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Aus dem Flüchtlingsboot (refugee) zu den Olympischen Spielen

Von Melanie Haack | Veröffentlicht am 18.03.2016 © WeltN24 GmbH 2016.

Yusra Mardini floh (fliehen) über das Mittelmeer nach Griechenland. Als der Motor streikte, zog
(ziehen) die Syrerin das überladene Boot an Land. Jetzt will sie für das internationale
Flüchtlingsteam in Rio starten.

Die Schwimmerin Yusra Mardini, Jahrgang


1998 © Alexander Hassenstein/Getty Images

Die Syrerin gehört zu den weltweit 43


Kandidaten für ein internationales
Flüchtlingsteam, das bei den Olympischen
Spielen in Rio (5. bis 21. August) antreten
(partizipieren) wird. Sollte sie den Sprung
in die Mannschaft schaffen (machen), wird
sie in Brasilien als Schwimmerin unter der
Flagge des Internationalen Olympischen
Komitees (IOC) starten. „Dann hoffe ich“,
sagt Mardini. „dass all die Flüchtlinge, die
wir repräsentieren, stolz auf mich sind. Ich möchte sie ermutigen. Auch wenn wir unsere
Heimat verlassen mussten, einen harten Weg hinter und vor uns haben, können wir Großes
erreichen.“ Dank ihrer schwimmerischen Fähigkeiten überlebte sie die Flucht, jetzt gibt ihr der
Sport ein Stück Normalität zurück und Kraft (Energie) für das Leben in der Fremde.

Mit dem Team Refugee Olympic Athletes (ROA) will das IOC ein Zeichen setzen und helfen.
„Wir möchten eine Botschaft der Hoffnung und Zuversicht (positives Denken) an die Flüchtlinge
senden und die Aufmerksamkeit (Fokus) auf das Schicksal und die Probleme von 60 Millionen
Flüchtlingen auf der ganzen Welt richten (dirigieren)“, sagt IOC-Präsident Thomas Bach.

Als der Motor streikte, sprang Yusra ins Wasser

Mardinis Flucht aus Syriens Hauptstadt Damaskus begann im August. Der Vater hatte 10.000
Dollar gespart, damit Yusra und ihre zwei Jahre ältere Schwester Sarah in Sicherheit gelangen
(gehen) konnten. Die Eltern blieben mit ihrer jüngsten, acht Jahre alten Tochter zurück. Yusra
und Sarah flogen nach Istanbul, gelangten (gingen) von dort nach Izmir und machten sich dann
auf den Weg entlang der türkischen Küste. Bei einem Schlepper (Schmuggler) kauften sie zwei
Plätze auf einem Boot Richtung Griechenland. Sechs, sieben Menschen hatten dort Platz, doch
es waren 20. Nach einer halben Stunde ging der Motor kaputt, das Boot lief (laufen) voll Wasser
und drohte zu sinken. „Das war schrecklich“, sagt Mardini. „Es gab viele Menschen in dem Boot,
die nicht schwimmen konnten. Also sprangen (springen) meine Schwester und ich ins Meer.“ Sie
schoben und zogen das Boot (mit dem Boot schwimmen) drei Stunden bis zur Küste, retteten sich
selbst und die anderen 18 Menschen. „Ich bin eine Schwimmerin, deshalb bin ich am Leben“,
sagt Mardini.

Mardini hatte schon als Dreijährige mit dem Schwimmen begonnen, träumt seit ihrem zehnten
Lebensjahr von den Olympischen Spielen. Zusammen mit ihrer Schwester war sie bereits für das
syrische Nationalteam gestartet – zuletzt bei der WM 2012 in Istanbul (Platz 37). Die Liebe zu
diesem Sport liegt in der Familie: Der Vater arbeitete in der Heimat als Schwimmcoach und
trainierte seine Töchter.
Ihr Weg führte sie weiter über die Balkanroute. Mardini betrachtet ein Foto, das sie in einem
Kornfeld an der Grenze zwischen Serbien und Ungarn zeigt. „Wir haben einen neuen Weg
gesucht und gefunden. Eigentlich dauert dieser Weg nur zehn Minuten“, sagt sie. Aber die
Schwestern brauchten fast einen ganzen Tag. „Wir sind immer nur zwei, drei Meter gelaufen.
Eins, zwei, drei – in Deckung. Dann haben wir uns wieder geduckt (versteckt).“ Sie lacht, als
erzähle sie von einem Abenteuer und nicht vom Kampf ums Überleben. Nur manchmal sagt sie
Dinge wie: „Das war alles sehr hart.“ Oder: „Wir haben Schreckliches erlebt.“ Doch auch dann
spricht sie mit fester (stark), selbstbewusster Stimme. Und sie lacht. Die Schwestern wurden auf
ihrer Flucht kurz hinter der ungarischen Grenze von Polizisten gestoppt und in ein Camp
gebracht, liefen nach drei Tagen davon und setzten ihre Flucht fort (weiter fliehen).

Neue sportliche Heimat in Berlin-Spandau

Seit September leben die Mardini-Schwestern in Berlin. Mitglieder des Sportvereins


“Wasserfreunde Spandau 04” halfen ihnen bei den ersten Schritten in ein neues Leben und sind
wie ihre zweite Familie geworden: Die jungen Frauen zogen schnell von der Notunterkunft in
eine Wohnung des Klubhauses, Yusra geht nebenan (neben dem Sporthaus) auf die Sport-
Eliteschule, lernt Deutsch („Ich verstehe schon alles“) und trainiert zweimal täglich bei Sven
Spannekrebs. „Sport ist der Grund, weshalb ich hier meinen Weg gefunden habe. Ohne
Schwimmen würde ich nur herumsitzen und die Sprache lernen“, sagt Mardini.

Die 18-Jährige macht sich für ihr großes Ziel fit


Quelle: Getty Images for IOC

Ihr Berliner Trainer etablierte auch den


Kontakt zum Deutschen Olympischen
Sportbund (DOSB). In diesem Zeitraum
war das IOC in Zusammenarbeit mit
Hilfsorganisationen und den Nationalen
Olympischen Komitees auf der Suche nach
Kandidaten für das Flüchtlingsteam. „Ich
bin so stolz auf meine Tochter“, sagt Ezzad
Mardini und blickt zu seiner Tochter. Auch
er hat es nach Berlin geschafft, zusammen
mit seiner Frau und der jüngsten Tochter.
Die Asylanträge von Yusra und Sarah sind mittlerweile bewilligt, der Rest der Familie wartet
noch. Gemeinsam hoffen sie nun, dass sich Yusra ihren Traum von Rio erfüllen kann.

Yusra Mardini will Pilotin werden

In drei Monaten entscheidet das Exekutive Board des IOC, ob sie mit dem Flüchtlingsteam bei
der Eröffnungsfeier einmarschieren und dann im olympischen Dorf wohnen darf. „Wenn ich es
nicht schaffe, bin ich trotzdem stolz auf mich, weil ich es versucht und nie aufgeben habe“, sagt
sie. „Und dann werde ich Schwimmtrainerin.“

Der olympische Traum ist nicht ihr letzter. Yusra Mardini möchte sich in Deutschland ein Leben
aufbauen, träumt davon, eines Tages nicht nur Schwimmtrainerin, sondern auch Pilotin zu sein.
Aber vor allem möchte sie eines: „Als alte Lady will ich zurück nach Syrien gehen und dort all
das weitergeben, was ich hier gelernt habe.“
Fragen zum Text:

Was waren Yusras Fluchtroute und ihre Transportmittel?

Welche Relevanz hat das Schwimmen in Yusras neuem Leben?

Warum will das IOC (Internationale Olympische Komittee) ein Flüchtlingsteam bei den
Olympischen Spielen haben?

Was lernen wir über das Leben von Yusra und ihrer Familie und deren Integration in
Deutschland?

Yusra Mardini – Modalverben im Präsens

Yusra Mardini und ihre Schwester a)__________ in Syrien nicht mehr leben. Sie fliehen 2015 über die
Balkanroute nach Deutschland. Sie und ihre Schwester b)__________ mit einem Sportverein in Berlin
trainieren. Yusra c)__________ zweimal pro Tag trainieren. Die junge Frau d)__________ nicht als
Flüchtling gesehen werden, sondern als Schwimmerin. Mit ihrer Partizipation bei den Olympischen
Spielen in Rio e)__________ Yusra andere Flüchtlinge motivieren und ermutigen. Das Internationale
Kommitee (IOC) f)__________ mit dem Flüchtlingsteam ein Zeichen setzen. Die Menschen g) _________
die Probleme und Schicksale der 60 Millionen Flüchtlinge weltweit realisieren. Yusra und ihre Schwester
h)__________ mit ihrem Asylstatus in Deutschland leben. Sie (pl.) i) __________ ihr Leben in Berlin.

Yusra sagt: “Ich j)__________ schon sehr viel Deutsch verstehen”.

a) können, wollen b) dürfen, können c) muss, soll, darf


d) will, möchte, soll e) will, möchte f) will, möchte
g) müssen, sollen h) können, dürfen i) mögen j) kann