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KrankenhauscontroIling in der Schweiz

Attraktiver Nachbar
Das pauschalierte Entgeltsystem Australiens war nicht nur die Basis für das deutsche G-DRG-System,
sondern ist auch in der Schweiz das Abrechnungssystem für die stationäre somatische Behandlung.

Unser Autor nennt die größten Unterschiede im Vergleich zu Deutschland und beschreibt, warum
Schweizer Spitäler Controllern ein spannendes Arbeitsfeld eröffnen.

Von Thomas Weidner

Die Schweiz befindet sich im Jahr 2019 gleichen. Dies resultiert einerseits aus den Bundesländern zu vergleichen ist.
in der mittlerweile achten Version nach den örtlichen Besonderheiten, wo Ge- Die Kantone sind unter anderem verant-
der Swiss-DRG-Einführung im Jahr biete mit teils i'iiedi'igen Einwohnerdich- woi'tlich für die Vergabe von Leistungs-
2011. Das anfänglich aus Deutschland ten ebenso versorgt werden müssen wie aufträgen anföre Spitäler sowie die Finaii-
übernomrneneAbrechnungssystem wur- die Ballungszentren Zürich, Basel oder zierung und Revision der stationären
de seitdem stark an die Gegebenheiten Bern. Andererseits ist das politische Leisfüngen in den somatischenEinheiten.
und Bedüifnisse der Schweiz angepasst System in der Schweiz ein Direktional- Hier liegt schon der gr;"ßte Unter-
und lässt sich lediglich beim Diagno- system mit starkerAutonomie der Kan- schied: Regelungen und Vorgaben sind
sen-Katalog ICD allenfalls direkt ver- tone, die von der Organisation her mit kantonal sehr unterschiedlich geprägt

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Managementl a7ü. ci-i-,ji:ii(4

Versichei'ung und nicht (wie in Deutsch- trag hat, das Schweizer Fallpauschalen-
land) eineVersicherung nach dem Soli- system weiterzuentwickeln, vergleich-
darprinzip. Zusatzleistungen, wie bei- bar mit dem Institut ftir das Entgelt-
spielsweise Chefarztbehandlung oder system im Krankenhaus (InEK). Alle
Einzelzimmer, müssen die Patienten ge- Schweizer Spitäler müssen füso Kosten-
sondert über eine Zusatzversicherung daten liefern und dies auch nach der
mit ihrer Krankenversicherung verein- Rechnungslegung REKOLE(R (im wei-
baren. Die Zusatzversicherung ist im teren Textverlauf Rekole) des Schwei-
Gegensatz zur sogenannten Gi'undversi- zer Spitalverbandes H+. Rekole oder
chei'ung nicht obligatoi'isch und gliedeit auch Revision von Kosten und Leistun-
sich je nach Ausgestaltung in halbprivat gen, ist der Standard für das betriebliche
und privat. Die Beiträge des Kantons Rechnungswesen im Spital. Er stellt
werden kantonal über Steuern finan- sicher, dass die Daten nach einheitlichen
ziert. Kostensteigei'ungen im Gesund- Maßstäben ermittelt und kalkifüet't wer-
heitswesen äußei'n sich einerseits in stei- den. Das Buch,,Rekole Betriebliches
genden Steuersätzen des Kantons und Rechnungswesen im Spital" ist ver-
andererseits in höheren Prämien zur gleichbar mit dem Kalkulationshand-
Krankenversicherung. Diese Form der buch für Fallkosten in Deutschland. Es
Finanzierung resultiert in einer starken schreibt einen einheitlichen Kostenar-
Identifizierung des Steuerbürgers mit ten- und Kostenstellenplan vor, definiett
seinem Leisfüngserbi'inger, da insbeson- den Kostenträger und regelt ebenfalls,
dere seine steueifinanzierten Beiträge welche Schlüssel im Umlageveifahren
für die kantonale Gesundheitsversor- der Kostenstellen angewendet werden
gung aufgewendet werden. Für Um- düifen. Dieser Rechnungslegungsstan-
sti'iikfüriei'ungen oder gar Schließungen dard wird alle vier Jahre von externen
von Spitälern ist die Zustimmung der Revisoren überprüft rmd im Rahmen
kantonalen Bevölkerung notwendig, des externen Prüfungszyklus mindes-
und lassen sich schweizweit nicht direkt welche im Rahmen von Stimmvorlagen tens jährlich durch interne Audits si-
miteinander vergleichen. In einigen Be- der direkten Demokratie eingeholt wer- chergestellt. Über einAntragsveifahren
reichen wie beispielsweise bei denVor- den müssen. Oftmals scheitern kantona- haben Spitäler oder auch Institutionen
gaben zur Bevorzugung der ambulanten le Vorhaben hieran und es muss nach wie Swiss DRG die Möglichkeit, neue
Versorgung existieren hingegen teilwei- Alternativen gesucht werden. Standards in die Rechnungslegung ein-
seAbsprachen zwischen einzelnen Kaiü- Auf der einen Seite behindert das ei- zubringen. Hierüber entscheidet die so-

tonen, die auch insbesondere in den ne Konsolidierung und Privatisierung genannte REK-Kommission. So wird
Kantonen Luzern und Zürich ttber die von stationären Leistungseinheiten, auf den Akteuren des Gesundheitswesens
vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) der anderen Seite kann so aber auch auf die Möglichkeit eröffnet, Ideen und Er-
vorgegebenen Maßstäbe hinausgehen. kantonale Besonderheiten undAnsprü- kenntnisse aus der praktischen Anwen-

Gleichzeitig sind für die Spitäler die che der Bevölkerung eingegangen wer- dung einzubringen und maßgeblich an

Vorgaben der kantonalen Gesundheits- den. Das zeigt sich insbesondere in derWeiterentwicklung derRechnungs-

direktion maßgeblich, die auch das ländlich geprägten Kantonen, in denen legung mitzuwirken. Die Besetzung der
Controlling in den Spitälern eines Kan- teilweise sehr kleine Spitäler mit weni- Rekole-Kommission stellt dabei auch
tons deutlich beeinflussen. ger als 100 Betten unterhalten werden, sicher, dass kleinere Spitäler abgebildet
um die Gesundheitsversorgung auch auf werden und der Aufwand zur Umset-

Freiwillige dem Land sicherstellen zu können. zung dieser füchtlinien in einem ausge-
wogenen Verhältnis zum Nutzen steht.
Zusatzversicherung
Schweizer So findet beispielsweise die Verrech-

Wie eingangs erwähnt, finanziert der nung des ärztlichen Operateurs nicht
Branchenstandard
Kanton des Patienten zusammen mit wie bislang und analog zum deutschen

dessen Krankenversichenmg die Gi'imd- Auch diese vergleichsweise kleinen DRG-Standard über die Schnitt-Naht-

leisfüngen der Behandlungen im Spital. Leisfüngserbringer sind verpflichtet, Zeit, sondei'n über die chinirgische Leis-

Es handelt sich dabei um eine personen- Kosten- und Leistungsdaten an die tungszeit statt. Maßgeblich ist nun die

bezogene, einkommensunabhängige Swiss DRGAG zu liefei'n, die denAuf- effektive Zeit, die ein Operateur für ei-

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ManagementiCorif:i-o':li:qq

nen Patienten im OP-Saal aufwendet len Themengebieten, die das Control- keitnichtfürdasAnlagevermögen. Hier
unter Berücksichtigung eines sogenann- ling betreut, wenig grundsätzliche Un- wird rnit der Fallpauschale auch die In-
ten Gleichzeitigkeitsfaktors (GZF) und terschiede bestehen, welche dieAusprä- vestitionstätigkeit des Spitals finanzieit.
einem auf Basis der hierarchischen gung des Controllings bestimrnen. Dazu Das bedeutet: Vom ei'wiitscha[teten Ge-
Position des Arztes gewichteten Salär. zählen ein vergleichbarer Budget- und winn müssen auch Ersatz- und Neuin-
Basis für diese Entscheidung war der Forecast-Prozess, die aus dem vergleich- vestitionen finanziert werden. Ein wei-
Sonderdruck,,Anästhesiologie & Inten- baren Abrechnungssystem resultieren, terer Grund, dass Schweizer Spitäler ein
sivmedizin" mit dem Glossar periopera- oder auch Finanzieningsthemen und das spannendes Feld für Controller sind und
tiver Prozesszeiten und Kennzahlen im Projektcontrofüng. Bei der Kostei'irech- bleiben werden.
November 2016. Hierdurch wurden ne- nung hingegen existiert mit Rekole ein
Thomas Weidner
ben der ärztlichen operativen Tätigkeit Branchenstandard, der über die deut-
StellvertretenderTeamleiter Betriebsbuchhaltung
auch alle weiteren ärztlichen Tätigkei- schenVorschriften zur Fallkostenerrnitt- Kantonsspital Winterthur
Brauerstrasse 15
ten aufwendig definiert. Gleichzeitig lung hinausgeht. Durch die kontinuier-
84oo Winterthur
setzte dies ebenso eine bessere Erfas- liche Weiterentwicklung dieses Stan- E-Mail: thomas.weidner@ksw.ch
sung der Operateure im OP-Manage- dards haben Controller auch zukünftig
ment voraus, um sie schlussendlich für in der Schweiz immer neue Herausfor-
die Kostenvei'rechnung verwenden zu derungen, die es gemeinsam mit den
können. operativen Einheiten zu bewältigen gilt.
Diese Umsetzung muss das Control- Je nach Größe des Spitals sind hier auch
ling im Rahmen eines Projekts koordi- Spezialisten in einem eigenen Team ver-
nieren und begleiten. Gleichzeitig muss eint, die neben den externen Anforde-
auch sichergestellt werden, dass die i'ungen auch interne bearbeiten und auf
Leistungserfassung, das Fallhandling diese Weise steuei'ungsre1evante Infor-
und nicht zuletzt auch die technische mationen auf Fallebene regelmäßig zur
Umgebung Rekole-konform sind. Veifügung stenen können - ii'n stationä-
ren wie auch im ambulanten Bereich.

Kontinuierliche Diese Informationen sind noch aus


einem weiteren Grund wichtig. Anders
Weiterentwicklung
als in Deutschland, wo es grundsätzlich
Zusammenfassend bleibt bei dem Län- die Möglichkeit gibt, Fördermittel für
dervergleich zwischen Schweiz und k]einere und große Projekt zu beantra-
Deutschland festzustellen, dass bei vie- gen, kennt die Schweiz diese Möglich-

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