Sie sind auf Seite 1von 12

1

Thema: STILFIGUREN

Plan:
1. Figuren des Ersatzes (Tropen).
2. Figuren der Hinzufügung (der Addition).
3. Figuren der Auslassung (Elimination).
4. Figuren der Anordnung des Platzwechsels (Permation).

Klassifikation der Stilfiguren


W. Fleischer, G. Michel und G. Starke unterscheiden folgende Arten von Stilfiguren:
1.Figuren des Ersatzes / Tropen,
2.Figuren der Hinzufügung / der Addition,
3.Figuren der Auslassung,
4.Figuren der Anordnung und des Platzwechsels.

(Tabelle)

1. Figuren des Ersatzes (Tropen)


Unter Tropus (griech. = „Wendung des Ausdrucks“) versteht man die Übertragung der
Namensbezeichnung von einem Gegenstand auf einen anderen, von einer Erscheinung auf eine
andere. Eine solche Übertragung muss gut begründet sein. Der Grund der Übertragung einer
Bezeichnung von einem Gegenstand auf einen anderen liegt in äußerer und innerer Ähnlichkeit
zwischen dem Grundbegriff und dem Übertragungsbegriff, also in der Ähnlichkeit der Funktion,
seltener im Kontrast.
Zu den Figuren des Ersatzes / Tropen gehören:
1. Mittel der Umschreibung:
 Emphase
 Periphrase
1. Euphemismus
2. Hyperbel
3. Litotes
4. Ironie
2. Mittel der Übertragung:
 Metapher
1. Personifikation
2. Gleichnis
3. Allegorie
4. Synästhesie
 Metonymie
1. Synekdoche
2. pro Kopf

Mittel der Umschreibung


Die Emphase als eine Art des Tropus dient zur Bezeichnung eines Merkmals durch einen
Begriff, in dem das Merkmal an sich beinhaltet ist, z.B.
dass der Mensch zum Menschen wird; Geld ist eben Geld.
Die Emphase wird durch entsprechende Intonation verwirklicht, z.B. so ist das Leben, deine
Meinung ist meine Meinung.

Die Periphrase (griech. = „Umschreibung mit anderen Worten“), die Hervorhebung eines
kommunikativ wichtigen Merkmals durch zusätzliche sprachliche Mittel. Also, die Periphrase ist
eine Umschreibung eines Gegenstandes oder einer Erscheinung mit anderen Worten.
Sie ist mit dem Tropus verwandt, unterscheidet sich aber von diesem durch das Kriterium
2

der Umschreibung: Während bei der Metapher und der Metonymie der Gesichtspunkt der
Ähnlichkeit bzw. der logischen Ähnlichkeit Grundlage der Übertragung ist, ist die Periphrase in
dieser Hinsicht nicht streng festgelegt. Gewöhnlich wird ein bestimmtes Merkmal einer Person oder
eines Gegenstandes zum Anhaltspunkt der Umschreibung, z.B.:
der Befrackte – für Kellner;
Küchenfee – für Köchin
der Allmächtige – für Gott
die Mutter der Armen – für Mutter Theresa
der Sieger von Marengo – für Napoleon
Gerstensaft – für Bier
Das Land, wo die Zitronen blühn – für Italien usw.
Periphrasen können individuell, gemeinsprachlich, verblassend oder schon verblasst sein.
Aus struktureller Sicht unterscheidet man einfache Umschreibungen (überwiegend
Wortgruppen oder Komposita), erweiterte (in Satzform) und geschlossen ausgebaute
(übersatzmäßige Formen). Das Denotat wird in der Periphrase gewöhnlich nicht genannt, genauer –
es muss nicht genannt werden, weil sich der Sinn aus dem Gesagten ohne Schwierigkeit von selbst
ergibt.
Dem Inhalt nach lassen sich einige thematische Gruppen gemeinsprachlicher Periphrasen
unterscheiden: Umschreibung von Personen und Eigennamen, geographischen Namen,
Volksgemeinschaften, Berufen u.a.m.
Man unterscheidet:
Bildhafte Periphrasen, z.B. „auf Schusters Rappen reiten“ – für gehen. Diese Gruppe steht
den Tropen besonders nahe. Sie wird besonders häufig im Volksmund und in der Publizistik
angewandt.
Bildlose Periphrasen, z.B.: die Apeninnenhalbinsel – für Italien; der Olympier – für Zeus.
Solche Umschreibungen sind besonders in der Wissenschaft beliebt.
Die Höflichkeitsperiphrase kommt meistens im früheren Hofjargon, in der Anrede und der
Korrespondenz vor, z.B.:
meine Wenigkeit, Exzellenz usw.
In wenigen Fällen werden sie auch heute noch gebraucht, z.B.:
Gnädige Frau wünschen? – für: Was wünschen Sie?
Wie Herr Geheimrat befiehl … – für: Wie Sie befehlen usw.
Oft kommen Periphrasen im Kreuzworträtsel vor, in dem alle gefragten Benennungen
umschrieben werden, z.B. weiblicher Rufname, Stadt in Spanien.
Aufgrund unterschiedlicher semantischer Beziehungen zwischen Tropus und ersetzter
Benennung oder der Eignung für bestimmte Typen von Kommunikationsabsichten werden einige
besondere Arten der Periphrase abgehoben. Wenn beide im Verhältnis eines Appellativs oder einer
Wortgruppe zu einem Eigennamen stehen, handelt es sich um eine Antonomasie (griech. =
Umbenennung):
der Korse (Napoleon), Stadt auf dem Wasser (Stockholm).
Man unterscheidet vier Abarten der Periphrase: den Euphemismus, die Hyperbel, die
Litotes, die Ironie.

Unter Euphemismus (griech. = „beschönigender Ausdruck, Verhüllung“; „gut sprechen“)


versteht man eine Umschreibung, die den Zweck hat, etwas Unangenehmes angenehmer
darzustellen, etwas Unhöfliches höflicher, etwas Schreckliches harmloser auszudrücken [19, S.
234]. Also, der Euphemismus ist eine Umschreibung durch Verschönerung.
Beispiele von Euphemismen: einschlafen für sterben; duften für stinken; das Licht der Welt
erblicken für gebären; vollschlank für dick, Beinkleid für Hose usw.
Der Euphemismus erscheint unter den verschiedensten gesellschaftlichen Umständen, daher
auch in den verschiedensten Sprachstilen. Aus dem Charakter der Auswahl der Euphemismen lässt
sich oft auf die historische Epoche, auf die soziale Zugehörigkeit und Weltanschauung des
Sprechenden schließen.
Der Euphemismus tritt häufig in Presse und Publizistik, im Diplomatenverkehr, im
3

Geschäftsverkehr und in anderen Formen offizieller Rede auf.


Die Euphemismen werden auch gern in der Umgangssprache gebraucht, z.B.
der Kuckuck für Teufel; mir ist nicht gut für krank sein; Herumtreiber für Playboy usw.
Bei den Euphemismen spielt die Intonation eine große Rolle. In der Intonation liegt oft der
Schlüssel zum Verständnis, z. B.: Sie haben sich wohl getäuscht, Sie sind nicht ganz im Bilde …
anstatt direkt zu sagen: Sie haben nicht recht, Sie verstehen nichts davon!

Die Hyperbel (griech. hyperbole = „Übermaß“, „Übertreibung“). Abart der Periphrase,


Umschreibung in semantisch übertriebenen gesteigerter oder abgeschwächter Form, z.B.: ein Meer
von Tränen; eine Ewigkeit auf j-n warten;
ein paar Worte mit j-m reden; j-n zu einer Tasse Tee einladen; todmüde sein usw.
Sehr häufig treten Übertreibungen in den sog. Zahlenhyperbeln auf:
Ich bitte tausendmal um Entschuldigung.
Ich habe dir das schon tausendmal gesagt.
Sie ist tausendschönes Mädchen usw.
In der schönen Literatur ist diese Stilistikum ein relevantes Ausdrucksmittel der
Emotionalität und Bildkraft.
Besonders oft wird die Hyperbel in der Werbung gebraucht.
Die Ware wird angekündigt als: hochfein, feinst, extrafein, superfein, prima, extraprima
usw.

Die Litotes (griech. = „Geringfügigkeit“, „Schlichtheit“) ist verneinende Periphrase mit


verstärkt positiver Aussageabsicht, z.B.:
Ich hätte nicht übel Lust = Ich hätte große Lust.
Das ist nicht übel = Das ist sehr gut.
Ich möchte nicht sagen, dass deine Leistungen auf der Höhe sind.
Bei der Litotes spielen die Satzbetonung und das Satztempo eine wichtige Rolle.
Von der Intonation hängt es oft ab, wie die Litotes wirkt verstärkend oder abschwächend.
Nehmen wir an, ein junger Künstler sei das erstmal öffentlich aufgetreten und fragte nachher
aufgeregt seinen Kritiker: „Wie war’s?“ Dieser antwortet langsam, mit bedächtig-unsicherer
Tonführung: „Nicht schlecht. Sie sind nicht ohne Talent“. Die Wirkung dieser Litotes gleicht
gewiss einem kalten Sturzbad; denn hier sind „nicht schlecht“ und „nicht ohne Talent“
euphemistische Umschreibung für „mittelmäßig“. Es soll die schlechte Beurteilung abgeschwächt
werden.
Die Litotes wird oft in der Umgangssprache, in der literarischen Publizistik gebraucht.
Die Litotes, kombiniert mit anderen stilistischen Erscheinungen, wird zu einem kräftigen
Mittel der Satire, z.B.:
Sie ließen sich an einem keineswegs runden Verhandlungstisch nieder.
Besonders wirksam ist die Litotes im Titel – ein ausgezeichnetes stilistisches Mittel, um
Interesse für das betreffende Buch zu erwecken.

Die Ironie gehört auch zu den Tropen. Das Wort „Ironie“ besitzt im deutschen
Sprachgebrauch zwei Bedeutungen: 1. im engeren Sinn als Periphrase mit Gegenteilswirkung; 2. im
weiteren Sinn als Synonym zu Humor, Satire, Sarkasmus. Zum Beispiel: Du liest ja fabelhaft (wenn
stockend vorgetragen wird).
Du bist mir ja ein schöner Held (Feigling).

Mittel der Übertragung


Die Metapher (griech. = „Übertragung“, „bildlicher Ausdruck“) ist ein Tropus, welcher auf
dem Prinzip der äußeren oder inneren Ähnlichkeit zweier Begriffe beruht, z.B.:
Leuchtendes Gold (d.h. Haare) umglänzte ihren Kopf.
Natürlich wird mit dem „leuchtenden Gold“ nicht das schöne Metall gemeint, sondern das
helle, blonde Haar des betreffenden Menschen.
4

In der Lyrik sind Metaphern vor allem Ausdrucksmittel der Weltsicht eines Dichters, seines
Daseinsverständnisses:
Die Wege hab ich mit Spuren bestickt.
Die Landschaft mit Gedichten durchstichelt.
Auf alles hab ich mit Augen geblickt.
Wie die Mäherin Gras hab ich Worte gesichelt.
Im Tau der Frühe sanken sie hin,
Noch eben beim Leben, schon Duft von Vergehen ... (E. Strittmatter)
In der Presse und Publizistik spielt die Metapher bei der Gestaltung von Überschriften als
Rezeptionsanreiz eine wichtige Rolle:
Winnetou wartet im Kühlschrank (Filmarchiv, TZ 1987).
Metapher kann man auch in wissenschaftlichen Texten finden.
In der Alltagskommunikation geprägte Metaphern werden sehr rasch lexikalisiert und büßen
damit ihren figurativen Charakter ein: Pantoffelkino (Fernsehgerät), Pantoffelflitzer (Kraftwagen).
Zur Metapher zählt die traditionelle Stilistik folgende Abarten: Personifikation, Gleichnis,
Allegorie und Synästhesie.

Die Personifikation (deutsch = „Verlebendigung“) ist die Übertragung von Eigenschaften


eines Lebewesens auf ein unbelebtes Wesen. Sie entsteht meist in Verbindung mit der
Verbalmetapher, wenn menschliche Eigenschaften auf Nichtmenschliches übertragen werden, z.B.:
die Sonne lacht; die Uhr geht; der Abend kommt; der Baum bewegt seine Äste; der Wald steht
starr und schweigt; Liebe beglückt ihn; die Zeit verläuft usw.
Die Personifizierung kommt oft in den Märchen vor, wo die Pflanzenwelt und die Tiere sich
wie Menschen benehmen und mit ihnen sprechen.
Wenn die Personifikation symbolisch-verhüllender oder lehrhafter Natur ist, pflegt man sie
als „Allegorie“ (griech. = „anders, bildlich reden“) oder „Symbol“ zu bezeichnen. Manche
Allegorien sind tief in der deutschen Sprache verankert. Bekannte Symbole sind:
der Winter – ein alter Mann; die Sonnen – eine Frau (in Österreich mit dem konkreten
Namen „Liesl“ angerufen).

Unter Gleichnis versteht man Darstellungsverfahren, mit dessen Hilfe der Autor durch
Detaillierung und durch Amplifikation das Tertium comparationis das Gemeinsame, eines
Vergleichs, gedanklich ausweitet (das T.c. = Tertium comparationis, „das vergleichende Dritte“),
z.B.:
„Aula. Kenn ich nicht ...“ „Hier kannst du doch nur mit einem Pferd reinreiten, Steinbügel
aus Gold, und da vorne auf dem Thron sitzt die Königin und schmeißt mit Rosen nach dir“. (H.
Kant)
Die kalte Großartigkeit der Aula wird hier durch Vereinzelung der Impression des Sprechers
verdeutlicht. Diese Vereinzelung kann mitunter Anlass werden, das Gleichnis zu verselbständigen:
Es werden solche Details hinzugefügt, die nicht mehr als Details des Tertium comparationis
anzusehen sind [Krahl, Kurz: 54].

Die Allegorie ist eine Abart von Metaphern. Unter Allegorie versteht man eine körperhafte
Verbildlichung von Ideen und abstrakten Begriffen, von Naturgeschehen und Naturgewalten (meist
Verlebendigung in Menschengestalt), z.B.: die Liesel scheint.
Der Regen geht als eine alte Frau.
Mit stiller Trauer durch das Land (W. Borchert)
Taube als Abstraktion für den Gedanken „Weltfrieden“.
Im Volksbrauch wird der Winter als alter Mann, die Sonne als Frau, die Liebe als Gott
Amor allegorisiert.

Die Synästhesie (griech. syn + sisthesie – „zusammen“ + „Empfindung“): ist die


Verbindung von Wörtern, die zwei verschiedenartige Sinnesempfindungen ausdrücken, wobei eine
von ihnen in übertragener Bedeutung gebraucht wird, z.B.:
5

seidene Stimme; dunkle Stimme; helle Töne; schreiende Farben; warme Farben; kalte Farben;
schwarze Gedanken; Klang der Bilder; eine wahre Sinfonie der Farben usw.

Die Metonymie ist ein Tropus, der ein logisches Abhängigkeitsverhältnis zwischen dem
Grund- und dem Übertragungsbegriff aufweist. Das Abhängigkeitsverhältnis kann in Bezug auf
verschiedene Faktoren angewandt werden:
a) als Raumverhältnis, wenn der gemeinsame Raum zwei Begriffe verbindet;
b) als Zeitverhältnis, wenn ein gemeinsamer Zeitabschnitt zwei Begriffe verbindet;
c) als Stoffverhältnis, wenn zwei Begriffe auf einen gemeinsamen Stoff zurückgehen;
d) das Quantitätsverhältnis, auch Synekdoche genannt, wenn ein Teil für ein Ganzes oder
umgekehrt bezeichnet wird. z.B.:
Das ganze Institut sprach von der Heirat des Direktors.
Jahrhunderte kämpften um die Befreiung der Menschheit von der Sklaverei.
Den Rehbock traf das kalte Blei.
Die Menge zählte über tausend Köpfe.
Er hat den ganzen Büchner gelesen.
Noch Beispiele: Haus anstatt die Bewohner des Hauses; ein Raphael anstatt Bild von
Raphael; Goethe lesen anstatt ein Werk von Goethe lesen; einen Becher trinken anstatt Wein aus
einem Becher trinken; London verlangt anstatt die Regierung in London verlangt usw .
Die Metonymie kommt oft in Überschriften (Schiller verfilmt statt Schillers Kabale und
Liebe verfilmt), oder in der Umgangssprache (ein Glas trinken statt bei einer Quelle ein Glas
Wasser trinken) vor.

Unter der Synekdoche (griech. ‒ „Mitverstehen“) versteht man Ersatz eines Ausdrucks
durch einen begrifflich nahestehenden (weiteren oder engeren) Ausdruck, z.B.: er ist meine rechte
Hand statt Stellvertreter, Gehilfe; die pro Kopf Produktion statt die pro Einwohner; Klinge für
Schwert; eine Bronze statt eine Skulptur aus Bronze.
Eine deutliche Grenze zwischen Metonymie und Synekdoche wird nicht immer
offensichtlich, z.B. Menschen fremder Zunge statt Ausländer, Fremde; unser tägliches Brot statt
lebenswichtiges Nahrungsmittel überhaupt.

2. Figuren der Hinzufügung (der Addition)


Alle Figuren der Hinzufügung oder Additionsfiguren entfalten sich im Satz oder in einer
Folge mehrerer Sätze.
Zu den Figuren der Hinzufügung / der Addition gehören:
 Wiederholung
1. Anapher
2. Epipher
3. Kyklos
4. Anadiplose
5. Figura etymologica
6. Parallelismus
 Entgegensetzung
1. Antithese
2. Oxymoron
3. Chiasmus
 Häufung des Verschiedenen
1. Akkumulation / Aufzählung
2. Amplifikation
3. Klimax
 Beifügung
1. Tautologie
2. Epitheton ornans
3. stehende Epitheta
6

Figuren der Wiederholung


Die Wiederholung bezieht sich auf alle Spracheinheiten; dieselben Phoneme, Morpheme,
Wörter, Wortgruppen, Sätze können im Text mehrfach verwendet werden, um eine gewisse
Stilwirkung auszulösen.
Man unterscheidet verschiedene Arten der Wiederholung: wörtliche, variierte,
synonymische Wiederholung, z.B.:
Der Herbst ist für mich immer wieder ein großes Erlebnis. Der Herbst hat oft viele schöne
Tage. Der Herbst färbt die Blätter bunt. So zieht der Herbst viele Malfreudige an. Im Herbst reifen
die meisten Früchte und Obstsorten. Im Herbst kann geerntet werden. Auch der diesjährige Herbst
hat noch häufig Sonnenschein für uns (G. Gehler).
Zu den Stilfiguren ist zunächst die wörtliche Wiederholung im Kontakt, die unmittelbare
Aufeinanderfolge wiederholter Sprachzeichen, die Epizeuxis (griech. = „nachdrückliche
Wiederholung“), zu rechnen, z.B.:
Suppe, Suppe, Suppe, Graupen, Linsen, Bohnen, Erbsen mit gelegentlich einem Viertelpfund
Fleisch und Speck für die ganze Meute. (J. Villain)
"Papperlapapp", sagte der Kurfürst ... sagte immer wieder: "Papperlapapp, papperlapapp."
(J. Amold)

Die Anapher ist eine Wiederholung am Anfang der Sätze oder Absätze:
New York glüht. New York schwitzt. New York trieft und dampft. New York stinkt. New York
stöhnt. New York geht aus dem Leim. ‒ Der New Yorker Asphalt ist schon ganz aufgeweicht, eine
zähe Masse ... (K. Mann)
Inge überlegte, Inge rechnete, Inge löste die Aufgabe.
Das Wasser stieg, das Wasser schwoll.
Sei mir gegrüßt, mein Berg, mir dem rötlich strahlenden Gipfel! Sei mir, Sonne, gegrüßt, die
ihn so lieblich bescheint.

Die Epipher ist eine Wiederholung am Ende mehrerer Sätze oder Absätze, z.B.: Blieb
stehen auf Kommando. Machte kehrt auf Kommando. Kroch auf dem Bauch auf Kommando.
Denn alle Lust will Ewigkeit, will tiefe Ewigkeit.
Ihr überrascht mich nicht, erschreckt mich nicht.

Das gemeinsame Vorkommen von Anaphora und Epiphora wird auch Symploke (griech. =
„Zusammenwirken“) genannt:
Diese Wochen und Monate sind ja an einem Menschen nicht spurlos vorübergegangen. Man
stellt ja alles in Frage, man stellt sich in Frage, man stellt seine Geschichte in Frage, man stellt
selbst das Gute in Frage, von dem man bisher geglaubt hat, dass man es vernünftig und
verantwortungsbewusst gemacht hat.

Selten findet man auch den Kyklos, die Rahmenwiederholung. Dabei erscheint das gleiche
Wort am Anfang und am Ende eines Satzes oder einer Folge von Sätzen; der Kyklos rahmt das
Ganze ein:
Subjekt der Produktion und Subjekt der Rezeption sind wirklich gesellschaftliche und
gesellschaftlich wirkliche Subjekte.

Die Anadiplose ist die Wiederaufnahme des letzten Wortes (Wortgruppe) eines Satzes am
Anfang des nächsten Satzes, z.B.:
Wann und wo Lenz dann beerdigt wurde, ist unbekannt. Unbekannt auch, ob Karamsin oder
andere Freunde die Nachricht von Lenzens Tod erhielten.
Aber auch der Morgen war welk. Welk war der Morgen.
Er fühlte sich sehr unsicher, sehr unsicher fühlte er sich.
7

Bei der etymologischen Wiederholung (figura etymologica) stehen Wörter verschiedener


Wortart mit gleicher Basis nebeneinander im Satz, am häufigsten als Prädikatsverb und Akkusativ
des Inhalts:
(Er) fluchte alle Flüche, die er jemals aufgeschnappt hatte, leise vor sich hin.

„Wortspiel“ ist eine Sammelbezeichnung für zahlreiche Möglichkeiten, durch Nutzung von
Polysemie, Homonymie und durch Variation sprachlicher Ausdrücke humoristische, satirische,
komische Effekte zu erzielen. Wortwitze können aber auch zum Nachdenken über menschliche
Haltungen und Verhaltensweisen Anlass geben:
Die Antike hatte ihre Arena. Für den Kampf der Wagen und Gesänge. Unsere Arena ist die
Straße. Für den Kampf der Wagen und Gestänge. Mir scheint, der einzige, der alles richtig macht,
der im Verkehr nicht verkehrt verkehrt,... bin ich. (Das Magazin 5/1988)

Der grammatische Parallelismus ist die gleichmäßige symmetrische Wiederkehr derselben


Wortform oder Satzstruktur, z.B.:
Jetzt war es auch wieder wie im Traum, ein paar Stellen waren geblieben, ein paar waren
ganz verändert.
Schnell lief er hin, langsam kam er zurück.

Figuren der Entgegensetzung


Die Antithese ist die Gegenüberstellung von Wörtern, Phrasen oder ganzen Sätzen mit
kontrastierender Bedeutung, z.B.:
Du bist sauber genug für die dreckige Arbeit, die ich an der Hand habe.
Im Sommer ist mir kalt, im Winter ist mir heiß.
Nicht um zu essen leben wir, sondern um zu leben essen wir.
Viele Überschriften haben antithetischen Charakter, z.B.: Wissenschaft – Wohltäterin oder
Furie?
Eine wichtige Rolle spielt bei den Figuren der Entgegensetzung die Inversion
(Kontraststellung), z.B.:
Der Fachwortschatz ist unüberschaubar, selbst für den Spezialisten eines relativ engen
Fachgebietes ... Überschaubar sind andererseits die Wortbildungsmodelle und
Wortschatzelemente, mit denen sie ausgefüllt werden ...
Eine Sonderform der Antithese ist auch das Oxymoron (griech. = „scharfsinnig-dumm“).
Das ist die scheinbar widersinnige Verbindung von Gegensätzen, deren Vereinigung dennoch
wieder eine sinnvolle Ganzheit ergibt, z.B.: hässliche Schönheit; bittere Süße; helldunkel;
süßsauer; bittersüß; traurigfroh; schwarze Milch der Frühe.
Große Mücken, kleine Elefanten.
Das kann doch unmöglich möglich sein.

Der Chiasmus kann formal erläutert werden als Aufeinanderfolge zweier Ausdrücke mit
gleichen oder ähnlichen lexischen Einheiten, deren Reihenfolge im zweiten Ausdruck vertauscht
wird. Dadurch können gegensätzliche Betrachtungsweisen eines Sachverhalts zueinander in
Beziehung gesetzt werden. Z.B.: Die Kunst ist lang, kurz ist unser Leben.
Rubens, der König der Maler – und der Maler der Könige.
Oft findet sich der Chiasmus in den Titeln von Büchern und Artikeln.
Eine Entgegensetzung im Sinne der Antithese drückt folgender Chiasmus aus: Das
Schicksal eines sogenannten freien Künstlers: Viele kennen seinen Namen, wenige seine Werke.
Das Schicksal eines modernen Gebrauchsgrafikers: Viele kennen seine Werke, fast niemand
seinen Namen.
Der Kontrast kann durch den Komparativ betont werden: Eine gesunde Verdorbenheit ist
besser als eine verdorbene Gesundheit.
8

Häufung des Verschiedenen


Die Häufung ist die Aneinanderreihung, das Nebeneinandervorkommen gleichartiger und
gleichrangiger Elemente. In ähnlicher Bedeutung werden auch die Benennungen Aufzählung,
Reihe, Reihung, koordinative Verbindung / Fügung, additive Verbindung gebraucht.

Aneinander gereihte Kettenglieder werden als Akkumulation/ Aufzählung bezeichnet: ...


die buchtenreiche Eisgrenze wurde von misstönig kreischenden Rallen (auch Lietzen, Bleßhühner,
Horbeln, Plärren, Zappen, Toppen genannt) mit Kot verziert.
Eine Schwarmlinie Kosaken, die Treppe hinunter, Gewehr unterm Arm, langsam,
bedrohlich, unausweichlich, sperrend die ganze Breite der Treppe.

Die Amplifikation (lat. amplificatio = „Erweiterung“, „Vergrößerung“): gedankliche


Steigerung, im Dienst der künstlerischen oder publizistischen Aussageabsicht stehend. Zum
Beispiel kann der Kerngedanke amplifiziert, d.h. erweitert und gesteigert werden durch wörtliche
Wiederholung, synonyme Wiederholung, veranschaulichende Merkmalsfolge usw.:
Der Islam ist in Marokko allgegenwärtig, im täglichen Leben, in der Schule, in der Politik.

Unter Gradation (Steigerung) oder Klimax (griech. = „die Leiter“) versteht man die
Aufzählung in steigender Linie, z.B.: Es regnete stundenlang, nächtelang, tagelang, wochenlang.

Die Antiklimax ist die fallende Aufzählung mit umgekehrter semantischer Folge: Es
regnete monatelang, wochenlang, tagelang.

Figuren der Beifügung


Unter Tautologie versteht man Häufung sinngleicher, auch nach der Wortart gleicher
Wörter. Eine Quelle der Tautologie ist das Nichtverstehen von Fremdwörtern, z.B.: neu
immatrikuliert; nie und nimmer; Geschäft ins Geschäft

Das Epitheton (griech. = „Beiwort“) ist jede Merkmalsbestimmung eines Substantivs, durch
die der betreffende Begriff logisch-sachlich konkretisiert oder emotional eingeschätzt wird. Also,
das Epitheton ist eine nähere Kennzeichnung eines Begriffs, welche nicht unentbehrlich ist. Das
Epitheton kann grammatisch repräsentiert werden durch Adjektiv oder Partizip, Genitiv,
präpositionale Wortgruppe, Apposition, Relativsatz oder auch als prädikatives Attribut.
E. Riesel unterteilt alle Epitheta in konkretisierende und bewertende Epitheta.
Mit Hilfe konkretisierender Epitheta entsteht im Bewusstsein des Menschen die
Vorstellung von Farbe, Form, Klang, Geruch und Tastempfindung, aber auch eine logische
Schlussfolgerung auf wesentliche Merkmale und Eigenschaften, z.B.: aschblondes Haar; herrlich
duftende, gelbe Teerose.
Bewertende Epitheta zeigen die persönlichen Beziehungen des Senders zum Gegenstand
der Darstellung, z.B.: unverschämte Behauptung.
Bewertende Epitheta kommen im Stil der offiziell-direktiven wie der erkenntnis-theoretisch
informierenden Sachprosa seltener vor. Eine Ausnahme bildet die polemische Literatur; hier gilt das
bewertende, stark expressive Epitheton als Genremerkmal.
Wichtige Rolle spielen die bewertenden Epitheta in der schönen Literatur und Alltagsrede,
z.B.: schrecklich interessanter Roman; der Bombenerfolg (Bestimmungswort in der Funktion des
Epithetons); dieser Brei aus Blut und Schnee und Fetzen und Fleisch (das vielgliedrige Epitheton)
usw.
Außerdem unterscheidet man:
 stehende Epitheta: blauer Himmel; kühler Brunnen; tiefes Tal; grünes Gras; böse
Hexe; stolzer König; staunend billige Preise usw.;
 unerwartete Epitheta: grüner Wind;
 tautologische Epitheta: alter Greis; ein runder Kreis; ein weißer Schimmel; ein älterer
Senior;
 Lieblingsepitheta: niedlich; süß;
9

 epitheton ornas (schmückendes Beiwort): der edle König; der tapfere Held; Karl der
Große; die tüchtige Hausfrau;
 charakterisierendes Epitheton: gesellige Wolken.

2.3. Figuren der Auslassung (Elimination)


Die Figuren der Auslassung kommen durch das Weglassen, die Einsparung
„normalerweise“ notwendiger Bestandteile des Satzes zustande.
Zu den Figuren der Auslassung gehören:
 Ellipse
 Isolierung
 Zeugma
 Aposiopese

Die Ellipse sieht die Ersparung von Redeteilen, die sich aus dem Kontext oder Situation
ergeben lassen, z.B. der Vater ist schon auf (aufgestanden); der Mann ist schon ab (abgegangen); je
schneller, desto besser. Die Ellipsen werden besonders oft in Dialogen verwendet.
Als Ellipse im grammatischen Sinne (griech. elleipein = „fehlen, ausbleiben“) versteht man
jede Äußerung, die die zweigliedrige Struktur des deutschen Normalsatzes unterschreitet.
In wissenschaftlichen Texten und Gebrauchsformen der Verwaltung findet man keine oder
kaum Ellipsen.
Dagegen sind Alltagsrede, Journalismus und künstlerische Literatur ausgesprochen
ellipsenträchtig. Man gebracht sehr viele elliptische Sätze in der Alltagsrede.
Sollst recht haben. Bleibt sich doch gleich. Kannst du mir glauben.
Gehst du spazieren? ‒ Nein.
Auch in Depeschen sind Ellipsen sprachökonomisch bedingt:
Kolloquium verlegt. Hauptreferent erkrankt. Neuer Termin folgt. Interessenten bitte be-
nachrichtigen.
Expressiv wirken die Ellipsen in Hörspielmonologen:
Essen wärmen ‒ runter schlingen ‒ Türe zu ‒ Ruhe halten. Atmen. Pause. Pause. Zeit
vergeht ‒ Stunde um – wie viel Stunden Sprechübungen - ach, die Tochter ‒ zeigt Zerstreutheit ‒
schwatzt und stört im Unterricht ‒ unterschreiben ‒ Unterschrift. (G. Rücker).
Ellipsen sind für folgende Textsorten typisch: lebhafte Rede, Frage, Wunsch, Befehl;
emotional gefärbte Umgangssprache, militärische Kommandos, lyrisches Sprechen, Alarmruf,
Telegramme, Notizen, Adress- und Telefonbücher, Aufschriften, Ausstellungskataloge, Back- und
Kochrezepte, medizinische Befunde, Bildunterschriften, Bühnenanweisungen, Fahrpläne,
Fragebögen, amtliche Formulare, Lexikonartikel, Listen, Marktberichte, Reiseführer, Register,
Schlagzeilen, Tagebücher, Speisekarten, Theaterzettel, Übersichten, Wegweiser, Wetterberichte
usw.

Bei der Isolierung (auch: absolute Absonderung, Parzellierung) versteht man die isolierten
Teile parzellierte Sätze. Die ausgeklammerten Satzteile bekommen eine relative Selbständigkeit
und erscheinen in Form von selbständigen Sätzen. Sie verstärken einzelne Teile der Aussage, z.B.:
Das Holz, ich muss ja das Holz haben. Für uns. Für morgen.

Das Zeugma (griech. = „Joch, Zusammenjochung“) ist eine Stilfigur, die Ergänzungen
mehrerer gleichartiger Wörter zu einem Wort bildet (Adjektive zu einem Substantiv, Adverbien zu
einem Verb usw.), wobei die eine Ergänzung semantisch passend ist, die andere dagegen nicht,
z.B.: Er spricht fremde Sprachen und über andere Leute.
Er saß ganze Nächte und Sessel durch.
Sie gingen ins Haus und er mit ihnen.
Ihr sucht euren Vorteil, wir den unsren.
Ein Zeugma entsteht dadurch, dass auf ein polysemes Lexem, meist das Prädikatsverb, zwei
(oder mehr) koordinierte Ergänzungen bezogen werden, die verschiedene Bedeutungen (Sememe)
10

des Bezugswortes aktualisieren. Auf diese Weise sollen vor allem humoristische, satirische oder
ironische Wirkungen erzielt werden. Oft werden Verbergänzungen und Präfixe koordiniert:
Hiermit eröffne ich mich und mein Buch ... Legen Sie also bitte Scheu und Mantel ab, atmen
Sie auf und kräftig durch. Auch bei uns gibt es noch Mitbürger, die ihre Hände lieber in Unschuld
als in Seifenlösung waschen. Serienweise fiel man bei passender Gelegenheit in Ohnmacht und in
die Arme geübter Herren.
Auf diese Weise wird Unterweisung in Hygiene und Prophylaxe unterhaltsam und
humorvoll praktiziert. Durch Kontextelemente können auch unterschiedliche Sememe eines
Substantivs aktualisiert werden, z.B.:
Weil mehrere Typen sie benutzen, hat diese Maschine nie saubere. (H. Knobloch)

Mit dem Zeugma ist der Schlagsatz nahe verwandt. In diesem Falle wird einem Satz oder
einer Häufung eine Erweiterung in widersprechender und deshalb unerwarteter Weise
angeschlossen:
Die Begriffe kommen und gehen.
Das Verständnis bleibt. Auf der Strecke. (Eulenspiegel 32/1988)

Die Aposiopese (griech. aposiopesis = „das Verschweigen“, auch Satzabbruch genannt) ist
die stilistische Figur, wenn ein Satz, die Rede unvollendet abgebrochen wird. Sie unterscheidet sich
von der Ellipse dadurch, dass die erstere aus sprachökonomischen Gründen entsteht und sich leicht
durch die sprachliche Umgebung und Situation ergänzen lässt, während bei dem Satzabbruch der
Sprecher seine Aussage unterbricht und der Empfänger selbst die Fortsetzung erraten soll. Es gibt
allerhand Ursachen dafür.
Z.B.: Man muss ihn bloß genug zwiebeln, Angst ist nämlich ... Also Angst ist, weißt du ...
Manche Aposiopesen sollen Interesse wecken und Spannung hervorrufen. Andere
Aposiopesen stellen einen Bezug zu alltäglichen Situationstypen oder zu einem bekannten
poetischen Text her.

2.4. Figuren der Anordnung und des Platzwechsels (Permation)


Diese Gruppe der Stilfiguren basiert ausnahmslos auf Varianten der Stellung und
Reihenfolge syntaktischer Einheiten in der Satzäußerung. In diesem Sinne wird auch von
Positionsfiguren gesprochen.

Zu den Figuren der Anordnung und des Platzwechsels gehören:


 Umstellung (Anastrophe)
 Nachstellung (Epiphrase):
1. Nachtrag
2. Ausrahmung
 Wiederaufnahme:
1. Prolepse
 Einschub:
1. Parenthese
 Konstruktionswechsel:
1. Anakoluth

 Anastrophe (Umstellung, Inversion): Die mehr als Inversion bekannte Form meint einen
Platzwechsel gewöhnlich aufeinander folgender Glieder.
An erster Stelle ist hier die markierte Thematisierung zu nennen, bei der der
Informationskern des Satzes, der den Satzakzent trägt, die Äußerung eröffnet.
Diese Art Umstellung ist kennzeichnend für den Textanfangssatz einer Pressenachricht oder
des Wetterberichts:
Zwischen Sonne und Regenschauern schwankte das Wetter am ersten
Septemberwochenende.
11

Solche Umstellungen werden auch für Kontrast und emotional bedingte Hervorhebung
genutzt: Und bei uns war immer volles Haus. Ruhe war bei uns nie.
Sehr oft wird die Umstellung in Überschriften, Titeln von Büchern, Rundfunk- und
Fernsehsendungen sowie Warenbezeichnungen gebraucht.

 Zur Nachstellung gehören:


- Nachtrag und
- Ausrahmung.

Unter Nachtrag versteht man die Absonderung eines Substantivs oder einer Wortgruppe in
Schlussstellung, während das Pronomen oder Adverb dem Substantiv vorangehen:
Oh, dass sie ewig grünen bliebe,
Die schöne Zeit der jungen Liebe (F. Schiller)

Die Ausrahmung
Ein Gegenstück zu den oben genannten Erscheinungen aus der Gruppe von Figuren der
Anordnung bzw. des Platzwechsels ist die Rahmenspannung, z.B.:
Diese ernsten Herren ... waren peinlich auf Ordnung, nicht nur in ihrem Zimmer, sondern,
da sie sich nun einmal hier eingemietet hatten, in der ganzen Wirtschaft, also insbesondere in der
Küche, bedacht.

Unter Prolepse (Anfangsstellung) versteht man die Wiederaufnahme eines an der


Spitzenstellung stehenden, abgesonderten Substantivs durch ein Pronomen oder Adverb: Meine
Mutter, die ist immer gerecht.

Der Einschub ist „die Unterbrechung des Satzablaufs durch einen Satz, eine Wortgruppe
oder ein Wort, die in keiner unmittelbaren formellen grammatischen Beziehung zu dem Satz stehen,
der sie einschließt“, z.B.:
Da war der Kleine. Er kletterte heraus, gepäckbeladen, und, schau mal an, aus einem Coupé
der Polsterklasse. (L. Feuchtwanger)

Parenthese (griech. = „Dazwischenschalten“) oder Einschub: Schaltsätze, -gruppe,


-wörter, die mitten in den Satz eingeführt werden, ohne formelle Verbindungselemente mit dem
übrigen Teil des Satzes. Sie werden intonatorisch (auch graphisch) abgegrenzt. Die Parenthese kann
expressiv oder nichtexpressiv sein. Die Parenthese erscheint meistens eingeschoben zwischen
Gedankenstriche oder Kommata, z.B.: Ottilie ward einen Augenblick – wie soll man’s nennen –
verdrießlich, ungehalten, betroffen. (J.W. Goethe)
Eduard – so nennen wir einen reichen Baron im besten Mannesalter – Eduard hatte in
seiner Baumschule die schönste Stunde eines Aprilnachmittags zugebracht.
In der Parenthese steckt oft eine witzige oder sarkastische Bemerkung des Autors.

Beim Konstruktionswechsel, auch Satzbruch und Anakoluth genannt, handelt es sich um


eine starke, auffällige Abweichung von den syntaktischen Fügungsregeln der Sprache. Der Satz
wird in einer bestimmten Weise begonnen, aber nicht grammatisch „korrekt“ zu Ende geführt, es
wird zu einer anderen syntaktischen Struktur übergewechselt. Als regelwidrige Satzkonstruktion ist
das Anakoluth zunächst eine Erscheinung spontaner Rede, z.B.:
„Und das käme wie viel? Wie sie das gesagt hat is vielleicht ich meine hat se vielleicht gar
nicht so unrecht. Hat mir dann ’ne alte Decke hab ich dann schließlich noch gefunden“.
Besonders oft nutzen das Anakoluth die Schriftsteller zur Gestaltung der Figurenrede in
Erzählungen, Hör- und Schauspielen.

Literatur
12

1. Fleischer W., Michel G., Starke G. Stilistik der deutschen Gegenwartssprache. – 2. Aufl. –
Frankfurt a. M.; Berlin; Bern; New York; Paris; Wien: Peter Lang, 1996. – 341 S.
2. Heidemeyer V. Genres und Stile der deutschen Gegenwartssprache. – Луцьк: РВВ «Вежа»
Волин. нац. ун-ту ім. Лесі українки, 2008. – 132 с.
3. Lysetska N., Heidemeyer V. Stilistik der deutschen Sprache (Vorlesungskurs). – Луцьк: РВВ
«Вежа» Волин. нац. ун-ту ім. Лесі Українки, 2009. – 132 с.
4. Riesel E., Schendels E. Deutsche Stilistik. – M.: Hochschule, 1975.– 316 S.
5. Sandig B. Stilistik der deutschen Sprache. – Berlin, New York: de Gruyter, 1986. – 368 S.
6. Sowinski B. Stilistik. – Stuttgart, 1991. – 384 S.
7. Брандес М.П. Стилистика немецкого языка. – М.: Высшая школа, 1983. – 271 с.
8. Іваненко С.М., Карпусь А.К. Лінгвостилістична інтерпретація тексту (для факультетів
іноземних мов університетів і педагогічних вищих навчальних закладів освіти): Підр. –
К.: КДЛУ, 1998. – 176 с.
9. Наер Н.М. Стилистика немецкого языка: Учеб. пособие. – М.: Высшая школа, 2006. –
271 с.