bestimmen kann. Der Grad der persönlichen Abhängigkeit hängt dabei auch
von der Eigenart der jeweiligen Tätigkeit ab. Für die Feststellung, ob ein
Arbeitsvertrag vorliegt, ist eine Gesamtbetrachtung aller Umstände
vorzunehmen. Zeigt die tatsächliche Durchführung des Vertragsverhältnisses,
dass es sich um ein Arbeitsverhältnis handelt, kommt es auf die Bezeichnung
im Vertrag nicht an.

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 2


kann nicht der vertrag ist mit uns.. wie ist die arbeit zu lesisten? bespiel aus praxis.. job
als buchhalter in rasenmääher fabrik und da gibt es immer mehr koputer.

Nachweisgesetz

Arbeitspflicht
• In Person des Arbeitnehmers

§ 613 Unübertragbarkeit (BGB)


Der zur Dienstleistung Verpflichtete hat die Dienste im Zweifel in
Person zu leisten. Der Anspruch auf die Dienste ist im Zweifel nicht
übertragbar.

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 3


Art der Arbeitsleistung
Gesetz über den Nachweis der für ein Arbeitsverhältnis geltenden
wesentlichen Bedingungen (Nachweisgesetz - NachwG)
§ 2 Nachweispflicht
(1) Der Arbeitgeber hat spätestens einen Monat nach dem vereinbarten
Beginn des Arbeitsverhältnisses die wesentlichen Vertragsbedingungen
schriftlich niederzulegen, die Niederschrift zu unterzeichnen und dem
Arbeitnehmer auszuhändigen. In die Niederschrift sind mindestens
aufzunehmen:

5. eine kurze Charakterisierung oder Beschreibung der vom Arbeitnehmer zu
leistenden Tätigkeit,

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 4


Auslegung
• Nach Treu und Glauben
§ 242 Leistung nach Treu und Glauben (BGB)
Der Schuldner ist verpflichtet, die Leistung so zu bewirken, wie Treu
und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte es erfordern.
• Nach der Verkehrssitte
• Nach der Betriebsübung

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 5


Ort und Zeit der Arbeitsleistung
§ 2 Nachweispflicht (NachwG)
(1) Der Arbeitgeber hat spätestens einen Monat nach dem vereinbarten Beginn
des Arbeitsverhältnisses die wesentlichen Vertragsbedingungen schriftlich
niederzulegen, die Niederschrift zu unterzeichnen und dem Arbeitnehmer
auszuhändigen. In die Niederschrift sind mindestens aufzunehmen:

4. der Arbeitsort oder, falls der Arbeitnehmer nicht nur an einem bestimmten
Arbeitsort tätig sein soll, ein Hinweis darauf, daß der Arbeitnehmer an
verschiedenen Orten beschäftigt werden kann,

7. die vereinbarte Arbeitszeit,

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 6


Auslegung
• Nach Treu und Glauben
§ 242 Leistung nach Treu und Glauben (BGB)
Der Schuldner ist verpflichtet, die Leistung so zu bewirken, wie Treu
und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte es erfordern.
• Nach der Verkehrssitte
• Nach der Betriebsübung

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 7


Interessensabwägung
§ 106 Weisungsrecht des Arbeitgebers (GewO)
Der Arbeitgeber kann Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung nach
billigem Ermessen näher bestimmen, soweit diese Arbeitsbedingungen
nicht durch den Arbeitsvertrag, Bestimmungen einer
Betriebsvereinbarung, eines anwendbaren Tarifvertrages oder
gesetzliche Vorschriften festgelegt sind. Dies gilt auch hinsichtlich der
Ordnung und des Verhaltens der Arbeitnehmer im Betrieb. Bei der
Ausübung des Ermessens hat der Arbeitgeber auch auf Behinderungen
des Arbeitnehmers Rücksicht zu nehmen.

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 8


Treuepflicht
• Unterlassungspflichten

• Verhaltenspflichten

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 9


Unterlassungspflichten
• Konkurrenzverbot
§ 60 (HGB)
(1) Der Handlungsgehilfe darf ohne Einwilligung des Prinzipals weder
ein Handelsgewerbe betreiben noch in dem Handelszweige des
Prinzipals für eigene oder fremde Rechnung Geschäfte machen.

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 10


Unterlassungspflichten
• „Schmiergeldverbot“
§ 299 Bestechlichkeit und Bestechung im geschäftlichen Verkehr (StGB)
(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe wird bestraft, wer im
geschäftlichen Verkehr als Angestellter oder Beauftragter eines Unternehmens
1. einen Vorteil für sich oder einen Dritten als Gegenleistung dafür fordert, sich
versprechen lässt oder annimmt, dass er bei dem Bezug von Waren oder
Dienstleistungen einen anderen im inländischen oder ausländischen Wettbewerb
in unlauterer Weise bevorzuge, oder
2. ohne Einwilligung des Unternehmens einen Vorteil für sich oder einen Dritten als
Gegenleistung dafür fordert, sich versprechen lässt oder annimmt, dass er bei dem
Bezug von Waren oder Dienstleistungen eine Handlung vornehme oder unterlasse
und dadurch seine Pflichten gegenüber dem Unternehmen verletze.

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 11


Unterlassungspflichten
• Verschwiegenheitspflicht
§ 17 Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen (UWG)
(1) Wer als eine bei einem Unternehmen beschäftigte Person ein Geschäfts- oder Betriebsgeheimnis, das ihr im Rahmen des
Dienstverhältnisses anvertraut worden oder zugänglich geworden ist, während der Geltungsdauer des Dienstverhältnisses unbefugt
an jemand zu Zwecken des Wettbewerbs, aus Eigennutz, zugunsten eines Dritten oder in der Absicht, dem Inhaber des
Unternehmens Schaden zuzufügen, mitteilt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Ebenso wird bestraft, wer zu Zwecken des Wettbewerbs, aus Eigennutz, zugunsten eines Dritten oder in der Absicht, dem Inhaber
des Unternehmens Schaden zuzufügen,
1. sich ein Geschäfts- oder Betriebsgeheimnis durch
a) Anwendung technischer Mittel,
b) Herstellung einer verkörperten Wiedergabe des Geheimnisses oder
c) Wegnahme einer Sache, in der das Geheimnis verkörpert ist,
unbefugt verschafft oder sichert oder
2. ein Geschäfts- oder Betriebsgeheimnis, das er durch eine der in Absatz 1 bezeichneten Mitteilungen oder durch eine eigene oder
fremde Handlung nach Nummer 1 erlangt oder sich sonst unbefugt verschafft oder gesichert hat, unbefugt verwertet oder jemandem
mitteilt.
(3) Der Versuch ist strafbar.

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 12


Verhaltenspflichten
• Rücksichtnahmepflicht
§ 241 Pflichten aus dem Schuldverhältnis (BGB)
(2) Das Schuldverhältnis kann nach seinem Inhalt jeden Teil zur
Rücksicht auf die Rechte, Rechtsgüter und Interessen des anderen Teils
verpflichten.

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 13


Verhaltenspflichten
• Anzeigepflicht
§ 241 Pflichten aus dem Schuldverhältnis (BGB)
(2) Das Schuldverhältnis kann nach seinem Inhalt jeden Teil zur
Rücksicht auf die Rechte, Rechtsgüter und Interessen des anderen Teils
verpflichten.

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 14


rn 93 im buch

Verhaltenspflichten
• Repräsentationspflicht
§ 241 Pflichten aus dem Schuldverhältnis (BGB)
(2) Das Schuldverhältnis kann nach seinem Inhalt jeden Teil zur
Rücksicht auf die Rechte, Rechtsgüter und Interessen des anderen Teils
verpflichten.

13.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 15


Die Parteien streiten über die Rückzahlung von Fortbildungskosten.

Der Kläger war nach dem Abschluss seiner Ausbildung zum Bankkaufmann seit dem 1. August 2008 als Bankangestellter
in Vollzeit bei der Beklagten beschäftigt. Gleichzeitig begann er eine dreijährige Ausbildung zum Betriebswirt, die er am
13. Juni 2011 erfolgreich abschloss. Seit dem 1. September 2012 beschäftigte ihn die Beklagte als „Gruppenleiter
Betriebsbereich“. Ab März 2013 wurde dem Kläger ein Teil der Tätigkeiten des Bereichsleiters übertragen, der in den
Vorstand der Beklagten wechselte. Das tarifliche Bruttomonatsgehalt des Klägers betrug zuletzt 3.328,00 Euro.

Im Herbst 2013 bat der Kläger die Beklagte, einen zweijährigen berufsbegleitenden Masterstudiengang bei der
„Akademie Deutscher Genossenschaften“ zum „BEST Master of Business Administration“ absolvieren zu dürfen. Unter
dem 12. November 2013 schlossen die Parteien einen „Fortbildungsvertrag mit Rückzahlungsklausel“ (im Folgenden:
Fortbildungsvertrag). Dieser lautet auszugsweise wie folgt:
㤠1 Art und Dauer der Fortbildung
Der Mitarbeiter nimmt im Jahr 2013 bis 2015 an der Fortbildung:
‚BEST - Der FinanzMBA Master of Business Administration’ teil.
Die Teilnahme erfolgt auf Wunsch des Mitarbeiters und dient seiner beruflichen Fort- und Weiterbildung.

§ 2 Freistellung und Vergütung


Der Mitarbeiter wird für die Fortbildung an 15 Tagen pro Jahr freigestellt.

§ 3 Lehrgangskosten
Die Kosten des Lehrgangs trägt der Mitarbeiter.
Die Abrechnung erfolgt dergestalt, dass die Firma die Lehrgangskosten (inkl. für die Zeit der Freistellung gezahlte Vergütung, Unterkunft und Fahrtkosten, exkl.
Fachliteratur) zunächst nach Teilabschnitten in voller Höhe verauslagt.
Der Mitarbeiter verpflichtet sich seinerseits, unter seinem Kundenstamm ein Kontokorrentkonto zu eröffnen, von dem die Lehrgangskosten sukzessive nach
Entstehung belastet werden. Dieses Konto wird durch die Firma kostenlos (ohne Zins und Gebühren) zur Verfügung gestellt.

§ 4 Rückerstattung
Nach Abschluss der Fortbildungsmaßnahme erstattet die Firma dem Mitarbeiter den auf dem Kontokorrentkonto ausgewiesenen Betrag in Höhe von 1/36 pro
Monat, den das Arbeitsverhältnis nach Beendigung der Fortbildungsmaßnahme besteht. … Die Rückerstattung erfolgt jährlich (12/36) durch Gutschrift auf das
Kontokorrentkonto des Mitarbeiters.

§ 5 Ausschluss der Rückerstattung

Kündigt der Mitarbeiter innerhalb von drei Jahren nach Abschluss der Fortbildungsmaßnahme das Arbeitsverhältnis, so hat er die von der Firma verauslagten Kosten
des Fortbildungslehrgangs und die für die Zeit der Freistellung gezahlte Vergütung in Höhe der bestehenden Restforderung aus dem Kontokorrentkonto zu tragen. …
Kosten und gezahlte Vergütung sind der Firma auch dann zu erstatten, wenn der Mitarbeiter vor Abschluss der unter § 1 genannten Fortbildung aus dem
Unternehmen ausscheidet.

Das Konto wird in diesen Fällen ab dem Zeitpunkt der Beendigung des Anstellungsverhältnisses zu marktüblichen Zinssätzen für Dispositionskredite verzinst.“
Die Beklagte bestätigte dem Kläger am 9. Dezember 2013 unter Bezugnahme auf einen sog. „Kundenstamm-Vertrag“
die Eröffnung eines Girokontos mit der Kontobezeichnung „Mitarbeiter Seminardarlehen“. Auf dieses Konto buchte die
Beklagte in der Folgezeit sämtliche Lehrgangskosten einschließlich der für die Zeit der Freistellung gezahlten Vergütung
sowie die Unterkunfts- und Fahrtkosten. Das vom Kläger durchgeführte Studium umfasste 85 Präsenztage im Zeitraum
vom 20. November 2013 bis zum 7. November 2015. Die Abschlussprüfung war für März 2016 vorgesehen.

Der Kläger kündigte mit einem der Beklagten am 27. September 2015 zugegangenen Schreiben das Arbeitsverhältnis
zum 31. Dezember 2015. Mit Schreiben seines Prozessbevollmächtigten vom 20. Oktober 2015 begründete er die
Kündigung damit, dass die Beklagte ihn nach Abschluss der Fortbildung nicht ausbildungsadäquat beschäftigen könne.
Die Beklagte behielt von der Vergütung des Klägers für November 2015 1.967,04 Euro netto ein. Sie teilte dem Kläger
mit Schreiben vom 3. Januar 2016 mit, das „Seminardarlehen-Konto“ weise eine Überziehung iHv. 30.553,77 Euro auf,
und forderte ihn nach der Kündigung des Kontovertrags vergeblich auf, diesen Betrag auszugleichen.

Der Kläger hat u.a. die Ansicht vertreten, die Rückzahlungsklausel in § 5 des Fortbildungsvertrags sei unwirksam, sodass
er nicht zur Erstattung von Fortbildungskosten verpflichtet sei und die Beklagte zu Unrecht von seiner Vergütung für
November 2015 1.967,04 Euro netto einbehalten habe.

Ist die Rückzahlungsklausel wirksam ?


Kündigung
Außerordentliche Kündigung

22.05.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


Außerordentliche Kündigung
§ 626 Fristlose Kündigung aus wichtigem Grund (BGB)
(1) Das Dienstverhältnis kann von jedem Vertragsteil aus wichtigem
Grund ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist gekündigt werden, wenn
Tatsachen vorliegen, auf Grund derer dem Kündigenden unter
Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles und unter Abwägung
der Interessen beider Vertragsteile die Fortsetzung des
Dienstverhältnisses bis zum Ablauf der Kündigungsfrist oder bis zu der
vereinbarten Beendigung des Dienstverhältnisses nicht zugemutet
werden kann.

22.05.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 2


Kündigungsfrist
§ 626 Fristlose Kündigung aus wichtigem Grund (BGB)
(2) Die Kündigung kann nur innerhalb von zwei Wochen erfolgen. Die
Frist beginnt mit dem Zeitpunkt, in dem der Kündigungsberechtigte von
den für die Kündigung maßgebenden Tatsachen Kenntnis erlangt. Der
Kündigende muss dem anderen Teil auf Verlangen den
Kündigungsgrund unverzüglich schriftlich mitteilen.

22.05.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 3


Wichtiger Grund
• Ist ein besonders schwerwiegender Anlass für eine Kündigung, der
dem Kündigenden das Abwarten der regulären Kündigungsfrist
unzumutbar macht.
• z.B. bei folgenden Handlungen des Arbeitnehmers:
• Diebstahl/Unterschlagung bzw. Betrug
• Schwere Beleidigungen oder Tätlichkeiten
• Geschäftsschädigendes Verhalten
• Schmiergeldannahme
• Drohen mit Krankheit oder Arbeitsverweigerung
• Sabotage und Sachbeschädigung

22.05.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 4


Verhältnismäßigkeit
• Es gibt also kein milderes Mittel, wie eine
• ordentliche (verhaltensbedingte) Kündigung

• Änderungskündigung

• Abmahnung

• Versetzung

22.05.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 5


Sonderfall Verdachtskündigung
• Verdacht eines erheblichen Pflichtverstoßes
• Verdacht muss dringend sein
• Arbeitnehmer muss vorher angehört werden
• Interessenabwägung
• Ebenfalls Frist des § 626 BGB (zwei Wochen)

22.05.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 6


Kündigungsschutzgesetz
§ 13 Außerordentliche, sittenwidrige und sonstige Kündigungen (KSchG)
(1) Die Vorschriften über das Recht zur außerordentlichen Kündigung eines
Arbeitsverhältnisses werden durch das vorliegende Gesetz nicht berührt. Die
Rechtsunwirksamkeit einer außerordentlichen Kündigung kann jedoch nur
nach Maßgabe des § 4 Satz 1 und der §§ 5 bis 7 geltend gemacht werden.
Stellt das Gericht fest, dass die außerordentliche Kündigung unbegründet ist,
ist jedoch dem Arbeitnehmer die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht
zuzumuten, so hat auf seinen Antrag das Gericht das Arbeitsverhältnis
aufzulösen und den Arbeitgeber zur Zahlung einer angemessenen Abfindung
zu verurteilen. Das Gericht hat für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses
den Zeitpunkt festzulegen, zu dem die außerordentliche Kündigung
ausgesprochen wurde. …

22.05.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 7


Klagefrist
§ 4 Anrufung des Arbeitsgerichts (KSchG)
Will ein Arbeitnehmer geltend machen, dass eine Kündigung sozial
ungerechtfertigt oder aus anderen Gründen rechtsunwirksam ist, so
muss er innerhalb von drei Wochen nach Zugang der schriftlichen
Kündigung Klage beim Arbeitsgericht auf Feststellung erheben, dass
das Arbeitsverhältnis durch die Kündigung nicht aufgelöst ist. …

22.05.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 8


Sonstige Regelungen
• Es gelten ansonsten dieselben Regelungen wie bei der ordentlichen
Kündigung
• Schriftform
• Anhörung des Betriebsrates (§ 102 BetrVG)
• Beachtung des besonderen Kündigungsschutzes

22.05.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 9


Arbeitnehmerkündigung
§ 626 Fristlose Kündigung aus wichtigem Grund (BGB)
(1) Das Dienstverhältnis kann von jedem Vertragsteil aus wichtigem
Grund ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist gekündigt werden, wenn
Tatsachen vorliegen, auf Grund derer dem Kündigenden unter
Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles und unter Abwägung
der Interessen beider Vertragsteile die Fortsetzung des
Dienstverhältnisses bis zum Ablauf der Kündigungsfrist oder bis zu der
vereinbarten Beendigung des Dienstverhältnisses nicht zugemutet
werden kann.

22.05.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 10


Wichtiger Grund
• Ist ein besonders schwerwiegender Anlass für eine Kündigung, der
dem Kündigenden das Abwarten der regulären Kündigungsfrist
unzumutbar macht.
• z.B. bei folgenden Handlungen des Arbeitgebers:
• Wiederholt unpünktliche oder verkürzte Entgeltzahlung
• Andauernde Nichtabführung von Sozialabgaben
• Beleidigungen und Tätlichkeiten
• Sexuelle Belästigungen
• Unzumutbare Arbeitsbedingungen
• Gesundheitsgefährdungen

22.05.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 11


Kündigung
Besonderer Kündigungsschutz

22.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


Auszubildende
§ 22 Kündigung (Berufsbildungsgesetz (BBiG)

(1) Während der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis jederzeit


ohne Einhalten einer Kündigungsfrist gekündigt werden.
(2) Nach der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis nur gekündigt
werden
1. aus einem wichtigen Grund ohne Einhalten einer Kündigungsfrist, …
(3) Die Kündigung muss schriftlich und in den Fällen des Absatzes 2 unter
Angabe der Kündigungsgründe erfolgen.
(4) Eine Kündigung aus einem wichtigen Grund ist unwirksam, wenn die ihr
zugrunde liegenden Tatsachen dem zur Kündigung Berechtigten länger als
zwei Wochen bekannt sind. …

22.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 2


Mutterschutz
§ 17 Kündigungsverbot (MuSchG)
(1) Die Kündigung gegenüber einer Frau ist unzulässig
1. während ihrer Schwangerschaft,
2. bis zum Ablauf von vier Monaten nach einer Fehlgeburt nach der zwölften
Schwangerschaftswoche und
3. bis zum Ende ihrer Schutzfrist nach der Entbindung, mindestens jedoch bis zum
Ablauf von vier Monaten nach der Entbindung,
wenn dem Arbeitgeber zum Zeitpunkt der Kündigung die Schwangerschaft, die
Fehlgeburt nach der zwölften Schwangerschaftswoche oder die Entbindung
bekannt ist oder wenn sie ihm innerhalb von zwei Wochen nach Zugang der
Kündigung mitgeteilt wird. Das Überschreiten dieser Frist ist unschädlich, wenn die
Überschreitung auf einem von der Frau nicht zu vertretenden Grund beruht und
die Mitteilung unverzüglich nachgeholt wird. …

22.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 3


Schwerbehinderte
§ 168 Erfordernis der Zustimmung (SGB IX)
Die Kündigung des Arbeitsverhältnisses eines schwerbehinderten
Menschen durch den Arbeitgeber bedarf der vorherigen Zustimmung
des Integrationsamtes.
§ 173 Ausnahmen (SGB IX)
(1) Die Vorschriften dieses Kapitels gelten nicht für schwerbehinderte
Menschen,
1. deren Arbeitsverhältnis zum Zeitpunkt des Zugangs der
Kündigungserklärung ohne Unterbrechung noch nicht länger als sechs
Monate besteht oder …

22.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 4


Betriebsratsmitglieder
§ 15 Unzulässigkeit der Kündigung (KSchG)
(1) Die Kündigung eines Mitglieds eines Betriebsrats, einer Jugend- und
Auszubildendenvertretung, … ist unzulässig, es sei denn, daß Tatsachen
vorliegen, die den Arbeitgeber zur Kündigung aus wichtigem Grund ohne
Einhaltung einer Kündigungsfrist berechtigen, und daß die nach § 103 des
Betriebsverfassungsgesetzes erforderliche Zustimmung vorliegt oder durch
gerichtliche Entscheidung ersetzt ist. …
§ 103 Außerordentliche Kündigung … in besonderen Fällen (BetrVG)
(1) Die außerordentliche Kündigung von Mitgliedern des Betriebsrats, der
Jugend- und Auszubildendenvertretung, … , des Wahlvorstands sowie von
Wahlbewerbern bedarf der Zustimmung des Betriebsrats.

22.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 5


Nachwirkender Kündigungsschutz

§ 15 Unzulässigkeit der Kündigung (KSchG)


(1) … Nach Beendigung der Amtszeit ist die Kündigung eines Mitglieds eines
Betriebsrats, einer Jugend- und Auszubildendenvertretung … innerhalb eines
Jahres, … vom Zeitpunkt der Beendigung der Amtszeit an gerechnet,
unzulässig, es sei denn, daß Tatsachen vorliegen, die den Arbeitgeber zur
Kündigung aus wichtigem Grund ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist
berechtigen; ...
• Weil der ganze Betriebsrat vor „Übergriffen“ des Arbeitgebers geschützt
werden soll, gilt der Kündigungsschutz auch für diejenigen, die an einer
Betriebsratssitzung als Vertreter teilgenommen haben und für die
Wahlbewerber und Mitglieder des Wahlvorstands. Sie alle sollen ohne
Angst vor Entlassungen handeln können.

22.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 6


Erweiterter Kreis – Nachwirkung
• Ersatzmitglieder (bei Wahrnahme der Tätigkeit, 1 Jahr nach Ende)

§ 15 Unzulässigkeit der Kündigung (KSchG)


(3) und (3a)
• Initiatoren der Betriebsratswahl (bis 3 Monate nach Bekanntgabe des
Wahlergebnisses)
• Wahlvorstandsmitglieder (6 Monate nach Ende)
• Wahlbewerber (6 Monate nach Ende)

22.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 7


Mitglieder der Schwerbehindertenvertretung
§ 179 Persönliche Rechte und Pflichten der Vertrauenspersonen der
schwerbehinderten Menschen (SGB IX)
(3) Die Vertrauenspersonen besitzen gegenüber dem Arbeitgeber die
gleiche persönliche Rechtsstellung, insbesondere den gleichen
Kündigungs- …schutz, wie ein Mitglied des Betriebs-… rates.

22.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 8


Elternzeit
§ 18 Kündigungsschutz (Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz - BEEG)
(1) Der Arbeitgeber darf das Arbeitsverhältnis ab dem Zeitpunkt, von dem an
Elternzeit verlangt worden ist, nicht kündigen. Der Kündigungsschutz nach
Satz 1 beginnt
1. frühestens acht Wochen vor Beginn einer Elternzeit bis zum vollendeten
dritten Lebensjahr des Kindes und
2. frühestens 14 Wochen vor Beginn einer Elternzeit zwischen dem dritten
Geburtstag und dem vollendeten achten Lebensjahr des Kindes.
Während der Elternzeit darf der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis nicht
kündigen. In besonderen Fällen kann ausnahmsweise eine Kündigung für
zulässig erklärt werden. Die Zulässigkeitserklärung erfolgt durch die für den
Arbeitsschutz zuständige oberste Landesbehörde oder die von ihr bestimmte
Stelle. …

22.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 9


Pflegezeit
§ 5 Kündigungsschutz (Pflegezeitgesetz - PflegeZG)
(1) Der Arbeitgeber darf das Beschäftigungsverhältnis von der
Ankündigung, höchstens jedoch zwölf Wochen vor dem angekündigten
Beginn, bis zur Beendigung der kurzzeitigen Arbeitsverhinderung nach
§ 2 oder der Freistellung nach § 3 nicht kündigen.
(2) In besonderen Fällen kann eine Kündigung von der für den
Arbeitsschutz zuständigen obersten Landesbehörde oder der von ihr
bestimmten Stelle ausnahmsweise für zulässig erklärt werden. …

22.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 10


Wehrdienst
§ 2 Kündigungsschutz für Arbeitnehmer, Weiterbeschäftigung nach der
Berufsausbildung (Arbeitsplatzschutzgesetz - ArbPlSchG)
(1) Von der Zustellung des Einberufungsbescheides bis zur Beendigung des
Grundwehrdienstes sowie während einer Wehrübung darf der Arbeitgeber
das Arbeitsverhältnis nicht kündigen.
(2) Im Übrigen darf der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis nicht aus Anlass
des Wehrdienstes kündigen. Muss er aus dringenden betrieblichen
Erfordernissen (§ 1 Abs. 2 des Kündigungsschutzgesetzes) Arbeitnehmer
entlassen, so darf er bei der Auswahl der zu Entlassenden den Wehrdienst
eines Arbeitnehmers nicht zu dessen Ungunsten berücksichtigen. …
(3) Das Recht zur Kündigung aus wichtigem Grund bleibt unberührt. …

22.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 11


Datenschutzbeauftragter
§ 6 Stellung (BDSG)
(4) Die Abberufung der oder des Datenschutzbeauftragten ist nur in
entsprechender Anwendung des § 626 des Bürgerlichen Gesetzbuchs zulässig. Die
Kündigung des Arbeitsverhältnisses ist unzulässig, es sei denn, dass Tatsachen
vorliegen, welche die öffentliche Stelle zur Kündigung aus wichtigem Grund ohne
Einhaltung einer Kündigungsfrist berechtigen. Nach dem Ende der Tätigkeit als
Datenschutzbeauftragte oder als Datenschutzbeauftragter ist die Kündigung des
Arbeitsverhältnisses innerhalb eines Jahres unzulässig, es sei denn, dass die
öffentliche Stelle zur Kündigung aus wichtigem Grund ohne Einhaltung einer
Kündigungsfrist berechtigt ist.
§ 38 Datenschutzbeauftragte nichtöffentlicher Stellen (BDSG)
(2) § 6 Absatz 4, 5 Satz 2 und Absatz 6 finden Anwendung, § 6 Absatz 4 jedoch nur,
wenn die Benennung einer oder eines Datenschutzbeauftragten verpflichtend ist.
22.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 12
Mitbestimmung
des Betriebsrats
Soziale Mitbestimmung
Allgemeine Rechte Mitentscheidung

▪ Informationsrechte ▪ Mitbestimmung
▪ Mitwirkung
▪ Initiativrechte

19.08.2019
Maßnahmen
Zustimmungspflichtig ?
1. Einführung einer Torkontrolle

19.08.2019
2. Einführung von Stechuhren

19.08.2019
3. Handyverbot

19.08.2019
4. Einführung eines Systems von
Lohngruppen

19.08.2019
5. Anhebung des Gehaltes eines
bestimmten Mitarbeiters

19.08.2019
6. Festsetzung von Geldprämien
für die Außendienstmitarbeiter im
Rahmen der Markteinführung eines
neuen Produkts

19.08.2019
7. Aufstellung des
Jahresurlaubsplans

19.08.2019
8. Verbot des Radiohörens im
Betrieb

19.08.2019
9. Einführung einer elektronischen
Telefondatenerfassung

19.08.2019
10. Einführung eines
Kontrollsystems für die
Bildschirmarbeitsplätze, das
lediglich erfasst wie lange das
jeweilige Terminal in Betrieb ist

19.08.2019
11. Einführung eines
Kontrollsystems für die
Bildschirmarbeitsplätze, das
lediglich erfasst wie lange das
jeweilige Terminal in Betrieb ist und
welche Programme laufen

19.08.2019
12. Einführung eines
Kontrollsystems für die
Bildschirmarbeitsplätze, das
erfasst wie lange das jeweilige
Terminal in Betrieb ist, welche
Programme laufen und welcher
Mitarbeiter an dem Terminal
arbeitet
19.08.2019
13. Einführung von
maschinenlesbaren Ausweiskarten,
um den Zugang zu bestimmten
Teilen des Werksgeländes zu
regeln

19.08.2019
14. Einrichtung eines
Betriebskindergartens

19.08.2019
15. Einführung eines bargeldlosen
Zahlungssystems in der
Werkskantine

19.08.2019
16. Kürzung des Zuschusses zum
Kantinenbetrieb um die Hälfte

19.08.2019
17. Einführung schriftlicher
Tätigkeitsberichte, die von allen
Mitarbeitern ausgefüllt werden
müssen

19.08.2019
18. Einführung schriftlicher
Tätigkeitsberichte, die nur von
einem Mitarbeiter ausgefüllt
werden müssen

19.08.2019
19. Speicherung folgender Daten:

- Name
- Anschrift
- Alter
- Familienstand
- Beschäftigungsdauer
- Ausgeübte Tätigkeit
19.08.2019
20. Streichung des Urlaubsgeldes

19.08.2019
21. Erhöhung des
Weihnachtsgeldes

19.08.2019
22. Staffelung des
Weihnachtsgeldes nach Alter und
Betriebszugehörigkeit

19.08.2019
23. Erweiterung der
Öffnungszeiten des Geschäfts bis
22:00 Uhr

19.08.2019
24. Vereinbarung von Überstunden

19.08.2019
25. Vereinbarung von Überstunden
mit einem einzelnen Arbeitnehmer

19.08.2019
26. Vereinbarung von freiwilligen
Überstunden
Zustimmung nötig Nr 3

19.08.2019
27. Verlängerung der Arbeitszeit
ja nr 2

19.08.2019
28. Einführung von Schichtarbeit
ja nr 2

19.08.2019
29. Festlegung der Pausen
ja nr 2

19.08.2019
30. Regelung über die Umsetzung
von Arbeitnehmern aus einer
Schicht in die andere
ja

19.08.2019
Gesetzliche
Unfallversicherung
Prinzipien

28.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 1


Gesetzliche Unfallversicherung
§ 1 Prävention, Rehabilitation, Entschädigung (SGB VII)
Aufgabe der Unfallversicherung ist es, nach Maßgabe der Vorschriften
dieses Buches
1. mit allen geeigneten Mitteln Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten
sowie arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu verhüten,
2. nach Eintritt von Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten die
Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Versicherten mit allen
geeigneten Mitteln wiederherzustellen und sie oder ihre
Hinterbliebenen durch Geldleistungen zu entschädigen.

28.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 2


Beitragspflichtige
§ 150 Beitragspflichtige (SGB VII)
(1) Beitragspflichtig sind die Unternehmer, für deren Unternehmen Versicherte
tätig sind oder zu denen Versicherte in einer besonderen, die Versicherung
begründenden Beziehung stehen. Die nach § 2 versicherten Unternehmer sowie
die nach § 3 Abs. 1 Nr. 1 und § 6 Abs. 1 Versicherten sind selbst beitragspflichtig.
Für Versicherte nach § 6 Absatz 1 Satz 2 ist die jeweilige Organisation oder der
jeweilige Verband beitragspflichtig. Entsprechendes gilt in den Fällen des § 6 Absatz
1 Satz 3.
(2) Neben den Unternehmern sind beitragspflichtig
1. die Auftraggeber, soweit sie Zwischenmeistern und Hausgewerbetreibenden zur
Zahlung von Entgelt verpflichtet sind,
2. die Reeder, soweit beim Betrieb von Seeschiffen andere Unternehmer sind oder
auf Seeschiffen durch andere ein Unternehmen betrieben wird. …

28.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 3


Versicherte
§ 2 Versicherung kraft Gesetzes (SGB VII)
(1) Kraft Gesetzes sind versichert
1. Beschäftigte,
2. Lernende während der beruflichen Aus- und Fortbildung in
Betriebsstätten, Lehrwerkstätten, Schulungskursen und ähnlichen
Einrichtungen, …
8. a) Kinder während des Besuchs von Tageseinrichtungen, deren Träger…
b) Schüler während des Besuchs von allgemein- oder berufsbildenden
Schulen und während der Teilnahme an unmittelbar vor oder nach dem
Unterricht von der Schule oder im Zusammenwirken mit ihr durchgeführten
Betreuungsmaßnahmen,
c) Studierende während der Aus- und Fortbildung an Hochschulen, …

28.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 4


Versicherte
12. Personen, die in Unternehmen zur Hilfe bei Unglücksfällen oder im Zivilschutz unentgeltlich,
insbesondere ehrenamtlich tätig sind oder an Ausbildungsveranstaltungen dieser Unternehmen
einschließlich der satzungsmäßigen Veranstaltungen, die der Nachwuchsförderung dienen,
teilnehmen,
13. Personen, die a) bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not Hilfe leisten oder einen
anderen aus erheblicher gegenwärtiger Gefahr für seine Gesundheit retten,
b) Blut oder körpereigene Organe, Organteile oder Gewebe spenden oder bei denen
Voruntersuchungen oder Nachsorgemaßnahmen anlässlich der Spende vorgenommen werden,
c) sich bei der Verfolgung oder Festnahme einer Person, die einer Straftat verdächtig ist oder zum
Schutz eines widerrechtlich Angegriffenen persönlich einsetzen,
d) Tätigkeiten als Notärztin oder Notarzt im Rettungsdienst ausüben, wenn diese Tätigkeiten neben
aa) einer Beschäftigung mit einem Umfang von regelmäßig mindestens 15 Stunden wöchentlich
außerhalb des Rettungsdienstes oder
bb) einer Tätigkeit als zugelassener Vertragsarzt oder als Arzt in privater Niederlassung ausgeübt
werden,

28.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 5


Freiwillig Versicherte
§ 6 Freiwillige Versicherung (SGB VII)
(1) Auf schriftlichen oder elektronischen Antrag können sich versichern
1. Unternehmer und ihre im Unternehmen mitarbeitenden Ehegatten oder Lebenspartner;
ausgenommen sind Haushaltsführende, Unternehmer von nicht gewerbsmäßig betriebenen
Binnenfischereien, von nicht gewerbsmäßig betriebenen Unternehmen nach § 123 Abs. 1 Nr. 2 und
ihre Ehegatten oder Lebenspartner sowie Fischerei- und Jagdgäste,
2. Personen, die in Kapital- oder Personenhandelsgesellschaften regelmäßig wie Unternehmer
selbständig tätig sind,
3. gewählte oder beauftragte Ehrenamtsträger in gemeinnützigen Organisationen,
4. Personen, die in Verbandsgremien und Kommissionen für Arbeitgeberorganisationen und
Gewerkschaften sowie anderen selbständigen Arbeitnehmervereinigungen mit sozial- oder
berufspolitischer Zielsetzung (sonstige Arbeitnehmervereinigungen) ehrenamtlich tätig sind oder an
Ausbildungsveranstaltungen für diese Tätigkeit teilnehmen,
5. Personen, die ehrenamtlich für Parteien im Sinne des Parteiengesetzes tätig sind oder an
Ausbildungsveranstaltungen für diese Tätigkeit teilnehmen. …(2) Die Versicherung beginnt mit dem
Tag, der dem Eingang des Antrags folgt. …

28.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 6


Räumlicher und persönlicher Geltungsbereich
• § 3 Versicherung kraft Satzung (SGB VII)
• Die Satzung kann bestimmen, auf welche weiteren natürlichen Personen sich
die Versicherung erstreckt (z.B. Personen, die im Ausland bei einer staatlichen
deutschen Einrichtung beschäftigt werden)
• Merke: Unternehmensorgane grundsätzlich nicht
• § 4 Versicherungsfreiheit (SGB VII)
• z.B. Personen, soweit für sie beamtenrechtliche Unfallfürsorgevorschriften
oder entsprechende Grundsätze gelten
• z.B. selbständig tätige Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Psychologische
Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten,
Heilpraktiker und Apotheker

28.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 7


Aufgaben
• Verhütung von
• Arbeitsunfällen
• Berufskrankheiten
• Arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren

• Nach Eintritt von Arbeitsunfällen oder Berufskrankheit


• Wiederherstellung mit allen geeigneten Mitteln der Leistungsfähigkeit und
Gesundheit
• Entschädigung der Hinterbliebenen durch Geldleistung

28.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 8


Versicherungsfall
§ 7 Begriff (SGB VII)
(1) Versicherungsfälle sind Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten.
(2) Verbotswidriges Handeln schließt einen Versicherungsfall nicht aus.

28.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 9


Berufskrankheit
§ 9 Berufskrankheit (SGB VII)
(1) Berufskrankheiten sind Krankheiten, die die Bundesregierung durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des
Bundesrates als Berufskrankheiten bezeichnet und die Versicherte infolge einer den Versicherungsschutz nach
§ 2, 3 oder 6 begründenden Tätigkeit erleiden. Die Bundesregierung wird ermächtigt, in der Rechtsverordnung
solche Krankheiten als Berufskrankheiten zu bezeichnen, die nach den Erkenntnissen der medizinischen
Wissenschaft durch besondere Einwirkungen verursacht sind, denen bestimmte Personengruppen durch ihre
versicherte Tätigkeit in erheblich höherem Grade als die übrige Bevölkerung ausgesetzt sind; sie kann dabei
bestimmen, daß die Krankheiten nur dann Berufskrankheiten sind, wenn sie durch Tätigkeiten in bestimmten
Gefährdungsbereichen verursacht worden sind oder wenn sie zur Unterlassung aller Tätigkeiten geführt haben,
die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder
sein können. In der Rechtsverordnung kann ferner bestimmt werden, inwieweit Versicherte in Unternehmen
der Seefahrt auch in der Zeit gegen Berufskrankheiten versichert sind, in der sie an Land beurlaubt sind.
(2) Die Unfallversicherungsträger haben eine Krankheit, die nicht in der Rechtsverordnung bezeichnet ist oder
bei der die dort bestimmten Voraussetzungen nicht vorliegen, wie eine Berufskrankheit als Versicherungsfall
anzuerkennen, sofern im Zeitpunkt der Entscheidung nach neuen Erkenntnissen der medizinischen
Wissenschaft die Voraussetzungen für eine Bezeichnung nach Absatz 1 Satz 2 erfüllt sind.

28.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 10


Berufskrankheit
• Berufskrankheiten-Verordnung (BKV)
§ 1 Berufskrankheiten (BKV)
Berufskrankheiten sind die in der Anlage 1 bezeichneten Krankheiten,
die Versicherte infolge einer den Versicherungsschutz nach § 2, 3 oder
6 des Siebten Buches Sozialgesetzbuch begründenden Tätigkeit
erleiden.
• Anerkennung durch den Träger der Versicherung

28.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 11


Arbeitsunfall
§ 8 Arbeitsunfall (SGB VII)
(1) Arbeitsunfälle sind Unfälle von Versicherten infolge einer den
Versicherungsschutz nach § 2, 3 oder 6 begründenden Tätigkeit
(versicherte Tätigkeit). Unfälle sind zeitlich begrenzte, von außen auf
den Körper einwirkende Ereignisse, die zu einem Gesundheitsschaden
oder zum Tod führen.

28.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 12


Wegeunfall
§ 8 Arbeitsunfall (SGB VII)
(2) Versicherte Tätigkeiten sind auch
1. das Zurücklegen des mit der versicherten Tätigkeit zusammenhängenden unmittelbaren Weges nach und von dem Ort der
Tätigkeit,
2. das Zurücklegen des von einem unmittelbaren Weg nach und von dem Ort der Tätigkeit abweichenden Weges, um
a) Kinder von Versicherten (§ 56 des Ersten Buches), die mit ihnen in einem gemeinsamen Haushalt leben, wegen ihrer, ihrer
Ehegatten oder ihrer Lebenspartner beruflichen Tätigkeit fremder Obhut anzuvertrauen oder
b) mit anderen Berufstätigen oder Versicherten gemeinsam ein Fahrzeug zu benutzen,
3. das Zurücklegen des von einem unmittelbaren Weg nach und von dem Ort der Tätigkeit abweichenden Weges der Kinder von
Personen (§ 56 des Ersten Buches), die mit ihnen in einem gemeinsamen Haushalt leben, wenn die Abweichung darauf beruht, daß
die Kinder wegen der beruflichen Tätigkeit dieser Personen oder deren Ehegatten oder deren Lebenspartner fremder Obhut
anvertraut werden,
4. das Zurücklegen des mit der versicherten Tätigkeit zusammenhängenden Weges von und nach der ständigen Familienwohnung,
wenn die Versicherten wegen der Entfernung ihrer Familienwohnung von dem Ort der Tätigkeit an diesem oder in dessen Nähe eine
Unterkunft haben,

5. das mit einer versicherten Tätigkeit zusammenhängende Verwahren, Befördern, Instandhalten und Erneuern eines Arbeitsgeräts
oder einer Schutzausrüstung sowie deren Erstbeschaffung, wenn diese auf Veranlassung der Unternehmer erfolgt.

28.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 13


Haftungsbeschränkung Unternehmer
§ 104 Beschränkung der Haftung der Unternehmer (SGB VII)
(1) Unternehmer sind den Versicherten, die für ihre Unternehmen tätig sind
oder zu ihren Unternehmen in einer sonstigen die Versicherung
begründenden Beziehung stehen, sowie deren Angehörigen und
Hinterbliebenen nach anderen gesetzlichen Vorschriften zum Ersatz des
Personenschadens, den ein Versicherungsfall verursacht hat, nur verpflichtet,
wenn sie den Versicherungsfall vorsätzlich oder auf einem nach § 8 Abs. 2 Nr.
1 bis 4 versicherten Weg herbeigeführt haben. Ein Forderungsübergang nach
§ 116 des Zehnten Buches findet nicht statt. …
(3) Die nach Absatz 1 oder 2 verbleibenden Ersatzansprüche vermindern sich
um die Leistungen, die Berechtigte nach Gesetz oder Satzung infolge des
Versicherungsfalls erhalten.

28.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 14


Haftungsbeschränkung Arbeitnehmer
§ 105 Beschränkung der Haftung anderer im Betrieb tätiger Personen
(SGB VII)
(1) Personen, die durch eine betriebliche Tätigkeit einen
Versicherungsfall von Versicherten desselben Betriebs verursachen,
sind diesen sowie deren Angehörigen und Hinterbliebenen nach
anderen gesetzlichen Vorschriften zum Ersatz des Personenschadens
nur verpflichtet, wenn sie den Versicherungsfall vorsätzlich oder auf
einem nach § 8 Abs. 2 Nr. 1 bis 4 versicherten Weg herbeigeführt
haben. Satz 1 gilt entsprechend bei der Schädigung von Personen, die
für denselben Betrieb tätig und nach § 4 Abs. 1 Nr. 1 versicherungsfrei
sind. § 104 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 und 3 gilt entsprechend. …

28.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 15


Tarifvertragsrecht
Grundzüge

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


Tariffähigkeit
§ 2 Tarifvertragsparteien (TVG)
(1) Tarifvertragsparteien sind Gewerkschaften, einzelne Arbeitgeber
sowie Vereinigungen von Arbeitgebern.

(2) Zusammenschlüsse von Gewerkschaften und von Vereinigungen von


Arbeitgebern (Spitzenorganisationen) können im Namen der ihnen
angeschlossenen Verbände Tarifverträge abschließen, wenn sie eine
entsprechende Vollmacht haben.

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 2


Tarifvertrag
§ 1 Inhalt und Form des Tarifvertrags (TVG)
(1) Der Tarifvertrag regelt die Rechte und Pflichten der
Tarifvertragsparteien und enthält Rechtsnormen, die den Inhalt, den
Abschluß und die Beendigung von Arbeitsverhältnissen sowie
betriebliche und betriebsverfassungsrechtliche Fragen ordnen können.
(2) Tarifverträge bedürfen der Schriftform.

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 3


Schuldrechtlicher Teil
§ 1 Inhalt und Form des Tarifvertrags (TVG)
(1) Der Tarifvertrag regelt die Rechte und Pflichten der
Tarifvertragsparteien und enthält Rechtsnormen, die den Inhalt, den
Abschluß und die Beendigung von Arbeitsverhältnissen sowie
betriebliche und betriebsverfassungsrechtliche Fragen ordnen können.

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 4


Normativer Teil
§ 1 Inhalt und Form des Tarifvertrags (TVG)
(1) Der Tarifvertrag regelt die Rechte und Pflichten der
Tarifvertragsparteien und enthält Rechtsnormen,
die den Inhalt,
den Abschluß
und die Beendigung von Arbeitsverhältnissen
sowie betriebliche
und betriebsverfassungsrechtliche Fragen
ordnen können.

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 5


Wirkung der Normen
§ 4 Wirkung der Rechtsnormen (TVG)
(1) Die Rechtsnormen des Tarifvertrags, die den Inhalt, den Abschluß oder
die Beendigung von Arbeitsverhältnissen ordnen, gelten unmittelbar und
zwingend zwischen den beiderseits Tarifgebundenen, die unter den
Geltungsbereich des Tarifvertrags fallen. Diese Vorschrift gilt entsprechend
für Rechtsnormen des Tarifvertrags über betriebliche und
betriebsverfassungsrechtliche Fragen.
(2) Sind im Tarifvertrag gemeinsame Einrichtungen der Tarifvertragsparteien
vorgesehen und geregelt (Lohnausgleichskassen, Urlaubskassen usw.), so
gelten diese Regelungen auch unmittelbar und zwingend für die Satzung
dieser Einrichtung und das Verhältnis der Einrichtung zu den
tarifgebundenen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 6


Geltung
§ 3 Tarifgebundenheit (TVG)
(1) Tarifgebunden sind die Mitglieder der Tarifvertragsparteien und der
Arbeitgeber, der selbst Partei des Tarifvertrags ist.
(2) Rechtsnormen des Tarifvertrags über betriebliche und
betriebsverfassungsrechtliche Fragen gelten für alle Betriebe, deren
Arbeitgeber tarifgebunden ist.
(3) Die Tarifgebundenheit bleibt bestehen, bis der Tarifvertrag endet.

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 7


Allgemeinverbindlichkeitserklärung
§ 5 Allgemeinverbindlichkeit (TVG)
(1) Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales kann einen Tarifvertrag im
Einvernehmen mit einem aus je drei Vertretern der Spitzenorganisationen
der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer bestehenden Ausschuss
(Tarifausschuss) auf gemeinsamen Antrag der Tarifvertragsparteien für
allgemeinverbindlich erklären, wenn die Allgemeinverbindlicherklärung im
öffentlichen Interesse geboten erscheint. Die Allgemeinverbindlicherklärung
erscheint in der Regel im öffentlichen Interesse geboten, wenn
1. der Tarifvertrag in seinem Geltungsbereich für die Gestaltung der
Arbeitsbedingungen überwiegende Bedeutung erlangt hat oder
2. die Absicherung der Wirksamkeit der tarifvertraglichen Normsetzung
gegen die Folgen wirtschaftlicher Fehlentwicklung eine
Allgemeinverbindlicherklärung verlangt.

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 8


Günstigkeitsprinzip
• Tarifvertrag stellt die Mindestbedingungen dar
• Bessere Bedingungen im Arbeitsvertrag gehen vor
• Regelungen sind im vollständigen Zusammenhang zu vergleichen

19.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 9


Befristung und
Teilzeit
Formen und Regelungen

20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


Befristung nach dem Gesetz über Teilzeitarbeit
und befristete Arbeitsverträge (TzBfG)
• Mit Sachgrund • Ohne Sachgrund
§ 14 Zulässigkeit der Befristung § 14 Zulässigkeit der Befristung
(1) Die Befristung eines (2) Die kalendermäßige Befristung
Arbeitsvertrages ist zulässig, wenn eines Arbeitsvertrages ohne
sie durch einen sachlichen Grund Vorliegen eines sachlichen
gerechtfertigt ist. … Grundes ist bis zur Dauer von zwei
Jahren zulässig. …

20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 2


Befristung mit Sachgrund
§ 14 Zulässigkeit der Befristung (TzBfG)
(1) … Ein sachlicher Grund liegt insbesondere vor, wenn
1. der betriebliche Bedarf an der Arbeitsleistung nur vorübergehend besteht,
2. die Befristung im Anschluss an eine Ausbildung oder ein Studium erfolgt, um den
Übergang des Arbeitnehmers in eine Anschlussbeschäftigung zu erleichtern,
3. der Arbeitnehmer zur Vertretung eines anderen Arbeitnehmers beschäftigt wird,
4. die Eigenart der Arbeitsleistung die Befristung rechtfertigt,
5. die Befristung zur Erprobung erfolgt,
6. in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe die Befristung rechtfertigen,
7. der Arbeitnehmer aus Haushaltsmitteln vergütet wird, die haushaltsrechtlich für eine
befristete Beschäftigung bestimmt sind, und er entsprechend beschäftigt wird oder
8. die Befristung auf einem gerichtlichen Vergleich beruht.

20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 3


Besonderheiten nach BEEG
§ 21 Befristete Arbeitsverträge (Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz - BEEG)
(1) Ein sachlicher Grund, der die Befristung eines Arbeitsverhältnisses rechtfertigt,
liegt vor, wenn ein Arbeitnehmer oder eine Arbeitnehmerin zur Vertretung eines
anderen Arbeitnehmers oder einer anderen Arbeitnehmerin für die Dauer eines
Beschäftigungsverbotes nach dem Mutterschutzgesetz, einer Elternzeit, einer auf
Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung oder einzelvertraglicher Vereinbarung
beruhenden Arbeitsfreistellung zur Betreuung eines Kindes oder für diese Zeiten
zusammen oder für Teile davon eingestellt wird.
(2) Über die Dauer der Vertretung nach Absatz 1 hinaus ist die Befristung für
notwendige Zeiten einer Einarbeitung zulässig.
(3) Die Dauer der Befristung des Arbeitsvertrags muss kalendermäßig bestimmt
oder bestimmbar oder den in den Absätzen 1 und 2 genannten Zwecken zu
entnehmen sein. …
20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 4
Hinweis

• Die Befristung mit Sachgrund ist zeitlich unbefristet möglich.

• Durch Tarifvertrag können andere Regelungen getroffen werden.

20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 5


Befristung ohne Sachgrund
§ 14 Zulässigkeit der Befristung (TzBfG)
(2) … bis zu dieser Gesamtdauer von zwei Jahren ist auch die höchstens
dreimalige Verlängerung eines kalendermäßig befristeten
Arbeitsvertrages zulässig.
• Durch Tarifvertrag können andere Regelungen getroffen werden.

20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 6


Befristung ohne Sachgrund
§ 14 Zulässigkeit der Befristung (TzBfG)
(2) … Eine Befristung nach Satz 1 ist nicht zulässig, wenn mit demselben
Arbeitgeber bereits zuvor ein befristetes oder unbefristetes
Arbeitsverhältnis bestanden hat.
• „zuvor“ bedeutet laut BAG drei Jahre.
• Durch Tarifvertrag können andere Regelungen getroffen werden.

20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 7


Befristung ohne Sachgrund
§ 14 Zulässigkeit der Befristung (TzBfG)
(2a) In den ersten vier Jahren nach der Gründung eines Unternehmens
ist die kalendermäßige Befristung eines Arbeitsvertrages ohne
Vorliegen eines sachlichen Grundes bis zur Dauer von vier Jahren
zulässig; bis zu dieser Gesamtdauer von vier Jahren ist auch die
mehrfache Verlängerung eines kalendermäßig befristeten
Arbeitsvertrages zulässig …

20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 8


Befristung ohne Sachgrund
§ 14 Zulässigkeit der Befristung (TzBfG)
(3) Die kalendermäßige Befristung eines Arbeitsvertrages ohne
Vorliegen eines sachlichen Grundes ist bis zu einer Dauer von fünf
Jahren zulässig, wenn der Arbeitnehmer bei Beginn des befristeten
Arbeitsverhältnisses das 52. Lebensjahr vollendet hat und unmittelbar
vor Beginn des befristeten Arbeitsverhältnisses mindestens vier
Monate beschäftigungslos…gewesen ist … .
Bis zu der Gesamtdauer von fünf Jahren ist auch die mehrfache
Verlängerung des Arbeitsvertrages zulässig.

20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 9


Besonderheiten nach WissZeitVG
§ 2 Befristungsdauer; Befristung wegen Drittmittelfinanzierung
(Wissenschaftszeitvertragsgesetz - WissZeitVG)
(1) Die Befristung von Arbeitsverträgen des in § 1 Absatz 1 Satz 1 genannten
Personals, das nicht promoviert ist, ist bis zu einer Dauer von sechs Jahren zulässig,
wenn die befristete Beschäftigung zur Förderung der eigenen wissenschaftlichen
oder künstlerischen Qualifizierung erfolgt. Nach abgeschlossener Promotion ist
eine Befristung bis zu einer Dauer von sechs Jahren, im Bereich der Medizin bis zu
einer Dauer von neun Jahren, zulässig, wenn die befristete Beschäftigung zur
Förderung der eigenen wissenschaftlichen oder künstlerischen Qualifizierung
erfolgt; die zulässige Befristungsdauer verlängert sich in dem Umfang, in dem
Zeiten einer befristeten Beschäftigung nach Satz 1 und Promotionszeiten ohne
Beschäftigung nach Satz 1 zusammen weniger als sechs Jahre betragen haben. …
Innerhalb der jeweils zulässigen Befristungsdauer sind auch Verlängerungen eines
befristeten Arbeitsvertrages möglich. …
20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 10
Kettenbefristung
• Mit zulässigem Sachgrund kann ein Arbeitsvertrag grundsätzlich
immer wieder neu befristet werden.
• Bei Ketten(befristungs-)arbeitsverträgen ist immer der letzte
Arbeitsvertrag zu prüfen.

20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 11


Form der Befristung
• § 14 Zulässigkeit der Befristung (TzBfG)
(4) Die Befristung eines Arbeitsvertrages bedarf zu ihrer Wirksamkeit
der Schriftform.
• § 126 Schriftform (BGB)
(1) Ist durch Gesetz schriftliche Form vorgeschrieben, so muss die
Urkunde von dem Aussteller eigenhändig durch Namensunterschrift
oder mittels notariell beglaubigten Handzeichens unterzeichnet
werden.

20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 12


Folgen der Unwirksamkeit
§ 16 Folgen unwirksamer Befristung (TzBfG)
Ist die Befristung rechtsunwirksam, so gilt der befristete Arbeitsvertrag
als auf unbestimmte Zeit geschlossen; er kann vom Arbeitgeber
frühestens zum vereinbarten Ende ordentlich gekündigt werden, sofern
nicht nach § 15 Abs. 3 die ordentliche Kündigung zu einem früheren
Zeitpunkt möglich ist. Ist die Befristung nur wegen des Mangels der
Schriftform unwirksam, kann der Arbeitsvertrag auch vor dem
vereinbarten Ende ordentlich gekündigt werden.

20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 13


Auflösende Bedingung
§ 21 Auflösend bedingte Arbeitsverträge (TzBfG)
Wird der Arbeitsvertrag unter einer auflösenden Bedingung
geschlossen, gelten § 4 Abs. 2, § 5, § 14 Abs. 1 und 4, § 15 Abs. 2, 3 und
5 sowie die §§ 16 bis 20 entsprechend.

20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 14


Beendigung
§ 15 Ende des befristeten Arbeitsvertrages (TzBfG)
(1) Ein kalendermäßig befristeter Arbeitsvertrag endet mit Ablauf der
vereinbarten Zeit.
(2) Ein zweckbefristeter Arbeitsvertrag endet mit Erreichen des Zwecks,
frühestens jedoch zwei Wochen nach Zugang der schriftlichen
Unterrichtung des Arbeitnehmers durch den Arbeitgeber über den
Zeitpunkt der Zweckerreichung. …

20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 15


Ordentliche Kündigung
§ 15 Ende des befristeten Arbeitsvertrages (TzBfG)
(3) Ein befristetes Arbeitsverhältnis unterliegt nur dann der
ordentlichen Kündigung, wenn dies einzelvertraglich oder im
anwendbaren Tarifvertrag vereinbart ist.

20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 16


Unbefristete Verlängerung
§ 15 Ende des befristeten Arbeitsvertrages (TzBfG)
(5) Wird das Arbeitsverhältnis nach Ablauf der Zeit, für die es
eingegangen ist, oder nach Zweckerreichung mit Wissen des
Arbeitgebers fortgesetzt, so gilt es als auf unbestimmte Zeit verlängert,
wenn der Arbeitgeber nicht unverzüglich widerspricht oder dem
Arbeitnehmer die Zweckerreichung nicht unverzüglich mitteilt.

20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 17


Teilzeitarbeit
§ 2 Begriff des teilzeitbeschäftigten Arbeitnehmers (TzBfG)
(1) Teilzeitbeschäftigt ist ein Arbeitnehmer, dessen regelmäßige
Wochenarbeitszeit kürzer ist als die eines vergleichbaren
vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers. ...
(2) Teilzeitbeschäftigt ist auch ein Arbeitnehmer, der eine geringfügige
Beschäftigung nach § 8 Abs. 1 Nr. 1 des Vierten Buches
Sozialgesetzbuch ausübt.

20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 18


Anspruch auf Verringerung der Arbeitszeit
• Der Arbeitgeber beschäftigt in der Regel mehr als 15 Arbeitnehmer.
(§ 8 (7) TzBfG)
• Das Arbeitsverhältnis dauert länger als sechs Monate.
(§ 8 (1) TzBfG)
• Es stehen keine betrieblichen Gründe entgegen.
(§ 8 (4) TzBfG)

20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 19


Sperrzeit
§ 8 Zeitlich nicht begrenzte Verringerung der Arbeitszeit (TzBfG)
(6) Der Arbeitnehmer kann eine erneute Verringerung der Arbeitszeit
frühestens nach Ablauf von zwei Jahren verlangen, nachdem der
Arbeitgeber einer Verringerung zugestimmt oder sie berechtigt
abgelehnt hat.

20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 20


Brückenteilzeit
§ 9a Zeitlich begrenzte Verringerung der Arbeitszeit (TZBfG)
(1) Ein Arbeitnehmer, dessen Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate bestanden hat, kann verlangen, dass seine vertraglich vereinbarte Arbeitszeit für einen im Voraus zu
bestimmenden Zeitraum verringert wird. Der begehrte Zeitraum muss mindestens ein Jahr und darf höchstens fünf Jahre betragen. Der Arbeitnehmer hat nur dann einen Anspruch
auf zeitlich begrenzte Verringerung der Arbeitszeit, wenn der Arbeitgeber in der Regel mehr als 45 Arbeitnehmer beschäftigt.
(2) Der Arbeitgeber kann das Verlangen des Arbeitnehmers nach Verringerung der Arbeitszeit ablehnen, soweit betriebliche Gründe entgegenstehen; § 8 Absatz 4 gilt entsprechend.
Ein Arbeitgeber, der in der Regel mehr als 45, aber nicht mehr als 200 Arbeitnehmer beschäftigt, kann das Verlangen eines Arbeitnehmers auch ablehnen, wenn zum Zeitpunkt des
begehrten Beginns der verringerten Arbeitszeit bei einer Arbeitnehmerzahl von in der Regel
1. mehr als 45 bis 60 bereits mindestens vier, …
11. mehr als 195 bis 200 bereits mindestens 14 andere Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit nach Absatz 1 verringert haben.
(3) Im Übrigen gilt für den Umfang der Verringerung der Arbeitszeit und für die gewünschte Verteilung der Arbeitszeit § 8 Absatz 2 bis 5. Für den begehrten Zeitraum der
Verringerung der Arbeitszeit sind § 8 Absatz 2 Satz 1, Absatz 3 Satz 1, Absatz 4 sowie Absatz 5 Satz 1 und 2 entsprechend anzuwenden.
(4) Während der Dauer der zeitlich begrenzten Verringerung der Arbeitszeit kann der Arbeitnehmer keine weitere Verringerung und keine Verlängerung seiner Arbeitszeit nach
diesem Gesetz verlangen; § 9 findet keine Anwendung.
(5) Ein Arbeitnehmer, der nach einer zeitlich begrenzten Verringerung der Arbeitszeit nach Absatz 1 zu seiner ursprünglichen vertraglich vereinbarten Arbeitszeit zurückgekehrt ist,
kann eine erneute Verringerung der Arbeitszeit nach diesem Gesetz frühestens ein Jahr nach der Rückkehr zur ursprünglichen Arbeitszeit verlangen. Für einen erneuten Antrag auf
Verringerung der Arbeitszeit nach berechtigter Ablehnung auf Grund entgegenstehender betrieblicher Gründe nach Absatz 2 Satz 1 gilt § 8 Absatz 6 entsprechend. Nach berechtigter
Ablehnung auf Grund der Zumutbarkeitsregelung nach Absatz 2 Satz 2 kann der Arbeitnehmer frühestens nach Ablauf von einem Jahr nach der Ablehnung erneut eine Verringerung
der Arbeitszeit verlangen.
(6) Durch Tarifvertrag kann der Rahmen für den Zeitraum der Arbeitszeitverringerung abweichend von Absatz 1 Satz 2 auch zuungunsten des Arbeitnehmers festgelegt werden.
(7) Bei der Anzahl der Arbeitnehmer nach Absatz 1 Satz 3 und Absatz 2 sind Personen in Berufsbildung nicht zu berücksichtigen.

20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 21


Gleiche Rechte wie Vollzeitarbeitnehmer
• Urlaub
• Lohnfortzahlung im Krankheitsfall
• Bei Kündigung

• § 5 Benachteiligungsverbot (TzBfG)
Der Arbeitgeber darf einen Arbeitnehmer nicht wegen der
Inanspruchnahme von Rechten nach diesem Gesetz benachteiligen.

20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 22


Besteckfall
Zweiter Teil
Annex

20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


Aufgabe
Bitte führen Sie als Gruppenarbeit die Bewerbungsgespräche mit den
drei Bewerbern durch und treffen unter Berücksichtigung
• der genannten Wünschen des Geschäftsführers Messer
• der Angaben aus der Stellenanzeige bzw. der auf sonstigem Wege
gegebenen Informationen zur Stelle
• den Unterlagen die die Bewerber mitbringen.
die naheliegende Vorauswahl, die Sie bitte begründen.

20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 2


Hintergrund
Die drei Bewerber erscheinen zum Vorstellungsgespräch mit den vorab
erbetenen Unterlagen:
• Herr Friedrich-Torsten Finger aus Wetzlar, ein ruhiger, älterer Herr im
Anzug mit sehr vielen Unterlagen in zwei Ordnern.
• Herr Sören Löffel aus Essen, ein sehr motivierter junger Mann in
ordentlicher Freizeitkleidung, der einen nassforschen Eindruck macht,
mit einem eingerahmten „Gabelstaplerschein“.
• Robin Rohr aus Solingen, im Kostüm mit erkennbarem
Schwangerenbauch, mit ihrem Führerschein im Original.

20.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 3


Die Kläger betreiben eine Praxis für radiologische Diagnostik. Die Beklagte ist in der Praxis langjährig als Reinigungskraft
beschäftigt, zuletzt gegen ein monatliches Bruttoentgelt in Höhe von 320,00 Euro.

An einem Sonntag, besuchte die Beklagte ihre über den Praxisräumen wohnende Frau B. Bei Besuchsende nahmen die
beiden Frauen auf dem Weg zur Haustür in der Praxis einen Alarmton wahr. Die Beklagte ging in die nicht verschlossenen
Praxisräume, stellte fest, dass der Alarm vom MRT ausging und wollte an der Steuereinheit des Geräts den Alarmton
ausschalten. Die fest an der Wand montierte Steuereinheit besitzt fünf Schaltknöpfe, vier davon sind in blauer Farbe
gehalten und mit „host standby“, „alarm silence“, „system off“ und „system on“ überschrieben. Oberhalb von diesen im
Quadrat angeordneten blauen Schaltknöpfen befindet sich ein deutlich größerer roter Schaltknopf, der mit der weißen
Aufschrift „magnet stop“ versehen ist. Dieser rote Schalter ist hinter einer durchsichtigen Plexiglasklappe, die vor der
Betätigung des Schalters angehoben werden muss, angebracht.

Um den Alarm auszuschalten, drückte die Beklagte statt des hierfür vorgesehenen blauen Knopfes „alarm silence“ den
roten Schaltknopf „magnet stop“ und löste hierdurch einen so genannten MRT-Quench aus. Dabei wird das im Gerät als
Kühlmittel eingesetzte Helium in wenigen Sekunden ins Freie abgeleitet, was das elektromagnetische Feld des Gerätes
zusammenbrechen lässt. Die nach dieser Notabschaltung fällige Reparatur kostete netto 30.843,01 Euro. Neben den
Reparaturkosten entstand ein von der Versicherung nicht abgedeckter Nutzungsausfallschaden in Höhe von 18.390,00
Euro netto.

Haftet die Beklagte und wenn ja in welcher Höhe?


13082019
Was steht im AGG?

ZULÄSSIGKEIT VON
EINSTELLUNGSFRAGEN

Welche Fragen darf der potentielle Arbeitgeber stellen ?

1
DER GESÄTZGEBER KANN NUR DAS SÜTZEN
WAS ER DEFINIERT.
s 24
Rand Nummer 18

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)


§ 1 Ziel des Gesetzes
Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse
oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der
Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters
oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.

2
§ 6 Persönlicher Anwendungsbereich (AGG)
(1) Beschäftigte im Sinne dieses Gesetzes sind
1.Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer,
2. die zu ihrer Berufsbildung Beschäftigten,
3. Personen, die wegen ihrer wirtschaftlichen Unselbstständigkeit als
arbeitnehmerähnliche Personen anzusehen sind; zu diesen gehören auch die
in Heimarbeit Beschäftigten und die ihnen Gleichgestellten.
Als Beschäftigte gelten auch die Bewerberinnen und Bewerber für ein
Beschäftigungsverhältnis sowie die Personen, deren Beschäftigungsverhältnis
beendet ist. …

3
§ 15 Entschädigung und Schadensersatz (AGG)
(1) Bei einem Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot ist der
Arbeitgeber verpflichtet, den hierdurch entstandenen Schaden zu
ersetzen. Dies gilt nicht, wenn der Arbeitgeber die Pflichtverletzung
nicht zu vertreten hat.
(2) Wegen eines Schadens, der nicht Vermögensschaden ist, kann der
oder die Beschäftigte eine angemessene Entschädigung in Geld
verlangen. Die Entschädigung darf bei einer Nichteinstellung drei
Monatsgehälter nicht übersteigen, wenn der oder die Beschäftigte auch
bei benachteiligungsfreier Auswahl nicht eingestellt worden wäre. …

4
WIE ALT SIND SIE ?

nein- altersdiskriminierung

5
AUS WELCHEM LAND KOMMEN SIE ?

nein

6
SIND SIE VERHEIRATET ?

es geht keinen was an

7
HABEN SIE VOR ZU HEIRATEN ?

nei s 58 rn 62

8
HABEN SIE VOR KINDER ZU BEKOMMEN?

9
offenbarungspflicht - für den Beruf
wenn es nötig ist
diese frage ist unzulässig
zulässig ob sie zur dieser Tätigkeit
WELCHE GESUNDHEITLICHEN
einschrenkungen haben

EINSCHRÄNKUNGEN LIEGEN BEI IHNEN


VOR?

10
muss man sagen

AN WELCHEN ANSTECKENDEN
KRANKHEITEN LEIDEN SIE?

11
rn68 ist unzulässig

SIND SIE ALS SCHWERBEHINDERT


ANERKANNT?

12
SIND SIE SCHWANGER?

13
HABEN SIE SCHULDEN?
WENN JA IN WELCHER HÖHE UND AUS
WELCHEM GRUND?
sicherheitsbereich, muss man angeben. korruptions gefahr und
sicherheitsgefahr.. Bank kassierer und handeln mit bargeld
rn65 Buch in der Randnummer

14
LEBEN SIE IN GESICHERTEN
LEBENSVERHÄLTNISSEN?

15
LIEGEN GEGEN SIE LOHNPFÄNDUNGEN
VOR?

16
WIE VIEL HABEN SIE ZULETZT
VERDIENT?

17
WIE VIEL URLAUB HATTEN SIE ZULETZT?

18
GEHÖRTEN SIE DER
ARBEITNEHMERVERTRETUNG AN?

Darf man nicht bevor man eingestellt ist reden. Man darf dan lügen. das
geht den Ag nicht an aber man darf nicht reden fals der Partner bei
Konkurenten arbeitet. der AG WILL ES HÖREN ABER ES GEHT IHN
NICHT AN; TREUE PLICHT; VESCHWIEGENHEITSGEBOT

19
IST IHR EHEPARTNER BERUFSTÄTIG?

20
WO IST IHR EHEPARTNER BESCHÄFTIGT?

21
WIE HOCH IST DAS EINKOMMEN IHRES
EHEPARTNERS?

NEIN GEHT KEINEN WAS AN

22
GEHÖREN SIE EINER POLITISCHEN
PARTEI AN ?

WENN ES EIN TENDENZBETRIEB IST DAN DARF MAN DAS


FRAGEN

23
SIND SIE GEWERKSCHAFTLICH
ORGANISIERT?

NICHT ZULÄSSIG

24
AGG 39 ZULÄSSIGE UNTERSCHIEDLICHE bEHANDLUNG WEGEN DER rELIGION ODER Weltanschauung

WELCHER RELIGIONSGEMEINSCHAFT
GEHÖREN SIE AN?

25
darf nicht gefragt werden auser ib bestimmten Situationen wie zb Pfleger oder KITA

SIND SIE GERICHTLICH BESTRAFT?

26
hier gilt die Unschuldsvermutung, kann sein das sie unschuldig
sind

LÄUFT GEGEN SIE EIN


ERMITTLUNGSVERFAHREN?

27
WELCHE HOBBIES HABEN SIE?

nicht zuilässig

28
WIE VERBRINGEN SIE IHRE FREIZEIT?

nein

29
SIND SIE EIN GESELLIGER TYP?

nein

30
Besteckfall
Dritter Teil

22.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


Hintergrund
Nach Durchführung der Bewerbungsgespräche will die Besteckfirma
Messer und Söhne GmbH den Bewerber Sören Löffel zum nächst-
möglichen Termin nach Tarif einstellen.
Zwischenzeitlich ist die Anzahl der Arbeitnehmer um zehn gestiegen.
Ein weiterer Auszubildender hat im Betrieb angefangen.

22.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 2


Aufgabe
In Gruppenarbeit treffen Sie bitte die nötigen Vorbereitungen und
bereiten insbesondere den Arbeitsvertrag vor, in dem Sie die Wünsche
des Geschäftsführers Messer rechtlich sicher einschließen. Dies sind:
• in dem auf zwei Jahre laufendem Vertrag soll eine Probezeit von sechs
Monaten mit dem Sachgrund Erprobung aufgenommen werden.
• die Kündigungsfrist soll, wenn möglich, höchstens eine Woche
betragen.
• das freiwillig gezahlte Weihnachtsgeld soll wieder vom Arbeitnehmer
erstattet werden, wenn er selbst grundlos im ersten Quartal nach
Leistung des Weihnachtsgeldes kündigt.
22.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 3
s325

Soziale
Pflegeversicherung
Prinzipien

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 1


Pflegeversicherung
§ 1 Soziale Pflegeversicherung (SGB XI)
(1) Zur sozialen Absicherung des Risikos der Pflegebedürftigkeit wird als neuer eigenständiger Zweig der
Sozialversicherung eine soziale Pflegeversicherung geschaffen.
(2) In den Schutz der sozialen Pflegeversicherung sind kraft Gesetzes alle einbezogen, die in der gesetzlichen
Krankenversicherung versichert sind. Wer gegen Krankheit bei einem privaten
Krankenversicherungsunternehmen versichert ist, muß eine private Pflegeversicherung abschließen.
(3) Träger der sozialen Pflegeversicherung sind die Pflegekassen; ihre Aufgaben werden von den Krankenkassen
(§ 4 des Fünften Buches) wahrgenommen.
(4) Die Pflegeversicherung hat die Aufgabe, Pflegebedürftigen Hilfe zu leisten, die wegen der Schwere der
Pflegebedürftigkeit auf solidarische Unterstützung angewiesen sind.
(5) In der Pflegeversicherung sollen geschlechtsspezifische Unterschiede bezüglich der Pflegebedürftigkeit von
Männern und Frauen und ihrer Bedarfe an Leistungen berücksichtigt und den Bedürfnissen nach einer
kultursensiblen Pflege nach Möglichkeit Rechnung getragen werden.
(6) Die Ausgaben der Pflegeversicherung werden durch Beiträge der Mitglieder und der Arbeitgeber finanziert.
Die Beiträge richten sich nach den beitragspflichtigen Einnahmen der Mitglieder. Für versicherte
Familienangehörige und eingetragene Lebenspartner (Lebenspartner) werden Beiträge nicht erhoben.

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 2


Versicherte
§ 20 Versicherungspflicht in der sozialen Pflegeversicherung für
Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung (SGB XI)
(1) Versicherungspflichtig in der sozialen Pflegeversicherung sind die
versicherungspflichtigen Mitglieder der gesetzlichen
Krankenversicherung. Dies sind:
1. Arbeiter, Angestellte und zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigte, die
gegen Arbeitsentgelt beschäftigt sind; für die Zeit des Bezugs von
Kurzarbeitergeld nach dem Dritten Buch bleibt die Versicherungspflicht
unberührt, …

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 3


Selbstbestimmung
§ 2 Selbstbestimmung (SGB XI)
(1) Die Leistungen der Pflegeversicherung sollen den Pflegebedürftigen helfen, trotz ihres
Hilfebedarfs ein möglichst selbständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen, das der
Würde des Menschen entspricht. Die Hilfen sind darauf auszurichten, die körperlichen,
geistigen und seelischen Kräfte der Pflegebedürftigen, auch in Form der aktivierenden
Pflege, wiederzugewinnen oder zu erhalten.
(2) Die Pflegebedürftigen können zwischen Einrichtungen und Diensten verschiedener
Träger wählen. Ihren Wünschen zur Gestaltung der Hilfe soll, soweit sie angemessen sind,
im Rahmen des Leistungsrechts entsprochen werden. Wünsche der Pflegebedürftigen nach
gleichgeschlechtlicher Pflege haben nach Möglichkeit Berücksichtigung zu finden.
(3) Auf die religiösen Bedürfnisse der Pflegebedürftigen ist Rücksicht zu nehmen. Auf ihren
Wunsch hin sollen sie stationäre Leistungen in einer Einrichtung erhalten, in der sie durch
Geistliche ihres Bekenntnisses betreut werden können.
(4) Die Pflegebedürftigen sind auf die Rechte nach den Absätzen 2 und 3 hinzuweisen.

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 4


Pflegebedürftigkeit
§ 14 Begriff der Pflegebedürftigkeit (SGB XI)
(1) Pflegebedürftig im Sinne dieses Buches sind Personen, die
gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder
der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere
bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive
oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte
Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder
bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer,
voraussichtlich für mindestens sechs Monate, und mit mindestens der
in § 15 festgelegten Schwere bestehen. …

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 5


Vorrangigkeit anderer Leistungen
§ 13 Verhältnis der Leistungen der Pflegeversicherung zu anderen
Sozialleistungen (SGB XI)
(1) Den Leistungen der Pflegeversicherung gehen die
Entschädigungsleistungen wegen Pflegebedürftigkeit
1. nach dem Bundesversorgungsgesetz und nach den Gesetzen, die eine
entsprechende Anwendung des Bundesversorgungsgesetzes vorsehen,
2. aus der gesetzlichen Unfallversicherung und
3. aus öffentlichen Kassen auf Grund gesetzlich geregelter Unfallversorgung
oder Unfallfürsorge
vor.
27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 6
Feststellungsverfahren
§ 18 Verfahren zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit (SGB XI)
(1) Die Pflegekassen beauftragen den Medizinischen Dienst der
Krankenversicherung oder andere unabhängige Gutachter mit der
Prüfung, ob die Voraussetzungen der Pflegebedürftigkeit erfüllt sind
und welcher Pflegegrad vorliegt. Im Rahmen dieser Prüfungen haben
der Medizinische Dienst oder die von der Pflegekasse beauftragten
Gutachter durch eine Untersuchung des Antragstellers die
Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten bei den in
§ 14 Absatz 2 genannten Kriterien nach Maßgabe des § 15 sowie die
voraussichtliche Dauer der Pflegebedürftigkeit zu ermitteln. ...

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 7


Pflegegrade
§ 15 Ermittlung des Grades der Pflegebedürftigkeit, Begutachtungsinstrument (SGB XI)
(1) Pflegebedürftige erhalten nach der Schwere der Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten einen Grad der
Pflegebedürftigkeit (Pflegegrad). Der Pflegegrad wird mit Hilfe eines pflegefachlich begründeten Begutachtungsinstruments ermittelt.

(3) Zur Ermittlung des Pflegegrades sind die bei der Begutachtung festgestellten Einzelpunkte in jedem Modul zu addieren und dem in
Anlage 2 festgelegten Punktbereich sowie den sich daraus ergebenden gewichteten Punkten zuzuordnen. Den Modulen 2 und 3 ist
ein gemeinsamer gewichteter Punkt zuzuordnen, der aus den höchsten gewichteten Punkten entweder des Moduls 2 oder des
Moduls 3 besteht. Aus den gewichteten Punkten aller Module sind durch Addition die Gesamtpunkte zu bilden. Auf der Basis der
erreichten Gesamtpunkte sind pflegebedürftige Personen in einen der nachfolgenden Pflegegrade einzuordnen:
1. ab 12,5 bis unter 27 Gesamtpunkten in den Pflegegrad 1: geringe Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten,
2. ab 27 bis unter 47,5 Gesamtpunkten in den Pflegegrad 2: erhebliche Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten,
3. ab 47,5 bis unter 70 Gesamtpunkten in den Pflegegrad 3: schwere Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten,
4. ab 70 bis unter 90 Gesamtpunkten in den Pflegegrad 4: schwerste Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten,
5. ab 90 bis 100 Gesamtpunkten in den Pflegegrad 5: schwerste Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten mit
besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung.

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 8


Unabkömmlichkeit
Im Arbeitsverhältnis

16.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


Vorübergehende Verhinderung
§ 616 Vorübergehende Verhinderung (BGB)
Der zur Dienstleistung Verpflichtete wird des Anspruchs auf die
Vergütung nicht dadurch verlustig, dass er für eine verhältnismäßig
nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund
ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird. Er muss
sich jedoch den Betrag anrechnen lassen, welcher ihm für die Zeit der
Verhinderung aus einer auf Grund gesetzlicher Verpflichtung
bestehenden Kranken- oder Unfallversicherung zukommt.
Der AN wird weiter bezahlt ...

16.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 2


Ausführung der arbeitspflicht ist nicht gewerleistet. Subjektiver grund wird weiter bezahlt.
Objektiver grund zb glateis, bombenentschärfung usw.

Voraussetzungen
• Subjektiver Verhinderungsgrund
• Unzumutbarkeit der Ausführung der Arbeitspflicht

• Also kein Grund, der für alle oder mehrere Arbeitnehmer zusammen
eintritt, wie z.B.:
• Smogalarm und damit verbundene Fahrverbote
• streikbedingte Störungen des öffentlichen Nahverkehrs
• sonstige allgemeine Verkehrsstörungen
• schlechte Witterungsbedingungen

16.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 3


Schwere krankheit der Kinder, Pflegefall - bis zu 10 Zehntage nur freistellung nicht bezahlung,
Immobilienkauf können wir jemanden hinschicken und bei Hochzeit konnen wir es nicht also sin´d wir
verpflichtet zu gehen, Zeuge dürfen wir gehen, Umzug wenn es werktag ist, Artztbesuch falls es Fachartzt ist
und nur am werktag behandlungstermin-für die eit sind wir Unabhöngig, AUSNAHMEFÄLLE

Anwendungsfälle Kind in der schule verunglückt dann mussen wir los. Wenn es im Vertrag nicht steht müssen wir trotzdem los

• Erkrankung naher Angehöriger (z.B. Kinder, dann bis zu fünf Tagen)


• Pflege naher Angehöriger (z.B. Ehepartner)
beachte hierbei: § 2 Kurzzeitige Arbeitsverhinderung (PflegeZG)
(1) Beschäftigte haben das Recht, bis zu zehn Arbeitstage der Arbeit fernzubleiben, wenn dies erforderlich ist, um für
einen pflegebedürftigen nahen Angehörigen in einer akut aufgetretenen Pflegesituation eine bedarfsgerechte
Pflege zu organisieren oder eine pflegerische Versorgung in dieser Zeit sicherzustellen. …
gilt nur für die Freistellung nicht für die Lohnfortzahlung
• Ereignisse im Familien- und Verwandtenkreis (z.B. eigene Hochzeit)
• Wahrnehmung staatsbürgerlicher Pflichten (z.B. Ladung als Zeuge)
• Sonstige Anwendungsfälle: Umzug
Arztbesuche
Einbruch
Brand

16.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 4


Wenn es im Arbeitsvertrag geregelt ist gilt die AGB kontrolle

Abdingbarkeit
• Einschränkung der Anwendbarkeit möglich,
durch
• Regelung im Arbeitsvertrag
• Betriebs- oder Dienstvereinbarung
• Tarifvertrag

16.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 5


Ausschluss im Arbeitsvertrag
• Prüfung der Klausel („AGB-Kontrolle“)

• Die Klausel darf nicht überraschend sein (§ 305c Abs.1 BGB).


• Die Klausel muss klar und verständlich, also transparent sein (§ 307 Abs.1 Satz
2 BGB).
• Die Klausel darf keine unangemessene Benachteiligung des Arbeitnehmers
enthalten (§ 307 Abs.1 Satz 1, Abs.2 BGB).

16.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 6


Beispiel einer gültigen Klausel
Arbeitsvertrag : 㤠xxx Arbeitsausfall
§ 616 BGB gilt mit folgender Maßgabe: Für die eigene Hochzeit oder die
Eintragung einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft, für die
Hochzeit bzw. Eintragung einer Lebenspartnerschaft eines Kindes oder
von Geschwistern sowie für die Teilnahme an Begräbnissen naher An-
gehöriger erhält der Arbeitnehmer einen Tag frei, ebenso für den Fall
der Niederkunft der Ehefrau oder Lebenspartnerin sowie für Arzt- oder
Zahnarzttermine, die nicht in die Freizeit gelegt werden können. Ande-
re Fälle einer persönlichen Arbeitsverhinderung führen in Abweichung
von § 616 BGB nicht zur Aufrechterhaltung des Vergütungsanspruchs.“

16.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 7


Subsidiärer Anspruch
§ 45 SGB V Krankengeld bei Erkrankung des Kindes
(1) Versicherte haben Anspruch auf Krankengeld, wenn es nach ärztlichem Zeugnis erforderlich ist, daß sie zur Beaufsichtigung,
Betreuung oder Pflege ihres erkrankten und versicherten Kindes der Arbeit fernbleiben, eine andere in ihrem Haushalt lebende
Person das Kind nicht beaufsichtigen, betreuen oder pflegen kann und das Kind das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet hat oder
behindert und auf Hilfe angewiesen ist. …
(2) Anspruch auf Krankengeld nach Absatz 1 besteht in jedem Kalenderjahr für jedes Kind längstens für 10 Arbeitstage, für
alleinerziehende Versicherte längstens für 20 Arbeitstage. Der Anspruch nach Satz 1 besteht für Versicherte für nicht mehr als 25
Arbeitstage, für alleinerziehende Versicherte für nicht mehr als 50 Arbeitstage je Kalenderjahr. Das Krankengeld nach Absatz 1 beträgt
90 Prozent des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts aus beitragspflichtigem Arbeitsentgelt der Versicherten, bei Bezug von
beitragspflichtigem einmalig gezahltem Arbeitsentgelt (§ 23a des Vierten Buches) in den der Freistellung von Arbeitsleistung nach
Absatz 3 vorangegangenen zwölf Kalendermonaten 100 Prozent des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts aus beitragspflichtigem
Arbeitsentgelt; es darf 70 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze nach § 223 Absatz 3 nicht überschreiten. Erfolgt die Berechnung des
Krankengeldes nach Absatz 1 aus Arbeitseinkommen, beträgt dies 70 Prozent des erzielten regelmäßigen Arbeitseinkommens, soweit
es der Beitragsberechnung unterliegt. § 47 Absatz 1 Satz 6 bis 8 und Absatz 4 Satz 3 bis 5 gilt entsprechend.
(3) Versicherte mit Anspruch auf Krankengeld nach Absatz 1 haben für die Dauer dieses Anspruchs gegen ihren Arbeitgeber Anspruch
auf unbezahlte Freistellung von der Arbeitsleistung, soweit nicht aus dem gleichen Grund Anspruch auf bezahlte Freistellung besteht.

(5) Anspruch auf unbezahlte Freistellung nach den Absätzen 3 und 4 haben auch Arbeitnehmer, die nicht Versicherte mit Anspruch
auf Krankengeld nach Absatz 1 sind.

16.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 8


Subsidiärer Anspruch
§ 2 Kurzzeitige Arbeitsverhinderung (PflegeZG)
(2) Beschäftigte sind verpflichtet, dem Arbeitgeber ihre Verhinderung an der
Arbeitsleistung und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen. Dem
Arbeitgeber ist auf Verlangen eine ärztliche Bescheinigung über die
Pflegebedürftigkeit des nahen Angehörigen und die Erforderlichkeit der in Absatz 1
genannten Maßnahmen vorzulegen.
(3) Der Arbeitgeber ist zur Fortzahlung der Vergütung nur verpflichtet, soweit sich
eine solche Verpflichtung aus anderen gesetzlichen Vorschriften oder auf Grund
einer Vereinbarung ergibt. Ein Anspruch der Beschäftigten auf Zahlung von
Pflegeunterstützungsgeld richtet sich nach § 44a Absatz 3 des Elften Buches
Sozialgesetzbuch.

(Für die Höhe des Pflegeunterstützungsgeldes gilt § 45 Absatz 2 Satz 3 bis 5 des Fünften
Buches entsprechend.)

16.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 9


Arbeitskampf
Streik und Aussperrung

26.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


Streik
• Arbeitnehmer verweigern die Arbeit
Es gilt:
• Friedenspflicht
• Ultima-Ratio-Prinzip

26.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 2


Folgen des Streiks
• Rechtmäßig
• Kein Lohn vom AG
• Rechtswidrig
• Kein Lohn vom AG
• Schadensersatzpflicht der Gewerkschaft
• Wild
• Kein Lohn vom AG
• Schadensersatzpflicht des AN
• Außerordentliche Kündigung

26.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 3


Aussperrung
• Arbeitgeber verhindert die Arbeitsaufnahme
• Es gilt:
• Verhältnismäßigkeitsprinzip
• Grundsätzliche Möglichkeit der Angriffsaussperrung
(als Gegenstück zum Warnstreik)

26.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 4


Folgen der Aussperrung
• Rechtmäßig
• Keine Lohnzahlungspflicht
• Rechtswidrig
• Lohnzahlungspflicht
• Unterlassungsanspruch des AN

26.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 5


BUNDESARBEITSGERICHT Urteil vom 10.6.2010, 2 AZR 541/09

Fristlose Kündigung - Interessenabwägung - Abmahnung - Fall "Emmely"

Leitsätze

1. Rechtswidrige und vorsätzliche Handlungen des Arbeitnehmers, die sich unmittelbar gegen das
Vermögen des Arbeitgebers richten, können auch dann ein wichtiger Grund zur außerordentlichen
Kündigung sein, wenn die Pflichtverletzung Sachen von nur geringem Wert betrifft oder nur zu einem
geringfügigen, möglicherweise gar keinem Schaden geführt hat.

2. Das Gesetz kennt auch im Zusammenhang mit strafbaren Handlungen des Arbeitnehmers keine
absoluten Kündigungsgründe. Es bedarf stets einer umfassenden, auf den Einzelfall bezogenen
Prüfung und Interessenabwägung dahingehend, ob dem Kündigenden die Fortsetzung des
Arbeitsverhältnisses trotz der eingetretenen Vertrauensstörung - zumindest bis zum Ablauf der
Kündigungsfrist - zumutbar ist oder nicht.

Tenor

1. Auf die Revision der Klägerin wird das Urteil des Landesarbeitsgerichts Berlin-Brandenburg vom
24. Februar 2009 - 7 Sa 2017/08 - aufgehoben.

2. Auf die Berufung der Klägerin wird das Urteil des Arbeitsgerichts Berlin vom 21. August 2008 - 2 Ca
3632/08 - abgeändert:

Es wird festgestellt, dass das Arbeitsverhältnis der Parteien weder durch die fristlose Kündigung,
noch durch die hilfsweise erklärte ordentliche Kündigung vom 22. Februar 2008 aufgelöst worden ist.

3. Die Beklagte trägt die Kosten des Rechtsstreits.

Tatbestand

Die Parteien streiten über die Wirksamkeit einer außerordentlichen, hilfsweise ordentlichen
Kündigung.
2

Die 1958 geborene Klägerin war seit April 1977 bei der Beklagten und deren Rechtsvorgängerinnen
als Verkäuferin mit Kassentätigkeit beschäftigt.

Die Beklagte ist ein überregional vertretenes Einzelhandelsunternehmen. In einigen ihrer Filialen, so
auch in der Beschäftigungsfiliale der Klägerin, besteht die Möglichkeit, Leergut an einem Automaten
gegen Ausstellung eines Leergutbons zurückzugeben. Wird ein solcher Bon an der Kasse eingelöst, ist
er von der Kassiererin/dem Kassierer abzuzeichnen. Mitarbeiter der Filiale sind angewiesen,
mitgebrachtes Leergut beim Betreten des Markts dem Filialleiter vorzuzeigen und einen am
Automaten erstellten Leergutbon durch den Leiter gesondert abzeichnen zu lassen, bevor sie den
Bon an der Kasse einlösen. Dort wird er wie ein Kundenbon ein weiteres Mal abgezeichnet. Diese
Regelungen, die Manipulationen beim Umgang mit Leergut ausschließen sollen, sind der Klägerin
bekannt.

Im Herbst 2007 beteiligte sich die Klägerin mit weiteren sieben von insgesamt 36 Beschäftigten ihrer
Filiale an einem gewerkschaftlich getragenen Streik. Während die Streikbereitschaft anderer
Arbeitnehmer mit der Zeit nachließ, nahm die Klägerin bis zuletzt an den Maßnahmen teil. Im Januar
2008 lud der Filialleiter Beschäftigte, die sich nicht am Arbeitskampf beteiligt hatten, zu einer Feier
außer Hause ein. Aus diesem Grund wurde er später von der Beklagten abgemahnt und in eine
andere Filiale versetzt.

Am 12. Januar 2008 fand eine Mitarbeiterin im Kassenbereich einer separaten Backtheke zwei nicht
abgezeichnete Leergutbons im Wert von 0,48 Euro und 0,82 Euro. Sie trugen das Datum des Tages
und waren im Abstand von ca. einer Dreiviertelstunde am Automaten erstellt worden. Die
Mitarbeiterin legte die Bons dem Filialleiter vor. Dieser reichte sie an die Klägerin mit der Maßgabe
weiter, sie im Kassenbüro aufzubewahren für den Fall, dass sich noch ein Kunde melden und
Anspruch darauf erheben würde; andernfalls sollten sie als „Fehlbons“ verbucht werden. Die Klägerin
legte die Bons auf eine - für alle Mitarbeiter zugängliche und einsehbare - Ablage im Kassenbüro.

Am 22. Januar 2008 kaufte die Klägerin in der Filiale außerhalb ihrer Arbeitszeit privat ein. An der
Kasse überreichte sie ihrer Kollegin zwei nicht abgezeichnete Leergutbons. Laut Kassenjournal
wurden diese mit Werten von 0,48 Euro und 0,82 Euro registriert. Beim Kassieren war auch die
Kassenleiterin und Vorgesetzte der Klägerin anwesend.

Zur Klärung der Herkunft der eingereichten Bons führte die Beklagte mit der Klägerin ab dem 25.
Januar 2008 insgesamt vier Gespräche, an denen - außer am ersten Gespräch - jeweils zwei
Mitglieder des Betriebsrats teilnahmen. Sie hielt ihr vor, die eingelösten Bons seien nicht
abgezeichnet gewesen und stimmten hinsichtlich Wert und Ausgabedatum mit den im Kassenbüro
aufbewahrten Bons überein. Es bestehe der dringende Verdacht, dass sie - die Klägerin - die dort
abgelegten „Kundenbons“ an sich genommen und zu ihrem Vorteil verwendet habe. Die Klägerin
bestritt dies und erklärte, selbst wenn die Bons übereinstimmten, bestehe die Möglichkeit, dass ihr
entsprechende Bons durch eine ihrer Töchter oder durch Dritte zugesteckt worden seien.
Beispielsweise habe sie am 21. oder 22. Januar 2008 einer Arbeitskollegin ihre Geldbörse
ausgehändigt mit der Bitte, diese in ihren Spind zu legen. Die Beklagte legte der Klägerin nahe, zur
Untermauerung ihrer Behauptung eine eidesstattliche Erklärung einer Tochter beizubringen.
Außerdem befragte sie die benannte Kollegin, die die Angaben der Klägerin bestritt. Beim letzten, am
15. Februar 2008 geführten Gespräch überreichte die Klägerin eine schriftliche Erklärung, mit der
eine ihrer Töchter bestätigte, bei der Beklagten hin und wieder für ihre Mutter einzukaufen, dabei
auch Leergut einzulösen und „Umgang“ mit der Geldbörse ihrer Mutter „pflegen zu dürfen“.

Mit Schreiben vom 18. Februar 2008 hörte die Beklagte den Betriebsrat zu einer beabsichtigten
außerordentlichen, hilfsweise ordentlichen Kündigung, gestützt auf den Verdacht der Einlösung der
Bons, an. Der Betriebsrat äußerte Bedenken gegen die fristlose Kündigung, einer ordentlichen
Kündigung widersprach er und verwies auf die Möglichkeit einer gegen die Klägerin gerichteten
Intrige.

Mit Schreiben vom 22. Februar 2008 kündigte die Beklagte das Arbeitsverhältnis außerordentlich
fristlos, hilfsweise fristgemäß zum 30. September 2008.

10

Die Klägerin hat Kündigungsschutzklage erhoben. Sie hat behauptet, sie habe jedenfalls nicht
bewusst Leergutbons eingelöst, die ihr nicht gehörten. Sollte es sich bei den registrierten Bons
tatsächlich um die im Kassenbüro abgelegten Bons gehandelt haben, müsse auch die Möglichkeit
eines Austauschs der Bons während des Kassiervorgangs in Betracht gezogen werden. Denkbares
Motiv hierfür sei ihre Streikteilnahme, die ohnehin der wahre Grund für die Kündigung sei. Anders sei
nicht zu erklären, weshalb ihre Kollegin und die Vorgesetzte sie - unstreitig - nicht bereits beim
Kassieren oder unmittelbar anschließend auf die fehlende Abzeichnung der überreichten
Leergutbons angesprochen hätten. Angesichts der streikbedingt aufgetretenen Spannungen unter
den Filialmitarbeitern sei es lebensfremd anzunehmen, sie habe ausgerechnet bei einer Kollegin, mit
der sie im Streit gestanden habe, und in Anwesenheit ihrer Vorgesetzten die im Kassenbüro
verwahrten, nicht abgezeichneten Bons eingelöst. Die Klägerin hat die Auffassung vertreten, eine
Verdachtskündigung sei wegen der in Art. 6 Abs. 2 EMRK verankerten Unschuldsvermutung ohnehin
unzulässig. Das gelte in besonderem Maße, wenn sich der Verdacht auf die Entwendung einer nur
geringwertigen Sache beziehe. Selbst bei nachgewiesener Tat sei in einem solchen Fall ein wichtiger
Grund iSd. § 626 Abs. 1 BGB nicht gegeben. Zumindest sei in ihrem Fall die Kündigung in Anbetracht
der Einmaligkeit des Vorfalls und ihrer langen Betriebszugehörigkeit unangemessen, zumal der
Beklagten kein Schaden entstanden sei.

11

Die Klägerin hat beantragt

1.

festzustellen, dass das Arbeitsverhältnis weder durch die fristlose, noch durch die ordentliche
Kündigung der Beklagten vom 22. Februar 2008 aufgelöst worden ist;

2.
die Beklagte zu verurteilen, sie entsprechend den arbeitsvertraglichen Bedingungen als Verkäuferin
mit Kassentätigkeit zu beschäftigen.

12

Die Beklagte hat beantragt, die Klage abzuweisen. Sie hat geltend gemacht, es bestehe der dringende
Verdacht, dass die Klägerin die im Kassenbüro hinterlegten Leergutbons für sich verwendet habe.
Dafür sprächen die in der Anhörung angeführten Tatsachen sowie der Umstand, dass diese Bons bei
einer unmittelbar nach dem Einkauf der Klägerin durchgeführten Suche nicht mehr auffindbar
gewesen seien. Es sei auch das mehrfach geänderte Verteidigungsvorbringen der Klägerin zu
berücksichtigen, das sich in keinem Punkt als haltbar erwiesen habe. Damit sei das Vertrauen in die
redliche Ausführung der Arbeitsaufgaben durch die Klägerin unwiederbringlich zerstört. Das
Arbeitsverhältnis sei auch nicht unbelastet verlaufen. Sie habe die Klägerin im Jahr 2005 wegen
ungebührlichen Verhaltens gegenüber einem Arbeitskollegen abgemahnt. Außerdem habe die
Klägerin, wie ihr erst nachträglich bekannt geworden sei, am 22. November 2007 bei einem privaten
Einkauf einen Sondercoupon aus einem Bonussystem eingelöst, obwohl die Einkaufssumme den
dafür erforderlichen Betrag nicht erreicht habe. Derselbe Coupon sei dreimal „über die Kasse
gezogen“ worden. Dadurch seien der Klägerin zu Unrecht Punkte im Wert von 3,00 Euro
gutgeschrieben worden. Deren Behauptung, ihre Vorgesetzte habe sie zu einer derartigen
Manipulation - vergeblich - verleiten wollen, sei nicht plausibel; die Vorgesetzte habe an dem
betreffenden Tag - wie zuletzt unstreitig - nicht gearbeitet.

13

Das Arbeitsgericht hat die Klage abgewiesen. Das Landesarbeitsgericht hat die Berufung der Klägerin
zurückgewiesen. Mit ihrer durch das Bundesarbeitsgericht zugelassenen Revision verfolgt die
Klägerin ihr Klagebegehren weiter.

Entscheidungsgründe

14

Die Revision ist begründet. Die Vorinstanzen haben die Klage zu Unrecht abgewiesen. Das
Arbeitsverhältnis der Parteien ist weder durch die außerordentliche noch durch die ordentliche
Kündigung vom 22. Februar 2008 aufgelöst worden. Das Urteil des Landesarbeitsgerichts war deshalb
aufzuheben (§ 562 Abs. 1 ZPO). Einer Zurückverweisung bedurfte es nicht. Die Sache war nach dem
festgestellten Sachverhältnis zur Endentscheidung reif (§ 563 Abs. 3 ZPO).

15

A. Die außerordentliche Kündigung ist unwirksam. Es fehlt an einem wichtigen Grund iSv. § 626 Abs.
1 BGB.

16

I. Gemäß § 626 Abs. 1 BGB kann das Arbeitsverhältnis aus wichtigem Grund ohne Einhaltung einer
Kündigungsfrist gekündigt werden, wenn Tatsachen vorliegen, aufgrund derer dem Kündigenden
unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung der Interessen beider
Vertragsteile die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses bis zum Ablauf der Kündigungsfrist nicht
zugemutet werden kann. Das Gesetz kennt folglich keine „absoluten“ Kündigungsgründe. Vielmehr
ist jeder Einzelfall gesondert zu beurteilen. Dafür ist zunächst zu prüfen, ob der Sachverhalt ohne
seine besonderen Umstände „an sich“, dh. typischerweise als wichtiger Grund geeignet ist. Alsdann
bedarf es der weiteren Prüfung, ob dem Kündigenden die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses unter
Berücksichtigung der konkreten Umstände des Falls und unter Abwägung der Interessen beider
Vertragsteile - jedenfalls bis zum Ablauf der Kündigungsfrist - zumutbar ist oder nicht (st. Rspr., Senat
26. März 2009 - 2 AZR 953/07 - Rn. 21 mwN, AP BGB § 626 Nr. 220; 27. April 2006 - 2 AZR 386/05 -
Rn. 19, BAGE 118, 104).

17

II. Die Prüfung der Voraussetzungen des wichtigen Grundes ist in erster Linie Sache der
Tatsacheninstanzen. Dennoch geht es um Rechtsanwendung, nicht um Tatsachenfeststellung. Die
Würdigung des Berufungsgerichts wird in der Revisionsinstanz darauf hin überprüft, ob es den
anzuwendenden Rechtsbegriff in seiner allgemeinen Bedeutung verkannt hat, ob es bei der
Unterordnung des Sachverhalts unter die Rechtsnormen Denkgesetze oder allgemeine
Erfahrungssätze verletzt und ob es alle vernünftigerweise in Betracht zu ziehenden Umstände
widerspruchsfrei berücksichtigt hat (st. Rspr., Senat 27. November 2008 - 2 AZR 193/07 - Rn. 22, AP
BGB § 626 Nr. 219; 6. September 2007 - 2 AZR 722/06 - Rn. 40, BAGE 124, 59).

18

III. Auch unter Beachtung eines in diesem Sinne eingeschränkten Maßstabs hält die Würdigung des
Landesarbeitsgerichts einer revisionsrechtlichen Prüfung nicht stand. Zwar liegt nach dem
festgestellten Sachverhalt „an sich“ ein wichtiger Grund zur Kündigung vor. Das Landesarbeitsgericht
hat jedoch bei der vorzunehmenden Einzelfallprüfung und Interessenabwägung nicht alle
wesentlichen Gesichtspunkte einbezogen und zutreffend abgewogen.

19

1. Entgegen der Auffassung der Revision ist die Entscheidung des Landesarbeitsgerichts nicht deshalb
zu beanstanden, weil dieses seiner rechtlichen Würdigung die fragliche Pflichtverletzung im Sinne
einer erwiesenen Tat und nicht nur - wie die Beklagte selbst - einen entsprechenden Verdacht
zugrunde gelegt hat.

20

a) Das Landesarbeitsgericht ist vom Fund zweier Leergutbons am 12. Januar 2008 und deren
Aushändigung an die Klägerin durch den Marktleiter ausgegangen. Nach Beweisaufnahme hat es
zudem für wahr erachtet, dass die Klägerin die beiden zunächst im Kassenbüro abgelegten Bons im
Wert von 0,48 Euro und 0,82 Euro zu einem unbestimmten Zeitpunkt an sich nahm und am 22.
Januar 2008 bei einem Einkauf zu ihren Gunsten einlöste; dadurch ermäßigte sich die Kaufsumme für
sie um 1,30 Euro. Darin hat es ein vorsätzliches, pflichtwidriges Verhalten der Klägerin erblickt.

21

b) An die vom Landesarbeitsgericht getroffenen tatsächlichen Feststellungen ist der Senat gemäß §
559 Abs. 2 ZPO gebunden. Die Klägerin hat - auch wenn sie vorsätzliches Fehlverhalten weiterhin in
Abrede stellt - von Angriffen gegen die Beweiswürdigung des Landesarbeitsgerichts ausdrücklich
abgesehen.

22

c) Einer Würdigung des Geschehens unter der Annahme, die Klägerin habe sich nachweislich
pflichtwidrig verhalten, steht nicht entgegen, dass die Beklagte sich zur Rechtfertigung der
Kündigung nur auf einen entsprechenden Verdacht berufen und den Betriebsrat auch nur zu einer
Verdachtskündigung angehört hat.

23

aa) Das Landesarbeitsgericht hat auf diese Weise nicht etwa Vortrag berücksichtigt, den die Beklagte
nicht gehalten hätte. Der Verdacht eines pflichtwidrigen Verhaltens stellt zwar gegenüber dem
Tatvorwurf einen eigenständigen Kündigungsgrund dar (st. Rspr., Senat 23. Juni 2009 - 2 AZR 474/07
- Rn. 55 mwN, AP BGB § 626 Verdacht strafbarer Handlung Nr. 47 = EzA BGB 2002 § 626 Verdacht
strafbarer Handlung Nr. 8). Beide Gründe stehen jedoch nicht beziehungslos nebeneinander. Wird
die Kündigung mit dem Verdacht pflichtwidrigen Verhaltens begründet, steht indessen zur
Überzeugung des Gerichts die Pflichtwidrigkeit tatsächlich fest, lässt dies die materiell-rechtliche
Wirksamkeit der Kündigung unberührt. Maßgebend ist allein der objektive Sachverhalt, wie er sich
dem Gericht nach Parteivorbringen und ggf. Beweisaufnahme darstellt. Ergibt sich daraus nach
tatrichterlicher Würdigung das Vorliegen einer Pflichtwidrigkeit, ist das Gericht nicht gehindert, dies
seiner Entscheidung zugrunde zu legen. Es ist nicht erforderlich, dass der Arbeitgeber sich während
des Prozesses darauf berufen hat, er stütze die Kündigung auch auf die erwiesene Tat (Senat 23. Juni
2009 - 2 AZR 474/07 - aaO mwN).

24

bb) Der Umstand, dass der Betriebsrat ausschließlich zu einer beabsichtigten Verdachtskündigung
gehört wurde, steht dem nicht entgegen. Die gerichtliche Berücksichtigung des Geschehens als
erwiesene Tat setzt voraus, dass dem Betriebsrat - ggf. im Rahmen zulässigen „Nachschiebens“ -
diejenigen Umstände mitgeteilt worden sind, welche nicht nur den Tatverdacht, sondern zur
Überzeugung des Gerichts auch den Tatvorwurf begründen (Senat 23. Juni 2009 - 2 AZR 474/07 - Rn.
59 mwN, AP BGB § 626 Verdacht strafbarer Handlung Nr. 47 = EzA BGB 2002 § 626 Verdacht
strafbarer Handlung Nr. 8). Bei dieser Sachlage ist dem Normzweck des § 102 Abs. 1 BetrVG auch
durch eine Anhörung nur zur Verdachtskündigung genüge getan. Dem Betriebsrat wird dadurch
nichts vorenthalten. Die Mitteilung des Arbeitgebers, einem Arbeitnehmer solle schon und allein
wegen des Verdachts einer pflichtwidrigen Handlung gekündigt werden, gibt ihm sogar weit
stärkeren Anlass für ein umfassendes Tätigwerden als eine Anhörung wegen einer als erwiesen
behaupteten Tat (Senat 3. April 1986 - 2 AZR 324/85 - zu II 1 c cc der Gründe, AP BGB § 626 Verdacht
strafbarer Handlung Nr. 18 = EzA BetrVG 1972 § 102 Nr. 63; KR/Fischermeier 9. Aufl. § 626 BGB Rn.
217). Diese Voraussetzungen sind im Streitfall erfüllt. Das Landesarbeitsgericht hat seiner
Entscheidung ausschließlich solche - aus seiner Sicht bewiesene - Tatsachen zugrunde gelegt, die
Gegenstand der Betriebsratsanhörung waren.

25

2. Der vom Landesarbeitsgericht festgestellte Sachverhalt ist „an sich“ als wichtiger Grund iSv. § 626
Abs. 1 BGB geeignet. Zum Nachteil des Arbeitgebers begangene Eigentums- oder Vermögensdelikte,
aber auch nicht strafbare, ähnlich schwerwiegende Handlungen unmittelbar gegen das Vermögen
des Arbeitgebers kommen typischerweise - unabhängig vom Wert des Tatobjekts und der Höhe eines
eingetretenen Schadens - als Grund für eine außerordentliche Kündigung in Betracht.

26

a) Begeht der Arbeitnehmer bei oder im Zusammenhang mit seiner Arbeit rechtswidrige und
vorsätzliche - ggf. strafbare - Handlungen unmittelbar gegen das Vermögen seines Arbeitgebers,
verletzt er zugleich in schwerwiegender Weise seine schuldrechtliche Pflicht zur Rücksichtnahme (§
241 Abs. 2 BGB) und missbraucht das in ihn gesetzte Vertrauen. Ein solches Verhalten kann auch
dann einen wichtigen Grund iSd. § 626 Abs. 1 BGB darstellen, wenn die rechtswidrige Handlung
Sachen von nur geringem Wert betrifft oder zu einem nur geringfügigen, möglicherweise zu gar
keinem Schaden geführt hat (Senat 13. Dezember 2007 - 2 AZR 537/06 - Rn. 16, 17, AP BGB § 626 Nr.
210 = EzA BGB 2002 § 626 Nr. 20; 12. August 1999 - 2 AZR 923/98 - zu II 2 b aa der Gründe, BAGE 92,
184; 17. Mai 1984 - 2 AZR 3/83 - zu II 1 der Gründe, AP BGB § 626 Verdacht strafbarer Handlung Nr.
14 = EzA BGB § 626 nF Nr. 90).

27

b) An dieser Rechtsprechung hält der Senat fest. Die entgegenstehende Ansicht, die
Pflichtverletzungen im Vermögensbereich bei Geringfügigkeit bereits aus dem Anwendungsbereich
des § 626 Abs. 1 BGB herausnehmen will (so LAG Köln 30. September 1999 - 5 Sa 872/99 - zu 2 der
Gründe, NZA-RR 2001, 83; LAG Hamburg 8. Juli 1998 - 4 Sa 38/97 - zu II 3 a aa der Gründe, NZA-RR
1999, 469; ArbG Reutlingen 4. Juni 1996 - 1 Ca 73/96 - RzK I 6 d Nr. 12; Däubler Das Arbeitsrecht 2 12.
Aufl. Rn. 1128; eingeschränkt Gerhards BB 1996, 794, 796), überzeugt nicht. Ein Arbeitnehmer, der
die Integrität von Eigentum und Vermögen seines Arbeitgebers vorsätzlich und rechtswidrig verletzt,
zeigt ein Verhalten, das geeignet ist, die Zumutbarkeit seiner Weiterbeschäftigung in Frage zu stellen.
Die durch ein solches Verhalten ausgelöste „Erschütterung“ der für die Vertragsbeziehung
notwendigen Vertrauensgrundlage tritt unabhängig davon ein, welche konkreten wirtschaftlichen
Schäden mit ihm verbunden sind. Aus diesem Grund ist die Festlegung einer nach dem Wert
bestimmten Relevanzschwelle mit dem offen gestalteten Tatbestand des § 626 Abs. 1 BGB nicht zu
vereinbaren. Sie würfe im Übrigen mannigfache Folgeprobleme auf - etwa das einer exakten
Wertberechnung, das der Folgen mehrfacher, für sich betrachtet „irrelevanter“ Verstöße sowie das
der Behandlung nur marginaler Grenzüberschreitungen - und vermöchte schon deshalb einem
angemessenen Interessenausgleich schwerlich zu dienen.

28

c) Mit seiner Auffassung setzt sich der Senat nicht in Widerspruch zu der in § 248a StGB getroffenen
Wertung. Nach dieser Bestimmung werden Diebstahl und Unterschlagung geringwertiger Sachen nur
auf Antrag oder bei besonderem öffentlichem Interesse verfolgt. Der Vorschrift liegt eine
Einschätzung des Gesetzgebers darüber zugrunde, ab welcher Grenze staatliche Sanktionen für
Rechtsverstöße in diesem Bereich zwingend geboten sind. Ein solcher Ansatz ist dem Schuldrecht
fremd. Hier geht es um störungsfreien Leistungsaustausch. Die Berechtigung einer
verhaltensbedingten Kündigung ist nicht daran zu messen, ob diese - vergleichbar einer staatlichen
Maßnahme - als Sanktion für den fraglichen Vertragsverstoß angemessen ist. Statt des Sanktions- gilt
das Prognoseprinzip. Eine verhaltensbedingte Kündigung ist gerechtfertigt, wenn eine störungsfreie
Vertragserfüllung in Zukunft nicht mehr zu erwarten steht, künftigen Pflichtverstößen demnach nur
durch die Beendigung der Vertragsbeziehung begegnet werden kann (st. Rspr., Senat 26. November
2009 - 2 AZR 751/08 - Rn. 10, AP KSchG 1969 § 1 Verhaltensbedingte Kündigung Nr. 61 = EzA BGB
2002 § 611 Abmahnung Nr. 5; 23. Juni 2009 - 2 AZR 103/08 - Rn. 32, AP KSchG 1969 § 1
Verhaltensbedingte Kündigung Nr. 59 = EzTöD 100 TVöD-AT § 34 Abs. 2 Verhaltensbedingte
Kündigung Nr. 17).

29

d) Ebenso wenig besteht ein Wertungswiderspruch zwischen der Auffassung des Senats und der
Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts. Dieses erkennt zwar bei der disziplinarrechtlichen
Beurteilung vergleichbarer Dienstvergehen eines Beamten die Geringwertigkeit der betroffenen
Vermögensobjekte als Milderungsgrund an (BVerwG 13. Februar 2008 - 2 WD 9/07 - DÖV 2008, 1056;
24. November 1992 - 1 D 66/91 - zu 3 der Gründe, BVerwGE 93, 314; bei kassenverwaltender
Tätigkeit: BVerwG 11. November 2003 - 1 D 5/03 - zu 4 b der Gründe). Dies geschieht jedoch vor dem
Hintergrund einer abgestuften Reihe von disziplinarischen Reaktionsmöglichkeiten des Dienstherrn.
Diese reichen von der Anordnung einer Geldbuße (§ 7 BDG) über die Kürzung von Dienstbezügen (§ 8
BDG) und die Zurückstufung (§ 9 BDG) bis zur Entfernung aus dem Dienst (§ 13 Abs. 2 BDG). Eine
solche Reaktionsbreite kennt das Arbeitsrecht nicht. Der Arbeitgeber könnte auf die „Entfernung aus
dem Dienst“ nicht zugunsten einer Kürzung der Vergütung verzichten. Wertungen, wie sie für das in
der Regel auf Lebenszeit angelegte, durch besondere Treue- und Fürsorgepflichten geprägte
Dienstverhältnis der Beamten und Soldaten getroffen werden, lassen sich deshalb auf eine
privatrechtliche Leistungsbeziehung regelmäßig nicht übertragen (Keiser JR 2010, 55, 57 ff.; Reuter
NZA 2009, 594, 595).

30

e) Das Landesarbeitsgericht hat das Verhalten der Klägerin als „Vermögensdelikt“ zulasten der
Beklagten gewürdigt, hat aber offen gelassen, welchen straf- und/oder zivilrechtlichen
Deliktstatbestand es als erfüllt ansieht. Das ist im Ergebnis unschädlich. Das Verhalten der Klägerin
kommt auch dann als wichtiger Grund iSv. § 626 Abs. 1 BGB in Betracht, wenn es - wie die Revision
im Anschluss an Äußerungen in der Literatur (Hüpers Jura 2010, 52 ff.; Schlösser HRRS 2009, 509 ff.)
meint - nicht strafbar sein sollte, jedenfalls nicht im Sinne eines Vermögensdelikts zum Nachteil der
Beklagten. Für die kündigungsrechtliche Beurteilung ist weder die strafrechtliche noch die
sachenrechtliche Bewertung maßgebend. Entscheidend ist der Verstoß gegen vertragliche Haupt-
oder Nebenpflichten und der mit ihm verbundene Vertrauensbruch (Senat 19. April 2007 - 2 AZR
78/06 - Rn. 28, AP BGB § 611 Direktionsrecht Nr. 77 = EzTöD 100 TVöD-AT § 34 Abs. 2
Verhaltensbedingte Kündigung Nr. 8; 2. März 2006 - 2 AZR 53/05 - Rn. 29, AP BGB § 626 Krankheit Nr.
14 = EzA BGB 2002 § 626 Nr. 16; 21. April 2005 - 2 AZR 255/04 - zu B II 1 der Gründe, BAGE 114, 264;
Preis AuR 2010, 242 f.). Auch eine nicht strafbare, gleichwohl erhebliche Verletzung der sich aus dem
Arbeitsverhältnis ergebenden Pflichten kann deshalb ein wichtiger Grund iSv. § 626 Abs. 1 BGB sein.
Das gilt insbesondere in Fällen, in denen die Pflichtverletzung mit einem vorsätzlichen Verstoß gegen
eine den unmittelbaren Vermögensinteressen des Arbeitgebers dienende Weisung einhergeht
(KR/Fischermeier 9. Aufl. § 626 BGB Rn. 459).

31

f) Danach liegt eine erhebliche, die Schwelle zum wichtigen Grund überschreitende Pflichtverletzung
vor. Die Klägerin hat sich mit dem Einlösen der Leergutbons gegenüber der Beklagten einen
Vermögensvorteil verschafft, der ihr nicht zustand. Ihr Verhalten wiegt umso schwerer, als sie eine
konkrete Anordnung des Marktleiters zum Umgang mit den Bons missachtet hat. Es kommt nicht
darauf an, ob sie damit schon gegen ihre Hauptleistungspflichten als Kassiererin oder gegen ihre
Pflicht zur Rücksichtnahme aus § 241 Abs. 2 BGB verstoßen hat. In jedem Fall gehört die Pflicht zur
einschränkungslosen Wahrung der Vermögensinteressen der Beklagten zum Kernbereich ihrer
Arbeitsaufgaben. Die Schwere der Pflichtverletzung hängt von einer exakten Zuordnung nicht ab. Die
Vorgabe des Marktleiters, die Bons nach einer gewissen Zeit als „Fehlbons“ zu verbuchen, sollte
sicherstellen, dass die Beklagte insoweit nicht mehr in Anspruch genommen würde. Ob damit den
Interessen der Kunden ausreichend Rechnung getragen wurde, ist im Verhältnis der Parteien ohne
Bedeutung. Die Klägerin jedenfalls durfte die Bons nicht zum eigenen Vorteil einlösen.

32

3. Die fristlose Kündigung ist bei Beachtung aller Umstände des vorliegenden Falls und nach
Abwägung der widerstreitenden Interessen gleichwohl nicht gerechtfertigt. Als Reaktion der
Beklagten auf das Fehlverhalten der Klägerin hätte eine Abmahnung ausgereicht. Dies vermag der
Senat selbst zu entscheiden.
33

a) Dem Berufungsgericht kommt bei der im Rahmen von § 626 Abs. 1 BGB vorzunehmenden
Interessenabwägung zwar ein Beurteilungsspielraum zu (Senat 11. Dezember 2003 - 2 AZR 36/03 - zu
II 1 f der Gründe, AP BGB § 626 Nr. 179 = EzA BGB 2002 § 626 Nr. 5). Eine eigene Abwägung durch
das Revisionsgericht ist aber möglich, wenn die des Berufungsgerichts fehlerhaft oder unvollständig
ist und sämtliche relevanten Tatsachen feststehen (Senat 23. Juni 2009 - 2 AZR 103/08 - Rn. 36, AP
KSchG 1969 § 1 Verhaltensbedingte Kündigung Nr. 59 = EzTöD 100 TVöD-AT § 34 Abs. 2
Verhaltensbedingte Kündigung Nr. 17; 12. Januar 2006 - 2 AZR 179/05 - Rn. 61, AP KSchG 1969 § 1
Verhaltensbedingte Kündigung Nr. 54 = EzA KSchG § 1 Verhaltensbedingte Kündigung Nr. 68). Ein
solcher Fall liegt hier vor.

34

b) Bei der Prüfung, ob dem Arbeitgeber eine Weiterbeschäftigung des Arbeitnehmers trotz
Vorliegens einer erheblichen Pflichtverletzung jedenfalls bis zum Ablauf der Kündigungsfrist
zumutbar ist, ist in einer Gesamtwürdigung das Interesse des Arbeitgebers an der sofortigen
Beendigung des Arbeitsverhältnisses gegen das Interesse des Arbeitnehmers an dessen Fortbestand
abzuwägen. Es hat eine Bewertung des Einzelfalls unter Beachtung des
Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes zu erfolgen. Die Umstände, anhand derer zu beurteilen ist, ob dem
Arbeitgeber die Weiterbeschäftigung zumutbar ist oder nicht, lassen sich nicht abschließend
festlegen. Zu berücksichtigen sind aber regelmäßig das Gewicht und die Auswirkungen einer
Vertragspflichtverletzung - etwa im Hinblick auf das Maß eines durch sie bewirkten
Vertrauensverlusts und ihre wirtschaftlichen Folgen -, der Grad des Verschuldens des Arbeitnehmers,
eine mögliche Wiederholungsgefahr sowie die Dauer des Arbeitsverhältnisses und dessen
störungsfreier Verlauf (Senat 28. Januar 2010 - 2 AZR 1008/08 - Rn. 26 mwN, DB 2010, 1709; 10.
November 2005 - 2 AZR 623/04 - Rn. 38 mwN, AP BGB § 626 Nr. 196 = EzA BGB 2002 § 626 Nr. 11).
Eine außerordentliche Kündigung kommt nur in Betracht, wenn es keinen angemessenen Weg gibt,
das Arbeitsverhältnis fortzusetzen, weil dem Arbeitgeber sämtliche milderen Reaktionsmöglichkeiten
unzumutbar sind (st. Rspr., Senat 19. April 2007 - 2 AZR 180/06 - Rn. 45, AP BGB § 174 Nr. 20 = EzTöD
100 TVöD-AT § 34 Abs. 2 Verhaltensbedingte Kündigung Nr. 7). Als mildere Reaktionen sind
insbesondere Abmahnung und ordentliche Kündigung anzusehen. Sie sind dann alternative
Gestaltungsmittel, wenn schon sie geeignet sind, den mit der außerordentlichen Kündigung
verfolgten Zweck - die Vermeidung des Risikos künftiger Störungen - zu erreichen (KR/Fischermeier 9.
Aufl. § 626 BGB Rn. 251 mwN).

35

c) Die Notwendigkeit der Prüfung, ob eine fristgerechte Kündigung als Reaktion ausgereicht hätte,
folgt schon aus dem Wortlaut des § 626 Abs. 1 BGB. Das Erfordernis weitergehend zu prüfen, ob
nicht schon eine Abmahnung ausreichend gewesen wäre, folgt aus dem
Verhältnismäßigkeitsgrundsatz (die Kündigung als „ultima ratio“) und trägt zugleich dem
Prognoseprinzip bei der verhaltensbedingten Kündigung Rechnung (Senat 19. April 2007 - 2 AZR
180/06 - Rn. 47 f., AP BGB § 174 Nr. 20 = EzTöD 100 TVöD-AT § 34 Abs. 2 Verhaltensbedingte
Kündigung Nr. 7; 12. Januar 2006 - 2 AZR 179/05 - Rn. 55 mwN, AP KSchG 1969 § 1
Verhaltensbedingte Kündigung Nr. 54 = EzA KSchG § 1 Verhaltensbedingte Kündigung Nr. 68). Das
Erfordernis gilt auch bei Störungen im Vertrauensbereich. Es ist nicht stets und von vorneherein
ausgeschlossen, verlorenes Vertrauen durch künftige Vertragstreue zurückzugewinnen (Senat 4. Juni
1997 - 2 AZR 526/96 - zu II 1 b der Gründe, BAGE 86, 95).

36
aa) Beruht die Vertragspflichtverletzung auf steuerbarem Verhalten des Arbeitnehmers, ist
grundsätzlich davon auszugehen, dass sein künftiges Verhalten schon durch die Androhung von
Folgen für den Bestand des Arbeitsverhältnisses positiv beeinflusst werden kann (Schlachter NZA
2005, 433, 436). Die ordentliche wie die außerordentliche Kündigung wegen einer
Vertragspflichtverletzung setzen deshalb regelmäßig eine Abmahnung voraus. Sie dient der
Objektivierung der negativen Prognose (Senat 23. Juni 2009 - 2 AZR 283/08 - Rn. 14 mwN, AP KSchG
1969 § 1 Abmahnung Nr. 5 = EzA KSchG § 1 Verhaltensbedingte Kündigung Nr. 75; Staudinger/Preis
<2002> § 626 BGB Rn. 109). Ist der Arbeitnehmer ordnungsgemäß abgemahnt worden und verletzt
er dennoch seine arbeitsvertraglichen Pflichten erneut, kann regelmäßig davon ausgegangen
werden, es werde auch zukünftig zu weiteren Vertragsstörungen kommen (Senat 13. Dezember 2007
- 2 AZR 818/06 - Rn. 38, AP KSchG 1969 § 4 Nr. 64 = EzA KSchG § 4 nF Nr. 82).

37

bb) Nach dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz ist eine Kündigung nicht gerechtfertigt, wenn es
mildere Mittel gibt, eine Vertragsstörung zukünftig zu beseitigen. Dieser Aspekt hat durch die
Regelung des § 314 Abs. 2 BGB iVm. § 323 Abs. 2 BGB eine gesetzgeberische Bestätigung erfahren
(Senat 12. Januar 2006 - 2 AZR 179/05 - Rn. 56 mwN, AP KSchG 1969 § 1 Verhaltensbedingte
Kündigung Nr. 54 = EzA KSchG § 1 Verhaltensbedingte Kündigung Nr. 68). Einer Abmahnung bedarf
es in Ansehung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes deshalb nur dann nicht, wenn eine
Verhaltensänderung in Zukunft selbst nach Abmahnung nicht zu erwarten steht oder es sich um eine
so schwere Pflichtverletzung handelt, dass eine Hinnahme durch den Arbeitgeber offensichtlich -
auch für den Arbeitnehmer erkennbar - ausgeschlossen ist (vgl. Senat 23. Juni 2009 - 2 AZR 103/08 -
Rn. 33, AP KSchG 1969 § 1 Verhaltensbedingte Kündigung Nr. 59 = EzTöD 100 TVöD-AT § 34 Abs. 2
Verhaltensbedingte Kündigung Nr. 17; 19. April 2007 - 2 AZR 180/06 - Rn. 48 mwN, AP BGB § 174 Nr.
20 = EzTöD 100 TVöD-AT § 34 Abs. 2 Verhaltensbedingte Kündigung Nr. 7).

38

cc) Diese Grundsätze gelten uneingeschränkt selbst bei Störungen des Vertrauensbereichs durch
Straftaten gegen Vermögen oder Eigentum des Arbeitgebers (Senat 23. Juni 2009 - 2 AZR 103/08 -
Rn. 33, AP KSchG 1969 § 1 Verhaltensbedingte Kündigung Nr. 59 = EzTöD 100 TVöD-AT § 34 Abs. 2
Verhaltensbedingte Kündigung Nr. 17; 27. April 2006 - 2 AZR 415/05 - Rn. 19, AP BGB § 626 Nr. 203 =
EzA BGB 2002 § 626 Nr. 17). Auch in diesem Bereich gibt es keine „absoluten“ Kündigungsgründe.
Stets ist konkret zu prüfen, ob nicht objektiv die Prognose berechtigt ist, der Arbeitnehmer werde
sich jedenfalls nach einer Abmahnung künftig wieder vertragstreu verhalten (vgl. auch Erman/Belling
BGB 12. Aufl. § 626 Rn. 62; KR/Fischermeier 9. Aufl. § 626 BGB Rn. 264; Preis AuR 2010, 242, 244;
Reichel AuR 2004, 252; Schlachter NZA 2005, 433, 437).

39

d) Danach war eine Abmahnung hier nicht entbehrlich.

40

aa) Das Landesarbeitsgericht geht zunächst zutreffend davon aus, dass es einer Abmahnung nicht
deshalb bedurfte, um bei der Klägerin die mögliche Annahme zu beseitigen, die Beklagte könnte mit
der eigennützigen Verwendung der Bons einverstanden sein. Einer mutmaßlichen Einwilligung - die
in anderen Fällen, etwa der Verwendung wertloser, als Abfall deklarierter Gegenstände zum
Eigenverbrauch oder zur Weitergabe an Hilfsbedürftige oder dem Aufladen eines Mobiltelefons im
Stromnetz des Arbeitgebers, naheliegend sein mag - stand im Streitfall die Weisung des Filialleiters
entgegen, die keine Zweifel über den von der Beklagten gewünschten Umgang mit den Bons
aufkommen ließ. Auf mögliche Unklarheiten in den allgemeinen Anweisungen der Beklagten zur
Behandlung von Fundsachen und Fundgeld kommt es deshalb nicht an.

41

bb) Mit Recht hat das Landesarbeitsgericht zudem angenommen, das Verhalten der Klägerin stelle
eine objektiv schwerwiegende, das Vertrauensverhältnis der Parteien erheblich belastende
Pflichtverletzung dar.

42

(1) Mit der eigennützigen Verwendung der Leergutbons hat sich die Klägerin bewusst gegen die
Anordnung des Filialleiters gestellt. Schon dies ist geeignet, das Vertrauen der Beklagten in die
zuverlässige Erfüllung der ihr übertragenen Aufgaben als Kassiererin zu erschüttern. Erschwerend
kommt hinzu, dass die Bons gerade ihr zur Verwahrung und ggf. Buchung als „Fehlbons“ übergeben
worden waren. Das Fehlverhalten der Klägerin berührt damit den Kernbereich ihrer Arbeitsaufgaben.
Sie war als Verkäuferin mit Kassentätigkeit beschäftigt. Als solche hat sie den weisungsgemäßen
Umgang mit Leergutbons gleichermaßen sicher zu stellen wie den mit ihr anvertrautem Geld. Die
Beklagte muss sich auf die Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit einer mit Kassentätigkeiten betrauten
Arbeitnehmerin in besonderem Maße verlassen dürfen. Sie muss davon ausgehen können, dass ihre
Weisungen zum Umgang mit Sach- und Vermögenswerten unabhängig von deren Wert und den
jeweiligen Eigentumsverhältnissen korrekt eingehalten werden. Als Einzelhandelsunternehmen ist
die Beklagte besonders anfällig dafür, in der Summe hohe Einbußen durch eine Vielzahl für sich
genommen geringfügiger Schädigungen zu erleiden. Verstößt eine Arbeitnehmerin, deren originäre
Aufgabe es ist, Einnahmen zu sichern und zu verbuchen, vorsätzlich und zur persönlichen
Bereicherung gegen eine Pflicht, die gerade dem Schutz des Eigentums und Vermögens des
Arbeitgebers oder eines Kunden dient, liegt darin regelmäßig ein erheblicher, das Vertrauen in ihre
Redlichkeit beeinträchtigender Vertragsverstoß.

43

(2) Der Einwand der Klägerin, ein Vertrauen auf Seiten der Beklagten bestehe ohnehin nicht, wie die
in den Märkten praktizierte Videoüberwachung zeige, geht fehl. Jeder Arbeitnehmer hat die Pflicht,
sich so zu verhalten, dass es um seinetwillen einer Kontrolle nicht bedürfte. Erweist sich ein zunächst
unspezifisches, nicht auf konkrete Personen bezogenes, generelles „Misstrauen“ des Arbeitgebers
schließlich im Hinblick auf einen bestimmten Mitarbeiter als berechtigt, wird erst und nur dadurch
das Vertrauen in dessen Redlichkeit tatsächlich erschüttert.

44

cc) Auch wenn deshalb das Verhalten der Klägerin das Vertrauensverhältnis zur Beklagten erheblich
belastet hat, so hat das Landesarbeitsgericht doch den für die Klägerin sprechenden Besonderheiten
nicht hinreichend Rechnung getragen.

45

(1) Das Landesarbeitsgericht hat angenommen, die Klägerin habe nicht damit rechnen können, die
Beklagte werde ihr Verhalten auch nur einmalig hinnehmen, ohne eine Kündigung auszusprechen.
Die Klägerin habe ihre Pflichten als Kassiererin „auf das Schwerste“ verletzt. Mit dieser Würdigung ist
es den Besonderheiten des Streitfalls nicht ausreichend gerecht geworden. Die Klägerin hat an der
Kasse in unmittelbarer Anwesenheit ihrer Vorgesetzten bei einer nicht befreundeten Kollegin
unabgezeichnete Leergutbons eingelöst. Dass sie mangels Abzeichnung nach den betrieblichen
Regelungen keinen Anspruch auf eine Gutschrift hatte, war für die Kassenmitarbeiterin und die
Vorgesetzte offenkundig und nicht zu übersehen. Das wusste auch die Klägerin, die deshalb aus ihrer
Sicht unweigerlich würde Aufmerksamkeit erregen und Nachfragen auslösen müssen. Das zeigt, dass
sie ihr Verhalten - fälschlich - als notfalls tolerabel oder jedenfalls korrigierbar eingeschätzt haben
mag und sich eines gravierenden Unrechts offenbar nicht bewusst war. Für den Grad des
Verschuldens und die Möglichkeit einer Wiederherstellung des Vertrauens macht es objektiv einen
Unterschied, ob es sich bei einer Pflichtverletzung um ein Verhalten handelt, das insgesamt - wie
etwa der vermeintlich unbeobachtete Griff in die Kasse - auf Heimlichkeit angelegt ist oder nicht.

46

(2) Das Landesarbeitsgericht hat die Einmaligkeit der Pflichtverletzung und die als beanstandungsfrei
unterstellte Betriebszugehörigkeit der Klägerin von gut drei Jahrzehnten zwar erwähnt, ihnen aber
kein ausreichendes Gewicht beigemessen.

47

(a) Für die Zumutbarkeit der Weiterbeschäftigung kann es von erheblicher Bedeutung sein, ob der
Arbeitnehmer bereits geraume Zeit in einer Vertrauensstellung beschäftigt war, ohne vergleichbare
Pflichtverletzungen begangen zu haben. Das gilt auch bei Pflichtverstößen im unmittelbaren
Vermögensbereich (Senat 13. Dezember 1984 - 2 AZR 454/83 - zu III 3 a der Gründe, AP BGB § 626
Nr. 81 = EzA BGB § 626 nF Nr. 94). Eine für lange Jahre ungestörte Vertrauensbeziehung zweier
Vertragspartner wird nicht notwendig schon durch eine erstmalige Vertrauensenttäuschung
vollständig und unwiederbringlich zerstört. Je länger eine Vertragsbeziehung ungestört bestanden
hat, desto eher kann die Prognose berechtigt sein, dass der dadurch erarbeitete Vorrat an Vertrauen
durch einen erstmaligen Vorfall nicht vollständig aufgezehrt wird. Dabei kommt es nicht auf die
subjektive Befindlichkeit und Einschätzung des Arbeitgebers oder bestimmter für ihn handelnder
Personen an. Entscheidend ist ein objektiver Maßstab. Maßgeblich ist nicht, ob der Arbeitgeber
hinreichendes Vertrauen in den Arbeitnehmer tatsächlich noch hat. Maßgeblich ist, ob er es aus der
Sicht eines objektiven Betrachters haben müsste. Im Arbeitsverhältnis geht es nicht um ein
umfassendes wechselseitiges Vertrauen in die moralischen Qualitäten der je anderen Vertragspartei.
Es geht allein um die von einem objektiven Standpunkt aus zu beantwortende Frage, ob mit einer
korrekten Erfüllung der Vertragspflichten zu rechnen ist.

48

(b) Die Klägerin hat durch eine beanstandungsfreie Tätigkeit als Verkäuferin und Kassiererin über
dreißig Jahre hinweg Loyalität zur Beklagten gezeigt.

49

(aa) Der Senat hatte davon auszugehen, dass diese Zeit ohne rechtlich relevante Beanstandungen
verlaufen ist. Gegenstand einer der Klägerin erteilten Abmahnung war eine vor Kunden abgegebene,
abfällige Äußerung gegenüber einem Arbeitskollegen. Dieses Verhalten steht mit dem
Kündigungsvorwurf in keinerlei Zusammenhang; im Übrigen wurde die Abmahnung ein Jahr später
aus der Personalakte entfernt. Schon aus tatsächlichen Gründen unbeachtlich ist das Geschehen im
Zusammenhang mit der Einlösung eines Sondercoupons im November 2007. Die Klägerin hat im
Einzelnen und plausibel dargelegt, weshalb ihr dabei im Ergebnis keine Bonuspunkte zugeschrieben
worden seien, die ihr nicht zugestanden hätten. Dem ist die Beklagte nicht hinreichend substantiiert
entgegengetreten.

50
(bb) Das in dieser Beschäftigungszeit von der Klägerin erworbene Maß an Vertrauen in die
Korrektheit ihrer Aufgabenerfüllung und in die Achtung der Vermögensinteressen der Beklagten
schlägt hoch zu Buche. Angesichts des Umstands, dass nach zehn Tagen Wartezeit mit einer
Nachfrage der in Wahrheit berechtigten Kunden nach dem Verbleib von Leergutbons über Cent-
Beträge aller Erfahrung nach nicht mehr zu rechnen war, und der wirtschaftlichen Geringfügigkeit
eines der Beklagten entstandenen Nachteils ist es höher zu bewerten als deren Wunsch, nur eine
solche Mitarbeiterin weiterzubeschäftigen, die in jeder Hinsicht und ausnahmslos ohne Fehl und
Tadel ist. Dieser als solcher berechtigte Wunsch macht der Beklagten die Weiterbeschäftigung der
Klägerin trotz ihres Pflichtenverstoßes mit Blick auf die bisherige Zusammenarbeit nicht unzumutbar.
Objektiv ist das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Klägerin nicht derart erschüttert, dass dessen
vollständige Wiederherstellung und ein künftig erneut störungsfreies Miteinander der Parteien nicht
in Frage käme.

51

(3) Das prozessuale Verteidigungsvorbringen der Klägerin steht dieser Würdigung nicht entgegen.

52

(a) Die Wirksamkeit einer Kündigung ist grundsätzlich nach den objektiven Verhältnissen im
Zeitpunkt ihres Zugangs zu beurteilen. Dieser Zeitpunkt ist im Rahmen von § 626 Abs. 1 BGB sowohl
für die Prüfung des Kündigungsgrundes als auch für die Interessenabwägung maßgebend. Umstände,
die erst danach entstanden sind, können die bereits erklärte Kündigung nicht rechtfertigen. Sie
können allenfalls als Grundlage für eine weitere Kündigung oder einen Auflösungsantrag nach §§ 9,
10 KSchG dienen (Senat 28. Oktober 1971 - 2 AZR 15/71 - zu II 2 d der Gründe, AP BGB § 626 Nr. 62 =
EzA BGB § 626 nF Nr. 9; 15. Dezember 1955 - 2 AZR 228/54 - zu III der Gründe, BAGE 2, 245).

53

(b) Nachträglich eingetretene Umstände können nach der Rechtsprechung des Senats für die
gerichtliche Beurteilung allerdings insoweit von Bedeutung sein, wie sie die Vorgänge, die zur
Kündigung geführt haben, in einem neuen Licht erscheinen lassen (Senat 13. Oktober 1977 - 2 AZR
387/76 - zu III 3 d der Gründe, AP KSchG 1969 § 1 Verhaltensbedingte Kündigung Nr. 1 = EzA BetrVG
1972 § 74 Nr. 3; 28. Oktober 1971 - 2 AZR 15/71 - zu II 2 d der Gründe, AP BGB § 626 Nr. 62 = EzA
BGB § 626 nF Nr. 9; 15. Dezember 1955 - 2 AZR 228/54 - zu III der Gründe, BAGE 2, 245). Dazu
müssen zwischen den neuen Vorgängen und den alten Gründen so enge innere Beziehungen
bestehen, dass jene nicht außer Acht gelassen werden können, ohne dass ein einheitlicher
Lebensvorgang zerrissen würde (Senat 15. Dezember 1955 - 2 AZR 228/54 - aaO; ErfK/Müller-Glöge
10. Aufl. § 626 Rn. 54; KR/Fischermeier 9. Aufl. § 626 BGB Rn. 177; SPV/Preis 10. Aufl. Rn. 551; vgl.
auch Walker NZA 2009, 921, 922). Es darf aber nicht etwa eine ursprünglich unbegründete Kündigung
durch die Berücksichtigung späteren Verhaltens rückwirkend zu einer begründeten werden (Senat
15. Dezember 1955 - 2 AZR 228/54 - aaO). Außerdem ist genau zu prüfen, welche konkreten
Rückschlüsse auf den Kündigungsgrund späteres Verhalten wirklich erlaubt. Im Hinblick auf
prozessuales Vorbringen (vgl. Senatsentscheidungen vom 24. November 2005 - 2 AZR 39/05 - AP BGB
§ 626 Nr. 197 = EzA BGB 2002 § 626 Nr. 12 und 3. Juli 2003 - 2 AZR 437/02 - AP BGB § 626 Verdacht
strafbarer Handlung Nr. 38 = EzA KSchG § 1 Verdachtskündigung Nr. 2) gilt nichts anderes.

54

(c) Danach kommt dem Prozessverhalten der Klägerin keine ihre Pflichtverletzung verstärkende
Bedeutung zu. Es ist nicht geeignet, den Kündigungssachverhalt als solchen zu erhellen. Der besteht
darin, dass die Klägerin unberechtigterweise ihr nicht gehörende Leergutbons zweier Kunden zum
eigenen Vorteil eingelöst hat.

55

(aa) Dieser Vorgang erscheint insbesondere im Hinblick auf eine Wiederholungsgefahr nicht dadurch
in einem anderen, für die Klägerin ungünstigeren Licht, dass diese zunächst die Identität der von ihr
eingelösten und der im Kassenbüro aufbewahrten Bons bestritten hat. Das Gleiche gilt im Hinblick
darauf, dass die Klägerin auch noch im Prozessverlauf die Möglichkeit bestimmter
Geschehensabläufe ins Spiel gebracht hat, die erklären könnten, weshalb sie - wie sie stets behauptet
hat - selbst bei Identität der Bons nicht wusste, dass sie ihr nicht gehörende Bons einlöste. Die von
der Klägerin aufgezeigten Möglichkeiten einschließlich der einer gegen sie geführten Intrige mögen
sich wegen der erforderlich gewordenen Befragungen der betroffenen Arbeitnehmer nachteilig auf
den Betriebsfrieden ausgewirkt haben. Dies war aber nicht Kündigungsgrund. Unabhängig davon
zielte das Verteidigungsvorbringen der Klägerin erkennbar nicht darauf, Dritte einer konkreten
Pflichtverletzung zu bezichtigen. Der Kündigungsgrund wird auch nicht dadurch klarer, dass die
Klägerin die Rechtsauffassung vertreten hat, erstmalige Vermögensdelikte zulasten des Arbeitgebers
könnten bei geringem wirtschaftlichem Schaden eine außerordentliche Kündigung ohne
vorausgegangene Abmahnung nicht rechtfertigen. Damit hat sie lediglich in einer rechtlich
umstrittenen Frage einen für sie günstigen Standpunkt eingenommen. Daraus kann nicht abgeleitet
werden, sie werde sich künftig bei Gelegenheit in gleicher Weise vertragswidrig verhalten.

56

(bb) Das Prozessverhalten der Klägerin mindert ebenso wenig das bei der Interessenabwägung zu
berücksichtigende Maß des verbliebenen Vertrauens. Auch für dessen Ermittlung ist auf den
Zeitpunkt des Kündigungszugangs abzustellen. Aus dieser Perspektive und im Hinblick auf den bis
dahin verwirklichten Kündigungssachverhalt ist zu fragen, ob mit der Wiederherstellung des
Vertrauens in eine künftig korrekte Vertragserfüllung gerechnet werden kann. In dieser Hinsicht ist
das Verteidigungsvorbringen der Klägerin ohne Aussagekraft. Ihr wechselnder Vortrag und
beharrliches Leugnen einer vorsätzlichen Pflichtwidrigkeit lassen keine Rückschlüsse auf ihre künftige
Zuverlässigkeit als Kassiererin zu. Das gilt gleichermaßen für mögliche, während des Prozesses
aufgestellte Behauptungen der Klägerin über eine ihr angeblich von der Kassenleiterin angetragene
Manipulation im Zusammenhang mit der Einlösung von Sondercoupons im November 2007 und
mögliche Äußerungen gegenüber Pressevertretern.

57

(cc) Anders als die Beklagte meint, wird dadurch nicht Verstößen gegen die prozessuale
Wahrheitspflicht „Tür und Tor geöffnet“. Im Fall eines bewusst wahrheitswidrigen Vorbringens
besteht die Möglichkeit, eine weitere Kündigung auszusprechen oder einen Auflösungsantrag nach
§§ 9, 10 KSchG anzubringen. Dabei kann nicht jeder unzutreffende Parteivortrag als „Lüge“
bezeichnet werden. Die Wahrnehmung eines Geschehens ist generell nicht unbeeinflusst vom
äußeren und inneren Standpunkt des Wahrnehmenden. Gleiches gilt für Erinnerung und
Wiedergabe, zumal in einem von starker Polarität geprägten Verhältnis, wie es zwischen
Prozessparteien häufig besteht. Wenn sich das Gericht nach den Regeln des Prozessrechts in §§ 138,
286 ZPO die - rechtlich bindende, aber um deswillen nicht der Gefahr des Irrtums enthobene -
Überzeugung bildet, ein bestimmter Sachverhalt habe sich so und nicht anders zugetragen, ist damit
die frühere, möglicherweise abweichende Darstellung einer Partei nicht zugleich als gezielte
Irreführung des Gerichts oder der Gegenpartei ausgewiesen. Es bedarf vielmehr besonderer
Anhaltspunkte, um einen solchen - schweren - Vorwurf zu begründen.
58

B. Die hilfsweise erklärte ordentliche Kündigung zum 30. September 2008 ist unwirksam. Auch dies
vermag der Senat selbst zu entscheiden. Die Kündigung ist sozial ungerechtfertigt. Sie ist nicht durch
Gründe im Verhalten der Klägerin iSv. § 1 Abs. 2 KSchG bedingt. Sie ist auf denselben
Lebenssachverhalt gestützt wie die außerordentliche Kündigung. Der Beklagten war es aus den
dargelegten Gründen zuzumuten, auf das mildere Mittel der Abmahnung zurückzugreifen.

59

C. Der Antrag auf Beschäftigung, der sich ersichtlich auf die Dauer des Kündigungsrechtsstreits
beschränkte, kommt wegen der Beendigung des Verfahrens nicht mehr zum Tragen.
Die Parteien streiten über die Wirksamkeit einer ordentlichen Kündigung.

Der 1966 geborene Kläger war seit 1999 beim Beklagten, Inhaber einer KFZ-Lackiererei, als KFZ-Lackierer zu einem
durchschnittlichen Bruttostundenlohn von zuletzt tarifvertraglichen XXX beschäftigt. Mit Schreiben vom 31. August
2018, zugegangen am selben Tag, kündigte der Beklagte das Arbeitsverhältnis des Klägers fristgemäß mit einer
Kündigungsfrist von einem Monat zum Monatsende zum 30. September 2018.

Der Beklagte beschäftigte insgesamt fünf Arbeitnehmer.

Am 31. August 2018 waren dies außer dem Kläger folgende vier Arbeitnehmer, die alle als Lackierer tätig waren:
- der gegenüber vier Kindern unterhaltspflichtige Arbeitnehmer E, der jünger als der Kläger und kürzer als dieser
beschäftigt ist,
- der 1967 geborene, verheiratete Arbeitnehmer S , der kürzer als der Kläger beschäftigt ist,
- der Sohn des Beklagten, der ebenfalls jünger als der Kläger und kürzer als dieser beschäftigt ist,
- ein lediger Arbeitnehmer ohne Unterhaltspflichten, der 1982 geboren und seit 2013 beschäftigt ist.
Kündigung s140 rn348

Ordentliche Kündigung

21.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


Ordentliche Kündigung
§ 620 Beendigung des Dienstverhältnisses (BGB)
(2) Ist die Dauer des Dienstverhältnisses weder bestimmt noch aus der
Beschaffenheit oder dem Zwecke der Dienste zu entnehmen, so kann
jeder Teil das Dienstverhältnis nach Maßgabe der §§ 621 bis 623
kündigen.

(3) Für Arbeitsverträge, die auf bestimmte Zeit abgeschlossen werden,


gilt das Teilzeit- und Befristungsgesetz.

21.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 2


Kündigungsfrist allgemein
§ 622 Kündigungsfristen bei Arbeitsverhältnissen (BGB)
(1) Das Arbeitsverhältnis eines Arbeiters oder eines Angestellten
(Arbeitnehmers) kann mit einer Frist von vier Wochen zum Fünfzehnten oder
zum Ende eines Kalendermonats gekündigt werden.
(2) Für eine Kündigung durch den Arbeitgeber beträgt die Kündigungsfrist,
wenn das Arbeitsverhältnis in dem Betrieb oder Unternehmen
1. ….
7. 20 Jahre bestanden hat, sieben Monate zum Ende eines Kalendermonats.

21.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 3


Kündigungsfrist Probezeit
§ 622 Kündigungsfristen bei Arbeitsverhältnissen (BGB)
(3) Während einer vereinbarten Probezeit, längstens für die Dauer von
sechs Monaten, kann das Arbeitsverhältnis mit einer Frist von zwei
Wochen gekündigt werden.

21.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 4


Tarifvertrag
§ 622 Kündigungsfristen bei Arbeitsverhältnissen (BGB)
4) Von den Absätzen 1 bis 3 abweichende Regelungen können durch
Tarifvertrag vereinbart werden. Im Geltungsbereich eines solchen
Tarifvertrags gelten die abweichenden tarifvertraglichen
Bestimmungen zwischen nicht tarifgebundenen Arbeitgebern und
Arbeitnehmern, wenn ihre Anwendung zwischen ihnen vereinbart ist.

21.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 5


Einzelvertragliche Regelung
§ 622 Kündigungsfristen bei Arbeitsverhältnissen (BGB)
(5) Einzelvertraglich kann eine kürzere als die in Absatz 1 genannte
Kündigungsfrist nur vereinbart werden,
1. wenn ein Arbeitnehmer zur vorübergehenden Aushilfe eingestellt ist;
dies gilt nicht, wenn das Arbeitsverhältnis über die Zeit von drei
Monaten hinaus fortgesetzt wird;
2. wenn der Arbeitgeber in der Regel nicht mehr als 20 Arbeitnehmer
ausschließlich der zu ihrer Berufsbildung Beschäftigten beschäftigt und
die Kündigungsfrist vier Wochen nicht unterschreitet.
Bei der Feststellung der Zahl der beschäftigten Arbeitnehmer sind teilzeitbeschäftigte Arbeitnehmer mit einer regelmäßigen wöchentlichen
Arbeitszeit von nicht mehr als 20 Stunden mit 0,5 und nicht mehr als 30 Stunden mit 0,75 zu berücksichtigen. Die einzelvertragliche
Vereinbarung längerer als der in den Absätzen 1 bis 3 genannten Kündigungsfristen bleibt hiervon unberührt.

21.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 6


Augenhöhe
§ 622 Kündigungsfristen bei Arbeitsverhältnissen (BGB)
(6) Für die Kündigung des Arbeitsverhältnisses durch den Arbeitnehmer
darf keine längere Frist vereinbart werden als für die Kündigung durch
den Arbeitgeber.

21.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 7


Rechtsform der Kündigung Je nach dem wer kündigt ist es einseitige
von einem bestehenden zum nicht bestehenden arbeitsverhältniss
Willenserklärung-zb minderjährig oder psychih krank

• Einseitige Perönliche übergabe der kündigung


empfang bestätigen, zeuge oder kopie die unterschrieben wird
einen botern - bevollmächtigt..mit verschwiegenheitserklärung
• Empfangsbedürftige mit diktiergäret soll de rboten bestätigen das er es eingeworfen hatt

• Rechtsgestaltende PZU Urkunde der post das es eingeworfen hatt.


Urkunde kann man nicht vor Gericht
am besten selbst gegenzeichnen oder mit zeuge, mit PZU oder Bote

• Willenserklärung

21.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 8


Schriftform der Kündigung
§ 623 Schriftform der Kündigung (BGB)
Die Beendigung von Arbeitsverhältnissen durch Kündigung oder
Auflösungsvertrag bedürfen zu ihrer Wirksamkeit der Schriftform; die
elektronische Form ist ausgeschlossen.

§ 126 Schriftform (BGB)


(1) Ist durch Gesetz schriftliche Form vorgeschrieben, so muss die
Urkunde von dem Aussteller eigenhändig durch Namensunterschrift
oder mittels notariell beglaubigten Handzeichens unterzeichnet
werden.

21.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 9


Folgen der Unwirksamkeit
§ 125 Nichtigkeit wegen Formmangels (BGB)
Ein Rechtsgeschäft, welches der durch Gesetz vorgeschriebenen Form
ermangelt, ist nichtig. Der Mangel der durch Rechtsgeschäft
bestimmten Form hat im Zweifel gleichfalls Nichtigkeit zur Folge.

21.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 10


s149 rn 378

Kündigungsschutz
§ 23 Geltungsbereich Kündigungsschutzgesetz (KSchG)
(1) Die Vorschriften des Ersten und Zweiten Abschnitts gelten für Betriebe
und Verwaltungen des privaten und des öffentlichen Rechts,…In Betrieben
und Verwaltungen, in denen in der Regel zehn oder weniger Arbeitnehmer
ausschließlich der zu ihrer Berufsbildung Beschäftigten beschäftigt werden,
gelten die Vorschriften des Ersten Abschnitts …..nicht für Arbeitnehmer,
deren Arbeitsverhältnis nach dem 31. Dezember 2003 begonnen hat; diese
Arbeitnehmer sind bei der Feststellung der Zahl der beschäftigten
Arbeitnehmer nach Satz 2 bis zur Beschäftigung von in der Regel zehn
Arbeitnehmern nicht zu berücksichtigen. …
Bei der Feststellung der Zahl der beschäftigten Arbeitnehmer nach den Sätzen 2 und 3 sind teilzeitbeschäftigte Arbeitnehmer mit
einer regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit von nicht mehr als 20 Stunden mit 0,5 und nicht mehr als 30 Stunden mit 0,75 zu
berücksichtigen.

21.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 11


Kündigungsschutz
§ 1 Sozial ungerechtfertigte Kündigungen (KSchG)
(1) Die Kündigung des Arbeitsverhältnisses gegenüber einem
Arbeitnehmer, dessen Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder
Unternehmen ohne Unterbrechung länger als sechs Monate bestanden
hat, ist rechtsunwirksam, wenn sie sozial ungerechtfertigt ist. …

21.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 12


s141 rnr352

Kündigungsschutzklage
§ 4 Anrufung des Arbeitsgerichts (KSchG)
Will ein Arbeitnehmer geltend machen, dass eine Kündigung sozial
ungerechtfertigt oder aus anderen Gründen rechtsunwirksam ist, so
muss er innerhalb von drei Wochen nach Zugang der schriftlichen
Kündigung Klage beim Arbeitsgericht auf Feststellung erheben, dass
das Arbeitsverhältnis durch die Kündigung nicht aufgelöst ist. …

21.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 13


Sozial ungerechtfertigt
§ 1 Sozial ungerechtfertigte Kündigungen (KSchG)
(2) Sozial ungerechtfertigt ist die Kündigung, wenn sie nicht durch Gründe, die in
der Person oder in dem Verhalten des Arbeitnehmers liegen, oder durch
dringende betriebliche Erfordernisse, die einer Weiterbeschäftigung des
Arbeitnehmers in diesem Betrieb entgegenstehen, bedingt ist. Die Kündigung ist
auch sozial ungerechtfertigt, wenn
1. in Betrieben des privaten Rechts
a) die Kündigung gegen eine Richtlinie nach § 95 des Betriebsverfassungsgesetzes
verstößt,
b) der Arbeitnehmer an einem anderen Arbeitsplatz in demselben Betrieb oder in
einem anderen Betrieb des Unternehmens weiterbeschäftigt werden kann und der
Betriebsrat … einem dieser Gründe der Kündigung … schriftlich widersprochen hat,
2. in Betrieben und Verwaltungen des öffentlichen Rechts…

21.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 14


Personenbedingte kündigung- rn 387
rn 390 Beispiele

Soziale Rechtfertigung
• Personenbedingt

• Verhaltensbedingt
s153 rn 396

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Soziale Rechtfertigung
• Betriebsbedingt

21.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 16


Verhältnismäßigkeit
§ 1 Sozial ungerechtfertigte Kündigungen (KSchG)
3) Ist einem Arbeitnehmer aus dringenden betrieblichen Erfordernissen
im Sinne des Absatzes 2 gekündigt worden, so ist die Kündigung
trotzdem sozial ungerechtfertigt, wenn der Arbeitgeber bei der
Auswahl des Arbeitnehmers die Dauer der Betriebszugehörigkeit, das
Lebensalter, die Unterhaltspflichten und die Schwerbehinderung des
Arbeitnehmers nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt hat; auf
Verlangen des Arbeitnehmers hat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer
die Gründe anzugeben, die zu der getroffenen sozialen Auswahl geführt
haben. …

21.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 17


Verhältnismäßigkeit
§ 1 Sozial ungerechtfertigte Kündigungen (KSchG)
3) …In die soziale Auswahl nach Satz 1 sind Arbeitnehmer nicht
einzubeziehen, deren Weiterbeschäftigung, insbesondere wegen ihrer
Kenntnisse, Fähigkeiten und Leistungen oder zur Sicherung einer
ausgewogenen Personalstruktur des Betriebes, im berechtigten
betrieblichen Interesse liegt. Der Arbeitnehmer hat die Tatsachen zu
beweisen, die die Kündigung als sozial ungerechtfertigt im Sinne des
Satzes 1 erscheinen lassen.

21.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 18


s161 rn 426

Ultima Ratio
• Kündigung ist letztes Mittel
• Sie ist nur zu erklären, wenn es kein milderes Mittel gibt

• Beachte: Bei verhaltensbedingter Kündigung ist vorher abzumahnen.

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Bundesarbeitsgericht 2. Senat

Az: 2 AZR 15/00

Urteil vom 21. Februar 2001

Vorinstanzen:

I. Arbeitsgericht Berlin – Az.: 14 Ca 33441 /98 – Urteil vom 21. April 1999

II. Landesarbeitsgericht Berlin – Az.: 7 Sa 1006/99 – Urteil vom 3. September 1999

Gesetz: § 242 BGB

Leitsätze:

1. Soweit im Fall der Kündigung unter mehreren Arbeitnehmern eine Auswahl zu treffen ist, hat auch
der Arbeitgeber im Kleinbetrieb, auf den das Kündigungsschutzgesetz keine Anwendung findet, ein
durch Art. 12 GG gebotenes Mindestmaß an sozialer Rücksichtnahme zu wahren (BVerfGE 97, 169).
Eine Kündigung, die dieser Anforderung nicht entspricht, verstößt gegen Treu und Glauben (§ 242
BGB) und ist deshalb unwirksam.

2. Ist bei einem Vergleich der grundsätzlich von dem gekündigten Arbeitnehmer vorzutragenden
Sozialdaten evident, daß dieser erheblich sozial schutzbedürftiger ist als ein vergleichbarer
weiterbeschäftigter Arbeitnehmer, so spricht dies zunächst dafür, dass der Arbeitgeber das gebotene
Mindestmaß an sozialer Rücksichtnahme außer Acht gelassen hat. Setzt der Arbeitgeber dem
schlüssigen Sachvortrag des Arbeitnehmers weitere (betriebliche, persönliche etc.) Gründe entgegen,
die ihn zu der getroffenen Auswahl bewogen haben, so hat unter dem Gesichtspunkt von Treu und
Glauben eine Abwägung zu erfolgen. Es ist zu prüfen, ob auch unter Einbeziehung der vom
Arbeitgeber geltend gemachten Gründe die Kündigung die sozialen Belange des betroffenen
Arbeitnehmers in treuwidriger Weise unberücksichtigt lässt. Der unternehmerischen Freiheit des
Arbeitgebers im Kleinbetrieb kommt bei dieser Abwägung ein erhebliches Gewicht zu.

URTEIL

Der Zweite Senat des Bundesarbeitsgerichts hat auf Grund der mündlichen Verhandlung vom 21.
Februar 2001 für Recht erkannt:

1
1. Auf die Revision des Klägers wird das Urteil des Landesarbeitsgerichts Berlin vom 3. September
1999 – 7 Sa 1006/99 aufgehoben.

2. Der Rechtsstreit wird zur erneuten Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der
Revision, an das Landesarbeitsgericht zurückverwiesen.

Von Rechts wegen!

Tatbestand

Die Parteien streiten über die Wirksamkeit einer ordentlichen Kündigung. Der 1946 geborene Kläger
war seit 1980 beim Beklagten, Inhaber einer KFZ-Lackiererei, als KFZ-Lackierer zu einem
durchschnittlichen Bruttostundenlohn von zuletzt 24,10 DM beschäftigt. Mit Schreiben vom 31.
August 1998, zugegangen am selben Tag, kündigte der Beklagte das Arbeitsverhältnis des Klägers
unter Einhaltung der sich aus § 42 Ziff. 2 des allgemeinverbindlichen Rahmentarifvertrages für die
gewerblichen Arbeitnehmer im Maler- und Lackiererhandwerk der Bundesrepublik Deutschland vom
30. März 1992 idF des Änderungstarifvertrages vom 1. September 1992 ergebenden Kündigungsfrist
von einem Monat zum Monatsende zum 30. September 1998.

Der Beklagte beschäftigte insgesamt fünf Arbeitnehmer. Am 31. August 1998 waren dies außer dem
Kläger folgende vier Arbeitnehmer, die alle als Lackierer tätig waren:

– der gegenüber vier Kindern unterhaltspflichtige Arbeitnehmer E , der jünger als der Kläger und
kürzer als dieser beschäftigt ist

– der am 1. Juni 1947 geborene, verheiratete Arbeitnehmer S , der kürzer als der Kläger beschäftigt
ist

– der Sohn des Beklagten, der ebenfalls jünger als der Kläger und kürzer als dieser beschäftigt ist

– ein lediger Arbeitnehmer ohne Unterhaltspflichten, der am 26. März 1962 geboren und seit dem 1.
März 1993 beschäftigt ist.

Der Kläger hat die Auffassung vertreten, die Kündigung sei gemäß §§ 242, 138 BGB unwirksam.
Außerhalb des Anwendungsbereichs des Kündigungsschutzgesetzes sei der verfassungsrechtlich
gebotene Mindestschutz der Arbeitnehmer über die zivilrechtlichen Generalklauseln zu
gewährleisten. Der Arbeitgeber müsse einen auf das Arbeitsverhältnis bezogenen Grund für die
Kündigung haben und im Prozess auch darlegen. Soweit unter mehreren Beschäftigten eine Auswahl
zu treffen sei, müsse der Arbeitgeber ein gewisses Maß an sozialer Rücksicht walten lassen; ein
2
Vertrauen darauf, dass auf Grund langer Betriebszugehörigkeit das Arbeitsverhältnis weiter bestehen
bleibe, dürfe nicht unberücksichtigt bleiben. Im Ergebnis bedeute dies, dass eine Interessen-
abwägung stattzufinden habe. Der Arbeitgeber müsse die Kündigung begründen und, wenn der
Arbeitnehmer im Prozess die mangelnde Berücksichtigung der sozialen Belange und der
Beschäftigungsdauer bestreite, die getroffene Auswahlentscheidung darlegen.

Die Kündigung stelle sich bereits deshalb als unwirksam dar, weil dem Kündigungsschreiben selbst
keine Begründung zu entnehmen sei. Auch im Prozess habe der Beklagte den Kündigungsgrund und
die Auswahlentscheidung nicht ausreichend dar-_ gelegt. Von den im Betrieb des Beklagten neben
dessen Sohn beschäftigten drei weiteren Lackierern sei einer seit einem Jahr, der zweite seit etwa
fünf bis sechs Jahren, der dritte nur wenig kürzer als er beim Beklagten tätig. Welche
Interessenabwägung der Beklagte vorgenommen habe und warum die Entscheidung ihn, den
ältesten Mitarbeiter mit der längsten Betriebszugehörigkeit, getroffen habe, könne dem Vortrag des
Beklagten nicht entnommen werden. Jedenfalls sei es grob fehlerhaft, dass der Beklagte ihm
gekündigt habe, jüngeren und kürzer beschäftigten Arbeitnehmern ohne Kinder hingegen nicht.

Der Kläger hat, soweit für die Revision von Bedeutung, beantragt festzustellen, dass sein
Arbeitsverhältnis bei dem Beklagten durch dessen schriftlichen Kündigung vom 31. August 1998,
zugegangen am selben Tage, nicht aufgelöst worden ist, sondern über den 30. September 1998
hinaus unbefristet zu den bisherigen Bedingungen fortbesteht.

Der Beklagte hat beantragt, die Klage abzuweisen. Er hat die Auffassung vertreten, die Kündigung sei
weder willkürlich noch beruhe sie auf sachfremden Motiven. Da das Kündigungsschutzgesetz keine
Anwendung finde, habe er die Kündigung auch nicht begründen müssen. Jedenfalls habe er den
Kündigungsgrund ausreichend vorgetragen. Ohne Reduzierung der Personalstärke sei die
Aufrechterhaltung seines Betriebes gefährdet gewesen. Die Kündigung sei ausgesprochen worden,
um eine effektive Fortführung des Betriebes zu gewährleisten und anderen Arbeitnehmern nicht
kündigen zu müssen. Zudem habe er eine Interessenabwägung vorgenommen, die sozialen
Gesichtspunkte zu Gunsten des Klägers berücksichtigt und mit denen seiner Kollegen verglichen.
Beim Vergleich mit dem Kläger könnten im Rahmen des § 1 Abs. 3 KSchG allein die Arbeitnehmer E
und S berücksichtigt werden. Die Entscheidung, das Arbeitsverhältnis des Klägers zu kündigen, sei
nicht grob fehlerhaft, da der Arbeitnehmer E vier Kinder zu versorgen habe und der Arbeitnehmer S
gleich alt sei wie der Kläger; ein gewisses Maß an sozialer Rücksichtnahme sei damit gewahrt. Die
langjährige Beschäftigung des Klägers sei nicht geeignet gewesen, ein Vertrauen in den Fortbestand
des Arbeitsverhältnisses zu begründen, da sein Arbeitsverhältnis mangels Anwendbarkeit des
Kündigungsschutzgesetzes gerade keinen Bestandsschutz genieße und weitere Umstände, an die ein
schützenswertes Vertrauen geknüpft werden könne, nicht vorlägen.

Das Arbeitsgericht hat die Klage abgewiesen. Das Landesarbeitsgericht hat die Berufung des Klägers
zurückgewiesen. Mit seiner vom Landesarbeitsgericht zugelassenen Revision verfolgt der Kläger
seinen Bestandsschutzantrag weiter.

3
Entscheidungsgründe

Die Revision ist begründet. Die Sache ist zur weiteren Sachaufklärung an das Landesarbeitsgericht
zurückzuverweisen (§ 565 Abs. 1 ZPO).

A. Das Landesarbeitsgericht hat ausgeführt, es sei zweifelhaft, ob im Hinblick auf die Rechtsprechung
des Bundesverfassungsgerichts ein neues Kündigungsschutzrecht außerhalb des
Kündigungsschutzgesetzes angenommen werden könne. Selbst wenn man davon ausgehe, seien
Willkür oder sachfremde Motive bei Ausspruch der Kündigung nicht erkennbar. Der Beklagte habe
ein gewisses Maß an sozialer Rücksichtnahme nicht deshalb außer Acht gelassen, weil er die jüngeren
und weniger lange beschäftigten Arbeitnehmer E , S und seinen Sohn nicht vor dem Kläger entlassen
habe. Bei Herrn E folge dies daraus, dass dieser vier Kindern gegenüber unterhaltspflichtig sei, bei
Herrn S daraus, dass dieser nur ein Jahr jünger als der Kläger, aber im Gegensatz zu diesem
verheiratet sei. Die Entlassung seines Sohnes sei dem Beklagten nicht zumutbar gewesen. Auch die
Entscheidung des Beklagten, das Arbeitsverhältnis mit dem etwa 16 Jahre jüngeren und 13 Jahre
kürzer beschäftigten vierten Arbeitnehmer fortzuführen, mache die Kündigung nicht wegen Willkür
oder grober Fehlerhaftigkeit der Auswahl unwirksam. In einem Betrieb mit nur fünf Mitarbeitern
gehe die Entscheidungsfreiheit des Arbeitgebers, einem Arbeitnehmer zu kündigen oder nicht zu
kündigen, sehr weit. Die Nichtbeachtung eines Mindestmaßes an sozialer Rücksichtnahme sei, da der
Beklagte sich nach seinem Vortrag auch dazu Gedanken gemacht habe, nicht erkennbar.

B. Dem folgt der Senat nicht.

I. Obwohl sich der erste Halbsatz des Klageantrags dem Wortlaut nach an § 4 Satz 1 KSchG orientiert,
hat der Kläger ausschließlich einen allgemeinen Feststellungsantrag iSd. § 256 ZPO zur Entscheidung
gestellt. Für diesen Feststellungsantragbesteht auch das nach § 256 Abs. 1 ZPO erforderliche
Feststellungsinteresse.

II. Ob der Antrag begründet ist, steht noch nicht fest. Auch der Arbeitgeber im Kleinbetrieb, auf den,
wie auf den Betrieb des Beklagten, das Kündigungsschutzgesetz keine Anwendung findet, hat im Fall
der Kündigung ein durch Art. 12 GG gebotenes Mindestmaß an sozialer Rücksichtnahme zu wahren.
Eine Kündigung, die dieser Anforderung nicht entspricht, verstößt gegen Treu und Glauben (§ 242
BGB) und ist deshalb unwirksam. Mangels hinreichender Tatsachenfeststellungen läßt sich noch nicht
abschließend beurteilen, ob ein solcher Treueverstoß hier vorliegt.

1. Für die Bestimmung des Inhalts und der Grenzen eines Kündigungsschutzes außerhalb des
Kündigungsschutzgesetzes ist die Bedeutung grundrechtlicher Schutzpflichten zu beachten. Das
Bundesverfassungsgericht hat in seiner zur Verfassungsmäßigkeit der Kleinbetriebsklausel des § 23
Abs. 1 Satz 2 KSchG in der bis 30. September 1996 geltenden Fassung des Gesetzes vom 26. April
1985 ergangenen Entscheidung vom 27. Januar 1998 (- 1 BvL 15/87 – BVerfGE 97, 169) ausgeführt,
den Arbeitnehmern in Kleinbetrieben sei das größere rechtliche Risiko eines Arbeitsplatzverlustes
angesichts der schwerwiegenden und grundrechtlich geschützten Belange der Arbeitgeber
zuzumuten, gleichzeitig aber betont, sie seien durch ihre Herausnahme aus dem gesetzlichen

4
Kündigungsschutz nicht völlig schutzlos gestellt. Wo die Bestimmungen des Kündigungsschutz-
gesetzes nicht greifen, seien die Arbeitnehmer durch die zivilrechtlichen Generalklauseln vor einer
sitten- oder treuwidrigen Ausübung des Kündigungsrechts des Arbeitgebers geschützt (§§ 242, 138
BGB). Im Rahmen dieser Generalklauseln sei auch der objektive Gehalt der Grundrechte, hier vor
allem aus Art. 12 Abs. 1 GG, zu beachten. Der verfassungsrechtlich gebotene Mindestschutz des
Arbeitsplatzes vor Verlust durch private Disposition sei damit in jedem Fall gewährleistet. Wie weit
dieser Schutz im Einzelnen reiche, sei von den Arbeitsgerichten zu entscheiden. Ausgangspunkt einer
solchen Würdigung sei der Respekt vor der gesetzgeberischen Eingrenzung des gesetzlichen
Kündigungsschutzes des § 23 Abs. 1 KSchG. Der durch die Generalklauseln vermittelte Schutz dürfe
nicht dazu führen, dass dem Kleinunternehmer praktisch die im Kündigungsschutzgesetz
vorgegebenen Maßstäbe der Sozialwidrigkeit auferlegt würden. Darüber hinaus wirke er umso
schwächer, je stärker die mit der Kleinbetriebsklausel geschützten Grundrechtspositionen des
Arbeitgebers im Einzelfall betroffen seien. In sachlicher Hinsicht gehe es darum, Arbeitnehmer vor
willkürlichen oder auf sachfremden Motiven beruhenden Kündigungen zu schützen, zB vor
Diskriminierungen iSv. Art 3 Abs. 3 GG. Soweit unter mehreren Arbeitnehmern eine Auswahl zu
treffen sei, gebiete der verfassungsrechtliche Schutz des Arbeitsplatzes iVm. dem Sozialstaatsprinzip
ein gewisses Maß an sozialer Rücksichtnahme. Schließlich dürfe auch ein durch langjährige
Mitarbeitet erdientes Vertrauen in den Fortbestand eines Arbeitsverhältnisses nicht unberücksichtigt
bleiben. Der objektive Gehalt der Grundrechte könne auch im Verfahrensrecht Bedeutung erlangen.
Für die Wirksamkeit des gerichtlichen Kündigungsschutzes sei die Verteilung der Darlegungs- und
Beweislast von besonderer Bedeutung. Nach § 1 Abs. 2 Satz 4 KSchG habe der Arbeitgeber die
Tatsachen zu beweisen, die die Kündigung bedingen. Außerhalb des Kündigungsschutzgesetzes gelte
diese Regel nicht. Wie die Darlegungs- und Beweislast unter Beachtung verfassungsrechtlicher
Positionen bei der Anwendung der Generalklauseln in §§ 138 oder 242 BGB zu beurteilen sei, lasse
sich nicht allgemein festlegen. Für eine abgestufte Darlegungs- und Beweislast biete das Prozessrecht
aber geeignete Handhaben (vgl. zu alledem BVerfG 27. Januar 1998 – 1 BvL 15/87 BVerfGE 97, 169,
177 mwN; Oetker AuR 1997, 41; Linck FA 1999, 382; Preis NZA 1997, 1256; Gragert/Kreutzfeld NZA
1998, 567; Wank FS Hanau, 295; Otto FS Wiese 353; Peter Hanau FS Dieterich 201; Löwisch BB 1997,
782; Gragert NZA 2000, 961; Kittner NZA 1998, 731).

2. Entgegen der Auffassung der Revision ist die Kündigung vom 31. August 1998 nicht bereits deshalb
unwirksam, weil dem Kläger mit der Kündigungserklärung keine Kündigungsgründe mitgeteilt
worden sind. Für diese vom Kläger angenommene Rechtsfolge fehlt eine gesetzliche, tarif- oder
einzelvertragliche Grundlage.

Eine Pflicht zur Angabe des Kündigungsgrundes in der schriftlichen Kündigungserklärung sieht das
Gesetz nur für die Kündigung eines Berufsausbildungsverhältnisses nach Ablauf der Probezeit (§ 15
Abs. 3 BBiG) und für die nach behördlicher Zustimmung erklärte Kündigung gegenüber einer durch §
9 Abs. 1 MuSchG geschützten Arbeitnehmerin vor (§ 9 Abs. 3 Satz 2 MuSchG). Der auf das
Arbeitsverhältnis kraft Allgemeinverbindlichkeit anwendbare RTV für die gewerblichen Arbeitnehmer
des Maler- und Lackiererhandwerks der Bundesrepublik Deutschland enthält keine Norm, nach der
die Angabe von Kündigungsgründen Wirksamkeitsvoraussetzung einer Kündigung sein soll. Eine
entsprechende einzelvertragliche Vereinbarung haben die Parteien nicht getroffen.

5
Im Geltungsbereich des Kündigungsschutzgesetzes ist die soziale Rechtfertigung der ordentlichen
Kündigung im Rechtsstreit nachzuprüfen; diese ist nicht schon deshalb nach § 1 KSchG sozial
ungerechtfertigt oder nach §§ 242, 138 BGB unwirksam, weil bei Ausspruch der Kündigung keine
Kündigungsgründe angegeben worden sind (BAG 21. März 1959 – 2 AZR 375/56 – BAGE 7, 304; 27.
Februar 1958 – 2 AZR 445/55 – BAGE 6, 1). Außerhalb des Anwendungsbereichs des
Kündigungsschutzgesetzes erfordert es auch der verfassungsrechtlich gebotene Mindestschutz des
Arbeitsplatzes vor privater Disposition nicht, die Angabe des Kündigungsgrundes zur
Wirksamkeitsvoraussetzung der Kündigung zu erheben.

3. Ohne Erfolg rügt die Revision ferner, die Kündigung vom 31. August 1998 sei wegen Verstoßes
gegen die guten Sitten gemäß § 138 Abs. 1 BGB unwirksam.

Zwar kann, wie sich schon aus § 13 Abs. 2 Satz 1 KSchG ergibt, auch eine Kündigung wegen
Sittenwidrigkeit nichtig sein. Bei der Prüfung der Sittenwidrigkeit ist aber ein strenger Maßstab
anzulegen. Die Sittenwidrigkeit einer Kündigung kann nicht auf Gründe gestützt werden, die in den
Schutzbereich des Kündigungsschutzgesetzes fallen. Nicht jede Kündigung, die im Falle der
Anwendbarkeit des Kündigungsschutzgesetzes als sozialwidrig beurteilt werden müsste, ist deshalb
schon sittenwidrig. § 138 BGB verlangt die Einhaltung eines „ethischen Minimums”. Der schwere
Vorwurf der Sittenwidrigkeit kann daher nur in besonders krassen Fällen erhoben werden (BAG 2.
April 1987 – 2 AZR 227/86 – BAGE 55, 190, 196; 24. Oktober 1996 – 2 AZR 874/95 RZK 18 I Nr. 22 zu
112 der Gründe; 23. September 1976 – 2 AZR 309/75 – BAGE 28, 176, 183 f, jeweils mwN). Das ist zB
dann anzunehmen, wenn die Kündigung auf einem verwerflichen Motiv des Kündigenden, wie zB
Rachsucht, beruht oder wenn sie aus anderen Gründen dem Anstandsgefühl aller billig und gerecht
Denkenden widerspricht.

Der Kläger hat keine Umstände vorgetragen, die den Vorwurf der Sittenwidrigkeit der Kündigung
rechtfertigen könnten; Anhaltspunkte dafür, dass die vom Beklagten behaupteten wirtschaftlichen
Gründe vorgeschoben sind und die Kündigung in Wahrheit auf einem verwerflichen Motiv beruht,
sind nicht ersichtlich. Mängel der Auswahlentscheidung, auf die sich der Kläger beruft, können
allenfalls einen Verstoß gegen Treu und Glauben darstellen.

4. Die Annahme des Landesarbeitsgerichts, die Kündigung sei auch nicht wegen Verstoßes gegen
Treu und Glauben unwirksam, wird jedoch, wie die Revision zutreffend rügt, durch die in dem
angefochtenen Urteil gegebene Begründung nicht getragen.

a) Der Grundsatz von Treu und Glauben (§ 242 BGB) bildet eine allen Rechten, Rechtslagen und
Rechtsnormen immanente Inhaltsbegrenzung, wobei eine gegen § 242 BGB verstoßende
Rechtsausübung oder Ausnutzung einer Rechtslage wegen der Rechtsüberschreitung als unzulässig
anzusehen ist. Die Vorschrift des § 242 BGB ist auf Kündigungen neben § 1 KSchG allerdings nur in
beschränktem Umfang anwendbar. Das Kündigungsschutzgesetz hat die Voraussetzungen und
Wirkungen des Grundsatzes von Treu und Glauben konkretisiert und, soweit es um den
Bestandsschutz und das Interesse des Arbeitnehmers an der Erhaltung seines Arbeitsplatzes geht,
abschließend geregelt. Umstände, die im Rahmen des § 1 KSchG zu würdigen sind und die die
6
Kündigung als sozial ungerechtfertigt erscheinen lassen, kommen als Verstöße gegen Treu und
Glauben grundsätzlich nicht in Betracht. Eine Kündigung verstößt dann gegen § 242 BGB und ist
nichtig, wenn sie aus Gründen, die von § 1 KSchG nicht erfasst sind, Treu und Glauben verletzt. Dies
gilt auch für eine Kündigung, auf die wegen Nichterfüllung der sechsmonatigen Wartezeit nach § 1
Abs. 1 KSchG das Kündigungsschutzgesetz keine Anwendung findet, weil sonst für diese Fälle über §
242 BGB der kraft Gesetzes ausgeschlossenen Kündigungsschutz doch gewährt werden und über
Gebühr die Möglichkeit des Arbeitgebers eingeschränkt würde, die Eignung des Arbeitnehmers für
die geschuldete Tätigkeit in seinem Betrieb während der gesetzlichen Probezeit zu überprüfen (BAG
1. Juli 1999 – 2 AZR 926/98 – AP § 242 BGB Kündigung Nr. 10 zu 112 der Gründe; 23. Juni 1994 – 2
AZR 617/93 -BAGE 77, 128, 132 f.). Typische Tatbestände der treuwidrigen Kündigung sind
insbesondere ein widersprüchliches Verhalten des Arbeitgebers, der Ausspruch einer Kündigung zur
Unzeit oder in ehrverletzender Form und eine Kündigung, die den Arbeitnehmer diskriminiert.

b) Für Kündigungen gegenüber Arbeitnehmern im Kleinbetrieb lässt sich der Grundsatz, daß das
Kündigungsschutzgesetz die Voraussetzungen und Wirkungen des Grundsatzes von Treu und
Glauben abschließend geregelt hat, soweit es um ran Bestandsschutz und das Interesse des
Arbeitnehmers an der Erhaltung seines Arbeitsplatzes geht, allerdings nicht uneingeschränkt
aufrechterhalten. Soweit unter mehreren Arbeitnehmern eine Auswahl zu treffen ist, gebietet, wie
bereits dargelegt, der verfassungsrechtliche Schutz des Arbeitsplatzes in Verbindung mit dem
Sozialstaatsprinzip ein gewisses Maß an sozialer Rücksichtnahme und es darf auch ein durch
langjährige Mitarbeit erdientes Vertrauen in den Fortbestand des Arbeitsverhältnisses nicht
unberücksichtigt bleiben (BVerfG 27. Januar 1998 – 1 BvL 15/87 BVerfGE 97, 169; unter Hinweis auf
BVerfG 24. April 1991 – 1 BvR 1341/90 – BVerfG 84, 133 und BAG 19. Januar 1995 – 8 AZR 914/93 –
BAGE 79, 128). Damit sind Verhältnismäßigkeitsgesichtspunkte angesprochen, die im Rahmen des § 1
KSchG zu würdigen wären. Die Verpflichtung, ein gewisses Maß an sozialer Rücksichtnahme
einzuhalten, ist nicht, wie das Landesarbeitsgericht aus den im Beschluss des
Bundesverfassungsgerichts vom 27. Januar 1998 in Bezug genommenen Entscheidungen schließt, auf
bestimmte Sonderkonstellationen beschränkt, sondern ein allgemeines verfassungsrechtliches
Gebot. Das Bundesverfassungsgericht hat in der Entscheidung vom 24. April 1991 (- 1 BvR 1341/90 –
aaO 155 f.) neben werdenden Müttern und Müttern nach der Entbindung namentlich
Schwerbehinderte, Alleinerziehende, aber auch ältere Arbeitnehmer als Beispiele für Arbeitnehmer
genannt, die von einer Entlassung besonders hart betroffen seien. Im Urteil vom 19. Januar 1995 (- 8
AZR 914/93 aaO 137 f.) hat das Bundesarbeitsgericht im Zusammenhang mit der Kündigung wegen
mangelnden Bedarfs nach dem Einigungsvertrag ausgeführt, der Maßstab von Treu und Glauben
bleibe bestehen, soweit es beim Kündigungsschutz an einer gesetzlichen Konkretisierung fehle. Der
Arbeitgeber müsse eine einseitige, einzelne Arbeitnehmer belastende Auswahlentscheidung nach
vernünftigen, sachlichen, billiges Ermessen wahrenden Gesichtspunkten treffen, bei der Anwendung
der Generalklauseln, etwa § 242 BGB, seien das Sozialstaatsprinzip des Art. 20 Abs. 1 GG und der
Gleichheitssatz des Art. 3 Abs. 1 GG zur Geltung zu bringen. Diese Grundsätze sind auf Kündigungen
im Kleinbetrieb zu übertragen, da der Kündigungsschutz in diesem Fall gerade nicht gesetzlich
konkretisiert, sondern über die Generalklauseln des Privatrechts zu gewährleisten ist.

c) Die Revision rügt allerdings ohne Erfolg, die Kündigung vom 31. August 1998 sei bereits deshalb als
treuwidrig anzusehen, weil der Beklagte im Prozess die Kündigungsgründe nicht ausreichend
dargelegt habe. Dem Kläger ist zwar zuzugeben, dass der Beklagte für die Kündigung pauschal

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wirtschaftliche Gründe angegeben hat. Zu einer weiteren Substantiierung war der Beklagte aber
nicht verpflichtet. Außerhalb des

im Anwendungsbereichs des Kündigungsschutzgesetzes hat der Arbeitnehmer die von ihm


behaupteten Unwirksamkeitsgründe darzulegen und zu beweisen, wobei die Grundsätze der
abgestuften Darlegungs- und Beweislast ihm dies erleichtern können. Von der Rüge der treuwidrigen
Auswahlentscheidung abgesehen (dazu unten B II 4 d) hat der Kläger hier keine Umstände
vorgetragen, die die Annahme eines Verstoßes gegen Treu und Glauben rechtfertigen. Es ist nicht
ersichtlich, dass die vom Beklagten behaupteten wirtschaftlichen Gründe vorgeschoben sind;
Anhaltspunkte für ein widersprüchliches Verhalten des Beklagten, für eine Kündigung zur Unzeit oder
in ehrverletzender Form bzw. eine diskriminierende Kündigung liegen nicht vor.

d) Es ist jedoch rechtsfehlerhaft, wenn das Landesarbeitsgericht die vom Beklagten zwischen dem
Kläger und dem vierten Arbeitnehmer (am 26. März 1962 geboren, seit dem 1. März 1993
beschäftigt, ledig, keine Kinder) getroffene Auswahl im Wesentlichen mit der Begründung nicht als
treuwidrig angesehen hat, der Beklagte habe sich nach seinem Vorbringen insoweit Gedanken
gemacht und das müsse ausreichen.

aa) Hat der Arbeitgeber in einem Kleinbetrieb, auf den das Kündigungsschutzgesetz keine
Anwendung findet, im Falle einer betriebsbedingten Kündigung die Auswahl des zu kündigenden
Arbeitnehmers unter Beachtung eines gewissen Maßes an sozialer Rücksichtnahme zu treffen, so
bedeutet dies allerdings nicht, dass damit im Kleinbetrieb die Grundsätze des § 1 KSchG über die
Sozialauswahl entsprechend anwendbar sind. Die Herausnahme des Kleinbetriebs aus dem
Geltungsbereich des Kündigungsschutzgesetzes trägt ihrerseits gewichtigen, durch Art. 12 Abs. 1 GG
geschützten Belangen des Kleinunternehmers Rechnung, dessen Kündigungsrecht in hohem Maße
schutzwürdig ist. Wie das Bundesverfassungsgericht in seinem Beschluss vom 27. Januar 1998 (aaO)
dargelegt hat, hängt in einem Betrieb mit wenigen Arbeitskräften der Geschäftserfolg mehr als bei
Großbetrieben von jedem einzelnen Arbeitnehmer ab. Auf dessen Leistungsfähigkeit kommt es
ebenso an wie auf Persönlichkeitsmerkmale, die für die Zusammenarbeit, die Außenwirkung und das
Betriebsklima von Bedeutung sind. Kleine Teams sind anfällig für Missstimmungen und Querelen.
Störungen des Betriebsklimas können zu Leistungsminderungen führen, die bei geringem
Geschäftsvolumen spürbar auf das Ergebnis durchschlagen. Ausfälle lassen sich bei niedrigem
Personalbestand nur schwer ausgleichen. Typischerweise arbeitet bei kleinen Betrieben der
Unternehmer selbst als Chef vor Ort mit. Damit bekommt das Vertrauensverhältnis zu jedem seiner
Mitarbeiter einen besonderen Stellenwert. Auch die regelmäßig geringere Finanzausstattung fällt ins
Gewicht. Ein Kleinbetrieb ist häufig nicht in der Lage, Abfindungen bei Auflösungen eines
Arbeitsverhältnisses zu zahlen oder weniger leistungsfähiges, weniger benötigtes oder auch nur
weniger genehmes Personal mitzutragen. Schließlich belastet auch der Verwaltungsaufwand, den ein
Kündigungsschutzprozess mit sich bringt, den Kleinbetrieb stärker als ein größeres Unternehmen.

bb) Die Auswahlentscheidung des Arbeitgebers kann damit nur darauf überprüft werden, ob sie
unter Berücksichtigung der Belange des Arbeitnehmers am Erhalt seines Arbeitsplatzes (vgl. hierzu
BVerfGE 27. Januar 1998 aaO zu B 13 b aa) und der dargelegten Interessen des Kleinunternehmers
gegen Treu und Glauben verstößt. Ein solcher Treuverstoß bei der Kündigung des sozial
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schutzbedürftigeren Arbeitnehmers ist umso eher anzunehmen je weniger bei der
Auswahlentscheidung eigene Interessen des Arbeitgebers eine Rolle gespielt haben. Hat der
Arbeitgeber keine spezifischen eigenen Interessen, einem bestimmten Arbeitnehmer zu kündigen
bzw. anderen vergleichbaren Arbeitnehmern nicht zu kündigen, und entlässt er gleichwohl den
Arbeitnehmer mit der bei weitem längsten Betriebszugehörigkeit, dem höchsten Alter und den
meisten Unterhaltspflichten, so spricht alles dafür, dass der Arbeitgeber bei seiner Entscheidung das
verfassungsrechtlich gebotene Mindestmaß an sozialer Rücksichtnahme außer Acht gelassen hat.
Bestehen andererseits derartige betriebliche, persönliche oder sonstige Interessen des Arbeitgebers,
so ist der durch § 242 BGB vermittelte Grundrechtschutz des Arbeitnehmers umso schwächer, je
stärker die mit der Kleinbetriebsklausel geschützten Grundrechtspositionen des Arbeitgebers im
Einzelfall betroffen sind. In sachlicher Hinsicht geht es vor allem darum, Arbeitnehmer vor
willkürlichen oder auf sachfremden Motiven beruhenden Kündigungen zu schützen.

cc) Es obliegt grundsätzlich dem Arbeitnehmer darzulegen und zu beweisen, dass die Kündigung nach
§ 242 BGB treuwidrig ist. Die Regel des § 1 Abs. 2 Satz 4 KSchG, wonach der Arbeitgeber die
Tatsachen zu beweisen hat, die die Kündigung bedingen, gilt außerhalb des Kündigungsschutz-
gesetzes nicht. Der verfassungsrechtlich gebotene Schutz des Arbeitnehmers auch im Prozessrecht ist
jedoch dadurch gewährleistet, dass auch insoweit die Grundsätze der abgestuften Darlegungs- und
Beweislast gelten.

In einem ersten Schritt muss der Arbeitnehmer, der die Auswahlüberlegungen des Arbeitgebers, die
zu seiner Kündigung geführt haben, regelmäßig nicht kennt, nur einen Sachverhalt vortragen, der die
Treuwidrigkeit der Kündigung nach § 242 BGB indiziert. Hierzu reicht es zunächst aus, dass der
Arbeitnehmer die Sozialdaten der aus seiner Sicht vergleichbaren Arbeitnehmer, die ihm im
Kleinbetrieb in der Regel zumindest annähernd bekannt sind (,Arbeitnehmer X, ca. 40 Jahre alt, seit
etwa vier Jahren beschäftigt, meines Wissens verheiratet”) darlegt. Ist danach evident, dass der
Arbeitgeber einen erheblich weniger schutzbedürftigen, vergleichbaren Arbeitnehmer als den Kläger
weiterbeschäftigt, so spricht dies dafür, dass der Arbeitgeber das erforderliche Mindestmaß an
sozialer Rücksichtnahme außer Acht gelassen hat und deshalb die Kündigung treuwidrig (§ 242 BGB)
ist. Der Arbeitgeber muss sich nach § 138 Abs. 2 ZPO qualifiziert auf diesen Vortrag einlassen, um ihn
zu entkräften. In diesem Zusammenhang obliegt es dem Arbeitgeber aus Gründen der Sachnähe
auch, Angaben zu seinen Auswahlüberlegungen zu machen. Kommt er dieser sekundären
Behauptungslast nicht nach, gilt der schlüssige Sachvortrag des Arbeitnehmers gemäß § 138 Abs. 3
ZPO als zugestanden. Trägt der Arbeitgeber hingegen die betrieblichen, persönlichen oder sonstigen
Gründe vor, die ihn dazu bewogen haben, den auf den ersten Blick sozial schutzbedürftigeren
Arbeitnehmer zu entlassen, so hat der Arbeitnehmer die Tatsachen, aus denen sich die
Treuwidrigkeit der Kündigung ergeben soll, zu beweisen (Preis NZA 1997, 1256, 1270 mwN; vgl, auch
Zöller/Greger ZPO 22. Aufl. vor § 284 Rn. 34).

e) Betrachtet man allein die Sozialdaten des Klägers und des nicht namentlich benannten, seit 1.
März 1993 beschäftigten Arbeitnehmers, ist die Auswahlentscheidung des Beklagten zwischen diesen
beiden Arbeitnehmern evident fehlerhaft.

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aa) Der Kläger ist 16 Jahre älter als der andere Arbeitnehmer. Seine Betriebszugehörigkeit von 17
Jahren würde in zahlreichen Branchen nach den einschlägigen Tarifverträgen bereits zu einem
Ausschluss der ordentlichen Kündigung ausreichen (vgl. § 55 BAT). Der andere Arbeitnehmer
hingegen ist nach den Feststellungen des Landesarbeitsgerichts gerade fünf Jahre, also weniger als 1
/3 der Betriebszugehörigkeitsdauer des Klägers, beim Beklagten beschäftigt. Ob davon ausgegangen
werden kann, dass der Kläger verheiratet und seiner Ehefrau zum Unterhalt verpflichtet ist, steht
nicht fest. Die Entscheidungsgründe bezeichnen den Kläger zwar als ledig, die tatsächlichen
Feststellungen in dem angefochtenen Urteil sind jedoch widersprüchlich, denn nach dem in Bezug
genommenen arbeitsgerichtlichen Urteil ist der Kläger verheiratet. Unabhängig davon steht aber
jedenfalls fest, dass die soziale Schutzbedürftigkeit des Klägers bei den Unterhaltspflichten zumindest
der des anderen Arbeitnehmers gleich ist. Bei dem extremen Auseinanderklaffen der übrigen
Sozialdaten ist es evident, dass der Beklagte, wenn er keine weiteren Gründe für die getroffene
Auswahl hatte und den Kläger als den ganz erheblich sozial schutzbedürftigeren vor beiden
Arbeitnehmerin entlassen hat, selbst ein Mindestmaß an sozialer Rücksichtnahme außer Acht
gelassen hat.

bb) Zu Unrecht macht die Revision allerdings geltend, andere Gesichtspunkte, etwa betriebliche
Belange könnten vom Beklagten bei seiner Auswahlentscheidung gar nicht berücksichtigt worden
sein, weil der Beklagte den anderen Arbeitnehmer nicht in seine Auswahlüberlegungen einbezogen
habe. Zum einen kann wie bei der Sozialauswahl nach § 1 Abs. 3 KSchG, wenn der Arbeitgeber die
Vergleichsgruppe falsch gebildet und einen tatsächlich vergleichbaren Arbeitnehmer nicht in seine
Auswahlüberlegungen einbezogen hat, die Auswahl trotzdem im Ergebnis richtig sein. Abgesehen
davon stellt die von der Revision zitierte Passage aus der Berufungserwiderung ihrem Wortlaut nach
(„allein die beiden erstgenannten Arbeitnehmer würden… zu berücksichtigen sein…”) auch lediglich
eine fiktive Überlegung dar, von der nicht feststeht, ob sie der Beklagte tatsächlich so angestellt hat
oder ob sie lediglich eine Rechtsansicht seines Prozessbevollmächtigten enthält.

cc) Zu den seiner Kündigungsentscheidung zugrundeliegenden betrieblichen Gründen hat der


Beklagte vorgetragen, aufgrund einer für ihn derzeit angespannten wirtschaftlichen Situation habe er
in seine Überlegungen einfließen lassen müssen, seinen Betrieb weiterhin effektiv arbeiten zu lassen.
Er habe sich überlegen müssen, mit weichen Mitarbeitern er den Betrieb auf Dauer habe fortführen
können. Unter Berücksichtigung der sozialen Schwierigkeiten des Klägers und im Vergleich mit denen
seiner Kollegen sei er im Interesse an der Aufrechterhaltung eines ordnungsgemäßen Betriebsablaufs
sowie der wirtschaftlichen Effizienz zu der Entscheidung gelangt, nur durch eine Kündigung des
Klägers sei der Betriebsablauf für die Zukunft gewährleistet und seien alle übrigen Arbeitsplätze
gesichert; sollte das Gericht hinsichtlich der wirtschaftlichen Situation des Betriebes nähere
Ausführungen für notwendig erachten, werde um einen richterlichen Hinweis gebeten.

Diese Ausführungen sind angesichts der ganz erheblichen sozialen Schutzbedürftigkeit des Klägers
nicht geeignet, die Auswahlentscheidung des Beklagten zu rechtfertigen, wie das
Landesarbeitsgericht offenbar angenommen hat. Da nach den Sozialdaten zunächst alles dafür
spricht, die Auswahlentscheidung des Beklagten beachte nicht einmal das erforderliche Mindestmaß
an sozialer Rücksichtnahme, wäre es im Rahmen der ihm obliegenden abgestuften Darlegungslast
Sache des Beklagten gewesen, die bei der Auswahl berücksichtigten betrieblichen, persönlichen oder
sonstigen Gründe näher auszuführen und damit ihre Nachprüfbarkeit durch die Gerichte zu

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gewährleisten. Wenn der Beklagte gemeint hat, er könne durch die Weiterbeschäftigung des Klägers
anstatt des anderen Arbeitnehmers die effektive Fortführung des Betriebes auf Dauer nicht sichern,
so hätte er angeben müssen, welche Überlegungen (Leistungsgesichtspunkte, persönliche Momente,
besondere Kenntnisse und Fähigkeiten, wirtschaftliche Überlegungen etc.) ihn zu dieser Überlegung
veranlaßt haben. Auch der Hinweis, der Kläger wäre außer dem Arbeitnehmer, der vier Kinder zu
versorgen hat, nur mit dem etwa gleichaltrigen Arbeitnehmer S zu vergleichen gewesen, führt nicht
weiter. Darin könnte zwar der Hinweis enthalten sein, die Entlassung eines der beiden jüngeren
Arbeitnehmer hätte die betriebliche Altersstruktur nachteilig verändert; auch insoweit ist das
Vorbringen des Beklagten aber nicht hinreichend substantiiert.

f) Gleichwohl war die Sache nicht entscheidungsreif (§ 565 Abs. 3 Nr. 1 ZPO). Der Beklagte hat in
offenbarer Verkennung der ihm obliegenden abgestuften Darlegungslast weiteren Sachvortrag zu
den betrieblichen Gründen für die getroffene Kündigungsentscheidung unterlassen. Ein
entsprechender Hinweis nach § 139 ZPO ist nicht ergangen, weil beide Vorinstanzen das Vorbringen
des Beklagten für ausreichend substantiiert gehalten haben. Die Sache war deshalb an das
Landesarbeitsgericht zurückzuverweisen, um den Parteien Gelegenheit zu geben, in einer
Tatsacheninstanz unter Berücksichtigung der oben dargelegten Grundsätze zur Sache weiter
vorzutragen. Das Landesarbeitsgericht, dem insoweit ein Beurteilungsspielraum zusteht, wird auf der
Grundlage dieses Vorbringens die beiderseitigen Interessen gegeneinander abzuwägen und zu prüfen
haben, ob die Auswahl zwischen beiden Arbeitnehmern das verfassungsgemäß gebotene
Mindestmaß an sozialer Rücksichtnahme wahrt.

g) Was die Auswahl zwischen dem Kläger und den drei anderen benannten Arbeitnehmern
anbelangt, so ist diese gleichfalls nach den oben dargelegten Grundsätzen zu überprüfen, wobei
nicht abzusehen ist, ob die betrieblichen Gründe, auf die der Beklagte seine Auswahlentscheidung
möglicherweise stützen wird, auch auf diese drei Arbeitnehmer zutreffen. In allen drei Fällen ist aber
zu berücksichtigen, dass der Vergleich der Sozialdaten keine derart evident höhere
Schutzbedürftigkeit des Klägers erkennen lässt wie zwischen dem Kläger und dem vierten
Arbeitnehmer. Wenn das Landesarbeitsgericht die Weiterbeschäftigung des Sohnes des Beklagten
und des Arbeitnehmers E , der vier Kinder zu versorgen hat, für sachlich gerechtfertigt hält, so ist dies
revisionsrechtlich nicht zu beanstanden. Konkrete Rügen werden insoweit von der Revision auch
nicht erhoben. Bei dem Arbeitnehmer S erweisen sich die Ausführungen des Landesarbeitsgerichts
zwar schon deshalb als rechtsfehlerhaft, weil nicht eindeutig festgestellt ist, ob die höhere soziale
Schutzbedürftigkeit des Arbeitnehmers S hinsichtlich der Unterhaltspflichten (verheiratet), auf die
das Landesarbeitsgericht entscheidend abgestellt hat, tatsächlich vorliegt. So krass wie der
Sozialdatenvergleich zwischen dem Kläger und dem vierten Arbeitnehmer fällt der Vergleich
zwischen dem Kläger und Herrn S aber nicht aus, da beide fast gleichaltrig sind. Falls es darauf noch
ankommen sollte, sind nach der Zurückverweisung auch die den Vergleich zwischen dem Kläger und
Herrn S betreffenden tatsächlichen Umstände vom Landesarbeitsgericht näher aufzuklären und zu
bewerten.

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JEDER SOLLTE SICH UM EINE RENTENVORSORGE
KÜMMERN

Gesetzliche
Rentenversicherung
Prinzipien

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 1


Versicherungspflicht
§ 1 Beschäftigte (SGB VI)
Versicherungspflichtig sind
1. Personen, die gegen Arbeitsentgelt oder zu ihrer Berufsausbildung beschäftigt sind; während des Bezuges
von Kurzarbeitergeld nach dem Dritten Buch besteht die Versicherungspflicht fort,
2. behinderte Menschen, die
a) in anerkannten Werkstätten für behinderte Menschen oder in Blindenwerkstätten … tätig sind,
b) in Anstalten, Heimen oder gleichartigen Einrichtungen in gewisser Regelmäßigkeit eine Leistung erbringen,
die einem Fünftel der Leistung eines voll erwerbsfähigen Beschäftigten in gleichartiger Beschäftigung
entspricht; …
3. Personen, die in Einrichtungen der Jugendhilfe oder in Berufsbildungswerken oder ähnlichen Einrichtungen
für behinderte Menschen für eine Erwerbstätigkeit befähigt werden sollen; …
3a. Auszubildende, die in einer außerbetrieblichen Einrichtung im Rahmen eines Berufsausbildungsvertrages
nach dem Berufsbildungsgesetz ausgebildet werden,
4. Mitglieder geistlicher Genossenschaften, Diakonissen und Angehörige ähnlicher Gemeinschaften während
ihres Dienstes für die Gemeinschaft und während der Zeit ihrer außerschulischen Ausbildung.

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 2


selbstständige sind nicht versicherungspflichtig in der
rente

Versicherungspflicht
§ 2 Selbständig Tätige (SGB VI)
Versicherungspflichtig sind selbständig tätige
1. Lehrer und Erzieher, die im Zusammenhang mit ihrer selbständigen Tätigkeit regelmäßig keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen,
2. Pflegepersonen, die in der Kranken-, Wochen-, Säuglings- oder Kinderpflege tätig sind und im Zusammenhang mit ihrer selbständigen Tätigkeit
regelmäßig keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen,
3. Hebammen und Entbindungspfleger,
4. Seelotsen der Reviere im Sinne des Gesetzes über das Seelotswesen,
5. Künstler und Publizisten nach näherer Bestimmung des Künstlersozialversicherungsgesetzes,
6. Hausgewerbetreibende,
7. Küstenschiffer und Küstenfischer, die zur Besatzung ihres Fahrzeuges gehören oder als Küstenfischer ohne Fahrzeug fischen und regelmäßig nicht mehr
als vier versicherungspflichtige Arbeitnehmer beschäftigen,
8. Gewerbetreibende, die in die Handwerksrolle eingetragen sind und in ihrer Person die für die Eintragung in die Handwerksrolle erforderlichen
Voraussetzungen erfüllen …
9. Personen, die
a) im Zusammenhang mit ihrer selbständigen Tätigkeit regelmäßig keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen und
b) auf Dauer und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig sind; bei Gesellschaftern gelten als Auftraggeber die Auftraggeber der Gesellschaft. …

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 3


Versicherungspflicht
§ 3 Sonstige Versicherte (SGB VI)
Versicherungspflichtig sind Personen in der Zeit,
1. für die ihnen Kindererziehungszeiten anzurechnen sind (§ 56),
1a. in der sie eine oder mehrere pflegebedürftige Personen mit mindestens Pflegegrad 2 wenigstens zehn Stunden
wöchentlich, … nicht erwerbsmäßig pflegen … , wenn der Pflegebedürftige Anspruch auf Leistungen aus der sozialen
Pflegeversicherung oder einer privaten Pflege-Pflichtversicherung hat,
2. in der sie aufgrund gesetzlicher Pflicht Wehrdienst oder Zivildienst leisten,
2a. in der sie sich in einem Wehrdienstverhältnis …befinden, wenn sich der Einsatzunfall während einer Zeit ereignet hat, in
der sie … versicherungspflichtig waren,
3. für die sie von einem Leistungsträger Krankengeld, Verletztengeld, Versorgungskrankengeld, Übergangsgeld,
Arbeitslosengeld … Pflegeunterstützungsgeld beziehen, …
3a. für die sie … Leistungen für den Ausfall von Arbeitseinkünften im Zusammenhang mit einer … erfolgenden Spende von
Organen oder Geweben oder … von Blut zur Separation von Blutstammzellen oder anderen Blutbestandteilen beziehen …
4. für die sie Vorruhestandsgeld beziehen, wenn sie unmittelbar vor Beginn der Leistung versicherungspflichtig waren. …

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 4


Sonstige Regelungen
• § 4 Versicherungspflicht auf Antrag (SGB VI)
• § 5 Versicherungsfreiheit (SGB VI)
• § 6 Befreiung von der Versicherungspflicht (SGB VI)
• § 7 Freiwillige Versicherung (SGB VI)

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 5


Rentenanspruch
§ 55 Beitragszeiten
(1) Beitragszeiten sind Zeiten, für die nach Bundesrecht Pflichtbeiträge
(Pflichtbeitragszeiten) oder freiwillige Beiträge gezahlt worden sind.
Pflichtbeitragszeiten sind auch Zeiten, für die Pflichtbeiträge nach besonderen
Vorschriften als gezahlt gelten. Als Beitragszeiten gelten auch Zeiten, für die
Entgeltpunkte gutgeschrieben worden sind, weil gleichzeitig
Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung oder Zeiten der Pflege eines
pflegebedürftigen Kindes für mehrere Kinder vorliegen.
(2) Soweit ein Anspruch auf Rente eine bestimmte Anzahl an Pflichtbeiträgen für
eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit voraussetzt, zählen hierzu auch
1. freiwillige Beiträge, die als Pflichtbeiträge gelten, oder
2. Pflichtbeiträge, für die aus den in § 3 oder § 4 genannten Gründen Beiträge
gezahlt worden sind oder als gezahlt gelten, oder
3. Beiträge für Anrechnungszeiten, die ein Leistungsträger mitgetragen hat.
27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 6
Rentenarten
§ 33 Rentenarten (SGB VI)
(1) Renten werden geleistet
wegen Alters,
wegen verminderter Erwerbsfähigkeit
oder wegen Todes.

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 7


Rentenarten
§ 33 Rentenarten (SGB VI)
(2) Renten wegen Alters sind
1. Regelaltersrente,
2. Altersrente für langjährig Versicherte,
3. Altersrente für schwerbehinderte Menschen,
3a. Altersrente für besonders langjährig Versicherte,
4. Altersrente für langjährig unter Tage beschäftigte Bergleute sowie nach
den Vorschriften des Fünften Kapitels
5. Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeitarbeit,
6. Altersrente für Frauen.
27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 8
Rentenarten
§ 33 Rentenarten (SGB VI)
(3) Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit sind
1. Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung,
2. Rente wegen voller Erwerbsminderung,
3. Rente für Bergleute.

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 9


Rentenarten
§ 33 Rentenarten (SGB VI)
(4) Renten wegen Todes sind
1. kleine Witwenrente oder Witwerrente,
2. große Witwenrente oder Witwerrente,
3. Erziehungsrente,
4. Waisenrente.

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 10


Leistungen zur Teilhabe
§ 9 Aufgabe der Leistungen zur Teilhabe (SGB VI)
(1) Die Träger der Rentenversicherung erbringen Leistungen zur Prävention, Leistungen zur
medizinischen Rehabilitation, Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, Leistungen zur
Nachsorge sowie ergänzende Leistungen, um
1. den Auswirkungen einer Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen
Behinderung auf die Erwerbsfähigkeit der Versicherten vorzubeugen, entgegenzuwirken
oder sie zu überwinden und
2. dadurch Beeinträchtigungen der Erwerbsfähigkeit der Versicherten oder ihr vorzeitiges
Ausscheiden aus dem Erwerbsleben zu verhindern oder sie möglichst dauerhaft in das
Erwerbsleben wiedereinzugliedern.
Die Leistungen zur Teilhabe haben Vorrang vor Rentenleistungen, die bei erfolgreichen
Leistungen zur Teilhabe nicht oder voraussichtlich erst zu einem späteren Zeitpunkt zu
erbringen sind.
(2) Die Leistungen nach Absatz 1 sind zu erbringen, wenn die persönlichen und
versicherungsrechtlichen Voraussetzungen dafür erfüllt sind.

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 11


Zusatzleistungen
§ 106 Zuschuss zur Krankenversicherung (SGB VI)
(1) Rentenbezieher, die freiwillig in der gesetzlichen
Krankenversicherung oder bei einem
Krankenversicherungsunternehmen, das der deutschen Aufsicht
unterliegt, versichert sind, erhalten zu ihrer Rente einen Zuschuss zu
den Aufwendungen für die Krankenversicherung. Dies gilt nicht, wenn
sie gleichzeitig in einer in- oder ausländischen gesetzlichen
Krankenversicherung pflichtversichert sind. …

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 12


Finanzierung
§ 153 Umlageverfahren (SGB VI)
(1) In der Rentenversicherung werden die Ausgaben eines Kalenderjahres
durch die Einnahmen des gleichen Kalenderjahres und, soweit erforderlich,
durch Entnahmen aus der Nachhaltigkeitsrücklage gedeckt.
(2) Einnahmen der allgemeinen Rentenversicherung sind insbesondere die
Beiträge und die Zuschüsse des Bundes, Einnahmen der knappschaftlichen
Rentenversicherung sind insbesondere die Beiträge und die Mittel des
Bundes zum Ausgleich von Einnahmen und Ausgaben.
(3) Nach § 7f Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 des Vierten Buches übertragene
Wertguthaben sind nicht Teil des Umlageverfahrens. Insbesondere sind die
aus der Übertragung und Verwendung von Wertguthaben fließenden und zu
verwaltenden Mittel keine Einnahmen, Ausgaben oder
Zahlungsverpflichtungen der allgemeinen Rentenversicherung.

27.08.2019 Christopher Auer, Sozialversicherungsrecht 13


Besteckfall
Fünfter Teil

23.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 1


Hintergrund
In der Besteckfirma Messer und Söhne GmbH hat sich im Dezember ein
schwerer Unfall ereignet. Die Gabel des Staplers wurde in ein Regal
gelenkt in dem versilberte Hummergabeln lagen. Hierbei ist erheblicher
Sachschaden entstanden.
Da der Unfall kurz vor Dienstende erfolgte, bleibt der Verursacher
unklar. Der Chef des Lagers teilt mit, dass er den S. Löffel mit einer
frischen Stirnwunde an ihm vorbeilaufen sah, als dieser eilig das
Betriebsgelände verlassen hat. Es fiel auf dass S. Löffel sich am Folgetag
zu ersten mal im Betrieb krankgemeldet hat. Seine Probezeit ist bereits
beendet.

23.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 2


Aufgabe
Da der Geschäftsführer Messer am Tag nach dem Unfall zu einer
einschneidenden Maßnahme neigt, bereiten Sie bitte in Gruppenarbeit
das weitere Vorgehen zur rechtssicheren Beendigung des
Arbeitsverhältnis mit S. Löffel und die nötigen weiteren Schritte vor.
Bei Erstellung der Schriftstücke bedenken Sie bitte, dass S. Löffel eine
Krankmeldung bis Mitte des Folgemonats übermittelt hat.
Einer der beiden Auszubildenden hat seine Ausbildung beendet und ist
wie acht weitere Arbeitnehmer nicht mehr im Betrieb.

23.08.2019 Christopher Auer, Arbeitsrecht 3

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