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ShortBooks „Wissen ist Macht“ Das MännerLebensbuch Die Vision und Seelenwerkstatt einer neuen Männerkultur von Greg

ShortBooks „Wissen ist Macht“

ShortBooks „Wissen ist Macht“ Das MännerLebensbuch Die Vision und Seelenwerkstatt einer neuen Männerkultur von Greg

Das MännerLebensbuch

Die Vision und Seelenwerkstatt einer neuen Männerkultur

von Greg Campbell und Peter A. Thomaset

Gebundene Ausgabe: 334 Seiten Verlag: beust Erscheinungsjahr: 2003 ISBN: 3-89530-077-2 Preis: 22,90

„Du wirst nicht

Mann geboren du musst erst einer wer- den!“

als

Hauptaussagen

Der Mann im Industriezeitalter ist seiner Aufgabe zusehends we- niger gewachsen. Familie, Beruf und Gesellschaft brauchen star- ke und zugleich einfühlsame Männer.– du musst erst einer wer- den!“ als Hauptaussagen Die verschiedenen Lebensphasen des Mannes bringen ihre

Die verschiedenen Lebensphasen des Mannes bringen ihre je- weils spezifischen Probleme mit sich, die es zu lösen gilt.brauchen star- ke und zugleich einfühlsame Männer. Die Orientierungsschwierigkeiten, denen viele Männer,

Die Orientierungsschwierigkeiten, denen viele Männer, gleich welchen Typs, unterliegen, sind meist auf psychische Verletzun- gen im Kindesalter zurückzuführen.weils spezifischen Probleme mit sich, die es zu lösen gilt. Die geleitete Männergruppe hat sich zur

Die geleitete Männergruppe hat sich zur Aufgabe gemacht, diese Schäden zu beheben und den modernen Mann in eine neue, ve- rantwortungsvolle und teilnehmende Männerkultur zu führen.psychische Verletzun- gen im Kindesalter zurückzuführen. Durch Arbeit an sich selbst und die Rückbesinnung auf sich

Durch Arbeit an sich selbst und die Rückbesinnung auf sich selbst ist der Erfolg möglich. Die Suche nach der männlichen Spi- ritualität ist dabei die Hauptaufgabe.rantwortungsvolle und teilnehmende Männerkultur zu führen. Die Erziehung der nachfolgenden Generation zu einem reifen

Die Erziehung der nachfolgenden Generation zu einem reifen Erwachsenendasein ist eine der großen Visionen, die der Mann in seinem Leben verfolgen sollte.der männlichen Spi- ritualität ist dabei die Hauptaufgabe. Weitere ShortBooks finden Sie unter www.shortbooks.de .

„Wie auch immer, wir versuchen in allen un- seren Themen und Ausführungen zu den Quellen

„Wie auch immer, wir versuchen in allen un- seren Themen und Ausführungen zu den Quellen des Manns- eins zurückzukehren.”

„Alle Menschen, ob männlich oder weib- lich, müssen sich die- sen Lebensbrücken, diesen Übergängen stellen. Es sind Brü- cken, die von einem (Fest-)Land ins nächs- te führen. Dabei ist uns der Boden, von dem wir ausgehen und die Brücke betre- ten, bereits bekannt, vertraut und zur ge- wohnten heimatlichen Erde geworden. Die gegenüberliegende Seite hingegen ist uns noch fern und fremd. Ob wir wollen oder nicht, das Leben wird uns auf die eine oder andere Weise zu die- sen Brücken hin- leiten, und, wie auch immer es für uns aus- sehen und auf uns wirken mag, darüber führen.“

Rezension

Aus den Erfahrungen der Arbeit mit Männergruppen geben die beiden Autoren eine Anleitung, wie man wieder zu den Wurzeln des Mannseins zurückkehren kann. Durch die Anforderungen und gesellschaftlichen Um- stände unserer Tage wird der Mann von seinen ursprünglichen Aufgaben und Zielen ferngehalten, was sich negativ auf den Einzelnen, die Familie, seine soziale Umgebung und schließlich auf die Gesellschaft auswirkt. Um dieser Krise entgegenzuwirken, muss sich der Mann auf seinen eige- nen spirituellen Weg begeben, d.h. ein intensiveres Leben mit einer kla- ren Vision vor Augen. Dazu bedarf es meist der Hilfe Außenstehender, wie zum Beispiel eine geleiteten Männergruppe, die durch die Arbeit an der Seele des Mannes die oft anerzogenen Defizite wieder wett machen kann. Aus der Praxis dieser Arbeit ist dieses Buch entstanden, das den Suchenden auf seinem spirituellen Weg begleiten soll und wertvolle Tipps und Anregungen zur Entfaltung des wahren Mannes bietet, wie ihn die moderne Gesellschaft braucht. In diesem anwendungsorientierten Buch geben Campbell und Thomaset einen wertvollen Einblick in die Vielfalt der männlichen Seele.

ShortBook

Jeder Mann hat ein Recht darauf, ein mitfühlendes Wesen zu sein. Dazu bedarf es der Loslösung von gesellschaftlichen Ketten und der Arbeit an sich und seinen Wunden, die der Mann aus seinem bisherigen Leben mit sich trägt. Um dem zu begegnen, muss man(n) zuerst die grundsätzlichen Aspekte des männlichen Daseins kennen.

Die sieben Lebensbrücken Der Mann durchläuft in seinem Leben bestimmte Entwicklungsstadien, die in ihren Übergängen oft zu Problemen führen, da sie Veränderung bedeuten. Dieser Wandel macht sich durch bestimmte Anzeichen be- merkbar, die in allen Lebensabschnitten vergleichbar sind:

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Der Schockzustand, der durch die Feststellung ausgelöst wird, dass man nicht mehr der ist, der man vor dem Wandel noch war.

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Daraus kann sich eine Rückzugs- und Isolationsbewegung erge- ben, die aus der Ablehnung dieser Veränderung hervorgeht.

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Gefühle wie Wut, Angst und Trauer treten gehäuft auf.

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Es kann zu Depressionen und einem „Erstarren des Lebens“ kommen.

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Aber auch Antrieb, Entscheidungswillen und Zielstrebigkeit kön- nen sich aus der Annahme des Geschehenen entwickeln.

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Ebenso Freude, Erlösung, Befreiung und Ekstase sowie ein er- habenes Gefühl, einen neuen Lebensabschnitt erreicht zu haben und sich fortzuentwickeln.

Im Wesentlichen überquert der Mann sieben Lebensbrücken:

Die Geburt Der Mensch wird von der Mutter geboren, weshalb die Bindung zur Mutter immer eine besondere bleibt. Der Säugling repräsentiert die Reinheit und

„Sie werden sehen, dass in dem Moment, in dem das Baby auf dem mehr oder

„Sie werden sehen, dass in dem Moment, in dem das Baby auf dem mehr oder weni- ger behaarten Män- nerarm liegt, die Män- ner viel weicher und entspannter wirken. Als trügen sie etwas Zerbrechliches, etwas Kostbares in ihrer Verantwortung. Wir danken euch Frauen für euer Vertrauen.“

„So werden unsere jungen Männer älter und älter, uneigen- ständiger, verwöhnter und immer abhängi- ger von Ersatz- und Scheineltern. Und wenn das Maß über- schritten ist, wird das Unausweichliche - Mensch sein, mit Ge- burt und Tod umge- hen, Vater sein, Part- nerschaft leben, heira- ten, Beziehungen und Gemeinschaft pflegen, eben das Hier und Jetzt aushalten - nicht akzeptiert und zu um- gehen versucht.“

das Gute der Seele und ist dem Göttlichen sehr nahe, da er gerade aus dem großen Geheimnis, das im Jenseits liegt, gekommen ist, in das sich der Sterbende am Ende des Lebens wieder begibt. Jeder Mann sollte des Öfteren so ein Geschöpf auf dem Arm halten, damit er die Unschuld an seinem Herzen spüren kann.

Die Kindheit Die prägendste und bedeutendste Zeit des Menschen sind die ersten sieben Jahre im Leben. Vieles, was in dieser Frühphase der Entwicklung versäumt wird, kann nur sehr mühsam wieder nachgeholt werden. Die Beziehung zu den Eltern ist entscheidend für den weiteren psychisch- seelischen Prozess. Viele Probleme im Erwachsenenalter sind auf Defizi- te in dieser Zeit zurückzuführen, wie in den Männergruppen immer wieder deutlich wird. Mangelnde Zuneigung und Fürsorge, vor allem im zwi- schenmenschlichen Bereich, aber genauso zu sehr verwöhnende Be- handlung oder Vereinnahmung durch die Mutter kann zu Schäden führen, die für die Heranwachsenden verheerende Auswirkungen haben können. Die Tendenz zur Alleinerziehung leistet diesen Problemen durchaus Vor- schub. Mütter wie Väter sollten alles daran setzen, ihre Söhne, wie auch ihre Töchter, zu beziehungsfähigen, kommunikativen, mitfühlenden, ve- rantwortungsvollen und damit sozialen Mitmenschen zu erziehen.

Die Jugend Die Phase der Pubertät wird oft als die schlimmste Zeit empfunden, da man hier zum ersten Mal seine eigene Existenz in Frage stellt. Man gerät in einen innerlichen Konflikt, der sich auch auf die Umwelt projiziert. Un- gehorsam und Provokation gegenüber allen bisherigen Ordnungen sind die Folge. Diese Konflikte gehören jedoch zum Erwachsenwerden dazu und sind als ‚normale’ Auswirkungen dieser Entwicklungsphase anzuse- hen. Für einen kurzen Augenblick öffnet sich das Fenster zur eigenen Seele. In diesem Moment ist es wichtig, einen Mentor zu haben, der diese Öff- nung für eine richtungsweisende Lebensstütze nutzen kann. Diese Auf- gabe fällt den erwachsenen Männern zu, die als Vater, Freund, Vereins- trainer oder in einer sonstigen pädagogischen Funktion tätig sind und hierin eine soziale Pflicht zu erfüllen haben.

Das junge Erwachsenenleben Wann gilt man als Erwachsener? Bei den Naturvölkern gibt es eine Initia- tion (Initiation bedeutet im Zusammenhang dieses Buches ein ‚bewusstes Mannwerden’), die durch einen abgehaltenen Ritus verkörpert wird und die zumeist 14-18jährigen in den Kreis der Erwachsenen aufnimmt. Auch vorher wird ihnen schon eine gewisse Verantwortung übertragen, die sie reifer werden lässt. Als junger Erwachsener ist man in der heutigen In- dustriegesellschaft häufig jedoch nicht wirklich erwachsen. Man wird rela- tiv lange in Abhängigkeiten gehalten. Sei es durch die Eltern, Lehrer, Ausbilder, Professoren oder andere Umstände. Ein eigenes Gehalt heißt eben noch nicht, dass man erwachsen ist. Man muss leider feststellen, dass die meisten Männer unserer Gesellschaft das Stadium der Pubertät noch nicht verlassen haben.

Das reife Erwachsenenleben Sollte man den pubertierenden Zustand überwunden haben, so könnten nun die Früchte der Reife geerntet werden. Dazu ist es notwendig, sich nicht von den Wirren des Lebens beeinträchtigen zu lassen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Nämlich auf das ‚innere Kind’, das stellvertretend für die eigene Seele steht, die alles unvoreingenommen aufnimmt und das Gute repräsentiert. Wenn der Mann bereit ist, sich diesem Teil seines Ichs zu öffnen, kann er zur wahren Reife gelangen.

„Wir sprechen in di e- sem Buch sehr viel über Initiation, Hei- lung, Reife, Bewusst-

„Wir sprechen in die- sem Buch sehr viel über Initiation, Hei- lung, Reife, Bewusst- heit und Gesundheit. Der Punkt, an dem dies alles zusammen- trifft das ist der Tod. Der Tod ist die voll- endete Erfüllung des Lebens und die Erlö- sung zum Ewigen.“

„Der unreife Mann verfügt über ausge- prägte Verfolgungs- und Ächtungsphanta- sien, die seine tabui- sierten Aggressionen im Alltag kompensie- ren müssen. Sein Mit- tel zur Abwehr von Veränderung und Ei- genständigkeit ist die Manipulation. Er ma- nipuliert, was das Zeug hält, und die an- deren haben zu parie- ren.“

Das Alter Die Menschen werden immer älter. Gleichzeitig hört man in der heutigen Zeit immer mehr von Vereinsamung und Verwahrlosung im Alter. Das kann an den äußeren Umständen liegen, aber auch zu einem Großteil am Einzelnen selbst. Zu oft wird versäumt, sich frühzeitig um soziale Kontak- te zu kümmern und nicht so stark auf materiellen Wohlstand zu bauen. Auch während des Alterns bleibt es wichtig, an sich zu arbeiten, um die wesentlichen Dinge im Leben nicht zu vernachlässigen.

Sterben und Tod Am Ende eines Lebens schließt sich der Kreis. Man ist dem großen Ge- heimnis wieder so nahe wie kurz nach der Geburt. Der Sterbende kehrt in das Geheimnis zurück, aus dem er bei der Geburt gekommen ist. Der Tod ist Bestandteil unseres Lebens und sollte freudig erwartet werden. Er steht für Erlösung der Seele und für einen Neuanfang.

Die sieben männlichen Charaktere Die Gattung „Mann“ lässt sich in sieben typische Charaktere einteilen:

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Der alltägliche junge Mann Dieser Typus entspricht wohl am ehesten der Marke ‚jung, dyna- misch, erfolgreich’, wie er in der modernen Industriegesellschaft so gerne gesehen wird. Jedoch verbirgt sich hinter der Fassade des familien-freundlichen, sozialen und harmonischen Zeitgeists zumeist ein Hang zur Gewalt und Unerbittlichkeit gemäß dem Motto: ‚Ich bin Ich’.

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Der unreife, leidende Mann Diese Art von Mann verliert sich im Selbstmitleid und sieht sich allzu oft in der Opferrolle. Er verzweifelt am Schicksal des Le- bens, das er meint nicht bewältigen zu können. Vor allem Angst, Wut und Trauer stecken in ihm und eine Trennung ist für ihn das Schlimmste. Einerseits neigt er zu Schwärmereien, Sentimentali- täten und Naivität, zum anderen üben diese Männer oft Macht und Gewalt aus, mit der sie unkontrolliert umgehen. Das kann zu krank machenden Familien, Strukturen oder Gesellschaften füh- ren.

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Der beziehungsunfähige Mann Zumeist sind es die Frauen, die in Sachen Beziehung die Lehr- meisterinnen sind. Das liegt nicht zuletzt daran, dass quasi alle Männer in Sachen Liebe und Beziehung nur unzulänglich aufge- klärt sind. Eine weitere Problematik ist das seelische Band zur Mutter. Kann keine normale Ablösung von dieser Beziehung ge- lingen, beeinträchtigt das auch die Partnerschaft. Des Öfteren muss sich die Frau neben ihren Kindern auch noch mit dem gro- ßen Kind, dem Mann, herumschlagen. Um diese Mängel zu be- seitigen, bedarf es eines Beziehungs- und Kommunikationstrai- nings, damit der Mann das Ich und Du in der Beziehung auch immer als ein Wir betrachten kann.

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Der emotionale, leidenschaftliche Mann Typisch für diesen Mann ist, dass er schon mehrere missglückte Beziehungen hinter sich hat. Diejenigen, die aus diesem Schei- tern keine Lehre ziehen können, sind prädestiniert für die Midlife- Crisis. Derjenige, der die Lektionen verstanden hat, kann positive Kraft daraus schöpfen und diese im Beruf und Privatleben in Kre- ativität und gesunde Leidenschaft kanalisieren. Er versteht es, nicht nur die Sonnen-, sondern auch die Schattenseiten des Le- bens als Teil des Ganzen zu genießen.

„Manche Männer tun sich schwer mit der Vorstellung, dass die Spiritualität einen trag- fähigen Boden

„Manche Männer tun sich schwer mit der Vorstellung, dass die Spiritualität einen trag- fähigen Boden braucht bzw. dass das Fundament der Spiri- tualität das reale All- tägliche ist, das Hier und Jetzt, die Verbun- denheit, das Mitge- fühl, das Verzeihen, die Demut, die hinge- bungsvolle Aufgabe des Ich und das da- raus resultierende Dienen. Daraus er- wächst bewusste Spi- ritualität. Wer aber war es, der schon ein- mal versucht hat, uns dies alles zu geben? Wer hat uns dies am ehesten schon vorge- lebt, liebe Männer? Die Frauen waren es. Ja, die Frauen.“

„Ein Ritual ist wie ein Gefäß. Ein klar ge- setzter Anfang und ein prägnant gesetztes Ende sind die Voraus- setzung für Heilung und Klärung und die- nen zum Erfassen be- stimmter Lebenssitua- tionen und ihrer geis- tigen und seelischen Ereignisse. […] Da- durch bekommen Ge- genstände, Orte, un- ser Umfeld, alltägliche Abläufe und Situatio- nen tiefere Zusam- menhänge und eine fühlbare Seele.“

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Der initiierte Mann Auch die schönste Kindheit hinterlässt ihre Wunden. Selbst die besten Eltern fügen dem Nachwuchs Verletzungen zu, wenn auch unbewusst. An diesen Wunden hat der initiierte Mann gear- beitet und sie als bejahende Triebkraft genutzt. Die Auseinander- setzung mit diesen Kindheitserfahrungen hat etwas mit Dingen wie Abschied, Trennung und Vergebung zu tun. Aus diesen nega- tiven Wunden kann viel Positives gewonnen werden. Allerdings braucht man dazu Helfer. Solchen Beistand findet der Mann zum Beispiel in den Männergruppen.

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Der spirituelle Mann Alle Männer sind auf ihre Weise spirituell. Nur wissen die meisten das nicht. Sie haben ein grundlegendes Gutsein in sich, das, wenn es zum Vorschein kommt, für Frieden und aufopferungsvol- le Hingabe an das Leben sorgt. Männer tun sich schwer, ihren spirituellen Weg zu finden. Dies erfordert zum Teil harte Arbeit an sich selbst. Gelegenheit dazu gibt es in authentischen Männer- gruppen, nicht aber in sektenähnlichen Vereinigungen.

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Der weise alte Mentor Diese Männer sind selten. Sie haben sich aus dem weltlichen Le- ben schon vergleichsweise weit zurückgezogen, sind jedoch wei- terhin weltoffen und nie um einen Rat verlegen. Sie sind hervor- ragende Zuhörer und speisen durch ihre Lebenserfahrung die Wissbegierigen. Sie besitzen einen weisen Einblick in das Ge- genwärtige und haben eine Ahnung von dem großen Geheimnis im Jenseits. Sie wissen, dass nicht die Technik, sondern die See- le uns retten wird.

Seelenwerkstatt Mann Die Initiation in einer Männergruppe Im Folgenden soll die Arbeitsweise und Funktion der Männergruppe, die zu einem reiferen Erwachsenenleben beisteuern kann, kurz angeschnit- ten werden, damit ein Einblick in die Seminararbeit der beiden Autoren gewonnen wird. In sieben Schritten innerhalb eines halben Jahres wird die Initiation voll- zogen. Dazu treffen sich die Männer an einem Wochenende im Monat, wobei sie bestimmte Rituale und Übungen abhalten.

Wer bin ich? Das erste Wochenende ist dazu da, Vertrauen zwischen den Teilnehmern aufzubauen. Man(n) wird in die Rituale und Lektionen eingeführt, von denen manche bei jedem Treffen stattfinden. Die Form der Rituale soll dazu beitragen, sich vom Alltag zu befreien, die anderen Männer kennen zu lernen und sich selbst näher zu kommen. Dazu ist der häufige Aufent- halt in der Natur ein elementarer Bestandteil. Genauso wie die obligatori- sche Schwitzhütte, die von den Teilnehmern selbst errichtet wird. Die heißen Dämpfe der saunaähnlichen Einrichtung entschlacken nicht nur den Körper, sondern auch die Sinne. Als Begrüßungs- und Abschiedsri- tual werden die Trommeln geschlagen und für die Gesprächsrunden wird ein selbstgeschnitzter Redestock verwendet. Diese festen Regeln sollen unter anderem die Ordnung innerhalb der Gruppe aufrechterhalten und das Arbeiten erleichtern. Jeder Teilnehmer stellt sich den anderen vor und erzählt seine Geschichte.

Das „innere Kind“ Am zweiten Wochenende versuchen die Teilnehmer ihrer Seele auf den Grund zu gehen. Dazu begibt sich die Männergruppe auf einen Marsch in die Natur, wo die Männer an einer bestimmten Stelle auf ihr „inneres Kind“ treffen. An diesem Ort verbrennt jeder symbolisch einen Zettel, worauf die Begriffe stehen, die ihn von der Suche nach dem „inneren

„Männer, diese Arbeit ist die Pflichtübung und die Vorausset- zung für ein reifes und verantwortungsvolles

„Männer, diese Arbeit ist die Pflichtübung und die Vorausset- zung für ein reifes und verantwortungsvolles Mannsein. Sie ist schwierig und auf kei- nen Fall an nur einem Wochenende zu erle- digen. Vielleicht dau- ert es Jahre, vielleicht ein Leben lang, aber dieser Lösungspro- zess muss vollzogen werden, wenn du dich finden und zu dir kommen möchtest.“

„Wir sind von Gott ge- kommen, haben in Gott gelebt und daher schulden wir ihm un- seren Tod.“

„Ein Mann ohne Visi- on ist ein Baum, des- sen Wurzeln bald ver- trocknet sind.“

Kind“ abhielten. Damit begeben sich die Männer auf eine Pilgerreise zu den kindlichen Teilen ihres Mannseins und sollen lernen, das verspielte Kind in sich wirken zu lassen. Denn das Kind verkörpert das Reine und Gute der Seele sowie die Kreativität und Spontaneität des menschlichen Wesens.

Der würdevolle Abschied von dem Vater und der Mutter In der nicht stattgefundenen Abnabelung von den Eltern liegt eine Viel- zahl der Probleme, die Männer heutzutage haben. Um diesen Abschied zu schaffen, kommt die Gruppe zum dritten Mal zusammen. Die Männer nehmen diesmal einen Gegenstand mit, der symbolisch die kindliche Verbindung mit den Eltern darstellen soll. Zudem binden sie sich die Füße so zusammen, dass sie nur noch mit kleinen Schrittchen vor- wärts kommen. In einer rituellen Handlung wird zum einen das symbol- trächtige Ding vergraben und die Fessel mit einem Messer durchtrennt. Dies soll die Loslösung von den Eltern besiegeln. Zusätzlich wird ein ima- ginärer Brief an das Elternhaus verfasst, indem das gesagt wird, was bis jetzt unausgesprochen geblieben ist. Genauso werden mitgebrachte Fo- tos von der Mutter und dem Vater in ein fiktives Gespräch integriert, in- dem all das zur Sprache kommen soll, was den Mann bewegt. Dies alles soll bewirken, dass der Mann losgelöst von dem kindlichen Band zu sei- nen Eltern sein eigenes Leben führen kann.

Die „innere Frau“ Jeder Mann hat auch eine weibliche Seite in sich, die er akzeptieren muss, damit er seiner Rolle als Mann, vor allem den Frauen gegenüber, gerecht werden kann. In der vierten Sitzung begeben sich die Männer auf die Suche nach dieser „inneren Frau“. Dazu gehen die Suchenden ein weiteres Mal in die Natur, um der Mutter Erde näher zu sein. Der Natur wird mit Würde und Respekt gegenüberge- treten und geschaut, was sie in den Männern widerspiegelt: die weibliche Seite des Mannes. Zur Heilung treten sie an einen Fluss heran und lau- schen den Tiefen des Gewässers so gut sie können. Das Zuhören wird später auch in der Gruppe nochmals geübt, denn Zu- hören können ist eine wichtige Voraussetzung für kommunikatives Ver- halten in der Partnerschaft. Eine weitere Aufgabe besteht darin, sich über einen längeren Zeitraum bewusst in die Augen zu blicken. Die Augen fungieren als Spiegelung der Seele. Diese Übung funktioniert auch gut mit der Partnerin zu Hause.

Sexualität und Leidenschaft Mit der sogenannten Kegelübung wird die Prostata gesund erhalten und das Zurückhalten des Samenergusses trainiert. Dazu wird der Muskel, der sich zwischen Hodensack und Anus befindet, mehrmals und in wie- derholenden Einheiten kontrahiert. Diese Übung kann eigentlich überall und unauffällig praktiziert werden. Sie steigert den Lustgewinn in der Partnerschaft und sorgt auch für mehr Beweglichkeit des Penis. An diesem fünften Wochenende werden auch die gesunden Grenzen des Einzelnen mit verschiedenen Übungen getestet, um festzustellen, wie weit man andere an sich heranlässt. Dabei soll erreicht werden, dass keine Abschottung, aber auch keine gläserne Fassade zum Vorschein kommt.

Das leidenschaftliche Leben und der gute Tod Man soll dem Tod, der nicht aufzuhalten ist, gelassen und mit Humor gegenübertreten. Die Sorge um ihn ist Zeit- und Kraftverschwendung. Einfache Übungen dazu sind bestimmte Erdrituale und Gedankenspiele, die auf den Tod vorbereiten sollen. Beim Erdritual wird der Behandelte nackt auf eine Decke gelegt und mit Wurzeln und Ästen zugedeckt, bis nur noch der Kopf und die Füße herausragen. Am Fußende wird eine Kerze entzündet und am Kopfende wacht ein Begleiter über den Bedeck-

„Wenn es den Mä n- nern nicht gelingt, aus den Söhnen und Töchtern reife, gesun-

„Wenn es den Män- nern nicht gelingt, aus den Söhnen und Töchtern reife, gesun- de und junge Men- schen mit hoher so- zialer Verantwortung zu machen, dann werden wir zusehen müssen, wie aus un- seren Kindern kon- sum- und spaßori- entierte Wesen wer- den, die nicht mehr in der Lage sind, Eigen- verantwortung zu übernehmen. Diese Menschen wissen nicht mehr, wer sie sind und was ihre Auf- gabe im Leben ist. Sie werden ein hohes Ri- sikopotenzial bilden.“

ist. Sie werden ein hohes Ri- sikopotenzial bilde n.“ ten. Dazu werden die Trommeln geschlagen, ansonsten

ten. Dazu werden die Trommeln geschlagen, ansonsten herrscht Stille. Dieser Ritus soll mit der Erde verbinden. Ergänzend werden noch ver- schiedene Übungen abgehalten, die sich mit dem Thema Tod auseinan- dersetzen. Was wäre, wenn man nur noch einen Tag leben würde? Wie stellt man sich seinen Nachruf vor? Welche Ziele will man verwirklicht haben, bis der Tod naht? usw. Der Tod wird zunehmend aus unserer Gesellschaft verbannt, wird nicht mehr zum Thema gemacht. Dabei ist er ein integraler Bestandteil des menschlichen Daseins. Das muss dem Mann von heute klar sein, damit er ein leidenschaftliches Leben führen und ohne Furcht den unausweich- lichen Tod annehmen kann.

Mentor Vater Am letzten Wochenende heißt es, Abschied von der Männergruppe zu nehmen. Doch vorher wird der letzte Schritt zum richtigen Mannsein in Angriff genommen. Das Wichtigste und Einzige, was uns vor dem vorzei- tigen Ende rettet, ist eine Vision. Ohne einen solchen Traum gibt es kei- nen Antrieb, keine Lebenslust. Dieser Vision, dem Sinn des Lebens, auf die Spur zu kommen, ist die letzte Aufgabe, die in diesem Seminar ange- packt wird. Eines dieser Ziele ist es, sich und seine Erfahrungen für andere bereitzu- stellen. Das heißt anderen bzw. auch der Gesellschaft zu dienen und den Menschen Mitgefühl entgegenzubringen. Es bedeutet auch und dies im besonderen Maße, den eigenen Kindern ein guter Vater zu sein. Es muss den Männern gelingen, ihre Kinder zu eigen- und sozialverantwortlichen Individuen zu erziehen und sie zu einem reifen Erwachsenenleben zu führen. Letztlich ist der Weg zu einer neuen und gewissenhaften Männer- kultur nur über die Initiation unserer Kinder zu erreichen.

Im letzten Abschnitt dieses Buches erläutern die Autoren in lexikalischer Auflistung diejenigen Begriffe, die sich in ihrer langjährigen Tätigkeit als Leiter von Männergruppen als wichtig herausgestellt haben.

Zu den Autoren

Greg Campbell lebt als Zen-Mönch und Leiter von Männerseminaren und Jugendgruppen in den USA. Seine Schulungen bewegen sich im Bereich von Heilung, Reifung und Wachstum. Peter A. Thomaset lernte Campbell als Mentor und guten Freund kennen, bevor er selbst als Lebensberater tätig wurde. Seine Schwerpunkte liegen in Initiationsprogrammen von Männern und Mentoringschulungen für Lehrkräfte. Er lebt und arbeitet größtenteils in Tirol. Aus der gemeinsa- men Erfahrung in diesen Bereichen ist dieses Buch entstanden.