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Krankenhaus Salem Pflegestandards

der
Evang. Stadtmission
Heidelberg Dementiell Erkrankte Nr. 29

Strukturqualität:

1. Qualifikation: ex. Pflegepersonal, Schüler je nach Ausbildungsstand, GKPH und


Aushilfen/Praktikanten nach Einarbeitung.

2. Auf jeder Station wird ein/e Mitarbeiter/in des Pflegedienstes zur


„Demenzassistentin“ ernannt. Diese/r hat die Aufgabe, die Betreuung der dementen
Patienten zu optimieren. Er/sie ist Ansprechpartner/in für Mitarbeiter und Angehörige
bei pflegerischen Fragen zum Thema Demenz. Die Demenzassistenten werden
durch geeignete Fortbildungen qualifiziert. Sie treffen sich in regelmäßigen
Abständen (2x jährlich) zum Austausch.

3. Ein Informations-Flyer für Betroffene und Angehörige liegt auf allen Stationen zur
Mitnahme aus.

4. Individuelle Beratung der Angehörigen dementer Patienten erfolgt durch die


Sozialarbeiterinnen Fr. Tulakow (innere Stationen), Fr. Haensch (operative
Stationen)

Prozessqualität:

1. Allgemeine Informationen (Quelle: © pqsg, online Magazin für Altenpflege, 2006)

Die senile Demenz ist eine organisch bedingte Verminderung der intellektuellen Hirnleistung mit
negativen Auswirkungen auf die sozialen Funktionen. Im Laufe der Zeit treten Gedächtnis-,
Wahrnehmungs- und Denkstörungen sowie eine Persönlichkeitsveränderung, Desorientierung und
Sprachstörungen auf. Das wichtigste Frühsymptom ist die verschlechterte Gedächtnisleistung.

Bei der leichten Demenz ist ein unabhängiges Leben mit persönlicher Hygiene und intaktem
Urteilsvermögen möglich. Die Berufstätigkeit und soziale Kontakte sind aber deutlich beeinträchtigt.
Angehörige berichten von Persönlichkeitsveränderungen. Viele Betroffene reagieren darauf mit
Niedergeschlagenheit, Rückzug, Scham und Wut. In dieser Phase entwickeln sich häufig auch
Wahnvorstellungen, z.B. wird dem Betreffenden immer etwas "gestohlen". Vermutlich handelt es sich
dabei um einen Selbstschutz. Der Betroffene macht sich damit Ereignisse begreiflich, die er sich sonst
nicht mehr erklären kann.

Bei der mittelschweren Demenz ist ein selbständiges Leben sehr schwierig, ein erhöhtes Maß an
Aufsicht ist notwendig. Bei allein stehenden Personen können Gefahren auftreten, wie eine
vergessene Herdplatte oder eine überlaufende Badewanne. Kompliziertere Handlungen können nicht
mehr durchgeführt werden und neue nicht mehr erlernt werden. Der Betroffene reagiert darauf oft mit
Gereiztheit, Depressionen und Rückzug. In dieser Phase tritt auch häufig eine motorische Unruhe auf
und die Betroffenen machen sich auf die Suche nach etwas Bekanntem, z.B. der eigenen früheren
Wohnung oder einem Geschäft, in dem sie seinerzeit eingekauft haben.

Bei der schweren Demenz liegt ein Unvermögen vor, das Leben selbständig führen zu können. Die
persönliche Hygiene kann nicht mehr durchgeführt werden. Es liegt u.a. ein Mutismus (Stummheit bei
intakten Sprechorganen und erhaltenem Sprachvermögen) vor. Ständige Aufsicht und Anleitung sind
erforderlich. Die nächsten Angehörigen werden nicht mehr erkannt. Mit der Zeit verlernen die
Betroffenen das Gehen, Sitzen und / oder Schlucken. Sie werden bettlägerig und die Krankheit führt
schließlich zum Tod.

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2. Aufnahme eines Patienten mit Demenz

 Bei Aufnahme von Patienten mit Demenz, die zuhause versorgt werden oder leben,
wird die Sozialarbeiterin Fr. Tulakow (innere Stationen) oder Fr. Haensch (operative
Stationen) informiert (Anforderungsschein Konsil Sozialdienst)

 Die Sozialarbeiterinnen vereinbaren nach Wunsch einen Beratungstermin und


beraten die Angehörigen und den Patienten individuell über
o Optimierung der häuslichen und stationären Pflege
o Leistungen der Pflegekasse
o Institutionen und Beratungsstellen außerhalb des Krankenhauses
o Umgang mit den betroffenen Menschen
o Psychosozialen Unterstützung
o Gesetzliche Betreuung

 Die Angehörigen erhalten nach dem Gespräch eine Informationsbroschüre.

3. Pflegeplan

Für den stationären Aufenthalt der Patienten gelten folgende Pflegemaßnahmen:

LA Für Sicherheit sorgen


Ziele Maßnahmen
 Sicherstellung der vom Arzt  Einzelgaben der Medikamente; Dispenser nicht im Zimmer
angeordneten Medikation lassen
 konsequente Einnahme der
Tabletten gewährleisten  Bei Medikamenteneinnahme im Zimmer bleiben

 Förderung der Orientierung  Zimmertür kennzeichnen, ggf. Bett kennzeichnen


desorientierter Patienten  Persönliche Gegenstände, Fotos mitbringen lassen
 Vertraute Kleidung und Pflegeutensilien benutzen

 Begleitung bei Untersuchungen/Gängen durch Hilfskräfte


 Verlassen der Station bzw. oder grüne Damen
des Hauses vermeiden  Wartezeiten bei Untersuchungen möglichst kurz halten
 Bei Pat. mit Weglauftendenz: Mitarbeiter der Information
(Pforte) informieren, dem Patienten einen Zettel
einstecken, auf dem Name, Adresse und Telefonnummer
stehen

Kommunikation

 Patient soll sich sicher  Patient ernst nehmen


fühlen  Blickkontakt halten, möglichst auf Augenhöhe sprechen, in
 Kommunikation und einfachen kurzen Sätzen sprechen, mit möglichst nur einer
Kontakte fördern Information.
 die Sätze untermalen mit Ausdruck Mimik, Gestik und
 Rückzug und Isolation dazu passenden Bewegungen; zeigen ist wirkungsvoller
als reden

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vermeiden  Ja-Nein-Fragen stellen, den Wortschatz des Patienten


verwenden

 kommt der Patient nicht auf ein gesuchtes Wort,


verschiedene passende Wörter anbieten.

 Nicht widersprechen, ggf. einfühlsam und vorsichtig


korrigieren; Versuch des Ablenkens oder Einlenkens, auch
wenn objektiv der Bewohner nicht recht hat

 bei aggressiven Verhalten versuchen, den Auslöser


heraus zu finden; Pflegemaßnahmen die abgelehnt
werden unterbrechen, zu späterem Zeitpunkt durchführen

 Schmerztherapie überprüfen (Schmerzen werden häufig


nicht verbal, sondern nonverbal geäußert!)
 durch Körperkontakt versuchen, die Situation zu
entspannen
 ggf. Ansprechen mit Vornamen falls Pat. darauf positiv
anspricht, Vorsicht: kein pauschales Duzen der Patienten!

Bewegen

 Stürze vermeiden  Einschätzung in die Sturzrisikoskala, anhand des


 Der Patient kann weiterhin Ergebnisses entsprechende Maßnahmen einleiten
gehen, stehen und sitzen  Mobilisation und Aktivierung entsprechend Zustand, ggf.
Bewegungsplan führen
 Ggf. Physiotherapie hinzuziehen
 Einsatz von Bettgittern und Tisch vor Sessel nur bei
Einwilligung des Bewohners; nie bei Pat mit starkem
Bewegungsdrang (Gefahr über Bettgitter zu stürzen!) s.
Standard Fixierung

LA Essen und Trinken

 ausreichende und  Beobachtung und Befragung der Angehörigen, welche


ausgewogene Ernährung Speisen und Getränke der Bewohner bevorzugt
und Flüssigkeitsaufnahme  Patienten regelmäßig trinken lassen (Gefahr Exsikkose →
sicherstellen. Delir →Verschlechterung der Demenz).

 Ggf. Getränke mit Saft anfärben, damit sie als Getränk


erkannt werden
 Den Patienten nicht zwingen, mit Besteck zu essen.
Fingerfood anbieten (Häppchen klein schneiden),
 Bei Nahrungsverweigerung kein Zwang, aber einfühlsame
Motivation

 Ggf. hochkalorischer Zusatznahrung anbieten

 Bei untergewichtigen, mangelernährten Pat. Ess-,


Trinkprotokoll führen

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Ausscheiden

 Förderung und Erhaltung  auf nonverbale Zeichen achten, die einen Drang zur
der Selbständigkeit Toilette zu gehen anzeigen
 Bewohner soll regelmäßig  für gut zu öffnende Kleidung sorgen, um so möglichst
auf der Toilette abführen lange die Selbständigkeit zu erhalten
 Bewohner soll Stuhlgang  Versorgung mit adäquatem Inkontinenzmaterial
wahrnehmen.
 Bewohner soll das  Toilettentür kennzeichnen, Schiebetüren offenlassen
Inkontinenzmaterial  regelmäßiges Toilettentraining durchführen, dabei wird die
annehmen. Blase immer zu gleichen Zeiten entleert.

LA Ruhen und Schlafen

 Bewohner soll nachts  Die Frequenz des nächtlichen Rundgangs erhöhen, wenn
durchschlafen können personell möglich einige Zeit beim Bewohner bleiben
 Nachtlicht an lassen
 Weniger Ruhephasen tagsüber

LA Beschäftigen

 Patient ist seinem Zustand  Lärm- und Reizüberflutung meiden


entsprechend aktiv  Vertrautes Beschäftigungsmaterial mitbringen lassen
 Angemessene Beschäftigungen auswählen anbieten, z.B.
 Erschöpfungszustände Material aus der „Demenzkiste“, auf 1. und 3. Stock im
vermeiden Mitteltrakt gelagertes Material
 Ggf. Spaziergänge mit Praktikanten/grünen Damen

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