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Die kommende neue Welt Gottes

Prophetische und apokalyptische Schriften des Alten Testaments


(Daniel, Ezechiel), das Johannes- und das Mattäusevangelium,
Mythologien und Zeitgeschichte gehen in die Bilder- und
Vorstellungswelt der Apokalypse ein. Der Verfasser erzählt
vorwärtsschreitend durch die Geschichte bis zur Verwandlung der
Welt im himmlischen Jerusalem das Geschehen aus verschiedenen
Sichten und in verschiedenen Visionen, wobei auch Akte, die
gleichzeitig geschehen, vom Verfasser hintereinander aufgereiht
oder ineinander verschoben werden wie in einem Theaterstück. Es
sind Traumbilder, Tagträume; aus verschiedenen Perspektiven
leuchten Menschheitsträume, Angstvisionen und Hoffnungsträume auf.
Die Apokalypse beinhaltet eine symbolische Sprache, eine mythische
Erzählweise, und ihre Bilderwelt ist vieldeutig. Es ist eine
Symphonie von Bildern 6) mit Metaphern, Chiffren, Projektionen und
Symbolen. Es ist eine in Wundern endende Schreckensreise 7) des
Menschen durch die Weltenzeit.
Die Darstellung übersteigert das Geschehen apokalyptisch maßlos
und unvorstellbar , sie ist von großer Wucht, sie interpretiert
die Weltgeschichte als einen Kampf von Mächten hinter den
sichtbaren Erscheinungen, wobei die guten Mächte siegen.
Unerwartet wird der Weltenrichter am Ende kommen.
Inhaltlich geht es um die die Menschen unterdrückende und
zerstörende Mächte und um die Herstellung der Gerechtigkeit. In
Bildern des Exodus, in Geburtswehen, in einer Passion steuert
die alte Erde auf die Neue Stadt Gottes zu, die herabsteigen wird
vom Himmel. Die apokalyptische Frau , Gottes Volk, das in Wehen
liegt, bringt letztendlich als Nachkommen die Menschen des
himmlischen Jerusalems hervor, sie bringt die Menschen hervor, die
von Gott verwandelt werden am Ende der Geschichte.
Von oben aber schenkt Gott selbst die Neue Stadt, in der die
Kinder Gottes wohnen werden.
Die herabsteigende Stadt, das Neue Jerusalem , ist einerseits das
verwandelte Gottesvolk, die Braut , die sich mit Christus, dem
Lamm vermählt, andererseits aber die Wohnstätte Gottes, die
Gottesherrschaft. Alldem aber geht das Gericht voran, die
Gerechtigkeit wird hergestellt. Schon in kurzer Zeit wird Christus
als der Weltenrichter erscheinen. Der Exodus aus der alten Erde in
die Neue Welt geschieht unter Plagen , der Geburtsvorgang unter
Wehen.
Die abgründige Bosheit, das Schuldigwerden, das in Versuchung-
Fallen der Menschheit personifiziert und manifestiert sich in
einem dämonischen Urdrachen und im Tod , die dahinterstehen,
sowie in der Bedrohung und im Leid . Der Urdrache erschafft
die sich durch die Geschichte ziehende strukturelle Gewalt, den
Drachen aus dem Meer . Vordergründig ist das römische Imperium
gemeint, hintergründig aber die sich durch die Geschichte ziehende
globale Gewalt, die Unrecht schafft und zerstörerisch wirkt.
Auf diesem Drachen aus dem Meer reitet vordergründig die Hure
Babylon , die Weltstadt Rom, hintergründig aber geht es um
unterdrückende, versklavende Machtzentren als globale Phänomene in
der Menschheitsgeschichte, seien sie monozentrisch oder
polyzentrisch gelagert in wechselnder Variation.
Der Begleiter des Drachen aus dem Meer aber ist das Tier , der
Drache aus der Erde . Er ist vordergründig der vergottende
Kaiserkult in Kleinasien, hintergründig aber die stets die
unterdrückende Machtstruktur begleitende religiös verbrämte
Ideologie. Immer wieder steigt sie auf aus der Erde und dominiert
die Menschen, als würde die Erde sie gebären, als würde sie aus
Staub geboren. Auf diesem vorstellungsmäßigen Hintergrund spielt
sich in der Apokalypse der Kampf zwischen guten und dämonischen
Mächten ab.
Die Prophezeiung, die Analyse der Verhältnisse erfolgt in
apokalyptischen Bildern. Es sind Visionen, die teilweise der
erlebten Wirklichkeit, teilweise der Phantasie entspringen. Es
sind aufsteigende Bilder aus der Tiefe, Archetypen menschlicher
Ängste und Hoffnungen, die sich vermischen mit realen
Schrecknissen und Glückserlebnissen, mit Wunschvorstellungen
antropomorpher Art. Es sind Sehnsüchte, die mit der realen
Geschichte sich überschneiden. Es sind Deutungen in einem
unentwirrbaren Geflecht von Wünschen, Schrecknissen und
Realitäten.
Entscheidend aber ist die Zielrichtung der Apokalypse: Gott als
Inbegriff des Guten und Gerechten wird letztlich den Sieg
davontragen, die Mächte des Lichtes sind stärker als die Mächte
der Finsternis. Dies ist die Gute Nachricht , das Evangelium,
dass durch Leid und Tod hindurch den Glaubenden die Auferstehung,
die Neue Erde erwartet.
Gott, der Herr der Schöpfung und der Geschichte, und das Lamm ,
der gekreuzigte und auferstandene Christus, der am Ende
wiederkehren wird, sind stärker als die Imperatoren jeglicher
Couleur, die den Drachen reiten. Dies ist die entscheidende
Aussage der Apokalypse.
Aller Schrecken und alle Gräuel, die über die Erde kommen, sind
eingeschlossen zwischen die Visionen vom Thronsaal Gottes, wo die
himmlische Liturgie gefeiert wird oder dem Erscheinen des
Lammes , Christus. Die Kinder Gottes sind inmitten aller
Schrecken in Gott geborgen und werden von ihm gerettet. Die
Christen werden zu endzeitlichen Mose- und Elia-Gestalten, Mose
und Elia leben in ihnen weiter. Sie lassen ihr Licht leuchten in
der Welt. Sie ziehen wie Mose voll Vertrauen zum Gelobten Land
und vermehren wie Elia das Brot der Armen. Die unschuldig
Ermordeten, die Martyrer, alle, die Unrecht erleiden, - schreien
nach Gerechtigkeit, sie wird bald kommen. Alle aber, die nicht
an Christus glauben, keine Kinder des Lichtes sind - Johannes
nennt sie die Bewohner der Erde - müssen sich in Angst
verbergen, wenn die Posaunen erschallen, die Schalen des Zorns
ausgegossen werden. Die Apokalypse erzeugt eine Phantasie von
Bildern, die den inneren Schrecken, die innere Verzweiflung der
Menschen in Bilder fassen, die fern von Gott und Kinder des
Dunkels sind.