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®

MAGMASOFT
Version 4.4

MAGMAthixo Modul
Simulation des Thixogießverfahrens

Handbuch
2 MAGMATHIXO 4.4 HANDBUCH

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INHALTSVERZEICHNIS 3

Inhaltsverzeichnis

1 Theoretische Grundlagen .............................................................................................. 5


1.1 Einleitung ............................................................................................................ 5
1.2 Grundlegende Gleichungen der Strömungslehre ........................................... 6
1.3 Konzept der scheinbaren Viskosität für nicht-Newtonsche Flüssigkeit ....... 9
1.4 Modelle der scheinbaren Viskosität ............................................................... 14
2 Aktivieren und Anwenden rheologischer Modelle .................................................... 17
2.1 Parameter mit Bezug zu allen Modellen......................................................... 20
2.2 Wahl des Viskositätsmodells .......................................................................... 22
2.3 Newtonsches Flüssigkeitsmodell................................................................... 22
2.4 Ostwald-de-Waele-Modell................................................................................ 23
2.5 Carreau-Yasuda-Modell ................................................................................... 24
2.6 Zusätzliche Ergebnisse in MAGMAthixo........................................................ 25
2.7 Automatische Berechnung der rheologischen Modell-Koeffizienten ......... 26
3 Index .............................................................................................................................. 29
4 MAGMATHIXO 4.4 HANDBUCH
KAP. 1: THEORETISCHE GRUNDLAGEN 5

1 Theoretische Grundlagen

1.1 Einleitung

Prozesse des Thixoformens werden charakterisiert durch niedrigere Arbeitstemperaturen als bei
konventionellen Gießprozessen. Die zwei wichtigsten Verfahren zur Thixoformung sind heute die
Thixogieß- oder Rheogießtechnik und das Metallspritzgießen (Thixomolding®) mit Magnesium.
Die Vorteile des Thixoformens sind der laminare Strom des viskosen Thixometalls, die reduzierte
Erstarrungsschrumpfung, der niedrigere Energieverbrauch und die Formfüllung unter Druck. Die-
se Vorteile hängen sehr vom Festanteil während der Formfüllung sowie von den Prozeßparame-
tern ab (Geschwindigkeiten, Druck etc.).

Die Vorbedingungen für ein Material, das für das Thixoformen verwendet werden soll, sind seine
Pseudoplastizität und die Thixotropie:

• Bei vorliegender Pseudoplastizität – auch Strukturviskosität genannt – nimmt die Viskosität


mit weiter zunehmender Schergeschwindigkeit ab. Dabei gibt es, im Gegensatz zum plasti-
schen Fließverhalten, keine Fließgrenze.

• Thixotropie bedeutet, daß die Spannungen im flüssigen Metall zu einer beliebigen Zeit nicht
ausschließlich von seinem aktuellen Stadium der Verformung (Bewegung) abhängen, son-
dern auch vom Verlauf seiner Verformung. Das heißt, daß nach einer plötzlichen Verände-
rung der Schergeschwindigkeit die Viskosität des wiedererwärmten Bolzens ("slurry") Zeit
benötigt, um sich an den neuen Wert für das stabile Arbeitsintervall anzupassen. Die Zeit, die
für diese Anpassung benötigt wird, wird Relaxationszeit genannt (auch als Erinnerungseffekt
bekannt).

Nicht-Newtonsche Flüssigkeiten verhalten sich oft sowohl wie Festkörper (d. h. elastisch) als auch
viskos. Solche Flüssigkeiten nennt man viskoelastisch. Viskoelastizität verursacht viele Strö-
mungsphänomene, die nicht auf der Basis rein viskosen Verhaltens erklärt werden können. Dazu
gehören die Generierung von ungleichen Normalspannungskomponenten in reinen Scherströ-
mungen und hoher Widerstand gegen Dehnungsverformung. Das rheologische Verhalten des
nicht-Newtonschen Materials regelt die Art und Weise, in der das Material – als Reaktion auf ein-
wirkende Kräfte – sich verformt und fließt.

Viskosität ist normalerweise die wichtigste Eigenschaft, weswegen der folgende Text in erster Li-
nie Viskositätsmodelle behandelt.
6 MAGMATHIXO 4.4 HANDBUCH

1.2 Grundlegende Gleichungen der Strömungslehre

Strömungsphänomene von Flüssigkeiten werden durch Differentialgleichungen geregelt, die Er-


haltungsgesetze für Masse, Impuls und Energie beschreiben. Die Regelungsgleichungen, die die
unstationäre Strömung einer inkompressiblen Flüssigkeit beschreiben, werden entsprechend
Kontinuitäts-, Impuls- und Energiegleichung genannt. Dieser Satz Gleichungen wird ergänzt
durch die Regelungsgleichung für die Entwicklung der freien Oberfläche. In MAGMASOFT® wird
eine modifizierte Variante der VOF-Technik (Volume-Of-Fluid / Volumen der Flüssigkeit) verwen-
det, um die freie Oberfläche zu erfassen.

Die folgenden Bezeichnungen werden verwendet:


Richtungen im Raum x, y, z
Geschwindigkeitsvektor v (mit den Komponenten vx, vy und vz)
Temperatur T
Statischer Druck p
VOF-Funktion f
Festanteil fs
Dichte ρ
Latente Wärme L
Tensor der viskosen Spannung τ

Unter Verwendung dieser Schreibweisen kann man die beherrschenden Differentialgleichungen


für eine inkompressible Flüssigkeit in nicht-konservativer Form wie folgt schreiben:

Kontinuitätsgleichung:

∂v x ∂v y ∂v z
---------- + ---------- + ---------- = 0 Gleichung 1-1
∂x ∂y ∂z

Impulsgleichungen:

∂v x ∂v x ∂v x ∂v x ∂p ∂τ xx ∂τ yx ∂τ zx⎞
ρR ⎛⎝ ---------
- + v x ---------- + v y ---------- + v z ----------⎞⎠ = – ------ ⎛⎝ ---------- + ---------- + ----------⎠ + ρg x
∂t ∂x ∂y ∂z ∂x ∂x ∂y ∂z
∂v y ∂v y ∂v y ∂v y ∂p ∂τ xy ∂τ yy ∂τ zy⎞
ρR ⎛⎝ ---------
- + v x ---------- + v y ---------- + v z ----------⎞⎠ = – ------ ⎛ ---------- + ---------- + ----------⎠ + ρg y Gleichung 1-2
∂t ∂x ∂y ∂z ∂y ⎝ ∂x ∂y ∂z
∂v z ∂v z ∂v z ∂v z ∂p ∂τ xz ∂τ yz ∂τ zz⎞
ρR ⎛ ---------
- + v x ---------- + v y ---------- + v z ----------⎞ = – ------ ⎛ ---------
- + ---------- + ---------- + ρg z
⎝ ∂t ∂x ∂y ∂z ⎠ ∂z ⎝ ∂x ∂y ∂z ⎠
KAP. 1: THEORETISCHE GRUNDLAGEN 7

wobei die Referenzdichte (ρR) und die tatsächliche Dichte (ρ) gemäß der Boussinesq-Annähe-
rung unterschieden werden.

Wärmeenergiegleichung:

∂T + v ------∂T ∂T ∂T ⎛ ∂q x ∂q y ∂q z⎞ ∂f
ρc ⎛ ------ ------ ------⎞
x ∂x + v y ∂y + v z ∂z ⎠ = – ⎝ -------- + -------- + --------⎠ + L ∂t –
---------s Gleichung 1-3
⎝ ∂t ∂x ∂y ∂z
∂v z
⎛ τ ------- ∂v z ∂v z⎞
- + τ yy -------- + τ zz -------- –
⎝ xx ∂x ∂y ∂z ⎠
∂v ∂v ∂v ∂v ∂v ∂v
τ xy ⎛ --------x + --------x⎞ + τ xz ⎛ --------x + -------z-⎞ + τ yz ⎛ --------y + -------z-⎞
⎝ ∂y ∂y ⎠ ⎝ ∂z ∂x ⎠ ⎝ ∂z ∂y ⎠

wobei die Komponenten des Vektors für die leitende Wärmeströmung erzeugt werden durch:

∂q ∂T
--------x = – k ------
∂x ∂x
∂q y ∂T
-------- = – k ------ Gleichung 1-4
∂y ∂y
∂q z ∂T
-------- = – k ------
∂z ∂z

VOF-Gleichung:

∂f ∂f ∂f ∂f
----- + v x ------ + v y ------ + v z ----- = 0 Gleichung 1-5
∂t ∂x ∂y ∂z

Obwohl die oben genannten Gleichungen alle in einer nicht-konservativen Form geschrieben
sind, werden innerhalb des Füllprogramms von MAGMASOFT® sowohl konservative als auch
nicht-konservative Formen verwendet.

Unbekannte (Haupt-Feldvariablen) in Gleichung 1-1, Gleichung 1-2, Gleichung 1-3 und Gleichung
1-5 sind: Geschwindigkeitsvektor v (mit seinen Komponenten vx, vy und vz), statischer Druck (p),
Temperatur (T) und Anteilsvolumen (f). Die einzige Größe, die in den Impulsgleichungen unbe-
kannt erscheint und mit Hilfe der Haupt-Feldvariablen ausgedrückt werden sollte, ist der Span-
nungstensor τ. Den Scherspannungstensor für inkompressible Flüssigkeiten erhalten Sie durch
die folgende Gleichung:

T
τ = – µ [ ∇V + ( ∇V ) ] Gleichung 1-6
8 MAGMATHIXO 4.4 HANDBUCH

Gleichung 1-6 zeigt, daß der Spannungstensor τ eine Funktion des Tensors der Schergeschwin-
digkeit ∇V und seiner Transponierten ist. Der Tensor der Schergeschwindigkeit hat die folgende
Form:

∂v x ∂v y ∂v z
---------- ---------
- ---------
-
∂x ∂x ∂x
∂v x ∂v y ∂v z
∇V = ---------- ---------
- ---------
- Gleichung 1-7
∂y ∂y ∂y
∂v x ∂v y ∂v z
---------- ---------
- ---------
-
∂z ∂z ∂z

Die Transponierte des Schergeschwindigkeitstensors folgt aus Gleichung 1-7, wenn Sie die Zei-
len und Spalten vertauschen.

Da Gleichung 1-6 homogen sein muß, muß auch der Scherspannungstensor ein Tensor zweiter
Ordnung sein, d.h.:

τ xx τ xy τ xz
τ = τ yx τ yy τ yz Gleichung 1-8
τ zx τ zy τ zz

Die Komponenten des Scherspannungstensors können Sie bei Strömungsproblemstellungen als


Kraft pro Flächeneinheit interpretieren. Komponenten der Normalkraft befinden sich auf der
Hauptdiagonalen der Gleichung 1-8, Komponenten der Scherkraft abseits der Hauptdiagonalen.
Alternativ können Sie die Komponenten des Scherspannungstensors als jeweilige Impulsströme
interpretieren.

Gleichung 1-6 können Sie auch wie folgt schreiben:

τ = –µ ∆ Gleichung 1-9

T
wobei ∆ der Grad des Dehnungstensors ist, der wiederum gleich der Summe von ∇V und ( ∇V )
ist.
KAP. 1: THEORETISCHE GRUNDLAGEN 9

1.3 Konzept der scheinbaren Viskosität für nicht-Newtonsche Flüssigkeit

Die dynamische Viskosität (µ) einer Newtonschen Flüssigkeit hängt vom lokalen Druck und von
der Temperatur ab, jedoch nicht von τ oder ∆. Für nicht-Newtonsche Flüssigkeiten ist die Relation
der Proportionalität zwischen τ und ∆ komplexer als die in Gleichung 1-9 aufgeführte. Das Kon-
zept der scheinbaren (nicht-Newtonschen) Viskosität wird normalerweise auf nicht-Newtonsche
Flüssigkeiten angewandt. Unter dieser Voraussetzung liest sich eine nicht-Newtonsche, zu Glei-
chung 1-9 äquivalente Gleichung wie folgt:

τ = – η∆ Gleichung 1-10

wobei die scheinbare Viskosität η (Skalargröße) eine Funktion des Druckes, der Temperatur und
∆ (oder τ) ist.

Damit η eine Skalarfunktion des ∆-Tensors sein kann, darf sie nur von den Invarianten von ∆ ab-
hängen. Die Invarianten sind spezielle Kombinationen der Komponenten von ∆, die sich bei der
Rotation des Koordinatensystems als Skalare umformen.

Traditionell wird angenommen, daß η als Funktion des Tensorproduktes von ∆ betrachtet werden
kann, d.h.:

η = η ( ∆:∆ ) Gleichung 1-11

wobei das Tensorprodukt angegeben wird durch:

( ∆:∆ ) = ∑ ∑ ∆ij ∆ji Gleichung 1-12


i j
10 MAGMATHIXO 4.4 HANDBUCH

Für Newtonsche Flüssigkeiten im kartesischen Koordinatensystem kann das Tensorprodukt (∆:∆)


folgendermaßen berechnet werden:

1--- ∂v 2 ∂v 2 ∂v 2
( ∆:∆ ) = 2 ⎛ --------x⎞ + ⎛ --------y⎞ + ⎛ -------z-⎞ + Gleichung 1-13
2 ⎝ ∂x ⎠ ⎝ ∂y ⎠ ⎝ ∂z ⎠
∂v x ∂v y⎞ 2 ⎛ ∂v x ∂v z⎞ 2 ⎛ ∂v y ∂v z⎞ 2
⎛ -------- + -------- + -------- + -------- + -------- + --------
⎝ ∂y ∂x ⎠ ⎝ ∂z ∂x ⎠ ⎝ ∂z ∂y ⎠

Im folgenden wird eine Skalargröße, die sogenannte Schergeschwindigkeit, verwendet, die von
der Invariante (∆:∆) hergeleitet wird. Die Schergeschwindigkeit wird mit γ· bezeichnet und durch
die folgende Gleichung definiert:

· 1---
γ = ( ∆:∆ ) Gleichung 1-14
2

Gleichung 1-14 definiert die Schergeschwindigkeit als Größenordnung des Tensors für die Deh-
nungsgeschwindigkeit.

Unter Verwendung der Schergeschwindigkeit lautet die endgültige Form von Gleichung 1-10 wie
folgt:

·
τ = η( γ) ∆ Gleichung 1-15

was explizit die Abhängigkeit der Viskosität η von der Schergeschwindigkeit γ· zeigt.

Die Klassifikation der nicht-Newtonschen Materialien können Sie mit Hilfe des grundlegenden
Scherdiagramms (d. h. die Abhängigkeit zwischen τ und γ· ) durchführen.

Wenn τ als Scherspannung benutzt wird (nicht als Impulsströmung), wird normalerweise der erste
Quadrant verwendet, um τ im Verhältnis zu γ· grafisch darzustellen; hierbei werden unterschied-
liche Vorzeichen bei τ und γ· nicht berücksichtigt.

Die Darstellungen grundlegender Scherdiagramme wird durch Experimente ermöglicht.

Beispiele grundlegender Scherdiagramme zeigt Bild 1-1.


KAP. 1: THEORETISCHE GRUNDLAGEN 11

Bild 1-1: Beispiele für grundlegende Scherdiagramme

Pseudoplastische Flüssigkeiten zeigen einen Abfall der Viskosität bei steigender Schergeschwin-
digkeit. Dilatante Flüssigkeiten zeigen einen Anstieg der Viskosität bei steigender Scherge-
schwindigkeit. Bild 1-1 zeigt Scherdiagramme für Flüssigkeiten mit einer Streckgrenze gleich Null.
Das grundlegende Scherdiagramm für die pseudoplastische Flüssigkeit in Bild 1-1 ist nicht voll-
ständig. Die komplette pseudoplastische Kurve des grundlegenden Scherdiagramms unter lami-
naren Strömungsbedingungen finden Sie in Bild 1-2.
12 MAGMATHIXO 4.4 HANDBUCH

Bild 1-2: Komplettes Scherdiagramm für eine pseudoplastische Flüssigkeit

Bild 1-2 zeigt, daß das pseudoplastische Material drei unterschiedliche Bereiche aufweist:

1. Unterer Newtonsche Bereich

2. Bereich der variablen Viskosität

3. Oberer Newtonsche Bereich

Die Viskosität im unteren Newtonschen Bereich ist η0 (oder ηlow), die Viskosität im oberen New-
tonschen Bereich ist η ∞ (oder ηhigh). Auch zwei Übergangsbereiche zwischen (1) und (2) und zwi-
schen (2) und (3) können unterschieden werden.
KAP. 1: THEORETISCHE GRUNDLAGEN 13

Eine Darstellung der scheinbaren Viskosität im Verhältnis zur Schergeschwindigkeit für eine typi-
sche pseudoplastische Flüssigkeit finden Sie in Bild 1-3.

In Bild 1-3 werden der untere Newtonsche Bereich, der 'power-law'-Bereich und der obere New-
tonsche Bereich mit (1), (2) und (3) bezeichnet. Die Übergangsbereiche sind durch die Lücken
zwischen (1) und (2) und zwischen (2) und (3) markiert.

Die beobachte Abhängigkeit der Schergeschwindigkeit von der Viskosität kann (besonders im Fall
von Polymeren) über Veränderungen des Molekülgerüstes des Materials erklärt werden.

Bild 1-3: Darstellung der scheinbaren Viskosität für eine pseudoplastische Flüssigkeit

Bei niedrigen Schergeschwindigkeiten überwinden Zufallseffekte jede Tendenz zur Axialität der
Molekülketten mit dem Strömungsfeld. Deshalb weisen die Moleküle den größten Widerstand ge-
genüber der Strömung auf (daher die höchste Viskosität). Bei steigenden Schergeschwindigkei-
ten richten sich die Moleküle immer stärker nach dem Strömungsfeld aus. In dieser Situation
14 MAGMATHIXO 4.4 HANDBUCH

können die Moleküle leichter übereinandergleiten, und folglich wird die Viskosität reduziert. Bei
extrem hohen Schergeschwindigkeiten erreicht der Grad der Molekülausrichtung sein höchstes
Niveau, so daß kein weiterer Abfall der Viskosität möglich ist.

Neben den Faktoren der Schergeschwindigkeit beeinflussen auch andere Faktoren die Viskosität
des nicht-Newtonschen Materials. Zum Beispiel sind die Molekülmasse und die Molekülmasse-
verteilung wichtige Steuerungsfaktoren. Besonders die Verteilung der Molekülmasse beeinflußt
den Wert der Schergeschwindigkeit, bei dem der Übergang vom Newtonschen Verhalten zum
strukturviskosen oder pseudoplastischen Verhalten beginnt. Der Übergang tritt auf bei niedrige-
ren Schergeschwindigkeiten mit breiterer Molekülmasseverteilung.

Wie bereits erwähnt, beeinflussen die Temperatur- und Druckbedingungen in großem Maße die
Viskosität.

In der aktuellen Implementierung von nicht-Newtonschen Flüssigkeitsmodellen ist die Viskosität


der Flüssigkeit unabhängig vom Druck. Die Temperatur- und Schergeschwindigkeitsabhängigkeit
der Viskosität wird voll unterstützt.

1.4 Modelle der scheinbaren Viskosität

In der Literatur finden sich verschiedene Modelle zur Annäherung der funktionalen Beziehung
zwischen der Schergeschwindigkeit und der Viskosität. Bitte beachten Sie immer, daß all diese
Modelle empirische Aussagen sind, die so gestaltet sind, daß sie das wirkliche Verhalten von
nicht-Newtonschen Materialien annähernd beschreiben.

Drei Punkte sollten Sie bei der Arbeit mit den Modellen der scheinbaren Viskosität stets im Hin-
terkopf behalten:

• Die Modelle beschränken sich auf die Materialien, an denen sie getestet wurden.

• Die Gültigkeit von Hochrechnungen dieser Aussagen außerhalb des Intervalls, für das sie ge-
messen wurden (von γ· oder Temperatur), sollte gründlich überprüft werden.

• Die Modelle beschränken sich oft auf einen bestimmten Temperaturbereich (oder den Bereich
des Festanteils).

In Bild 1-3 sehen Sie, daß die Krümmung und die Ablenkungspunkte der η( γ· )-Kurve ihre mathe-
matische Beschreibung erschweren. Im zentralen Bereich der Kurve, in Bild 1-3 mit (2) bezeich-
net, kann jedoch eine einfache 'power-law'-Formel angewendet werden. Solch eine 'power-law'-
KAP. 1: THEORETISCHE GRUNDLAGEN 15

Formel macht die Basis des Ostwald-de-Waele-Modells aus. Das Ostwald-de-Waele-Modell der
scheinbaren Viskosität wird durch die folgende Gleichung ausgedrückt:

· n-1
η = ρm γ Gleichung 1-16

wobei die spezielle Form von Gleichung 1-16 dadurch zustandekommt, daß die Gleichung der
Scherspannung im Verhältnis zur Schergeschwindigkeit in der folgenden Form geschrieben wur-
de:

·n
τ = –ρ m γ Gleichung 1-17

wobei m eine temperaturabhängige Funktion mit Größen der kinematischen Viskosität (m2/s) ist.

Wenn Sie Gleichung 1-16 und Gleichung 1-17 kombinieren, können Sie die folgende Gleichung
aufstellen:

· n-1 · ·
τ = – ρ ( m γ ) γ = – ρν γ Gleichung 1-18

wobei die Größe in Klammern die scheinbare kinematische Viskosität ist (in diesem Fall gegeben
durch die 'power-law'-Formel). Die scheinbare kinematische Viskosität einer nicht-Newtonschen
Flüssigkeit wird in Gleichung 1-18 mit ν bezeichnet.

Die scheinbare kinematische Viskosität (ν, mit den Einheiten m2/s) steht in der folgenden Relation
zur scheinbaren dynamischen Viskosität (η, mit den Einheiten Pa*s):

ν = η
--- Gleichung 1-19
ρ

wobei ρ die Dichte der Flüssigkeit bezeichnet.

Beachten Sie, daß die Gültigkeit des Ostwald-de-Waele-Modells begrenzt ist auf das Intervall der
Schergeschwindigkeiten von γ· L bis γ· H (Î Bild 1-3, Seite 13). Seine begrenzte Anwendbarkeit ist
der schwerwiegendste Nachteil des Ostwald-de-Waele-Modells.
16 MAGMATHIXO 4.4 HANDBUCH

Eine vollständigere Beschreibung der η( γ· )-Kurve in Bild 1-3 erhält man durch die Verwendung
des Carreau-Yasuda-Modells. Das Carreau-Yasuda-Modell wird mit Hilfe der folgenden Glei-
chung berechnet:

n-1
--------
η – η∞ a
- = 1 + ( λ γ· ) a
------------------ Gleichung 1-20
η0 – η∞

woraus Sie die scheinbare Viskosität η wie folgt ableiten können:

⎧ -------- ⎫
n-1
⎪ a ⎪
η = ρ ⎨ ν ∞ + ( ν 0 – ν ∞ ) 1 + ( λ γ· ) a ⎬ Gleichung 1-21
⎪ ⎪
⎩ ⎭

Die beteiligten Größen des Carraeau-Yasuda-Modells sind:

ν0 Viskosität bei niedriger Schergeschwindigkeit (auch: Viskosität bei Schergeschwin-


digkeit gleich Null)

ν∞ Viskosität bei hoher Schergeschwindigkeit

λ Zeitkonstante, die die Position des Übergangsbereichs angibt

a Yasuda-Koeffizient

n Exponent

Der Ausdruck in geschweiften Klammern in Gleichung 1-21 ist die scheinbare kinematische Vis-
kosität.
KAP. 2: AKTIVIEREN UND ANWENDEN RHEOLOGISCHER MODELLE 17

2 Aktivieren und Anwenden rheologischer Modelle

MAGMAthixo ist ein Zusatzmodul für MAGMASOFT®. Dieses Handbuch beschreibt die Benut-
zung von MAGMAthixo. Die Beschreibung der grundlegenden Funktionen von MAGMASOFT®
finden Sie im MAGMASOFT® Handbuch.

Die folgenden drei Viskositätsmodelle sind in MAGMAthixo verfügbar:

1. Newtonsches Flüssigkeitsmodell (auch in MAGMASOFT® Standard verfügbar)

2. Ostwald-de-Waele-("power-law"-)Modell

3. Carreau-Yasuda-Modell

Sie können jedes dieser drei Viskositätsmodelle in MAGMAdata, dem Datenbankmodul von
MAGMASOFT®, aktivieren. Es kann immer nur ein Viskositätsmodell aktiv sein. Im folgenden er-
halten Sie weitere Einzelheiten über die drei Modelle, ihre Aktivierung und Anwendung.

Die Organisation der Eingabeparameter für das MAGMAthixo-Modul in der Datenbank finden Sie
in Bild 2-1. Relevante Eingabeparameter für verschiedene Viskositätsmodelle sind dort mit ver-
schiedenen Farben markiert. Die Farben haben folgende Bedeutung:
Grün Diese Parameter sind für alle Modelle wichtig und müssen immer angegeben wer-
den.
Blau Parameter des Newtonschen Flüssigkeitsmodells
Rot Parameter des Ostwald-de-Waele-'power-law'-Modells
Gelb Parameter des Carreau-Yasuda-Modells
18 MAGMATHIXO 4.4 HANDBUCH

Bild 2-1: Eingabe von Daten im Modul MAGMAthixo

Bitte beachten Sie, daß Gleichung 1-18 (Î Seite 15) die allgemeine Gleichung zur Definition der
Scherspannung im Verhältnis zur Schergeschwindigkeit ist. Daher gehört jeder Exponent der Vis-
kositätsformel, der in das Datenbankmodul eingegeben wird, zur Scherspannung (nicht zur Vis-
kosität). Bei schergeschwindigkeitsabhängiger Viskosität (Modelle 2 und 3, s. o.) wird der
Exponent im Programm um 1,0 verkleinert. Dies zeigt die Größe in Klammern in Gleichung 1-18.

Zusammenfassung:
KAP. 2: AKTIVIEREN UND ANWENDEN RHEOLOGISCHER MODELLE 19

Ö Wenn der Exponent der Formel für die scheinbare Viskosität bekannt ist (nennen wir ihn "a"),
geben Sie den Wert für "a+1.0" in die Datenbank ein. "n" in Gleichung 1-16 und Gleichung
1-17 (Î Seite 15) entspricht "a+1.0. Im Programm wird 1.0 subtrahiert, und die korrekte An-
näherungsformel für die Viskosität (d. h. mit dem Exponenten "a") wird verwendet.

Ö Wenn der Exponent der Scherspannung im Verhältnis zur Schergeschwindigkeit bekannt ist,
geben Sie ihn direkt ein, ohne irgendwelche Änderungen vorzunehmen.

Sie müssen den Exponenten in die 'Exponent'-Fenster der Ostwald-de-Waele- oder Carreau-Ya-
suda-Modelle eingeben (Î "n"-Felder in Bild 2-1).

Daneben wird die kinematische Viskosität (ν) als Eingabeparameter in der gesamten MAGMA-
SOFT® Datenbank verwendet (sowohl für Standard- als auch für rheologische Modelle).

Im allgemeinen sind ν, η und ρ Funktionen der Temperatur. Deshalb sollten Sie sicherstellen, daß
Sie die Werte für η und ρ bei gleicher Temperatur erhalten, während Sie die Tabellenform von
ν(T) für die Eingabe in MAGMAthixo vorbereiten. Bitte achten Sie darauf, die Daten der dynami-
schen Viskosität für die Eingabe in die Datenbank durch die Dichte zu teilen. Der benötigte Ein-
gabewert ist ν und nicht η.

Im folgenden wird die Verwendung der in MAGMAthixo verfügbaren Viskositätsmodelle in Stich-


punkten zusammengefaßt. Gehen Sie bitte wie folgt vor, wenn Sie Datensätze definieren oder
verändern wollen:

Ö Wählen Sie 'database' im Hauptmenü von MAGMASOFT®.

Ö Wählen Sie die Datenbank, mit der Sie arbeiten möchten ('Global', 'User' oder 'Project').

Ö Wählen Sie das Material, das Sie beim Thixogießen als Gußlegierung verwenden wollen.

Ö Aktivieren Sie die Schaltfläche 'Edit'.

Ö Geben Sie alle globalen Parameter ein ("grüne Parameter"). Wählen Sie hierzu die passen-
den Einträge aus dem Menü 'Edit'.

Ö Definieren Sie das Viskositätsmodell, das Sie verwenden wollen. Wählen Sie hierzu 'General
Parameters' im Menü 'Edit'. Aktivieren Sie dann das gewünschte Modell über die Schaltfläche
'Rheology model'.

Ö Definieren Sie alle für das gewählte Model relevanten Daten. In Bild 2-1 finden Sie die Para-
meter, die Sie definieren müssen (d.h. die Parameter, deren Farbe Ihrem Modell entspricht).

Ö Speichern Sie Ihre Eingaben mit dem Eintrag 'Save' im Menü 'Data'.
20 MAGMATHIXO 4.4 HANDBUCH

Ö Verlassen Sie die MAGMASOFT® Datenbanken.

Ö Wählen Sie 'simulation' im MAGMASOFT® Hautmenü und legen Sie die Parameter für die Si-
mulation fest. Im Fenster 'options' muß die Schaltfläche 'Thixocasting' aktiviert sein ('yes').

Ö Aktivieren Sie im letzten Fenster des Simulationssetups, 'online job simulation control', die
Schaltfläche 'start', um die Simulation des Thixogießens zu starten.

! Wenn Sie das Ostwald-de-Waele- oder das Carreau-Yasuda-Modell benutzen, haben


Sie die Möglichkeit, die rheologischen Modellkoeffizienten automatisch zu berechnen.
Danach können Sie gemessene und angenährte Viskositäten in einer Kurve darstellen.
Näheres finden Sie in Kap. 2.7, Seite 26.

2.1 Parameter mit Bezug zu allen Modellen

Alle "grünen Parameter" (Î Bild 2-1, Seite 18) sollten Sie immer definieren, unabhängig vom ver-
wendeten rheologischen Modell. Einige dieser Parameter sind unbedingt erforderlich, um über-
haupt irgendein MAGMASOFT® Modul nutzen zu können.

Die Eingabe der Parameter ist nur im 'Edit'-Modus möglich, indem Sie den passenden Eintrag im
'Edit'-Menü wählen. Die Einträge finden Sie in der Spalte 'Eintrag' in Tab. 2-1.

Tab. 2-1 enthält die benötigten Parameter, die Art und Weise ihrer Eingabe und eine kurze Be-
schreibung:

Name des Ein- Eintrag Bemerkungen


Datensatzes hei-
ten

Density kg/ 'Rho' • Die Dichte kann nur eine Funktion der Tempera-
m3 tur sein.
KAP. 2: AKTIVIEREN UND ANWENDEN RHEOLOGISCHER MODELLE 21

Tfreeze °C 'Flow Proper- • Tfreeze ist definiert als die Temperatur, unterhalb
ties' der alle Geschwindigkeiten ausdrücklich auf Null
gesetzt werden. Tfreeze wird indirekt definiert, in-
dem Sie die Werte der Koeffizienten K0, K1 und
K2 angeben (siehe unten). Wenn K1 und K2
gleich Null sind, dann wird die Abhängigkeit der
Temperatur Tfreeze vom Druck ausgeschaltet.
Tfreeze als Funktion des Drucks zu definieren ist
nur für Polymere von Nutzen (sollte nicht für Me-
tallegierungen aktiviert werden).

• Sie können Tfreeze mit der folgenden Gleichung


als Funktion des Drucks definieren:

Tfreeze = K0 + K1*p + K2*p2

wobei p in mbar ausgedrückt wird, weswegen


für die anderen Konstanten die folgenden Ein-
heiten gelten:

K0 [°C]
K1 [°C /mbar]
K2 [°C /mbar2]

• Der Standardwert für Tfreeze ist:

Tfreeze = Tsol + 0.25*(Tliq bis Tsol)

• Die Schaltfläche 'Calculate Default Properties'


berechnet Tfreeze nach der Standardgleichung
(siehe oben).

• Für das Modul MAGMAthixo sollten Sie Tfreeze


gleich Tsol + 1,0 setzen.

Tab. 2-1: Parameter mit Bezug zu allen Viskositätsmodellen


22 MAGMATHIXO 4.4 HANDBUCH

2.2 Wahl des Viskositätsmodells

Sie können das gewünschte Viskositätsmodell wie beschrieben im Fenster 'General Parameters'
wählen. Über die Schaltfläche 'Rheology model' können Sie entweder das Ostwald-de-Waele-,
das Carreau-Yasuda- oder das Newtonsche Modell aktivieren (es kann immer nur ein Modell aktiv
sein).

2.3 Newtonsches Flüssigkeitsmodell

Wenn Sie das Newtonsche Flüssigkeitsmodell wählen, können Sie alle Funktionen des Moduls
MAGMAthixo mit Standard-Viskositätsdaten nutzen und diese Viskosität als (temperaturabhängi-
ge) Variable behandeln. In MAGMASOFT® Standard wird dagegen angenommen, daß die Visko-
sität konstant und gleich der Viskosität bei Gießtemperatur ist. Das Newtonsche
Flüssigkeitsmodell verwendet einen Standardsatz von Viskositätsdaten (d. h. den Satz, den Sie
unter dem Eintrag 'Flow Properties' im Datenbankmodul finden).

Die Gleichung zur Definition der Viskosität Newtonscher Flüssigkeiten lautet:

ν = ν(T) Gleichung 2-1

Sie müssen die "blauen Parameter" (Î Bild 2-1, Seite 18) für das Newtonsche Flüssigkeitsmodell
definieren:

Name des Ein- Eintrag Bemerkungen


Datensatzes hei-
ten

Viscosity (ν) m2/s 'Newtonian- • Viskosität kann nur eine Funktion der Tempera-
Viscosity' tur sein (keine Abhängigkeit von der Scherge-
schwindigkeit).

Active - 'Newtonian- • Dies ist ein 'yes/no'-Schalter. Sie sollten ihn auf
Parameters' 'yes' setzen, wenn Sie das Newtonsche Modell
verwenden.

Tab. 2-2: Parameter des Newtonschen Flüssigkeitsmodells


KAP. 2: AKTIVIEREN UND ANWENDEN RHEOLOGISCHER MODELLE 23

2.4 Ostwald-de-Waele-Modell

Die Gleichung zur Definition der Viskosität des Ostwald-de-Waele-Modells ist:

· · n-1
ν = ν ( T, γ ) = m γ Gleichung 2-2

Sie müssen die "roten Parameter" (Î Bild 2-1, Seite 18) für das Ostwald-de-Waele-('power-law')-
Flüssigkeitsmodell definieren.

Tab. 2-3 beschreibt die Parameter des Ostwald-de-Waele-Modells und die Art und Weise, sie in
MAGMAthixo zu definieren:

Name des Ein- Eintrag Bemerkungen


Datensatzes hei-
ten

Minimum 1/s 'Shear Rate Li- • Bestimmt die minimale Schergeschwindig-


Shear Rate mits' keit, auf die sich Ihre 'power-law'-Gleichung
der scheinbaren Viskosität bezieht.

• Überprüfen Sie immer Ihre Daten zur schein-


baren Viskosität, um sicherzustellen, daß die
Eingabe einer zu niedrigen Schergeschwin-
digkeit keine unphysikalisch hohe Viskosität
bewirkt (neben der Tatsache, daß diese phy-
sikalisch nicht korrekt ist, verursacht sie sehr
lange Berechnungszeiten). Typische Werte
der minimalen Schergeschwindigkeit liegen
ungefähr bei 1 bis 10.

Maximum 1/s 'Shear Rate Li- • Bestimmt die maximale Schergeschwindig-


Shear Rate mits' keit, auf die sich Ihre 'power-law'-Gleichung
der scheinbaren Viskosität bezieht.
24 MAGMATHIXO 4.4 HANDBUCH

• Stellen Sie immer sicher, daß die Viskosität


Ihrer maximalen Schergeschwindigkeit nicht
unphysikalisch niedrig wird. Typische Werte
der maximalen Schergeschwindigkeit liegen
bei 1000 bis 5000.

m m2/s 'Temp. Depen- • Koeffizient der scheinbaren kinematischen


dent Viscosity' Viskosität der Flüssigkeit.

• m kann temperaturabhängig sein.

n - 'Exponent' • Temperaturabhängiger Exponent der Glei-


chung der Scherspannung im Verhältnis zur
Schergeschwindigkeit.

• Wenn Sie den Exponenten auf den konstan-


ten Wert 1,0 setzen, wird das Newtonsche
Modell aktiviert, wobei der Parameter 'm' des
Ostwald-de-Waele-Modells anstelle der
Standardviskosität verwendet wird.

Tab. 2-3: Parameter des Ostwald-de-Waele-Modells

2.5 Carreau-Yasuda-Modell

Die Gleichung zur Definition der Viskosität des Carreau-Yasuda-Modells ist:

n-1
--------
· a
ν = ν ( T, γ ) = ν ∞ + ( ν 0 – ν ∞ ) 1 + ( λ γ· ) a Gleichung 2-3
KAP. 2: AKTIVIEREN UND ANWENDEN RHEOLOGISCHER MODELLE 25

In Tab. 2-4 sind die Parameter des Carreau-Yasuda-Modells benannt und kurz erklärt. Das Car-
reau-Yasuda-Modell verwendet die "gelben Parameter" (Î Bild 2-1, Seite 18).

Name des Da- Ein- Eintrag Bemerkungen


tensatzes hei-
ten

Viscosity at m2/s 'Viscosity at • Sie sollten die kinematische Viskosität v ∞ im


high shear ra- high shear ra- unteren Newtonschen Bereich eingeben.
te, v ∞ te'
• v ∞ kann temperaturabhängig sein.

Viscosity at low m2/s 'Viscosity at • Sie sollten die kinematische Viskosität ν0 im


shear rate, ν0 low shear rate' oberen Newtonschen Bereich eingeben.

• ν0 kann temperaturabhängig sein.

λ s 'Transition Re- • λ kann eine Funktion der Temperatur sein.


gion Constant'
• Der Wert von λ bestimmt die Position des
Übergangspunktes zwischen Newtonschen
und 'power-law'-Bereichen (Î Bild 1-3, Seite
13).

n - 'Exponent' • Temperaturabhängiger Exponent der Glei-


chung der Scherspannung im Verhältnis zur
Schergeschwindigkeit.

a - 'Yasuda Coef- • Temperaturabhängiger Yasuda-Koeffizient.


ficient'
• Meistens wird für diesen Koeffizienten ein
konstanter Wert von 2,0 verwendet. Manch-
mal (z. B. bei Polymeren) wird ein Wert von
1,0 verwendet.

Tab. 2-4: Parameter des Carreau-Yasuda-Modells

2.6 Zusätzliche Ergebnisse in MAGMAthixo

Wenn Sie MAGMAthixo verwenden, können Sie zusätzliche Ergebnisse erhalten, indem Sie Um-
gebungsvariablen auf der Betriebssystemebene setzen.
26 MAGMATHIXO 4.4 HANDBUCH

Diese Variablen müssen Sie vor dem Starten von MAGMASOFT® setzen, und zwar in dem Fen-
ster, von dem aus Sie MAGMASOFT® starten.

Die Befehle zum Setzen der Umgebungsvariablen lauten wie folgt:


• UNIX-C-Shell und Windows-Interix Shell: setenv <Name der Variablen> 1
• UNIX-Bourne-Oberfläche: <Name der Variablen>=1
export <Name der Variablen>

Sie können folgende Umgebungsvariablen definieren:

<Name der Variablen> Aktion

MSOUTDVIS Gibt das Feld der dynamischen Viskosität (3D) für jedes Er-
gebnis an, das Sie definiert haben.

MSOUTSHRATE Gibt das Feld der Schergeschwindigkeit (3D) für jedes Ergeb-
nis an, das Sie definiert haben.

Tab. 2-5: Verfügbare Umgebungsvariablen

Die entsprechenden zusätzlichen Ergebnisse können Sie im Postprocessor aufrufen (Kriteriums-


ergebnisse zur Formfüllung). Die Namen der Einträge lauten:
'DynVisc' (für das Feld der dynamischen Viskosität)
'Shearing Rate' (für das Feld der Schergeschwindigkeit)

! Beachten Sie, daß das Setzen der oben genannten Variablen den für das Speichern der
Füllsimulationsergebnisse benötigten Speicherplatz auf Ihrer Festplatte deutlich erhöht.

2.7 Automatische Berechnung der rheologischen Modell-Koeffizienten

In MAGMAthixo können Sie eine automatische Berechnung der Parameter für die beiden rheolo-
gischen Modelle Ostwald-de-Waele und Carreau-Yasuda im Datenbankmodul von MAGMA-
SOFT® durchführen. Sie benötigen hierzu die Werte der Viskosität als eine Funktion der
Schergeschwindigkeit. Die Wertesätze (η im Verhältnis zu γ· ) müssen für mehrere Temperatur-
werte bekannt sein.

MAGMAdata verfügt über Approximationsfunktionen, mit denen Sie die Parameter der Rheologie-
modelle auf der Basis dieser Meßwerte berechnen. Sie können die Güte der Approximation an-
hand einer Kurvendarstellung überprüfen.
KAP. 2: AKTIVIEREN UND ANWENDEN RHEOLOGISCHER MODELLE 27

Um die Berechnungen und Annäherungen durchzuführen, gehen Sie wie folgt vor:

Ö Wählen Sie 'database' aus der MAGMASOFT® Hauptoberfläche.

Ö Wählen Sie eine Datenbank.

Ö Wählen Sie das Material, mit dem Sie arbeiten möchten.

Ö Aktivieren Sie die Schaltfläche 'Edit'.

Ö Wählen Sie 'General Parameters' im Menü 'Edit'.

Ö Wählen Sie unter 'Rheology model' das rheologische Modell, das Sie anwenden möchten
(Ostwald-de-Waele oder Carreau-Yasuda).

Ö Wählen Sie 'Rheology' Î 'Measured Viscosity Curves' im Menü 'Edit'.

Ö Setzen Sie die erste Temperatur Ihrer Messungen ('Temperature' Î 'New Temperature') und
geben Sie den Satz Wertepaare für η(Ti), γ· (Ti) ein. Bitte beachten Sie, daß η die dynamische
1
Viskosität [Pa ⋅ s] ist. Die Einheiten von γ· sind [ --- ].
s
Ö Geben Sie auf die gleiche Weise die Sätze für η, γ· für andere Temperaturen Ihrer Messungen
ein. (Wenn Sie definierte Temperaturen löschen wollen, wählen Sie 'Temperature' Î 'Delete
Temperature'.)

Ö Aktivieren Sie die Schaltfläche 'Calculate XX Coefficients' (XX steht für den Namen des rheo-
logischen Modells Ihrer Wahl).

Ö Sie können sich sowohl die gemessenen als auch die angenäherten Viskositäten anzeigen
lassen, indem Sie 'Rheology' Î 'Approximated Viscosity Curves' wählen.
28 MAGMATHIXO 4.4 HANDBUCH
KAP. 3: INDEX 29

3 Index

A E

'Approximated Viscosity Curves' 27 Energiegleichung 6, 7

Approximationsfunktionen 26 Erstarrungsschrumpfung 5

Erstarrungstemperatur siehe "Tfreeze"


C
'Exponent' 19, 24, 25

'Calculate Default Properties' 21

Carreau-Yasuda-Modell 16, 17, 19, 20, 22, F


24–25, 26, 27
Festanteil 5, 6, 14

Festkörper 5
D
'Flow Properties' 21, 22
Datenbank 17, 18, 19, 20, 22, 26, 27
'Global' 19 Füllsimulation 26

'Project' 19
'User' 19 G
Dichte 6, 7, 15, 19, 20
Gießtemperatur 22
Differentialgleichungen 6
'Global' (Datenbank) 19
Druck 5, 6, 7, 9, 14, 21

'DynVisc' 26 I

Impulsgleichung 6, 7

Impulsströmung 8, 10
30 MAGMATHIXO 4.4 HANDBUCH

K O

Kontinuitätsgleichung 6 Ostwald-de-Waele-Modell 15, 17, 19, 20,


22, 23–24, 26, 27
Kriteriumsergebnisse 26

P
L
Polymere 13, 21, 25
latente Wärme 6
power-law 13, 14, 15, 17, 23, 25
Liquidustemperatur 21
'Project' (Datenbank) 19

Pseudoplastizität 5, 11, 12, 13, 14


M

Magnesium 5
R
Materialien 10, 14
'Rheology' 27
'Measured Viscosity Curves' 27
'Rheology model' 19, 22, 27
Metallspritzgießen 5
'Rho' 20

N
S
'Newtonian-Parameters' 22
Scherdiagramm 10, 11, 12
'Newtonian-Viscosity' 22
Schergeschwindigkeit 5, 8, 10, 11, 13, 14,
Newtonsche Flüssigkeiten 9, 10 15, 16, 18, 19, 22, 23, 24, 25, 26

Newtonscher Bereich 12, 13, 25 Scherkraft 8

Newtonsches Modell 17, 22, 24 Scherspannung 7, 8, 10, 15, 18, 19, 24, 25

nicht-Newtonsche Flüssigkeiten 5, 9, 14, Scherströmung 5


15
'Shear Rate Limits' 23
Normalspannung 5
KAP. 3: INDEX 31

'Shearing Rate' 26 V
Solidustemperatur 21 Vektoren 6, 7

Spannungen 5 Verformung 5

Speicherplatz 26 'Viscosity at high shear rate' 25

Streckgrenze 11 'Viscosity at low shear rate' 25

Strömungsfeld 13 Viskoelastizität 5

Strömungslehre 6 Viskosität
dynamische Viskosität 9, 15, 19, 26, 27
T kinematische Viskosität 15, 16, 19, 24,
25
'Temp. Dependent Viscosity' 24 scheinbare Viskosität 9, 13, 14, 15, 16,
19, 23
Tensoren 6, 7, 8, 9, 10
Strukturviskosität 5
Tfreeze 21 variable Viskosität 12

'Thixo' (Simulationssetup) 20 Viskositätsdaten 22


Viskositätsmodelle 5, 17, 19, 21, 22
Thixogießen 5, 19, 20

Thixotropie 5
W
'Transition Region Constant' 25
Wärme 7
latente Wärme 6
U Wärmeenergiegleichung 7

Umgebungsvariablen 25, 26

'User' (Datenbank) 19 Y

'Yasuda Coefficient' 25
32 MAGMATHIXO 4.4 HANDBUCH

Eigene Notizen
EIGENE NOTIZEN 33

Eigene Notizen
34 MAGMATHIXO 4.4 HANDBUCH

Eigene Notizen