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P O L I T I K

kämpfe“ vermutet Dönisch-Seidel. Er Fallpauschalen erfasst werden (Stufe 1), kann eine
forderte die Träger auf, „sich auf die Überprüfung und Korrektur durch die
Kompetenzen der Psychologen zu be- DRG-Controllerin grundsätzlich nur in
sinnen“. „Wichtig ist die Fachkompe- Erlössicherung engen Absprachen mit den Erfassen-
tenz und nicht die Profession.“ Die
Sachverständigenlisten für die Progno- durch optimale den stattfinden. Damit ist neben der
Erlössicherung gewährleistet, dass die
sebegutachtung würden seit der Ände-
rung des MRV-Gesetzes auch unabhän- Kodierung gesetzlichen Kodier-Vorgaben einge-
halten werden (Stufe 2). Eine Schulung
gig von der Profession geführt. Inzwi- aller an der Dokumentation Beteilig-
schen führt die Psychotherapeutenkam-
Erfahrungen der Chirurgischen ten ist unerlässlich und gehört zu ihren
mer rund 30 der 100 qualifizierten Sach- Universitätsklinik Heidelberg Kernaufgaben. Für die inhaltliche Kor-
verständigen in NRW in einer Liste. Dö- rektheit zeichnet ein DRG-Oberarzt
nisch-Seidel forderte, Leitungsstellen in durch Unterschrift verantwortlich (Stu-

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forensischen Kliniken künftig nicht nur ie DRG-Arbeitsgruppe der Chir- fe 3). Anschließend werden die DRG-
für Ärzte auszuschreiben. urgischen Universitätsklinik Hei- Daten an das zentrale Klinikums-Con-
Gegen die Forderung nach Psycholo- delberg hatte im Mai 2002 in einer trolling zur Endabrechnung versandt
gen als Klinikleiter sprach sich ein- Publikation „Chirurgische Leistungs- (Stufe 4). Die DRG-Dokumentation
deutig Prof. Dr. med. Norbert Leygraf, dokumentation – Hilft viel wirklich ist somit vollständig und zeitnah als
Direktor des Instituts für forensische viel?“ die Auswirkungen von maxima- 4-Stufen-Prozess realisiert.
Psychiatrie der Universität Duisburg- ler und geringer Dokumentationstiefe
Essen, aus: „Man darf den Kranken- klinischer Patientendaten auf das Er-
haus-Charakter einer forensischen Kli- tragsvolumen einer chirurgischen Kli- Erlös-Vergleich
nik nicht abschwächen – und Kranken- nik nach Einführung des DRG-basier-
haus ist ein medizinisches Feld“, beton- ten Entgeltsystems verglichen. Die Seit Anfang 2005 liegen erstmals mit
te er. Als höherwertig sah er auch Gruppe wies damals nach, dass in etwa der Jahresauswertung für 2004 Daten
die ärztliche Facharztweiterbildung im 34 Prozent der untersuchten Klinik-Fäl- zur Effizienz dieses DRG-Controlling-
Hinblick auf Führungspositionen an. le der kalkulierte Ertrag maßgeblich Ansatzes vor. Es wurde ein Vorher-
Da auch Patienten beispielsweise mit durch eine verbesserte und professiona- nachher-Vergleich der Erlössituation
hirnorganischen Störungen in forensi- lisierte Dokumentation der Diagnosen erstellt. Am Tage nach der Entlassung
schen Kliniken behandelt werden, hält gesteigert werden kann. wurden alle dokumentierten Fälle grup-
Leygraf Psychiater in Leitungspositio- piert und die Case-Mix(CM)-Punkte
nen für unabkömmlich. Diskutierbar dieser „roh gruppierten Fälle“ über das
sei allenfalls, ob es neben dem ärztli- Abteilungsinternes Jahr 2004 addiert. Nach Überarbeitung
chen Direktor, dem Pflegedienstleiter, DRG-Controlling durch das DRG-Controlling wurden
dem Verwaltungschef auch einen psycho- die Fälle abgerechnet und die erzielten
logischen Leiter geben könne. Die Daten wurden als richtungweisend CM-Punkte ebenfalls über das Gesamt-
„Akzeptanz auch in der Annahme eingeschätzt. Es wurde in der Abteilung jahr erfasst.
des unveränderbaren Leids“, forderte Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirur- Für das Jahr 2004 betrug die Erlös-
der Psychoanalytiker Micha Hilgers, gie (circa 140 Betten) vor einem Jahr Differenz 1 387 CM-Punkte. Das ent-
Aachen. „Patienten, die nicht therapier- (im Rahmen des Abteilungsbudgets) ei- spricht 15 Prozent des gesamten Case
bar sind, haben trotzdem Anspruch auf ne spezielle Stelle für das abteilungsin- Mix der chirurgischen Abteilung, der im
eine humane Unterbringung.“ Dies sei terne DRG-Controlling geschaffen. Jahr 2004 mit 8 968 CM-Punkten ausge-
besonders wichtig, weil die Zahl der Die Vollzeitstelle konnte mit einer wiesen ist. Multipliziert man die er-
Langzeitpatienten kontinuierlich steige. Krankenhausbetriebswirtin, die auch reichten CM-Punkte mit dem Basisfall-
Nicht ausreichend geklärt sei die Frage, die Ausbildung zur Krankenschwester wert von circa 3 400 Euro der Univer-
wie alte und sterbende forensische Pati- hat, besetzt werden. Zu den Aufgaben sitätsklinik, so wird die Dimension der
enten humaner versorgt werden könn- gehört es, alle Patientenfälle, die die realisierten Erlösverbesserung durch
ten. Diese Patienten in geronto-psychia- Abteilung verlassen, hinsichtlich ihrer korrekte und vollständige Dokumenta-
trischen Abteilungen unterzubringen, DRG-Dokumentation nochmals zu tion und Verschlüsselung noch deutli-
hält er für wenig sinnvoll. Einerseits, überprüfen und zu überarbeiten. cher: Bei einem Umsatzvolumen von
weil sie aus ihrem vertrauten Umfeld Weil die Stationsärzte in der chirur- circa 30 Millionen Euro für die sta-
rausgerissen würden, und andererseits, gischen Klinik sämtliche Diagnosen er- tionären Fälle der Abteilung konnten
weil sie durch teils übergriffige Verhal- fassen und die Krankenhaushauptdia- damit circa 4,7 Millionen Euro durch
tensweisen eine Belastung für diese gnose festlegen, die Operateure die die Arbeit des internen DRG-Control-
Stationen darstellen könnten. „Geronto- Operationsprozedur dokumentieren lings gesichert werden.
forensische“ Einrichtungen könnten und alle Non-Operations-Prozeduren Prof. Dr. med. Thomas W. Kraus,
Hilgers Ansicht nach eine Lösung des am Ort des Leistungsgeschehens und Ingrid Farrenkopf, Chirurgische Universitäts-Klinik
Problems darstellen. Petra Bühring damit überwiegend von Pflegekräften Heidelberg, Im Neuenheimer Feld 110, 69120 Heidelberg

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Deutsches Ärzteblatt  Heft 11
 18. März 2005