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MAGYAR NEVEKKEL

Taschenbuch für Pilzfreunde


Magyar nevekkel a részletes leíró részben és
aktualizált latin nevekkel
Pénzes Kálmán 2020.
Achte. durchgesehene Auflage

PDF-A usgabe erstellt von O nkel H arald

Bruno Hennig Berlin

Neu bearbeitet von

Hanns Kreisel Greifswald


Die wichtigsten und häufigsten Pilze
mit farbigen Abbildungen von
126 Pilzarten, Kurzbeschreibungen von
mehr als 100 weiteren Pilzen sowie
mit Ratsehlägen fur das Sammeln. Kennen­
lernen und für die Verwendung der Pilze.

VEB GUSTAV FISCHER VERLAG JENA 1982


1. Auflage 1964
2. Auflage 1965
3. Auflage 1968
4. Auflage 1972
5. Auflage 1973
6. Auflage 1975
7. Auflage 1979

Taschenbuch für Pilzfreunde


Ein praktischer Ratgeber für den Pilzsammler
Hennig, B.
Kreisel H.
8. durchgesehene Auflage
Jena
VEB Gustav Fischer Verlag
1982

8, durchgesehene Auflage
Alle Rechte Vorbehalten
(C) VHB Gustav Fischer Verlag. Jena
Lizenznummer 261 700 I44/82
LSV 13 59
Lektor Johanna Schlüter
Gesamtherstellung: Grafische Werke Zwickau III 29/ 1
Bestellnummer 533 568 0
DDR 11,90 M
AUS DEM VORWORT ZUR 1. UND 4. AUFLAGE

Das vorliegende „Taschenbuch für Pilzfreunde" soll in erster Linie


dem Bedürfnis des praktischen Pilzsammlers dienen und ist für breite
Kreise von Naturfreunden bestimmt.
Aus der verwirrenden Vielfalt der Pilze in Wald und Flur wurden
deshalb die wichtigsten Speise- und Giftpilze ausgewählt und zur Dar­
stellung gebracht, Pilze, die mit bloßem Auge ohne Gebrauch eines
Mikroskopes erkannt werden können.
Die farbige Abbildung allein genügt bei der großen Veränderlichkeit
der Pilze in Form und Farbe nicht zur sicheren Bestimmung.
Eine genaue und eingehende Beschreibung soll daher dem ahnungs­
losen Pilzsammler das Erkennen der Pilze ermöglichen. In dem Text, der
den Abbildungen gegenübergestellt ist, sind Hinweise auf wichtige,
charakteristische Merkmale angeführt, deren sorgfältige Beachtung dem
Sammler das Bestimmen der Pilze sehr erleichtert. Sie ermöglichen es
ihm, bei dem gefundenen Pilz die Zahl der in Betracht kommenden Arten
einzuengen. Dies gilt insbesondere für den Geschmack und Geruch,
Eigenschaften, die man im Bilde nicht feststellen kann, die aber häufig
von großer Bedeutung für die Bestimmung des Pilzes sind. Pilze können
mild, scharf, pfefferig oder bitter schmecken. So sei z.B. auf den sehr
verbreiteten, an Baumstümpfen wachsenden Hallimasch hingewiesen,
dessen Stiele manchmal dickknollig ausgebildet sind und den Anfänger
leicht narren! Mitunter erscheint der Hallimasch, eigentlich ein Herbst­
pilz, auch schon im Juli, besonders im Gebirge. Eine Kostprobe, bei der
man ein Pilzstückchen zwei Minuten kaut, ermöglicht die sichere Bestim­
mung dieses Pilzes an dem laugenhaften Geschmack.
Der Giftchampignon läßt sich leicht von den anderen Champignon­
arten durch seinen widerlichen Geruch (nach Karbol oder Tinte) unter­
scheiden, der besonders bei der Zubereitung aus dem Kochtopf aufsteigt.
Andere Pilze riechen z.B. nach Anis, Fenchel, Knoblauch, Bitterman­
deln, Mehl, Käse, Obst, Rettich, Kartoffeln, Seife, Chlor, Hering oder
tranigem Fisch usw.
Auch das Fingerspitzengefühl kann bei der Erkennung der Pilzarten
helfen, z.B. bei der Feststellung, ob der Pilz eine glatte, samtige, fettige
oder klebrige Oberhaut hat.
Ein besonderes Kapitel ist der Verwertung und der zweckmäßigen
Zubereitung der einzelnen Pilzarten gewidmet, ebenso die Hinweise am
Ende der Beschreibungen. —
Ich schließe mit den Worten eines der größten Pilzwissenschaftler,
Elias Fries, Uppsala (1794—1878), der in hohem Alter rückblickend auf
sein arbeitsreiches Leben schrieb: ,,In der Abenddämmerung meines

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Lebens denke ich daran, welch unendliche Freude mir das Studium der
Pilze, das ich über 50 Jahre betrieben habe, stets bereitet hat. Allen
Naturfreunden empfehle ich die Beschäftigung mit ihnen als eine unver-
siegliche Quelle der Freude und Bewunderung der Weisheit, welche das
ganze Universum leitet.“

Berlin, 1962 und 1971

Bruno Hennig
VORWORT ZUR 7. AUFLAGE

Entdeckungen und Entwicklungen der letzten Jahre machten es


notwendig, das „Taschenbuch für Pilzfreunde“ gründlich zu über-
arbeitcn. Unsere Kenntnisse über die Pilzgifte und ihre Wirkungen haben
sich vertieft, die Bewertung der Eßbarkeit mancher Arten gewandelt,
unser Wissen über Vorkommen und Standortansprüche der Pilze
präzisiert. Die deutschen Namen und die wissenschaftlichen Bezeich­
nungen der Pilze haben sich teilweise — im Interesse einer Vereinheit­
lichung — geändert. Außerdem war die seit 1974 in der DDR gültige
„Anordnung über den Verkehr mit Speisepilzen und daraus hergestellten
Pilzerzeugnissen" zu berücksichtigen. In allen diesen Fragen war auch
eine Angleichung an das gleichzeitig in neuer Bearbeitung erscheinende
„Handbuch für Pilzfreunde“ erforderlich. In den Beschreibungen der
Pilze wurde manche kleine Verbesserung vorgenommen; dagegen
stimmen die Farbbilder und ihre Reihenfolge mit der 6. Auflage
überein.
Die Beschäftigung mit Pilzen ist für immer mehr Menschen ein
anspruchsvolles Hobby geworden, und die Weiterentwicklung der
Pilzkunde ist nicht dem Berufsmykologen Vorbehalten. Die Lösung
vieler noch offener Fragen bedarf der Mithilfe eines großen Kreises
von interessierten Pilzfreunden. Umfassende Anregung und Auskunft
hierzu bietet das im gleichen Verlag erscheinende 6bändige „Handbuch
für Pilzfreunde“; daher wird an vielen Stellen des Taschenbuches
auf weiterführende Textstellen und Abbildungen im „Handbuch“
verwiesen.
Die besonders an Koch- und Konservierungsrezepten interessierten
Pilzfreunde seien außerdem auf das ansprechende Büchlein von
F. Gröger hingewiesen: „Pilze und Wildfrüchte selbst gesammelt und
zubereitet“, 2. Auflage Leipzig 1978 (Verlag für die Frau). Die Inter­
essenten an der Pilzkultur finden Rat in der Broschüre von Dr. V. Kindt
„Champignon und Träuschling selbst angebaut“, 3. Auflage Berlin
1974 (VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag).
Der langjährigen Vorsitzenden des Arbeitskreises der Bezirks-
Pilzsachverständigen, Frau Mila Herrmann, Halle, danke ich für viele
nützliche, den Allgemeinen Teil des Buches und das Verzeichnis der
Marktpilze betreffenden Hinweise.

Greifswald, im September 1978

Hanns Kreisel

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VORWORT ZUR 8. AUFLAGE

Text und Bildmaterial wurden erneut einer gründlichen Durchsicht unter­


zogen. Sämtliche Farbtafeln konnten neu reproduziert, einige Bilder
gegen bessere oder neu geordnete Vorlagen ausgetauscht werden.
Zusätzlich wurde in den Bildteil der Riesen- oder Kulturträuschling
aufgenommen; denn der Anbau dieser Art erfreut sich zunehmender
Beliebtheit bei Kleingärtnern. Man muß den zu erwartenden Pilz jedoch
kennen, um Verwechslungen mit anderen, ungenießbaren oder sogar
giftigen Pilzarten zu vermeiden, die gelegentlich auf den Träuschlings­
beeten zahlreich in Erscheinung treten.
Außerdem wurde ein Kapitel über die mikroskopische Untersuchung
von Pilzen eingefügt, worin u.a. das Messen von Pilzsporen und
wichtige mikroskopische Farbreaktionen beschrieben werden. Dadurch
wird der Pilzfreund in die Lage versetzt, die im Taschenbuch ange­
gebenen Sporenmerkmale zu überprüfen und auch anspruchsvollere
Bestimmungsbücher zu benutzen.
Fräulein Gartenbauing. Christa Lindstädt, VEG Champignonzucht
Dieskau, verdanke ich Informationen über die z. Z. in der DDR ange­
botenen Sorten von Kulturpilzen.

Greifswald, im Februar 1981

Hanns Kreisel

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INHALTSÜBERSICHT

\llgemeiner Teil
I. Allgemeine Leitsätze für den Pilzsammler............................................................. 13
II. Verwertung der Speisepilze..................................................................................... 18
A. Allgemeines.......................................................................................................... 18
B. Gerichte aus frischen Pilzen................................................................................. 20
C. Konservierung der Pilze....................................................................................... 21
III. Pilzvergiftungen ...................................................................................................... 24
A. Anzahl und Häufigkeit der Giftpilze.................................................................... 24
B. Erste Hilfe bei Pilzvergiftungen.......................................................................... 25
C. Bestimmung der Giftpilze.................................................................................... 26
D. Die einzelnen Giftpilzarten und ihre Wirkungen . . . . . . 26
IV. Die Lebensweise der Pilze....................................................................................... 33
V. Ratschläge für die Pilzjagd ..................................................................................... 36
VI. Die wissenschaftlichen Namen der Pilze ............................................................... 40
VII. Einteilung und Bestimmung der Pilze.................................................................... 41
VIII. Mikroskopische Merkmale...................................................................................... 46
Spezieller Teil
Beschreibungen und Abbildungen von 126 Pilzarten . . . . 54
Verzeichnis der Marktpilze................................................................................................. 199
Verzeichnis der deutschen Pilznamen................................................................................ 205
Verzeichnis der wissenschaftlichen Pilznamen................................................................. 211

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I. Allgemeine Leitsätze für den Pilzsammler

Vielerlei Gründe bewegen den Menschen — auch in unserer von Industrie


und Technik geprägten Zeit —, in Wälder und Wiesen hinauszugehen
und nach Pilzen zu suchen; Bedürfnis nach sinnvoller Freizeitgestaltung,
Freude an mannigfachen Geschmäcken und Zubereitungsmöglichkeiten,
Romantik des Forschens in unberührter Natur, die nahezu kostenlos
gewonnene Eiweißnahrung oder auch die Möglichkeit eines zusätzlichen
Verdienstes durch den Verkauf der gesammelten Pilze. Wer aber auch
immer seine gesammelten Pilze verzehrt oder verkauft, wird mit ernsten
Gefahren konfrontiert, die von den giftigen oder ungenießbaren Arten
ausgehen.
Selbst in den Ländern mit vorbildlich organisierter Pilzaufklärung, wie
DDR, CSSR und Schweiz, ereignen sich noch alljährlich zahlreiche, da­
runter auch tödliche Pilzvergiftungen. Fast immer sind diese auf den
Leichtsinn der Sammler zurückzuführen. Angesichts der 5300 Arten
europäischer Großpilze — darunter ca. 160 Giftpilze und viele ungenieß­
bare oder nicht hinreichend erprobte Arten — muß mit allem Nachdruck
gesagt werden: die Pilzkunde ist keine einfache Sache; sie erfordert Sach­
kenntnis und Selbstkritik. Doch beweisen ungezählte Sammler, die „ihre“
Pilze mit Sicherheit erkennen, daß man auch ohne akademische Aus­
bildung eine solide Artenkenntnis erwerben kann.

1. Giftpilze sind nur an ihren mvkologischen Merkmalen zu erkennen


Es gibt kein generelles Mittel, um Gift- und Speisepilze grundsätzlich zu
unterscheiden — weder durch äußere Merkmale noch durch chemische
Analysen. Die einzelnen Gattungen und Artengruppen der Giftpilze ent­
halten Gifte von ganz unterschiedlicher chemischer Natur, aber fast alle
Pilzgifte sind farb-, geruch- und geschmacklos.
Hier und da tauchen Meinungen auf, daß man Giftpilze an der Blau­
oder Gelbfärbung ihres Fleisches, an leuchtenden oder „giftigen" Hut­
farben (rot, blau, grün), am Geruch oder Geschmack erkennen könnte
oder gar durch das Schwarzwerden einer mitgekochten Zwiebel oder
eines silbernen Löffels. Das alles ist gefährlicher Irrtum, der keiner
wissenschaftlichen Nachprüfung standhält, ln Wirklichkeit bedarf der
direkte Nachweis eines Pilzgiftes oft monate-, ja jahrelanger Laborato­
riumsarbeit mit gewaltigen Pilzmengen.
Die auffallenden Farb-, Geruchs- und Geschmacksstoffe mancher Pilze
sind mit Giftstoffen nicht identisch. Der lebensgefährliche Pantherpilz
(Nr. 4) z.B. hat einen unscheinbar braunen Hut, sein Fleisch ist unver­
änderlich weiß und geruchlos; ein Gericht von ihm schmeckt ausge­
zeichnet. Gewiß, der Rote Fliegenpilz (Nr. 7) hat den leuchtend roten

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Hut, doch ist der ebenso giftige Braune Fliegenpilz (Nr. 8) braun. Der
Grüne Knollenblätterpilz (Nr.5) hat einen olivgrünen Hut, doch enthält
der Weiße Knollenblätterpilz (Nr.6) die gleichen Gifte, während an­
dererseits der ..giftig“ spangrüne Grünspan-Träuschling (Nr. 18) eßbar
ist. Der Gift-Egerling (Nr. 16) zeigt eine auffallende Gelbfärbung an der
Stielbasis, doch kann der eßbare Schaf-Egerling (Nr. 12) ähnliche Verfär­
bung auf dem Hut aufweisen. Es gibt also keine Warnfarben! Der stark
bittere Gallenröhrling (Nr.79) ist ungiftig, der ebenso bittere Grünblätt­
rige Schwefelkopf (Nr. 20) hingegen ist giftig. Zahlreiche gute Speisepilze
riechen charakteristisch nach frischem Mehl oder frischen Gurken, doch
haben die giftigen Arten Tiger-Ritterling (Nr.37) und Riesen-Rötling
(Bd. 1/60) den gleichen Geruch. Auch eine schleimige Hutoberfläche ist
kein Anzeichen für Giftgehalt.
Manche Sammler glauben, daß ein von Tieren angefressener Pilz nicht
giftig sein könne. Auch das ist nicht wahr! Die für den Menschen giftigen
Stoffe sind z. T. schon für Weidevieh, Wild und Nagetiere unschädlich,
um so harmloser für Schnecken und Insekten. Selbst der gefährlichste
Giftpilz, der Grüne Knollenblätterpilz, ist oft von Maden oder Schnecken
befallen!
Die einzige Möglichkeit, Giftpilze zu erkennen und von den Speise­
pilzen zu unterscheiden, ist. sie Art für Art nach ihren mykologischen
Merkmalen zu bestimmen und sieh diese einzuprägen.

2. Iß nur Pilze, die du genau kennst! Schätze deine Pilzkenntnisse


realistisch ein!
Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, und selbst gelehrte und
berühmte Mykologen würden niemals behaupten, „alle“ Pilze zu ken­
nen — zumal viele Arten selten oder nicht leicht zu bestimmen sind. Für
die Sicherheit des Pilzsammlers ist es auch gar nicht nötig, „alle" Pilze zu
kennen. Viel wichtiger ist der Grundsatz, sich beim Essen und Verkauf
auf diejenigen Pilzarten zu beschränken, die man wirklich genau kennt,
und zwar in den verschiedenen Altersstadien, bei trockenem und bei
feuchtem Wetter usw. — es gibt viele Faktoren, die das Aussehen der
Pilze beeinflussen und deren große Variabilität bedingen.
Bescheidenheit und Selbstkritik sind also erforderlich. Natürlich wird
der ernsthafte Pilzfreund immer bemüht sein, seine Artenkenntnis nach
und nach zu erweitern, doch sei man immer mißtrauisch gegenüber
solchen Leuten, die vorgeblich „alle“ Pilze kennen.

3. Lerne die wichtigsten Giftpilze kennen!


Die Kenntnis der wichtigsten und häufigen Speisepilze allein reicht nicht
aus, um Unfällen vorzubeugen. Man mache sich von vornherein auch mit
den Merkmalen der giftigen Doppelgänger vertraut, vor allem der tödlich
giftigen Arten Grüner, Weißer und Spitzhütiger Knollenblätterpilz, Pan-

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therpilz. Ziegelroter Rißpilz und dem roh stark giftigen Kahlen Kremp­
ling! Da durch bloßes Anlassen dieser Arten keine Vergiftungen ent­
stehen können, kann man sie ruhig in die Hand nehmen, ihre Kenn­
zeichen studieren und mit dem Buch vergleichen.
Ungenießbare, wenn auch nicht giftige Doppelgänger von Speisepilzen
sollte man ebenfalls genau kennen, denn schon ein einziges kleines Exem­
plar der stark bitteren oder scharfen Arten kann ein ganzes Pilzgericht
verderben.

Übersicht wichtiger Doppelgänger

ElSbar Giftig
Wiesen-Egerling Weißer Knollenblätterpilz
Schaf-Egerling Spitzhütiger Knollenblätterpilz
u. a. Egerlinge Karbol-Egerling (Gift-Egerling)
Mai-Ritterling Ziegelroter Rißpilz
Grünling Grüner Knollenblätterpilz
Grasgrüner Täubling
Grünschuppiger Täubling
Grauer Wulstling Pantherpilz
Perlpilz Tiger-Ritterling
Waldchampignon (-Egerling)
Stockschwämmchen Nadelholz-Häubling
Graublättriger Schwefel köpf Grünblättriger Schwefelkopf
Graukappe Riesen-Rötling
Schild-Rötling
Mehlpilz Feld-Trichterling
Duft-Trichterling
Blei weißer Trichterling
Apfel-Täubling Spei-Täubling
Speise- Täubling Tränen-Täubling
u. a. Täublinge
Perlpilz Fliegenpilz
Hexenröhrlinge Satanspilz
Morcheln Frühjahrs-Lorchel

Ungenießbar
Steinpilz-Arten Gallenröhrling
Maronen-Röhrling
Edel-Reizker Birken-Reizker
Blut-Reizker
Habichtspilz Gallen-Stacheling

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4. Sammle nur vollständige Pilze!
Pilze, die man nicht genau kennt, werden nicht abgeschnitten, sondern
stets mit der gesamten Stielbasis aus dem Boden gedreht. Gerade am
unteren Ende des Stieles sitzen viele wichtige Merkmale (Knolle, Volva-
reste, wurzelartige Verlängerungen, charakteristische Behaarung
oder Farbe), die für eine sichere Bestimmung unentbehrlich sind.
Ebenso ist der Stiel oft mit charakteristischen Kennzeichen versehen:
Ring. Manschette, Schüppchen, Behaarung, Schleimüberzug, Reif
u. dgl. Hüte ohne Stiel oder mit unvollständigem Stiel sind daher oft
nicht bestimmbar und können sogar erfahrene Kenner täuschen! Aus
diesem Grunde dürfen Pilze auch vor der Bestimmung nicht geputzt,
insbesondere nicht von der Oberhaut oder dem Lamellen- bzw. Röhren­
futter entblößt werden.
Man vermeide sogar jede überflüssige Berührung unbekannter Pilze,
denn einige Merkmale wie Velumflocken. Reif, feine Schüppchen u. a. m.
können leicht abgegriffen werden, und an den Berührungsstellen können
Farbänderungen eintreten.

5. Sammle nur gesunde und frische Pilze!


Auch solche Arten, die wir zu den Speisepilzen zählen, können giftig
werden und z.B. Verdauungsstörungen hervorrufen, sobald sie über­
altert, madig, faulig, zerdrückt, stark durchwässert, vom Goldschimmel
befallen oder durch Auftauen nach dem Frost matschig geworden sind.
Dies ist auf zersetztes Eiweiß zurückzuführen.
Der Sammler muß lernen, überalterte Fruchtkörper zu erkennen, was
bei trockener Witterung nicht immer leicht ist. Namentlich bei Perlpilzen
und Morcheln ereignen sich manchmal Vergiftungen durch ältere,
verdorbene Exemplare.
Bei Verwendung gefrorener Pilze ist besondere Vorsicht nötig. Werden
die Fruchtkörper nach dem ersten Frost in gefrorenem Zustand einge­
sammelt und gleich nach dem Auftauen zubereitet, können sie unbedenk­
lich gegessen werden — dies gilt besonders für die typischen Winterpilze
wie Frost-Schneckling, Austern-Seitling und Winterpilz (Samtfuß-
Rübling). Werden die Fruchtkörper jedoch nach dem Auftauen matschig,
so sind sie verdorben und ebenso zu meiden wie gefrorene, wieder
aufgetaute und abermals gefrorene Pilze.

6. Zerstöre keine giftigen oder ungenießbaren Pilze!


Pilze sind ein Schmuck des Waldes, der den Wanderer erfreut — auch
Fliegenpilze und andere giftige Arten! Vor allem aber erfüllen die Pilze
eine unentbehrliche und nützliche Rolle im Gefüge des Waldes. Etwa
jede vierte Großpilzart lebt in Mykorrhizasymbiose mit Baumwurzeln
und ist daher unmittelbar für die Versorgung der Bäume mit Wasser
und Mineralstoffen zuständig. Pilze ernähren aber auch eine Unzahl von

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Insekten und anderen harmlosen Kleintieren, die ihrerseits den Vögeln,
Amphibien und Reptilien zur Nahrung dienen.
Die Pilzflora zerstören, hieße daher, den Wald und seine Bewohner
zum Sterben verurteilen! Entsprechendes gilt auch für die Pilze der
Wiesen und anderen Standorte. Das Einsammeln der Speisepilze kann
schon einen starken Eingriff in das biologische Gleichgewicht bedeuten:
um so notwendiger ist es, alle übrigen Pilzarten streng zu schonen!
Auch die giftigen und ungenießbaren Pilze haben ihre Existenzberech­
tigung, und ihre Mannigfaltigkeit kündet von der Vielfalt der Wechsel­
beziehungen und biologischen Kreisläufe, die die Natur zu einer restlosen
Ausnutzung der organischen Materie benötigt.

7. Suche im Zweifelsfall die Pilzberatungsstelle auf!


Auch der erfahrene Sammler wird immer wieder Pilze finden, die er nicht
eindeutig bestimmen kann. Niemand braucht sich dessen zu schämen.
Jedoch sei dringend davor gewarnt, mit unbekannten Pilzen Selbstver­
suche anzustellen nach dem Motto ,,Es wird schon gut gehen"! In vielen
Ländern besteht die Möglichkeit, das Sammelgut einem staatlich geprüften
Sachverständigen vorzulegen; die Beratungen sind in den sozialistischen
Ländern kostenlos! In der DDR gibt es
— Bezirks-Pilzsachverständige in jedem Bezirk,
Kreisbeauftragte für Pilzaufklärung in fast jedem Stadt- und Land­
kreis.
Ortsbeauftragte für Pilzaufklärung in vielen kleineren Orten. Stadt­
teilen und Wohngebieten.
Die Pilzsachverständigen machen durch Zeitungsmeldungen und Schau ­
kästen auf ihre Beratungstellen aufmerksam, sie führen Lehrwanderungen
und z. T. auch Ausstellungen durch. Ihre Anschrift kann in den Hygiene-
Instituten erfragt werden.
Auch die Biologie-Sektionen der Universitäten verfügen über Pilzspe­
zialisten (Mykologen), welche gern zu Auskünften bereit sind.

8. Vorsicht beim Aufbewahren!


Zu Hause müssen die Pilze sofort ausgebreitet und flach, kühl und luftig
gelagert werden. Nicht jede Art hält tagelange Lagerung aus. Empfind­
liche Arten, die leicht schimmeln oder faulen (z. B. Ziegenlippe, Rotfuß-
Röhrling), putzt man möglichst noch am gleichen Tag und schmort sie
10 Minuten im eigenen Saft. Im geschmorten Zustand lassen sie sich bei
kühlen Wetter w ie jedes gekochte Gemüse einige Zeit aufbewahren. Man
kann Pilze ohne Schaden aufwärmen; die verbreitete Meinung, auf­
gewärmte Pilzspeisen könnten giftig wirken, ist falsch. Doch sei man
vorsichtig bei feuchtwarmer, gewitterschwüler Luft. Roh gelagerte
Pilze kontrolliere man auf das Vorhandensein von Maden, die man beim
Sammeln oft noch gar nicht bemerkt, die sich aber innerhalb

2 Hennig/Krcisel,Taschenbuch, S.A.
von 1—3 Tagen rasch entwickeln und im gesamten Fruchtkörper aus­
breiten (siehe auch S. 32).

9. Sorgsam säubern!
Die Unterseite des Hutes, das sog. Futter oder Hymenophor (Röhren,
Blätter oder Stacheln), ist besonders nährstoffreich und wird deshalb nur
entfernt, wenn sie faulig oder madig ist. Die Huthaut (Oberhaut) zieht
man nach Möglichkeit ab. da sie oft mit Schmutz und Fremdkörpern
bedeckt ist. Es ist aber nicht möglich, durch Abziehen der Oberhaut
irgendwelche Gifte (z. B. aus dem Fliegenpilz) zu entfernen: Giftstoffe
sind niemals allein in der Huthaut lokalisiert. Die schmutzige Stielbasis
wird abgeschnitten, ebenso der ganze Stiel, falls er hart oder zäh ist (z. B.
Hallimasch, Rüblinge).

10. Richtig zubereiten!


Viele Pilzarten können auf jede beliebige Weise zubereitet werden, doch
gibt es Ausnahmen, die unbedingt beachtet werden müssen. Vor allem
sind einige Arten roh giftig (Hallimasch, Scheidenstreifling, Hexenröhr­
linge, Kahler Krempling 1 ), Schwefelröhrling) und müssen daher abge­
kocht oder ausgiebig (30 Minuten) und in nicht zu großen Stücken ge­
schmort werden. Manche Arten (Edelreizker, Brätling u.a. Milchlinge,
Mönchskopf-Trichterling) sind ausgezeichnete Bratpilze, während sie ge­
kocht oder geschmort fade schmecken. Wieder andere Arten (z.B. der
Echte Pfifferling) eignen sich nicht zum Trocknen. Näheres hierzu im
Kapitel II!

11. Gut kauen!


Pilze — besonders die etwas zähfleischigen Arten — sind nicht leicht
verdaulich. Man zerkleinere sie gut, schmore sie (mit Ausnahme der roh
giftigen Arten!) nicht zu lange — sie werden dadurch nur härter — und
kaue gründlich. Wer schlechte Zähne oder einen schwachen Magen hat,
drehe die Pilze durch einen Fleischwolf. Pilze in übergroßen Mengen be­
lasten den Magen sehr!

II. Verwertung der Speisepilze

A. Allgemeines
Nicht ohne Grund erfreuen sich die Pilze bei vielen Familien größter
Beliebtheit. Ihre Verwertungsmöglichkeiten sind mannigfaltig, die Zahl

1) Auch von der Verwendung in zubereitetem Zustand ist abzuraten, s. S. 28

18
der Rezepte ist fast unübersehbar, und groß ist die Anzahl der eßbaren
Arten mit recht unterschiedlichen Geschmackseigenschaften. Es gibt
milde, pikante und äußerst scharf schmeckende Arten, solche mit ausge­
prägtem, würzigem Aroma und andere von sehr zartem Geschmack.
Durch Mischen verschiedener Pilzarten läßt sich die Zahl der Ge­
schmacksrichtungen fast beliebig steigern. Dem Pilzfreund öffnet sich
hier ein weites Feld zum Experimentieren! Sehr groß ist auch die Zahl der
Gerichte, die durch Zugabe von einigen frischen oder getrockneten Pilzen
oder Pilzextrakt verfeinert werden können.
Besonders empfohlen sei das Buch von F. Gröger „Pilze und Wild­
früchte selbst gesammelt und zubereitet“ (2. Auflage, Leipzig 1978), wel­
ches 117 Rezepte enthält. Viele originelle Kochrezepte mit Pilzen findet
der sprachkundige Pilzfreund in tschechischen, schweizerischen und fran­
zösischen Pilzbüchern und -Zeitschriften. In der Sowjetunion kennt man
ausgezeichnete Methoden zur Konservierung von Pilzen und versteht
sogar, die bei uns oft als ungenießbar geltenden scharfen Reizker und
Täublinge schmackhaft zu machen.
In der DDR sind 76 Pilzarten zum Verkauf in frischem Zustand und
weitere 22 Arten zur Herstellung von Pilzerzeugnissen (Trockenpilze,
Pilzpulver, Extrakte, Konserven) zugelassen (s. S. 201). Die Zahl der be­
kannten Speisepilze ist jedoch weit größer. Viele Arten sind zwar eßbar,
aber für den Handel ungeeignet, da sie zu selten, zu schwer unterscheid­
bar, zu leicht verderblich oder von geringer Geschmacksqualität sind.
Grundsätzlich sollten nur solche Pilze verwertet werden, die in diesem
Taschenbuch ausdrücklich als eßbar bezeichnet sind. Ungenießbare Pilze
sind zwar nicht giftig, kommen aber wegen ihres schlechten (z. B. bitteren
oder ekelerregenden) Geschmacks oder wegen ihrer Zähigkeit nicht in
Frage. Über giftige Arten wird im Kapitel III berichtet. Groß ist noch
immer die Zahl derjenigen Arten, deren Eßbarkeit oder Giftigkeit unge­
nügend erprobt sind. Mit diesen als Wert unbekannt ausgewiesenen
Arten sollte der Pilzfreund nie experimentieren — es könnten sich Gift­
pilze darunter verbergen!
Grundsätzlich sollen auch nur junge und festfleischige Fruchtkörper
verwendet werden. Alte Fruchtkörper mit durchwässertem oder braun
bzw. grau verfärbtem Fleisch sind wenig schmackhaft und unter Umstän­
den gefährlich. Die Fruchtkörper mancher Arten werden mit zuneh­
mendem Alter zäh (z. B. Mönchskopf-Trichterling, Riesenporling) oder
bitter (z.B. Semmel-Stoppelpilz, Riesenbovist) oder gehen in Autolyse
über, d.h. sie lösen sich in Schleim auf (Tintenpilze, Stäublinge, Boviste,
Wurzeltrüffeln).
Leicht madige Pilze können von den Maden befreit werden, indem man
sie zerschneidet und einige Zeit in kräftiges Salzwasser legt. Solche Pilze
eignen sich aber nur zur Bereitung von Brühe oder von Bratlingen (Pilz­
klopsen).

19
Unerwünschte Geschmackskomponenten, wie der leicht parfümierte
Geschmack der Graukappen und Violetten Rötelritterlinge, die leichte
Bitterkeit des Sparrigen Schüpplings und des Zinnober-Täublings, die
leichte Schärfe mancher Täublinge, können durch Überbrühen (kurzes
Abkochen) beseitigt werden.
Scharfe Reizker und Täublinge (Lactarius rufus, torminosus, turpis,
piperatus, citriolens, Russula emetica u.a.) müssen nach Neuhoff über
Nacht in Wasser gelegt werden und danach 2—5 Minuten gekocht
werden. Hierdurch verlieren sie ihre Schärfe und Bitterkeit. Nach
R.Bickerich (briefl.) genügt bei L. rufus und L. turpis 12stündiges, bei
L.quietus 3stündiges kaltes Wässern, hingegen müssen L.torminosus
und L.pubescens 20 Minuten gekocht werden, um den Terpentin­
geschmack zu beseitigen.
Als Rohkost sind Pilze nicht geeignet! Zahlreiche Pilzarten, darunter
auch viele bekannte Speisepilze, enthalten in rohem Zustand Hämolysine
oder Hämagglutinine (Seeger & Wiedmann 1972). also das Blut
zerstörende Eiweiße, deren Menge nach Standort und Jahreszeit
erheblich schwankt. Andere Arten wurden als roh giftig erkannt und
haben eine Anzahl Vergiftungen hervorgerufen (Hexenröhrlinge,
Hallimasch, Schwefelporling u.a., vgl. Pieschel 1964). Daher ist es
ratsam, den Genuß von rohen Pilzen grundsätzlich zu vermeiden.

B. Gerichte aus frischen Pilzen


1. Geschmorte (gedünstete) Pilze. Das einfachste Pilzgericht erhält
man, indem man die gewaschenen und zerschnittenen Pilze in einer
Pfanne mit Zwiebel, Fett (am besten mit geräuchertem Speck) und
Salz so lange im eigenen Saft schmoren läßt, bis der Saft fast eingekocht
ist. Zum Verfeinern kann man gehackte Petersilie, Schnittlauch, Majoran,
Kümmel, Paprika, Pfeffer oder Zitronensaft hinzufügen, zum Abbinden
etwas Mehl in Milch, Buttermilch oder Sahne verquirlt. Fast alle
Pilzarten (außer den zähen, z.B. Herbst-Trompete, Mönchskopf-
Trichterling) sind zum Schmoren geeignet.
2. Gebratene Pilze. Die unzerschnittenen Pilzhüte werden mechanisch
gesäubert, aber nicht oder (Reizker!) nur vorsichtig gewaschen, evtl.
mit einem Tuch abgetrocknet, mit Salz und Pfeffer bestreut, in Mehl
gewendet (oder mit Ei und geriebener Semmel paniert) und in Fett
scharf durchgebraten. Hierzu eignen sich festfleischige Pilze wie Blut-
und Edel-Reizker, Brätling, Mönchskopf-Trichterling, Schwefelporling,
Hasen-Stäubling, Steinpilze und Parasolpilze, auch junge Champignons,
Habichts-Stacheling und Riesenbovist. Es ist zu beachten, daß Reizker
durch allzu langes Braten hart und unverdaulich werden.
3. Pilzklopse (Bratlinge). Die Pilze werden erst zerschnitten, dann mit
kochendem Wasser überbrüht und fein gehackt bzw. durch den Fleisch­
wolf gedreht. Die mit Semmelmehl, Ei (1 Ei auf 500 g Pilze), Salz,

20
Pfeffer und Majoran vermengte Masse wird zu flachen Klopsen geformt,
mit Semmelmehl bestreut und in heißem Fett gebraten. Durch Zugabe
von Hackfleisch (1/3—1/4 der Pilzmenge) wird das Gericht verfeinert,
In ähnlicher Weise können auch Hackbraten und Füllungen für
Kohlrouladen, Omeletts. Pasteten, Paprikafrüchte und dgl. aus oder
mit Pilzen hergestellt werden.
Zu Pilzklopsen eignen sich besonders die festen, wasserarmen und
weniger wertvollen Pilzarten wie Schafeuter, Habichts-Stacheling,
Mönchskopf-Trichterling, Falscher Pfifferling, manche Reizker und
Täublinge sowie die oben erwähnten, wegen unerwünschter Geschmacks­
komponenten überbrühten Pilzarten.
4. Pilzsuppe. Gewaschene und klein geschnittene Pilze (etwa 250
bis 300 g auf 1 L Suppe) werden mit fein gehackter Zwiebel, Öl oder
Butter, Pfeffer, Salz und Petersilie etwa 5 Minuten geschmort; danach
füllt man Wasser (feiner: Fleischbrühe) auf und läßt 20 Minuten ziehen.
Die Suppe kann mit Eigelb und Sahne, mit schaumig geschlagenem Ei
oder Mehlschwitze abgebunden werden. Zuletzt wird mit Wein und
geriebenem Käse und evtl. Paprika der Geschmack verbessert. Zu
Pilzsuppe eignen sich alle nicht zu zähen Pilzarten. Es empfiehlt sich,
Pilze von kräftigem, würzigem Geschmack (Nelken-Schwindling,
Stockschwämmchen, Röhrlinge, Morcheln) mit solchen von neutralem
Geschmack (Streiflinge, Perlpilz, Täublinge, Ritterlinge) zu mischen.
Hervorragende Suppenpilze sind Grünling und Krause Glucke.
5. Wiirzpilze. Als Beigabe zu Bratensoßen u. dgl. eignen sich Pilze
von starkem, würzigem Geschmack, wie Deutsche Trüffel, Nelken- und
Küchen-Schwindling, Herbst-Trompete, Habichts-Stacheling, Morcheln,
Anis-Trichterling und Bruch-Reizker (Maggipilz). Letzterer darf nur
in kleinen Mengen verwendet werden. Die Pilzsoßen sollten mit gedün­
steten Zwiebeln und Speckwürfeln, Kerbel, Estragon, Tomatenscheiben,
Fleischbrühe, evtl. auch Wein, Meerrettich oder Petersilie, gewürzt
werden. Statt frischer Pilze kann man auch Pilzextrakt (s. unten)
verwenden.
6. Pilze am Spieß. Für die moderne Hobbyküche eignen sich besonders
Blut- und Edelreizker, die nach Schaschlyk-Art, mit Speckscheiben
gemischt, am Spieß gebraten oder auch, mit Öl bestrichen, auf dem
Grill geröstet werden können. Erfinderische Pilzfreunde werden sicher
bald weitere Varianten entdecken.
7. Geräucherte Pilze. Der tschechische Pilzfreund J. Vrbka hat heraus­
gefunden, daß Austern-Seitlinge wie Fisch oder Speck geräuchert
werden können. Der Geschmack soll vorzüglich sein.

C. Konservierung der Pilze


1. Trockenpilze. Das Trocknen ist die einfachste Methode der Konser­
vierung von Pilzen. Die Pilze werden sorgfältig gereinigt (aber nicht

21
gewaschen), zerschnitten, auf Papier oder Gazerahmen ausgebreitet
und bei geringer (!) Wärme an frischer Luft oder auf dem Ofen
getrocknet. Nach 1—2 Tagen sind die Pilze trocken; schimmelig
gewordene Stücke müssen entfernt werden. Das Trocknen auf Fäden am
offenen Fenster ist wegen der Fäulnisgefahr nur bei trockenwarmem
Sommerwetter zu empfehlen.
Es ist zu beachten, daß einige Pilzarten wie Pfifferlinge, Reizker,
Schnecklinge, Egerlinge und Graukappe nicht zum Trocknen geeignet
sind, da sie zäh werden oder an Geschmack verlieren. — Vor dem Ge­
brauch sind getrocknete Pilze 12 Stunden einzuweichen!
2. Pilzpulver. Die Pilze werden prasseldürr getrocknet und in einer
Mühle zu Pulver zermahlen. Dieses wird in luftdicht schließenden
Glas- oder Metalldosen aufbewahrt. Pilzpulver ist besonders leicht
verdauliches Pilzeiweiß und vielseitig verwendbar.
Jede eßbare Pilzart ist für Pilzpulver geeignet, aber man sollte auf
einen gehörigen Anteil von Würzpilzen (s.o.) Wert legen. Ein be­
sonders gut schmeckendes Pilzpulver ergibt die Röhrenschicht der
Röhrlinge.
3. Pilzextrakt (Pilzwürze). Die Pilze werden geputzt, stark zerkleinert
oder durch den Fleischwolf gedreht und in wenig Salzwasser 1/2 Stunde
gekocht. Der austretende Saft wird abgegossen und aufbewahrt. Dann
wird nochmals Wasser mit wenig Salz auf die Pilze gegossen, abermals
1/2 Stunde gekocht und danach der Pilzbrei in einem Säckchen oder Tuch
ausgedrückt. Der hierbei gewonnene Saft wird mit dem anderen Saft
vereinigt, gesalzen (1 Teelöffel Salz auf 1 L) und langsam eingedickt,
bis er sirupartig ist. Aufbewahrung in Gläsern, die mit Zellophanhaut
oder Plastfolie verschlossen werden. Zur Bereitung ist jede eßbare Pilzart
geeignet.
4. Einsalzen. Die Pilze werden gesäubert, so weit wie möglich von
der Huthaut befreit, zerkleinert, in kochendes Wasser geschüttet und
15 Minuten gekocht. Dann schichtet man sie in einen Steintopf, wobei
sie mit reichlich Salz (500 g Salz auf 5 kg Pilze) versetzt werden. Darauf
legt man ein doppeltes Leinentuch, auf dieses ein Brettchen, das mit
einem Stein beschwert wird. Die Salzlake muß das Brettchen immer
bedecken. Aufbewahrung bei Kellertemperatur.
Zum Einsalzen sind alle eßbaren Pilzarten geeignet, insbesondere
auch die scharfen Reizker- und Täublingsarten. Das Kochwasser kann
zu Pilzextrakt eingedickt werden.
5. Einsäuren (Silieren). Größeren Wohlgeschmack als beim Ein­
salzen erhalten die Pilze, wenn sie einem einfachen biologischen
Einsäuerungsverfahren (Milchsäuregärung) unterworfen werden. Man
verfährt ähnlich wie beim Einsalzen. Die Pilze werden gesäubert, zer­
kleinert und für nur 1—2 Minuten in kochendes Wasser geschüttet.
Dann werden sie fest in einen Steintopf oder in ein Fäßchen aus

22
Eichenholz geschichtet; zwischen die Schichten streut man etwas Salz
und Zucker (je 75 g auf 5 kg Pilze) und fügt etwas saure Milch hinzu.
Die Pilzmasse wird mit Tuch, Holzdeckel und Stein abgedeckt; die
Aufgußlösung (Lake) muß immer über dem Holzdeckel stehen. Ist zu
wenig Lake vorhanden, gießt man etwas Salzwasser nach. Der in den
ersten Tagen entstehende graue Gärschaum wird öfter abgeschöpft
und das Tuch ausgewaschen. Bei kühler Raumtemperatur ist die Gärung
nach 8—14 Tagen beendet, und die Pilze sind zu einer festen Masse
geworden. Man kann jederzeit neue Pilze nachlegen. Die silierten Pilze
halten sich bis zum folgenden Sommer. Ihr Geschmack ist angenehm
säuerlich.
Scharfe Reizker- und Täublingsarten müssen vor dem Einsäuern
über Nacht gewässert werden.
6. Einlegen in Essig. Die Pilze werden gesäubert, grob zerschnitten,
10 Minuten in Salzwasser gekocht, abgegossen und in Gläser oder
Steintöpfe gefüllt. — Auf 1 kg Pilze gibt man 0,5 L Weinessig (5 %),
der mit 1/3 Wasser verdünnt und mit wenig Salz und verschiedenen
Gewürzen (z.B. Perlzwiebeln, Zimt, Pfefferkörner, Lorbeerblatt,
Piment, Estragon, Senfkörner) 15 Minuten gekocht wurde. Der erkaltete
Essig mit den Gewürzen wird über die Pilze gegossen, so daß sie von
ihm bedeckt werden; man kann auch die abgetropften Pilze in dem
gewürzten Essig nochmals aufkochen und erst dann in Gläser füllen.
Die Gläser werden mit Zellophan oder Plastfolie verschlossen.
Zum Einlegen in Essig eignen sich alle eßbaren Pilzarten, besonders
Reizker und Täublinge (auch der Zinnober-Täubling und die scharfen
Arten), Schmierlinge und Gelbfüße. Essigpilze sind äußerst schmackhaft.
7. Einwecken (Sterilisieren). Die Pilze werden gesäubert, zerkleinert,
mehrmals schnell gewaschen, kurz mit Salz geschmort, bis sie fast weich
sind, dann in Einmachgläser gefüllt und bis 2 cm unter den Rand mit
dem Saft übergossen. Die verschlossenen Gläser werden je nach Größe
1—1/2 Stunden bei 90 °C sterilisiert. Nach 2—3 Tagen wird nochmals
sterilisiert, und zwar 1/2 Stunde bei 100 °C. Von Zeit zu Zeit sind
die Gläser zu überprüfen. Pilzkonserven mit Schimmelbildung (Gefahr
von Mykotoxinen!), losem Deckel, Gasblasen oder unangenehmer
Geruchsentwicklung sind nicht verwendbar.
Fast alle eßbaren Pilzarten, insbesondere auch Pfifferlinge, lassen sich
sterilisieren, man muß aber streng darauf achten, daß nur frische,
einwandfreie Exemplare verwendet werden. Der natürliche Pilz­
geschmack hält sich vorzüglich.
8. Einfrieren. Die Pilze werden gesäubert, gewaschen, etwas zer­
kleinert, danach 4—6 Minuten in kochendes Wasser geworfen (blan­
chiert). Die so vorbereiteten Pilze können im Tiefkühlschrank bei
—18 °C in Beuteln oder Schachteln monatelang gelagert werden. Es
wird empfohlen, dem Blanchierwasser auf 1 L Wasser 20 g Kochsalz

23
(um ein Dunkelwerden der Pilze zu verhindern) und 10 g Zitronensäure
(um Bitterwerden zu vermeiden) zuzusetzen; dadurch wird eine Lagerung
bis zu 12 Monaten ermöglicht. Besonders geeignet sind Pfifferlinge und
andere festfleischige Arten.
Zur Wiederverwendung werden die Pilze in warmen Wasser aufgetaut,
abgetropft und sofort wie frische Pilze zubereitet. Zuvor überzeugt man
sich vom einwandfreien Geruch der eingefrorenen Pilze.

III. Pilzvergiftungen

A. Anzahl und Häufigkeit der Giftpilze

Die Zahl der giftigen Pilzarten ist sehr groß. Ein vorläufiges Verzeichnis
der europäischen Giftpilze (Handbuch für Pilzfreunde. Bd. 1, S.46—53,
Jena 1978) führt etwa 90 Giftpilze auf. Dazu kommen etwa 44 roh giftige
und mindestens 30 giftverdächtige oder möglicherweise roh giftige Arten.
Dieses Giftpilzverzeichnis wird sicherlich noch erweitert werden müssen,
wenn man seltene oder winzig kleine Arten einbezieht, mit denen sich
praktisch noch keine Unglücksfälle ereignet haben.
Problematisch ist die Bewertung der sehr scharfen Reizker- und Täub­
lingsarten (Lactarius, Russula). Eine Anzahl von ihnen wurde früher als
giftig bezeichnet, jedoch sind sie nach entsprechender Vorbehandlung
(S. 20) eßbar.
Man kann also sagen, daß einer Anzahl von mehreren Hundert eßbaren
Pilzarten, von denen viele allerdings recht selten sind, mehr als 160 giftige
Pilze gegenüberstehen. Viele Giftpilze sind sehr häufig und fast allgemein
verbreitet: insbesondere der Pantherpilz, die Knollenblätterpilze, die
Frühjahrs-Lorchel und der Ziegelrote Rißpilz werden jährlich zu Tau­
senden von Pilzsachverständigen aus dem Sammelgut der Liebhaber aus­
sortiert. Dennoch werden jährlich in der DDR durchschnittlich fast 200
Personen von Pilzvergiftungen betroffen, von denen 3% ihren Leichtsinn
mit dem Leben büßen müssen. Die tödlichen Vergiftungen gehen zu
80% auf das Konto des Grünen Knollenblätterpilzes; ferner spielen
Pantherpilz. Frühjahrs-Lorchel, Kahler Krempling und kleine weiße
Trichterlinge eine Rolle. Unter den mittelschweren Vergiftungen stehen
solche durch Pantherpilz. Kahlen Krempling und Ziegelroten Rißpilz
obenan.
Giftpilze wachsen während der gesamten Vegetationsperiode von
Vorfrühling bis zum Spätherbst.

24
B. Erste Hilfe bei Pilzvergiftungen

Nicht jedes Unwohlsein nach einem Pilzessen muß eine Pilzvergiftung


sein. Besteht jedoch Verdacht, daß es sich um eine Pilzvergiftung handelt,
ist unverzüglich ein Arzt zu verständigen. Bis zum Eintreffen des Arztes
sind folgende Maßnahmen durchzuführen:
1. Erbrechen hervorrufen, Magen nach Möglichkeit entleeren. Er­
brechen kann durch warmes, gesalzenes Wasser (1 Eßlöffel Salz auf ein
Glas Wasser) oder durch Kitzeln im Schlund bewirkt werden; keinesfalls
darf Alkohol oder Milch gegeben werden. — Danach kann man ver­
suchen, den Darm zu entleeren (Rizinusöl, Einlauf).
2. Der Kranke soll möglichst ruhig liegen und warm zugedeckt werden.
Ohnmächtige versuche man durch Bespritzen des Gesichts wiederzu­
beleben.
3. Alle nicht verwendeten Pilze, Pilzputzreste (Abfalleimer!), Speise­
reste sowie Erbrochenes sind sicherzustellen, kühl aufzubewahren und
dem Pilzsachverständigen (bzw. dem Beauftragten für Pilzaufklärung)
zu übergeben, dessen Anschrift man durch die Kreis-Hygieneinspektion
erfährt.
Dem Pilzsachverständigen und dem behandelnden Arzt sind folgende
Fragen zu beantworten, worauf man sich mit entsprechenden Notizen
vorbereiten sollte:
a) Name, Geburtsdatum, Wohnanschrift des (der) Erkrankten
b) Wann. wo. und von wem wurden die Pilze gesammelt bzw. gekauft?
c) Wann und wie wurden die Pilze zubereitet, evtl. aufgewärmt?
d) Wann wurden die Pilze gegessen, und welche Mengen?
e) Wann traten die ersten Vergiftungserscheinungen auf? Die Dauer der
Latenzzeit (= von d) bis e)) ist möglichst genau für jede vergiftete
Person anzugeben.
f) Welche Maßnahmen der Ersten Hilfe wurden durchgeführt?
g) Welche Pilze glaubt der Erkrankte genossen zu haben?
Alle weiteren Maßnahmen sind dem Arzt zu überlassen. Eine enge Zu­
sammenarbeit von Arzt und Pilzsachverständigem ist bei jedem Verdacht
auf Pilzvergiftung unerläßlich, denn der großen Anzahl von giftigen Pilz­
arten entspricht eine Mannigfaltigkeit von chemisch mehr oder weniger
gut bekannten Giftstoffen, die jeweils ganz spezielle Behandlungsme­
thoden erfordern. Daher ist die genaue Bestimmung der eingenom­
menen Pilzart(en) oft entscheidend für den Erfolg der Behandlung,
besonders in schweren Fällen. Ähnliches gilt für Fälle, in denen eine Pilz­
vergiftung nur vermutet oder befürchtet wurde, z. B. wenn Kinder beim
Spielen auf der Wiese Pilze geschluckt haben.
Pilzvergiftungen auf Campingplätzen. Mit dem zunehmenden Trend
der Stadtbewohner, ihren Urlaub naturnah auf Zeltplätzen im In- und
Ausland zu verleben, wächst natürlicherweise der Wunsch, Mahlzeiten

25
aus selbst gesammelten Pilzen zuzubereiten — und das oft in entlegenen
Gebieten, mit deren besonderer Pilzflora man nicht vertraut ist. So kam
es in den letzten Jahren zu tragischen Vergiftungsfällen auf Camping­
plätzen. Auch unter diesen Umständen ist unverzüglich der nächste Arzt
zu verständigen, der alle weiteren Maßnahmen veranlassen wird. Sehr
unglücklich endete ein Fall, in dem eine Familie, nachdem sie sich der
Pilzvergiftung bewußt war, noch eine lange Strecke mit dem PKW bis in
die Hauptstadt fuhr, ehe sie sich in ärztliche Obhut begab.

C. Bestimmung der Giftpilze

Jedes Pilzgift hat seine besondere Wirkung auf den menschlichen Orga­
nismus, betrifft bestimmte innere Organe und erfordert daher auch
spezielle Behandlungsmethoden. Für die deshalb unerläßliche eindeutige
Bestimmung der Pilzart sind in erster Linie die Pilzreste geeignet, die sich
evtl. noch im Abfalleimer oder dgl. befinden, ferner nicht verwendete
Pilze und übriggebliebene Reste der Mahlzeit. Solche sind vor Verderb zu
schützen (Aufbewahrung möglichst luftig auf Tellern, in Papier, nicht in
Plastbeuteln, Plastdosen. Metallbüchsen oder Gläsern), und unverzüglich
dem Kreis- oder Ortsbeauftragten für Pilzaufklärung zu übergeben. Er­
brochenes und ausgepumpter Mageninhalt sind weit schwieriger zu iden­
tifizieren, und nur sehr wenige Spezialisten sind in der Lage, Giftpilze
allein nach den im Mageninhalt enthaltenen Pilzsporen zu identifizieren
— und auch das nur in günstigen Fällen.
Außer den Pilzsachverständigen können auch die an den biologischen
Sektionen der Universitäten tätigen Mykologen konsultiert und um Mit­
hilfe bei der Bestimmung mutmaßlicher Giftpilze gebeten werden.

I). Die einzelnen Giftpilzarten und ihre Wirkungen

Gruppe 1: Knollenblätterpilze
Grüner Knollenblätterpilz, Amanitaphaüoides Nr.5, Bd. 1/1
Weißer Knollenblätterpilz, Amanita venia Nr.6, Bd.1/2
Spitzhütiger Knollenblätterpilz, Amanita virosa Bd. 1/3
Nadelholz-Häubling, Galerina marginata Bd. IV/212
Die Giftstoffe (Phallotoxine, Amatoxine; bisher etwa 15 toxische Ver­
bindungen bekannt) sind zyklische Peptide, also ringförmige Verbin­
dungen von Aminosäuren (den Bausteinen der Eiweißmoleküle). Diese
Ringmoleküle enthalten eine Brücke mit einem Schwefelatom.
Die Gifte der Knollenblätterpilze (sogar die Sporen sind giftig!) greifen
die Zellen der Leber und z.T. der Nieren an und behindern die enzyma­
tische Aktivität der M i t o c h o n d r i e n ; das sind mikroskopisch kleine

26
Organellen, welche für den Energiestoffwechsel (die Atmung) der Zellen
zuständig sind.
Die Latenzzeit betrat 8—40 Stunden. Erst danach treten die ersten
Symptome auf: 1. bis 4. Tag schwere Magen- und Darmbeschwerden,
dann nach einer kurzen scheinbaren Besserung des Befindens am 4. oder
5. Tag Schädigung der Leber, der Nieren und des Herzmuskels; schließ­
lich folgen tiefe Bewußtlosigkeit und Herzversagen.
Infolge der langen Latenzzeit ist die Behandlung der Vergiftung
äußerst schwierig und muß auf einer Intensivstation erfolgen. Die Gifte
verschwinden rasch aus dem Blut und verbleiben im Kreislauf Leber —
Galle — Darm — Leber, so daß ein totaler Blutaustausch nur im Früh­
stadium Erfolg verspricht; dagegen läßt sich ein großer Teil der Giftstoffe
durch einen Gallendrain entfernen. In der CSSR wurden gute Heilerfolge
mit Thioctansäure (= Thioctsäure, 300 bis 600 mg täglich, auf viele kleine
Dosen verteilt, bei reichlicher Glukosezufuhr und häufigen Blutzucker­
kontrollen) erzielt.

Gruppe 2: Lorcheln
Frühjahrs-Lorchel, Gyromitra esculenta Nr. 1 16. Bd. 1/191
Nordische Lorchel, Gyromitra ambigua Bd. I/Anm. zu 190

Der Giftstoff (Gyromitrin; wirksame Bestandteile Methylhydrazin,


Formylmethylhydrazin) schädigt die Leber, aber auch die Augen, und
ruft zentralnervöse Symptome (Krämpfe, Halluzinationen) hervor.
Die Latenzzeit beträgt 6—8 Stunden. Erste Symptome sind Mattigkeit,
Kopfschmerzen, Völlegefühl im Magen, Leibschmerzen, Übelkeit,
Schwindelgefühl, bald auch unstillbares Erbrechen und Fieber bis zu
39 °C. Nach etwa 40 Stunden ist die Leber geschädigt, es tritt Gelbsucht
auf (im Extremfall gelbe Leberatrophie = völliger Zusammenbruch der
Leberfunktion); schließlich folgt Bewußtlosigkeit, in schweren Fällen
nach 2 bis 3 1/2 Tagen der Tod unter Kreislaufkollaps und Atemstörungen.
Infolge der langen Latenzzeit ist die Behandlung ähnlich schwierig
wie bei der Knollenblätterpilz-Gruppe. Es werden ähnliche Maßnahmen
wie bei der Gruppe 1 empfohlen.
Merkwürdigerweise wird die Frühjahrs-Lorchel von vielen Personen
jahrelang ohne Beschwerden vertragen (früher war sie sogar als Markt­
pilz zugelassen), bis plötzlich lebensgefährliche Vergiftungen auftreten
— insbesondere dann, wenn an 2 aufeinanderfolgenden Tagen Lorcheln
gegessen wurden. Auch g e t r o c k n e t e L o r c h e l n sind nicht giftfrei:
ihr Gyromitringehalt kann mitunter sogar lebensgefährlich hoch sein.

Gruppe 3: Rauhkopf-Gruppe
Orangefuchsiger Rauhkopf (Hautkopf), Cortinarius orellanus Bd. IV/98
Goldgelber Rauhkopf (Gürtelfuß), Cortinarius gentilis Bd.IV/103

27
Spitzgebuckelter Rauhkopf (Schleierling), Cortinarius speciosissimus
Bd. IV/ 104d
Keulenstiel-Rauhkopf. Cortinarius orellanoides
Schöngelber Klumpfuß (Schleimkopf), Cortinarius splendens
und nahe verwandte Arten.
Die Giftstoffe (Orellanine) sind Polypeptide, deren Struktur noch
nicht restlos aufgeklärt ist. Sie wirken besonders schädigend auf die
Nieren, daneben auf Leber und Milz. Vermutlich handelt es sich um
Zellgifte ähnlich denen der Gruppe I. Charakteristisch ist der sehr
langsame Verlauf der Erkrankungen.
Die Latenzzeit beträgt 3 —14 Tage (!). Symptome sind extremes
Durstgefühl, Mundtrockenheit, dann Magen- und Darmstörungen,
Schmerzen vieler Art, Nierenschädigungen, Ansteigen des Harnstoff­
spiegels im Blut. Nach 2—3 Wochen kann der Tod durch Urämie ein-
treten; bei günstigem Verlauf zieht sich die Erholung des Patienten
über Wochen bis Monate hin.

Gruppe 4: Krempling-Gruppe
Kahler Krempling, Paxillus involutus Nr. 74. Bd. 1/ 140
Der Kahle Krempling gehört ähnlich der Frühjahrs-Lorchel zu den
sog. Problempilzen, da er von vielen Personen jahrelang in großen
Mengen ohne Schaden gegessen wird. (Da er in trockenen, anderweitig
pilzarmen Sommern oft in Massen auftritt, verleitet er zum Sammeln).
Andererseits hat er nicht wenige schwere, ja sogar eine Anzahl tödliche
Vergiftungen hervorgerufen, letztere gerade auch bei älteren Personen,
die schon oft derartige Pilze gegessen hatten.
Zwei Wirkungen sind zu unterscheiden:
a) Der rohe (auch getrocknete oder eingesalzene) Pilz wirkt in jedem
Falle stark giftig und kann auch Todesfälle verursachen.
b) Der zubereitete (geschmorte, gebratene, gekochte) Pilz hat nur in
manchen Fällen giftig gewirkt, doch sind auch hier nachweislich
Todesfälle zu verzeichnen.
Die Latenzzeit beträgt 20 Minuten bis 4 Stunden. Symptome sind
Unwohlsein, Brechreiz. Durchfall, Leibschmerzen, Fieber, Gelbsucht,
Urämie und Bewußtlosigkeit. Besonders charakteristisch für die Ver­
giftungen ist das Versagen der Nieren.
Die für beiderlei Wirkungen verantwortlichen Inhaltsstoffe sind
bisher unbekannt. Es besteht Vermutung, daß im Falle b Antigene
(= allergische Reaktionen erzeugende Eiweißstoffe) eine Rolle spielen,
die im Laufe der Jahre eine zunehmende Sensibilisierung des Pilzfreundes
bewirken und nur durch sehr langes, gründliches Braten (in der Sowjet­
union, wo der Kahle Krempling viel gegessen wird, ist es üblich, ihn
mindestens 30 Minuten gut durchzubraten) denaturiert werden. Außer-

28
dem wurden im Kahlen Krempling hämolytische Gifte (Hämolysine und
Hämagglutinine) angetroffen, die aber nicht hitzebeständig sind und
deren Gehalt nach Standort und Jahreszeit starken Schwankungen unter­
liegt, sowie geringe Mengen von Muskarin (siehe Gruppe 6).

Gruppe 5: I’antherpil/gruppe
Pantherpilz, Amanita pantherinu Nr. 4, Bd. 1/5, Bd. III/ 7
Roter Fliegenpilz, Amanita muscaria Nr. 3, Bd. 1/8
Brauner Fliegenpilz, Amanita regalis Nr. 8, Bd. 1/9
Die Giftstoffe (hauptsächlich Ibotensäure, ferner Musziinol, Muskazon)
sind Abkömmlinge von Isoxazol oder Oxazol. In geringer Menge ist
Muskarin (siehe Gruppe 6) vorhanden. Die erstgenannten Toxine wirken
auf das Zentralnervensystem und rufen rausch- und tobsuchtartige An­
fälle, Krämpfe, Bewußtseinsstörungen, Sinnestäuschungen, Sprachstö­
rungen hervor. Außerdem werden das sympathische und parasympa­
thische Nervensystem angegriffen. Im Rausch der Pantherpilzvergiftung
werden mitunter enorme Kraftleistungen vollbracht. In der zweiten Phase
werden Bewußtlosigkeit, Atemnot und Absinken des Blutdrucks be­
obachtet.
Die Latenzzeit beträgt 1/2 bis 4 Stunden (in der Regel 2 Stunden), und
die Symptome dauern nicht länger als 24 Stunden an. Todesfälle sind
selten.
Die Behandlung muß Magen- und Darmentleerung zum Ziel haben.
Beruhigungsmittel sind angebracht.
Früher war es üblich, Fliegenpilze in Milch zu tauchen und damit
Fliegen und Mücken zu vergiften. Wie neuere Untersuchungen zeigten,
besteht der scheinbar zunächst sehr gute Erfolg meist nur in einer
Betäubung der Insekten, die sich nach ca. 2 Tagen wieder erholen.

Gruppe 6: Rißpilzgruppe
Ziegelroter Rißpilz, Inocybepatouillardii Nr.43, Bd. 1/57
weitere Rißpilz-Arten, Inocybe spec. Bd. 1/56—58, Bd. IV/36—88
kleine weiße Trichterling-Arten, Clitocvbe dealbata, C. phyllophila u.a.
Bd.I/89—92, Bd. III/178—188
Rettich-Helmling, Mycena pttra Bd. 111/122
Die Giftstoffe (Muskarin und Muskaridin) sind Alkaloide. Sie reichern
sich in den Synapsen (Verbindungsgliedern) der Nervenzellen an und
wirken stark auf das parasympathische Nervensystem.
Die Latenzzeit beträgt nur 15—60 Minuten. Wichtigste Symptome
sind: Übelkeit, extrem starker Schweißausbruch, Speichelfluß, Pupillen­
verengung, Sehstörungen, Koliken, sehr schmerzhafte Muskelkrämpfe.
Vereinzelt kommen tödliche Vergiftungen vor, doch ist in den meisten
Fällen durch Auspumpen des Magens und Verabreichung von Atropin
eine rasche Heilung möglich.

29
Neuerdings ist Muskarin in zahlreichen weiteren Pilzarten in ge­
ringen, offenbar unschädlichen Mengen gefunden worden.

Gruppe 7: Kahlkopfgruppe
Spitzkegeliger Kahlkopf, Psilocybe semilanceata
Böhmischer Kahlkopf, Psilocybe bohemica, Bd. IV7265b
Düngerling-Arten. Panaeohis spec. Bd.1V/268—274
Die Giftstoffe (Psilocin und Psilocybin) sind, wie die Mutterkorn­
alkaloide, Tryptamin-Abkömmlinge. Psilocin kann unter dem Einfluß
des Enzyms Cytochromoxidase oder von Fe 3+ -Ionen in ein blaues
Pigment übergehen, darum verfärben sich psilocinhaltige Pilze im Alter
oft auffallend grünblau.
Die Gifte wirken auf das Zentralnervensystem und rufen nach einer
Latenzzeit von 30 Minuten Illusionen (die Gegenstände der Umgebung
erscheinen seltsam verändert), Halluzinationen (Erscheinungen von
Dingen und Personen, die in Wirklichkeit nicht anwesend sind) sowie
Bewußtseinsspaltung, Sehstörungen und Angstzustände hervor.
Da es sich um kleine und oft unappetitliche Pilze handelt (als
„Koprophile“ wachsen sie auf oder neben Exkrementen), kommen
Vergiftungen selten vor. Die Symptome klingen nach 4—5 Stunden
wieder ab und sind nicht lebensgefährlich. Dennoch sei der Pilzfreund
nachdrücklich vor Experimenten gewarnt. Halluzinogene Pilze sind
als Drogen anzusehen, und der Handel mit ihnen ist strafbar, wenngleich
ihre Wirksamkeit etwa lOOmal geringer als die der gefährlichen Droge
LSD ist.

Gruppe 8: Wulstlingsgruppe
Gelber Knollenblätterpilz, Amanita citrina Nr. 9, Bd. 1/4
Porphyr-Wulstling. Amanita porphyria Bd. I/1 1
Der zu den Krötengiften gehörende Giftstoff (Bufotenin) ist ein dem
Psilocin (Gruppe 7) verwandter Tryptamin-Abkömmling. Er soll jedoch
nicht halluzinogen wirken, sondern wirkt über das sympathische Nerven­
system auf den Blutkreislauf. z.B. verengt er die Blutgefäße und
gefährdet Personen mit erhöhtem Blutdruck, mit Thrombosegefährdung
sowie Diabetiker. Ernste Vergiftungsfälle durch diese Arten sind bisher
nicht bekannt.

Gruppe 9: Tintlingsgruppe
Grauer Tintling. Coprinus atramentarius Nr. 23, Bd. 1/38
Glimmer-Tintling, Coprinus micaceus Nr. 24, Bd. 1/39
Keulenfuß-Trichterling, Clitocybe clavipes Nr. 45, Bd. 1/87
Der Giftstoff (Coprin) besteht aus der Aminosäure L-Glutamin und
Zyklopropanol. Er wird nur wirksam, wenn sich Alkohol im Blut be­
findet, denn er hemmt den enzymatischen Abbau des Äthanols über

30
Acetaldehyd zu Essigsäure, so daß der Aldehydspiegel im Körper er­
heblich ansteigt und sehr unangenehme katerähnliche Wirkungen
zeigt. Das Coprin, wiewohl chemisch ganz anders geartet, wirkt also
wie das bekannte Alkoholiker-Entwöhnungsmittel ,, Antabus“.
Die Latenzzeit beträgt 1/2 bis 4 Stunden. Danach treten folgende
Symptome auf: Hitzegefühl, intensive (bis purpurne) Rötung von
Gesicht, Hals, Nacken und Brustkorb (wobei die Nase blaß bleibt),
Rötung der Augen, Pulsbeschleunigung, pulsierender Kopfschmerz,
Herzbeschwerden, Blutdruckabfall; selbst Kollaps ist nicht ausge­
schlossen. Diese Erscheinungen treten auf:
a) wenn Alkohol genossen und danach die oben genannten Pilze ge­
gessen wurden;
b) wenn die genannten Pilze genossen und danach Alkohol getrunken
wurde.
Sie können sich wiederholen, wenn am 2. und 3. Tag nach der Vergiftung
erneut Alkohol getrunken wurde. Sogar durch Alkoholdämpfe (z. B.
von Rasierwasser) werden sie gelegentlich hervorgerufen.

Gruppe 10: Rötlingsgruppe


Riesen-Rötling, Rhodophyllussinuatus (= Entoloma lividum) Bd. 1/60
Frühlings-Rötling, Rhodophyllus vernus (= Entoloma vernum) Bd. 11/51
Tiger-Ritterling, Tricholomapardolatum Nr. 37, Bd. 1/74
Halsband-Ritterling, TricholomafocaleBd. 111/205
Gift-Egerling, AgaricusxanthodermusNr. 16, Bd. 1/27
Perlhuhn-Egerling, Agaricus placomyces Nr. 17, Bd. 1/28
Bruch-Reizker, Lactarius helvusNi. 57, Bd. 1/115, Bd. V/42
scharfe Reizker, Lactariusspec. Nr. 54,55, Bd. I und V
scharfe Täublinge, Russulaspec. Nr. 67—69, Bd. I und V
Satanspilz, Boletussatanas Nr. 95, Bd. 1/159
Blasse Koralle, Ramaria mairei Bd. 1/180
Schöne Koralle, Ramariaformosa Bd. 11/131
Kartoffelbovist, Scleroderma citrinum Nr. 11. Bd. 1/183
und andere.

Die Giftstoffe dieser Gruppe sind noch nicht bekannt und wahrscheinlich
auch nicht einheitlicher Natur. Sie wirken auf den Magen-Darmkanal.
und die Vergiftungen verlaufen meist leicht.
Die Latenzzeit beträgt 1/2 bis 5 Stunden. Danach treten Unwohlsein,
je nach Pilzart leichtere bis schwerere Verdauungsstörungen wie starkes
Erbrechen, häufige Durchfälle, kolikartige Schmerzen, Schwindel­
gefühl, Sehstörungen, Schweißausbruch u.a. auf.
Die Vergiftung dauert meist weniger als 24 Stunden, in extremen
Fällen (Tiger-Ritterling!) 3 bis 7 Tage, wobei Nierenschädigung hinzu­
kommen kann. Die Behandlung erfordert vor allem Magenspülung und
Ausgleich des oft erheblichen Wasserverlustes.

31
Gruppe 11: Hallimaschgruppe ( r o h g i f t i g e P i l z e )
Hallimasch, Armillariella mellen, A.polymyces u.a. Nr.26, Bd. 1/97
Rotporige (Hexen-)Röhrlinge, Boletus erythropus, B.luridus Nr.92, 93,
Bd. 1/157, 158
Dickfuß-Röhrling, Boletus calopus Nr. 94, Bd. 1/160
Rotkappen, I.eccimtm auruntiucum u.a. Nr.91, Bd.1/163
Schwefelporling, Laetiporus sulphureusNr. 100, Bd. 1/167
(Scheiden-)Streiflinge, Amanita fulva, A.vaginata Bd.1/12, 13
Perlpilz, Amanita rtibescens Nr. 3. Bd. 1/7
Gemeiner Fälbling, Hebeloma crustuliniforme Bd. 1/49
Großer Rettich-Fälbling, Hebeloma sinapizans Bd. IV/26
Graukappe, Lepista nebidaris Nr. 46. Bd. 1/94
Violetter Kronenbecherling, Surcosphaera erassa Nr. 121, Bd.1/194
Die genannten Pilze dürfen roh (z.B. beim Putzen) auch nicht in kleinen
Stücken verzehrt werden, da sie meist Verdauungsstörungen und Übel­
keit hervorrufen. Hingegen sind sie nach allen üblichen Zubereitungs­
methoden uneingeschränkt eßbar. Lediglich beim V i o le t t e n
K r o n e n b e c h e r l i n g sind 5 Minuten Abkochen und Weggießen
des Kochwassers dringend empfohlen.
Darüber hinaus ist grundsätzlich davon abzuraten, Pilze (auch alle
hier nicht genannten Arten) als Rohkost zu genießen. Wie sich in neuerer
Zeit herausgestellt hat. enthalten viele Pilze in rohem Zustand hämo­
lytische Stoffe (siehe auch Kahler Krempling, S. 28f.), deren Gehalt
unbeständig ist und nach Jahreszeit und Standort schwanken kann.
Die Forschungen hierüber sind noch längst nicht abgeschlossen.

Gruppe 12: Unechte Pilzvergiftungen


Als Unechte Pilzvergiftungen bezeichnet man solche, die nicht durch
Giftpilze verursacht wurden, sondern durch Speisepilze, die entweder ;
in zu großer Menge genossen wurden oder bereits überaltert, verdorben,
durch Bakterien zersetzt waren usw. Ungeeignete, nicht luftige \
Lagerung in Plastbeuteln (die Bezeichnung „Frischhaltebeutel" ist in
bezug auf Pilze irreführend), Plastschachteln oder Blechdosen führt zu
raschem Verderben der Pilze.
Andererseits können Pilze während Trockenperioden sehr lange im
Walde stehen und dabei allmählich verderben, ohne daß ihnen dieses
leicht anzusehen ist. Solches gilt z. B. für Morcheln und Perlpilze; die
Legende von der Existenz eines giftigen „Falschen Perlpilzes“, der unter
dem Namen Amanita pseudorubescens beschrieben wurde und unter
dieser Bezeichnung noch heute durch die Pilzbücher geistert, dürfte auf
solche überständigen Exemplare zurückzuführen sein.
Unechte Pilzvergiftungen zählen zu den Lebensmittelvergiftungen.
Symptome sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.
Pilzgerichte dürfen prinzipiell bis zum nächsten Tag aufbewahrt
werden, und zwar im Kühlschrank in Glas-, Keramik- oder Porzellan-

32
gefäßen, nicht jedoch in metallenen Gefäßen. Nach Gröger dürfen die
Pilze weder mit Mehl angedickt sein, noch zusammen mit Kartoffeln
oder Petersilie aufbewahrt werden, denn das würde zum baldigen
Verderb der Pilze beitragen. Nur unter diesen Voraussetzungen können
P i 1 z g e r i c h t e a u f g e w ä r m t werden.

IV. Die Lebensweise der Pilze

Pilze — was sind das eigentlich für Lebewesen? Sie werden gemeinhin
den niederen Pflanzen zugerechnet, und lange Zeit galt die Pilzkunde
(die Mykologie) als bescheidenes Anhängsel der Botanik.
Indessen hat sich immer deutlicher herausgestellt, daß die Pilze aus
morphologischer, zytologischer, physiologischer, biochemischer und
genetischer Sicht eine durchaus eigenständige, überdies mannigfaltige
und zahlreiche Gruppe von Organismen bilden. Trotz gewisser Über­
einstimmungen sind sie weder dem Pflanzen- noch dem Tierreich
einzuordnen, sondern bilden zusammen mit den Protozoen, den Algen
und einigen anderen Gruppen das Reich der Protisten (Protobionta).
Aber noch weit mehr verschieden sind die Pilze von Bakterien, Aktino-
myzeten („Strahlenpilzen“) und Blaualgen, die das Reich der Kernlosen
Organismen (Akaryonta) bilden, deren Zellen grundsätzlich anders
gebaut sind als bei Protisten, Pflanzen und Tieren.
Zu den Pilzen rechnen wir nicht nur die Großpilze, von denen in diesem
Taschenbuch die Rede ist, sondern auch die mikroskopisch kleinen
Bodenpilze, die Schimmelpilze, die Hefen, die Hautpilze und das große
Heer der Erreger von Pflanzenkrankheiten wie Rost- und Brandpilze,
Echte und Falsche Mehltaupilze, Rußtau-, Schüttepilze, Schorf u.v.a.
Es gehört zu den physiologischen Besonderheiten der Pilze, daß sie
kein Blattgrün (Chlorophyll) und auch nicht die dieses enthaltenden
Organellen (Chloropiasten) besitzen. Sie können also nicht — im Gegen­
satz zu Algen und Pflanzen — die Sonnenenergie und das Kohlendioxid
der Luft verwerten, um organische Materie aufzubauen, sondern
beziehen als h e t e r o t r o p h e O r g a n i s m e n ihre Energie
vom Abbau organischer Substanzen wie Holz, Pflanzenreste, Stroh,
Exkremente, Keratin (Hornsubstanz), ja der ganzen Laub- und Nadel­
streu der Wälder und Wiesen samt Zweigen, Fruchthüllen, toten
Insekten, Federn, Gewöllen usw.
Auf diese Weise spielen die Pilze eine wichtige Rolle im Stoffkreislauf
der Natur: sie sind Reduzenten der organischen Abfälle und bauen so
komplizierte organische Verbindungen wie Zellstoff (Zellulose),
Holzstoff (Lignin), Horn (Keratin), Kohlenwasserstoffe u.a. zu

33
Kohlendioxid und Ammoniak ab. Hierzu sind sie durch ihren besonderen
vegetativen Aufbau befähigt: der „Körper“ des Pilzes (das Myzel)
besteht aus einem unendlich fein verzweigten System von Fäden
(Hyphen), welche ihre Nahrungsgrundlage (das Substrat) aufs gründ­
lichste durchdringen. Die Hyphen scheiden Fermente (sog. extrazelluläre
Enzyme) nach außen in das Substrat ab und verdauen es gewissermaßen
außerhalb der eigenen Zellen.
Andere Pilze sind in ihrer Ernährung auf das l e b e n d e organische
Gewebe angewiesen; sie heißen Parasiten. Sie entnehmen ihre Nahrung
einer Pflanze oder einem Tier (der Wirtspflanze bzw. dem Wirtstier),
ja in einigen Fällen auch anderen Pilzarten, wobei der Wirt geschädigt
oder schließlich abgetötet wird. Obligate Parasiten wie die Mehltau- und
Rostpjlze sind völlig vom lebenden Wirt abhängig und gewöhnlich eng
auf bestimmte Wirtspflanzen spezialisiert, während fakultative Para­
siten meist weniger spezialisiert sind und auch auf totem Substrat
gedeihen können. Zu den fakultativen Parasiten gehören nicht nur alle
den Menschen befallenden mikroskopischen Pilze wie Haut-, Lungen-,
Gehörgangspilze, die Erreger der Pilzkrankheiten (Mykosen), sondern
auch alle an Pflanzen parasitierenden Großpilze wie Hallimasch.
Schwefelporling, Leberpilz, Wurzel-, Zunder- und Kiefernbaum­
schwamm. Diese pflanzenparasitären Großpilze sind zumeist Alters- oder
Schwächeparasiten, d. h. sie befallen nur ältere Wirtsbäume oder wenn
diese durch andere Faktoren wie Grundwassersenkung, Rauchschäden,
Insektenkalamitäten oder dergleichen bereits geschwächt und geschädigt
sind.
Außer den saprophytisch und den parasitisch lebenden Pilzen gibt
es unter den Großpilzen noch eine dritte Gruppe: die Mykorrhiza­
pilze. Mykorrhiza bedeutet Pilzwurzel; damit soll ausgedrückt werden,
daß das Pilzmyzel eine enge Lebensgemeinschaft (Symbiose) mit den
Wurzeln bestimmter Bäume eingeht, wobei es ähnlich den Parasiten
eine mehr oder weniger enge Spezialisierung der betreffenden Pilze
auf bestimmte Baumgattungen gibt (s. auch S. 36f.). Die Mykorrhizapilze
sind nur sehr beschränkt fähig, Zellulose, Lignin u. dgl. als Nahrungs­
quelle auszunutzen; sie sind darauf angewiesen, einfache Kohlenhydrate
(also Zucker) von lebenden Pflanzen zu beziehen. Insofern könnte
man sie auch Parasiten nennen. Die Wirtspflanze (im Falle der Groß­
pilze handelt es sich immer um Bäume) nutzt ihrerseits den in ihre
Wurzeln eindringenden Pilz aus und bezieht von ihm Wasser, Stickstoff,
Kalium, Phosphor und andere anorganische Stoffe. Dabei werden die
feinen Wurzelhaare der Pflanze unterdrückt und durch das noch viel
feinere und effektivere Hyphenmyzel der Mykorrhizapilze ersetzt,
welches den Boden weithin durchzieht — ein ökologischer Vorteil
besonders für Bäume, die in großen, oft reinkulturartigen Beständen die
nach der Eiszeit brach liegenden Rohböden Eurasiens und Nordamerikas

34
besiedelt haben: Kiefer, Fichte, Birke, Eiche, Rot- und Weißbuche,
Weide, Pappel.
Nach dem vorstehend Gesagten ist es leicht verständlich, daß sapro-
phytische boden- und holzbewohnende Pilze (Egerlinge = Champi­
gnons, Riesen-Träuschling, Vietnamesischer Strohpilz, Austern-Seitling,
Stockschwämmchen, Winterpilz) mit verhältnismäßig einfachen Me­
thoden angebaut und gezüchtet werden können, während Mykorrhiza­
pilze (Steinpilz, Marone und andere Röhrlinge, Pfifferling. Grünling,
Trüffeln) hierfür prinzipiell nicht geeignet sind.
Da uns das Pilzmyzel im Boden verborgen bleibt, ist es uns meist
unmöglich, eine Vorstellung von dessen Größe und Alter zu gewinnen.
Die Fruchtkörper (also das, was den Sammler eigentlich interessiert),
stehen zerstreut auf der Oberfläche des Myzels. Anders ist es freilich
im Falle der Hexenringe. Hier bilden sich die Fruchtkörper am Rande
des Myzels und markieren somit genau dessen Ausdehnung. Durch
Messung des Radius und des jährlichen Zuwachses von Hexenringen
kann man das Alter der Myzelien bestimmen. Der jährliche Zuwachs
beträgt je nach Pilzart 10 bis 80 cm, das Alter des Myzels kann bei
einzelnen Arten ca. 700 Jahre erreichen !
Viele bodenbewohnende Pilze, sowohl Saprophyten als auch Mykor­
rhizapilze. bilden mehr oder weniger häufig Hexenringe von weniger
als 10 m Durchmesser. Auffällige Erscheinungen sind hingegen oft der
Nelken-Schwindling (Marasmius oreades, Nr.52), der Maipilz ( Calocybe
gambosa, Nr. 42), der Riesen-Krempentrichterling (Aspropaxillus gigan-
teus, Bd. 1/84, III/197) und gewisse Egerlinge (Agaricus-Arten). Ihre oft
recht großen Hexenringe fallen besonders in trockenen Jahren dadurch
auf, daß das am Rande dicht verfilzte Myzel der Grasnarbe das Wasser
entzieht und sie ringförmig zum Absterben bringt (nekrotische Zone).
Andererseits setzt das Pilzmvzel beiderseits der nekrotischen Zone so
viel Stickstoff frei, daß die Gräser satt blaugrün verfärbt erscheinen und
einen erhöhten Chlorophyllgehalt haben.
In den großen Steppengebieten der Erde (Mongolische Volksrepublik,
nordamerikanische Prärie, argentinische Pampa) sind die Hexenringe
ganz häufige, schon vom Flugzeug auffallende, landschaftsbestimmende
Elemente.
Die größten Hexenringe Europas wurden beim Mönchskopf-Trich­
terling (Clitocybe geotropa, Nr.44), beim Riesen-Krempentrichterling
(Aspropaxillusgiganteus, s. oben) und bei einer ungarischen Egerling-Art
(Agaricus maskae) beobachtet. Solche bemerkenswerten und lehrreichen
Naturerscheinungen können sich nur in jahrhundertelang ungestörter
Natur entwickeln und verdienen es, als Naturdenkmäler geschützt zu
werden.

3' 35
V. Ratschläge für die Pilzjagd

Nicht jede Pilzsammelexkursion führt zu der erhofften Pilzernte. Auf


den Pilzsucher warten Erfolg oder Enttäuschung, aber in jedem Falle
wird derjenige im Vorteil sein, der sich in der Lebensweise und in den
Standortansprüchen der einzelnen Pilzarten auskennt. Denn jede Art
hat ihre Besonderheiten hinsichtlich des Wachstums bei bestimmten
Bäumen, auf bestimmten Böden, zu bestimmter Jahreszeit und bei
bestimmter Witterung. Es lohnt sich daher, sich ein wenig mit der Pflan­
zenwelt, der Geologie und dem Klima seines Sammelgebietes zu be­
fassen.
Begleitbäume. Viele Pilze — und zu ihnen gehört der größte Teil
unserer beliebten Speisepilze wie Röhrlinge, Grünlinge, Täublinge, Reif­
pilz, Reizker, Pfifferlinge, aber auch lebensgefährliche Giftpilze wie die
Knollenblätter-, Panther- und Rißpilze — sind durch eine Lebensge­
meinschaft (Mykorrhiza, S. 34) mit den Wurzeln bestimmter Baumgat­
tungen verbunden. So wächst der Sommer-Steinpilz (Boletus aestivalis)
nur unter Eichen, der Echte Steinpilz (B. edulis) unter Nadelbäumen,
der Birkenpilz (Leccinum scabrum) nur unter Birken, der Grünling
(Tricholoma equestre) nur unter Kiefern, das Kuhmaul (Leucogomphi-
dius glutinosus) und der Mohrenkopf (Lactarius lignyotus) unter Fichte,
der März-Schneckling (Hygrophorus marzuolus) gar nur unter Tanne.
Der Grüne Knollenblätterpilz (Amanitaphalloides) wächst vorzugsweise
unter Eiche und Rotbuche, während der Fliegenpilz (Amanita muscaria)
ebenso wie der Tannen-Reizker (Lactarius turpis) Birke und Fichte be­
vorzugt. Andere Pilze, besonders viele S a p r o p h y t e n (S. 35), wachsen
unter beliebigen Bäumen.
Holzbewohnende Pilze zeigen z.T. eine ähnliche spezifische Ab­
hängigkeit von bestimmten Baumgattungen wie die Mykorrhizapilze;
mindestens aber zeigen sie eine deutliche Vorliebe für Laubholzstämme
und -Stümpfe oder aber für Nadelhölzer (Koniferen). Außerdem spielt
der Zersetzungsgrad des Holzes eine Rolle, seine Feuchtigkeit, seine
Lage in Licht oder Schatten, da das Holzsubstrat an sonnigen Standorten
starker vorübergehender Austrocknung ausgesetzt, im Schatten hingegen
ständig durchfeuchtet ist. Daher kann man in schattigen Wäldern auch
in trockenen Sommern frische Speisepilze an den Baumstümpfen finden.
Charakeristische Laubholzbewohner sind Weißstieliges Stock­
schwämmchen (Psathyrella appendiculata), Rillstieliger Seitling (Pleuro-
tus cornucopiae) und Leberpilz (Fistulina hepatica), während die Krause
Glucke (Sparassis crispa), der Graublättrige Schwefelkopf (Hypholoma
capnoides) und viele ungenießbare Arten typische Nadelholzbewoh­
ner sind.
Sowohl an Laub- als auch an Nadelholz finden wir Hallimasch (Armil-

36
lariella-Arten). Austern-Seitling ( Pleurotus ostreatus) und den giftigen
Grünblättrigen Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare).
Merkwürdig ist die Substratwahl vom Echten Stockschwämmchen
(Kuehneromyces mutabilis), Winterpilz (Flammulina velutipes) und Spar-
rigen Schüppling (Pholiota squarrosa): sie wachsen an vielen Laubge­
hölzen, außerdem an Fichte, nicht jedoch an Kiefer und Lärche. Der
Schwefelporling (Laetiporus sulphureus) wiederum wächst an vielerlei
Laubbäumen (besonders an solchen mit ausgeprägtem Kernholz), und
in den Alpen außerdem an Lärche.
Andere Substrate wie Holzkohle, Fruchthüllen (z. B. Bucheckern und
Edelkastanien), Zapfen, tierische Exkremente, Moospolster, Müll und
Kompost spielen für den Sammler von Speisepilzen eine geringe Rolle,
sind aber für den floristisch interessierten Pilzfreund von Bedeutung.
Schließlich sei auf Anhäufungen von faulendem Stroh (alte Mietenplätze)
hingewiesen, auf denen in großen Massen die Wildform des Riesen-
Träuschlings (Stropharia rugosoannulata) oder der Sternstäubling
(Mycenastrum corium) Vorkommen können.
Wiesen, Weiden und Triften sind vor allem das Reich der Egerlinge
oder Champignons (Agaricus-Arten), Nelkenschwindlinge (Miirasmius
oreades), verschiedener Boviste und Stäublinge (Bovista-Arten, Vas-
cellum pratense). Für die Auswahl der vorkommenden Pilzarten spielen
die Art der Bewirtschaftung (extensive oder intensive Beweidung, mine-
raliche oder organische Düngung, Beregnung mit Gülle und d i e M o n o -
k u l t u r (ausschließlicher Anbau von Knaulgras, Italienischem Weidel­
gras oder dgl.) eine große Rolle. Auf nur mineralisch gedüngten, nicht
beweideten Knaulgrasflächen findet man praktisch überhaupt keine
Großpilze.
Das reiche Vorkommen von Saftlingen (Hygrocybe-Arten), Ellerlingen
(Camarophyltus-Arten) und Hasenstäubling (Calvatia utriformis) zeigt
Nährstoffarmut (geringe Düngung, extensive Beweidung) an, während
Riesenbovist (Langermannia gigantea), Schopf-Tintling (Coprinus
comatus), Rötelritterlinge (Lepista nuda, L. personata) ausgesprochen
nährstoffreiche ( e u t r o p h e ) Verhältnisse anzeigen. Die M y k o r ­
r h i z a p i l z e fehlen außerhalb des Waldes gänzlich und können auf
Wiesen nur dort Vorkommen, wo einzelne ihnen entsprechende Bäume
stehen.
Bodenverhältnisse. Neben den Düngungsmethoden spielt auch der
g e o l o g i s c h e U n t e r g r u n d eine wichtige Rolle für das Vorkom­
men der Pilze. Kalkgesteine (Devon-, Jura-, Muschelkalk, Dolomit,
Kreide) ergeben ausgesprochene Kalkböden (Rendzina) mit einer spe­
ziellen Pilzvegetation, deren typische Vertreter z.B. der Blaugestiefelte
Schleimkopf (Cortinarius praestans), Purpur-Schneckling (Hygrophorus
russula), Gold-Täubling (Russula aurata) und Violetter Kronenbecher-
ling (Sarcosphaera crassa) sind. Neutrale Gesteine (Basalt, Diabas, Ton­

37
schiefer, Geschiebemergel der Endmoränen, Löß, Auelehm) ergeben
neutrale Böden, auf denen u.a. kalkholde Pilze wie der Netzstielige
Hexen-Röhrling ( Boletus luridus), die Spitz-Morchel (Morchella conica),
der Rotstielige Ledertäubling (Russula olivacea) und der Elfenbein-
Schneckling (Hygrophorus eburneus) Vorkommen. Saure Gesteine, oft
ungenau ,,Urgestein“ genannt (Granit, Gneis, Porphyr, Grauwacke,
Quarzit, Sandstein, sowie Quarzsand und Torf) bilden saure Böden, auf
denen ausgesprochen kalkfremde Pilze wie Dickfuß-Röhrling (Boletus
calopus),Kornblumen-Röhrling(Gyroporuscyanescens),Heide-Schleim-
fuß (Cortinarius mucosus), Bruch- und Tannen-Reizker (Lactarius
helvus, L. turpis) und Apfel-Täubling (Russula paludosa) gedeihen.
Es gibt aber auch bodenvage Pilze, die auf Böden nahezu jeder Art
Vorkommen, so der gefährliche Grüne Knollenblätterpilz (Amanita
phalloides), Perlpilz (A. rubescens), Pfifferling (Cantharellus cibarius).
Butterpilz (Suillus luteus), Gallenröhrling (Tylopilus felleus) und die
Stinkmorchel (Phallus impudicus). Natürlich müssen entsprechende Be­
gleitbäume vorhanden sein.
Zur Überraschung des kundigen Pilzsammlers können in Gebieten mit
saurem Untergrund plötzlich massenhaft kalkliebende Pilze auftreten,
nämlich auf mit Kalk gedüngten Wiesen (Karbol-Egerling, Agaricus
xanthodermus) oder längs mit Kalkstein geschotterter Waldwege (Ziegel­
roter Rißpilz, Inocybe patouillardii, und Igel-Stäubling. Lycoperdon
echinatum). Ihr unerwartetes Vorkommen ist also auf direkten mensch­
lichen Einfluß zurückzuführen.
Jahreszeit. Die meisten Pilze wachsen nur zu bestimmter Jahreszeit.
Jedermann weiß, daß man die meisten Pilzarten und die größten Ernten
im Frühherbst (etwa Mitte August bis Mitte Oktober) finden kann.
Doch schon nach der S c h n e e s c h m e l z e eröffnen die kleinen und
dünnen, aber eßbaren Nagelschwämme (Strobilurus-Arten, Bd. III) und
manche Becherlinge den Reigen der Pilzarten — gebietsweise auch der
März-Schneckling ( Hygrophorus marzuolus). Im V o r f r ü h l i n g folgen
Morcheln, Lorcheln und Verpeln ( Morchella, Gyromitra, Discitta, Verpa)
bis etwa Mitte Mai. Der eigentliche F r ü h l i n g bringt mit Maipilz
(Calocybe gambosa) und Schild-Rötling (Rhodophyllus elypeatus) wich­
tige eßbare Blätterpilze, aber mit dem Ziegelroten Rißpilz (Inocybe
patouillardii) auch einen giftigen Doppelgänger. Auch holzbewohnende
Pilze fruktifizieren jetzt in zunehmender Artenzahl, darunter das Echte
Stockschwämmchen. Ab Mitte Juni ( F r ü h s o m m e r ) erscheinen schon
manche Röhrlinge, Milchlinge, Täublinge, Rüblinge und die Stinkmor­
cheln ; auch die Pilzvegetation der Moore ist erwacht. Der S o m m e r ist
charakterisiert durch zahlreiche Wulstlinge (Amanita), Röhrlinge (Bole­
tus, Suillus), Täublinge (Russula) und Egerlinge (Agaricus arvensip).
Andererseits haben manche Pilzarten ihr Hauptwachstum erst im
S p ä t h e r b s t , nach den ersten Frösten, so die Frost-Schnecklinge

38
(Hygrophorus hypothejus), Grünling (Tricholoma equestre), Schwarz­
faseriger Ritterling (Tr. portentosum), die Rötelritterlinge und Grau­
kappen (Lepista-Arten). Schließlich sind milde Tage im W i n t e r (Mitte
November bis Januar) die Wachstumszeit so ausgezeichneter Speisepilze
wie Winterpilz (Flammulina velutipes) und Austern-Seitling (Pleurotus
ostreatus).
Natürlich gibt es auch Arten, die fast während der gesamten Vege­
tationsperiode fruchten, d.h. ihre Fruchtkörper erscheinen im Lauf des
Jahres in mehreren „Wellen“ oder „Flügen“: so der Perlpilz ( Amanita
rubescens), Nelken-Schwindling (Marasmius oreades), Tintlinge (Copri-
nus-Arten) und das Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis).
Witterung. Es ist sprichwörtlich, daß die Pilze nach Regenwetter
geradezu „aus dem Boden schießen“. Jedoch sind außer Feuchtigkeit
auch bestimmte T e m p e r a t u r e n erforderlich, damit eine gute Pilz­
ernte eintritt; z.B. benötigt der Steinpilz im Sommer 15 bis 18,5 °C
im Monatsmittel. Bleibt die Temperatur unter diesen Werten, so bleibt
trotz reichlicher Niederschläge die Rekordernte aus. Der Waldboden
kann dann sogar sehr pilzarm sein, nur einzelne Arten wie der Specht-
Tintling (Coprinus picaceus) bilden Fruchtkörper. Reichliche Nieder­
schläge im Spätherbst bringen besonders die Rötelritterlinge (Lepista
personata, noch später L. nuda) zu Massenwachstum. Für t r o c k e n e
S o m m e r hingegen ist das reichliche Auftreten von Perlpilz (Amanita
rubescens). Kahlem Krempling (Paxillus involutus) und Kampfer-Milch­
ling (Lactarius camphoratus) charakteristisch, und die Hexenringe
(s. S. 35 f.) bildenden Arten wie der Nelken-Schwindling treten besonders
auffällig hervor.
Klima. Die vorstehend erklärten Bedingungen gelten für das Flach-
und Hügelland Mitteleuropas; hierfür gelten auch die im Speziellen Teil
des Taschenbuches genannten Wachstumszeiten. Starke Verschiebungen
der Fruktifikationszeit gibt es einerseits im warmen Schwarzmeer- und
Mittelmeergebiet sowie im äußersten, wintermilden Westeuropa, anderer­
seits in höheren Gebirgen und in Nordeuropa, wo sich die Zeit des Pilz­
wachstums zwangsläufig auf die kurze schneefreie Periode zusammen­
drängt. In Gebieten mit abweichendem Klima spielen auch andere Pilz­
arten eine vorherrschende Rolle in der Vegetation. Der Pilzfreund sollte
daher bei Urlaubsreisen in derartige Länder besonders vorsichtig sein.
Näheres über das Pilzwachstum nach Jahreszeit und Witterung, Stand­
ort und Klima ist in den Bänden I und IV des Handbuches für Pilz­
freunde ausgeführt.

39
VI. Die wissenschaftlichen Namen der Pilze

Die deutsche Sprache ist — ähnlich wie die slawischen Sprachen —


reich an Namen für eßbare, giftige und sonstige Pilze. Diese Namen sind
jedoch oft landschaftlich verschieden: so heißt der Pfifferling in manchen
Gegenden auch Eierschwamm, Gelbschwämmchen, Gehlchen, Rehfüß­
chen ... es kann also für die gleiche Pilzart verschiedene Namen (Syno­
nyme) geben. Andererseits sind Bezeichnungen wie Zigeuner, Kreisling,
Waldchampignon ... je nach Landschaft für verschiedene Pilzarten im
Umlauf, also es gibt Homonyme = gleiche Namen für verschiedene
Arten. Vergegenwärtigen wir uns noch, daß die einzelnen Arten oft große
Verbreitungsgebiete haben und in vielen Ländern mit den unterschied­
lichsten Sprachen Vorkommen, so wird klar, daß man neben den Volks­
namen ein einheitliches internationales Verständigungsmittel braucht.
Ein solches ist die wissenschaftliche (mykologische) Nomenklatur
der Pilze.
ln der Wissenschaft hat jeder Pilz zwei Namen: den Gattungsnamen
(groß geschrieben, z.B. Boletus) und den Artnamen (klein geschrieben,
z.B. edulis). Also heißt der Steinpilz Boletus edulis. Eine Gattung
(z. B. Amanita, Knollenblätterpilz) hat meist mehrere, mitunter Hunderte
von Arten. Manche Gattungen haben mehrere Arten, von denen aber
nur eine in Europa vorkommt (z. B. unser Reifpilz, Rozites caperatus).
Wirklich monotypische Gattungen, die überhaupt nur eine einzige Art
haben, sind ziemlich selten.
Mehrere Gattungen bilden eine Familie (Namen auf -aceae: Ama-
nitaceae), mehrere Familien eine Ordnung (Namen auf -ales: Agari-
cales), und mehrere Ordnungen bilden eine Klasse (Namen auf-mycetes:
Basidiomycetes).
Die wissenschaftlichen Namen der Pilze sind der lateinischen oder
der altgriechischen Sprache entnommen oder aus lateinischen bzw.
griechischen Wurzeln neu gebildet. Manche Namen ehren das Andenken
eines erfolgreichen Pilzsammlers oder Mykologen, z.B. Kuehneromyces
(Stockschwämmchen), Bondarzewia (ein Porling), Singerelia (ein Blätter­
pilz), Lenzites (Blättling).
Die Aussprache der wissenschaftlichen Pilznamen ist einfach. Es
werden nur einfache Buchstaben ohne diakritische Zeichen (ä, ö, ü, c, ä ,
usw.) verwendet. Wenn wir dennoch im Kapitel VII und im Speziellen
Teil dieses Taschenbuches Akzente (') setzen, so zeigen diese die betonte
Silbe an und sind nicht Bestandteil des Namens. Es sind nur Aussprache­
hilfen für unsere Leser.
Dem Anfänger mag die Verwendung der wissenschaftlichen Namen
überflüssig und lästig erscheinen. Aber sie sind von unschätzbarem Wert
bei der Benutzung ausländischer Literatur und bei Gesprächen mit

40
ausländischen Pilzfreunden. Doch auch im Inland sind sie unentbehrlich
zur eindeutigen Bezeichnung der einzelnen Pilzarten, Gattungen usw.
Näheres zu den Namen der Pilze ist in Band III, S. 11 bis 38, ausgeführt.

VII. Einteilung und Bestimmung der Pilze

Die folgende Übersicht beschränkt sich auf solche Pilzgruppen, von


denen mindestens ein Vertreter in diesem Taschenbuch abgebildet ist.
In Wirklichkeit ist das System weit umfangreicher und umfaßt natürlich
auch die niederen Pilze. Die wissenschaftliche Einteilung (Systematik,
Taxonomie) der Pilze stützt sich vorwiegend auf mikroskopische und
auf biochemische Merkmale, die vom Laien nicht ohne weiteres nach­
geprüft werden können. Die Bestimmung vieler, besonders der größeren
fleischigen Pilze, ist aber auch ohne Hilfsmittel und komplizierte Unter­
suchungen möglich; lediglich die Benutzung einer 6- oder 8fachen Lupe
ist zu empfehlen. Zur Bestimmung ist der g a n z e Fruchtkörper erfor­
derlich! Diesen soll man also nicht abschneiden, sondern mit seiner Basis
(evtl. Knolle) aus dem Boden herausdrehen! Gerade am Stiel und am
Stielgrund sitzen oft sehr wichtige Kennzeichen. Der Hut eines Grünen
Knollenblätterpilzes könnte mit manchen anderen Pilzen verwechselt
werden, der Stiel nicht!
Vorteilhaft ist es, m e h r e r e Altersstadien des gleichen
Pilzes zur Verfügung zu haben, da viele Pilze ihr Aussehen im Laufe
ihrer Entwicklung stark verändern. Die wichtige Farbe des Sporen­
staubes erhält man, indem man die Pilzhüte einige Stunden, vor Aus­
trocknung geschützt, auf weißes (!) Papier legt. Die Sporenstaubfarbe
ist nicht immer mit der Farbe der Blätter bzw. Röhren identisch.

Klasse: Basidien- oder Ständerpilze, Basidiomycetes


Bilden ihre Sporen a u ß e n an keulenförmigen Zellen (den Basi­
dien). normal meist zu 4. Die Basidien bilden eine zusammenhängende
Schicht, das Hymenium.

Unterklasse: Hutpilze, Hymenomycetidae. Das Hymenium überzieht


ä u ß e r e Oberflächen des Fruchtkörpers, meist das „Futter" (Blätter,
Röhren, Stacheln) unter dem Hut, oder es überzieht den gesamten
Fruchtkörper (Korallenpilze).

Ordnung: ßlätterpilze, Agarieäles. Pilze mit meist saftigem, faseri­


gem Fleisch, Hutunterseite mit Blättern (= Lamellen), die mit kürzeren
Blättern untermischt, aber fast niemals gegabelt sind.

41
Familie: Champignonartige, Agaricäceae. Stiel beringt, Blätter frei (den Stiel
nicht berührend). Sporenstaub weiß oder dunkelbraun. Einzeln oder in Ringen
auf Wald- und Wiesenböden, auch auf Kompost. Gattungen: Schirmpilz, Macro-
lepiöta, Nr. 1,2; Egerling = Champignon, Agaricus, Nr. 11—17.
Familie: Wulstlingsartige, Amanitäceae. Stiel meist beringt. Blätter am Stiel
angeheftet. Sporenstaub weiß. Stielbasis oft knollig und mit häutigen oder
warzigen Velumresten, oft in einer Scheide = Volva. Einzeln auf Waldboden.
Gattung: Knollenblätterpilz, Wulstling, Amanita, Nr.3 —10.
Familie: Träuschlingsartige, Strophariäceae. Stiel beringt oder mit Faser­
schleier (Cortina). Blätter am Stiel angewachsen. Sporenstaub braun bis purpur-,
violettbraun. Oft büschelig an Holz, andere Arten gesellig auf Mist und faulem
Stroh. Gattungen: Träuschling, Strophäria, Nr. 17a, 18; Schwefelkopf, Hypho-
löma, Nr. 19—21; Stockschwämmchen, Kuehnerömyces, Nr.25.
Familie: Tintlingsartige, Coprinäceae. Stiel selten beringt. Blätter am Stiel
angeheftet bis angewachsen. Sporenstaub dunkelbraun bis schwarz. Reife Frucht­
körper meist tintenartig zerfließend. Einzeln oder dicht büschelig auf fettem
Wald-, Wiesen- oder Gartenboden, auf Schuttplätzen, auch an Holz. Gattung
Tintling, Cöprinus, Nr. 22—24.
Familie: Ritterlingsartige, Tricholomatäceae. Stiel meist nicht beringt. Blätter
am Stiel angewachsen oder ausgebuchtet oder herablaufend. Sporenstaub weiß
oder gelblich, blaß-rötlich. Einzeln oder büschelig auf Wald- und Wiesenboden
oder büschelig an Holz.
a) Blätter abgerundet angewachsen. Stiele zäh, dünn. Gattungen: Winter­
pilz, Flammulina, Nr. 27; Schwindling. Maräsmius, Nr. 51, 52.
b) Blätter ausgebuchtet. Stiele dick, fleischig. Gattungen: Holzritterling,
Tricholomöpsis, Nr. 28; Ritterling. Tricholöma, Nr. 34—37; Rasling,
Lyophyllum, Nr.38, 39; Rötelritterling, Lepista, Nr.40, 41; Maipilz,
Calöcybe, Nr.42.
c) Blätter ausgebuchtet. Stiele dünn. Zarte, zerbrechliche Pilze. Gattung: Helm-
ling Mycena, Nr. 29.
d) Blätter am Stiel herablaufend. Gattungen: Hallimasch, Armillariella, Nr.26;
Glöckchennabeling, Xeromphälina, Nr.30; Trichterling, Clitöcybe, Nr.45;
Graukappe, Lepista, Nr. 46; Bläuling, Laccäria, Nr.49, 49a, 50.
Familie: Schleierlingsartige, Cortinariäceae. Stiel selten beringt (Nr.32), sonst
mit Haarschleier (Cortina). Blätter am Stiel angewachsen oder ausgebuchtet.
Sporenstaub lebhaft rostbraun oder graubraun. Einzeln oder gesellig, mitunter
in Ringen auf Waldboden. Gattungen: Reifpilz, Rozites, Nr.32; Schleierling
(Schleimfuß). Cortinärius, Nr. 33; Rißpilz, Inocybe, Nr.34.
Familie: Schnecklingsartige, Hygrophoräceae. Stiel nicht oder undeutlich be­
ringt, Lamellen am Stiel angeheftet (Nr. 71), ausgebuchtet oder herablaufend.
Fleisch weich, fast wachsartig, oft sehr saftig. Einzeln oder gesellig auf Wald- und
Wiesenboden. Gattungen: Schnecklinge, Hygrophorus, Nr. 70; Saftling,
Hygröcybe, Nr. 71.

Ordnung: Seitlinge, Polyporäles. Pilze mit fleischigem oder zähem bis


korkigem Fleisch. Hutunterseite mit Blättern, die mit kürzeren Blättern
untermischt sind, oder mit Röhren. Fruchtkörper meist stark exzentrisch
bis seitlich gestielt, selten ungestielt.
Familie: Seitlingsartige, Polyporäceae. Sporenstaub weiß, blaß gelblich oder sehr
blaß lila. Einzeln oder büschelig an Holz. Gattungen: Seitling, Pleurötus, Nr.31;
Porling, Polyporus, Nr. 98.
Ordnung: Sprödblätter, Kussuläles. Pilze mit bröckeligem, oft sehr
scharf schmeckendem Fleisch. Hutunterseite mit Blättern, die (beim

42
Darüberstreichen) spröde splittern und nur selten mit kürzeren unter­
mischt, aber nicht selten gegabelt sind. Blätter angeheftet, angewachsen
oder kurz herablaufend. Sporenstaub weiß, gelblich oder ocker.
Familie: Täublingsartige, Russuläceae. Merkmale die der Ordnung. Einzeln
oder gesellig auf Waldboden. Gattungen: Reizker = Milchling, Lactarius
(mit Milchsaft = Latex), Nr. 55—58; Täubling, Russula, Nr. 59—69.

Ordnung: Röhrlinge, Boletales. Pilze mit saftigem Fleisch, von dem sich
das Futter (Röhren oder Blätter) durch Daumendruck leicht ablösen läßt.
Familie: Gelbfußartige, Gomphidiäceae. Hutunterseite mit weit herablaufenden
dicklichen Blättern. Sporenstaub schwarzbraun. Fleisch in der Stielbasis lebhaft
gelb bis zimtfarben. Einzeln auf Nadelwaldboden. Gattungen: Schmierling,
Leucogomphidius, Nr. 72; Gelbfuß, Gomphidius (= Chroogömphus), Nr. 73.
Familie: Kremplingsartige, Paxilläceae. Hutunterseite mit weit herablaufenden,
normalen, oft gegabelten Blättern. Sporenstaub weiß (Nr. 77) oder braun.
Einzeln auf Waldbodcn oder an Nadelholz. Gattungen: Krempling. Paxillus
Nr.74, 75; Afterleistling, Hygrophoröpsis, Nr. 77.
Familie: Röhrlingsartige, Boletäceae. Hutunterseite mit Röhren, die am Stiel
angewachsen, ausgebuchtet oder kurz herablaufend sind. Sporenstaub meist
olivbräunlich, seltener weiß, rosa (Nr. 79) oder hellgelb. Einzeln auf Waldboden.
Gattungen: Röhrlinge, Boletus, Nr.78, 81, 92—95; Gallenröhrling, Tylopilus,
Nr.79; Filzröhrling, Xeröcomus, Nr. 80, 88, 89; Schleimröhrling, Suillus,
Nr.82—87; Rauhfußröhrling (Rotkappe), Leccinum, Nr.90, 91.
Ordnung: Stachelinge und Ziegenbärte, Cantharelläles. Pilze mit
weichem bis korkartigem Fleisch, entweder hut- bis kreiselförmig und
unterseits mit vielfach gegabelten Leisten, mit Stacheln oder glatt; oder
keulen- oder korallenförmig. Stiel niemals beringt.
Familie: Pfifferlingsartige, Hydnäceae (Cantharelläceae). Fruchtkörper hut- bis
kreiselförmig oder trompetenartig, unterseits mit Leisten (Nr. 76), mit Stacheln
(Nr. 102) oder glatt (Nr. 109). Sporenstaub weiß. Einzeln oder büschelig auf
Waldboden. Gattungen: Pfifferling, Cantharellus, Nr.76; Stoppelpilz, Hydnum,
Nr. 102; Trompete. Craterellus, Nr. 109.
Familie: Korallenpilzartige, Clavulinäceae. Fruchtkörper spindel- bis keulen­
förmig oder korallenartig verzweigt, sehr zerbrechlich. Sporenstaub weiß.
Basidien immer 2sporig. Bodenbewohnend in Wäldern. Gattung: Koralle,
Clavulina, Nr. 108.
Familie: Keulenpilzartige, Clavariäceae. Fruchtkörper spindel- bis keulenförmig
oder korallenartig verzweigt, fleischig. Sporenstaub weiß. Meist bodenbewohnend
in Wäldern, Wiesen und Trockenrasen. Gattung: Keule, Keulenpilz, Claväria,
Nr. 104.
Familie: Ziegenbartartige, Ramariäceae. Fruchtkörper korallenartig verzweigt,
fleischig. Sporenstaub weiß bis ockergelb. Boden- oder holzbewohnend in
Wäldern. Gattung: Ziegenbart, Bärentatze, Ramäria, Nr. 105, 107.
Familie: Gluckenartige, Sparassidäceae. Fruchtkörper sehr groß, blumenkohl­
ähnlich verzweigt mit blattartigen, krausen Zweigenden. Sporenstaub ocker­
gelblich. An Baumwurzeln und -Stümpfen. Gattung: Glucke, Sparassis, Nr. 106.
Familie: Leberpilzartige, Fistulinäceae, Fruchtkörper zungenförmig, unterseits
mit hohlen Stacheln, Fleisch mit rotem Saft. Sporenstaub weiß bis bräunlich.
An lebenden Laubbäumen. Gattung: Leberpilz, Reischling, Fistulina, Nr. 101.
Ordnung: Porenschwämme, Poriales. Pilze mit weichem oder leder- bis
korkartigem Fleisch, meist ungestielte Hüte mit konzentrisch gezonter

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Oberfläche. Hutunterseite mit Röhren, die sich nicht vom Hutfleisch
abtrennen lassen (Gegensatz zu den Boletales, S. 44), oder glatt. Form
der Fruchtkörper sehr variabel und plastisch, oft Fremdkörper (Gras­
halme, Ästchen, Steine) einschließend.
Familie: Schafeuterartige, Scutigeraceae. Fleischige, saftige Pilze, gestielt oder
ungestielt; Hutunterseite mit Röhren. Sporenstaub weiß. Holz-, seltener boden­
bewohnend in Wäldern. Gattung: Schafeuter. Albatrellus, Nr.96, 97.
Familie: Schwefelporlingsartige, Laetiporaceae. Fleischige, jung saftige, später
käseartig bröckelige Pilze mit großen, ungestielten, orangegelben Hüten, Sporen­
staub gelblich. An lebenden Baumstämmen. Gattung: Schwefelporling, Laeli-
porus, Nr. 100.
Familie: Trametenartige (Lederporlinge), Coriolaceae. Lederige, korkige oder fast
holzige Pilze mit ungestielten Hüten. Sporenstaub weiß. An Baumstümpfen und
-Stämmen. Gattung: Tramete, Trametes, Nr. 100.
Familie: Wärzlingsartige, Thelephoraceae. Fleischige, leder- oder korkartige, hut-,
fächer- oder korallenartige Pilze. Hutunterseite mit Stacheln oder unscheinbaren
Warzen. Sporenstaub braun. Einzeln oder rasig auf Waldboden. Gattung: Stache-
ling, Sarcodon, Nr. 103.
Unterklasse: Bauchpilze, Gasteromycetidae.
Das Hymenium überzieht i n n e r e Oberflächen des Fruchtkörpers,
nämlich die Wände der feinen Glebakammern. Die Pilze sind meist
bovistartig gebaut: sie bestehen auf einer ein- oder mehrschichtigen Hülle
(Peridie), dem fruchtbaren Inneren (der Gieba) des Fruchtkörpers und
manchmal einem sterilen Basisteil (der Subgleba).
Ordnung: Stäublinge, Lycoperdales. Gieba fein schwammig gekammert,
von mehrschichtiger Peridie umgeben. Fruchtkörper rundlich bis bim­
förmig. Die reife Gieba zerfällt zu (ungiftigem) Sporenstaub.
Familie: Stäublingsartige, Lvcoperdaceae. Merkmale die der Ordnung. Einzeln
oder büschelig auf Wiesen- und Waldboden, eine Art an Holz. Gattungen: Bovist,
Bovista, Nr. 110; Riesenbovist, Langermannia, Nr. 112; Stäubling, Lvcoperdon,
Nr. 114.
Ordnung: Hartboviste, Sclerodermatales. Gleba nicht gekammert, son­
dern durch sterile Adern gegliedert. Peridie ein- bis vielschichtig. Die
reife Gieba zerfällt zu Sporenstaub.
Familie: Hartbovistartige, Sclerodermataceae. Peridie einschichtig, derb, ohne
besondere Öffnung. Gesellig auf Waldboden. Gattung: Hartbovist, Scleroderma,
Nr. 111.
Ordnung: Erdsterne, Geastrales. Gieba fein gekammert und mit sterilem
Zapfen (Kolumella). Peridie mehrschichtig; ihre äußere Hülle (Exo-
peridie) öffnet sich sternförmig. Die reife Gieba zerfällt zu Sporenstaub.
Familie: Erdsternartige, Geasträceae. Merkmale die der Ordnung. Einzeln auf
dem Boden von Wäldern, Gärten, in Trockenrasen. Gattung: Erdstern, Geastrum,
Nr. 113.
Ordnung: Pilzblumen, Phallales. Der sehr unterschiedlich gestaltete, zer­
brechliche, aasartig stinkende Fruchtkörper entwickelt sich aus einem
rundlichen, unterirdischen ,,Hexenei“ und hebt bei seiner Streckung die
schleimige, dunkel olivgrüne Sporenmasse empor.

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Familie Stinkmorchelartige, Phallaceae. Fruchtkörper unverzweigt. Einzeln im
Waldboden, in Dünen oder gesellig an Baumstümpfen. Gattung: Stinkmorchel.
Phallus, Nr. 115.

Klasse: Schlauchpilze, Ascomycetes


Bilden ihre Sporen im I n n e r e n von keulenförmigen bis langge­
streckten Zellen (den Schläuchen oder Aszi, Einzahl Askus), meist zu 8.
Bei den hier behandelten Arten bilden die Schläuche eine zusammen­
hängende Schicht, das Hymenium.
Ordnung: Becherlinge, Pezizales. Fruchtkörper oberirdisch, becher­
förmig, wabenartig oder hirnartig gefaltet, weichfleischig-wachsartig,
gestielt oder sitzend. Das Hymenium überzieht das Innere des Bechers
bzw. die Oberseite des Fruchtkörpers. Sporen farblos (Sporenstaub
weiß).
Familie: Lorchelartige, Helvellaceae. Fruchtkörper grau oder braun gefärbt,
gestielt, becherförmig, gelappt oder hirnartig gefaltet. Einzeln auf Waldböden,
Dünen, Trockenrasen, vorwiegend im Frühling. Gattung: Lorchel, Gyrömitra,
Nr. 116.
Familie: Morchelartige, Morchelluceae. Fruchtkörper ocker bis braun gefärbt,
gestielt, mit deutlich abgesetztem, meist wabenartig gekästeltem Flut. Einzeln
bis gesellig auf Waldboden, in Gärten, nur im Frühling. Gattung: Morchel,
Morchella, Nr. 117, I 18.
Familie: Becherlingsartige, Pezizaceae. Fruchtkörper braun, ocker, violett oder
grünlich gefärbt, ungestielt, becher- oder schüsselförmig. Einzeln bis gesellig
auf Walboden, an Wegrändern, auch an faulem Holz. Gattungen: Becherling,
Peziza, Nr. 120; Kronenbecherling, Sarcosphäera, Nr. 121.
Familie: Öhrlingsartige, Pyronemataceae. Hymenium der Fruchtkörper lebhaft
rot, orange, gelb. Fruchtkörper meist ungestielt, becher-, scheibenförmig oder
einseitig ohrförmig ausgezogen. Einzeln bis sehr gesellig auf Waldboden, Heiden,
an Wegrändern, auf Moospolstern und Exkrementen. Gattungen: Öhrling, Otidea,
Nr. 122; Orangebecherling, Aleuria, Nr. 123.
Ordnung: Trüffeln, Tuberales. Fruchtkörper unterirdisch wachsend,
knollenförmig, im Querschnitt durch helle und dunkle Adern m a r ­
m o r i e r t . Das Hymenium zieht sich an diesen Adern entlang.
Familie: Trüffelartige, Tuberaceae, Sporen gelblich bis braun. Die reifen Frucht­
körper zerfallen nicht zu Sporenstaub; sie strömen oft starke Gerüche aus. In
Waldböden. Gattungen: Weißtrüffel, Choiromyces, Nr. 124; Trüffel, Tuber,
Nr. 125.
Die Charakteristiken der hier erwähnten Gattungen findet der Leser
im Speziellen Teil dieses Taschenbuches, in Kleindruck im Anschluß an
die Beschreibungen der jeweils zugehörigen Arten.

45
VIII. Mikroskopische Merkmale

Dieses Kapitel wendet sich an solche Pilzfreunde, die ein Mikroskop zur Verfügung
haben und mit dessen Aufbau und Bedienung vertraut sind. Die Beachtung
mikroskopischer Merkmale gibt der Bestimmung zusätzliche Sicherheit; für die
Kenntnis kleinerer und seltener Pilze ist sie unerläßlich. Hier werden nur leicht
feststellbare Merkmale beschrieben, weiterführende Angaben finden sich im
Handbuch für Pilzfreunde, Bd. II und VI.
Mikroskopische Messungen. Um Sporenmaße und dgl. zu ermitteln, muß man
in das Okular ein Okularmikrometer (Meßplättchen) einlegen und dieses mit
einem Objektmikrometer eichen, d.h. das Maß der Teile (Strichabstände) des
Okularmikrometers mit einer Skala bekannter Größe vergleichen. Das Objekt­
mikrometer wird wie ein normaler Objektträger auf dem Objekttisch des Mikro­
skops befestigt und das Okular so gedreht, daß man beide Maßstäbe parallel sieht.
Nunmehr wählt man eine möglichst große und runde Anzahl von Teilen des
Okularmikrometers (z.B. 50 oder 100), liest ihre wirkliche Länge direkt am
Objektmikrometer ab und teilt das Ergebnis durch die gewählte Anzahl von
Teilen. Diese Berechnung muß für jedes Objektiv gesondert durchgeführt werden.
Beispiel: Auf dem Objektmikrometer ist angegeben ., 1 mm geteilt in 100 Teile“,
also 1 Teil = 10 ym (Mikrometer). Bei Verwendung eines Objektivs 40x
entsprechen 100 Teile des Okularmikrometers 18,5 Teilen des Objektmikro­
meters = 185 ym. Folglich ist ein Strichabstand im Okular = 1,85 lang
(1 mm = 1000 ym).
Danach wird anstelle des Objektmikrometers das Präparat betrachtet. Ist z. B.
eine Spore unter dem Objektiv 40x und dem geeichten Okular 4 Strichabstände
lang, so ist ihre Länge 4 x 1,85 = 7,4 ym). Da das Okular samt dem Meßplättchen
drehbar ist, kann man Länge und Breite beliebiger Strukturen messen, auch
wenn sie schräg im Präparat liegen.
A. Untersuchung der Hutpilze (Hymenomycetidae)
Die Sporen beobachtet man, nachdem man ein Bruchstück des Hutfutters
(Blätter, Röhren etc.) auf dem Objektträger in einem Tröpfchen destillierten
Wassers oder Lactophenol (s.u.) ausgeschwenkt und wieder entfernt hat. Dann
wird das Deckglas aufgelegt, unter dem sich nur ein sehr dünner Film von
Flüssigkeit befinden darf (übermäßige Flüssigkeit wird mit einem Streifen Filter­
papier abgesaugt), denn man muß starke Vergrößerungen benutzen (Objektiv
40x oder stärker). Ist das Präparat zu dick, sieht man die Sporen nur unscharf
und in ständiger Bewegung. ,
Die Farbe der Sporen unter dem Mikroskop ist oft heller als die des Sporen­
staubes (vgl. S.41); schwach pigmentierte Sporen erscheinen „hyalin“ (farblos
und durchsichtig). Die Form der Sporen ist unterschiedlich, z.B. kugelig (1),
ellipsoid (2), eiförmig (3), spindelförmig (4), zylindrisch (5), gekrümmt = allan-
toid (6), mandelförmig (7) oder vieleckig (8). Die Oberfläche der Sporen ist
glatt ( 1 ) , punktiert (2), feinwarzig (12), grobwarzig (7), höckerig (9) oder
stachelig (10)\ besonders kompliziert ist sie bei den Täublingen und Reizkern,
nämlich oft warzig und zugleich netzig-gratig ( 1 1 ) . Die Vorsprünge auf der
Sporenoberfläche nennt man das Sporenornament.
Die Sporen der Hutpilze sind mehr oder weniger deutlich zweiseitig-symme-
trisch, d. h. man unterscheidet eine stärker gewölbte Rücken- und eine schwächer
gewölbte oder gar eingedellte Bauchseite. Die Basis der Spore läuft in ein sehr
kurzes Stielchen (Apikulus, Hilarappendix) aus; das Ende des Stielchens (das
Hilum) ist die Abbruchstelle vom Sterigma der Basidie (s.u.). Oberhalb des
Stielchens ist an der Bauchseite der Spore manchmal ein besonderer Bezirk

46
1 2 3 5 7

8 9 10 11 12

13 15 16

19 17
18 20 21 22 23

markiert: Hilarfleck, bei warzigen Sporen auch Plage genannt (7, 11). Gegenüber
dem Hilum, also am oberen Ende der Spore, kann besonders bei dickwandigen
Sporen ein Keimporus als heller, kreisrunder Fleck markiert sein: Tintlinge,
Träuschlinge, Schüpplinge, Parasolpilz (3).
Die Größe der Spore wird, wie oben angegeben, nach Länge und größter
Breite gemessen.
Elemente des Hymeniums beobachtet man am besten in einem dünnen
Sagittalschnitt. der mit einer Rasierklinge parallel zum Stiel senkrecht durch den
Hut geführt wird (Klinge dabei seitwärts ziehen, nicht drücken!). Dabei entsteht

47
eine kammförmige Schnittfigur ( 1 5 , 1 6 ) . Den Rand der „Kammzinken“ bildet
das Hymenium; es besteht aus Basidien, Basidiolen und oft auch Zystiden.
Basidien ( 1 7 ) sind im allgemeinen langgestreckt keulenförmig und tragen am
Scheitel 4, seltener 2 dünne Stielchen (Sterigmen), an deren Spitze die Basidio-
sporen entstehen. Der Anfänger studiere zunächst Pilze mit ziemlich großen
Basidien (Schmierlinge, Schnecklinge, Nabelinge, Schleimrübling, Saftlinge).
Basidiolen ( 1 8 ) gleichen den Basidien, tragen aber keine Sterigmen und Sporen.
Zystiden ( 1 9 — 2 1 ) sind unterschiedlich geformte, auffällige Zellen, welche die
Basidien und Basidiolen überragen. Sie bilden keine Sporen, tragen aber
manchmal an ihrer Spitze Kristalle oder enthalten Öltropfen (Gloeozystiden).
Es gibt viele verschiedene Typen von Zystiden (vgl. Handbuch für Pilzfreunde,
Bd.VI), z.B. bei Rißpilzen, Dachpilzen, Träuschlingen. Tintlingen, Weich­
ritterlingen.
Schnallen an den Querwänden (Septen) der Hyphen sind ein typisches, aber
nicht bei allen Gattungen und Arten vorhandenes Merkmal der Basidiomyzeten.
Ihr Vorhandensein kontrolliert man am besten an den relativ schmalen und
dickwandigen Hyphen der Huthaut oder der Stielrinde ( 2 2 ) . Sie fehlen z.B.
den meisten Röhrlingen, den Egerlingen und dem Schwefelporling.
B. Untersuchung der Bauchpilze (Gasteromvcetidae)
Bei bovistartigen Pilzen ist vor allem ein Zupfpräparat (Pinzette!) aus dem
Inneren, d.h. der Gieba stäubender, in der Natur ausgereifter Fruchtkörper
aufschlußreich. In diesem Zustand findet man keine Basidien mehr, jedoch
reichlich Sporen, die — im Gegensatz zu denen der Hutpilze — nicht zweiseitig­
symmetrisch, sondern exakt kugelig, eiförmig, ellipsoid oder spindelig sind. Den
Sporen mancher Arten (z.B. Eier- und Bleigrauer Bovist) haftet das gesamte
Sterigma schwanzartig an ( 1 2 ) . Keimporen und Hilarflecken kommen bei Bauch­
pilzen nicht vor, wohl aber ist die Spore oft von einem Sporenornament (Warzen,
Stacheln, Runzeln, Netzleisten) bedeckt.
Außer den Sporen enthalten stäubende Bauchpilze oft noch Kapillitiumfäden:
das sind mehr oder weniger dickwandige, verzweigte und meist elastische Hyphen
mit oder ohne Querwände (Septen), stets ohne Schnallen. Ihre Verzweigungs­
weise ist gattungs- oder arttypisch.
C. Untersuchung der Schlauchpilze (Ascomycetes)
Die größeren Schlauchpilze sind meist wachsartig-weichfleischig, und es ist
leicht, mit der Rasierklinge einen Schnitt durch das gefärbte Hymenium zu führen.
Dieses besteht aus Paraphysen (schmalen, geraden Hyphen, die in ihrer oft
etwas verdickten Spitze Farbstoff enthalten 2 3 ) und den wesentlich dickeren,
spindel- bis zylinderförmigen Schläuchen (Aszi, 2 4 ) . Paraphysen und Schläuche
sind gleich lang. Reife Schläuche enthalten in der Regel >S (bei manchen Arten
jedoch 2, 4, 16, 32 . . .) Askosporen. Diese sind farblos oder gefärbt (braun,
violett, grünlich), glatt oder mit Warzen, Stacheln, Adern. Rippen oder recht
komplizierten netzartigen Ornamenten, mitunter auch an beiden Enden mit
Anhängseln versehen. Ihre Form ist kugelig, ellipsoid, spindelig, selten nadel-
oder fadenförmig ( 1 3 ) . Aufgrund ihrer Entstehungsweise im Inneren des
Schlauches haben sie niemals ein Stielchen (Apikulus); auch Hilum und Hilarfleck
fehlen ihnen; Keimporen sind nur ausnahmsweise vorhanden.
Die Öltropfen im Inneren der Askosporen ( 1 4 ) können wichtige Bestimmungs­
merkmale sein. z.B. zur Unterscheidung von Frühjahrs-Lorchel (2 kleine Tropfen),
Riesen-Lorchel (1 großer und 2 kleine Tropfen) und Morcheln (Sporen ohne
Tropfen).
D. Reagentien für die mikroskopische Untersuchung
Lactophenol: 10g Phenol in 10 ml destilliertem Wasser bis zur Lösung erhitzen, der

48
noch heißen Lösung 20ml Milchsäure und 20ml Glycerin zusetzen. Lactophenol
hellt die Präparate auf und verdunstet nur langsam, ist daher sehr bequem für
längerdauernde Untersuchungen und für Präparate, die einige Tage aufbewahrt
werden sollen, gibt aber schwächeren Kontrast als Wasser.
Lugolsche Lösung (Jodjodkali-Lösung): 0,3g Jod und lg Kaliumjodid (KJ)
in 20ml destilliertem Wasser lösen. Die Lösung zersetzt sich am Licht, sie muß daher
in einer dunklen Flasche aufbewahrt und jährlich neu angesetzt werden. Amyloide
Sporen (Perlpilz, Grüner und Gelber Knollenblätterpilz) werden blau, graublau,
violett, amyloide Schlauchspitzen (Kronen-, Blasenförmiger Becherling) schön
blau. Dextrinoide (pseudamyloide) Sporen (Schirmlinge, Schirmpilze) werden
rotbraun, purpurbraun; inamyloide Sporen etc. bleiben farblos bis gelbbräunlich.
Melzers Reagens: 0,5 g Jod, 1,5 g Kaliumjodid und 22g Chloralhydrat in 20ml
destilliertem Wasser lösen. Die Lösung muß in dunkler Flasche aufbewahrt und
jährlich neu angesetzt werden. Zur Darstellung des amyloiden Sporenornaments
der Täublinge und Reizker, welches sich dunkelviolett von der farblosen, inamy-
loiden Sporenwand abhebt.
Baumwollblau (Anilinblau): 0,5g Baumwollblau in 50ml Lactophenol
(s. oben) lösen, während 24 Stunden mehrmals umrühren, dann durch Papier
filtrieren. Die Lösung hält sich unbegrenzt. Zur Lebendfärbung des Plasmas
von Pilzhyphen, zur Färbung von Gloeozystiden. Zyanophile Sporen (Röhrlinge,
Kremplinge, Schmierlinge u.a.) färben sich nach kurzem Erhitzen in Baumwoll-
blau-Lactophenol blau, ebenso zyanophile Hyphenwände (z.B. Kapillitium
vom Sternstäubling, Skeletthyphen im Hut der Lackporlinge).
Kongorot: 1,5g Kongorot in 50ml destilliertem Wasser lösen, nach einigen
Stunden durch Papier filtrieren, danach 1 ml Ammoniak (25prozentig) zusetzen.
Die Lösung ist unbegrenzt haltbar, muß aber von Zeit zu Zeit neu filtriert werden.
Zum Anfärben von Zellwänden der Pilze, z. B. in dünnen Schnitten.
Mit Baumwollblau oder Kongorot gefärbte Schnitte müssen zur Beobachtung
in destilliertes Wasser übertragen werden. Kongorot ist nicht mischbar mit
Lactophenol oder Baumwollblau-Lactophenol.
Aufweichen von Trockenpilzen (Herbarmaterial, Exsikkate) für die mikro­
skopische Untersuchung: Pilzstücke bzw. Schnitte in Kalilauge (2- bis 5prozentige
Lösung von KOH in destilliertem Wasser; ätzend!), Ammoniak (2prozentig) oder
Milchsäure legen, dann in destilliertem Wasser auswaschen.

4 Hennig/Kreisel, Taschenbuch, 8. A. 49
Ein Hinweis

Wer tiefer in die Pilzkunde einzudringen wünscht und seine Artenkenntnis


bedeutend vermehren und auch seltenere Pilze bestimmen möchte, dem sei
das umfassende „Handbuch für Pilzfreunde“, in 6 Bänden von den gleichen
Verfassern wie das „Taschenbuch“ herausgegeben, empfohlen! Sie werden
von der Fülle und Qualität des Bildmaterials (1300 farbig abgebildete Pilzarten)
ebenso begeistert sein wie von den grundlegenden Ausführungen zur Lebens­
weise der Pilze, zur Bestimmungstechnik und zu vielen praktischen Fragen.

Aus dem Inhalt:

Band I (4. Auflage, Jena 1979)

Allgemeiner Teil:
Ratschläge für den Pilzsammler
Verwertung der Speisepilze
Giftpilze und Pilzvergiftungen
Der Anbau von Speisepilzen
Literatur
Spezieller Teil:
Abbildungen und Beschreibungen von 200 der wichtigsten und häufigsten
Pilze
Band II (2. Auflage, Jena 1971; Neubearbeitung in Vorbereitung)

Allgemeiner Teil:

Bestimmung der Pilze (makroskopische, mikroskopische und che­


mische Merkmale)
Systematischer Teil:

Übersicht der Familien der Röhrlinge, Porlinge, Stachelpilze, Korallen­


pilze, Gallertpilze, Bauchpilze, Schlauchpilze u.a.
Spezieller Teil:

Abbildungen und Beschreibungen von rund 300 Arten der Nichtblätterpilze


Band III (3. Auflage, Jena 1979)

Allgemeiner Teil:

Die Namen der Pilze


Pilzausstellungen und Pilzsammlungen
Systematischer Teil:

Übersicht von 14 Familien vorwiegend weiß- und rosasporiger Blätterpilze


Spezieller Teil:

Abbildungen und Beschreibungen von rund 300 Arten der hellsporigen


Blätterpilze

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Band IV (2. Auflage, Jena 1981)
Allgemeiner Teil:
Ökologie der Pilze
Geographische Verbreitung der Pilze
Pilzsoziologie
Systematischer Teil:
Übersicht von 6 Familien vorwiegend braun-, lila- und schwarzsporiger
Blätterpilze
Spezieller Teil:
Abbildungen und Beschreibungen von über 300 Arten der dunkelsporigen
Blätterpilze
Band V (Jena 1970; Neubearbeitung in Vorbereitung)

Allgemeiner Teil:
Bildungsabweichungen bei Pilzen
Tiere an und in Pilzen
Systematischer Teil:
Übersicht der Familie Sprödblättler (Reizker und Täublinge)
Spezieller Teil:
Abbildungen und Beschreibungen von über 160 Arten der Reizker und
Täublinge
Band VI (Jena 1975)

Bruno Hennig und das Handbuch für Pilzfreunde

Die Gattungen der Großpilze Europas


Hauptschlüsscl und 23 Bestimmungsschlüssel
Worterklärungen
Alphabetisches Verzeichnis der Gattungsnamen und ihrer wichtigsten
Synonyme
Übersicht des natürlichen Systems der Pilze
Verzeichnis der Abkürzungen von Autornamen
Gesamtregister für die Bände I bis V
Register der wissenschaftlichen Namen
Register der deutschen Namen
Textautoren der bisher erschienenen Bände:
Dr.Heinrich Dörfelt, Halle; Gerhard Gramß, Jena; Bruno Hennig, Westberlin;
Ilse Hennig, Westberlin; Ursula Hennig, Westberlin; Mila Herrmann, Halle;
Dr.Walter Herrmann, Halle; Dr. Peter Hübsch, Weimar; Prof. Dr. Hanns Kreisel,
Greifswald; Dr.Irmgard Krommer-Eisfelder, Bamberg; Dr.Stephan Rauschert,
Halle; Dr.Georg Ritter, Eberswalde-Finow.
An den Farbtafeln haben über 20 Künstler als Bildautoren gewirkt.

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1. Riesen-Schirmpilz, Parasol, Macrolepiota procera Nagy őzlábgomba
Eßbar, recht wohlschmeckend
Unser größter stattlichster Blätterpilz! Er wird mitunter 40cm hoch und 30cm
breit. Wenn seine Fruchtkörper im Sommer oder Herbst einzeln oder gesellig
auf Waldlichtungen, an Waldrändern, auf grasigen Hängen zur Freude des Pilz­
sammlers erscheinen, sind sie nicht nur eine Augenweide, sondern auch ein be­
gehrter Fund für den Sammelkorb; eine Delikatesse, ungewaschen wie „Wiener
Schnitzel“ gebraten. Da könnte man vielleicht den Ausruf des alten, verwöhnten
Römers Martial verstehen: „Leicht ist es, auf Silber und Gold zu verzichten und
auf die Freuden der Liebe, doch ein Pilzgericht stehen zu lassen, ist schwer“!
Die jungen Pilze sind nicht leicht zu erkennen. Sie bilden auf dem Boden eine
Rosette, in deren Mitte sich ein kurzer brauner Zapfen befindet, beinahe wie ein
ausgebreiteter Erdstern aussehend. Durch Streckung verwandelt sich dieses Gebilde
in einen „Paukenschlegel“, dessen oberes Ende fast wie ein braunes Ei aussieht.
Durch Aufschirmen bildet sich daraus erst ein halbkugeliger, dann ein schirm­
artiger Hut, dessen Haut in bräunliche Schuppen aufreißt, während der Buckel
glatt-braun bleibt.
Die weißen Blätter auf der Hutunterseite sind dünn, weich, biegsam, ziemlich
dichtstehend, berühren den Stiel nicht, sie sind „frei“.
Der hohe, schlanke Stiel ist nur locker in das Hutfleisch eingesenkt, also
nicht fest mit ihm verwachsen. Seine braune Rinde zerreißt bei der Streckung,
und es bilden sich zackige, bräunliche Querbänder, die eine natternartige
Maserung ergeben, zwischen der das helle Stielfleisch erscheint. — Am oberen
Teil des Stieles befindet sich ein kräftiger Ring, als Rest einer Schutzhaut, die
erst die Blätter überspannt und gleichzeitig die sich an ihnen entwickelnden
Sporen schützt. Diese zerreißt beim Aufschirmen des Pilzes, und die reifen
Sporen können dann vom Wind fortgetragen werden. Der Ring ist doppelt-
gerandet, derb, dickhäutig; er löst sich von der Stielrinde ab und ist dann ver­
schiebbar. Am Grund ist der Stiel zu einer zwiebelförmigen, filzigen Knolle
verdickt (bis 4 cm).
Fleisch: bei nicht zu alten Pilzen recht schmackhaft, doch sollte es vor dem
Braten nicht gewaschen werden, da es dadurch an Wohlgeschmack verliert. Das
untere Ende des Stieles ist zäh und läßt sich nur getrocknet und zerrieben als
Pilzmehl verwerten. — Über dem Ring ist das Stielfleisch zart. Es schmeckt
nußartig.
Sporen: farblos, als Staub auf schwarzem Papier weiß, unter dem Mikroskop
ellipsoid, glatt, recht groß, 15—20x 10—13 ym (lym = 1/1ooo mm).
Der Riesen-Schirmpilz ist der häufigste und bekannteste Vertreter der Schirm­
pilze, zu denen etwa 12 Arten gehören. Die z.T. giftigen Schirmlinge (Lepiöta)
dagegen sind recht klein, nur 3—5 cm hoch und 3—5 cm breit. Häufig werden
sie von den Pilzfreunden nicht als Schirmlinge erkannt, da das Hauptmerkmal,
der Ring, recht winzig und vergänglich ist.
Eine Anzahl dieser kleinen Schirmlinge wächst nur in Gewächshäusern und dürfte wohl aus wärmeren
Ländern eingeschleppt sein. — Unter den kleinen Schirmlingen befinden sich auch einige sehr giftige
Arten, die aber verhältnismäßig selten sind.

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2. Rötender oder Safran-Schirmpilz, Macrolepiota rhacodes Piruló őzlábgomba
Eßbar
Kleiner als der Riesen-Schirmpilz, nur mittelgroß, doch etwas gedrungener ist
der Safran-Schirmpilz, dessen Hutoberfläche ringförmig angeordnete, sparrige,
graubraune Schuppen besitzt. Zwar ist er weniger häufig als sein großer Bruder,
doch trifft man ihn oft gesellig. So fand B. Hennig einen Hexenring mit 400
Exemplaren, die noch nicht sehr groß waren und äußerlich mit ihren trüb­
braunen Schuppen wie Waldchampignons aussahen und sogar wie mancher
Champignon beim Durchschneiden rötlich bzw. safranrötlich im Stiel anliefen.
Doch ihre Blätter werden nicht schokoladenbraun wie bei den Champignons
(Egerlingen).
Stiel: nicht genattert, sondern weiß, bei Berührung rotbräunlich, seidigglänzend
und glatt, höchstens feinfaserig, hohl, besitzt am Grunde eine zwiebelförmige
Knolle. Der wattig-schwammige Ring ist verschiebbar.
Fleisch: zuerst weiß, läuft aber im Bruch oder beim Durchschneiden langsam
safranfarben (gelbrot oder mohrrübenrot) an. Es schmeckt gut, hat aber nicht
den Wohlgeschmack des Parasolpilzes.
Sporen: kleiner als die des Großen Schirmpilzes, 9—12 x 6 —7 ym.
Er kommt von Juli bis Oktober im Nadel- und Laubwald vor.
Ähnlich, doch kleiner und zierlicher, ist der ebenfalls eßbare Jungfern-Schirmling, Macrolepiöta puelläris
(Bd. III/15), er ist feiner geschuppt, und das Fleisch rötet schwächer.
Auf Wiesen und Weiden wächst der kleinere Geschundene oder Acker-Schirmpilz, Macrolepiöta
excoriäta (Bd. III/13), er ist blaßbräunlich mit angedrückten, feinen Schuppen, nach dem Rand zu rissig­
gefeldert und zerschunden. Sein Fleisch läuft wie das des Parasolpilzes nicht an.
Ebenfalls mittelgroß und eßbar ist der Warzen-Schirmpilz, Macrolepiöta mastoidea (Bd. III/14), mit
feinschuppiger Oberhaut und rotbraunem, brustwarzenähnlichem Buckel. Besonders unter Buchen.
Ungenießbar ist dagegen der Kegelschuppige Schirmling, Lepiota aspera (Bd. 1/31), seines widerlichen
Geruchs wegen als Großer Stinkschirmling bezeichnet. Er hat einen rostbräunlichen, größeren Hut mit
spitzkegeligen, sparrigen Schuppen; wächst auf verrotteter Lauberde in Gärten unter Gebüsch.
Viel schmächtiger ist der Kammschirmling oder Kleine Stinkschirmling, Lepiota cristata (Bd. 1/32), mit
weißlichem Hut, der durch dichtstehende, gelb- bis rostbräunliche Schüppchen verziert und nur 3—6 cm
breit ist.
Ihm in der Größe ähnlich sind die kleinen Giftschirmlinge: Lepiöta brünneoincarnäta (Bd. 1/33),
helveola (Bd. 1/34) und subincarnata, die ockerbräunlich bis braunrötlich-schuppig und untereinander
schwer zu unterscheiden sind. Vor ihrem Genuß sollte man sich hüten! —
Nahe verwandt mit der Gattung Wulstlinge ist die Gattung Schleimschirmlinge, Limacella (siehe
Bd. III/9—11). Besonders auffallend bei ihnen ist der schleimige Überzug der Hüte und Stiele; die Blätter
stehen frei, sind also, ebenso wie bei den Schirmpilzen, nicht am Stiel angewachsen. Der Stiel besitzt
einen bald zerfallenden Ring.

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3. Perlpilz, Amanita rubescens Piruló galóca
Eßbar, nicht roh!
Ein häufiger, eßbarer Wulstling. Er ist außerordentlich veränderlich und daher
leicht zu verwechseln! Typisch an ihm ist die blaßrötliche Farbe, die erscheint,
wenn man die Oberhaut abzieht oder den Hut und den Stiel durchschneidet.
Besonders deutlich zeigt sich eine dunkelweinrote Verfärbung an den Maden­
fraßstellen, vor allem im Stiel und besonders in der Knolle.
Hut: graurötlich, weinrötlich oder rotbräunlich, seltener grauweißlich. Er trägt
auf der leicht abziehbaren Oberhaut zahlreiche abwischbare grauweißliche bis
rötlichgraue, perlenartige Pusteln (Reste einer allgemeinen Hülle, die den ganzen
Pilz im Jugendzustand umschließt).
Blätter: erst weiß, später rötlich gefleckt, weich, ziemlich dichtstehend, frei
(d.h. am Stiel nicht angewachsen). Anfänglich sind sie von einer Schutzhaut
überzogen, die sich vom Hutrand bis zum Stiel spannt (als Teilhülle bezeichnet),
beim Aufschirmen am Hutrand abreißt und am Stiel als weiße, feingeriefte,
herabhängende Manschette (Ring) zurückbleibt. Später klebt sie teilweise am
Stiel an und bröckelt langsam ab.
Stiel: erst weiß, dann rötlichweiß, verletzt auffallend weinrötlich, am Grunde
fast braunrötlich, über der Manschette gerieft. Am Stielende befindet sich meist
eine kräftige, keglige, allmählich in den Stiel übergehende Knolle, die bis 4cm
dick werden, aber bei schmächtigen Formen auch fehlen kann. Sie besitzt am
oberen Teil manchmal undeutliche Warzenringe.
Fleisch: weiß, zart, wohlschmeckend, unter der Huthaut blaßrötlich bis braun­
rötlich. Es färbt sich im Schnitt langsam weinrötlich. Doch kann die Verfärbung
auch erst nach längerem Liegen auftreten, so daß man zunächst irregeführt
werden kann.
Sporen: farblos, als Staub weiß: ellipsoid, 7—10x5—7 ym, blauen in Jod­
lösung (d. h., sie sind amyloid).
Der Perlpilz wächst bald als recht kräftige Form, bald schmächtig (Abb. rechts),
von Juni bis Oktober im Laub- und Nadelwald sehr häufig. Er ist ein guter
Speisepilz, außerdem ein Massenpilz, darf aber nur von Pilzfreunden gesammelt
werden, die ihn genau kennen! Man hüte sich vor Verwechslungen mit dem
giftigen Pantherpilz, der stets weißes Fleisch, einen gerieften Hutrand, aber
niemals eine geriefte Manschette hat (Nr.4).
Der Perlpilz kommt in zahlreichen Formen vor: hellederbräunlich (forma alutäcea), fleischrötlich
(f. incarnäta), weiß (f. älba), Zwergform (f. gräcilis), übergroß (f. magnifica) und gelbberingt (var.
ännulosulphürea).
Fragwürdig ist das Vorkommen eines als giftig beschriebenen „Falschen Perlpilzes“, Amanita pseudo-
rubescens, mit dunkelviolettbrauner Farbe in der Jugend und fest anhaftenden, kegligen Warzen.
Der Perlpilz bildet ein vorzügliches Beispiel für die außerordentliche Veränderlichkeit mancher Pilzarten.
Er gehört wie der Fliegenpilz, der Pantherpilz, der Grüne, Weiße und Gelbe Knollenblätterpilz und die
Scheidenstreiflinge zur Gattung der Wulstlinge, die durch eine allgemeine Hülle, die den ganzen Pilz in
der Jugend umgibt, und durch eine Teilhülle, die zwischen Hutrand und Stiel ausgespannt ist (bei den
Scheidenstreiflingen fehlend), sowie meist durch eine auffallende Knolle am Stielende gekennzeichnet ist.
Die Knolle ist bei einer Anzahl dieser Arten von einer für sie typischen, lappigen Scheide umgeben, dem
Rest der allgemeinen Hülle, oder sie ist durch konzentrische, perlen- oder warzenartige Kränze verziert,
die ebenfalls Reste dieser Hülle sind. — Auf der Hutoberfläche können Reste der allgemeinen Hülle als
Pusteln, Warzen oder Hautlappen Zurückbleiben.
Zu den Wulstlingen gehören unsere gefährlichsten Giftpilze, so der Grüne Knollenblätterpilz mit seiner
weißen Abart, der Pantherpilz und der Fliegenpilz, andererseits aber auch wohlschmeckende Speisepilze.

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4. Pantherpilz, Amanita pantherina Párducgalóca
Sehr giftig
In manchen Gegenden, so bei Berlin, neben dem Fliegenpilz unser häufigster
Giftpilz!
Hut: leberbräunlich bis gelbbräunlich, im Flachland meist graubräunlich, im
Gebirge auclf schwarzbräunlich, mit kleinen, fast konzentrisch angeordneten, aber
leicht verschwindenden, reinweißen Hüllflocken oder Pusteln besetzt. Er ist
halbkuglig, später flach augebreitet, 4—10 cm im Durchmesser. Der Rand ist
deutlich, aber kurz, gerieft. Die Oberhaut ist leicht abziehbar.
Blätter: weiß, weich, dichtstehend und angeheftet.
Stiel: ebenfalls weiß (nie rötend), schlank, zartflockig, faserig, 5—10 cm hoch,
1—2 cm dick, zuletzt innen hohl. Am Grunde besitzt er eine scharfgerandete
Knolle ohne Hüllappen, in die der Stiel eingepfropft ist wie in ein umgerolltes
Kindersöckchen. Zuweilen befinden sich über der Knolle mehrere undeutliche
Gürtelzonen. Im mittleren Teil besitzt der Stiel einen erst abstehenden, dann
abwärtsgeschlagenen, schließlich anliegenden, weißen, dünnen, ungerieften
Ring (Manschette).
Fleisch: stets weiß, auch unter der Hutoberhaut (rötet nie wie beim Perl­
pilz). Es schmeckt süßlich-fade, riecht schwach rettichartig oder etwas nach
rohen Kartoffeln.
Sporen: farblos, ellipsoid, 9—12x7—9 ym, nicht amyloid (d.h., sie blauen
nicht in Jodlösung). Sporenstaub weiß.
Der Pilz wächst von Juli bis Oktober in Wäldern, besonders auf Sandboden,
in den einzelnen Gegenden unterschiedlich häufig. Sehr zahlreich kommt er in den
Kiefernwäldern um Berlin vor, oft auch in recht schmächtigen Formen, die mit
dünnen, spätrötenden Wuchsformen des Perlpilzes verwechselt werden können.
Vor diesen Verwechslungen ist zu warnen!
Der graubraun gefärbte Pantherpilz hat große Ähnlichkeit mit dem eßbaren
Grauen Wulstling, Amanita excelsa (Nr. 10), der aber keine weißen, sondern
graue Hüllfetzen auf dem Hut, eine zwiebelförmige Knolle, einen glatten, meist
ungerieften Hutrand, aber eine graue, geriefte Manschette hat.
Der Pantherpilz ist sehr giftig! Er verursacht zahlreiche Vergiftungen. Diese
werden aber infolge der schnellen Giftwirkung meist rasch erkannt, so daß recht­
zeitige ärztliche Hilfe Rettung bringt.
Die Gifte dieses Pilzes, Ibotensäure, Muszimol u.a., besitzen eine neurotrope
Wirkung (d.h., sie wirken auf das Nervensystem). Es kommt meist weder zu
Erbrechen noch zu Durchfällen, sondern zu rauschartigen Zuständen wie nach
starken Alkoholgenuß. Die Vergifteten haben in diesem Zustand angenehme
Träume mit Wahnvorstellungen, Lachen oder Tobsuchtsanfälle, aber auch
Krämpfe, starke Sehstörungen, verfallen schließlich in Bewußtlosigkeit und Schlaf.
Ohne ärztliche Hilfe kann der Tod eintreten! Bei den Erkrankten sorge man
sofort für eine Entleerung des Magens, indem man einen Löffelstiel in den
Schlund einführt (wie bei Magenüberladung).
Schwach giftig ist der Porphyrbraune Wulstling, Amanita porphyria (Bd. 1/11). Er hat nur schmächtigen
Wuchs, braungrauen bis violettbräunlichen Hut mit spärlichen, grauen, dünnhäutigen Hüllresten. Der Stiel
bestitzt einen dünnen, erst weißen und abstehenden, bald angeklebten, unterseits grauen oder violettgrauen,
recht vergänglichen Ring; er ist am Grund angeschwollen und besitzt eine häutige, violettgraue, schlaffe,
ziemlich eng anliegende Scheide oder eine Knolle mit wulstigem Saum.

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5. Grüner Knollenblätterpilz, Amanita phalloides Gyilkos galóca
Tödlich giftig
Der gefährlichste Giftpilz! Auf sein Konto kommen fast 90 Prozent aller töd­
lichen Pilzvergiftungen in Mitteleuropa. — Jeder Pilzsammler muß sich deshalb
sein Bild und seine Beschreibung genau einprägen!
Hut: beim ausgewachsenen Pilz olivgrünlich gefärbt in den verschiedensten Schat­
tierungen und zeigt feine, dunkle, radial verlaufende Fasern. Sein Scheitel ist oft
olivbräunlich, der Rand heller manchmal hellgrüngrau. Der ganze Pilz kann aber
auch in allen Teilen weißlich sein. Die Oberhaut ist jung sowie bei feuchtem
Wetter klebrig; bei Trockenheit hat sie einen matten, seidigen Glanz. Sie ist
leicht abziehbar. — Anfangs ist der Hut halbkuglig, später flachgewölbt oder
ausgebreitet, 6—12 cm breit. Der Rand ist nicht gerieft.
Blätter: weiß, im Alter grüngelblich überhaucht, weich, angeheftet, zum Stiel hin
abgerundet. Die Schneiden sind feinflockig bewimpert.
Stiel: weißlich, zeigt ein schwach grünliches, zickzackartig verlaufendes, band­
artiges Muster, das bei Trockenheit durch Zerreißen der äußeren Schicht entsteht.
Er ist 8—15 cm lang, 1—2,2 cm dick, am knolligen Grunde jedoch 3—4 cm breit.
Jung ist er innen markig ausgefüllt, später hohl, sehr biegsam, krümmt sich beim
Aufbewahren. Im oberen Teil trägt er eine weißliche, bisweilen blaßgrünliche,
schlaff herabhängende, feingeriefte, faltige Manschette (Ring, Teilhülle).
Am unteren Ende zeigt der Stiel eine halbunterirdische Knolle, die in einer
weißlichen, innen mitunter schwach grünlichen, dünnen, häutigen, weiten, sack­
artigen Hülle (Scheide) steckt. Diese ist gelappt und bildet den Rest einer Haut
(äußere, allgemeine Hülle), die den Pilz im Jugendzustand gleich einer Eischale
vollkommen umgibt. Von dieser bleiben beim Aufschirmen manchmal weißliche
Hautfetzen auf der klebrigen Oberhaut zurück. — Wird der Pilz beim Sammeln
über der Erde abgeschnitten, so bleibt die Knolle mit der Scheide im Erdboden
zurück, so daß das wichtigste Merkmal des Grünen Knollenblätterpilzes dann
nicht mehr sichtbar ist.
Fleisch: weiß und zart, unter der Oberhaut schwach grünlich. Es riecht süßlich
(nach Kunsthonig oder Ligusterblüte), bei überständigen Pilzen dagegen un­
angenehm, widerlich; es schmeckt angenehm nußartig. — Man darf sich durch
angenehmen Geschmack und Geruch niemals dazu verführen lassen, unbekannte
Pilze zu essen!
Sporen: farblos, fast rund, 8—1 1 x 7—9 ym, blauen in Jod (amyloid). Sporen­
staub weiß.
Er wächst von Juli bis November hauptsächlich unter Eichen und Rotbuchen
im Laubwald, in Parkanlagen, wechselnd häufig. Sehr selten im reinen Nadelwald.

6. Weißer Knollenblätterpilz, Frühlings-Knollenblätterpilz,


Tödlich giftig Amanita verna Fehér galóca
Eine kleinere Art, die in den meisten Merkmalen mit dem Grünen Knollenblätterpilz übereinstimmt, jedoch
reinweiß, mitunter schmutzig-ockerblaß ist. Die Knolle ist jedoch derber.- Die Art wächst hauptsächlich auf
kalkhaltigem Boden unter Eichen und ist ein Pilz, der mehr im Süden vorkommt, also wärmeliebend ist.
Ähnlich ist auch der äußerst giftige Spitzhütige Knollenblätterpilz, Amanita virösa (Bd. 1, Nr. 3). Er hat
einen weißen, meist spitzkegligen Hut und einen sehr langen, faserigen Stiel mit schwachem, zerfetztem
Ring, stimmt aber sonst im Bau mit dem Grünen Knollenblätterpilz überein. Er riecht dumpfig, modrig,
mitunter etwas an Apotheke erinnernd. Natronlauge färbt die Hutoberhaut und das Fleisch zitronengelb.
Der Pilz kommt besonders in Fichtenwäldern, aber auch unter Buchen vor.
Alle diese weißen, sehr giftigen Knollenblätterpilze können mit jungen Exemplaren des Anis- oder Schaf­
champignons (Nr. 12) verwechselt werden, solange diese noch blaßgraue, nicht schokoladenfarbene Blätter
haben. Jedoch hat dieser Champignon einen typischen Anisgeruch.

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7. Roter Fliegenpilz, Amanita muscaria Légyölő galóca
Giftig
Unser bekanntester Giftpilz! Er ruft selten Vergiftungen hervor, da fast alle
Menschen ihn als Giftpilz kennen, und die rote Farbe abschreckend wirkt.
Hut: leuchtend Scharlach- bis orangerot, oft gelb ausblassend, fettig glänzend,
8—20 cm breit, Rand zuerst glatt, später gerieft. Der junge Pilz ist von einer
weißen, dicken, bröckeligen Eihülle (einem Bovist ähnlich) umgeben. Beim
Durchschneiden des Eies wird die Haut mit einer feinen, rotgelben Zone sichtbar.
Von der Hülle bleiben auf der Oberhaut des Hutes viele weiße Pusteln übrig, die
aber durch Regen oft abgewaschen werden. Die Huthaut läßt sich leicht abziehen.
Blätter: weiß, weich, gedrängt stehend, fast frei.
Sporen: breit eiförmig, 9—11 x 6—8 ym, mit Jod nicht blauend. Staub weiß.
Stiel: weiß, oben mitunter blaßgelb, bis 20cm hoch und 3cm dick, nach oben
verjüngt, im Alter hohl. Er trägt einen gleichfarbigen, erst abstehenden, später
hängenden, schlaffen, oberseits gerieften Ring (Manschette) und am Grunde einen
eiförmigen Wulst, mit dem die Reste der äußeren Hülle verwachsen sind, die
am oberen Knollenrand mehrere warzige Gürtel bilden.
Fleisch: weiß, unter der Huthaut tief orange- bis zitronengelb durchfärbt. Es
färbt sich mit Karbol weinrot. Der Geschmack ist mild, der Geruch schwach. Sein
Gift läßt sich durch mehrfaches Abkochen zum großen Teil entfernen. Dieses
Gift, die Ibotensäure, erzeugt durch Einwirken auf die Großhirnrinde Rausch­
zustände wie Heiterkeit, gehobene Stimmung, Lachen, Weinen, Tobsucht,
lebhafte Träume, Sinnestäuschungen, Schwindel und Taumel. Die Verwirrung
kann auch zu Halluzinationen führen. Man sagte früher: „Er hat närrische Pilze
gegessen!“
Durch das Gift wird das Gehirn überreizt, und es tritt eine Erschlaffung ein.
wodurch es zu Atemnot kommt. Bei starken Vergiftungen kann Atemstillstand
eintreten und dann auch der Tod.
Vorkommen: Juli bis November sehr häufig, ein Schmuck unserer Wälder. Er
kommt besonders unter Birken vor, doch auch unter Fichten, vor allem im Herbst.
Man findet ihn vor allem an lichten Stellen, und er wächst meist truppweise.
Tödliche Vergiftungen sind selten, da sich die Wirkung der Gifte sehr schnell
bemerkbar macht, und das Gift deshalb aus Magen und Darm noch rechtzeitig
entfernt werden kann. Brechreiz hervorrufen, indem man einen Löffelstiel in den
Schlund führt! Der Giftgehalt schwankt nach Gegend und Jahreszeit. Siehe auch
Bd. 1/55, 56 und im Taschenbuch, Seite 29!
Der ebenfalls rote, eßbare und hochgeschätzte Kaiserling. Amanita caesarea,
hat gelbe Blätter, gelben Stiel und gelbes Fleisch, wächst aber nur an wärmeren
Stellen, besonders im Süden Europas (siehe Bd. 111/1).

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8. Königs-Fliegenpilz, Brauner Fliegenpilz, Amanita regalis Barna galóca
Giftig
H u t : umberbraun, lederbraun bis ockerbraun verblassend, mit weißen bis blaß
gelblichen, oft konzentrisch angeordneten Hüllflocken, klebrig, glänzend,
5—20cm breit. Huthaut abziehbar. Rand bei älteren Stücken deutlich gerieft.
Blätter: weiß, gedrängt, angeheftet.
Stiel: weiß bis gelblichweiß, mit breitem, weißem, hängendem Ring, dessen
Rand gelblich bis braun sein kann. Knolle mit 3 bis 5 weißen Schuppengürteln.
Fleisch: weiß, unter der Huthaut gelb bis gelbbraun.
Sporen: breit ellipsoid, 9 — 12x6—9 ym. nicht amyloid.
Vorkommen: Juli bis September in Fichtenwäldern der Mittelgebirge und der
Karpaten, auf sauren Böden.

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9. Gelber Knollenblätterpilz, Amanita citrina Citromgalóca
Schwach giftig
Hut: weißgrünlichgelb, blaß zitronengelb, auch weißlich, 5—10cm breit, Oberhaut mit zahlreichen
gleichfarbigen oder stärker gelblichen bis bräunlichen, breiten Hautfetzen, die vom Regen oft abgewaschen
werden. Sie ist klebrig und läßt sich leicht abziehen.
Blätter: weiß, blaßgelblich, weich, am Stiel angeheftet.
Stiel: weiß, gelblich überhaucht, schlank, 10— 12cm lang, bis 1,5cm dick, mit weißgelblichem, unge­
rieftem Ring und deutlich abgerundeter, scharf gerandeter Knolle.
Fleisch: roh widerlich schmeckend, nach rohen Kartoffeln riechend.
Sporen: kugelig, amyloid, 7—10 ym, Staub weiß.
Außerordentlich häufig in sandigen Kiefernwäldern, seltener in Laubwäldern, wird oft für den tödlichen
Grünen Knollenblätterpilz gehalten; doch leicht zu unterscheiden durch seinen typischen Kartoffel­
kellergeruch.
Er ist nur schwach giftig; doch ist vom Genuß wegen der leichten Verwechslungsgefahr mit den tödlichen
giftigen Knollenblätterpilzarten abzuraten.
Ähnlich ist der Narzissengelbe Wulstling, Amanita gemmata Sárga galóca (Bd. 1/10). Er ist giftverdächtig; zart, zerbrech­
lich, hat gelbliche Hutfarbe, gerieften Hutrand, schwachen, vergänglichen, zuweilen fehlenden Ring am Stiel, birnenförmig
wurzelnde, scharf gerandete Knolle, weiches, geruchloses Fleisch, tritt frühzeitig auf und ist sehr variabel in Form, Größe und
Farbe.
Wächst Juni bis Ende Oktober auf Sandboden, in lichten Kiefern- und Laubwäldern der Tiefebene wie
im Nadelwald des Berglandes häufig, aber nicht überall, im kälteren Nordeuropa selten.

10. Grauer Wulstling, Gedrungener Wulstling (Grauer Perlpilz) Szürke galóca


Amanita excelsa. Eßbar, leicht zu verwechseln!
Ein gedrungener, kräftiger, mittelgroßer, grauer, silbriggrauer bis graubrauner Pilz, der mit dem giftigen
Pantherpilz und dem eßbaren Perlpilz leicht verwechselt werden kann. Er tritt in manchen Gegenden häufig
(Süden der DDR, Süden und Südwesten der BRD), bei Berlin dagegen sehr selten auf. Oft erscheint er schon
früh im Jahr, ab Ende Mai oder Anfang Juni.
Hut: graubraun, aschgrau, schwärzlichgrau, mit zuerst weißlichem, dann grau werdenden Hüllflocken
dicht und meist konzentrisch besetzt; ursprünglich mit einer zusammenhängenden weißen, aber bald
grau werdenden Hülle bedeckt, die sich in Fetzen und Schollen oder in mehlige Warzen auflöst und leicht
abwaschbar ist; derbfleischig, bis 12cm breit und darüber, meist glatt, ungerieft; Oberhaut oft faserig-rissig.
Blätter: weiß, weich, an der Schneide flockig, bauchig breit, am Stiel angeheftet.
Stiel: bald grau, besonders über der Manschette, die auf der Unterseite grau, oberseits weiß und gerieft
ist. Der Stielgrund ist zwieblig verdickt, hat keine Scheide, aber mehrere grauliche Warzengürtel.
Fleisch: weiß, im Scheitel unter der Oberhaut grau. Es riecht dumpf, rüben- bis rettichartig und schmeckt
mild, aber bald kratzend.
Sporen: kurz eiförmig, 8—10x5—8 ym, sie färben sich in Jod blau.
Wächst im Laub- und Nadelwald, stellenweise recht häufig. Nur sehr gute Kenner dürfen ihn sammeln, da
Verwechslungen mit dem Pantherpilz sehr gefährlich werden können!

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11. Wiesen-Egerling, Wiesen-Champignon, Feld-Egerling, Mezei csiperke
Agäricus campestris Eßbar, sehr wohlschmeckend
Oft massenhaft auf Wiesen, Viehweiden, gedüngten Äckern, besonders auch in
trockenen Jahren. Auffallend sind seine anfänglich rosa bis rosarötlich gefärbten
Blätter und sein würziger Geruch (stets ohne Aniskomponente).
Hut: meist weiß, flockigseidig, im Alter auch gelbbräunlich und faserschuppig,
doch gibt es auch Formen, die von Anfang an schuppig sind. Bei der Vielgestaltig­
keit des Pilzes kann die Hutoberhaut recht verschieden aussehen. — Als kleine-
weiße Knollen kommen die Fruchtkörper aus der Erde und bilden bald Stiel und
Hut. Dieser ist erst kuglig, dann lange flachgewölbt, zuletzt ausgebreitet und 4—8
(—12) cm breit. Die Oberhaut ist leicht abziehbar und sollte des besseren Ge­
schmackes wegen bei der Zubereitung immer entfernt werden.
Blätter: schön rosarot, später fleischrotbräunlich, schließlich schokoladenbraun
bis fast schwarz, breit, dichtstehend, am Stiel nicht angewachsen und im Alter
stark durchfeuchtet.
Stiel: weißlich, seidig-glatt, am Grunde öfter schmutzig-bräunlich oder gelblich,
nach unten verjüngt, kurz, 4—8cm hoch und 1—2cm breit. Er besitzt im oberen
Teil einen weißen, einschichtigen, dünnen, oft zerfetzten Ring (Rest einer Hüll-
haut, die vom Hutrand zum Stiel verlief und in der ersten Zeit die Blätter schützte).
Von dieser Hülle bleiben auch öfter vergängliche Reste als Behang am Hutrand
zurück.
Fleisch: weiß, oft rosafarben durchzogen, zart, mit würzigem, aber nie anis­
artigem Geruch oder Geschmack.
Sporen: dunkelpurpurbraun, länglich-ellipsoid, 7—8 (—I0)x5—6 ym. Staub
dunkelbraun.
Die Pilze treten schon Ende Mai auf und können bis Ende Oktober gefunden
werden, auf Wiesen, Feldern, Pferdekoppeln und ähnlichen gedüngten Stellen.
Vor Verwechslungen mit weißen Knollenblätterpilzen ist zu warnen! Diese
haben immer weiße Blätter, und ihr Standort ist unter Bäumen. — Eine Verwechs­
lung bedeutet Lebensgefahr!

11a. Zweisporiger Egerling, Zucht-Champignon Kétspórás csiperke


Agaricus bisporus. Eßbar. (nicht abgebildet)
Hut: bei der Wildform hellbraun mit weißlichem Rand, auf hellerem Grund dunkel geschuppt; Kultur­
formen auch strohgelb oder weiß und glatt; bis 10cm breit. Rand lange eingerollt, mit weißlichen Schleier­
resten stark behängen.
Hut: fleischrosa bis rosagrau, schließlich schokoladenbraun, gedrängt, schmal, frei. Schneide weißlich
bewimpert.
Stiel: weiß, kahl, trocken, 3—6cm hoch und 1—2cm dick. Ring häutig, dauerhaft, nach unten abziehbar,
oberseits gerieft.
Fleisch: weiß, im Schnitt rötlich bis rosa anlaufend; Geruch und Geschmack angenehm (nicht anisartig).
Sporen: braun, glatt, rundlich bis eiförmig, 5,5—7,5 x5—5,5 ym. Staub dunkelbraun. Jede Basidie trägt
nur 2 Sporen.
Wächst von Mai bis November in Frühbeetkästen, auf Kompost, Druschabfällen, Gartenerde, Schutt,
Müllplätzen, Äckern, an Dorfstraßen. Wird auf kompostiertem Gemisch von Stroh und Pferdemist angebaut
(vgl. Bd.I). In der DDR sind die Sorten „Schneeköpfchen“, „Blondine“ und „Bräunling“ im Angebot.
Der Zucht-Champignon stammt nicht vom Wiesen-Egerling ab.

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12. Weißer Anis-Egerling, Schaf-Egerling, Agaricus arvensis Erdőszéli csiperke
Eßbar, sehr wohlschmeckend
Unser köstlichster Champignon, von kräftigem, stämmigem Wuchs, besonders
auf Waldlichtungen, an Waldrändern, unter Gebüsch in Parkanlagen, mitunter
auch auf Viehweiden, von Ende Mai bis Oktober. Besonders auffallend und
kennzeichnend ist sein Geruch nach Anis oder Mandeln, der ihn deutlich von
weißen Knollenblätterpilzen unterscheidet, dagegen kann die Farbe der Blätter
irreführen. Die Blätter sind beim Anis-Egerling in der Jugend weißlich bis hellgrau
(bei den weißen Knollenblätterpilzen ebenfalls weißlich), dann jedoch blaßgrau­
rötlich, schließlich braunschwarz.
Hut: erst weiß, dann elfenbeinfarben, seidig-glänzend, leicht flockig, zuletzt
feinschuppig, bei Berührung oder bein Reiben gelbfleckig. Jung fast kuglig, dann
flachgewölbt, fleischig, 8—15 (—20) cm breit.
Blätter: bleiben lange blaß (dadurch Verwechslungsgefahr mit weißen Knollen­
blätterpilzen!), werden dann weißgraulich, graurötlich (nie rein rosa), im Alter
schwarzbraun, sind schmal, sehr dichtstehend, verschieden lang, freistehend (den
Stiel nicht berührend).
Stiel: weiß, bei Berührung gelbfleckig, glatt, kräftig, 5—15cm hoch, 1—3cm
dick, anfangs voll, später enghohl, nach unten etwas verdickt bis knollig. Er trägt
im oberen Teil einen dicken, zweischichtigen, herabhängenden Ring, der unter-
seits sternförmig-strahlig (zahnradförmig) aufgerissen ist.
Fleisch: weiß, unter der Oberhaut öfter hellgelb, im Stielgrund bräunlichfuchsig,
hat einen angenehmen Geruch nach Anis oder Mandeln, schmeckt mild, nußartig
(besonders roh).
Sporen: purpurbraun, eiförmig, 6—8x5ym. Sporenstaub dunkelschokoladen­
braun.
Durch eine chemische Reaktion ist dieser Pilz nebst seinen Verwandten gut
kenntlich. Macht man auf der Hutoberfläche einen Strich mit Salpetersäure, und
mit Anilinöl einen Kreuzstrich dazu, so entsteht an der Kreuzungsstelle eine feuer­
orangerote Verfärbung (Schäffersche Kreuzungsreaktion).

13. Dünnfleischiger Anis-Egerling, Agaricus silvicola Eßbar Karcsú csiperke


Ein dünnfleischiger, kleiner Verwandter des vorigen mit schlankem Stiel, dessen Fleisch im Alter leicht
schwärzlich verfärbt und dessen Stielende häufig eine gerandete Knolle aufweist. Hut und Stiel flecken bei
Berührung schwefelgelb.
Hut: weißlich bis gelblichweiß, mattseidig, oft mit feinen Schüppchen bedeckt, anfangs glockig, später
flachkegelig und oben flach abgestuft, 6—8cm breit (kleiner als bei Ag. arvensis), dünn. Die Oberhaut
bekommt bei Berührung und beim Reiben schwefelgelbe Flecke und läßt sich leicht abziehen.
Blätter: bleiben lange blaß, werden grauweißlich, zeigen bald einen rötlichen Schimmer und werden
schließlich schwarzbraun.
Stiel: weißseidig, bei Berührung schwefelgelbfleckig, schlank, 6—8cm hoch und 1—1,5cm dick. Er ist
von Anfang an hohl und besitzt an der Basis meist eine abgerundete, unten etwas abgestutzte Knolle. Im
oberen Teil trägt er einen einfachen, dünnen, schlaff herabhängenden, oben glatten Ring, der auf der Unter­
seite an der Kante mit Schuppen besetzt ist und zackig erscheint.
Fleisch: im Hut sehr dünn, läuft im Stiel bräunlich bis fast schwärzlich an. Es hat einen schwach süßlichen,
anisähnlichen Geruch, der beim Kochen nicht ganz verschwindet.
Sporen: eiförmig, kleiner, 5—6x3—4[xm.
Er wächst im Laub- und Nadelwald, oft auf gehäuften Nadeln.
Ist die Knolle breit abgeflacht und schief abgestutzt, so handelt es sich um den sehr ähnlichen Agaricus
abruptibülbus, den Schiefknolligen Egerling.
Besonders groß ist der Riesen-Egerling. Agaricus augüstus. Er hat einen braunen, faserig-schuppigen Hut,
der bisweilen felderig-schuppig aufgerissen ist und bis 25 cm breit wird. Der Stiel erreicht eine Höhe von 25 cm.
Er wächst im Laub- und Nadelwald.

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14. Stadt-Egerling, Scheiden-Egerling, Agaricus bitorquis Ízletes csiperke
Eßbar
Diese hartfleischige Champignonart findet sich schon frühzeitig von Mai an und
ist gut gekennzeichnet durch den abgeflachten Hut und den kurzen, gedrungenen
Stiel. Besonders auffallend ist ihr Vorkommen zwischen Pflastersteinen in der
Großstadt. Erstaunen erweckt die Fähigkeit, bisweilen große Steinplatten anzu­
heben oder sogar Asphaltdecken zu sprengen.
Hut: weißlich bis schmutziggelb, abgeflacht bis niedergedrückt, kreiselförmig,
3—10cm breit, 2,5 cm dick, derb und hart. Der Rand bleibt lange stark eingerollt.
Blätter: erst fleischrosa, später dunkelbraun, schmal im Vergleich zu dem
dicken Hutfleisch. An der Schneide sind sie etwas weißlich geflockt.
Stiel: weiß, unten ausspitzend, kurz, stämmig, hartfleischig, nicht hohl, 3—4
(—6)cm hoch, 2—2,5cm breit. Ein Ring (Rest einer Teilhülle) wird erst später
sichtbar, wenn der Hut sich dehnt.
Jung ist der ganze Hut von einer zarten Hülle überzogen, von der am Stiel eine Bestiefelung, eine
Gamasche zurückbleibt. Diese zeigt am oberen Rand einen kleinen, abstehenden, faltigen Kragen (eine
Art Scheide, an der die Hutoberhaut bei der Streckung des Pilzes abgerissen ist). Darüber liegt der
eigentliche Ring, der von der Teilhülle herrührt und mit dem Hutrand in Verbindung stand. So erscheint
der Stiel doppelt beringt.

Fleisch: weiß, läuft schwach fleischrot an, dunkelt mitunter nach und färbt
sich mit reinem Anilinöl intensiv blutrot. Es riecht angenehm und schmeckt
nußartig.
Sporen: rundlich (im Gegensatz zum Wiesen-Champignon) 4—6x4—5 ym.
Staub dunkelbraun.
Der Pilz wächst verhältnismäßig häufig, doch oft verkannt, an Straßenrändern,
in Parkanlagen, an Abfallhaufen und sogar auf Müllabladeplätzen. Leider ist
er meist sehr madig. Er kann auch angebaut werden (Sorte ,,Sommerfreude“
in der DDR).

15. Breitschuppiger Egerling, Wollfuß-Egerling, Szélespikkelyű csiperke


Eßbar Agaricus lanipes
Ein Champignon des Waldes mit dunkelbraunen, auffallend breiten Hutschuppen
und flockigem Stiel mit deutlicher Knolle am Grunde.
Hut: jung dunkelbräunlich, Oberhaut bricht aber bald in dunkelbraune, breite
Schuppen auf. Er ist erst halbkuglig, dann flachgewölbt, mitunter in der Mitte
scheibenförmig niedergedrückt, 6—10cm breit, ziemlich fleischig und fest, doch
nicht hart.
Blätter: jung rosafarben, röten bei Berührung stärker und werden schließlich
schokoladenbraun.
Stiel: nur an der Spitze und an der Ringoberseite anfangs weiß, glattfaserig und
gerieft. Unterhalb des Ringes ist er dagegen bräunlich-flockig bis braunfilzig
gegürtelt. Am Grunde besitzt er eine rundliche, fast abgesetzte, oft Chromgelb
anlaufende Knolle, die oben mit einem fast häutigen Gürtei versehen ist.
Fleisch: selten reinweiß, wird bald graubräunlich, und läuft in der Spitze rosa,
meist aber nur fuchsigrötlich an. Es riecht an der geriebenen Stielbasis erst
nach Mandeln, später aber dumpfig.
Sporen: meist ellipsoid, seltener fast rundlich, 6—7x5—6ym.

Fortsetzung s. S. 196

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16. Karbol- o. Tinten-Egerling, Weißer Giftchainpignon, Karbolszagú csiperke
Agaricus xanthodermus. Giftig

Wenig bekannt ist, daß es auch giftige Champignonarten gibt. Sie erzeugen zwar
keine lebensgefährlichen Vergiftungen, aber schwere Verdauungstörungen.
Hut: meist reinweiß, völlig glatt und kahl, seltener kleinschuppig, manchmal
auch mit holzbräunlicher Mitte. Die Oberhaut hat sehr oft feine, lange, radiale
Risse und wird bei Berührung stark gelbfleckig, ein wichtiges Merkmal. Jung ist
der Hut flachkuglig, dann glockig, schließlich abgeflacht und 8—14cm breit, nicht
besonders fleischig.
Blätter: schön rosa gefärbt, doch vorher und nachher wieder blasser, schließlich
schokoladenbraun, ziemlich schmal.
Stiel: reinweiß, kahl, oft ziemlich stark glänzend, schlank, 6—10cm lang,
1—2 cm breit, hat am Grunde eine meist deutlich abgesetzte, rundliche, immer
auffallend stark Chromgelb anlaufende Knolle (besonders beim Reiben). Über
der Knolle ist der Stiel gleichmäßig dick, seltener aufwärts stark verjüngt, innen
röhrig-hohl. Im oberen Teil besitzt der Stiel einen Ring, der an seiner Kante oft
gilbt und ziemlich dick, auf der Unterseite schuppig, am Stiel dünn und auf­
wärts abziehbar ist.
Fleisch: weiß, verfärbt sich beim Aufschneiden sofort satt Chromgelb, am
stärksten in der Knolle, kaum dagegen im übrigen Stiel. Nach dem Verblassen
der Farbe läßt sich das Gilben durch Reiben wieder hervorrufen, besonders an der
Oberhaut. Geruch unangenehm, fast wie Eisengallustinte, aber auch häufig nach
Karbol, am stärksten beim Kochen, wobei widerliche Düfte aus dem Kochtopf
aufsteigen. Geschmack recht widerlich und abstoßend, ein gutes Warnzeichen!
Huthaut und Fleisch zeigen mit Lauge oder Anilin eine satt orangechromgelbe
Reaktion wie bei keinem anderen Eeerling, dagegen nicht die Kreuzungsreaktion
(S. 72).
Sporen: braunpurpurn, klein, 5—6 (—7) x 3—4ym. Staub dunkelbraun.
Dieser Weiße Giftchampignon wächst von Juli bis Oktober im Gebüsch, an
Wegrändern, in Parks, auf Heiden, auch auf waldnahen Wiesen, ist oft massen­
haft verbreitet, besonders auf kalkhaltigem Boden.
Der Karbol-Egerling ist dem Weißen Anis-Egerling, Ag. arvensis, oft täuschend ähnlich, ganz besonders
aber dem Dünnfleischigen Anis-Egerling, Ag. silvicola, der denselben schlanken, abgesetzt-knolligen Stiel
hat und ihm im gilbenden Fleisch und den kleinen Sporen oft nahekommt, aber ganz andere Reaktionen
hat.

17. Perlhuhn-Egerling, Agaricus placomyces. Giftig


Hut: rauchgrau-schwärzlich, dunkelschuppig, in der Mitte meist mit dunkler Scheibe. Die rauchgrauen
Schüppchen der Oberhaut erinnern an einen Schirmpilz. Gegen den Rand hin ist der Hut mitunter fast
weiß. Seltener nehmen die Schüppchen eine mehr braune Farbe an (Rebhuhn-Egerling, Ag. phaeolepidötus,
im Bilde rechts außen). Die sonstigen Merkmale entsprechen der oberen Art. Diese feinschuppigen Arten
sind bei Berlin und Potsdam sehr verbreitet. Auch in manchen anderen Gegenden treten diese Giftcham­
pignons ziemlich häufig auf.
E. Michael sowie Jul. Schaeffer haben sich durch diese Pilze starke Darmvergiftungen zugezogen. Die
Empfindlichkeit der einzelnen Menschen gegenüber diesen Giftpilzen scheint verschieden zu sein. Die
Wirkung ist angeblich weniger stark, wenn man das Kochwasser weggießt und die Pilze sehr lange schmort.
Braune Schuppen hat auch der Kompost-Egerling, Agaricus vaporärius. Er hat einen blaßbraunen bis
braunen Hut, der nach dem Rand hin breitschuppig oder radialfaserig ist, und erreicht eine beträchtliche
Größe. Dieser Champignon wächst auf Komposthaufen, in Gärten, in Gewächshäusern, auch auf Wiesen,
oft in großer Menge. Er ist nur jung eßbar!

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17a. Riesen-Träuschling, Kultur-Träuschl
i ng, Stropharia g
ru osoannulata
Eßbar Óriás harmatgomba

Stattliche, fleischige Pilze mit anfangs klebrigem, purpur- bis gelbbraun getöntem
Hut, blau getönten Blättern und weißem, kräftigem Stiel mit dickem, oberseits
gerieftem Ring.
Hut: jung kastanienbraun, kupferbraun, weinrötlichbraun bis satt braunviolett,
klebrig, glatt und glänzend; später mit gelblichen Flecken, schließlich gelbbraun
mit rotbraunem Scheitel, trocken, glanzlos und faserig bis feinschuppig werdend.
Es gibt auch Formen, die von Anfang an satt ockergelb (wie der Gelbweiße
Täubling, Nr.65) oder sogar weißlich sind. Der Hut ist anfangs kuglig, dann
kräftig gewölbt, schließlich flach gewölbt bis in der Mitte niedergedrückt, 6—13
(—25)cm breit, fleischig, mit scharfem und deutlich einw'ärts gebogenem, nicht
gerieften Rand.
Blätter: anfangs weißlich, bald blaugrau, violettgrau bis tief lilabraun, schmal,
sichelförmig, ganzrandig, mit weißer oder gleichfarbener Schneide; sehr gedrängt,
breit angewachsen, aber leicht vom Stiel trennend.
Stiel: anfangs weißlich, faserig bräunend, schließlich gelbbräunlich, kahl, etwas
keulenförmig, kräftig, 6,5—19cm hoch und 1—6,5cm dick, voll, bald schwammig
ausgestopft; Stielspitze gerieft. Ring weiß, 3—5mm dick, oberseits gerieft, leicht
vom Stiel ablösbar. Stielbasis aufgeblasen, stumpf, mitunter zwiebelförmig; von
ihr gehen auffallende reinweiße Myzelstränge aus.
Fleisch: rein weiß, weich, geruchlos; Geschmack mild, kohlrabiartig.
Sporen: eiförmig, glatt, lilabraun, 10,5—15x4,5—8(xm, mit großem Keim-
porus. Sporenstaub schwarzviolett.
Der in Farbe und Beschaffenheit der Hutoberfläche so veränderliche Riesen-
Träuschling wächst von Juni bis Oktober auf Strohmietenplätzen und anderen
Anhäufungen pflanzlicher Abfälle (auch Holzmull, Schälrinde), mitunter auf
Garten- und Ackererde, oft in großen Trupps. Er wird seit 1920 in Europa
beobachtet, seit 1948 in der nördlichen BRD, seit 1957 in der DDR. Seit 1970
wird er in zunehmendem Maße von Kleingärtnern angebaut: die Kultur ist leicht
möglich und ergiebig auf feuchtem Stroh, welches 2—3 Wochen nach der Be-
impfung mit Erde abgedeckt wird. Die Brut kann in der DDR vom Versandhaus
für Kleingärtner, 5010 Erfurt, PSF 745, in den Sorten ,,Winnetou“ (violettbraun)
und „Gelbschopf“ (gelbbraun) bezogen werden. Die Freilandkulturen sollten
Ende Mai angelegt werden (vgl. Bd.I, S. 109—1 10). Bei einzelnen Zuchtstämmen
wurden Fruchtkörper bis 1 kg Frischgewicht erzielt.

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18. Grünspan-Träuschling, Stropharia aeruginosa Zöld harmatgomba Eßbar

Ein schöner, farbenprächtiger, zierlicher Pilz des Herbstwaldes, solange er jung


und noch nicht verblaßt oder durch Regen der blaugrüne Schleim abgewaschen
ist, so daß die gelbliche Grundfarbe zum Vorschein kommt. Blätter und Sporen
sind violettbraun, also ähnlich wie bei den Egerlingen (purpurbraun) gefärbt.
Beide besitzen auch einen Ring, aber die Blätter sind beim Grünspan-Träuschling
breit am Stiel angewachsen, während sie bei den Egerlingen frei um den Stiel
stehen.
Hut: jung bei feuchtem Wetter mit blaugrünem oder spangrünem, dickem,
klebrigem Schleim überzogen, in den anfänglich oberflächlich vergängliche, weiße
Schüppchen eingesenkt sind. Der Nichtkenner wird den Pilz wegen seiner span­
grünen Farbe für giftig halten, doch irrt er. Trocken ist der Hut glänzend. Nach
Verschwinden des Schleimes ist er kahl, im Alter ausblassend. Der Rand ist
anfänglich mit weißflockigen Schleierresten mehr oder weniger besetzt. Anfangs
ist der Hut glockig, dann flachgewölbt, zuletzt in der Mitte vertieft und am Rand
hochgebogen, 2—7 cm breit, ziemlich dünnfleischig. Die Oberhaut ist zäh und
leicht abziehbar.
Blätter: erst blaß, dann rötlichgrau, endlich violettbraun, an der Schneide
anfangs weißflockig, feingekerbt, ziemlich gedrängt, weich, am Stiel breit ange­
wachsen.
Stiel: blaßbräunlich oder blaßgrünlich, im Alter bräunlich, hohl, gleichmäßig
dick, 5—8 cm lang, 0,5—lcm breit. Über der Mitte hat er einen abstehenden,
schmalen, schuppig-häutigen, ziemlich dauerhaften Ring. Der Stiel ist unterhalb
des Ringes mit weißlichen Schuppen und Flocken bedeckt oder faserig, über dem
Ring kahl; anfangs schleimig und klebrig.
Fleisch: weißgrünlich, hat schwach rettichartigen Geruch und Geschmack.
Sporen: violettbraun, eiförmig-ellipsoid, glatt, 7—8x4—5ym. Sporenstaub
purpurbraun bis violettbraun.
Er wächst von August bis November im Nadelwald, meist gesellig, häufig.
Nicht sehr wohlschmeckend, kann aber zwischen anderen Pilzen verwendet
werden; die Oberhaut ist abzuziehen!
Es gibt etwa 15 Arten Träuschlinge, Strophäria, in Mitteleuropa, von ihnen seien noch 2 Arten angeführt:
Haibkugliger Träuschling, Str. semiglobäta. Bedeutungslos. Durch seinen Standort auf Mist leicht kenntlich.
Hut gelbocker, stark klebrig, 1—4cm breit. Blätter erst olivgrauviolettlich, dann dunkelbraun-schwärzlich.
Fleisch beim Zerreiben mit deutlichem Mehlgeruch.
Krönchen-Träuschling, Str.coronilla. Eßbar. Hut gelblich, glatt, 2—5 cm breit, erst halbkuglig, dann
flachgewölbt. Blätter purpurbraun. Stiel weiß, mit schmalem, deutlich gerieftem, an ein Krönchen erin­
nerndem Ring. Im Grase, an Wegrändern.

19. Graublättriger Schwefelkopf, Hypholoma capnoides. Fenyő-kénvirággomba


Eßbar
Ein eßbarer Schwefelkopf, im Spätherbst und Frühjahr an Fichten- und Kiefern­
stümpfen, oft reiche Ernten liefernd und eine vorzügliche Brühe gebend!
Hut: mattgelb bis bräunlich, auch orangegelbbräunlich mit fuchsigbräunlichem
Scheitel, oft durchfeuchtet. Er ist flachgewölbt, 3—6 cm breit. Der Rand ist oft
mit weißen bis bräunlichen Schleierresten behängen.
Blätter: weißgelblich, bald rauchgrau bis violettgrau und am Stiel angewachsen.
Stiel: oben weißlich bis weißgelblich, seidig glänzend, unten rostbraun, 5—6
(—8) cm hoch, 0,4—0,6cm breit, hohl, meist gekrümmt.
Fleisch: gelblichweiß, im Stielende rostgelb. Geschmack mild, angenehm, nie.
bitter.
Fortsetzung s. S. 196

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20. Grünblättriger Schwefelkopf, Hypholoma fasciculare Sárga kénvirággomba
Giftig, stark bitter!
Der häufigste Schwefelkopf, der in großen Büscheln an Laub- und Nadelholz­
stümpfen wächst, manchmal scheinbar auf dem Erdboden, in Wirklichkeit aber
auf Wurzeln. — Infolge seiner Bitterkeit ist er nicht genießbar, er läßt sich auch
nicht durch Abkochen entbittern!
Hut: schwefelgelb, in der Mitte etwas orangefuchsig, erst halbkuglig, dann aus­
gebreitet, fast scheibenförmig, stumpfbucklig, 3—5 (—7)cm breit, dünnfleischig.
Die Unterseite ist wie bei allen Schwefelköpfen anfänglich durch einen zarten,
vergänglichen Schleier geschützt. Von ihm bleiben oft fädige Schleierreste am
Hutrand hängen.
Blätter: erst schwefelgelb, bald grünlich, schließlich durch den Sporenstaub
violettschwarz mit grünlichem Schimmer, oft etwas durchfeuchtet, sehr gedrängt,
untermischt (Wechsel von längeren Blättern mit kürzeren), schmal, am Stiel
angewachsen.
Stiel: schwefelgelb, im unteren Teil rostbräunlich gefasert und zeigt im oberen
Teil, wie auch bei anderen Schwefelköpfen, mitunter einen ringähnlichen, fase­
rigen Schleierrest. — Die Stiele sind 5—10cm hoch und 0,5cm breit, gleichmäßig
dick und am Grund büschlig verwachsen.
Fleisch: ebenfalls schwefelgelb, im Stiel etwas bräunlich, mit dumpfem Geruch
und sehr bitterem Geschmack.
Sporen: ellipsoid, glatt, 6—8 x 4 ym, Sporenstaub schokoladenbraun.
Der Pilz wächst fast das ganze Jahr hindurch, oft in großer Zahl. Vor seinem
Genuß ist zu warnen, da er. abgesehen von seinem bitteren Geschmack, sehr
unangenehme Darmstörungen hervorruft.

21. Ziegelroter Schwefelkopf, Hypholoma lateritium Vöröses kénvirággomba


Bedingt eßbar
Ziegelrote, büschlige Fruchtkörper im Herbst an Laubholzstümpfen.
Hut: schön ziegelrot mit blässerem, gelblichem Rand, im Scheitel orangefuchsig
bis zinnoberrot und oft rötlichbraun gefleckt. Anfangs fast kuglig, dann flach­
gewölbt mit lange eingerolltem Rand, schließlich ausgebreitet, stumpfbucklig,
5—12cm breit; in der Jugend mit dem Stiel durch einen sehr ausgeprägten,
gelblichweißen, dicken, gewebeartigen Schleier verbunden, dessen Reste den
Hutrand später als Behang umsäumen, zuletzt kahl, glatt, trocken, dickfleischig.
Blätter: erst blaßgelbgraulich, dann olivgraubräunlich, schließlich purpurbraun,
an der Schneide blaßflockig, gedrängt, am Stiel ausgebuchtet angewachsen.
Stiel: oben blaßgelb, besitzt dort spärliche Reste der Teilhülle, die durch die
Sporen dunkel gefärbt sein können. In der Mitte ist er braungelb, unten braun,
faserig, ausspitzend, 6—12cm hoch, (1,2—1,5cm dick, meist gekrümmt, derb.
Fleisch: gelblichweiß, ziemlich derb, es hat einen unangenehmen, im Alter sogar
fast bitteren Geschmack. Nach Abziehen der Oberhaut (Abschälen) ist es fast mild,
doch ist Abkochen zu empfehlen, und das Kochwasser ist wegzugießen! Nur
Mischpilz!
Sporen: graupurpurfarben, ellipsoid-eiförmig, 6—7x3 —\ um, glatt, Sporen­
staub olivgraupurpurn.

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22. Schopf-Tintling, Spargelpilz, Coprinus comatus Gyapjas tintagomba
Jung eßbar
Pilze, die durch ihre Schönheit, ihre weißseidige Bekleidung, ihr schnelles
Emporschießen mitunter bis zu 30cm Höhe (deswegen manchmal Spargelpilz
genannt), ihr massenhaftes Auftreten auf gedüngtem Boden, aber auch durch
ihr schnelles Vergehen — man könnte fast alle Tintlingsarten als „Eintagsfliegen“
bezeichnen — und durch ihre Selbstauflösung zu „schwarzer Tinte“ auffallen.
Hut: in der Jugend weiß und seidig-glänzend, doch zerreißt seine Oberhaut
bald in weiße und bräunliche, breite, weiche, faserige, sparrig abstehende
Schuppen und erinnert so fast an einen Haarschopf (Name!), nur der Scheitel
bildet eine bräunliche, glatte Haube. — Zunächst ist der Hut ei- bis walzenförmig,
liegt dem Stiel eng an, so daß von diesem nichts zu sehen ist, und wird unten durch
einen Ring dicht abgeschlossen. Nach der Abtrennung vom Hut ist der Ring
verschiebbar, aber recht vergänglich. Der Hut erscheint nun kegelförmig, reißt
am Rande ein und rollt sich bei weiterer Entwicklung nach außen spiralig auf.
Geschlossen ist er 6—13cm hoch und 3—6cm breit.
Blätter: anfangs reinweiß, breit, dünn, engstehend, nicht am Stiel angewachsen.
Bald aber färben sie sich von unten her (also vom Rand aus) rosa, werden dann
bräunlich und zuletzt schwarz. Schließlich zerfließen sie zusammen mit dem Hut
zu einer tintenartigen Flüssigkeit, die langsam herabtropft. Mit jedem „Tinten­
tropfen“ fallen viele Tausende Sporen auf den Boden, und es bleibt zuletzt nur
der Stiel mit dem Scheitel zurück. Diese Art des Vergehens ist eine besondere
Eigenschaft der Tintlinge, eine Art Selbstverdauung. Es findet also weder ein
Verfaulen noch ein Eintrocknen der Fruchtkörper statt. — Eine weitere
Merkwürdigkeit besteht in der Spaltbarkeit der Blätter. Zerreißt man einen
Hut vorsichtig, so geht der Riß nicht zwischen zwei Blättern hindurch, sondern
durch ein Blatt und spaltet dieses der Länge nach in zwei Hälften, so daß zwei
hauchdünne Blättchen entstehen.
Stiel: weiß, schlank, zartfaserig, am Grund schwachknollig verdickt, meist
röhrig-hohl, mitunter aber auch voll, 10—20 (—25)cm hoch, 1—1,5 (—2)cm
breit, in Ausnahmefällen noch höher und dicker, zerbrechlich.
Fleisch: weiß, weich, von angenehmen Geruch und Geschmack.
Sporen: schwarz, eiförmig, glatt. 10—14 (—16)x6—8ym. Staub ebenfalls
schwarz.
Die Schopf-Tintlinge wachsen meist von Juni bis November auf gedüngten Grasplätzen, Abfall- und
Kompostplätzen, besonders dort, wo Blätter von Straßenbäumen aufgehäuft werden, in Gärten, seltener
im Wald, büschlig und truppweise, oft in großer Zahl. Häufig.
Die Pilze sind recht schmackhaft, solange sie jung und die Blätter weiß sind. Sie müssen trotzdem gut
gewürzt werden, da sie beim Kochen einen etwas faden Geschmack annehmen. Sie eignen sich vorzüglich
zum Strecken von Gulasch sowie zur Herstellung von Pilzextrakt, dagegen nicht zum Trocknen.
Der Schopf-Tintling kann auf kompostiertem Pferdemist angebaut werden. Werden die Pilzhüte jung
abgeschnitten, während sie noch geschlossen sind, gehen sie nicht in Selbstauflösung (Autolyse) über.
In diesem Stadium geerntete Schopf-Tintlinge haben die gleiche Haltbarkeit und Marktfähigkeit wie andere
Speisepilze. In der DDR ist daher die Kulturform zum Handel zugelassen.
Die Tintlinge <Cöprinus) stellen eine große, etwa 95 Arten umfassende Gattung mit meist zerfließenden
Blättern und großen braunen oder schwarzen Sporen dar. Die meisten Arten sind klein und kurzlebig. Eine
Anzahl von Arten ist in der Jugend mit einer ausgeprägten, schuppig-flockigen, allgemeinen Hülle ganz
überkleidet. Andere haben nur körnig-glimmerige Schüppchen als Rest der Hülle zurückbehalten. Einige
haben auch einen häutigen Schleier, der als flüchtiger Ring am Stiel auftritt.

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23. Grauer, Falten- o. Knoten-Tintling, Coprinopsis atramentaria Ráncos tintagomba
Jung eßbar, jedoch in Verbindung mit Alkohol giftig
Beim Genuß dieser Pil/e darf man nicht gleichzeitig oder einige Zeit danach
Alkohol trinken, da sonst höchst unangenehme Vergiftungserscheinungen auf-
treten.
Hut: aschgrau bis graubräunlich, anfangs am Scheitel und öfter auch seitlich
weit hinab mit feinen, angedrückten, bräunlichen, kleieartigen, leicht abwisch­
baren Schuppen (Hüllresten) besetzt, auch schmutzig-glimmerig bereift, später
fast kahl, nur noch am Scheitel schuppig-flockig. Anfangs ist der Hut ei- bis
glockenförmig, meist mehr oder weniger tief längsfaltig oder faltig-gerippt, am
Rande ungleich-wellig geschweift, öfter etwas gelappt, zuletzt kegelförmig
ausgebreitet, dann am Rande zerschlitzt und nach oben gewendet, aber nicht
zurückgerollt, er wird 4—10cm breit und ist schwach fleischig.
Blätter: erst weißgrau, dann rosabraun, schließlich schwarz, sehr gedrängt,
bauchig, an der Schneide flockig, auf der Fläche oft narbig-rauh, frei (d.h. nicht am
Stiel angewachsen). Sie werden allmählich feucht und zerfließen endlich mit dem
dünnen Hutfleisch zu einem schwarzbraunen, tintenartigen Brei.
Stiel: weiß, glatt, zartfaserig, schwach glänzend, ziemlich fest, erst voll, später hohl,
aufwärts meist verjüngt, 6—15 cm hoch, 0,75—1,5 cm breit, ringlos, unten jedoch,
dort wo der Hutrand anlag, mit einer ringförmigen, knotenartigen Anschwellung
versehen, die im Alter verschwindet; am Grunde ist er spindelförmig ausgezogen.
Fleisch: weiß, dünn, fast geruchlos und schmeckt mild.
Sporen: schwarzbraun, halbdurchsichtig, ellipsoid. glatt, 9—12x5—6ym.
Staub schwarz.
Der Pilz wächst von Mai bis November im Flachland überall auf fettem Boden,
auf Wiesen und Äckern, Schutthaufen, in Gärten, an Wegen, aber nicht unmittel­
bar auf Dung. Auf den Beeten in den Gewächshäusern kommt er auch im Winter
vor. Der Graue Tintling ist im jungen Zustand eßbar. Am besten verwendet man
ihn als Suppenpilz!
Es ist dringend darauf zu achten, daß nach dem Genuß dieses Pilzes kein Alkohol genossen wird, auch
nicht in geringer Menge. Es kommt sonst zu Krankheitserscheinungen besonderer Art: Kurze Zeit
(1/2—2 Stunden) nach dem Alkoholgenuß tritt eine Rötung des Gesichtes ein, die allmählich in Violett
übergeht und sich über den Nacken und einen großen Teil des Körpers ausbreitet, während die Nasen­
spitze und die Ohrläppchen blaß bleiben. Gleichzeitig stellen sich Hitzegefühl, Herzklopfen und Puls­
beschleunigung, großer Durst, Schwierigkeiten beim Sprechen und Sehschwäche ein, während Erbrechen
und Durchfälle fehlen. Die Symptome verschwinden nach einiger Zeit, zeigen sich aber abgeschwächt
wieder, wenn in den nächsten Tagen Alkohol getrunken wird. Die Vergiftungserscheinungen entstehen
durch einen im Grauen Tintling vorhandenen Wirkstoff C o p r i n , welcher den enzymatischen Abbau
des Alkohols im Blut derart beeinflußt, daß das Blut mit Azetaldehyd angereichert wird.
Sehr ähnlich ist der Rauhsporige Tintling, Cöpr. alopecia (= insignis), der aber rauhe Sporen hat im
Gegensatz zum Grauen Tintling, der glatte Sporen besitzt. Er ist in Mitteleuropa vereinzelt in schattigen
Wäldern, am Fuße von Laubbaumstämmen, zu finden.
Mit dem Falten-Tintling verwandt ist der Krötenschwamm oder Struppige Tintling, Cöpr. cinereus,
dessen Hut grau, rissig-gefurcht und mit flockigen, sparrigen, vergänglichen Schuppen ganz bedeckt ist.
Er reißt vom Rand her ein und rollt sich zur Mitte hin um. er ist 2—5 cm breit. Sein Stiel ist 4—12 cm hoch.
Der Pilz wächst auf klumpigem Strohmist, büschelig, ist aber außerordentlich schnell vergänglich.
Der Specht-Tintling, Cöpr. picäceus, mit braunschwarzem Hut und großen, weißen, schließlich ab­
fließenden Warzen, dadurch bunt aussehend wie das Gefieder eines Spechtes, ist 4—6cm breit, hat einen
hohen Stiel (15—20cm) und wächst gesellig auf Humusboden in schattigen Laubwäldern von Juli bis
Oktober.

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24. Glimmer-Tintling, Coprinellus micaceus Kerti tintagomba
Jung eßbar, jedoch in Verbindung mit Alkohol giftig
Große Büschel von kleinen, gelbbraunen Pilzen, deren Hüte jung mit winzigen
glitzernden Körnchen bedeckt und deren Randzonen gefurcht sind, meist am
Grunde alter Bäume oder Stümpfe wachsend.
Hut: gelbbräunlich, mit dunklerer Mitte, die Randzone ist erst gerieft und
später fast bis zum breiten Scheitel gefurcht. Mit einer Lupe sieht man, daß die
Oberhaut anfänglich mit kleinen, glitzernden, kleiigen, weißlichen bis bräunlichen,
flüchtigen Körnchen oder Schüppchen bedeckt ist, mitunter ist der Hutrand mit
dem Stiel durch einen leicht vergänglichen Schleier verbunden. Anfangs ist der
Hut eiförmig-glockig, dann glockig oder keglig-glockig, schließlich am Rande
etwas geschweift und leicht eingerissen, 2—4cm breit, selten größer, häutig, nur
am Scheitel schwach fleischig. Bei trockenem Wetter blaßt der Hut aus und welkt,
bei feuchter Witterung zerfließt er bald.
Blätter: weißlich oder gelblichweiß, graulich bis braun, zuletzt schwarz, an der
Schneide bisweilen weiß, sehr gedrängt, 3—6cm breit, nach beiden Enden
verschmälert und abgerundet, am Stiel angeheftet. Bei feuchtem Wetter zerfließen
sie leicht.
Stiel: weiß, anfangs feinflockig-bestäubt, bald kahl, seidenfädig-glatt, glänzend,
bisweilen anfangs in der Mitte (ähnlich wie beim Falten-Tintling) fast knotig
angeschwollen, röhrig-hohl, aufwärts schwach verjüngt, durch Druck gegen
benachbarte Stiele manchmal kantig, 5—10cm hoch und 0,3—0,5 cm breit.
Sporen: erst braun, später schwarzbraun, fast ellipsoid, nach oben verschmälert
und abgestutzt, abwärts keilförmig, mit einem Spitzchen versehen, glatt, 8—10 mal
4—6 ym, halbdurchsichtig. Sporenstaub dunkelbraun.
Die Glimmer-Tintlinge finden sich von Mai bis November an morschen Baum­
stämmen und Stümpfen (gern an Pappeln und Weiden) sowie auf der Erde in
Wäldern, Gehölzen, Gärten, Parkanlagen und Weggräben, besonders an
gedüngten Stellen, meist büschlig, fast rasig, selten einzeln, sehr häufig. In Ge­
wächshäusern kommen sie auch während des Winters vor. Ihr Erscheinen ist vom
Regen abhängig. Sie entwickeln sich wie alle Tintlinge schnell. Im Jugendzustand
ist dieser Tintling ein schmackhafter Suppenpilz, darf aber ebenso wie der Graue
Tintling nicht in Verbindung mit Alkohol verzehrt werden!
Nahe verwandt mit dem Glimmer-Tintling ist der Gesäte Tintling, Coprinus (Pseudocoprinus) dissemi­
natus, der in dichten Rasen zu Hunderten an alten Baumstümpfen von Mai bis Oktober wächst. Hut: gelblich-
grau bis grau mit gelbbraunem Scheitel, fast glockig, sehr klein, 0,5—2cm breit, häutig, hat einen zarten
Überzug von sehr kleinen, kleiigen Körnchen. Blätter: blaß bis grau. Stiel: 2—4 (—5) cm hoch und 0.1cm
breit, sehr zerbrechlich. Die Sporen sind bräunlich. Diese kleinen Tintlinge zerfließen nicht. Sie sind
bedeutungslos.
Eine weitere hierher gehörende Art ist der Lilablättrige Mürbling oder Zarte Saumpilz, Psathyrella
candotleana. Er wächst in dichten Gruppen, ist sehr dünnfleischig, gebrechlich und zart. Durchfeuchtet ist
sein Hut gelb- bis olivbräunlich, trocken dagegen tonweißlich. Der Rand ist von feinen Schleierresten
umsäumt (daher der Name Saumpilz). Blätter: erst weißlich, dann graurosa-lila. Der Stiel ist weiß, dünn, sehr
zerbrechlich, Sporen: rötlichbraun, glatt, ellipsoid, 7—8x4—5 ym. Der Pilz wächst von Mai ab auf dem
Erdboden und an Stümpfen. Er ist ein schmackhafter Suppenpilz.

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25. Stockschwämmchen, Kuehneromyces mutabilis Ízletes (változékony) tőkegomba
Eßbar, vorzüglicher Suppenpilz!
Büschel von bräunlichgelben Blätterpilzen, von mittlerer Größe, hauptsächlich
an Baumstümpfen, schon ab Mai.
Hut: feucht fuchsig-zimtbraun, glatt und fettigglänzend, trocken honigocker­
gelb. Die Randzone ist fast stets durchwässert und dunkel, während die Mitte
heller ist. da der Pilz vom Scheitel an zu trocknen beginnt. Erst ist der Hut
gewölbt, dann ausgebreitet, in der Mitte aber leicht gebuckelt, 3—7cm breit,
schwach fleischig. Der Rand ist dünn.
Blätter: blaßbräunlich, später zimt- bis rostbraun, gedrängt, dünn, am Stiel
etwas herablaufend.
Stiel: mit flockig-schuppigem, bräunlichem, bald verschwindendem Ring, über
diesem kahl und fast gerieft, unter dem Ring dunkelrostbraun und mit kleinen,
braunen, sparrig-abstehenden, flockigen Schuppen besetzt. Er ist 5—7cm lang,
1/2—1/4cm breit, unten büschlig-verwachsen, gekrümmt, erst voll, dann hohl
und zäh.
Fleisch: im Hut blaßgelbbräunlich, dünn, im Stiel rostbraun. Es schmeckt mild
und riecht angenehm würzig.
Sporen: rostbraun, eiförmig, glatt. 6—8 x3- 4,5 ym. Staub rotbraun.
Die Stockschwämmchen wachsen von Mai bis Dezember an Stümpfen von
Buche. Linde, Erle, Birke, Weide, Weißbuche, Ahorn usw . Es gibt verschiedene
Formen, die eine ist kräftig und dick, andere dagegen sind ziemlich schwach.
Die Pilze sind mit Ausnahme der unteren Stielteile recht wohlschmeckend und
eignen sich besonders zur Herstellung von Suppen.
Neuerdings versucht man, die Stockschwämmchen künstlich anzuhauen, indem man Baumstümpfe im
Wald beimpft und Baumscheiben, die vom Myzel durchwuchert sind, auf glatte Baumquerschnitte nagelt.
Nach einigen Jahren kann man dann mit einer Ernte rechnen. Die vom Myzel durchwucherten Scheiben
erhält man. indem man kurze Enden von Buchenästen in eine Grube bringt, sie mit Wasser besprengt,
dem man zerkleinerte Fruchtkörper beigemengt hat, so daß eine Aufschwemmung von Sporen im Wasser
entsteht. Dann deckt man die Grube mit Teerpappe zu und bringt Laub oder Stroh darüber, um ein Aus­
trocknen zu verhindern. Nach einiger Zeit sind die Aststücke vom Myzel durchwuchert, so daß man sic
in Scheiben zersägen kann.
Die Sporen der Pilz, die an Holz wachsen, lassen sich auf künstlichem Substrat (Malzagar = 2 Prozent
Agar und 5 Prozent Malz in Wasser) leicht zur Keimung und zur Bildung eines Myzels bringen, im Gegen­
satz zu den Sporen der Röhrlinge und vieler anderer Pilze. Das so erhaltene Myzel kann man zusammen
mit einem Stückchen Agar auf sterilisiertes Sägemehl übertragen. Dieses durchwucherte Sägemehl bringt
man in größere Bohrlöcher, die man schräg in Baumstümpfe bohrt, von unten nach oben, so daß das
Regenwasser nicht hineinläuft.
Die Stockschwämmchen dürfen nicht verwechselt werden mit den bitteren, ebenfalls an Baumstümpfen
wachsenden Grünblättrigen Schwefelköpfen, die mehr schwefelgelbe Farbe und keinen schuppigen Stiel
haben und deren Sporenstaub grauviolett bis schwarzviolett ist. Ebenso muß man sich vor Verwechslung
mit den bitteren braunsporigen Flämmlingen (Cymnopilus) hüten, die auch an Baumstümpfen wachsen.
Im allgemeinen kann man sagen, daß Pilze, die an Bäumen wachsen, nicht giftig sind, wohl aber bitter
f und ungenießbar sein können. Eine Ausnahme bildet der giftige Olbaumpilz, Omphalotus olearius
(Bd. III/200), der sehr selten ist und eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Falschen Pfifferling hat.
Ähnlichkeit mit dem Stockschwämmchen hat auch der braune Wässerige Yliirhling (Psaihyrella
hydrophilu Bd. 1/40), der auch als Weißstieliges Stockschwämmchen bezeichnet wird. Dieser Pilz wächst in
dichten Gruppen an morschen Baumstubben, hat einen weißseidigen Stiel ohne Ring und am Hutrande
einen blaß fälligen, flüchtigen Schleier und eine feuchte, dunkle Hutrandzone. Er ist bedingt eßbar, wird
nicht von jedermann vertragen.
Der giftige Nadelhoiz-Häubling, Galerina marg inata (Bd. IV/212) ist meist kleiner, hat glatten Stiel ohne Schuppen,
warzige Sporen und riecht nicht würzig, sondern schwach rettichartig. Fr wächst überwiegend an Nadelholz, besonders
im Gebirge.

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26. Gemeiner Hallimasch, Armillaria ostoyae Sötétpikkelyes tuskógomba
Eßbar, wenn genügend erhitzt (roh giftig!)
Große, büschlig an Baumstümpfen wachsende rötlichbraune Pilze mit dunklen
Schüppchen auf der Hutoberhaut, mit weißem Ring, weißen Sporen und mit
eigenartigem, zusammenziehendem Geschmack.
Der Name Hallimasch kommt angeblich von „Heil im “ wegen seiner
verdauungsfördernden Eigenschaft, eine Bezeichnung aus den österreichischen
Alpenländern, 1809 bei Trattinick veröffentlicht.
Hut: hell- oder dunkelhoniggelb, braunfuchsigrötlich bis bräunlich, mit bräun­
lichgelben bis schwarzbraunen, haarig-zottigen, anfangs aufgerichteten, ver-
gänglichen Schüppchen bedeckt, besonders in der Hutmitte, schließlich fast
kahl; jung kugelförmig, geschlossen, mit eingebogenem Rand, später gebuckelt­
gewölbt, dann flach, 5—10 (—18) cm breit, dünnfleischig.
Blätter: erst weißlich, dann rötlich, gelblich oder bräunlich und dunkler gefleckt,
schließlich durch die Sporen weißmehlig bestäubt, ziemlich weitstehend und dünn,
am Stiel angewachsen und streifenförmig kurz-herablaufend.
Stiel: gelbbräunlich oder braun, am Grund oft olivgelbschwärzlich, an der
Spitze blaß, glattfaserig gerillt oder etwas flockig, fast gleichdick, am Stielende
häufig kuglig-angeschwollen, 5—12 (—20) cm hoch, 1—2,5cm dick, schwammig-
ausgestopft. Oben trägt er einen weißlichen, oherseits gerieften, dickhäutigen,
weichflockigen Ring.
Fleisch: blaß, im Hut weich, im Stiel bald zäh („holzig“). Geruch schwach,
Geschmack scheinbar mild, aber nach längerem Kauen sehr unangenehm, im
Hals herb zusammenziehend wie durch essigsaure Tonerde, ein sehr spezifisches
Merkmal, an dem man sogar die Rhizomorphen (Wurzelstränge) mit Sicherheit
als zum Hallimasch gehörig erkennen kann.
Sporen: farblos, eiförmig, 7—9x5—6ym. Staub weiß. Die tiefer sitzenden
Hüte der Büschel sind davon oft ganz weiß bestäubt, wie schimmlig.
Vom September ab der häufigste Massenpilz, ausnahmsweise bei kühlem
Wetter auch schon ab Juli auftretend, überall in riesigen Büscheln an Stümpfen
von Nadel- und Laubbäumen, an unterirdischen Wurzeln, Hölzern, scheinbar
auch aus dem Boden in Wäldern, Äckern und Gärten hervorbrechend. Er befällt
auch lebende Bäume, die Stämme oft meterweise bedeckend, leider auch Obst­
bäume, Holzzerstörer!
Zwischen Rinde und Holz bildet der Hallimasch weißliche, ledrige Häute. Er sendet meterlange, schwarz­
braune, glänzende, verzweigte, mit weißem Mark gefüllte Stränge (Rhizomorphen) aus, die unter der Erde
von Baum zu Baum kriechen; ein arger Waldverwüster, mit dem der Förster den Kampf aufnehmen muß.
Für den Pilzsammler ein sehr ergiebiger Pilz, da er oft zentnerweise gesammelt werden kann. Die Stiele
müssen, weil zäh und holzig, weggelassen werden. Beim Kochen vergeht der eigentümliche Geschmack
des rohen Pilzes. Doch gibt es Menschen, die ihn auch abgekocht nicht vertragen!
Der Anfänger verwechselt leicht alle büschlig an Baumstümpfen wachsenden Pilzarten: Hallimasch,
Stockschwämmchen, Schwefelköpfe und Sparrigen Schüppling.
Sehr eigentümlich ist die Eigenschaft des Hallimaschmyzels, im Dunkeln zu leuchten (Biolumineszenz).
Wenn man an einem feuchtwarmen Abend durch den dunklen Wald wandert, kann man mitunter ein
magisches Leuchten sehen. Dieser Schimmer geht von mürbem Holz aus, das von Hallimaschmyzel
durchwuchert ist. Es leuchtet nicht das Holz, sondern das Myzel im Holz. Ein derartiges „Phosphoreszieren“
kann man auch in Bergwerken beobachten, wenn das Grubenholz vom Myzel dieses Pilzes durchwachsen
ist. Auch Rhizomorphen, die vom Hallimasch gebildeten Wurzelstränge, leuchten. Selbst wenn das Myzel
auf künstlichen Substrat (Malzagar) gezüchtet wird, kann man ebenfalls das Leuchten im dunklen Raum
beobachten. So schreibt Brefeld: ,,Die ganze Oberfläche der Kulturmasse, die gleichmäßig mit den Hyphen
überwachsen war. erglänzte in wunderbarem Licht." —
Es gibt noch andere Leuchtpilze, so vor allem den Leuchtenden Ölbaumpilz, Omphalotus olearius, bei
dem aber nicht das Myzel, sondern die Blätter Licht ausstrahlen (Bd. 111/200).

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27. Winterpilz, Samtfuß-Rübling, Flammulina velutipes Téli (akác) fülőke
Eßbar
Büschel oder Rasen von honiggelben Hüten mit schwarzsamtigen Stielen auf
Baumstümpfen und besonders an lebenden Bäumen, im Spätherbst. Winter und
Vorfrühling.
Hut: honiggelb, in der Mitte meist bräunlich, manchmal rostgelb oder oliv-
bräunlich, im Alter oft dunkelbraun, 3—12cm breit, erst glockig, dann verflacht
und durchscheinend gestreift. Der Hut ist bei feuchtem Wetter klebrig und
glänzend, in der ersten Jugend flaumig oder zartfilzig, später kahl, glatt, dünn-
fleischig.
Blätter: anfangs weiß, dann gelblichweiß, etwas voneinander entfernt, in drei
verschiedenen Längen angeordnet. Sie sind am Stiel angewachsen.
Stiel: dunkelbraun, braunschwarz, oben oft gelblich, dicht samthaarig über­
zogen, entweder gleichmäßig dick oder zusammengedrückt, im unteren Teil oft
verjüngt oder auch rübenförmig verdickt, manchmal gedreht, nicht selten auf-
steigend-verbogen, 3—10cm hoch, 0,25—1,5 cm breit, sehr zäh, erst voll, bald
hohl. Am Grunde geht er häufig in wurzelähnliche, zwischen Holz und Rinde
oder, bei bodenständigen Formen, auch in der Erde lang hinkriechende Stränge
über.
Fleisch: weiß oder blaßgelblich, erst zart, im Alter etwas zäh, mit roh schwach
laugenartigem, in gekochtem Zustand angenehmerem, w'ürzigem Geruch.
Sporen: farblos, zylindrisch, 7—9 x 3—5 |ym. Staub elfenbeinfarben.
Diese Winterpilze wachsen von September bis April, besonders in milden,
feuchten Wintermonaten, zuweilen unter dem Schnee verborgen, an verschie­
denen lebenden oder abgestorbenen Laubhölzern, besonders an Baumstümpfen,
namentlich an Ulmen, Pappeln, Weiden und Buchen (selten auch an Nadel­
hölzern), einzeln, in Büscheln oder in Rasen.
Das Pilzmyzel zieht sich zwischen Rinde und Holz in langen Strängen hin.
Die befallenen Bäume sterben meist ab. In Weidenkulturen kann der Pilz Schaden
anrichten.
Der Samtfuß-Rübling kann leicht gezüchtet werden. Man läßt die Sporen auf
Malzagar keimen und überträgt das Myzel auf Holzmehl oder Sägespäne, womit
dann die Bäume in Bohrlöchern beimpft werden. Man kann aber auch ausge­
wachsene Hüte auf frische Baumstümpfe legen oder annageln, so daß die Sporen
auf das Holz fallen.
Der Pilz ist eßbar und wohlschmeckend (aber ohne Stiel), er liefert sogar im
Winter schmackhafte Gerichte.
Zur Gruppe der Rüblinge gehören etwa 40 verschiedene, kleine bis mittelgroße Pilzarten. Charakteristisch
für sie ist der meist knorplige, röhrig-hohle Stiel, der sehr elastisch ist. Wenn man ihn zusammendrückt,
nimmt er nach Aufhören des Druckes die alte Form wieder an. Bei vielen von ihnen ist der Stiel unterirdisch
verlängert, sie besitzen ein Art „Wurzel“, die mitunter 10—20cm lang sein kann. Der Hutrand ist bei
den jungen Pilzen stark eingerollt.
Der Name Collybia bedeutet „kleine Münze", weil der Hut bei manchen Arten nur die Größe einer
Geldmünze hat und auch so flach und kreisförmig ist wie diese.
Die meisten Rüblinge wachsen an Holz, zumeist an Baumstümpfen. Einige Arten dieser Gattung brechen
aus tief im Boden liegenden Nadelholzzapfen hervor, die Zapfen-Rüblinge; andere dagegen wachsen auf
Humusboden, so der bittere Gefleckte Rübling, Collybia maculüta, der Butter-Rübling, Collybia butyräcea,
dessen Hutoberhaut fettig glänzt, der Waldfreund-Rübling, Collybia dryöphila, mit sehr engen Blättern
und hellgelbbräunlichem Hut, der manchmal giftig w irkende Breitblättrige Rübling, Megacallybia platyphylla,
der an oder neben alten, mulmigen Baumstümpfen wächst, der Wurzelrübling, Xerula radicäta, der im
Buchenwald wächst, einen sehr langen Stiel, aber verhältnismäßig kleinen Hut hat.
Außer dem Samtfuß-Rübling gibt cs noch eine Reihe anderer Winterpilze,.so z. B. den häufigen Winter-
Schnitzling, Tubäria furfuräcea, den Winter-Helmling, Mycena tintinäbuhun, an Baumstümpfen, den Wintcr-
Fälbling, Hebelöma hiemüle, den Austern-Seitling. Pleurötus ostreätus, an Baumstümpfen und den März-
Schneckling. Hygrophorus marzüolus, der im März unter Edeltannen erscheint und dessen Entwicklung
schon unter dem Schnee beginnt.

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28. Rötlicher Holzritterling, Tricholomopsis rutilans Bársonyos fapereszke
Jung eßbar, minderwertig
Ein ziemlich großer, auffallend schöner Pilz, solange sein purpurner Filz nicht
verblaßt ist, mit leuchtend gelben Blättern. Er ist auch in trockenen Sommer­
monaten zu finden, da er an Nadelholzstümpfen wächst und durch diese
Feuchtigkeit aus dem Boden erhält.
Hut: anfangs mit einem leuchtend purpurroten Filz bedeckt, der langsam
verblaßt, zunächst rötlichgelb, schließlich gelb bis bräunlichgelb wird. Die Ober­
haut reißt allmählich felderig-schuppig auf, so daß das gelbe Fleisch zwischen
den rötlichen Schüppchen zum Vorschein kommt. Der Hut ist erst halbkuglig
und hat einen eingerollten Rand, später breitet sich der Hut aus (behält aber
in der Mitte einen stumpfen Buckel), und der Rand wird gerade. Die Größe
des Hutes schwankt zwischen 10 und l?cm, kann aber in Ausnahmefällen bei
besonders üppigem Wachstum bis 24cm Breite betragen. Die Oberhaut läßt
sich von dem dickfleischigen Hut leicht abziehen. Dies muß bei der Verwendung
des Pilzes unbedingt geschehen, da sie oft bitter und dumpf schmeckt.
Blätter: sattgelb, stehen eng. sind ungleich lang und nach dem Stiel zu ab­
gerundet. Ihre Schneiden sind goldgelb, feinfilzig-zottig und leicht verdickt.
Stiel: wie der Hut auf gelbem Untergrund schön purpurfilzig, blaßt später aus,
wird 6—14cm hoch und 1—3cm breit. Er ist erst fest und voll, wird aber
später hohl.
Fleisch: gelb, fest, saftig, alt wäßrig-weich. Es hat leider einen eigenartigen,
dumpfen Geruch und schmeckt im Alter oft bitterlich.
Sporen: farblos, breitellipsoid, 6—9x4—6|ym. Staub reinweiß, obwohl die
Blätter gelb sind.
Der Rötliche Holzritterling wächst von Juli bis November an oder neben
morschen Nadelholzstümpfen (selten an Birke oder an anderen Laubholz­
stümpfen). einzeln oder büschlig, verhältnismäßig häufig und erweckt bei dem
unerfahrenen Finder Freude. Aber man kann den Pilz nur als bedingt eßbar
bezeichnen, da er im Alter und nach Regen oft einen modrig-dumpfigen
Geschmack aufweist, der durch das Abziehen der Oberhaut gemildert wird,
doch kann er mitunter auch den Geschmack eines Pilzgerichtes verderben. Er
läßt sich am besten verwenden, wenn man den Pilz einem Gemüseeintopf beigibt.
Er ist der einzige Ritterling, der in Mitteleuropa an Holz wächst. Man hat für
ihn eine besondere Gattung Holzritterlinge aufgestellt.

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7 Hennig/Kreisel, Taschenbuch, 8. A. 97
29. Rosablättriger Helmling, Mycena galericulata Rózsáslemezű kígyógomba
Eßbar, doch wenig lohnend
Hut: graubräunlich bis schmutzig-weißlich, runzlig, strahlig-gerieft, erst keglig­
glockig, später ausgebreitet mit schwachem, dunklerem Buckel, 2—7 cm breit.
Der Rand ist gerade.
Blätter: anfangs weißlich bis graulich, später (manchmal erst nach längerem
Liegen) blaßrosa, etwas entferntstehend, am Grunde aderig-verbunden und am
Stiel angeheftet:
Stiel: graulich, lang, dünn, steif, hohl, 4—7 (—10) cm hoch, 0,2—0,4cm breit,
am unteren wurzelartigen Ende striegelhaarig.
Sporen: farblos, ellipsoid, 9—11 x 7—8 ym. Staub weiß.
Der Pilz wächst von Mai bis Dezember an Laubholzstümpfen, oft büschlig,
häufig.
Die Helmlinge (Mycena) sind die kleinsten unter den Blätterpilzen, nur der hier beschriebene Rosa­
blättrige Helmling wird verhältnismäßig groß. Zu der Gattung der Helmlinge gehören rund 120 Arten,
die z.T. auf dem Erdboden, z.T. an Baumstümpfen und an Bäumen wachsen. Sie sind bedeutungslos
und spielen als Speisepilz keine Rolle. Aber sie erfreuen durch ihre Zierlichkeit und ihre oft schön gefärbten
Hüte (kappen- oder helmförmig). Ihre Blätter zeigen mitunter bunte Farbränder, andere Alten enthalten
Milchsaft. Bei einigen leuchtet das Myzel im Dunkeln.

30.Geselliger Glöckchennabeling, Xeromphalina campanella


Bedeutungslos Sárga köldökös-szegfűgomba

Hut: rostgelb, feucht braunrot, glockenförmig, in der Mitte genabelt, 0,5—lcm


breit, dünnhäutig, durchscheinend gerieft und am Rand zierlich kcrbig-gewellt.
Blätter: erst blaßgelb, dann rötlichgelb oder gelb, etwas entferntstehend, bogen- .
förmig, ziemlich schmal, stark queradrig-verbunden und am Stiel nur kurz ;
herablaufend.
Stiel: braunrot, dünn, 1—2,5cm hoch, 0,1cm dick, am Grunde von gelben,
rosagelben oder rostroten Härchen strieglig-zottig, anfangs voll, später \
röhrig-hohl.
Sporen: farblos, ellipsoid, 6—7 x 3—4ym. Staub weiß.
Die kleinen Pilze wachsen von Juli bis Oktober meist herdenweise an morschen
Nadelholzstümpfen, häufig. An ihrem Auftreten kann man erkennen, daß der
Stumpf von einem Nadelbaum und nicht von einem Laubbaum herrührt.

31. Austern-Seitling, Pleurotus ostreatus Kései laskagomba


Eßbar
Ein willkommener Speisepilz des Spätherbstes!
Hut: sehr verschieden gefärbt, zeigt oliv- bis bräunlichgraue, taubenblaue,
blauviolette bis fast schwärzliche Farbtöne. Er ist muschel-, zungen- oder spatel­
förmig und hat dann einen kurzen, seitlichen Stiel, oder er ist rund und zentral­
gestielt, 5—15 (—25) cm breit, fettigglänzend, glatt, kahl und hat dickes, erst
weiches, später zähes Fleisch. Der Rand ist anfänglich eingerollt.
Blätter: weiß, laufen am Stiel ziemlich weit herab.
Stiel: weiß, meist kurz und dick, am Grunde oft mit anderen verwachsen
Fleisch: weiß, anfangs weich, bald zäh, es riecht und schmeckt jung angenehm,
später muffig.

Fortsetzung s. S. 196

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32. Reifpilz, Zigeuner, Runzel-Schüppling, Gyűrűs ráncosgomba
Cortinarius caperatus Wohlschmeckend
Hut: graugelb, semmelgelb bis lehmfarben, anfangs lila überhaucht und durch
silbrige Schüppchen bereift (Hüllrcste, Reifpilz), strahligrunzlig (Runzel-Schüpp-
ling); erst eiförmig-halbkuglig, später ausgebreitet, 6—12cm breit, beim Auf­
schirmen radial einreißend, dadurch unregelmäßig in Lappen gespalten. Der Rand
ist anfangs eingerollt, zuletzt hochgebogen. Zwischen Hutsaum und Stiel ist
anfänglich ein häutiger Schleier ausgespannt, der die Blätter schützt.
Blätter: erst blaß lehmfarben, später durch die Sporen rostbräunlich; gekerbt,
öfter krauswellig, am Stiel angeheftet, mit Zähnchen ausgebuchtet.
Stiel: erst weißlich, später strohgelb und faserig gestreift, 7—12 cm hoch,
1—1,5 cm dick, besitzt im oberen Teil einen blaßgelblichen, häutigen, erst ab­
stehenden, dann hängenden, im Alter oft zerrissenen oder zerbröckelten Ring und
ist unten (manchmal auch weiter oben) mit vergänglichen, scheidenartigen, fest­
gewachsenen, schwach violett gefärbten Hüllresten besetzt.
Fleisch: weißlich; riecht und schmeckt angenehm.
Sporen: ockergelblich, mandelförmig, warzig, 11 — 14x7—9ym.
Der Pilz wächst von Juli bis Oktober in Wäldern, besonders auf saurem Boden,
häufiger im Gebirge, mancherorts sehr häufig, in anderen Gegenden ganz fehlend.
— Recht guter Speisepilz, der auch auf den Märkten angeboten wird.
Eine andere häufige und auffallende Schüpplingsart ist der Sparrige Schüppling, Pholiöia squarrösa.
Gelbbraun mit zahlreichen sparrigen, abstehenden Schüppchen an Hut und Stiel, ln kleinen oder großen
Büscheln besonders an Obstbäumen und anderen Laubholzstümpfen. Baumschädling wie der Hallimasch.
Eßbar, aber geringwertig (Bd. IV/233).

33. Heide-Schleimfuß, Kastanienbrauner Schleimfuß, Fehértönkű pókhálósgomba


Cortinarius mucosus. Eßbar

In unseren sandigen Kiefernwäldern der häufigste eßbare Schleierling. Er hat


die Farbe frischgebackenen Brotes und wird deshalb auch „Brotpilz“ genannt.
Hut: gelbbräunlich bis rotbräunlich mit dunkler Mitte, sehr schleimig-schmierig,
trocken glänzend, glatt, gewölbt bis flach, in der Mitte mitunter schwach nieder­
gedrückt, 4—8 cm breit.
Blätter: erst blaß, dann rostbräunlich bis zimtbraun, engstehend, angewachsen
oder mit Zahn herablaufend, später sich ablösend.
Stiel: weißlich, im unteren und mittleren Teil mit weißem Schleim überzogen
(Schleimfuß), im oberen Teil mit einem rotbraunen Gürtel, dem Rest eines
weißfädigen, durchsichtigen, glasigen Schleiers zwischen Hutrand und Stiel, der
später durch die Sporen gefärbt wird. Er ist 6—8 (—10) cm hoch und 1 —1,5
(—2) cm dick, nach der Basis dünner werdend.
Fleisch: weißlich bis holzfarben, mild, geruchlos.
Sporen: blaßockerrötlich, schmal mandelförmig, höckerig rauh, 12—15 mal
6—7 |ym. Staub rostbraun.
Der Heide-Schleimfuß wächst von Juli bis Oktober in trockenen, sandigen
Kiefernwäldern sehr häufig. Er ist wohlschmeckend, zweckmäßig als Mischpilz
zu verwenden.
Andere häufige Schleimfüße:

Runzel-Schleimfuß, Cortinarius elatior. Eßbar Ráncoskalapú pókhálósgomba


Hut: blaß hellbraun bis fast dunkelbraun, lehm- bis olivbraun, nach dem Rand bisweilen violettlich;

Fortsetzung s. S. 196

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34. Grünling, Echter Ritterling, Tricholoma equestre Sárgászöld pereszke
Eßbar

Unser bekanntester Ritterling, der wegen seines guten Geschmackes gern ge­
sammelt wird. Er ist ein Charakterpilz unserer nördlichen Kiefernwälder. — Im
Gegensatz zu den meisten Ritterlingen, die stets weiße Blätter haben, hat der
Grünling schwefelgelbe Blätter, aber weiße Sporen.
Hut: olivgelbbraun bis olivgelb, oft mit bräunlicher, kleinschuppiger, stumpf­
gebuckelter Mitte, anfangs etwas klebrig und daher durch anhaftende Sandkörner
und Kiefernnadeln verschmutzt, 5—10cm breit. Der Rand ist anfänglich stark
eingebogen, die Mitte ist dickfleischig.
Blätter: lebhaft schwefelgelb, dichtstehend, um den Stiel herum tief ausge­
buchtet wie bei den meisten Ritterlingen (ein „Burggraben", der den Stiel umgibt).
Stiel: schwefelgelb, seltener gelblichweiß, glatt oder schwach faserschuppig, voll,
4—6cm hoch, 1—2cm dick, oft tief im Boden steckend.
Fleisch: weißlich, fest; es schmeckt mild und riecht schwach mehlartig.
Sporen: farblos, ellipsoid, 6—8x3—3,5 ym. Staub weiß.
Die Grünlinge wachsen von September bis Mitte November häufig in sandigen
Kiefernwäldern, auf Waldwegen, unter oder zwischen Nadelstreu, mitunter im
Sand fast versteckt. Leider sind sie oft madig.
Diese Pilze sind wohlschmeckend, aber etwas härtlich. Sie müssen sorgfältig geputzt werden (Oberhaut
abziehen). Gründliches Wachsen ist nötig, um den Sand zwischen den Blättern zu entfernen.
Der ihm ähnliche, roh giftige Schwefelgelbe Ritterling, Tr. sulphüreum, (Bd. 1/67) hat im Gegensatz zu
dem Mehlgeruch des Grünlings einen äußerst unangenehmen, stinkenden Geruch nach Karbid oder altem
Gasschlauch, gelbgefärbtes Fleisch und weitstehende Blätter. Er wächst im Laubwald.
Die Ritterlinge verdanken ihren Namen dem Grünling, der seit alters her, schon zur Ritterzeit, als
Speisepilz geschätzt wurde. Sie sind Weißsporer wie die Wulstlinge und Schirmpilze, unterscheiden sich
aber von ihnen durch ihre ausgebuchtet-angewachsenen Blätter. Die Blätter stehen also durch eine Ring­
furche vom Stiel ab, sind aber nicht völlig von diesem getrennt. Selten kommen bei den Ritterlingen Spuren
von Hülle oder Schleier vor. Die Blätter sind manchmal starr und spröde und könnten dadurch an Täublinge
erinnern, aber ihr Fleisch ist fester und riecht bei vielen Arten nach Mehl. Die Sporen sind klein und glatt,
ihre Umrisse treten unter dem Mikroskop sehr schwach hervor, stärker dagegen ein glänzender Tropfen in
ihrem Innern.
Die Grenze der Ritterlinge gegen die Trichterlinge ist fließend und künstlich. Die neuere Systematik
zerlegt diese beiden Gruppen in eine größere Zahl natürlicher, kleinerer Gattungen.

35. Gelbbräunlicher Ritterling, Tricholoma sejunctum Cirmoskalapú pereszke


Eßbar
Der Gelbbräunliche Ritterling wächst wie der Grünling im sandigen Kiefernwald,
doch gibt es von ihm einen giftigen, bitter schmeckenden Doppelgänger, der im
Laubwald vorkommt: Bitterer R., Tr. zvärae.
Hut: olivgelb oder gelbbräunlich, oft in der Mitte dunkelbräunlich, besitzt nach
dem gelbbräunlichen Rand ausstrahlende, eingewachsene Fasern (äußerlich
dadurch dem sehr giftigen Grünen Knollenblätterpilz ähnelnd), feucht klebrig,
trocken glänzend, erst glockig-gebuckelt, dann verflacht, 4—10 cm breit.
Blätter: weißlich bis wäßriggrau, an der Schneide vom Rand her manchmal etwas
gelblich, ausgebuchtet.
Stiel: weiß, mitunter leicht grüngelblich getönt, meist kahl und glatt, mit einge­
wachsenen, oft etwas verdrehten Fasern, bauchig oder spindelig, verlängert,
5—8cm lang, 1—2,5 cm breit, fleischig-voll.
Fleisch: weiß, fest, hat angenehmen, mehlartigen Geruch und Geschmack.
Sporen: farblos, rundlich-ellipsoid, 5—7x4—5 |ym. Staub weiß.

Fortsetzung s. S. 196

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36. Schwarzfaseriger Ritterling, Tricholoma portentosum Szürke pereszke
Eßbar, Oberhaut abziehen!
Am Ende der Pilzsaison erscheint der Schwarzfaserige Ritterling oder Schnee­
ritterling in sandigen Kiefernwäldern.
Hut: aschgrau, meist mit bräunlichen oder violetten Tönen, mit stark sich
abhebenden, dunkleren, fast schwarzen, etwas erhabenen strahligen Fasern. Die
Oberhaut ist feucht schmierig, trocken glänzend, glatt und leicht abziehbar.
Anfänglich ist der Hut glockig gewölbt, später ausgebreitet mit flachem Buckel,
6—10cm breit.
Blätter: weiß, oft etwas wäßrig, alt gelbgrünlich angehaucht, bauchig, hinten
ausgebuchtet und mit Zahn angewachsen, dicklich, aber mit dünner Schneide.
Stiel: weißlich, etwas wäßrig und gelblich oder grünlich getönt, kahl oder
schwach flockig, seidigglänzend, etwas faserig, 6—10 cm lang, 1—2 cm breit,
gerade oder gebogen. Beim Durchbrechen und Aufspalten rollen sich die Spalt­
stücke allmählich spiralig auf.
Fleisch: weißlich, oft etwas wäßrig-grau, unter der Huthaut meist tiefgrau
durchgefärbt, zart und weich, in der oberen Stielrinde oft gelbgrünlich, (icruch
und Geschmack sind schwach mehlartig.
Sporen: farblos, fast rundlich, 5—6x4—5 ym. Staub weiß.
Der Schwarzfaserige Ritterling wächst von Oktober bis Dezember in sandigen
Kiefernwäldern, selten unter Rotbuchen, oft massenhaft.
Ähnlich ist der Brennende Ritterling, Tr. virgätum (Bd. 1/77). Er ist ebenfalls schwarzfaserig, aber
auffallend spitz gebuckelt, trocken glänzend. Die Blätter sind grauweiß und haben eine schwärzliche
Schneide. Er schmeckt nach längerem Kauen brennend, kratzend und bitter und ist schwach giftig!

37. Tiger-Ritterling, Tricholoma pardinum Párducpereszke


Giftig
Hut: hell silbergrau, mit entferntstehenden faserigen, braungrauen Schuppen
bedeckt. Er ist erst halbkuglig, mit eingerolltem Rand, später ausgebreitet, mit
leicht niedergedrückter Mitte, 5—10cm breit, in der Mitte dickfleischig.
Blätter: schmutzig weißlich mit grüngelbem Schimmcr, gedrängt, hinten abge­
rundet ausgebuchtet; bei feuchter Witterung oft Tränen an den Blattschneiden.
Stiel: weißlichblaß, am Grunde oft schwach gebräunt, oben oft mit Wasserperlen
versehen, keulig und fast knollig, 4—8cm hoch, oft ziemlich dick, manchmal bis
zu 3cm, voll.
Fleisch: weißlich, aber unter der Huthaut grau durchgefärbt, im Stielgrund oft
rostgelblich. Es schmeckt und riecht mehlartig.
Sporen: farblos, oval, feinkörnig, 8—10x6—7 ym. Staub weiß.
Der Tiger-Ritterling wächst von August bis Oktober in Laub- und Nadel­
wäldern, besonders in lichtem Buchenwald, auf Kalkboden. Er ist nicht sehr
verbreitet, kommt aber an manchen Stellen in größeren Mengen vor, so in
Württemberg; auch ist er im Thüringer Becken, z. B. Saaletal bei Jena und Naum­
burg, zu finden.
ln Frankreich und der West-Schweiz ist er stärker verbreitet und verursacht dort des öfteren heftige,
langdauernde Darmstörungen, im Vergleich mit den anderen Giftpilzen übrigens die meisten Vergiftungen.

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38. Frost-Rasling, Lyophyllum fumosum. Eßbar Barna csoportospereszke

Kleine oder große Büschel von Fruchtkörpern (manchmal bis zu 50, sogar bis
100 Stück), deren Stiele am Grunde miteinander verwachsen sind. Im Spätherbst
wachsend. Das Fleisch ist etwas knorpelig.
Hut: graubraun, durchwässert halbdurchsichtig, speckig glänzend, trocken
heller, leicht radialstreifig, kahl, glatt, flach gewölbt, oft exzentrisch, mit dünnem,
lange eingerolltem, später wellig-gelapptem Rand, 5—12cm breit.
Blätter: schmutzig weißlich, dann blaßgrau bis graugelblich, mit rötlichem
Schein, wenn durchwässert; dünn, dichtstehend, angeheftet oder am Stiel schwach
herablaufend.
Stiel: schmutzigweiß, leicht seidig glänzend, mitunter exzentrisch, gleichdick,
bald kurz, bald lang, faserig, voll.
Fleisch: fast weiß, nicht grau, härtlich, Geruch mehlartig.
Sporen: farblos, fast rundlich, 5—7ym. Staub weiß.
Der Frost-Rasling kommt von September bis Dezember in Büscheln im
humosen Laubwald, in Parkanlagen und Gärten und auf Komposterde vor,
ausnahmsweise auch einzeln.

39. Büschel-Rasling, Lyophyllum decastes. Eßbar Sötét csoportospereszke

Charakterpilz des sandigen Nadelwaldes, in allen Teilen mehr grau, trocken,


nicht schmierig rauhfaserig an Hut und Stiel, mit kürzeren, am Grunde derb­
knollig-verwachsenen oder verzweigten Stielen.
Hut: blaßgraubraun bis hellgrau, meist rauhlich-kurzfaserig oder netzig-
gestrichelt, oft wie silbergrau bereift (Erdsilberling), besonders am umgebogenen
Rand, nicht speckig-glänzend, kaum durchwässert, meist kleiner und weniger
verbogen als vorige Art.
Blätter: erst blaß, werden bald grau (nicht weiß oder fleischrötlich).
Stiel: grauweiß, an der Spitze meist mehlig-flockig, oft rauhfaserig, kürzer und
dicker, verzweigt oder aus einem gemeinsamen derben Knollen entspringend.
Fleisch: weißlich, unter der Huthaut graulich durchfärbt, auch in der Stiel­
spitze oft stärker gegraut (mit Salpetersäure rötend), sehr fest, geruchslos.
Sporen: farblos, fast rundlich bis ellipsoid, 5—6x4 ym. Staub weiß.
Der Büschel-Rasling kommt von September bis in den Winter in grasigen
Laubwäldern vor, oft in großer Zahl büschelig verwachsen, durch den Frost
schließlich schleimig zusammenfallend.

Weitere ähnliche Raslinge sind:


Knorpeliger Rasling, Lyophyllum loricatum Gesztenyebarna csoportospereszke
Eßbar
Hut: dunkelkaffeebraun, kastanienbraun oder oliv-umberfarben, feucht schmierig, trocken glanzend, mit
dicker, knorpeliger Oberhaut, wie gepanzert. Blätter: weißblaß, zählich. Stiel: blaßbräunlich mit mehliger
Spitze. Fleisch: knorpelig, mit eigenartigem Geruch und schwach brennendem Geschmack. Sporen: rundlich,
6—7 ym.
Er wächst fast das ganze Jahr hindurch im Nadel- und Laubwald, aber auch in Gartengrundstücken, auf
altem Müll, in Riesenknäueln.

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Rautensporiger Rasling o. Schwärzling, Lyophyllum infumatum Szürkésbarna álpereszke
Eßbar
Hut: weißlich, dann olivgrau-gelblich, bald dunkelbraun mit silbriger Mitte, eingewachsen faserig, feucht,
gewölbt, oft gebuckelt, dünnfleischig, starr und knorplig. Blätter: erst weiß, dann graulich, bei Berührung
schwärzend, zählich, gedrängt. Stiel: weißlich bis blaßgraulich, dann bräunlich, faserig-gestreift, doch auch
fast kahl, elastisch, oft gekrümmt, ausgestopft, zuletzt hohl. Fleisch: blaß, wäßrig-durchzogen, knorplig,
schwärzend, mehlartig schmeckend, spermaartig riechend. Sporen: farblos, rautenförmig, 10—12 x 6—8 fyrn.
Der Pilz wächst von August bis Oktober, besonders unter Buchen, gesellig oder rasig, nicht selten.

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40. Violetter Rötelritterling, Lepista nuda. Eßbar, roh giftig Lila pereszke

Einer unserer schönsten Pilze, auffallend violett gefärbt. Allerdings verändert


er sich später ins Violettbräunliche und dann in Rötlichbraun. Er tritt oft massen­
haft und häufig in Hexenringen auf.
Hut: erst außen und innen prächtig violettlila, verfärbt sich dann allmählich
rotbräunlich, besonders in der Oberhaut. Anfangs ist der Hut gewölbt und
regelmäßig rund, sein Rand stark eingerollt, dann ist er flach ausgebreitet und
der Rand wellig, oft nach oben geschlagen. Meist hat der Hut eine Breite von
7—15 cm, kann aber sogar bis zu 22cm Durchmesser haben.
Blatter: anfänglich schön violett, behalten diese Farbe lange, erst im Alter
verfärben sie sich lilabräunlich. Sie stehen fast gedrängt, sind mit kürzeren
untermischt, gegen den Stiel hin abgerundet, angeheftet und leicht vom Hut
ablösbar.
Stiel: erst schön violett wie Hut und Blätter, verblaßt dann aber, ist derb,
5—7 (—10) cm hoch, 1,5—2,5 cm dick, knorplig-berindet und am verdickten
Grund mit violettem oder lilabraunen Myzelfilz bedeckt. Das Myzel im Erd­
boden ist ebenfalls lila.
Fleisch: anfänglich intensiv violett, wird später im Hut und Stiel blasser und
etwas wäßrig. Es riecht eigentümlich süßlich (nach Keks), auch gekocht, und
schmeckt angenehm.
Sporen: blaß, ellipsoid, rauhlieh, 6—8x4—5ym. Staub mit rötlichem Ton
(rötelfarbig).
Der Violette Rötelritterling wächst von September bis November in Laub- und
Nadelwäldern, manchmal auch außerhalb des Waldes, auf Wiesen, sehr häufig,
oft in großen Hexenringen. Er ist ein guter Speisepilz, eignet sich auch sehr gut
zum Konservieren in Essig.
41. Lilastieliger Rötelritterling, Lepista personata. Eßbar Lilatönkű pereszke

Hut und Blätter nie violett, höchstens mit violettem Schimmer!


Hut: weißlichgrau bis blaßbräunlich, selten mit blaßlila Schein, dick und
fleischig, bis 15cm breit.
Blätter: schutzig-weißlich, blaßgrau, blaßbräunlich, lila überhaucht, dicht­
stehend.
Stiel: schön violett gefärbt, kurz und gedrungen, am Grunde verdickt, voll.
Fleisch: weißlichblaß, im Stiel nur in der Rinde violett.
Sporen: farblos, ellipsoid, rauhlich, 7—S x 4—5 ym. Staub graurosa bis blaßlila.
Der Lilastielige Rötel-Ritterling wächst von September bis November außer­
halb des Waldes, auf Wiesen und Weiden, mitunter in großen Hexenringen.
Blaßblauer Rötelritterling, Lepista glaucocana. Eßbar Halványlila pereszke
Hut: blaßblauviolett, weißlichviolett, denn grauviolett, zuletzt ohne violette Farbtöne, fast nur grau. Die
Blätter und der Stiel sind ebenso gefärbt. Der Pilz wächst von September bis Oktober im Laub- und
Nadelwald, besonders im Gebirge.

Fleischbrauner Rötelritterling, Lepista sordida. Eßbar Szürkéslila pereszke


Hut: graurötlichlila (Fliederfarbe) bis fast graubraun, schließlich ohne lila Farbtöne und dann fleischbraun.
Blätter: blaßlila bis lilabraun bis blaß-schokoladenfarben, bald ausblassend, dann schmutzigbraun. Stiel:
schmutzig lilarötlich, blasser als der Hut, schließlich bräunlich, 3—6cm lang, 0,4—0,8cm breit, oft verbogen,
am Grunde meist mit anderen Stielen verwachsen. Der Pilz wächst einzeln oder büschlig meist außerhalb
des Waldes, besonders auf gedüngtem Boden; häufig. Die Rötelritterlinge {Lepista) werden u.a. wegen ihres
rötelfarbigen (schwach rötlichen) Sporenstaubes und ihrer rauhlichen Sporen von den eigentlichen Ritter­
lingen (Tricholöma) abgetrennt.

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42. Maipilz, Mairitterling, Calocybe gambosa. Eßbar Májusi pereszke

Unser bester Frühjahrsritterling! Man hüte sich vor Verwechslung mit dem
ziemlich lange weiß gefärbten, sehr giftigen Ziegelroten Rißpilz oder Mairißpilz.
Hut: weißlich, hell elfenbeinfarben bis blaß ockergelblich, trocken nicht
glänzend; erst halbkuglig mit stark eingerolltem, denn flachgewölbt mit welligem,
etwas aufgebogenem Rand, der oft auf einer Seite hufartig eingebuchtet ist,
4—10 (—17) cm breit, derb, dick, festfleischig.
Blätter: weißlich, schmal, dünn, sehr dichtstehend, hinten abgerundet oder
ausgebuchtet, mit kurzen Zähnchen herablaufend.
Stiel: weißlich bis schwach cremefarben, an der Spitze weißflockig, 4—7cm
lang, 1—3 cm breit, fest, voll.
Fleisch: weiß bis blaßgelblich, fest, riecht stark nach kienigem Holz oder
ranzigem Mehl und schmeckt mehlartig, leicht nach Terpentin.
Sporen: farblos, ellipsoid, 4—7 x 2—3,5 ym. Staub weiß.
Der Pilz wächst von Ende April (23.4. = Georgstag, danach auch Georgs­
ritterling genannt) bis Juni häufig an grasigen Stellen im Walde (besonders
unter Weißdornsträuchern) und auf Triften, in Bogen und in Hexenringen. Er ist
ein recht geschätzter Speisepilz in einer pilzarmen Jahreszeit. Sein Geschmack
ist etwas herb, so daß manche Pilzfreunde ihn vor dem Genuß etwas abkochen.
Neuerdings wird der Mairitterling von echten Ritterlingen (Tricholöma) abgetrennt und mit mehreren
farbenfreudigen Ritterlingen in eine neue Gattung Schönköpfe (Calöcybe) gestellt (auf Grund einer
chemischen Reaktion mit Karminessigsäure, durch die der körnige Basidicninhalt rot gefärbt wird).

43. Ziegelroter Rißpilz, Ziegelroter Faserkopf, Mairißpilz, Téglavörös susulyka


Inocybe erubescens Lebensgefährlich giftig

Ein sehr gefährlicher Giftpilz des Spätfrühlings und Frühsommers, der mitunter
in Gesellschaft von Maipilzen gefunden wird. Er enhält 120 mal so viel Muskarin-
Gift wie der Fliegenpilz!
Hut: anfangs weißlich, wird allmählich blaß strohgelblich, schließlich stellen­
weise, dann überall ziegelrötlich, besonders an Druckstellen und beim Liegen,
zuletzt, wenn überständig, braunrötlich oder fuchsrot. Jung ist er keglig mit
eingerolltem Rand, dann glockig, später ausgebreitet mit stumpfem Buckel,
3—7 (—9) cm breit, radialfaserig, erst im Alter vom Rand her rissig aufspaltend.
Blätter: erst weißlich, dann graugelblich bis rostfarben, schließlich erdbraun bis
olivbraun, an der Schneide weiß, an Druckstellen rötlich gefleckt, gedrängt, am
Stiel erst angeheftet, dann frei.
Stiel: weiß, später rosa bis ziegelrot, 6—7 cm lang, 0,5—lcm breit, gekrümmt,
faserig bis feingestreift, derb, voll, am Grund oft schwach knollig.
Fleisch: weiß, läuft schwach rötlich an, hat milden, später widerlich werdenden
Geschmack und süßlich spirituösen Geruch, im Alter den Spermageruch der
meisten Rißpilze.
Sporen: erdbräunlich, nierenförmig, glatt, 9—12 (—14)x6—8ym. Staub
ockerbräunlich.
Dieser Giftpilz wächst ab Mai, besonders aber im Juni, seltener im Juli und
August unter Gebüsch, in Laubwäldern, Parkanlagen, auf Rasenflächen, gern
auf kalkhaltigem Boden, gesellig, stellenweise häufig.
Seine lebensgefährliche Giftigkeit ist seit 1916 bekannt, als ihn ein Pil/.freund mit Maipilzen verwechselte und
nach seinem Genuß starb. Seitdem sind schon viele Vergiftungen durch diesen Pilz festgestellt worden. Die
Vergiftungserscheinungen machen sich V2 bis etwa 2 Stunden nach dem Genuß bemerkbar mit Speichelfluß,
außerordentlich starkem Schweißausbruch, Schüttelfrost, Gesichtsrötung, Schwindel, großer Übelkeit,
Leibkrämpfen. Durchfall, Sprech- und Sehstörungen. Herzlähmung tritt nach 8—9 Stunden ein. Sofort Magen
entleeren! Die Gattung Rißpilze (Inöcybe. siehe Bd. IV mit 53 abgebildeten Arten) umfaßt ungefähr 160
Arten, von denen die meisten giftig sind.

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44. Mönchskopf, Falber Riesen-Trichterling, Óriás tölcsérgomba
Jung eßbar Infundibulicybe geotropa
Ein stattlicher, blaß ledergelber Triehterling mit Buckel, der mit seinem hohen
Stiel Gras und Blätter überragt und schon von weitem sichtbar ist.
Hut: jung ein kleiner braungelber Kopf, der bald hell lederfarben bis rötlich
ockergelb wird und im Alter ausblaßt. Die Oberhaut ist im feuchten Zustand
glanzlos, trocken dagegen fast glänzend und feinseidig überreift, flockig, mitunter
feinseidig rissig. Erst ist der Hut keglig-glockig und hat einen eingerollten Rand,
dann verflacht er, wird sogar flach trichterförmig, hat aber in der Mitte einen
Buckel und wird 10—20 (—30) cm breit, dabei nicht dick, am Rande sogar in
breiter Zone recht dünnfleischig, im Alter manchmal breit gerieft.
Blätter: weißlich bis falbblaß, lederfarben bis bräunlich, dichtstehend, immer
weit herablaufend, am Hutrande mit vielen kürzeren Blättern untermischt.
Stiel: in der Farbe dem Hut ähnlich, aber heller, oft etwas faserig, am Grund
vom Myzel stark weißfilzig, immer kräftig, fest und voll, im Alter schwammig
ausgestopft, abwärts etwas keulig verdickt, nach oben verjüngt 10—15cm hoch,
1,5—2,5 (—3) cm dick.
Fleisch: im Hut blaß, im Stiel weißlich, elastisch-zäh, immer trocken, beim
Kauen knorplig, mild, Geruch süßlich-aromatisch, mitunter auch nach Bitter­
mandelöl.
Sporen: farblos, rundlich, 6—7 x 5—6um.
Der Falbe Riesen-Triehterling wächst von September bis November, noch
spät im Jahr, in Reihen oder Ringen auf Waldwiesen, an grasigen Waldrändern
unter Gebüsch, auch in lichten Wäldern. Mancherorts häufig, dann meist ge­
sellig, an anderen Stellen (z.B. bei Berlin) fehlend.
Der Falbe Riesen-Trichterling ist jung ein guter Speisepilz, im Alter aber zäh.
Er eignet sich nicht zum Trockenen. Er hat das Aussehen eines riesigen Gelb­
braunen Trichterlings (CI. gibba) und teilt auch dessen aromatischen Geruch
nach Kuchengewürz.
F.in anderer großer Riesen-Trichterling ist der Weiße Riesen-Krempentrichterling, Aspropaxillus
giganteus (Bd. 1/84). Sein großer, rahmweißer bis lederblasser Hut ist trichterförmig, aber stets ungebuckclt.
Er hat einen runzlig-gerieften Rand und wächst meist in Kreisen, auf fetten Wiesen oder Weiden, in Park­
anlagen, an Wegrändern, in lichten Wäldern, besonders im Gebirge. Auch er ist nur jung eßbar.
Die Gattung Trichterlinge, Clitöcybe, umfaßt etwa 100 Arten, von denen aber die meisten recht klein
und schwer zu bestimmen sind. Unter den kleinen weißlichen Trichterlingen sind einige stark giftige
Arten. Deshalb hüte man sich, kleine weißliche Trichterlinge zu Speisezwecken zu sammeln!
Die Trichterlinge haben meist weiße Blätter, die in der Regel am Stiel weit herablaufen, doch ist
dieses Merkmal nicht immer deutlich ausgeprägt, besonders bei den kleinen Trichterlingen (siehe
Bd. 111/168—192). Die Sporen sind meist weißlich und ellipsoid. Übergänge gibt es von den Trichter­
lingen zu den Nabelingen, Omphälina, die ebenfalls herablaufende Blätter haben, aber einen knorplig-
röhrigen Stiel besitzen und in der Hutmitte eng vertieft (genabelt) sind. Neuerdings trennt man von den
Trichterlingen die Krempentrichterlinge, Aspropaxillus ab. Ihr Hutrand ist in der Jugend stark urrfgerollt
(wie bei den Kremplingen, Paxillus).

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45. Keulenfuß-Trichterling, Ampulloclitocybe clavipes Duzzadttönkű tölcsérgomba
Eßbar, jedoch in Verbindung mit Alkohol giftig
Ein graubräunlicher, mittelgroßer Trichterling. Sein Fleisch ist schwammig-
wäßrig, so daß man es wie einen Schwamm ausdrücken kann.
Hut: graubraun, rauchbraun, gelblichgrau, oft ausgeblaßt, am Rand auch weiß- .
lieh, flachgewölbt, in der Mitte gebuckelt, 4—7cm breit, weichfleischig mit sehr
dünnem Rand.
Blätter: graugelblichweiß, nicht besonders dichtstehend, untermischt, gegabelt,
weit herablaufend.
Stiel: blaß graubräunlich, etwas faserig, unten filzig, schwammig und keulig
angeschwollen, 4—8cm lang, 1—2cm breit.
Fleisch: trocken weiß, feucht wäßrig-grau, schmeckt mild und riecht angenehm
süßlich, schwach nach Zimt.
Sporen: farblos, ellipsoid, 6—7x3—5 ym. Staub gelbweißlich.
Der Keulenfuß-Trichterling wächst von Juli bis November besonders im Moos
der Kiefernwälder, auch am Rande der Waldwiesen und in Laubwäldern, sehr
häufig. Er hat infolge seines schwammigen, wäßrigen Fleisches nur geringen
Speisewert. In Verbindung mit Alkoholgenuß ruft er die gleichen Vergiftungs­
erscheinungen wie der Graue Tintling (Nr. 23) hervor.

46. Graukappe, Nebelgrauer Trichterling, Herbstblattl, Szürke tölcsérgomba


Clitocybe nebularis Bedingt eßbar; roh giftig

Ein auffallender Pilz des Spätherbstes, der noch im November, bis zum Frost, in
Mengen erscheint, oft in Kreisen. Er ist nicht allen Pilzfreunden zuträglich.
Hut: feucht dunkelgrau, bräunlichgrau bis gelblichgrau, trocken hell aschgrau,
oft fast weiß. Er bekommt schließlich, besonders beim Liegen, einen schimmel­
artigen, filzigen, weißen, abwischbaren Überzug, der durch Herauswuchcrn von
Pilzhyphen entsteht. Diese überwuchern oft Nadeln, dünne Ästchen und Blatt­
reste. Jung ist der Hut stark gewölbt und hat einen eingerollten Rand. Später wird
der Hut flach und ist zuletzt schwach trichterförmig vertieft, wobei er einen w ellig­
verbogenen Rand hat. Anfangs hat der Hut nur einen Durchmesser von 6 cm, wird
dann aber 12—18cm breit, ln der Mitte ist er dickfleischig.
Blätter: weißlich bis blaß ockergelblich, dichtstehend, nur kurz, am Stiel herab­
laufend.
Stiel: blaß weißlich bis hellgrau, oft faserig gerillt oder bereift, am Grund durch
wattig wucherndes Myzel mit Erde und Stengelteilchen verwachsen, bald kurz und
dick, bald etwas schlanker, besonders nach unten verstärkt, 5—10 cm hoch und
1 'h—4cm dick, voll, doch locker-markig, seltener mit Hohlraum.
Fleisch: jung weiß und fest, später weich. Geruch aufdringlich süßlich-würzig,
für manchen unangenehm.
Sporen: farblos, ellipsoid, 6—7x3 ym. Staub reinweiß.
Der Nebelgraue Trichterling wächst von September bis November im Laub- und
Nadelwald, in Parkanlagen, unter Gebüsch im Fallaub, in Bogen oder Kreisen.
Er kann als Mischpilz genommen werden, doch empfiehlt es sich nicht, zu große
Mengen von ihm zu essen!
Ähnlich ist der Veilchen-Ritterling Lepista irina (Bd. 111/2 19), der übrigens nicht nach Veilchen duftet,
sondern nach dem Wurzelstock von Iris florentina, der „Veilchenwurzel“ der Apotheken. Er ist falbblaß, hat
die typische Haltung eines Ritterlings, nicht herablaufende Blätter. Auch erwächst in Hexenringen im Herbst.

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47. Grüner Anis-Trichterling, Clitocybe odora Eßbar Zöld ánizsgomba

Ein durch seine Farbe und seinen Geruch auffallender Trichterling mit bläulich­
grünen, später gelblichen Farbtönen und starkem Anisgeruch.
Hut: bläulichgrün oder grünspanfarben, verblaßt vom Rand her schmutzig gelblich,
gelbgrünlich oder gelbgraulich. Er faßt sich feucht an, ist erst gewölbt, dann verflacht,
schließlich etwas trichterig vertieft, bleibt aber in der Mitte meist gebuckelt und wird 4—8
(—10) cm breit. Der Rand ist anfangs eingerollt, zuletzt aufgebogen und wellig-geschweift.
Blätter: blaßgrünlich, heller als der Hut, später graugelblich, wenig gedrängt,
breit angewachsen oder etwas am Stiel herablaufend.
Stiel: blaßgrün bis blaß graugrünlich, dünn, am Grund etwas verdickt und weiß­
filzig, mit weißlichem Myzel dem Substrat (Blättern, Erdreich) aufsitzend und es
zusammenballend; 4—7cm lang und 0,5—1 cm breit; zuletzt hohl.
Fleisch: ebenfalls blaßgrünlich. Es hat einen starken Anisgeruch, der noch im
fertig zubereiteten Pilzgericht störend sein kann und nicht jedem zusagt.
Sporen: farblos, ellipsoid, 6— 7x3—4^m. Sporenstaub rötlich.
Der Anis-Trichterling wächst von August bis November im Laub- und Nadel­
wald, besonders zwischen moderndem Buchenlaub, gesellig, häufig.
Stark nach Anis riecht auch ein anderer kleinerer Trichtcrling, der Duft-
Illatos tölcsérgomba
Trichterling, Clitocybe fragrans,
mit lederblassem, am Rand gerieftem Hut, der 2—4cm breit ist (Bd. III/178). Er ist giftig!

48. Fuchsiger Trichterling, Paralepista flaccida. Eßbar Rozsdasárga tölcsérgomba


Ein fuchsroter Trichterling des Spätherbstes.
Hut: rotbraun, später blasser bis trüb rötlichgelb, oft etwas glänzend, 5—10cm
breit, in der Mitte genabelt bis trichterförmig, in Wuchs und Aussehen sehr
wechselnd. Bei büschligem Wachstum ist er meist unregelmäßig verbogen. Der
Rand ist lange eingerollt, dann wellig-geschweift, flatterig und dünn.
Blätter: blaß weißlich, später blaß rötlichgelb, schließlich fuchsigrot, einfach
oder z.T. gegabelt, sichelförmig, schmal, dünn, weich, gedrängt, am Stiel weit
herablaufend.
Stiel: gleichfarbig, oft faserig berindet, von unten herauf von dem weißlichen,
zottig-filzigen Myzel dicht überwuchert und mit Fremdkörpern verfilzt, meist
kurz, 2—5 cm lang, sehr ungleichmäßig breit, voll oder hohl, elastisch, etwas starr,
nicht immer zentral stehend.
Fleisch: blaßgelblich bis blaß rotbräunlich, zäh, elastisch, im Alter weich und
zerbrechlich. Geruch und Geschmack sind frisch holzartig, herbsäuerlich, etwas*
streng und bitterlich. Natronlauge färbt Hutoberhaut und Fleisch satt zitronengelb.
Sporen: farblos, kurz ellipsoid, feinwarzig, 4—5 x 3—3,3 ym. Staub reinweiß.
Der Fuchsige Trichterling wächst von September bis November besonders in
Nadel-, seltener in Laubwäldern, meist gedrängt oder rasig, wobei Stiele und Hüte
vielfach miteinander verwachsen sind. Er erscheint aber auch in Bögen oder in
Hexenringen. — Scharf gebraten ist er von angenehmem, aromatischem, aber
leicht bitterlichem Geschmack und bleibt etwas zählich.

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49. Fleischroter Bläuling, Rötlicher Lacktrichterling, Húsbarna pénzecskegomba
Laccaria laccata. Eßbar

Kleinere Pilze mit rosabräunlichem, trockenem Hut und rosafarbenen, dicklichen,


entfernten Blättern. Sporen kugelrund, fein stachelig.
Hut: fleischfarben, rosabräunlich, rötlichbraun; trocken, jung glatt und kahl,
später feinschuppig aufbrechend, gewölbt, später niedergedrückt, 1—5 cm breit,
sehr dünnfleischig. Rand oft wellig bis gekräuselt.
Blätter: fleischrosa, schließlich von Sporen weiß bestäubt, dicklich, entfernt, mit
Zwischenlamellen, mitunter gegabelt oder quer verbunden; am Stiel breit ange­
wachsen bis schwach herablaufend oder ausgebuchtct.
Stiel: rötlichbraun bis braunrosa, faserig gestreift, schlank, steif oder verbogen,
2—8cm hoch, 2—6cm dick, ausgestopft bis enghohl, an der Basis mil weißem Filz
überzogen.
Fleisch: weich, fleischrötlich; mit mildem Geschmack und schwach würzigem
Geruch.
Sporen: kugelig, feinstachelig, farblos, 8—9ym Durchmesser. Staub weiß bis
sehr blaß lila.
Die Pilze wachsen von Juni bis November im Laub- und Nadelwald, in Park­
anlagen, meist häufig und gesellig. Sie sind eßbar, aber wegen des schwachen
Geschmacks und der etwas zähen Stiele geringwertig.

49a. Zwerg-Bläuling, Laccaria tortilis. Eßbar Apró pénzecskegomba

Ein winziger Bläuling mit rosarotem Hut. der häutig und höchstens 2 cm breit ist. Blätter fleischrosa. Stiel bis
11mm lang und bis 1,5mm dick. Die Sporen sind kugelig, 10—16ym Durchmesser, mit langen, farblosen
Stacheln besetzt.
Wächst nicht selten an Waldwegen, in Parkrasen; wegen seiner Kleinheit praktisch bedeutungslos.

50. Violetter Bläuling, Amethystblauer Lacktrichterling, Lila pénzecskegomba


Laccaria amethystina. Eßbar

Durchweg schön amethystblau bis violett (ebenso das Myzel); später blaßt der Hut grauweißlich aus. Alt
unangenehm süßlich riechend. Sporen annähernd kugelig, 8—10 ym Durchmesser, kurzstachelig.
Wächst von August bis Anfang November im Laubwald, oft in großen Mengen.
Die Gattung der Bläulinge (Laccäria), etwa 11 Arten, ist durch dickliche Blätter und etwa kugelige,
warzige bis stachelige Sporen charakterisiert. Ähnliche, aber giftige Blätterpilze sind der Rettich-Helmling,
Mycena püra, mit weißen Blättern und Rettichgeruch, sowie der Seidige Rifipilz, Inocybe geophylla var.
lilacina, mit braunen Blättern und Spermageruch, beide mit engstehenden Blättern (Bd. III /122 und Bd. I V/58a).

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51. Küchen-Schwindling, Knohlauchpilz, Mousseron, Barnatönkű fokhagymagomba
Mycetinis scorodonius Gewürzpilz

Nicht durch bunte Farben, wohl aber durch seinen auffallenden, würzigen Geruch
nach Knoblauch schon in einiger Entfernung wahrzunehmen. Von jeher ein be­
liebter Gewürzpilz, insbesondere für Hammelbraten.
Hut: hellederbräunlich, blaß rotbraun, ausblassend, dann fast weißlich, wellig
verbogen, kraus, flatterig, I—3 cm breit, dünn. zäh.
Blätter: weißlich, trocken, kraus, ziemlich entferntstehend und dick, am Grunde
öfter aderig verbunden, verschmälcrt-angewachsen.
Stiel: dunkelrotbraun oder braunschwarz, nach oben heller, glänzend, hornartig,
zäh, 5 cm hoch, bis 0,2cm dick, röhrig.
Fleisch: zäh, mit starkem Knoblauchgeruch, besonders bei Regen und beim
Einweichen.
Sporen: lanzettlich, an einem Ende ausspitzend, 5—7x3—5ym. Staub weiß.
Diese Gewürzpilze wachsen von Juni bis Oktober an Graswurzeln, an Wald­
rändern, auf Grasplätzen, nach starken Regengüssen oft massenhaft. Die Pilze
faulen nicht leicht, bei Trockenheit schrumpfen sie wie alle Schwindlinge und
werden dann meist übersehen, bei feuchter Witterung dagegen leben sie wieder auf.
Der Mousseron wird oft mit dem ähnlichen Nadel-Schwindling, Micrömphale perforans (Bd. 111/135), ver- ■
wechselt, der wie gesät auf Fichtennadcln wächst, aber kaum nach Knoblauch riecht; außerdem mit dem winzigen
Rofthaar-Schwindling, Mar. androsäceus (Bd. III/134), der einen langen, fadendünnen, schwarzen Stiel hat und
geruchlos ist. — Unerträglich scharfen Knoblauchgeruch hat der Große Knoblauch-Schwindling, Mar. ;
prasiösmus (Bd. III 124), mit einem bis zu 8cm langen Stiel. F.r wächst zwischen abgefallenen Kichenblättern
im Spätherbst.

52. Nelken-Schwindling, Marasmius oreades. Eßbar Mezei szegfűgomba

Der Nelken-Schwindling riecht nicht nach Gewürznelken, sondern stark nach Blau­
säure (Bittermandelöl, Kuchengewürz). Er wächst oft in Kreisen (Hexenringen).
Sein Name bedeutet „Nagel“-schwindling (steife Gestalt!).
Hut: blaßgraugelb oder blaßockergelb, feucht blaßbraun, in der Mitte rötlich­
bräunlich, anfangs flach-glockig, am Rand umgebogen, später ausgebreitet, mit
schwachem Buckel, wellig-verbogen, .3—6cm breit, zäh, elastisch, schwach
fleischig.
Blätter: weißlich bis hell holzfarben, feucht etwas dunkler, weitstehend, am
Grund oft aderig verbunden, dick, am Stiel abgerundet.
Stiel: blaß, fein flaumig, am Grunde weißzottig, schlank, steif, 4—7cm hoch,
0,3—0.5cm dick, voll, zäh.
Fleisch: weißlich bis blaß gelblich.
Sporen: lanzettisch-spindlig, 7—9x4—5 ym. Staub weiß. '
Die Nelken-Schwindlinge wachsen häufig von Mai bis November im Grase, auf
Triften, in lichten, grasigen Wäldern einzeln oder truppweise, oft auch in Reihen
oder Hexenringen. Sic schrumpfen ebenso wie der Mousseron bei Trockenheit ein
und leben bei Feuchtigkeit wieder auf.
Sie sind vorzügliche Suppen- und Gemüsepilze (ohne die zähen Stiele) und
getrocknet als Würze für Soßen geeignet.
Diese Pilze dürfen nicht mit den giftigen, kleinen Rißpilzarten (inocybe) (Bd.IV)
verwechselt werden, die jung auch blasse Blätter haben können. Meist haben diese
Pilze besonders im Altereinen widerlichen Geruch. Durch ihren hohen Muskarin­
gehalt sind sie sehr giftig! Erstes Anzeichen einer Vergiftung ist starker Schweiß­
ausbruch. Auch vor der Verwechslung mit den kleinen weißen Gifttrichterlingen
(Clitöcybe) ist zu warnen! (Bd. I. 90—92).

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53.Edel-Reizker, Echter Reizker, Lactarius deliciosus Eßbar Ízletes rizike

Einer der wertvollsten Speisepilze, der aber nur gebraten, nicht geschmort
werden sollte; durch seine orangerote Milch, die bei Verletzung austritt, sehr
auffallend. Hut, Blätter und Stiel werden an verletzten Stellen dunkelgrün.
Hut: ziegel- oder orangerot mit dunkleren konzentrischen, im Alter grünfleckig
werdenden Kreisen, kahl, glatt, anfangs gewölbt und genabelt, schließlich breit
trichterförmig (5—14cm), mit erst eingerolltem, schwach filzigem Rand.
Stiel: dem Hute gleichfarbig, 3—9cm hoch, I—2cm dick, brüchig, bald hohl,
alt sehr madig.
Fleisch: im Hut rahmgelblich, im Stielmark weißlich, erscheint aber durch die
ausquellende Milch, besonders am Rande des Stiels, lebhaft karottenrot wie
die Milch, die allmählich verblaßt und nach Stunden graugrünlichbläulich wird,
ebenso das Fleisch. Dieses ist locker und brüchig, riecht würzig, schmeckt ange­
nehm, nach einiger Zeit herb.
Sporen: blaß fleischfarben, länglichrund, 7—9x6—7ym, warzig und grätig.
Staub hellocker.
Der Pilz wächst von Juli bis November, meist truppweise, vorwiegend unter
Kiefern, in Schonungen, oft in Mengen in einzelnen Waldteilen, an Graben-
und Wegrändern, häufig in Mittel- und Osteuropa, andernorts dagegen fehlend.
Der Edel-Reizker ist sehr wohlschmeckend im Gegensatz zu den folgenden.
Er schmeckt am besten als Schnitzel zubereitet, ungewaschen mit Mehl paniert
gebraten, kann aber auch gekocht, in Essig eingelegt und als Salatpilz verwendet
werden, insbesondere junge Hüte.
Sehr ähnlich ist der Fichten-Reizker, Lact, deterrimus, nur mittelgroß, bis 10cm, düster orangefleisch­
rötlich, stark grün, besonders nach dem Rand zu grünend, bisweilen von Anfang an grün. Milch hell-
orange, nach einiger Zeit weinrot-violett verfärbend. Fleisch mit unangenehmem, bitterem Beigeschmack.
Er wächst unter Fichten, in Mittel- und Westeuropa häufig.
Auf Kalkboden, unter Kiefern, wächst der Blut-Reizker, Lact, sanguifluus, mit violettlichen Tönungen;
Milch trübweinrot, violett werdend; Blätter blaßocker, bald weinrötlich, verletzt grünfleckend. Stiel lila
überhaucht.
Im Gebirge findet man den Lachs-Reizker, Lact, salmonkolor, bis 17cm breit, wenig grünend, Fleisch
und Milch lebhaft orange, unveränderlich; unter Tannen.

54. Birken-Reizker, Falscher Reizker, Zotten-Reizker, Nyírfa-szőrgomba


Lactarius torminösus. Eßbar nach Vorbehandlung

Ein roh giftiger, aber nach geeigneter Zubereitung „genießbarer“ Reizker. Er


wächst nur unter Birken, ist kenntlich an seiner rosagelben Hutfarbe, seinem
zottigen, eingerollten Rand und an seiner weißen, scharfen Milch.
Hut: gelbrosa, oft ausgeblaßt, mehr oder weniger deutlich ziegelrot gezont,
besitzt einen stark eingerollten, sehr filzigen Rand und ist 5—11 cm breit.
Blätter: rosagelblich, dünn, schmal, laufen etwas herab.
Stiel: blaßrosa, mit schwach-grubigen Flecken, 4—8cm hoch, 1—3cm dick,
im Alter hohl.
Fleisch: weiß, unter der Huthaut rötlichweiß, sehr porös, locker und brüchig,
sondert bei Verletzung reichlich einen scharfen, weißen Milchsaft ab.
Sporen: blaßgelblich, länglichrund, 8—10x6—7ym, kleinwarzig und grätig.
Staub blaßgelblich.
Der Pilz wächst von August bis Oktober nur unter Birken, sehr häufig. Er
ist verwendbar, wenn er gewässert und danach 20 Minuten abgekocht und das
Kochwasser weggegossen wird. In Essig eingelegt, wird er als Salatpilz ver­
wendet, oder man salzt ihn ein. So werden in Osteuropa fast alle scharfen
Milehlinge verwertet!
Fortsetzung s. S. 197

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55.Rotbrauner Reizker, Braunroter Milchling, Paprikapilz, Rőt tejelőgomba
Lactarius rüfus. Nur nach besonderer Zubereitung eßbar

Ein außerordentlich scharfer Milchling, dessen beißende Schärfe man erst merkt, !
wenn man ein kleines Stück eine Weile gekaut hat! Er kann in großen Mengen
gesammelt werden und wird, richtig zubereitet, von manchen sogar für eine
Delikatesse gehalten.
Hut: rotbraun bis braunrot, mattglänzend, trocken, ungezont. starr und brüchig, ;
flachgewölbt, dann niedergedrückt und schließlich trichterförmig, aber mit
kleinem, spitzem Buckel in der Mitte, 4—10cm breit, hat anfangs einen ein­
gerollten Rand.
Blätter: erst blaßgelbrötlich, dann rostbräunlich, engstehend, am Stiel etwas
herablaufend.
Stiel: hellbraun, glatt, am Grunde filzig, voll, im Alter oft hohl, starr, brüchig,
5—7cm lang, 0,8—1,2cm breit.
Flei sch: blaß rotbräunlich, enthält reichlich weiße Milch mit nachhaltig bren­nendem,
paprikaähnlichem Geschmack und mit eingenartigem, für die Art sehr charakteristischem
Geruch nach harzigem Holz.
Sporen: farblos, länglichrund, 8—9 x 6—7 ym, warzig. Staub weißlich.
Der Rotbraune Milchling wächst von Juli bis November in allen Nadelwäldern,
oft in großen Mengen.
Einzelne Pilze können in Mischgerichten Verwendung finden, bei größeren
Mengen sind 12 ständiges Wässern und darauf 10 Minuten langes Abkochen
in Salzwaser (Kochwasser weggießen) nötig. Dann scharf braten oder in gesüßten
Essig einlegcn. Der Pilz wird in Osteuropa viel gegessen.
Sehr ähnlich und häufig mit ihm verwechselt: vörösbarna tejelőgomba
Eichen-Milchling, Lact, quietus. Eßbar. Dieser Pilz wächst vor allem unter Eichen, oft in großer Zahl.
Er hat keinen Buckel, ist ungezont oder schwach gezont und ziegelrötlich bis fast zimtbraun. Die
Milch ist nicht reinweiß wie bei dem vorigen, sondern schon anfangs blaßgelblich, dann hellgelb.
Sie schmeckt mild oder schwach brennend und hinterläßt einen kratzenden Nachgeschmack. Der
Pilz riecht nach altem Fett oder Blattwanzen, besonders alte, getrocknete Fruchtkörper. Nach kurzem .
Abbrühen ist er gut eßbar!

56. Brätling, Lactifluus volemus. Eßbar Kenyérgomba

Ein vorzüglicher Speisepilz bei richtiger Zubereitung: Trocken und nicht zer­
schnitten braten!
Hut: orangebraun, gelbbraun, ungezont, trocken, glanzlos, kahl oder last
samtig, oft rissig, erst flachgewölbt, später niedergedrückt, mit zuerst einge­
rolltem. dann verbogenem Rand, 5—10 (—16) cm breit.
Blätter: blaßgelb, bei Druck braunfleckig, mäßig dichtstehend, dicklich, starr,
wenn verletzt, reichlich weiße, milde Milch absondernd.
Stiel: etw as blasser, zart bereift, fest und starr, voll, 4— 10cm hoch, 1—3 cm dick.
Fleisch: blaß, härtlich. mit weißer, an der Luft braun werdender Milch. 15er
Geruch ist schwach heringsartig, der Geschmack erst süßlich, später widerlich.
Sporen: farblos, rundlich, 8—9ym. warzig, kräftig, grätig. Staub weißblaß.
Der Brätling wächst von Juli bis November in Laub- und Nadelwäldern, nicht
selten, in manchen Gegenden dagegen fehlt er. Sehr häufig ist er in den Fichten­
wäldern der Gebirge anzutreffen.
Er ist schmackhaft, wenn paniert und kurz und schnell gebraten! Gekocht
schmeckt er unangenehm leimartig.

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57. Bruch-Reizker, Filziger Milchling, Lactarius helvus Daróc-tejelőgomba
Schwach giftig, aber getrocknet in kleinen Mengen ein ausgezeichneter Gewürz­
pilz!
Ein würzig riechender, gelbrötlicher Milchling, der aber keine farbige, weiße
oder rote Milch enthält, sondern nur einen wäßrigen Saft. Er riecht getrocknet
sehr stark nach Liebstöckel.
Hut: gelbrötlich bis graurötlieh, schließlich ledergelb, feinschuppig-filzig, in
der Mitte körnig-flockig, matt, nicht gezont, trocken, flach niedergedrückt bis |
trichterförmig, 5—16cm breit.
Blätter: erst blaß, schließlich rötlich ockergelb, ziemlich dicht stehend, am
Stiel wenig herablaufend.
Stiel: blaßrötlichgelb, bereift, unten zottig, 4—8cm lang, 1—2cm breit, voll, !
später hohl.
Fleisch: gelblichblaß, starr, brüchig, im Alter mürbe.
Sporen: farblos, länglichrund, netzig, 7 —9 x 6— 7 ym . Staub weißlich.
Der Filzige Milchling kommt von Juli bis Oktober an feuchten, moosigen
Stellen in Nadelwäldern (in Brüchen), besonders in Torfsümpfen, zuweilen auch
an trockneren Standorten, aber stets auf saurem Boden, vor.
Getrocknet ist der Filzige Milchling ein ausgezeichneter Gewürzpilz. Man zermahlt ihn zu Pulver |
und gibt etwas davon an Suppen und Soßen, denen es einen kräftigen, würzigen Geschmack verleiht. }
Das Pilzpulver muß in gut verschlossenen Büchsen aufbewahrt werden. Als Gemüse genossen wirkt er ]
schädlich, erregt Übelkeit. Erbrechen und Schwindelanfälle, doch nur vorübergehend.
Der Kampfer-Milchling, Lact, camphoratus, Kámfor-tejelőgomba
hat trocken einen ähnlichen, an Zichorien erinnernden Geruch, 1 aber kleineren, ziegelbraunen Hut und violettbr
aunen Stiel. Er kann ebenso verwendet werden.

58. Wolliger Milchling. Erdschieber, Lactifluus vellereus Pelyhes keserűgomba


Nur nach besonderer Zubereitung eßbar; nicht zu empfehlen!
Ein auffallend großer, weißer, aber meist durch Erde verschmutzter Milchling,
der weiße, sehr scharfe Milch enthält, solange er frisch ist. Er kommt in großen
Mengen vor.
Hut: kalkweiß bis ockergelblich, anfangs wollig-flaumig, am Rand dicht wollig-
filzig, später kahler, trocken, gewölbt, dann genabelt, schließlich ausgebreitet mit
schüsselförmiger Vertiefung, wellig geschweiftem, scharfem Rand, 10—25 cm
breit, sehr starr, derbfleischig.
Blätter: weißlich, fleckig, entferntstehend, oft gegabelt, dick und starr, am
Stiel etwas herablaufend.
Stiel: weiß, flaumig bis zartfilzig, später kahl, derb und voll, 2—6cm hoch,
3—5cm dick.
Fleisch: weißlich, derb und hart, körnig. Die reichliche Milch ist weiß, sehr
scharf, brennend.
Sporen: rundlich, warzig-gratig. 9—10 x 6—9|xm. Staub weiß. '
Der Wollige Milchling kommt von August bis November häufig in Laub­
und Nadelwäldern vor.
Er wird kaum gegessen, kann allerdings abgekocht und dann gerieben zu
Pilzklopsen verwendet werden. Nach längerem Wässern kann man ihm in dünne
Scheiben schneiden und scharf braten. Er schmeckt leicht bitter.
Der I’feffer-Milchling, Lact, piperätus, ist ganz weiß, hat sehr dichte Blätter und kahlen glatten Hut.
wächst nur unter Buchen. Scharf gebraten ist er eßbar. Wässern ist bei ihm nicht erforderlich.
Der ßlauhlättrigc Täubling, Russula delica, ebenfalls Erdschieber genannt, hat weißgelblichen Hui und
weiße, bläulich schimmernde Blätter, ohne Milch; besonders im Buchenwald. Er kann mit trockenen,
milchlosen Wolligen Milchlingen leicht verwechselt werden. Ungenießbar.

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59. Grasgrüner Täubling, Grüner Birken-Täubling, Fűzöld galambgomba
Russula aeruginea. Eßbar

Ein grüner, milder Täubling, der unter Birken wächst, dessen grüne Farbe aber
oft verblaßt ist.
Hut: grün bis graugrün, am Rand häufig heller, zuweilen gänzlich ausgeblaßt,
dann fast weiß, etwas schmierig, 5 — 12cm breit. Die Oberhaut ist bis zur Hallte
abziehbar.
Blätter: anfangs fast weiß, dann gelblichweiß, zuletzt buttergelb, oft gegabelt
oder am Grunde aderig verbunden.
Stiel: weiß, fest, voll, 5—8cm lang, 1— 2cm breit, stets ohne Manschette und
Knolle, im Gegensatz zum Grünen Knollenblätterpilz.
Fleisch: weiß, bei jungen Pilzen ziemlich starr und fest, bei älteren mürbe und
krümlig, geruchlos, im Geschmack mild, aber in den Blättern etwas scharf.
Sporen: gelblich, fast kuglig, kurzstachlig, 8 X 7ym. Staub satt creme.
Der Grüne Birken-Täubling kommt von Juli bis Oktober unter Birken, aber
auch im Nadelwald vor, sehr häufig. Ein guter, leicht erkennbarer Speisepilz,
als Mischpilz gut verwendbar.

60. Grünschuppiger Täubling, Gefelderter Täubling, Varashátú galambgomba


Russula virescens. Eßbar

Ein sehr kräftiger, starrer Täubling mit feldrig-rissiger Oberhaut, besonders


im Eichenwald.
Hut: hell oder dunkel spangrün, manchmal aber gelblich oder weißlich ver­
blaßt, zuerst kuglig, schließlich ausgebreitet, mit trockener, schorfartiger, kleiig-
warziger bis felderig-schuppigcr Oberhaut, am Rand stumpf, oft breithöckerig
gerippt, groß und ziemlich starr, 6—15cm breit.
Blätter: blaß, etwas gabelig, fast entfernt, spröde, bröcklig.
Stiel: weiß, jung bereift, kräftig, 3—9cm lang, 2—2,5cm breit, fest und voll,
schließlich krümlig.
Fleisch: weiß, starr, mürbe, von mildem Geschmack und schwachem, süßlichem,
beim Vergehen etwas heringsartigem Geruch.
Sporen: blaß, rundlich, punktiert bis kleinstachlig, 8x7 ym; Staub blaß.
Der Grünschuppige Täubling kommt von Juli bis September unter Eichen,
Birken und Tannen vor; nicht überall häufig.
Er ist wohlschmeckend, gebraten sowie roh als Salat schmackhaft, jung auch
zum Sterilisieren und zum Einlegen in Essig geeignet.
Grüne Täublinge dürfen nicht mit Grünen Knollenblätterpilzen verwechselt
werden, die einen Ring am Stiel und eine Knolle am Stielende haben.
Die Gattung der Täublinge, Russula, umfaßt etwa 170 Arten, etwa die Hälfte davon hat scharfes Flefcch.
Die Täublinge sind, abgesehen von wenigen Ausnahmen, zu erkennen an ihrer Sprödigkeit und Bröcklig­
keit; besonders die Blätter splittern, wenn man mit dem Finger dariiberfährt. Eine Knolle oder ein Ring
sind niemals vorhanden, ebensowenig eine Hülle oder Hüllreste. Die meisten Täublinge zeigen in der Natur
recht bunte Farben, rote Farbtöne sind vorherrschend, doch trifft man auch grüne, gelbe, blaue und violette.
Die Sporen der Täublinge sind gekennzeichnet durch Warzen und Stacheln, die sich in Jodlösung blau
färben und dann oft noch feine netz- bis gratförmige Verbindungslinien erkennen lassen. Sie sind meist
kuglig und messen 8—10ym mit Abweichungen nach oben und unten.
Für die Bestimmung der Täublingsarten ist neben dem Geschmack die Farbe des Sporenstaubes am
wichtigsten, die etwa fünf deutliche, für jede Art konstante Abstufungen unterscheiden läßt (weiß [blaß];
creme [sahnegelb]; buttergelb; hellockergelb; dottergelb). Es gehört schon sehr viel Übung dazu, die Staub­
farbe nach der Farbe der Blätter oder der auf ihnen liegenden Sporenhäufchen (mittels Lupe) annähernd
abzuschätzen (siehe Bd. V).

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61. Frauen-Täubling, Violettgrüner Täubling, Kékhátú galambgomba
Eßbar Russula cyanoxantha
Der Frauen-Täubling ist ein wertvoller, sehr schmackhafter Pilz, der oft im
Buchenwalde zu finden ist. Er bildet eine Ausnahme unter den Täublingen in
bezug auf die Beschaffenheit seiner Blätter. Die Blätter sind weiß, weich, biegsam
und verkleben gegeneinander.
Hut: jung oft schiefergrau, später mehr violett und grün, bunt gemischt oder
auch einfarbig-grün oder violett, meist durch eingewachsene dunkle Fasern
radialaderig, schmierig. 6— 18 cm breit, flach und niedergedrückt, in der Mitte auch
vertieft, mit abziehbarer Oberhaut.
Blätter: reinweiß, im Alter etwas gilbend, oft etwas*herablaufend. ziemlich
gedrängt, dann locker, weich, speckig anzufühlen, viel weniger brüchig als bei
den anderen Täublingen.
Stiel: weiß, manchmal blaßlila überhaucht, walzig, 5—12cm lang, 2—3cm dick,
voll und fest, oft wurzelnd.
Fleisch: weiß, geruchlos, mild und angenehm schmeckend.
Sporen: farblos, fast rund, punktiert, 7—10 x 7—8 (.im. Staub reinweiß.
Der Violettgrüne Täubling wächst von Juli bis Oktober in Laub- und Nadel­
wäldern. meist unter Buchen, im Flachlande wie im Gebirge verbreitet.
62. Graugrüner Täubling, Russula ionochlora Papagáj-galambgomba
Eßbar (nicht abgebildet)
Ähnlich dem vorigen, mit cremefarbenen Blättern. Er wächst meist unter Buchen, auch unter Linden. Am
Rand ist er graulila, in der Mitte olivgelblich oder auch vollkommen lila, nur mittelgroß, erheblich kleiner als
der Frauen-Täubling. Beide werden auch wegen ihrer bunten Farbe Papagei-Täublinge genannt.

63. Orangeroter Graustiel-Täubling (links), Tarkahúsú galambgomba


Eßbar Russula decolorans
Hut: orange-gelbrot, gelblich verbleichend, feucht klebrig, anfangs fast kuglig, dann abgeflacht, 5—12cm
breit, fest, fleischig, am Rand dünn, im Alter schwach gerieft.
Blätter: hell gelblichweiß, später buttergelb mit grauen bis schwärzlich anlaufenden Schneiden.
Stiel: erst weiß, dann grau, besonders innen, oft lang und stark, 2—10cm hoch, 1,2—2,5cm dick, runzlig,
innen zuletzt schwammig.
Fleisch: weiß, zuletzt grau bis dunkelgrau, besonders im Stiel fast schwarzgrau, geruchlos, mild.
Sporen: gelblich, sehr groß, grobwarzig, 10—14x6—12(xm, fast rundlich. Staub hellocker.
Der Pilz wächst von Juli bis Oktober im Nadelwald. Er ist ein guter Speisepilz.

64. Chromgelber Täubling (Mitte), Russula claroflava. Eßbar Krómsárga galambgomba


Hut: leuchtend Chromgelb, halbkuglig-abgeflacht, bis 10cm breit, der Rand ist zuletzt leicht streifig.
Blätter: erst blaß zitronengelb, dann blaß ockergelb, graulich verfärbend.
Stiel: weißlich, grau verfärbend, im Fleisch sogar schwärzend, 3—6cm lang, 1—2,2cm breit.
Fleisch: erst weiß, dann grauend, unter der Huthaut gelb, geruchlos oder mit schwachem Honiggeruch, mild.
Sporen: gelblich, fast rundlich, feinwarzig, 8—10x7—8(im. Staub hellocker.
Der Pilz wächst von Juli bis Oktober truppweise unter Birken und Erlen, besonders an feuchten Stellen.
Er ist schmackhaft. Nördliche Art.

65. Gelbweißer Täubling (rechts), Russula ochroleuca Eßbar Fakósárga galambgomba


Hut: ockergelb, auch blasser, altgold oder zitronenfarben, mitunter graugrün überlaufen, matt, feucht
schmierig-klebrig, erst gewölbt, dann ausgebreitet mit vertiefter Mitte, 4—10cm breit. Der Rand ist zuletzt
gerieft bis höckerig-gefurcht. Die Oberhaut ist halb abziehbar.
Blätter: weißlich, später gelblichweiß, im Alter schwaeh bräunend, wenig gedrängt, bröcklig.
Stiel: weiß, später gelblichweiß, mitunter gelbkörnig, im Alter leicht grauend.
Fleisch: weißlich, im Alter hellgrau, besonders unter der Stielrinde. Der Geruch ist obstartig, der Ge­
schmack zuerst ziemlich scharf, bald aber nachlassend, beim Schmoren verliert sich die Schärfe.
Sporen: farblos, ellipsoid, warzig, 9—11x8—9um. Staub fast weiß.
Der Pilz wächst von Juli bis November auf saurem Boden im Laub- und Nadelwald, recht häufig. Er ist als
Mischpilz gut brauchbar!

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66. Speise-Täubling, Russula vesca. Eßbar Ráncos galambgomba

Ein fleischroter, recht schmackhafter Täubling, der nußartig schmeckt.


Hut: fleischrötlich bis fleischbräunlich, häufig graufleckig ausgeblaßt, 6—10cm
breit, festfleischig, dick. Die Oberhaut ist nur bis zur Hälfte abziehbar, wird von
den Blättern überragt.
Blätter: weiß, engstehend, dünn, manchmal rostfleckig, nach dem Stiel zu
gabelig.
Stiel: weiß, am Grunde verjüngt, zugespitzt, mitunter etwas rostfleckig, fest,
hart, kurz, 3—5 cm hoch, 1,5—2,5 cm dick.
Fleisch : weiß, fest, kernig, fast geruchlos, von nußartigem, süßlichem Geschmack.
Sporen: farblos, länglich-rundlich, fein punktiert, klein, 6— 8x5—6ym. Staub
weißlich. •
Der Pilz wächst von Juni bis Oktober meist unter Buchen und Eichen, seltener im
Nadelwald, häufig.
Ähnlich ist der Verblassende Täubling, Rüss. pulchella, wundrot, häufig vollkommen verblassend, Fleisch
leicht grauend, Nachgeschmack kratzend, nicht eßbar. Er wächst unter Birken.
Weitere wohlschmeckende, m i l d e r o t e Täublinge sind:
Herings-Täubling, Rüss. xerarnphelina. Eßbar
Hut: rot, typisch blutrot mit fast purpurschwarzer, glanzloser Mitte; Blätter: butter- bis fast ockergelb;
Stiel: rosapurpurn überhaucht, oft runzlig, bei Berührung bräunend (ebenso das Fleisch des Stieles beim
Durchschneiden). Auffallend ist der Geruch nach Heringslake, der auch beim Reiben und beim durch­
brochenen Stiel bemerkbar ist.
Apfel-Täubling, Rüss. paludösa. Eßbar
Ein großer, roter, wie ein Apfel glänzender Pilz, mit langem, kräftigem, weißem bis rötlichem Stiel, großen
Sporen und hellockerfarbenem Sporenstaub. Häufig in moosigen Kiefernwäldern.

Drei s c h a r f e r o t e Täublinge:

67. Tränen-Täubling, Zitronenblättriger Täubling, Citromlemezű galambgomba


Ungenießbar, roh giftig Russula sardonia
Hut: trüb purpurrot, manchmal mit schwarzer Mitte, bei Kälte fleckig ausblasscnd,
gewölbt bis niedergedrückt, oft gebuckelt, 5—10cm breit. Huthaut wenig
abziehbar. *
Blätter: primel- oder zitronengelb, gedrängt, schmal, bei feuchtem Wetter mit
Tröpfchen besetzt.
Stiel: purpurn bis violett (..Säufernase"), stellenweise weiß, fein bereift, schlank,
3—8cm lang, vom Hut mit deutlichem Knack abbrechend.
Fleisch: fest und starr, gelblich, sofort brennend scharf. Geruch fruchtig.
Sporen: kurz ellipsoid, feinwarzig und netzig, 7—9x7—8|itn. Sporenstaub
cremefarben bis hell ocker.
Vorkommen: September bis November in Kiefernwäldern auf sauren Sand- und
Torfböden, besonders im Flachland.

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68. Stachelbeer-Täubling, Russula queletii Ungenießbar Lucfenyő-galambgomba

Hut: purpurn bis blutrot, oft olivgrün fleckig oder großenteils gelblich entfärbt,
feuchtglänzend, glatt, meist stumpf gebuckelt, 3—10cm breit. Huthaut bis
abziehbar.
Blätter: blaßgelb, an Druckstellen schmutzig grün anlaufend, schmal, angeheftet
bis kurz herablaufend, Schneiden flockig.
Stiel: leuchtend rot, weißlich bereift, voll bis hohl, 3—6cm lang, Basis manchmal
grünlich.
Fleisch: bald lasch werdend, weiß mit bläulichem Schein, scharf und stark bitter.
Geruch süßlich, an Stachelbeerkompott erinnernd.
Sporen: rundlich bis ellipsoid, 8—10x7—9ym, mit isolierten Stacheln. Sporen­
staub cremefarben. t
Vorkommen: Fichten- und Tannenwälder der Mittel- und Hochgebirge,
besonders über Kalkgestein.

69. Spei-Täubling, Kirschroter Täubling, Russula emetica Hánytató galambgomba


Ungenießbar, roh giftig

Hut: leuchtend hellrot, kirschrot, glänzend, klebrig, 4 — 10cm breit, dünnfleischig,


gewölbt bis niedergedrückt. Huthaut fast ganz abziehbar.
Blätter: weiß mit gelblichem Schein, ganzrandig, angeheftet bis frei.
Stiel: rein weiß, trocken, glanzlos, fein gerunzelt, zylindrisch, 5—Sem lang.
Fleisch: weiß, unter der Huthaut rosa, zerbrechlich, sofort sehr scharf. Geruch
fruchtig.
Sporen: ellipsoid, 7,5— 1 1 x 7—9 ym, stachelig und fein netzig. Sporenstaub weiß.
Vorkommen: Juli bis Oktober in Kiefern- und Buchenwäldern auf sauren
Böden, in Hoch- und Zwischenmooren, besonders im Flachland häufig.

Weitere rote, scharfe, roh giftige Täublinge:

Wechselfarbiger Speitäubling, Russula fräg ilis: Hut rot bis violettlich, auch mit grünen Farbtönen. Blätter
weiß mit schartig-gesägter Schneide. Törékeny galambgomba
Blutroter Täubling, Russula sang uinea: Hut blutrot. Huthaut nicht abziehbar. Blätter gelblichweiß, etwas
herablaufend. Nur mäßig scharf. Vérvörös galambgomba
Zed ernholz-Täubling, Russula badia: Cédrusszagú galambgomba groß, Hut d unkel purpurrot bis braunrot. Stiel weiß,
purpurn über­laufen. Blätter gelb bis hellocker. Geruch oft nach Zigarrenkistcnholz. Heimtückisch d urch d ie beim
Kauen sich erst nach einiger Zeit bemerkbar machende, dann aber unerträgliche Schärfe.
Täublingsregel: Milde Täublinge sind eßbar, giftige und ungenießbare stets scharf! Weitere Täublinge in Bd. V.

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70. Frost-Schneckling, Gelbblättriger Schneckling, Fagyálló csigagomba
Hygrophorus hyothejus. Eßbar, vorzüglich!
Ein von dickem Schleim überzogener, dunkelbrauner Schneckling, mit lcuchtend
gelben Blättern und gelbem Stiel, der erst im Spätherbst wächst.
Hut: olivbraun, sehr schleimig, nach Abfließen oder Eintrockncn der ihn
bedeckenden olivbraunen Schleimschicht blaß, gelb oder rötlichgelb; anfangs
gewölbt, oft fast keglig-glockig, dann verflacht, schließlich vertieft, behält jedoch
in der Mitte meist einen Buckel, 3—5, bisweilen auch bis 10cm breit, faserig­
gestreift, dünnfleischig, elastisch. Die Oberhaut läßt sich bis zur Hälfte abziehen.
Blätter: erst weißlich, dann gelb bis dottergelb, im Alter orangerötlich, oft
orangerötlich gefleckt, entferntstehend, dicklich, am Stiel angewachsen und
herablaufend.
Stiel: gelb bis blaßgelb, schlank, gleichmäßig dick, mitunter abwärts etwas ver­
jüngt, 3—7 cm lang, 0,5—0,7cm breit, glatt, flüchtig heringt durch die Reste einer
inneren, flockigen Hülle, die mit der Schleimhülle verklebt ist; unter der Ring­
bekleidung schmierig-schleimig, darüber trocken; voll.
Fleisch: weißlichgelb, unter der Huthaut gelb, fest; Geschmack süßlich. Geruch
schwach obstartig.
Sporen: farblos, länglich-ellipsoid, 7— 9x4—5 ym. Staub weiß.
Der Frostschneckling wächst von Ende September bis in den Winter, meist erst
nach Nachtfrösten, in Kiefernwäldern und auf Heideflächen, häufig. Er ist ein
vorzüglicher Suppenpilz, der sich aber auch zu Pilzgemüse eignet.
Bei den Schnecklingen, Gattung Hygrophorus (Limäcium), sind die Hüte meist von dickem Schleim (wie
Schneckenschleim) überzogen. Die Blätter sind wachsartig, dicklich, meist entferntstehend und etwas am
Stiel herablaufend. Zwischen Hut und Stiel findet sich hei jungen Pilzen ein glasiger oder faserig-flockiger
Schleier. — Ähnlich sind die Ellerlinge, Camarophyllus, mit trockenem, nicht lebhaft gefärbtem Hut und mit
dicken, herablaufenden, weitstehenden Blättern. Sic wachsen auf Wiesen, stets außerhalb des Waldes.

71 . Kegeliger Saftling, Hygrocybe conica. Giftverdächtig Feketedő nedűgomba

Ein spitzkegliger, feuerroter bis rotgelber Saftling (Fleisch saftig-glasig), der im


Alter und beim Anfassen mehr oder weniger schwarz wird.
Hut: meist scharlachrot bis goldoranigc-schwefelgclb, verblassend, zuletzt etwas
schwarz werdend, kahl, feucht, aber nicht schmierig, trocken seidig glänzend, meist,
spitzkeglig, fast häutig, zerbrechlich, 2—6cm breit. Der Rand spaltet allmählich
auf und biegt sich hoch.
Blätter: blaß bis gelb, am Grund etwas orangefarben, beim Schwarzwerden des
Hutes grünlich, bauchig-breit, dick, entferntstehend, fast frei.
Stiel: schwefel- bis orangegelb, kahl, faserig-gerillt und auch spaltend, oft
gedreht, gleichmäßig dick, 5— 10cm lang, 0.4—I cm breit. Im Alter von unten her
schwarz.
Fleisch: in der Mitte weiß, am Rand orangegelb, im Alter leicht schwärzlich,
saftreich, zerbrechlich, mild, geruchlos.
Sporen: farblos, länglich-ellipsoid, 7—13x5—7ym. Staub weiß.
Der Keglige Saftling wächst von Juni bis Oktober auf Weiden und ungedüngten
Wiesen, an Weg- und Waldrändern, oft schon im Frühsommer, zerstreut.
Er wird beim Kochen schwarz, hat in Mengen genossen schon schwache Ver­
giftungserscheinungen hervorgerufen.
Ähnlich sind : Schwärzender Saftli ng, Hygrocybe nig rescens Színváltó nedűgomba (Bd . 111/281), größer, bis 9cm
breit, mehr rot, rissig, faserig. Sti el an d er Basis weiß, Flei sch auch schwarzwcrd end , zuvor graulila verfärbend .
Ebenfalls giftverdächtig.
i ng, Hyg rocybe punicea Vérvörös nedűgomba (Bd . 1/132), größte Art, keglig-geschweift, 8
Granatroter Saftl
—15cm breit, dickstielig. besonders im Gebirge. Eßbar.

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Zwei Pilzarten mit gelbem Stielende (außen und innen), die dicke, wachsartige,
weit herablaufende Blätter und schwarzbraunen Sporenstaub haben:

72. Großer Schmierling, Kuhmaul, Barna nyálkásgomba


Eßbar Gomphidius glutinosus
Hut: lila- oder schmutzig-graubräunlich, graulila, später blasser, aber am Rand
mit violettem Schimmer, im Alter schwarzfleckig, sogar schwärzlich, mit dickem
Schleim bedeckt, 5—12cm breit. Hut und Stiel sind anfangs von einer schleimig­
häutigen. gelatinösen, die Blätter überspannenden, durchsichtigen, schleier­
artigen Hülle überzogen, deren Schleimschicht sich nicht abziehen läßt.
Blätter: erst weißlich, dann schwarzfleckig und schließlich schwärzlich, weich,
dick, entfernt gestellt, zäh. aber dehnbar, spaltbar, gegabelt und weit am Stiel
herablaufend.
Stiel: weißlich, später graubräunlich, am Grund lebhaft zitroneri- bis chrom-
gelb, 5—9cm hoch, 1,2—2,5cm dick, ebenso wie der Hut mit dicker Schleim­
schicht überzogen, nach oben stark verdickt, am Ende der Blätter wie einge­
schnürt, mit einem schleimigen, seidenfädigen Ringansatz — dem Schleierrest —
besetzt; voll.
Fleisch: weiß, im Alter grau, weich und zart, in der Mitte des Stieles hellgelb,
unten schön zitronen- bis Chromgelb, selten rosa, geruchlos.
Sporen: schwärzlich, spindelig, sehr groß, 18—20 (—23) x 5—6ym, an die
der Röhrlinge erinnernd, denen diese Gattung nahesteht. Staub last schwarz.
Der Pilz wächst von Juli bis Oktober meit truppweise in Nadelwäldern (Fichten­
begleiter), besonders im Gebirge, im Flachland fehlt er stellenweise gänzlich
oder tritt nur vereinzelt auf.
Es ist ein zarter, wohlschmeckender Speisepilz, der viel verkannt wird. Der
schleimige Überzug stört beim Sammeln und ist bei der Zubereitung mit der
Oberhaut zu entfernen.

73. Kupferroter Gelbfuß, Chroogomphus rutilus Vöröses nyálkásgomba


Eßbar
Hut: braunrot, in der Mitte oft gebuckelt, 5—10cm breit, klebrig, nicht schleimig,
fleischig. Der Rand ist anfangs durch einen faserigen Schleier mit dem Stiel
verbunden.
Blätter: erst blaß graugelblich; später dunkel purpurbraun, durch die Sporen
schwarz gefärbt.
Stiel: gelbbräunlich, unten safrangelb, nach oben verdickt, bis 10cm lang,
faserig, voll.
Fleisch: rhabarberfarben, im Stielgrund goldgelb, geruchlos.
Sporen: schwärzlich, spindelförmig, groß, 18—22 (—27) x 6—7ym. Sporen­
staub schwarzbraun.
Der Pilz wächst von Juli bis November in Kiefernwäldern, ziemlich häufig. —
Er ist äußerst schmackhaft, besonders als Suppenpilz, eignet sich auch zum
Trocknen, wird aber bald madig.
Verwandt mit ihm ist der Fleckende Schmierling, Gomphidius maculatus, Foltos
nyálkásgomba, mit weißlichbräunlichem, schwarzfleckendem Hut. Sein Fleisch läuft
an Druck­stellen weinrot an; er kommt unter Lärchen vor.

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Unter Kiefern, oft in Gemeinschaft mit dem Kuh-Röhrling, Suillus bovinus, Tehéntinóru

wächst der Rosenrote Schmi erli ng, Gomphidius roseus; Rózsaszínű nyálkásgomba
er ist klenerdie vorhergenannten Gelbfüße und Schmierlinge
Die kleine Familie der Gelbfüße (Gomphidiäceae) hat in Mitteleuropa nur wenige Vertreter. Sie unterscheidet sich von den
anderen Blätterpilzen durch ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Röhrlingen, die sich unter anderem in den
spindelförmigen Sporen ausdrücken, die in der Form den Sporen vieler Röhrlinge gleichen. Viele Mykologen ordnen
deshalb die Gomphidiäceae in die Ordnung der Boletäles ein.

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74. Kahler o. Empfindlicher Krempling, Begöngyöltszélű cölöpgomba
Paxillus involutus Unverträglich, roh giftig!
Ein sehr häufiger und schmackhafter Pilz, den man aber nur mit größter Vor­
sicht genießen darf und der schon so manche schwere Vergiftung verursacht hat.
Hut: olivbräunlich bis gelbbräunlich, rostgelb, am Rand stark eingerollt (daher
der Name Krempling), später verbogen, 6—15 cm breit, sehr empfindlich, an
Druckstellen sofort dunkelfleckig, filzig-zottig, später kahl, bei feuchtem Wetter
schleimig, trocken etwas glänzend.
Blätter: holzgelb, olivocker, zuletzt schmutzigbraun, bei Druck braunfleckig,
gedrängtstehend, oft etwas gabelig, am Stiel herablaufend und dabei mitunter
netzig-maschig, fast porenartig verbunden, sie lassen sich, miteinander zu­
sammenhängend, leicht ablöscn (wie die Röhren der Röhrlinge).
Stiel: schmutziggelblich oder rostbraun, 4—5 cm lang, 1—2cm breit, voll.
Fleisch: erst gelblichweiß, dann bräunlich, gekocht wird es schwarzbraun, es
ist weich, zart, saftig, mit säuerlichem, obstartigem Geruch und Geschmack.
Sporen: gelbbraun, ellipsoid, glatt, 8—10 X 5—6ym. Staub rostbraun.
Der Kahle Krempling wächst von Juni bis November in Laub- und Nadel­
wäldern, Parkanlagen, in Gärten, stets in der Nähe von Bäumen, mitunter an
Baumstümpfen oder -Stämmen, doch fast stets auf der Erde. Er ist häufig und
tritt besonders in trockenen Sommern auf.
Der Kahle Krempling ist roh stark giftig, hat jedoch auch in geschmorten
Zustand schwere, ja sogar tödliche Vergiftungen hervorgerufen, wiewohl er
andererseits von vielen Personen jahrelang ohne Schaden vertragen wird. Die
Ursache dieser Vergiftungen ist nicht restlos geklärt; es scheint sich um zu­
nehmende Sensibilisierung durch häufigen Genuß dieser Art zu handeln, also
um Unverträglichkeit bestimmter Eiweiße. Kinder sowie nieren,- leber- und
herzkranke Personen müssen den Kahlen Krempling unbedingt meiden; ansonsten
ist 30 Minuten Bratdauer unbedingt erforderlich! Der Kahle Krempling ist keines­
falls zum Grillen geeignet. Als Handelspilz ist er in der DDR in keiner Form
zugelassen.
Ähnlich ist der Tanncn-Reizker oder Mordschwamm, Lactarius necator, Sötét tejelőgomba (Bd. V/29) mit gleichfalls
stark eingerolltem Hutrand, mit olivbrauner, filziger, klebrig-schleimiger Oberhaut und brennend-scharfer, weißer,
graufleckender Milch. Er ist roh giftig, jedoch genießbar, wenn er 12 Stunden kalt gewässert und danach 2 bis 5 Minuten
abgekocht wurde.

75. Samtfuß-Krempling, Tapinella atrotomentosa. Bársonyostönkű cölöpgomba


Geringwertig

Ein an Nadelbaumstümpfen wachsender, sehr kräftiger Krempling mit braun­


schwarzem, filzigem Stiel.
Hut: rostbraun, staubig-samtig oder dunkelbraun-filzig, schließlich kahl und
körnig-rissig, trocken; anfangs gewölbt, dann flach-trichterförmig, muschelförmig,
oft exzentrisch, 7—18, selten bis 30cm breit, dickfleischig, derb, am Rand anfangs
stark eingerollt (umgekrempelt).
Blätter: gelblich, an Druckstellen braunfleckig, gedrängt, gablig verästelt und
queradrig verbunden, am Stiel kurz herablaufend.
Stiel: derb, kurz. 3—6cm lang, 1.5—1,5cm breit, voll, meist mit einem dichten
dunkelbraunen oder braunschwarzen, samtigen Filz überzogen. Am Grund ist.
er öfter wurzelartig verlängert.
Fleisch: weißlich bis blaßgelblich, schwammig-weich, hei Regenwetter sehr
wasserhaltig. Geruch säuerlich-dumpfig, Geschmack im Alter widerlich, etwas
bitter. Nach Überbrühen verwertbar.
Sporen: bräunlich, ellipsoid, glatt, 5—6 x 4 ym.

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Der Pilz wächst von Juli bis November in Nadelwäldern an Baumstümpfen


und auf morschen Baumwurzeln, stellenweise nicht selten.
Durch seinen dumpfigen Geschmack ist der Samtfuß-Krempling nur jung verwertbar, die Oberhaut
muß abgezogen werden! Doch können solche Pilze nach Abkochen zur Herstellung von Pilzsalat und
Pilzsülze gebraucht werden. Das Kochwasser wird dunkelviolett.

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76. Echter Pfifferling, Eierschwamm, Cantharellus cibarius Sárga rókagomba
Eßbar
Unser bekanntester und beliebstester Speisepilz, doch ist sein Nährwert sehr 1
gering. Der Pfifferling und seine Verwandten gehören nicht zu den Blätterpilzen
(Ordnung Agariccdes), sondern zur Ordnung der Korallen- und Stachelpilze 1
(Cantharelläles).
Hut: dottergelb, öfter bräunlichgelb, oft auch blaßgelb bis fast weiß (Buchen-
wald), fleischig, anfangs mit eingerolltem, später wellig-buchtigem Rand, meist I
3—5 cm breit.
Leisten: dottergelb, faltenförmig, nicht blattartig wie bei den Blätterpilzen,
gabelig verästelt, meist aderig-netzig verbunden, am Stiel weit herablaufend.
Stiel: nach unten verjüngt, nach oben allmählich in den Hut verbreitert, 3—6cm
lang, 1—2cm dick.
Fleisch: weißlichgelb, nach außen gelblich fest, selten madig. Es hat einen
angenehmen, schwach pfirsichartigen Geruch und langsam pfefferig werdenden
Geschmack, ist mitunter auch bitterlich. Solche Pilze sind nicht genießbar!
Sporen: gelblich, ellipsoid. 7—9 x 4—3 ym. Staub blaß ockergelb.
Der Echte Pifferling kommt von Juni bis November in Laub- und Nadelwäldern
vor, gesellig, in der Nähe der Großstädte seltener geworden. Oft findet man ganz .
kleine Pilze, die in großen Mengen den Waldboden bedecken, aber an Größe
kaum zunehmen. Andererseits erreicht der Pfifferling im Laubwald auch enorme
Größen. Er hat viele Volksnamen.
Der Pfifferling ist ein beliebter Marktpilz, haltbar, im Geschmack recht
angenehm, doch von geringem Nährwert, mit viel unverdaulicher Rohsubstanz.
Vitamin D ist in ihm nachgewiesen. Der scharfe Geschmack verschwindet bei
der Zubereitung. Zum Trocknen nicht geeignet, aber zum Einwecken.

77. Falscher Pfifferling, Hygrophoropsis aurantiaca Narancsvörös álrókagomba


Eßbar, aber minderwertig
Ein Pilz mit dünnen, gegabelten Blättern, im Aussehen einem Pfifferling etwas
ähnelnd. Er hat noch viel geringeren Nährwert als dieser.
Hut: orangerot, aber auch blasser, weich und biegsam, mit eingerolltem Rand,
dünnfleischig.
Blätter: lebhaft orangerot, dünn, regelmäßig zwei- bis vierfach gegabelt, auch
oft gekräuselt, am Stiel weit herablaufend.
Stiel: orangegelb, biegsam.
Sporen: farblos, ellipsoid, 6—7 x 4 ym. Staub weißlich bis blaßgelblich.
Der Falsche Pfifferling kommt von September bis November besonders in
Nadelwäldern vor.
Er ist wenig schmackhaft und besteht fast nur aus unverdaulicher Rohsubstanz;
giftig ist er nicht, kann jedoch bei magenschwachen Personen Verdauungstörungen
hervorrufen. Früher fälschlich oft als giftiger Doppelgänger des Echten Pfiffer­
lings bezeichnet.
Ein recht wohlriechender Pilz ist der
Duftende Afterleistling, Aphroditeola olida Rőt tölcsérgomba (Bd. 111/294). Eßbar
Er riecht obstartig, nach Orangenblüten oder nach süßlichen, parfümierten Bonbons, besonders
getrocknet. Hut weißrosa bis orangerötlich. Blätter leistenförmig, blaßgelb bis fleischfarben, deutlich gegabelt.
In Gebirgsnadelwäldern. besonders auf Kalk.

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78. Echter Steinpilz, Herrenpilz, Boletus edulis Ízletes vargánya
Eßbar
Unser bekanntester und wertvollster Röhrenpilz, von großem Wohlgeschmack.
Hut: erst weißlich, dann hellbraun bis dunkelbraun, feinrunzlig, matt, bei
feuchtem Wetter sowie im Alter schmierig, anfangs fast kuglig, später dick­
polsterförmig gewölbt, bis 20cm breit, auch breiter, Oberhaut glatt, wenig ab­
ziehbar.
Röhren: erst weiß, dann grünlichgelb, schließlich olivgrün, 1—3cm lang,
vom Hutfleisch leicht lösbar, um den Stiel stark verkürzt, frei bis halbfrei, mit
zunächst sehr kleinen, weißen, rundlichen Mündungen.
Stiel: grauweißlich oder graubräunlich, erst dickknollig, dann keulenförmig,
manchmal auch schlank, hell, wenigstens in der oberen Hälfte stets mit zartem,
weißem oder hellbräunlichem, erhabenem, im Alter verwischendem Netz, 15cm
hoch, 3—4cm dick, aber auch dicker.
Fleisch: weiß, fest, später schwammig, unter der Oberhaut rötlichbraun.
Sporen: gelbgrün, spindelförmig, 14 x4—5 (—7)ym; Staub dunkeloliv.
Der Steinpilz kommt von Juli bis Oktober in Nadel- und Laubwäldern vor,
besonders an Weg- und Waldrändern; Erträge in den einzelnen Jahren recht
schwankend.
Er ist ein sehr geschätzter Speisepilz, von vorzüglichem Geschmack, doch
weichlich-schlüpfrig; vielseitig zu verwenden zum Schmoren, Braten, Einlegen
und Trocknen.
Jung ist der Steinpilz leicht mit dem Gallenröhrling zu verwechseln!
Häufig sind beim Steinpilz Mißbildungen, Veränderungen von einzelnen Pilzen, auch rasenartige Ver­
wachsungen, Übereinanderwachsen (ein kleiner auf einem großen) und Riesenwuchs.
Der Eichen- o. Sommer-Steinpilz, Boletus reticulatus Nyári vargánya (Bd. 1/154), erscheint zeitiger, hat filzige
Oberhaut, gelbgrüne Röhren und ein weit herabreichendes, helles Netz am Stiel. Besonders unter Eichen. Geruch nach
Kumarin.
Der Rothütige Steinpilz, Boletus pinophilus Vörösbarna vargánya (Bd. 11/33), hat einen rotbraunen bis tief
purpurbraunen Hut, der körnig-runzlig, schmierig, gedrungen ist. Die Röhrenmündungen sind rostbräunlich überhaucht. Der
Stiel ist rotbräunlich, dickknollig, fast wie beim Satanspilz. Die Huthaut färbt sich beim Kochen gelbgrünlich, ebenso das
Kochwasser. Er wächst besonders im Waldinnern, im Kiefernwald der Ebene, in den Fichten­wäldern der Gebirge, oft schon
im Mai.
Der Schwarzhütige Steinpilz, Boletus aereus Bronzos vargánya (Bd. 1/155), hat einen dunkelbraunen, oft schwarzen
Hut (Negerkopf), rotbräunliche Röhrenmündungen und einen bräunlichen Stiel. Er ist wärmeliebend und wächst besonders in
südlichen Gegenden. Laubwald.
Gelbflei schi ger Stei npi lz, Anhängselröhrli ng. Butyriboletus appendiculatus Sárgahúsú tinóru (Bd . 11/2), hat braunen Hut.
Goldgelb sind Röhren und Fleisch. Der Stiel ist blaßgelb und oben feingenetzt. Im Laubwald, kalkliebend.

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79. Gallen- Röhrling, Tylopilus felleus Epeízű tinóru
Ungenießbar, bitter!
Dem Steinpilz täuschend ähnlich, aber sehr bitter. Verdirbt manches Pilzgericht.
Hut: hell- bis dunkelbräunlich, sehr feinfilzig, dann kahl, bei Trockenheit t'ein-
felderig zerrissen, anfangs fast halbkuglig, dann polsterförmig gewölbt,
4—12—15cm breit, dickfleischig. Die Oberhaut ist nicht abziehbar.
Röhren: zuerst auffallend weiß und eng, dann blaß- oder graurosa, an Druck­
stellen rostig, bei älteren Hüten polsterförmig vorgewölbt, um den Stiel herum
eingebuchtet, leicht vom Fleisch ablösbar.
Stiel: oliv- oder ockerbräunlich, mit blaßgelblichem bis bräunlichem, stark aus­
geprägtem, großmaschigem Netz, das bei Berührung dunkelbraun wird, 6—10 cm
lang, 1—2cm breit.
Fleisch: weiß, fest, im Alter etwas schwammig, im Stiel etwas faserig, Geruch
pilzartig, Geschmack bitter, doch kommen auch nur schwachbittere Exemplare
vor. Die Bitterkeit kann meist schon durch Belecken der Oberhaut oder einer
Schnittfläche festgestellt werden.
Sporen: fast farblos, spindelförmig, 10—15x4—6ym. Staub rosa.
Der Gallen-Röhrling kommt von Juni bis Oktober in lichten Nadel- und Laub­
wäldern vor, manchmal recht häufig, in anderen Gegenden seltener.
Er ist wegen seiner Bitterkeit ungenießbar. In geringen Mengen nicht giftig, in
größeren Mengen, die wohl nur selten genossen werden, kann er Darmstörungen
hervorrufen. Nach zweimaligen Abkochen sowie beim Trocknen verschwindet die
Bitterkeit.
Junge Gallen-Röhrlinge zeigen täuschende Ähnlichkeit mit jungen Steinpilzen (beide weiße Röhren).
Die Verwechslung ist äußerst unangenehm, da der Gallen-Röhrling sehr bitter ist und wenige Exemplare von
ihm ein ganzes Pilzgericht verderben. Sogar Marktware von Steinpilzen ist öfter mit Gallen-Röhrlingen
vermischt! — Schon bei jungen Exemplaren sind die Stiele des Gallen-Röhrlings gelbbräunlich, wenn auch das
Netz noch nicht zu erkennen ist. während Hut- und Röhrenfarbe der Farbe des Steinpilzes vollkommen gleich
sind. Am sichersten ist die Geschmacksprobe. Bei älteren Steinpilzen sind die Röhren olivgrün, beim älteren
Gallen-Röhrling leicht rosa und polsterartig hervorquellend. Diese Unterschiede muß jeder Pilzfreund
unbedingt kennen!

Vergleich von Steinpilz Ízletes vargánya und Gallen-Röhrling Epeízű tinóru

Hut meist größer, rauher, graubräunlich Hut mittelgroß, graubraun bis


bis rotbraun /imtbräunlich
Röhren grauweiß, gelb, grünlich, lange eng Röhren schneeweiß bis rosa, rostfleckig
Stiel meist dicker, blasser, weißgenetzt Stiel schlanker, sehr grob olivbraun-
auf bräunlichem Grund genetzt auf hellem Grund
Geschmack mild Fleisch stark bitter, schon beim Anlecken.

Andere Röhrlinge mit bitterem Fleisch:

Dickfuß-Röhrling, Caloboletus calopus, Farkastinóru Nr. 94.


Wurzelnder Röhrling, ßittersrtmamm, Caloboletus radicans Kesernyés tinóru (Bd . 11/4), mit blaßgrauem bis
graubräunlichem, sehr großem Hut. mit gelblichen Röhren und schmutziggelbem Stiel. Fleisch gelb, oft blauend . In
lichten Laubwäldern.

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80. Maronen-Röhrling, Braunhäuptchen, Imleria badia
Eßbar Barna tinóru
Kleiner Vetter des Steinpilzes mit kastanienbraunem Hut, grünlichgelben, bei
Druck grünlichblau verfärbenden Röhren, braunem, ungenetztem Stiel und
bläulich anlaufendem Fleisch; in Form und Farbe sehr veränderlich.
Hut: dunkelbraun, kastanienbraun, später etwas heller, anfangs feinfilzig­
samtig, vor allem an trockenen Standorten, später, besonders nach Regen, kahl und
glatt mit matter Oberfläche, doch an feuchten Standorten etwas klebrig und mehr
rotbräunlich, zuerst halbkuglig, dann polsterförmig verflacht, 5—12cm breit,
derbfleischig.
Röhren: erst blaßgelb, dann gelbgrünlich, zuletzt schmutzig olivgrünlich, bei
starker Trockenheit und im Alter graugrünlich, auf Fingerdruck blaugrün ver­
färbend, 1—1 V 2cm lang, um den Stiel buchtig vertieft. Die Mündungen sind zuerst
fein, später mittelweit, eckig.
Stiel: gelblichbraun, anfangs hellbraun oder rotbraun-bereift, zuerst etwas
bauchig, dann gleichmäßig gestreckt, später öfter faserig-streifig, aber niemals
genetzt (im Gegensatz zum Steinpilz), kahl und glatt, voll. 5—9cm lang, 1—2cm
breit, oft gekrümmt.
Fleisch: weiß bis blaßgelblich, bei Druck schwach, mitunter auch lebhaft blau
verfärbend (doch tritt die Verfärbung nicht immer ein), aber später wieder blaß
werdend, saftig, anfangs fest, später schwammig, mit erfrischendem Geruch und
angenehmem Geschmack.
Sporen: gelbbräunlich, spindelförmig, 12—15x4—5 ym. Staub olivbräunlich.
Der Maronenröhrling wächst von Juni bis November, vor allem im Herbst,
besondersauf Sandböden, in Nadelwäldern sehr, in Laubwäldern kaum, in Kiefern­
wäldern des Flachlandes besonders häufig, dort oft Massenpilz, einzeln oder
gesellig, auch an vermoderten Stümpfen.

Kommt in zwei Standortformen vor:


Im Gras und Moos weichfleischig, saftig, schmierig und langstielig, meist blauend; auf trockener Nadelstreu
fest, kernig, trocken, mit kürzeren Röhren und kleiner als die andere Form.
Der Maronen-Röhrling ist ein sehr schmackhafter Pilz, ersetzt im Geschmack durchaus den Steinpilz und
kann wie dieser auf jede Art zubereitet werden. Das Fleisch ist etwas harter, gut geeignet zum Trocknen; von
Tieren stark begehrt.
Er kann mit dem bitteren Gallen-Röhrling verwechselt werden, dessen Fleisch aber nicht blau anläuft, der
im Alter rosafarbige, rostfleckige Röhren und außerdem wie der Steinpilz einen genetzten Stiel hat.

81. Pfeffer-Röhrling, Chalciporus piperatus Borsos tinóru


Eßbar, Gewürzpilz
Durch seinen Geschmack frisch als Gewürzpilz brauchbar!
Hut: gelblichbraun bis gelblichrot, flachgewölbt, polsterförmig, 2—6 cm breit, an feuchtem Standort und bei
nassem Wetter klebrig, dagegen an trockenem Standort und bei trockenem Wetter glänzend, bisweilen mit
rissig-schuppiger Oberhaut.
Röhren: erst rotgelb, dann rotbraun bis rostfarben, am Stiel angewachsen, mitunter etwas herablaufend. Sie
haben weite, eckige Röhrenmündungen, die gegen den Hutrand kleiner sind und dichtgedrängt stehen.
Stiel: ebenso gefärbt wie der Hut. nach unten heller gelblich, kurz, dünn, 4—7cm lang, 0,5—1 cm breit.
Fleisch: gelblich, ziemlich dünn, sehr weich, saftig, im Stiel seidenartig und faserig, auffallend zitronengelb,
ohne bestimmten Geruch, aber mit pfefferartigem, brennendem Geschmack.
Sporen: blaß gelbrötlich, spindelförmig, 9—11x3—4ym. Der Staub ist gelblichbraun. Das Myzel ist
lebhaft gelb gefärbt.
Der Pilz wächst von Juni bis Oktober in Nadelwäldern, auf Heiden zwischen Moos und Heidekraut, auch
im Grase, verbreitet, doch nie in Massen auftretend.
In Mengen ungenießbar! Frische Pilze können Pilzgerichten und anderem Gemüse als Pfefferersatz bei­
gegeben werden. Getrocknet und pulverisiert verliert sich der pfefferartige Geschmack.
Ähnlich ist der kleinste aller Röhrlinge, der kurzsporige Röhrling, Chalciporus rubinus Málnavörös tinóru
(Bd. II 1 <S).

Fortsetzung s. S. 197

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82. Sand-Röhrling, Hirsepilz, Suillus variegatus Tarka tinóru
Eßhar
Mittelgroßer, gelbbräunlicher, semmelfarbener Hut, mit vielen flockigen oder :
büschlig-haarigen Schüppchen (wie mit Sandkörnern) bedeckt, die später ver­
schwinden. und mit blauendem Fleisch.
Hut: gelblichgrau bis braungelblich und dichtfilzig, dann bräunlich bis ocker­
gelb, semmelfarben, mit vergänglichen, büschlig-haarigen Schüppchen besetzt, ‘
trocken, bei feuchtem Wetter schleimig, anfangs halbkuglig mit eingerolltem
Rand, später flach ausgebreitet mit scharfem Rand, 6—12 (—15) cm breit,
2—2,5 cm dick. Die Oberhaut ist nicht abziehbar, im Gegensatz zum Butterpilz. !
Röhren: erst olivbräunlich, dann grünlichgelb, zuletzt schmutzig olivgrün, bei
Druck dunkler, vom Fleisch schwerer zu trennen als beim Butter-Röhrling, bis
1,5 cm lang, meist breit am Stiel angewachsen. Die Mündungen sind jung sehr
fein, später mittelweit und erweitert bis 1 mm, ungleich lang, anfangs grau­
gelblieh. dann mehr grünlich und schließlich olivbräunlich.
Stiel: bräunlich-orangegelb, zylindrisch, glatt, fest, 3—8cm lang, 2—3cm breit.
Fleisch: anfangs hellgelb, dann gelb bis orangegelb, am Grunde des Stiels
auch rhabarbergelb. Beim Durchschneiden läuft es. wenn nicht zu trocken, meist
schwach bläulich an, verbleicht dann aber wieder. Der Geschmack ist mild, der
Geruch eigenartig säuerlich.
Sporen: blaßgelb, ellipsoid bis spindelig, 7— 1 0 x 5 — 7ym. Sporenstaub
olivbräunlich.
Der Pilz wächst von Ende August bis Oktober in Kiefernwäldern, auch in
Heiden, Torfsümpfen und im Hochgebirge, scharenweise, sehr häufig.
Er ist nur schmackhaft, solange er noch halbkuglig ist. Größere Pilze sind
fade und nur im Mischgericht zu verwenden.
Man unterscheidet:
Schleimröhrlinge, Suillus — von sus = Schwein = schlechte Pilze —, z. Fi. Butter-Röhrling, und
Filzröhrlinge. Xerocomus (= trocken, filzig), z. B. Ziegenlippe.

83. Kuhpilz, Kuh-Röhrling, Suillus boviuus Tehéntinóru


Eßbar
Kuhrötlicher bis bräunlicher Pilz mit am Stiel herablaufenden, gelblichgrünen,
sehr weiten, eckigen Röhren. Der ganze Pilz ist gummiartig biegsam. Die Stiele
sind oft knäuelig verwachsen.
Hut: erst gelbbräunlich, dann kuhrötlichbraun, manchmal auch dunkler in
vielen Farbabstufungen, flach ausgebreitet, niedergedrückt, klebrig und glänzend,
bei feuchtem Wetter mit schmierigem Schleim überzogen, 3—8 (—12) cm breit,
dünnfleischig. Der Rand ist anfangs eingerollt, dann flach und wellig-verbogen.
Röhren: erst graugelblich, dann olivgelblich bis olivbräunlich, ziemlich kurz,
bis 1 cm lang, aus zwei bis vier kürzeren zusammengesetzt, am Stiel breit an­
gewachsen und herablaufend, vom Hutfleisch schwer ablösbar. Die Mündungen
sind in der Jugend klein, später weit, in der Tiefe durch Scheidewände mehrteilig,
eckig, in der Farbe wie die Röhren, doch mit rostbräunlichem Anflug.
Stiel: wie der Hut gefärbt, am Grund häufig trübrot. kurz, gleichmäßig dick,
meist 3—6cm lang, 0,5—1,5 cm breit, elastisch, zäh, voll, am Grund oft zu
mehreren zusammengewachsen.
Fleisch: blaß gelbbräunlich, im Stiel dunkler, sehr elastisch, gummiartig bieg­
sam. Der Geschmack ist mild.
Sporen: blaß ockergelblich, länglich-ellipsoid, 7—10x3—4ym. Der Sporen­
staub ist olivbräunlich.
Fortsetzung s.S. 197

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84. Butterpilz, Butter-Röhrling, Suillus luteus. Eßbar Barna gyűrűstinóru

Der Butterpilz hat hellbuttergelbcs Fleisch, kastanien- bis schokoladenbraunen


Hut, gelbe Röhren und einen weißlichen bis violetten Ring am Stiel. Er ist
außerordentlich schmierig und führt deshalb auch den volkstümlichen Namen
„Schlabberpilz“.
Hut: braungelblich, braunrötlich bis braun oder dunkler, mitunter gefleckt
oder geflammt, in der Jugend mit einem dicken Schleim überzogen, der den
ganzen Hut als Hülle umgibt. Er ist anfangs halbkuglig, dann flachgewölbt,
5—10 cm breit, dick- und weichfleischig, trocken glänzend. Die Oberhaut ist
sehr leicht abziehbar.
Röhren: erst hellgelb, butterfarben, später gelb bis schmutzig olivgelb. Sie
lassen sich leicht vom Hut ablösen.
Stiel: meist kurz, 3—6cm hoch, 1 — 1,5cm dick, voll, über dem Ring blaßgelb
und sehr fein punktiert, nach unten weißlich, später gelbbräunlich. Er trägt einen
herabhängenden, erst weißen, später dunkelbraunen oder violettgrauen Ring
(als Rest einer dicken, weißen schleimigen Haut, die vom Hutrand zum Stiel
gespannt war).
Fleisch: gelblichweiß bis weiß, sehr zart und weich, saftig. Es hat einen obst­
artigen Geruch und leicht säuerlichen Geschmack.
Sporen: gelbbräunlich, länglich-ellipsoid, 8—10x3—4ym. Staub olivocker-
bräunlieh.
Wächst von Juli bis November in Kiefernwäldern in Mengen, besonders nach
Regen. Ein ausgezeichneter, wohlschmeckender Pilz, etwas weichlich, der sich
besonders zum Braten eignet. Standorttreu, d.h., er erscheint immer wieder an
denselben Stellen. Leider wird sein Wert durch häufige Müdigkeit gemindert.
In einzelnen Fällen soll er ähnliche schwere Vergiftungen (Unverträglichkeit) wie
der Kahle Krempling (Nr. 74) hervorgerufen haben.

85. Grauer Lärchen-Röhrling, Suillus viscidus, Eßbar Szürke gyűrűstinóru

Hellgrauer Röhrling mit grauen Röhren; unter Lärchen.


Hut: blaß-grauweißlich, schließlich schmutziggelblich, auch graubräunlich,
schmierig-schleimig, mit eingewachsenen, feinen Schuppen, anfangs halbkuglig,
später gewölbt und schließlich flach ausgebreitet, fast grubig-uneben, weich­
fleischig, 4—9. auch bis 12 cm breit. Rand oft mit zerrissenen Schleierresten
behängen und anfänglich mit dem Stiel durch einen weißlichen, weißlichgrauen
bis blaßgelblichen Schleier verbunden, Oberhaut leicht abziehbar.
Röhren: erst grauweiß, dann graubräunlich, weit, zusammgesetzt, am Stiele
mehr oder weniger weit herablaufend und öfter in eine feine, weitmaschige
Netzzeichnung übergehend. Röhrenmündungen anfangs weißlichhellgrau, dann
dunkler und schmutzig bräunlich, bei Druck olivbräunlich.
Stiel: anfangs grauweißlich, dann blaß graugelblich, im Alter hellbräunlich und
schmierig, 6—8cm hoch, 1,5—2cm dick, mit einem weißen, später grau wer­
denden, häutigen, vergänglichen Ring. Unter diesem ist der Stiel mit rost­
braunen Höckerchen, Schüppchen und Fasern überzogen; an der Basis ist er
meist keulig verdickt.
Fleisch: weiß, kaum anlaufend, bisweilen bläulichgrau verfärbend, besonders
über den Röhren, unten im Stiel gelblich bis schmutzig gelbbräunlich, ohne
besonderen, manchmal jedoch mit obstartigem Geruch und Geschmack.
Sporen: cllipsoid-spindelig, 9— 12 x 4—5 [im. blaßgelb. Staub braun.
Wächst von Mai bis Oktober in Lärchenwäldern und unter einzelnen Lärchen,
gesellig, stellenweise, besonders auf Kalkstein im Gebirge.

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86. Gold-Röhrling, Goldgelber Lärchen-Röhrling, Suillus grevillei
Eßbar Sárga gyűrűstinóru

Hut: goldgelb mit gelbbraunem, klebrigem Schleim (wenn abgewaschen, zitronen­


gelb), feucht schleimig, trocken glänzend, erst halbkuglig, später verflacht,
5—12cm breit. Oberhaut leicht abziehbar.
Röhren: anfangs gelb, dann bräunlichgelb bis graugelb, erst eng, schließlich
ziemlich weit und eckig, um den Stiel herum graugelb bis weißlichgrau, etwas
herablaufend.
Poren: gelb, später olivbraun, bei Druck rotbräunlich verfärbend.
Stiel: goldgelb, 6—10cm lang, 1—2cm dick, fest, elastisch, im unteren Teil
braunfaserig bis flockig, in der Jugend mit dem Hutrand durch einen weißlichen,
häutigfädigen Schleier verbunden, der als häutiger, weißlicher oder weißgelb­
licher Ring später am Stiel zurückbleibt.
Fleisch: im Hut zitronengelblich, später gelblichweiß, sehr weich, im Stiel bei
Schnitt und Bruch schwach rosa bis bräunlich anlaufend, angenehmer Geruch
und Geschmack.
Sporen: spindelförmig, 7—10 x 3—4ym, gelblich.
Wächst von Juli bis November in Lärchwäldern, aber auch in Laubwäldern
und Parkanlagen unter einzelnen Lärchen; erscheint mehrmals im Jahr bei
feuchtem Wetter.
Lärchenbegleiter (Mykorrhiza-Pilze) unter den Röhrlingen sind: Grauer
Lärchen-Röhrling. Goldgelber Lärchen-Röhrling, Rostroter Lärchen-Röhrling
(Bd. 11/22) und Hohlfuß-Röhrling (Bd. 1/142).

87. Schmerling, Körnchen-Röhrling, Suillus granulatus Szemcsésnyelű fenyőtinóru


Eßbar
Gelbbräunlicher, schleimiger Röhrling ohne Ring.
Hut: braungelb bis rötlichgelb, später ockergelb, anfangs mit einem dicken,
klebrigen, allmählich verschwindenden Schleim überzogen und dadurch sehr
schmierig (Name), trocken glänzend und glatt, jung halbkuglig, später flach
gewölbt. 5—10cm breit, Rand anfangs eingebogen, Oberhaut leicht abziehbar.
Röhren: erst hellgelb, später olivgelb bis trübocker, Mündungen anfangs sehr
klein und rundlich, später größer und rundlich-eckig; sie sondern in der Jugend
und bei feuchtem Wetter milchigweiße Tropfen ab.
Stiel: hellgelb, ziemlich kurz, fest, voll, ohne Ring, oben mit körnigen, weißgelb­
lichen später bräunenden Wärzchen besät und mit einzelnen, milchigen Tröpf­
chen besetzt.
Fleisch: anfangs weiß bis hellgelb, im Stiel gelblich, jung zart und fest, später
schwammig, sein Geruch ist obstartig; wohlschmeckend.
Sporen: ellipsoid-spindclförmig, 8— 10 x 3—3 1/ 2 ym. gelblich.
Wächst von Mai bis Oktober in grasigen Kiefernwäldern, auf Waldwiesen und
Weiden, auf Kalk und Sandboden, truppweise.

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88. Rotfuß-Röhrling, Rotfüßchen, Xerocomellus chrysenteron Arany tinóru
Eßbar
Roter Stiel, stark felderig zerklüfteter Hut mit in den Rissen und Fraßstellen
rötlich schimmerndem Fleisch sind die Merkmale dieses häufigen Pilzes.
Hut: bräunlich in den verschiedensten Tönungen, rissig-felderig zerklüftet, in
den Rissen rötlich, zuerst halbkuglig, dann gewölbt, 3—7 cm breit. Die Oberhaut
ist anfänglich zart samtig, dann kahl und trocken. An Schneckenfraßstellen ist
das Fleisch meist purpurrot.
Röhren: blaßgelb, später grünlichgelb oder olivgrün, an Druckstellen schmutzig­
grün bis blau und 0,7—1 cm lang. Ihre Mündungen sind ziemlich groß und eckig.
Stiel: gelb bis braungelb, meist nur der untere Teil rötlich, doch kann auch der
ganze Stiel oder nur der obere Teil rot gefärbt sein, an Druckstellen wird
er oft blaufleckig. Er ist schlank, mitunter gekrümmt, nach unten zugespitzt,
3—6cm lang, 0,75—1,5 cm breit, fest und voll. Manchmal zeigt der Stiel ein sehr
feines, weit herabreichendes, rotes Machennetz.
Fleisch: gelb, blaßgelblich, schließlich gelblichweiß, unter der Oberhaut pur­
purrot, im Stielgrund trübrot. Bei Bruch läuft das gelbe Fleisch meist schwach
blau oder rötlich an; es riecht angenehm schwach obstartig und schmeckt mild.
Sporen: hellolivbraun, ellipsoid bis spindelförmig, 13—15x5—7ym. Staub
olivbraun.
Der Pilz wächst von Juli bis November in Laub- und Nadelwäldern, zuweilen
an morschen Stümpfen, im Flachland häufiger als im Gebirge. — Junge
Pilze sind fest und schmackhaft, ältere schwammig und geringwertig, sie eignen
sich für Mischgerichte.
Der Rotfuß-Röhrling kann der Ziegenlippe sehr ähnlich werden, besonders wenn diese auch felderige
Oberhaut zeigt. Er ist aber von ihr durch die griinlichgelben oder olivgrünen, an Druckstellen schmutzig­
blauen Röhren unterschieden. Der Rotfuß-Röhrling ist ebenso wie die Ziegenlippe sehr vielgestaltig und
sehr veränderlich!
Sehr ähnlich ist der Blutrote Röhrling, Hortiboletus rubellus, Piros tinóru mit auffallend kirsch-. blut- oder johannis-
bcerrotcr Huthaut, doch auch mattrosa. Foren gelblich, später grüngelb. Stiel meist rötlich-gefasert. Fleisch schwach blauend.
Laub- und Mischwald (siehe Bd. 11/15). Gleichfalls eßbar.

89. Filziger Röhrling, Ziegenlippe, Xerocomus subtomentosus Molyhos tinóru


Eßbar
Ein Pilz mit trockncr, wildlederartiger, olivgraugelber Oberhaut, die sich weich­
filzig anfühlt, daher der Name „Ziegenlippe“.
Hut: olivgrau bis graubraun, feinfilzig, später zimtbraun und kahl, trocken, matt,
flachgewölbt, 3—10cm breit. Die Oberhaut ist nicht abziehbar und reißt bei
Trockenheit etwas felderig auf.
Röhren: leuchtend dottergelb, im Alter grünlichgelb bis bräunlichgelb, ver­
färben sich an Druckstellen meit nicht, nur durchfeuchtete Stellen werden dort
schmutzigblau. Sie sind bis 1,5 cm lang, lassen sich leicht ablösen und sind am
Stiel meist angewachsen. Die Röhrenmündungen sind w'eit, eckig, manchmal
gezähnelt und schön goldgelb.
Stiel: gelbbräunlich, seltener rotbräunlich, feinkörnig-rauh, filzig-flockig oder
fein längsstreifig, teilweise weitmaschig-netzig, er ist verhältnismäßig dünn und
schlank, nach unten verjüngt, 6—10cm lang, 1 — 1,5cm breit, voll. Stielbasis mit
lebhaft gelben Myzelsträngen verbunden.
Fleisch: fast weiß, im Stiel gelblich, unter der Huthaut schwach rötlich, unver­
änderlich, selten schwach blauend, aber bald wieder ausbleichend, zart, saftig,
mild, im Alter schwammig. Es hat einen obstartigen Geruch.
Fortsetzung s.S. 197

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90 Birkenpilz, Kapucinerpilz, Leccinum scabrum Barna érdestinóru
Jung
. eßbar
Ein Pilz, der als Birkenbegleiter sehr bekannt und leicht zu erkennen ist.
Hut: bräunlich in allen Abstufungen von rotbraun bis graubraun, jung fast
schwarzbraun, halbkuglig, dann polsterförmig, 5—12 (—18) cm breit, glatt, kahl,
trocken, bei feuchtem Wetter und im Alter schmierig, ziemlich dickfleischig.
Die Huthaut ist wenig abziehbar.
Röhren: jung weißlich, später schmutzigweiß, hellgrau oder grau, an Druck­
stellen bräunlich, 1 — 1,5 cm lang. Sie sind vom Stiel durch eine Ringfurche scharf
abgesetzt, ihre Mündungen sind eng und rund. Die Röhrenschicht isl nach unten
gewölbt und läßt sich leicht vom Hin lösen.
Stiel: weißlich, aber mehr oder weniger dicht mit faserigen, schwärzlichen,
graubraunen oder weißlichgrauen, sparrigen Schuppen besetzt, erscheint unter
dem Hut bisweilen längsstreifig - netzig. Er ist voll, schlank, nach oben ver­
schmälert, 8—15, selten bis 20cm lang, unten 1 — 1,5cm breit, etwas brüchig.
Das Stielfleisch ist im Alter ziemlich strähnig und zäh.
Fleisch: weiß, später grauweiß, beim Durchbrechen leicht grauend; jung fest,
dann weich, zuletzt schwammig und bei Regenwetter sehr wasserhaltig. Geruch
und Geschmack sind angenehm.
Sporen: blaßgelblich, spindelförmig, 13—18 x 5—6 ym. Staub olivbräunlich.
Der Birkenpilz wächst von Juni bis Oktober unter Birken, besonders in Birken­
alleen, auch in Wäldern, unter Gebüschen, auf Heiden, hier oft in sehr blassen
Formen. Häufig.
Junge, feste Pilze sind recht schmackhaft, ältere dagegen weichlich und wäßrig.
Das Fleisch wird beim Schmoren grau bis grauschwarz und recht schleimig. Die
Stiele älterer Pilze sind zäh und daher unbrauchbar.
Mit anderen Röhrlingen kann der Birken-Röhrling wegen seines Standortes
und seines Aussehens kaum verwechselt werden. Er ist daher sehr bekannt und
hat viele verschiedene volkstümliche Namen bekommen, z.B. Graukappe oder
Kapuziner.
Derber und fleischiger ist die Rotkappe (Nr. 91).
Verwandte:
Moor-Bi rkenpi lz, Leccinum holopus, Lápi érdestinórud er ganze Fruchtkörper hat reinweiße Farbe, ist schlanker und
wächst auf sandigem oder moorigem Untergrund unter Birken.
Gelber Röhrling, Leccinum nigrescens Sárga érdestinóru (Bd. II I I ) . mit orange- oder zitronengelbem, bei trockenem
Wetter fclderig zerklüftetem Hut. Röhren: erst zitronengelb, dann graugelblich, schließlich schmutzig olivbräunlich. Stiel:
blaß zitronengelb, im Alter schmutzig weißlich, rauh durch flockige, gelbe Schuppen, die auf den Rändern schwacher
Längsrillen sitzen und bei Trockenheit und Berührung dunkler werden. Am Cirunde spindelig-zugespitzt. Fleisch: blaß
zitronengelblich, beim Durchschneiden erst etwas rot. dann allmählich schwarz werdend. Juni bis Ende September in
Laubwäldern, besonders unter Fichen und Buchen, am warmen, sonnigen Abhängen. Selten.

Hai nhuchen-Röhrli ng, Leccinum griseum Sötét érdestinóru (Bd. 11/13). Hut: gelbbraun, graubraun, braunrußig bis
rußig­schwarz, jung oft runzlig, alt rissig-felderig zerklüftet. Röhren: schmutzig weißlich, dann gelblichgraulich, schließlich
trüb olivgelbgraulich. bei Druck und Verletzung violettgrau anlaufend. Sti el: weißgrau, mit narbigen, rippigen. schwach
netzigen Längsfasern, durch Schüppchen schwärzlich punktiert, wie angebrannt aussehend. Flei sch: weißlich bis blaßgelblich,
beim Durchschneiden grauviolett bis schwarz anlaufend. Juni bis Oktober unter Hainbuchen. Seltener.

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91. Espen-Rotkappe, Rothäubchen, Leccinum aurantiacum Tölgyfa-érdestinóru
Eßbar, roh giftig
Ein sehr stattlicher, orangebrauner Röhrling mit dickem, rotbraun geflocktem
Stiel. Die Oberhaut überragt den Hutrand und bildet einen lappigen Hautsaum.
Hut: orangerot, rotbraun, ziegelrot bis graugelblich gefärbt in den verschieden­
sten Farbtönen. Er ist anfänglich kuglig, dann aber breit polsterförmig, 7—20cm
breit, trocken, bei feuchtem Wetter etwas schmierig, dickfleischig. Die nicht
abziehbare Huthaut überragt den Hutrand und bildet einen lappigen Hautsaum,
der anfänglich dem Stiel eng anliegt, später lappig aufreißt, nach der Unterseite
zu umgeschlagen ist oder lappig herabhängt. Dieser Hutsaum ist ein gutes Kenn­
zeichen für die Rotkappe.
Röhren: anfangs weißlich und sehr kurz, später grauweißlich, 2—3,5 cm lang
und vom Stiel scharf getrennt.
Stiel: zeigt auf weißlichem Grund rotbraune Flocken, Schuppen oder Wärzchen,
Runzeln oder Längsstreifen. Er ist walzenförmig, doch auch bauchig, sehr kräftig
und derb, 8—20cm lang, 1,5—6 cm breit.
Fleisch: weiß, anfangs fest und derb, später weich. Beim Durchschneiden
verfärbt es sich allmählich, und zwar verschieden: graublau, grauviolett, auch
weinrot. Geschmack und Geruch sind angenehm.
Sporen: bräunlich, spindelförmig, oben abgerundet, 14—18x4—6ym. Staub
olivbraun.
Der Pilz wächst von Juni bis Oktober unter Gebüsch, auf Heiden, unter Espen
(Zitterpappeln), er ist etwas seltener als der Birkenpilz.
Das Rothäubchen ist ein ausgezeichneter und sehr ergiebiger Speisepilz, der
beim Schmoren schwarz und deshalb von manchen Hausfrauen für nicht eßbar
gehalten wird. Von Insekten wird er wenig befallen.
Man unterscheidet mehrere Arten der Rotkappe:
B rken-Rotkappe, Leccinum versipelle. Kormostönkű érdestinóru Hut: ziegelrötlich bis orangegelb, alt zu
i
hellgelbbräunlich ausblassend. Stielschuppen von Anfang an schwärzlich. Röhren und Poren schon jung dunkelgrau. Fleisch
erst weiß, später rosa-lilafarben, nicht grauend, am Stielfuß innen und außen bläulich oder grünlich anlaufend.
Wächst unter Birken, auch auf Heiden, einzeln oder in Gruppen.
Fi chten-Rotkappe, Leccinum piceinum. Rókaszínű érdestinóru Hut satt orangebraun. Sti el mit bräunlichen bis
schwarzbraunen Schuppen und blaugrün verfärbter Basis. Flei sch im Stiel graurötlich bis graubläulich anlaufend. Unter
Fichten im Bereich der Mittelgebirge.
Fichen-Rotkappe, Leccinum aurantiacum. Tölgyfa-érdestinóru Hut satt rostrot, kastanienbraun. Stiel mit braunroten
Schuppen und bräunlicher Basis. Fleisch rötlich bis grauviolett anlaufend. Unter Eichen, einzeln.
Braune Rotkappe, Leccinum duriusculum. Nyárfa-érdestinóru Hut grau- bis umberbraun. Sti el mit sehr feinen
graubraunen Schuppen und gleichfarbener Basis. Flei sch schwach rötlich bis violett anlaufend. Unter Silber- und
Zitterpappeln (Espen).
Die Gattung Rauhfüße (Birkenpilze und Rotkappen), Leccinum. hat ihren Namen von den schlanken
Stielen, die durch Schuppen und Flocken eine rauhe Oberfläche haben.

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Vier rotstielige Röhrlinge:

92. Flockenstieliger Hexen-Röhrling, Schusterpilz, Céklatinóru


Neoboletus luridiformis. Eßbar, jedoch roh giftig
Hui: meistens dunkelbraun, auch hellbraun, mitunter fast braunschwarz, filzig bis samtig, 7— 20cm
breit, trocken, Oberhaut nicht abziehbar.
Röhren: grüngelblich, an Druckstellen dunkelblau bis blauschwarz; Mündungen mennigrot bis düster- |
rot, eng.
Stiel: auf gelbem Untergrund oben orangerot, nach der Mitte zu rot bis purpurrot, geschuppt bis flockig
punktiert, ohne Netz, dickbauchig bis keulig-gestreckt, sehr empfindlich, bei Berührung sofort dunkelblau,
5—12cm lang, 2—4cm breit.
Fleisch: sattgelb, durchschnitten sofort dunkelblau, später ausblassend, blaßgraublau, fest, derb.
Mai bis November im Nadel- und Laubwald, besonders unter Eichen. Sehr schmackhaft; roh unbe­
kömmlich. selten madig.

93. Netzstieliger Hexen-Röhrling, Suillellus luridus Változékony tinóru


Eßbar, jedoch roh giftig
Hut: düster-schmutzigbraun bis gelbbraun, an Fraßstellen rötlich, polsterförmig. 8—20cm breit, dick­
fleischig, filzig.
Röhren: erst gelb, dann olivgrün, an Druckstellen blau gefleckt; Mündungen erst orangerot, später
bräunlichrot oder trübpurpurn bis trüb orangebräunlich, bei Berührung sofort blaugrün bis schwärzlichblau.
Stiel: oben hellgelb bis orangegelb, abwärts purpurrot, z.T. mit einem weitmaschigen, gelblichen oder
rotbräunlichen Netz bekleidet, druckempfindlich, 5—13 cm lang, 2—5 cm breit.
Fleisch: blaßgelblich, im Stielgrund purpurrötlich, über dem Röhrenansatz weinrötlich, beim Durchbrechen
blauend, manchmal sofort; zuletzt rötlich-graublau.
Juni bis Oktober, auf lehm- und kalkhaltigem Boden, unter Eichen. Linden und Buchen, auch in
Parkanlagen.
Schmackhaft, ruft jedoch mitunter Verdauungsstörungen hervor. Roh gegessen ist er giftig, ebenso in
Verbindung mit Alkohol (vgl. Nr. 23).

94. Dickfuß-Röhrling, Caloboletus calopus Farkastinóru


Ungenießbar, roh giftig
Hut: blaßgelb bis graubräunlich, zuweilen felderig-rissig, filzig, trocken, polsterförmig. 8—18cm breit,
Rand eingebogen.
Röhren: hellgelb, dann schmutzigolivgelb-grünlich. an Druckstellen sofort grünblau; Mündungen grünlich-
gelb, sehr fein.
Stiel: oben hellgelb bis orangerot, abwärts purpurrot, z.T. mit einem weitmaschigen, gelblichen oder * i
rotbräulichen Netz bekleidet, druckempfindlich, 5—13 cm lang, 2—5 cm breit, anfangs dickknollig, dann
keulenförmig-gestreckt.
Fleisch: weißlich bis hellgelb, im Bruch allmählich leicht blauend, über den Röhren schön blau. Schmeckt ;
bitter!
Juli bis Oktober, besonders in Laubwäldern (Buchen), auch in Nadelwäldern (Fichte. Tanne), im Gebirge. |
Auf sauren Böden, nicht auf Kalkgestein.
Ungenießbar, roh schwach giftig.

95. Satans-Röhrling, Rubroboletus satanas Sátántinóru


Giftig, besonders roh
Hut: weißlichgrau, blaugrau, olivgrau, 6—25cm breit und darüber, polsterförmig, dickfleischig, trocken, j
Oberhaut nicht abziehbar, oft zerrissen.
Röhren: gelblich, dann grüngelblich bis schmutzig-olivgelb, bei Verletzung blaugrün. Mündungen jung
blaßgelb, dann rötlich überhaucht, blutrot mit orangegelber Randzone, im Alter schmutzig olivgrün, bei
Druck grünblau.
Stiel: an der Spitze blaß goldgelb, weiter abwärts karminrötlich, am Grunde olivgrau und gelblich, teilweise
mit sehr feinem, karminrotem Adernetz bekleidet, knollig bis dickbauchig, im Verhältnis zur Hutgröße
kurz. 5—12 cm hoch, ebenso dick.
Fleisch: weißlich, durchschnitten bläulichweiß. am Stiel schwach rötlich, fest, derb. Geruch widerlich, im
Alter aasartig!
August bis September, in Laubwäldern (Eichen, Buchen) auf Ton- und Kalkboden. Württemberg, Bayern,
Thüringen, Rhön, Nord- und Südharz. Rügen.
Giftig, doch hat er noch nie eine tödliche Vergiftung hervorgerufen. Roh gegessen ist er sehr giftig! — Stark
gebraten wird er in manchen Gegenden sogar gegessen.
Die vier abgebildeten Pilze werden häufig miteinander verwechselt.

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96. Schafeuter, Schafporling, Albatrellus ovinus Fakó zsemlegomba
Jung eßbar
Ein graugelblicher, unregelmäßiger, oft büschliger Porling mit kurzen, weißlichen,
leicht grünlich angehauchten Röhren. Diese Röhren sind schwer vom Hutfleisch
zu trennen. Bei den meisten Röhrlingen lassen sich dagegen die Röhren leicht vom
Hutfleisch ablösen.
Hut: blaßgelblich, graugelblich oder blaßbräunlich, bei Einzelwuchs regelmäßig
und fast kreisrund, 5—12cm breit, glatt, später rissig bis felderig, bei gedrängtem
Wachstum verbogen und gelappt.
Röhren: anfangs weiß, später gelblich, häufig mit grünlichem Schimmer, kurz,
1—3 mm lang, am Stiel herablaufend, Mündungen weiß, später gelblich, sehr fein,
rundlich, schwer ablösbar.
Stiel: weiß, häufig seitlich, aber auch zentral gestellt, 3—5 cm lang, 1—3 cm breit,
glatt und voll, aber ziemlich brüchig.
Fleisch: weiß, bei Druck öfter gelblich, derb, brüchig, im Bruch uneben und
gezackt, Geruch und Geschmack angenehm.
Sporen: weißlich, rundlich, 4 x 3 ym.
Das Schafeuter kommt von Juli bis Oktober in Nadelwäldern von, oft gruppen­
artig miteinander verwachsen. Im Osten ist es seltener.
Es ist schmackhaft, hat aber härtIiches, oft madiges Fleisch. Zweckmäßig
zerkleinert man es und verarbeitet es zu Pilzbratlingen.

97. Semmelpilz, Semmelporling, Albatrellopsis conflueus Sárga zsemlegomba


Jung eßbar, doch häufig bitter
Mehrere, aus großen Lappen bestehende, semmelgelbe Hüte mit kurzen, weiß­
lichen, schwer ablösbaren Röhren; meist zu einem Knäuel vereinigt.
Fruchtkörper: bilden oft ansehnliche Rasen von 10—30cm Breite. Aus einem
gemeinsamen verästelten Stiel wachsen etwa 5—12 Hüte hervor, die sich dach­
ziegelartig übereinanderlegen wie große Lappen.
Hut: semmelfarbig bis rötlichgelb oder fleischgelb, ungleichmäßig, jung, glatt;
bei Trockenheit felderig zerrissen, 4—15cm breit, fleischig, derb. Oberhaut nicht
abziehbar, Rand anfangs eingerollt.
Röhren: weiß, kurz, 1—2mm lang, am Stiel herablaufend und schwer vom
Fleisch zu trennen. Mündungen weiß, dann gelblich-blaßrötlich, klein, rundlich,
oft fein zerschlitz'.
Stiel: strunkartig, steckt meist tief in der Erde und teilt sich in mehrere weiße,
leicht gelblich werdende Einzelstiele.
Fleisch: weiß, unveränderlich, jung zart und saftig, im Bruch glatt, später derb
und trocken, manchmal mit Hohlräumen durchsetzt; Geruch unauffällig,
Geschmack oft ziemlich bitter.
Sporen: weißlich, ellipsoid bis eiförmig, 5— 6 X 3— 4 ym .
Der Semmelporling kommt von Juli an in Nadelwäldern vor, stellenweise häufig.
Er ist nur jung eßbar, im Alter ziemlich zäh und bitter. Oberhaut und Röhren
sind zu entfernen, da sie Bitterstoffe enthalten. Beim Kochen und Einmachen
nimmt das Fleisch eine hellrötliche Färbung an. Die Bitterkeit scheint in einzelnen
Gegenden verschieden stark zu sein.
Von oben betrachtet kann er mit einem Semmel-Stoppelpilz verwechselt werden
Dieser hat aber auf der Unterseite Stacheln.
Der ähnliche Schafporling unterscheidet sich vom Semmelporling durch den unver/weigten Stiel, grau
werdende Oberhaut und den grünlichen Schimmer auf den Röhren.

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98. Schuppiger Porling, Polyporus squamosus Pisztricgomba
Jung eßbar
Ein schon frühzeitig im Mai erscheinender Porling, der recht groß werden kann
(bis zu '/2 m breit) und dadurch oft Aufsehen erregt. Er wächst an Laubholz­
stümpfen und Laubbäumen und ist an seinem schwarzbraunen Stiel gut kenntlich.
Fruchtkörper: weißlich-gelblich, alt ockergelblich und auf der Oberseite mit
breiten, angedrückten braunen Schuppen bedeckt (wird dadurch manchmal für
den Habichts-Stachelpilz gehalten). Er ist flach, fächer-, nieren- bis muschelförmig
ausgebreitet, manchmal sogar flach trichterförmig, derb, 10—30 (—50) cm breit.
Der Hutrand ist erst etwas eingebogen. Der Fruchtkörper bricht aus der Baum­
rinde als kleiner, zylindrischer Körper hervor, der sich schnell zu einem großen
Pilz entwickelt.
Röhrenschicht: gelblichblaß, kurz, herablaufend, nicht ablösbar, fest mit dem
Hut verwachsen.
Poren: gelblichblaß, zuerst fein, dann weit, eckig, oft zerschlitzt.
Stiel: blaßgelb, am Grunde schwarzbraun, kurz und dick, 4—5cm lang, 1½—3
(—5) cm breit, in der Jugend zentral, später seitenständig oder exzentrisch
gestellt. Er ist etwas grubig.
Fleisch: weißlich, zuerst weich, sehr bald zäh und holzig. Es schmeckt angenehm,
solange es saftig und noch nicht zäh ist. Das Fleisch riecht jung nach frischen
Gurken. Es gibt ausgekocht eine gute Brühe.
Sporen: weiß, schief zylindrisch, 10,5—12,5 x4—5,3 ym.
Der Schuppige Porling kommt von Mitte April bis Oktober an verschiedenen
Laubbäumen und Stümpfen vor, stellenweise häufig, einzeln oder zu mehreren
dachzieglig übereinander. Der Fruchtkörper ist einjährig und zeigt ein sehr
schnelles Wachstum. Gefährlicher Holzzerstörer für lebende Bäume!

99. Bunter oder Schmetterlings-Porling, Trametes versicolor Lepketapló


Ungenießbar
Der häufigste Porling an Baumstümpfen. Er zersetzt deren Holz und macht es
mürbe.
Fruchtkörper: fällt durch sein schönes Aussehen auf, ähnlich dem eines bunten
Schmetterlings. Er ist durch verschiedenfarbige, schmale konzentrische Zonen, die
weißlich, gelblich, bräunlich, hell- oder dunkelgrau, bläulich oder schwärzlich
sein können, gekennzeichnet, die nach außen heller, nach innen meist dunkler
sind. Im Alter ist er oft durch Algen grün gefärbt. Seine Oberfläche ist feinsamtig
oder seidenhaarig und glänzend. Der Fruchtkörper ist halbkreis- oder nieren­
förmig, 6—12cm breit, 0,2—0,4cm dick, mit dünnem, welligem oder buchtigem
Rand.
Röhren: erst weiß, dann weißgelblich, später ockergelb, sehr kurz, 0,1—0,2cm
lang.
Poren: weiß oder gelblich, sehr fein, eng, rundlich, scharf, im Alter oft zerrissen
und zahnartig-zerschlitzt.
Substanz: weiß, lederartig, zäh, im Alter trocken.
Sporen: weiß, zylindrisch (wurstförmig), 6—8 x 2—2,5 ym. Staub cremefarben.
Der Schmctterlings-Porling wächst das ganze Jahr hindurch an alten Stümpfen
der verschiedensten Laubhölzer, sehr häufig. Er verursacht starke Weißfäule.
Der Bunte Porling ist von allen Porlingsarten d ie häufigste. Hin ähnlicher Porling ist d er Stri egeli ge Porli ng, Tr. hirsuta
Borostás egyrétűtapló (Bd. 11/48).

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100. Schwefelporling, Laetiporus sulphureus. Sárga gévagomba
Jung eßbar, jedoch roh giftig
Ein auffallendes, leuchtend schwefel-orangegelbes Pilzgebilde, als knollige Masse
oder Konsole an lebenden Bäumen.
Die Hüte des oft riesengroßen Fruchtkörpers (bis 1m) sind flach, fächerartig
ausgebreitet, waagerecht abstehend, aber auch knollen-, keulen- oder polster­
förmig. In der Jugend sind sie gelblichrot, dann hellgelb, schwefelgelb bis
orangefarben, zuletzt verblassend, im Alter weißlich.
Röhren: schwefelgelb, kurz, 2—4mm lang; die gleichfarbigen Mündungen sind
sehr fein und sondern jung gelbliche Tropfen ab.
Fleisch: lebhaft gelb, mit gelbem Saft, später blaßgelblich bis weißlich, jung '
weich, saftig, käseartig, dann hart, zäh, trocken und brüchig werdend, leicht zu
zerreiben und zu zerbröckeln, mit stark aromatischem Geruch und herbsäuer­
lichem Geschmack.
Sporen: farblos, rundlich-ellipsoid, 5—7x3,5—4.5ym. Staub blaß schwefel­
gelb.
Der Schwefel-Porling ist nur jung eßbar. Man kocht ihn in Salzwasser, wiegt
die Masse klein, brät sie und schmeckt mit Pfeffer ab. auch zu Pilzklopsen und
Pilzschnitzel verwendbar. Er kommt von Mai bis September an lebenden und
toten Laubbäumen (Eichen, Pappeln, Weiden, Robinien, besonders Obstbäumen)
vor, ausnahmsweise auch an Nadelbäumen.
Der Pilz entwickelt sich bei feuchtem Wetter sehr schnell. Das gelbweiße Pilzmyzel ist ausdauernd und
treibt jedes Jahr frische Fruchtkörper, deren Sporen Juli oder August reif sind. Diese dringen mit ihrem
Keimschlauch in Wundstellen an lebenden Bäumen ein. Das Myzel breitet sich in großer Ausdehnung
durch den Stamm aus. wächst jahrelang im Kernholz und zerstört es (Braunfäule). Es wuchert in breiten,
bandartigen Streifen längs der im Holz entstehenden Risse und Spalten und bedeckt diese mit einem
gelblichen Überzug.

101. Leberpilz, Ochsenzunge, Fistulina hepatica Májgomba Jung eßbar


Dunkelblutrote, zungenförmige, weiche, kurzlebige Fruchtkörper, die im Früh­
herbst besonders an Eichen wachsen.
Fruchtkörper: erst orangefarben, bald blutrot, später braunrot-leberfarben,
zuletzt dunkelbraun, zungen- bis nierenförmig oder leberartig gelappt. 10—30cm
breit, doch auch mehr, 3—6cm dick, fleischig, saftig, stiellos oder kurzgestielt,
bei feuchtem Wetter dickschleimig, bei trockenem Wetter etwas klebrig.
Fruchtschicht: auf der Unterseite ähnelt äußerlich der eines Porlings. Sie besteht
aus kurzen, 0,5—1cm langen Röhrchen, die sehr dicht stehen, aber voneinander
getrennt bleiben, nur mit dem Hutfleisch fest verwachsen und von ihm kaum
trennbar sind. Jung ist die Fruchtschicht körnigwarzig, die Warzen entwickeln sich
zu zapfenartigen Vorsprüngen, die sich zu walzenförmigen, anfangs vorn ge­
schlossenen und erst bei der Reife sich öffnenden Röhren verlängern. Die Mün­
dungen sind blaßgelblich, nehmen im Alter und bei Druck rötliche oder bräunliche
Farbe an und sondern manchmal auch rote, säuerlich schmeckende Tropfen ab.
Fleisch: zart, anfangs wäßrig, es enthält einen blutroten Saft, der beim An­
brechen austritt. Die Schnittfläche zeigt ein Gemisch von fleischroten und
weißlichen, längsfaserigen Streifen, die fast strahlenförmig angeordnet sind,
doch so, daß oben mehr rote, unten mehr weißliche Streifung überwiegt. Den
Streifen entsprechend läßt sich das Fleisch leicht in Fasern zerlegen. Es hat
einen erfrischenden, obstartigen Geruch und säuerlichen Geschmack.
Sporen: hellbräunlich, eiförmig, 4,5—5,5 x 3-3.5 ym. Staub braun.
Wächst als Parasit einzeln von August bis Oktober an alten Eichen, Rotbuchen
und Edelkastanien.
Jung ist der Pilz genießbar! Ältere Fruchtkörper müssen gewässert werden.

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um die Gerbsäure herauszuziehen. Wie Schnitzel zubereitet oder gut gekocht,


in Essig eingelegt, schmeckt er angenehm.
Entwicklungsgeschichtlich und anatomisch nimmt der Pilz eine Sonderstellung ein; er gehört nicht
zu den Porlingen.

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Zwei Hutpilze, die auf der Unterseite Stacheln tragen an Stelle von Blättern
oder Röhren:

102. Semmel-Stoppelpilz, Hydnum repandum Sárga gereben


Jung eßbar
Hut: weißlichgelb, ockerfarbig bis orangerötlich, 5—12cm breit, unregelmäßig
gestaltet, zuerst flachgewölbt, dann trichterförmig vertieft, glatt, fettig anzufühlen,
fleischig und zerbrechlich. Die Oberhaut ist nicht abziehbar. Nicht selten sind
benachbarte Hüte miteinander verwachsen.
Stacheln oder Stoppeln: gelblich oder weißlich, ungleich lang, spitz, weich,
leicht zerbrechlich. Sie stehen gedrängt, laufen meist am Stiel etwas herab und
lassen sich leicht vom Hut ablösen.
Stiel: meist blasser gefärbt als der Hut, ziemlich kurz, 3—6cm hoch, 1—2cm
dick, oft verbogen, derb, voll.
Fleisch: weißlich oder gelblichweiß, im Hut ziemlich weich, im Stiel derber,
brüchig. Der Geruch ist angenehm, der Geschmack erst mild, dann brennend wie
beim Pfifferling, im Alter etw'as bitter.
Sporen: farblos, fast rundlich, 7—x 6—8ym. Staub weißlich-cremefarben.
Die Semmel-Stoppelpilze wachsen von Juli bis November im Laub- und Nadel­
wald. oft in Reihen oder Kreisen, häufig. Sic ähneln von oben gesehen Pfiffer­
lingen.
Ähnlich ist der Rotgelbe Stoppelpi lz, Hydnum rufescens Sárgásvörös gereben (Bd. 11/77). Sein Hut ist dünner,
regelmäßiger, fast orangerot bis rötlichgelb. Die Stacheln sind ebenfalls rötlichgelb. Der Sti el ist weiß, an Druckstellen
gelblich bis bräunlich. Das Flei sch ist weißlich, weicher. Er wächst in Laub- und Nadelwäldern, besonders häufig in den
Fichtenwäldern der Gebirge. Er ist ebenfalls eßbar.

103. Habichtspilz, Rehpilz, Sarcodon imbricatus Cserepes gereben


Jung eßbar, jedoch roh giftig
Hut: bräunlich bis umbrabraun, flach ausgebreitet, in der Mitte meist vertieft,
am Rand jung eingerollt, 6—20cm breit, oben mit schwarzbraunen, sparrigen,
konzentrisch angeordneten, dicken Schuppen bedeckt, die an Habichtsgefieder
erinnern.
Stacheln: erst weißlich, dann grau, dichtgedrängt, an Stiel herablaufend, sehr
brüchig, 0,5—1,2cm lang, an ein Rehfell erinnernd.
Stiel: weißgrau oder bräunlich, ungleichmäßig dick, kurz, 3—6, seltener bis 8 cm
lang, 1—3cm dick, derb, glatt, voll.
Fleisch: weißlich, dann graubräunlich, fest und derb, mit würzigem Geruch
und angenehmen Geschmack.
Sporen: bräunlich, rundlich-kantig, 6—7 x 5—6 ym. Staub braun.
Der Habichtspilz wächst von August bis November, besonders aber im Oktober
in dürren Kiefernwäldern, im Gebirge unter Fichten, örtlich häufig, meist gesellig
und oft in Reihen oder Kreisen.
Nur junge Pilze sind brauchbar. Ältere sind zäh, bitter und madig. Der kräftige,
würzige Geschmack macht sie besonders geeignet zur Bereitung von Pilzklopsen
(gehackt!), Suppen und Sülzen. Abbrühen ist anzuraten! Aus getrockneten
Habichtspilzen läßt sich ein zum Würzen von Suppen und Tunken vorzügliches
Pilzpulver herstellen.
Verwechselt werden kann der Rehpilz mit bitteren Stachelingen. so z. B. mit Sarcodon scabrosus Korpás gereben (Bd.
11/79), dem Gallen-Stacheli ng, der eine hellere, falbrötliche Färbung, kleinere angedrückte Schuppen und eine schwärzliche
Stielbasis besitzt. Der Geschmack ist stark bitter, daher ist dieser Pilz ungenießbar. Er wächst an den gleichen Stellen wie
Sarc. imbricatus Cserepes gereben

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Keulen- und Korallenpilze, ein Schmuck unserer Wälder und Heiden!
104.Gelbstielige Keule, Heide-Keule, Clavaria argillacea, Eßbar Krémszínű bunkógomba

Fruchtkörper: weißlich bis blaß gelblich, im Alter auch ockergelblich, ausblassend, '
unten glänzend, einfach, unverzweigt, leicht zerbrechlich, immer voll, fast zylin­
drisch bis schlank keulenförmig, oben stumpf abgerundet und mitunter etwas
verbreitert, nach unten schmal, manchmal verbogen, abgeflacht oder mit flachen
Furchen, 3—Sem hoch.
Sporen: farblos, ellipsoid bis fast zylindrisch, glatt, 7—8 X 4—5 ym. Staub weiß.
Die Heide-Keule wächst von Juli bis November auf Heideplätzen, Dünen und
trockenen Sandplätzen zwischen Heidekraut, in Silbergrasfluren und auf trockenen
Waldwiesen, einzeln oder büschelig (meist zu 4-8). häufig an entsprechenden
Standorten.
105. Hahnenkamin, Rötliche Koralle, Bärentatze, Ramaria botrytis
Eßbar Rózsáságú korallgomba
Fruchtkörper: besteht aus einem weißlichen, kurzen, dicken, fast knolligen, am
Grunde häufig zugespitzten Strunk, der 3—6cm hoch und ebenso dick ist. Nach
oben spaltet er sich in mehrere starke, meist etwas gebogene Äste, die sich immer
feiner korallenartig verzweigen und aufrecht stehen. Die Hauptäste sind zuerst
schmutzig weißlich oder blaß gelblich. Die nach oben dicht gedrängten Ästchen
sind kurz-gestutzt. rötlich gefärbt, oft aber auch ausgeblaßt, im Alter braun-
gelblich. Der Fruchtkörper wird insgesamt bis 20cm hoch.
Fleisch: weißlich bis schwach gelblich, in den Spitzen rötlich, zart, sehr brüchig,
doch derb und saftig, nicht zäh; der Geschmack ist mild.
Sporen: gelblich, länglich-ellipsoid, 12—20 x 5—6 ym. Staub hell ockerfarben.
Der Pilz wächst von Juli bis Oktober in Laub- und Mischwäldern, besonders
unter Buchen. Einer unserer schmackhaftesten Korallenpilze, dessen Spitzen aber
entfernt werden müssen, falls sie bitter sind.
Durch Regenwettcr ausgeblaßte Exemplare können mit der Blassen Koralle, Ramaria pallida Halvány korallgomba (Bd.
1/ISO), verwechselt werden. Sie ist größer, stark korallenartig verzweigt, jung falbblaß bis schmutzig gelblich mit schwach
lila gefärbten Endästchen. Im Alter ist sie blaß ocker. Sie ist giftig, ruft Darmstörungen hervor und ist auch in Mischgerichten
zu meiden! Der Giftgehalt schwankt: Todesfälle durch sie sind nicht bekannt (siehe auch Bd. 11/1 14—138).

106.Krause Glucke, Fette Henne , Sparassis crispa. Eßbar Fodros káposztagomba

Der an und unter Nadelhölzern wachsende, oft kopfgroße Pilz ähnelt einem
blaßgelben Blumenkohlkopf.
Fruchtkörper: anfangs weißlich, dann gelblich, im Alter bräunlich gefärbt; von
weitem gesehen, kann er eine am Kiefernstamm hockende Henne vortäuschen.
Der Pilz ist 5—20cm hoch, 6—30cm breit, manchmal auch mehr, und kann 2—5 kg
schwer werden, in Ausnahmefällen noch viel größer. Der Strunk wächst aus einer
tief in der Erde liegenden Kiefernwurzel nach oben. Er ist fleischig und in zahl­
reiche flachgedrückte, gekräuselte Äste geteilt, deren Enden abgestutzt, wellig­
kraus oder gelappt sind. Die flachen Äste sind von der Fruchtschicht überzogen,
welche die Sporen erzeugt.
Fleisch: weiß, wachsartig; es hat würzigen Geruch und nußartigen Geschmack.
Sporen: farblos, kurz ellipsoid, 6—7 x 4—5 ym. Staub cremefarben.
Die Krause (ilucke wächst von August bis November besonders in Kiefernwäldern am Fuße alter Bäume
auf deren Wurzeln, seltener an Fichten, Tannen und Douglasien. Sie erscheint meist regelmäßig Jahr für
Jahr an derselben Stelle wieder. Schneidet man den Fruchtkörper vorsichtig unter Zurücklassung einiger
Randteilchen ab. so bilden sich neue, kleinere Pilze.

Fortsetzung s.S. 197

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107. Orangegelbe Koralle, Ramaria aurea. Aranysárga korallgomba
Jung eßbar
Ein farbenprächtiger Pilz, häufigste und bekannteste Koralle, orange- bis goldgelb,
zuletzt ockergelb.
Fruchtkörper: orangegelb bis goldgelb oder eigelb, bisweilen nur orange, im
Alter satt ockergelb, dicht verzweigt, 6— 12cm hoch und dick.
Strunk: weißgelblich, zuletzt ockergelb, derb, kurz, dick, 3—4cm hoch, 3—5cm
dick, elastisch, stark verästelt.
Äste: hellgelb bis dottergelb, zahlreich, aufrecht, sehr dichtstehend, glatt,
geteilt.
Zweige: hellgelb bis goldgelb, derb, kurz, steif, vielfach gabelig verzweigt,
ziemlich locker mit stumpfen, gezähnelten Endzweigen.
Fleisch: weißlich, nach der Oberfläche zu gelblich, zart, wäßrig-marmoriert, in
den Ästen ziemlich elastisch, leicht zerbrechlich, hat würzigen Geruch und
milden Geschmack.
Sporen: dunkel ocker, schmal ellipsoid bis fast zylindrisch, fein warzig,
9—10 (—13) X 3—6y m. Staub ockergelblich.
Die Orangegelbe Koralle kommt von August bis Oktober hauptsächlich im
Nadelwald vor, auch im Laubwald, besonders unter Buchen auf Kalkboden. Sie
ist recht wohlschmeckend; alte Exemplare sind allerdings minderwertig und
können Durchfälle erzeugen.
Verwandte: Schwefelgelbe Koralle, Ramaria flava, Sárga korallgomba jung eßbar. Kleiner und dicker; hat primelgelbe
Äste und Zweigspitzen und einen weißen Strunk, der manchmal weinrötliche Flecke aufweist. Besonders im Laubwald (unter
Buchen), seltener im Fichtenwald. Ältere Exemplare beider Arten können mit der giftigen Schönen oder Dreifarbigen Koralle,
Ramaria formosa Cifra korallgomba (Bd. 11/131) verwechselt werden. Diese ist gelb bis bräunlichgelb und hat drei
Farbtöne: der Strunk ist jung lebhaft fleischfarben-orange, blaßt aber später nach unten aus und wird weißlich; die Äste sind
matt orangerosa; die Zweige sind blaß ockergelb, die Enden blaß- bis zitronengelb. Im Alter wird der ganze Fruchtkörper
ockergelblich.

108. Violette Koralle, Clavulina amethystina Ametiszt-korallgomba


Eßbar
Auffallend violette Farbe, starke Brüchigkeit und sehr kurzer Strunk.
Fruchtkörper: jung weißlichgrau, dann leuchtend violett oder lilafarben, im
Alter bräunlich, im getrockneten Zustand graugelblich, 5—10 cm hoch, ebenso
breit, sehr zerbrechlich.
Strunk: auffallend kurz (fehlt mitunter), verästelt sich sehr stark.
Äste: stehen aufrecht, sind kurz, zylindrisch, glatt, ziemlich zahlreich, meist
gabelig verzweigt und oft gewunden.
Zweige: sehr zerbrechlich, beim geringsten Druck brechen sie ab: eine Eigen­
schaft. die in diesem Maße kein anderer Korallenpilz hat; sie sind rund, glatt,
wenig zerteilt und haben stumpfe Endästchen.
Fleisch: wird beim Trocknen rasch gelblich und ist ziemlich brüchig.
Sporen: farblos, rundlich, glatt, 8—10 x 8—9ym. Staub weißlich.
Diese schön gefärbte Koralle ist ziemlich selten. Sie wächst von August bis
November in feuchten Wäldern.
Ähnlich und viel häufiger: Graue Koralle, Clavulina cinerea Szürke korallgomba (Bd. 11/128). Eßbar. Stark verzweigt,
hat dickliche Äste. Der Fruchtkörper ist grau bis aschgrau, doch auch schmutzig-gelblich, schwach lila über­haucht, seltener
ins Schwärzliche übergehend, stark verzweigt, trocken, fleischig, leicht zerbrechlich, bis 10cm hoch. Sie wächst von
September bis November in Laub- und Nadelwäldern, meist in Gruppen.

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109. Herbst-Trompete, Toten-Trompete, Craterellus cornucopioides Sötét trombitagomba
Eßbar, guter Gewürzpilz
Ein dunkles Füllhorn von brauner bis grauschwarzer Färbung, tief trichterförmig,
außen runzelig, biischelig wachsend. Nahe verwandt mit den Pfifferlingen, doch
sind im Gegensatz zu diesen (s. Nr. 76) die Leisten der Hutunterseite kaum
ausgebildet.
Fruchtkörper: tief trichterförmig, 5— 12 cm hoch, bis zum Grunde durchgehend
hohl, im oberen Teil erweitert, bis 8cm breit, am Rand umgeschlagen, später
wellig verbogen. Innen im feuchten Zustand dunkelbraun, trocken braungrau,
alt schwarzgrau bis schwarz. Die Unterseite (Außenseite) ist anfangs graublau
oder aschgrau, glatt, dann grubig und faltig, auch aderig gerunzelt, von der Frucht­
schicht überzogen und daher später durch die Sporen weißlich bereift.
Geruch: schwach, alt modrig, unangenehm; Geschmack erdig.
Sporen: farblos, ellipsoid, innen abgeflacht, 10—13 X 6—7(im. Staub weiß.
Die Herbst-Trompete wächst von August bis November in Laubwäldern, vor
allem unter Buchen und Eichen, oft büschelig, meist in Mengen; sehr selten
im Nadelwald; besonders auf lehmigem und kalkhaltigem Boden.
Verwandte:
Grauer Lei stli ng, Craierellus cinereus, Szürke rókagomba eßbar. Rauchgrau, kleiner alsd ie Herbst-Trompete, nur bis 3cm
breit, tief trichterförmig mit nur leicht gekräuseltem Rand . Außenseite grau bereift, mit hellgrauen, gegabelten, schwachen
Leisten. Biischelig wachsend, im Buchenwald, nur stellenweise (Bd. III 2*)3).
Trompeten-Pfi fferli ng, Craterellus tubaeformis Tölcséres rókagomba (Bd. III 2()1). eßbar. Durchfeuchtet graubraun bis oliv-
braun, graugelblich bis rußiggelb, sogar fast gelb, mit graubräunlichen, bläulichgrauen oder schmutziggelben Leisten. Stiel
ebenfalls sehmutziggelb.
Starkri echender Pfi fferli ng, Craterellus lutescens, Szagos rókagomba eßbar. Hut rußbraun. Außenseite glatt oder runzelig
bis schwach faltig (nicht blätterartig), rosa bis lachsfarben. Starker mirabellenartiger Geruch. Im Nadelwald, nur gebietsweise.

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110. Schwärzender Bovist, Eier-Bovist, Bovista nigrescens Feketedő pöfeteg
Jung eßbar
Kugeliger, hühnereigroßer (3—9cm), weißlicher Fruchtkörper mit dünner Schale,
darunter mit zäher, pergamentartiger Haut um die weiche Innenmasse. Diese,
auch Fruchtmasse oder Gieba genannt, ist anfangs weichfleischig, rein weiß,
dann gelblich bis olivbraun und zunehmend wäßrig, zuletzt wieder trocken,
staubig und dunkel purpurbraun.
Sporen: kugelig mit anhängendem Stielchen, warzig, etwa 5ym, dunkelbraun
bis schwärzlich.
Von Juni bis November besonders auf Bergwiesen, doch auch in schattigen,
nährstoffreichen Laubwäldern, auf Ödland u.a., meist truppweise. Im Gebirge
häufig, im Flachland seltener. Der Pilz ist nur jung eßbar, so lange er innen
noch rein weiß ist. Nach der Sporenreife ist die pergamentartige Hülle noch
monatelang haltbar.
Ähnlich ist der Bleigraue Bovist, Bovista plumbea Szürke pöfeteg (Bd. II 145). jung eßbar, nur I—5cm groß, anfangs rein
weiß, nach dem eicrschalenartigen Abbröckeln der weißen Außenhülle erscheint die bleigraue, pergamentartige, dauerhafte
Innenhülle. Die Innenmasse ist erst rein weiß, dann oliv- bis umberbraun. Auf Wiesen und Weiden, besonders im Flachland
sehr häufig.
Zwerg-Bovi st, Bovista pusilla, Kicsiny pöfeteg bed eutungslos, nur 0,5—2cm groß, cremeweiß mit kleiiger Oberfläche, in
Trockenrasen auf Sandböden oft massenhaft.
Im Gegensatz d azu bild et d er Ri esenbovi st. Lang erniannia g ig antea Óriás pöfeteg (Nr. 112) auf nährstoffreichem Weid e- und
Gartenland bis kürbisgroße Fruchtkörpcr.

1 1 1 Kartoffel-Hartbovist, Dickschaliger Kartoffelbovist, Rőt áltrifla


Scleroderma citrinum. Giftig

Fruchtkörper: strohgelb bis ocker, 3—10cm breit, stiellos oder mit sehr kurzem
Stielansatz, am Grunde mit einem Schopf wurzelähnlicher, gelblichweißer Myzel­
stränge.
Hülle: derb, ziemlich hart, erst fleischig, dann lederartig, 2-4mm dick, fein
gekörnt, gefeldert oder grob geschuppt, im Gegensatz zu den eigentlichen Bovisten
(Nr. 110) ohne definierte Öffnung, sondern unregelmäßig zerfallend.
Innenmasse: anfangs violettschwarz, weiß geadert, derbfleischig, dann schiefer­
grau und trocken, pulverig zerfallend. Sporenstaub dunkel olivbraun. Das Innere
des Pilzes riecht widerlich, leuchtgasartig.
Sporen: braun, kugelig, netzmaschig, 8—13[im.
Er wächst von Juli bis November im Laub- und Nadelwäldern, nur auf sauren
Böden (Silikatgestein, Sandböden, Moore), oft nesterweise. Vor seinem Genuß,
auch als Gewürz, ist zu warnen. Genuß größerer Mengen erzeugt Ohnmachts­
anfälle, Schweißausbrüche. Übelkeit und Erbrechen. Man hüte sich davor, sich
diesen oberirdisch wachsenden Giftpilz als Trüffel (s. Nr. 124, 125) anbieten
zu lassen!

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110

111

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112. Riesenbovist, Langermannia (Clavatia) gigantea Óriás pöfeteg
Jung eßbar
Großes Erstaunen weckt stets der Riesenbovist: eine weiße Kugel von außer­
ordentlicher Größe, bis 50cm breit und hoch, bis über 10kg schwer, aber
getrocknet wesentlich leichter. Einem großen Kürbis gleich, erregt er Interesse
und wird oft in den Tageszeitungen erwähnt oder sogar abgebildet. Er gehört
zu den Bauchpilzen (Gasteromvcetidae), die ihre Sporen im Innern der Frucht­
körper erzeugen.
Der Fruchtkörper ist lange Zeit weißlich, glatt oder fein filzig-flockig, wasch­
lederartig, dann graugelb, gelbbräunlich oder braun, mitunter gefeldert; er ist
10—15cm hoch und mitunter bis 150cm breit, kugelig, stiellos, am Grunde mit
weißen, schnurartigen Myzelsträngen. Die äußere Hülle ist ohne Stacheln oder
Warzen; bei der Reife löst sie sich von oben beginnend stückweise ab; die
innere Hülle ist dünnhäutig, papierstark, erst weiß, später graugelblich bis grau;
sie wird erst nach dem Abplatzen der äußeren Hülle sichtbar. Nach und nach
zerfällt sie unregelmäßig, so daß dann die wollige Innenmasse frei liegt und nur
von einem kleinen, unregelmäßig gerandeten becherförmigen Basisteil getragen
wird.
Die Fruchtmasse (Gieba) im Innern ist erst rein weiß, markig, später locker,
gelb, olivgrün, schließlich graubraun, trocken, dicht wollig-wergartig, ziemlich
kompakt und dauerhaft. Am Grunde findet sich eine relativ kleine, zähere, sterile
Masse (die Suhgleba) von gleicher Färbung.
Der Geruch ist zunehmend unangenehm, schließlich widerlich, harnartig; der
Geschmack fade.
Die Sporen sind bräunlich, annähernd kugelig, sehr fein warzig, 4—5,5 ym
Durchmesser; Staub je nach Reifegrad olivgrünlich bis graubraun.
Der Riesenbovist kommt von Juli bis Oktober auf stickstoffreichen Böden
auf Wiesen, Weiden, Rieselfeldern, in Straßengräben, aber auch auf fetter Erde
im Erlen-Eschenwald vor. Gelegentlich tritt er in „Hexenringen“ auf, sonst einzeln
oder in kleinen Gruppen, fast nur im Flach- und Hügelland.
Ein einziger Riesenbovist kann eine schmackhafte Mahlzeit für eine Familie
liefern. Er ist jung, solange er innen noch weiß ist. als Speisepilz gut zu verwenden.
Die Haut ist abzuziehen, das weiße Innere in Scheiben oder Streifen zu schneiden
und gut durchzubraten; man kann ihm auch panieren. Ungenügend gebratene Pilze
schmecken bitter und können daher für manchen Sammler unbekömmlich sein.
Ähnlich ist der Sternstäuhling, Mycenastrum corium Hasadt pöfeteg ( Bd. II 154). welcher sich seit I960
zunehmend in der DDR ausbreitet und wie der Riesenbovist stickstoffreiche, aber meist trockenere Standorte besiedelt. Der
kuglige Fruchtkörper erreicht 15,5cm Druchmesser. hat eine derbe, leder- bis korkartige Hülle, die außen anfangs glatt, dann
felderig-grobschuppig ist und schließlich unregelmäßig sternförmig aufreißt und das dunkelbraune Sporenpulver freigibt. Der
Sternstäubling kann gleichfalls gegessen werden, so lange sein Inneres noch weiß ist.

Ähnlich ist auch der Hascn-Stäuhling, Clavulinopsis fusiformis Sárga bunkógomba (Bd. II/144), jung eßbar. Hin reichlich
faust­großer. dick bimförmiger, grauweißlicher Stäubling mit pyramidenartig zerklüfteter oder getäfelter Ober- Fläche. Er
wächst von Juni bis Oktober auf nährstoffarmen Wiesen. Triften und Dämmen; neuerdings scheint er durch künstliche
Düngung selten zu werden. Vom Spätherbst bis zum Frühjahr bleiben die kopflosen, becherförmigen, braunen Reste an den
Fundorten erhalten.

is»
112

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1 13. Fransen-Erdstern, Geastrum fimbriatum Közönséges csillaggomba
Ungenießbar
Unser häufigster Erdstern! Voll entwickelt ein sternförmiges Gebilde, das durch
Aufplatzen einer Kugel entsteht.
Zuerst ein unterirdische Kugel. Die äußere Schale platzt an der Spitze auf und
zerreißt in 5—8 Lappen, die sich rückwärts krümmen, so daß eine innere Hülle
freigelcgt wird, welche wie ein Bovist (Nr. 110) die Sporenmasse enthält. Die
Innenkugel sitzt stiellos in der Mitte des Sternes und erhält am Scheitel eine
gewimperte Öffnung, aus welcher die Sporenwölkchen entweichen können.
In frischem Zustand sind die Sternzipfel von einer hellbräunlichen, marzipan­
artigen Schicht bedeckt, später sind sic pergamentartig dünn.
Die Sporen sind gelbbräunlich, kugelig, 3—1 [im. Der zierliche Pilz wächst von
Augut bis Oktober in trockenen Nadelwäldern.
Es gibt in Europa etwa 25 Arten von Erdsternen (siehe Bd. 11/158—174), aber nur wenige sind häufig.
Der Rotbraune Erdstern, Geastrum rufescens, Rőt csillaggomba hat ebenfalls eine gewimperte Öffnung. Er ist ziemlich groß;
seine ,,Marzipanschicht'' auf den Sternzipfeln ist anfangs rosa, später dunkelbraun und durch tiefe Risse zerklüftet.
Vorwiegend im Laubwald.
Der Halskrausen-Erdstern, Geastrum triplex, Hármas csillaggomba hat einen Ring umd ie gewimperte Münd ung, und
„Marzipanschicht“
die löst sich von der Außenhülle, dadurch einen flachen Becher um die Innenhülle bildend.
Vorwiegend im Laubwald und in Gärten auf nährstoffreichen Böden, anscheinend häufiger werdend.
Beim Kamm-Erdstern, Geastrum pectinatum, Fésűs csillaggomba bild etd ie Öffnung einen spitzen, faltig gerieften Kegel.
Die Innenhülle ist deutlich und unterseits gefurcht. Im Nadelwald.
Der Kragen-Erdstern, Geastrum striatum, Galléros csillaggomba hat gleichfalls eine spitze, faltig geriefte Öffnung. Die
gestielte, abgeflachte Innenkugel trägt unterseits gleichsam einen Stehkragen. In Gebüschen auf stickstoffreichem Boden
mitunter massenhaft.
Nur auf vier Sternzipfeln steht wie auf Stelzen der Kleine Nest-Erdstern, Geastrum quadrifidum. Fészkes csillaggomba Er
steht wie ein Krönchen mit den Spitzen der Lappen auf einer dem Boden eingesenkten .Schale. Ähnlich, aber viel größer ist
der Große Nest-Erdstern, Geastrum fornicatum. Csészés csillaggomba Alle Erdstern-Arten sind ungenießbar; wegen ihrer
Schönheit und biologischen Eigenart sind sie zu schonen!

1 14. Flaschen-Stäubling, Lycoperdon perlatum Bimbós pöfeteg


Jung eßbar
Fruchtkörper: weißlich, bei der Reife graubraun; bimförmig bis verkehrt flaschen­
förmig, der obere Teil kugelig, der untere zylindrisch, 4—9cm hoch; am Stielteil
oft grubig und unten mit weißen Myzelsträngen das Substrat ballend; weich­
fleischig. Ihn umgibt eine doppelte Hülle: die äußere ist mit der inneren verwach­
sen und besteht aus kurzen, kegelförmigen Stacheln, die jeweils kreisförmig von
kleinen Wärzchen umgeben sind. Die Kegelstacheln lassen sich leicht abwischen,
während die Wärzchen festhaften und ein hübsches Muster bilden. Der Scheitel
ist etwas buckelartig vorgewölbt und gibt später, nach dem Abfall der Stacheln,
eine kleine faserige Mündung frei, aus welcher der Sporenstaub entweicht. Die
innere Hülle tritt dann zutage; sie ist graubräunlich und papierartig.
Stiel: enthält ein anfangs weißes, später graubraunes, zelligschwammiges
Geliecht (die S u b g l e b a ) , welches in seinen hohlen Kammern keine Sporen
bildet und undeutlich gegen die den Kopfteil ausfüllende, sporenbildende G I e b a
abgegrenzt ist.
Fruchtmasse: erst weiß, zart und markig, später gelblich, olivbraun, breiig und
naß. bei der Reife endlich trocken und staubig-flockig. Tritt man auf den Pilz,
oder treffen ihn Regentropfen, so pufft aus seiner Scheitelöffnung eine olivbraune
Sporenwolke hervor; darauf bezieht sich der Volksname „Des Teufels Schnupf­
tabakdose". Geruch etwas rettichartig. Geschmack mild.

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Sporen: hell olivbraun, kugelig, 3,3—4,4ym, punktiert oder feinwarzig. Staub
olivbraun.
Der Pilz wächst von Juni bis November in Wäldern, an grasigen Stellen, oft
büschlig und truppweise.
Jung ist der Pilz eßbar, ebenso wie die meisten seiner Verwandten unter den
Stäublingen und Bovisten. In Scheiben geschnitten und in Ei und Semmelmehl
gewälzt gebraten, ergibt er eine schmackhafte und eiweißreiche Kost. Der Pilz
muß noch am Sammeltag gebraten werden, da er am nächsten Tage gelb und
unbrauchbar wird.

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115. Gemeine Stinkmorchel, Phallus impudicus Erdei szömörcsög
Nur jung (im Eistadium) eßbar
Die Stinkmorchel ist ein sehr merkwürdiger Pilz und zeigt eine höchst eigen­
artige Entwicklung.
Fruchtkörper: wächst zunächst unterirdisch und kommt dann als weißliche,
weiche, eiförmige Knolle an die Oberfläche. Von Juni an findet man diese in
Gärten und Wäldern. Ihre Basis ist durch einen wurzelartigen, derben Strang
mit dem zugehörigen ausdauernden Myzel verbunden. Im Volksmund führen diese
von einer lederigen Hülle umgebenen Gebilde den Namen „Hexeneier“ oder
„Teufelseier“. Ein Längsschnitt durch das innen harte, außen weiche Ei zeigt
seine eigenartige Zusammensetzung: Die Eischale besteht aus einer äußeren
und inneren Haut (Peridie) und einer zwischen beiden liegenden, dicken, durch­
sichtigen, bräunlichgelben, schlüpfrigen Gallertschicht. In der Mitte finden sich
Hut und Stiel in der Anlage vorgebildet. Die Fruchtmasse ist an ihrer dunkel­
olivgrünen Farbe kenntlich. Nach Erreichung des Reifestadiums platzt die äußere
Hülle an der Spitze auf, und in wenigen Stunden entsteht ein hoher Frucht­
körper aus der im Ei befindlichen Anlage. Dieser besteht aus einem Stiel und
einem glockenförmigen Hut.
Stiel: weiß, spindelförmig, 10—20cm lang, 2—4cm breit, dünnwandig, hohl,
löcherig-zeilig, schwammig-porös. Nach oben verjüngt, unten zugespitzt steht er
mit der Basis in der scheidenartigen, wulstigen Eischale.
Hut: am Scheitel durchlöchert, sitzt auf dem scheibenförmigen Scheitel des
Stieles, etwa 3 cm hoch, fingerhutförmig, nur an der Spitze mit dem Stiel ver­
wachsen, hängt frei-glockenförmig herab. Außen ist er mit einer dunkelolivgrünen,
schleimigen, die Sporen enthaltenden Fruchtmasse bedeckt, die zunächst dick­
breiig ist, dann dünnflüssig wird und langsam herabtropft, so daß zuletzt nur ein
weißliches, löcheriges, grubiges Gerippe übrigbleibt (es zeigt das wabenartige
Aussehen einer Morchel). Dabei entströmt dem Schleim ein sehr starker, aas­
artiger Geruch, der sich im Wald weit verbreitet. Er lockt Aasfliegen an. die nun für
die Verbreitung der Sporen sorgen.
Sporen: farblos, stäbchenförmig, 4 x 1 —2ym.
Der Pilz ist nicht giftig, doch reif ungenießbar! Die „Hexeneier“ können ohne
Haut gekocht und dann in Scheiben geschnitten wie Bratkartoffeln zubereitet
werden.
Der Aberglaube schrieb der Stinkmorchel wunderbare Kräfte zu, so wurde
sie zur Herstellung von Liebestränken und von Zaubermitteln benutzt, auch sollte
sie die Gicht heilen. — Größere Hexeneier können unter einer Glasglocke auf
feuchtem Moos leicht zur Entwicklung gebracht werden. — Selten findet man
merkwürdige Mißbildungen. So kommen bisweilen aus einem Ei zwei oder sogar
drei verbogene, unten zusammenhängende Stiele heraus (Zwillingsstadium).
Auch Stinkmorcheln mit abweichender Färbung, mit rosa oder blaßrötlich ange­
hauchter Eihülle und rosa bis violetten Myzelsträngen finden sich mitunter, vor
allem im Dünensande (Dünen-Stinkmorchel, Plu'illus hadriäni). Der Geruch kann
verschieden stark sein, selbst geruchlose Stinkmorcheln kommen vor.
Den Stinkmorcheln sehr ähnlich sind die Schleierdamen, die Möller in seinen „Brasilischen Pilzblumen'' (1895) beschrieb
und bei seinem Aufenthalt in ßlumcnau in Brasilien mehrere Jahre lang studierte: Phallus indusiatus. Szoknyás szömörcsög
Es bot sich ihm im Augenblick des Aufbrechens ein fesselndes Schauspiel bei der Entwicklung dieser Nachtblume, die bei
hereinbrechender Dunkelheit völlig „aufgeblüht“ war. Von dem Köpfchen, einem grünen Hütchen, hängt bei diesem
merkwürdigen Pil/ ein sehr zarter und vergänglicher, etwa 10cm langer, netzartiger Schleier herab, der den Stiel umgibt. Die
Ausdehnung des I 70 mm langen Frucht Körpers geschieht in 150 Minuten, also durchschnittlich I mm in I Minute; noch
schneller streckt sich der Schleier; dabei ist ein Knistern zu hören. Man kann diesen Pil/ also wachsen sehen und auch hören!
Der Geruch des Pilzes lockt zahlreiche Insekten an. welche für die Verbreitung der Sporen sorgen. Die ersten Sonnenstrahlen
lassen das zierliche Gebilde verwelken. Der Myzelstrang der Schleierdame ist violett; dieselbe Farbe findet

Fortsetzung s. S. 198

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116. Frühjahrs-Lorchel, Gift-Lorchel, Gyromitra esculenta Redős papsapkagomba
Giftig
Obwohl dieser Lorchel durch ihren Namen esculenta (= eßbar) bescheinigt ist,
daß sie zum Verspeisen da ist, birgt sie manche Tücke in sich und hat schon
vielen Menschen das Leben gekostet! Immer wieder hört oder liest man von
tödlichen Vergiftungen, die durch diesen Pilz verursacht wurden. Deshalb
Hände weg!
Hut: anfangs rotbraun, später kaffeebraun bis schwarzbraun, innen schmutzig­
weiß, außen zartfilzig, unregelmäßig gelappt, rundlich oder dreieckig, kraus durch
hirnartig gewundene oder wellig verlaufende Wülste und Furchen. Der Hut ist
mit dem Stiel verwachsen, sehr verschieden breit. 2—10cm
Stiel: weißlich, grauweiß bis blaßgelblich-weiß, schwachfilzig, anfangs markig,
später hohl und zellig. ungleichmäßig faltig, höckerig, grubig, 3—6cm lang,
1,5—3 cm breit.
Fleisch: wachsartig, dünn, sehr zerbrechlich, von angenehmem Geruch und
Geschmack (Kostprobe ausspeien!).
Sporen: farblos, ellipsoid, 18—22 x 10ym, mit 2 Öltropfen. Staub weißlich.
Die Frühjahrs-Lorchel wächst von Ende März bis Mitte Mai in sandigen
Kiefernwäldern, im Stangenholz, vor allem auch auf Kahlschlägen und in jungen
Schonungen, häufig versteckt zwischen Reisig und frischen Anpflanzungen, sehr
selten unter Laubbäumen.
Zwar ist sie schmackhaft und sehr geschätzt, doch muß vor ihrem Genuß
eindringlich gewarnt werden, da sie mitunter auch noch nach dem Abkochen
Vergiftungen verursacht! Kinder und schwächliche Personen sind besonders
gefährdet. Man hüte sich besonders vor mehreren Lorchelmahlzeiten nachein­
ander! — Getrocknete Lorcheln haben auch nach einigen Monaten noch einen
gewissen Giftgehalt.
Die Frühjahrs-Lorchel wird in vielen Gegenden fälschlich ,,Morchel" genannt.

I 17. Speise-Morchel, Rund-Morchel, Morchella esculenta Ízletes kucsmagomba


Eßbar
Gelbbräunliche oder mattgraue, rundliche Hüte mit grubiger oder wabenartiger
Oberfläche; auf Humusboden, unter Laubbäumen, April bis Mai.
Hut: gelbbräunlich, gelblichgrau, mattgrau, rundlich-eiförmig, mit dem Stiele
verwachsen, hohl, 6—12cm hoch, 4—8cm dick, außen mit zellenartigen, am
Grunde faltigen Gruben. Die Grubenwände bestehen aus unregelmäßig ver­
laufenden Rippen. Die ganze Hutoberfläche ist von der die Sporen erzeugenden
Fruchtschicht bedeckt, die durch die zahlreichen Längs- und Ouerleisten be­
trächtlich an Fläche gewinnt.
Stiel: weißlich bis hellgelblich, unten verdickt, 4—8cm hoch, 1—2cm dick, hohl.
Fleisch: wachsartig, zart, sehr brüchig, von angenehmem Geruch und Ge­
schmack.
Sporen: blaßgelb, fast farblos, ellipsoid, glatt, 18—20x10—12[im, ohne
Öltropfen.
Die Speise-Morchel wächst von April bis Ende Mai in Laubwäldern. Park­
anlagen, Gärten, unter Gebüsch, auf humusreichen Boden.
Sie ist ein vorzüglicher Speisepilz von zartem Geschmack, ohne Abkochung eßbar. Bei
einer Abart (oder Altersstadium?) mit dickem, großem Stiel (M. esculenta var. crassipes, Bd.
11/209) sind jedoch Abkochen und Weggießen des Koch-
Fortsetzung s. S. 198

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118. Spitz-Morchel, Hohe Morchel, Morchelhi conica Eßbar Hegyes kucsmagomba

Ihre spitze Hutform und die last parallel verlaufenden Längsrippen unterscheiden
sie von anderen Morchelarten.
Hut: graubraun, olivbraun, schwärzlichbraun, manchmal mit fleischrosa Ein­
schlag oder ockergelb oder samtig schwarz, eiförmig bis kegelförmig, mehr oder
weniger spitz, 3—7cm hoch, 2—4cm breit; mit kräftigen, nahezu parallel ver­
laufenden Längsrippen und schwächeren, kurzen Querrippen, welche etwa
quadratische bis rautenförmige Gruben (Waben) umschließen. Hutrand mit dem
Stiel verwachsen. Inneres hohl. Innenwände weißlich, mehlig-kleiig.
Stiel: weiß, seltener fleischrötlich, im Alter gelblich bis bräunlich, zylindrisch, i
kürzer oder länger als der Hut. glatt oder längsgefurcht (besonders im oberen
Teil). 2-10cm hoch und 1-2cm dick, manchmal am Grunde etwas verdickt.
Fleisch: wachsartig, dünn, zerbrechlich: Geschmack mild. Geruch schwach
dumpfig, erdartig, weniger angenehm als bei der Speisemorchel.
Sporen: farblos, glatt, ellipsoid. ohne öltropfen. 18—26 x 10—l6ym. Staub
weiß.
Die Spitz-Morchel wächst von März bis Juni im Nadel- und Laubwald, an
Böschungen, buschigen Hängen, auch auf Kahlschlägen, Holzlagerplätzen und
Brandstellen, sogar in Gärten. Sie bevorzugt Kalk- und Lehmböden und ist
gebietsweise häufig. Einzelne Exemplare werden bis 30cm hoch. Sic ist eßbar,
ein guter Speisepilz, aber von etwas zäher Konsistenz.
Eine vielgestaltige Art, von welcher mehrere Varietäten unterschieden werden.

119. Käppchen-Morchel, Halbfreie Morchel, Morchella semilibera Fattyú kucsmagomba


Eßbar (nicht abgebildet)
Eine kleine, schlankstielige Morchel mit 2—5 cm hohem, kegelförmigem, braunem Hut. dessen Rand zu
einem Drittel frei ist und den Stiel glockenförmig umgibt. Stiel weißlich, kleiig. reichlich fingerlang und
-dick, hohl, zerbrechlich.
Diese eßbare und wohlschmeckende Art wächst im April und Mai in feuchten Laubwäldern, in Gärten
und aut feuchten Wiesen, einzeln oder sehr gesellig. Alle Morchel Arten sind eßbar und durch ihre gerippten,
waben- oder kästchenartig aufgeteilten Hüte von den giftigen, hirnartig gefalteten Hüten der Frühjahrs-
Lorchel zu unterscheiden (siche Nr. 1 16).

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120. Blasenförmiger Becherling, Peziza vesiculosa. Eßbar Melegágyi csészegomba

Ein typischer Becherling, scheiben-, krug- oder blasenförmig. Er bildet die Sporen
in Schläuchen ( je 8 Sporen) auf der Innenfläche der Blase oder auf der Oberfläche
der Scheibe.
Fruchtkörper: je nach dem Standort von verschiedener, doch meist unregel­
mäßiger Gestalt. Jung ist er kuglig und fast geschlossen (wie eine aufgebrochene
Pustel aussehend), wird dann napf- oder blasenförmig, 2—6, mitunter auch 12,
sogar 15cm breit und ist, da er meist in Büscheln wächst, durch den gegenseitigen
Druck etwas verbogen. Der Rand ist schon früh mehr oder weniger wellig, gekerbt
und unregelmäßig gezackt oder tief eingerissen. Die Innenfläche ist schmutzig
hellockergelb oder ockerbräunlich, lehmfarben, dunkelbräunlich und glatt. Die
Außenseite ist heller, fast weißlich bis blaßgelblich und feinflockig bestäubt oder
körnig und unten runzlig. Am Grund ist der Fruchtkörper stielartig zusammen­
gezogen und sitzt dem Erdboden flach auf.
Fleisch: wachsartig, sehr zerbrechlich, im feuchten Zustand fast durchscheinend.
Sporen: farblos, ellipsoid, glatt, 18—24 x 10—14ym.
Der Blasenförmige Becherling wächst von April bis September in Garten, auf Äckern, auf Erd-, Schutt-,
Dung- und Komposthaufen und auf gedüngtem, fettem, lockerem, humosem Boden, meist gesellig, rasenartig
und tritt auch in Träuschlingskulturen und auf Blumentöpfen auf. Kr ist eßbar, hat aber keinen besonderen
Wohlgeschmack.

1 2 1 . Violetter Kronenbecherling, Sarcosphaera coronaria Tulipán-csészegomba


Bedingt eßbar, roh giftig!
Dickfleischiger, großer Becherling. der sternförmig eingerissen ist und nur jung
eine schöne violette Fruchtscheibe zeigt.
Fruchtkörper: anfangs ganz in den Boden eingesenkt und kuglig geschlossen,
hohl, am Scheitel erst von einer dünnen weißen Haut überzogen. Er bricht aus
der Erde hervor und reißt vom Scheitel her ungleich sternförmig auf, wobei 5—10
dreieckige Lappen entstehen. Durch das Aufreißen wird das Innere freigelegt.
Innen ist der von der Fruchthaut ausgekleidete Becher erst blaßviolett bis
lebhaft violett, im Alter dagegen violettbräunlich, bräunlich bis braun und trocken.
Außen ist er weißlich bis blaßrosa, nach unten mehr blaßockergelblich, nach
oben blaß violettbräunlich. Er ist feinfilzig.
Aufgeplatzt ist die Kugel 5—12cm breit und 5—7cm hoch. Nach unten ist sie
häufig stielartig ausgezogen.
Fleisch: weiß, knorplig, zerbrechlich, bis 0,5cm dick.
Sporen: farblos, ellipsoid. 15 x 8—9ym. Die Schläuche blauen in Jod.
Der Kronenbecherling wächst im Mai und Juni, aber auch später in Laub­
und Nadelwäldern, auf Kalk- und Mergelboden, gesellig und rasig, oft zu 100.
aber verstreut und nur stellenweise.
Er ist eßbar, wenn er vor dem Genuß 5 Minuten abgebrüht wird. Das Koch­
wasser ist wegzugießen! Roh als Salat darf er nicht gegessen werden! Der Pilz
hat mitunter Vergiftungen hervorgerufen, wenn das Kochwasser verwendet wurde.
Die Sporen sind bei Bechcrlingen, Morcheln, Lorcheln und allen anderen Schlauchpilzen (Ascomyietes)
in länglichen Schläuchen, meist zu acht, eingelagert, in denen sie aus dem Protoplasma gebildet werden.
In der Größe schwanken die Bccherlingc sehr: von 20cm Breite bis zu einem Millimeter, Es gibt
ungestielte, kurz- und langgestielte Arten. Die Fruchtschicht. die sich auf den Scheiben oder auf der
Innenseite befindet, ist häufig braun gefärbt. öfter aber auch schön rot. orange, selb oder violett
(Bd. II 225—237).

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122. Eselsohr, Otidea onotica Nyúlfülegomba
Eßbar
()rangcfarbener bis rötlicher oder ockergelblicher, ohrenförmiger Becherling.
Fruchtkörper: innen orangefarben, last [leischrot, auch rötlichockergelb,
außen heller, mehr gelblich, kahl, becherförmig, doch an einer Stelle meist bis
zum Grund gespalten und eingeschlagen. Die andere Seite ist stärker ausgebildet
und ohrförmig oder löffelförmig ausgezogen, mit eingeschlagenem oder umge­
schlagenem Rand, 3— 10cm hoch, I—5 cm breit.
Stiei: kurz, weißfilzig, glatt oder etwas gerippt.
Fleisch: wachsartig, dünn, zerbrechlich, der Geruch angenehm und der Ge­
schmack süßlich-mandelartig.
Sporen: farblos, ellipsoid, 10—24 x 4—6ym.
Das Eselsohr wächst von Juli bis November meist in Laub- oder Mischwäldern,
besonders im Eichenhochwald, auf sandigem Boden, einzeln oder büschlig, rasig,
ziemlich häufig. Es ist eßbar und wohlschmeckend.
Etwas kleiner ist d as Hasenohr, Otidea leporina, Tapsifülgomba innen bräunlich, außen bräunlichgelb,
2—5cm hoch, in Buchen- und Fichtenwäldern wachsend.
Hin häufiger Becherling ist auch der Adrige Becherling, Ohrenmorchel, Disciotis venosa, Ráncos tárcsagomba er ist
schüssel­förmig. 3—15 cm breit, zuletzt nach außen umgeschlagen, wellig verbogen, innen graubraun, aderig, außen
gelblichweiß; auf Waldboden von April bis Mai (siehe Bd. 11/229).

123. Orangebecherling, Aleuria aurantia Narancsszínű csészegomba


Eßbar
Orangerote Scheiben oder Schüsseln mit hochgebogenem Rand.
Fruchtkörper: oben bzw. im Inneren der Schüssel orangerot, scharlachrot bis
safrangelb, die Außenseite dagegen blaßrötlich, weißrötlich, weißlich, mehligbe­
reift, 5—10cm breit. Der Rand ist wellig-verbogen oder gelappt. Er ist meist
stiellos.
Fruchtschicht: überzieht das Innere des Bechers, die Scheibe.
Fleisch: wachsartig, dünn, sehr brüchig, geruch- und geschmacklos.
Sporen: farblos, ellipsoid, körnig-rauh, zuletzt netzig, 16—18 X 10— 12ym.
Dieser farbenfreudige Becherpilz wächst von Mai bis Oktober zwischen Gras
und Moos, auf feuchtem, sandigem, sonnigem Boden, an Waldwegen, Brach­
stellen, häufig in Buchenwäldern, einzeln oder gesellig.
Er ist eßbar, doch als Schmuck unserer Waldwege zu schonen!
Ein an
d erer häufig vorkommen d er Becherling istd er Kastani enbraune Becherli ng, Peziza badia Barna
csészegomba(B d . 1/197). eßbar. Er bildet kastanienbraune, schüsselförmige Becher auf feuchterem Boden.
Fruehlkörper: anfangs kuglig, geschlossen, dann halbkuglig mit nach innen gebogenem Rand, später
schüsselförmig, 3-5cm breit. Der Rand ist meist gewunden, wellig-verbogen und durch Einschnitte gelappt.
Die Innenfläche ist dunkelbraun, kastanienbraun, olivbraun. Die Außenseite ist blasser, bräunlich mit
rötlichen Tönen, schwach körnig flockig bereift, etwas grubig. Die Basis ist weißfilzig, zottig, mitunter etwas
verschmälert oder ganz kurz gestielt.
Fleisch: wachsartig, sehr brüchig, geruchlos, aber wohlschmeckend.
Der Kastanienbraune Becherling wächst von Mai bis November auf feuchtem, lehmigem und sandigem
Boden, an Wegen. Gräben, Böschungen und Waldrändern.
Bei den Becherlingen, besonders bei den rotgefärbten, isf häufig schon bei kleinsten Erschütterungen
das plötzliche Ausstäuben von Sporenwölkchen zu erkennen, die wie Zigarettenrauch aulsteigen. Wenn
man einen Becherling in die Hand nimmt, bewirkt die Erwärmung durch die Körpertemperatur ebenfalls
dieses Hochschleudern der Sporen.

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1 24. Weißtrüffel, Deutsche Trüffel, Choiromyces meandriformis Fehér szarvasgomba
Eßbar, Würzpilz
Eine kartoffelähnliche, grauweiße bis gelblichbraune Knolle mit weißlicher, später
weißgrauer Innenmasse. Sie bildet von allen bei uns vorkommenden Trüffelarten
die größten Fruchtkörper.
Fruchtkörper: grauweiß, später hellbraun, dann rötlichbräunlich, zuletzt gelb­
lichbraun, rundlich, kartoffelähnlich, mit größeren Höckern versehen, 4—10
(—15) cm breit. 50—500g schwer, oft mit tiefen Löchcrn durch Insekten- oder
Schneckenfraß. Die Hülle ist lederartig, fest, glatt, nicht warzig, bei feuchtem
Wetter infolge raschen Wachstums der Innenmasse oft mit charakteristischen
Rissen versehen.
Innenmasse: zähfleischig, erst weißlich, später weißgrau, ungekammert, mit
maeandrischen, gelbbraunen Bändern, die zu größeren Halbkreisen geformt sind
und in palisadenförmiger Anordnung die Sporenschläuche enthalten.
Fleisch: geruchlos, zur Reifezeit aber stark aromatisch — wenn überständig,
weich und unangenehm riechend. Von Tieren viel gefressen.
Sporen: reif gelblich gefärbt, kuglig, 18—22ym mit zahlreichen, stäbchen­
förmigen, stark glänzenden Stacheln besetzt.
Diese Trüffel reift von Juli bis Oktober in Laub- und Nadelwäldern, besonders
in tonigen, lehmigen, kalkreichen Böden; dicht unter der Bodenoberfläche kommt
sie nestartig und sehr groß vor. Häufig ragt sie mit dem Scheitel aus dem Boden
hervor. Im Süden findet man sie überall, im Norden dagegen weniger. Stark
verbreitet ist sie in Italien. Österreich, Böhmen und Ungarn, südlicher DDR
und BRD.

125. Sommer-Trüffel, Tuber aestivum Nyári szarvasgomba Eßbar, Würzpilz

Eine unterirdisch wachsende, schwarzbraune, höckerige Knolle, mit anfangs grau­


weißer, später gelbbräunlicher, marmorierter Innenmasse.
Fruchtkörper: schwarzbraun, knollenförmig, stark höckerig, 3—10cm breit,
fest berindet und mit großen Warzen bedeckt.
Innenmasse: fleischig, anfangs grauweiß, später ockergelblich, endlich gelblich­
braun, durch kurzgewundene, weißliche, mit der schlauchführenden Fruchtschicht
ausgekleidete Adern marmoriert. Nach der Sporenreife wird sie weich und von
Insektenlarven, die für Sporenverbreitung sorgen, verzehrt. Erst bei der Sporen­
reife verbreitet sie einen schwachen, fast juchtenartigen Geruch, der beim
Trocknen unangenehm lauchartig wird.
Sporenschläuche: rundlich oder etwas birnenförmig, enthalten 1—6 mit ihrer
Anzahl an Größe zunehmende, regellos gelagerte Sporen. Diese sind gelbbraun
bis braun, ellipsoid, mit einem weitmaschigen I.eistennetz bedeckt, 25—35 x
22—28 ym.
Die Sommer-Trüffel reift ab August in lichten Laubwäldern unter Eichen,
Buchen und anderen Laubhölzern, aber auch in Kiefernwäldern, auf kalk- oder
lehmhaltigem Boden, unterirdisch, 8—15 cm tief in der Humusschicht, oft zu 4
oder 5 wie in einem Nest nebeneinander, und steht durch Mykorrhizabildung mit
den Wurzeln der Bäume in Verbindung. Im nördlichen Mitteleuropa ziemlich
selten.
Sie ist ein sehr begehrter Gewürzpilz, wenngleich sie an Wert der echten
französischen Trüffel weit nachsteht; wird hauptsächlich in getrocknetem Zustand
verkauft.

194
124

125

Verwandte: Die Winter-Trüffel, Tuber brumale (Bd. 11/292), mit grauschwarzer, marmorierter Innenmasse
kommt im südlichen Baden, aber nur sehr selten, von Oktober bis Marz vor. Sie übertrifft die Sommer-Trüffel
an Wohlgeschmack.
Zu den Hypogaen, d.h. Pilzen mit unterirdischen Fruchtkörpern, gehört noch eine große Anzahl anderer trüffelähnlicher
Arten, wie z.B. die Wurz,eltrüffel, Rhizopogon (Bd. 11/1X1). mit walnußgroßen, braunen Fruchtkörpern, die von Myzelfasern
umhüllt sind und deren Innenmasse olivgrünlich zerfließt; die Schleim­trüffel, Melanogäster (Bd. 11/192—193), deren
Oberfläche von wurzelartigen Myzelsträngen überzogen und deren Inneres mit gelatinös-schleimiger, schwärzlicher
Fruchtmasse angefüllt ist. sowie die Heidetrüffel, Hydnangium (Bd. 11/184). ohne umspinnende Myzelstränge, mit lebhaft
gefärbter, meist fleischroter Innen­masse; endlich die Erdnüsse, Hymenogaster (Bd.II 190), mit goldgelber oder zitronengelber
Innenmasse. Die Pilze dieser Gattungen gehören aber zu den Bauchpilzen, Gasteromycetidae, sind also keine echten Trüffeln.

Die Hirschtrüffeln, Elaphomyces (Bd.11/285), gleichen den Trüffeln nur äußerlich. Sie wachsen ebenfalls
unterirdisch, unterscheiden sich aber von den echten Trüffeln durch den Bau des Inneren und die Art
der Sporenzeugung. Die Schläuche liegen unregelmäßig verteilt und sind nicht palisadenartig angeordnet.

13* 195
Fortsetzung zu „15. Breitschuppiger Egerling“ (S.74)
Der Brcitschuppige Egerling wächst von Juli bis Oktober im Laub- und Nadelwald, im Frühherbst sogar
häufig. Er ersetzt um Berlin den Wald-Egerling, (Bd. 1/21):
Dieser ist schwächlicher, kleiner, schlankstieliger und hat einen blaß zimtbraunen, kleinschuppigen Hut.
Die Blätter blühen niemals rosa auf, sondern sind anfänglich blaß graurötlich, später schokoladenbraun.
Der Stiel ist weiß und kahl, nicht flockig, am Grunde keulig verdickt oder abgerundet-knollig. Beim
Reiben wird seine Oberhaut rotfleckig. Das Fleisch ist weiß und läuft beim Durchschneiden, solange frisch,
stark karminrot an. Die Sporen sind eiförmig, klein, 5—6x3—4um. Er wächst unter Fichten, besonders
auf Kalk, oft in großen Büscheln. Er ist eßbar, aber nicht ergiebig.

Fortsetzung zu „19. Grauhlältriger Schwefelkopf“ (S.8O)

Sporen: länglich-ellipsoid, glatt, 8—9x4—5ym, violettbraun, ebenso der


Sporenstaub.
Der Graublättrige Schwefelkopf wächst von Oktober bis Dczember und von
März bis Mai an Nadelholzstümpfen büschelig. Nicht selten.

Fortsetzung zu „31. Austern-Seitling“ (S.98)

Sporen: zylindrisch, 8—11 x3—4(ym, etwas klebrig, so daß sic oft wie Schimmel
als weißer, blaß lila getönter Staub auf tieferliegenden Hüten haften.
Die Büschel oder Rasen des Austern-Seitlings trifft man im Spätherbst und
wieder im Vorfrühling besonders an Stümpfen und toten Stämmen von Laub­
hölzern. auch an kranken, aber noch lebenden Bäumen (als Parasit).
Der Austern-Seitling läßt sich leicht züchten bzw. auf andere Baumstümpfe übertragen, indem man Hüte
mit der Unterseite auf die feuchten Querschnitte legt oder auf Sägemehl gezüchtetes Myzel in seitlich in den
Stamm gebohrte Löcher impft.
Junge Pilze werden am besten kleingehackt gebraten oder zu Pilzklopsen verarbeitet. Größere Pilze
sind zäh und nur zur Gewinnung von Pilzbrühe geeignet.
In der DDR sind die Sorten „Silberauster“ und „Sommerauster“ im Angebot und können durch das
Versandhaus für Kleingärtner, Erfurt, bezogen werden.

Fortsetzung zu S. 100
schmierig-schleimig, glockig bis fast ausgebreitet, vom Rande aus bis zum Scheitel strahlig-runzlig gefurcht;
dünnfleischig. Blätter: lehmbraun bis zimtbraun, quer-runzlig.
Stiel: weiß mit blaßviolettem Schein; wenn trocken, schuppig oder gürtelartig aufreißend, nach oben und
unten verjüngt, tief wurzelnd. Meist in trockenen Laub-, seltener in Nadelwäldern.

Blaustiel-Schleimfuß, Cortinärius collinitus. Eßbar


Hut: hell gelbbräunlich bis kastanienbraun, schleimig, 5—10 (—12) cm breit. Blätter: erst grauviolett,
dann zimtbraun; Stiel: lilabläulich, gebändert; in Nadelwäldern, unter Fichten.

Gallen-Schleimfuf5, Cortinärius vibreitilis. Bitter, nicht eßbar


Hut: gelbfuchsig bis ockergelb, klein, 3—5cm breit, schmierig, im Nadel- und Laubwald, nicht selten.

Fortsetzung zu „35. Gelbhräunlichcr Ritterling" (S. 102)


Der Gelbbräunliche Ritterling kommt im Oktober und November in den dürren, mit Flechten bedeckten,
sandigen Kiefernheiden des Flachlandes vor, zusammen mit dem Halsband-Ritterling, 7>./«cfl/e(Bd.III/205);
Riesen-Ritterling, (Bd. 1/72); Schwarzfaserigen Ritterling, (Nr.36); Getropften
Ritterling, (Bd.1/71); Grünling, (Nr.34), und dem Seifen-Ritterling, (Bd. 1/80).

196
Fortsetzung zu „54. Birken-Reizker" (S. 122)

Ähnlich ist der Flaumige Reizker, Lact.pubescens, mit blassem bis fleischgelbem, ungezontem Hut und fast
glänzender Scheibe. Der Rand ist filzig, schwach eingerollt, 5—15cm breit, dünnfleischig; unter Birken.

Fortsetzung zu „71. Kegeliger Saftling“ (S.136)

Papageigrüner Saftling, Hygröcybe psittacina (Bd. 111/279), jung grün, später zitronengelb bis orangefarben,
dann nur stellenweise grün gefärbt, stark schlüpfrig. Stiel ebenfalls grün. Auf Wiesen und an Waldrändern.
Zur Gattung der Saftlinge oder Glasköpfe (Hygrocybe) gehören saftige, glasige, zerbrechliche, meist
lebhaft gefärbte, schleimigklebrigc Pilze mit dicken, wachsartigen, weitstehenden Blättern. Sie wachsen meist
außerhalb des Waldes auf mageren, stickstoffarmen Böden (siehe Bd. III).

Fortsetzung zu „81. Pfeffer-Röhrling“ (S. 148)

Sein Hut ist dunkelledergelb bis gelbbräunlich, trocken, feinflockig rauh. Die Röhrenmündungen sind erst
karminrot, dann leuchtend erika-weinrot bis rosa, beim Liegen werden sie bald rostfarben, jung sind sie
labyrinthisch, alt rundlich, mehr oder weniger herablaufend. Der Stiel ist gelb, oben schön karminrot, unten
schwefelgelb, flockig; auffallend kurz, nach unten verjüngt. Das Fleisch ist sahnefarben, sein Geruch ange­
nehm, der Geschmack etwas säuerlich. Die Sporen sind hellbraun, breit ellipsoid bis plump tropfenförmig,
7—8x5—6ym. Dieser kleine Pilz wächst im Laubwald unter Eichen, Linden, Weißbuchen, unter Weißdorn.
Er ist wegen seiner Seltenheit zu schonen! Seit 1923 ist er standorttreu im Großen Garten zu Dresden.

Fortsetzung zu „83. Kuhpilz, Kuh-Röhrling“ (S. 150)

Der Kuhpilz wächst von Ende Juli bis Oktober in den sandigen, trockenen
Kiefernwäldern und Heiden des Flachlandes in Scharen, oft 2—3 büschlig ver­
wachsen. Er ist charakteristisch für dürre Wälder.
Der Pilz ist wenig schmackhaft, fade, gummiartig zäh, nur junge Exemplare sind als Mischpilz verwendbar,
ältere sind meist von Maden zerfressen. Er ist brauchbar zur Bereitung von Pilzextrakt, getrocknet als Pilzmehl
sowie als Viehfutter für Schweine und Hühner, auch die Eichhörnchen nagen gern an diesem Pilz.

Fortsetzung zu „89. Filziger Röhrling, Ziegenlippe“ (S. 156)

Sporen: blaß gelblich, spindlig, 12—14x5ym. Staub hell ockerbraun bis oliv-
braun.
Die Ziegenlippe wächst von Juli bis Oktober in Nadel- und Laubwäldern, in der
Ebene wie im Gebirge, meist einzeln, aber häufig. Sie ist jung ein guter Speisepilz.
Ältere, feuchte Pilze werden häufig von einem schimmelartigen, erst weißen, dann gelb gefärbten Parasiten,
dem Goldschimmel, Apiöcrea chrysosperma, befallen, der schöne goldgelbe Sporen bildet und den Pilz
unverwertbar macht. Die Pilze sehen zuerst aus, als seien sie mit einem weißen, watteartigen Schimmel
überzogen. — Die Ziegenlippe ist sehr veränderlich! Von manchen Autoren wird eine Anzahl Varietäten
unterschieden.

Fortsetzung zu „106. Krause Glucke“ (S. 172)

Sie ist ein wertvoller Speisepilz von ausgezeichnetem Geschmack. Man muß sie zerkleinern, gut reinigen,
dann schmoren oder braten und mit gequirltem Ei übergießen. Auch als Suppenpilz hervorragend geeignet.
Lediglich alte Fruchtkörper sind bitter und können nicht gegessen werden; sie rufen Verdauungsstörungen
hervor.

197
Fortsetzung zu „115. Stinkmorchel“ (S. 184)
man auch bei der europäischen Dünen-Stinkmorchel, Phallus hadriani. welche keinen Schleier hat und —
vermutlich als Parasit von Graswurzeln — büschelweise auf unseren Küstendünen sowie in der Steppen­
vegetation Südosteuropas und der Oberrheinebene wächst. Die systematische Stellung der sog. Europäischen
Schleierdame, Phallus duplicätus (Bd II 139) — sie gleicht einer Stinkmorchel mit nur kurzem Netzschleier —,
ist ungeklärt.
Die Stinkmorcheln und Schleierdamen gehören zu einer Gruppe vorwiegend tropisch-subtropischer, oft
phantastisch geformter und auffallend farbiger Pilze, die man P i I z b I u m e n " (Phallales) nennt.

Fortsetzung zu „117. Speise-Morchel“ (S. 186)

wassers anzuraten! Die Speise-Morchel läßt sich leicht trocknen und dient auch
zum Würzen von Fleischspeisen und Soßen.
Die in Form und Farbe sehr veränderliche Speise-Morchel hat einige gleichfalls eßbare Verwandte (siehe
Nr. 118. 119 und Bd. 11/207—213).

Aus dem Werk Gramberg, „Pilze der Heimat“, Verlag Quelle und Meyer,
Leipzig, wurden mit Genehmigung dieses Verlages folgende von Emil
Doerstling gemalte Bilder in das Taschenbuch übernommen: Nr. 18, 79,
82, 86, 89, 90, 91, 92, 114, 122, 123.

198
VERZEICHNIS DER MARKTPILZE

Pilze, die in der DDR als Frischpilze auf den Märkten und in den Ge­
schäften angeboten und verkauft werden dürfen (lt. Anordnung vom
10.12.1973, siehe GB1.I, 1974, Nr.259):

Röhrlinge
1. Echter Steinpilz, Herrenpilz, Boletus edulis. Nr.78, Bd.1/153
2. Sommer-Steinpilz, Boletus aestivalis. Bd. 1/154
3. Kiefern-Steinpilz, Boletus pinicola. Bd. 11/23
4. Bronze-Steinpilz, Schwarzhütiger Steinpilz, Boletus aereus.
Bd. 1/155
5. Maronen-Röhrling, Braunhäuptchen, Xerocomus badius. Nr. 80,
Bd. 1/151
6. Birken-Rotkappe, Leccinum versipelle. Anm. zu Nr. 91 und zu
Bd. 1/163
7. Espen-Rotkappe, Leccinum aurantiacum. Nr.91, Bd. 1/163
(S. Birkenpilz, Leccinum scabrum i. w. S. Nr.90, Bd. 1/162
9. Hainbuchen-Röhrling, Leccinum griseum. Bd. II/13
10. Butterpilz, Suillus hiteus. Nr.84, Bd. 1/145
11. Schmerling, Körnchen-Röhrling, Suillus granulatus. Nr. 87,
Bd. 1/146
12. Brauner Schmerling, Ringloser Butterpilz, Suillus fluni. Anm. zu
Bd. 1/146
13. Sand-Röhrling, Sandpilz, Suillus variegatus. Nr.82, Bd.I/147
14. Gold-Röhrling, Suillus grevillei. Nr.86, Bd. 1/144
15. Ziegenlippe, Xerocomus subtomentosus. Nr.89, Bd. 1/150
16. Rotfuß-Röhrling, Rotfüßchen, Xerocomus chrvsenteron. Nr. 88,
Bd. 1/149

Blätterpilze
17. Wiesen-Egerling, Wiesenchampignon, Agaricus campestris. Nr. 11,
Bd.I/18, IV/1
18. Garten-Egerling, Kulturchampignon, Agaricus bisporus (= hor-
tensis), Zucht- und Wildform. Bd. 1/17
19. Weißer Anis-Egerling, Agaricus arvensis. Nr. 12, Bd. 1/25
20. Dünnfleischiger Anis-Egerling, Agaricus silvicola. Nr. 13, Bd. 1/26
21. Schiefknolliger Anis-Egerling, Agarius abruptibulbus. Bd. l/26a
22. Hohlstieliger Riesen-Egerling, Agaricus augustus. Bd. IV/14
23. Großsporiger Egerling, Agaricus macrosporus. Bd. IV/15
24. Wald-Egerling, Agaricus silvaticus. Bd. 1/2 1
25. Breitschuppiger Egerling, Agaricus lanipes. Nr. 15, Bd. 1/20

199
26. Blut-Egerling, Agaricus langei (= haemorrhoidarius). Bd. 1/22
27. Stadt-Egerling, Agaricus bitorquis. Nr. 14, Bd. 1/19 (im Gesetzblatt
noch nicht erwähnt, jedoch seither als Kultursorte „Sommer­
freude“ zugelassen)
28. Edel-Reizker, Echter Reizker, Lactarius deliciosus. Nr.53, Bd 1/11 1,
V/21
29. Lachs-Reizker, Lactariussalmonicolor. Bd. V/22
30. Fichten-Reizker, Lactarius deterrimus. Bd. V/23
31. Umfärbender Kiefern-Reizker, Lactarius semisanguifluus. Bd. V/23
32. Blut-Reizker, Lactarius sanguifluus. Bd. V/24
33. Brätling, Lactarius volemus. Nr.55, Bd. 1/1 13, V/54
34. Nelken-Schwindling, Marasmius oreades (nur Hüte!). Nr. 52,
Bd. 1/101
35. Winterpilz, Samtfuß-Rübling, Flammulina velutipes. Nr. 27,
Bd. 1/107
36. Riesen-Träuschling, Kultur-Träuschling, Stropharia rugosoannulata,
Zucht- und Wildform. Nr. 17a, Bd. 1/259 und 260
37. Maipilz, Mai-Ritterling. Calocybe gumbosa. Nr.42, Bd. 1/79
38. Grünling, Echter Ritterling, Tricholoma equestre. Nr.34, Bd. 1/66
39. Schwarzfaseriger oder Grauer Ritterling, Tricholoma portentosum.
Nr.36, Bd. 1/75
40. Violetter Ritterling, Lepista nuda. Nr.40, Bd. 1/62
41. Lilastieliger Rötelritterling, Lepista personata. Nr.41, Bd. 1/63
42. Frost-Rasling, Lyophyllum fumosum. Nr.38, Bd. 1/64
43. Büschel-Rasling, Lyophyllum decastes. Nr.39, Bd. 1/65
44. Weißer Rasling, Lyophyllum connatum. Bd. 111/235
45. Riesen-Schirmpilz, Parasol, Macrolepiotaprocera (nur Hüte!). Nr. 1,
Bd. 1/29
46. Safran-Schirmpilz, Macrolepiota rhacodes (nur Hüte!). Nr. 2,
Bd. 1/130
47. Austern-Seitling, Austernpilz, Pleurotus ostreatus, Zucht- und Wild­
form. Nr.31, Bd.I/110
48. Taubenblaucr Seitling, Pleurotus columbinus. Nicht abgebildet
49. Rillstieliger Seitling, Pleurotus cornucopiae. Bd. 111/92
50. Speise-Täubling, Russula vesca. Nr.66, Bd. 1/123, V/91
51. Frauen-Täubling, Russula cyanoxantha. Nr.61, Bd.I/ I 19, V/92
52. Grünschuppiger Täubling, Gefelderter Täubling, Russula virescens.
Nr.6», Bd. 1/118, V/84
53. Wiesel-Täubling, Russula mustelina. Bd. V/83
54. Frost-Schneckling, Hygrophorus hypothejus. Nr.70, Bd. 1/135
55. Isabellrötlicher Schneckling, Hygrophorus poetarum. Anm. zu
Bd. 111/248
56. Wald-Schneckling, Hygrophorus nemoreus. Bd.III/256
57. Wiesen-Ellerling, Camarophvllus pratensis. Bd. 111/257

200
58. Kupferroter Gelbfuß, Gomphidius rutilus. Nr.73, Bd. 1/137
59. Großer Schmierling, Kuhmaul. Leucogomphidius glutinosus. Nr.72,
Bd. 1/156
60. Reifpilz, Zigeuner, Rozites caperatus. Nr.32, Bd. 1/47
61. Stockschwämmchen, Kuehneromyces mutabilis (nur Hüte mit höch­
stens lcm Stiellänge). Nr.25, Bd. 1/48
62. Hallimasch, Armillariella mellea i. w. S. (nur Hüte mit höchstens 1 cm
Stiellänge). Nr.26, Bd. 1/97
63. Mönchskopf, Falber Riesen-Trichterling, Clitocybe geotropa. Nr.44,
Bd. 1/85
64. Schopf-Tintling, Spargelpilz, Coprinus comatus. Nr.22, Bd. 1/37 (im
Gesetzblatt noch nicht erwähnt, doch ist seither die Zuchtform zum
direkten Verkauf vom Erzeuger zum Verbraucher zugelassen)

Andere Arien
65. Echter Pfifferling, Eierschwamm, Cantharellus cibarius. Nr. 76,
Bd. 1/138
66. Speise-Morchel, Morchella esculenta. Nr. 117, Bd. 1/192
67. Spitz-Morchel, Hohe Morchel, Morchella conica (= elata). Nr. 118,
Bd. 1/193
68. Käppchen-Morchel, Glocken-Morchel, Morchella semilibera.
Bd. 11/210
69. Runzel-Verpel, Böhmische Verpel, Verpa bohemica. Bd. 11/213
70. Krause Glucke, Sparassis crispa. Nr. 106, Bd. 1/182
71. Herbst-Trompete, Toten-Trompete, Craterellus cornucopioides.
Nr. 109, Bd. 1/181
72. Riesenbovist, Langermannia (Calvatia> gigantea (jung). Nr. 112,
Bd. 11/143
73. Erbsenstreuling, Pisolithus arhizus. Bd. 11/180
74. Semmel-Stoppelpilz, Hydnutn repandum (jung). Nr. 102, Bd. 1/175
75. Eichhase, Polyporus umbellatus (jung). Bd. 11/31
76. Klapperschwamm, Grifola frondosa (jung). Bd. 11/32 und 33

Die Arten Nr. 1 bis 4, 6/7, 11/12, 19 bis 23, 24 bis 26, 28 bis 32, 42 bis 44
und 47 bis 49. die jeweils von vielen Sammlern nicht sicher unterschieden werden,
dürfen gemischt zum Verkauf angeboten werden (das Gesetz legt hier einen
weiteren Artbegriff zugrunde als in der Mykologie üblich und im Handbuch für
Pilzfreunde, Bd.111, S. 12/13, erläutert ist). Alle anderen Frischpilze müssen
artenrein gehandelt werden.

14 Hennig/Kreisel, Taschenbuch, H.A. 201


Pilze, die in der DDR zur Herstellung von Pilzerzeugnissen (Pilzpulver,
Extrakte, Konserven) zugelassen sind: Alle oben unter 1. bis 76. ge­
nannten Arten, ferner:

77. Schusterpilz, Flockenstieliger Hexenröhrling, Boletus erythropus


(auch als Trockenpilze, artenrein zugelassen). Nr.92, Bd. 1/157
78. Netzstieliger Hexenröhrling, Boletus luridus (auch als Trockenpilze,
artenrein zugelassen). Nr.93, Bd. 1/158
79. Kuhpilz, Suillus bovinus. Nr.83, Bd.I/148
80. Graukappe, Nebelgrauer Trichterling, Lepista nebularis. Nr. 46,
Bd. 1/94
81. Erd-Ritterling. Graublättriger Ritterling, Tricholoma terreum.
Bd. 1/76
82. Gilbender Ritterling, Silber-Ritterling, Tricholoma argvraceum.
Bd. 1/79
83. Perlpilz, Amanita rubescens. Nr.3, Bd. 1/7
84. Grauer Wulstling, Amanita excelsa (= spissa).Nr. 10, Bd. 1/6,111/4
85. Geschmückter Gürtelfuß, Cortinärius armillatus. Bd. 1/53
86. Heide-Schleimfuß, Brotpilz, Cortinärius mucosus. Nr.33, Bd. 1/50
87. Graublättriger Schwefelkopf. Hypholoma capnoides. Nr. 19,
Bd. 1/43
88. Orangeroter Graustiel-Täubling, Russula decolorans. Nr. 63,
Bd 1/119, V/105
89. Gelbweißer Täubling, Ockergelber Täubling, Russula ochroleuca.
Nr. 65, Bd. 1/120, V/82
90. Grasgrüner Täubling, Russula aeruginea. Nr.59, Bd. 1/117, V/85
91. Herings-Täubling, Russula xerampelina. Bd.I/129, V/107
92. Brauner Leder-Täubling, Russula Integra. Bd. 1/131, V/116
93. Rotstieliger Leder-Täubling, Russula olivacea. Bd.1/130, V/113
94. Apfel-Täubling, Russula paludosa. Bd. V/127
95. Graugrüner Täubling, Tauben-Täubling, Russula ionochlora. Nr.62,
Bd. V/86
96. Habichtspilz, Rehpilz, Sarcodon imbricatus (jung). Nr. 103,
Bd. 1/174
97. Semmelpilz, Semmelporling, Albatrellus confluens (jung). Nr. 97,
Bd. 1/166
98. Schafeuter, Schafporling, Albatrellus ovinus (jung). Nr.96, Bd.I/165

202
Die Arten 79 bis 98 sind nicht zur artenreinen Verwendung zugelassen, sondern
das Gesetz schreibt für jede dieser Arten Höchstanteile je Charge vor.
Die deutschen Namen und die mykologischen Bezeichnungen der Pilze in vor­
stehender Liste entsprechen den in diesem Taschenbuch und im ..Handbuch für
Pilzfreunde“ (Neubearbeitung seit 1975) verwendeten Namen. Die Abbildungen
dieser Pilze im „Taschenbuch“ sind mit Nr die Abbildungen im „Handbuch“
mit Bd. . . . zitiert.

14- 203
V E R Z E I C H N I S D E R D E U T S C H E N
PILZNAMEN

Die Zahl hinter den Pilznamen gibt die Nummer des Bildes und der Pilzbe­
schreibung an. Die Namen mit * verweisen auf Pilze, die unter der betreffenden
Nummer nur miterwähnt oder kurz beschrieben, aber nicht abgebildet sind.
Gattungsnamen sind halbfett gedruckt.

Afterleistling. Duftender 77* Rebhuhn— 17*


Riesen— 13*
Bärentatze 105 Schaf— 1 2
Becherling 120—123 Scheiden—14
Adriger 122"' Schiefknolliger 13*
Blasenförmiger 120 Stadt— 14
Kastanienbrauner 123* Tinten— 16
Kronen— 121 Wald— 15*
Orange— 123 Weißer Anis— 12
Violetter Kronen— 121 Wiesen—1 1
Birkenpilz 90 Wollfuß— 15
Moor—90* Zweisporiger I la*
Bitterschwamm 79* Eierschwamm 76
Bläuling 49—50 Erdnüsse 125*
Fleischroter 49 Erdschieber 58
Violetter 50 Erdsilberling 39
Zwerg—49a Erdstern 1 13
Bovist 1 10—1 12 Fransen— 113
Bleigrauer 110* Großer Nest— 113*
Eier— 110 Halskrausen— 113*
Hart— 11 1 Kamm— 113*
Kartoffel— 111 Kleiner Nest— 113*
Riesen— 1 12 Kragen— 1 13*
Schwärzender 1 10 Rotbrauner 113*
Zwerg— 110* Eselsohr 122
Brätling 56
Braunhäuptchen .SO Faserkopf, Ziegelroter 43
Butterpilz 84 Fette Henne 106
Champignon siehe Egerling und 1 la* Flämmlinge 25*
Fliegenpilz 7—8
Egerling (=Champignon) 11 —17 Brauner S
Anis— 12, 13 Roter 7
Breitschuppiger 15
Dünnfleischiger Anis— 13 Gallenröhrling 79
Feld— 1 1 Gelbfuli, Kupferroter 73
Karbol— 16 Glasköpfe 71*
Kompost— 17* Glöckchennabeling, Geselliger 30
Perlhuhn— 17 Goldschimmel 89*

205
Graukappe 46 Kuhmaul 72
Grünling 34 Kuhpilz 83

Habichtspilz 103 Leberpilz 101


Hahnenkamm 105 Leistling
Hallimasch, Gemeiner 26 Duftender After— 77*
Hartbovist, Kartoffel— 111 Grauer 109*
Hasenohr 122 Lorchel I 16
Heidetriiffel 125* Frühjahrs— 1 16
Helmling 29 Gift— 1 16
Rettich— 5(1*
Rosablättriger 29 Maipilz 42
Herbstblatt] 46 Mairißpilz 43
Herrenpilz 78 Mairitterling 42
Hirschtrüffel 125* Maronen-Röhrling 80
Hirsepilz 82 Milchling (s. auch Reizker) 53—58
Holzritterling, Rötlicher 28 Braunroter 55
Liehen— 55*
Kartoffelbovist. Dickschaliger 1 1 I Filziger 57
Keule 104 Kampfer— 57*
Gelbstielige 104 Pfeffer— 58*
Heide— 104 Wolliger 58
Knoblauchpilz 5 1 Mönchskopf 44
Knollenblätterpilz 5 —9 Morchel 1 1 7 — 1 1 9
Frühlings— 6 Halbfreie I 19*
Gelber 9 Hohe I 18
Grüner 5 Käppchen— 1 19*
Spitzhiitiger 6* Rund— I 17
Weißer 6 Speise— I 17
Koralle (= Ziegenbart) 105—108 Spit/— 1 18
Blasse 105* Stink— I 15
Dreifarbige 107* Mordschwamm 74*
Graue 108* Mousseron 5 I
Orangegelbe 107 Milchling 24*—25*
Rötliche 105 Lilablättriger 24*
Schöne 107* Wässeriger 25*
Schwefelgelbe 107*
Violette 108 Nabeling 44*
Krause Glucke 106 Geselliger Glöckchen— 30
Krempentrichterling,
Weißer Riesen— 44* Ochsenzunge 1(11
Krempling 74—75 Ohrenmuschel 122*
Empfindlicher 74 Ölbaumpilz. Leuchtender 25*. 26*
Kahler 74 Orangebecherling 123
Samtfuß— 75
Kronenhecherling, Violetter 121 Pantherpilz 4
Krötenschwamm 23* Parasol 1

206
Perlpilz 3 Echter 34
Falscher 3* Fleischbrauner Rötel—41
Grauer 10 Gelbbräunlicher 35
Pfifferling 76—77, 109* Lilastieliger Rötel 11
lichter 76 Mai—42
Falscher 77 Rötlicher Holz— 28
Starkriechender 109* Schwarzfaseriger 36
Trompeten— 10 1 )* Schwefelgelber 34*
Porling 96—100 Tiger— 37
Bunter 99 Veilchen 16*
Schaf— 96 Violetter Rötel—40
Schmetterlings— 99 Röhrling 78—95
Schuppiger 98 Anhängsel— 78*
Schwefel— 100 Blutroter 88*
Semmel— 97 Butter— 84
Striegeliger 99* Dickfuß— 94
Filziger 89
Rasling 38—39 Flockenstieliger Hexen—
Büschel—39 Gallen— 79
Frost— 38 Gelber 90*
Knorpeliger 39* Gold— 86
Rautensporiger 39* Goldgelber Lärchen— 86
Rauhfüße 90—91 Grauer Lärchen— 85
Rehpilz 103 Hainbuchen— 90*
Reifpilz 32 Hexen— 92, 93
Reizker (s. auch Milchling) 53—58 Kapuziner— 90
Birken— 54 Körnchen— 87
Blut—53* Kuh— 73, 83
Bruch— 57 Kurzsporiger 81 *
Echter 53 Maronen— 80
Edel— 53 Netzstieliger Hexen— 93
Falscher 54 Pfeffer—81
Fichten— 53* Rotfuß— 88
Flaumiger 54* Sand— 82
Lachs— 53* Satans— 95
Rotbrauner 55 Wurzelnder 79*
Tannen— 74* Rötelritterling 40—11
Zotten— 54 Blaßblauer 41*
Riesenbovist 1 12 Fleischbrauner 4 1 *
Rißpilz 43 Lilastieliger 4 I
Mai— 43 Violetter 40
Seidiger 50* Rotfüßchen 88
Ziegelroter 43 Rothäubchen 91
Ritterling 28, 34—37, 40—42 Rotkappe 91
Bitterer 35* Birken—91*
Blaßblauer Rötel 11* Braune 91*
Brennender 36* Espen— 91

207
Fichten— 91* Gelbblättriger 7(1
Rübling 27 März— 27*
Breitblättriger 27* Schüppling 32
Gefleckter 27* Runzel— 32
Samtfuß— 27 Sparriger 32*
Waldfreund— 27* Schusterpilz 92
Wurzel— 27* Schwärzling 39*
Zapfen— 27* Schwefelkopf 19—21
Graublättriger 19
Saftling 71 Grünblättriger 20
Granatroter 71 * Ziegelroter 21
Kegeliger 71 Schwefelporling 100
Papageigrüner 7 I * Schwindling 5 1—52
Schwärzender 7 I * Großer Knoblauch— 5 1 *
Saumpilz, Zarter 24* Küchen— 5 1
Schafeuter 96 Nadel— 5 1 *
Schafporling 96 Nelken— 52
Schirmiling 1* —2* Roßhaar— 5 1 *
Gift— 2* Seitling, Austern— 3 1
Großer Stink— 2* Semmelpilz 97
Kegelschuppiger 2* Spargelpilz 22
Kleiner Stink— 2* Stäuhling 112*, 114
Schleim— 2* Flaschen— 114
Schirmpilz 1 —2 Hasen— 112*
Acker—2* Stern— I 12*
Geschundener 2* Steinpilz 78
Jungfern— 2* Echter 78
Riesen— 1 Eichen— 78*
Rötender 2 Gelbfleischiger 78*
Safran— 2 Rothütiger 78*
Warzen— 2* Schwarzhiitiger 78*
Schleierdame 115* Sommer— 78*
Europäische 115* Sternstäubling 1 12*
Schleiimfuß 33 Stinkmorchel 115
Blaustiel— 33* Dünen— 115*
Gallen—33* Gemeine 1 15
Fleide— 33 Stockschwämmchen 25
Kastanienbrauner 33 Weißstieliges 25*
Runzel— 33* Stoppelpilz 102
Schleimschirmlinge 2* Rotgelber 102*
Schleimtrüffel 125* Semmel— 102
Schmerling 87
Schmierling 72—73 Täubling 59—69
Großer 72 Apfel— 66*
Rosenroter 73* Blaublättriger 58*
Schneckling 70 Blutroter 69*
Frost— 70 Chromgelber 64

208
Frauen— 61 Duft—47*
Gefelderter 60 Falber Riesen 1-4
Gelbweißer 65 Fuchsiger 48
Grasgrüner 59 Gelbbrauner 44*
Graugrüner 59 Grüner Anis— 47
Grüner Birken— 59 Keulenfuß— 45
Grünschuppiger 60 Lack—49, 50
Herings— 66* Nebelgrauer 46
Kirschroter Spei— 69 Rötlicher Lack— 49
Orangeroter Graustiel— 63 Weißer Riesen-Krempen— 44*
Spei— 69 Trompete 109
Speise— 66 Herbst— 109
Stachelbeer— 68 Toten— 109
Tränen— 67 Trüffel 124—125
Violettgrüner 61 Deutsche 124
Wechselfarbiger Spei— 69* Heide— 125*
Zedernholz— 69* Hirsch— 125*
Zitronenblättriger 67 Schleim— 125*
Tintling 22—24 Sommer— 125
Falten— 23 Weiß— 124
Gesäter 24* Winter— 125*
Glimmer— 24 Wurzel— 125*
Grauer 23
Knoten— 23 WeilStrüffel 124
Rauhsporiger 23* Winterpilz 27
Schopf— 22 W ulstling 3— 10
Specht— 23* (s. auch Knollenblätterpilz)
Struppiger 23* Gedrungener 10
Totentrompete 109 Grauer 10
Träuschling 18 Narzissengelber 9*
Grünspan— 18 Porphyrbrauner 4*
Halbkugeliger 18* Wurzelrübling 27*
Krönchen— 18* Wurzeltrüffel 125*
Kultur— 17a
Riesen— 17a Ziegenbart s. Koralle
Trichterling 44—50 Ziegenlippe 89
Amethystblauer Lack— 50 Zigeuner 30

209
VERZEICHNIS DER WISSENSCHAFTLICHEN
PILZNAMEN

Die Zahl hinter dem Pilznamen gibt die Nummer des Bildes und der Pilz­
beschreibung an. Pilznamen mit * beziehen sich auf nicht abgebildete Pilze.
Gattungsnamen sind halbfett gedruckt.

abruptibülbus. Agär. 13* atrotomentösus, Pax. 75


(mit abgebrochener Knolle) (schwarzfilzig)
äereus, Bol. 78* augüstus, Agar. 13* (majestätisch)
(bronzefarben) auräntia, AI. 123 (orangerot)
aeruginäscens, Su. 85 aurantiaca. Hygrophoropsis 77
(spangrün werdend) (orangerot)
aerugi'nea, Russ. 59 (spangrün) aurantiacum, Lecc. 91
aeruginosa, Stroph. 18 (orangerot)
(spangriin) aurea, Ram. 107 (golden)
aestivälis, Bol. 78*
(im Sommer wachsend) bädia, Pez. 123 (kastanienbraun)
aestivum, Tub. 125 bädia, Russ. 69* (kastanienbraun)
(im Sommer wachsend) bädius. Xeroc. 80
Agaricus 1 1 — 1 7 (kastanienbraun)
(altgriech. Pilzname) bi'sporus, Agär. 1 la* (zweisporig)
Albatrellus 96—97 (Weißling) bitörquis, Agär. 14
Aleuria 123 (feines Mehl) (doppelt beringt)
alopecia, Cop. 23* (Fuchsräude) Boletus 78, 81,92—95
Amanita 3—10 (röm. Pilzname)
(altgriech. Pilzname) bötrytis, Ram. 105
amethystea, Lacc. 50 (traubenartig)
(amethystfarben) bovi'nus, Su. 83 (zur Kuh gehörig)
amethystina, Clavul. 108 Bovista 1 10 (Bubenfist. Furz)
(amethystfarben) brumäle, Tub. 125*
androsäceus, Mar.5 1 (schildförmig) (im Winter wachsend)
Apiöcrea 89* brünneoincarnäta, Lep. 2*
(birnenförmig-fleischig) (braun-fleischfarben)
appendiculatus. Bol. 78* butyräcea, Coll. 27*
(mit Anhängsel) (fettig glänzend)
argilläcea, Clav. 104 (lehmgelb)
Armillariella 26 Calocybe 42 (Schönkopf)
(mit Armband, Ring) cälopus. Bol. 94 (Schönfuß)
arvensis, Agar. 12 Calvatia 1 1 2 *
(in der Feldflur wachsend) (wie eine Hirnschale)
aspera, Lep 2* (rauh) campanella, Xeromph. 30
Aspropaxfllus 44* (rauh, Pflock) (Glöckchen)
atramentarius, Cop. 23 campestris, Agär. 11
(Tinte gebend) (auf Feldern wachsend)
camphorätus, Lact. 57* Disciötis 122* (Scheibenohr)
(nach Kampfer riechend) disseminatus, Cöp. 24* (ausgesät)
candolleäna, Psath. 24* dryöphila. Coll. 27* (Eichen liebend)
(nach De Candoile) duplicätus, Ph. I 15* (verdoppelt)
Cantharellus 76, 109* (Kännchen) duriüsculum, Lecc. 91* (härtlich)
caperätus, Roz. 32 (gerun/elt)
capnoi'des, Hyph. 19 edülis. Bol. 78 (eßbar)
(rauchfarben) Elaphömyces 125* (Hirschpilz)
Choirömyces 124 (Ferkelpilz) clätior, Cort. 33* (höher)
chrysenteron, Xeroc. 88 emetica, Russ. 69
(innen goldgelb) (Erbrechen hervorrufend)
chrysosperma, Ap. 89* equestre, Trich. 34 (ritterlich)
(goldsporig) erythropus. Bol. 92. (Rotfuß)
cibärius, Canth. 76 (eßbar) esculenta, Gyr. I 16 (eßbar)
cinerea, Clavul. 108* (aschgrau) esculenta, Mor. 117 (eßbar)
cinereus, Cop. 23* (aschgrau) excelsa, Am. 10 (emporragend)
cinereus, Pseudocrat. 109* excoriäta, Macrolep. 2*
(aschgrau) (abgehäutet)
citrina. Am. 9 (zitronengelb)
citrinum, Scler. 11 1 (zitronengelb) fasciculäre, Hyph. 20 (büschelig)
clarofläva, Russ. 64 (rein gelb) felleus, Tyl. 79 (gallebitter)
Claväria 104 (Keule) Fistulina 101 (mit Röhren versehen)
clävipes, Clit. 45 (Keulenfuß) fläccida. Lepista 48
Claviilina 108 (Keule) (flatterig, schlaff)
Clitöcybe 44, 45, 47 (Schieferkopf) Flanimulina 27 (Flämmchen)
collim'tus, Cort. 33* (schleimig) flava. Ram. 107* (hellgelb)
Collvbia, 27* (kleine Münze) formösa. Ram. 107*
comatus, Cöp. 22 (beschopft) (schön gestaltet)
cönfluens, Alb. 97 (zusammenfließend) fornicätum, Geäst. 1 13* (gewölbt)
cönica, Hygr. 71 (kegelförmig) frägilis, Russ. 69* (zerbrechlich)
cönica, Mor. I 18 (kegelförmig) Iragrans, Clit. 47* (stark duftend)
Cöprinus 22—24 (auf Kot wachsend) fumösum, Lyoph. 38 (rauchfarben)
cörium. Mycenastrum 112* (lederig)
cornucopioi'des, Crat. 109 (füllhornartig) galericuläta, Myc. 29
corom'lla, Stroph. 18 (Krönchen) (mit Käppchen)
Cortinärius 33 (Schleierling) gambösa. Cal. 42 (hufartig)
crässa, Sarcosph. 121 (dick) (■eästrum I 13 (Erdstern)
Craterellus 109 (kleiner Trichter) gemmäta, Am. 9*
crispa. Spar. 106 (kraus) (mit Edelsteinen besetzt)
cristäta, Lep. 2* (kammartig) geophylla. In. 50* (erdblättrig)
cynaoxäntha. Russ. 61 (blau-gelb) gibba. Clit. (buckelig)
gigantea, Lang. 112 (riesig)
decästes, Lyoph. 39 giganteus, Aspr. 44* (riesig)
decölorans, Russ. 63 (entfärbend) glaucocäna, Lepista 41*
delica, Russ. 58* (ohne Milch) (bläulich-grau)
deliciösus, Lact. 53 (köstlich) glutinösus, Leucog. 72 (klebrig)
deterrimus, Lact. 53* (sehr geringwertig) Gomphidius 73 (pflockähnlicher Pilz)

212
granulätus, Su. 87 (körnig) Lcpiota 2* (Schuppenpilz)
grevillei, Su. 86 (nach Greville) Lepista 40—41, 46, 48 (mit Schale)
griseum, Lecc. 90* (grau) leporina, Ot. 122* (vom Hasen)
Gymnopnus (nackter H u t ) 25* Leucogomphidius 72, 73*
Gyromitra 116 (gewundene Haube) (weißer Pflock)
Limacella 2* (kleine Schnecke)
hadriani, Ph. 115* loricätum, Lyoph. 39* (gepanzert)
(nach Hadrian de Jonghe) lüridus. Bol. 93 (fahlgelb)
helveola. Lep. 2* (blaß rotgelblich) lüteus, Su. 84 (sattgelb)
helvus, Lact. 57 (blaß rotgelb) Lycoperdon 1 14 (Wolfsfurz)
hepätica, Fist. 101 (leberfarben) Lyophyllum 38—39
hirsüta, Tram, (borstig behaart) (trennendes Blatt)
hölopum, Lecc. 90* (ganzer Fuß)
Hydnängium 125* Macrolepiota 1 —2
(altgriech. Pilzname + Gefäß) (langer Schuppenpilz)
Hvdnum 102 (altgriech. Pilzname) maculäta, Coll. 27* (gefleckt)
hydröphila, Psath. 25* (wasserliebend) maculätus, Leucog. 73* (gefleckt)
Hygröcvbe 71 (Feuchtkopf) mairei, Ram. 105* (nach Maire)
Hygrophoröpsis 77 Maräsmius 5 1—52 (Welkepilz)
(einem Schneckling = marzüolus, Hygr. 27*
Hygrophorus ähnlich) (im März wachsend)
Hygrophorus 70 (Feuchtigkeit tragend) mastoi'dea, Macrolep. 2*
Hymenogäster 125* (Bauch mit Häuten) (brustwarzenartig)
Hypholöma 19—2 1 Megacollybia 27* (große Münze)
(Hutrand mit Hyphen) Melanogäster 125*
hypothejus, Hygr. 70 (schwarzer Bauch)
(unterseits schwefelgelb) micäceus. Cöp. 24 (glimmerig)
Micrömphalc 5 1* (kleiner Nabel)
imbricätus, Sarc. 103 (dachziegelartig) Morchella 1 17—1 19 (Morchel)
impudicus, Ph. 1 15 (unverschämt) mucosus, Cort. 33 (schleimig)
indusiätus, Ph. 1 15* (beschleiert) museäria. Am. 7
infumätum, Lyoph. 39* (eingeräuchert) (für Fliegen geeignet)
Inöcybe 43, 50* (Faserkopf) mutäbilis, Kuehn. 25 (veränderlich)
insignis, Cöp. 23* (ausgezeichnet) Mycena 29 (kleiner Pilz)
involütus, Pax. 74 (eingerollt) Mycenästrum I 12* (Pilzstern)
ionochlöra. Russ. 62* (violett-grün)
l'rina, Lepista 46* (nach Iris riechend) nebuläris, Lepista 46 (nebelgrau)
nigrescens, Bov. 1 10 (schwärzend)
Kuehneromyces 25 (nach Kühner) nigrescens, Hygr. 71* (schwärzend)
nigrescens, Lecc. 90* (schwärzend)
Laccäria 49—50 (Lackpilz) nüda, Lepista 40 (nackt)
laccäta, Lacc. 49 (lackiert)
Lactarius 53—58 (Milchling) ochroleuca. Russ. 65
Laeti'porus 100 (Hellporer) (ockergelb-weiß)
Langermännia 1 12 (nach Langermann) odöra, Clit. 47 (wohlriechend)
länipes, Agär. 15 (Wollfuß) oleärius, Omphalotus 26*
Leccinum 90—91 (zum Ölbaum gehörig)

213
ölida, Hygrophoröpsis 77* (ricchcnd) porphyria. Am. 4* (porphyrfarben)
Omphälina 44 (Nabeling) portentösum, Trich. 36
Omplialntus 26* (unnatürlich)
(mit Nahei versehen) prasiösmus, Mar. 5 1 *
onötica, Ot. 122 (wie ein Eselsohr) (nach Lauch riechend)
oreades, Mar. 52 (Bergnymphe) procera, Macrolep. 1 (schlank)
ostreätus, Pleur. 31 (austernartig) Psathyrella 24*, 25*
Otidea 122 (ohrenförmiger Pilz) (mit lockerem Fleisch, mürbe)
ovinus, Alb. 96 Pseudocraterellus 109*
(das Schaf betreffend) (falscher Craterellus)
pseudorubescens. Am. 3*
paludösa, Russ. 66* (falsche A. rubescens)
(im Sumpf wachsend) psittäcina, Hygr. 7 I
pantherina. Am. 4 (pantherartig) (papageiartig gefärbt)
pardolätum, Trich. 37 pubescens, Lact. 54* (flaumig)
(pantherfleckig, gepardelt) puelläris. Macrolep. 2*
patouillärdii. In. 43 (mädchenhaft)
(nach Patouillard) punicea, Hygr. 71*
Paxillus 74—75 (Pflock) (Farbe des Granatapfels)
pectinätum, Geäst. 113* püra, Myc. 50* (rein)
(kammartig) pusi'lla, Bov. 1 10* (niedlich)
perforans, Micr. 5 1 *
(durchbohrend) quadrifidum, Geäst. 113*
perlätum, Lycop. 114 (vierspaltig)
(mit Perlen versehen) queletii, Russ. 68 (nach Quelet)
personäta, Lepista 4 1 (maskiert) quercinum, Lecc. 91*
Peziza 12(1. 123* (bei Eichen)
(altgriech. Pilzname) quietus, Lact. 55* (mild)
phaeolepidötus, Ag. 17
(braunschuppig) radicans. Bol. 79* (wurzelnd)
phalloides. Am. 5 radicäta, Xerula 27* (bewurzelt)
(phallusähnlich, kolbenartig) Ramäria 105, 107
Phallus 1 15 (männl. Glied) (verzweigter Pilz)
picäceus. Cöp. 23* (elstcrartig) regälis. Am: 8 (königlich)
picei'num, Lecc. 91 * repändum, Hyd. 102
(zur Fichte gehörig) (geschweift, aufwärts
pim'cola. Bol. 78* gebogen)
(bei Kiefern wachsend) rhacödes, Macrolep. 2 (zerlumpt)
piperätus. Bol. 81 (gepfeffert) Rhizöpogon 125* (Wurzelbart)
piperätus, Lact. 58* (gepfeffert) röseus, Leucog. 73* (rosenrot)
placömyces, Agär. 17 (platter Pilz) Ro/ites 32 (nach Roze)
platyphvlla. Megacoll. 27* rubescens. Am. 3 (rötend)
(breitblättrig) rubfnus. Bol. 81* (rubinrot)
Pleurotus 3 1 (Seitling) rufescens, Geäst. 113
plümbea, Bov. 110* (bleigrau) (rötlich werdend)
polymyces, Armill. 26 (vielhütig) rufescens, Hyd. 102*
Polyporus 98 (Vielporer) (rötlich werdend)

214
rüfus, Lact. 55 (fuchsrot) Tricholoma 34—37
rugosoannulata, Stroph. IS* (mit behaartem Rand)
(runzelig-beringt) Tricholomöpsis 28 (ähnl. Tricholoma)
Russula 59—69 (roter Pilz) triplex, Geäst. 1 13* (dreifach)
rütilans, Trich. 28 (gelblichrot) tubaeformis, Canth. 109*
rütilus, Gomph. 73 (gelblichrot) (trompetenförmig)
Tuber 125 (Knolle)
salmom'color, Lact. 53* turpis. Lact. 74* (schimpflich)
(lachsfarben) Tylopilus 79 (wulstähnlicher H u t )
sangui'fluus. Lact. 53*
(Blut ergießend) utriförmis, Calv. 122*
sangumea, Russ. 69* (blutrot) (schlauchförmig)
Särcodon 103 (Fleischzahn)
vaporärius, Agar. 17
Sarcosphäera 121 (Fleischkugel)
(in Warmhäusern wachsend)
sardönia, Russ. 67 (giftig) variegätus, Su. 82 (buntscheckig)
sätanas. Bol. 95 (Teufel) vellereus, Lact. 58 (wollig)
scabrösus, Sarc. 103* (rauh) velütipes. Flamm. 27 (samtfüßig)
scäbrum Lecc. 90 (rauh) venösa, Disciotis 122* (aderig)
Sderoderma 1 1 1 (hartschalig)
venösus, Choir. 124 (aderig)
scorodönius, Mar. 5 1 (lauchartig) verna. Am. 6
sejünctum, Trich. 35 (abgesondert) (im Frühling wachsend)
semiglobäta, Stroph. 18* (halbkugelig) versicolor, Tram. 99 (wechselfarbig)
semih'bera, Mor. 119* (halbfrei) versipelle, Lecc. 91* (wechselhäutig)
sessile, Geäst. 1 13 (sitzend) vesca, Russ. 66 (eßbar)
silväticus, Agär. 15* vesiculösa, Pez. 120 (blasig)
(im Walde wachsend) vibrätilis, Cort. 33* (zittrig)
silvfcola, Agär. 13 (waldbewohnend) virescens. Russ. 60
sördida, Lepista 41* (schmutzig) (grün werdend, grünlich)
Sparässis 106 (zerrissen)
virgätum, Trich. 36* (gestreift)
squamosus. Pol. 98 (schuppig) virösa. Am. 6* (giftig)
striätum, Geäst. I 13* (gerieft) volemus, Lact. 56
Strophäria 18
(die hohle Hand füllend)
(Drehling, verdrehter Pilz)
sublateritium. Hyph. 21 (fast ziegelrot) xanthodermus, Agär. 16 (gelbhäutig)
subtomentösus, Xeroc. 89 (fast filzig) xänthopus, Canth. 109* (Gelbfuß)
Suillus 82—87 (Schweinepilz)
xerampelina, Russ. 66*
sulphüreum, Trich. 34* (schwefelgelb) (wie trockenes Weinlaub gefärbt)
sulphüreus, Laet. 100 (schwefelgelb) Xerocomus 80, 88, 89 (Trockenhut)
Xeromphälina 30
torminösus, Lact. 54 (trockener Nabeling)
(Bauchweh, Kolik hervorrufend) Xerula 27* (trocken)
törtilis, Lacc. 49a (verdreht)
Trametes 99 zvarae, Trich. 35* (nach Zvara)

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