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Peter Bühler

Patrick Schlaich
Dominik Sinner

Druck
Druckverfahren · Werkstoffe · Druckverarbeitung
Bibliothek der Mediengestaltung
Konzeption, Gestaltung, Technik und Produktion von Digital- und Printmedien sind die zentralen Themen der Bibliothek
der Mediengestaltung, einer Weiterentwicklung des Standardwerks Kompendium der Mediengestaltung, das in seiner
6. Auflage auf mehr als 2.700 Seiten angewachsen ist. Um den Stoff, der die Rahmenpläne und Studienordnungen sowie
die Prüfungsanforderungen der Ausbildungs- und Studiengänge berücksichtigt, in handlichem Format vorzulegen,
haben die Autoren die Themen der Mediengestaltung in Anlehnung an das Kompendium der Mediengestaltung neu
aufgeteilt und thematisch gezielt aufbereitet. Die kompakten Bände der Reihe ermöglichen damit den schnellen Zugriff
auf die Teilgebiete der Mediengestaltung.

Weitere Bände in der Reihe: http://www.springer.com/series/15546


Peter Bühler
Patrick Schlaich
Dominik Sinner

Druck
Druckverfahren – Werkstoffe – Druckverarbeitung
Peter Bühler Dominik Sinner
Affalterbach, Deutschland Konstanz-Dettingen, Deutschland

Patrick Schlaich
Kippenheim, Deutschland

ISSN 2520-1050 ISSN 2520-1069 (electronic)


Bibliothek der Mediengestaltung
ISBN 978-3-662-54610-9 ISBN 978-3-662-54611-6 (eBook)
https://doi.org/10.1007/978-3-662-54611-6

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Vorwort

The Next Level – aus dem Kompendium welchen Band Sie in der Hand halten.
der Mediengestaltung wird die Biblio- Die Bibliothek der Mediengestaltung
thek der Mediengestaltung. richtet sich an alle, die eine Ausbildung
Im Jahr 2000 ist das „Kompendium oder ein Studium im Bereich der Digi-
der Mediengestaltung“ in der ersten tal- und Printmedien absolvieren oder
Auflage erschienen. Im Laufe der Jahre die bereits in dieser Branche tätig sind
stieg die Seitenzahl von anfänglich 900 und sich fortbilden möchten. Weiterhin
auf 2700 Seiten an, so dass aus dem zu- richtet sich die Bibliothek der Medien-
nächst einbändigen Werk in der 6. Auf- gestaltung auch an alle, die sich in ihrer
lage vier Bände wurden. Diese Auftei- Freizeit mit der professionellen Gestal-
lung wurde von Ihnen, liebe Leserinnen tung und Produktion digitaler oder
und Leser, sehr begrüßt, denn schmale gedruckter Medien beschäftigen. Zur
Bände bieten eine Reihe von Vorteilen. Vertiefung oder Prüfungsvorbereitung
Sie sind erstens leicht und kompakt und enthält jeder Band zahlreiche Übungs-
können damit viel besser in der Schule aufgaben mit ausführlichen Lösungen.
oder Hochschule eingesetzt werden. Zur gezielten Suche finden Sie im An-
Zweitens wird durch die Aufteilung auf hang ein Stichwortverzeichnis.
mehrere Bände die Aktualisierung eines Ein herzliches Dankeschön geht an
Themas wesentlich einfacher, weil nicht Herrn Engesser und sein Team des
immer das Gesamtwerk überarbeitet Verlags Springer Vieweg für die Un-
werden muss. Auf Veränderungen in terstützung und Begleitung dieses
der Medienbranche können wir somit großen Projekts. Wir bedanken uns bei
schneller und flexibler reagieren. Und unserem Kollegen Joachim Böhringer,
drittens lassen sich die schmalen Bände der nun im wohlverdienten Ruhestand
günstiger produzieren, so dass alle, die ist, für die vielen Jahre der tollen Zu-
das Gesamtwerk nicht benötigen, auch sammenarbeit. Ein großes Dankeschön
einzelne Themenbände erwerben kön- gebührt aber auch Ihnen, unseren
nen. Deshalb haben wir das Kompendi- Leserinnen und Lesern, die uns in den
um modularisiert und in eine Bibliothek vergangenen fünfzehn Jahren immer
der Mediengestaltung mit 26 Bänden wieder auf Fehler hingewiesen und
aufgeteilt. So entstehen schlanke Tipps zur weiteren Verbesserung des
Bände, die direkt im Unterricht einge- Kompendiums gegeben haben.
setzt oder zum Selbststudium genutzt Wir sind uns sicher, dass die Biblio­
werden können. thek der Mediengestaltung eine zeit­
Bei der Auswahl und Aufteilung der gemäße Fortsetzung des Kompendiums
Themen haben wir uns – wie beim darstellt. Ihnen, unseren Leserinnen
Kompendium auch – an den Rahmen- und Lesern, wünschen wir ein gutes
plänen, Studienordnungen und Gelingen Ihrer Ausbildung, Ihrer Weiter­
Prüfungsanforderungen der Ausbil- bildung oder Ihres Studiums der Medi-
dungs- und Studiengänge der Medi- engestaltung und nicht zuletzt viel Spaß
engestaltung orientiert. Eine Übersicht bei der Lektüre.
über die 26 Bände der Bibliothek der
Mediengestaltung finden Sie auf der Heidelberg, im Frühjahr 2018
rechten Seite. Wie Sie sehen, ist jedem Peter Bühler
Band eine Leitfarbe zugeordnet, so dass Patrick Schlaich
Sie bereits am Umschlag erkennen, Dominik Sinner
Vorwort

Bibliothek der Medien-


gestaltung
Titel und
Erscheinungsjahr
Visuelle Digitale Farbe Typografie Digitales Bild Digitale Fotografie
Kommunikation

2017 2018 2017 2017 2017

Zeichen und Grafik AV-Medien Animation Printdesign Druckvorstufe

2017 2018 2017 2018 2018

Druck Crossmedia PDF Webdesign HTML5 und CSS3


Publishing

2018 2019 2018 2017 2017

Webtechnologien Digital Publishing Daten- Informations- Internet


management technik

2018 2019 2019 2018 2019

Medienrecht Medienmarketing Medienworkflow Präsentation Produktdesign

2017 2019 2018 2019 2019

Designgeschichte

2019

VII
Inhaltsverzeichnis

1 Druckverfahren 2
1.1 Einführung......................................................................................................................................... 2
1.1.1 Druckprozess.................................................................................................................................... 2
1.1.2 Druckprinzipe................................................................................................................................... 2
1.1.3 Überblick Druckverfahren.............................................................................................................. 4
1.1.4 Farben im Druck............................................................................................................................... 8
1.1.5 Rasterung.......................................................................................................................................... 9
1.1.6 Marken, Hilfszeichen und ­Kontrollelemente............................................................................. 12
1.1.7 Qualitätskontrolle........................................................................................................................... 13
1.2 Flexodruck (Hochdruck).............................................................................................................. 14
1.2.1 Verfahren ........................................................................................................................................ 14
1.2.2 Merkmale........................................................................................................................................ 16
1.2.3 Anwendung..................................................................................................................................... 16
1.2.4 Maschinen...................................................................................................................................... 17
1.3 Tiefdruck......................................................................................................................................... 18
1.3.1 Verfahren ........................................................................................................................................ 18
1.3.2 Merkmale........................................................................................................................................ 19
1.3.3 Anwendung..................................................................................................................................... 19
1.3.4 Maschinen...................................................................................................................................... 20
1.3.5 Tampondruck.................................................................................................................................. 20
1.4 Offsetdruck (Flachdruck)............................................................................................................. 21
1.4.1 Verfahren ........................................................................................................................................ 21
1.4.2 Merkmale........................................................................................................................................ 22
1.4.3 Anwendung..................................................................................................................................... 23
1.4.4 Maschinen...................................................................................................................................... 23
1.4.5 Chemie des Offsetdrucks............................................................................................................. 23
1.5 Siebdruck (Durchdruck)............................................................................................................... 25
1.5.1 Verfahren ........................................................................................................................................ 25
1.5.2 Merkmale........................................................................................................................................ 26
1.5.3 Anwendung..................................................................................................................................... 27
1.5.4 Maschinen...................................................................................................................................... 27
1.6 Inkjetdruck (Digitaldruck)........................................................................................................... 28
1.6.1 Verfahren ........................................................................................................................................ 28
1.6.2 Merkmale........................................................................................................................................ 30
1.6.3 Anwendung..................................................................................................................................... 30
1.6.4 Maschinen...................................................................................................................................... 30
1.7 Elektrofotografie (Digitaldruck).................................................................................................. 31
1.7.1 Verfahren ........................................................................................................................................ 31
1.7.2 Merkmale........................................................................................................................................ 32
1.7.3 Anwendung..................................................................................................................................... 32
1.7.4 Maschinen...................................................................................................................................... 32
1.8 Aufgaben......................................................................................................................................... 33
Inhaltsverzeichnis

2 Druckveredelung 40
2.1 Einführung....................................................................................................................................... 40
2.1.1 Zweck der Veredelung.................................................................................................................. 40
2.1.2 Art der Veredelung........................................................................................................................ 40
2.1.3 Einflussfaktoren............................................................................................................................. 41
2.1.4 Wirkung der Veredelung............................................................................................................... 41
2.2 Lackierung...................................................................................................................................... 42
2.2.1 Drucklack........................................................................................................................................ 43
2.2.2 Dispersionslack.............................................................................................................................. 44
2.2.3 UV-Lack........................................................................................................................................... 44
2.2.4 Metalliclack.................................................................................................................................... 46
2.2.5 Duftlack........................................................................................................................................... 46
2.2.6 Lacke im Vergleich........................................................................................................................ 47
2.2.7 Papier und Lacke........................................................................................................................... 47
2.2.8 Lackform anlegen mit InDesign................................................................................................... 48
2.3 Folierung......................................................................................................................................... 49
2.4 Prägung........................................................................................................................................... 50
2.4.1 Blindprägung.................................................................................................................................. 51
2.4.2 Folienprägung................................................................................................................................. 51
2.5 Sonstige Verfahren........................................................................................................................ 53
2.6 Aufgaben......................................................................................................................................... 54

3 Druckverarbeitung 56
3.1 Vom Druckbogen zum Endprodukt............................................................................................. 56
3.1.1 Druckbogen.................................................................................................................................... 56
3.1.2 Endprodukte.................................................................................................................................... 56
3.2 Schneiden....................................................................................................................................... 57
3.2.1 Bahnverarbeitung.......................................................................................................................... 57
3.2.2 Schneiden von Druckbogen......................................................................................................... 57
3.2.3 Beschnitt bei Randabfall.............................................................................................................. 57
3.3 Falzen............................................................................................................................................... 58
3.3.1 Falzprinzipien.................................................................................................................................. 58
3.3.2 Falzarten.......................................................................................................................................... 59
3.3.3 Rillen, Nuten und Ritzen................................................................................................................ 59
3.4 Blockherstellung........................................................................................................................... 60
3.4.1 Sammeln und Zusammentragen................................................................................................. 60
3.4.2 Doppelseitendruck........................................................................................................................ 61
3.4.3 Klammerheftung............................................................................................................................. 61

IX
3.4.4 Spiralbindung................................................................................................................................. 61
3.4.5 Klebebindung.................................................................................................................................. 62
3.4.6 Fadenheftung.................................................................................................................................. 63
3.4.7 Fadensiegelheftung....................................................................................................................... 63
3.5 Endfertigen..................................................................................................................................... 64
3.5.1 Ableimen......................................................................................................................................... 64
3.5.2 Endbeschnitt .................................................................................................................................. 64
3.5.3 Buchmontage................................................................................................................................. 64
3.6 Aufgaben......................................................................................................................................... 65

4 Werkstoffe 68
4.1 Papierherstellung.......................................................................................................................... 68
4.1.1 Primärfasern................................................................................................................................... 68
4.1.2 Sekundärfasern (Altpapier).......................................................................................................... 69
4.1.3 Stoffaufbereitung........................................................................................................................... 70
4.1.4 Füll- und Hilfsstoffe........................................................................................................................ 70
4.1.5 Papiermaschine............................................................................................................................. 71
4.1.6 Papierveredelung und­-ausrüstung............................................................................................ 72
4.2 Papiereigenschaften und -sorten............................................................................................... 73
4.2.1 Stoffzusammensetzung................................................................................................................. 73
4.2.2 Oberfläche...................................................................................................................................... 73
4.2.3 Opazität............................................................................................................................................ 74
4.2.4 Laufrichtung.................................................................................................................................... 74
4.2.5 Papierformate................................................................................................................................. 76
4.2.6 Papiergewicht und -dicke............................................................................................................ 77
4.2.7 Wasserzeichen............................................................................................................................... 78
4.2.8 Papiertypen nach DIN ISO 12647................................................................................................. 78
4.2.9 Papier und Klima............................................................................................................................ 78
4.2.10 Papier und Ökologie...................................................................................................................... 79
4.3 Weitere Bedruckstoffe................................................................................................................. 80
4.3.1 Folienherstellung........................................................................................................................... 80
4.3.2 Folieneigenschaften...................................................................................................................... 80
4.3.3 Bedrucken von Folien................................................................................................................... 80
4.4 Druckfarben.................................................................................................................................... 81
4.4.1 Zusammensetzung......................................................................................................................... 81
4.4.2 Herstellung...................................................................................................................................... 82
4.4.3 Physikalische Trocknung.............................................................................................................. 82
4.4.4 Chemische Trocknung................................................................................................................... 83
4.4.5 Kombinationstrocknung................................................................................................................ 83
4.4.6 Rheologie........................................................................................................................................ 83
4.4.7 Echtheiten....................................................................................................................................... 84
4.5 Aufgaben......................................................................................................................................... 85

X
Inhaltsverzeichnis

5 Anhang 90
5.1 Lösungen......................................................................................................................................... 90
5.1.1 Druckverfahren.............................................................................................................................. 90
5.1.2 Druckveredelung........................................................................................................................... 93
5.1.3 Druckverarbeitung......................................................................................................................... 94
5.1.4 Werkstoffe....................................................................................................................................... 96
5.2 Links und Literatur...................................................................................................................... 100
5.3 Abbildungen................................................................................................................................. 101
5.4 Index.............................................................................................................................................. 102

XI
1.1 Einführung
1 Druckverfahren

Druckfaktoren Erzeugung eines Druckbildes, eine Aus­


A Druckfarbe nahme sind Thermodruckverfahren, bei
B Bedruckstoff denen die Färbung durch Erhitzen und
C Druckform D
die damit einhergehende Verfärbung
D Druckkraft
des Spezialpapiers erreicht wird.

Bedruckstoff B
Bedruckstoff ist in den meisten Fällen
Papier, wobei so ziemlich jedes Material
B bedruckt werden kann.

A Druckform C
C
Die älteren Druckverfahren arbeiten alle
mit einer festen Druckform. Die Infor­
mationsübertragung erfolgt durch eine
feste, eingefärbte Druckform auf einen
Bedruckstoff. Diese Verfahren werden
1.1.1 Druckprozess auch als Impact Printing (IP­Verfahren)
bezeichnet. Zu diesen IP­Druckverfahren
Drucken ist eine sehr alte Technologie, zählen der Hochdruck, Flachdruck, Sieb­
die durch die Erfindung des Satzes mit druck und Tiefdruck.
beweglichen Lettern durch Johannes Die Informationen können auch ohne
Gutenberg Mitte des 15. Jahrhunderts statische Druckform auf den Bedruck­
den Aufbruch in eine technologisch und stoff übertragen werden. Dabei erfolgt
geistig neue Zeit eingeläutet hat. die Informationsübertragung durch eine
Gutenbergs Hochdruckverfahren elektronische Steuerung.
war insofern besonders, da die Lettern Der Anpressdruck hat bei diesen
wiederverwendet werden konnten. Verfahren, die als Non Impact Printing
Bis dahin wurden die Druckplatten aus (NIP­Verfahren) bezeichnet werden,
Holz hergestellt. Sie waren Unikate keine oder nur eine minimale Bedeu­
und konnten nur für eine einzige Seite tung. Zu diesen NIP­Verfahren gehören
verwendet werden. alle Digitaldrucksysteme, wie z. B. der
Die DIN­Norm 16 500 definiert das elektrofotografische Druck und der
Drucken als „Vervielfältigen, bei dem Inkjetdruck.
zur Wiedergabe von Informationen
[...] Druckfarbe auf einen Bedruckstoff Druckkraft D
unter Verwendung eines Druckbild­ Bei vielen Verfahren wird zur Druckbild­
speichers (z. B. Druckform) aufgebracht übertragung mechanische Druckkraft,
wird“. Für den Druckvorgang sind also der sogenannte Anpressdruck, benötigt.
meist Druckfarbe A, Bedruckstoff B,
Druckform C und oft auch Druckkraft D 1.1.2 Druckprinzipe
notwendig.
Das erste von Gutenberg genutzte
Druckfarbe A Übertragungsprinzip von Druckfarbe
Die meisten Druckverfahren nutzen auf den Bedruckstoff erfolgte ähnlich
Farbe als Pulver oder Flüssigkeit zur einem Handstempel, von Fläche zu

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2018


P. Bühler, P. Schlaich, D. Sinner, Druck, Bibliothek der Mediengestaltung,
https://doi.org/10.1007/978-3-662-54611-6_1
Druckverfahren

A D E

Druckprinzip
Andere Druckmaschinen arbeiten nach A flach – flach
dem Druckprinzip flach – rund B. Auf ei­ B flach – rund
C rund – rund
nen flachen Informationsspeicher drückt
D direkt
sich ein drehender Zylinder auf den E indirekt
Bedruckstoff und erzeugt die zur Farbü­
bertragung notwendige Druckkraft. Die
Druckform bewegt sich dabei unter dem
rotierenden Zylinder hindurch. Auch bei
C
diesem Druckprinzip handelt es sich um
einen direkten Druck, der eine seiten­
verkehrte Druckform voraussetzt. Diese
Druckmaschinen sind in der Druckpro­
duktion nicht mehr zu finden – außer
für Arbeiten wie Prägen, Nuten, Stan­
zen, Perforieren oder Rillen.
Moderne Druckmaschinen arbeiten
alle nach dem Druckprinzip rund – rund
C. Dieses Prinzip lässt die höchs­
ten Druckgeschwindigkeiten zu und
benötigt den geringsten Kraftschluss
Fläche A. Zwischen der eingefärbten zwischen den runden Druckzylindern
Druckform und dem Druckkörper zur Druckbildübertragung. Durch diese
befindet sich der Bedruckstoff. Die Druckbildübertragung von Zylinder zu
Farbübertragung von der Druckform auf Zylinder sind die erforderlichen Druck­
den Bedruckstoff erfordert einen hohen kräfte vergleichsweise gering. Das
Kraftaufwand, da die Farbe direkt auf Druckprinzip rund – rund kennt noch
den flächig liegenden Bedruckstoff die Unterscheidung zwischen direktem
übertragen wird. Man spricht hierbei D und indirektem E Druck. Bei einem
auch von einem direkten Druckverfah­ direkten Druck muss die Druckform sei­
ren, das eine seitenverkehrte Druckform tenverkehrt sein, beim indirekten Druck
benötigt. seitenrichtig.

3
Druckverfahren 1.1.3 Überblick Druckverfahren und Tiefe der Näpfchen gesteuert.
A Druckform Beim Druck­vorgang wird die gesamte
B Bedruckstoff Hochdruck Druckform A eingefärbt und die über­
C Druckfarbe
D Rakel
Im Hochdruckverfahren sind die dru­ schüssige Farbe auf den Stegen, den
E Feuchtwerk ckenden Elemente der Druckform, die nicht druckende Stellen zwischen den
F Gummituch für die Farbübertragung auf den Be­ Näpfchen, durch eine Rakel D abge­
druckstoff verantwortlich sind, erhaben. streift. Die Druckfarbe C wird dann

B B

D
D
A A

C
C

Der Hoch­druck ist das älteste Druck­ unter Druck direkt auf den Bedruckstoff
verfahren. Bis in die 70er Jahre des 20. B übertragen.
Jahrhunderts bildete der Buch- und Aufgrund der sehr aufwendigen
Zeitungsdruck den Haupt­anteil im Druckformherstellung werden im Tief­
Hochdruckverfahren. druck nur auflagenstarke Druckprodukte
Heute ist der Flexodruck das Haupt­ wie Versandhauska­taloge, Zeitschrif­
druckverfahren im Hochdruck. Mit ten und Illustrierte, aber auch Tapeten
seiner flexiblen, einem Gummistempel produziert.
vergleichbaren Druckform A wird der
Flexodruck vor allem zum Druck von Flachdruck
Verpackungen, Folien oder Kunststoff­ Der Flachdruck ist heute als Offset-
einkaufstüten eingesetzt. druck das Hauptdruckverfahren zum
Druck von Zeitungen, Büchern und
Tiefdruck Akzidenzen. Mit dem Begriff Akzi­
In der Tiefdruckform ist die Information denz (Ac­cidentia: lat. das Zufällige,
als vertiefte Näpfchen gespeichert. Die das Veränderliche) werden alle nicht
Näpfchen werden bei der Druckform­ periodisch erscheinenden Drucksachen
herstellung durch Diamantsti­chel oder oder Bücher bezeichnet. Bei­spiele von
Laserstrahl maschinell in den Druck­ Akzidenzen sind Werbedrucksa­chen,
formzylinder graviert. Die Farbmenge Briefbögen oder auch Flyer. Bei einer
wird durch die unterschiedliche Größe Flachdruckform liegen die druckenden

4
Druckverfahren

Siebdruck
C Beim Siebdruck besteht die Druckform
aus einem Sieb mit feinem Gewebe A.
Eine Schablone verschließt die nicht
E druckenden Elemente. An den offenen
Siebstellen wird durch eine Rakel die
Farbe durch die Siebmaschen gedrückt
und dadurch auf den Bedruckstoff B
A übertragen.
Weil das Sieb eine gewisse Flexibi­
F lität be­sitzt, können im Siebdruck auch
Materialien bedruckt werden, die nicht
B absolut plan sind.
Durch ein Abrollen des zu bedru­
ckenden Werkstücks unter dem Sieb
beim Druckvorgang können im Sieb­
druck auch runde Körper wie z. B. Trink­
gläser bedruckt werden.

und die nicht druckenden Stellen auf C


einer Ebene. Um die Informationen A
darstellen zu können, nutzt man die B
unterschiedlichen physikalischen Ei­
genschaften von Was­ser und Öl. Beim
Druck­vorgang wird auf die Druckform
A im Feuchtwerk E Wasser und im Eine weitere Besonderheit ist die
Farbwerk Druckfarbe C aufgebracht. Die Möglichkeit, relativ dicke Farbschichten
nicht druckenden Bereiche der Druck­ zu verdrucken. Typische Druckprodukte
form sind hydrophil (gr.: wasserfreund­ im Siebdruck sind Gläser, Schilder und
lich), d. h., sie werden leichter von Aufkleber, aber auch Elekto­nikbauteile
Wasser als von der Druckfarbe benetzt. wie Leiterplatten oder Tachoscheiben für
Die druckenden Stellen auf der Druck­ die Autoindustrie.
form sind lipophil (gr.: fettfreundlich),
sie werden von der ölhaltigen Druckfar­ Inkjetdruck (Tintenstrahldruck)
be leicht benetzt. Die Farbe wird somit Die Informationsübertragung erfolgt
nur an den lipophilen, den druckenden beim Tintenstrahldruck be­rührungslos,
Stellen angenommen. Nach dem Einfär­ ohne einen Zwischenträger, direkt aus
ben der Druckform wird das Druckbild den Farbdüsen auf den Bedruckstoff.
zunächst auf einen mit einem speziellen Die Druckerhersteller setzen in ihren
Gummituch F bespannten Zylinder und Druckern verschiedene Techniken ein,
von dort auf den Bedruckstoff B über­ um die Tinte auf den Bedruckstoff zu
tragen. Man spricht deshalb auch von übertragen. Beim hier dargestellten
einem indi­rekten Druckverfahren. Continuous-Inkjet-Verfahren läuft kon­

5
Druckverfahren Elektrofotografie (Laserdruck)
Continuous-Inkjet- Die meisten Laserdrucker arbeiten nach
Verfahren dem elektrofotografischen Verfahren.
Die Informationen werden als Ladungs­
A bild von einem Laserstrahl A auf eine
Fotohalbleitertrommel geschrieben.
Von diesen Flächen wird der positiv
B C E geladene Toner B auf den Bedruckstoff
C übertragen und mit Druck und Hitze D
fixiert. Die Bebil­derung der Bildtrommel
D erfolgt für jeden Druck neu. Üblicher­
weise werden in Laserdruckern Farbkar­
tuschen mit Trockentoner in den Farben
Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz
eingesetzt.
tinuierlich Tinte durch den Druckkopf A, Die meisten Kopiergeräte und
unabhängig davon, ob mit dieser Tinte Bürodrucker arbeiten nach dem elek­
gerade gedruckt werden soll oder nicht. trofotografischen Verfahren, außerdem
Der Tintenstrahl wird in einzelne Tinten­ werden im Laserdruck personalisierte
tröpfchen zerlegt. Diese Tröpfchen wer­ und individualisierte Druckprodukte wie
den statisch aufgeladen B. Beim Pas­ z. B. Fo­tobücher und kleinere Auflagen
sieren der Ablenkelektroden C werden hergestellt.
die Tröpfchen für ein späteres Druckbild
gemäß ihrer Ladung abgelenkt und
damit in die entsprechende Position auf A
dem Bedruckstoff D aufgebracht. Soll
kein Druckpunkt gesetzt werden, wird
der Tintenstrahl nicht unterbrochen,
sondern nur nicht statisch aufgeladen.
Durch das Spannungsfeld einer Ablenk­
elektrode wird der Tintenstrahl mit der B
nicht benötigten Tinte so zu einem Trop­ D
fenfänger abgelenkt, dass diese nicht
auf dem Bedruckstoff ankommt. Diese C
nicht benötigte Tinte wird in einem
Auffangbehälter E gesammelt und –
bei einigen Druckerherstellern – dem
Tintenbehälter zur weiteren Nutzung
wieder zugeführt.
Typische Druckprodukte sind hoch­
wertige Fotodrucke, Proofs und groß­ Druckverfahren
formatige Drucke als Banner z. B. für die Elektrofotografie (Laserdruck)
Außenwerbung. Generell werden eher
kleinere Auflagen bzw. personalisierte
Drucke im lnkjetdruck realisiert.

6
Druckverfahren

Merkmale Druckbild Druckbild (Raster) Druckbild (Kanten) Druckform


Flexodruck ƒƒ Quetschrand an den
(Hochdruck) Kanten
ƒƒ Schattierung auf der
Rückseite eines Druck-
bogens
ƒƒ Buchstaben und
Abbildungen 15-fach Flächen sind nicht
vergrößert gerastert

Tiefdruck ƒƒ Sägezahneffekt an den


Buchstabenrändern
ƒƒ Buchstaben und Flä-
chen sind gerastert
ƒƒ rautenförmige Raster-
punkte (Näpfchenform)
Abbildungen 15-fach
vergrößert

Offsetdruck ƒƒ Schrift ist an den Rän-


dern leicht ausgefranst
ƒƒ Buchstaben und
Flächen sind nicht
gerastert
ƒƒ feine Rasterweite
Abbildungen 15-fach
vergrößert

Siebdruck ƒƒ Siebstruktur an den


Kanten und in den
Flächen erkennbar
ƒƒ Buchstaben und Flä-
chen sind gerastert
ƒƒ grobe Rasterweite
Abbildungen 15-fach ƒƒ fühlbar hohe Farb-
vergrößert schicht

Inkjetdruck ƒƒ Rasterpunkte wirken ƒƒ keine feste Druckform


(Digitaldruck) wie „Farbkleckse“ (Digitaldruck)
ƒƒ hoher Farbumfang
ƒƒ Tinte ist oft wasser-
löslich
ƒƒ Druck bleicht schneller
Abbildungen 15-fach aus als bei anderen
vergrößert Verfahren

Elektrofotografie ƒƒ meist etwas gröber ƒƒ keine feste Druckform


(Digitaldruck) gerastert als Offset (Digitaldruck)
ƒƒ Tonerpartikel „streuen“
rund um die dru-
ckenden Elemente
ƒƒ Schmutzeffekte bei
Abbildungen 15-fach Flächen unter 10 %
vergrößert Flächendeckung

7
1.1.4 Farben im Druck dass die verwendeten Druckfarben
lasierend sind. Die zuoberst gedruck­
Die Mischung der Farben im Druck wird te Farbe deckt die darunterliegende
allgemein als autotypische Farbmi­ nicht vollständig ab, sondern lässt sie
schung bezeichnet. Ihre Gesetzmä­ durchscheinen. Das remittierte Licht
ßigkeiten gelten grundsätzlich für alle der nebeneinander liegenden Farb­
Druckverfahren, vom Digitaldruck bis flächen mischt sich dann additiv im
hin zu künstlerischen Drucktechniken Auge (physiologisch), die übereinander
wie der Serigrafie. Auch die verschie­ gedruckten Flächenelemente mischen
denen Rasterungsverfahren wie ampli­ sich subtraktiv auf dem Bedruckstoff
tuden- und frequenzmodulierte Raste­ (physikalisch).
rung erzielen die Farbwirkung durch
diese Farbmischung. Die autotypische CMYK
Farbmischung vereinigt die additive Die Buchstaben CMY bezeichnen die
und die subtraktive Farbmischung. Grundfarben der subtraktiven Farbmi­
Voraussetzung für die farbliche Wirkung schung Cyan, Magenta und Gelb (Yel­
der Mischung ist allerdings, dass die low). Beim Mehrfarbendruck wird zur
Größe der gedruckten Farbflächen bzw. Kontrastunterstützung noch zusätzlich
Rasterelemente unterhalb des Auflö­ Schwarz (BlacK oder Key) gedruckt. Die
sungsvermögens des menschlichen Farbwerte sind die Flächendeckungen,
Auges liegt. Die zweite Bedingung ist, mit denen die Farben gedruckt werden.

Farben im Druck Sonderfarben


Oben ist das Bild Sonderfarben werden auch Echtfar­
in CMYK zu sehen, ben, Schmuckfarben oder Hausfar­
unten sind die vier
ben genannt. Echtfarben können z. B.
Farbauszüge Cyan,
Magenta, Yellow und Effektfarben oder Metallfarben sein.
Schwarz (Key) darge­ Sie werden entweder ergänzend zu
stellt. den Skalendruckfarben als fünfte oder
sechste Farbe oder statt CMYK, z. B. bei
Geschäftsdrucksachen, gedruckt.
Verschiedene Hersteller bieten Echtfarb­
ensysteme an. Die Systeme sind auf
verschiedene Bedruckstoffe und
Druckprozesse abgestimmt. Die be­
kanntesten Echtfarb­ensysteme sind
Pantone und HKS.

Cyan Magenta Yellow Schwarz

8
Druckverfahren

1.1.5 Rasterung haben den gleichen Abstand (kon­


stante Frequenz).
Der Druck von Tonwerten, d. h. von Hel­ ƒƒ Die Größe der Rasterpunktfläche vari­
ligkeitsstufen, ist nur durch die Raste­ iert (variable Amplitude).
rung möglich. Die Bildinformation wird ƒƒ Die Farbschichtdicke ist bei allen Ras­
dabei einzelnen Flächenelementen, den terpunktgrößen (Tonwerten) grund­
Rasterpunkten, zugeordnet. sätzlich gleich. Verfahrensbedingte
Form und Größe dieser Elemente Schwankungen beeinflussen bei
sind verfahrensabhängig verschieden. Normalfärbung die visuelle Wirkung
Grundsätzlich liegt die Rasterteilung nicht.
immer unterhalb des Auflösungsver­ ƒƒ Die Farb- bzw. Tonwerte werden nur
mögens des menschlichen Auges. Sie über die Rasterpunktgrößen gesteuert
können dadurch die einzelnen Raster­ (unechte Halbtöne).
elemente mit bloßem Auge meist Prozessgrößen
nicht sehen, sondern nur das von der ƒƒ Rastertonwert (Flächendeckungs­
bedruckten Fläche zurückgestrahlte grad): Der Rastertonwert ist der Anteil
Licht. Dieses mischt sich im Auge zu der mit Rasterelementen bedeckten
sogenannten unechten Halbtönen. Fläche an der Gesamtfläche in Pro­
Man unterscheidet zwischen drei zent. Der Rastertonwertumfang für
idealtypischen Rasterkonfigurationen: Bilder und Tonflächen beträgt nach
ƒƒ Amplitudenmodulierte Rasterung DIN/ISO 12647 in den Rasterweiten
ƒƒ Frequenzmodulierte Rasterung von 40 L/cm bis 70 L/cm 3 % im Licht
ƒƒ Hybridrasterung bis 97 % in der Tiefe, bei Rasterweiten
über 80 L/cm 5 % bis 95 %.
Amplitudenmodulierte Rasterung (AM) ƒƒ Rasterweite (Rasterfeinheit): Die
Die klassische Rasterkonfiguration ist Rasterweite gibt die Anzahl der
die amplitudenorientierte, autotypische Rasterelemente pro Streckeneinheit
Rasterung. an. Sie wird in Linien pro Zentimeter,
Kennzeichen z. B. 60 L/cm, oder in lines per inch,
ƒƒ Die Mittelpunkte der Rasterelemente z. B. 150 lpi, angegeben. Die Wahl der

Moiré
Die falsche Rasterwin­
kelung führt zu einem
störenden Muster, das
durch die Überlage­
rung der regelmä­
ßigen Rasterstruktur
der Farbauszüge
entsteht.
ƒƒ Links:
C 15°, M 75°,
Y 90°, K 45°
ƒƒ Rechts:
C 5°, M 10°,
Y 15°, K 20°

9
Rasterweite ist u. a. abhängig vom Tonwerte ebenfalls durch die Flächen­
Druckverfahren, der Ausgabeauflö­ deckung dar. Es wird dabei aber nicht
sung und der Oberflächenstruktur des die Größe eines Rasterpunktes variiert,
Bedruckstoffs. sondern die Zahl der Rasterpunkte,
ƒƒ Rasterpunktform: Die Form der also die Frequenz der Punkte (Dots)
Rasterelemente bestimmt wesentlich im Basisquadrat. Beim FM-Raster ist
die Wirkung des gedruckten Bildes. keine allgemein gültige Auflösung der
Die Norm macht folgende Vorgaben: Bilddatei vorgegeben. Die Angaben
ƒƒ Kreis-, Quadrat- oder Kettenpunkte schwanken bei den verschiedenen
sind erlaubt. Anbietern der Rasterkonfigurationen
ƒƒ Der erste Punktschluss darf nicht von Qualitätsfaktor QF = 1 bis QF = 2.
unter 40%, der zweite Punktschluss Die Verteilung der Dots erfolgt nach
darf nicht über 60% liegen. softwarespezifischen Algorithmen.
ƒƒ Rasterwinkelung: Die Rasterwinke­ Durch die Frequenzmodulation werden
lung beschreibt die Ausrichtung der die typischen Rosetten des amplituden­
Rasterpunkte zur Bildkante. modulierten Farbdrucks und Moirés
ƒƒ Einfarbige Bilder werden mit 45° durch falsche Rasterwinkelungen und
bzw. 135° gewinkelt. Bildstrukturen vermieden. Das durch
ƒƒ Die Winkeldifferenz zwischen Cyan, Überlagerung von Vorlagenstrukturen
Magenta und Schwarz beträgt 60°. und der Abtastfrequenz des Scanners
ƒƒ Gelb hat einen Abstand von 15° zur oder der CCD-Matrix Ihrer Digitalkame­
nächsten Farbe. ra entstehende Moiré kann allerdings
ƒƒ Die Winkelung der zeichnenden, auch durch FM-Raster nicht verhindert
dominanten Farbe sollte 45° oder werden. Dieses Moiré können Sie nur
135° betragen, z. B. C 75°, M 45°, Y vermeiden, indem Sie die Bildauflö­
0°, K 15°. sung verändern.
Die frequenzmodulierte Rasterung
Frequenzmodulierte Rasterung (FM) wurde Anfang der 1980er Jahre an der
Die frequenzmodulierte bzw. stochas­ Technischen Hochschule Darmstadt
tische Rasterung stellt unterschiedliche entwickelt. Aufgrund der damaligen ge­

Rasterkonfigurationen
im Vergleich
ƒƒ Links: amplitu­
denmodulierte
Rasterung (AM)
ƒƒ Rechts: frequenz­
modulierte Raste­
rung (FM)
Abbildungen 30-fach
vergrößert

10
Druckverfahren

ringen Computerleistung und der dem­ ƒ Bei Grafiken und Illustrationen be­
entsprechend langen Rechenzeiten fand steht bei glatten, homogenen Flächen
die FM­Rasterung erst 10 Jahre später die Gefahr der Wolkenbildung. Bei
den Weg in die betriebliche Praxis. Die größeren Flächen treten Schwin­
Rasterelemente wurden in der 1. Ge­ gungen (Welligkeit) auf.
neration der FM­Rasterkonfigurationen
zufällig in den Rasterbasisquadraten Hybridrasterung (XM)
angeordnet. Wiederholende Strukturen Die Hybridrasterung vereinigt die
waren damit weitestgehend ausge­ Prinzipien der amplitudenmodulierten
schlossen. Die rein zufällige Verteilung Rasterung mit denen der frequenzmo­
der Dots führt vor allem in den Mitteltö­ dulierten Rasterung.
nen zu unruhigen Verläufen. Grundlage der Hybridrasterung ist
Die 2. Generation der frequenzmodu­ die konventionelle amplitudenmodu­
lierten Raster verhindert diese Unruhe lierte Rasterung, in den Lichtern und
im Bild durch wurmartige Gruppenbil­ in den Tiefen des Druckbildes wechselt
dungen in den Mitteltönen. Ein weiterer das Verfahren zur frequenzmodulierten
Vorteil dieser Gruppenbildung ist der Rasterung. Jeder Druckprozess hat eine
geringere Anteil einzelner Dots und minimale Punktgröße, die noch stabil
kleiner Gruppen von Dots in der Fläche gedruckt werden kann. Diese Punkt­
und dadurch eine geringere Tonwertzu­ größe, die in den Lichtern noch druckt
nahme im Druck als bei FM­Rastern der und in den Tiefen noch offen bleibt, ist
1. Generation. Mit den frequenzmodu­ die Grenzgröße für AM und FM. Um
lierten Rastern der 2. Generation lassen hellere Tonwerte drucken zu können,
sich kontrastreiche und fotorealistische wird dieser kleinste Punkt nicht noch
Drucke herstellen. Probleme beim Ein­ weiter verkleinert, sondern die Zahl der
satz der FM­Rasterung sind: Rasterpunkte wird verringert. Dadurch
ƒ Die Rasterpunkte sind winzig klein, es verkleinert sich der Anteil der bedruck­
ergeben sich deshalb Probleme beim ten Fläche, die Lichter werden heller.
Belichten der Druckplatten. In den Tiefen des Bildes wird dieses
ƒ Wird Text mit FM­Raster umgesetzt, Prinzip umgekehrt. Es werden also
werden die einzelnen Buchstaben, offene Punkte geschlossen und somit
besonders bei kleinen Schriftgraden, ein höherer Prozentwert erreicht. Im Be­
unruhig, die Kanten wirken ausgeris­ reich der Mitteltöne wird konventionell
sen. amplitudenmoduliert gerastert.

Rastertonwerte AM

Rastertonwerte FM

Rastertonwerte XM

11
1.1.6 Marken, Hilfszeichen und Informationen über den Buchtitel und
die Bogenzahl bzw. die Bogennummer.
Druckvorstufe ­Kontrollelemente
Damit ist der Bogen eindeutig einem
Für die korrekte Ausführung von Druck, Werk und einer Position im Block zuor­
Veredelung und Druckverarbeitung denbar.
sind Marken, Hilfszeichen und Kontroll­
elemente notwendig. Diese Elemente Flattermarken
stehen im Beschnitt, dem Teil des Bo­ Flattermarken sind kurze ca. 2 mm brei­
gens, der nach dem Binden bzw. Heften te Linien. Sie werden beim Ausschießen
weggeschnitten wird. so auf dem Bogen positioniert, dass
Bei mehrlagigen Produkten werden sie auf dem Rücken des Falzbogens
die Marken erst bei der digitalen Bo­ sichtbar sind.
genmontage positioniert, bei einlagigen Die Position der Falzmarke wandert
Produkten bereits bei der PDF-Erstel­ von Bogen zu Bogen und zeigt bei rich­
lung z. B. in InDesign. tiger Position des Falzbogens im Block
eine fortlaufende Treppenstruktur.
Anlagemarken
Anlagemarken sind Vorder- und Seiten­ Passkreuze
marken, anhand derer die Druckbogen Passkreuze sind Hilfzeichen zur pass­
in der Anlage der Druckmaschine po­ genauen Ausrichtung des Stands der
sitioniert werden. Die Längsseite wird einzelnen Druckfarben im Mehrfarben­
normalerweise an die Vordermarken, druck, sie werden dazu in allen vorhan­
die Breitseite an die Seitenmarken denen Farben übereinander gedruckt,
angelegt. damit der Versatz einer Farbe sofort
Zur registerhaltigen Falzung sollte auffällt.
die Druckanlage mit der Falzanlage
übereinstimmen. Register ist der de­ Schneidemarken
ckungsgleiche Druck von Schön- und Schneidemarken, auch Beschnitt-,
Widerdruck bei mehrseitigen Druck­ Schnitt- oder Formatmarken, sind feine
erzeugnissen. Linien, die bei der Bogenmontage auf
dem Standbogen positioniert werden.
Bogensignatur oder Bogennorm Sie markieren die Stellen, an denen der
Die Bogensignatur oder Bogennorm Rohbogen nach dem Druck auf das End­
bezeichnet den einzelnen Druck- bzw. format beschnitten und/oder getrennt
Falzbogen. Die Bogensignatur enthält wird.

Druckkontrollstrei-
fen mit Vollton- und
Tonwertfeldern

12
Druckverfahren

Falzmarken tometer zur automatischen Messwerter­


Falzmarken sind feine Linien, die bei fassung. Die erfassten Werte werden
der Bogenmontage auf dem Standbo­ mit Sollwerten verglichen und es wird
gen positioniert werden. Sie markieren ein Farbabstand, der „ΔE-Wert“, errech­
die Stellen, an denen der Rohbogen net. Die Bewertung des Farbabstands
nach dem Druck in der Druckverarbei­ ist vom jeweiligen Produkt abhängig.
tung gefalzt wird. Sonderfarben im Verpackungsdruck be­
dingen z. B. meist engere Toleranzen als
Druckkontollstreifen Abbildungen im 4c-Auflagendruck.
Der Druckkontrollstreifen wird auf dem
Druckbogen am Bogenende parallel zur Kontrolle der Farbdichte
langen Seite über die gesamte Bogen­ Die densitometrische Farbmessung un­
breite montiert. terscheidet sich grundsätzlich von der
Nach DIN 16 527 ist der Druckkon­ spektralfotometrischen Farbmessung.
trollstreifen eine eindimensionale An­ Aus der Messung der Farbdichte kön­
einanderreihung von Kontrollelementen nen Sie keine Farbmaßzahlen ableiten.
für den Druck einer oder mehrerer Die Messwerte, die wie bei der
Druckfarben. Sie dienen zur visuellen Messung mit dem Spektralfotometern
und messtechnischen Kontrolle des am Druckkontrollstreifen gemessen
Druckes. Jeder Druckkontrollstreifen werden, dienen zur Prozesskontrolle
enthält verschiedene Signalfelder zur und der Prozessteuerung im Druck.
visuellen Kontrolle und Messfelder zur Die Farbdichte steht in einem linearen
messtechnischen Kontrolle. Verhältnis zur Farbschichtdicke. Somit
Die Anordnung der Kontrollfelder kann die Kontrolle und Steuerung der
unterscheidet sich in den einzelnen Farbführung in der Druckmaschine
Druckkontrollstreifen der verschiedenen densitometrisch gestützt durchgeführt
Anbieter. Sie müssen deshalb bei der werden.
messtechnischen Auswertung beachten,
dass die Größe und Reihenfolge der Passerkontrolle
Kontrollfelder Ihren Messbedingungen Bei der Passerkontrolle wird z. B. mit
entsprechen. dem Fadenzähler (Messlupe) der kor­
rekte Übereinanderdruck der Farben
1.1.7 Qualitätskontrolle kontrolliert. Als Kontrollelement hierzu
dienen Passkreuze, die in allen vorhan­
Kontrolle der Farbwerte denen Farben übereinander gedruckt
Die Messung von Farben wird mit Spek­ werden.
tralfotometern durchgeführt. Hierbei
wird der visuelle Eindruck einer Farbe Passerkontrolle
gemessen und mit den Farbmaßzahlen ƒƒ Oben: Fadenzähler
des im Messgerät voreingestellten ƒƒ Links: leichte
Passerfehler, am
Farb­ordnungssystems dargestellt.
größten zwischen
Zur Prüfung der korrekten Farbwie­ Cyan und Schwarz
dergabe werden die einzelnen Farb­ (8-fach vergößert)
felder des Druckkontrollstreifens mit
einem Spektralfotometer ausgemessen.
Natürlich gibt es dazu auch Spektralfo­

13
1.2 Flexodruck (Hochdruck)

1.2.1 wie beim Flexodruck aus geätzten bzw.


gravierten Kunststoffplatten bestehen.
Um ei­nen Mehrfarbendruck zu erstel­
1.2.2 len, wird für die Druckfarben Cyan, Ma­
genta, Gelb und Schwarz je eine eigene
Druck­form benötigt.
Die Druckform ist seitenverkehrt, da
es sich um ein direktes Druckverfahren
handelt.

Druckbild
Buchstaben und Flächen mit 100 % Flä­
chendeckung von Druckfarben können
Flexodruckmaschine beim Hochdruck durchgehend gedruckt
in Reihenbauweise werden und müssen nicht gerastert
1.2.1 Verfahren
Heidelberg Intro werden. Für Elemente mit weniger
Druckform als 100 % Flächendeckung werden
Die erhabenen Stellen der Hochdruck­ mehr oder weniger große, erhabene
form übertragen die Farbinformation Rasterpunkte erzeugt. Die Rasterweite
auf den Bedruckstoff. Die Hochdruck­ im Hochdruck kann nicht so hoch wie
formen können aus Bleilettern, aus zu im Flachdruck gewählt werden, da die
Zeilen gegossenen Bleibuchstaben oder erhabenen Rasterpunkte nicht beliebig
verkleinert werden können, die Raster­
Bleilettern für den weite liegt meist zwischen einem 48er
Hochdruck und 60er Raster.

Druckprozess (Flexodruck)
Der Flexodruck ist ein direktes rotatives
Druckverfahren, das mit elastischen
Reliefdruckplatten aus Gummi, Kunst­
stoff oder Fotopolymer druckt. Die
Druckformen werden auf Stahlzylinder
oder -hülsen aufgezogen. Üblicherwei­
se werden für die jeweilige Anwendung

Flexodruckformen

14
Druckverfahren

speziell gebaute Flexodruckmaschinen Flexodruck


verwendet. Die dünnflüssige Druckfarbe A Aniloxwalze
wird mit Hilfe eines Aniloxfarbwerkes B Farbwanne
C Tauchwalze
auf die Druckform und von dieser auf F D Druckform
den Bedruckstoff übertragen. E Rakel
In die Aniloxwalze A sind Tausende F Bedruckstoff
winziger Näpfchen eingraviert, die die
dünnflüssige Druckfarbe von der Farb­
wanne B über eine Tauchwalze (Heber­
walze) C auf die Druckform D über­
tragen. Die Näpfchengröße bestimmt
die auf die Druckform übertragene
Farbmenge. Je geringer die Anzahl der
Näpfchen, umso größer ist die Näpf­ E
chentiefe und umso mehr Farbe wird
übertragen. Überflüssige Druckfarbe
wird während der Walzenumdrehung
entfernt. Bei neueren Druckmaschi­
nen wird die überflüssige Farbe durch
A
Rakelsysteme E an der Aniloxwalze ent­
fernt. Damit wird eine gleichmäßigere D
C
Farbverteilung erreicht.
Die Näpfchenform der Aniloxwalze
B
kann unterschiedlich sein. In diesen
Näpfchen hält sich genügend dünnflüs­
sige Farbe, die dann auf die Flexodruck­
platte und von dort auf den Bedruck­ Da der Druck mit hoher Druckkraft
stoff F übergeben wird. ausgeführt wird, prägen sich die hoch­
Die eingefärbte Druckplatte D überträgt stehenden druckenden Teile, also die
die Farbe auf den Bedruckstoff F. Dieser Buchstaben und Metallklischeeformen
kann entweder saugend (z. B. Pappe) der Bilder, in das Druckpapier ein und
oder nicht saugend (z. B. Folie) sein. lassen auf der Rückseite eine leichte
Flexodruckfarben sind aggressive, Prägung oder Schattierung entstehen.
chemisch schnelltrocknende Farben, die Diese Schattierung ist sicht- und fühl­
zwischen zwei Druckwerken vollständig
trocknen. Damit kann feuchte Druckfar­ Druckbild (Flexodruck)
be in einem nachfolgenden Druckwerk Abbildung 30-fach
problemlos auf die zuvor gedruckte und vergrößert
getrocknete Farbe aufgetragen werden.

1.2.2 Merkmale
Schattierung
Typisches Erkennungsmerkmal für den
Hochdruck ist die Schattierung auf der
Rückseite eines Druckbogens.

15
bar. Eine derartige Schattierung ist in 30 % betragen, daraus ergeben sich
allen anderen Druckverfahren verfah­ einige Besonderheiten:
rensbedingt nicht möglich, da nur im ƒƒ Der Tonwertumfang beim Flexodruck
Hochdruckverfahren die druckenden liegt bei 10 % bis 85 %. Hellere Töne
Elemente bei Text- und Bildstellen fallen weg, dunklere Töne laufen zu.
erhöht sind. ƒƒ Negative Schrift sollte mindestens
10 pt groß und möglichst ohne feine
Quetschrand Serifen sein.
Ein weiteres hochdrucktypisches Merk­ ƒƒ Passerdifferenzen zwischen den ein­
mal ist der Quetschrand. Verursacht zelnen Druckfarben bis zu +/– 0,5 mm
wird dieser Quetschrand beim Druck­ sind möglich, dies muss besonders
vorgang durch ein geringes Wegdrü­ bei feinen Linien bzw. grafischen
cken der Druckfarbe an den Buchsta­ Elementen beachtet werden.
benrand bzw. Rasterpunktrand. Der
Quetschrand ist im Druckbild als leichte 1.2.3 Anwendung
Linienkontur um eine Buchstabenform
erkennbar. Klassischer Hochdruck
Die verbliebenen Hochdruck-Druckma­
Tonwertzunahme schinen wie Tiegeldruckpressen oder
Die Tonwertzunahme bei gerasterten Heidelberger Zylinder werden heute
Bildern kann beim Flexodruck bis zu fast ausschließlich zum Stanzen, Prägen
und Perforieren eingesetzt. Diese Spezi­
Druckbild (Flexodruck) alarbeiten sind das letzte und wichtigste
Abbildung 15-fach Arbeitsfeld des „alten“ Hochdruckver­
vergrößert fahrens.

Flexodruck
Anwendungsgebiete des Flexodrucks
sind der Verpackungsdruck (auf Papier
und Folie) und der Etikettendruck, aber
auch die allseits bekannten und von
Ihnen vielleicht genutzten Lottoscheine
werden durch dieses Verfahren erstellt.
Ein weiterer Anwendungsbereich
liegt im Tapeten- und Dekordruck.
Auch Postwurfsendungen, Mailings,

Entstehung des
Quetschrandes
A Druckform
B Druckfarbe A
C Bedruckstoff
B
C
Druckfarbe wird Farbspaltung Sichtbarer
verdrängt Quetschrand

16
Druckverfahren

Durchschreibesätze, Tragetaschen oder Typische Druckpro-


Abreißkalender sind typische Flexo­ dukte im Flexodruck
druckprodukte.
Es können sehr dünne, flexible und
feste Folien, Metall- oder Verbundfolien,
nahezu alle Papiere, Pappen, Verpa­
ckungsmaterialien mit rauer Oberfläche,
Gewebe und druckempfindliche Materi­
alien bedruckt werden.
Der Flexodruck steht in einer Reihe
von Produktionsbereichen in direkter
Konkurrenz zum Tiefdruck, der die
besseren Druckergebnisse erreicht.
Aufgrund der geringeren Kosten bei der
Druckformherstellung stellt der Flexo­
druck jedoch gerade bei Auflagen zwi­
schen etwa 5.000 und 500.000 oftmals
die wirtschaftlichere Technologie dar.

1.2.4 Maschinen Farbwerke angeordnet. Die Bedruck­


stoffbahn wird in den Zentralzylin­
Heute sind nahezu ausschließlich Mehr- dermaschinen um den Druckzylinder
farben-Rollenrotationsmaschinen im herum geführt und dabei nacheinander
Einsatz. Im Allgemeinen unterscheidet von allen Farben bedruckt. Damit ist ein
man zwei Bauweisen von Flexodruck­ sehr genauer Stand und weitgehend
maschinen: exakter Passer zu erzielen – und dies
ƒƒ Maschinen in Reihenbauweise nahezu unabhängig vom Bedruckstoff.
ƒƒ Zentralzylindermaschinen Zentralzylindermaschinen bieten Flexodruckmaschine
eine hohe Passergenauigkeit und eine in Zentralzylinder­
bauweise
Maschinen in Reihenbauweise gute Farbübertragung.
Mehrzylinder-Flexodruckmaschinen in KBA NEO XD LR
Reihenbauweise werden für Druckar­
beiten eingesetzt, bei denen die Pas­
serqualität nicht ganz so bedeutend ist.
Flexodruckmaschinen in Reihenbauwei­
se bieten folgende Vorteile gegenüber
den Zentralzylindermaschinen:
ƒƒ Beliebige Anzahl an Druckwerken
ƒƒ Einfachere Arbeitstechnik

Zentralzylindermaschinen
Rollendruckmaschinen in Zentralzy­
linder- oder Einzylinderbauweise sind
durch einen großen, zentral gelager­
ten Druckzylinder gekennzeichnet.
Um diesen Zylinder werden bis zu 10

17
1.3 Tiefdruck

weniger tiefe Näpfchen in die Ballard­


haut (Kupferschicht). Die Näpfchen
sind bedingt durch die Diamantstruktur
flächen- und tiefenvariabel angelegt.

Druckbild
Beim Tiefdruck müssen verfahrensbe­
dingt alle Elemente, also selbst Buch­
staben in 100 % Schwarz, gerastert
werden. Die Rasterweite im Tiefdruck
kann nicht so hoch wie im Flachdruck
gewählt werden, da die Näpfchen nicht
beliebig verkleinert werden können, die
Tiefdruck Rasterweite ist meist ein 70er Raster.
ƒƒ Oben: Tiefdruckma­
schine Windmöller Druckprozess
& Hölscher HELIO­
Beim Tiefdruck wird der Formzylinder
STAR SL
ƒƒ Rechts: Tiefdruck­ A mit der Druckform in die Farbwanne
form B eingetaucht. Die Näpfchen auf der
Druckform sind dadurch mit dünnflüs­
siger Farbe gefüllt, die überschüssige
Farbe auf den Stegen, den nicht dru­
ckende Stellen zwischen den Näpfchen,
wird durch eine Rakel C abgestreift. Die
Druckfarbe wird dann unter Druck direkt
auf den Bedruckstoff D übertragen.
1.3.1 Verfahren
Druckform
Die Tiefdruckform ist ein mit einer
nahtlosen Kupfer- oder Zinkhaut über­ D
zogener Zylinder. Die Mantelfläche des
Zylinders ist voll nutzbar.
Die Fläche enthält unterschiedlich
tiefe Näpfchen zur Aufnahme der dünn­
flüssigen Tiefdruckfarbe. Die Raster­
stege, die diese Vertiefungen begren­
zen, bilden eine Auflage für die Rakel, C
die dafür sorgt, dass immer die gleiche
Farbmenge in den Näpfchen verbleibt.
In der Regel werden die Vertiefungen
durch die elektromechanische Gra­ A
vur erstellt. Ein Diamantstichel oder
Laserstrahl graviert in gleichmäßigem B
Rhythmus auf den sich drehenden
Kupfer- oder Zinkzylinder mehr oder

18
Druckverfahren

1.3.2 Merkmale Typische Druckpro-


dukte im Tiefdruck
Sägezahneffekt an den Kanten
An den Rändern von Buchstaben zeigt
sich ein Sägezahneffekt, hervorgerufen
durch das Steg-Näpfchen-System auf
dem Tiefdruckzylinder. Dieser Säge­
zahneffekt wird durch die Schräglage
der Stege auf dem Zylinder hervorge­
rufen, die die Ränder der Buchstaben
„zersägen“. Der Effekt ist mit Hilfe eines
Fadenzählers gut erkennbar und weist
eindeutig auf den Tiefdruck hin.

Rautenförmige Rasterpunkte
Ein weiteres charakteristisches Merkmal
des Tiefdrucks sind die rautenförmigen Auflagenhöhe von etwa 200.000 fällt
Rasterpunkte. Durch die Aufrasterung der Nachteil der teuren Druckformher­
aller Elemente ins Steg-Näpfchen- stellung kaum noch ins Gewicht, da
System sind die Rasterpunkte beim dann die Auflagenbeständigkeit der
Tiefdruck verfahrensbedingt immer Druckformzylinder mit über einer Milli­
rautenförmig. on Exemplare zum Tragen kommt.
Typische Produkte des Tiefdrucks
1.3.3 Anwendung sind Kataloge, Werbebeilagen, Dekor­
drucke, Tapeten, Furniere und Folien.
Der Tiefdruck steht vor allem in Kon­ Die für diese Produkte möglichen
kurrenz zu den Rollendruckverfahren Bedruckstoffe sind Papiere in unter­
des Offset- und Flexodrucks. Durch die schiedlicher Grammatur, leichte Kar­
aufwändige und teure Zylinderherstel­ tons, Folien, metallisierte Papiere und
lung hat der Rollentiefdruck bei klei­ Transparentpapier. Bedeutend ist der
neren und mittleren Auflagen oftmals Verpackungstiefdruck für Faltschachteln,
Probleme, gegen die anderen Druckver­ aber auch für Kunststoff- und Metallfoli­
fahren preislich zu bestehen. Ab einer enverpackungen.

Druckbild (Tiefdruck)
Abbildungen 15-fach
vergrößert
ƒƒ Links: Sägezahn­
effekt
ƒƒ Rechts: rautenför­
mige Rasterpunkte

19
1.3.4 Maschinen Der Tampondruck ist ein indirektes
Tiefdruckprinzip, das sich zum wich­
Moderne Tiefdruckmaschinen haben tigsten Verfahren beim Bedrucken von
ihre besondere Stärke in der Druckleis­ nicht ebenen Kunststoffkörpern entwi­
tung, sie ermöglichen über das Rollen­ ckelt hat. Der Tampon nimmt aufgrund
druckverfahren Geschwindigkeiten von seiner Elastizität die Form des zu
etwa 16 m/s bei einer Arbeitsbreite von bedruckenden Körpers an und kann so
bis über vier Metern. ideal das Motiv auf den Bedruckstoff
Gedruckt wird mit einer dünnflüs­ übertragen. Das in der Tiefdruckform
sigen, schnell trocknenden Farbe. Die plan liegende Druckbild wird so auf
Trocknung erfolgt durch ein flüchtiges, die Körperform übertragen. Die Farb­
leicht verdunstendes Lösungsmittel übertragung auf den Bedruckstoff liegt
(Toluol). Die Trocknung wird durch ein aufgrund des Silikonöls im Tampon
Heißluft-Trocknungssystem der Maschi­ bei annähernd 100 %. Die Einfärbung
ne beschleunigt. der T
  iefdruckform wird durch eine
farbgeflutete Rakel durchgeführt, die
1.3.5 Tampondruck nach jedem Druck über das Druckbild
gezogen wird.
Verfahren
Eine besondere Tiefdruckvariante ist der Anwendung
Tampondruck, dessen Druckprinzip da­ Der Tampondruck ist für das Bedrucken
rin besteht, dass eine flexible Tampon­ von Verpackungen und strukturierten
druckform aus Silikonkautschuk Körper Oberflächen geeignet. Tischtennisbälle,
in beliebiger Form bedru­cken kann. Kugel­schreiber, Spielzeuge, Geschirr,
Ein elastischer Tampon A nimmt CDs, Schraubverschlüsse, Feuerzeuge,
Druckfarbe B aus einer Tiefdruckform Münzen, Modelleisenbahnen, tiefge­
C auf. Durch die Beschaffenheit der formte und druckempfindliche Gegen­
Tamponoberfläche kann die Druckfarbe stände können mit diesem Verfahren
auf dreidimensionale Oberflächen D bedruckt werden. Beim Rotations­
übertragen werden. tampondruck sind sowohl Tampon als
Aufgrund der Anpassungsfähigkeit auch Klischee als Walzen ausgebildet
der Druckform können alle erdenklichen und erlauben einen kontinuierlichen
Körperformen relativ problemlos auch Bewegungsablauf, z. B. in Anlagen zum
Druckprinzip Tampon- mehrfarbig bedruckt werden. Bedrucken von Flaschenverschlüssen.
druck

A
B

C D

20
1.4 Offsetdruck (Flachdruck) Druckverfahren

1.4.1 Verfahren
Druckform
Das Druckprinzip basiert auf einem
chemischen Prozess, dem wechselsei­
tigen Abstoßverhalten zwischen Fett
und Wasser.
Die Druckform enthält farbfreund­
liche (hydrophobe) und wasserfreund­
liche (hydrophile) Stellen auf der flach
erscheinenden Druckplatte. Die hydro­
phoben Stellen sind die bildführenden
Elemente einer Druckform (bei den
meisten Druckplatten erscheinen diese
Elemente in der Farbe Lila, wie auch bei Offsetdruck
den Abbildungen rechts). Die bildfüh­ ƒƒ Oben: Offsetdruck­
renden Elemente liegen auf nahezu maschine Heidel­
berg Speedmaster
gleicher Ebene wie die nicht dru­
ƒƒ Links: Offsetdruck­
ckenden wasserführenden Elemente. form
Das Einfärben und -feuchten der
Druckform lässt sich durch das kom­
plexe Zusammenwirken chemisch-phy­
sikalischer Vorgänge erläutern, die im
Wesentlichen in der Grenzflächenphysik
und dem Gegensatz von farbanneh­
menden und farbabstoßenden Substan­
zen zu finden sind.
Die Oberfläche einer Flachdruck­
form ist gekörnt. Auf dieser gekörnten
Aluminiumoberfläche befindet sich eine erzeugt. Die Rasterweite im Offsetdruck
hydrophobe Kunststoffschicht. Durch liegt meist zwischen einem 54er und
entsprechende Übertragungs- und 120er Raster. Der Offsetdruck zeichnet Druckbild (Offset-
Auswaschverfahren wird diese Kunst­ sich durch eine sehr gute Druckqualität, druck)
stoffschicht zum Informationsträger. besonders beim Bilderdruck aus. Abbildung 15-fach
Die nach dem Auswaschen freigelegte vergrößert
gekörnte Aluminiumoberfläche ist in
der Lage, Feuchtwasser aufzunehmen.

Druckbild
Buchstaben und Flächen mit 100 % Flä­
chendeckung von Druckfarben können
beim Offsetdruck durchgehend gedruckt
werden und müssen nicht gerastert
werden. Für Elemente mit weniger als
100 % Flächendeckung werden mehr
oder weniger große Rasterpunkte

21
Druckprozess
Beim Druckvorgang wird die Form zu­ B
erst über die Feuchtwalzen A befeuch­
tet. Dabei speichern die hydrophilen
Stellen das Feuchtmittel. Danach wird
A C
die Druckplatte mittels Farbwalzen B
eingefärbt und die hydrophoben Stellen
der Druckplatten auf dem Plattenzylin­
der C übernehmen die Farbe. Die Druck­
farbe wird nun von der Druckplatte auf
das Gummituch D „abgesetzt“. Daher
hat das Druckverfahren auch seinen Na­
D
men „Offset“ (engl. off set = absetzen).
Vom Gummituchzylinder wird die
Farbe auf den Bedruckstoff E übertra­
gen. Der Gegendruckzylinder F presst E
das Papier dabei gegen das elastische
Gummituch.
F
Druckbildübertragung
beim Offsetdruck
A seitenrichtige
Druckform
B seitenverkehrte A
Übertragung auf 1.4.2 Merkmale
dem Gummituch
C seitenrichtiges Schrift erscheint im Offsetdruck ohne
Druckbild auf dem
B Rand, sie kann in der Vergrößerung an
Bedruckstoff
den Rändern leicht ausgefranst wir­
ken. Je nach Druckplattenqualität und
Bedruckstoff kann es sein, dass in den
C
Spitzlichtern (hellste Bildstellen) feine
Rasterpunkte fehlen.

Offset­rosette
Ein Merkmal, das auf den Offsetdruck
hinweist, ist die Offset­rosette bei mehr­
Druckbild (Offset- farbigen Bildern. Durch den Zusam­
druck) Da der Druck über einen Zwischenträ­ mendruck der vier Farben CYMK mit
Abbildung 15-fach ger (Gummituch) auf den Bedruckstoff unterschiedlichen Winkelungen entsteht
vergrößert
erfolgt, muss die Druckform seitenrich­ das Ringmuster des autotypischen
tig sein. Die Abbildung unten zeigt dies. Mehrfarbendrucks. Diese Offsetrosette
Das Druckbild wird von der seiten­ ist mittels Fadenzähler gut erkennbar.
richtigen Druckform A seitenverkehrt
auf das Gummituch B übertragen und Gleichmäßige Deckung
schließlich als seitenrichtiges Druckbild Offsetdrucke erkennen Sie an der
auf dem Bedruckstoff C aufgebracht. gleichmäßigen Deckung aller Bild- und

22
Druckverfahren

Schriftelemente. Auch wenn auf struk­ dem Druckwerk durch Greifer zugeführt
turierte Bedruckstoffe gedruckt wird, werden. Jedes Druckwerk bedruckt die
bewirkt das elastische Gummituch, Bogen mit einer Farbe.
dass auch in den Strukturtiefen Farbe Einfarbendruckmaschinen haben ein
aufgetragen wird. Daher sind auch Druckwerk, Mehrfarbendruckmaschi­
Vollflächen auf rauhen Bedruckstoff­ nen weisen zwei, vier, fünf oder mehr
oberflächen gleichmäßig und meist gut Druckwerke bzw. Lackwerke auf.
gedeckt.
Schön- und Widerdruck
1.4.3 Anwendung Der erste Druck auf einen Bogen Papier
ist der Schöndruck, der Widerdruck ist
Produkte des Offsetdrucks sind Pro- der Druck auf die Rückseite des Bo­
spekte, Bücher, Zeitschriften, Flyer, gens. Als Kennzeichnung eines solchen
Handbücher usw. mit Auflagen ab etwa Druckvorganges werden folgende Zah­
500 Exemplaren beim Bogenoffsetdruck lenkombinationen verwendet:
und etwa 20.000 beim Rollenoffset­ ƒƒ 1/1 = Vorder-/Rückseite wird einfarbig
druck. Es können alle gängigen Papiere bedruckt.
bedruckt werden. Je nach Papiersorte ƒƒ 1/4 = Vorderseite wird einfarbig/Rück­
können Ras­terweiten bis zu 120er seite vierfarbig bedruckt.
Raster, FM-Raster und unterschiedliche ƒƒ 4/4 = Vorderseite wird vierfarbig/Rück­
Ras­ter­punktformen gedruckt werden. seite vierfarbig bedruckt. Dazu ist eine
Hohe Druckauflagen bis 500.000 Druck 8-Farben-Maschine erforderlich oder
sind möglich durch das Zusammenwir­ der Druck erfolgt an einer 4-Farben-
ken von harter Druckform aus Alumini­ Maschine in zwei Durchgängen.
um und weichem Gummituch.
Rollenoffsetdruckmaschinen
1.4.4 Maschinen Rollenmaschinen für den Offsetdruck
verarbeiten Bedruckstoffe, die endlos
Grundsätzlich werden zwei Arten von von der Rolle den Druckwerken zu­
Offsetdruckmaschinen unterschieden: geführt werden. In den Druckwerken
ƒƒ Bogenoffsetdruckmaschinen für das werden in vielen Fällen beide Seiten
Bedrucken von einzelnen Planofor­ einer Papierbahn in einem Durchgang
matbogen bedruckt, also ein Schön- und Wider­
ƒƒ Rollenoffsetdruckmaschinen für das druck wird erstellt. Nach dem Bedru­
Bedrucken von Rollenmaterialien cken wird die Papierbahn meist gleich
Bei beiden Verfahren wird das Druck­ durch eine an die Druckmaschine ange­
prinzip rund – rund angewandt. schlossene Inline-Verarbeitungsanlage
zum Endprodukt geschnitten, gefalzt,
Bogenoffsetdruckmaschinen geheftet usw.
Einzelne, immer gleich große Druckbo­
gen werden in einer Bogenoffsetdruck­ 1.4.5 Chemie des Offsetdrucks
maschine nacheinander bedruckt.
Dazu wird ein Papierstapel in den pH-Wert
Anleger einer Offsetmaschine einge­ Der klassische Offsetdruck funktioniert
legt. Zum Druck müssen die Bogen nur in einem gut aufeinander abge­
durch das Anlegersystem vereinzelt und stimmten Zusammenwirken der Kom­

23
ponenten Feuchtwasser, Druckfarbe stark von der Hydrogencarbonathärte
und Bedruckstoff. Beim Auflagendruck des Wassers abhängig. Je höher diese
mit einer Offsetdruckmaschine kann es ist, umso schneller ist die Pufferwirkung
vorkommen, dass z. B. des Feuchtmittelzusatzes erschöpft.
ƒƒ die Druckfarbe schlecht, also zu lang­ Aus diesem Grund gibt es Feuchtmit­
sam trocknet; telzusätze für Wasser mit geringer oder
ƒƒ die Druckfarbe emulgiert, also die hoher Hydrogencarbonathärte.
Grenzflächenspannung zwischen Far­
be und Feuchtmittel reduziert ist; Alkohol
ƒƒ eine Druckplatte die Tendenz zum Neben den Feuchtmittelzusätzen
Tonen entwickelt, also an den nicht wird dem Feuchtwasser noch Alkohol
druckenden Stellen druckt. zugesetzt. Bei dem in Feuchtwerken
Ursache dieser Druckschwierigkeiten ist eingesetzten Alkohol handelt es sich
oftmals ein ungeeigneter pH-Wert des überwiegend um Isopropyl-Alkohol
verwendeten Feuchtmittels, das über bzw. Isopropanol-Alkohol.
die Feuchtauftragswalzen in das Druck­ Die Aufgabe des Alkoholzusatzes
system eingespeist wird. beim Druck besteht darin, die Ober­
Der pH-Wert (potentia Hydrogenii flächenspannung des Wassers herun­
= Wirksamkeit des Wasserstoffs) gibt terzusetzen. Dadurch lässt sich die
an, wie stark eine vorliegende Lösung Oberfläche gleichmäßiger benetzen und
sauer oder alkalisch ist. Die optimalen es wird ein deutlich geringerer Feucht­
Bedingungen für den Druck und die wasserfilm für die Plattenfeuchtung
anschließende Trocknung sind vorhan­ benötigt. Alkohol verdunstet schneller
den, wenn der pH-Wert zwischen pH 5,5 als Wasser. Durch diese rasche Verduns­
und 6,5 im leicht sauren Bereich liegt. tung und die dabei auftretende Ver­
Innerhalb dieses Bereiches muss der duns­tungskälte wird das Farbwerk und
pH-Wert noch auf den pH-Wert des ver­ die Druckplatte zusätzlich gekühlt.
wendeten Papiers abgestimmt werden. Daneben tritt durch den Alkoholein­
satz ein ausgesprochen positiver Effekt
Wasserhärte dadurch ein, dass der Feuchtmittelfilm
Der pH-Wert des Feuchtwassers gering gehalten werden kann und
schwankt, bedingt durch den pH- damit auch weniger Feuchtmittel über
Wert des Papiers. Mit Hilfe moderner das Gummituch auf den Bedruckstoff
Feuchtmittelzusätze wird der pH-Wert gelangt. Geringere Dimensionsschwan­
im offsetgünstigen Bereich von pH 4,8 kungen beim Bedruckstoff sind die
bis 5,5 stabilisiert. Die Pufferwirkung Folge.
des Feuchtmittelzusatzes ist jedoch

ph-Wert-Skala
Säure Wasser Lauge

Färbung
pH-Wert 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14
Lösung sauer neutral alkalisch

24
1.5 Siebdruck (Durchdruck) Druckverfahren

1.5.1 Verfahren
Druckform
Die Druckform beim Siebdruck besteht
aus einem Siebgewebe, dem Träger der
Schablonendruckform (Farbschablone).
Das Gewebe ist an den zu druckenden
Stellen farbdurchlässig. Alle Stellen, die
nicht drucken, weisen eine farbundurch­
lässige Sperrschicht auf.
Siebdruckgewebe gibt es in den
unterschiedlichsten Qualitäten. Wir Siebdruckformen
unterscheiden: Materialien liegen die Siebfeinheiten
ƒƒ Naturseidengewebe – werden nur darunter. Je feiner die Bedruckstoff-
noch handwerklich und in der Seri­ oberfläche, umso feiner muss die
grafie verwendet. Fadenzahl des Siebes gewählt werden.
ƒƒ Synthetische Gewebe – Polyesterge­ Dies gilt umso mehr, wenn detailreiche
webe werden heute aufgrund ihrer Bilder auf den Bedruckstoff übertragen
idealen Eigenschaften im industri­ werden sollen.
ellen Siebdruck fast ausschließlich Das Siebgewebe wird in einen
verwendet. Alumi­niumrahmen gespannt. Dabei
ƒƒ Metallische Gewebe aus Kupfer unterscheidet man Rahmen mit starrer
oder Draht – werden aufgrund ihrer oder beweglicher Gewebehalterung.
mangelnden Elastizität nur noch für Bei den starren Rahmen wird das Ge­
Arbeiten eingesetzt, bei denen eine webe überwiegend durch Aufkleben be­
höchste Passergenauigkeit notwendig festigt. Be­wegliche Halterungen halten
ist, z. B. beim Druck von Leiterplatten das Gewebe mechanisch oder pneuma­
für elektronische Geräte. tisch in der richtigen Arbeitsposition.
Die Qualität der Siebgewebe wird durch Rund um die nutzbare Druckfläche ist
die Siebfeinheit und durch den Faden- eine freie Fläche, die sogenannte Farb­
oder Drahtdurchmesser bestimmt. Je ruhe. Diese Fläche wird zum Umsetzen
nach Auftragsart, Bedruckstoff und der Farbrakel benötigt, da die Farb­
Farbe verwendet der Siebdrucker ein übertragung durch den Zug der Rakel
Gewebe mit passenden Parametern. in zwei Richtungen erfolgt. Daneben
Die Siebdicke und die Maschenweite ist ein größerer Raum für die Farbruhe
beeinflussen die Farbschichtdicke und günstig für den Verzug des Gewebes.
das Farbauftragsvolumen. Die Farbruhe variiert üblicherweise
Die Siebfeinheit gibt die Anzahl der zwischen 10 bis 30 cm. Muss der Rah­
Fäden pro Zentimeter an. Ein Sieb­ men zum Druck gewinkelt werden, wird
gewebe mit der Kennzahl 80 weist die Farbruhe und auch das Sieb größer
demzufolge 80 Fäden/cm auf. Übliche gewählt.
Feinheiten für die Mehrzahl der Aufträ­
ge liegen zwischen 70 und 180 Fäden. Druckbild
Bei Druckarbeiten auf Papier werden Beim Siebdruck müssen verfahrensbe­
mehrheitlich Siebe mit 120 Fäden/cm dingt alle Elemente gerastert werden.
eingesetzt. Bei Arbeiten auf textilen Die Rasterweite im Siebdruck ist gering,

25
meist wird ein Raster zwischen 15 und 1.5.2 Merkmale
48 L/cm verwendet. Eine Stärke des
Siebdrucks ist hingegen die fühlbar Wegen der Siebstruktur können an den
hohe Farbschicht. An den Kanten von Rändern von Tonflächen Zackenränder
Buchstaben und Farbflächen ist die entstehen.
Siebstruktur erkennbar, sie ähnelt dem
Sägezahneffekt (siehe Foto auf der Grobes Raster
nächsten Seite) beim Tiefdruck. Der Siebdruck kann keine sehr feinen
Raster wiedergeben und keine feinen
Druckprozess Strichelemente.
Mit Hilfe der Rakel A wird Druckfarbe B
über ein Sieb C geführt. An den offe­ Hoher Farbauftrag
nen Stellen des Siebes wird die Farbe Ein typisches Merkmal des Siebdruck­
hindurchgedrückt und auf den darun­ produktes ist der 10- bis 20-mal stärkere
terliegenden Bedruckstoff D wird eine und mit den Fingern deutlich fühlbare
Information übertragen. Farbauftrag. Dies ist im Vergleich zu den
An den durch die Schablone abge­ anderen Druckverfahren ein eindeutig
deckten Stellen des Siebes wird die fühlbarer und auch sichtbarer Unter­
Druckfarbe zurückgehalten. Die Be­ schied. Die Farbschichtdicke des Sieb­
druckstoffe müssen nicht, wie in den drucks ist abhängig von der Siebfein­
anderen Druckverfahren, plan liegen, heit, der verwendeten Druckfarbe und
sondern können die verschiedensten der Art und Stärke der verwendeten
Formen aufweisen. Die aufzutragende Schablone.
Farbschichtdicke kann variiert werden,
es ist sogar möglich, die Druckfarbe 1.5.3 Anwendung
reliefartig aufzubringen.
Dem Drucker stehen hierfür lasieren­ Siebdruckformen lassen sich günstig
de, deckende, matte, hochglänzende, herstellen, das Verfahren kann daher
leuchtende und unterschiedlich trock­ bereits ab etwa 10 Exemplaren wirt­
nende Druckfarben zur Verfügung. Die schaftlich sinnvoll eingesetzt werden.
Lichtechtheit reicht von gerings­ter bis Wir kennen aus unserem täglichen
höchster Stufe. Es gibt kein Druckver­ Leben unzählige Produkte, die mit Sieb­
fahren, das eine so breite Palette an drucktechnologien hergestellt wurden.
möglichen Druckfarben aufweist wie Aufkleber, Aschenbecher, Plakate, Fah­
der Siebdruck. nen, Beschriftungen, Feuerzeuge, Wer­

Druckprinzip Siebdruck

B
C
D

26
Druckverfahren

Druckbild (Siebdruck)
Abbildungen 15-fach
vergrößert

betafeln, Schilder, Tachometerskalen, Bei Siebdruck-Vollautomaten sind


Bier­­kisten, Gläser, Computertastaturen alle Arbeitsabläufe automatisiert. Der
usw. sind meist Siebdruckprodukte. Druckbogen wird über einen Zylinder
Das Bedrucken von Hohl- und Form­ geführt und streifenförmig unter einer
körpern wie Glasflaschen, Büchsen, flach liegenden Druckform bedruckt.
Schachteln, Kartonagen, Einkaufsta­ Dabei steht die Rakel über dem sich
schen u. Ä. ist problemlos möglich. drehenden Zylinder still. Vollautomaten
Ebenso können unterschiedliche können zu Siebdruck-Fertigungsstraßen
Materialien bedruckt werden: Leder, ausgebaut werden, mit denen mehrfar­
Glas, Pappe, Kunststoff, Textilien, Holz, big gedruckt und in Trocknungseinrich­
Metall, Folie sind mit entsprechenden tungen getrocknet wird.
Druckfarben bedruckbar. Die Druckgeschwindigkeiten des
Für die Elektronikindustrie werden industriellen Siebdrucks erreichen
elektrische Widerstände oder Leiter di­ nicht die Leis­tungszahlen der ande­
rekt mit stromleitenden Druckpasten in ren Druckverfahren. Dies liegt an den
hoher Schichtdicke auf Platinen aufge­ Eigenschaften der Druckformen und an
druckt – zum Teil werden dazu Metalle den vergleichsweise langen Trocknungs­ Halbautomatische
als „Druckfarbe“ verwendet. zeiten der verwendeten Druckfarben. Siebdruckmaschine
THIEME 500

1.5.4 Maschinen
Die einfachste Siebdruckmaschine
ist das Siebdruckgerät. Es weist ein
Druckfundament auf, häufig ist Saugluft
zum Fixieren der Bogen vorhanden.
Eine Schwinge ermöglicht das Auf- und
Abbewegen der eingespannten Druck­
form. Die Rakel wird meist von Hand
über das Sieb gezogen.
Bei den Siebdruck-Halbautomaten
ist das Hin- und Herschieben der Rakel
mechanisch. Das Anlegen des Druckbo­
gens und das Abnehmen des bedruck­
ten Bogens erfolgen manuell.

27
1.6 Inkjetdruck (Digitaldruck)

Druckbild (Inkjet-
druck)
Abbildung links 15-
fach, rechts 30-fach
vergrößert

1.6.1 Verfahren Druckprozess Continuous-Inkjet


Der Druckkopf A erzeugt einen perma­
Druckform nenten Tintenstrahl, unabhängig davon,
Bei digitalen Druckverfahren existiert ob mit dieser Tinte gerade gedruckt
keine physische Druckform. werden soll oder nicht. Der Tintenstrahl
wird in einzelne Tröpfchen zerlegt. Die
Druckbild Tröpfchen werden von einer Elektrode B
Je nach Maschine bzw. Drucker wird aufgeladen.
nach dem Rasterprinzip AM oder FM Die Ablenkelektrode C lenkt die Trop­
(siehe Seite 9 ff.) gearbeitet. Bei Inkjet­ fen, die für das Druckbild nicht benötigt
druckern in der privaten Nutzung und werden, seitlich ab. Damit wird ein Teil
als Proofdrucker wird oftmals fre­ der Tröpfchen in die entsprechende
quenzmoduliert gerastert, wie in der Position auf dem Bedruckstoff D auf­
Abbildung oben links zu sehen. Bei gebracht, die nicht benötigte Tinte wird
Inkjetdruckmaschinen, die für den Auf­ gesammelt und – bei einigen Drucker­
lagendruck konstruiert sind, wird meist herstellern – dem Tintenbehälter E zur
amplitudenmoduliert gerastert, wobei weiteren Nutzung wieder zugeführt.
sich die Rasterpunkte, wie oben rechts
in der Abbildung zu sehen, aus vielen
kleinen Tintentropfen zusammensetzen. A B C
Text wirkt im Inkjetdruck an den Kan­
ten etwas unscharf, da alle Elemente
aus kleinen Tintentropfen zusammen­
gesetzt werden. Jedoch ist in Bezug auf
die Druckqualität bei Bildern und die
Leuchtkraft der Farben ein guter Tin­ E
tenstrahldruck allen anderen Verfahren D
überlegen.
Die Rasterweite beim Inkjetdruck ist
bei AM-Rasterung mit der des Offset­
drucks vergleichbar, bei FM-Rasterung
sind theoretisch Auflösungen bis
2.400 dpi realisierbar. Continuous-Inkjet-Verfahren

28
Druckverfahren

Inkjetdruckverfahren
ƒƒ Links: Piezo-Ver­
A A
fahren
ƒƒ Rechts: Bubble-Jet-
Verfahren

B B
+ –

E E
D D
C C

Druckprozess Piezo-Verfahren kammer im Druckkopf ein Heizelement


Das Piezo-Verfahren ist ein Drop-on-De­ A. Dieses wird, wenn ein Punkt auf den
mand-Verfahren (DOD), die Tinte wird Bedruckstoff gesetzt werden soll, inner­
also im Gegensatz zum Continuous- halb kürzester Zeit auf mehrere hundert
Inkjet-Verfahren vom Druckkopf nur bei Grad erhitzt B. Durch die Erhitzung ver­
Bedarf abgegeben. Ein im Druckkopf dampft die Tinte C und es entsteht eine
befindlicher Piezo-Kristall A wird ver­ Dampfblase D. Diese presst die vor der
formt, indem eine pulsierende elek­ Dampfblase liegende Tinte E explosi­
trische Spannung B angelegt wird. onsartig aus der Düse Richtung Be­
Die Kammer mit dem Tintenvorrat C druckstoff. Durch die folgende Abküh­
wird über eine Membran D in ihrem Vo­ lung und das Ausstoßen der Tinte zieht
lumen verkleinert, damit die Tinte E aus sich die Dampfblase wieder zusammen Digitaldruckmaschine
dem Druckkopf gepresst werden kann. und neue Tinte kann, bedingt durch den mit Piezo-Verfahren
Die Tinte bildet beim Düsenaustritt entstehenden Unterdruck, nachfließen. Xerox® Impika®
einen Tropfen, dessen Volumen sich Compact

über die Stärke des angelegten elektri­


schen Impulses steuern lässt.
Ein Piezo-Kristall erreicht bis zu
23.000 Schwingungen pro Sekunde.

Druckprozess Bubble-Jet-Verfahren
Das Bubble-Jet- bzw. Thermo-Verfahren
zählt, wie das Piezo-Verfahren, zu den
Drop-on-Demand-Verfahren. Beim
Bubble-Jet-Verfahren enthält die Tinten­

29
1.6.2 Merkmale nutzt. Üblicherweise sind dies die sub­
traktiven Grundfarben Cyan, Magenta,
Charakteristisch für Druckprodukte, die Gelb und Schwarz. Einige Drucker ver­
mit dem Inkjetdruckverfahren gedruckt wenden zur Farbraumerweiterung noch
wurden, ist die sehr gute Detailwie­ Sonderfarben, die je nach Hersteller
dergabe bei Fotos und Farbverläufen, als Hellblau, Cyan (hell), Magenta (hell)
verbunden mit dem Nachteil der etwas oder Orange angeboten werden. Über
unscharf erscheinenden Buchstaben zusätzliche Farbwerke können so auch
und Kanten. Pantone- oder HKS-Farben annähernd
Die verwendete Tinte ist in manchen abgebildet werden. Auch der Druck mit
Fällen wasserlöslich und bleicht oft weißer Farbe und die Inline-Veredelung
schneller aus als bei anderen Druckver­ mit vollflächigem oder partiellem Lack
fahren. Bei saugfähigen Bedruckstoffen sind möglich.
neigt die verwendete Tinte zum Verlau­ Die Trocknungseigenschaft einer Tinte
fen. muss auf den genutzten Bedruckstoff
abgestimmt werden. Je nach der Saug­
1.6.3 Anwendung fähigkeit des Bedruckstoffes verläuft die
Tinte mehr oder weniger stark und wird
Digitale Druckverfahren, wie der dadurch das Druckergebnis beeinflus­
Inkjetdruck, eignen sich sehr gut für sen. Die meisten Nutzer kennen diesen
Einzel­exemplare oder personalisierte Effekt durch den Gebrauch unterschied­
Drucksachen. licher Papiere im Homebereich. Tinten
Fotodrucke, Proofs und großforma­ auf Wasserbasis eignen sich für das
tige Drucke, personalisierte Printme­ Bedrucken von Papieren und ähnlich
dien sowie Plakate, Werbedruck- und saugfähigen Materialien. Lösungsmit­
Geschäftsdrucksachen in geringerer telhaltige Tinten werden zum Bedrucken
Auflage sind einige Anwendungsbei­ von Kunststofffolien, metallisierten
spiele. Bei einer Auflagenhöhe von Oberflächen und Glas verwendet. Pig­
1 bis etwa 1.000 Exemplare ist der menttinten wurden für das Bedrucken
Digitaldruck meist das wirtschaftlichste von dunklen Bedruckstoffoberflächen
Druckverfahren. entwickelt, um eine gute Deckung und
Lichtechtheit zu gewährleisten.
1.6.4 Maschinen Zunehmend spielen Inkjetdrucker im
professionellen Publishing eine be­
Inkjetdrucker bzw. -druckmaschinen deutende Rolle für die Herstellung von
werden heute meist in vier Anwen­ Großformatdrucken, Prüfdrucken und
dungsbereichen genutzt: für bestimmte Produktbereiche wie z. B.
ƒƒ Desktop-Drucker (private und ge­ Tapeten- oder Dekordruck. Inkjetdrucker
schäftliche Nutzung für geringe arbeiten meist nach den folgenden
Auflagen) Verfahren:
ƒƒ Großformatdruck ƒƒ Continuous-Inkjet-Verfahren
ƒƒ Auflagendruck in Konkurrenz zum ƒƒ Piezo-Verfahren
Offsetdruck ƒƒ Bubble-Jet-Verfahren
ƒƒ Fotodrucker Meist arbeiten Digitaldruckmaschinen
Bei allen Inkjetdruckern werden flüssige noch nicht so zuverlässig wie z. B. Off­
Tinten als farbgebendes Medium ge­ setdruckmaschinen.

30
1.7 Elektrofotografie (Digitaldruck) Druckverfahren

1.7.1 Verfahren C

Druckform
B
Bei digitalen Druckverfahren existiert
keine physische Druckform.

Druckbild
Rasterpunkte erscheinen beim elektro­ A
fotografischen Verfahren unscharf.
Buchstaben, wie auch Rasterpunkte,
werden, wie in den Abbildungen auf F
der nächsten Seite zu sehen, aus vielen D G
kleinen Tonerpartikeln zusammenge­
setzt. Besonders bei Buchstaben und E
Kanten „streuen“ Tonerpartikel rund um
die druckenden Elemente.
Die Rasterweite beim elektrofotogra­
fischen Verfahren ist meist etwas gröber
als beim Offsetdruck, theoretisch sind
Auflösungen bis 1.200 dpi realisierbar.
Elektrofotografisches
Druckprozess Resttonerbestandteile automatisch von Verfahren
Beim elektrofotografischen Verfahren der Trommel entfernt.
(Xerografie) ist die Oberfläche der In der Fixiereinheit G wird der Toner
Trommel mit einem Fotohalbleiter be­ auf dem Bedruckstoff fixiert. Erst durch
schichtet, dessen Widerstand sich durch die Fixierung werden die Tonerpartikel
die Lichteinwirkung verändert. mit dem Papier verbunden, so dass das
Die Fotoleitertrommel A wird von Printprodukt abrieb- und scheuerfest
einem Ladecorotron B negativ gela­ ist. Damit die Tonerschicht nicht sofort Digitaldruckmaschine
den. Die Bebilderung erfolgt mit einem abschreckt, denn dadurch käme keine mit Flüssigtoner
scharf gebündelten Lichtstrahl C (Laser HP Indigo 7900
oder Leuchtdiode), der eine Entladung
an den nicht druckenden Stellen be­
wirkt. Im nächs­ten Schritt werden jene
Bereiche mit positiv geladenem Toner
D eingefärbt, die vom Licht entladen
worden sind, man spricht auch vom
„Dunkelschreiben”.
Das Tonerbild, das sich nun auf der
Fotoleitertrommel befindet, wird durch
elektrostatische Prozesse auf den Be­
druckstoff E gebracht. Bei diesem Pro­
zess verbleibt allerdings der sogenann­
te „Resttoner“ an der Trommel. Mittels
Bürste und Absaugung F werden die

31
Druckbild (Elektrofo-
tografie)
Abbildungen 15-fach
vergrößert

Haftung zustande, muss der Bedruck­ Kopiergeräte und Bürodrucker arbeiten


stoff dieselbe Temperatur wie der nach diesem Verfahren. Plakate, Werbe­
Toner aufweisen. Die übliche Übertra­ drucke, personalisierte Printmedien und
gungstemperatur liegt bei ca. 120° bis Geschäftsdrucksachen in geringerer
140°C. Durch das Abkühlen erstarrt die Auflage sind einige Anwendungsbei­
Tonerschicht und geht in einen festen spiele. Bei einer Auflagenhöhe von
Zustand über. 1 bis etwa 1.000 Exemplare ist der
Digitaldruck meist das wirtschaftlichste
1.7.2 Merkmale Druckverfahren.

Die Detailwiedergabe bei Fotos und 1.7.4 Maschinen


Farbverläufen ist beim elektrofotogra­
fischen Druck schlechter als beim Inkjet- Am meisten verbreitet ist der elektro­
oder Offsetdruck. Buchstaben und fotografische Druck mit Festtoner, es
Kanten erscheinen grundsätzlich scharf, gibt aber auch Druckverfahren, die mit
jedoch „streuen“ Tonerpartikel rund um Geltoner oder Flüssigtoner arbeiten.
die druckenden Elemente. Drucker, die statt eines Laserstrahls
Die Rasterweite beim elektrofotogra­ Leuchtdioden einsetzen, werden LED-
fischen Verfahren ist meist etwas gröber Drucker genannt (LED = Light-Emitting
als beim Offsetdruck, bei Flächen unter Diodes). Alle elektrofotografischen Dru­
10 % Flächendeckung sind manchmal cker bzw. Druckmaschinen nutzen Toner
Schmutzeffekte zu beobachten. in den subtraktiven Grundfarben Cyan,
Magenta, Gelb und Schwarz. Einige
1.7.3 Anwendung Drucker verwenden zur Farbraumerwei­
terung über zusätzliche Farbwerke Son­
Digitale Druckverfahren, wie der elek­ derfarben. Auch der Druck mit weißem
trofotografische Druck, eignen sich sehr Toner und die Inline-Veredelung mit
gut für Einzelexemplare oder perso­ vollflächigem oder partiellem transpa­
nalisierte Drucksachen. Die meisten renten Toner sind möglich.

32
1.8 Aufgaben Druckverfahren

1 Druckfaktoren kennen und zuordnen 3 Druckprinzipe kennen

Nennen Sie die vier Druckfaktoren, Benennen Sie die unten abgebildeten
die außer beim Digitaldruck bei allen Druckprinzipe.
Druckverfahren vorkommen, und erläu­
A: –
tern Sie diese kurz.
1. B: –

C: –

2.
A

3.

B
4.

2 Druckprinzipe kennen

Vervollständigen Sie die folgenden Aus­


sagen:

a. Beim direkten Druck ist ...


C
die Druckform seitenrichtig.

die Druckform seitenverkehrt.

b. Beim indirekten Druck ist ...

die Druckform seitenrichtig.

die Druckform seitenverkehrt.

33
4 Druckverfahren kennen 5 Grundfarben des Drucks kennen

Benennen Sie die unten abgebildeten Nennen Sie die drei Grundfarben der
Druckverfahren. subtraktiven Farbmischung.
A: 1.

B: 2.

C: 3.

D:
6 Funktion von Schwarz kennen
E:
Erklären Sie die Funktion von Schwarz
als vierte Druckfarbe.
F:

A B C

D E

34
Druckverfahren

7 Druckverfahren erkennen

Ordnen Sie die rechts abgebildeten B


Vergrößerungen von Druckprodukten
jeweils einem Druckverfahren zu und
begründen Sie Ihre Zuordnung (alle
Abbildungen 15-fach vergrößert).
A:

B:

C:

D:

E
E:

35
8 AM- und FM-Rasterung erläutern 10 Rasterwinkelung im Farbdruck
festlegen
Beschreiben Sie das Grundprinzip der
folgenden Rasterungen: Mit welcher Rasterwinkelung müssen
a. AM-Rasterung die Teilfarben eines 4c-Farbdrucks ge­
winkelt sein?
C:

M:

Y:

K:

11 Rasterwinkelung im Farbdruck
beurteilen
b. FM-Rasterung
Sie erhalten eine Farbsatzdatei zum
Ausbelichten. Der Kunde hat Ihnen in
den Dateivorgaben geschrieben, dass
die Rasterwinkelung für den Punktraster
wie folgt vorgenommen werden soll:
ƒƒ Cyan 60°,
ƒƒ Magenta 110°,
ƒƒ Gelb 150°,
ƒƒ Schwarz 200°.
Welche Information geben Sie Ihrem
Kunden hinsichtlich der Rasterwinke­
lung, damit er später ein zufriedenstel­
lendes Druckergebnis erhalten kann.
9 Hybridrasterung erklären

Welche Besonderheiten kennzeichnen


die Hybridrasterung?

36
Druckverfahren

12 Marken, Hilfszeichen und Kontroll­ 13 Flexodruck kennen


elemente kennen
Nennen Sie die folgenden Elemente
Erklären Sie, wozu die folgenden Mar­ einer Flexodruckmaschine:
ken, Hilfszeichen und ­Kontrollelemente
dienen:
a. Flattermarken

B D

A C
b. Passkreuze

A:

B:

C:

D:

14 Flexodruck erkennen
c. Schneidemarken
Beschreiben Sie die drei Haupterken­
nungsmerkmale des Flexodrucks.
1.

2.

37
17 Offsetdruck kennen
3. Beschreiben Sie den Druckprozess beim
Offsetdruckverfahren.

15 Tiefdruck kennen

Beschriften Sie die folgende Zeichnung,


indem Sie die folgenden Elemente mit
den jeweiligen Buchstaben markieren:
A Formzylinder
B Farbwanne
C Rakel
D Bedruckstoff

18 Siebdruck kennen

Beschreiben Sie den Druckprozess beim


Siebdruckverfahren.

16 Tampondruck kennen

Beschreiben Sie den Tampondruck und 19 Inkjetdruckverfahren kennen


dessen spezielles Einsatzgebiet.
Nennen Sie die drei Druckverfahren
beim Inkjetdruck.
1.

2.

3.

38
Druckverfahren

20 Elektrofotografie kennen b. Tiefdruck

Beschreiben Sie den Druckprozess bei


der Elektrofotografie.

c. Offsetdruck (Flachdruck)

d. Siebdruck (Durchdruck)

e. Inkjetdruck

f. Elektrofotografie

21 Anwendung von Druckverfahren


kennen 22 Anwendung von Druckverfahren
kennen
Nennen Sie jeweils für das Druckverfah­
ren typische Druckprodukte: Zeichnen Sie in der Abbildung unten,
a. Flexodruck (Hochdruck) wie beim Druckverfahren „Siebdruck“,
jeweils einen Balken für den Auflagen­
bereich der anderen Druckverfahren
ein, in dem die Verfahren sinnvoll ein­
gesetzt werden können.

Tabelle zu Aufgabe 22
1 10 500 1.000 5.000 20.000 200.000 500.000
Flexodruck
Tiefdruck
Bogenoffsetdruck
Rollenoffsetdruck
Siebdruck
Inkjetdruck
Elektrofotografie

39
2.1 Einführung
2 Druckveredelung

2.1.1 Zweck der Veredelung Kosmetikindustrie verwenden zur bes-


seren Produktpräsentation am „Point
Die Gründe, die für eine Veredelung of Sale“ häufig Veredelungen. Ziele von
sprechen, sind vielfältig. Einerseits kann aufwertenden Veredelungen sind:
eine Veredelung dazu dienen, ein Druck- ƒƒ Emotionen wecken und positive Ge-
produkt zu schützen, dies ist z. B. bei fühle erzeugen
einem Buchumschlag der Fall. Anderer- ƒƒ Unterscheidbarkeit von anderen
seits kann mit einer Veredelung gezielt Produkten erhöhen (stärkere Differen-
das Aussehen, die Form, die Haptik und zierung)
der Geruch eines Druckproduktes verän- ƒƒ Wiedererkennungswert steigern
dert und damit aufgewertet werden. ƒƒ Wertsteigerung bzw. Rechtfertigung
eines höheren Produktpreises durch
Veredelung zum Schutz eine veredelte Verpackung
Der Schutz vor Umwelteinflüssen, ƒƒ Beeinflussung von Kunden bei der
Flüssigkeiten, Gasen und mechanischen Kaufentscheidung
Einflüssen – vor allem bei Transport ƒƒ Intensivierung des Markeneindrucks
und Lagerung – spielt eine wichtige
Rolle. Gerade in den Bereichen der 2.1.2 Art der Veredelung
Verpackungen und Buchumschläge
werden daher sehr häufig Veredelungen Die Druckindustrie bietet diverse Vere-
eingesetzt. delungsmöglichkeiten an, die meisten
lassen sich den folgenden vier Be-
Veredelung zur Aufwertung reichen zuordnen:
Vor allem die Hersteller hochpreisiger ƒƒ Lackierung
Markenartikel z. B. in der Mode- und ƒƒ Folierung

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2018


P. Bühler, P. Schlaich, D. Sinner, Druck, Bibliothek der Mediengestaltung,
https://doi.org/10.1007/978-3-662-54611-6_2
Druckveredelung

ƒ Prägung erzeugt werden, die einen bleibenden


ƒ Stanzung Eindruck hinterlassen.
Viele Veredelungen sind kombinierbar Duftlacke wirken auf die Nase und
und werden auch häufig kombiniert. sprechen damit ein weiteres, emotional
wichtiges Sinnesorgan an.
2.1.3 Einflussfaktoren
Veredelungsarten
Bei Druckveredelungen ist es wichtig,
die einzelnen Faktoren aufeinander Ohne Veredelung
abzustimmen. Beispiele für Faktoren,
die einen Einfluss auf die Veredelung
haben, sind:
ƒ Art des Motivs
ƒ Zur Verfügung stehendes Budget
ƒ Qualität und Beschaffenheit der gelie-
ferten Daten
Lackierung
ƒ Art des Bedruckstoffs
ƒ Druckfarbe
ƒ Lackart
ƒ Folienart
ƒ Druckhilfsmittel (z. B. Puder)
ƒ Qualität der verwendeten Materialien
und Werkzeuge
ƒ Qualifikation des Personals Folierung
ƒ Zeitpunkt der Veredelung bzw.
Produktionsreihenfolge
ƒ Weiterverarbeitung
ƒ Transport und Lagerung

2.1.4 Wirkung der Veredelung


Prägung
Die optimale Wirkung eines Produktes
hat nachhaltigen Einfluss auf die
Kaufentscheidung eines Konsumenten.
Kaufentscheidungen am „Point of Sale”
fallen mehrheitlich in Sekundenbruch-
teilen und werden zu einem hohen
Prozentsatz aus dem Gefühl heraus
unbewusst gesteuert. Stanzung
Die optische Wirkung wird in vie-
len Fällen durch den Tastsinn ergänzt.
Dafür werden Strukturlacke mit rauen
Oberflächen, samtweiche Softtouch-
Lacke oder Relieflacke eingesetzt. Durch
metallische Folien, farbige Folien oder
Pigmentzusätze im Lack können Effekte

41
2.2 Lackierung

Lackierungen können vollfächig oder gelegt ist. Je nach verwendetem Lack


partiell aufgebracht werden und sind ist es notwendig, nach dem Lackwerk
auch im Digitaldruck möglich. noch eine Trocknungseinrichtung in der
Lack kann glänzende oder matte Druckmaschine zu installieren. Diese
Effekte erzeugen, dick aufgetragen (Re- Druckveredelung in der Druckmaschine
lieflack) auch haptisch wahrgenommen wird als Inline-Veredelung bezeichnet.
werden. Lack kann riechen (Duftlack) Durch die zunehmende Bedeutung
oder mit Hilfe von metallisch glän- der UV-Lacke bei der Druckveredelung
zenden Polyesterpartikeln auch glitzern hat sich neben der klassischen Inline-
(Glitterlack). Verarbeitung der Trend zur Offline-
Der partielle Lack auf den Seiten 40, Veredelung entwickelt. Hier wird in
45 und 48 wurde inline als glänzender mehreren Druckgängen ein sehr hoher
UV-Lack aufgetragen. Lackauftrag aufgebracht. Dazu müssen
allerdings die Druckgeschwindigkeiten
Veredelung mit Lack reduziert werden. Wenn aber zu geringe
Um eine Drucklackierung herzustel- Druckgeschwindigkeiten gefahren wer-
len, weisen viele Druckmaschinen ein den, wird der Einsatz von Offsetmaschi-
zusätzliches Lackwerk auf, das speziell nen unwirtschaftlich. Deshalb wurden
für die Lackierungstechnologie aus- Maschinen zur Offline-Drucklackierung
entwickelt, die den hohen Verede­lungs­
Druckprodukt ansprüchen in diesen hochpreisigen
mit partieller Marktsegmenten gerecht werden
Lackierung
können. Diese Maschinen sind in der
Lage, in mehreren Druckgängen Lack-
aufträge auszuführen, die den höchs­
ten Ansprüchen der Druckveredelung
genügen.
Mit UV-Lacken lassen sich spezielle
Effekte erzielen. Sie eignen sich be-
Druckprodukt sonders als hochglänzende Klarlacke,
mit Relieflack aber auch als Metalleffektpigmentlacke.
UV-Lacke lassen sich partiell oder voll-
flächig auftragen. Bei einem partiellen
Lackauftrag auf einem Druckprodukt
spricht man auch von einer Spotlackie-
rung.
Mit UV-Lack können Materialien mit
glatten Oberflächen wie beschichtete
Druckprodukt Papiere, Kunststoffe oder Metalle be-
mit Glitterlack druckt werden.
Wenn mit UV-Lack veredelt wird,
müssen die Bedruckstoffe dafür geeig-
net sein. Die Trocknung der aufgedruck-
ten Lackschicht erfolgt durch UV-Be-
strahlung. Dabei kann ein ungeeigneter
Bedruckstoff unter Umständen vergil-

42
Druckveredelung

ben. Durch den Einsatz von Papieren


ohne optische Aufheller kann das aber
verhindert werden.

Lackarten
Grundsätzlich gibt es fünf Lackarten für
Lackierungen:
ƒƒ Drucklack, der sich wie Druckfarbe
verarbeiten lässt.
ƒƒ Dispersionslack auf Wasserbasis, der
üblicherweise über ein separates
Lackwerk aufgetragen wird.
ƒƒ UV-Lack und Metalliclack, der über ein
Farbwerk oder Lackwerk aufgetragen
wird.
ƒƒ Duftlack wird über ein separates Lack-
werk aufgebracht. Druckprodukt
bracht. Im danach folgenden Lackwerk mit Matt-Glanz-
Effekt durch Drip-off-­
2.2.1 Drucklack wird eine vollflächige Dispersionslackie-
Verfahren
rung mit einem Hochglanz-Thermolack
Der Aufbau von Drucklacken beim durchgeführt. Durch die Erwärmung mit
Offsetdruck gleicht im Wesentlichen einem separaten Heizaggregat sinkt die
dem einer Druckfarbe, nur ohne Farb- Viskosität des Lackes, so dass sich die-
pigmente. Der Feststoffanteil liegt bei ser gut verarbeiten lässt. Der Glanzlack
etwa 75 %. Bei der oxidativen Trock- perlt an den Mattlack-Stellen ab und die
nung schlagen die Lösemittel in den Mattierung bleibt erhalten. Von diesem
Bedruckstoff weg bzw. verdampfen. Zur Vorgang wird auch der Verfahrensname
Trocknung ist Pudern in der Maschine abgeleitet: „Drip off“ bedeutet übersetzt
erforderlich, was zu Glanzeinbußen „abtröpfeln“.
führen kann. Dieser Lack basiert wie die Durch die unterschiedliche Oberflä-
Offsetdruckfarbe auf Öl, lässt sich wie chenbeschaffenheit entstehen interes-
eine Druckfarbe verarbeiten und ergibt sante Effekte und Kontraste zwischen
einen guten Glanz und einen guten matten und glänzenden Stellen auf dem
Feuchtigkeitsschutz. Die Schichtdicke Bedruckstoff. Es lassen sich optische
des Lackes ist jedoch gering. Spielereien wie samtiges Aussehen
Ein spezielles Lackwerk in der oder spiegelnde bzw. silbrige Eindrücke
Druckmaschine ist nicht notwendig, so auf einer Fläche erreichen. Die Kombi-
ist z. B. der Druck eines vierfarbigen nation von Matt- und Glanzeffekt auf
Druckerzeugnisses mit Lack auf einer einer Fläche ist für den Gestalter eine
Fünffarben-Druckmaschine möglich. Herausforderung. Für diese drucktech-
nisch interessanten Effekte ist bei den
Drip-off-Verfahren Druckmaschinen keine Zusatzausrüs­
Bei diesem Verfahren wird im letzten tung notwendig – nur Drucker und
Farbwerk einer Offsetdruckmaschine ein Gestalter müssen mehr über diese
Öldruck-Mattlack auf die gewünschten Verfahren wissen, um sie gewinnbrin-
matten Flächen der Druckform aufge- gend zu nutzen.

43
nung) lässt sich die Trocknung bei allen
Dispersions­lacken beschleunigen.
Die Lackierungsmöglichkeiten rei-
chen von der Vollflächenlackierung bis
zur Spotlackierung mit Aussparungen
oder einer nur auf ein bestimmtes Teil-
bildsegment bezogenen Lackierung.

2.2.3 UV-Lack
Die UV-Lackierung ermöglicht die
Übertragung eines sehr kräftigen
und hochglänzenden Lackspiegels.
Zur Verwendung kommen spezielle
UV-härtende Acryllacke, die zu 100 %
auf polymerisierbaren Bindemittelbe-
Buchtitel mit parti- standteilen aufgebaut sind und keine
ellem, glänzendem Lösemittel enthalten. Sie erzielen einen
UV-Lack
2.2.2 Dispersionslack
hohen Glanz und bieten eine sehr gute
Die ältesten und einfachsten Lacke sind Kratz- und Scheuerfestigkeit. UV-Lacke
die sogenannten Wasserkastenlacke trocknen nur mit speziellen UV-Trock-
oder Dispersionslacke. Sie werden nungsanlagen, die nach dem Lackwerk
auch als Acryl-Dispersions- und Zel- eingebaut sein müssen.
luloselacke bezeichnet und ergeben
einen matten bis mittleren Glanz. Diese Vorteile UV-Lack
Lacke werden mit einer stoffbezogenen ƒƒ Sofortige Durchhärtung des Lacks
Heberwalze verarbeitet und benötigen ƒƒ Höherer Glanzgrad
im Prinzip kein spezielles Lackwerk. Die ƒƒ Größere Kratz- und Abriebfestigkeit
wichtigsten Inhaltsstoffe der Disper- ƒƒ Besondere Haptik
sionslacke sind Polymerdispersionen, ƒƒ Druck auch auf nicht saugenden
fein verteilte polymere Kunstharze, Materialien
Hydrosole, Wachsdispersionen, Filmbil- ƒƒ Wegfall der Puderbestäubung
dungshilfen, Netzmittel und Entschäu- ƒƒ Direkte Weiterverarbeitung des Druck-
mer. Der Feststoffanteil bei einem Lack produkts
liegt bei etwa 20 – 50 %.
Die Eigenschaft und die Viskosität Nachteile UV-Lack
eines Lackes hängt von der Kombi- ƒƒ Erhöhte Material- und Energiekosten
nation der verschiedenen Rohstoffe ƒƒ Erhöhte Investitionskosten im Bereich
ab, von den Anforderungen an ein der Maschinen
lackiertes Druckprodukt und vom Über- ƒƒ Eigengeruch von UV-Drucksachen
tragungssys­tem, das den Lack auf den ƒƒ Erschwertes Papierrecycling
jeweiligen Bedruckstoff überträgt.
Die Trocknung geschieht bei Dispersi- Glitterlack
onslacken in der Regel rein physikalisch Glitterlack erzeugt einen glitzernden
durch Verdunsten und Wegschlagen des und schimmernden Effekt durch die
Wassers. Durch Wärmezufuhr (IR-Trock- im Lack befindlichen reflektierenden

44
Druckveredelung

Metallpartikel. Glitterlack gehört zu den Papier, das mit UV-härtenden Farben


UV-Lacken und kann dadurch schnell oder Lacken bedruckt ist, kann beim
und effizient getrocknet werden. Deinking von Altpapier Probleme
Allerdings ist der Auftrag eines verursachen. Daher sollten Papiere mit
Glitterlacks nur im Siebdruckverfahren UV-Farben oder UV-Lacken getrennt
möglich. Dadurch ist das Bedrucken gesammelt und entsorgt werden.
deutlich langsamer als beim Lackieren
im Offsetdruckverfahren. Partiell glänzender
UV-Lack, inline aufge-
tragen
Relieflack
Durch Relieflackierung lassen sich
Motive dreidimensional hervorheben,
ohne dass der Bedruckstoff verformt
wird. Relieflack ist haptisch deutlich
fühlbar. Er wird auch für Blindenschrift
verwendet.
Der Relieflack ist ein UV-Lack, d. h.,
er wird direkt nach dem Aufbringen
durch UV-Licht gehärtet. Die Schicht-
dicke ist bei diesem Lack mit z. B. 500
µm (0,5 mm) wesentlich höher als bei
„normalen“ Lacken. Relieflacke sind
nur bei Schriftgraden von mehr als
12 pt, Linien mit mindestens 3 pt Stärke
und bei Papier mit einer Grammatur ab
2
200 g/m sinnvoll.

UV – Sicherheit und Umwelt Partiell glänzender


Durch technologische Entwicklungen ist UV-Lack, inline
aufgetragen auf einer
es der Druckmaschinenindustrie in den Farbfläche (C 40,
letzten Jahren gelungen, die UV-Druck- M 40, Y 40, K 100)
technologie ebenso sicher wie den
konventionellen Offset­druck zu betrei-
ben. Dazu mussten sowohl maschinen-
technische Anlagen zur Absaugung als
auch neue Farben und Lacke entwickelt
werden.
Gemeinsames Vorgehen im Arbeits-
und Gesundheitsschutz in Deutschland,
England und Frankreich setzt seit dem
Jahr 2001 gleiche Standards für den
UV-Druck in Europa, die im sogenann-
ten „UV-Protokoll“ festgelegt sind.
Mittlerweile haben sich auch eine
Reihe weiterer EU-Länder dem einheit-
lichen Vorgehen angeschlossen.

45
muttlacken die Aufmerksamkeit der Le-
ser erregt. Besonders auffällige Effekte
erreicht man hier mit Iriodinen. Iriodine
sind winzig kleine Metallplättchen, wie
sie auch in Metalliclacken bei Autola-
ckierungen zur Verwendung kommen.
Im Druck lassen sich damit einzig-
artige Wirkungen erzielen – von perl-
muttähnlichem Glanz über metallische
Glitzereffekte bis hin zur realistischen
Darstellung seidenweicher Materialien.
Die Farb- und Lichtspiegelungen
der Iriodine und Metalloxidschichten
ermöglichen außergewöhnliche Gestal-
tungsvarianten. Je nach gewünschtem
Effekt werden die Iriodin-Pigmente
Veredeltes Druck­ entweder in Dispersions- oder UV-Lacke
produkt gemischt und über ein eigenes Lack-
2.2.4 Metalliclack
ƒƒ Hintergrund: parti- werk auf das Trägermaterial gebracht.
elle UV-Lackierung Gold-, Silber- und Kupferlacke setzen Der Gestalter muss diese Effekte ken-
(matt)
ƒƒ Fahrrad: Iriodinlack sich aus wässrigem Bindemittel, Metall- nen, um sie bereits im Vorfeld seinen
Silber pigmenten und Wachsen zusammen. Kunden anzubieten und die Umsetzung
Die Wachse werden beigegeben, um die der Lackierung zu planen.
Scheuerfestigkeit der Metallpigment-
farben zu verbessern. Die Metalliclacke 2.2.5 Duftlack
stellen metallische Farben auf unge-
wöhnlich realistische Art dar. Grundlage der Duftlackierung ist die so-
Diese Lacke weisen folgende Eigen- genannte Mikroverkapselung des Duft-
schaften auf: öls in den Drucklack. Der verkapselte
ƒƒ Sehr guter Metalliceffekt Duft wird in den Drucklack eingearbeitet
ƒƒ Sehr guter Glanzeffekt und kann auf die unterschiedlichsten
ƒƒ Scheuerfestigkeit vergleichbar mit Papiersorten gedruckt werden.
Offset-Goldfarbe Der Lack wird dann z. B. als fünfte
ƒƒ Schnelle Trocknung Farbe in einer Fünffarben-Druckmaschi-
ƒƒ Kostengünstige Inline-Produktion ne auf den Druck aufgetragen. Dabei
ƒƒ Geruchsneutral ist es unerheblich, ob der Duftlack
Folgende Faktoren sind bei Metallic­ vollflächig oder partiell auf den Bogen
lacken besonders zu beachten: gedruckt wird.
ƒƒ Separates Farbwerk erforderlich Die Mikrokapseln sind lange haltbar
ƒƒ Wiedergabe feinster Details möglich und verlieren ihren Duft erst, wenn
ƒƒ Entsorgung der Lackreste muss als die Kapseln durch Druck, z. B. durch
Sondermüll erfolgen. Rubbeln mit dem Finger oder Aufreißen
eines Duftstreifens, zerstört werden.
Iriodinlack Das Zerstören der Kapseln setzt den
In der Werbung wird durch die Verwen- Duft frei. Da in der Regel beim Zerstö-
dung von Metallic-, Glitzer- und Perl- ren der Duftlackschicht nicht alle Kap-

46
Druckveredelung

seln aufbrechen, ist das Freisetzen der UV-Produkte konventionell veredelten


Duftstoffe auch mehrmals möglich. Produkten deutlich überlegen.
Für den Leser einer Drucksache mit Effekt- und Schutzlackierungen mit
Duftlackierung ist die Sache relativ ein- konventionellen Öl- und Dispersions­
fach – er reibt über die lackierte Stelle lacken ergeben einen guten bis befrie-
und der Duft der Mikrokapseln wird digenden mechanischen Schutz bei
freigesetzt. Verwendet wird die Duftla- interessanten Effektwirkungen. Der
ckierung als Werbemittel in Zeitschriften technische Aufwand ist geringer als
und Katalogen, bei Büchern, Comics beim UV-Druck.
oder Werbebeilagen. Im Vergleich zu allen UV-Verede-
Die Kosmetikindustrie verwendet lungen fallen aber die konventionellen
diese Lackierung gerne, ebenso die Lackeffekte schwächer aus.
Lebensmittelindustrie z. B. für Weih-
nachtswerbung oder Fruchtdüfte. Die 2.2.7 Papier und Lacke
Verwendungspalette von Duftlacken ist
ausgesprochen groß. Einen entscheidenden Einfluss auf das
Duftlacke können in allen klassischen Druckergebnis hat neben der Drucktech-
Druckverfahren im Bogen- und Rollen- nologie der Bedruckstoff. Die Auswahl
druck eingesetzt werden. Sie sind damit eines geeigneten Bedruckstoffes hat bei
auch bei hohen Druckauflagen ein abso- allen Lackiertechniken, aber besonders
lut attraktives Werbemittel, das bei den beim UV-Druck einen großen Einfluss
Endkunden in der Regel mit Interesse auf die Haftfähigkeit, Scheuerfestigkeit
aufgenommen wird. und auf das Glanzergebnis.
Durch die aktive Handlung des Nicht jede Papier-Farb-Lack-Kom-
Lesers beim Rubbeln über eine Anzeige bination ist gleich gut geeignet. Die
bzw. bei einem angebotenen Produkt folgende Zusammenstellung soll Ihnen
wird eine relativ lange Verweildauer bei der Auswahl geeigneter Papiere
des Lesers beim beworbenen Produkt behilflich sein:
erreicht. ƒƒ Je glatter eine Papieroberfläche ist,
umso höher ist bei der Lackierung der
2.2.6 Lacke im Vergleich erreichbare Glanz.
ƒƒ Papiere mit Mehrfachstrich bieten
Die UV-Lackierung ist für viele Werbe- bes­te Voraussetzungen für einen
treibende und Kreative eine wichtige hohen Glanz. Entsprechend eignet
Technologie geworden, denn mit sich Naturpapier nur bedingt für eine
ungewöhnlich hohem Glanz oder einer Lackierung.
außergewöhnlichen haptischen Struktur ƒƒ Ob das Papier matt oder glänzend
lassen sich bei Drucksachen aus dem gestrichen ist, hat entscheidenden
Rahmen fallende Eindrücke erzielen. Einfluss auf die Gesamtwirkung.
Daneben wird mit UV-Lacken eine Klassische Kombination: matt gestri-
kratzfeste Schutzschicht erreicht und chenes Papier und glänzender Lack.
das „Haften“ auf wenig saugfähigen ƒƒ Das Papier sollte bei der UV-Lackie-
Bedruckstoffoberflächen ist ein gut rung eine geringe Neigung zum Ver-
zu nutzender Effekt dieser UV-Verfah- gilben aufweisen. Das gilt vor allem
renstechnik. In Haptik, Glanz, Scheu- dann, wenn es mehrmals durch den
erfestigkeit und Schutzwirkung sind UV-Trockner befördert werden muss.

47
2.2.8 Lackform anlegen mit InDesign Checkbox Fläche überdrucken und/
oder Kontur überdrucken.
Making of...
6 Zur Überprüfung, ob die Objekte
1 Erstellen Sie in Adobe InDesign korrekt gedruckt bzw. lackiert
im Fenster Farbe > Farbfelder ein werden, wählen Sie unter Ansicht
neues Farbfeld. die Überdruckenvorschau aus. Die
Objekte unter dem Lack sollten nun
2 Klicken Sie die neu erstellte Farbe durchscheinen. Bei farbigen Ele-
mit Doppelklick an und benennen menten wird ein Mischton mit dem
Sie die Farbe als Lack A. Ändern Sie Magenta des Lacks angezeigt, lassen
die Farbe auf C 0 %, M 100 %, Y 0 % Sie sich davon nicht irritieren.
und K 0 % B und bestätigen Sie die
Einstellungen mit OK C.

Einstellungen im
Fenster Farbfelder A C

B 7 Bei der Erstellung eines Druck-


PDF-Dokuments wird der Lack als
zusätzliche Farbe ausgegeben. Sie
können in Adobe Acrobat dies in
der Werkzeugpalette „Druckpro-
3 Erstellen Sie die Elemente, die duktion“ in der Ausgabevorschau
lackiert werden sollen, und weisen überprüfen.
Sie den Objekten als Kontur oder
Füllung die Farbe Lack zu.

4 Bedenken Sie, dass der Lack


transparent aufgetragen wird,
Objekte die gedruckt und lackiert
werden sollen, müssen also zwei-
fach angelegt werden. Nutzen Sie
hierzu beim Duplizieren den Befehl
Bearbeiten > An Originalposition
einfügen.

5 Damit beim Druck die Objekte unter


D dem Lack nicht ausgespart wer-
den, müssen alle zu lackierenden
Objekte auf Überdrucken gestellt
Fenster Attribute werden. Aktivieren Sie hierzu im
Fenster Ausgabe > Attribute D die

48
2.3 Folierung Druckveredelung

Laminieren und Kaschieren dienen


in ers­ter Linie dem Schutz und einer
erweiterten Haltbarkeit von Druck-
produkten. Beim Laminieren werden
Druckerzeugnisse in Folientaschen
eingeschweißt. Beim Kaschieren wird
vollflächig eine Folie aufgeklebt.
Da sich der Farbeindruck durch Folie-
rung oder Lackierung verändert, kann
zur Simulation das Aufkleben eines
transparenten Klebestreifens helfen.

Laminieren
Laminieren ist eine der bekanntesten
Veredelungstechniken, da sie nicht Folienkaschierte
nur in Medienbetrieben vorgenom- Glanz- oder Mattfolien. Folienkaschie- Broschur
men wird, sondern auch in Schulen, rung bietet einen dauerhaften Schutz
Hochschulen, Büros, Verwaltungen und für eine Drucksache, auch gegen me-
Industriebetrieben. chanische Belastungen. Das Kaschieren
In der Druckweiterverarbeitung wird empfiehlt sich für langlebige und häufig
unter der Laminierung die Veredelung benutzte Drucksachen. Matte oder
von Druckbogen durch den Überzug glänzende Folien, ein- oder beidseitig
mit Polyesterfolie verstanden, wobei kaschiert, geben den Drucken eine ver-
dadurch auch die Kanten durch Folie besserte Haptik und Anmutung.
geschützt sind. Ziel der Veredelung ist Alle im Offsetdruck bedruckten
in den meisten Fällen die Erhöhung der Bedruckstoffe sind in der Regel für eine
Lebensdauer. Drucksachen, die einem Folienkaschierung geeignet.
starken Gebrauch ausgesetzt sind, wie Digitaldrucke sind dagegen bei der
Speisekarten, Museumsführer oder Kaschierung etwas problematisch in der
Mitgliedsausweise, stellen typische Verarbeitung. Die geringe Restfeuchte
Beispiele dar. des Papiers nach dem Druck und dem
Durch die Laminierung wird erreicht, damit verbundenen Fixieren der Farbe
dass z. B. die verschmutzte Oberfläche kann beim Kaschiervorgang leicht zu
einer Speisekarte in einem Lokal gerei- einer Faltenbildung führen. Daher ist
nigt werden kann und dadurch ansehn- es sinnvoll, wenn möglich, vor dem
lich bleibt. Der Druckbogen wird beim Kaschieren eine Konditionierung des
Laminieren durch Hitzeeinwirkung in Bedruckstoffes durchzuführen.
die Schutzfolie eingeklebt. Die Laminie- Die Kaschierfolie wird mit Klebstoff
rung erfolgt dabei beidseitig. und unter Wärmeeinwirkung und Druck
Werden Folien mit Strukturober- auf den Druckträger aufgebracht.
flächen verwendet, lassen sich auch Eine weitere Möglichkeit bietet das
interessante optische Effekte erzielen. Kaschieren mit Thermokaschierfolien.
Diese Folien sind bereits werksseitig
Kaschieren mit einer Klebeschicht versehen und
Kaschierung ist die Veredelung von werden unter Wärmeeinwirkung und
Druckbogen durch den Überzug mit Druck verarbeitet.

49
2.4 Prägung

Prägestempel presse“ vertreten. Allerdings wird


Ein Prägestempel auf dieser Druckmaschine kaum noch
wird an einer spezi- gedruckt, sondern es werden über-
ellen CNC-Fräsma-
schine gefräst. wiegend Sonderarbeiten wie Prägen,
Nuten, Stanzen, Perforieren oder Rillen
ausgeführt.

Papierwahl bei der Prägung


Die Abbildung unten zeigt den Einfluss
von unterschiedlichem Papier auf die
Prägung. Für eine Prägung eignen sich
ungestrichene Papiere besonders gut.
Eine der effektivsten Methoden, Auf- Ideal sind Papiere mit höherem Volu-
merksamkeit zu erzielen, ist eine Prä- men, also z. B. mit 1,5-fachem Volumen.
gung. Die geprägten Elemente werden Nicht satiniertes Papier lässt sich besser
optisch und haptisch hervorgehoben. prägen als satiniertes Papier.
Eine Prägung wird mit einem Präge- Wenn bei gestrichenen Papieren
stempel (Matrize) vorgenommen. Man eine Prägung durchgeführt wird, kann
unterscheidet verschiedene Prägearten es dazu kommen, dass der Strich A
und Arbeitsverfahren. In der Regel wird aufbricht. Ursache dieses Problems
das Prägemotiv des Prägestempels ist die geringere Verformbarkeit bzw.
vertieft in das Material eingedrückt. In- Stabilität des Strichs im Vergleich zu
dustriell durchgesetzt hat sich auch das Papierfasern.
Prägen mit Folien. Unabhängig von der Papierwahl
kann es bei der Blindprägung von
Prägen mit dem Tiegel bedrucktem Papier passieren, dass die
In vielen Betrieben ist das Druckprinzip Farbschicht B an der Prägekante bricht.
Fläche gegen Fläche, obwohl schon Das Brechen der Farbschicht liegt an
lange nicht mehr gebaut, durch die der Dehnung der Oberfläche an der Prä-
„klassische Heidelberger Tiegeldruck- gekante, hier wird das Papier ausein-

Technik des Blind­


prägens
Ungestrichenes Papier Gestrichenes Papier

Druckfarbe Druckfarbe
Strich
Papierfasern Papierfasern
Strich

Prägeform Prägeform

B Farbschicht A Strich kann


kann brechen aufbrechen

50
Druckveredelung

Blindprägungen
andergezogen. Während Papierfasern die Haptik spielt eine wichtige Rolle bei ƒƒ Links: mehrstufig
diese Dehnung in der Regel problemlos der Blindprägung. ƒƒ Rechts: einstufig
überstehen, kann die Farbschicht hinge- Neben der klassischen einstufigen
gen aufbrechen. Prägung sind auch mehrstufige Prä-
gungen möglich, also mit unterschied-
Rückseiteneffekt lichen Tiefenebenen, so lassen sich
Bei der Wahl des Bedruckstoffs ist zu Elemente auch plastisch abbilden.
berücksichtigen, dass bei der Prägung
die Verformung auch auf der Rückseite 2.4.2 Folienprägung
zu sehen ist. In vielen Fällen wird diese
daher unbedruckt mit der spiegel- Meist werden Folien heute heiß ge-
verkehrten Prägung belassen. Durch prägt. Folienprägung kann vollflächig
Bekleben der Rückseite kann der Effekt oder partiell erfolgen, sie wird häufig
für den Betrachter unsichtbar gemacht bei Verpackungen und Buchumschlägen
werden. eingesetzt. Meist werden bei der Folien-
prägung Metallicfolien, z. B. Gold und
Werkzeugkosten Silber, verwendet, es können aber auch
Die einmaligen Kosten für den Prä- Hologrammfolien oder andere Effekt­
gestempel führen oft dazu, dass bei folien benutzt werden.
Aufträgen mit geringer Stückzahl eine Wenn für ein Druckerzeugnis Gold
Prägung nicht in Erwägung gezogen und Silber gewünscht werden, kann
wird. Bei einer Größe von 10 x 3 cm statt einer Prägung mit zwei unter-
müssen für den Prägestempel etwa 50 € schiedlichen Folien auch nur eine
eingeplant werden. Folienprägung in Silber durchgeführt
werden. Durch Überdrucken der Silber-
2.4.1 Blindprägung folie mit gelber Farbe wird diese dann
teilweise zu einer Goldfolie „verwan-
Eine Blindprägung wirkt edel und un- delt“.
aufdringlich. Durch die Verformung des
Bedruckstoffs werden Text- und Grafik- Heißfolienprägung
elemente dreidimensional hervorgeho- Um eine Folie auf einen Bedruckstoff
ben. Lesbarkeit und Erkennbarkeit wird zu prägen, wird die Folie zwischen
durch Licht und Schatten möglich. Auch Bedruckstoff und Stempel (Matrize)

51
Goldfolie bei der mit flüssigen Farben nicht möglich ist.
Heißfolienprägung Außerdem sind keine Trocken- und Aus-
Folienrest, nach der härtezeiten notwendig.
Folienprägung
Um Material zu sparen, wird die
Prägefolie in der Regel in der Breite an
das Prägemotiv angepasst. Eine weitere
Materialersparnis ist bei Bedruckstoff
von der Rolle möglich, wenn der Vor-
schub bei der Folie getaktet erfolgt. Die
Folienrolle wird dann bis zum nächsten
Prägeelement angehalten, während die
Rolle mit dem Bedruckstoff weiterläuft.

Veredeltes Druck­ Microembossing


produkt Das Microembossing ist ein Verfahren,
Die Verpackung ist bei dem mit Hilfe von Spezialwerkzeug
nun fertig für die
feinste Oberflächenverformungen der
Druckverarbeitung.
Prägefolien erzielt werden können.
Im Unterschied zur Heißfolienprä-
gung findet hier meist keine Verfor-
mung des Bedruckstoffs statt, die Ef-
fekte werden in der Folie selbst erzeugt.
Je nach Betrachtungswinkel wird das
auftreffende Licht auf der Oberflächen-
struktur unterschiedlich gebrochen, die
Wirkung verändert sich.
geführt, die Folie wird nun durch den
Druck und die Hitze des Prägestempels Digitale Folienprägung
übertragen. Die digitale Heißfolienprägung (Foil-
Der große Vorteil des Heißfolien- Fusing) funktioniert einfach, ist aber
prägens ist, dass ein metallischer streng genommen keine echte Prägung:
Glanzgrad erreicht werden kann, der ƒƒ Die Bereiche, an die später die Folie
kommen soll, müssen mit Toner auf
Microembossing den Bedruckstoff gedruckt werden.
ƒƒ Nun wird die Heißfolie mit Druck und
Hitze auf den mit Toner bedruckten
Bedruckstoff übertragen.
ƒƒ An den Stellen mit Toner verbleibt
die metallisierte, pigmentierte oder
hologrammierte Folienschicht auf
dem Bedruckstoff, der Trägerfilm wird
abgelöst. Die Folie besitzt vollflächig
einen Kleber, der nur in Verbindung
mit dem Toner seine Klebewirkung
entfaltet.

52
2.5 Sonstige Verfahren Druckveredelung

Stanzung Beflockung
Beim Stanzen von Druckprodukten Beflockung kommt fast ausschließ-
werden die Kanten oder die Fläche lich bei Buchumschlägen oder Verpa-
eines Druckbogens bearbeitet. Das ckungen zum Einsatz. Im Inneren einer
kann im einfachsten Fall das Abrunden Verpackung kann damit eine samtartige
von Ecken sein oder seitliche Aus- Anmutung erzeugt werden.
stanzungen, z. B. bei Antwortkarten in In jedem Fall erzeugt eine Beflo-
einem Prospekt. Eine typische Form der ckung ein besonders star­k­es haptisches
Veredelung durch Stanzen sind auch Erlebnis.
Fensterstanzungen, z. B. von Adventska-
lendern. Farb- bzw. Goldschnitt
Für eine Stanzung wird meist ein Auch die Kanten eines Buchblocks oder
Stanzwerkzeug, z. B. ein Stanzblech, be- etwa einer Visitenkarte lassen sich ver-
nötigt, das ggf. speziell für den Auftrag edeln. Man kann diese Kante einfärben
angefertigt werden muss. oder die metallisierte Schicht einer Folie
darauf übertragen.
Laserstanzung
Wie beim klassischen Stanzen wird Stanzung
auch bei der Laserstanzung Material he-
rausgetrennt. Mit einer Laserstanzung
können sehr filigrane Arbeiten ausge-
führt werden. Da kein Stanzwerkzeug
notwendig ist, lassen sich besonders
kleine Auflagen gut produzieren.

Perforierung
Das Perforieren ist ein Trennverfahren.
Allerdings bleibt, im Vergleich zum Beflockung
Stanzen, eine relativ feste Verbindung
zwischen den Bogenteilen bestehen.
Die bekannteste Perforierung ist die
Lochperforierung. Dabei werden
sogenannte Perforationslinien auf den
Gegendruckzylinder einer Offsetdruck-
maschine geklebt und das Gummituch
wird als Gegenform verwendet.

Thermoreliefdruck Farbschnitt
Durch den Thermoreliefdruck lassen
sich Linien und Flächen effektvoll
hervorheben. Temperaturempfindliches
Granulat wird auf den erhitzten Druck-
bogen mit der noch nassen Offsetdruck-
farbe aufgebracht, wodurch es eine
erhabene, glänzende Oberflächenbe-
schichtung bewirkt.

53
2.6 Aufgaben

1 Druckveredelungstechniken kennen 4 Lackarten kennen und beschreiben


und beschreiben
Es gibt fünf unterschiedliche Lackarten.
Nennen Sie vier grundlegende Druck- Nennen und beschreiben Sie diese
veredelungstechniken. Lackarten.
1. 1.

2.

3.

4. 2.

2 Zweck der Veredelung beschreiben

Beschreiben Sie, welchen Zwecken die


Druckveredelung dienen kann.
3.

1.

4.

2.

5.
3 Wirkung der Druckveredelung
kennen­

Nennen Sie für jeden der genannten


Sinne eine Veredelungsart, die diesen
Sinn besonders anspricht:
a. Sehen 5 Fachbegriffe erläutern

Erläutern Sie die folgenden lacktech-


b. Fühlen nischen Begriffe:
a. Scheuerfestigkeit

c. Riechen

54
Druckveredelung

b. Iriodine b. Kaschieren

c. Inline-Produktion

c. Blindprägung

6 Lackform in InDesign anlegen

Beschreiben Sie stichwortartig, wie eine


Lackform in InDesign korrekt angelegt
werden muss.

d. Folienprägung

e. Stanzung

7 Veredelungstechniken kennen und


verstehen

Erläutern Sie die folgenden Fachbe-


griffe:

a. Laminieren f. Goldschnitt

55
3.1 Vom Druckbogen zum Endprodukt
3 Druckverarbeitung

beitung Bücher und Broschuren. Häufig


wird der Begriff Buch für alle mehrla-
gigen gebundenen Produkte benutzt,
deshalb erfolgt hier eine kurze Begriffs-
bestimmung und Abgrenzung.

Bücher
Taschenbücher sind buchbinderisch
keine Bücher, sondern Broschuren. We-
sentliche Kennzeichen von Büchern:
ƒƒ Der Buchblock ist durch Vorsätze
mit der Buchdecke des Einbandes
verbunden.
ƒƒ Die Buchdecke steht dreiseitig über
den Buchblock hinaus.
ƒƒ Bücher haben einen Fälzel oder
Nach dem Druck und der Veredelung Gazestreifen.
sind noch viele Schritte notwendig, bis ƒƒ Der Buchblock wird nach dem Fügen,
das Endprodukt, z. B. ein Buch, fertig ist. vor der Verbindung mit der Buch­
decke dreiseitig beschnitten.
3.1.1 Druckbogen
Broschuren
Die Anordnung der Seiten auf dem Broschuren weisen eine wesentlich
Druckbogen wurde beim Ausschießen größere Bandbreite an Produkten und
Druckvorstufe
in der Druckvorstufe vorgenommen. Variationen in ihrer Herstellung und
Für das Ausschießen in der digitalen Ausstattung auf als Bücher. Typische
Bogenmontage gibt es spezielle Aus- Broschuren sind Zeitschriften, Ge-
schieß- oder Montagesoftware. brauchsanweisungen, Prospekte, Kata-
Der Druckbogen enthält neben den loge, aber auch Taschenbücher.
Angaben und Hilfszeichen für den Druck Die Einteilung der Broschuren erfolgt
auch Elemente, die für die Druckverar- nach der Art der Zusammenführung in:
beitung wichtig sind: ƒƒ Einlagenbroschur
ƒƒ Nutzenformat Einlagige Broschuren bestehen nur
ƒƒ Anschnitt aus einem gefalzten Bogen.
ƒƒ Schneidemarken ƒƒ Mehrlagenbroschur
ƒƒ Falzmarken Mehrlagige Broschuren bestehen
ƒƒ Flattermarken aus mehreren Falzbogen, die zusam-
ƒƒ Anlagezeichen mengetragen und dann geheftet oder
gebunden werden.
3.1.2 Endprodukte ƒƒ Einzelblattbroschur
Die Einzelblattbroschur wird aus
Neben gefalzten und ungefalzten End- einzelnen Blättern gebildet. Dadurch
produkten ohne Bindung (Handzettel, ist es z. B. möglich, verschiedene
Klappkarten, Briefbögen, Visitenkarten, Materialien oder Papiersorten direkt
Plakate, Zeitungen) sind die beiden aufeinander folgen zu lassen.
wichtigsten Produkte der Druckverar-

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P. Bühler, P. Schlaich, D. Sinner, Druck, Bibliothek der Mediengestaltung,
https://doi.org/10.1007/978-3-662-54611-6_3
3.2 Schneiden Druckverarbeitung

Die Weiterverarbeitung erfolgt im Bo- 3.2.3 Anschnitt bei Randabfall


gen- und im Rollendruck grundsätzlich
verschieden. Die Weiterverarbeitung im Damit es beim Formatschneiden des
konventionellen Bogendruck ist meist Druckprodukts durch Schnitttoleranzen
räumlich von der Druckproduktion ge- nicht zu unschönen weißen Rändern,
trennt. Häufig findet die Weiterverarbei- Blitzern, kommt, müssen randabfal-
tung in spezialisierten Betrieben statt. lende, angeschnittene Seiteninhalte Anschnitt
Im Rollendruck erfolgt die Weiterver- über das Seitenformat hinweg in den A Anschnitt (Bereich
zwischen dem Rand
arbeitung inline, d. h., die Produktions- Anschnitt positioniert werden. Der der weißen Seite
schritte bis hin zum Endprodukt finden Anschnitt beträgt meist 1 bis 3 mm (je und der roten Linie)
in einer Produktionslinie direkt nach nach Weiterverarbeitung). B randabfallender
dem Druck statt. Seiteninhalt

3.2.1 Bahnverarbeitung
Im Rollenrotationsdruck erfolgt das
Schneiden und Falzen der Papierbahn A
im Falzapparat der Druckmaschine.
Erst das abschließende Querschneiden
trennt in einzelne Bogen, die dann
weiterverarbeitet werden können.
B
3.2.2 Schneiden von Druckbogen
Die Druckbogen müssen vor dem
Falzen oft noch geschnitten werden,
da ein Druckbogen z. B. meist mehre-
re Nutzen enthält. Dieses Schneiden
geschieht an teilweise computergesteu-
erten Planschneidern. Man unterschei-
det dabei:
ƒƒ Trennschnitt Planschneider
Nach dem Druck, vor allem auf groß- Einmesserschneide-
formatigen Bogenmaschinen, werden maschine zur Durch-
führung von Trenn-
die Planobogen in das Format zur
und Winkelschnitten
weiteren Verarbeitung geschnitten.
Gemeinsam gedruckte Nutzen wer-
den so voneinander getrennt.
ƒƒ Winkelschnitt
Ein Winkelschnitt ist dann notwendig,
wenn die Druckbogen mit unter-
schiedlicher Druck- und Falzanlage
verarbeitet werden. Falls die aus der
Druckerei kommenden Bogen nicht
exakt rechtwinklig sind, ist ebenfalls
ein Winkelschnitt notwendig.

57
3.3 Falzen

Beim Falzen werden aus Planobogen Falzwerke in einem Winkel von 90°
Falzbogen, sogenannte Lagen. Die zueinander, für Parallelbrüche stehen
einzelnen Seiten des späteren End- die Falzwerke parallel hintereinander.
produktes liegen danach, korrektes Aus- Die Einstellung der Falzposition erfolgt
schießen vorausgesetzt, in der richtigen durch die Veränderung des Anschlags.
Reihenfolge zur weiteren Verarbeitung.
Taschenfalz
3.3.1 Falzprinzipien Walzen lenken beim Taschen- oder
Stauchfalz den Bogen gegen den
Messerfalz seitlichen Anschlag. Durch die Einführ-
Beim Messer- oder Schwertfalz wird walzen wird der Bogen in die Falztasche
der Bogen über Transportbänder gegen bis zum einstellbaren Anschlag geführt.
einen vorderen und seitlichen Anschlag Die entstehende Stauchfalte wird von
geführt. Das Falzmesser schlägt den den beiden Falzwalzen erfasst und über
Bogen zwischen die beiden gegenläu- Reibung durch den Walzenspalt mitge-
fig rotierenden Falzwalzen. Durch die nommen und der Bogen so gefalzt. Je
Reibung der geriffelten oder gum- nach Anzahl der aufeinander folgenden
mierten Walzen wird der Bogen von Falztaschen können mehrere Falzbrüche
den Falzwalzen mitgenommen und so ausgeführt werden. Für die Buch- und
gefalzt. Der Weitertransport erfolgt wie- Broschurfertigung werden Falzwerke
der über Transportbänder. Für weitere mit hintereinander angeordneten vier
Falzbrüche sind Falzwerke hintereinan- bis acht Falztaschen eingesetzt. Zusätz-
der angeordnet. Bei Mehrfachfalzungen lich können Taschen- und Messerfalz-
mit Kreuzbrüchen stehen die folgenden werke in Folge angeordnet werden.

Falzprinzipien
ƒƒ Links: Messerfalz Falzmesser
ƒƒ Rechts: Taschenfalz
Anschlag
Papier Falztasche
Papier Anschlag
Einführ-
Falzwalzen
Falzwalzen
walzen

58
Druckverarbeitung

3.3.2 Falzarten Kombinationsfalz


Die Kombination von Parallel- und
Parallelfalz Kreuzbrüchen nennt man Kombi-
Falzbrüche, die parallel aufeinander nationsfalz. Bei höherer Seitenzahl
folgen, nennt man Parallelfalz. Man wird dann die Falzlinie perforiert, um
unterscheidet verschiedene parallele Lufteinschlüsse und Faltenbildung zu
Anordnungen der Falzbrüche: verhindern.
ƒƒ Mittelfalz
Der Bogen wird jeweils in der Mitte 3.3.3 Rillen, Nuten und Ritzen
gefalzt.
ƒƒ Zickzack- oder Leporellofalz Rillen
Jeder Falz folgt dem vorhergehenden Beim Rillen wird das Material zu einem
Falz in entgegengesetzter Richtung. Wulst ausgebogen. Rillen erleichtert
ƒƒ Wickelfalz das Falzen, je dicker der Bedruckstoff,
Alle Falzbrüche gehen jeweils in die desto notwendiger ist dieser Arbeits-
gleiche Richtung. Der erste Papier- schritt vor dem Falzen. Faltschachteln
abschnitt wird von den folgenden und Broschurenumschläge werden fast
eingewickelt. immer gerillt.
ƒƒ Fenster- oder Altarfalz
Die beiden Papierenden sind zur Bo- Nuten und Ritzen
genmitte hin gefalzt. Beim Nuten wird aus dickem Karton
oder Pappe ein Materialspan herausge-
Kreuzfalz schnitten. Dieses Verfahren wird ange-
Beim Kreuzfalz folgt jeder neue Falz- wandt, wenn Rillen nicht ausreicht.
bruch dem vorhergehenden Falz im Das Ritzen ähnelt dem Nuten, es
rechten Winkel. wird allerdings kein Span herausge-
Ein ganzer Bogen, traditionell auch schnitten.
Buchbinderbogen genannt, hat 16 Sei-
ten. Diese entstehen durch drei aufei- Rillen und Nuten
nander folgende Kreuzbrüche. A A Rillen
Die Bezeichnungen halber Bogen für B Nuten
C Ritzen
einen achtseitigen Bogen und Viertel- B
bogen für einen vierseitigen Bogen sind
daraus abgeleitet. Ein Achtelbogen ist C
ein zweiseitiger Bogen, also ein Blatt.

Parallelfalzarten

2-Bruch- 3-Bruch- 3-Bruch- 2-Bruch-


Mittelfalz Zickzackfalz Wickelfalz Fensterfalz

59
3.4 Blockherstellung

Die beschnittenen und gefalzten Bogen Zusammentragen


werden im zweiten Teil des Workflows Zusammentragen bedeutet übereinan-
der Druckverarbeitung als Falzbogen der legen. Dabei können Falzbogen und
oder Einzelblätter zusammengeführt. Einzelblätter in der Abfolge kombiniert
Wir unterscheiden dabei Sammeln und werden. Auch bei zusammengetra-
Zusammentragen. genen Produkten gilt, dass die Seiten-
reihenfolge stimmen muss. Sie können
3.4.1 Sammeln und Zusammentragen dies durch die Paginierung der Seiten,
die Bogensignatur und die Flattermar-
Wenn eine Rückstichheftung produziert ken kontrollieren.
werden soll, dürfen am Rücken keine
offenen Seiten sein, sie würden sonst
aus dem Endprodukt herausfallen. Flattermarken auf dem Blockrücken
In diesem Fall müssen die Falzbogen
gesammelt werden. In allen anderen
Fällen werden die Falzbogen zusam-
mengetragen. Richtige Abfolge

Sammeln von Lagen

Doppelte Lage

Sammelrichtung Vertauschte Lagen

Zusammentragen Flattermarken sind rechteckige Farb-


von Lagen und/oder felder. Sie werden beim Ausschießen
Einzelblättern
so auf dem Bogen positioniert, dass sie
auf dem Rücken des Falzbogens sicht-
bar sind. Die Position der Flattermarke
wandert von Bogen zu Bogen und zeigt
Zusammentragrichtung bei richtiger Position des Falzbogens im
Block eine fortlaufende Treppenstruktur.
Die Bogensignatur oder Bogennorm
Sammeln bezeichnet den einzelnen Druck- bzw.
Beim Sammeln werden die Falzbogen Falzbogen. Sie steht im Anschnitt, dem
ineinandergesteckt. Dadurch befindet Teil des Bogens, der beim Beschnei-
sich die erste und die letzte Seite des den des Blocks nach dem Binden
Produkts auf dem äußersten Falzbogen. bzw. Heften weggeschnitten wird. Die
Das Sammeln erfolgt meist nicht in Bogensignatur enthält Informationen
separaten Sammelmaschinen, sondern über den Buchtitel und die Bogenzahl
wird in sogenannten Sammelheftern bzw. die Bogennummer. Damit ist der
direkt vor dem Drahtrückstichheften Bogen eindeutig einem Werk und einer
durchgeführt. Position im Block zuordenbar.

60
Druckverarbeitung

3.4.2 Doppelseitendruck Doppelseitendruck

Bei der Gestaltung von Doppelseiten


muss beachtet werden, dass es produk-
tionsbedingt zu unechten Doppelseiten
kommt. Diese werden nicht durchge-
hend gedruckt, dadurch kann ein leich-
ter Versatz zwischen den beiden Seiten
entstehen. Dies führt dazu, dass mög-
lichst keine kritischen Elemente über
beide Seiten gelegt werden sollten.
Da sich z. B. klebegebundene Pro-
dukte nicht bis zum Bund aufschlagen
lassen, dürfen dort keine bildwichtigen
Inhalte platziert werden. 3.4.4 Spiralbindung

3.4.3 Klammerheftung Die Spiralbindung erfolgt seitlich durch


den zusammengetragenen Block. Be-
Die Klammerheftung erfolgt seitlich kanntestes Beispiel für ein spiralgebun-
durch den gesammelten Block als Rück- denes Produkt sind Kalender. Es gibt
stichheftung oder Ringösenheftung. verschiedene Arten der Spiralbindung, Sammelhefter mit
Diese Bindeart ist preisgünstig, z. B. als Wire-O-Bindung. Drahtrückstich-
jedoch für Broschuren wegen des heftung
schlechten Aufschlagverhaltens weniger
geeignet.

Auswachsen bei Rückstich­heftung


Da bei der Rückstichheftung die Lagen
nicht zusammengetragen, sondern
gesammelt, d. h. ineinandergesteckt
werden, sind die inneren Seiten bei
umfangreichen Produkten kürzer als die
äußeren Seiten. Dies muss beim Aus-
schießen bzw. bei der Seitengestaltung
berücksichtigt werden.

Schnittlinie

Verkürzung der inneren


Seiten bei der
Rückstichheftung

61
Bindearten schmaler Streifen am Block geleimt.
A Wire-O-Bindung Dieser schmale Leimstreifen dient der
B Rückstich­heftung besseren Verbindung des Umschlags
C Klebebindung
mit dem Block.
D Fadensiegelheftung
In der Praxis werden drei verschie-
A dene Klebstoffarten eingesetzt:
ƒƒ Hotmelt
Schmelzklebstoffe, die heiß aufgetra-
B gen werden und nach dem Erkalten
C den Block und Umschlag binden.
Vorteil der Hotmelt-Klebebindung
ist die unkomplizierte und rasche
D Arbeitsweise.
Ein Nachteil ist die Versprödungsnei-
gung und somit die geringe Alte-
rungsbeständigkeit der Bindung.
ƒƒ Dispersionsklebstoffe
Wässrige Dispersionen auf Basis von
PVAC, Polyvinylacetat. Sie bilden
heute die wichtigste Klebstoffgruppe
3.4.5 Klebebindung bei der Klebebindung.
Durch Hochfrequenztrocknung wird
Klebebindung ist ein sehr verbreitetes die Polymerisation so beschleunigt,
Bindeverfahren. Der Block wird dabei dass ebenfalls eine Inline-Fertigung
im Klebebinder mit einer Zange gefasst. möglich ist.
Der Buchrücken wird beschnitten und ƒƒ Polyurethanklebstoffe
mit rotierenden Messern abgefräst. Die Festigkeitswerte, die durch die
Anschließend wird der Rücken und ein chemisch reaktiven PUR-Klebstoffe
Klebebinder erreicht werden, liegen deutlich über
denen der beiden anderen Klebe-
bindeverfahren. Der Aufwand ist
allerdings auch deutlich höher. Für
die Verarbeitung gelten besondere
Arbeitsschutzvorschriften.

Fräsrand bei der Klebebindung


Bei der Klebebindung muss der Rücken
des Blocks abgefräst werden, damit
jedes Blatt Kontakt mit dem Kleber be-
kommt. Üblicherweise ist der Fräsrand
3 mm groß. Daraus ergibt sich eine
Zugabe von 3 mm pro Seite. Abhängig
vom Kleber darf dieser Rand bedruckt
sein oder muss farbfrei gehalten wer-
den.

62
Druckverarbeitung

3.4.6 Fadenheftung Das Fadensiegeln ist also ein Binde-


verfahren mit Inline-Produktion vom
Das Fadenheften ist die älteste, aber Falzen über das Fadensiegeln bis zum
auch hochwertigste Bindeart. Die zu- Klebebinder.
sammengetragenen Lagen werden in Der Vorteil des Fadensiegelns liegt
der Fadenheftmaschine mit den Heftfä- darin, dass der Bund der Lagen nicht
den zusammengenäht. aufgefräst wird. Die Produkte sind
ƒƒ Fadenrückstichheftung somit bis zum Bund aufschlagbar und
Beim Fadenrückstichheften werden haben eine hohe Festigkeit. Bei der Bo-
die gesammelten, ineinandergesteck- genmontage muss z. B. bei Bildern, die
ten Bogen mit einem Faden geheftet. über den Bund laufen, kein doppelter
Das Verfahren ist von der Heftart her Fräsrand wie bei der Klebebindung
mit der Drahtrückstichheftung ver- berücksichtigt werden. Fadengesiegelte
gleichbar. Nur werden die gesammel- Produkte sind bei vergleichbarer Quali-
ten ineinandergesteckten Bogen nicht tät preiswerter als fadengeheftete.
mit Draht, sondern mit einem Faden
gleichzeitig geheftet. Buchfadenheftung
ƒƒ Buchfadenheftung 1. Mit den Vorstechna-
Nähnadel Hakennadel deln werden Löcher
Die zusammengetragenen, überein- Vorstechnadeln
gestochen.
anderliegenden Falzbogen, Falzlagen,
2. Die Nähnadel führt
werden nacheinanderfolgend mit den Faden durchs
einem Faden geheftet. Loch.
Die Löcher, durch die der Heftfaden 3. Der Fadenschieber
schiebt den Faden
geführt wird, werden zunächst von Fadenschieber zur Hakennadel.
innen vorgestochen. 4. Die Hakennadel
Im zweiten Schritt folgt dann der zieht den Faden
Faden. Die gehefteten Buchblöcke wieder heraus.
werden anschließend in der Buchend-
fertigung weiterverarbeitet.

3.4.7 Fadensiegelheftung
Das Fadensiegeln vereint das Faden- Fadensiegelheftung
heften mit der Klebebindung. Es findet 1. Siegelfaden wird
direkt im Anschluss an den Falzprozess durch den Bund
gestoßen.
statt. Gemeinsam mit dem letzten Falz-
2. Die losen Enden
vorgang wird eine Fadenklammer durch Nähnadeln des Siegelfadens
den Bundsteg gesteckt. werden an der
Die Fäden bestehen aus Textil und beheizten Siegel-
schiene auf dem
Kunststoff, der nach dem Zusam- Buchrücken versie-
mentragen über einem Heizelement gelt (nicht im Bild).
verschmolzen wird. Die Fäden verbin-
Siegelfaden
den so die einzelnen Lagen zu einem
Buchblock. In einem anschließenden
Klebebinder wird das Endprodukt fer-
tiggestellt.

63
3.5 Endfertigen

3.5.1 Ableimen block wird durch einen Pressstempel


fixiert. Dann beschneiden die beiden
Die fadengehefteten Buchblöcke wer- Seitenmesser und das Vordermesser
den zunächst in einem Buchblockan- im Schrägschnitt den Block. Die Schnitt-
leger geordnet gestapelt und dann an folge ist phasenversetzt, damit sich die
den Ableimer weitergeleitet. Messer nicht gegenseitig behindern.
In der Ableimmaschine wird auf den
fadengehefteten oder klebegebundenen 3.5.3 Buchmontage
Buchblock ggf. noch ein Fälzel oder Ga-
zestreifen aufgeleimt. Dabei kommen je Leseband einlegen
nach Produktionsprozess Dispersions- Soll das Buch ein Leseband erhalten,
oder Heißleime, Hotmelt, zum Einsatz. erfolgt das an dieser Position, zwischen
Buchblöcke, die mit Dispersions- Dreimesserschnitt und dem Einhängen
leimen geleimt wurden, müssen nach in den Einband in der Buchmontage.
dem Ableimen noch in speziellen
Trockenaggregaten getrocknet wer- Buchdeckenfertigung
den. Anschließend werden sie an die Ein Produktionsabschnitt, der parallel
Schneidestation weitergeleitet. zum Binden und Heften abläuft, ist die
Fertigung der Buchdecken. Diese wer-
3.5.2 Endbeschnitt den in speziellen Maschinen gefertigt,
um dann in der Buchmontage mit dem
Im sogenannten Dreischneider wird der Buchblock vereinigt zu werden.
gebundene Buchblock jetzt an den drei
freien Seiten beschnitten. Der Buch- Buchdecke einhängen
Der letzte Schritt der Buchproduktion
Merkmale eines ist die Verbindung des Buchblocks mit
Buches der Buchdecke. Der fertig bearbeitete
A Vorsatz A
Buchblock wird am Rücken mit Leim
B erste Seite des
B bestrichen und mit dem Vorsatz oder
Buchblocks
C Buchblock bei Broschuren direkt mit dem Einband
D Buchrücken kraftschlüssig verbunden. Anschließend
E Kapitalband wird der Vorsatz mit der Buchdecke
F Leseband
C flächig verleimt.
Bei Büchern mit festen Einbänden
muss nach dem Einhängen in einer
D
weiteren Arbeitsstation der Falz zum
besseren Aufschlagen gepresst werden.
E
Einfache Einbände werden an dieser
Stelle gerillt, um entlang dieser Linie
das Aufschlagen des Einbandes zu
erleichtern.
Als letzter Arbeitsschritt folgt ggf.
F noch das Umlegen des Schutzum-
schlags. Besonders hochwertige Bücher
werden außerdem noch mit einem
Schuber versehen.

64
3.6 Aufgaben Druckverarbeitung

1 Kennzeichen von Büchern nennen

Nennen Sie vier Kennzeichen, die ein


Buch von einer Broschur unterscheiden.
1.

2.

3. 5 Falzprinzipien erklären

Erklären Sie folgende Falzprinzipien:


4. a. Messerfalz

2 Broschuren unterscheiden

Wodurch unterscheiden sich eine


Einlagenbroschur und eine Mehrlagen-
broschur? b. Taschenfalz

3 Randabfallende Elemente kennen 6 Falzarten kennen

a. Was heißt randabfallend? Nennen Sie drei Beispiele für Parallel-


falzungen.
1.

2.
b. Was muss unternommen werden,
damit keine Blitzer entstehen?
3.

7 Rillen, Nuten und Ritzen kennen

Erklären SIe die Begriffe Rillen, Nuten


und Ritzen:
4 Arbeitsschritt Schneiden erklären a. Rillen:

Welchem Zweck dient ein Trennschnitt?

65
b. Nuten:
3.

4.

11 Schwierigkeiten beim Doppelsei-


c. Ritzen: tendruck kennen

Beschreiben Sie die zwei Probleme, die


Auswirkungen auf die Gestaltung von
Doppelseiten haben.

8 Sammeln und Zusammentragen 1.


unterscheiden

Erklären Sie die beiden Arten der


Zusammenführung von Falzbogen:
a. Sammeln

b. Zusammentragen
2.

9 Flattermarken erklären

Welche Aufgabe haben Flattermarken?

12 Auswachsen bei Rückstichheftung


erklären

Erklären Sie, worum es beim „Aus-


wachsen bei Rückstichheftung“ geht.

10 Heft- und Bindearten unterscheiden

Nennen Sie vier Heft- und Bindearten


zur Buch- bzw. Broschurherstellung.
1.

2.

66
Druckverarbeitung

b. Fadensiegelheftung
1.

2.

13 Klebebindung erläutern

a. Warum muss bei Produkten, die 15 Merkmale eines Buches kennen


klebegebunden werden, im Bund ein
Fräsrand berücksichtigt werden? Benennen Sie die Merkmale eines
Buches in der Abbildung unten:
A:

B:

C:
b. Wie groß ist dieser Fräsrand übli-
D:
cherweise?
mm E:

F:
14 Buchfadenheftung und Fadensiegel-
heftung unterscheiden

Beschreiben Sie die beiden Bindearten:


A
a. Buchfadenheftung
B
1.

2. C

3. E

F
4.

67
4.1 Papierherstellung
4 Werkstoffe

„Papier ist ein flächiger, im Wesent- für spezielle Papiere noch Fasern aus
lichen aus Fasern meist pflanzlicher Einjahrespflanzen und organischen
Herkunft bestehender Werkstoff, der Lumpen gewonnen.
durch Entwässerung einer Faser­stoff- Für alle Druckpapiere werden Fasern
auf­schwem­mung auf einem Sieb gebil- verschiedener Herkunft eingesetzt. Die
det wird“ (DIN 6730). langen Fasern bilden eine feste Struk-
Papier hat als Informationsträger tur, die kürzeren Fasern egalisieren den
wesentlichen Einfluss auf die Qualität Faserverbund.
und die Wirkung eines Druckproduktes.
Papier ist sinnlich – ein schönes Buch Mechanischer Aufschluss
fühlt sich gut an, die Färbung des
Papiers bildet einen harmonischen Kon-
trast zur Farbe der Schrift, der Grafiken Entrinden Zerfasern
und der Bilder. Die Wahl des richtigen
Papiers trägt so entscheidend zum
Erfolg des Produktes bei.

4.1.1 Primärfasern
Der wichtigste Rohstoff zur Gewinnung
von Primärfasern ist Holz. Die im Holz
Holz Holzstoff
durch Harze und Lignin gebundenen
Zellulose- und Hemizellulosefasern
werden durch verschiedene Verfahren Die entrindeten Holzstammabschnitte
aus dem Faserverbund herausgelöst. werden parallel zur Faserrichtung ge-
gen einen groben Schleifstein gepresst.
Unter Wasserzufuhr wird die Holzstruk-
tur zerstört und die Zellulose- bzw.
Hemizellulosefasern herausgelöst. Die
Harze und das Lignin verbleiben im
Holzstoff bzw. Holzschliff.
Außer den verschiedenen Arten der
Holzschleifer, in denen ganze Stammab-
schnitte verarbeitet werden, sind heute
auch Refiner zur Holzschlifferzeugung
im Einsatz. In diesen Refinern werden
Holzhackschnitzel zwischen groben
Holz zur Primär­ Schleifscheiben zerfasert.
fasergewinnung Zur Papierherstellung werden überwie- Man unterscheidet die Faserquali-
gend Fasern von schnellwachsenden täten nach der Mahltechnik:
Bäumen eingesetzt. Die Fasern von ƒƒ Holzschliff
Nadelhölzern wie Kiefer oder Fichte ha- Mechanische Zerfaserung von Holz-
ben eine Länge von 2,5 mm bis 4,0 mm. stämmen unter Wasserzufuhr
Fasern von Laubbäumen wie z. B. der ƒƒ TMP (thermomechanischer Holzstoff)
Buche sind nur ca. 1 mm lang. Außer Zerfaserung von Hackschnitzeln bei
den Primärfasern aus Holz werden ca. 120 °C im Refiner

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2018


P. Bühler, P. Schlaich, D. Sinner, Druck, Bibliothek der Mediengestaltung,
https://doi.org/10.1007/978-3-662-54611-6_4
Werkstoffe

ƒƒ CTMP (chemisch-thermomecha- Holzstoff


nischer Holzstoff)
Den Hackschnitzeln werden im
Refiner zusätzlich Chemikalien, z. B.
Natriumperoxid, zugeführt.
ƒƒ BCTMP (gebleichter chemisch-ther-
momechanischer Holzstoff)
Die Fasern werden direkt
anschließend an den mechanischen
Aufschluss gebleicht. Zellstoff, ungebleicht
Die Faserrohstoffausbeute beträgt je
nach Verfahren zwischen 75 % und
95 %. Die chemische Zusammensetzung
des Aufschlusses bleibt unverändert.
Dies führt dazu, dass Papiere, die aus
Holzschliff bzw. Holzstoff hergestellt
werden, durch die noch enthaltenen
Harze und das Lignin stark zum Vergil-
ben neigen. Natronlauge und Natriumsulfat ge-
kocht. Die im Holz enthaltenen Harze
Chemischer Aufschluss und das Lignin werden herausgelöst.
Übrig bleiben Zellulosefasern, der
Zellstoff.
Zerkleinern Kochen Nach dem chemischen Aufschluss
werden die Zellstofffasern noch ge-
bleicht. Die Bleichung erfolgt mit Hilfe
von Sauerstoff, Wasserstoffperoxid,
Ozon oder Chloroxid. Das Herauslösen
der Harze und des Lignins führt zusam-
men mit der Bleichung zu weißen, nicht
vergilbenden Papieren.
Holz Hackschnitzel Zellstoff Die Ausbeute bei den chemischen
Aufschlussverfahren beträgt etwa 50 %.
Der dabei gewonnene Zellstoff ist qua-
Neben der mechanischen Gewinnung litativ viel hochwertiger als der mecha-
der Primärfasern gibt es auch che- nisch gewonnene Holzstoff.
mische Verfahren zur Zerfaserung der
Faserrohstoffe. 4.1.2 Sekundärfasern (Altpapier)
Beim chemischen Aufschluss wird
durch Kochen von Hackschnitzeln der Die Altpapiereinsatzquote liegt in
Faserverbund aufgelöst. Die über- Deutschland bei ca. 65 %. Altpapier ist
wiegende Menge an Zellstoff für die damit neben Holz der wichtigste Faser-
Papierherstellung wird im Sulfatverfah- rohstoff zur Papierherstellung.
ren gewonnen. Die Holzhackschnitzel Das Altpapier wird als Erstes im
werden dabei bei einer Temperatur von Stofflöser oder Pulper in Wasser
170 °C bis 190 °C mehrere Stunden in aufgelöst und zerfasert. Anschließend

69
4.1.3 Stoffaufbereitung
Zellstoff wird meist in speziellen Zell-
stofffabriken hergestellt. Die Lieferung
in die Papierfabrik erfolgt in trockenen
Zellstoffballen. Diese werden im Pulper
aufgelöst. Gleichzeitig werden hier
je nach Rezeptur für eine bestimmte
Papiersorte Zellstoffe verschiedener
Herkunft und Qualität in entsprechender
Menge gemischt. Die Fasersuspension
besteht aus 5 % Faseranteil und 95 %
Wasser.
Nach der Auflösung werden die
Zellstoff- und/oder Holzstofffasern im
Stofflöser, Pulper Refiner zwischen strukturierten Metall-
Das Altpapier wird werden in Sortiereinrichtungen die gro- platten gemahlen. Bei der Mahlung
in Wasser aufge- ben papierfremden Teile wie Klammern werden die Fasern fibrilliert. Es werden
löst und zerfasert.
oder Kleberrückstände entfernt. Im vier Mahlungsgrade unterschieden:
Anschließend erfolgt
das Entfärben in der folgenden Deinking-Prozess wird durch ƒƒ Lang und rösch, wenig veränderte
Deinking-Einheit. das Flotationsverfahren unter Einsatz Fasern
von Wasser, Natronlauge und Seife die ƒƒ Kurz und rösch, geschnittene Fasern
Druckfarbe entfernt. ƒƒ Lang und schmierig, gequetschte
Beim Deinking leidet die Qualität der Fasern
Faser. Dies bedeutet, dass das Altpa- ƒƒ Kurz und schmierig, gequetschte und
pierrecycling nicht als geschlossener verkürzte Fasern
Kreislauf erfolgen kann, sondern in der Der jeweilige Mahlungsgrad beeinflusst
Papierherstellung immer wieder frische wesentlich die Qualität des Papiers.
Fasern zugeführt werden müssen. Dies Kurze, rösche Fasern bewirken eine
geschieht unter anderem dadurch, dass hohe Saugfähigkeit, aber eine geringe
bei der Herstellung von Reyclingpapie- Festigkeit des Papiers. Papiere, die
ren, die aus 100 % Altpapier bestehen, überwiegend lange und schmierige
auch Papiere aus Primärfasern einge- Fasern enthalten, haben eine sehr hohe
setzt werden. Festigkeit.

Zellstoffplatten 4.1.4 Füll- und Hilfsstoffe


Die Zellstoffplatten
werden von der Zell- Vor dem Stoffauflauf in der Papier-
stofffabrik in Ballen
maschine werden der Fasersuspension,
angeliefert und dann
im Pulper aufgelöst. dem Halbzeug, noch verschiedene Füll-
und Hilfsstoffe beigemischt.
ƒƒ Füllstoffe
Als Füllstoffe werden vor allem
Kreide und Kaolin eingesetzt. Die Füll-
stoffe lagern sich bei der Blattbildung
in der Papiermaschine zwischen den

70
Werkstoffe

Fasern ein. Sie erhöhen dadurch die


Opazität (Lichtundurchlässigkeit) und
die Glätte des Papiers.
ƒƒ Optische Aufheller
Optische Aufheller absorbieren
UV-Licht und emittieren Licht im
sichtbaren Bereich des Spektrums,
dadurch wird die Weiße des Papiers
gesteigert.
ƒƒ Leim
Die Beimischung von Leim in das
Halbzeug vor der Papiermaschine
heißt Stoffleimung. Durch sie wird die
Saugfähigkeit des Papiers herabge-
setzt.
ƒƒ Farbstoffe Papiermaschine
Für durchgefärbte Papiere werden abgesaugt. Durch die Filtrationswirkung von der Siebpartie
Farbstoffe hinzugegeben. der Fasern ist der Füllstoffanteil auf der (rechts) bis zur Tro-
ckenpartie (links)
Oberseite höher als auf der Unterseite
4.1.5 Papiermaschine der Papierbahn. Die auf dem Sieb auf-
liegende Papierseite wird als Siebseite
Siebpartie bezeichnet, die Papieroberseite heißt
Die Siebpartei steht am Anfang der Pa- Filzseite. Doppelsiebmaschinen ent-
pierherstellung in der Papiermaschine. wässern nach beiden Seiten. Dadurch
Das Ganzzeug, die Fasersuspension mit wird eine geringere Zweiseitigkeit des
Füll- und Hilfsstoffen, wird im Stoffauf- Papiers erreicht. Der Wassergehalt
lauf der Papiermaschine auf das Sieb beträgt am Siebende beim Übergang in
aufgebracht. Der Wasseranteil beträgt die Pressenpartie noch 80 %.
am Siebanfang 99 %. Auf dem endlos
umlaufenden Metall- oder Kunststoff- Pressenpartie
sieb findet die eigentliche Blattbildung Nach dem Sieb wird die Papierbahn
statt. Die Papierfasern richten sich in in die Pressenpartie übergeleitet.
der Strömungsrichtung, der sogenann- Dort wird zwischen Filzen unter An-
ten Lauf- oder Maschinenrichtung, aus. pressdruck der Wassergehalt auf 50 %
Das Wasser läuft ab und wird zusätzlich gesenkt.

Schema einer
Schlussgruppe Papiermaschine

Siebpartie Trockenpartie

Pressenpartie Aufrollung

71
Trockenpartie als Pigmente in der Streichfarbe
Die abschließende Trocknung erfolgt eingesetzt. Ihr Anteil beträgt ca. 85 %.
durch Hitze in der Trockenpartie. Das Ungefähr 13 % der Streichfarbe machen
Papier wird über 50 bis 60 beheizte die Bindemittel aus und ca. 2 % sind
Stahlzylinder geleitet. Dadurch reduziert Hilfsstoffe.
sich der Wassergehalt auf 4 % bis 6 %. Eine Besonderheit sind die gussge-
strichenen Papiere. Direkt nach dem
Schlussgruppe Strich wird hierbei die Papierbahn auf
In der Schlussgruppe durchläuft die einen großen beheizten Chromzylinder
Papierbahn je nach Papiersorte noch geführt. Dort erfolgt die Trocknung. Die
die Leimpresse zur Oberflächenleimung Strichoberfläche ist ein Abbild der sehr
und das Glättwerk. Im Glättwerk wird glatten Zylinderoberfläche.
die Papierbahn mechanisch zwischen
Walzen egalisiert. Satinieren
Beim Satinieren im Kalander erhalten
Aufrollung die Papiere ihre endgültige Oberfläche.
Die letzte Station der Papiermaschine Kalander sind Maschinen mit mehreren
ist die Aufrollung. Die Papierbahn wird nacheinander angeordneten Stahl-,
in voller Breite auf einen Stahlkern, Papier- oder Strukturwalzen, zwischen
Tambour, in Rollen von bis zu 12 m denen die Papierbahn hindurchgeführt
Breite und 60 km Bahnlänge aufgerollt. wird. Im Walzenspalt zwischen den
Walzen wird die Papieroberfläche der
4.1.6 Papierveredelung und Bahn durch Reibung, Hitze und Druck
geglättet. Eine matte oder halbmatte
­-ausrüstung
Oberfläche wird durch geringere Rei-
Nach der Papierherstellung folgen bung und den Einsatz feinstrukturierter
meist noch verschiedene Stationen der Walzen erreicht.
Papierveredelung, bevor das Ausrüsten Geprägte Papiere und Kartons,
stattfindet. z. B. mit Leinenstruktur, erhalten ihre
Prägestruktur in Prägekalandern durch
Streichen spezielle Prägewalzen. Satinierte Natur-
Der wichtigste Veredelungsprozess ist papiere haben eine ge­schlossenere und
das Streichen. In speziellen Streich- glattere Oberfläche als maschinenglat-
maschinen wird auf das Rohpapier te Papiere. Gestrichene Papiere sind
eine Streichfarbe aufgetragen. Dieser grundsätzlich immer satiniert. Mit einer
sogenannte Strich ist die Farbannahme- Ausnahme: Gussgestrichene Papiere
bzw. Farbaufnahmeschicht im Druck. Je erhalten ihre endgültige Oberflächen-
nach Papiersorte und Druckverfahren glätte schon in der Streichmaschine.
unterscheidet sich die Zusammenset-
zung und Dicke des Strichs. Ausrüsten
Für hochwertige Papiere im konven- Der letzte Abschnitt in der Papierferti-
tionellen Druck werden beide Seiten gung heißt Ausrüstung. Dort werden
zweimal gestrichen. Auf das Rohpapier die Papierbahnen in Formate geschnit-
wird ein Vorstrich aufgebracht. An- ten, verpackt und als Ries oder Palette
schließend erfolgt darauf ein Deck- oder zu den Kunden versandt.
Topstrich. Kreide und Kaolin werden

72
4.2 Papiereigenschaften und -sorten Werkstoffe

Die Bewertung von Papierqualität rich-


tet sich nach drei Anforderungsprofilen:
ƒƒ Verdruckbarkeit (runability)
Beschreibt das Verhalten bei der
Verarbeitung, z. B. Lauf in der Druck-
maschine
ƒƒ Bedruckbarkeit (printability)
Bezieht sich auf die Wechselwirkung
zwischen Druckfarbe und Papier
ƒƒ Verwendungszweck Etikett eines Ries
Zeitung, Plakat, Verpackung … Laser-/Inkjetpapiers
4.2.2 Oberfläche
Ein Ries ist ein Paket
mit, je nach Masse,
4.2.1 Stoffzusammensetzung Naturpapier
200 bis 500 Bogen
Naturpapiere sind alle ungestrichenen Papier. Auf der
Holzfreies Papier Papiere, unabhängig von ihrer Stoff- Verpackung sind die
Holzfreies Papier besteht genauso zusammensetzung. Die Bezeichnung wichtigsten Angaben
vermerkt:
aus Holz wie holzhaltiges Papier. Die Naturpapier hat also nichts mit Natur ƒƒ Papiersorte
Besonderheit ist, dass dieses Papier und Umwelt zu tun, sondern bezieht ƒƒ Format (hier 21 x
frei von Holzstoff ist. Es wurde aus sich auf die natürlich belassene Ober- 29,7 cm)
Zellstoff hergestellt, also aus chemisch fläche des aus der Papiermaschine ƒƒ Flächenmasse (hier
80 g/m²)
hergestellten, hochwertigeren Fasern. kommenden Papiers. Die Oberfläche ƒƒ Bogenanzahl
Diese Papiere vergilben nicht, holzfreie von Naturpapier kann aber unterschied- ƒƒ Fabrikations-/Char-
Papiere dürfen dennoch bis zu 5 % Holz- lich mechanisch behandelt oder geleimt gennummer
stoff enthalten. sein: ƒƒ Laufrichtung (hier
„SB“ für Schmal-
ƒƒ maschinenglatt (m´gl.) bahn)
Holzhaltiges Papier Die Oberfläche wurde nach dem Ver-
Holzhaltige Papiere werden aus Holz- lassen der Papiermaschine nicht mehr
stoff hergestellt. Durch das im Faser- bearbeitet.
grundstoff enthaltene Lignin vergilben ƒƒ satiniert (sat.)
holzhaltige Papiere unter Lichteinstrah- Die Papierbahn wurde nach der
lung im Lauf der Zeit. Papiermaschine in einem Kalander
geglättet.
Umweltschutz- und Recycling­papier ƒƒ hochsatiniert (sc, super-calendered)
Diese Papiere haben als Faserrohstoff Das Papier wurde besonders stark
bis zu 100 % Altpapier, wobei die Pa- geglättet und damit in seiner Struktur
pierqualität vom Anteil des Altpapiers verdichtet.
aus Primärfasern abhängt. ƒƒ oberflächengeleimt
Zur Verbesserung der Beschreibfä-
Hadernhaltiges Papier higkeit wurde die Papierbahn in der
Hadern sind chemisch oder mechanisch Leimpresse der Papiermaschine ober-
aufgeschlossene Fasern aus Textilien flächengeleimt. Die Staubneigung
natürlichen Ursprungs. Hadernfasern wird durch die Oberflächenleimung
sind besonders lang und zäh. Sie wer- vermindert.
den deshalb für besonders hochwertige
und anspruchsvolle Papiere, z. B. Bank-
notenpapier, eingesetzt.

73
Naturpapier ƒƒ LWC-Papier
maschinenglatt Light Weight Coated, leichtgewichtig
(30-fach vergrößert) gestrichene Papiere, vorwiegend für
den Rollendruck

4.2.3 Opazität
Opazität beschreibt die Lichtundurchläs-
sigkeit von Papier, also das Gegenteil
Naturpapier von der Transparenz, der Lichtdurchläs-
satiniert sigkeit. Besonders wenn Papier beid-
(30-fach vergrößert) seitig bedruckt wird, ist ein Papier mit
einer hohen Opazität erforderlich. Bei
einer Opazität von 100 % scheint keine
Druckfarbe von der Rückseite durch,
d. h., das Papier ist vollständig undurch-
sichtig bzw. „opak“.
Die Opazität von Papier hängt u. a.
Bilderdruckpapier von dessen Flächenmasse und Volumen
glänzend gestrichen ab. Durch Zugabe von Füllstoffen oder
(30-fach vergrößert) durch einen höheren Holzanteil (Lignin)
kann die Opazität erhöht werden.
Da Fett und Öl die Opazität von
Papier veringern, ist bedrucktes Pa-
pier lichtdurchlässiger als unbedruck-
tes. Dieser Effekt tritt vor allem beim
Zeitungsdruck auf, da hier eine sehr
Gestrichene Papiere ölhaltige Farbe verwendet wird.
Bei den gestrichenen Papiere unter-
scheidet man in der Regel drei Typen: 4.2.4 Laufrichtung
ƒƒ Kunstdruckpapier
Matt oder glänzend gestrichene Pa- Die Laufrichtung des Papiers entsteht
piere der höchsten Qualitätsklasse bei der Blattbildung auf dem Sieb der
ƒƒ Bilderdruckpapier Papiermaschine. Durch die Strömung
Matt oder glänzend gestrichene Pa- der Fasersuspension auf dem endlos
piere, Standardqualität umlaufenden Sieb richten sich die Fa-
sern mehrheitlich in diese Richtung aus.
Opazität Man nennt deshalb die Laufrichtung
Verminderte Opazität auch Maschinenrichtung. Senkrecht zur
bei Dünndruckpapier Laufrichtung liegt die Dehnrichtung.
(hier: Gotteslob)
Zur Kennzeichnung der Laufrichtung
werden die Bogen in Schmal- und
Breitbahn unterschieden. Ob ein Bogen
Schmalbahn oder Breitbahn ist, hängt
von seiner Lage beim Schneiden der
Papierrolle ab.

74
Werkstoffe

Bedeutung der Laufrichtung


Bei der Verarbeitung des Papiers muss
die Laufrichtung in vielfacher Weise Laufrichtung
beachtet werden: = Maschinenrichtung
ƒƒ Bücher lassen sich nur dann gut
aufschlagen, wenn die Laufrichtung
parallel zum Bund verläuft. BB Breitbahn
ƒƒ Beim Rillen muss die Laufrichtung
parallel zur Rillung sein. SB Schmalbahn
ƒƒ Beim Bogendruck sollte die Laufrich-
tung parallel zur Zylinderachse der
Druckmaschine liegen.
ƒƒ Die Laufrichtung bei Etiketten zur Papierrolle mit
maschinellen Etikettierung sollte quer ƒƒ Hinter der Formatangabe steht (SB) Schmal- und Breit­
bahnbogen
zur runden Gebindeachse verlaufen. für Schmalbahn und (BB) für Breit-
ƒƒ Papiere für Digitaldrucksysteme sind bahn.
bevorzugt in Schmalbahn. Schmalbahn: 70 cm x 100 cm (SB)
Breitbahn: 70 cm x 100 cm (BB)
Kennzeichnung der Laufrichtung
Die Kennzeichnung der Schmal- oder Prüfung der Laufrichtung
Breitbahn erfolgt in der Praxis auf ver- Auf der Papierverpackung ist die Laufrichtung
schiedene Weise: Laufrichtung meist angegeben. Dem
ƒƒ Die Formatseite, die parallel zur Lauf- einzelnen Bogen sehen Sie aber die
richtung verläuft, steht hinten. Laufrichtung nicht mehr an. Sie müssen
Schmalbahn: 70 cm x 100 cm des­halb ausgepackt gelagertes Papier Dehnrichtung
Breitbahn: 100 cm x 70 cm ggf. für die weitere Verarbeitung auf sei-
ƒƒ Die quer zur Laufrichtung verlaufende ne Laufrichtung hin überprüfen. Dazu
Dehnrichtung wird unterstrichen. gibt es verschiedene einfache Prüfme-
Schmalbahn: 70 cm x 100 cm thoden: Laufrichtung und
Breitbahn: 70 cm x 100 cm ƒƒ Reißprobe Dehnrichtung einer
Papierfaser
ƒƒ Die Formatseite der Laufrichtung wird Reißen Sie den Bogen von beiden
mit einem M für Maschinenrichtung Seiten her ein. Der Riss verläuft
gekennzeichnet. parallel zur Faserrichtung, also in
Schmalbahn: 70 cm x 100 cm M Laufrichtung, glatter als quer zur
Breitbahn: 70 cm M x 100 cm Faserrichtung.

Reißprobe
ƒƒ Links: Der Riss
verläuft parallel zur
Laufrichtung.
ƒƒ Rechts: Der Riss
verläuft quer zur
Laufrichtung.

75
Nagelprobe 4.2.5 Papierformate
Die kurzen Wellen
verlaufen quer zur Das Format, das uns im täglichen Leben
Laufrichtung.
ständig begegnet, ist das DIN-A4-Hoch-
format, das durch das Deutsche Institut
für Normung 1922 in der DIN-Norm 476
festgelegt wurde.
Die Basisgröße der DIN-Reihen ist
das Format DIN A0 mit den Maßen
2
841 x 1189 mm und der Fläche 1 m .
Die kleinere Seite des Bogens steht
ƒƒ Nagelprobe zur größeren Seite im Verhältnis 1 zu
Ziehen Sie die rechtwinklig zueinan- √2 (1,4142). Das nächstkleinere Format
der stehenden Papierkanten unter entsteht jeweils durch Halbieren der
Druck zwischen dem Daumennagel Längsseite des Ausgangsformates.
und der Fingerkuppe des Zeigefingers Die Zahl gibt an, wie oft das Aus-
hindurch. Die entstehenden kurzen gangsformat A0 geteilt wurde. Ebenso
Wellen verlaufen quer zur Laufrich- können aus kleineren Formaten durch
tung, die langen Wellen verlaufen Verdoppeln der kurzen Seite jeweils die
parallel zur Laufrichtung. größeren Formate erstellt werden.
ƒƒ Streifenprobe
Schneiden Sie einen Papierstreifen DIN-A-Reihe
aus der langen und einen aus der Die Formate der A-Reihe werden für
kurzen Bogenseite. Kennzeichnen Zeitschriften, Prospekte, Geschäfts-
Sie die beiden Streifen und legen drucksachen, Karteikarten, Postkarten
Sie sie übereinander. Halten Sie und andere Drucksachen benutzt. Die
die beiden Streifen an einem Ende DIN-A-Reihe ist die Ausgangsreihe für
fest und lassen Sie sie frei hängen. die anderen DIN-Reihen und Grundlage
Wenn einer der beiden Streifen sich der Formatklassen bei Druckmaschinen.
stärker biegt, dann ist dieser Streifen
Breitbahn. Biegen sich beide Streifen Maschinenklassen
gleich, dann liegt die Breitbahn über Nach den erforderlichen Rohbogenfor-
der Schmalbahn und wird von dieser maten wurden von den Druckmaschi-
gestützt. nenherstellern entsprechende Format-

Streifenprobe
ƒƒ Links: Der obere
Streifen ist Schmal-
bahn, der untere
Breitbahn.
ƒƒ Rechts: Der obere
Streifen ist Breit-
bahn, der untere ist
Schmalbahn.

76
Werkstoffe

klassen für den Bogenoffsetdruck


A5 A3 A1
definiert.
A6
4.2.6 Papiergewicht und -dicke
A4
Obwohl Papier als flächiger Werkstoff
angesehen wird, hat es natürlich auch
eine dritte Dimension. Diese wird durch
die Dicke oder das Papiervolumen be-
A2
schrieben. Flächenmasse, Dicke
und Volumen werden wesentlich durch
folgende Faktoren bestimmt:
ƒƒ Stoffauswahl
ƒƒ Stoffaufbereitung
ƒƒ Stoffzusammensetzung
ƒƒ Blattbildung in der Papiermaschine
ƒƒ Art der Veredelung
Format DIN A0
Papiergewicht Papierdicke mit den Maßen
Die flächenbezogene Masse (Gram- Die unterschiedliche Dicke von Papieren 841 x 1189 mm und
2
matur) wird in g/m² angegeben, sie wird als Faktor des Volumens angege- der Fläche 1 m
entspricht also dem Gewicht eines A0- ben. Die Berechnung der tatsächlichen
Papierbogens. Papierdicke erfolgt nach der Formel:

Berechnung Papiergewicht Berechnung Papierdicke

G=LxBxF D = (F x V) / 1000²
G: Papiergewicht D: Papierdicke
L: Länge F: Flächenmasse in g / m²
B: Breite V: Volumenfaktor in m³ / g
F: Flächenmasse in g / m²

Berechnungsbeispiel
Berechnungsbeispiel Die Dicke einer A4-Broschur mit 80
Das Gewicht einer A4-Broschur mit Seiten (doppelseitig) soll berechnet
64 Seiten soll berechnet werden. Die werden. Die Flächenmasse des ver-
Grammtur beträgt 100 g/m². wendeten Papiers beträgt 100 g / m², mit
1,5-fachem Volumen.
G1 = 0,297 m x 0,21 m x 100 g / m²
= 6,237 g (ein Blatt) D1 = (100 g / m² x 1,5 m³ / g) /
1000² = 0,15 mm
G32 = 32 x 6,237 g D40= 40 x 0,15 mm

= 199,584 g = 6 mm

Die Broschur wiegt also etwa 200 g. Die Broschur ist also 6 mm dick.

77
4.2.7 Wasserzeichen am Markt vorherrschende Angebot der
Bedruckstoffe (Print Substrates, PS) gut
Wasserzeichen dienen in Wertpapieren ab.
der Fälschungssicherheit. Schreibpa-
piere werden durch Wasserzeichen PS Beschaffenheit Prozess
aufgewertet.
1 Gestrichenes Bogen- und Rol-
Bilderdruckpapier lenoffsetdruck
Echte Wasserzeichen
2 Aufgehelltes, gestrichenes Rollenoffset-
Echte Wasserzeichen werden bei der
Bilderdruckpapier druck
Blattbildung auf dem Sieb der Papier-
3 Glänzend gestrichenes Rollenoffset-
maschine gebildet. Über dem Sieb
Magazinpapier, z. B. LWC druck
dreht sich eine Siebwalze, der soge- (LWC = Light Weight Coated)
nannte Egoutteur.
4 Matt gestrichenes Rollenoffset-
Die sich bildende Papierbahn läuft Magazinpapier druck
durch den Spalt zwischen Sieb und
5 Holzfrei ungestrichen (weiß) Bogen- und Rol-
Egoutteur. Mittels eines auf dem Egout- lenoffsetdruck
teur angebrachten Reliefs werden Fa-
6 Superkalandriert, Rollenoffset-
sern verdrängt und/oder angehäuft. Die ungestrichen druck
Stellen, an denen die Fasern verdrängt
7 Aufgebessert, Rollenoffset-
werden, sind dünner und somit heller ungestrichen druck
als die Umgebung. Faseranhäufungen
8 Standard ungestrichen Rollenoffset-
wirken dunkler. (gelblich) druck

Halbechte Wasserzeichen
Halbechte Wasserzeichen werden in 4.2.9 Papier und Klima
der Pressenpartie der Papiermaschine
geprägt. Die noch stark wasserhaltige Papier ist hygroskopisch. Hygrosko-
Papierbahn wird durch eine Prägewalze pisch heißt, dass die Papierfasern ihren
verdichtet. Bei halbechten Wasserzei- Feuchtigkeitsgehalt als natürliche Stoffe
chen werden also die Papierfasern nicht an das Raumklima anpassen.
unterschiedlich verteilt wie beim echten Wenn die Papierfeuchte, man spricht
Wasserzeichen, sondern nur verdichtet. hier von Stapelfeuchte, höher ist als die
relative Luftfeuchtigkeit im Raum, dann
Unechte Wasserzeichen gibt das Papier Feuchtigkeit ab. Als
Unechte Wasserzeichen werden in der Folge schrumpft das Papier zunächst an
Druckmaschine mit speziellen che- den Rändern, es tellert.
mischen Flüssigkeiten gedruckt. Dabei Trockene Papiere neigen zu verstärk-
werden die betreffenden Papierfasern ter statischer Aufladung. Die Folge sind
aufgehellt bzw. gebleicht und somit Doppelbogen und Schwierigkeiten
dauerhaft in ihrer Opazität verändert. beim Papierlauf bis hin zum Papierstau
im Drucker. Bei zu hoher relativer Luft-
4.2.8 Papiertypen nach DIN ISO 12647 feuchtigkeit nimmt das Papier Feuchtig-
keit auf. Die Folge ist Randwelligkeit mit
In der Norm DIN ISO 12647-2:2013 wur- daraus resultierenden Schwierigkeiten
den für den Offsetdruck acht typische beim Papierlauf und beim passer-
Papiere ausgewählt, diese decken das genauen Drucken.

78
Werkstoffe

Wenn Papier Wasser aufgenommen

Wassergehalt in der Luft (g/m3)

relative Luftfeuchtigkeit
und dann wieder abgegeben hat, tritt 30g 100%
die Hysterese auf. Dies bedeutet, dass
das Papier zwar wieder die ursprüng- 90%
liche Feuchte, aber nicht die ursprüng- 25g
liche Dimension einnimmt. 80%

Konditionieren 70%
20g
Unter Konditionieren versteht man die
Anpassung des Papiers an das Raum- 60%
klima. Klimastabil verpacktes Papier
15g 50%
sollten Sie eingepackt lassen, damit
eine Temperaturangleichung zwischen
40%
Papier- und Raumtemperatur, aber
kein Feuchtigkeitsaustausch stattfinden 10g
30%
kann. Lassen Sie Ihrem Papier ausrei-
chend Zeit zur Akklimatisierung und
20%
packen Sie es erst aus, wenn Papier- 5g
temperatur und Raumtemperatur sich 10%
angeglichen haben. Sie werden bessere
Druckergebnisse er­zielen. 0 0%
-5 0 5 10 15 20 25 30
Optimales Raumklima Lufttemperatur °C
Die besten Bedingungen für die Verar-
beitung von Papier sind ein konstantes Abhängigkeit der
Raumklima mit einer Temperatur von ƒƒ Der Blaue Engel relativen Luftfeuchtig­
keit von der absoluten
ca. 20 °C und einer relativen Luftfeuch- Das wohl älteste Umweltzeichen der Luftfeuchte und der
tigkeit von 50 % bis 55 %. Welt von 1977 bestätigt eine ressour- Raumtemperatur
censchonende Papierproduktion aus
4.2.10 Papier und Ökologie 100 % Altpapier.
ƒƒ FSC und PEFC
In Europa werden derzeit pro Kopf und Die FSC- und PEFC-Zertifikate be-
Jahr durchschnittlich mehr als 200 kg stätigen eine nachhaltige Waldwirt-
Papier und Karton verbraucht. schaft und stehen für den Verzicht auf
Ein Trost: Umweltfreundliches Papier Kahlschläge und die Förderung der
ist auf dem Vormarsch. Meist ist die Artenvielfalt.
Kundenanforderung jedoch, dass das
Recyclingpapier möglichst weiß sein Zertifiziertes Papier
muss, nur wenige sind bereit, Qualitäts-
einbußen bei der Druckqualität in Kauf
zu nehmen. Neben der Verwendung
von Altpapier bei der Papierproduktion
ist auch eine nachhaltige Forstwirtschaft
wichtig. Zertifikate, wie „Der Blaue
Engel“, „FSC“ und „PEFC“ stehen für
umweltverträgliche Papiere.

79
4.3 Weitere Bedruckstoffe

Außer Papier werden auch Holz, Me- Beispielsweise ist die Wärme- und
talle, Glas, Textilien und Kunststoffe Kältebeständigkeit bei Tiefkühllebens-
bedruckt. Kunststoffe sind nach dem mittelverpackungen eine entscheidende
Papier der wichtigste Bedruckstoff, der Größe. So wird die Verpackung mit dem
auch in den meisten Druckverfahren Lebensmittel durch Heißsiegeln ver-
eine Rolle spielt. schlossen, in der Tiefkühltruhe gelagert
und vor dem Verzehr in der Mikrowelle
4.3.1 Folienherstellung erhitzt. Folien, die im Außenbereich als
Bannerwerbung verwendet werden,
Zur Herstellung von Folien werden müssen der Kälte des Winters und der
verschiedene Verfahren eingesetzt. Hitze des Sommers standhalten.
Themoplastische Folien werden durch
Kalandrieren oder Extrudieren produ- Migration und physiologische
ziert. Bei der Extrusion wird das zähflüs- Unbedenklichkeit
sige geschmolzene Material durch eine Beides sind Eigenschaften, die vor
Schneckenpresse unter hohem Druck allem im Verpackungsbereich von Be-
durch Düsen gepresst. deutung sind. Unter Migration versteht
Wir unterscheiden dabei das Blas- man meist die Wanderung von Stoffen
folien- und das Flachfolienverfahren. aus der Kunststoffverpackung in das
Beispiele für Blasfolien sind Trageta- Füllgut. Aber auch die Migration aus
schen, Beutel und Säcke für die Verpa- der Verpackung in die Umwelt oder
ckungsindustrie. Duroplastische Folien aus der Umwelt in das Füllgut sind von
werden im Gießverfahren hergestellt. Bedeutung. Für den Grad der Migration
Ein Verfahren, das auch zur Herstel- sind vier Faktoren wesentlich:
lung von synthetischen Fasern für die ƒƒ Folieninhaltsstoffe
Produktion von Garnen und Geweben ƒƒ Art des Füllguts
eingesetzt wird. ƒƒ Transport und Lagerumgebung
ƒƒ Temperatur
4.3.2 Folieneigenschaften Bei allen Stoffen, die mit Lebensmitteln
oder in anderer Weise direkt mit dem
Mechanische Eigenschaften Menschen in Kontakt kommen, ist die
Wie bei allen flächigen Werkstoffen sind physiologische Unbedenklichkeit wich-
die flächenbezogene Masse (g/m²) und tig, also dass die verwendeten Stoffe
die Dicke (mm) Basiskenndaten. Bei der keine negativen Einflüsse auf Mensch
Foliendicke ist vor allem die Gleich- und Umwelt haben.
mäßigkeit über die Fläche ein Maß für
gute Folienqualität. Neben der Dimen- 4.3.3 Bedrucken von Folien
sionsstabilität sind die Dehnfähigkeit
und das Schrumpfverhalten einer Folie Grundvoraussetzung für eine gute Be-
gerade im Verpackungsbereich wichtige druckbarkeit ist die gute Benetzbarkeit
Kenngrößen. des Bedruckstoffs durch die Druckfarbe.
Die meisten Kunststoffe sind unpolar
Thermische Eigenschaften und dadurch schlecht benetzbar. Sie
Die Thermische Eigenschaften von werden deshalb z. B. mit einer Corona-
Folien sind durch die Verarbeitung und Vorbehandlung für das Bedrucken
den Verwendungszweck bestimmt. vorbereitet.

80
4.4 Druckfarben Werkstoffe

Als färbende Substanz bildet die Druck- Grundbestandteile


farbe den optischen Kontrast, um die Bindemittel, von Druckfarben
Informationen auf dem Bedruckstoff Farbpigmente, Lösemittel
sichtbar zu machen. Farbstoffe Hilfsstoffe,
Additive
4.4.1 Zusammensetzung
Farbpigmente, Farbstoffe
Farbpigmente und Farbstoffe werden
auch als Farbmittel bezeichnet. Sie sind
der visuell wirksame Bestandteil der Die sehr dünnflüssigen Tiefdruck- und
Druckfarbe. Pigmente sind Farbkörper. Flexodruckfarben be­inhalten spezielle
Farbstoffe sind gelöste Substanzen, die leichtflüchtige Lösemittel. Im Illustrati-
als Druckfarbe nur noch in Tinten einge- onstiefdruck wird ausschließlich Toluol
setzt werden. als Lösemittel eingesetzt. Über 95 % da-
Als Farbpigmente werden für Weiß von wird zurückgewonnen und wieder-
meist Titandioxid, für Schwarz Ruß und verwendet. Im Flexo- und Verpackungs-
für die Buntfarben organische Pigmente tiefdruck werden vor allem Ethanol,
eingesetzt. Metallfarben enthalten Ethylacetat und Methoxy-/Ethoxypropa-
Messing-, Aluminium- oder Perlglanz- nol als Lösemittel verwendet.
pigmente. Die Pigmente haben einen Eine besondere Gruppe bilden die
Durchmesser von 1 µm bis 2 µm in UV-Druckfarben. Sie werden in allen
flüssigen Farben und bis zu 5 µm bei konventionellen Druckverfahren für
Tro­ckentoner im Digitaldruck. spezielle Einsatzbereiche verwendet.
Durch ihren energiehärtenden Trock-
Binde- und Lösemittel nungsmechanismus haben alle UV-
Binde- und Lösemittel haben die Auf- Farben und -Lacke eine grundsätzlich
gabe, die Farbe in eine verdruckbare andere Zusammensetzung als die
Form zu bringen. Nach der Farbüber- konventionellen Farben. Die Bindemittel
tragung auf den Bedruckstoff sorgt zur Umhüllung der Pigmente und zur
das Bindemittel dafür, dass die Farb- Härtung der Druckfarbe werden vorwie-
pigmente auf dem Bedruckstoff haften gend auf Basis von acrylierten Poly-
bleiben. Als Bindemittel werden in den estern, Polyethern und Polyurethanen
verschiedenen Druckfarben Polymeri- und Epoxiverbindungen aufgebaut. Als
sate oder Polykondensate sowie syn- UV-Verdünnungsmittel zur Einstellung
thetische und natürliche Harze wie z. B. der Konsistenz werden niedermole-
Kolophonium eingesetzt. kulare Acrylate eingesetzt. Neben den
Die in den Druckfarben als Löse- Pigmenten, dem Binde- und Lösemittel
mittel verwendeten Öle beeinflussen enthält die UV-Farbe Fotoinitiatoren.
wesentlich das Trocknungsverhalten der
Farben. Nicht trocknende Mineralöle Hilfsstoffe und Additive
werden in thermisch, physikalisch trock- Durch Zugabe spezieller Hilfsstoffe oder
nenden Farben eingesetzt. Oxidativ, Additive, z. B. Trockenstoffe oder Scheu-
chemisch trocknende Farben benötigen erschutzpaste, kann die Farbe an die
neben den Bindemitteln trocknende jeweiligen Anforderungen angepasst
Öle, wie z. B. Leinöl, die fest werden. werden.

81
Offsetdruckfarben­ pigmente steuerbar. Die Partikelgröße
herstellung beträgt 2 µm bis 3 µm.

Flüssigtoner
Flüssigtoner enthalten Tonerpartikel
in einem flüssigen Bindemittel. Die
Tonerpartikel sind mit 1 µm bis 2 µm
Durchmesser genauso groß wie die
Farbpigmente in den konventionellen
Druckfarben. Dadurch ist ein gleich-
mäßiger lasierender, mit dem konven-
tionellen Druck vergleichbarer Farbauf-
4.4.2 Herstellung trag auch im Digitaldruck möglich.

Druckfarben für Hoch-, Tief-, Sieb- Tinten


und Offsetdruck Tinten für Tintenstrahldrucker werden
Bei der Druckfarbenherstellung müssen unpigmentiert mit gelösten Farbstoffen
die Pigmente, Bindemittel und Hilfs- als Farbmittel oder als Dispersionen mit
stoffe luftfrei, fein und homogen Farbpigmenten hergestellt. Die einge-
vermischt, d. h. dispergiert werden. Dies setzten Binde- und Lösemittel unter-
geschieht in zwei Schritten: scheiden sich je nach Hersteller und
ƒƒ Vormischen der Bestandteile Einsatzbereich der Drucke. Für spezielle
ƒƒ Dispersion auf dem Dreiwalzenstuhl Anwendungen werden auch UV-Tinten
oder in der Rührwerkskugelmühle angeboten. Diese trocknen durch Foto-
Der Dreiwalzenstuhl hat drei mit unter- polymerisation der Bindemittel wäh-
schiedlicher Geschwindigkeit gegen- rend der Bestrahlung mit UV-Licht.
einander laufende Stahlwalzen. Durch
die Scherkräfte im Walzenspalt wird die 4.4.3 Physikalische Trocknung
Farbe dispergiert. Die Rührwerkskugel-
mühle ist ein mit Stahlkugeln gefüllter Die physikalischen Trocknungsmecha-
zylindrischer Behälter mit einem rasch nismen bewirken eine Veränderung
rotierenden Rührwerk, durch den die des Aggregatzustandes der Druckfarbe,
Farbe kontinuierlich von unten nach ohne die molekulare Struktur des Bin-
oben gepumpt wird. Das Gewicht und demittels zu verändern.
die Rollbewegung der Kugeln reiben
die Farbe. Wegschlagen
Die dünnflüssigen Bestandteile des
Trockentoner Bindemittels dringen in die Kapillare
Die Tonerpartikel werden in einem des Bedruckstoffs ein. Die auf der Ober-
kontrolliert ablaufenden chemischen fläche verbleibenden Harze verankern
Prozess hergestellt. Monomere werden die Farbpigmente auf dem Bedruckstoff.
in einer Emulsion aus Wasser, Wachs
und Latex-Polymeren schichtweise zu Verdunsten
Tonerpartikeln angelagert. Dabei sind Die leichtflüchtigen Lösemittelbe-
durch die Zeit, die Temperatur und den standteile der Druckfarbe, z. B. Toluol
pH-Wert die Größe und Form der Toner- in Tiefdruckfarben, verdunsten ohne

82
Werkstoffe

zusätzliche Hitzeeinwirkung. Harze und Acrylatharzes und führen zum Ketten-


Pigmente bleiben auf der Oberfläche wachstum der Bindemittelmoleküle. Der
zurück und fixieren die Farbpigmente. Prozess der Polymerisation sorgt für
eine vollständige Trocknung der Farbe.
Verdampfen
Die schwerflüchtigen hochsiedenden ES-Trocknung
Mineralöle werden in speziellen Trock- Bei der ES-Trocknung bewirken Elektro-
nungseinrichtungen, die zwischen oder nenstrahlen die Auslösung der fotoche-
nach den Druckwerken in der Druck- mischen Polymerisation zur Verfesti-
maschine angeordnet sind, verdampft, gung des Druckfarbenfilms.
z. B. Heatset-Offsetfarben.
4.4.5 Kombinationstrocknung
Erstarren
Die Bindemittel der Druckfarbe werden Die meisten Druckfarben trocknen nach
durch Hitze verflüssigt und werden einem kombinierten Mechanismus, z. B.
nach dem Druck durch Abkühlung fest, wegschlagend-oxidativ. Die physika-
z. B. Carbonfarben. Auch Tonerpigmente lische Phase erfolgt sehr schnell.
im Digitaldruck, die durch thermische Der chemische Prozess dauert länger,
Fixierung auf dem Bedruckstoff haften, ergibt aber einen festeren Farbfilm.
trocknen nach diesem physikalischen Der Zusatz von verschiedenen Trocken-
Prinzip. stoffen zur Druckfarbe beschleunigt die
oxidative Trocknung.
4.4.4 Chemische Trocknung
4.4.6 Rheologie
Bei der chemischen Trocknung führt
eine Veränderung der Molekularstruktur Rheologie ist die Lehre vom Fließen.
des Bindemittels zur Verfestigung der Sie beschreibt die Eigenschaften flüs-
Druckfarbe. siger Druckfarben, die mit dem Begriff
Konsistenz zusammengefasst werden.
Oxidative Trocknung
Die trocknenden Öle des Bindemittels, Viskosität
wie z. B. Leinöl, vernetzen durch Sauer- Die Viskosität ist das Maß für die innere
stoffeinbindung. Die Trocknung ver- Reibung von Flüssigkeiten:
läuft langsam, ergibt aber eine festen ƒƒ Hoch viskos (hohe innere Reibung):
Farbfilm. zähflüssig, z. B. Offset- und Siebdruck-
farbe
UV-Trocknung ƒƒ Niedrig viskos (geringe innere Rei-
Die Fotoinitiatoren im Bindemittel rea- bung): dünnflüssig, z. B. Illustrations-
gieren auf die Bestrahlung des Drucks tiefdruckfarbe
mit UV-Licht.
Das aufgestrahlte UV-Licht wird von Zügigkeit/Tack
den Fotoinitiatoren absorbiert. Da- Zügigkeit oder Tack beschreibt den
durch werden freie Radikale gebildet. Widerstand, den die Farbe ihrer Spal-
Die angeregten Valenzelektronen des tung entgegensetzt. Eine zügige Farbe
Fotoinitiators abstrahieren ein Wasser- ist eine Farbe, bei deren Farbspaltung
stoffatom aus einer Amingruppe des hohe Kräfte wirken (Rupfneigung).

83
Spachtelprobe zur
visuellen Prüfung der
Viskosität
ƒƒ Links: niedrig
viskos
ƒƒ Rechts: hoch viskos

Thixotropie nicht wieder anlösen. Die Pigmente


In thixotropen Flüssigkeiten wird die dürfen unter Lösemitteleinwirkung ihre
Viskosität durch mechanische Einflüsse, Farbigkeit nicht verändern.
z. B. Verreiben im Farbwerk der Druck-
maschine, herabgesetzt. Die Thixotropie Kaschierechtheit
unterstützt die Druckfarbentrocknung Die Druckfarbe darf in der Kapillar-
durch eine sofortige Viskositätserhö- schicht zwischen Bedruckstoff und
hung nach der Farbübertragung auf den Kaschierfolie nicht ausbluten.
Bedruckstoff.
Alkaliechtheit
4.4.7 Echtheiten Dispersionslacke und Dispersionskleber
sind häufig leicht alkalisch. Druckfarben,
Die verschiedenen physikalischen und die mit diesen Stoffen in Kontakt kom-
chemischen Eigenschaften von Druck- men, müssen deshalb alkaliecht sein.
farben werden mit dem Begriff Echt-
heiten zusammengefasst. Migrationsechtheit
Bestimmte Weichmacher in den Druck-
Lichtechtheit farbenbindemitteln, den Klebern in der
Die Lichtechtheit ist sicherlich die Weiterverarbeitung oder den Kaschier-
bekannteste Echtheit von Druckfarben. folien können durch Migration zu un-
Sie be­­schreibt die Widerstandsfähigkeit liebsamen Überraschungen, teilweise
ei­ner Farbe gegen Lichteinstrahlung. noch Wochen nach der Auslieferung des
Außer den Farbmitteln einer Farbe, Pig- Druckproduktes, führen.
mente oder Farbstoffe, beeinflussen die
Farbschichtdicke, das Bindemittel, die Mechanische Festigkeit
Lackierung oder Kaschierung und nicht Der Druckfarbenfilm muss gegen das
zuletzt der Bedruckstoff die Lichtecht- Scheuern bei der Verarbeitung und im
heit einer Farbe. Gebrauch beständig sein. Das Brechen
des Farbfilms im Falz wird durch die
Lösemittelechtheit Falzfestigkeit der Druckfarbe verhindert.
Die Lösemittelechtheit von Druckfarben
ist für die Weiterbearbeitung und Lebensmittelechtheiten
die spätere Verwendung des Druck- Die Anforderungen an die Echtheiten
produktes von Bedeutung. Bei einer der Druckfarben bei Lebensmittelver-
Druckveredelung durch Lackierung darf packungen sind vielfältig. Sie reichen
das Lösemittel des Lacks das bereits von Butterechtheit bis Quarkechtheit
trockene Bindemittel der Druckfarbe oder Speiseölechtheit.

84
4.5 Aufgaben Werkstoffe

1 Holzstoff und Zellstoff unterscheiden

Holz ergibt je nach Aufschlussverfahren 3 Baugruppen der Papiermaschine


unterschiedliche Primärfasern. Erklären kennen
Sie die folgenden Begriffe:
a. Holzstoff Benennen Sie in der Abbildung unten
die fünf zentralen Baugruppen einer
Papiermaschine.
A:

B:

C:
b. Zellstoff
D:

E:

4 Blattbildung in der Papiermaschine


erklären

Erklären Sie, warum die beiden Papier-


seiten bei der Blattbildung unterschied-
2 Holzhaltiges Papier erklären liche Eigenschaften bekommen?

Warum vergilbt holzhaltiges Papier?

C
A

B E

85
5 Papierveredelung beschreiben
b. maschinenglatt
Beschreiben Sie das Prinzip der beiden
Papierveredelungsverfahren:
a. Streichen

c. satiniert

d. gestrichen

b. Satinieren

8 Opazität erklären

Beschreiben Sie, was man unter Opazi-


tät von Papier versteht.

6 Anforderungsprofile an Papier
bewerten

Was versteht man unter:


a. Verdruckbarkeit
9 Laufrichtung kennen

Erläutern Sie folgende Begriffe:


a. Laufrichtung
b. Bedruckbarkeit

b. Schmalbahn

7 Papiereigenschaften unterscheiden

Welche besonderen Eigenschaften


haben Papiere mit folgender Sortenbe- c. Breitbahn
zeichnung:
a. Naturpapier

86
Werkstoffe

10 Papiergewicht berechnen 12 Papiergewicht berechnen

Eine Zeitung besteht aus 20 Blättern mit 50 Flyer (Wickelfalz, 8 Seiten, geschlos-
den Abmessungen 80 x 57 cm. Die senes Format: 100 x 100 mm) wiegen
Flächenmasse des verwendeten Papiers 340 g. Berechnen Sie die Flächenmasse
beträgt 42,5 g / m². Berechnen Sie das des verwendeten Papiers.
Gewicht der Zeitung.

11 Papiergewicht berechnen
13 Papierdicke berechnen
Berechnen Sie, ob der Versand von
Weihnachtskarten als Standardbrief Wie dick ist ein Papier mit einer
(max. 20 g) bei der Deutschen Post Flächenmasse von 200 g / m2 und
möglich ist. Die Weihnachtskarten wer- 1,1-fachem Volumen?
den im offenen Format 420 x 100 mm
auf 320 g / m² Papier gedruckt. Der DIN-
Lang-Umschlag wiegt 6,1 g.

14 Einfluss von Raumklima auf Papier


kennen

Beschreiben Sie den Einfluss von Luft-


feuchtigkeit auf Papier:
a. Zu geringe Luftfeuchtigkeit

87
b. Physiologische Unbedenklichkeit

b. Zu hohe Luftfeuchtigkeit

17 Bestandteile der Druckfarbe kennen


15 Ökologische Aspekte bei der Papier­
herstellung kennen Nennen Sie die Hauptbestandteile von
Druckfarben für die konventionellen
Nennen Sie zwei Aspekte, die bei der Druckverfahren.
Papierherstellung in Bezug auf die Öko-
logie eine wichtige Rolle spielen.
1.

1. 2.

2. 3.

16 Effekt der Migration bei Kunst­ 18 Binde- und Lösemittel kennen


stoffen als Bedruckstoff kennen
Welche Aufgaben haben die Binde- und
Erklären Sie, worum es bei der Migrati- Lösemittel in den Druckfarben?
on und der physiologischen Unbedenk-
lichkeit von Kunststoff als Bedruckstoff
geht.
a. Migration

19 Herstellung von Druckfarben


­erklären

Warum wird die Druckfarbe bei ihrer


Herstellung dispergiert?

88
Werkstoffe

23 Rheologische Eigenschaften
erläutern

Definieren Sie die drei rheologischen


Eigenschaften von Druckfarben:
a. Viskosität

20 Trocknungsmechanismen
unterscheiden
b. Zügigkeit/Tack
Worin unterscheidet sich die physika-
lische von der chemischen Trocknung?

c. Thixotropie

24 Echtheiten von Druckfarben kennen


21 Wegschlagen beschreiben
Nennen Sie vier Echtheiten von Druck-
Beschreiben Sie die Druckfarbentrock- farben.
nung durch Wegschlagen.
1.

2.

3.

4.

22 Rheologie definieren

Welchen Gegenstand behandelt die


Rheologie?

89
5.1 Lösungen
5 Anhang

5.1.1 Druckverfahren ƒƒ Gelb (Yellow)

1 Druckfaktoren kennen und zuordnen 6 Funktion von Schwarz kennen

ƒƒ Druckfarbe: Die meisten Druckver- Die Farbe Schwarz dient zur Kontrastun-
fahren nutzen Farbe als Pulver oder terstützung.
Flüssigkeit zur Erzeugung eines
Druckbildes. 7 Druckverfahren erkennen
ƒƒ Bedruckstoff: Bedruckstoff ist in
den meisten Fällen Papier, wobei A Offsetdruck, da die Buchstaben rand-
so ziemlich jedes Material bedruckt scharf und ungerastert sind
werden kann. B Flexodruck (Hochdruck), wegen der
ƒƒ Druckform: Die Informationsüber- Quetschränder an den Buchstaben-
tragung erfolgt durch eine feste, kanten
eingefärbte Druckform auf einen C Elektrofotografisches Verfahren
Bedruckstoff. (Laserdruck, Xerografie), wegen der
ƒƒ Druckkraft: Zur Druckbildübertragung Tonerstreuung um die Buchstaben
wird mechanische Druckkraft, der D Siebdruck, wegen der sichtbaren
sogenannte Anpressdruck, benötigt. Siebstruktur an den Kanten
E Tiefdruck, wegen des Sägezahn-
2 Druckprinzipe kennen effekts an den Buchstabenkanten

a. Beim direkten Druck ist die Druck- 8 AM- und FM-Rasterung erläutern
form seitenverkehrt.
b. Beim indirekten Druck ist die Druck- a. AM heißt amplitudenmoduliert. Alle
form seitenrichtig. AM-Rasterungen sind durch die fol-
genden Merkmale gekennzeichnet:
3 Druckprinzipe kennen ƒƒ Die Mittelpunkte der Rasterele-
mente haben den gleichen Ab-
A flach – flach stand (konstante Frequenz).
B flach – rund ƒƒ Die Farbschichtdicke ist bei allen
C rund – rund Rasterpunktgrößen (Tonwerten)
grundsätzlich gleich.
4 Druckverfahren kennen ƒƒ Die Farb- bzw. Tonwerte werden
über die Rasterpunktgrößen ge-
A Inkjetdruck steuert (unechte Halbtöne).
B Tiefdruck b. Die frequenzmodulierte Rasterung
C Hochdruck (FM) stellt unterschiedliche Tonwerte
D Flachdruck ebenfalls durch die Flächendeckung
E Elektrofotografie dar. Es wird dabei aber nicht die
F Siebdruck Größe eines Rasterpunktes variiert,
sondern die Zahl der Rasterpunkte,
5 Grundfarben des Drucks kennen also die Frequenz der Punkte (Dots)
im Basisquadrat.
ƒƒ Cyan
ƒƒ Magenta

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2018


P. Bühler, P. Schlaich, D. Sinner, Druck, Bibliothek der Mediengestaltung,
https://doi.org/10.1007/978-3-662-54611-6
Anhang

9 Hybridrasterung erklären sition des Falzbogens im Block eine


fortlaufende Treppenstruktur.
Die Hybridrasterung vereinigt die b. Passkreuze sind Hilfzeichen zur pass-
Prinzipien der amplitudenmodulierten genauen Ausrichtung des Stands der
Rasterung mit denen der frequenzmo- einzelnen Druckfarben im Mehrfar-
dulierten Rasterung. Grundlage der bendruck, sie werden dazu in allen
Hybridrasterung ist die konventionelle vorhandenen Farben übereinander
amplitudenmodulierte Rasterung. In gedruckt, damit der Versatz einer
den Lichtern und in den Tiefen des Farbe sofort auffällt.
Druckbildes wechselt das Verfahren c. Schneidemarken, auch Beschnitt-,
dann zur frequenzmodulierten Raste- Schnitt- oder Formatmarken, sind fei-
rung. ne Linien, die bei der Bogenmontage
auf dem Standbogen positioniert
10 Rasterwinkelung im Farbdruck werden. Sie markieren die Stellen,
festlegen an denen der Rohbogen nach dem
Druck auf das Endformat beschnitten
Verschiedene Lösungen sind möglich. und/oder getrennt wird.
Bei Rastern mit Hauptachse muss die
Winkeldifferenz zwischen Cyan, Ma- 13 Flexodruck kennen
genta und Schwarz 60° betragen. Gelb
muss einen Abstand von 15° zur näch- A Tauchwalze (Heberwalze)
sten Farbe haben. Die Winkelung der B Rakel
zeichnenden, dominanten Farbe sollte C Aniloxwalze
45° oder 135° betragen, also z. B. C 75°, D Druckzylinder mit der Druckform
M 45°, Y 0°, K 15°.
14 Flexodruck erkennen
11 Rasterwinkelung im Farbdruck
beurteilen ƒƒ Schattierung: Auf der Rückseite eines
Druckbogens ist eine Schattierung
Information für den Kunden: sicht- und fühlbar, diese wird ver-
Die vorgesehene Rasterwinkelung ist ursacht durch den Druck mit hoher
aufgrund der ungeeigneten Rasterwin- Druckkraft.
kelung nicht für den Druck geeignet ƒƒ Quetschrand: Der Quetschrand ist im
und wird zu einem Moiré führen. Dem Druckbild als leichte Linienkontur um
Kunden wird die Rasterwinkelung wie eine Buchstabenform erkennbar. Ver-
in Aufgabe 10 vorgeschlagen. ursacht wird der Quetschrand beim
Druckvorgang durch ein geringes
12 Marken, Hilfszeichen und Kontroll­ Wegdrücken der Druckfarbe an den
elemente kennen Buchstabenrand bzw. Rasterpunkt-
rand.
a. Flattermarken werden beim Aus- ƒƒ Tonwertzunahme: Die Tonwertzu-
schießen so auf dem Bogen positi- nahme bei gerasterten Bildern kann
oniert, dass sie auf dem Rücken des beim Flexodruck bis zu 30 % betra-
Falzbogens sichtbar sind. Die Positi- gen, daher liegt der Tonwertumfang
on der Falzmarke wandert von Bogen beim Flexodruck bei 10 % bis 85 %.
zu Bogen und zeigt bei richtiger Po-

91
15 Tiefdruck kennen über ein Sieb geführt. An den offe-
nen Stellen des Siebes wird die Farbe
hindurchgedrückt und auf den darunter-
liegenden Bedruckstoff übertragen. An
den durch die Schablone abgedeckten
Stellen des Siebes wird die Druckfarbe
zurückgehalten.
D

19 Inkjetdruckverfahren kennen

ƒƒ Continuous-Inkjet
C ƒƒ Piezo-Verfahren
A ƒƒ Bubble-Jet-Verfahren

B 20 Elektrofotografie kennen

Beim elektrofotografischen Verfahren ist


die Oberfläche der Trommel mit einem
16 Tampondruck kennen Fotohalbleiter beschichtet, dessen
Widerstand sich durch die Lichteinwir-
Der Tampondruck ist ein indirektes Tief- kung verändert. Die Fotoleitertrommel
druckprinzip, das sich zum wichtigsten wird von einem Ladecorotron negativ
Verfahren beim Bedrucken von nicht geladen. Die Bebilderung erfolgt mit
ebenen Kunststoffkörpern entwickelt einem scharf gebündelten Lichtstrahl
hat. Typische Druckprodukte sind Tisch- (Laser oder Leuchtdiode), der eine Ent-
tennisbälle, Kugel­schreiber, Spielzeuge, ladung an den nicht druckenden Stellen
Schraubverschlüsse und Feuerzeuge. bewirkt. Im nächs­ten Schritt werden
jene Bereiche mit positiv geladenem To-
17 Offsetdruck kennen ner eingefärbt, die vom Licht entladen
worden sind. Das Tonerbild, das sich
Beim Druckprozess wird die Form zu- nun auf der Fotoleitertrommel befindet,
erst über die Feuchtwalzen befeuchtet. wird durch elektrostatische Prozesse
Dabei speichern die hydrophilen Stellen auf den Bedruckstoff gebracht. In der
das Feuchtmittel. Danach wird die Fixiereinheit wird der Toner auf dem
Druckplatte mittels Farbwalzen einge- Bedruckstoff fixiert.
färbt und die hydrophoben Stellen der
Druckplatten auf dem Plattenzylinder 21 Anwendung von Druckverfahren
übernehmen die Farbe. Die Druckfarbe kennen
wird nun von der Druckplatte auf das
Gummituch „abgesetzt“. Vom Gummi- Nennen Sie jeweils für das Druckverfah-
tuchzylinder wird die Farbe auf den ren typische Druckprodukte:
Bedruckstoff übertragen. a. Flexodruck (Hochdruck): Verpa-
ckungen, Etiketten, Tapeten, Trageta-
18 Siebdruck kennen schen ...
b. Tiefdruck: Kataloge, Verpackungen,
Mit Hilfe des Rakels wird Druckfarbe Werbebeilagen ...

92
Anhang

Lösung zu Aufgabe 22
1 10 500 1.000 5.000 20.000 200.000 500.000
Flexodruck
Tiefdruck
Bogenoffsetdruck
Rollenoffsetdruck
Siebdruck
Inkjetdruck
Elektrofotografie

c. Offsetdruck (Flachdruck): Prospekte, 2 Zweck der Veredelung beschreiben


Bücher, Zeitschriften, Flyer ...
d. Siebdruck (Durchdruck): Aufkleber, ƒƒ Veredelung zum Schutz vor Umwelt-
Aschenbecher, Plakate, Fahnen, einflüssen, Flüssigkeiten, Gasen und
Beschriftungen, Feuerzeuge, Werbe- mechanischen Einflüssen
tafeln, Schilder, Tachometerskalen, ƒƒ Veredelung zur Aufwertung, z. B. von
Bier­­kisten, Gläser ... Verpackungen hochpreisiger Marken-
e. Inkjetdruck: Fotodrucke, Proofs und artikel
großformatige Drucke, personalisier-
te Printmedien, Plakate, Werbedruck- 3 Wirkung der Druckveredelung
und Geschäftsdrucksachen ... kennen­
f. Elektrofotografie: Plakate, Werbe-
drucke, personalisierte Printmedien, a. Sehen: Folierung, Lackierung
Geschäftsdrucksachen ... b. Fühlen: Strukturlacke, Relieflacke,
Prägung
22 Anwendung von Druckverfahren c. Riechen: Duftlack
kennen
4 Lackarten kennen und beschreiben
Die Lösung zu dieser Aufgabe ist in der
Abbildung oben abgebildet. ƒƒ Drucklack: Der Aufbau gleicht dem
einer Offsetdruckfarbe, nur ohne
5.1.2 Druckveredelung Farbpigmente. Bei der oxidativen
Trocknung schlagen die Lösemittel in
1 Druckveredelungstechniken kennen den Bedruckstoff weg bzw. verdamp-
und beschreiben fen.
ƒƒ Dispersionslack: Diese Lacke funktio-
ƒƒ Lackierung nieren auf Wasserbasis. Sie ergeben
ƒƒ Folierung einen matten bis mittleren Glanz.
ƒƒ Prägung ƒƒ UV-Lack: Die UV-Lackierung ermög-
ƒƒ Stanzung licht die Übertragung eines sehr
kräftigen und hochglänzenden Lack-
spiegels, verwendet werden spezielle
UV-härtende Acryllacke.
ƒƒ Metalliclack: Gold-, Silber- und Kup-
ferlacke setzen sich aus wässrigem

93
Bindemittel, Metallpigmenten und des Bedruckstoffs werden Text- und
Wachsen zusammen. Die Metallic- Grafikelemente dreidimensional
lacke stellen metallische Farben auf hervorgehoben.
ungewöhnlich realistische Art dar. d. Folienprägung: Folienprägung kann
ƒƒ Duftlack: Der als Duftöl im Druck- vollflächig oder partiell erfolgen,
lack verkapselte Duft wird auf den sie wird häufig bei Verpackungen
Bedruckstoff gedruckt. Der Duft wird und Buchumschlägen eingesetzt.
durch Rubbeln freigesetzt. Meist werden bei der Folienprägung
Metallicfolien, z. B. Gold und Silber,
5 Fachbegriffe erläutern verwendet.
e. Stanzung: Beim Stanzen von Druck-
Erläutern Sie die folgenden lacktech- produkten werden die Kanten oder
nischen Begriffe: die Fläche eines Druckbogens bear-
a. Scheuerfestigkeit: Darunter versteht beitet. Das kann im einfachsten Fall
man die Beständigkeit von Druck- das Abrunden von Ecken sein.
farben gegen Scheuerbeanspru- f. Goldschnitt: Die Kanten eines Buch-
chungen. blocks oder etwa einer Visitenkarte
b. Iriodine sind winzig kleine Metall- werden mit einer Goldfolie aufge-
plättchen, die in Metalliclacken den wertet.
Glanzeffekt hervorrufen.
c. Inline-Produktion meint das Druckla- 5.1.3 Druckverarbeitung
ckieren innerhalb einer Druckmaschi-
ne mit einem Lackwerk. 1 Kennzeichen von Büchern nennen

6 Lackform in InDesign anlegen Wesentliche Kennzeichen eines Buches


sind:
ƒƒ Neues Vollton-Farbfeld erstellen, als ƒƒ Der Buchblock ist durch Vorsätze
Lack benennen und 100 % Magenta mit der Buchdecke des Einbandes
einfärben. verbunden.
ƒƒ Die Farbe Lack den zu lackierenden ƒƒ Die Buchdecke steht dreiseitig über
Elementen zuweisen. den Buchblock hinaus.
ƒƒ Zu lackierende Elemente auf Über- ƒƒ Bücher haben einen Fälzel oder Ga-
drucken stellen. zestreifen.
ƒƒ Der Buchblock wird nach dem Fügen,
7 Veredelungstechniken kennen und vor der Verbindung mit der Buchde-
verstehen cke dreiseitig beschnitten.

a. Laminieren: Die Veredelung von 2 Broschuren unterscheiden


Druckbogen durch den Überzug mit
Polyesterfolie, wobei dadurch auch Einlagenbroschuren bestehen aus
die Kanten durch Folie geschützt einem einzigen Falzbogen. Mehrlagen-
sind. broschuren bestehen aus mehreren
b. Kaschieren: Kaschierung ist die Ver- Falzbogen.
edelung von Druckbogen durch den
Überzug mit Glanz- oder Mattfolien.
c. Blindprägung: Durch die Verformung

94
Anhang

3 Randabfallende Elemente kennen ƒƒ Wickelfalz


ƒƒ Fensterfalz
a. Randabfallend bedeutet, dass Bilder
oder Farbflächen bis zum Seitenrand 7 Rillen, Nuten und Ritzen kennen
gehen.
b. Um Blitzer beim Beschnitt zu vermei- a. Rillen: Beim Rillen wird das Material
den, wird 1 bis 3 mm Beschnittzuga- zu einem Wulst ausgebogen.
be gegeben. b. Nuten: Beim Nuten wird aus dickem
Karton oder Pappe ein Materialspan
4 Arbeitsschritt Schneiden erklären herausgeschnitten.
c. Ritzen: Das Ritzen ähnelt dem Nuten,
Ein Trennschnitt ist notwendig, um nach es wird allerdings kein Span heraus-
dem Druck, vor allem auf großforma- geschnitten.
tigen Bogenmaschinen, die Planobogen
in das Format zur weiteren Verarbeitung 8 Sammeln und Zusammentragen
zu schneiden. Gemeinsam gedruckte unterscheiden
Nutzen werden ebenfalls mit einem
Trennschnitt voneinander getrennt. a. Sammeln: Beim Sammeln werden
die Falzlagen ineinandergesteckt.
5 Falzprinzipien erklären b. Zusammentragen: Beim Zusammen-
tragen werden die Falzlagen aufein-
a. Beim Messer- oder Schwertfalz wird andergelegt.
der Bogen über Transportbänder
gegen einen vorderen und seitlichen 9 Flattermarken erklären
Anschlag geführt. Das Falzmesser
schlägt den Bogen zwischen die Flattermarken dienen der Kontrolle, ob
beiden gegenläufig rotierenden die Falzlagen in der richtigen Reihenfol-
Falzwalzen. Durch die Reibung der ge zusammengetragen wurden.
geriffelten oder gummierten Walzen
wird der Bogen von den Falzwalzen 10 Heft- und Bindearten unterscheiden
mitgenommen und so gefalzt.
b. Walzen lenken beim Taschen- oder ƒƒ Klammerheftung
Stauchfalz den Bogen gegen den ƒƒ Spiralbindung
seitlichen Anschlag. Durch die ƒƒ Klebebindung
Einführwalzen wird der Bogen in ƒƒ Fadenheftung
die Falztasche bis zum einstellbaren ƒƒ Fadensiegelheftung
Anschlag geführt. Die entstehende
Stauchfalte wird von den beiden 11 Schwierigkeiten beim Doppelsei-
Falzwalzen erfasst und über Reibung tendruck kennen
durch den Walzenspalt mitgenom-
men und der Bogen so gefalzt. ƒƒ Es kann produktionsbedingt zu un-
echten Doppelseiten kommen, dabei
6 Falzarten kennen kann ein leichter Versatz zwischen
den beiden Seiten entstehen.
ƒƒ Mittelfalz ƒƒ Klebegebundene Produkte lassen
ƒƒ Zickzackfalz sich nicht bis zum Bund aufschlagen,

95
daher dürfen dort keine bildwich- 15 Merkmale eines Buches kennen
tigen Inhalte platziert werden.
A Vorsatz
12 Auswachsen bei Rückstichheftung B Erste Seite des Buchblocks
erklären C Buchblock
D Buchrücken
Da bei der Rückstichheftung die Lagen E Kapitalband
nicht zusammengetragen, sondern F Leseband
gesammelt, d. h. ineinandergesteckt
werden, sind nach dem Endbeschnitt 5.1.4 Werkstoffe
die inneren Seiten bei umfangreichen
Produkten kürzer als die äußeren. Dies 1 Holzstoff und Zellstoff
muss beim Ausschießen bzw. bei der unterscheiden
Seitengestaltung berücksichtigt werden.
a. Holzstoff wurde mechanisch aufge-
13 Klebebindung erläutern schlossen und enthält alle Bestand-
teile des Holzes (holzhaltiges Papier).
a. Bei der Klebebindung muss der b. Zellstoff wurde chemisch aufge-
Rücken des Blocks abgefräst werden, schlossen, alle nichtfasrigen Holzbe-
damit jedes Blatt mit dem Kleber standteile sind herausgelöst (holz-
Kontakt hat. freie Papiere).
b. Üblicherweise ist der Fräsrand 3 mm
groß. 2 Holzhaltiges Papier erklären

14 Buchfadenheftung und Fadensiegel- Holzhaltiges Papier enthält als Faser-


heftung unterscheiden stoff Holzstoff. Die im Holzstoff enthal-
tenen Harze und das Lignin vergilben
Beschreiben Sie die beiden Bindearten: unter Lichteinfluss.
a. Buchfadenheftung:
ƒƒ Mit den Vorstechnadeln werden 3 Baugruppen der Papiermaschine
Löcher gestochen. kennen
ƒƒ Die Nähnadel führt den Faden
durchs Loch. A Siebpartie
ƒƒ Der Fadenschieber schiebt den B Pressenpartie
Faden zur Hakennadel. C Trockenpartie
ƒƒ Die Hakennadel zieht den Faden D Schlussgruppe
wieder heraus. E Aufrollung
b. Fadensiegelheftung:
ƒƒ Siegelfaden wird durch den Bund 4 Blattbildung in der Papiermaschine
gestoßen. erklären
ƒƒ Die losen Enden des Siegelfadens
werden an der beheizten Sie- Durch die Filtrationswirkung der Fasern
gelschiene auf dem Buchrücken auf dem Sieb ist der Füllstoffanteil auf
versiegelt. der Oberseite höher als auf der Unter-
seite der Papierbahn.

96
Anhang

5 Papierveredelung beschreiben 9 Laufrichtung kennen

a. Streichen: In speziellen Streichma- a. Laufrichtung: Die Laufrichtung des


schinen wird auf das Rohpapier eine Papiers entsteht bei der Blattbildung
Streichfarbe aufgetragen. auf dem Sieb der Papiermaschine.
b. Satinieren: Beim Satinieren im Durch die Strömung der Fasersus-
Kalander erhalten die Papiere ihre pension auf dem endlos umlau-
endgültige Oberflächeneigenschaft. fenden Sieb richten sich die Fasern
Im Walzenspalt zwischen den Walzen mehrheitlich in diese Richtung aus.
des Kalanders wird die Papierober- b. Schmalbahn: Ein Bogen ist Schmal-
fläche der Bahn durch Reibung, Hitze bahn, wenn die Fasern parallel zur
und Druck geglättet. langen Bogenseite verlaufen.
c. Breitbahn: Bei Breitbahn verläuft
6 Anforderungsprofile an Papier die Laufrichtung parallel zur kurzen
bewerten Bogenseite.

a. Verdruckbarkeit (runability) bezeich- 10 Papiergewicht berechnen


net das Verhalten bei der Verarbei-
tung, z. B. Lauf in der Druckmaschine. G1 = 0,8 m x 0,57 m x 42,5 g / m²
b. Bedruckbarkeit (printability) be- = 19,38 g (ein Blatt)
schreibt die Wechselwirkung zwi- G20 = 20 x 19,38 g
schen Druckfarbe und Papier. = 387,6 g
Die Zeitung wiegt also etwa 388 g.
7 Papiereigenschaften unterscheiden
11 Papiergewicht berechnen
a. Naturpapier: Alle nicht gestrichenen
Papiere, unabhängig von der Stoff- G = 0,42 m x 0,1 m x 320 g / m²
zusammensetzung, heißen Natur- = 13,44 g (Karte)
papiere. G = 13,44 g (Karte)
b. maschinenglatt: Die Papieroberfläche + 6,1 g (Umschlag)
wurde nach der Papiermaschine nicht = 19,54 g
weiter bearbeitet. Die Weihnachtskarte kann also als Stan-
c. satiniert: Das Papier wurde im Kalan- dardbrief verschickt werden.
der satiniert. Satinierte Naturpapiere
sind dichter und glatter als maschi- 12 Papiergewicht berechnen
nenglatte Naturpapiere.
d. gestrichen: Das Papier ist mit einem G = L * B * F
speziellen Oberflächenstrich, glän- F = G / (L x B)
zend oder matt, versehen. F = 340 g / (50 x 400 mm x
100 mm)
8 Opazität erklären = 0,00017 g / mm²
= 170 g / m²
Opazität beschreibt die Lichtundurch- Die Flächenmasse beträgt 170 g / m².
lässigkeit von Papier. Bei einer hohen
Opazität scheint keine Druckfarbe von
der Rückseite durch.

97
13 Papierdicke berechnen 17 Bestandteile der Druckfarbe kennen
2
D = (F x V) / 1000 ƒƒ Farbpigmente
= (200 g / m2 x 1,1 m3 / g) / 10002 ƒƒ Bindemittel und Lösemittel
= 0,22 mm ƒƒ Hilfsstoffe, Additive
Das Papier hat eine Dicke von 0,22 mm.
18 Binde- und Lösemittel kennen
14 Einfluss von Raumklima auf Papier
kennen Binde- und Lösemittel haben die Aufga-
be, die Farbe in eine verdruckbare Form
a. Zu geringe Luftfeuchtigkeit: Tro- zu bringen. Nach der Farbübertragung
ckene Papiere neigen zu verstärkter auf den Bedruckstoff sorgt das Binde-
statischer Aufladung. Die Folge sind mittel dafür, dass die Farbpigmente auf
Doppelbogen und Schwierigkeiten dem Bedruckstoff haften bleiben.
beim Papierlauf.
b. Zu hohe Luftfeuchtigkeit: Bei zu ho- 19 Herstellung von Druckfarben
her relativer Luftfeuchtigkeit nimmt ­erklären
das Papier Feuchtigkeit auf. Die
Folge ist Randwelligkeit mit daraus Bei der Dispersion auf dem Dreiwalzen-
resultierenden Schwierigkeiten beim stuhl oder in der Rührwerkskugelmühle
Papierlauf und beim passergenauen werden die Pigmente im Bindemittel
Drucken. dispergiert, d. h. feinst verteilt. Idealer-
weise ist danach jedes Pigment einzeln
15 Ökologische Aspekte bei der Papier- vom Bindemittel umschlossen.
herstellung kennen
20 Trocknungsmechanismen
ƒƒ Verwendung von Altpapier unterscheiden
ƒƒ Nachhaltige Forstwirtschaft
Die physikalischen Trocknungsmecha-
16 Effekt der Migration bei Kunst- nismen bewirken eine Veränderung
stoffen als Bedruckstoff kennen des Aggregatzustandes der Druckfarbe,
ohne – im Gegensatz zur chemischen
a. Migration: Unter Migration versteht Trocknung – die molekulare Struktur
man die Wanderung von Stoffen des Druckfarbenbindemittels zu verän-
aus der Kunststoffverpackung in das dern.
Füllgut oder aus der Verpackung in
die Umwelt oder aus der Umwelt in 21 Wegschlagen beschreiben
das Füllgut.
b. Physiologische Unbedenklichkeit: Bei Die dünnflüssigen Bestandteile des Bin-
allen Stoffen, die mit Lebensmitteln demittels dringen in die Kapillare des
oder in anderer Weise direkt mit dem Bedruckstoffs ein. Die auf der Oberflä-
Menschen in Kontakt kommen, ist che verbleibenden Harze verankern die
es wichtig, dass die verwendeten Farbpigmente auf dem Bedruckstoff.
Stoffe keine negativen Einflüsse auf
Mensch und Umwelt haben.

98
Anhang

22 Rheologie definieren

Rheologie ist die Lehre vom Fließen.


Sie beschreibt die Eigenschaften flüs-
siger Druckfarben, die mit dem Begriff
Konsistenz zusammengefasst werden.

23 Rheologische Eigenschaften
erläutern

a. Die Viskosität ist das Maß für die


innere Reibung von Flüssigkeiten.
b. Zügigkeit oder Tack beschreibt den
Widerstand, den die Farbe ihrer
Spaltung entgegensetzt. Eine zügige
Farbe ist eine Farbe, bei deren Farb-
spaltung hohe Kräfte wirken (Rupf-
neigung).
c. In thixotropen Flüssigkeiten wird
die Viskosität durch mechanische
Einflüsse, z. B. Verreiben im Farbwerk
der Druckmaschine, herabgesetzt.

24 Echtheiten von Druckfarben kennen

ƒƒ Lichtechtheit
ƒƒ Lösemittelechtheit
ƒƒ Kaschierechtheit
ƒƒ Alkaliechtheit
ƒƒ Migrationsechtheit
ƒƒ Mechanische Festigkeit
ƒƒ Lebensmittelechtheit

99
5.2 Links und Literatur

Links Literatur

Adobe Manfred Aull


www.adobe.com/de Lehr- und Arbeitsbuch Druck
Verlag Beruf + Schule 2008
Informationen zu den Europäischen Sicher- ISBN 978-3880136724
heitsstandards für die UV-Technologie
www.bgetem.de Manfred Aull
Lehr- und Arbeitsbuch: Grundlagen der
European Color Initiative (ECI) Print- und Digitalmedien
www.eci.org/de Verlag Beruf + Schule 2013
ISBN 978-3880136946
Fogra Forschungsgesellschaft Druck e.V.
www.fogra.org Joachim Böhringer et al.
Kompendium der Mediengestaltung
Heidelberger Druckmaschinen AG III. Medienproduktion Print
www.heidelberg.com Springer Vieweg 2014
ISBN 978-3642545788
HP Deutschland GmbH
www.hp.com/de Kaj Johansson et al.
Printproduktion Well done!
Koenig & Bauer AG Schmidt Verlag 2008
www.koenig-bauer.com ISBN 978-3874397315

manroland web systems GmbH Helmut Teschner


www.manroland-web.com Druck & Medien Technik
Christiani Verlag 2017
THIEME GmbH & Co. KG ISBN 78-3958632394
www.thieme.eu

Veredelungslexikon der Hochschule für Tech-


nik, Wirtschaft und Kultur Leipzig
veredelungslexikon.htwk-leipzig.de

Windmöller & Hölscher KG


www.wuh-lengerich.de

Xerox GmbH
www.xerox.com

100
5.3 Abbildungen Anhang

S2, 1: Autoren S38, 1: Autoren


S3, 1a, 1b: Autoren S39, 1: Autoren
S4, 1a, 1b: Autoren S40, 1: Autoren
S5, 1a, 1b: Autoren S41, 1: Autoren
S6, 1a, 1b: Autoren S42, 1, 2, 3: Autoren
S7, 1a, 1b, 1c, 2a, 2b, 2c, 3a, 3b, 3c, 4a, 4b, 4c, S43, 1: Autoren
5a, 5b, 6a, 6b: Autoren S44, 1: Autoren
S8, 1, 2: Autoren S45, 1, 2: Autoren
S9, 1a, 1b: Autoren S46, 1: Autoren
S10, 1a, 1b: Autoren S48, 1b: Autoren
S11, 1, 2, 3: Autoren S49, 1: Autoren
S12, 1: Autoren S50, 1, 2: Autoren
S13, 1, 2: Autoren S51, 1a, 1b: Autoren
S14, 1: www.heidelberg.com (Zugriff: 05.01.18) S52, 1, 2, 3: Autoren
S14, 2, 3a, 3b: Autoren S53, 1, 2, 3: Autoren
S15, 1, 2: Autoren S56, 1: Autoren
S16, 1, 2: Autoren S57, 1, 2: Autoren
S17, 1: Autoren S58, 1a, 1b: Autoren
S17, 2: www.koenig-bauer.com/downloads/ S59, 1, 2: Autoren
pressebilder-logos (Zugriff: 05.01.18) S60, 1a, 1b, 2: Autoren
S18, 1: www.wuh-lengerich.de (Zugriff: S61, 1, 2a, 2b: Autoren
05.01.18) S62, 1: Autoren
S18, 2, 3: Autoren S62, 2: www.kolbus.de/aktuelles/presse (Zu-
S19, 1, 2a, 2b: Autoren griff: 29.12.17)
S20, 1: Autoren S63, 1, 2: Autoren
S21, 1: www.heidelberg.com (Zugriff: 05.01.18) S64, 1: Autoren
S21, 2, 3: Autoren S67, 1: Autoren
S22, 1a, 1b, 1c: Autoren S68, 1, 2: Autoren
S24, 1: Autoren S69, 1, 2, 3: Autoren
S25, 1a, 1b: Autoren S70, 1, 2: Autoren
S26, 1: Autoren S71, 1, 2: Autoren
S27, 1a, 1b: Autoren S73, 1: Autoren
S27, 2: www.thieme.eu/de/thieme-500-sieb- S74, 1, 2, 3, 4: Autoren
druckmaschine (Zugriff: 05.01.18) S75, 1, 2, 3a, 3b: Autoren
S28, 1a, 1b, 2: Autoren S76, 1, 2a, 2b: Autoren
S29, 1a, 1b: Autoren S77, 1: Autoren
S29, 2: https://www.xerox.de/digitaldruck/ S79, 1, 2: Autoren
drucksysteme-endlosdruck/impika-compact/ S81, 1: Autoren
spec-dede.html (Zugriff: 05.01.18) S82, 1: Autoren
S31, 1: Autoren S84, 1a, 1b: Autoren
S31, 2: www8.hp.com (Zugriff: 05.01.18) S85, 1: Autoren
S32, 1a, 1b: Autoren S92, 1: Autoren
S33, 1: Autoren S93, 1: Autoren
S34, 1: Autoren
S35, 1, 2, 3, 4, 5: Autoren
S37, 1: Autoren

101
5.4 Index

A Druck
–– Anlagemarken 12
Ableimen 64 –– Bogensignatur 12
Altpapier 69 –– Falzmarken 13
Amplitudenmodulierte Rasterung (AM) 9 –– Flattermarken 12
Aniloxwalze 14 –– Hilfszeichen 12
Anschnitt 57 –– Kontrollelemente 12
Aufschluss 68 –– Marken 12
Ausrüsten 72 –– Passkreuze 12
–– Qualitätskontrolle 13
B –– Schneidemarken 12
Druckbildmerkmale 7
Bahnverarbeitung 57 Druckbogen 56
Bedruckstoff 2 Druckfarben 2, 8, 81
Beflockung 53 Druckform 2
Beschnitt 57 Druckkontollstreifen 13
Bilderdruckpapiere 74 Druckkraft 2
Bindemittel 81 Drucklack 43
Blindprägung 51 Druckprinzipe 2
Blockherstellung 60 Druckverfahren 4
Bogenoffsetdruckmaschinen 23 Duftlack 46
Broschuren 56 Durchdruck 25
Bubble-Jet-Verfahren 29
Buch 56 E
Buchblock 56
Buchdecke 56, 64 Elektrofotografie 6, 31
Buchfadenheftung 63 –– Anwendung 32
Buchmontage 64 –– Druckbild 31
–– Druckprozess 31
C –– Maschinen 32
Endbeschnitt 64
CMYK 8 Endfertigen 64
Continuous-Inkjet 28
F
D
Fadenheftung 63
Deinking 70 Fadensiegelheftung 63
Digitaldruck 28, 31 Falzarten 59
Digitale Folienprägung 52 Falzen 58
DIN-A-Reihe 76 Farbe
DIN/ISO 12647 78 –– Alkaliechtheit 84
Dispersionslack 44 –– Chemische Trocknung 83
Doppelseitendruck 61 –– Echtheiten 84
Drip-off-Verfahren 43 –– Erstarren 83
Drop-on-Demand-Verfahren 29 –– ES-Trocknung 83
–– Kaschierechtheit 84

102
Anhang

–– Lebensmittelechtheiten 84 H
–– Lichtechtheit 84
–– Lösemittelechtheit 84 Hadern 73
–– Mechanische Festigkeit 84 Heißfolienprägung 51
–– Migrationsechtheit 84 Hochdruck 4, 14
–– Oxidative Trocknung 83 Holzschliff 68
–– Physikalische Trocknung 82 Holzstoff 69
–– Rheologie 83 Hybridrasterung (XM) 11
–– Tack 83
–– Thixotropie 84 I
–– UV-Trocknung 83
–– Verdampfen 83 Impact Printing 2
–– Verdunsten 82 Inkjetdruck 5, 28
–– Viskosität 83 –– Anwendung 30
–– Wegschlagen 82 –– Druckbild 28
–– Zügigkeit 83 –– Druckprozess 28
Farbpigmente 81 –– Maschinen 30
Farbschnitt 53 –– Merkmale 30
Farbstoffe 81 Inline-Veredelung 42
Festtoner 32 Iriodinlack 46
Flachdruck 4, 21
Flexodruck 4, 14 K
–– Anwendung 16
–– Druckbild 14 Kalander 72
–– Druckform 14 Kaschieren 49
–– Druckprozess 14 Klammerheftung 61
–– Maschinen 17 Klebebindung 62
–– Quetschrand 16 Kreuzfalz 59
–– Reihenbauweise 17
–– Tonwertzunahme 16 L
–– Zentralzylindermaschinen 17
Flüssigtoner 32, 82 Lackform anlegen 48
Folieneigenschaften 80 Lackierung 42
Folienherstellung 80 Laminieren 49
Folienprägung 51, 52 Laserdruck 6
Folierung 49 Laserstanzung 53
Fräsrand 62 Laufrichtung 74
Frequenzmodulierte Rasterung (FM) 10 LED-Drucker 32
Leseband 64
G Lösemittel 81

Geltoner 32 M
Gestrichene Papiere 74
Goldschnitt 53 Maschinenklassen 76
Messerfalz 58
Metalliclack 46

103
Microembossing 52 –– Wasserzeichen 78
Moiré 9 Papiermaschine 70, 71
Papierveredelung 72
N Papiervolumen 77
Parallelfalz 59
Naturpapier 73 Perforieren 53
Non-Impact-Printing-Verfahren 2 Piezo-Verfahren 29
Nuten 59 Prägung 50
–– Matrize 50
O
R
Offsetdruck 4, 21
–– Alkohol 24 Rasterung 9
–– Anwendung 23 Relieflack 45
–– Chemie 23 Rillen 59
–– Druckbild 21 Ritzen 59
–– Druckform 21 Rollenoffsetdruckmaschinen 23
–– Druckprozess 22
–– Maschinen 23 S
–– pH-Wert 23
–– Wasserhärte 24 Sammeln 60
Offsetrosette 22 Schneiden 57
Schön- und Widerdruck 23
P Siebdruck 5, 25
–– Anwendung 27
Papier 68 –– Druckbild 26
–– Ausrüstung 72 –– Druckform 25
–– Bedruckbarkeit 73 –– Druckprozess 26
–– Dicke 77 –– Maschinen 27
–– Eigenschaften 73 Sonderfarben 8
–– Formate 76 Spezial-UV-Lack 44
–– Gewicht 77 Spiralbindung 61
–– holzfrei 73 Stanzung 53
–– holzhaltig 73 Stoffaufbereitung 70
–– Laufrichtung 75
–– maschinenglatt 73 T
–– Oberfläche 73
–– Opazität 74 Tampondruck 20
–– Primärfasern 68 Taschenfalz 58
–– satiniert 73 Thermoreliefdruck 53
–– Sekundärfasern 69 Tiefdruck 4, 18
–– Sorten 73 –– Anwendung 19
–– Streichen 72 –– Druckbild 18
–– Verdruckbarkeit 73 –– Druckform 18
–– Verwendungszweck 73 –– Druckprozess 18
–– Volumen 77 –– Maschinen 20

104
Anhang

–– Sägezahneffekt 19
Tintenstrahldruck 5
Trennschnitt 57

U
UV-Lack 42, 44

V
Veredelung 40
–– Arten 40
–– Wirkung 41
–– Zweck 40

W
Wasserhärte 24
Wasserzeichen 78
Winkelschnitt 57

X
Xerografie 31

Z
Zellstoff 69
Zentralzylindermaschinen 17
Zusammentragen 60

105