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Dürckiſchen -

undibungen
StaatsBeſchre Reg;iments
Das iſt:
Gründliche Nachricht von der Gttomanti
ſchen SNonarchi Urſprung/ Wachsthum / derſelben Form
zuregieren/Landſchafften/Städten Veſtungen c, Itemwas vor
?? Potentaten auf daſſelbe Reichzupraetendiren.
z sie es sº wº es
Dieſen ſind beygefügtetliche der berühmtſtenſo
woln alten als neuen Weiſſagungen/Muthmaſſungen
und Erklärungen von gedachten Türckiſchen Reichs

yranney und Untergang.
M. DC. LXIV.
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Ä.
3##############################
An den geneigten Geſer.
STÄT. Bzwar unſreSündenbillig für die rechte Grund
Z # veſtedeß Türckiſchen Reichszuachtenz in Betrach
QÄungdaß GOTT der HERR dieſe barbariſche
Sº SG Herſchafft in der Welt/wie gleichſam einen groſ
ſen Bircken-Wald/mitten auf den Feldern und vormals ſchön
ſten Aeckern der Ä und wachſen laſſen s
die SNiſſethaten ſeiner böſen Chriſten damit zu ſtäupen: ſo
hat demnoch gleichwol ſolches Tyranniſche Regiment ſeine ge?
- wiſſe Form/Satzungen/Verwaltung/und ſonderbare Gele
genheiten dadurch es bißanhero/äuſſerlichem Anſehen / und
vernünftigen Urſachen nachzuſothaner SYNacht gelanget/
undbißannoch dabeyverblichen. -

Was aber ſolches für eine Art und Form ſey; das alles/
und was dem ähnlich oder anhängig ſeyn mag / wird in ge
genwärtigem Tractätlein verſtänd- und ausführlich beſchrie
ben: welches Anno 1 646. in Welſcher Sprache am erſten
herausgekommen und zu Lucern gedruckt; jetzo aber durch je
mand überſetzt und verdolmetſcht, in einem Teutſchen Kleide
ans Liecht geſtellet wird. Wobey dieſes gleichſvol zu erin
nern/ daß weil der Autor gedachter Lucerniſchen Edition /
weiter nicht weder biß auf das Jahr 1646. da deß jetzigen
Türckiſchen Tyrannen Vatter der Ibrahim / im Regi
mentgeſeſſen/mit ſeiner Beſchreibung reichets bey dieſer teut
ſchen Uberſetzung/dem Leſer zu
- -
sº Wi etwas von Ä
PÜtt
- FS(5)Sº -

wütenden Sultans Perſon und Thaten hinzugethan / und


alſo die Zahl der Türckiſchen Käiſerergänzetſey. . . . . . .
Deßgleichen wird man/nächſt dieſer noch zwoandre kurz
ze Beſchreibungen von gleicher SNateri/finden; die man als
aus andrenundzwar Lateiniſchen Autoribus überſetzte/un.
alle Irrung und Konfuſion zu verhüten/ganz allein hinten
anfügen wollen: deren eine gleichfalls / von der Türckiſchen
Regiments-Geſtalt aber gar kürzlich handelt und vormals
der Röm. Käiſerl.SNajeſt. SNarimiliano I. hinterbracht wor
den die andre aber nur allein von den Türckiſchen Aemtern
und Ä wie ſie der Scribent/im Jahr Chriſti
1 636. da er zu Conſtantinopel ſelbſt gegenwärtig geweſt be
funden/Nachricht ertheilet. -

Im übrigen lebt man der Hoffnung der vernünftige Le


ſer werde unſrengefliſſenen Willen im beſten vermercken und
ſeiner Gewogenheit laſſen wolbefohlenſeyn.

R. -

Das
- FS (E) eF

- Das I. Capitel. * -

Von Urſprung und Herkommen


Und
der Türcken
Was ſie biß auf gegenwärtiges Jahr gewonnen
- und erobert haben. --

Aß der Türckenerſter Urſprung Stamm und Ankunft aus Scythier Land"


entſproſſen/bezeugen die Hiſtorieneinhellig daher auch dieſelbe Landſchafft
P den Namen Turcheſtanamnoch behalten hat. Dieſe wie etliche melden/waren
erſtie von Hormisda/dem Königin Perſiademe die Saracenen ganz Cappadocia,
und Chaldraeingenommen, um Hülff angeruffen. Andere ſchreiben/daß die Tür
ckenerſtlich von Mahometh/einem ſelbiger Gegend wohnenden Fürſten/wider Im
draole/dem König zu Babyloniaum Beyſtanderſuchet/kamen alſo deme zufolge das
erſte mal in ſelbige Ä Jahr Chriſti 632: - - -

Borgedachter Mahometh/als er mit jäft der Türckenden Saracenenetli


che Treffengeliefert/darinn aber untergelegen iſt er in der Fluchtumkommen/ſein
Volck zerſtreuet. Die Ä Türcken haben ſich wieder geſamlet / und ange
ſangen die Ä Coraſſan am Caſpiſchen Meer zu bewohnen; Auch da ſie ge
ſehen/daß ſie den Saracenen zu ſchwach/ſchickten ſie ihre Geſandten nach Babylonia
an den Califen Friedzubegehren den ſie auch gegen Erlegung eines Tributs und et
licher anderer Dienſtbarkeiten erlanget. Damit ſie aber dergleichen Joch ſich be
freyten nahmenſeder Saracenen Glauben und Religion an, denn ſie zuvor Heyden.
waren. Solches geſchah nach Chriſti Geburt im Jahr 1ooo: -

Tangrolipice Muchaletto/ſonſten Selduc genannt war der Türckenerſter


König. Als dieſer der Saracenen Uneinigkeit vernahm/macht er ſich mit den Sei
nigen auf über das ſehr hohe Gebürg Caucaſi/beyder Stadt Derbend eben durch,
den Paß welchen vorzeiten Alexander Magnus, wegen der Scythier Einfälle mit
eiſernen Thüren verſchlieſſen laſſen/wird von den Türcken Onlurcapi genannt/über
fiel das unter ſich ſelbſt uneinige Saraceniſche Reich brachte ſolches nach etlichen Tref
ſen gänzlichen in ſeinen Gewalt. Nach dieſem überwand er in einer gewaltigen
Ä Käiſer Baſilium Porfirum Genitum; bekriegte den Geor
gianer Fürſten Liparitam/ und nahm ihngefangen eroberte ganz Perſien überzog
endlichen auch Natoliam/verderbe das ganze Land/undkam unverhindert bißgen
Scutari/ſo gegen Conſtantinopelübergelegen iſt. -

Oogriſa/war der anderTürckiſche König und Tangrolipice Nachfolger/führte:


-- # Krieg mit dem Griechiſchen Käiſer/nahme ihm viel Länder und Städte. Sein
etter Artot eroberte Meſopotamiam/legete ſein Reſidenz in die Stadt Merdin
und lieſſe ſich einen Soldan nennen.. ----
. . A iij, Aſpa--
Ǽ-S (0 JEEF"
Aſpaſalem war der dritte König der Türcken und Dogrit Nachfolger/deſſen
Emenckel Soliman/eroberte Cappadocia/und nennte ſich Soldan. Dieſes iſt eben
derjenige/ſozu Zeiten Gottfried Bullionsbey Eroberung deß Heiligen Landes von
von den Chriſten bey der Stadt Nicea/ſonſten Juickh/gäuzlichen geſchlagen / und
vertiget worden iſt. – -

Meleola/war der vierdte Türckiſche König und Aſpaſalens Nachfolger /bey


ſeiner Regierung eroberte obengedachte 2 Soldan/Cappadocia/Meſopotamia / und
die Stadt Antiochia/o jetzt Antacßt heiſſt/ und der Griechen geweſen war.
Belgiaroch/Belferco auch Aſene genannt / war der fünfte Türckiſche Kö
nig und Meleole Nachfolger überwand den Griechiſchen Käiſer Romanum Dio
Ä (..
in einer gewaltigen Feldſchlacht / und zerſtreuete deſſelben ganzes Kriegs
Weiln Belgiaroch ohne Leibs-Erben geſtorben als iſt nach deſſen Tod das Tür
ckiſche Reich unterdeß Soldans in Cappadocia/Solimanni Söhne zertheilt worden:
deren der eine Tanißmanionber Cappadocia.herºſchete/und groſſe Krieg mit Johann
Someno dem Käiſerzu Trapezuntfuhrte. ,
Aladimus herſchete über Jconia/Ducat über Damaſcon / Aſſungur über
Alapia/Anepiano/ſonſten Caſſano/ward Her über Antiochia. Es ſind aber alle
dieſe erzehlte Fürſten von den Chriſten/bey Einnehmung deß H. Landes/überwun
denunion:net/und verjaget worden.
Obbenantem Fürſten/ folgten im Regiment Norandinus Siraconius und
Saladinus ſo alle 3 den Chriſten im H. Land viel zuſchaffen geben ſonderlichen Sa
ladinus ſo ein mächtiger Her: in Egypten und Aſia geweſen / deſſen Nachkommen
die Chriſten wiederum aus dem HLand vertrieben keiner andern Urſach/nach Beſag
aller Hiſtorien/als wegen der ſchädlichen Zwiſpalt zwiſchen Reichard Könige in En
gelland und Philippo Königin Franckreich ſo dann wegen deß hefftigen Krieges/ſo
dieÄ und Genueſer widereinander fuhrken/dainzwiſchen die Chriſten ſämt
lichen vertrieben worden. - - -

Nach Saladinideß dritten Tod/als der letzte von Tangrolipice Stamm und
Herkommen erwählten die Türcken unter ſich ſelbſt Hauptleut /überfielen die an
grenzenden Länder /thäten mit Raub und plündern nicht wenig Schaden/bißſcß
endlichen einer zum Fürſtenerhube/ Rahmens Ottoman /oder Oßman deſſen
Vetter nach Inhalt der Türckiſchen Chronicken / Entrucule gen Und aus
Parther Land aus dem mächtigen Geſchlecht der Herºn von Nachana bürtigge
weſen.
Dieſer Ottoman war der Erſte Türckiſche Käiſer auch derjenige/ ſo zur
gegenwärtiger deß Türckiſchen Reichs habenden Macht / den Anfang und
Grund gelegek. Fienganzuregieren im Jahr # 392. eroberte Cappadocia
und die Stadt Suar / ſo deß Griechiſchen Käſers Michael Paleologi geweſen
PW.
Orcan/
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Orchan/Ottomanni Ä / und Ander Türckiſche Käſer T führte groſſe
Krieg mit Andronico Paleologo Griechiſchen Käſer dem er nach einer lan
gen Belägerung/die Stadt Burſia inklein Aſiahinweg nahm und ſein Reſidenzda
hinlegte.
Amurath/Orchani Sohn/und Dritter Türckiſcher Käſer/ward vom Grie
chiſchen Käiſer Johann Paleologo wider ſeinen Vettern Johann Cantacuſnum
den König in Boſnia und andere Herzn/um-Hülfferſucht / die er ihnen auch ver
ſprochenfundſolchem zu Felge / mit in 1 oogoo Mann auf2 Genoeſer Schiffen/
deren das eine Interiana/das ander Squarciaficahieſſen das erſte mal über den Hel
leſpontum (iſt das enge Meer)herüber tn Europampaſſirt. So geſchehen im Jahr
Chriſti 13 63. Als Amurath (ſo von benantem Käiſer um Hülff erſuchet
worden) ſahe/ daß die halsſtarrige Griecheneinander aufs äuſſerſte verfolgeten und
verſtöreten nahm er zu ſeinem eigenen Nutzen dieſe ſo Ä Gelegenheit fleiſſig in
Obacht/bemächtigte ſich vor allen Dingen der Stadt Gallipoſo an der Uberfahrt
deß Helleſpontigelegeniſt/eroberte nach ſolcher auch die Stadt Philippopoli endlichen
auch die mächtige Stadt Adrianopelſ dahin er ſeine Reſidenz transferirt/bekriegt
und überwandte die beede Lazarum Deſpotum in Servia/dener umbringen laſſen/
wie auch Marcum Craiovichum den Königin Bulgaria.
- Bajazeth/Amurathis Sohn ſuccedirte ſeinem Batterin der Regierung/
- eroberte Servia und Ä belägert vergeblich Conſtantinopel / entzog dem
Käiſer Emanuelfaſt gantz Graciam/erhielt die gewaltige Schlachtbey Nicopoli/wi
der den König Sigismundum/allda auch beſagter König neben vielen Volck/er
ſchlagen worden, Er würde noch mehr auszurichten ſich Ä / PAlli.
nicht auffleiſſiges Bitten gedachten Käiſers Emanuelis der TartarnZagathai Käi
ſer Tamerlanes ihne mit einem faſt unzählichen Heer in Aſia und Ratolia überfal
len/ Länder und Städte erobert verheeret und verderbt7 deßwegen er gezwungen
worden ſeine Macht von den Chriſten ab- und wider Tamerlanem zu wenden / mit
welchem er auch unſern der Stadt Angort und dem Gebürge Stella/ein blutiges
Treffen Ä in welchem ſein Volck gänzlich geſchlagen - er ſelbſt gefangen / dann
in einem eiſernen Korb durch ganz Aſia und Syria zum Schauſpiel herumge»
# Ohnangeſehen dieſes ſo gewaltigen Verluſts/hatte das Ottomanniſche
Glück noch kein Ende. Denn als Bajazeths Söhne vermeinten ſich durch die
Fluchtzufalviren / kamen ſie doch alle den Griechen in die Hände wurden aber ſo
ſchlecht verwahrt / daß derer einer /Calepinus Ciriscelebe / nach Adrianopel ent
ranne / allda er das nunmehr faſt gänzlich ruinirte Türckiſche Reich wieder auf
richtete die hin und wieder zerſtreuefe Soldaten ſamlet und damit der Chriſten zu
Ä Heer begegnete dieſelbebey der Stadt Galombes unverſehens überz
ſic/in die Flucht ſchluge/und gänzlich ruiuirte.

". -
- Maho
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«FSF(R) SZ- –.

Mahonet/Bajazethisanderer Sohu/ſuccedite ſeinem Bruder Calepino/er


oberte und brachte wieder unter ſeinen Gewalt alles, was ſeinem Vatter vom groſſen
Tamerlan war genommen worden, führte groſſe Krieg mit den Walachen und Bul
garn/welche er auch ihme unterwürfig machte. -

Amurath/Mahomets Sohn folgte ſeinem Bruder in der Regierung ºbe


ſtättigte den Janizarn- Orden / ſo alle Chriſtenkinder und je und allwegedeß Tür
cken beſtes Volck und Seulendeß Türckiſchen Reichs ſind erfunden worden. In
Beobachtung der Chriſten beharlichen Uneinigkeit/eutzog er den Venedigern die
gewaltige Stadt Salonich/ſonſt Theſſalonica genant; wie ingleichen dem Deſpa
to, Andreae Palcologo „die Stadt Riſci. Und wein Albania durch jämmerliche
Kriege/ſehr verderbt/überfieler ſolches/und macht es vollendfertig/zerbrach zweymal
die Mauren/ſo die Chriſtenbey der Stade Corintho/vom Archipelago biß an Gol
fo di Lepantogebauet hatten/und erobert (auſſer etlicher Ort)gamtz Morca: bey der
Stadt Carnalüberwand und erſchlug er den König Ladislaum von Ungern und Po
en/verjagte den Landfürſten Georgium Deſpotum, wieingleichenden Herzogen von
Athendeß Geſchlechts Acciavello, dieſelbe Stadt und Herzogthumbe: faudfaſtnir
gend Widerſtand auſſer was ihune vom dapffern Helden Georgio Caſtriotto/
Scanderbeeg/begegnete der auch ſo langerlebte/ſein Vaterland Albania/ſamt der
Hauptſtadt Croja von der Türckiſchen Dienſtbarkeit befreyethat. - -
Mahometh/Amurathis Sohn/kam nach ſeinem Vatter ans Regiment/belä
gerte gleich anfangs ſeiner Regierung die Käiſerliche Hauptſtadt Conſtantinopel/
welcheer Ä einer hartenlaugwirigen Belägerung mit ſtürmender Hander
oberte/da der letzte GrieÄ Paleologus/im Gedrängertret
ten worden/und alſo dem Griechiſchen Käiſerthum ſein Endſchaft gemacht und diß
sº Ä Gewalt gebracht. Solches geſchah im Ja Ä
em Franciſco Cataluſio nahm er die Inſel Mettlene und als die beede Brü
der Demetrius und Thomas Paleologus unter ſich ſelbſten Ä er in Morea/
und eroberte abermals bey nahe das ganze Land überfiel das Käiſerthum Trapezunt
nach Eroberung derſelben Hauptſtadt / ließ er den Käiſer David Comenum / ſamt
ſeinem ganzen # / erbärmlich erwürgen und austilgen. Den Genueſern
nahm er die Stadt Caffa am ſchwarzen Meer / von Venedigern 1 die Inſel Negro
ponte, ſamt vielem Land in Morea/den Herzog von Boſnia ließ er umbringen und
das Land beraubenbelägerte die Stadt Griechiſch Weiſſenburg/ward aber vom dapf- -
fern Helden Johann Hunniade gezwungen hinterſich zuweichen. In Morea ü
berwandter die von Venedigern und Genueſeru erſamlete Hee/eroberte neben mehr
andern die Stadt Batros. Den Corobogdauo bezwang LY Ä Tribut zuge
ben. Am Fluß Euphrat überwand er den Perſiſchen KönigUſſunCaſſano lieſſe
durch ſeine Oberſten ganz Kärndten und Friaul durchſtreiffen. Erhielte bey Gra
diſca eine merckliche Victoriwider die Benediger/deßwegen Papſt Pius II. bemühet
war/durch Vereinigung etlicher Chriſtlicher Potentaten etwas wider dieſen
- -
#
(DHI
- F. (c) SZ- –
ff.
lichen Bluthund auszurichtenwein aber beſagter Papſtſtarb/gieng dieſes Vorha
ſ ben ohnangeſehen bereits viel Volckbeyſammen/wieder zuruck. Derowegen als -
Zu dieſer Tyrann ſolcher ihm eingejagten Forcht entlediget/wandte er ſein Gemüth noch
malm wider die Chriſtenheit / beraubte den Landsfurſten Lonardum Toccum der
Landſchafft Carta und Inſel S. Maura:wandte ſich nach ſolchem gegen Albania all
da er den Venedigern die Stadt Scutarieinnahm/eroberte durch Acomath Baſſa/
die Stadt Otranto in Italia. 1Und als er abermaleinen groſſen Gewalt/wider die
Chriſtenheit zu gebrauchen Willens/warder mit einer abſcheulichen Kranckheit be
hafftet/daran er in wenig Tagen geſtorben. -

Bajazeth/Mahomets Sohnſuccedirte ſeinem Vatter im Regiment/obs wol


rechtswegen ſeinem ältern Bruder Zizimo gebührt hätte/deßwegen ſie denn miteiu
anderbey der Stadt Nicea zu treffen kommen/in welchen Zizimus verlohren und
und ſich nach Rhodis zu denſelben Rittern ſalvirt/ vondar er nach etlicher Zeit zum
Papſt und Carolo V.reiſete/alldaer nach etlicher Zeit 1 nicht ohne Argwohn beyge
brachten Giffts geſtorben. Baiazeth aber wandte ſich nach deſſen Tod wider den
Carabogianum in der
etlich mal in Polen
Ä
Ä
die Städte China und Moncaſtro/ſtreiffte
groſſe Krieg mit Caitbejo dem Egyptiſchen Soldan/hatte
aber ſchlecht Glück/eroberte die Stadt Durazo in Albania/durchſtreifft ganz Ungern/ -
obwoln mit ſchlechtem Glück / denn ihm vom Könige Matthia Corvino dapfferer
Widerſtand geſchahe/und ihme gantz Servia und Boſnia zur Wiedergeltung aus
plünderte und eroberte. Auf Anhalten Ludwig Moro/Herzogen zu Meyland/kam
er mit groſſer Macht in Friaul durchſtreiffte das ganze Land. Er ſelbſt ſetzte
mit ſeinem Volck über den Fluß Biſantzo/und kam biß an die Thor der Stadt Tre
viſo. - -

Den Venedigern nahm er in Morea die Städte Modon/ Coron / Navarino


undéepantho/wie auch die Inſel Zephaiouia/welche Inſel ihme aber vom Spaniſchen
General Conſalvo Corduba wieder abgenommen und der Herzſchafft Venedig re
ſtituirt werden. - - - -

Selimus folgte ſeinem Vatter Bajazeth im Regiment/und nachdem er ſeine


3 Brüder hatte ſtrangulirn laſſen/ und ſich im Regiment beveſtigt/ wandt er ſich
gleich anfangs wider den Sophiaus Perſia den er auch in einer gewaltigen Ä
auf der Calderamiſchen Haide überwand wie auch nach ſolchen Coſtageuden König
von Anadule/ wendet ſich nach ſolchen wider den Soldan aus Egypten / Campſon
Gauro/und nachdem er denſelben/in einer mächtigen Feldſchlacht überwunden under
ſchlagen/wie auch deſſen Nachſolger Tanombejum den letzten Soldan/ bemächtiget er
WM
Äuf
ien.
aller derſelbigen gewaltigen und herzlichen Landſchafften Egypten und
-
-

Soliman SelimiSohn folgte ſeinem Vatterin der Regierung nach wandte


ſich gleich aufangs wider die Chriſten in Ungern/belägerte die Veſtung
(
Weiſſenburg die er auch erobert wie ingleichen auch dieS Rhodis. Bey D>


- - FSG3) ºd- -

a überwand und erſchlug er den König Ludwig in Ungarn undmuſtevorWien ab


ziehen. Thamas dem Königin Perſia nahm er ganz Meſopotamia/Armenia und
Chaldea/wie auch Babylonia wendete ſich abermalu in Steyrmarck/muſte vor dem
geringen Städtlein Gunz/wegen Caroli Y. mächtigen Kriegsheer unverrichter Sa
chen abziehen/ſuccurrirte Johann Scepuſum/dcner wider Ferdinand Röm König/
zum Könige in Ungarn eingeſetzt. Verſuchte 2 mal vergebens / die Inſel Malta zu
erobern/weil aber ihme ſein Vorhaben fehlete machte er ſich in die Inſel Chio/die er
dem Juſtiniano mit Liſt entzog eroberte endlich in Uugern die 2 gewaltige Veſtun
gen Guia und Zigeth/alldaer auch geſtorben/undder letzten Eroberung nicht erlebet
qf.
Selimus der Ander/kam an ſeines Vatters Solimans Stelle zum Regi
Ä vergeblich wie auch ſein Vatter die InſulCorfu zuerobern/lieſſe durch
Muſtapha Baſſa die Inſel und Königreich Cypern angreiffen/allda er nach Erobe
rung der Hauptſtadt Nicoſiaſſo mitten in der Inſel/endlichen auch die Hauptveſtung
Famaguſta und ganzes Königreich eroberte. -

Amurath der Dritte SelimiSohu/und Nachfolger im Regiment 1 führte


groſſe Krieg jedoch mit wenigem Gewinn mit Iſmael und Mahomet Codabeno/den
beeden Königen in Perſia. In Georgia eroberte er Gori Tiflis/Tomanis/undet
lich andere Ort. Oberwol nach dieſem den Krieg in Ungern auch verſuchet/gieng
es ihm eben noch ſchlechter / hatte wenig Glück / ſondern empfieng von Sigiſmundo
Bathorigroſſen Schaden.
Mahomet/ſuccedirte ſeinem Vatter Amurath im Regiment der führte ſelbſt
mit den Chriſten in Ungerngroſſe Krieg daran er #
wenig Nutzen/auſſer/daß er
nach einer ſchweren Belägerungendlichen das Schloß und Veſtung Erlain ſeinen
Gewalt bekam.
Acomath/Mahomets Sohn und # erin der Regierung/führte lange und
ſchwere Krieg mit dem dapfſern Könige in Perſia/Schach Abas von dem er ſolchen
Schadenlidte/daßer faſt alle diejenige Landſchafft ſo ſeine Vorſahren jemalerobert
und der CronPerſiaentzogen/wieder verlohrenhak. -

Muſtapha/ſuccedirte ſeinem Bruder AcomathdurchBeförderung derJanizarn.


Ä
#
Söhne aber wurden wegen ihrer Jugend verſchonet und bey dem ebener
o doch zuvor niemaln geſchehen, denn allzeit der neue Türckiſche Käiſer ſeine
rüder ermorden oder ſtrangulirenlaſſen. Acomath würde es ſeinem Bruder Mus
ſtapha auch nicht beſſer gemacht haben, wenn ſelberbey Vernunft und nicht mehr ein .
Nar/als was andersgeweſen wäre.
„. . Oßman/Aeomaths älteſter Sohn/ iſt anſtatt ſeines Vettern weicher vom
Käiſerlichen Thron entſetzet/zum Regiment gelanget / ſo beyAntrettung ſeiner Re
gierung ſeinen Vettern in gute Verwahrung ſetzen lieſſe; auchober zwar noch jung/
ſo war er doch guten Verſtands und ſehr Kriegs-begierig / deßwegen den Bethlen
Gador/wider das Haus Oeſterreich/anhetzete. Erſelbſt wegen etlicher Stritt/ſo
- die
- FS(S)? - -

die Eron Polen mit Gaſpar Gratiano dem Waiwoden in Wallacheyhattezogemit


einem überaus mächtigem Heer / wider gedachte Cron Polen zu Feld/ ward ihnen
aber durchdapffern Widerſtand Königs Sigismundi und deſſen Sohn Ladislai alſo
begegnet auch die Tartarn unterm Commando der beyden Fürſten Cantamir und
Gaiga von den Coſſaggen alſo geſchlagen./daß ſein ganzes Heer mit groſſem Ver
luſt/ſich zuruckbegeben muſte. Und da ſolches im Verzug fº: Tag/den Fluß Nie
ſter zupaſſiren zugebracht; im Zuruckweg in 4 Tagen gänzlich wieder überbeſag
ten Fluß ſetzte/und gebracht wurde. Dieſer Krieg/ward eines zuvor bey den Tür
cken unerhörten Zufalls Urſach. Die Janizarn hatten ſich/im letzten Zug/ ſehr
nachläſſigträg/undungehorſamerzeigt auch dero Gewalt und Anſehen von Tag zu
Tag/je mehr und höher wuchſe. Als nahm er ihmefür/ſich deſto beſſer an ihnen zu
rächen/und dieſen Orden ganz auszurotten eine Reisnacher Mecca zu thun/Ma
homets Grab zu beſuchen. Zu dem Endbefahl Oßman/den Janizarn ſich darzu
gefaſtzumachen. Es war aber ſeine Meinung/ſie/die Jauizarn in denengen Ge
bürgen Arabix/von etlichenhiezu beſtellten Arabern/laſſen niedermachen/undgänz
lich auszutilgen/auch da nun allbereit die Käiſorlichen Schätzeingepackt/ ſolche mit
ſich nach Damaſco züführen und das Volck theils bereit im Anzug begriffen/ward
ſolchſein Vorhaben durch deß Mufft Ä und Oßmans Weiber eine/den Ja
nizarn verrathen: welche hieraufum den Mittag das # Palatium überſe
len, die Wachten niederhaueken / ihn Oßman aber ins Caſtell der ſieben Thürn
eſänglich hinbrachten/den Muſtapha aus einer Ciſtern / darinner gefangen lage/
Ä zogen/undzum andern mal/auf den Käiſerlichen Thron Ä ag
ld dem Primo Vezier Befehl Ä Oßmanſtranguliren zulaſſen. (I

uun die dazu verordnete Diener Muſtapha Befehl ihme im Caſtellauzeigten, wurde
dieſerdapffere Fürſt über ſolche Henckersbuben alſo entrüſtet, daß er mit einem hey ſich
habendem Dolchen etliche derſelbenhart verwundet/biß er von denſelben im Grimm
auch zu Stuckeugehauen worden.
Nacß Oßmans Tod/gieng es im Ottomanniſchen Reich alles durcheinander.
Jn Aſia rebellirte der Baſſa von Ertzirum / wie auch der Baſſa von Babylonia.
Gleichesthäteder Emir oder Fürſt von Aida/ManoglFicardin/ſodamals der vor
nehmſte unter den Drußen war (dieſe Drußen ſeynd Chriſten/und noch übrig ſeit der
Zeit Gottfried Bullions/da das Heil. Land von den Chriſten erobert worden/ be
wohnen das Gebürge Libanon Ä folget mehrers von ihnen) dieſer conungrte
ſich mit dem Perſianer/undthäte dem unter ſich ſelbſt uneinig Türckiſchem Reich ü
beraus groſſen Schaden.
Bald Ä Tod/wurde Muſtapha abermal abgeſetzt und an ſeine
StatAmurach der vierdte Acomathis Sohn und Oßmans Bruder von den#
Ä" den Käiſerlicßen Thron geſetzt/und ihm/als neuen Soldan Glück ge
ºff. --

Bij Zu
TZu Anfangſeintr Regierung fielen ihme die Coſſaggen (ſind Völcker / ſo am
Fluß Boriſthene oder Reper unter der Cron Polen und am Fuß Donam Meoti
ſchen See unter den Moſcowittern wehnen)in and/thäten am Schwarzen Meer /
mit plundern Raub und ſtehen/ülerausgroſſen Schaden ja kamen mit ihren Sai
- # leichte Schiff gar biß an Conſtantinopel daher in der Stadt geringer
chrecken und Tun uit ciſitinde. In Aſa machte es der rebellirende Baſſa von
Sinirna auch nicht beſſer wie ingeichen der Tartar Chanſo von der Türcken diſgu
iſ
Meil.
Gelegenheit ſuchte ſich mit den Polen/wider die Türcken in Bündniß einzu
Als munAmurath ſein Reich von innerlicher Empörung befreyt und geſtillet 1
auch den Frieden mit den Chriſten von neuemſtabilirt wandter ſich wider den König
in Perſia/und neben etlichen andern Orten 1 eroberte er die Hauptſtadt und Ve
ſtung Reivan oder Ervan in Armenia Nachdem er den Sophi überwunden/ belä
gerter mit einer gewaltigen Macht die Stadt Babylonia/ welcheer auch / nach einer
langwierigen / koſtbaren und harten Belägerung endlich mit groſſem Verluſt er
oberte/und ſich von dem daſelbſt reſidirenden Califen/oder Mahometiſchen Papſt /
mitgebräuchlichen Ceremonien/gleich vor dieſem Iſmael und Tamas Sophi/zum
Königin Perſia krönen laſſen. Zeit ſeiner Regierung kamen etliche Barbariſche
Seeraubers-Galeenin Golfo di Venetia, daſelbſt/ihrem Gebrauch nach/auf die vor
überpaſſirende Schiff zugreiffen wurden aber vom Venediſchen General Capello im
Port und unter die Beſtung der Stadt Valona gejagt / welcher ſich auch derſelbeu/
wein das Volckansand entronnen/bemächtigte/und alle 16 mit ſich davon führte.
Dahero ſich dann allbereit damalnein heimlicher Haß wider die Republic ſich an
Ä aber wegen deß Kriegs in Perſia biß auf beſſere Gelegeuheit/
UPOrDelt.
Ä
Ibrahim ſuccedirte ſeinem Bruder Amurath/beſchloß gleich Anfangs den Frie
den mit SejaSophi dem Königin Perſia/eroberte die ihme von den Coſſaggen ab
genommene Veſtung Aſſach wieder nahm ihm für/die Inſel Malta zubekriegen/
weilner aber ſolches ſein Vorhaben ſchwerlich würde effectuirn können, wendete er
ſeine Macht wider die Venediger / und mit einer gewaltigen Armee macht er ſich an
die Inſel und Königreich Candiawelche Inſel die Venediger/ſeit der Zeit da Bado
winus ein Graf aus Flandern Griechiſcher Käiſer war mit höchſtem Recht beſitzen/
darinner gleich Anfangs im Jahr 1645 / nach Eroberung deß Ports S.Theodöro,
ſich vor die Hauptveſtung Canca machte/welcheer auch / nach einer harten Beläge
rung/wie auch im folgenden Jahr Rethimoeroberte. In Dalinatia aber iſt ihne von
den Venedigern die Hauptveſtüng Eliſſa abgedrungen worden.
„Dieſen Jörahim haben endlich/ſeiner Tyranney/und üblen Regiments halben/
die Janitſarenſtrangulirts und deſſen Sohn nemlich -

. . Achmet den anderndeß Nahmens einen ſieben- oder wie andere ſetzen/neun
jährigen Knaben/im Jahr 1648/zum Käiſer/an ſeines Vattern Stelle "# '
„H: (Y) &#-
Der Anfang dieſes blutjungen Sudans Regierung ließ ſich vor die Erſten ſehr geº
fährlich an: denn weil er wie gedacht/ noch minderjährig und kindiſchen Ver
ſtands war;ſtrebten ſeine Mutter und der Groß-Vezier/ſo das Regiment in ihren
«Händen hatten, deſto emſiger die Herſchafft und Regiment in ihrem Flor zuerhals
ten. Geſtaltſam Anno 1649 eine gewaltig Kriegsheer von ihnen nacher Candiam
übergeſchiffet/und mit Hinwegführung unglaublich vieler Chriſten auch andrer Ty
ranney groſſe Feindſeligkeiten verübt worden; wiewol nicht allerdings ungerochen
fintema ihrer beyden Dardanellis auch viel tauſend umkommen / und eine zimliche
Anzahl von den Venetianern aufgerieben. Dieſen Krieg mit deu Venedigern aber
deſto gewaltiger fortzuſetzen: machten die Türcken mit der Röm. Käiſerl. Majeſtät
Ferdinand dem III. Ä Gedächtniß/einen Frieden auf 22.Jahr. Un
terdeſſen haben gemeldte Venetianer dieſenmächtigen Feind immerzu allein auf dem
-Halſe gebabt/und noch bißaufden heutigen Tag mit ihm zu thun: da dann das Glück
bald dieſem bald euem Theilgefugt und den Venetianern zwar etliche See-Victo
rien auch unlängſt einen Sieg zu lande/unter dem GeneralRühlmann verliehen; je
doch aber auch manchen gewaltigen Raub / Vortheit und Eroberungen dem Erb
ſeinde in den Rachen Ä daßes ſcheinet/dieſer Tyrann habe gänzlich beſchloſ
ſen/mit aller Gewalt ſein Vorhaben wider gedachte Inſel Candiam zu behaupten/
und nicht nachzulaſſen/bißer ſein Zielerreicht. Um das Jahr 1652 gewann es das
Auſchen gleichwolte er ſich Ä dem Königreich Polen ſtoſſen: waren doch gleich
wo nur Bedrohungen die in keinen offenbaren Krieg ausgebrochen; ohnangeſehen
er dem König Johanni Caſimiro einen überaus ſtolzen und hochmüthigen Brieff.
geſchrieben/dieſes Inhalts und eigentlichen Kauts: *
Sudan/ein Königund Sohn deſ Türckiſchen Käſers/ein Beſtreiter deß
Gottes der Griechen/Babylonier; kleinen Jeruſalems König/Baſcha der Jor
daner/Iduler und Tamaſiner; eine Freude Gottes; deßgroſſen und kleinen E
gypten König; ein hocherleuchter Fürſt der Alexanderer und Armenier auch al
iedererſſoinder Welt im irdiſchen Paradeis leben; deß Mahomets Sohn und
Hüterſener Stadt ein Verwalter deſ irdiſchen Paradeiſes und Regent deſ
heiligen Mahometiſchen Grabes: ein König aller Könige ein Fürſt über alle
Fürſten; ein Herz über alle Herren ſo in der Welt wohnen von Aufgang biß
zum Niedergang. Der Götter Bekrieger und überalle/ſo in der Welt woh
nen/hocherhaben: ein Gott der Einigkeit/ein Herz der Geſundheit ein Engel
deß Paradeiſes: ein tapfferer Verfolger der ganzen Chriſtenheit; die Hoffnung
und Troſt der Heyden: ein Erbe und Her der Welt: ein Rächer deiner Chri
ſtenheit/?e. Empfehle dir König in Polen / dafern du unſrer Gnadbegehrend
biſt und keine Urſach/unſrerhöchſten Macht dich zu beſorgen willſt haben: ob du
zwar vorlängſt ſchon unſre Freundſchafft ſuchende von keiner Schlacht haſt wiſ
ſen wollen; unterdeſſen aber ich anjczovernehme daß du einen heimlichen Ra
- Biij halteſt
- * Wide Relat, Francofurt. von anno 1 65 2:-
«-
«FS (H)? “ -

Ädeinen Königen/Fürſten undandren geringen Chriſten/wider mich


rieg zuführen/und bemüheſtdich/wiedudas Jeruſalemſche Land unter deinen
Gewalt mögeſtreiſen und erlangen. Dannenhero du ein unbedachtſamer und
unverſtändiger Menſch biſt/oder förchteſt dich nicht für dem Tod: indem du dich
mit ſo einem kleinen Handvoll Volckzugehen/unterſteheſt. Vermelde dir dero
wegen/daß ich dich baldbeſuchen/undeine Hauptſchlacht mit dir halten will: da
mitdumeine Macht mögeſterkennen / welcheich von dato an in meiner höchſten
Herſchafft will erhalten haben/biß zum Ende der Welt. Jetzund ſoltu aus
meiner hochanſehnlichen Majeſtät für deinen Augen klar ſehen und will dir zu
verſtehen geben die groſſe Autorität unſerer Königreiche und Herſchafften/und
deine wenige Gedancken will ich mir zuvor behalten haben : deine Städte und
Schlöſſer will ich alſo zurichten/daßduſotſt meine Macht erfahren; deine Macht
aber will ich aus dem Grunde heben; damit du ſolches mit deinen Augen ſehend/
ein groß Hertzenleid davon tragen mögeſt. Du darfſt auch keine Hoffnung
mehr in unſre Freundſchafft ſetzen; dich auch nicht auf deine Mauren verlaſſen
welche nebenſtdenen Unterthanen ich zerſchmeiſſen will: auch alle deine Haupt
ſtädtwillich/ohneeinigeMüh und Gewaltwegnehmen; und alſo in deinem Ko
nigreich und Lauden ein ſolch Gedächtniß hinterlaſſen/welches aller Zeiten Zeit
wird ſcheinen grauſam/undeinewig Gedenkzeichen zuſeyn:undzum Uberfluß
damit meine groſſe Macht und Gewalt kündigund wiſſend werden möge; will
ich deinen geereuzigten Gott in Ewigkeit ausrottendaß deine Heiligenuicht auf
mich zornig werden. Deine Fürſten will ich in Pflug ſpannen und deinen
Glauben/dendumitihnen führeſt/gänzlich ausrotten und vertilgen. Darnach
wiſſe dich zu richten/und hab hieranguug.
Die Unterſchrifftiſtgeweſen:
Suldan Türckiſcher Käiſer.
Nach der Zeitrebellirteihm der Baſſa von Alepo / und gewann einen groſſen
Anhang;ſogar daß er auch wider ihn ſich ins Feld wageteundin dreyen unterſchied
lichen Haupt-Treffen victoriſirte. Weil demnach Achmet erſahe / daß die Cowen
Haut nicht wolte zureichen./noch ein ſo glückſeliger Rebell/durch Gewalt/ von ihm
erlegt würde;flickte er einen Fuchsbalg hinan / und betrog ſeinen Feind/ unter dem
Scheinfriedlicher Gedancken / indem er ihm durch einen Abgeordneten Friede und
völlige Verzeihu Ä noch viel gröſſere Ehre und Gnade anbieten lieſſe/dafernje
ner ſein Kriegsbolckabdancken würde; wie er der Käſer gleichfalls zu thun geſonnen.
Der Baſſaließ ſich bereden und reiſte (auf Türckiſche Parol)perſönlich/ſamt etlichen
ſeiner Anhänger/zudem Käiſerlichem Türckiſchem General: ward aber alſobald ent
hauptet/und alle Rebellion mit ihm ertödtet. .
Anno59. und 69.kambeyihm der Fürſtin Siebenbürgen Ragoßiin Ungna
den/und darüber endlic aucßgar (wiewolritterlich) um
- -
Ä -
Denn ob Ä
UPIs
- - - „S(S) He
ruhm gedachter Fürſtin einer und andern Action/obſiegte; lieffes doch zuletzt auf ſei
ner Seiten ſchlecht ab: maſſen die Türcken den 22. Maji Anno 166o. mit einem ge
waltigen Hauffen auf ihn anzogen/uud deß Fürſten weit geringeres Heer erlegten:
dabeyer ſelbſt auf das fünfte Pferd kam/und mit eigner Hand in die ſiebenzehen Tür
cken niedermachte; endlich aber wegen dreyer im Hauptempfangenen Wunden aller
verblutet und abgemattet/von ſeinem Pagen und einem Rittmeiſter / nach Groß
Wardeingeführt ward; woſelbſt er auch den 6. Juni geſtorben.
Hiemit ſtarb aber nicht der Krieg noch die Unruh in Siebenbürgen; beſondern
der Türckließdarauf bald hernach Groß-Waradeinbelägern; welches/ob es zwar un
terſchiedliche Stürme abgeſchlagen; doch endlich genöthigt gleichwie vorhin Tockay/
ſich zu ergeben: nicht zwar aus Mangel Proviant und Munition; ſondern wegen
nicht gnugſamer Mannſchafft als die Tag und Nacht unaufhörlichen Schieſſenshal
ben/keine Ruhe haben können/überdas auch ihren Commendanten/durch einen un
glücklichen Schuß eingebüſſet -

Weil nun ſolcher Geſtalt /die Türcken immer weiter um ſich greiffen und da
durch ſich beyandern angrenzenden Ländern und Reicßeniueintieſes und Ä
gendes Rachdencken geſetzt; auch der Römiſchen Käiſerl. Majeſt und dem König
reich Ungarn einen Krieg angedrohet/dafern dieſe nicht in unterſchiedliche vorgeſchla
Ä harte Puncten willigten: als wardhöchſtgemeldte Käiſerliche Majeſtät bemüß
get ſich etlichermaſſen zur Gegenverfaſſungzurüſten; umſo viel müglich/allemhers
einbrechendem Unheil vorzubeugen. Als demnach im Auguſto dieſes 1663. Jahrs
die Türcken/mit einer groſſen Macht im Anzug/unddas Gerücht erſchollen./daß etli
che tauſend derſelben über die Schiffbrücken gangen: vermeinte der Ungriſche Gene
ral/Graf Adam Forgatſch/dieſe zu ruiniren/ehundbevor die völlige Armee hinüber
ſetzte: giengderhalben mit einem Corpo6. bißin7coo ſtarck auſſieleß. Aber ſei
ue Kundſchafften betrogen ihn: denn die Türcken zogen ihm in die 16coo.ſtarck unter
Augen;hatten bereits allen Vortheil und Gelegenheit zur Flucht beſetzt; umringteu/
nach etlichen ausgeſtandenen Salven/den geringen-Hauffender Chriſtenz und ſchel
- tendergeſtalt darunter./daß mehr als die halbe Reuterey / das Fißvolck aber alles
theilsgemaſſacrirt / theils gefangen und hernach im&äger enthauptet / und die davon
Ä Naſen und Ohren / nacher Conſtantinopel/zum Zeichen eines Siegs und
Triumphs/geſchickt wurden. »
Wenig Ä ſich der Primo Vezier mit der ganzen Türckiſchen
Armada/wozu auch in die zwanzigtauſend Tartarn und Wallachen ſtieſſen / vor die
herzliche Ungariſche Grenz-Veitung Neuhäuſel: und damit er die Käiſerlichen Völ
cker /imfall irgend etliche zum Entſatz deſtinirk würden ſich anderswohin zu wenden
nöthigte; ſchickte er bemedter Tartarn einen groſſen Hauffen/in Ungarn und Mäh
ren auf den Streiff. Dieſe ſetzten durch den Wag-Strom/ruinirten etliche daſelbſt
ſtehende Käiſerliche Regimenter und zwungen das unſern davon haltende Teutſche
Corpo ſich mehr fliehend als ziehend nach Preßburg zuretiriren: giengen hernac§
- UUPEY
„SºCº) -
ümperhindertin Mähren; hauſten mit brennen und ſebenerſchreckli 7und führten
vieltauſend junger Leute mit ſich gefangen hinweg.
Unterdeſſen ſetzte der Groß-Bezier der Bekung Neuhäuſel/mitſchieſſen und
Stürmen hart und ernſtlich zu und ſpendirte mächtig viel Volcks; fand aber eine
Weilher tapfre Gegenwehr; bißendlich vom Geſchütz die Mauren ganz zerſchoſſeu/
und beede Theilkaum anderthalb Schritt mehr voneinander waren. Ohuangeſe
hen nun die Beſatzung bißdato das ihrigegethan/auch ſich verſchworen/bey einander
zu leben und ſterben: Ä Ä die Ungarn an/in Beſorgung deß bevorſte
henden General-Sturms und Betrachtung der allbereit verlornen Mannſchaft und
Officirerbeyden oberſten Befehlhabern die Ubergabe zu ſolicitiren; lieſſen ſich auch
auf den Paſteyen weiter nicht vielſchen. Welches auch die Teutſchen zuletzt weich
und kleinmüthig machte: alſo daß ſie mit und ſamt den Ungarn/ihre umſonſt wider
ſprechende Commendanten zum Accordnöthigten.
Wer war froher/weder der Groß-Vezier ? welchem/ wie man ſagt, ſein Kopff
daraufgeſtaudendaß er den Platz überkäme. Er bedachte ſich nicht lange; ſondern
verwilligte/daß die Beſatzung ausziehen; das grobe Geſchütz aber hinterlaſſen ſolte.
Geſtaltſam ſolches auch den 26. Tag Septembris geſchehen; und alſo dieſer veſte Ort
dieſes vormalige Gebiß und Zaum der ſtreiffenden Barbarn/ zu groſſem Nacßtheil
andrer Chriſtlichen Länder/den Bluthunden in die Hände kommen.
Unter dieſer Belägerung hat ein andrer von dem Vezier ausgecommandira
ter Hauffen auf die von den Seriniſchen Grafen neuerbaute Schanz/Neu-Serin
Ä Ä angeſetzt: aber/mit-Hinterlaſſung vieler Todten/wieder davon abweis
et MUfeU. -

Nach Neuhäuſelnahmen ſie noch andre Städte mehr/und unter andern Ney
traein; welches ihnen der Commendant ſelbiges Ortsaus Zaghafftigkeit / liederlich
übergeben/unddeßwegen/weiler kein Herz gehabt zu Wien/nebenſt etlichen andern
vons Beſatzung/ nachgehaltenem Stand-Recht auch ſeinen Kopff verlieren
NU(U.

Wie es weiter mit dieſem angeſponnenem Türckenkriegelauffe; wird uns die Zeit
lehren. GQttſtürzediß tyranniſche Mordkind/oder lege ihm aufs wenigſt/wieſei
nem Vetter Sennacherib ein ſolches Gebiß ins Maul/daß er mit Schande/Spott/
und Niederlage wieder zuruckziehen möge. -

Nachdem wir dieſen jetztregierenden Tyrannen Achmet I. alſo/dem Leſer zu ge


fallen/mithineingeruckt: wollen wir nun/in nächſtfolgendem Capitel/den Weiſchen
Autorem ferner reden laſſen.

Das
. Das I. Capitel. «
Von der Türcken Glauben/ Gottesdienſt / Wall
- -- fahrten und andern ihren Sitten und Gebräuchen.
Oher die Türckenerſtlichen entſprungen und herkommen/iſt im erſten Ca
MFpitelkürzlichen jedoch mit Grundangedeutet worden. Auch mit was Land
Y&Äſchafften Königreichen und Provinzen/das Ottomauniſche Reich von der
ben Fürſten/ Könige und Käfern iſt gemehret worden iſtdaſelbſt bißaufgegen
wärtig regierenden Soldan Ibrahim continuirt worden. Folgt nun in dieſem Ca
pitel derſelben Glaube/Gottesdienſt Wallfahrten/und andere dero Sitten und Ge
bräuche. Daraus guugam zu erſehen/ſolcher ihr Glaube / das Ottomanniſche
Reich/zugegenwärtiger Macht und Gewalt zu erheben/ nicht wenig förderlich und
zuträglich geweſen ſeye.
Es iſt aus den Hiſtorien unlaugbar und bekannt./daß Mahomet von Geburt
ein Araber zu Zeiten der Käiſer Heraclii und Mauriti gelebet/der Türcken und aller
anderer Mahometaner erſter Urheber und Anfänger ſolcher Sectgeweſen ſeye. Die
ſer hat mit Hülffe Sergiieines Neſtorianers München/einem Arrianer und Judent
dasjenige Geſetz ſo aus der Chriſtent Heyden und Juden Religion zuſammen getra
gen/in eim Buch dem Alcoranbeſchrieben und dieſen blinden Leuten zu predigen ange
fangen: Auch weil ſolches leicht und wohl zuhalten hat er bald einen mächtigen An
hang bekommen/welche ſich Saracenengenannt von Sara/Abrahams Weib/oder
Von Saraco/einer Stadt in Arabia/die Griechen aber mit gründlichem und beſſern
von weißer
durch die Ä
Beweis/nennten ſie Agarener von Hagarf Abrahams Dienſtmagd
Die Mahometaner haben ſehr vielund lächerli
iche f
fte
-
-

t/ſo aber Kürze hal


benübergangen werden. - - - - - --
ÄÄ ePrieſter haben ſolch ihren
Glauben in Hauptregeln von den Türcken Oorth Madhe Ä
ſolche: Seſaphens/CändeliCanephi und Sumbali. Daraus hernach ſehr viel
Secten/Streits und Uneinigkeit entſtanden. Denn als Ä ſtarb / folgten
die Perſianer den GebotenAly Mahomets Enenckel von ſeiner Tochter Fattina/und
bey Lebzeiten Mahomets/ſein Amt-Verweſer. Die andern aber verlieſſen Aly und
folgten den Geboten Mahomets zweyen Jüngern Abubacher und Homar den er
durch ein Teſtamentalen Gewalt und Autorität hinterlaſſen. Iſt alſo dieſes die
wahre Urſacß derer die ganze Zeit und nochdato geführtenblutigen Kriegen zwiſchen
den Türcken und Perſianern.
Sonſtenius gemein haben die Türcken Zehen Gebot/undſeynd nachfolgende:
Das ºrºsºsºvº- Alcoran Ä
egreiſſt
»FSF(o).S-
Begreifſt kürzlichen: Daßkein Türck in einige Moſchea oder Kirchen gehen ſoll./er
Ä denn ſich zuvor nach Art der 1oJünger Mahomets gewaſchen. Zu dem End/
yallen ihren # Brunnen und Röhrkaſten zu finden/ damit ſich ein je
der deſto beſſer waſchen und reinigen möge.
Das Ander Gebot/hat in ſich, daß/nach geſchehener Reinigung/jederman die
Schuhe abziehe/ſelbe vor der Thür laſſe ſtehen oder mit ſich trage. Dem Pfaffen J
man genamt iſt allein zugelaſſen das Gebet mit erhabener Stimm/zu thun/dem die
andern/inder Stillnachbeten. Kein Chriſt noch andere Sect/darffin keine Kirche
kominen/bey Keibs Straff, -

Das Oritte Gebot/heiſſen die Türcken/ Gualedin Raajetzi/daßeiujeglicher


ſeinem Vatter und Mutter ſolle gehorſamſeyn/und die Altenehren.
Das Vierdte Gebot/heiſſt Eulomech/begreifft in ſich die Ordnung Ehe
ſtands / daß ſolches geſchehen ſoll / in Beyſeyn deßJman (Pfaffen) und deß Cadi
(Stadtrichters)weleriezte auch Machthat ſolche Ehe wiederzuſcheiden.
Das Fünfte Gebot handelt von der Beſchneidung/daß die Eltern ſollen ſchuls
dig ſeyn ihren Sohn im 12. Jahr ihres Alters beſchneiden zulaſſen/uudſolches wegen
Iſmaels/der ihrem Vorgeben nach in ſolchem Alter beſchnitten worden.
Das Sechſte Gebot wird Megitter Caiti genant/daß/ſo jemand ſtirbt/dem
ſelben ſeine Freund aus Wieb zu ſeiner Begräbnißgehen ſollen, wenn ſelbe wiederheim
Ä" eine Malzeit von Linſen und Eyern geben/mit etlichen andern Cerc
M9nten Mehr.
Das SiebendeGebotheiſſt/ChicaferLerderguſſ hat in ſich daß jedermanver
pflichtſeyn ſolle wider allediejenige ſo nicht ihres Glaubenswillig und gerne in Krieg
Ä da auch einer umkommen ſollen ſieveſtiglich glauben 7daßer ſobalden ins
aradeis aufgenommen werde. Indiß Gebot wird eingeſchloſſen/daß ſo ein Chriſt
oder jemand anders ihren Glauben annihmt/eiu jeder ſchuldig ſeyn ſoll/demſelben ſo
ers vonnöthen/biß andie-Helffte ſeiner Güter mitzutheilen hält ſich auch in ſolchem
Fall ein jeder vor glückſelig/der einem ſolchen Renegaten ſeine Tochter oder daerder
ſelben Ä avin mit einem ſtattlichen Heyrathgut zur Ehe gibt.
Das Achte Gebot/Sadacea/begreifftinſichdaß jedermandie Werckder Chriſt
lichen Lieb/als Allmoſengeben. Krancke und Gefangene zu beſuchen Ä tröſten/ihnen
zu Ä und andere dergleichenliebreiche Werck gegen männiglich beweiſen under
zeigen ſolle.
Das Neundte Gebot Meſcht Raajetzigebeut/daß jederman den Moſcheen
oder Kirchen Ä Ehrerbietung thun / die Oberherren im Haus ehreu / die
Gaſſen und Straſſen zu ihren Moſcheen fein ſauber halten ſolle. - -

Das Zehende Gebot/will und gebeut/daß jederman glauben ſolle/daß einei


niger Gottſey/daß70Propheten und unter denſelben Mahone der grenach
ihm aber Moyſes/ſomit GOtt geredet und Cusº eSÄ
jangen Mahomet aber GOttes Bottgaſſer geweſen ſey. Die BÄ
HS(R) e«
Maria wird wegen deß HErin Chriſti/von ihnen auch geehret. Ifem/daßeinſeder
Türckiſcßer Käier Mahomets Perſon/in Geiſt- und Weltlichen Sachen/reprºſen
tire/deröwegen denſelben männiglichen ehren/und mit ſtem Gehsrſam dienen
ſchuldig ſeynolle dahero auch alle die ſo aus deß Türc iſchen Käiſers Befehl umge
brachtfur Märtyrer gehalten und eingeſchrieben werden.
Uber dieſe 10 Gebot ſeynd die Türcken auch verpflichtet/daß ein jeder Zeit ſei
nes Lebens wenigſt einmal/nacßer Mecca/wallfahrten ſolle. Und ſo einer Armut,
haben eine ſolche Reis nicht verrichen kan/muß ein Reicher/ſoviel dazu vonnöthen7
berſchieſſen. Solche Pilgram verſamlen ſich theil zu Cairo/theils auch zu Dama
ſco/allda ſie ſich in einem Hauſſen oder Carovana zuſammen ſchlagen von Cairo aus
Ä ſie die Reisin 1 Monat/von Damaſco aus aber müſſen ſie 2 Mouat da
zU Habei. -

-
Der Türckiſche Käiſer erhält ſtets zu Dienſt dieſer Carovanen in Iotauſend
Cameel damit ſo die armen Pilgrim, ſo aus Mattigkeit mit den ihren zuruckblei
ben / aufſetzen und mit fortkommen können. Beyihrer Ankunfft zu Mecca beſu
chen ſie erſtlichen das Haus Mahomets/mit Vorgeben./daßeben an demſelben Ort
Abraham ſeinen Sohn Iſaac opffern wollen./daß ſolches Haus von Jeruſalem von
den Engeln dahingetragen worden ſey. Mit noch vielen andern abergläubigen und
lächerlichen Gebräuchen mehr. Sonderlich laſſen ihnen die Ä
in Zeit ihrer
Wallfahrt zu Mecca/fleiſſig angelegenſeyn/mit denen ſelbiger rten Weibernalſo
zuzuhalten daß ja ihres Stamms Gedächtnißau ſo heiligen Ortenverbleibe. Die
feſo alſo geboren werden insgeſamt vor heilige Leute geachtet / tragen einen grünen
Bund darum/daß ſie aus Mahomets Stamm entſproſſen ſeyn. -

Rach verrichter Wallfahrt zu Mecca / reiſen ſie auf Medina El Nobi das
ſelbſt ihres Propheten Mahomets Grabzubeſuchen # Endurſachiſt/ daß ſie ve
ſtiglich glauben, daß/umſolcher Wallfahrt willen ihre ünde gänzlich verziehen und
Ä jenſeyn.
buchern.
Mehrern Bericht hiervon/findet man in allen Türckiſchen Geſchicht
- - - -

- Die Schlaven/ſowol Chriſten als andere Rationen/werden von den Türcken


hochgehalten und vordero gröſten Reichchum geſchätzet/und das darum/wein ſie
z
vermögihrer
&eben dienen/au
# lich davor halten/daß eben dieſe Schlaven/ſo ihnen in dieſem
nach ihrem Tod/oder im Paradeis / oder in der Höll, ihnen werden
aufwarten müſſen. Derowegen ſelbe ſehr übel und gar heuer auszulöſenfeyn. Der
GroßTürck und andere vornehme Herºnin Barbaria/ſo Galeern auszurüſten/hal
ten hierzu ſonderliche Häuſer/von ihnen Bagico genant darein ſie ihre Schlaven un
terhalten bißſiederobedürfftig.
In Gerichts-Sachen werden bey ihnen weder Chriſten noch Juden für Zeugen
zugelaſſen/bey Straff3co Schlägaufden Leib oder Fußſohlen/die ſchwere Fällpfe
geuſie mit dem Pfalzuſtraffen.
*.
Die Turckenundalle Mahometaner
- * -
Teafdeß
-L 4
Weins (wiewon #
>
- FS(S) SF- -

rher ihnen ſolcher erlaubt worden) eſſen auch gleich den Juden kein Schwenen
Ä aber den Taback zumtrincken/wie auch ein Ä.
nd noch eines ſo ſehr delicat/Scherbet genant. Auſſer den Blinden und andern Ge
Ä enfinden ſich ſonſt keine Bettler Ä Weiber wohnen in den innerſten und
# ſten
MfI ZKM
Ort im Haus wie denn wenig Häuſerzu finden, derer Fenſter auf die
-

"Äsepasſt zu Conſtantinopel/alldauocßheut zu Tag der Türcki


ſhe Kaierdohnet wird Sarai oder Portagenant/ligt am Ende der Stadt / gegen
Seufarüber hat beyeiner halben Teutſchen Meil im Umkreiß. In demſelben woh
nen auch die Jänizara/ſamt Ä Oberſten Aga und Hauptleuten. Ihrer ſind bey
12ooo ſo alle zudeß Türckiſchen Käijers Guardierhafen werden. Es wird auch wös
chentlich 3 malRathgehalten da denn alſobald alle verhörte Sachen geſchlichtet, ver
- glicken und ſpedrt werden: - - --- -- - -
In dieſen Rath kommen alle Veziri/die z. Begliardegi(heiſſt ein Herz der Her
xen) von Anatole und Gracia/der Agader Janizaru/dic 2 Cadilaſchieri oder Pa
triarchen von Anadole und Rumelia (Grxcia)den 3 hat Selim hinzugethan/ſo über
Egypten Arabia/Syria und Barbariazugebieten/die 3 Präſidenten Oeffterdarn/
über dieſe alle führte der Primo Veier Atzengenantdas Directorium welcher auch
als GroßCantzler deß Türckiſchen Käiſers Sigill in Verwahrung Ä
m innerſten Teil deßTürckiſchen Käiſers Seraglio wohnen ſeine Weiber/de
renetlich 1oo ſind/können aber von niemand geſehen werden alle ſind in Verwahrung
der Eunuchen/unterm Commando ihres Oberſten CapiKehaja/welcher auch über die
Jungen zugebieten/ſozu Dienſt deß GroßTürcken Perſon und Zimmer verordnet/
und Jchoglan genennet werden. Niemand erlanget Audienz / erbringes denn mit
Geſchenckzuwegen. Der GroßTürck hat kein Frau/weil all ſeine Weiber Schlapin
ſind. Welche ihm aber den erſten Sohngebiert die wird darnach ſeine Gemahlinge
heiſſen. Und weilnden Türckenerlaubt 3.4 biß7. Ä nehmen / oder ſo viel
er ernähren kan/ als iſt beyihnenbräuchlich, daßſowolder Mägde alsder Frauen
Kinder gleiche Erben ſind, - -

Nachdem GroßTürcken folget der Muffti/ſobeyihnen gleich dem Papſt geach


tet wird/dieſer erklärt und legt den Alcoran aus. Uber nebengemeldte 3 groſſe Prö
pheten/ehren die Türcken, unter den 7o nachfolgenden inſonderheit auch als Eliam
(Aly) Johannem(Junus)Salomonen (Soliman) und Jacob von ihnen Ja
cup genant nebenſ noch etlich andern. Wie auch etliche unter den alten Heiligen:
alsSMeºlaumSAntºnium/ÄGeorgium. Die innerſte Poren am Käi.
ſerliche Pallatio oder Seraglio/werden von den Capig bewacht die Zauſchen ſind
leich den Tribunis tragen deß GroßTürcken Befehl über Land hin und wieder.
Ä ihnenkommen die Subbaſchi, Soliftari, Mutafarachi Uber vorbeſchriebene
ſindau die Gärtner unterm Sºmmandº ihres Oberſten BoſthangiBaſcha/welche
ſºnderlich den 1. PlanetendeßMondsverehren, - - - - -

- -“ In
- - --- - «FS (o) &#-
In der GroßTürcken Marſtallſeyn Joo Pferd/und 2oo Mauleſel 7 deren die
Katergi warten/yoo Cameelſovondän Geveg verſehen werden. Uberdiß ſind Foo
Knecht der Pferdzuwarten/ neben andern zum Dienſt deß Marſtalls gehörigen
Leuten/ins gemeinSarachigenant/ſind alle unterm Commando deßoberſten Stall
à: meiſters Imbrahor Baſcha/uud ſeines UnterStallmeiſters Imbrahor Kehaja
(MMMl
8 Die Mahometaner und Türcken/haben und begehen im Jahr 2 vornehme Feſt/
das erſte ſo ihr Oſterwim September heiſſen ſie Mairam/das andere kleine Feſtfälle
in November. Das Jahr über halten ſie eine Faſten/Ramazan genant wäret 2 9.
Tag.
Beyden Türcken ſind die Scudia wenig/ oder faſt nicht üblich und gebräuchlich,
Von Spielen iſt das Schach- und Bret-Spiel das gebräuchlichſte/halten keine Co
medien oder dergleichen Spiel üben ſich anſtatderſelben in Waſſen/ündmit den Bo
gen zuſchieſſen. Das gemeine Volck hat meiſtes ſeine Kurzweil/ auf dem Seil zu
tanzen. -

Die Chriſten-Schlaven/ſovon Adel/werden in den Thürnen am Schwarzen


Meer/und zu Conſtantinopelinbeſondern Häuſern/Ergaſtuligenant/verwahrt/von
welchenjezuweiln/von den daſelbſt reſidirenden Chriſtlichen Geſandten durch Geſchen
cke/etlichelos-underbetten werden:
Die Türcken Ä“ Tags im Krieg zu Pferd/der langen Säbel/
- - --

Bögen und Rohr/etliche auch ÄuFußarühren Sä/Bögen


Rohr und Muſqueten die Türcken ſämtlichen tragen im Krieg keine Corazen oder
ander Harniſch weinſelbe gewiß glauben/daßwozu einem Gott verſehen ihmege
wißlich geſchehen müſſe/ſolte er auch 19 Harniſch anhaben. Im Krieg behelffen ſie
ſich gar ſchlecht führen auch keine Weiber mit ſicß.
Das Feld/Aecker/und andere Güter/werden von den Chriſten-Schlaven ge
baut. In Ä ſich ein groſſe Anzahl allerley Religion und Secten
ſten. Als da ſind: MaronitenMelchiten Arrianer/Reſtorianer/Dioſcorianer/Ar
menier/Andaluſiert Drußen/Jacobiten Eoſti/Griechen/Tangarini Ä
ſo aus Spania vertriebenworden, undandere Secten mehr. Schließlich haben die
Türcken in den Städten ſchöne Ä inlaugen
von allerhand Farben Kleidern mit Silber und Gold gezieret/gekleidet faſt auf die
Ungar- und Polniſche Art tragen auf dem Haubt einen Bund oder Turband/von
weiſſem reinem Tuch umwunden ſo in der Mitte ein Purpurfarbe Spitze hat etliche
# Ä mit bloſſen Armen damit im Bogen-ſchlieſſen ihnen die Kleider nicht hin
derlich ſeyen. -

>
«Fs (#) Sº

Das III. Capitel.


Beſchreibung deß Türckiſchen Reichs/ſamt deſſel
- ben Grentz und Regierung.
FÄF oder Türckiſche Reich in Betrachtung ſeiner Größ und
Grentzen/wird befunden, daß ſolches eben dasjenige ſeye/ſo Käiſer Juſtinia
nus 1.beſeſſen. Gegen Mitternacht wird es vom Gebürg Carpati/und dem
Fluß Nieſter von Polen unterſchieden. Das Gebürge/ſodasalte Taurica Cherſo
neſisin 2 Theiltheilet/iſt die Grenze zwiſchen den ProcoperTartarn und dem Türcki
ſchen Reich. Ferner grenzet ſolch Reich gegen Mitternacht am Fluß Tanais oder
Honan dem Meotiſchen See / Mare della Zabache, und den Geſtaden deß Schwar
zen Meers/von den Griechen Pontus Euxinus, von den Italienern Maremajore ge
nant/biß an die Grenze der Circaſſier/und dem Gebürge Caucaſi/ſo zwiſchen gedach
temuud Caſpiſchen Meer gelegen iſt. -

Gegen Mittag grenzet das Ottomanuiſche Reich an die Flüß Euphrates und
Tigris. ans Perſiſche MeerSinus Perſicus genant / mit dem fruchtbarn Arabia/ho
hen AEthiopia in Egypten/biß an die Stadt Siena jetzt Aßnaj und die Wüſten Nubiet
und Baroa wo die vorzeiten ſo berühmte Völcker Garamanres gewohnet bißaus
GebürgeAtlas/ſoes von den Africauiſchen Arabern unterſcheidet.
Gegen Morgen grenzet mehrbeſagtes Türckiſches Reich mit dem Sophioder
Königin Perſien/ſoein Beſchützer der Mahometaner Sect/ ſonderlich deß Aiy iſt.
Derowegen auch die Vierſeher / zum Unterſcheid der andern Mahometaner einen
rothen Bund mit 12 Faltenfragen/zum Gedächtniß der 12 Söhne Hoeems/ſodeß
Aly Verwandter und Nachfolger geweſen iſt. Daheroſie auch von den Türcken Keſ
ſulbaſch Ä genennet worden.
Gegen Nidergang grenzet mehrbemeltes Reich mit dem ScherifKönige zu Feß
und Marocco/bey Oranin Barbaria/mit der Cron Spania/mit dem Mittelländi
-ſchen Meer mit dem Golfo di Venetia, in Dalmatia und Croatia mit der Reſpub. zu
Venedig/und Ä in Ungern mit dem Haus Oeſterreich.
So man die Grenzen dieſes Reichs miſſet von Aufgang biß zum Nidergang /
als nemlichen vom Fluß Tigris/biß an Goifo di Venetia finden ſich in der Länge/in
6oo Teutſcher Meilen vom Perſiſchen Meer biß ans Königreich Tremien 8oo
Meilen die Breite von Mitternacht ſiß Mittag von der Stadt Derbend am Caſpi
ſchen Meerbiß an die Stadt Aden in Arabia/am Rothen Meer finden ſich bey64e
ſolcher Meilen. Von den Grenzendeß Königs in Perſiatiß an die Stadt Deniz
Ungern/ſind auch mehr denn 600 Meilen. Beherrſchet alſo der GroßTürckheut
zu Tage in allen 3 Theilender Welt als Europa/Aſia/und Africa (ſoviel den Alten
bekantgeweſen)in jedem einmächtiges Stuckandes/uud begreiffen allein die ufer
. -"- . . - - Und
Wh.
- -

«SF(E) HF
und Geſtaden deſ Meersſounter ſeiner Jurisdiction begriffen mehr als TSGöTeuf -
cher Meilen; diewein das ganze Schwarze Meer (Pontus Euxinus) der Meoti
See (Mare delia Zaboche) das ganze Propontiſche/Liciſche/Ciliciſche/Syriſche
gyptiſche Meer/Der ganze ArchiPelagus; #theils vom Jouiſchen und Adriati
ſchen Meer unter ſeinem Gebiet und Botmäſſigkeitſeynd.
Demebißhero beſchriebenem Türckiſchen Reich/mangelte an groß und klei
nen Flüſſen durchaus nicht/in Aſia finden ſich die ſo berühmte Flüſſe Euphrates und
Tigrisſobeyde das Irdiſche Paradeisdurchfloſſen der Jordan in welchem Chriſtus
von Johanne getauffet worden/die/beyden Ä ſobefante Flüſſe Ciras und Ara
xes, nebenſtvielen andern mehr. In Europa ſind die vornehmſte die Donau/die Sau/
die Trab und Teiſſa. -

In Africa weiſetſchderin der ganzen Welt berühmte Fluß Nilus/ſoüberdiß/


daß er vormals das Irdiſche Paradeisbegoſſen/billig und mit Recht ein König al
ler Flüſſe in dieſem unſerm Hemiſphºriomaggenennet werden.
An Wälden und berühmten Ä iſt in dieſem ganzen Reich kein Mangel.
Das Gebürge Caucaſitoder Taurus in Aſia/läſſet ſich bey den Hiſtorien/unter ſeinem
alten Namen Imauswohlfinden und von denſelben ſeiner Gröſſe und Höhewe
gen/gewaltig herausgeſtrichen. Fernesſindin Aſadas Gebirge Libanon/wegen
darauf wachſender in H. wohlbekandter Cedernbäume. Der Berg Si
nai wegen der von Moſe auf ſolchen Berg von GOtt empfangenen 10 Geboten.
Der Berg Thabor/wegen der Verklärung Chriſti. Der BergCarmel/deß Pro
pheten Elie Wohnung halber ſehr berühmt/undin der ganzen Welt bekannt
uropa findet ſich das Gebürge Emo/Monte Nero 7 der in Poetiſchen Schriff
ten berühmte hohe Berg Olympus. In Africa aber der einige vor andern bekannte
Berg Atlas,

Ä Das ganze Türckiſche Reich iſt theilsgebürgig/ meiſtenchelseben Land und


Ortengreſſe ſandigte Einöden. Jedoch den mehren und größten Theil/an
allerley Getreyde Hülſen Gemüßköſtlichen Wein/Honig/Zucker Baumwolle,
von allerley Früchten Geflügel und Schnabelweid/allerley wilden und zahmen Vie
heallerley Fiſchen und andern/ſehr fruchtbar. So findet ſich auch/an Gold/Silber/
3Kupffer und andern BergwerckenEdelgeſteinen allerley Marmor kein Mangel.
Sonderlich das überreiche Silber-Bergwerck zu Sidrocopſa. Summa in allem/
ſo dem Menſchen- ebennothdürftig/ findet ſich kein Mange/in vielem ein Uberfluß
da auch das and ofleiſſig als in der Chriſtenheit gehauer würde ſolte alles noch wol
ſeiler/ünd beſſers Kauffszubekommen ſeyn. -

Foget nun ein kurze Bereibung aller Länder und Provinzen ſo heutiges Ta-
# dem Türckiſchen
Pl..
Reich in Aſia/Africa und Europa zugehörig und unterworfen
-

In Aſia/beherſ etder Türckiſcße Käiſer folgende Landſchafften: **#


- -
-
- - A. ithi
- -
-

- -
*-
«FSF(S)Fen
--(Bhinia) die Hauptſtadt Burſia Tvorzeiten der Türckiſchen Käiſer gewöhnliche
Reſidenz. Rheni(Ponto) ſeine Hauptſtadtiſt Chiutai , Flagonia, (Paphlagonia)
worinnen Famaſthro die Oberſtelle hat. Gianech (Cappadocia) ſein Hauptſtadt
war vor dieſem Trapezunth/welche Stelle aber anjezo die Stadt Amaſiahat. Cara
ſia und Blubada/wnrden von den Alten die 2 Miſia genant/darinnen Chio/vor die
Hauptſtadt paſſiert. Troada/ſein Hauptort iſt die Stadt Spiga: Sarcum wird an
jetzodas andgenant/ſovon den AlteniuPhrygiam/Eolidem und Lydiamgetheilet/
und wegen der Könige Mid- und Eroeſ bey den Hiſtoricis wohl bekant iſt, die
Ä heiſſt Magneſia/und nach ſelben Ä meiſtes ruinirt/
ſich jedoch noch heut zu Tag ihres geweſenen Mitburgers Galeni rühmet. Chi
augan (Gallatia) hat Chuto. Agogna (Iconia) hat Cogna. Saura (Iſauria)
at die Hauptſtadt gleiches Nameus. Berſageli (Piſidia) hat Celeſtria. Ruiſon
icaouia hat die bekante Stadt Smirna zur Hauptſtadt. Den Fremden weiſen die
Jnnwohner noch das Grab Homeri deß ſo berühmten Poeten und geweſenen Mits
burgers. Cacaro (Caria) ſeine Hauptſtadt iſt Meſt. Unfern davon war vor Jah
ren/das ſo wunderbare und von den Alten zu den 7 Wunderwercken der Weltger
nete Grabdeß Königs Mauſol. Beneſacan(Pamphilia) ſeine Hauptſtadtiſ Sa
tolia Ottomanita (Lycia)darinnFiſchio die Hauptſtadt hat. Caramania Ä
ſein Hauptſtadt iſt die vor Alters geweſteherzliche Stadt Tarſo/ſoaujetzo Hama
uennetſovom König Sardanapalo erbauet und wegen deßApoſtels Pauli/deſſcu
Vatterlaud ſie geweſen/bey männiglichen bekautiſt. -

Obbeſchriebene 16Provinzenſo vor Alters meiſtes ihre eigene König gehabt


werden anjezo / unter dem einigen Namen Natolia oder Aſia miner begriffen und
angedeut, Camacß(Comagena)hat zu ſeiner Hauptſtadt die in der ganzen Welt be
rühmte Handelsſtadt Alepo. Antachi (Celeſyria) ſeine vornehmſte Stadt heiſſt
Soldin. Sejan/ ſo das rechte Syria / darinnen anjezodie vortreffliche ſchöne und
groſſe Stadt Damaſco die Oberſtellat. Korfu (Phoenicia) ſeine Hauptſtadt iſt
die bekante Stadt Seida vor Alters Sidon geheiſſen. Laſcia (Palaeſtina) ſeine vor
nehmſte Stadt/iſt noch heutigs Tags die heilige Stadt Jeruſalem. Daron (Idu
mea)darinnen Scalona (Aſcalon) die Hauptſtadt iſt. Obbeſchriebene 6 Landſchaff
ten/werdeniusgemeinanjezounter dem Namen Suriſon und mit ſeinem alten Ra
men Siria geneutet- -

Mehrbeherrſchet der GroßTürckin Aſia/die Landſchafft Ajaſton (GroßArms


uia)darinnen Ban die Hauptſtadt iſt. Diarbec (Meſopotamia) die vornehmſte
Stadt heiſſt Laramit. Caldar(Chaldea) ſein Hauptſtadt iſt Babylon oder Bagos
detam Fuß Tigrisſo wegen der Reſidenz der Mahometaner daſelbſt reſidirenden
Califenallenthalben bekant gleichwievorzeiten die alte Stadt Babylon ſo 9Meil
van dieſer und am Fluß Euphratis gelegen wegen ihrer Stiffterin Semiramis und
ſelbſthabenden Herzlichkeit unter die 7 Wunderwerck der Welt gezehlet worden.
Gaien(Arabiafºliºſ invornehmſte Städte ſind Zbit/Mara und Medinada
POY
- -
- --------------- - FS(S)FSF- “-

vor die erſte zwar wegen groſſer Meng daſelbſt ſich befindenden Specereyen und
Rauchwercks bekant/die 2 letzte aber/wegender Mahömetaner abergläubiſchen Wall
fahrten in der ganzen Weltbekanteyn. „ . . -

Zu Aſia/und unter das Türckiſche Gebiet/werden auch folgende Inſeln gerech


net. Als die Inſel Cypern in welcher die Stadt Nicoſia für die Hauptſtadt und Fä
maguſta für deß ganzen Königreichs Schlüſſelund Veſtung gehalten wird. -

Inſel Rhodis war vor Alters wegen deſſen am Porto ſtehenden gewaltigen Bildes
oder Coloſſ/unterdie7 Wunderwerck gerechnet. Iſt zu unſer Vätter Zeit wegen da
ſelbſt wohnenden Rhodiſer Rittern nicht weniger berühmt geweſen, ſo Anno 1522.
vom Türcken erobert / die Stadt iſt gleiches Namens eine mit dreyfachen Maureu
verwahrte/mit einem ſchönen Schloß/Veſtung und zweyfachen Schiffhafen/gezierte
Stadt ſo auch unter allen Turckiſchen Veſtungen mit gutem Geſchützündnothdürff
tiger Bäulichkeit am beſten unterhalten wird. Unter den Ä / werden
Scarpanto/Samo/Chio und Metteline vor die principalſte und beſte gehalten/ihre
vornehmſte Städte haben gleichen Namen. - -–"-–– -– “ ––

Allebißherbeſchriebene Landſchafften ſo dem Türckiſchem Käiſer in Aſa unter


worffen werden von 15 Begltarbey regirret/darunter 3 Veziers/di übrigen aber
Baſſaniſeyn. - - - - - - -

Der eine Bezier (Vice Re) iſt Stadthalter über Natolia. Unter ſeinem Gebiet
ſeyn die Landſchafften Caria/die 2 Miſien/Jonia/zc. Jede Provinzen wird wieder
von ihren eigenen Sangiaten geregieret/über weite aber der Vezier das Commando/
wohuet in der Stadt Smirna. A - - - =- -"

Der ander Vezier/iſt Stadthalter über Babylonia/Wüſt-Arabia/und andre


daſelbſtherumligende Länder wohnet in der Stadt Bagodet oder Babylonia.
Der dritte Vezier/hat unter ſeinem Commando/Giamen/(Arabia) und andere
weiteutlegene Provinzendeßwegen jederzeit der allergetreuſte und verſtändigſte hie
zuverordnet wird. Die reſtirende Provinzen werden von deuo gedachten Baſſauis
reglewk.
3 Der Erſte hat unter ſeinem Gewalt die Landſchafft Caramania und Pamphi
lia. Ein jede Provinz wird von ihreneigenen Sangiaten gubernirt. So aber unter
dem Commando der Baſſanen ſind/verſtehet ſich auch beyallen folgenden alſo/woh
net in der Stadt Sama. - - -

Der AnderBaſſa regieretAnatole/Klein Armenia und ein theilvonCappadocia/


wohner in der Stadt Marar. - -

Der Dritte beherzichet den Reſt Cappadociaewohnet in der Stadt Amaſia.


Der Vierdte hat unter ſeinem GubernoGalatia/wohnerin der Stadt Eute.
Der Fünfte gübernirt icaonia/Iſauria/und Piſdia wohnet in der Stadt
Cogna. - - – - -

wohnet
DerinSechſthat
der Stadt Burſia y D
unter ſeinem Commando Bichynia/Ponto - - e
und Paphlagoulaf

„-
«FSF(E)é-
Der Siebende Baſſaregierttheils das klein und großArmenia/wohnet in der
Stadt Ertzirum. -

Der Achtebeherſchet Diarbet/wohnet in der Stadt Caramit.


Der Neundteregieretin Chaldeawohnerin der Stadt Balſera.
Der Zehende hat unter ſeinem Gewalt Comagena / reſidirt in der Stadt Al
le PO.
Der Eifteherſchet über Syria/CeleSyria/Palsſina Phoenicia/und Jdu
mxa wohnet in der Stadt Damaſco - -

Der Zwölfte gubernirt den Reſt GroßArmenia/wohnet in der Stadt Ban.


Der Dreyzehendebeherſchet Arabia Petrea, wohnefinder Stadt Medina.
Der Vierzehenderegiert Servan/wohnet in der Stadt Ervan.
Ni
D(COMM.»
# Funfzehende und letzte beherſchet die Inſel Cipern/wohnet in der Stadt
Alleobbeſchriebene in Aſia gelegene Landſchaſſten/werden vom Türckiſchen Kä
ſert nach Belieben unter die Beziriund Baſſani ausgetheilt / auch von denſelben/ſo
langes ihme gefällig geregiert denn er ſolche nach Belieben ein und abſetzet/ihnenan.
dere Provinzen beſſer oder Ä efallen/aſſignirt. Weiß alſo keiner wie
langerzubleiben und ſtündlichen einer Veränderung zugewarten. In Aſia wer
den 250 Sangiaken gezchlet/welche über die Bey oder Begen/dieſelbe aber über die
Timariotten zugebieten haben. -

Es werden aber diejenige Timariotten genennet/denen vom Türckiſchen Käi


ſer etwan ein Dorff/Landgut und Felder verliehen werden / dagegen ſie ſtets etliche
Soldaten nach Gröſſe und Ä Timari unterhalten/auch wohin/ und
wenn ſie erfordert werden ſelbſten mit ihren Angehörigen erſcheinen/ünd dem Tür
ckiſchen Käiſer/ſolange der Krieg währet auf eigenen Koſten/ſamt ihrer beſtimmten
Anzahl Soldaten/dienen müſſen. Und finden ſich dieſer Timariotten allein in Aſia
mehr als 32cooo.ſo alle ſelbſten auf Erforderung erſcheinen müſſen. Und iſt kein
Timarus ſo geringer mußauf Ä Noth 3 Soldaten ſchaffen und erhalten
Es ſind aber dieſe Timariotten meiſtens alte und im Krieg verſuchte Soldaten/wel,
cheder Türckiſche Käiſer/zur Vergeltung ihrer/ihme geleiſten Dienſte/mit einem Ti
marobeſchencket den ſie aber nur ſolangſieleben/oder nach Gefallendeß GroßTür
ckenbeſitzen derſie zuweilen entſtet ihnen ein beſſer oder ſchlechters überweifet. Kan
alſoder Türckiſche Käiſer/jetzt gehörter maſſen/allein aus Aſia/eine unglaubliche An
zahl Volcks zuſammenbringen, -

Unter dem Türckiſchen Gebiet in Aſia wohnen eine groſſe Anzahl Juden ſo
theils hin und widerzuſtreuet / ſonderlichen aber in den vornehmen Handelsſtädten.
ls: Alepo/Angori Safet und Smirna/in mercklicher Anzahl gefunden Ä
Von denTürcken werden ſie auch hart gehalten, doch ſind die meiſte Zöll in ihren
Händen. Und weiln bey ihnen annoch der alte und unverſöhnliche Haß gegen den
Chriſtenverbleibet/als ſind ſie dem Türcken wider dieſelbe deſto getreuer.
Unter
- „SZ(o)FSF
Unter dem Dromanniſchen Gebiet in Aſiawohnen auch viel und mancherleySes
cteuder Chriſten/als da ſind nachfolgende:
Melchitten/ſiud Griechen/wohnen in groſſer Menge durch ganz Türckey /ha
ben ihre 4 Patriarchen zu Jeruſalem / Conſtantinopel / Antiochia und Alexan
dria. -

Die Georgianer und Circaſſer ſind ihnen faſt gleich. Ihre München und
Pfaffen ſind BaſiliiOrden.
Neſtorianer finden ſich am meiſten in Diarbeck/Meſopotamia und Chaldea/
Haben 2 Patriarchen;u Moßalund Caramit.
Die Dioſcorianer ſind am meiſteningroß und klein Armenia/Caramania Bi
thynia/Syria und Meſopotamia/Haben 2 Patriarchen/der eine wohuet in der Stadt
Emeanin/derander in der Stadt Sis. -
Die Jacobiten oder Coft wohnen inzinlicher Anzahl/durch Meſopotamiam/
Babyloniam und Syriam haben ein Patriarcßen/der vorzeiten im Cloſter Gifran/
bey der Stadt Merdin wchnete/anjezo aber in der Stadt Caramit reſidirt. Ihre
Clöſter deren ein gute Anzahl/ſeyn Anthoni Ordens.
Die Maroniten kommen unter allen dem Römiſch-Catholiſchen Glauben am
nächſten halten ſich meiſtes auf in den Städten Alepo/Damaſco/Tripoliundin der
Ä Ä Ihr Patriarch wohnet auf dem Gebürge Libanon/4 Meiln von der
tadt Tripoli.
Die Orußen ihre Nachbarn/ſind faſt gleicher Religion.
Zwiſchen dem Fluß Euphrates und Tigris/wohnet ein andere Sect Chriſten /
Johanniten genank. -

Endlichen werden auch der Römiſch-Catholiſchen/ſonderlich in der Inſel Rho


dis/Cipern und Chiogeſünden ſind aber unter allen andern am übelſten und härte
ſtentractirt.
In Europa/beherrſchet der Türckiſch Käiſeralles/was vorzeiten die #
Käiſer beſeſſen haben/und wird von den Türcken mit einem Namen Rumelia/dasi
Graciagenant.
Die Pen-Inſula, Morea, hält in Umkreiß 12o Teutſcher Meilen / war vor
Jahren wegen der alten Spartaner und Lacedemoniert ein Ä Land / allda
noch heutiges Tages die Stadt Miſtra Landwerts die vornehmſte Stelle hat und
annoch der alten Stadt Lacedemon berühmten-Herzlichkeit ſich rühmet
Libadia (Achaja) ſeine Hauptſtadt iſt Lepantho(Raupactus)
Attica/darinnen noch heutigs Tags die Stadt Sethine/ſo aus den ruderbus
# vorzeiten/
»
in aller Welt berühmten Stadt Athen erbauet/das vornehmſte Ort
-

Di Janna
--(H)SZ-. -
-
-

anna(Theſſalica)die vornehmſte Stadt hat gleichen Namen.


mani (Epirus) die Stadt Butrunto/ ſo gegen Corfu überligf/ iſt die vor
nehmſte/ſevor dieſem wegen deßberühmten Königs Pyrrhi allenthalben bekant ge
IPeſen. -

Albania/die Hauptſtadt und Veſtung iſt Croja.


Macedonia war vor Jahren wegen ſeiner vortrefflichen Könige/Philippi/ und
deſſen Sohns Aierandri Magui/eiu ſehr beſchreites and/darinnenanuoch die gewal
tig groſſe Handelsſtadt Salonich (Theſſalonica) die Hauptſtadt hat Romania
(Thracia) ſeine Hauptſtadt iſt die groſſe Neue Stadt Adrianopel. Es iſt aber die
Stadt Conſtantinopel / gleichwie vor dieſem / als auch noch./dcß Griechenlands und
Ä Ottomanniſchen Gebiets/vornehmſte-Hauptſtadt und der Turckiſchen Käi
er Reſidenz.
In Bulgariaiſt die Stadt Ternova inServia/die Stadt Griechiſch Weiſſen.
InCroaten die Stadt Obroatzo.
Boßnia die Stadt Barboſani.
-

Undin Ungern die Stadt Ofen die Hauptſtadt.


Zu Europa gehören auch faſt alle Inſeln in Archi Felago, darunter Negro
ponte, Stalimene, Andro, Millo, Srampalia, Nſia, Morgo, Nicone,Zea, Paround
S. Erini die vornehmſteſud.
Alle obbeſchriebene Provinzen in Europa werden in 7 Prefecturen oder Be
gliarbeyabgethelet/darunter die 2 Veziers: die übrige 5 aber Baſſaniſeynd
Ä eVezier regieret Macedoniam, Thracam, Albaniam, Theſſaliam,
Epirum, Achajam und Moream. Jede Provinz hat ſeine eigene Sangiaken oder
Stadthalter/ſo aber unterm Commando deß Veziers ſind/welcher in der Stadt A
drianopelwohnet, . - - - -

Der AnderVezier beherſchet Bulgariam/Serviam/Boſniam/Croatiamuud


Ungern/wohnet in der Stadt Ofen. -

Der Erſte Baſſagubernirt Epirum/Albaniam/Theſſaliam und Moreamwoh


nek in der Stadt Janna. A

Der Ander Baſſa regiertServiam und Macedoniam / wohnet in der Stadt


Der Dritteherſchet über Boſniam wohnet in der Stadt Vanialucca. -

Der Vierdte Baſſateherſchet Ober-Ungernwohnet zu Temeſwar. -

Der Fünfte regiert Croaten und theils von Nieder-Ungern/wohnet zu Ca


cºa ,
Unter dieſer Vezier und Baſſa Guberno ſind 12o Sangiaken , welche über
mehr als 8oooo Timariotten unter ihrem Commando/welche alle/wiebey Beſchrei
#
kerhalten,
eine groſſe Anzahl Soldatenfertig/wenn und wozu mau ihrer bedarfſun
- - - -

Die InſelndeßArchipelag werdenvonihren eigenen Begen geregieret/ #


„S(C) SP
aber meiſten heiswüſt/S57und ſchlecht bewohnt. Jede Inſelha Tren eignen Cadi
er (Richter) derer Einkommensmeiſtes wegen der ſtetigen Ä Römiſche.
Catholiſchen mit den Griechen beſtehet. Eine oder mehr dieſer nſeln werden unter-+
-- " - - - -

weilneinem Sangiaken eingeraumt/dagegen er etliche Galeenunterhalten muß. Es


ſind aber alle dieſe Inſeln/ſo wol die am Meer gelegene Städt/ unterm Commando
deß oberſten Admirals/deß Begiarbey von Denis genant.
Uber obbeſchriebene Landſchafften in Ä nd nocßnachfolgende welche/ob.
s ſie wolnoch ihre eigene Fürſten haben gehören dochſolche unter das Türckiſche Reich
wein ſie nicht allein mit Tribut beſchwert./ſondernau die Fürſten derſelben mit deß
Türckiſchen Käiſers Gefallen/eingeſetzt werden. Und ſind die Waiwoden oder Für--
ſteu der Wallacheyund Moldau ſo beydedem Türcken/mit einer benanten Anzahl
Volcks/im Krieg zu Hülfferſcheinen müſſen. Wie auch der Fürſt von Siebenbür
gen/ſonicht allein hievon befreyet ſondern auch von mehr andern Beſchwerlichkeiten,
entübrigt und der freyeſte unter allen iſt.
Deß Ä rovinzen in Europa werden von:
einer ſehr groſſen Anzahl mehrerley Chriſtenbewohnet: Als: .
Die Griechen finden ſich in anſehnlicher ZahldurchgautzGraciam/Macedoniam“
Bulgarian/Serviam/ undallen Inſelndeß Archi-pelag, haben einen zu Conſtan---
tinopel reſidirenden Patriarchen/der dem Türckiſchen Käiſer jährlich 3oooo Cronen:
bezahlen muß/welche er von ſeinen hin und her zerſtreueten Geiſtlichen einſamlet.
f Die Catholiſchen wohnen in Servia/Bulgaria und Boſnia/allda ſie viel Cs.
ſter Franciſcaner Ordens haben. In der Inſel Chio Stadt Pera und Stadt Caſe
- fa/wohnen ſein gröſſer und mehrer Anzahl. - -

Der Calviniſten finden ſich in Ungern/Siebenbürgen und Croatia.


Die Evangeliſche/oder ſo genante Lutheriſche/wohnen durch ganz Ungern und -
Siebenbürgen.
In Bülgariafindet ſich noch eine SortChriſten Pauliniſtengenantwelche aus
Italia vertrieben ſich dahin begeben haben
Die Armenier werden in groſſer Anzahl durch ganz Türckey gefunden.
Endlich finden ſich auch in Europa/unter dem Ottomanniſchen Gebiet an unter---
d ſchiedlichen Orten eine mächtige undüberaus groſſe Anzahl Juden/ſonderlich aber in
den vornehmſten Handelsſtädten und ſonderlich zu Conſtantinopel/Adrianopel
Philippopol/Sofia/Nicopoli/Scopia/S. Maura Balona/Salonich(Theſſa
lenica)alldaſe allein in 8o Sinagogen inn haben meiſtes ſind Ä aus Spa
nia vertrieben ſich hieher begeben haben wie bey Aſia auch gedacht ſind die meiſte Zöll?
in ihren Händen
"In Africabeſitzetundbeherrſchet der Türckiſche Käiſer folgende Provinzen. Als
das Königreich Egypten/ſovorbereitviet 100 Jahren einberuhmt Königreich gewe
ſen/ſeine Hauptſtadt iſt die uralte/groſſe und wunderbare Stadt Alcair/oder Cairo/ſo
am Nilo zunächſt an der zerſtörten Stadt Memphis/Königs Pharaonis Reſident -
erbaue iſt. Uüfern der Stadt laſſen ſich annoch ſehe z sºººº PHM i .
ſ
«FSF(o) e- - -

ſo von den Alten unter die 7Wunderwerck der Welt gezehlet. Unter denſelben eing
Ändallein annoch ganz und verhanden ſeynd. Zu Egypten gehören auch die Kand
ſchafften Erifa/Bechris und Saida. - -

Hocoder Ober Aethiopienligt zwiſchen dem Nilo und Rothem MeerſenvÄ


nehmſte Stadt iſt Sirachom Bareal vor Jahren Cirenaria oder Pontapoli und
Marmarica geheiſſen darinnenanjezodie Stadt Corone für die vornehmſte gehalten
wird.
Barbaria ſeine Hauptſtadt iſt Tripoli/wegen der Seerauberwolbekant
Thunis/ein vor Jahren mächtiges Ä Unfern von der Hauptſtadt
Thunis/erweiſen ſich noch viel ruderaundAntiquitäten der alten und mächtigeuStadt
Cartbago.
Äffen. auch ein Königreich ſeine Hauptſtadt hat gleichen Namen. Von
etlichen wird die von den Seeraubern bekante Stadt Algier vor die vornehmſte in be
ſagtem Königreich geſetzet. -

Oberzehlte Landſchafften/ ſo dem Türckiſchen Käiſer in Africa unterworfſen/


werden regiert vou 1 Vezier und 4 Baſſen,
Cai Der Vezier regiert und beherrſchet Meſſir (Egypten) wohnet in der Stadt
LMl!'0.
Der 1 Baſſaher ſchet über Abaſſia und das RotheMeerwohuetzu Suaqueu.
Der 2. Baſſaguberuirt theils Barbaria) wohnet zu Tripoli.
Der 3 Baſſa regiert das Königreich Thunis wohnetzn Thunis.
Der 4 Baſſa beherrſchet das Königreich Tremiſſen/wohnet zu Algier.
Unter dieſer Regierungſeyn 7o Saugiaken/undin 40 Tamarioti/ſo alle wie
bey Aſia und Europa erwehnet / eine groſſe Anzahl fertig / und zum Krieg beſtellter
Soldaten unterhalten. Unter jetztgemelten 70 Sangiaken/wohnen 1 2 in der Stadt
Cairo/derer jeder über 1ooo Pferd zu commandirn/und iſt ſolches darum alſo ange
ordnet damit der Bezier nicht rebellire.
nobbeſchriebenen Provinzen Africa wohnen mehrerley Secten Chriſten. Als:
Jacobiten/oder Coſt/ſind aus Abaſſia/(Preto Johannis Gebiet) wohnen in groſſer
zahl in Egyten uudhocß Aethiopien/ Ä ihren Patriarchen ſo vor dieſem zuA
lexandria/jetzt aber zu Cairo wohnet/halten das Alt und Neu Teſtament Beſchnei
dung und Tauſſ.
Neſtorianer/wohnendurch ganz Africa.
Die Catholiſchen wohnen in Egypten / Thunis und Tripoli die meiſten ſind
Scßlaven/derer man ſonderlich zu Algier eine groſſe Anzahl findet/undgarelendieben.
Die Moreßgen/ſo aus Spania vertrieben wohnen durch ganz Barbaria/mei.
ſtes am Meer/alldaſeviel verfallene Städt wiedererbauet 7 und das faſt öde Land
ewieder in zimlicße Fruchtbarkeit gebracht haben.
AmGebürgeAtlas wohneteinVölckwelches ihren Kindern von Jugendan
ein an die Stirn brennen ſind aber ſo einfältig/daß ſie deſſen keine Urſacanzuzeigen
wiſſen. Der Juden gibt es eine groſſe Anzahl ſonderlich zu Alexandria/Cairo Da
dWigt
miat und Reſchit/ darunter eine Sect Carainigenent/ ſo von den andern Jüden für
Ketzer gehalten werden. -

Dieſes bißheroin Aſia/ Europa und Africa beſchriebene und dem Türckiſchen
Käſer unterworffene Reich / iſt ganz und gar unter einem Dominio abſoluto & de
1pot.co. Diewein der Türckiſche Käiſer nicht allein über die Königreich/Provinzen
und Städte ein Her:/ſondern auch über den Grund und Boden zu gebieten. Und in
Summa/alles ganz und gar unter ſeinem Commando/undihme unterworfen iſt.
Die Landſchafften und Städte/theilet der Türckiſche Käiſer/nach Belieben unter
die Vezieri Baſſen und Sangiaken ausgemeiniglich auf 3 Jahr/oder ſolanges ihm
gefällig. Verwechſelts auch wie und wann er will die Dörffer aber werden den alten
Soldaten oder Timariotten ausgetheit/davor ihm der TürckiſcheKäiſer den jährlichen
Zollbevorhälttheils Ortenauch den Zehenden. Dieſe Timarioten ſind nachmals ver
pflichtet dem Käiſer aufeignen Koſten/in Perſon/ wenn er will Krieg Ä zu die»
nen/und nach Gröſſe ihres Timari/eine gewiſſe Anzahl Soldaten aufderoKoſten mit
zubringen/und ſo lang der Krieg währet zu unterhalten. Dieſer Timarioten/ſind
durch ganze Türckiſche Gebiet in allem,44oooo.derſchlechteſte und geringſte/muß 3.
4 in 3 Soldaten im Fall der Nothaufbringen. Und ſind auch wol Timar/die 1o. zo.
25 biß 3oSoldaten ausrüſten und Ä müſſen.
Nachdem Türckiſchen Käiſer/deſſen Perſon von den Seinigen infaſ Göttlichen
Ehrengehalten wird folgetder Mufti oder Pabſt/der ĺn Gewalt in Geiſt
lichen Ä hat/und allein ihren Alcoranausleget und erklärt.
Die Janizarn/oder Türckiſch Fußvolck/haben nach und nach ſich ihres Gewal
tes alſo übernommen/daß wenn ein Türckiſcher Käiſer mit Tod abgehet/muß ſein Suc
ccſſor anſtatt eines Geſchencks/viel tauſend Aſpern (gilt einer ungeſehr Batzen)
und etliche Kleider unter ſie austheilen. Wann er ſolche contentirt und von ihnenac
clamirt worden, gelanget er alsdann erſt zum Käiſerlichen Thron.
Die mehrgedachte Janizaren/waren vorzeiten eitel Chriſtenkinder dieſe werden
alle 3 Jahr/von 17o Hauptleuten in denen Provinzen/ſo nicht privilegirt/ihren El
terngenommen und zuſammengebracht. Dieſer Janizarn waren vorzeiten in allem
4oooo. davon 12ooo als eine Leib-Guardi/ſtetigsindeß GroßTürcken Seraglio
zuConſtantinopelſich aufhalten oooo. befinden ſich an den Frontiern gegen dieChri
ſten/der Uberreſt iſt durch ganz Aſia und Africa zerſtreuet. Ibrahim hat noch 2oooo.
Ä gethan/gelangen zu keinen Aemtern oder Dignitäten hat jeder das Monat 6
ronen/und ein Kleiddeß Ä
Die Spaioder Spahi/ſind gleich als in der Chriſtenheit die Ritter/gelangen zu
allenhohen Ehren-Aemtern und Dignitäten/ſind allezu Pferd ihrer 186oo
der das Monat 15 Cronen. -
Ä je
Die Azamoglanioder Tribut-Kinder/werden nach dem 20. Jahr ihres Alters zu
Janizarn Ä Conſtantinopel/ſindihrer 26ood/hat jeder das Mo
nat2 Cronen/undjähr ich ein Kleid. Die
–&S (s) -
TDie Vezier und Baſſani ſind gleich den oberſten Senatorn und Ä FRF
- -

-chendurch welche das ganze Ottomanniſche Gebiet geringert wird. nd gleich wie
vorzeiteu/bey den alten Römern 1 die Conſules, ProConſules Legati, Procurero
res, und Prefecti geweſen alſo finden ſich hier auch bey den Türcken Erſtlichen die Ve
ziers darnach die Baſſani/denen folgen die Begiarbey/Defterdarn / Sangiacken
und Begen. Die Anzahl der Vezier und Baſſa iſt ohnbeſtimt / zu Conſtantinopel
ſind 6 Vezierßdarauder Erſte Primo Vezier/deß Türckiſchen Käſers Sigill-ver
"wahrer iſt.
Der Ander aber wird Caimakan genant ſo die oberſte Inſpection über das
Kriegsweſen hat. Dieſe wie auch die andern leben in höchſter Ehr/ſterben jedoch ſel,
ten eines natürlichen Todes werden meiſtesſtrangulirt oder ſonſt umgebracht. f
deß Türckiſchen Käiſers Kriegs- und See-Armadaiſts folgender Geſtalt beſchaffen.
Solche Schiff-Armada wird in 2 Theilgetheilrt/als die Boſphorana/ündAfri
cana/ſind aber beede unterm Commando eines ihnen vom Türckiſchen Käler geſetzten
Generals/und gleichwievorzeiten der alten Römer 2 Schiff Flotteu/zu Ravenna und
Miſeua/durch Procuratores, Praefectos, Tribunos, Centuriones uud Tetrarchos
geregiert worden./gleicher Geſtalt werden ſolche 2. Türckiſche Armeen durch Baſſa/
Sangiaken/Begenund Raißcommandirt. Sie ſind hin und wider zerſtreuet/kön
nen ſich aber auf den Nothfallbaldvereinigen. Winters Zeiten werden die Galeern
hiu und wider durch die Inſel vertheilt daſelbſt/wie auch der Uterreſt zu Eonſtantinº
-pelauszuwintern. Einer auch zuweilen 2 von den Vezierscountnaudirn ſoch Schiff
flotten / denen folget General Capitäu Baſſa/ welcher noch ein Vice Capitän Baſ
unter ſich hat/jeder hat das Monat 1ooo Cronen Beſoldung/chn die Extra-Ein
TOMItters,
Dieſebeede Türckiſche Schiff-Armeen beſtehen in 302 Segel/ darunter aufs
meiſte bißin 1oo Galeern und 40 Kriegs-Schiff/der Reſt iſt eitel Galiotten/Fuften/
Caramufſalnund Saichenallegar ſchlechtarmirt und eſezt. Obes woldem Tür
ckiſchen Gebiet an guten Gelegenheiten und Mitteln nicht mangelt/ſonderlich aber zu
Chilo/Sinopi/Eomidia/am Geſtaden deß Ponti Euxini, und gautz Carmania.
Zu Dienſt der Galeern und andern Schiffen erhält der Türckiſche Käiſer in
4ooo Schlaveu. Und wein die Türcken auf dem Meer ſchlechte Practici/ wird den
Chriſten-Schaven /ſonderlich beyeinfallenden Ungewittern das Steur-Ruderver
traut. Im Mario Ä aus/und kehren im December wieder in die Portos
zu überwintern. Iſtaſo deß Türckiſchen Käiſers Schiff-Armee von ſchlechter Jm
portanz/vielmehr zum Pracht und ſein Gebiet wider die Seerauber zu defendiren aus
FÄ Zudem ſo iſt auf ſolchen Schiffen das allerſchlimſte Volck/ ſo durch ganz
ürckeyanzutreffen ſeyn mag. „ . - -

- Deß Türckiſchen Käiſers Kriegsmacht zu Land anlangend/iſt zu vorhero der


Janitzarn/und Spahi Meldung geſchehen. Wer die groſſe Anzahl der Timario
teubetrachtet wird leicht finden können, warum der Turckiſche Monarch ſo gewal
- llge
-

--- * - (H)S-F-
itige Armeen ausrüſten und unterhalten auch da gleich eine oder mehr geſchlagen,7ö"
ſo ſcºeuaig wieder erſetzen könne. Und ſind unterbereits oftgedachter groſſer Änzahl
Timarioten allein48ooo SpahidelTimarg, derer jeder auf Begehren allzeit 20
Soldaten zulieffern verpflichtet. So nur eineriu andern zu 3 Mann gerechnet/be
trüge ſolches z4oooo.
Der Reuter/ſe ordentlicß unterhalten/Safigenant/ſind auch 18oooo.
Die Auxiliarii, als die Moldauer und Wallachen/müſſen lieffern 5oooo.
Der Tartar Chanſoingleichem verbunden auszurüſten Foooo.
a . Betrüge alſo jezterzelte Summa allein auf 57oooo Mann/ſo doch alles aufs
wenige angeſchlagen und gerechnet iſt. - -

Die Türckenſcheuen ſich nicht wenig vorm Krieg in Perſia/wegen deßlangwi


rigen Wegs und vielen Ungemachs/ſoſe in den ſandigen Wüſten erleiden müſſen.
Ä Krieg in Ungern aber wegen der vielen Chriſtlichen Veſtungen/ſoſie verhin
cº E'U. -
/

Zum Beſchluß von der Türcken Sitten etwas Meldung zuthun/ſo ſind dieſelbe
r meiſtesdas ist schºn aus geizig/und der Eiferſucht mäcß
fig ergeben.
Von Exerciciis und ehrlichen Ä auſſer dem Schacß
und Bretſpielſonſten gar keine. Sind im übrigen wohlgeſtalt groß/ſtarck und
wohlproportionirtam Leib/habenbreite Angeſicht von Farbweiß in Müh und Ar
zbeit ſehr daurhafft/beſcheren ihr Hauptgan/auſſer daß ſie mitten auf demſelben einen
langen Zopfſteheulaſſen/tragen lange Knebelbärt/und ſind dem Wahrſagenunddor
Abgötterey ſehr ergeben. - - -

AnlangenddeßTürckiſchen Käiſers ordentliches Einkommen/verhält ſicßsda


mit/wie folgt:

Cronen
Von Natolia oder Aſia minore komt ihm jährlich Ä
/ oder einen Ducaten / ſo ein jeder daſelbſt wohnender Chriſt bezahlen
1.
muß. > 2 Million 8ooooo. Cronen»
Vom Herzogthum Ercoco – 24oooo. Crouen.
Von Egypten/Caria und Arabia - z. 78oooo. Cronen.
Von Syria und angrenzenden Orten – 966ooo, Cronen
QVon Diarbet oder Meſopotamia – . 43oooo, Cronen
Von Griechen. Ungern/Africa
tzen in Europa und den reſtirenden
A-
Provin
7 - -

Von den ſämtlichen Inſeln in Archi-pelago - 17ooo, Cronen.


Von der Inſel Cypern - – 18oooo. Cronen.
Von der Meldau zu Trihuk – 18oooo. Cronen.
Von der Wallachey zu Tribut - 16ooo. Cronen.
Von Siebenbürgen zu Tribut – 42ooo Cronen.
E Von
- - v-- -

«FS (E). Fº
- Zf -3 –

Von der afft und Reſp.Raguſſa zu Tribut – 13ooo. Cronen


Von der Inſel Chiozu Tribut – 14ooo. Cronen
[Vonden Petenten und andern – 24oooo. Cronen
|Von denen ſo ohne Erben ſterben 2 46oooo, Cronen
Das Einkommen. Von den Goldund Silbergruben 2 888ooo. Cronen.
Ä #
den
Von den Zehenden
1
I
95oooo. Eronen
1 2oooo. Cronen
Summa Summar. 22. Mill. $ 36ooo. Cronen.

Das IV, Capitel.


Beſchreibung deren Potentaten und Fürſten/ſomit
- dem Türckiſchen Räiſer grentzen.
FS ROUs vorhergehender Beſchreibung iſt zu erſehen/wie die Türckiſche Nation
R P Evon ſchlechtem Herkommen und geringer Macht / zu anjetzo habendem
"ZZ. Ä Gewalt und Hoheit nach und nach gelanget undichgeſtiegen ſey
worzuihnenderhalsſtarrigen Chriſten Uneinigkeit nicht wenig zuträgl“ und beför
derlich geweſen iſt. Uber dasſöhaben die Türcken jederzeit Ä ºff
ſie ihre Feindeliſtig überfallen und alſo unverwahretiºnen obſiegen möchten. Wo
zudennin Erequirung ihrer Anſchläge wunderbare Geſchwindigkeit gebraucht/nic
mehr als einen Krieg angefangen mit keinem ihrer Feind langwierig gekriegt damit
Ä nicht übeten keine Zeit noch Geld an ſolche Impreſſa verwendet, davon
keinerjoder doch geringer Nutzen zu hoffen geweſen: Mit Kriegen ſich nicht übereilet
allgemach getrachtet Ä machen. So ſind faſt
bey allen vornehmen Impreſſen die Türckiſche Käiſer perſönlich mit und dabey gewe
ſen/ſozu ihrem Vorhaben nicht wenig beförderlich geweſen.
Folgetnun in dieſem Capitel von den angrenzenden Potentaten, was einer ü.
ber den andern im Krieg vor Vortheil habe und welcher dem andern überlegen
ſeye. - -
Erſtlich/gegen Aufgang grenzet der Türckiſche Käiſer mit dem Sof oder Kö
-

nigin Perſia von dem Geburge Curdiſtan flängſt dem Fluß Tigrist bißau Sinum
Perſicum, andas Perſiſcheenzetd
Meer.er - „. -.
Gegen Niederganggr Türckiſche Käiſer mit dem Scherif oder Moren
König von Feßund Marocco mit den Hiſpaniern und Venedigern.
&Ä Mitternachtgrenzet das Qttomauniſche Reich mit dem Haus Oeſter
reich mit der Cron Polen und Eircaſer Tartarn/ſo von ihren eigenen Fürſten von
Bollotocai/Beſutai Cabartaiund Cudoſcio/ſo alleans Schwarze Meergrenzen
geregieret werden.
Gegen Ä -

und Mittag/grenze das Türckiſche Reich mit den 4. Für


ſien in Georgia als den Dadiano/ Königin Mingrelia mit Curiel dem Fürſten
* PO!!
»FS (c) SZ
von Caballette/dem Mepe von Baſciuch/Fürſten von Jmerette/mit Temuras den
Fürſtendeß Cochetti und mit Auſtau/der Cartuler Fürſten.
Endlichen grenzen gegen Mittag mit dem Türcken 5 Fürſten in Arabia/ als der
Scherifvon Mecca/den Soldanen von Aden/Fartach undaſachſodaun mit Sech
ten von Ana. In Africa mit dem Regus aus Aethiopia (Prieſter oder Prero Jo
hann) mit dem Könige von Borno. Mit den Arabern in der Wüſten/unter welchen
die Scheten von Cuco/Segelmen und Biedulgeritdie vornehmſte ſeyn.
Mit dem Perſianerkrieget der Türckiſche Käiſer auſſer allem Zweiffel mit nicht
geringem Vortheil / wie ſolches die Erfahrung jederzeit bezeuget. Mahomet der
Andere/überwandte den Uſſun Caſſano/Selim der 1. Jſmael Soliman den Tam
mas/Amurath der 3/durch ſeine Hauptleut/Mahomet Codabeno / und zu unſerer
Zeit/hat Amurath der 4. den letztverſtorbenen Scian Sofi/auch aus dem Feld ge
ſchlagen und überwunden. Den Vortheil/ſo der Türck im Krieg gegenden Perſia
nern hat beſtehet im Fußvolck/vieler Munition
cfen/derer aller der # Ä Ä groſſer Stu
ianerermangelt/doch muß man geſtehen/daßwein vor wenig
Jahren zu unſerer Zeit/der dapffere Held König Abas/beydesdas Fußvolck (ſovou
den Georgianern/Circaſern und andern Chriſten/ausEuropaundAſiabeſtehet)und
dann auch das groß Geſchützbey ſelber Nation in uſo gebracht/und angefangen/ im
Krieg ſich derer zubedienenſdaß ſolches der Perſianiſchen Miria ein groſſer Vortheil
ſeye hergegen dem Türcken nicht zu geringem Schaden /Abbruch und Nachheilge
reicht. Es haben zwar die Perſianer dem Türcken etlich mal in unterſchiedlichen
Schlacßtenobgelegen/welches ſie einig und allein ihrer guten Reutereyzudancken/ha
ben ſie doch ungeacht deſſen nach und nach an Land und Gebiet Schaden gelitten und
| ihre beſte an Grenzenliegende Städte verlohren/das hat verurſacht/wein Anfangs
alle Ort unbeſetzt gelaſſen und um Beveſtigung ſolcher Städtſich wenig bekümmert.
Deme aber obgedachter König Abas auf Einrathen verſtändiger Chriſtlicher Fürs
ſten geholffen/wieſiedenn nunmehr auch anfangen ihre an Grenzen liegende Städte
zubeveſtigen/mit Munition/Proviant und andern Ä zuverſehen und mit
ſtarken Beſatzungenzuverſorgen. Es haben die Türcken auch uiekeinen Krieg wi
der Perſiengeführet/wenn ſie nicht zuvor gewuſt/daß die Perſianer unter ſich ſelbſtun
einig/oder wolgar von etlichen rebellirenden um Hülfferſücht worden. Als Selimus
ºn Muratbeg / Hoeems Sohn einem mächtigen Hernin Perſia: Solimannus
ward von Eleas König Tamans Bruder/um Beyſtand angerufen. Amurath der
nachdem er von # Baſſa von Ban verſtändigt / daß Ä der innerlichen
Kriege/ſo Iſmael wider ſeinen Bruder Aidere/und auch dieſem der König Mahomet
Codabend mit ſeinem Sohn Abas undden Turcomannen führete/in ganz Perſia al
esüber und übergiengelnahmer ſolche gute Gelegenheit infleiſſige Qbacht/ind hat
dem mit ſich ſelbſt Ä Königreich Perſia/diebeſte OrtundStädte in Georgia
Armenianebenſt der königlichen ReſidenzTauriseingenommen und endlichen zude.
verwickelten Zeitentnahme abermals Amuratder4.diegute/hme ſich praſentirende
Gelegenheit in acht,
E ij Und
«FG (S) SZ“
- Und wein damals zwar in Perſia alles ſtill und vereinigt; jedoch 1 weilm das
Königreich gegen Orient von dem mächtigen Mogole/aus Indien angegriffen / und
die berühmte Handels- und Grenz- Stadt Candahar belägert: Als unterlieſſe.de
Königin Perſia nicht/diß Ortsmüglichſten Widerſtand zu thun ſoihme auch gelun
gen. Weilnaber Amurath/beyſo beſchaffenen Dingen/gedachtes Königreich / m
grauſamer Heeres-Krafft allerleitsanfiele/er aber mit dem rechten Heer durch vor
mals ungebrauchte Weg durch die Wüſten Arabix /unverhofft vor Babylonia an
kommen ſelbe Stadt/nebenſtetlich andern Plätzen nach einer langwierigen koſtbare
Belägerung/ endlichen erobert/und das von Perſianern zum Entſatz geſamlete/ab
viel zu ſchwache Heer / aus dem Feld geſchlagen hatte: Dieſe Stadt war vom
tigen König Abbas unter deß Soldans Acomaths Regierung / wie auch andern viel
Ä
mehr entzogen worden. d

Die bißhero geführte Krieg zwiſchen beeden offtgemeldten Potentaten beze


gen/ daß nicht allein Perſia jederzeit mitſchlechtem Glück / wider das Ottomanniſche
Haus/Krieg gehabt, ſondern auch daß alle dero Bundsgenoſſen und Freunde/ſc
ihnen beyzuſtehen geſucht von den Türcken ebenmäſſig überwunden und theilsgar
ausgerottet worden. Die Soldanem in Egypten vermeinten / deß Selimi gegen
Ä habendes Glückzubrechen/wurden aber ſelbſten von ihmeangegriffen/über
wunden und ihr Stammgänzlich ausgetilget/und die ſo gewaltige/groſſe und her
liche Länder dem Türckiſchen Reich unterworffen. Amurath der 3. hat die mit Per
ſiäin Bündniß ſtehende Georgianer auch hart angegriffen. Undendlichen ſo hat
vor wenig Jahren Amurath der 4. die mit Perſia wider den Türckenvereinigte Völ,
tker/die Drußen in Sina/hart angefochten und geſchwächt: auch ihren vornehmſten
Oberſten ManogliFicardin umbringen laſſen.
Dißalles unangeſehen/wie vorgedacht/wein der dapffereKönigAbbas(vor deſſen
bloſſer Nennungſeines Namens die Türckenſich gefürchtet)beyden Perſen das Fuß
volckStück und anders zimlich in Gebrauch gebracht als iſt.ohnlaugbar daß ſolches
nicht dem Türckiſchen Reich zu groſſem Abbruch gereichet.
Gegen Niedergang grenzet mit dem Türckiſchen Reich der König von Spa
nien/dieſer beeder Potentaten Macht und Gewalt/war vor dieſem letzten und annoch
ſchwebenden Krieg faſt gleich. Und obwolder Türckiſche Käſerwegen übergroſſe
Mengeder Timariotten/mächtigerſohat hingegen Spanien ſoviel Ertra-Einkom,
mensdarunter La Crociata, ſo mehr als ein Königreich einträgt/was die Geiſtlichen
geben/davon können jährlich in 6o Galleenerhalten werden.
Uber das/ſoſeynd die Comenden der Ritter/die Montegia d' Alcantara, di
CalatravaediS, Jacomo-derer aller Großmeiſter der Königſeberiſt/will ſchweigen
der Anzahl Reuterey/ ſo Spanien in Friedenszeiten Ä ſowol derer, ſo be
Ä
MU W.
üter zu ſehen tragen / und im Krieg auf eignen Koſten dienen
-

An
A

„FIZ(S) er
Au Türckiſcher Seiten aber iſt zwar derer Reuterey ſo der Türck durch ihnen
verliehenen Timarierhält auch ein ſehr groſſe Anzahl / ſo ſind aber ſolche ſchlechte
Kriegsieut zudeme bleibens viel lieber zu-Haus als im Krieg/das verurſacht/wein
ſie meiſt trachten, wie ſie ſich und die ihren auf denenihnen verliehenen Timarimö
genbereichern. Uber das ſo iſt dieſe Reuterey/oder Timariotten von deuTürcki
chen Käiſern darum angeordnet damitwein in der Türckey/anallerley Secten Chr
ſten faſt um die Helffte mehr/als der Türcken/ſeyn ſolche durch dieſe hin und wider
in alle Provinzen vertheilte Timariotti / im Zaum gehalten / und aller beſorgender
Aufruhr in Zeiten gewehret werde. Deßwegen auch ſolche in keiner groſſen Anzahl
können zu Feld gebracht werden/ man wolte denn einer oder anderen Landſchafft zure
belliren Urſachgeben. .. 4 - , , - -

Es hat ſich auch in verwichener Zeit/ in allen denen Kriegen / ſo Spanien mit
dem Ottomanniſchen Haus geführet /eine groſſe Gleichheit deß Glucks verſpüren
laſſen. Die Spaniſche Armee wurde von den Türcken/bey der InſelZerbe in die
Flucht gejagt dargegen giengs der Türckiſchen über Malta nicht beſſer / haben die
Türcken die Veſtung Holletta und Stadt Thumiserobert hat hingegen Spanien die
faſt unüberwindliche Africaniſche Veſtung Pegnon & Veler erobert. Es hat die
Cron Spanien nie nichtshauptſächlichs wider den Türcken vorgenommen/auſſer der
einigen unglücklichen Belägerung der Stadt Algier / ſo vom Käiſer Carolo V. vor
genommen: herentgegen hat ſich beſagte Cron zu Malta und Oran in Barbaria
rühmlichen defendirt auch von der gewaltigen wider den Türckenbey Cucholarierhals
tenen See-Victori/nicht ein geringes Lobdavongetragen.
Offtgemelte Cron Spanien/hat ſich auch jeundallweg willig finden laſſen /
dem Türcken Abbruch zutun ſonderlich aber den Venedigern mit Hülſ bietender
«Handbeygeſprungen: und ſonderlich wider Bajazeth/Solimannum und Selimum
bey Beviſa, Lepanthound Zephalonia.
Wider die CronPortugalin Oſt-Indien hat der Türckiſche Käiſer vor Jah
ren groſſe Kriege ſonderlich auf dem Rothen Meer und Sinu Perſico, obwolmit
ſchlechtem Nutzen/geführtdieweilnaber aller Anfallzu Waſſerbeſchehen muß/haben
hieriun die Portugeſenvorm Türcken/einen nicht geringen Vortheil deßwegen ſie
auch jederzeit den Türcken mit dapfſerer Reſolution ſo begegnet daßſelbeanſtattder
Beute und Gewinns mit guten Stöſſen / und nicht weniger Verluſt abgefertigt./
nach Haushaben umkehren müſſen. Die Urſac iſt/daß/obwolnder Türckiſche
Käſer zu Sues am Rotheu Meer /ſo woln auch zu Balſora, am Sinu Perſico, ein
Arſenal hat laſſen aufbauen und anrichten ſo iſt doch das Landaufeinfernen Weg /
ſ deſſen zum Schiff-bauen tauglichen Holzgänzlichen mangelhafft und beraubt / de
rowegen hat man ſolch Heltzerſtlichen in Caramania müſſen abhauen und zimmern/
hernachmalnüber das Mittelmeer auf Alexandria/und ferner von dar/aufdem Nilo
nach Cairo bringen/allda ausladen/und auf Cameelen noch 3 Tage nach Sues brin
gen und tragenlaſſen, Deßgleichen iſt zu Balora
-
ºg ent» und hat alles HMolz
- «ZSZ(S)FSF
aufdenbeyden Flüſſen Euphrates und Tigris müſſen dahingeführet werden. Wann
denn die Schiffe mit groſſer Beſchwerdundlanger Zeit gebauet zu Waſſer gebracht
und endlich ausgerüſtet worden/hat es ihnen doch nochmalnam beſten nemlich angu
tenerfahrnen Schiff- und Steuerleuten gemangelt. Wann denn ſolcher Beſchwer
de auch geholfen/und alles fertig/haben ſie doch nie nichts fruchtbarlichs auszurichten
vermocht. Wie denn die Erfahrung bezeuget/daß/als ſie Anno 1538. aus Anſtiff
ten Baduriodeß Königs zu Cambaja, die Ä Stadt und Veſtung Die
belägert / davor aber mit groſſem Verluſt abziehen müſſen. Dergleichen Auno
1552. vor Ormus, und Anno 1580. vor Mombaſa ingleichen geſchehen iſt. Anje
zo aber / weil Portugal von Spanien ſeparirt/ die Perſianer mit Hülffder Eugel.
länder Ormus erobert/und die Handlung nach Maſcate in Arabia verlegt: Als
möchte / da ſie ſolten angegriffen werden / nicht allzugroſſer Widerſtand geſche,
Heu.
Es grenzen aber auch mit dem Türcken die Venediger / welche ſo viel wiſſend,
für die berühmteſt und mächtigſte Reſpublica geachtet wird. Sind aber auſſer allem
- Zweiffel/ſonderlich zu Land viel zu ſchwach; zu Waſſer wären ſie ihme/mit allerley gu
ten Schiffen/nicht allein gleich, ſondern auch wolüberlegen/ wenn es ihnen nicht an
Volck mangelte ſolche auszurüſten/und zu beſetzen. Dieſer Reſpublica entzogen
die Türckiſche Käiſer viel mächtige Provinzen und Städte. Amurath der 2. erober
te Morea, Bajazeth, entzog ihnen Albania, theils Dalmatia, die Stadt Salonich und
Inſel Negrºponte. Selim der 2. die InſelCypern/der noch lebende Ibrahim thut
ſein beſtes/ihnen Candiawegzunehmen. Dieſe mehrgemelte Reſpublica/obſie wo
viel Laudes verlohren / jedoch hat ſolche noch jederzeit ein dapffern Ernſt in denen
Ä
orget.
ſehen laſſen/zu Friedenszeit aber/mit guter Beveſtigung/ihre Grenze ver
Endlichen grenzet gegen Niedergang in Dalmatia / mit dem Türckiſcßen Käi.
ſer/die Reſpublica Raguſa, dieſer Gebiete iſt längſt deß Adriatiſchen Meers/von der
Pen-Inſula Stagno biß an Golfo di Carraro, und weiln ihre Landſchafft allenthal
ben von deß Türckiſchen Käiſers umringt/auch ſie einem gewaltigen Hern/ſich zu
widerſetzen (obwoldie Stadt und Ä auſſer der Stadt/das Fort S. Lau
Ä
rent und Neue Werck/zimlich beveſtigt) viel zu als bezahlen ſie dem Türcken
einen jährlichen Tribut/ſind deßwegen durchs ganze Ottomanniſche Gebiet zollfrey
und leben in gutem Fried. -

Gegen Niedergang und Mitternacht grenzet mit den Türcken das Köbliche
Haus Oeſterreich von dem Carpatiſchen Gebürge/ſo Poln und Ungern voueinan
der ſcheidet/bißandie am Golfo di Venetiá liegende Stadt Zeng. Wegen eines ſo
mächtigen Feindes/und der ſoweitläuftigen und breiten Grentzen/muß wolgedachtes
«Haus jederzeit mehr denn 2oooo. Mann/zu Roß und Ä den Grenz- Ves
ſtungen erhalten, welche/zubeſolden nicht ein kleines koſten/ will geſchweigendeßſte
tigen unterhalten und verbeſſern der Gebäu in den Veſtungen/dadurch viel Einkom
NEU!
-

menſpendirt. Und ob ihnen zwar jezuweilneine Reichs. Hülffe beſchehen /


Hochgedachtes Haus gnugſam an denalten Grenzenzuerhalten gehabt. Mit Hül
#
Z deß Reichs aber ſo Fried im Teutſchland iſt auſſer allem Zweiffel, daß mehrgedachtes
Haus Oeſterreich ſ nicht allein gnugſamdefendiren/ſondern auch offenſivé Krieg
zu führen mächtig genug wäre / wie ſolches in verwichenen Zeiten gnugſam zuſehen
warſindeme Käiſer Maximilianus ein Kriegsheer in Ungern von 1ooooo, zu Fuß
und 35ooo. Reuternbeyſammhatte.
Es iſt aber bey dem Reich/daß ſolches nicht abſoluté, ſo unter dem Käiſer iſt.
g Derowegenbiß die Churfürſten und Stände dem Käiſer etwas verwilligen/gehet die
beſte Zeit vorüber. Zudem komt ſolche verſprochene Hülffſelten zuſammen./ſondern/
wann die eineim Anzug ſind iſt der andern Zeit gemeinglich vorüber. Anderer mehr
difficultäten/als vorbekant zugeſchweigen.
Gegen Mitternachtgrenzet mit dem Türcken die Cron Polen/welche Cron die
# Türcken am meiſten fürchten. Die Erfahrung bezeugts/daß in allen ihren Zügen
-
ſie wenig/wider #
Cron ausgerichtet/ und obwoln im Krieg den Johannes
Waiwod in der Moldau/wider den Türcken führte/König Heinrich ihme beyge
ſtanden und Hülff geleiſtet alſo auch König Sigismundus/und der Polniſche Cantz
ier Zamoßkius den Coſſaggen hat er doch nie wie ſonſtgewöhnlichen ſolchen Trutzzu
rächnenbegehrt. Vor wenigJahren wurdeder Türckiſche Käier Oßman/mit ſei
nem-Heerbeyder Veſtung Choeim/am Fluß Meſter in die Fluchtgejagt/wie etliche
f Jahr hernach ſelbeunter ihrem General Abaſſa Baſſa auch nicht eingeringe Nieder
Ä erlitten haben. Ä die Polen/ſeit Ä Ladislai Tod/nie keinen
offenſiv-Krieg wider die Türcken geführt, auch ihr Gebiet am Schwarzen Meer
ſamt dero Bundsgenoſſen denſelben in die Hände gerathen laſſen. Wozu nichtwenig
Urſachgeben, daß die Könige in Polen/ohne Bewilligung der Lands-Ständ/keine
Kriege Ä Wann ſolche zu einer Verſamlung beſchrieben/gehet indeſ
ſen/bißzu ihrer Zuſammenkunfftuud endlichen Schluß/die Ä vorüber. Zude
me ſo ſpendiren ſie in ſolchen ihren Verſamlungen ein groſſes Geld/ aufunnöchigen
Pracht/Zierrath-Kleidern und andern unnützen Unkoſten/daß ihnen/Krieg zu füh
ren/wenig/oder faſt nichts übrigbleibt. ---

Unter der Cron Polen Gebiet gehören auch die Coſſaggen/welches Volckdie
ſer Zeit nicht in geringemRuffiſt/dieweilnſe zu Land den Preeoper Tartarn/zu Waſ
ſer aber dem Türckeneinfallen/und nicht Ä thun.
Damit man etwas von dieſen Völckern wiſſe/werden ſolche nachfolgendkürz
lich beſchrieben.
Dieſe unter die Cron Polen gehörigeCoſſaggen/werden zum Unterſcheid an
derer an dem Fluß Don unter dem Moſcowiter wohnenden Zaporovienſer/o-
der Zaporiſter genant - ſolchen Nahmen haben ſie von dem Land / darinnen ſie
wohnen / welches ſich längſt deß Fluſſes Boriſthenis oder Nepers / biß Ä
f -
- «FSA(E)?&#"
Sad Kiowerſtrecken hufeinwüſtföd und unfruchtbar andTöeßwegen ſie auch 7
mehrertheils durch Rauben Stehlen und Plündern ihre Nahrung ſuchen. Der
König Stephanus Bachori hat ihnen die Stadt Theretinirovia / 10 Meilhinter
Kiow gelegen/geſchencket. Als nach dieſem ihrer von Tag zu Tag mehr und ſtärcker
worden/ Ä ihre Nachbarn/die Tartarn aus dem Land gejagt und ſich etlicher
kleiner Inſeln/ſoder Fluß Neper macht/erobert. Dahero ſie veranlaſſt worden
ihr Glück zu Waſſer auch zuverſuchen. Unter dieſen Inſeln wird die gröſte von ih
neu Tamakouka genant/alldaanjezotheis Coſſaggen wohnen die übrigen aber ob
wolim Land hin und wider zerſtreut/jedoch können ſie ſich gar baldvereinigen/ und ge
ſamter Hand einander Beyſandthun. --

Ein wenig über gedachter Inſel Tamakouka/thut der Fluß Boryſthenes einen
groſſen Fall/dabey zur Rechten die Stadt Corcicaligfundumringet dieſe Inſel. Es
thut aber gemelter Flußdergleichen 9 Abfälle. Deßwegen die Reuſſenden Ort Po
rohi nennen/dahero auchder Name/Zaporohi/Zaporoſchi/Zaporovienſ oder Zapo
riſchientſtanden. Vor dieſem aber wurden dieſe Coſſaggen Riſſovienſer genant/und
ſolcher Name kamher/vom Fluß Risſo durch Bohincialaufft. Von mehr bemels
ter Inſel Tamakouka/ſo 25 Teutſche Meiln vom Schwarzen Meer gelegen/ſind die
Coſſaggen auf dem Fluß Neper mit ihren Saichen (ſind leichte Schiff/deren ſie 4 in
Looarmiren können) herab gefahren/die am Schwarzen Meer ligende Städt und
Ort/mit raubenplündern/und andern/äuſſerſt verheeret/auch alle die Schiff/ deren
ſie Meiſter werden können/beraubet und mitgeführet/auch mehr denn einmal biß An
geſichts der Stadt Conſtantinopel hinan gefahren/dadurchingemelter Stadtuicht
wenig Schrecken und Tumults entſtanden. Deßwegen denn um dieſen Unheilzube
gegnen/die Türckenden Coſſaggen ihre Nachbarn die Tartaru ins Land geſchickt ſo
zwar etwas Schaden gethan. Weilnaber dieſe durch Zuſammenrottirung allerley
Volcksje länger je mehr ſich erſtreckt haben ſie der Tartarn Einfäll nicht erwarten
wollen/ſondern mit theils derhrigen./ihnen ſelbſtenins Land gefallen/undgegendie
ſelben ſich alſoverhaltenſdaß die Tartarnſich nicht mehr an ſie wagen wollen Änders
theils aber zu Waſſer/dem Türckiſchen an mehrgedachten mehr in Europa und Aſia
liegenden Gebiet ſo groſſen Uberlaſaugethan/daßdaheronicht wenig Zanck und Un
einigkeit zwiſchen den Türcken und Poleu entſtanden iſt. Und obwoln der Türckiſche
Käſer ſich bemühet/ihnen vermittelſ etlicher am Fluß Reper erbauten Veſtuugen
Ä Ä doch ſolches bißdato noch wenig # /in dem offtgenuelte
zU
Coſſaggen ihr gewöhnliches Streiffen und Beutenannoch ſtarck continuiren.
Es grentzet auch gegen Mitternacht mit dem Ottomanniſchen Reich der Pro
coper Tartarn Ä welcher das Mittmächtige Theil/der Peninſul, Tanrica Cher
ſoneſusbeſitzt welches von dem/gegen Mittag gelegenen und dem Türcken zuſtändi
gen Theil durch ein langes Gebirg unterſchieden wird. Auf dem erſten Land beherts
ſet er die zwiſchen den becden Flüſſen Don und Neper gelegene Landſchafft Chrim.
Es iſt aber gemeltes Taurica Cherſoneſus, faſt ganz mit dem Meer umringet 7 und
* - - P!!!'
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ºf nur durch einen ſchmalen Iſhmum ansveſte Land angchengef7begreiffin Umkre
14o Teutſche Meilen. Seiner Städte werden 6 Ä Ä am Meer / #
zim Land liegen. Die am Meer ſind: Caffa Balucholava/ Giüslevi und Cier
che/oder Vorſpero/die im Landgelegene ſind Achemokit/oder Precop/und Bacca
n ſaria(alldº der Tartarn Chan ſeine Reſidenz hat)dieſe 3 als Caffa/die Hauptſtadt
alldader Türckiſche Stadthalter reſidirt Baluchelava/und Cierche/ſind unter dem
Ottomanniſchen Gewalt/die übrige 3 aber werden von mehrermeltem Tartar Chaa
g geregiert. Alle dieſe Städte ſeyn vor Jahren von den Genoveſern erbauet wor
dell.
Dieſer Fürſt iſtdeß Türckiſchen Käiſers Bunds-verwandter/und Auxiliarius,
E haben mit dem Türcken einerley Glauben und Religion kanbey 5oooo. Mann/alle
ZU Ä mit Hülffe der benachbarten Tartarn/vietein mehrersthun. Maſſen
ſ er/Annor561 in7oooo.ſtarck dem Moſcowitter ins Land gefallen die Haupſtadt
Moſkauerobert und abbrandte/wie er nachmals im Jahr/15 69 in8oooo.ſtarckeben
e mäſſig verſuchet hat. Er vermag aber keinen wichtigen Krieg zucontinuiren/ſen
M dernbefleiſſigen ſich allermeiſt aufunverſehene Einfäll/Rauben und Plündern. Zu
deme/ſo iſt der Turckiſche Käiſerfaßabſolut Herüber ſolche Tartarn/indemer/nach
i
l
Belieben in Erwählung eines # procedirt wie er denn zum öffterudergleichen
„HerznzuConſtantinopel und Rhodisgefangen hält.
Unfern von erſtbeſchriebener Taurica Cherſoneſo, etwas beſſer gegen Mitter
nach und dem Polo Arctico wohnen an dem Fluß Tanaisoder Don/andre Ceſag
enſwelche von jetztbemeltem Flußdie Donenſer genant werden/gehören unter Mo
# und fahren mit ihren Saichen beſagten Fluß herab, über den Meotiſchen
ſº
See durch den Strerrod Caffains Schwarze Meerfalldaſe mit den vorgedacß
ten Saporickernconjungiren und geſamter Hand gar groſſen Schaden Ä
Vor
wenigJphren Ä dieVeſtung AzofoderAſiach (ebendader FlußDonin den
MeotiſchenSeekomt) welche Veſtung der Käiſer Ibrahim/nach einer langwierigen
Belägerung/und groſſen Verluſt wieder erobert hat...
Esgrenzen auch mit dem Türckiſchen # auf der andern Seiten deß offeges
dachten Meeotiſchen Seesin Aſa / die Circaſſer / welcher Kandchaſſt angſt dem
Schwarzen Meer in 1oo Teutſche Mein/Landwerts aber in 40 ſolcher Meln der
Breitenach/bißau das mächtigehohe GebürgCaucuſ ſich erſtrecket/ward vor Jahs
ren Albania genennek. - - - - - -

Dieſe Circaſer ſind ein ſehr wohl proportionirt Bolck/alfo/daßmaudavor


k/wenig Nationen in der Welt ihnen in ſolchen gleichen werden und ſind ſonderlicß,
bre Weiber und Jungfrauen ſo ſchöner Geſtalt/daß derentwegen die meiſte unter deß
ärcken/ und anderer vornehmer Hern Weiber / aus dieſer LandsArt ſind.
pſſere ſtarcke und herzhaffte Kriegsleut/ Ä die vor
Ä gehabte Mamalucken alle von dieſer Nation
Sprac ſo iſt das Land mit Bergen undanden
F alſo
«FSF(e)DF
alſo verwahrtTdaß ſie faſt beyihrer alten Freyheit ſich annoch erhalten dienen je
- # im Ä Ä Ä bald dem Türcken / bald dem Perſianer und
Dieſeofftbemeldte Circaffer haben ihre eigene Fürſten/denen ſie unterthänig
oſcowiter.
Moſc - - -

ſind. Der vornehmſte unter denſelbeniſtder Fürſt von Cremuch/welcher mehr denn
goe.o. Pferd ins Feld zurüſten vermag. Der andere nach thme/ iſt der mächtige
Her: Scian Gherowelcher ſein Volck mit der Precoper und Nogajer Tartarncon
jüngirt/undſämtlichen aufsrauben und ſtehlen ausziehen ſonderlich aber denen da
ſelbſt vorüberreiſenden Caravanen/Kaufficitten fleiſſig aufpaſſen. Die übrige ſind
jetztbeyeltenbeyden faſt gleich.
Ä Ponto Euxino oder Schwarzen Meer an dem Strotto diCaffa, allwo
ſich der Meotiſche Set/durch ein Ausgang4Mein breit in jetztgemeltes Meer er
gieſſt/ligt die Stadt und Veſtung Damon in Aſta / ſo von den Genoveſern erbaut
##
und beſeſſen jetzt aber deß Türcken iſt alldafanget ſich die Circaſſiſche MU /
und etwas ferners gegen Aufgang angedachtem Meer / ligt Tamarucha / ſö auch
eine ſchlechte Türckiſche Veſtung iſt. Das daherumliegende Land wird von zweyen
Circaſſiſchen Herren geregiert. Deren der eine Chorkan Bey/der ander aber Scian
Ban Bey heiſſt.
Es iſt dieſes Land allenthalben gar fruchtbar/und wegen der viel und mancherley
Bäume überaus luſtig/aber Ä am Meer unbewohnt und ſolches aus Forcht der
- Coſſaggen und Türcken/ſo zum öffterndaſelbſt anlenden und was ſie erdapper mit
ſich davon führen. In dieſer Gegne/fället der Fluß Pixiins Meer wird zubeyden
Seiten von den Nogajer Tartaru wegen Bequemlichkeit deß Waſſers und guter
Weide/bewohnt. Dieſe haben ihre Häuſer auf Kärren mit 2 Rädern/ damit ſie ſol
che/wohin ſie wollen ſchieben und fortführen können. -

Aulangenddie andere Circaſſiſche Herºn/derer Gebiet ſich noch längſtdeß Meers


erſtreckt, ſo iſt erſtlich der Fürſt von Balleteciſo ein Herz über 12 Dörffer die aus
Forcht der mehrgedachten Nogajer Tartarn/alle mit Bäumen verſchanzt und mit
einer ſtetigen Wacht verſehenſeyn.
Dasmächtige Geſchlecht Gehre/beherſchet die Provinz Beſenal und Cabartai/
die beyde Brüder Sancaſſo und Caſſino/haben unter ihrem Gewalt die Landſchafft
Cudoſſejo am Schwarzen Meer ober den Port Chilinchicheliman. Alle dieſe am
Meer wohnende Bölcker/leben ohnalle Gerechtigkeit und Policey/begeben ſich auf.
rauben und ſtehlen. - - Y.

Es finden ſich aber über vorbemelte gegen Aufgang an beſagten Ponto Lucci
Änoch dieſe nachfolgende Meer-Porten/als: Cuaglia Timogoßcia / Scianbeſua/
Ehiſſaja/ Mamecalaſoce/Rabento/und Camiſeela/ſind aber alle nicht allein gar
keinendern Ä gefährlich. Das Land um dieſe Gegene iſt ganz unfruchtbarvol
er Gehölz und Wädeſündendet ſich hier Circaſſa an welches baſſijÄ
- dieſe
-- (E)-- --

dieſe am Schwarzen Meer wohnende Eircaſſiſche Heran / werden von dem Türcken
ſehr geplaget/welchem ſie und ihre Weiber im Krieg dienen müſſen, und vergleichen
ſie hierinn/denen ſo berühmten Amazoniſchen Weibern/ welcher Königin Reſidenz
in der Stadt Termiſcira am Fluß Termödonte/ in Cappadocia/ und alſo unſern
Ä Circaſſa geweſen iſt/wie ſolches beyTrogo Pompejo und Juſtino mit mehrern zu
binden.
So dieſe Circaſſier vereinigt wären (ſie ſind aber faſt ſtetigs mit innerlicher
Zwitracht behafftet) könten ſie mehr denn 3oooo. Pferd ins Feld rüſten und dem
Türcken in ſelbiger Refer/zu Land und Waſſer nicht geringen Schadenthun,
Vorheroiſt gedacht worden/daßlängſt dem Geſtaden deß Schwarzen Meers/
die Provinz Abazamit Circaſſia grentzet / welches ein ſehr ſchönes und fruchtbares
Kand/iſt ſehr Waſſerreich/und voller Wildes hat einen geſunden Lufft/Landwerts/
iſts mit Bergen und Wälden alſo verwahret/daß ſolches/alsein unüberwindliche Ve
ſtung das Land vor allem feindlichen Einfall bewahren/am Meer begreiſſts; o Teut
ſcher Mei/in die Länge. Es ſind dieſe Abaſſier ſehr gute Reuter/und S Ä dar
neben ein ſolch arm Voickſdaß ſich einer dem andern für Schlavenverkaufſt/ſind zwar
Chriſten/aber nur mit dem Namen/ſonſten beſtehet ihr meiſte Kunſthierinnen/daß
ſie Ä den andern daſelbſtherum wohnenden Nationen/aufrauben und ſtehlenher
UM ziehen.
Ihre Dörffer am Schwarzen Meer/dieweil ſie keine Städte haben/ſind Arde
lari/Giechileri Candelari und Borgionda/ſoeinen Meer-Port hat. In der Kirchen
daſelbſt häugeteiue groſſe Glocken/ſoetwas ungewöhnliches in Orientiſt. Der Fürſt
über dieſen Theil deß Landesheiſſet Carobey. Y

Im andern Theil Abaſſia/ligen am Meer nachfolgende Ort: Soucheſow/Aga


zeda/und Eſchſumonſo auch ein Ä Der Fürſt über diß letzern Theil
iſt Putodeß Dadiani Königs in Mingrelia Freund. Dieſe Abaſſier insgeſamt weil
ſie aller Schiffart beraubt/als können ſie dem Türcken ſchlechten Schadenthuu... Jh
rer viel werden von demſelben zu Schlaven weggeführet. -

Es greutet auch mit dem Türckiſchen Käſer / überobbeſchriebene Länder am


Schwarzen Meer/die Provinz oder Königreich Mingrelia wird von Abaza/durcß
ein hohes Gebürg unterſchieden. -

Dißandiſtallenthalben gar fruchtbaar und luſtig / wird aber wegen der Inn
wohner Träg- und Faulheit ſchlechtgebauet/der Lufft iſt aufm Gebürge gar geſund
auf der Ebnen aber ſtets ueblicht. Unter den Ä ſind die vom Adel den
Kriegsweſen alſo ergeben/daßſie faſt ſtetigs zu Pferde bleiben / auf welcheu ſie auch
hanthiren und eſſen.
Fi Ihre
- Z(3)?SF- -

Ihre Wohnung ſind von Holtz hin und wider zerſtreuet/je eines Armbruſt
ſcßußweit voneinander. Am Meer haben ſie s keine Veſtungen/im Landhinundwi
der vielſteinerne Thürn. Sonſten ins gemein ſind die Innwohner ſehr unfreundlich
und tyranniſch/alſo gar/daß zum öfftern die Vätter ihre eigene Kinder dem Türcken
zu Schaven verkauffen. Sommer und Winterregnets faſt aneinander/deßwegen /
weiln das Land zu Getreidig nicht ſonders tragbar als begeben ſich die Innwohner auf
die Jagt/weiudas ganze Land deß Wildes als Hirſchen/Rehe/wilde Schwein/Bä
ren Tigerthier/Biber wilden Geißvoll iſt. Ihre Weiber (wie beyden Circaſſiert,
auch erwehnet)ziehengleichsfalls mit in Krieg. Es hat im Landkein Münz/ſondern
aller Ä wird durch tauſchen verrichtet. Bey den Alten und in den Poetiſchen
Schrifftenſ dieſes Land berühmt/unter dem Namen Colchis, ſonderlich wegen
deßFluſſes haſs, deſ Güldenen Fluſſes/ſowolauch wegen deßberühmten Königs
Oetis und ſeiner Tochter Medea,
Heut zu Tag wird Mingrelia in 2 Theil abgetheit/ den einen Theilregiert der
Ä Curiel den andern aber gemelter Dadiano/beyde ſind aus der Zahl der Fürſten
in Georgia.
Vor Jahren regierte Simon Chan in Curiel/ward aber von ſeinem Nachbarn
dem Dadiano verjagt / welcher an ſeine ſtatt ſeinen eignen Bruder / ſo Geiſtlichen
Stands und Patriarch über ganz Georgia/einſetzete. So hat auch mehrgedachter
Dadiano/vor wenig Ä zuvor nach Ä Landſchafft Abatza/ihm
unterwürfig gemacht. Es erſtrecket ſich aber Mingrelia nach Längdeß Schwarzen
Meersbey SMein. Seine vornehmſte Oerter ſind: Scurica oder Scorcia/(deß
Fürſten Re )Giugia/Marvilla/Curia/Pailoſan und Ricori an welchen letz
ender Fürſt ſeine Schatzkammer und Zeughaus hat. Wie etliche Hiſtorien melden/
ſoÄ ſich daſelbſteinſö groſſerküpferer Keſſelſdaß 30 Ochſen auf einmal darinnen
mögengekochet werden. Jenſeitdeß Fluſſes Rhion/welcher Mingrelia von Giorgia
Ä einem groſſem Dorf/Landulfſo genant/in einem Thurn/hat vorgemeſter
eiſtlicher Ä Patriarch ſeine Ä und iſt das Haupt 14 Biſchoffen /
ſo ſich in der 4 Georgianer Fürſten Gebiet befinden,
uunſern Zeieen iſt der Dadiano nicht allein Her über Mingrelia/ſondern wie
doegedacht hat er ihme den Fürſten Curiel auch unterworffen, welcher die Provinz
Ä regiert welcke mit der Landſchafft Laziundder Türckiſchen VeſtungGonia
am Schwarzen Meer im Käſerchum Trapezunt gelegen grenzet.
Dieſer Firſthatſeinen Namen von ſeiner Reſidenz/ſo auch Curielheiſſ/erzeigt
ſich jederzeit als ein Freund der Türcken/deßwegen der Dadiano/ſojederzeit es mit
Perſia gehalten dieſer oder anderer Urſachen halber überzogen und aus dem Land
verjagt /deßgleichen dem Mepe oder Fürſten von Baſſaciuch widerfahren deſſen
Kandihme mehrgemelter Dadiano zugeeignet/deßwegen er nunmehr gar leichtlichen
mehr denn oöoo. Reuterſeitel wohlgeübt Volck ins Feld rüſtenkan. Uber das ſo
iſt ſein ganzes Land/mitüberhohem Gebürg alſo beſchloſſen/daß er ſich gar nicht we
gen
«Fs (S)FSF
gendeß Türcken zu befahren/herentgegen/weilner aller Schiffart beraubt 7kaner
demſelben auch wenig Abbruch thun.
Endlich grenzet auch gegen Ä# mit dem Ottomanniſchen Reich / die
Völcker/ſo das alte Iberiambewohnen. Dieſe werden von den Reuſſen insgeſamt
Gruſini von denTürckenCurcioder Gurgini/ſonſten aber gemeiniglich von SGeor
gio/ihrem Patron und Schutzhern Georgianer genant. Diß Landgrenzet eines
Theils mit der Provinz Lazi/auf der andernSeitenaber mit Dagisdanda/igt zwi
ſchendem Schwarzen und Caſpiſchen Meer mit dem berühmten Gebürge Caucaſ/
jetzt Tauri iſt es alſoverwahrt/daßes faſt unüberwindlich/und nur durch etliche enge
Clauſſen ins Land zukommen iſt. Innwendig aber iſts voller ſchöner Thäler und
fruchtbarer Ebenen: --

Unter andern hohen Bergen deſſen das Landvolliſiſtſonderlich das ſehr hohe
Gebürg Brus/von den Perſianern aber Albarus genant/aufwelches Höhe man ein
gut Theil Georgia und Armenia überſehen kan/zu Ende dieſes Gebirgsſentſpringt
der Fluß Pin/von den Alten Cious/von Perſianern Curgenant/daſelbſt ligt die erſte
Perſiſche Grenz-Veſung Achoſha/undfängt ſich hier die Provinz Teimurian/wel
cher auch unter die Zahl der 4 in Georgiaregierenden Fürſten gehört.“
Mitten zwiſchen dem höchſten Gebürge ſind 4ſtarcke Brucken unfern davon
ligt die Stadt Gori war vorzeitendeß Teniruni Reſidenz/nachdem aber vor wenig
Jahren die Perſianer ſich derſelben bemächtigt/ haben ſie eine ſtarcke Veſtung dahin
gebaut/und ihren Stadthalter dahin verordnet.
Tifflis/war vorzeiten Ä ein Fürſtliche Reſidenznachdeme aber ſelbe vom Tür
cken eingenommen/haben ſie ſolche Stadt gewaltig beveſtigt / und lange Zeit innge
habt/bißſelbezu unſerer Zeit/von den Perſianern/ nach einer langen Belägerung
ºz. ſamt der Veſtung erobert worden. - -

Ä iſt Ä feine Stadt Gengeoder Cangia aber iſt viel gröſſer und
luſtiger. Jenſeitdeß Fluſſes Aras (Araxis) beym Gebürge Caradaghe/ſcheiden ſich
die Georgianer von den Perſianern. Es wird heutiges Tags ganz Georgia in drey
groſſe Provinzen abgeheilt als daſinddie Cartuli/Lachetti und Jmoretti,
Die beyde Provinzen der Cartuli und Lachetti/regierte vor Jahren Teimuras.
Indem er aber jederzeit allzu gut Türckiſcherzeigt/als iſt er von den Perſianern
überzogen, welche ihme nicht allein die ganze Provinz der Carfuli entzogen ſoudern
auch ſeine Reſidenz-Stadt Gori und Tifbis eroberten/dahin anſtatt TemiuridenRu
ſtan Chan/ihren Freund/zum Fürſten und Stadthalter einſetzten/welcher zwar von
Geburt ein Georgianer / von ihnen aber zueinem Mamelucken und Menegaten ge
macht worden iſt. /

Als Teimuras beſagter maſſen/verjaget worden/floheer über das hohe Gebürg


Calcaradaghe/und blieb allein Fürſt über die Provinz Cachetti/welcße/wein ſie alleut
haben mit faſt unerſte Ä beſchloſſener ſich hiedurchbeydes drß Perſia
Ä -
freyete, F ii
!
Der
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«HSS(S)Te?- -

Der Mepe von Baſaciuch Fürſt der Imeretti hat ſeinen Namen vom Fürſt
lichen PalatioundReſidenz Baſaciuchgrenzet gegen Mitternacht mit den Völckern
Seani/ welche in Gebrauch behalten daß ſie den Gelehrteſten unter ihnen zum Kö
nige erwählen. Es hat aber vor Jahren Georgia ſeine eigene Könige gehabt
welche in der Stadt Teflis reſidirt haben. Nach dero Abſterben / iſt die Regie
rung dieſer Provinz etlich mal verwechſelt / biß das Land endlichen in offtgemelte
vier Fürſteuthüme abgetheilet worden unter welchen Teflis das Ä iſt.
Vor wenig Jahren regierte zu Teflis der Fürſt Cuarſab/ welchem das Land
und dieſe Veſtung vom Türcken eingeraumet worden - dieſer ward vom Perſiſchen
König Abasbelägert. Und als er ſich 1 aus Hungersnoth gedrungen ergeben
muſte) ward Ä in Perſia verſendet daſelbſten aber/nach etlicher Zeit be
ſchuldigter Rebellionhalber hingerichtet.
Ä beſſer gienge es dazumal der mächtigen Fürſtin Ketewanf mehrbemelter
Teimuri Mutter/welche neben andern Urſachen auch endlichen/um ihrer Chriſtlicßen
Bekenntniß willen/iſt ums Leben gebracht worden.
Als König Abas den Cuar abgefänglichen in Perſia geſandt / machte er an deſ
ſen Stellezwey Stadthalter den Bagno Mizranach deſſen Tod/den Simon Chan.
Nachdeme aber damals Teimuras das Land wiedererobert /von vorbeſagten König
Abas aufs neue verjagt wurde/machte ſelbiger hierauf den Ruſtan Chan hinwieder
um zu ſeinem Stadthalter. -

Von jetztbeſchriebenen 4 Georgiauer Fürſten/regieren 2 in Mingrelia/und


2 in Georgia Teimuras/Curiel/ſo wolauch der Mepe von Balaciuch haben es je
derzeit mit dem Türcken gehalten: Der Dadiano aber als der 4 und mächtigſte /
iſt nicht allein jederzeit der Perſianer Freund geblieben / ſondern auch der Curiel
und Mepe von Baſaciuch faſt gänzlichen unterworfen. Die Perſianer aber hal
ten den Ruſtan Chan in Gori. „ So beſitzen auch noch ſeit der Zeit Amurathis
# dritten die Türcken an den Grentzen Georgia / und Armenia / die Veſtung
grs.
So dieſeoffterwehnte Georgianer vereinigt/könten ſolche auſſer allem Zweiffel
mehr denn 1ooooo-Manneitelgut Fußvolck ausrüſten. Sie ſeyn zwar der Chriſt
licen Religion zugethan/haben jedoch viel Irºthum / davon bey den Hiſtoricis ein
mehrers zu finden: -

. . Gegen Mittag grenzen mit den Türcken im Reich Arabia nachfolgende fünf
Fürſten. Der erſteift der Scherifvon Mecca/ſeine Herzſchafft erſtrecke ſich über
theils deßwüſten und fruchtbaren Arabia/am Rothen Meer aber beſitzt er die Stadt
und Port Gidda oder Ziden/ allda alle über Meer nach Meccawallfahrende Pil.
gram ausſteigen/undobwol dieſer Fürſt/von jetztbetagten Pilgrament ſehr viel Ge
ſchenckelund von den Zöllen ein anſehliches bekomtiſter jedoch jederzeit arm/dieweils
erſtetigs/wider die Arabier Bedwin zu Feld liegen muß / wäre auch von denſelben
vor langſt aus dem Land vertrieben worden, wann ihme nicht ſeine Nachbarn/die
Araber

-
".

- „FS (Hº)? -
Araber von Helal Saad und Podheit wie auch die mächtige Geſchlecht von Modlag
und Modhar (welche ihn in hohen Ehrenhaiten) mit ſtetiger Hilfſbeyſtünden/wider
den Türckën aber vermag er nichts zu thun/ſondern derſelbe mag mit ihme nach Be
liticu diſpotiren.
Der ander Arabiſche Fürſt/ſomit dem Türckengrenzet iſt der Soldan von Aden.
Dieſer Fürſtbeherrſchet auch nebenſt vielen andern Orten in Giamen (Arabia felice)
die mächtige Stadt Sana und Almacharaua. Im Jahr 1 38. eroberte der Türcki
ſche Käſer Solyman durch einen ſeiner Baſſa die Stadt Aden mit Verrätherey/
wurde aber ſeinen Sohn Selim/von deme damals regierenden Soldan Muater/wie
der abgenommen, doch mußer dem Turcken Tributgeben.
Der dritte in Arabia mit dem Türckengrenzende Fürſt iſt der Soldan von Far
tach/welcher nebenſt der Hauptſtadt gleiches Namens und mehr andern Orten auch
die Städte Eael/Dualfar und Norbatte beherrſchet. In dieſer Gegend wächſet der
Weirauch in ſo groſſer Menge/daß ſelber die Schiffe zupichenverbrauchet wird. Die
ſer Soldan/oberwol ein mächtiger Herz/undeindapfferes Volckregiert/jedocß weil
ſich die Turcken wenig vor ihm fürchten/er auch denſelben Widerſtand zuthun/ſich zu
wenig befindet/as mußer denſelben einen jährlichen Tribut bezahlen.
Der vierdte Fürſt /ſoin Arabia an das Ottomanniſche Gebiet grenzet iſt der
Soldan von Caſachſein Gebiet ſtöſſet an das Perſiſche Meer/unddie Stadt Cariſa/
ſeinen Urſprung hat er von mächtigem Geſchlecht Bengebri welcher Herſchafft mehr
denn 18o Teutſcher Meilen in Umkreißhat. Ob ſelbezwar faſt mit Perſia grenzen/
ſind ſie doch jederzeit gegen ſelbige Cronin Feindſchafftgeſtanden/hergegen den Tür
cken mit jährlichen Praſenten als ihren Herzn/beſchencket. In dieſes Fürſten Gebiet/
werden die beſten Pferd in ganz Orient gefunden.
Der fünfte und letzte Fürſt/ſo in Arabia mit dem Türckengrenzet/iſt der Schecke
oder Emir von Ana/ſein Gebiet erſtrecket ſich von der Stadt Caeſa längſt an das -
Perſiſche Meer und die Gegend, da die beyde Flüſſe Euphrates und Tigris indaſſelb
hineinlaufen. Sein meiſtes Landligtödundundungebauet. So iſt ſeiner Untertha
nenbeſte-Handchierung/diedaſelbſt furuber paſſirende Kauffeut anzufallen und zu
berauben. Jezuweilen aber den Turckiſchen Käiſer mit Geſchencken/als ſeinen Ober
heran/verehret und erkennet. - -

In Aſricagrenzet mit dem Türckiſchen Käiſer der Negus von Abaſſia/ſonſten


gemeinigtich Prieſter Johann genaut. Dieſer Her: rühmet ſeinen Urſprung von
Salomone dem König Iſrael und deſſen Sohn Menilech/ welchen er mit der Köni
gin von Saba und Aethiopia erzeuget hat. Sein und ſeiner Unterthanen Religion
anlangend ſo ſind ſie zwar Chriſten halten jedoch das Alt und Neue Teſtament die
Tauſſund Beſchneidung den Sabath und Sonntag mit mehr anderu Gebräuchen
davon in dieſen-Hiſtorien mit mehrern zu leſen.
Gedachter Her: ob er zwar viel und groſſe / auch fruchtbare Königreicß
ſ
beherzſchet/ſo iſt er doch an Macht/dem Türcken nicht zu vergleicßen.
-
*: Uk
- «S(o). - -

in derſelbe mit wohlerfahrnen Hauptleuten Soldaten. Geſchütz und Munition


Ä allem zum Krieg dienlichen Vorrath weit übertrifft. Uber das/fo iſt
ſein Land offen/hat keine oder doch gar wenig Veſtungen / welce/ aus Angeben der
Portugeſen vor wenig Zeiterbauet worden. An Geſchütz und Munition hat er zwar
durch jetztbeſagte Portugeſen auch etwas erlanget und in uſum gebracht ſo aber zu ei
nem rechten Krieg nicht erklecklich. Volcks genug wäre vorhanden / es mangelt aber
an Rüſtungenf ſolches zubewehren / an Kriegserfahrnen Capitänen und guter
Kriegs-Diſciplin. Doch iſt das Land/theilsOrten und andeuGrenzen mit ſehr hohem
Geburg und öden Wüſteneyen verwahrt. Vor Jahren überfielen die Türcken ſein
am Rothen Meer habendes Gebiet/bemächtigten ſich der Meer-Städte Ercoco und
Suacßem/bezwangen den Barnagaſſo (iſt mehrgedachtes Potentaten Stadthalter
in ſelbiger Gegend und hat ſeinen Namen von den Land alſo genant) daß er den Fried
von ihmekauffen/undjährlichen 1ooo UnzGoldesentrichten und bezahlen muß.
jetzigen Zeiten darff ſich der GroßTürck/vor jetztbemelten Potentaten/ nocß
weniger förchten dieweiln vor wenig Jahren die ſtreitbare Völcker Gali/ſo unglau
bige Heyden/ihme die Königreiche FatigarundAugote abgedrungen/daß alſo der da
mals regierende Sueßneos und ſein Sohn Faciatas ſo jetzt das Regiment beſitzek/
ſehr hiedurchÄ worden. . . -

Gegen Egypten/grenzen auch mit dem Türckiſchen Käiſer die Bölcker deß Lan
des Rubia/welche vor Jahren Chriſten geweſen, nun aber mehrentheils Mahometa
uer worden ſind das Land iſt reich an Gold/ Helfenbein und Hebenholtz/hat eine ein
zige Stadt Dangallidas übrigeſeyneitel Dörſſer.
Die Völckerin jetztbeſchriebener Landſchaft Nubia/vermögen nicht dem Tür
cken einigen Schaden zuzufügen/wann ſolche nicht durch die groſſe Einöden und ſandi
ge Äwären verhindert worden wäre dieſe Provinz ſchon längſten in ihren Ge
BglfgerºthéN.
nAfricagreutzetauch mit dem Türckiſchen Reich der König von Borno/ſein
Gebiet wird vom Ottomanniſchen/durcß die groſſe Wüſten Barca in welcher vor
Jahren der berühmte Tempel Jovis Ammonisgeſtandenunterſchieden/dieſer König
iſt auch ein Mahometaner unter ſeinem Gebiet iſt unter andern der vornehme Her
von Tongobutto.
Das Königreich Berno/iſtheils ſehr bergicht/allda es von Hirtenbewohnet/
theilsauceben/allda es voller Dörffer iſt. Die Innwohner leben gar bürgerlich/
bauenviel Getreidig/ſonderlich aber den Hirß. So hat dißand an allen nothwen
digen Dingen keinen Mangel. Deßwegen ein groſſe Anzahl fremder Kauffieutſcß
dahinfinden. Im Krieg brauchen ſie lange Wurffſpieß und Pfeil/ſind alle zu Roß.
So erhält der König ſtetigs3ooo. fremder Pferd / kan aber ſonſten in 1ooooo.
Mann zu Feldbringen. Oberwoleinreicher Potentat iſt/ſo beſchweret er doch die
Jºuwohner mit keiner Schatzung als dem Zehendender Früchte. Im Landeat es
zvornehme Städte Borno und Apeno/ und iſt dieſes Königreich vor Jahren Ä
I
«HSH(H)Sß
den berühmten Völkern den Garamantis beherrſcher worden. Der Türck haſs
vor jetztgedachtem König wenig zu beſürchten noch er hergegen vor dem Türcken
dieweiln die zwiſchen den Grenzen gelegene grauſame Wüſten nicht zulaſſen/daß einer
dem andern mit Krieg anzugreiffen vermag. Ihr meiſte Kunſt iſt rauben/ſtehlen/
und andre angrenzende Bölcker gefangenzunehmen/welche ſie nachmals gegenPfer
de vertauſchen, ---
Ju Barbaria grenzet mit dem Türckiſchen Käiſer der Schecke von Carvano/
at ſeinen Namen von der Stadt Carvanalwelche Stadt wegen der in groſſer Meng
ch daſelbſt befindenden Mahometiſchen Cacithi oder Pfaffendero Studien/ſowo
wegen der gewaltigen Wallfahrt und der in groſſer Anzahl täglich daſelbſt hinwal
lenden Pilgramen/ dieſer Orten ſehr Ä und vor eine heilige Stadt gehalten
wird. Dieſer Fürſt/weilner ein ſchlechtes Land/ und von geringer Macht/kau dem
Türcken ſchlechten und wenigen Schadenthun.
Der Fürſt oder Schecke von Hados beherrſchet zwar kein ſonders berühmtes
Land. Sein Volck iſt unter allen das ſtreitbarſte und deßTürckengröſter Feind/be
krieget faſt jährlich die Landſchaft Bugia/ welche auch durch das ſtete Streiffen und
Plündern faſt gar öde und verlaſſen iſt. 4

Der Fürſt und Schecke von Euco/hatauck dieſer Orten ſein Gebietkanmehr
denn 3oooo. Mann ins Feldrüſen mit welchen zum öfftern das ganze Königreich
Thunis durchſtreiſſet/nun aber neben den andern in Frieden ſtehet.
Die Fürſten/oder Schecken von Segelmeſſe und Biledulgerit/grentzen in Afri
ca auch mit den Türcken. Deß Schecken von Segelmeſſe Gebiet/hat mehr denn 7o
Teutſcher Meilnin Umkreiß und in demſelben mehr denn 3oo beſchloſſene Fecken.
vermag in 3 cooo mit Hilffder andern 2 aber mehr denn 6oooo. Mann ins Feld
zurüſten. Die Türcken fürchten ſich wenig vor dieſen 3 Herren/ dieweiln ſie aller
Kriegs-Diſciplin unerfahren und ſich Ä auf den Raub und vorüberrei
ſende Handelsleut zuplündern begeben. - -

. Endlichen grenzet auch in Africa mit dem Türckiſchen Reich der groſſe Scheriff
König zu Feßund Marocco.
Dieſem Potentaten iſt zwar angeſehen deß Türcken in Africa beſitzende groſſe
Landſchafften der Größnach überlegen dagegeubeſitzet dieſer # ein viel reichers/
fruchtbaresbeſſer vereinigtes/Volckreiches und wegen deſ Gebürgs Atlantis viel
veſters und wohlbewahrtes Land. Es bleibenbeede Potentaten um eine zimlicße Zeit
gegeneinander ſonder Zweiffel aus Furchtdeß Ä in Spania/welcher nicht allein
ein Nachbar/ſondern Ä Barbaria und deß Ä
Gebiet/etliche vornehme
undhoch importirende Platz und Veſungebeſitzet. Doch haben die Türcken in ber
wichenem ſeculo, dieſes Scherifs Vorfahren das Königreich Tremiſſen entzsgen.
Sogckte es auch vor Jahren dem Sala Rais geweſenen Türckiſchen ViceR zu
Algier/daß er indememit jetztgemeltem Scherifgeſührten Kriegſdgardiegen allge
Hauptſtadt Feßeroberte und endlich ausplünderte. -
Sonſten iſt dieſer Fürſtſehr mächtig an Volck/maſſen Jahr 1562. s- Y.
-Ä(H)S- -

FPörfugeſen vor Mazagan mehr denn2oºooo. Mann hatte und Abdimeech


hatte in ſeinem Heerwiderten König Sebaſtian aus Portugal/4oooo Pferd und
§oooo. zu Fuß die ihre täglice Beſoldung harcn/fo waren der freywilligen noch
eines ſo viel. Es mangelt aber dieſen Fürſten/ daß er nicht reich an Geld zu dem aucº
allenothwendige Sachen müſſen mitgeführet werden. Alſo dieſer und vieler ande
rer Urſachen halben / keine groſſe Armada über 2 in 3ooo. im Feld zu halten ver
mag- Das v. Capitel.
Von denen Potentaten/ſo auf das Türckiſche Reich
zu praetendiren haben.
DUs vorhergehender/und im 4 Capitel abgetheilter Beſchreibung iſt kürtz
Flich jedoch mit Grund angedeutet worden / woher die Türcken anfänglich
entſprungen und wie ſie in weniger Zeit von geringen ſchlechten Stand/zuge
genwärtiger Gewalt / Macht und Hoheit gelanget/auch wie ſie alle jetziger Zeit beſi
zende Landſchafften/andern Herren und Potentaten abgenommen und entzogenha
hen. Folgt nun in dieſem Capite/was vor Königreiche Provinzen und Städte/ein
jeder Potentat/ſowoChriſtliche/ als andere mit Warheit und Recht/von deme ſo
mag. Ottomaniſchen Reich pratendrenkönne. - -

rſtlich der Königin Hiſpania könte ihm/mit Fug und Recht/die Beſitzung
deß ganzen Griechiſchen Käiſerthuns zueignen. Denn als Ferdinandus König in
Spanien/undKäiſer Carldeß FünftenMutter Anher/annochregierte/hat ſelbigen
Andreas Paleologus/Thomas deß Deſpoten in Morea Sohnſünddeſſelben Grie
iſchen Käiſers Conſtantini Paleologi Bruder/für ſich und ſeine Erben/gedachten
erdinandum und ſeine Erben/zu Griechiſchen Käiſern declarrt / und ſeines Käi
erthums Succeſſion, demſelben geſchencket/welches Recht auf die jetzige Spaniſche
Könige fället.
Gedachter Königin Spanien/kan auch mit Recht ſeine Praerenſiones auf die
Königreiche Thunis und Tremiſſen in Barbarienthuu/ welche beede Käiſer Carl
der Verobert und eine Zeit in poſſeſs gehabt davon aber jetziger Zeit anders nichts/
als die Stadt Oran/undden Port Marzalchibir/beedeim Ä 1 ſo9. von Petre
Navarroerobertbeſtzenthut. Wieingleichen auf die Landſchafft Bugia und Alger
welche ebenmäſſig vom Haus Spanien eine Zeit beſeſſen/demſelben aber von Jornuc
cio Baſſa ſeiteutzogen worden. - - P -

Der AllerChriſtlichſte Königin Franckreich/kan mit allem Recht das berühmte


Königreich Egyptenprºtendirn und ſolches nicht allein wegen deßgewaltigen Heer
zugs Ä Ludwigs / und Eroberung der mächtigen Stadt Damiatta ſondern
auch dieweil Balduinus der 3. und Almerich/beede Könige zu Jeruſalem/Fuleonis
deß Grafen von Aniou Söhne bemeltes Königreich nach einem langen gefährlichen .
Kriege/ſomit den Soldanel/Oargan/Siracone undSaladino/deßwegen sº
- U
«S2(Hº)2è?" --

endlichen ſamt der mächtigen Stadt Alcaireroler Tund das erſte mal in der Chriſten
Gewalt gebracht haben. Gemelten Könige/gebuhret auch von Rechtswegen das
Fürſtenthum Autiochia/und Herſchafft Tripoliin Syria/ weilu ſolche von 2 Köni
gen aus Franckreich/ 2 mal nacheinander ſind erobert worden. Wie ingleichen die
Grafſchaft Edeſſa / jenſeits deß Fluſſes Euphratis, welche das Edle Geſchlecht der
ſ: Joccini aus Franckreich bürtig/eine geraume Zeit beherrſchet hat.
Solte man genauſüchen/ſo wurde ſich finden / daß Franckreich den gröſten Zu
ſpruch/unter allen Chriſtlichen Potentaten zu Natolia Ä würde / weiln von den
Franzoſen die meiſte Provinzen zu unterſchiedlichen malen/injeztbeſagtem Natolia
oder kein Aſia/ſindeingenommen und erobert worden.
Den Venedigern gebühretmizdem Recht die StadtSaloniche gröſte
Theil von der Pen-Inſula Morea, die Inſel Negroponte, ganz Albania, theils Dal
macia, undendlichen auch die Inſel Cypern/welche alle ſie ehmals beſeſſen./ihnen aber
nach und nach/durch überſetzten Gewaltabgetrungen worden.
Den Genoveſern gebühret ingeichen die Inſel Chio, ſo dem Edlen Geſchlecht
der Juſtinianorum. Die in Metreine, ſo den Cataluſſi, beyden Burgern zu Geno
va/angehöret/denſelben aber von Türckenentzogen worden / wie iugleicßen die Inſel
Tenedo, die Stadt Pera und Caffa/ſamt dem gröſten TheilTaurica Cherſoneſi, ſo
alleszuvor unter dieſer Republic Gewalt geweſen,
Dem Haus Oeſterreich iſt das ganz Königreich Ungern/ſamt Croatien und
Boſnienſo König Matthias Corvinus, darzueinverleibt/ohn alles diſputirn zuſtän
dig und ſolches wegen der Königin Anna Ferdinand/Römiſchen Königs Gemahl/
ſodeßletztumkommenen Ungeriſchen Königs Ludwigs Schweſter geweſen. -

Die Cron Polen praerendirt die Walachey und Moldau/über welche beede Pro
vinzenehe ſolche vom Türckenerobert ſie Lehenher geweſen iſt.
Die Circaſſiſche Fürſten in Aſia/prrtendirn diejenige Ort ſo der Türck an -
ÄÄ
nehmſte ſeyn.
inhält./darunter die beede Veſtungen Daman und Tamarucha die vor
- - ":

- Die Georgianer praetendirn diejenige Ort /ſoder Türck an den Grenzen Ar


menix noch beſitzet darunter die Veſtung Chars zuförderſt gehöret.
Die Perſianer prºtendºrn die Kandchafft Diarbeck und Caldarſo zwiſchen den
beeden Flüſſen Euphratis und Tigris gelegen/ſamt mehr andern an der Grentz gelege
nen Städten und Veſtungen. .
- Der Negusaus Abaſſia/denmangemeimiglich Prieſter Johannnennet/prse
rendirt dasjenige Gebiet und Städte/ſoam Rothen Meer gelegen/und ihme vom
Türcken abgedrungen worden/ darunter nachfolgende Meer-Städte: als Ercoco /
Suaten/Matzua/Docone/und Dalaoca/die vornehmſte ſeyn. -

Endlichen, ſo kam auch der Königin Spanien (weiches oben zu melden vergeſſen
worden) mit Fug und Recht das Königreich Jeruſalem praetendirn, neben andern
auch wegen deſ Zuſpruchsſodie Könige in Sicilien zugedachtem Königreich haben
dann Friederich aus Schwäbiſchen Geblüt/und Königin
; -
Fºniº
l r“ . . ."
«Fs (Es) ºß
in Feige Wand/nachdem er mit nicht geringer Gefahr /endlichen den SodanCordi.
rio geſchlagen und gänzlich aus dem Land vertrieben/hat er die Stadt Jeruſalem für
ſich und ſeine Nachkommen erobert und eingenommen.
Das VI. Capitel.
wie und welcher Geſtalt eine allgemeine Verbündniß
zu Beförderung deſ Untergangs / und gänglicher Aus
rottung deſ Türckiſchen Reichs könte getroffen
- - werden. -

SEO fernes GOttes unendlicher Barmherzigkeit gefiele/unsChriſten und


ſonderlich unſerm geliebten Vaterland Teutſcher Nation ſowoln allen übri
gen/aunoch mitKrieg erfüllten/Chriſtlichen Königreichen/aus vätterlicher
Güte/den von männiglichen mit Seufzen wünſchenden Frieden zu ſchmecken und
uns/nachſolang ausgeſtandenem Elend wieder mit Chriſtlicher allgemeiner Ruhe
und Einigkeit zu beſchencken: Könte nachfolgende Verbündniß/zuendlicher Ausrot
tung deßſolangflorirten/allzugewaltigen Türckiſchen Reichsgemachtgeſchoſſeu/
und mit Göttlichem Beyſtand endlich auch glücklich vollzogen werden. Es ſollen aber
alle diejenigendaferu ſie wollen/daß ihre Ä preſſa, und beſchloſſeneKrieg
auch einerwünſchten Ausſchlaggewinne / aufnachfolgende 3 Puncten/Achtung ha
ben: 1. Ob nemlich der vorhabende Krieg/ mit Recht/ könne geführt. z. Ob das
Vermögeu und erheiſchende Mittel dazu beyhanden/ oder geſchafft werden mögen.
Und denn 3. Obeiniger Uberſchuß und Nutze daraus erlanget werden möge.
Dieſe Ligam oder Verbündnißzumachengedenckenwirbillich zum erſten/derje
nigen Potentaten und Herzn/ſo ſich auſſer allem Zweiffel/mit in dieſelbebegeben und
einlaſſen würden/zuvörderſt aber diejenige ſo einige Macht aufdem Meer habey Und
ihren Theilzu einer völligen See-Armadaausrüſten können.
Der Erſteindieſer Verbündnißwäre Ihr Päpſtl.Heiligkeit, welche über die 6
Galeernſo ſie ſtetigs erhält/noch 6audereKriegs-Schiffe faſt ohnBeſchwerd/auszu
rüſten vermöchte daraufin 27óo. Soldaten vonnöthen ſeynd.
Der AllerChriſtlichſte Königin Franckreich (daſerner # -

in dieſe Ligam mit


eintretten wolte)ober wol/wegendeß Tituls und habender Macht/ viel ein mehrers
hierzuvermöchte/könte Ä Beſchwerd29 Galleern/und40 Kriegs-Schiffar
miren/daraufbey Food Soldaten gehörig wären.
- Der Catholiſche Königin Spanien vermöchte/ſonders einiger Difficultät/in
3o Galeernund 30 Kriegs-Schiffzudieſer Verbündniß herzugeben/daraufdeunin
14.ooo. Soldaten(ehne die Ruderer)kommen würden.
Die Herzſchafft Venedig (ſo alleinbißdato/wider den Türcken/in 1ooGa
eern/8Galliozen und in 40 Kriegs-Schiff erhält) könteſodaun gar leicht 36Ga
Ä«emººs- die Puderer/in7000 Soldaten "#
ZUH, Die
HSF(H) e.“
Die Herzſchäfft GenovºTwürde in Ausrüſtung TSGaleern und Z Galozen
ſich zu dieſer impreſla willig erfinden laſſen / darauf ſeynd vonnöthen 2yoo Sol
daken.
Der Groß Herzog von Florenz/zu Beförderung der Chriſtlichen Äf
würdegantz gerne ſeine 6 Galeern und 2 Galliozen/ſoer ſtets unterhält./mit obbeſag
tenvereinigen/daraufkommen 2oco. Soldaten. -, -

Die Maltheſer Ritter würden ſich auch allzeit mit ihren 6 Galeern/und 1ooo.
Soldaten/in guter Bereitſchaft findenlaſſen.
Die andere Italiäniſche Fürſten/ſonicßt an das Meergrenzen/als: die Her
zogen von Savoja / Mantua Parma und Modena/könken ſämtlichen gar leicht
25 Kriegs-Schiffarmiren und unterhalten./darauf in75oo. Soldaten vonnöthen
ild,
Beſtünde alſo dieſe Chriſtliche Ä Armee/in
Ä darunter I 14. Galeern/1o I. Kriegs-Schiff/2ooe. Soldaten/und 223.
Gallionen/ und 6 Galleas
zeU wären.
So dieſe # Schiff-Macht/mit gehörigerMunition und nothdürff
-

tiger Proviant verſehen wird/wäre ſolche nicht allein genugſam/deß Türcken Hec
muth zu dämpfen/ſondern auch ihn aller ſeiner Schiffahrt zuberauben / dieweil vor,
hinguugſam bekannt daß die Türckiſche Schiffund Galeern/an Güte und Stärcke
nicht mit den Chriſtlichen zu vergleichen. ie Ä bezeugts/daßfaſt in allen
u See geſchehenen Treffen die Occidentaliſche den Orientaliſchen angeſieget und ü
erlegen geweſen iſt. Unter den Alten allein derjenigen Schlacht/ ſo Käiſer Octa
vianus mit Marco Antonio gethan/davonin Römiſchen Hiſtorien ein Ä
finden: Unter den Jüngſten aber / das gewaltige See- Treffen bey Currolari/ die
zU

Türcken ſelbſtbekennen, daß nicht allein der Chriſten Schiffſtärcker/und zum Streit
# nd.
ſondern auch/daß ſelbige in denSchiffahrten weit beſſer, als ſie/erfahren
-

Die andern Potentaten und Fürſten/ſozu Land mit dem Türcken grenzen/und
Mittel haben/denſelben anzugreiffen/wenn ſie auch mit in dieſe Bündnißwoltenein
tretten/wären nachfolgende: , ..
Erſtlichen der Römiſche Käſer/und König in Ungern oder beſſerzuſagen/
das Haus Oeſterreich/wannſolches ſich von dem ſo langwirigen Krieg/in etwas er
holt/underquicketköntegar wo auch ohneinige Reichs-Hülſ/3ocóo. zu Fuß und
Fooo. Pferderhalten/wolte denn das Reich/und ſonderlich Chur Bayrn/auch hier
Ä. noch gar geringlicß in 1oooo. zu Fuß/und Fooo. Pſerdausgerü
ef VerdfU.
Die CronPolen/ſoder Zweck und vornehmſtes Abſehen in dieſer Bündniß/das
fernſelbe Ä hierinneinwilligen wolle/inmaſſen ſich die Könige Stephan Bathor/
Sigismundus und deſſen Nachkommen zu einem ſolchenöhlichen Vorhaben ſehr
willigerzeigt haben könte gedachte Cron ſich ſondergroſſe Beſchwerdmitin 6ecoè.
Pferden zu Feldhegehen,
-
„e- * * * * .
Uberdas/ſomanden Poiu./tueder Saporiſchker Coſſaggen/ mit einer jähr
lichen Steuer von 1ooo90. Cronenbeiftc wäre wurden ſie gar wolin Foo ihrer
Saichen armirenwasſehe damit für Scaden zu thun vermöchten/ das haben ſic be
reit ſchon etlich mal mit nicht geringem Abbruch deß Turcken erwieſen. -

- §Möſcowite (ſoferner auch mit in dieſe Ligam ſich begeben wolte) könke an
den Grenz endeß Türcken/ ſo woln der Precoper Tartarn/ mit in 6oooo. Pferden/
uicht gering en Schadenthun, -

Die Moſcowitiſche und Donenſer Coſſaggen würden auch nicht unterlaſſen/bey


ſo guter/für ſie begebender Gelegenheit/dem Türcken/und deſſen am Schwarzen Meer
liegenden Gebiet allen möglichen Schaden zuzufügen, welches ſie denn auch ungeheiſ
ſen/aus Hoffnung deſ Raubesthun. -

Der Oadiano/König in Mingrelia / oberwol-Her übereinarmes Land, ſo


gar/daß auch einer dem andern Ä die ſeinigen vor Schlaven erkauft/doch ſo fern
mau ihmein etwas behulff ich wäre / könte er 40. in oooo.gute Soldaten ausrü
/ damit dem Türcken an den Grentzen Trapizunde nit geringen Schaden zu
- Der jetzige König in Perſia iſt zwar noch ein
(l.
N! g s junger Her: dieweiln vor wenig

JahrenSchachSofider ſo gewaltigeFürſt/geſio beniſt/dochſoer auch in dieſe Bünd.


niß mit eintretten wolte (wie denn gar kein Zweiffel) denn obwolndie Perſauer auch
Mahometaner ſo ſind ſie doch bereitſ über 2oo Jahr iuſteter Feindſchafft mit den
Turcken/wie ſolche die groſſe isngwierige und blutige Krieg / ſo ſie miteinander inſol
cher Zeit geführet gnugſam ausweiſen/könte dieſer Potentat ſeines Orts/ohne Müz
He/mit Ä denn6oooo. Pferden den Türcken uberfallen und heimſuchen.
Der Negus aus Aethiopia oder Prieſter Johann/würde ſeines theils auch nicht
ĺ nen mit in
rtegeU.
oooo. Mann den Turcken auden Grenzeuangreiffen und
Obbeſchriebene Fürſten ſo zu Land den Türcken anzugreiffen/mit in dieſe Ligam
fretten würden hätten in allem 9ſooo. zu Fuß/und 17oooo. zu Pferd ohne die Ge
orgianerArmenier/Circaſſer/Abaſſier und andern Chriſtlichen Fürſten in Orient mit
dem Perſianer wären es 23oooo. -

Es iſt auch zu wiſſen, daß unter dem Ottomanniſchen Gebiet unterſchiedliche


Völckermeiſt Chriſten/wohnen/ſodeß TürckenTodfeind/wein ſie durchs ganze Tür
ckiſche Gebietzerſtreuetmeiſtes aber in hohemundfaſt uuuberwindlichemGebürgele
ben. Als Ä ſie ihre alte Freyheit und bleiben vom Türckenunangefochten die
wein unmüglich/ihnen in ſo vortheilhaffigen 1 und rauhen Bergen beyzukommen.
Unter dieſen nun ſind nachbeſchriebene die vornehmſte.
Die Albaneſer haben ihren Nameu von der Landſchafft Albania, ſind Graeci
ſchiſmº.ci bewohnen ein überaus gehes und rauhes Gebürg/beyder Stadt Da
„razo/bißans Adriatiſche Meer. Und weiln ſie mit unerſteiglichen Bergen beſchloß
ſen/alsleben ſie in Freyheit erbieten ſich 1 ſo man ihnen erfahrue Hauptleutverord.
Ret/
„HS(o) SF- - -

netein zooºo Mann auszurüſten und herzugeben könten auch dieſe Vöcferden
Türcken in Mitte ſeines Landes viel gröſſern Schadenthun/ als einig und anderer
Potentat an den Grenzen vermöchte. - -

Anden Grenzen Servix ligt das Gebürg Montenegro, wird theils von Chri
ſten Schiſmaticis bewohnt/welche in 72 Dorffſchafften abgetheit. Ihr Kanderſtrecket
ſich von Ritzanin 10 Teutſche Meil in die Läng biß faſt an Scutari, dieſe Völcker
ſinddeß Türcken Todfeind/erbieten ſich in sooo Mannzugeben.
Mit Albania grenzet das Geburg Cimara, ſo vor Alters Acroceraunigenen
net worden ſeine Junwohner ſind eindapfferes unverzagtes Volck/deß Türcken groſ
ſe Feind/werden insgemein Cimerort genant / von ihnen entſpringen die Aidoni,
Uſchochi, Morlacci, und Marteloſsi, Ä Ä Slavoniam, Albaniam,
und Boſniam, deßraubens und ſtehlens in Wäldeu behelfſen/jetztgedachte Cimerotti
erbieten ſich 24ooo.gute Soldaten herzugeben.
Die Bulgaren ſind auch Chriſten Schulmarici, bewohnen an den Grenzen Bul
garia ein ſehr hohes und veſtes Geburg/leben in Freyheit unter ihnen befinden ſicß
auch in7841 Catholiſche Seelen/ihr vornehmſter Ort war vor dieſem die Stadt
Oreta, offerirnetlich 1óoo. Mann/fo man dieſelbe mit Hauptleuten und nothwen-*
digen Gewehr verſehen wolte- -

In Mörea, welches die Alten Peloponeſºm nennten/bey dem Vorgebirg von


Ptolomeo Henaro genant/wohnen die Völcker Mairotti. Dieſe Völcker ſind auch
Chriſten/und Greciſchſmaric bewohnen ein überaus hohes und veſtes Gebürg
deßwegen ſie vorm Türcken wolſicher bleiben. Dieſes Gebürg wird von den Schiff
leuten wegen deß daranſtoſſenden Golfo, Bracio di Maina genant 1 ligt Angeſichts:
der Inſel Candia über haben in beſagtem Golfo am Meer den Port delloquaglie,
wegen der in groſſer Meng ſich daſelbſt befindenden Wachteln alſo genant/ſind vor
treffliche Schutzen/offerirn, ſo man ihnen helffen wolte/6ooo.gute Soldaten herzu
eben. - - - -

9 Die Wallachen und Moldauer / obwolndero Fürſten Ädem Türckiſchen


Käiſer/mit Tribut und andern Dienſten/verpflichtet ſeyn/würden ſie dochbey ſo guter
begebender Gelegenheit nicht unterlaſſen ihr Heil auch zu verſuchen maſſen ſie vor
Jahren/zuunterſchiedenen malen gnugſam erwieſen haben,
Ä im Centro, oder in Mitte deß Türckiſchen Reichs die Orußen.
Dieſe Völckernehmen ihren Urſprung/und ſind noch nbrig von den ſo genanten La
teiniſchen Chriſten/ welche Ä Zeiten Gottfrieds von Bullion ins Heilige Land gezos
gen/unddaſſelbe erobertha en ſind dapffere/ daurhaffte und verwegene Leut/deß Tür
cken Todfeindleben unter der Regierung ihrer eigenen Fürſten/ſo von Ä Emirae
nenne werden und wein ſie allenthalben mit Türcken und andern barbariſchen Vö
ckern umringet/auch mit niemand anders zu rhunals haben ſie deß Chriſtlichen Glau
bens faſt gar vergeſſen/ühreneinviehiſches und wildes Leben halten die Geſetze ihres
ſelbſter Ä Propheten Ismams trincken Wein wiedie Chriſten/ nehmeneigene
ihre
- FS(S) &#-
eigenTößer und Schweſtern zu Weibern. Sind ſonſtherzhaffte Leut/in ihrer Re
ligion ſehr eiſerig/zugroben Speiſen und harter Arbeit gewöhnt. In Kleidung gehen
# ÄE: alle Völcker/im Krieg brauchen ſie Rohr/Muſqueten Pfeil /
äbel und Cantzen. - - -

Dieſe Völcker bewohnen in Syria dasjenige Stuck Landes / ſo ſich längſt deß
Mittelländiſchen Meers/von Jaffabiß an Caeſarea ſich erſtrecket/und denn ferners ſo
gehet ihr Gebiet bißau Damaſco und den Urſprung deß Jordans/haken alſo in ih
rem Gewalt das ganze berühmte Gcbürge Libanon ſamt den Herzſchafften Cheiſe
ria, Arcam und Sur. Auf dem Gebürge haben ſie den Flecken Andera, allda ihr E
mir einer ſeine Reſident hat(Emir heiſſt ſo viel als ein Fürſtoder Herzog)
Ihnen folgen die Macademi/ſo ihre Agenten ſeyn im FleckenGaizireinander
Emir ſeine Wohnung hat. Mehr iſt unter ihrem Gebiet / das meiſte von der Herz
ſchafft Barutti und Anefu, wie aucß der Flecken Balbečt vorzeiten Caeſarea Philippi,
da nahend ihr Emir reſidirt. Unfern davon findet ſich der in ganz Syria berühmte
Brunn S. Barbarae.
Dieſe Drußen wurden zu den Zeiten deß Türckiſchen Käiſers Amurathis.deß
3. von ſeinem Obriſten Ibrahim Baſſa/mit mehr denn 2oooooMann angegriffen,
und ihnen aufs äuſſerſt zugeſetzt und ebſie wo damals zimlich geſchwächet worden./
haben docßdie Türcken mit ihrem groſſen Schadenhinwiederum ablaſſen und ſie nicht
völligbezwingen mögen. Vor wenig Jahren wurden ſievon Amurath dem 4:ä-
bermal mit geſamter Macht angefallen/allda ſie abermal an ihrer Freyheit Schaden
gelitten/auch ihren vornehmſten Oberſten/Manogli Ficardin, Emir zu Saida/ ein
gebüſt/welchemgemelter Türckiſcher Käiſerweilner ſich in Bündniß mit dem Perſia
uer begeben, auch den angrenzenden Türckiſchen Orten nicht wenig Schaden zugefü
get/den Kopfſabſchlagen laſſen. Dieſes alles ungeachteterbieten ſie ſich noch
maln/ſofern man ihuenhelffen wolte/mehr denn 3oooo. auser
leſene Soldaten herzugeben. -
Die Andere

Beſchreibung
SeßTürckiſchen Staatsßof-und Aeg
ments-Form/ſamt der Ordnung in Heerzügen/
Und Manier zu treffen;

Wie ſolche dem Käiſer


MAXIMILIANO I.
Hochlöblichſter Gedächtnißfürgetragen;
Aus dem Lateiniſchen
überſetzet.
-- .
-
TH höchſte Gewalt deß Türckiſchen Regiments ſteht beyeinem Für
ſtenallein: welchem alles unterworffenalle Einkunfften gehören 1 und
derkurzzuſagen einig und allein der Her!; die übrige aber alle nur Leib
eigene ſind und auf einen einigen Winck oder Blick dieſes tyranniſchen Herzen
reiche oder armetodte oder lebendige Creaturen. Adel und Stamm gelten
beyihnen nichts ausbenommen, daß dieſovondem Ottomanniſchem Haus zum
Regment kommen und diejenigenſo von dem Geblüt Mahometsſchherrech
nen etwas vor andern gereſpecttrt; wiewol darum im übrigen kein Haar deſto
mehr befordert werden dafernſienicht auch durch Tapfferkeit oder einige an
dere Ä ſich recommendiren. Denn wer am ſtreitbarſten der
wird für den edelſten gehalten; ſolte er auch eines Kühehrten Sohnſeyn: Wer
am männlichſten kämpfft; der bekommt den meiſten Soldund Gnadengelder:
wie hingegen die Forchtſamen Verzagten und Unvorſichtigen mit einem Hals
geſchmeid von Schafsdarmen beſchencket werden.
Sonſt wird das Reichdurchdreyerley Officirer oder Befehlhaber ver
waltet: unter denen die Veziersdicällererſten Ivornemſten und nechſten nach
dem Sultan. Diß ſind ſeine oberſten Räthel und ſitzen viermal in der We
chen auf dem Richterſtul aneinem Ort den man das Duyannennet: ument
weder den Abgeſandten der Nationen Anbringen oder der Leute Bittſchriften
aufzunehmen und ihrem Sultan zu hinterbringen. Imgleichen gelangen
hieher die Sachen darinnanden Sultan geappcllirt worden. Dieſer Stand
mußallezeit in vier Männern beſtehen: daher ſobald einer darausſtirbt gleich
ein andereranſeine Stelle kommt damit die Zahl allezeit vollundcompletſey.
Hiernechſt folgt der Stand der Zweymänner (oder der Duumvirat)
Beglerbeghigenant; nemlich die Oberſten über die Landpfleger darüberſiege
ſetzt. Ä Chargen oder Ehrenzämter deſto beſſerzuerkennen und unter
ſcheiden; ſteht zu wiſſen: daß das geſamte Türckiſche Reich ſamt allen ſeinen
Königreichen und Ländern in zwey Theilabgethcilet: nemlich in die Morgen
ländiſche; welche mit einem
mania genennt werden. Nahmen Narolia; und
"e«
Occidentaliſchel die Ro
Natolia iſt über den Helleſpont gelegen und begreifft Bithynien Aſien
Cappadocien/PaphlagoniamCariam AEoliam, Joniam, Lesbum, Smyr
nam. (Hiezumögen auch Egypten, Syrien Arabien und etliche African
ſche Ländergerechnet werden, ſo ſie nach der Hand erobert.) Allen und je
den ſolchen Ländern und Provincien ſeynd ihre gewiſſe Fänrich vorgeſtellet
ſo auf
KI (E) ##
ſo auf Türckiſth Sangiachen werden genennet: denen der Sultan die Macht
ertheletlinihren Landſchafften einen Fahnen aufzurichten. Die vornehmſten
Reſidenzen dieſer Sangiachen in Matolien ſind Amafia, Trapezonta, Ca
pha,Cheſtemoni,Burſa,Domuffi,oder Spteli, Sarchan, Caraman, Uſün
kaſla,Aydimnentes, Languri,Kermen,Enguri, Boliaſſiria,Engheri,&c.
Die Romania hält in ſich Thraciam, einen Theil von Siebenbürgen
und Ungarn l Dardanien l Albanien / Acarnaniam ! Macedonien. Raſ
ſiam,einStuckvomlllyrio,undandre mehr. Und ſelbige Provinzen werden
Ä /durch fünffundzwanzig Fahnjunckern oder Sangiachen; deren
Reſidenzen ſind: zu Callipoli Seres,Salönych,Negroponte Morea, Kilia, -
Nicapogliae,Bdyngh,Boſhaverbo,&c.&c.
Züden Zeiten Käſers Marimiliandeß I. waren alle Länder der Tür
cken in ein und ſechszig Provinzien abgethcilt: in deren jeglicher eine Anzahl
Kriegsleute unterhalten und dieſengewiſſe Aecker zugeeignet werden davon ſie
- Ä Der Beglerbeghenoder Oberſtenü
ber dieſe Preſidenten oder Sangiachen nun regiert einer in Matolien; der an
der in der Romania : und ſchlichten alles I wann irgendbey der Soldateſca
eine Mißhelligkeit entſtehetmagihrem Befehl auch von den Preſidenten nicht
widerſprochen werden. Und obzwar aller Kriegs-Einkünfften und Beſitzun
genAustheilung ſonſt allein dem Suldanzukommt;darff dennoch nichtsdeſto
weniger einjeder Beglerbegh, in ſeinen Provinzien wol eine Poſſeſſion von
5ooo. Aſpern (machen hoo. Ducatcn)zueignen/wem er will. -

Wird demnach durch dieſe dreyerley Obrigkeitliche Verwaltungen/


das ganze Reich gubermirt. Uber dieſeſind noch andre Befehlhaber: welche
nicht das Regiment handhaben; ſondern Recht und Billigkeit ohne welche
kein Reichlangkan beſtehen. Solche ſind die zweenoberſte Richter Peſcher
chadigchcſſen; einer in Matolienderanderin der Romania: welche alle Sa
chen richten ſowohl Rechts als peinliche ſo Appellationsweiſe an den Sul
dangelangt. Ja es können dieſe beede Richter auch ſogar einen von dem Tür
ckiſchen Käſer ergangenen Sentenz retračtiren und aufheben; dafern wider
das Mahometiſche Geſetz geſprochen worden: nmaſſen ſie alles nach dieſem
Geſetzbeurtheilen und zuden Suldan einen freyen Zugang haben. u dic
ſem Amt wird keiner gelaſſen erſey denn ein Türck von Geburt oder Muſel
mannund Beſchnittener. Der andre Magiſtrat nach dieſem wird Muchti,
oder Mufti benahmt; das iſt der höchſte Geſetz deuter : welcher wann einiger
Zweiffelüber irgendein Geſetzentſteht, ſolchen Fij1 Uhdine EÄ (UP
„RS(S)TS
darüber gibt: und zwar mit ſolchem Nachdruck Krafft und Gültigkeitſdaß
man davon weiter nicht darffappelliren
Nebendieſen haben ſie auch ihre Rechtserfahrne und Gelehrte (Mode
ris)die von ihneninallerhand Sachen und Fällenrahtbefragt werden. -Hers
nach die Thephterderi,das iſt die Rechnungs-Räthe oder Ober-Rentmeiſter:
deren einer überdie Rechnungenin Matolien der ander in der Romanialbeſtel
let: undiſt dieſes/beyihnen eine hohe Würde. Dieſe weichen nimmer von der
Käiſerlichen Hofſtatt; gleichwiedie obangedeutete Vezier-Baſſen oder Hohe
Staats-Räthe.
Weil wir dann jetzoder Rentmeiſter Meldung gethan; wollen wir fer
nerhinbeyfügen woher der Soldan ſeine ordentliche Einkunfften habe und wie
och ſich etwan die Summa derer belauffe. [ Verſtehe zuder Zeit da dieſe
Beſchreibung geſchehen.] -

Alle Jahr bekommt der Sudan aus der ganzen Summaller ſowohl
Chriſtlicher als Türckiſcher Häuſer und andrer Nationen I welche jährlich
ihr Gewiſſes Kopffgeldgeben: deſgleichen aus den Gold und Silbergruben
oder von Eiſen/Bleyundandern Metallgrüfften auch von den Müntz-Häu
ſernbeedesin Romania und Natolia:itemaus den Goldbergwercken in Che
ſtemoni, und aus den Alaun-Grubenin Natolien ä. Von den beyden Zöl
lenin Burſia: item von geſalzenen See und Strom-Fiſchen: von Natolt
ſchem und Romaniſchem Salz: von den Zehenden und allerley weidendem
Vich: von allerhand Früchten und andern Erd- Gewächſen: von Fähr
lohn und Kauffzöllenin Natolien und Romania ä.Item aus den Erbſchaff
ten der Verſtorbenen, wenn wegen Mangel anderer Erben die Güter an den
Käſer verfallen: deßgleichen von dem Tribut vieler Städt in der Romaney
und in Natolien; in allem ungefähr vierzigmal hunderttauſendGoldgulden.
Aber weil er über mancherley Völcker ſo unterſchiedlicher Sprache
ſind herſchee; müſſen auch der SchreiberundCanzlervielſeyn nach Vielheit
der Sprachen. Jedoch iſt unter ihnen einer der Ober-Cantzler.
Den Griechen und Italiänern ſchreiben ſie in Griechiſcher Sprach:
den Hungarn Moldauern und Wallachen. Sclavoniern und Raguſern in
Raſcianiſcher Schrifft: den TürcketSaracenen Perſern/Armeniern und
andern Nationen in Agiamiſcher Arabiſcher und Perſiſcher Sprach.
Der Siegel-Bewahrer deſ Käſers wird Nilancibaſtia genannt. Ein
jeglicher Oberrathund Vezieraber hat ſein beſondres Signet.
Hierncchſt wollen wir auchdelſoin dem Käiſerlichen Pallaſtaufwarten
- *
-
- - - Mit
– "Ä(8)*“ – -

mte wenigem berühren; Die Bagen und Diener deſ Sudans beſtehninlau
terminderjärigen Knaben; dazu die allerſchönſten/inder zarten Blüte ihrer Ju
C. gendausgeſondert und Spahioglani, Söhne der Edlengenennet auch zu uns
terſchiedlichen Dienſten gebrauchct werden. Etliche dienen zur Tafel tra
ſº gen Speiſeauf; andreſchenckenein: andre ſind Kämmerlinge andre Kleider
Warter. Sobald dieſe ihr mündiges Alter erreicht, ſteigen ſie zu höhern
Aemtern nach gerade hinauf. Dann viel unter ihnen werden zu Landpfle
gern oder Preſidenten gemacht nach Befindung ihrer Tugenden und Meri
ten. Jedoch wird der meiſte Theildarunter nacherlangten männlichen Jah
ren zur Leibhut dcß Suldansbeſtellet. Alſobehalten dieſe die ſich nicht ſtreit
M bar und rüſtiganlaſſenden Nahmen Spahioglani: die tapfern hingegen wer
den Soluphtuarii genannt. Wenn der Käiſer reiſet; iſt er allenthalben mit
dieſen Leib-trabanten umgeben. An der einen Seiten marchiren die Spahio
glani; derer ungefehr an der Zahl tauſendundſechshundert: auf der andern
die Soluphtuarii; derer bey die fünffhundert: und bekommen alleſämtlich th
ren gewiſſen Sold; ziehen auch täglich auf in den Käiſerlichen Pallaſt zur
Pracht und Zierrath deß Hofs.
Uber dieſe ſind noch andere groſſer Herren Söhnebeydieſebenzig: ſo
da Mutapharichiheiſſen und aller Bürden ſowolim Krieg alsam Hofbe
freyt:ohn allein wenn der Sudan ſelbſt zu Felde zeucht: demtalsdann müſſen
ſie auch ihre Kriegsdienſte um Ä Soldthun.
Der Soldan hat auch noch andre mehr Leibºvarternemlich die Sola
chen; welches die allererfahrmeſte Bogen-ſchützen uñd aus den Janitſcharn
ausgeleſen ſind und zu Fuß aufziehen mit kurzen Spieſlein ſamt Bogen und
Pfeilenſo zum Schußallzeit fertig werden gehalten: tragen auf dem Haupt
gerad aufſteigende weiſſe Bünde mit güldnen Strichen und aufgeſchürtzte
Kleider. Denn aüf der Reiſe ſind diß deß Käſers fürnemſte Leibzquardi
und weichen nimmer von ſeinem Pferde ab. Ihre Anzahl belaufft ſich auf
ſiebenhundert:hat ihre unterſchiedliche Hauptleute und beſtimmte Beſoldung.
Darfachwerden ausdenJanitſcharen die Türhüter und Pförtner ge
nommen und ſind dieſer dreyhundert: haben gleichfalls ihre Beſoldung. Wei
tergibtesdaſelbſt die ſo die Zelte und Hütten aufſchlagen und alles Hofgeräth
beſchicken: ſind gemeinglich in die ſechshundert ſtarck. Jngleichen allerley
Künſtler und Handwerckerlanfden Schmuck und Zierrath.deß Hofsverord
net: welche alle an der Käſerlichen Hofſtatt wie leibeigene Leute l leben/zä.
Imbraſali heiſſen diejenigen ſo die Fahnen - Segmenballa&dex
H if '

- - >
«Fs (S) SZ
Ober-Jägermeiſter. Viel andere Aemtergehe ich Kürze halber vorbry.
Weil wir nun von den Regierungs-Rähten Miniſtern und Leibwartern
deß Kaiſers gemeldet: iſt noch übrig von ihrer Art Soldaten und Kriegs- oder
Schlachtordnung etwas anzufügen. Die Soldaten ſindunterſchiedlich:
memlich Thimargi,Janitzari, Afäpiund Accangi; vonderer jedenabſonder
lich ſoll geſagt werden. Thimarciſind Kriegsleute ſo alle zu Pferde dienen
und von dem Käiſergewiſſezugeeignete Accker haben; alſo daß ein jeder ſich
mit vier verpanzerten Reiſigen davonkanerhalten: denn Thimar bedeutet
beyihnenlein Stück Ackers das fünff Soldaten ernähret von den Zehenden
welche die Unterthanender Provinzen von den Häuſern und allen Erdgewäch
ſenreichen müſſen. WiewolſolcheAecker nicht alle gleich: denn eskan unter
weilen einer in XX.XXX. und XL. TheilThimargetheilet unddoch von einem
beſeſſen werden. Nachdem aber das Land wenig oder vieltragen kan; dar
nachunterhält ein ſolcher Beſitzer auch mehr oder weniger Soldaten. Aller
ſolcher Kiegsäckerlgroſſer und kleiner werden inder Romaniaviertauſend-und
fünfhundert gezehlt: der davon lebenden Reiſigen aber zweyundzwanzig
tauſend und fünffhundert: In Natolia nach gleicher Zuſammenrechnung
fünftauſendundfünfhundert. Welche Thimaroder Ländereyen ingeſamt
beedesin Natolia und Romanialfunffzigtauſend Reuter geben die verordnete
Preſidentenoder Baſſenhaben und zum Kriegszugallſtets fertig ſtehen; aber
anders keine Lebensmittelweder aus beſchriebenen Aeckern empfangen.
Die andre Art der Soldateſca beſteht in Janitſaren: das lauter Fuß
gänger und deß Käiſers Söldner ſind;dcrhalben auch ſtets ſeyn müſſen, wo
der Käſeriſt. Von dieſen iſt der gröſſere Theil aus der Romania und von
Chriſtlichen Elterngeboren. Maſſen alle drey Jahr* durch die ganze Ro
maney Muſterung gehalten wird dabey die Kinder der Unterthanengenom
men 1 und in Natolien geſandt werden; um daſelbſt ſelbigein Türckiſcher
Sprachund Sitten zu unterrichten. Wann ſelbige nun zu ihremvölligen
Verſtand und Kräften gekommen und in Waffenweielichgeübt; werden die
Hurtigſten zu Fußknechten gemacht und zudeß Käiſers Leibguardi beſtellt:wel
che Leibguarde jederzeit neun oder zehcntauſendſtarck und von einem Haupt
mann oder Agacommendirt wird der in groſſem Ä Die aber unter ih
nen zum Krieg nicht ſondersgeſchickt thutmanindieVeſtungen und Schlöſ
ſerlzur Beſatzung: underſtreckenſich faſt aufdie XXXtauſend; müſſen ihrem
Dazdaroder Caſtellanen gehorchen und von dem deputirten sse lez
- f,
* 0limſc; nuncredimunturplerumg pecuniä. 4
FS(E)-- -

ben. Die Janitſaren aber ſind die beſte Stärcke und Schirm deß Käſers;
Äsen und ihn wider allen Aufruhr und Tumult zu ſchützen
t3bfft. -

Aſlapi ſeynd gemeine um Geld bedungene 1 nicht ſondersgeübteSolda


ten; theils zu Fußtheils zu Roß. Laſſen ſich auch zu Waſſer auf dem Meer
gebrauchen und bekommt einer deß Tages 5. Aſper. Dieſer Art Soldaten
ſ kan der Käiſer ſo viel annehmen, alsihm beliebt: weil es gemeine ſchlechteun
erfahrnel und weder in Schiff noch Feldſchlachtengeübte Leuteſind, mögen
auch dieſe Aſläpiſowol Chriſten als Türcken oder andre Volckerſeyn.
Accangi ſeynd Soldaten von der Fortun; haben weder Acker noch Mo
nat-Gelder: bringen von ihrem Raub und Beute dem Käiſer den fünfften
Theil: doch die ſich tapffer erzeigen werden endlich Thimarci, und allgemach
in einen höhern Kriegs-Standbcfordert. Andere ordinirendas Kriegsheer -
mit eiſernen Keulen ; geben acht daßeinjeder Soldat auf ſeiner Wacht und
Hutſtehe;gehenallezeitvor dem Soldatenher und machenihm Platz: werden
Zauſeigenennet:dererſndvierhundert und haben ihren Sold.
Uberdas ſind etliche von ganz ungewöhnlicher und Rieſen gleicher Stär
cke alſodaßſiewolfünffandre Männer beſtehenſolten Ideßhalben aucheinje
der fünff Männer Beſoldungeinnimmt: ſeyndgemeinlich zweyhundertander.
Zahl Belsli genannt. Gonili ſeynd die ſo in der Fecht- Kunſtgeübt und
mit unglaublicher Geſchwindigkeit ihre Lantzen / Pfeil und Sebclzu ſchwin
genwiſſen; dienen allezeit in die hundertundſechzigſtarck zu Pferde I umor
dentlichen Sold. Die Muſſelym befeſtigen die Plätze l das Lager I und
Streichwehren: haben täglich Ä Ä kommt allezeit der Vierdteſ
aus bcnamter Provinz I zu der Armee. Die Jayaaberſeyn Türcken ſo auf
ihren eigenen Koſten dienen und hingegen aller andren Beſchwernißentledigt
werden: ſaubern nebenſtdem vorbeſagtenMuſſelym, auch die Weg und Straſ
ſen. Die Sarahorißabendeß Tagesvom Käiſer4-Aſper: ſeyndgrobe Baurs
leute ſo dem Heer nachfolgen und allerhand Knechtiſche Arbeit und Dienſte
verrichten; gleichwie auch die vorgemeldte Muſſelym und Jaya.
Im bißher erzehlten allen Ä die Türckiſche Militie zu Lande. Die
Schiff-ArmeedeßTürckiſchen Käiſershält aufsallerhöchſtevierhundert Se
gel klein und groſſe Schiffe zuſammengerechnet; und darauf irgenddreiſſig
tauſend Mann: wird gemeinlich zu Conſtantinopel Micaonien Callipolis/
Negroponte und Valonaausgerüſtet: kanaberſonders viel nicht ausrichten
weil ſie gemeinlich mit groben Bauren-Geſindlein I ſo der Schiffart unerfah
- (N
aS (S) &#-
renſbeſezet. Der Ammtral iſt gemeinlich der Baſſa von Callipolis und alle
die darauf dienen, um gewiſſen Lohn bedungen I nachdem ſie unterſchiedene
Chargen und Aemter verſehen.
Jetzt haben wir den Magiſtrat / ſamt den Hoffbedienten auch den Un
terſcheid der Soldaten und die Macht zur See erkläret: laſt uns nun noch
beſchauen wie ſie ihr Lagerformiren; wann der Käiſer ſelbſtmitaufzeucht.
Zu dieſem Ende ſehen ſie ſichum nach einem Platz der für allenfeindlichen
Anfallſicher ihnen aber zum ausfallen ſehr vortheilhafft und bequem ſey: als
memlich irgend einen Berg Fluß I See- Pfützen oder Moraſt dadurch das
Lager verſichert werde: und nachdem ſie dieſes abgeſtochen oder gezeichnet; be
feſtigen ſie den Ort / mit einem tiefen Graben. Hinter dieſem ſtellen ſie viel
Spanniſche Reuter (die manandrer Orten Schweinsfedern nennet)hernach
- die Cameln mit Proviant und allerhand Geräht für das Lager beladen.
Hinter dieſe wird ein andrer kleinerer Graben gemacht und zu deſtomehrer
Verſicherung gleichfalls mit Pfälenringsbeſteckt: an welchem Ort die Sa
rahori / Jaya und Muſſelpm ſich lagern. Nach ſo vieler Befeſtigung/
ſchlagen die Fußknechtenemlich die Janitſaren ihre Zeltentnd Hüttenauf:
inderer Mitte der Käiſer ſelbſt mitobgedachten ſeinen Bagen und Aufwar
tern ſeine ſehr prächtige Gezelte hat. Zu beeden Seiten dieſes gleichſam
circulrunden Lagers erſtrecken ſich faſt wie ein halber Mond zween Spitzen
oder Flügel von Reutern gegen den Feind hervor. Indem einen Flügel
halten die Thimarcii/oder die ſo in der Romania Aecker beſitzen: indeman
dern diejenige ſo in Natolien welche haben. In dem vordern Theleines
jeglichen Flügelshält der Beglerbeghals der Oberſte über die andern Kriegs,
praeſidenten und Baſſen. In der Mitte dieſer Flügelaber werdenoberweh
te Leibwachtendeß Käſers nemlich dieSpahioglamISoluphtarn Zolachi
uudandere Hoffdiener geſtellet:hinter welche allerhandArt Kriegs-Geſchütze
und Stücke ſtehen.
Wann es an ein Treffen ſoll gehen; ſo mußderſelbeBeglerbegh I bcy
welches Gebiet Krieg geführt wird mit ſeinen Baſſen I den Streit anfan
gen. Begiebtsſichſdaß der Flügelſdener commendirtgetrennet wird oder unz
ten liegt; ſo muß ihn der ander Flügel ſecundiren. Zeucht dann auch dieſer den
Kürzern; ſo wird dieSchaar der Muſſelymangeführt und mit Canonenge
fochten: nachmals treffen die Leib-Regimenter: Zuallerletzt die Janitſaren,
welche ihrenSuldanin der Mitte zweyer Mondweiſeformirter Schlachtord
- nungen
-- «Fs (H);&#-
mungſtcllen; damit er nicht irgendfliehe/und durch ſeine Flucht dem ganzen
Kriegsheer eine Nicderlage verurſache. »-

Der Autor ſo dieſen Bericht dem Römiſchen Käiſer Maximiliano I. zu


geſchrieben; ſetzet folgende Worthinzu: Diß iſt was wir aus langerPeregri
nation genauer und fleiſſiger Nachforſchungl von der Bewamtniß deß Türs
ckiſchen Regiments in Erfahrung gebracht: maſſen unſre Stadt Raguß die
mit den Türcken grätzet / viel mit den Türcken handelt und umgehet; daher
es uns an Gelegenheit alles zuerkündigen nicht ermangelt. Und zwar ha
benan E. Käiſerlichen Majeſtät wir dieſeslohn einigen Wort-Schmuckund
Redner-Pracht mit nidriger Red-Artgeſchrieben: nicht der Türcken Macht
und Gewalt dadurchzuerheben noch Eurer Majeſtät damit einen Schrecken
einzujagen; ſondern vielmehr und Sonnenklarzuerweiſen, wann die
Chriſten bißher die Macht deß Türcken unpaſſionirt und vernünfftig
- hätten erwogen I daßes mit dieſer würde geſchehen und ſolº
che wol zu brechenſeyn ä.

- -
3 D
E- - - - THO...
«ÄSE E) SZ“

Die Dritte

Beſchreibung/ Oder
Verzeichniſ der vornehmſten Aemter
bey der Ottomanniſchen Porten,
Je Bedrnteder Ottomanniſchen Porten haben ihre Verrichtungen
theils in dem Serraliooder (Saraſo) theilsauſſerdemſelben
Inwendigwarten aufCapiAga (oder Capi Agaſ) der Capitain
bey der Porten. Oda Baſſil der oberſte Kämmerling und Hauptmann
übcr die Jzoglanen im Sarayo. Dieſe Jzoglani ſeynd Knaben ſo vom
achten Jahr ihres Alters an biß an das zwanzigſte für den Sultan im
Sarayo auferzogen und unterhalten werden und auf allerhand Weiß unter
richtet nemlich in Sachen dazu man ſie tauglich befindet; inſonderheit aber
imleſen, ſchreibenſchieſſen und reiten: dazubringt man ihnen eine kurze Ver
faſſung der Mahumetiſchen Geſetze bey. ChaſnadarBaſi: der Ober-Schatz
meiſter. Klezi Baſſi: Ober- Hoffmeiſter. Serai Dar Agaſiloder Sez
ra Baſſi Oberſter Verwalter oder Oberburgravdeß Käſerlichen Pala
ſtes in Abweſenheit deß Sultans.
Und dieſe zwar alle ſind Verſchnittene oder Eunuchen, deren jedweder
viel andre Verſchnittene wiederum unter ſich hat.
Nach dieſen folgen vornemlich drey Jünglingel ſo deß Sultans Leib
Jungen und alſo benahmt werden: Silichtar; der Pfeil und Bogen und
andre Waffen dem Sultan nachträgt. Tzohadar; der deß Sultans Kleis
der wartet und ihm ſeinen Regen-Schirm trägt. Kiuptar; der über deß
SultansGetränck beſtellet und ihm allezeit zu Pferdeine Flaſchen mit Waſ,
ſernachführt. -

Unter den Schloß oder Burgbedienten wird auch gerechnet Boſtang


Baſſder Hauptmann über alle Gärtner: welchem aus den erleſenen Chr
Ä"
PfſteheM.
ſo Azomoglaniheiſſenlbey die viertauſend und darüber zu Ge
Dieſe alle haben ihre Vicarien Anwalten und andere zugeordnete Coad
41
jutoren oder Helffer die nachalter Gewonheit nachgeradIzudenhöchſten
Würden werdenbefordert. Bißher erzehlteaber dienendem Sultan ſelbſten
auf innerhalb deſ Palaſts: begleiten ihn auch alleſamt wanner aus dem Pa
laſtreitet. Reiſeter dann irgendüber Meer; ſoregiertobgemeldter Boſtan
gi Baſſa das Steur-Ruder deſ Schiffs darauf der Sultanfährt.
Zu den Sarayo oder Palaſt gehören auch dieſe I derer Namen folgen.
echnegiº Baſſil Oberſter Credenzer der über hundert andre Credenzerge
etzt." Mutpac Emini Kuchenmeiſter. Achſ Baſſ der oberſte oder
Mund-Koch.
Auſſer dem Saraüooder Palaſt zehltmandieſe Aemter. Die allerober
ſte Stelle hat der Muphti welcher deß Mahumetiſchen Geſetzes oder Alco
rans höchſter Ausleger und bey den Türcken in gleichem Anſehn I wie der
Römiſche Papſt bey den Lateinern der Patriarchbey den Griechen. Nechſt
dieſem folgen die Cadileſcheri oder Cadiaſcheri, die Oberzund ordentliche
Richter im Kriegs-Recht und Bürgerlichen Sachen: einer in Griechenland
oder durch Europa RumiliCadileſcher: denen Selim am erſten den dritten
Hinzugethan nach dem er etliche Armenier Egypter Syrer und Araber be
zwungen; und iſt dieſes letzteren Charge höher wegen Menge der Völcker
und Breite der Länder darüber er commendirt.
Nach ſelbigenkommen die VezirBaſläe, deß Sultans Oberrähte. De
- ren waren vormalen nur drey oder vierſ wie wir bald hernachſagen wcrden:
jetziger Zeit aber I werden nach deß Sultans Gutbefinden weniger odermehr
erwählt. Der alleroberſte Iſovonden Türcken Vezirazem genannt wird/
hat die Regiments- Verwaltung allein in Handen und pflegt nirgendshin
verſchickt werden ! es habe dann hochwichtige Urſachen: die andern ſeyndin
dem Divan (oder Regiments- Rath) zwar ſeine Beyſitzer aber weiter nichts
als gute ſchlechte Ja-brüder. Aus dieſer ihrem Mittel werden auch dieje
nige von den Sultan genommen die man Ser Aker und Ser Darnennet;
welche Wörter kurz hernach ſollen erklärt werden. Als der Autor dieſer
Beſchreibung zu Conſtantinopel geweſt; hat Sultan Murat mit der Würde
deß Veziraths neun Baſſen nemlich dieſe Nachbenahmte belegt.
1. Oſman Baſſa, Vezirazem und Ser Darwider die Perſer. 2. Meſ
ſich, Baſlà. 3. Mechemet Baſſa. 4. Ali Capitan Baſlà, Beglerbeg
über das Meer: welchen die Unſrigen Ulüz Ali, das iſt Aliden Mamelucken
oder Abtrünnigen geheiſſen. 5, Ibrahim Baſlà, Beglerbeg zu Cairo oder
in Egypten. »6, Ferhat Baſlà, Feldher und Oberſter wider die
- I 2
Ps Glaſ
– V «FSF(S)TSF“
7. Giaffer Baſſa. 8. Ali Baſlä, deß Sultans Schweſter-Mann. 9. Ci
galogli Baſſa, Beglerbcg von Revan.
Nachden Vezieren/ſindingröſſeſtem Anſehndrey Begerbegen,innach
ehender Ordnung: Rumeli Beglerbeg, das iſt in der Romania oder über
Ä - - -

Anatoli Beglerbeg, das iſt über Anatolien oder Aſien- -

DeniziBeglerbeg, das iſt zur See: der heutigsTagsins gemein von


den TürckenCapitanBaſläwird benahmt. Dieſe dreyhaben bey der Seelion
gleiche Stelle und Ehre I neben dem Vezir-Baſis; ſo offt ſie mit ihnen in
das Divan, oder hohe Regiments Stube gehen.
Drauffolget Niſchanzioder Niſſanzi Baſſa: der alle Brieffe Man
dat und Inſtrumentſ ſo viel deren beyder Porten werden ausgefertigt / ver
ſiegelt als gleichſam Reichs-Cantzlerder Porten.
Drey Dephterdari; darunter der erſte I nach unſerer Weiſe zu reden
Kammer- Preſident und Ober; Fiſcal: die andern beede ſeine Collegen und
Fiſcal-Räthe. -

Rais Kiutap: unter deſſen Hand alle Bücher 1 Commentarien/ und


Reichs-Urkunden ſeynd: weßwegen er die Stelle eines Vicez Canzlers oder
Oberſten Secretarii vertritt.
Allebißanherobenahmte haben in demoffentlichem Divan ihre Seſſion
Inſelbigem Divan ſitzen überdas auch ungefehr vierzig wenig oder mehr
Jaſitſchi oder Secretarii und Cancelliſten: die alle Schriftenunverzüglich
ſtellen und ausfertigen. Und wird alles mit ſolcher Hurtigkeit und Fleiß
daſelbſt abgehandelt
ſchlagt und vollzogenfaſt zu gleicher Zeit die Sachen vorgetragen berath
werden. V

Hernachfolgende Agae, beyihnen Agalarigenannt; Sind Befehlha


ber und Oberſten I die zwar nicht mit in dem Divan oder Rathsverſamlung
ſitzen; aber doch nichtsdeſtoweniger verbunden ſind täglich bey.Hoff zuer,
ſcheinen undanandernihnen zugeeigneten Orten zuſitzen. Der Fürnchm
ſtel unter dieſen Agalariis, iſt der Janitſaren Aga oder Oberſter welcher
ſeinen Oberſten Leutenant Capitaine Hauptleute und andere Unter- Offi
cirer hat:undſind unter ſeinem Fahnenbeedes von JanitſarenundSolacchen,
bey die zwanzigtauſend Menſchen. -

Dernechſtenach dieſem iſt Emir Halem, der Reichs-Fendrichſoin Feld


ügen deß Sultans Leib Fahne führt I undſonſt denen neuantretenden Beg
erbeghen, ſoander verſtorbenen Stelle kommen deßgleichenden *Ä
- CZ1S
«FS (-) FL-"
7 begis die Fahnen überantwortet. Denn ſobald deren einer von den Baſis
an deß Abgeſtorbenen Stelle geordnet; crtheilt ihm dieſer Emir Halem als
bald zum Zeichen der Würde./das Fähnlein: ſendet auch Pauckenſchläger
und Pfeiffer gegen Abendnach der Wohnung oder Gezeltdeß Neuerwehlten,
mit Befehl 1 allda zu paucken und pfeffen. Iſt einAmt I von groſſem Einz –
kommen/undnechſt dem Oberſtender Janitſaren dasfürtrefflichſte. . .
Capitzi Baſle werden baldvier bald ſechs nach deß Sultans Belieben
erwählt und über die Capitzilarios, das iſt Pförtner oder Thürhüter ge
ſeiet : jedweder hat unter ſich drey - auch wol vierhundert Capitzilarios.
Müſſen auf deß Sultans Perſon warten/ und um ihn herſtehen ſooffter
offentlich jemand vorſichkommen läſtoder Audienz giebt: zu KriegsZeiten
hatten ſie um ihn die Wacht wiedic Kämmerlinge.
Zween Stallmeiſter der Ober- und Untere Den Obern nennen ſie Bu
juc Emir Ahor oder Achor oder Achur : den andern Gutzug Emir Ächur:
ins gemein aber alle beede Imbrahor Baſſi. Auch dieſe haben ihre Subſt
tuten und Unter - Officircrl (Kihaias) und ſonſt zwcytauſend Leute unter
ihrem Commando.
Tzaus Baſſi, Capitain oder Hauptmann über die Tzauſien (oder Chiau
ſèn) derer an der Zahletwanbeydie ſiebenhundertſeyn mögen mit Hoffſun
ſ ckern und Edelleuten verglichen werden. Der Sultan gebraucht ſich ihrer
in mancherley Commiſſionen und Geſchäfften; unter andern auch die Abge
ſandten ausländiſcher Potentaten einzuholen. -/

ſ Der Capitzilariorum Kihaja, und Oberſter Vicarius I aller Thür


wächter Unter- Hauptmann. Deſſen Amt erfordert / daß er nebenſ dem
Baſſa über die Tzauſien, indem Divan für den Vezier-Baſſisſtehe mit einem
ſilbernen Stabe oder Scepterin der Hand und dieſelben ſdAudienzbegeh
reneinfurire: auchdie ſchrifftliche Verabſcheidungen aus dem Divanzudem
Sultanüberbringe wannes vonnöthen: und hingegen deſſen Reſolution dem
Vezirazem zurückbringe. - -

MutapherakiBaſſi, Capitain der Baronenundfürnehmſten Begen oder


Herren am Hoff welche von allen Kriegs-Zügen befreyet; esſey dann daß
der Sultan ſelbſt perſönlich mitziehe. Wollen demnach / wie bey uns die
Baronen vor Freyherºngehalten ſeyn. Seyndden mehrerntheil Baſſen und
andrer groſſer oder hoch um das Ottomanniſche Haus verdienter Leute
Söhne. -

Sechs Agalarioder Oberſten über die Spahi, #iſt überdie Leib-Reute


- FSF(S)FSF"
reydeß Käſers mit Nahmen wiefolget. 1. Spahoglan Aga oder Agaſi.
2. Silichtar Agaſi. 3: Sag Vlefetzi Baſſ. 4 SolVlefetzi Baſli. 5. Sag
Garib Agaſi. 6. Sol Garib Agaſi. Jeglicher unter dieſen jetztbenamten
Oberſten/commandirtzwey oder dreytauſend Reuter.
Hiernechſt werden gerechnet Topzi Baſli Feldzeuch - oder Artillerey
Meiſter. S

Tzegerbetzi Baſſi, Hauptmann über die Rüſtung und Waffen.


Tzader Mečter Baſſi, Zelten und Hütten Meiſter.
Tzalitzi Mečter Baſſi, Aufſeher über die Trompeter und Käiſerliche
Feld- Muſic.
Autzi Baſli, Ober- Jägermeiſter.
Dogantzi Baſſi, Häuptmann über die Falconirer.
TzagerſchiBaſſi, Sperbermeiſter.
- Samſontzi Baſſi, Meiſter über die Jagt-Hunde. DißAmt wird unter
die vornehmſtengezehlt und wurden vor Zeiten die Agalariioder Oberſtender
Janitſaren dazu beſtimmet. -

Seguan Baſſ, Marſchall über die Sattelthierals daſind/Pferde/Maul


Eſel und Camele. -

Devetzi Baſſi, Befehlshalber über die Cameltreiber.


Catertzi Baſli, über die Eſel- und Maul- Treiber.
HarpaEmini, Futter-Marſchallüber die Pferde.
Uber dieſe ſeyndbeyder Porten nicht in geringem Anſehn:
Dephter Emini, Bewahrer der Bücher darin die Timaria (oder Re
giſter der Kriegs- Aecker davon wiein voriger Beſchreibung gemeldet/dic
Soldaten werden unterhalten) verzeichnet. Sonſt bedeutet Eminiinsges
mein einen der etliche Einkünfte einnimmt und verwaltet.
Kihar Emini, Aufſeher der Cancelley oder Taxator derſelben: welchr
die Regalien der Cancelley einfordert und dafür Sorge trägt. Das Ein
kommen dieſes Amts wird jährlichaufzehn unterweilenauchwolfunffzehen
Ä Ducaten geſchätzt: und wer dazu gelangenkan; der ſamlet gewaltige
zf.
ſ Terſäne Emini , Befehlhaber über das Arſenal / und die Schiffrü
Unaen,
-

Kurzer
Kurzer Begriff
der berühmteſten

Heiſſagungen/Wuchmaſ
ſingen und Erklärungen von deß Türck
-

ſchen Reichs Tyranney/und herannahen


- dem Untergang.

Aus unterſchiedlichen ſowolalten/als neuen Theolo


genundandern gelehrten Seribenten gezogen/und
zuſammen getragen;
Durch

E. E.
#############################
EäääääääääääääääääääääääääASEASFTSESS
Vorrede über die Heiſſagungen.
STÄ). Leichwie/unter den mercklichen Träumen/etliche ganz
DÄgewiſſer Bedeutung ſind/etliche aber nur von dem Tem
K º) Ä deß Geblütserregtewunderliche Vorbildun
* gen/die Theilsaller Vernunft entgegen/und deſtoweni
gereintreffen/theils aber gemäß/und zuweilen/ nicht ſo ſehr deß
Traums wegen/ als weil es ohne das nicht wohl anderslauffen
können/erfüllet werden: Alſo hat es auch eine Gelegenheit mit den
Weiſſagungen dieſer letzten Zeiten/ſomanhin und wieder von geiſt.
lichen/ oder ſonſt klugen und gelehrten Leuten / auſſerderheiligen
Schrifft/beſchrieben und hinterlaſſen lieſet. Die wenigſten hat
benzweiffelsohn dergleichen Verkündigungen unter/dem Tituleiz
ner unfehlbaren Weiſſagung/vonſchgegeben/wie ſie zwar von an
dern dafür angenommen und gedeutet worden: beſondern/es ſind
offtmals Erklärungen über andere Schrifften bevorab etlicher
dunckler Oerter in den Propheten; oder ſonſtkluge Muthmaſſun
gen und vernünfftige Gedancken geweſt/ ſo ſie der Nachwelt zuer
kennen geben wollen. Warum? daß ſie (esgeſchehe oder nicht/)
ihr Beſtes darausſuche/undlerne/was zu ihrem Frieden dienet:
memlich/das von den Vorfahren gehoffte Gutemüglich zubefor
dern/uud allem Ubel/mit wachſamer Behutſamkeit / fürſichtigſt
zuentgehen.
Wann nun der Leſer/ in ſolcher Meinung/ſie aufnimmt/und
in denen Stücken/wobey ſie warnen/ſich hütet/als wären es ge
wiſſe Propheceiungensthuter ſogar unweißlich mit: in Erwegung/
daß die Worte dieſer Weiſen in ſo weit für lauter Oraculzuach
-- Y ten/
- - SF(H) SZ
ten/und Spieß und Nägel ſeynd/die einem ins Herz/undzutieffer
Betrachtung dringen ſollen. -

Ob die Propheceyung und Weiſſagungen/von dem Türckis


ſchen Reichund Untergang/ſogegenwärtigallhiezuleſen/nichtgu
ten Theilsauchalſoundin ſolchem Verſtandeaufzunehmen; ſtelle
ich dem beſcheidenen Leſer ſelbſten zu erkennen anheim: ihn allein
deſſenverſichrend/daßer nichts nachtheiliges/noch einigem Stana
deinſonderheitſey von was Condition derſelbe wolle/ vorgreifflis
ches darinnen befinden werde. Maſſenich (um allendergleichen
Verdacht/wie ein Schiff die Klippen/zumeiden) auch der Scri
benten eigene Worte nur/ entweder aus dem Lateiniſchen/ und
Franzöſiſchen überſetzt/ oder aus andern Teutſchen Aučtoribus
kürzlich zuſammen gezogen von meinem eigenem vielzueinfälti
gem Bedencken aber / (etliche ſehr wenig Anmerckungen ausge
nommen) nichts hinbeygefügt habe; beſondern der geſunden Vere
nunft deß Leſersdas Urtheilvollkömmlich überlaſſen wollen: der
es vermuthlich gleicher Geſtalt der Zeit/zubewehren/übergeben
wird; und indeſſen unſre wenige Dienſte in Gewogenheit anneh
RL!, - -
T- –
«FSZ(I) SF- -

- I. -

Weiſſagung deſ Merlini, ſo zu finden/in der Expoſition


und Gloß über das Buch Cyrillidemagnistribulationi
bus&ſtatu fančtae Macris Eccleſiae.
Jel berühmte Städte werdenuntergehen durch Uneinigkeit ſowohl
der Einheimiſchen als Fremden; fürnemlich in Italien: Bevorab
FKI-F wirdToſcanaunglaublichermaſſen erſchrecken und Rom erſchüttert
erden; Florentz abnehmen und einer grauſamen Rache müſſen gewärtig
ſeyn; die freye Buhlſchaft zerſtöret werden; Peruſium, Siena und Piſaeden
Streich deſ Göttlichen Zorns hart empfinden und warlich ſeinen Hammer
nicht entgehen: Lucain Finſternißeiner ſchrecklichen Irrunggerathen: und
Arezzo gewißlich über die Plägen ſeiner Ressbarn/wenig lachen ſondern eben
wol mit büſſen. Das Neſt der Philoſophen, Bononien/ wird ſeiner herzli
chen Malzeiten beraubt und die Lombardyganz aufgerieben werden: Hoſtia
wird durch die ThürderTrübſeligkeit gehen; wie mir der HErrgezeiget hat.
Die Türcken werden nebenſt der fünftigen Liga oder Bündniß die Venetia
ner beſudeln und ihnen keinen ſchlechten Streich beybringen: dazu wird die
Treviſaniſche Marck von vielen Schlachten zerſtoſſen und zerſchüttert wer
den: die* Anchonitaniſche March ſamt dem Herzogthum Spoleto, und dem
Patrimonio (oder Kirchen-Stado)von Türcken/tc. eingenommen werden c,
** (NB) Was hie/von den Türcken/zuvorverkündigt; das iſt guten Theils/unter
dem Franciſcs I. Königin Franckreich an vielen Italiäniſchen Plätzen
wahr und erfüllet worden/bevorab an den See-Städten und denen gegen
dem Meer gelegenen Ländern; die der Erbfeind damals hefftig angefein,
det/und viel tauſend Seelen daraus in ewige Dienſtbarkeit mit ſich wegge
führet: Wie gefährlich auch die Liga und Alliance Käiſers Maximiliani/
deß Königs in Franckreich und deß Papſts den Venetianern auf dem
Dals geweſtſey; iſt aus den Hiſtorien zur Gnüge bekant. N

IF.
S. Methodii.
Ndenletzten Tagen nachdem ſechstauſenden Jahr der Welt werden
herausgehenaus der Wüſtendie Kinder Iſmaels. Und ihre Zukunft
Äwirdſeynene Züchtigung faſt ohne Barmherzigkeit und GDtt wird
inihre Hände gehen alle Reiche der Chriſten und Heyden um der Sünde und
-
–Y Frevels
- «H3 (0)?Sß
Frevels willenſeſe widerſeine Gebot begangen. Und weil die Chriſten der
Geboten deß HErnvergeſſen vielumgebürliche Dingethun und ſich mit ſols
chen Laſtern beſudeln die auch ſchändlich zuſagen ſeyn: derentwegen wird er ſie
den wilden Barbarn oder Saracenen übergeben in ihre Hände; das wird ein
Hartes Jochſeyn überalle Völcker. Mit dem Kirchen-Ornat I werden ſie
ſich und ihre Weiber bekleiden. Ihre Laſt-Thier werden ſie an die Gräber
der Heiligenbinden wie an eine Krippen: die ſchwangern Weiber mit dem
Schwerd erwürgen: an Heiliger Stätte die Prieſter tödten: in den heiligen
Kirchen die Weiber ſchänden und das Heiligthum verunreinigen: die Kirchen
verbrennen: die Leiber der Erſchlagenen auf die Gaſſen werffen; weil keiner
vorhanden der ſie begrabe. Die Länder werden unwegſam und kein anderer
Wegſeynals der Bedrangte und Betrübte: alſo daß man anfangen wird zu
ſagen: ſelig ſind diejenigen die vor uns abgeſtorben und von der Weltgeſchies
Den! -

- III.
- - g» S. Brigitae.
IÄ tempore quidem Rex Aſianorum regniveniet adpunitionem
deputatus, aut eriam vocatusabipſis, qui absque gladio Romanosdo
mabit. - -

Zuderſelbigen Zeit wird ein König deß Aſiatiſchen Reichs kommen wel
cher zur Abſtraffung der Chriſten beſtimmet iſt unddie Römer ohne Schwert
bezwingen wird, -

- - IV. . -

Gregorius Jordanus Venetus ex Praedičtionibus


- S, Brigitta., Abb. Joachimi,& aliis. -

(NYS iſt zukünfftigdaß GOtt die Untreuund Gottloſigkeit der Welt mit
ſeinen Geiſeln Hunger und Peſt die durch alle Länder dcßganzen Erds
bodens graſſiren ſollen / rächen wird: fürnemlich aber durch grauſame
Kriege zu Land und Waſſer; daraus ſolche Niderlagen entſtehenſdaß ums Jahr
1595, kaum der dritte Menſch wird übrigbleiben: Uber welchem Elende die
Menſchen erſtarrenundkaum vor Forcht Angſt und Schrecken beyſich ſelbſt
ſeynwerden. Nach der Zeit wird GOttendlich nach ſeiner unendlichen Güs
teſdie Gemütherder Chriſtlichen Potentaten zum Friedenlencken: und Selbis
ge nach Ä aller Mißverſtändniß und Feindſchafft ſich wider den
; -
vºn j ſeines sºrg
Türcken verbinden ihn geſamter
„H- (H)SZ. -

dieſer aberTwanner ſolche Niderlage erlitten ſeine Grauſamkeit ablegen 1er


teuchtet und ſamt ſeinem Volckzum Chriſtlichen Glauben bckehrt werden.
[ Jetztgenedter Auctorſetztinſeiner andern Taffel folgendes: ] Die
- - Ä hat vormals geweiſſagt/ zu unſern Zeiten würde zwiſchen
öntgenund Fürſten groſſe Uneinigkeit erregt werden dergleichen von An
begin der Welt nicht Ä Die Völcker werden hinundwiedergegen ihre
Prinzen rebelliren und an manchen Orten grauſame Kriege erwachſen; wo
durch eine ſolche Verwüſtung allenthalbengeſchehen und eine ſo groſſe Menge
von Menſchen umkommen wird, daß der Erdboden beynahevenden Einwoh
ºernleerſeynfunddie Geſtalt einer Wüſteney haben dörffte. Denn die Kriegs
flamme wird nicht allein die Provincienſo Chriſtliches Nahmens ſind 1 fon
dern auch der Ungläubigen Länder durch ganz Aſien und Africamt weit und
Ereitverheeren. -

VaevaetibiCivitas Philoſöphorum,àNoachifiliisaedificata! Gry


phusadterram adfligetur, causáprorſuscadet, neque viresei in poſte
rum, ad bellum cuiquaminferendum, ſüfficicnt. Ingens in Eccleſia
Dei Schiſma orietur, atque Urbiscujusdamcausá, graviſſima bella na
ſcentur, in quibus infinitahominum multitudomortemoppetituraeſt.
Intereadum Chriſtiani Principes, livore excoccatibellainter ſe gerent,
mutuisque ſeſe vulneribusconficient; Turcarum Imperator complures
Chriſtianinominisurbesexpugnabit, & uſque ad flumen Rhenumca
ſtrapromovebit: verümdum celebremquandam Urbemad Rhenum -
ſicam,nomine C. obſidere inſtituet; à Chriſtianis in fugamagetur -,
magnäexercitusparteamißá. Sub idem tempusgraviſſimimotusper
Europamexcitabuntur,morte cujusdam Regis, cujus ditionescognati
genereproximiinter ſe divident, Qpa resfündendimagnáabundan
iä humani ſanguiniscauſam praebebit. Scdvireute Germanorum re
num tandem legitimishacredibus reſtituetur. Durabitautem hocbel
mmenſescirciter trigintatres,actertiodemumpraelio terminabitur ..
Cuminquodam regno denoviRegiselečtione agetur, neque de ,
ea inter primoresejusregniſatis conveniet, quibusdam hunc, aliis verö
alium Regem poſèentibus; bellumatrox exorietur, ad quod concur
rentomnes feré Principes Chriſtiani, ab Elečtoribus in ſtudia contraria
faêtionesquediviſisinauxiliam vocati. Interea Rexquidam potenriſ
ſmusabauſtroweniet,inſtručäingentinavium clafé, innumerabiles'
- - Coplas
FSF(R)SZ- r
eopias ſecumtrahens; quitotos quinque menſestantácrudelitate graſ
ſabitur,obvia quaequeferroflammäjuevaſtando; tantamque hominum
multitudinem crucidabit, ut non ſolüm oculiáconſpečtu, ſedetiamau
res à commemorationeabhorricura fine,&c. Europa imprimis hor
renda Deiflagella experietur. Signa in coelo horribilia apparebunt,
ignesquemaximiacprodigioſieffulgebunt,quibusadeögravitermorta
lium animipercell.cntur,ut ſupremum tum adeſſe mundi diem exiſti
maturifint, -

Eheulquammiſèréexpilabunturincolae horum locorum, ſtatim


atque nummorumaliguid,ſupellcčtilis, autcibariorum labore ſuo&in
duftriácorraſerinf,id procinusápraedonibuspartim diripietur, partim s
conſumetur. Hincurgebit fames,illincpeſtisadfiget:bellum veröeos
emni exparte premet atque circumdabic sadeÖ ut ante initium anni
1595. hominum vix tertius quisque mortem evaſerit. Nihil theſauri
abſconditiquenquam juvabunt, etenim in lucem proferentur & expila
buntur,acdenique in nihikum redgentur. Itaque poenitentfam agite;
quia in gratiam juſtorum dies illiadfličtionum abbreviabuntur. -

Wehwehdir du Stadt der Philoſophen ſovon den Söhnen Noaßer


baut! Der Greiff wird zur Erdengeſchlagen werden und ſeine Sache ver
lieren auch nimmer ſoviel Kräffte wieder überkommen, daß erjemanden mit
Krieg angreiffe. In der Kirchen Gottes wird eine groſſe Spaltung entſte
henundeiner gewiſſen Stadthalbenſchwere Kriege erwachſen darinnen eine
unzchliche Menge Leute umkommen wird. Mitlerweile die Chriſtliche Für
-ſten durch Haß und Nedverblendtunter ſich Krieg führen und einander auf
reiben: wird der TürckiſcheKäiſer viel Städte Chriſtliches Nahmenserobern
und ſein Heerlager bißandenRhein-ſtrombringen: aberindem er eine an ſelbi
gem Fluß gelegene berühmte Stadt mit Nahnen C. anfängt zu belägern:
werden ihn die Chriſten in die Flucht ſchlagenunder einen groſſen Theilſeines
Kriegsvolcks verlieren. -
\.

Um dieſelbige Zeit wird in Europa groſſe Unruh werden erweckt dºrch


den Todeines Königes deſſen LänderdienechſenAnverwandten unterſchtheit
len: welches zu einer hefftigen Blutſtürzung Urſachgeben wird. Aberturch
Tapfferkeit der Teutſchen wird das Reich wiederum ſeinen rechtmäſſigen Er
benzutheil. Dieſer Krieg wäret ohngefähr dreyunddreiſſig Monaten und
himmt intdem dritten Treffen ſein Ende. -

- -
sºnsareanemºg ſijFernºst
. - - - u )
- «S(S) Sº
und die Reichs Stände ſich darüber nicht zuvergleichen wiſſen] indem der eine
dieſen der anderjenen zum König begehrt: wird ein harter Krieg daraus ent
ſpringen/wozufaſt alle Chriſtliche Potentatenſtoſſen und bald von dieſem bald
von jenem Churfürſten zum Beyſtand angeruffen werden. Unterdeſſen wird
von Süden ein ſehr mächtiger König mit einer gewaltigen Schiff-Armee und
groſſer Menge Kriegsleutekommenundgantzerfünff Monathſograuſamſtch
wüten/alles mit Schwert und Brand verwüſtenundeine ſolche Anzahl Men
ſchen erwürgen I daß man beedes vonhören und ſehen / darüber wird erſchre
ckenlä. Fürnemlich wird Europa die blutige Geiſſel und Zorn-Ruthen deſ
„Höchſten fühlen. - -

Am Himmel werden ſchreckliche Zeichenerſcheinen und ſeltſam wunder


bare Geſtirne; mit ſo groſſer Beſtürzung der Menſchen daß ſie meinen wer
den der jüngſte Tag ſey vorhanden. Achweh! wiejämmerlich werden die
Einwohner dieſer Oerter beraubt und ſobald ſie nur das Geringſtean Gelde
oder Geräthlein oder Victualienmitſaurer Arbeit und Fleiß zuſaſſien bracht
ſolches gleich alſofort von den Raubernhinweggeriſſenuñverzehrt werden. Hie
wird der Hunger/dort die Peſtilenzwüten; der Krieg aber allenthalben ſie um
ringen und beängſtigen: alſo daß vor dem Anfang deß 1 95. Jahrs kaum der
dritte Theil von Menſchen dem Tode entfliehen wird. Die verborgene Schä
ze werden niemand was halffen; beſondern für den Tag gebracht weggehoben
tind vernichtet werden. DerowegenÄ Buſſe: Weilum der Gerechten(Aus
erwehlten) willenſolche Tageder Trübſalen verkürzet werden.
V. - -

[ Eben derſelbige Jordanus gedenckt bey ſeiner Sechſten Tabelll einer


Propheceydieindem Grabe Käſers Conſtantin vor vielen Jahren gefunden
und in Silber geſtochen geweſt. Selbige ſoll erſtlich anzeigendcß Griech
ſchen Reichs Ende und Eroberung der Stadt Conſtantinopel; hernach den
Anfang der Türckiſchen Herſchafft und die Zahl der Jahreſolangſie werde
wären. Und zwar ſollen auf einer Seitenetliche Griechiſche corönirte Käu
ſer;auf der andern etliche Türckiſche Soldanen; auf der dritten neue Chriſtlu
che Käiſer die nach Vertilgung deß Türckiſchen Regiments / wiederum zu
Conſtantinopelſitzen würden abgebildet zu ſehengeweſtſeyn. Dieſer Auctor
deutetanes werde der Großfürſt aus der Moſcauderjenige ſeyndenGOTT
## habe erwehlet daß er bey der allgemeinen Verbünd
fliß der Chriſtlichen Potentaten wider den Türcken der An- und #
- ahnen
/
–**–
Fahnenführer ſeynwerde. Oberſolches aus einer alten Propheceyhabelo
der nn allein in Betrachtung der Ruſſiſchen Machtdezu der Zeit in groſſem
Anſehn war gemuthmaſſet darinn muß man die Zeit zur Lehrmeiſterinnnch
men. Einmal iſt gewiß I daß die Türcken den Moſcowiter jederzeit ſehr ge
ſcheuet haben: und wie Thuanusberichtet gegen deß Polmſchen KönigsSte
phan ſeinem Abgeſandtender Türckiſche Grºße Vezierſch vernehmen laſſen
unter allen Potentenſchätze ernechſt ſeinem Herndem Groß-Türcken keinen
mächtiger als den Ruſſen. Aber es heiſt:
* Tempora mutancur,& nos mutamurinipfis.
Die Zeitenverändern ſich undwirundunſer Zuſtandmieder Zeit
- VI.
M.D.in Orat, de BelloTurcico, -

Lseinemals Ph. M. zu Meiſſenaus der Schulenheimgieng beſchaute


Q er die luſtige Gegenddeß Ortsander Elbe zwiſchen zweyen Bergenge
legen wie ſie von wegendeßvorbey flieſſenden Stroms der Thäler
Weinberge Wieſen und grünen Baum-luſtſoanmuthig wäre und fing dar
aufanzuweinen. Da man nun nach der Urſachfolcher Threnen geforſchet;
hat ergeantwortet: Weilmirsleidiſ) daß dieſeſoſchöne Oerter dermaleins
Q

den barbariſchen Türcken zum Raube werden müſſen. -


Ob dem Ph.M. dieſes ſein Herz geſaget und gleichſam geominiret; kan
man nicht eigentlich wiſſen: So vielft dennochkundbar, daß er wie ein ſehr
gelehrter Mann lalſo auch ein fürtrefflicher Mathematicus geweſt der unter
den Sternenmanche liebe Nacht gewachet.
s

- - V II.
Er alte Kirchenlehrer LaëtantiusFirmianus fib.7.de Divinoprae
- mioc. 15. hat vor dreyzehnhundert Jahren alſo geſchrieben: Roma
num nomen,quo nunc regitur orbis ( horret animus cicere, ſed
dicam;quia futurum eſt) tolleturdeterra,& in Aſiam imperium rever
tetur,acrurſus Oriens dominabitur,atque Occidensſerviet. Das iſt: Der
Römiſche Tahn (dder Reich)wodurch jetz0 die Welt wird beherrſcher:
(Jch erſchreckezwar/ſolches zu ſagen, muß es aber dennoch gleichwolſa
gen/weiles geſchehen wird) das wird weggenommen werden/ von der
Erden und die höchſte erſchafft wiederum in Aſien kommen,/ und der
Orient wiederherſchen/der Occident dienſtbar ſeyn. Dieſ
- -- -
- - '-FSF(G)FEZ
[ Dieſe Weiſſagung deß Laétantimuß entweder verſtanden werden nicht
ſchlechter Weiſe von dem Römiſchen Reich welches laut deß Propheten Da
niels Weiſſagung bißandenjüngſten Tag ſtehen wird wiewolaufſchwach
Füſſen:ſondern von der ArtStärcke und Macht der Regiments-Forun / ſozn
der Zeit im Römiſchen Reich war; maſſen auch am Tage 1 daßweder ſelbige
Römer noch ihre Nachkommen die höchſte Monarch behalten, ſondern uns
Teutſchen in den Carolo M. längſtcedtrt haben. Oder man muß mit dem
Dreſſero,davorhalten, daß dieſes Prognoſticondeß Laëtantii aus einer faſt
gemeinen Meinung vieler Alt-vätter gefloſſen l die ſie über die Pauliniſche
Wort gehabt: Daß der Antichriſt nicht kommen ſolle bevor der hinweg
gethan der es verhindert. Welches ſie vermeinctles bedeutete das Römt
ſche Reich müſie vor aufhören; da es doch nach der Propheceyung Danielis
bißanden Jüngſten Tag beſtehen wird. Lieſe hierüber beſagtes Dreſſerifei
nrnDiſcurs ad Imperatorem Rudolphum II. Wiewol meiner Einfalt
die erſte Meinung und Erklärung faſt beſſer gefällt: weilesgleiwol wahr, daß
zwar das RömiſcheReich nicht aufgehöret noch aufhören wird; unterdeſſena
ber doch die allergreſſeſte Macht die Laétanciusnurmt dem Wort Imperium
und Dominatio vielleicht anzeigen will ans Europa und von Romweg nach
Aſientransferrt. So darffauchſervirenicht ebenſoviel heiſſen als unter
thänig werden; weil es auch wolvon denenkangeſagt werden die einem Mäch
tigern müſſen Tribut geben und dennoch ihr eignes Regiment und Reich für
ſich behalten: dann das nennen die alten Lateinſehen reine Scribentenebenwol
ſervire. Daniel zeigt zwar, daß das Römiſche Reich ſolle bleiben: aber daß
es nicht (wie bißher zur Gnüge leidergeſchehen) geſchwächetſ und durch Ty
ranneydeßTürckenſolle angefochten werden, ſagt er nicht; vielmehr das Ge
genſpcl: wiewolesdarum lobG Ottwill der Türck nimmer unterdrücken
wird noch ihm ganz unterwürfig machen, ob ergleichviel Länder und Reiche
demſelben abgeranbetund an Macht und ſchrecklicher Gewalt jetzofaſt gröſſer
worden/dennalleandere Potentaten. So ſtünde auch mit andern erheblichen
Gründen aus dem Daniele ſelbſten zuerweiſen | daß die Weiſſagungen La
étantii,in dieſem Fall mehr dem Danieligemäß als zuwider: wann es nicht
zuweitläufftig und anderer Urſachen halben bedencklich fiele. Unterdeſſen
wollen wir dennoch gleichwoldeßDreſleriDiſeursweilerzuleſen wolwerth
in Teutſcher Sprachhieher überſetzen; wiefolger.
-* - *. - A

An
„FS (H) &#-

An den Unüberwindlichſten Kaiſer


RuDOLPHUM II.
Chriſtliche und Hiſtoriſche Erklärung deßSpruchs oder
Weiſſagung deſ Laëtantii, von Vertilgung Römiſches Wah
mens von der Erden/und Verſetzung Occidentaliſcher
Hert,chafft nach Orient: beſchrieben durch
M. D,
8) Ls im Jahr nach Chriſti Geburt 1486. Maximilianus der I. mitein
hälliger Ubereinſtimmung aller Churfürſten zu Franckfurth l Rö
miſcher Königerwählet wurde: gieng durch ſelbige Stadt allenthalben
die Rede. Er würde unter den Teutſchen Käiſern der letzte ſeyn. Diß Gerüche
bewog die Churfürſten über den erſten Ausgeber dieſer WeiſſagungNachfra
ge anzuſtellen: und hat ſich bald hernach einJude finden laſſen welcher als er
Hierum fürgefordert in Gegenwart der Churfürſtenbekennethatler wäredev
HMann von dem dieſe Weiſſagungherkäme. Wie man aber weiter in ihnges
drungen die Urſachen dieſer ſeiner Muthmaſſung anzuzeigen: wolte er mit der
Sprach nicht recht hervor; ſondern ſeine Antwort lieffendlich hieraufaus:
Marimilianus würde zwar der letzte Käiſer über Teutſchlandſeyn; aber aus
ſeinem Stamm einer entſtehenderüberganz Europa herſchete. Welches
ebenſo viel geſagt war als daß alles was er ausgeſprenget hatte ein pur laute
res Gedicht und Mährleindem weder zutrauennoch zu glauben.
Darauf iſt der Handel wieder ſtillworden und als eine Blume ohne Wur
zel dieſer grundloſe Wahn verwclcket und erſtorben. Denn es hangt nicht
nicht wohl aneinander ſondern verträgt ſich garübel: daß Marimilianuswür
dederletzte Käſerſeyn unddocheinen weit und breit herſchenden Nachfolger
haben. Denn wann Maximilianus hat einen Nachfolger ſollen haben: ſo
hat ja auch das Reich müſſen bleiben. Wiewol jetziger Zeit nach dem der
Ausgang die Nichtigkeitſolcher Warſagerey erwieſen; eine ſo nichtswerthe
Meinung zuwiderlegen unvonnöthen:ſintemal mehr als bekant mitwas für
Aufrichtigkeit und Gewiſſen von den Juden die Weiſſagungen der Prophe
ten angenommen und erklärt werden; auch was für Zuneigung ſie gegendiß
Römiſch-Teutſche Reich tragen. Sie begeben ſich I als von der Warheit
weitentfernte Leute auf Träume; und wünſcheten nichts liebers als den Ün
tergang deß Reichswelchem ſie im Herzen
-
ſºundheimlich ºrgº
- Pl
FSF(o) FF
Wollen demnachdieſe Verblendteund Raſende fahren laſſen: als vor
welchenwir wiſſen, daß ſie ſchon vor Alters ihnen eine gewaltige Herzſchafft
eingebildet, wann das Römiſche Reich ausgerottet würde. Vor der Ver:
ſtörung Jeruſalem war in dem ganzen Orient einſtarckes Gerücht erſchollen
es wäre von dem Verhcngniß beſtimmt daß diejenigen den höchſten Gewalt
ſoltenerlangen/dieda aus Judaa fämen. Das deuteten die Juden auf ſich
und richteten daraufeine Rebellion anerſchlingenden Römiſchen Landpfleger
und trieben den General Leutenant der dem Landpfleger zum Suceurs fam
mit Eroberungeines Adlers (oder Römiſcher Regiments-fahh)in die Flucht,
Aber es bekam ihnen bald hernach wie dem Punde das Graßl und muſtenſolº
che Tollkünheit mit ihrem ſchrecklichen Untergang büſſen: indem ſie ihnen da
durch die Römiſche Macht über den Hals zogen und zu ihrem Verderbenler
neten daß ſolche Weiſſagung nicht auf die Jüden ſondern auf die Römerge
# hätte; wie Suetonusbey Beſchreibung deß Käiſers Veſpaſiani Ige
dencet.
In weit mehrerm reſpect iſt bey mir die Weiſſagung deß Laétanti
Firmiani, welches er in dem ſiebenden Buch von der Göttlichen Belohnung
geſetzet: Der Römiſche WTIahm (ſpricht er) dadurch jetzt die Welt wird
regiert (wiewolmein Herz erſchrickt/ wann ich davon redelundes den
noch ſagen mußweil es geſchehen wird) wird genommen werden von
der Erden; das Reich wieder in Aſien kehren/der Orient wiedrumher
ſchen/undder Occident dienſtbar ſeyn. -

Dßiſt eine klare Vorverkündigung von der Austilgung deßRömiſchen


Nahmens und Wiederkehr der Herſchafft aus dem Decident in den Orient:
ſowolauch von Verwandlung ſeiner Freyheit in die Dienſtbarkeit. Was
und wie viel aber auf ſolche Weiſſagung zu halten ſey; wollen wir nach der
Richtſchnur der Warheit erforſchen und erörtern.
Dafernesalſo allbereitcrgangen wie die Wortlauten; ſomifte der De
cidentanjetzonothwendig kein Regiment mehr haben: dafern es aber noch nicht
geſchehen aber doch noch geſchehen ſolte; was würde alsdannelenderſeyn als
wir und unſre Nachkommen die aller Zier der Herſchafft und Freyheibe
raubt die härteſteſervitut entweder anzo leiden oder erleiden werden ? Und
zwar wo der Occident ſoll in die Dienſtbarkeit werden übergeben; wem wird er
in Aſien und Orient anders dienen weder dem grauſamen Türcken ? Denn
dieſer eignet ihm die Herſchafft über Aſien zu und ſtrebet alles ſeiner Gewalt
und Bottmäſſigkeit zu unterwerfen. -

- - - - Behüte
«S(S)? -
Behüte ewiger GOTT! wie herb und erſchrecklich iſt dißknechtiſche
Joch davon deß Laétantii Spruch weiſſaget und dem Occidentverkündi
get! Wer woltenicht lieber ſterben denn ihm eine ſo unerträgliche Laſt Jam
mer und Trübſeligkeit aufbürden laſſen. Der Türck iſt ein Tyrann welcher
Dem Gottesdienſt Küſten und Freyheit der Chriſten einen erſchröcklichen
Kriegandrohet. Denn wiewol er diejenige Chriſten ſo ihm unterworffen!
wann ſie die aufgelegte Schatzungen geben duldet: ſo iſt dennoch bey dieſer
Dienſtbarkeit alles faſt unerträglich. Die Religion verſchwindet allgemach
ſchier ganz und gar oder wird doch aufs wenigſt zimlich kalt: die Lehre der
Gottſeligkeit und Geſchicklichkeit wird in lauter wilde Barbarey umgewandt;
Feine Schulengeſtattet; gute Zuchund diſciplin gänzlicht verachtet. Denn
es gehtalsdenn ſolchen armen Chriſten wie dort in der Tragedy der Spruch
lautet: Weil ich lange unter den Barbaren gelebt; bin ich mit barbariſch
PºpOrden.
Man ſagt zwar der Türckhaſſe den HErºn Chriſtum und ſeine Kirche
nicht ſchlechter Dinge oder ganz und gar; ſondern ehre ihn wie einen Göttlis
chcn hochverwunderlichen Propheten: aber dennoch zeucht er ſeinen gottloſen
Mahomet dem Sohn Gottes weit vor und ſchätzt ſeinen verfluchten und ab
ſcheulichen Alcoranviethöher als alle Predigten der Propheten und Apoſtel.
Darum reiſter die Kirchender Chriſtennieder;oder legt auf wenigſtedenPrie
ſtern derſelben ſolche Bürden und Unpflichten auf, daß ſie weder ſtudirennoch
predigen können ſondern durch ſchwere Arbeit den Tribut aufbringen müſſen.
Als Anno 1566. die Inſel Chios (oder Scio)unter ſein Jochkommen;
hat er alſobald den Chriſtlichen Magiſtratin unterſchiedliche Länder hinweg
eführet mit Gewalt hingegen Türckiſche Obrigkeit eingeſetzt; die alten Ge
Ä abgethan; die Kirchengeſchleifft; und nur alleineine Dominicaner Kirche
ſtehen aber ſeinem Mahomet wehen laſſen. Ja man wirdkaumlindergan
zenTürckey eine einige Stadt finden die ihre Chriſtliche Obrigkeit oder Ge
ſetzelgeſchweige dann einige Privilegien und Freyheiten habe: beſondern es le
bengantzverachtet auſſerallen Würdenſoviel ſich zum Chriſtlichen Nahmen
bekennen. Niemand wird von dieſen leichtlich zu militariſcher Diſciplin ge
laſſen niemand zu einer offentlichen Amtsverwaltung und Ehren-Stellege
zogen : aber die Furcht der Gefahr liſtiger Nachſtellung und Beleidigung
liegt Tag und Nacht unter einer ſo unmenſchlichen Obrigkeit einemjeglichen
aufdem Halſe. Keiner iſt deßſeinigen was er hat verſichert, muß beſorgen
daßeshmentweder durch Gewalt oder Betrug sº werde. Wohin
- i ein
-
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ein ſolcher bedruckter Chriſt ſeine Augenmurwendet; da begegnet ihm der Tür
cken Grimm und läſt ihn kaum ſich in etwas erholen.
Weil uns nun dieſer Spruch Laëtantii einen ſo harten Zuſtand der
Dienſtbarkeit einen ſo betrübten kläglichen und thrännenaſſen verkündiget:
können wir nicht anders als wegen deß Ausgangs ſehrbekümmert und volle
Aengſten ſeyn. -

Schen wir auf die Autoritet: ſo iſt der Auêtor dieſer Weiſſagung La
ſtantius, ein ſonſt herzlicherberedtergottsfürchtiger undſehr guterScribent
der da gelebt hat um das Jahr Chriſti 3 4. in dem Seculo, da die Römuſch
Kirchs an Wiſſenſchafft und gelehrten Leuten Uberfluß hatte. Daher wir
muthmaſſen können, daß er ohnzweiffel auch die Oracul der heiligen Schriff
wohl erkaudt und die Schriften der Alten fleiſſig durchgeforſchet. We,
chrs alles zwar der Propheceyung einen glaubwürdigen Scheingibt: aber
dennochmßmanbey Unterſuchung der Warheit mehr auf die Wichtigkeit
und Grunddeß Beweiſes wederaufdie authoritet ſehen. Die Warheit ſie
hetin dieſem Falltheils aus dem heiligen Wort Gottes theils aus beſchriebe
nem Verlauffder Oingelzucrfragen.
Zuforderſt muß man die Zeit betrachten 1 in welcher dieſe Verkündigung
entweder ſchon erfülletoder noch zuerfüllen ſey. Wann iſt doch der Römiſche
Nahm dadurch die Welt regiert wird in den vorigen und jetzigen Zeiten jemals
von der Erden weggenommen? Beedes verneine der Prophet Daniel, deſſen
einiges Gezeugniß mehr gilt als tauſendandre Muthmaſſungen und Gedan
cken. Durch den Römiſchen Nahmen verſteht Laëtantius ohnzweiffel das
Römiſche Reich welches wir dievierdte Monarchy ſodurchdas vierdte Ther
von dem Propheten Danielfürgebildet worden, nennen: daß alſo Römiſche
Nahm und Herſchafft oder die vierdte Monarchyleinerley. Denn dießſ
dieſelbige ſodazehen-Hörner das iſt die allergröſſeſte Macht auf dem Erdbo
jemals begriffen. Mitten aus dieſen Hörnern iſt ein kleines Horn gewachſen
welches von den vorderſten drey Hörnern herabgeriſſen das iſt die Fürtreffch
keit Macht und Reichthum deſ Römiſchen Reichs ſehr verringert hat g.
ſchwächet und angefochten. Uber das hat daſſelbe Horn ein Maul welcs
groſſe Ding redet: das iſt welches Gottsläſterungen wider den Sohn deſ Äl
lerhöchſtenausſchüttet und ſeine Heiligen oder Chriſtenſchlägt und überwin,
det;jagarvermeinetlesmöge Zeit und Geſetzeändern. Denn durch dieſe Zei
chenmahlt Danielab das Mahometſche Reich welchesanfänglichausdrey
en Hörnern entſtanden ſo von der Römiſchen Monarchy abgeriſſen Ä
--- yrien/
- –_-&(S)Fºtº
SyrienTEgyptenTund Africa;und hat das Römiſche Reicheffºggeſchmä
ert und verringert.
Zum andern geuſtes Läſterwort aus wider den HErºn Chriſtum; wütee
wider ſeine Kirche über allemaſſen und wendet alle Regiments Anſchläge zu
deſſen Untergang an. Und daß GOTT ſolches werdedem Mahomet zulaſ
ſen, verkündiget Daniel deutlich zuvor: verneinet gleichwol unterdeſſen / daß
der Römiſche Mahm gar ausgerottet und von der Erden ſolle genommen wer
den. Denn GOtt der HEr willſdaß die vier höchſte Reiche auf der Welt
die Grundfeſtender Policey-Ordnung ſollenverbleiben: Diß letzte Römiſche
aber hat er zum Auffenthalt und Behauſung ſeiner Kirchenverordnetbißzu ſei
nes Sohns herzlicher Zukunfft zum Ä
Mt Krieg wird zwarder Türck die Heiligen angreiffen und ſiegenwis
der ſie 5 geſtaltſam er dann weitlich gnug bißanhero geſieger hat und einen ſehr
groſſen Theil der Chriſtenheit unter ſein Jochgeſteckt: aber das/wohner
ſtrebt wird er doch nicht vollbringen können; ſo viel nemlich die Austilgung deß
höchſtenGewalts betrifft. Dann es wird ihm der Sohn GOttes zuvor
ommen mit ſeiner gerichtlichen Ankunftſdieebenindieſer Monarchy wirdges
ſchehen; und der Türck zwar gedencken diß letzte und Chriſtliche Regiment
aufzuheben aber ſeiner Hoffnung verfehlen. Maſſenes nicht in der Türckenſ
ſondern GOttes Gewalt dißetzte Reichin der Welt davon zwarbeyuns
nur ſozureden die Reliquien übrig vollend hinwegzunehmen und vermchten
durch die Zukunft deſ Altendeſſen Haarſchneeweiß das iſt durch das allges
meine Gericht dadurch Er zerſtören und aufreiben wird die Macht drß Türs
cken: daßergrundaus vertilget werde wie die Prophecey Danielisanzeigt.
Weil denndißalles kundund offenbar:ſo iſt es ja unmöglichdaß derRös
miſche Nahm von der Erdenſolte getilget oder dißhöchſte Reichl welches wir
eine Monarchy tituliren wieder in Aſia verſetzt werde. Der Türck mag
immerhin tobengraſſiren rauben und ſeinen brennenden Grimmindem Blut
derarmen Chriſten ſovielerwillundkanl abkühlen, wirder doch das nimmer
zuwegbringen noch erlangenldaßerdiefünffte Monarchy aufrichtel oder das
Reich deß Occidents wieder nach dem Orient Ä Dennober gleichges
waltige Königreiche beſitzt: wirder doch den Römiſchen Nahmen nicht aufhe
ben; ſondern allezeit etwas von dem Römiſchen Reich noch übrig ſeyn biß auf
denſelben Augenblick in welchem der gerechte Richterkommt; welcher nach ſei
nem wunderbarem Rathdieſe letzte Monarchy dazu beſtimmet hat, daß ſie ihn
(sden allgemeinen Welt-Richter empfange.
-
º demnach das sºÄ
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«§§ (E) s.
Reichſtehenbleibenundſein Nahme von der Erden nicht gar ausgeleſchee wer
den; ſondern wiedefröliche Zukunft deſ SohnsGOttes ins Fleiſch Hm
den Anfang gegeben; alſo wird ſeine Wiederkunft zum Gericht ihm auch ein
Endemachen. Weil uns denn diß prophetiſche Zeugniß welches unwiders
ſprechlichconfirmirt:ſollen wir für gewißhaltender Römiſche Nahm werde
bleiben biß ans Eñde der Welt und durch keine Gewalt noch Tyranney deſ
Türcken von der Erden weggeriſſen.
Es iſt auch noch ein andrer geringer Beweißvorhanden welchen die Ge
legenheit der Kirchenund Policey Ordnung in dieſer Weltlandie Handgiebe.
Niemals hatG Ott pflegen ſeine Kirche und Reich oder Policcyaus dem De
cident nach Orient verſetzen; ſondern vielmehr aus Orientin Occident. Wo
iſt der erſte Sitz der Kirchen und deß höchſten Regiments in der Welt anders
geweſt weder in Orient ? Von dannen iſt er ja nachgerade nach Occident und
Mitternacht fortgeruckt: daher der Raht GOttes von Fortpflanzung der
Kirchenunddeßhöchſten Reichsaufder Erden aus Orientin Occident nicht
kanverborgenſeyn. Undgleich wie weder der Perſer Monarchy in die Chal
daeiſchelnoch die Griechiſche wieder in die Perſiſche verwandelt: alſo wird auch
das Römiſche Reich nicht wieder in Griechenland und Aſienumkehren, ſondern
nachdem es alle Theil der Weltdurchgewandert in dem Occidenten Endeſei
ner Peregrination machen und von Chriſtoſeinem HErn/indeſſen himmliſche
Herberge aufgenommen werden. Iſt alſo der Occident biſher noch nicht
wieder umgekehrt nach dem Orient und kanauch in künfftig nicht umkehren
ſolange Menſchenſeynauf Erden.
Aber wies iſt damit deß Laétantii Weiſſagung ganz eitel und nichts?
ſolchesläſt ſich zwar hartbejahen; aber der Prophet Daniel verneint gleich
woldaß das Römiſche Reich in Aſien wieder kommen ſolle; undmag auch aus
den Geſchichten nicht erwieſen werden, daßesjemals in denvorigen Zeitenge
ſchchen. Unvonnötheniſts zudem Ende weitläufftig zubeweiſenſwas ſich
vor der Weiſſagung deß Laëtantiibegeben.
Im Jahr Chriſti 258.hat Saporder Perſen König den Röm. KäſVa
lerianumüberwunden ihn mit ſich in Parter Land gefangen hinweggeführt
und etliche Jahr nacheinander zu ſeinem Fußſchemcl gebraucht, wann er wol
len zu Pferdeſeigenendlich aber in ſeinem hohen Alter lebendigſchindehud
ihm die Haut von dem Nackenbßauf die Fußſolenabziehenlaſſen. Welches
zwar dem Römiſchen Reich zugroſſer Schande und Hohn gereicht: aberdemº
nach
* Vbiqueſ?mawere-cºrreverthwevelillac,ſamt certè diverſ.

.
«FIF(S)FTP
noch den Römiſchen Nahmen damit nicht aufgehoben. Noch vor dieſes ge
fangenen Käiſers Lebzeiten iſt unter der Regierung deß Treoniani Galli,
das Römiſche Reichzinßbar worden, nicht ſondere Maculund Verkleinerung,
deß Römiſchen Nahmens indem es das Joch der barbariſchen Servitut #
ſich müſſen nehmen: und dennoch iſt darum das Römiſche Reich nicht vertilgt.
Im Jahr Chriſti 33 1.hat Conſtantinus Magnus das Römiſche Reich
zertheilet; unödenencn Sitz deſſelben in Orient den andern in Occident geſtel
let: dennoch hat deßwegen der Römiſche Nahm nicht aufgehört. Denn das
Occidentaliſche Reich iſt doch geblieben oder aufs wenigſt der Nahm und
Schatten davon; auch da der Occident durch die Erarchen regiert worden.
Als Rom von den Wandalis oder WendenerobertalleKäſerliche Zerrathen
in Africamgeführt und die Francken GalliamdieScoti,Picti, und nach dieſen
die Sachſen Britaſien/die Hunen Europam/die Wenden Africam und andre
andre Provinzien eingenommen; ſchiene das Reich ganz gefallenſeyn und in
Occident verſchwunden: aber dennoch blieb übrigder Nahm oder zum wenig
ſtender Schatten eines Reichs und ward dieſes mcht gänzlich von der Erden
genommen. - -

Wie Auguſtulus den Purpurhinwarff; ward es zwar verringert und


verdunckelt im Dccident und geng ſchiergarunter von der Erden: wardden
nochſeinNahmmcht weggenommen; ſondern von den Erarchen als gleich
ſam deß Orientaliſchen Käſers Statthaltern/ conſèrvirt biß auf Carolum
Magmum. Jader Käſer Carolus ſelbſt hatdadurch daßerin Occident das
Käſerthnm angenommen / gnugſam erklärt daß in Occident noch die Reli
quiendeß Römiſchen Reichsübrig. - -

Wie Wenceslaus zudem Regiment erhoben, iſt das Römiſche Reichſo


eingeſchrenckt und geſchmälert geweſtzdaßgleichwie vormals demſelben nichts
als nur ein geringer Thel vom Orient noch gefehlt I alſo damals demſelben
nichts gelaſſen als ein geringer Theilvom Occident; wie ein Welſcher Scri
bent redet. Und nichtsdeſtoweniger iſt csdennocheinReich geweſund bleibe
es noch auf den heutigen Tag. -

Dieſes Reich hatſeine Verändrungen und Glückswechſel nicht anders


als andre den Geſetzen der Natur unterworffene Dinge. Welches Damel
mercklich zuvernchmengbt indemers einzertheiltes Reichnennet / theilsalis
Eiſentheilsaus Thon gemiſcht. Es hat ſeine Stärckeund Befeſtigung ge
habt wie GOtt haben wollen, daßes blühenſolte:iſt nun Thonworden und
wirdkünfftiger Zeit noch ſchwächer werdenjenäheres zu ſeinem Ende
/
#
ehlt
-
- „FSF(R)?SF
fehlt aber doch noch ſoweitſdaß darum ſolche Schwachheit deßReichsden Rö
miſchen Nahmen von der Erdenhinwegnehmenſolte; daßcben hiedurchamal
lermeiſten ſein Nahm bewieſen und beſtetiget werde. Dann wäre es nicht ge
ſchwächetunderſchüttert; ſo könteesmcht den Nahmendeß Römiſchen Reichs
in dieſem letzten Welt-Alterbehalten: angeſchendºßen Prophetiſches Merck
zeichen deß Römiſchen Reichsiſt: welches ſo langes dieſem Reich gleichſam
eingedruckt; mußnothwendig nocheinReichübrig ſeyn, -

Woher iſt dann aber deſ Laëtantii und etlicher anderer Weiſſagung von
dem Untergang deß Rönuſchen Reichslentſprungen? Denn er iſt es allein nicht
der ſolches davor gehalten; ſondern auch andre Kirchenlehrer und Ausleger der
# Schrifft, haben weiß nicht durch was Motiven eben daſſelbe gemuthmaſ
Chryſoſtomusſagt in der Erklärung deß 2. Capitels der Epiſtel Paulian
die Theſſalonicher: Wann das Römiſche Reich wird aus dem Mittelſcynge
räumt; dann wird der Antichriſt kommen.
Hieronymus ſchreibt an Algaſiam: Chriſtus wird nicht kommen zum
Gericht ; esſey dann erſt das Römiſche Reich verwüſtet undder Antichriſt
vorhergangen. -

Auguſtinus im XX. Buch vonder Stadt GOefeslam 19. Capitel: der


SpruchPauli: Tantum quimodóImperator, imperet, donec deme
diofiarideſt,de mediotollatur; wird nicht ungereimtdafür gehalten./daß
er von dem Römmſchen Reich geredet ſey. -

Laëtantiusſagt aber auch esſeyeineSibylliniſche Weiſſagung vorhanden


geweſvon dem Untergang der Stadt Remdarum weil ſieden Nahmen Gott
tesgehaſſet der Gerechtigkeitfeindgeweſen und das Volckſoein Säugling
oder Lehrjünger der Warheitlerwürget habe. -

Aber wo ſind ſo viel übereinſtimmende Zeugniſſen der Kirchenvätter von


dem Untergang deß Römiſchen Reichshergefloſſen ? Alleaus einem Brunº
en: nemlich aus den Worten Pauli ſo 2.Theſ.2. geleſen werden von dem
Antichriſt; daßdeſſen offenbarer Tyranney und Wüterey nichts im Wege ſte
he/ohne daß derjenige derſeaufhält oder verzögert noch nicht ausdem Mittel
gethan. Werderjenige Aufhalter oder Verhindrerdeß Antichriſtsſey; hat
der Apoſtel durch Schreiben nicht erklären wollen. Unterdeſſen haben.theils
der Ausleger auf den Heiligen Geiſt theils auf den Antichriſt ſolches ge
muthmaſſet ; Auguſtinus aber ſich nicht geſcheuet dieſer Geſtalt aufzuruſ
fen: Ich bekenne/daß ichgang nicht wiſſe/was allhie Paulus Ä
- (dixcrit)
(dixerit)Etlicher GFFÄg FSä appliciren Tºº
gingiſt zwar nicht unbequem: dennfekömmt überein mit dem Göttlichen
Gezeugußwelches Moſesinſeinem 1. Buch am 6.Cap.recirirr: Spiritus
mets non judicabit in homine perpetuÖ. Mein Geiſt wird den Mens:
ſehen nicht allezeit richten. Das ſoviel geredtiſt: die Menſchen wollen mcht
mehr annehmen die Straffedeß Geiſtes Gottes. Denn was kan es anders
vor ein Geiſt ſeynf der die äuſſerſte Verwüſtung und Tyranneydeß Anti
chriſts in der Kirchen wehre und zurückhalteweder der Heilige Geiſt ? Und
rſt mcht recht daß man ſolche Krafft den Antichriſtaufzuhalten, dem Römi
ſchen Reich welches politiſch oder weltlich iſt 1 zueigne: maſſen dißunfeinesf
weder in der Göttlichen Gewalt. Können derhaben von dem Römiſchen
IReich die Pauliniſchen Worte nicht werden verſtanden.
- Dieſe Meinung ſtehet mit vielen Beweißthümernzubehaupten. Denn
erſtlich ſtimmet auſſer allen Zweiffel 1 die Predigt Pauli mit der Propheten
Lehrüberein. Nun iſt aber offenbar /daß die Meinung von dem gänzlichen
Untergang deß Römiſchen Reichs vor der Zukunfft deß Antichriſts; der Pro
phereyung Daniels von der immerwärenden Beſtändigkeit deß bißauf Erz
ſcheinung deß HErn in den Wolckenzurichten die Lebendigen und Todtenf
daurenden vierdten Reichsgarmchtgemäßſey. Darum der RomſcheNahm
nicht vertilget noch das Römiſche Reich vor dem Jüngſten Tage nicht gar
aufhöret, vielweniger vor der Zukunft deſ Antichriſts. -

Sowir(zum andern) ſprechen: das Römiſche Reich müſſe weggenomz


men werden vor der Zukunfftdeß Antichriſts; werden wir damit verneinen
daß bißher kein Antichriſt geweſen oder annochſey. Oenn es ſtehet annoch
das Römiſche Reichlund ſind deſſen Rahm und Herzlichkeit noch nicht garer
blichen. Wie ungläubich aber und abgeſchmackt iſt dieſes daß der Anti
chriſtweder bißherogeweſt oder noch jetziger Zeitſey ? Horeener nur was
Johannes deß HErrn ſo lieber Diſcipul, in ſeinem erſten Sendſchreiben am
2. mit vernehmlichen verſtändigen Worten ſagt: Rindlein! es iſt die legve
Zeit und wie ihr gehört habt/der Antichriſtkommt und nun ſind viel Wis,
derchriſten worden: daher erkennen wir daß die letzte Stundeſt. So denn
nun der Antichriſt gekommen und bey Johannis Lebzeiten/allbereit viel Wi
derchriſten entſtanden: was für eine Unartiſtes daß man verneine der Antis,
chriſtſollenicht kommen/bevor das Römuſche Reich zu Grundgangen. Wo
der Antichriſt noch nicht kommen, ſo iſt auch noch die letzte Zeitnichtvorhans.
den: welches wie esmutdeſHErn Chriſti undder Apoſtel Predigten über
- - - MR eintreffe;
«Es(o)? F
eintreffe; ſteht unſchwer zucrachten. Johannes beſchreibt einen ſolchen An
tichriſtderdaleugnetdaß JEſus der Chriſtſey: Wer aber(ſpricht er Oden
Sohnlaugnet der hat auch den Vatter nicht. Welche Wortlſo wir ſie nicht
von den Ketzern verſtehenderen etliche die Göttliche Natur geleugnet; etliche
ſeine Verdienſtverkleinertandre andernGottesdienſt erdacht; ſeynd wir ganz
blindund unvernünftig.. -

Denn alſo legt es auch Theophilačtus aus: Simon (ſagter) und Ni


solaus die Erzketzer wirckenwasdem Antichriſtzuſtehet: undallefonach dic
ſengefolgetl Marcion, Montanus, der ſich ſelbſt den Tröſter genennet I und
nicht wenig andre mehr.
Auf ſelbigen Schlag / legt Auguſtinus (im XX.Buch/Cap. 10. von
der Stadt Gottes) die Antichriſtcn von den Ketzern aus. Denn alſo urthe
Aer davon dieſer heilſame Kirchenlehrer und guter Ausleger Prophetiſcher
undApoſtoliſcher Schrifften: Weil die Antichriſten deſ HErºn Chriſti
Widerſacher ſind; ſey gar nicht zuzweiffeln/daß man die Ketzer vor Wider
chriſten halten möge. -

Jedoch damit es nicht das Anſehen gewinne gleich wolteich alleinſevie


ler Ausläger Erklärung und Muthmaſſungenwiderſprechen; ſo gebe ich zu
Daß das Verhengniß dem Römiſchen Reich einen Abbruch habe geſchchen
ſenundzwar keinen ſchlechten ſondern einen ſolchen der mit vielen Thrä
n:n und Seuffzernzubeklagen. Unterdeſſen aber wird kein Verſtändiger
ſagen können/daßes darum gar zerſtöret. Denn auch vormals hat es ſich ge
waltig geneiget; und heutigsTagsläſtder wütende Türck nicht nach vonſei
nem Corpore abzuziehen ſo viel er immer kam und mag. Und iſt woleme
wunderliche Abwechslung die bey dem Lauff dieſes Rauchsvorfällt: daß da
es in Occidentabnahm; es hingegen unter der Regierung deß groſſen Conſtanz
tini im Orient empor ſtieg: und wiederum als es im Orient /theils durch
Göttliches Verhengnißtheils durch innerlichen Zwiſt verwelcket; im Occi
denthergegen wieder von neuen hervor geblühet: Dßiſt nemlich die Verän
derungſwelche Danieldurch das Eiſen und Thonder Fuß-Zehendeß groſſen
Thiersfürgebildet. -

Obgleich die Hauptſtadt Rom ſo oft geplündert und von dem Reich
abgeriſſen; kam dennoch deßwegen das Römiſche Reichwol beſtehen und der
jenige, der das höchſte Haupt unter den Chriſten/Römiſcher Käſer heiſſen:
Sonſt hätten allbereit vor langer Zeit viel Käiſer ! als Valens, Arcadius,
Theedöſus der Jüngere und andere ſo ihnen im Regiment gefolgt Ä Kcii
- - rlichen
/ -
- - - "Fs (E)*__ – – – –
ſerlichen Titul und Majeſtät ihnen fälſchlich zugeeignet. Eine andere Ord»
nung und Proceßvor dem Ende der Weltverkündigt der HErr Chriſtus;
undem Erſagt: Es wird geprediget werden das Evangelium vom Reich in
der ganzen Welt zum Zeugnißüber alle Völcker undalsdann wirddas En
dekommen. Daniel aber zeigt deutlich an der Alte werde kommen zum Ge
richt/wam das vierdte Reichannoch ſtehet. i
Sind es demnach bloſſe Muthmaſſungen oder vielmehrGetichte ſowi
der das Wort GOttes ausgeſchüttet die man von ſolchem Proceß hervor,
bringtals müſte erſt das Römiſche Reich untergehen; hernach der Antichriſt
º
kommen; und dann zuletzt das jüngſte Gericht folgen.
Noch viel einen ungeſchicktern Proceß beſchreibt Laétantius, in dem
Epitome oder kurzem Begriff. Erſtlichmeldcterwerde die äuſſerſte Gott
loſigkeit Betrug/Boßheit und Unbilligkeit im Schwange gehen: alle Er
barkeit Liebe und Gerechtigkeit erleſchen: Dernach zehn Männer den ganz
zen Erdboden einnehmen 1 und gleichſam verſchlingen: aber darauf ein viel
mächtiger und weit Gottloſerer entſtehen der ihm den ganzen Erdboden zueig
ne: dann werde fürs dritte folgender Republicen Städte und Geſetze Ul
tergang/Mißwachs der Aecker Wandlung deß Waſſers in Blut Finſterniſ
ſenund Traurigkeit deſ Himmels und der Elementen das Himmclzabfallen
der Sternen Verkürzung deſ Jahrs der Monaten und Tage. Bey ſo
trübſeligem Zuſtande werde der Antichriſt kommen. Nach dem Antichriſtl
meinter werde Chriſtus vom Himmel herabfahren in groſſer Krafft das Ge
richt der Todten und Lebendigen zu halten, und die Erde wieder in Ruheſe
zn; dann werde ein Reich der JOeiligen aufkommen und tauſend Jahr Friede
ſeyn: Wann ſolches geſchchen die Welt ganz verneuert werden und die Auf
erſtehung folgen. - -
Es mag dieſes alles glauben wer da will und an Einbildungen | die in
Gottes Wort ungegründet I Belieben trägt. Unsgcbührt von der Vor
ſchrifft deß Göttlichen Worts nicht zu weichen: welches weil es uns befiehlt
wir ſollen bey dieſen Tumulten und betrübtenSchauſpielen deß Krachenden
Welt-Gebäus unſre Häupter emporheben und den in den Wolckendeß
Himmel kommenden Sohn Gottes erwarten; wurde es ruch und Gottloß
ſeyn daſ wir etwas anders als alle Tag und Augenblick die Zukunff dieſes
unſers Erleſersund Freymachers hofften. Laſt uns vielmehr für gewiß
halten daß alles ſchädliche Figmenten oder Geticteſeynddie uns wider den
Befehl Chriſti entweder noch eine lange Zeit
-
Ä Friedund RihinÄ
Mij Wclſ
V
-

_ F-Gº) - –

Welt verheiſſen. So viel/ſpricht Auguſtinus die Tage herzutreten


und ſich nähern; ſoviel werden auch die Trübſahlen vermehrt: WTiemand
ſolt ihn etwas verheiſſen / was das Evangelium nicht verheiſſt. Die
heilige Schrifft verſpricht uns in dieſer Welt nichts als Trübſeligkeit Pla
genºd Drangſal/Schmerz und einen Haufen Anfechtungen: dazulaſt uns
-bereiten; damit wir nicht als Unbereiteunten liegen.
ARich zwar beduncktſcsſtecke hinter dicſer Meinung von der Vertilgung
deß Römiſchen Reichs l und Ankunft deſ Widerchriſts vor dem Jüngſten
Tage/weißnicht was vor eine Epicuriſche Sicherheit: So lang das JRcch
noch nicht vertilget kan der Antichriſt nicht kommen: So lang der Anti
chriſt noch nicht gekommen; darf man deſ Jüngſten Tags noch nicht gewär
tig ſeyn. Derhalbenweg mit allen Fabeln vonder Zeit und Stunden die der
ewige Vatter ſeiner Macht vorbehalten hat!
Was aber Laëtantius, von der Dienſtbarkeit deß Occidents im Orient
zuvorgeſagt; das iſt allbereitldurch den Ausgangſwürcklich beſtätiget. Denn
cs ſind ihrer nur mehr als zuviel Dienſtbar; indem der Türckiſche Tyrannei,
nen guten und groſſen Theil deß Occidents mit ſeinem Jochbedrückt. So
nun einer dieſen von ihm unterdruckten Theilden Occident nennen will 1 wird
er nicht unfüglich ſprechender Occident diene dem Orient. Welche Art zu
reden ſogar ungebräuchlich nicht aber was bißanheronoch nicht geſchehen bei
ſorgen viel kluge Leuteſdaßes noch künftig irgendgeſchehen möchte. Denn
gar denckwürdig iſt deß Johannis Hiltenii Rede/der zu Eiſenach in Thürin,
geneinFraneiſcaner Mönch geweſt von dem ſechszehnhunderteſtem Jahr in
welchem die grauſamen Türcken ganz Europam mit Raub und Brandver
eeren würden. Weil denn auchdieſes Mannes Propheccy von der Vor
örung der Mönchenin Teutſchland im Js 16. Jahr durchden Ausgang
bewehret worden: ſteht vielleicht nicht zu zweiffeln Idaß auch vorbemelde
Weiſſagung von der Verwüſtung Europens werde erfüllet werden. Jedoch
muß ich bekennenlesfalle von zukünftigen Dingen ſchwer zuurtheilen; wo
ferndas heilige Wort Gotteshierinndem Menſchen nicht vorleuchtet. Von
dieſer Verwüſtung aber findet man inheiliger Schrifft nichts gewiſſes. Uind
HleFºtº zu ſagen; beſſer iſts unterweilen das Zukünftigenicht wiſſen als
pen. - T

Das Wort Omnis ganz oder alle wird gar oft gebraucht vor viele;
und enthalten ſich dieſer Red-Art ſogar auch mcht die HJ). Scribenten; wie
aus Exempelnbeyden Propheten und Apoſteln zuerſehen. Vielmehr aber
- -
- «Fs (SF) er
Hatcs noch der Ciceroim Gebrauch zu ſagen: Die ganze Stadt/alles Jta
lien; anſtatt etlicher aus der Stadt oder Italien. Weßwegen es deſto wea
niger unförmlich wann man auch in ſolchen Weiſſagungen ſo zwar nichtal,
lerdings umſonſt aber doch mit keinem gewiſſen Zeugenß deß Heiligen Geis
ſiest hervorgegeben das Wörtlein Gang oder Alles von einem Theilver
ſtehet.
Ihrer etliche deuten die Weiſſagung vom Gog und Tagog bey dem
Ezechiel und in der Offenbarung Johannislauf die Türcken: maſſen wir
nicht ſonder Threnenſchauen wie dieſe Barbaren, indemitzigen hohen Alter
der Welt ſo groſſe Zerſtörung anrichten und Iſrael das iſt die KircheGottest
plagen und bedrengen. Aber der Prophet ſetzt den Gog und Magogin Mits
ternacht: daher ihrer etliche der Meinung waren durch ſelbige Nahmen wür
den die Moſcowitter verſtanden. Wie eine ſchwere Sachiſts in einer nicht
gnugſam bekandten noch verſtandenen Sachen ein Urtheilfellen! Die Kir
chenlehrer Hieronymus und Auguſtinus zwar wollen hiedurch die Ketzer und
Tyrannen verſtehen/ welche zum Theilmit Gewalt zum Theilmitfalſcher -
Lehre die Chriſten anfeinden. Mit welcher Erklärung deß Petri Galacini,
Auslegung übereinkommt, welcher darvorhält/Gogund Magogſey kein ab
ſonderliches Volckſondern Gottloſe Leute die das Vock Gottes verfolgen
Lyra vermeinet / Gogſey der Antichriſt; Magog deſſen Anhänger. Der
Prophettraunbeſchreibt den Gog anders nicht als eine Geiſſel GOttes des
ren ſich GOtt gebrauche ſeine Kirche um der Sünde willen zuzüchtigen...
Wiewol aber dieſer Gog der Kirchen einen groſſen Schrecken und Gewalt
wird anlegen: wird er dennoch endlich auf den Bergen Iſraels überwunden.
werden; das iſt an ſolchen Ortendadicwahre Kirche GOtt rechterkºnt und
anrufft. Dß ſoll uns billigtröſten, bevorab zu dieſer Zeit dader Satan
durch die Türckenundatidre Feinde der wahren Kirchen allen ſeinenG. inn
und Zorn mit ganzer Machtwider uns ausläſſt. -

Dieſem nach ſo ſollen wir uns nicht einbildendaß einiger Fried Ruhund",
Ergetzlichkeit mehr übrig ſeylaltch dieſer Welt; ſondern von ganzen Herzen,
aufdie Zukunfft Chriſti harren beywelchem Er uns von dieſen Plagen wird.
erledigen und in die ewige Ruhe und Freude verſetzen. Zu welchem Warten.
und Hoffnung uns dann auch der Sohn G.Ottes Selbſtund Seine Apoſtcll
bey dieſen letzten Erregungen und Erſchütterungen der Welt ermahnet und
aufmuntert. Unterdeſſen müſſen wir mit unabläſſigem Gebet den Sohn
GottesanruffendaßErfürſeine Kirche ſtreiteÄ aus dem Rachen ihrer
3. - - - HYMiº.

.
„Es (A)?&H-
grauſamen Feindenerrette. Welches Erauch zu thun beym Daniele Zver
ſpricht wenn Erſagt: Michael das iſt Chriſtusſder groſſe Fürſtl wird für
dein Volckſtehen. - -

Nochandre groſſe und heilige Männer giebtes/welche weiß nicht durch


was Muthmaſſung veranlaſſet geſchloſſen der Türck würde Teutſchland
anfallen: und geſagt, daß die Gedancken ihnen ſo erſchrecklich daß ſie zu ſchwi
zen und zu zittern beginneten ſoofft es ihnen in den Sinn käme. Warlich
dieſe Geiſſel G.Ottes ſchwebt uns vor Augen: es ſind aber gleichwol noch
Mittel/dieſem Ubel entgegenzuſetzen/ neinlich Buß und Gebet damit wir
dieſen unmenſchlichen Feind uns von der Haut halten mögen. Und obgleich
unſere Sünden auch die allerſchärffſteStraffe verdienen: will ich doch hoffen!
der Türck werde Teutſchland nicht angreiffen noch das Occidentaliſche Reich
einnehmen. Denn die Prophecey Daniels von dieſer vierdten Römiſch
Teutſchen Monarchy die vor der Zukunfft Chriſti mcht könne weggenom
men werden/bleibt unumgeſtoſſen und unüberwindlich: es mag auch mit der
Kirchen und Policey einen Zuſtand haben/ wie es wolle. Unterdeſſen iſt
uns gleichwolG OTTvon den Türcken wie die Juden von ihren benachbar
ten Völckern anfechten und verſuchen: damit unſre Gottesfurcht Glaube
Anruffung Gedult und Standhaffigkeit geprüfet und geſchärffet werden.
Unvonnöthen iſt es mehr Authorcsanzuziehen deren Reden von der
Türckiſchen Herzſchafft in Teutſchland als eine fatal Bedeutung ſcheinen.
Denn es ſtoſſen vielerleyMotivenzuſammen dadurchGottſelige Herzen nicht
in geringe Bekümmerniß gerathen:inſonderheit die Betrachtung deßelenden
Zuſtandes deßJüdiſchen undGriechiſchen Volckes. Stehn auch leicht aus
gleichen Urſachen gleiche Wirckungen zuſchlieſſen. Das Jüdiſche Volck
hatteſolchen Vorzug als keine andre Nation: Ihr vornemſter Schatz war
das Wort Gottesdie Verheiſſung deßMeſſa der von den Jüdenſolte ent
ſpringen die Menge der Propheten; viel Offenbarungen und Wunderwer,
cke und eine von GOTT ſelbſt mit Geſetzen befeſtigte Policey Ordnung.
Welches ſowires gegen unſren Zuſtandhalteu; wird ſich finden, daß wir an
keinem Dinge den Juden wasbevorgeben. Das Wort Chriſti wohnet um
ter uns reichlich mit aller Weißheit: diekünſte und Wiſſenſchafften blühen
beyuns: und iſt keine Nation/die ein mit Recht und Satzungen beſſer geziertes
Regiment hätte: über das iſt beyunsanFrüchten und Lebensmitteln ein guter
Uberfluß. Und obgleich an Luſt und Lieblichkeit etlicher Gewächſe das ge
lobte Land unſer Teutſchlandüberträffe, wird es doch ſchwerlich an Ä
Cit
/
«#$(o) -
– barkeit und Menge darüber ſeyngeweſt. In Warheit, es iſt nicht anders;
was G-Ott einzelner Weiſe andern Nationen und Völckernzugeeignet; das
ſº hat er ingeſamt auf diß Teutſche Reich ausgegoſſen.
Weildºß und dergleichen mit den Jüdenunsgemein; ſelte einer dann auch.“
wol können zweifelnſdaß wir nicht gleiches Glück zugewartenhaben ? Das
Glück aberdeß Jüdiſchen Volcks iſt zuletztelendundjämmerlich geweſt Idaß
einem grauſet daran zugedencken. David hat ſolches im Prophetiſchen Geiſt
- vorhergeſehen und im 137 Pſalm 1 faſt ganzer zwey-hundert-undfunffzig
Jahr zuvor verkündigt E.: Wann wir demnach ihr Erempelanſehen;ers
- weckt ſothane Erinnerung billich einen Schrecken in uns und beſorgen wir
billig gleiche Straffe wegen gleicher Verachtungdeß WortsGOttes und
c Halsſtarrigkeit in groben Miſſethaten. c. -

Alſo kommen wir / inſoweit/zimlich übereinl und wird keiner leugnen


in dörffen, daß auf gleiche Mißhandlungen gleiche Straffen gehören. So
mich aberjemandfragte obder Türck eben daſſelbige beydieſem unſrem Reich
verrichten werde was vormals der König von Babelbey den Iſraeliten; will
eh ungeſcheuet antworten: Der Türck vergleiche ſich zwar in vielen Sachen.
dem Babilo ſchem König; aber in nicht wenigern Dingen ſeyer ihm hinge
gen ganz ungleich. Abgottcrey Rechthum Glück und gutem Succeßfin
a detman ſowobeydieſemals jenem. Aber bey dem Türckenfügt ſich das Ä -

sº nicht was der Prophet Jeremias im 17. Capitel / von dem Nebucadnezar
der die Kinder Iſrael ins Etend geführt ſchreibt: Dem Nebucadnezar ſollen
alle Völcker dienen. Sehr wichtige Ungleichheiten ſind diß. Der König
- von Babel war ein Monarch von dem Propheten Dame ſelbſt eingeweihet.
Denn alſo ſpricht er zu ihm: GOtt hat alles in deine Hand gegeben. Und
von dem Ezechiel wird er im 26. Capitel ſein König aller Könige genennet.
Obernungleich ein Abgötter geweſt; hattihm Gott doch die Ehre verliehen
daß er ein Monarch und allgemeiner Kong/ under erſcn und güldnen Mo
narchy wäre. * - -
Was hat es mit dem Türcken vor einen Beſcheid? Ein kleines Horn wird
das Muhametiſche Reich/beym Daniele genannt entſtanden aus dem Mittel
der zehen Horner durch welche das Römiſche vorgebildet wird. Iſt ders
wegen keine Monarchy/ ſondern ein von der vierdten Monarchyemſprun
genes oder abgebrochenes Reich. Und wiewolesdrey Hörnervondenzchen
weggeriſſen, das iſt das Römiſche Reich geſchmählert verringert und bea
drengethºt:überkommt es dennoch das Reichundhöchſten Gewalt "te O.
*-

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So nun der Türck einordbeiches von Gott geſetzes und beſtetiges Ac:
giment/nicht hat: Was kan ſeine Macht und Gewalt anders wohl ſeynwe
der eine purlautere Tyranney? Denn obgleich die grºſſeſten Käiſerthämer
als das Babyloniſche Perſiſche Griechiſche I und Römiſche durch groſſ:
Sünden von einer Nation auf die andre verſetzt worden: werden cs doch
glichwol von dem Daniele Reiche genannt/und von GOtt approbirt.
Duß ſteun gar kenntliches und augenſcheinliches Merckzeichen das Rö
miſche Reich von der Muhametiſchen Tyranney zu unterſcheiden, welche
nichts anders dann ein ſchändliches Gewächs / den Cörper deſ Römiſchen
Reichsdarauses aufgefahren und gewachſen häßlich verunzieret und ſchwä
Hernach waren von deß Iſraelitiſchen Königreichs Umkehrung und hin
wegführung nach Babylon auch ſonderbare und gewiſſe prophetiſche Weiſ
ſagungen vorhanden. Denn im 2.Buchder Könige am zO. ſagt Eſatasdeut
tchzudem Ezechia: Siehe!cs werden Tage kommen, daß alles hinwegge
nommen werdenach Babel wasumdeinem Hauſe iſt und was deine Vätter
dahingelegt habenbiß auf dieſen Tag. :ä. Jeremias im 29. Cap. We
ihr meinen Worten nicht gehorchethabt; ſtehe! ſowill ich ſenden und verſam
ken alle mitternächtige Völcker ſpricht der JOEr: ; und meinen Knecht Ne
bucadnezar den König zu Babel: und wit ihn kommen laſſen über diß Land
und ſeine Einwohner c.
Dennespflegen die Propheten nicht allein die Straffen und Erledigun
gen/ſondern auch ſolcher Göttlichen Straffen und Erledigungen Werckzeug
und Handlehrr/zubcnahmen und anzuzeigen. Aber von der Verſetzung die
es Romiſchen Reichs ins Türckiſche iſt weder Zeugnißt noch Anzeigung
Weiſſagung in den Schrifftender Propheten und Apoſtelzufinden darauf
man fuſſenkonte. Denn was von andern Menſchen auſſer den Schriften
der Propheten und Apoſicl 1 vorgebracht wird; ſind bloſſe Gedancken und
Muthmaſſungen oder Ornina aus derer Sachen, die ſich begebeil Verauff
gezogen. Was iſt aber trirglicher weder deß Menſchen Opinton und B
düncken? was ungewiſſer alseine Muthmaſſung?
Esgedcncktmuchnoch wolals der Moſcowiterin Liffland fiel und alles
wo er hin kam mit Schwert und Brand verwüſtete; daßtheilsverſtändige
hochgelehrte und anſehnliche Leute auf die Gedancken kamen den Gog und
Blagogauf den Moſcowitter zu accommodiren und davorzuhalten - die
Molyneci würden aus Melech in Teutſchland hervorbrechen. Denn die er
-- ſchröckliche
- «FSF(S)FSF- " -

ſchreckliche Grauſamkeit der Moſcowitter ſo von ihnen in Liffland verübt


wurdebewogſieldaß ſie die Weiſſagung Ezechiels und Johannis von gemeld
tem Gogund Magog von den Türckenablauf den Moſcowiter verdreheten.
Und zwar nicht allerdings ohne Urſach: Sintemal alles Volck, welches die
Kirchen Chriſti verfolgetplaget und verwüſtet nicht unbillig Gogund Ma
gogtitulirt wird. Daraus leicht abzunehmen, was geſtalt auch den Türcken
dieſes nicht ſonderlich zuzueignenſey daß ſie das Volck G Ottesl oder Regi
ment der Chriſten entweder mit Waffen bezwingen oder ihnendermaſſen unter
würffigmachen ſoltendaß der Occident wieder nach dem Orient kehretel oder
der ganze Chriſtliche Creyßihmdienſtbar werden müſte.
Derhalbcnrichtendiejenigen nichts aus dieaus dem Erempel der Jüden
die Verſetzung deſ Teutſchen Reichs in das Türckiſche erweiſen wollen: weil
das Mahumetiſche Reich dem Babyloniſchen ganz unähnlich, in welchem
G Ott ſelbſt den Sitz der erſten Monarchygeſtellet hatte: gleich wie er denSitz
der letzten Monarchy in dieſem Occidentaliſchem und Mitternächtigem Reich
gepflanzet/undſolches bleiben laſſen willlbißanden letzten Tag daunſer HErt
JEſus Chriſtus zum Gericht fommt. Uber das differirt die Jüdiſche Ge
fängniß von den Türckiſchen Einfällen ins Reichlauchindieſem Stück ; daß
jene ausdrücklich allen Umſtänden nach zuvor verkündigt: dieſe Türckiſche
Anläufe und
und Äthut
Ä aber ſo der Türck in den Chriſtlichen Grenzen
ſeyndweder durch Prophetiſchenoch Apoſtoliſche Weiſſa
bemer t. - >

- Nun iſt noch übrig das Griechiſche Volckſomit den Teutſchen eine groſs
ſe Gleichheit und Verwandtſchafft hat. Dieſes liegt daſ für unſren Augen.
von dem Knechtſchen Joch der Türcken ganz unterdrückt; da es doch vor der
ZeitanGüternſEhrKunſt und groſſen Thatenallen Nationen und Völckern
faſt überlegen war. Der Macedoniſche König Philippus zwar trachtete ihm
auchhart nach; könte es doch gleichwol nicht gar überwältigen. Nach ihm a
berbezwang durch Göttliches Verhängniß ſein SohnAlexander das ganze
Griechenland; damit er ein allgemeine Herſchafft über die ganze Welt auf
richten möchte. Nachdem aber die Welt begunteerfüllet zu werden von dem
GlattzdeßEvangelii) durch die Predigt der Apoſtel und derer Nachfolger;
welch ein groſſer Himmel-Schatz ward damals dieſem Volckmitgetheilt!
sAuchwarddurchden Käiſer Conſtantinum ſelbſt die Herzlichkeit deß Reichs
zum Theil dahingetragen. -

--
Hatesmit Teutſchland nichtgleiche Tºre kein Eyſht "Ä
8.
/
- - - - „Z“ (Hº) SZ: - -

dern gleicher weder unſer Teutſchlanddem Griechenlande. Wie konnen wir


uns denn einen andern Ausgang verheiſſen als welchen die armſelige Griechen
ſoviel Jahrhererfahren und noch täglich mit vielenSeuffzern empfindens
Ebenſo ſchreckliche Uneinigkeiten ſind beedes in der Kirchenundweltlichem
Regimentjczounter uns; wieweylandbeyden Griechen: Ebendergleichenlü
ſtigen Nachſteilungen und Einfälle der Türcken indieſes Reich; wie weiland 2
von ihnen in Griechenland vor gänzlicher Eroberung deß Orientaliſchen
Reichs und der Stadt Conſtantinepel geſchehen. Gleichwienun zuderd
Zeit der Türck nicht cheabgelaſſen Griechenland anzufeinden und bezwa d
ckenbpers gänzlich bezwungen: alſo ſcheint es durffte er auch jetziger Zeit
nichteh aufhoren Teutſchlandzuberauben und anzugreiffenbßers gar gezäh
met und überwunden.
Aber hieraufgebich zur Antwort: Der Zuſtand Griechenlands war vor
der Monarchy deſ groſſen Alexanders gar anders beſchaffen: angeſehen da
mals durch Göttliches Verhängnßſder Orient zu einer Monarchyinčlinir
te; welches von Teutſchland/mit Fuge nicht kangeſagt werden. Vor der
Türckiſchen Eroberung aber deß Griechenlands I war die Zeit gekommen in
welcher die Mahometiſchen nach der Propheeeyung Danelisſdrey Hörner S
von denen zehn Hörnerndcß Reichsſoltenabreiſſen. Welches damals erfül
letwe Egypten, Syrien und Griechenland unterhr Joch gerathen. Unter fa
deſſen haben ſie doch deßhalben kein rechtmäſſiges noch von GOTT ge
ordnetes Reichl in dem Orient angeſtellet; viel weniger in demſelbigen a
Morgenlande eine Monarchy angerichtet. Und weil vorhinde Grieche zu
ſche Nation die Monarchygehabt; durch Göttliches Verhängniß aber wies zu
der verloren: ſo kander Danieliſchen Propheceyhalber Ä geſche, wº
hº daß die Monarchy oder das höchſte Reich wieder in Aſien oder Griechen- an
andumkehrenſolte. Folgt derowegendaßauch jetzt nicht das Römiſche Reich der
ſowenig oder viel deſſen auch immer mehr davon übrigl in Aſien oder Orient ſc
wiederum gelangen werde: weil weder die Ordnung der von dem Daniele ge .
weiſſagten Monarchyen ſolches leidet ; nocheiniger Vernunfftgemäß daß
das Reichda wieder hinkommenſolte von dannen es einmal weggeſchieden.
Diß ſind die UrſachenunüberwindlichſterKäſer die mich nachdem ich die
Sache der Warheit gemäß betrachtet genöthigt dem Lačtantio,der die Wie- º
derkehr deß Occidentaliſchen Reichs nach Orient weiß nicht warumgemut R
maſſet noch zur Zeit nicht Ä Es graſſirt zwar der Türck und h
wendet alleſeine Macht zum Verderben dieſes ReichsſonimmtauchdasReich
- - - - mercf
«HSF(H)?&P-
nercklich in der Thatabwird mattund ſchwach.dtchenanaen Emºmas
wolle es fallen. Solches aber iſt kein Wunder; und der Prophetiſchen Weiß.
ſagung Ä entgegen. Denndiſ Reich welches durch das verdte Thierſhey
dem Daniele abgemahlelendigt ſich mit tonichter Füſſen. Es iſt aber natür
lich, daß ein Ding von Oben oder von der Höhe anfange;undin der Niedrung
aufhöret : und kehret etwas nicht leicht wiederum von der Ferſen fachdem
Haupt. Derhalben wird auch diß letzte Reich nicht wiederum wenden/ zu
dem Mittagenºrckſoche.chts anders wäre als von den Füſſen über
die Schienbeine zu den Lenden Bauch und Bruſt wieder hinaufſteigen. :
- GOtt hat dieſe OrdnungArt und Lauffder Monarchienſelbſt alſo geſtel
let: daß es von dem güldnem Haupt zu der ſilbernen Bruſt vonderſilbernen
Bruſt / zudem Ehrnen Bauch von dem ehrnen Bauch zu den Beinen und
Schenckenſothels EiſentheitsTon hinabſteige aber nicht wieder zurücke
von den Füſſen zuden Beinen Bauch Bruſt oder Haupthinauf. Was
wäre aber die Wiederkehrdeß Occidentaliſchen Reichs in Aſien anders als ein
Aufſteigen deſ Danieliſchen Bildes von den Füſſen nach dem Bauch oder
Bruſt ? So wenig es die Natur leidet daß Tonin Eiſen Erz und Silber
Stlber in Goldverwandelt werde: ſo wenig geſtattet auch vielgedachte Danie
liſche Prophecey/daß dißletzte Reich wieder nach dem drittenlandern oderer
ſten ſich kehres
Viel gewiſſeriſtesſdaß dieſe Trümmer und Fußſtapffen deß Reichs be
Harren; obgleich groſſe Ungewitter und Niderlagenes überfallen und darauf
zu ſtürmenbißandas Ende der Welt: daß der Sohn Gottes/wennEr kommt,
zum Gericht die von ihm geordnete Policey(memlich deß Römiſchen Reichs)
wiewolmut groſſem Leidebeſudelt gekräncket und beynahevertilget dennoch
antreffe. Unterdeſſen / unüberwindlichſter Käſer ! wird das Meer wüten;
der Sturmwindanfallen; ein Wetter über das anderaufſteigen groſſe Kriege,
ſich anſpinnen! Empörungen entſtehen; wegenangedrohter Gefahr. Forcht
und Schrecken ſeyn und faſt das Anſehn gewinnen gleich ſolte das Unterſte
obengekehret werden. -

Laſt uns aber nichtsdeſtoweniger getroſt ſeyn!weil gleichwolmitten unter


ſolchem Toben und Wüten dieſes Welt-Meers nichtsſchkanbegeben, was
von dem Propheten Daniel und unſerm Heilandſelbſten nicht zuvor angezeigt.
Ä und Natur deſ Tons bringt keine andre noch Ä
Ät ſich als ebenſolchegebrechlicheſtrübſelige mit Mühſeligkeit und teil -
tunddoch ſoll uns auch Tººmeye
i -
A. - --
ºſten
- *-
Ä -
- -&SF(S) - - -

daß die Naturdeß Tons nicht daurhafft noch langwärendſey. Mögen wir
demnach wiſſenſdieſestonichte Reich werde nicht weniger als das güldnel ſil
berneundehrnelſein Ende nehmen und unſer Heyland JEſus Chriſtus uns zu
befreyenkommen: unddasul ſovieldeſto mehrje gebrechlicher und ſchwächer
Toniſt weder das Metallcºe. -

VIII.

Aus D.Ph. W. ſeinem 2. Buch/von der Zeit deſ Reichs


Chriſtiac. Vom dem einigen Tag/ſieben Monden und ſieben
Jahren deſ Gogitiſchen Tumults/Untergang/zc.
kurz zuſammengezogen.
§ 8. Endlich wird der Gog (das iſt/der Tlahometiſche auff)nicht
durch menſchliche Kräffte ſondern durch eine himmliſche Macht erlegt undun.
terdruckt. Welches kan verſtanden werden von der Geiſtlichen Victory
und Uberwindung der Chriſten ſo unter den Mahometiſchen noch, wohnen
Dann obwoldieſelben Chriſten unter dem ſchweren Joch der Dienſtbarkeit
hart bedrangetundden Türckenunterhanſeynmüſſen: jedoch überwinden und
erlegenſie ihre Türckiſche abergläubiſche Herren mit der geiſtlichen Rüſtung
und dem ſcharffen zweyſchneidigem Schwert deß Worts G.Ottes dasin
Ewigkeit bleibet. - -,

§ 9. Derhalben auch der Prophet (Ezechiel)die Gogiten 1 als geiſtl


chetodte Leichen abmahlet und können auch wir in dieſem Verſtandeſagen
daßdie TürckenTartern Perſen/AraberSaracener und andere Mahumet
ſtentodt ſeyn: weil ſie nemlich von dem Göttlichem Leben weit abgeſondert ºf
§ 1o. Esſtinckenaber die verſtorbene Gogitendermaſſenſdaß die Iſra
elitendeß groſſen Geſtanckshalber ſiebegraben müſſen: auf daß das Landge
reiniget werde. Da dann geſagt wird daß ſie gantzer 7. Monden lang an ih
nen begraben haben und darnach an ihren Waffen und groſſen Rüſtungen
gantzer 7. Jahr zu brennen gehabt. Dieſer gieffttge böſe Geſtanck aber iſt
nichts anders als eingeiſtlicher Eckel und Abſcheuenſo die fromme Gottſelige U
Chriſtenin-Orientlob der Mahumetiſchen Tyranney und Alcoraniſchen Vers,
fung Gottes und ſeines Wortsdeßgleichenob der Verwerffung allerfreyi
Künſte und wildenwüſten Leben Handel und Wandel der Türcken täglich
haben und empfinden. -

§ 1 . DerhalbenbegrabenſedieGogiten: das iſt: Siehaben ob


- - - - - Ma
- FSCE) &#-
Mahumetſtenalstodtenſtinckenden Leichen ein herzliches Abſcheuen, und
bitten GOtttäglichEr wolle an ihnen wie an dem verſtockten Pharaoin E
gyptenlandl ſeinengerechten Zorn dermaleins beweiſen und ſie in die Gruben
ſtoſſen und werfen dieſe den Chriſtengegrabenundgemacht haben.
§, 12. - Das Verbrennen aber der Waffen Schild Tartſchen/Bo
gen/PfeilStangen und Spieſſedeß Gogitiſchen Kriegsvolcks bedeutet die
Abſchaffung und Verbrennung gleichſam alles Aberglaubens Betrugs und
nichtigen Rühmensundviehiſchen Lebensſobeyden Mahumetiſtenfürgehet:
denn dieſe Waffenſeynin der Warheit nichts anders als allerley Alcoraniſche
Aberglauben Gottsläſterung viehiſche grobe Sitten Hohngelächter/ mor
denbrennenſtelen und raubenſpotten rühmen und triumphirenüber allerhand
greuliche Unzucht Mord und Blutvergieſſen I an den Chriſten begangen und
bewieſen: Sintemaldieſes alles die heilige Schrifft den ſcharffen PfeiffenDi
ſteln oder Dornenglüenden Kohlen und Schermeſſern vergleichet IPſ 52.58.
12o. Rom. 2. Das Feuer aber der Iſraeliten iſt das Wertdeß HErnſdaß
in Ewigkeit bleibet und umſichhauet wie Feuerflammen. Derhalbenſagt der
Prophet (Ezechiel)Es werden die Iſraeliten ganzer 7. Jahrlang nichtdörf
fen Holz auf dem Felde holen noch im Waldehauen: anzuzeigen, daß diß
nicht ein natürlich Feuer ſeyn werde darzuman Holthabenmüſte; ſondern
daßesein geiſtlich Feuerſeyn werde; ſo aus dem Munde GOttes gehet/ und
allcsverzehretloderverbrennet/was ihm zuwider iſt. Und ſchlieſſe ich hieraus/
daßalle Waffender Gogitenſieſeyengleich von Eiſen oder Stahl gemacht
endlich in ſieben Jahren von dieſem geiſtlichen Feuer werden verbrandt wer
§ 13. Gleichwie man für dietodten Leichnam einen gewiſſen Ort oder
Kirchhoffpflegt zuhaben dahinſiebegraben und in die Erde verſcharret wer
denſdaßſiedaſelbſt verfaulen und zur Erde werden mögen: alſo werden auch die
geiſtch todte Gogtendiefür Gottes Angeſicht nichts dann ſtºckende Le
ehenſeynenengewiſſen Ort zum Begräbnßhaben, nemlich im Thal der J
ſraeliten das iſt im Lande der Chriſten welches übel zugerichtet verwüſtet ge
nidriget und gedemüthigt worden iſt. Und dieſer Ort wird eine Stadt ſeyn
mit dem Nahmen Hamona genannt in der Warheit aber ein gifftig Todten
grab und wüſte Spelunca oder Hole daraus ein ſo greulicher wüſter und
böſer Geſtanck deß Gogitiſchen Unflats und Unluſts kommen wird; daß
die Iſraeliten die Naſe werden dafür zuhalten. Durch dieſen Ort verſtehe
ichalhiedeStadt Conſtantinopelwelchegegen Ä liegtºä. dennheu
ii tiges
«FSZ(o). -
tiges Tags iſt ſie nichts anders als eine rechte Mördergruben Tund einſtinº -
ckend Lochoder Grab eines groſſen wüſten Hauffens der Todtenecörper und -
Leichen daß man billich alle Abgötterey und Gottsläſterung dahin als zunt
offenen Grabanden rechtengebürlichen Ortſweſen und ſchicken möchte:c.ä.
§ 15. Die Zeit deß Gogitiſchen Tumults/Untergangs und Begräbnißf
iſt ein geiſtlicher Tag 7. Engliſche Monden und 7. Jahr. Denn der Heilis.
Geſtnennetdie Zeitdadie Iſraelitenſicher wohnen und von den Gogiten
allen werden einen Tag Ezech. 38. Darnach wird der Gog mit ſeinem:
Heerbegraben 7. Mondenlangl und ſeine Waffen werden in7. Jahren ver
brandt/Ezech,39. Ein geiſtlicher Tag aber iſt 1000. Jahr 7. Monden
ſindEngliſche Tage odergemeine Jahr 210. Pierzu kommennoch,7«.
Jahr;alſo daß die ganze Zeit eine Summa machtvon 1 2 17-Jahren. Wenn
nun die Zeit Endſchafft gewinnetlindem angeſetzten Jahr 167o. wird der.
Anfang garfüglichfallenins Jahr Chriſti 453, zu welcher Zeit der grauſame
Tyrann und König der Hunen Attila die gewaltige Städt Aquileiam Ticis
nium/Paduamzä. und andrein Grundzerſtöret und inganz Welſchland ei
neſehr groſſe Forcht und Schreckengebracht. Dieſe Zeit nun ſtabzutheilen
in 3. Theil: nemlich in den Tag deß Gogitiſchen Aufſteigens in 7. Monden
deß Gogitiſchen Begräbnißlundin7. Jahr dadie Waffen der Gogitenver
brandt werden. Der Tag deß Gogitiſchen Aufſteigens oder Zunehmens iſt
eine Zeit von 1ooo. Jahrenlinwelchen der Antichriſt Geg jemchrundmehr
Ä unddie Chriſtenheit zum theill durch das grauſame Raſen und
ütenmancherleywilder Volckerl als ſeiner Vorboten zum Theil durch
der Mahumetiſten Krieg und Gottsläſterung/greulich geplaget hat. Dieſe
tauſend Jahr von Anno Chriſti453. anzufangen enden ſich im Jahr Chriſti
1453. da der Türckiſche Käiſer die Stadt Conſtantinopel einbekommen und
sºmit den MahometiſtennachErobrung deß Orientiſchen Reichsaufshöch
ſtekommen iſt. Ä. -

Der Prophet ſagetdaßamſelben Tagdader Gogl aus den Endenvon


Mitternachtherfürbrechen wird; die Iſraeliten ſicher wohnen werden: und a
berGogwerdekommen wie eine Wocken die Erde zubedecken: und werde ei
egroſſe Bewegung oder Schrecken durch den Zorn G Ottes anrichten; al
ſo daß von dem Angeſichtdeß HErn zittern ſollen die Fiſche im Meer die
Bögel unter dem Himmel das Vichaufdem Feldelund alles was auf dem
Äſamt allen Menſchen ſº auf denſeyn und ſollen die Bergeumge
kehre werden unddie Wände und alle MaurenzuBoden fallen. -
«Es (E)FSF- -

Wann man nach dieſer Weiſſagung auf die Hiſtorien ſehen will, wird
ſichs befinden l daß in dieſen 1ooo. Jahren viel groſſe Bewegungen/Forcht
Schrecken/Angſt Noth von den Gogºtenerwecket underreget worden. Da
der Hunnen König die Stadt Aquileiambelágert hatte und den andern Städ
ten in Italien aufsgräulichſt drohete: haben die vornehmſten Bürger unden
ſelben Städten aus groſſer Angſt Fövcht und Schrecken ihnen vorgenom
menlanandre Ort zuweichen; haben auch endlich ihr Vatterland verlaſſen
und die Stadt Venediglindem Adriatiſchen Meergebauet: undiſt alſo die Er
de und das Meer dadurch bewegt worden. Die Wendenaber welche in Aſia
º tobeten 1 haben bald darauf die Stadt Rom / ſo auf einer Seiten kaum vom
Schreckender Punnenerlöſet war;vonderandern Seitentunter dem Fürſten
Genſerico, feindſelig angegriffen und geplündert: darauf ſeyn die Heeruli
kommen, welche das Reich in Occident zerſtört und ganzer 16.Jahr in Ita
" liengeherſchet haben; bißdaß ſie von den Gothen vertrieben welche mit den
Wenden und Scythen die Arianiſche Lehrſdaraus derMahumetiſmus entſtan
den gewaltig vertreten haben. Nochmals ſind die Longobarder dahin kom
1 . Menºë.
* - Alſo haben alle dieſe Völcker zum Theil mit der Arianiſchen Sectl zum
Theit mit anderer Abgötterey befleckt den Antichriſiſchen Geiſt in Orient
durch ſoviel KriegTumult und Empörungpromovirtund confirmirt; biß ſie
ihn endlich garherfürgezogen. Dann darnach iſt der Mahumetiſmus, als
deß Gogs Seefunden Ä auſſer der Kirchen ſelbſt
kommen; und haben ſeine Patronen die Saracenerin kurzer Zeit ganzAra
biam AEgypten,Cyrenen,Africam, Mauritaniam, Hiſpaniam, Palaeſti
nam,Phoeniciam,Syriam und Perſiam,unter ſich bracht; und alſo ihr Reich
faſt ſehr erweitert:auch haben die Tartern dieſe Abgöttereyin AſiamundEu
ropam:ä. bracht: deßgleichen auch die Türckenhaben das kleine AſiamdieIn
ſul Cyprum, Rhodum, Lesbum, Lemnum, und andre mehr deßgleichen
1 Graciam, Macedoniam Myſiam,Thraciam, und endlich das ganze Oricn
tiſche Reich darzubracht.
Dieſes iſt alles geſchehen in dem geiſtlichem Tagel oder 199o. Jahren/
welche gewärethaben vondem Krieg der Hunnen 1 bißzur Eroberung der
Stadt Conſtantinopel; da dieſer Tag oder 1ooo. Jahre ſich geendet haben!
und die 7. Engliſche Monden deß Begräbniß der Mahumetiſten angangen
ſeyn: dieſelben machen 200. und 10. Jahr ſo ſich enden werden I wann man
ſchreiben wird (NB) 1663 Jahr. Welcher meiner Rechnung und Mei
HS(H) K. =-M-

nungich dieſe Urſachhabe: Erſtlichſtausdem 7. Capitel Danielisoffenbar


daßdas Gogitiſche Hornalsdann auf das höchſte wird geſtiegen und kommen
ſeyn: wann es die dreyvorderſte Hörner oder Königreiche abgeſtoſſen und un
terſichgebracht hat. Gleichwienunder Mondwann er vollworden alsbald
wieder anfängt abzunehmen: alſo mag man nicht ungereimt vom Gogſagen
daß er von Eroberung deß Orientaliſchen Reichs an I bißdahert mit ſeinem
Kriegsvolcknunmehr abnimmtfällt und ſtirbt auch auf geiſtliche Weiſe von
der Chriſtenheit begraben werde. Es hat aber der Türck die Stadt Conſtan
tinopeleinbekommen Anno 1453. alſo daßer damals angefangen den Titul
und Nahmendeß KäiſerszuConſtantinopel zuführen. Von der Zeitanhat
er kein Königreich mehr von Occident abreiſſen und an ſich bringen können,
DenndaßerSyriaunöPhoeniciam Palaeſtinam/Egyptum/Africam Ara
biamundanders mehr nachmals eingenommen und äuſſerlich bezwungen, da
durch iſt das Mahometiſche Reich vielmehr geſchwächt und geſchändet wor
den:ſintemalſie zuvor viel beſſer am Alcorangehalten als jetzunder daſie ihre
Freyheit verlohren und in die Dienſtbarkeit gerathenſeyn.
Darmachiſt1 aus dem Propheten Ezechiel (auch bekantl daß man die 7.
Mondendeß Begräbniß Gogs von der Zeitlanfangen mußzuzehlenda er den
Ort deßBegräbnißdas Thalam Meer gegen Morgen Hamona genannt.
bekommenundfunden hat. Nun iſt aber zuvor bewieſen, daß dieſes von keinem
Ort beſſer als von der Stadt Conſtantinopelin Thracia könne verſtanden
werden: ſinkemaldieſelbe bald nach der Erobrung hat angefangen einſtin
ckendTodtengrabzuwerden; da die herzliche Kirchen der Chriſten in wüſteun
flätige Viehſtälle und Verſamlungen der Gottsläſterlichen Mahometſten
verwandelt worden und die freyen Künſte aus Griechenland ins Elend verz
ſtoſſen neue Herbergen in Weſchland und Franckreich geſucht haben e.
Endlich halte ich daß der letzte oder Jüngſte Taguns Äg ſey als daß
man eine äuſſerliche Niderlage und leibliche Begräbniß der Gogiten hoffen
kömte, welche 21 o. Jahr lang mit ſteter Uberwindung und äuſſerlichem Sieg
der Chriſten wären ſolte: denn wir leben in der letzten Zeit der Kirchen als
gleich in der dritten Nachtwacheſdaunſer Bräutigam der HERR Chriſtus
von der himmliſchen Hochzeit wie ein Dieb in der Nacht kommen und ſeine
liebe Braut aus der Dienſtbarkeit und Trübſal dieſer Weltſerlöſen und die
Feinde deßEvangelii mit allen Teufeln 1 zum Schämel ſeiner Füſſe tretten
und legen wird: daß alſo dieſe Begräbniß der Gogiten 1 nicht von äuſſerlicher
Uberwindung ſondern vom geiſtlichem Begräbniß davon obengeſagt muß
verſtandck.
- «Fº(o)Sß«
verſtanden werden und die Zeit deß Abnehmens oder Fallsdeß Türeken von
Eroberung der Stadt Conſtantinopelfüglich und wohl gerechnet undgezehlre
Pird.
Auf dieſe 7. Monden/folgen nun ferner die 7. Jahr dadie Waffenden
Gogiten ſollen verbrandt werden. Welche7.Jahr von Anno Chriſti 166z.
angefangen werden.bißtns 1670.Jahr.
Diß wird zwar ehe kurze Zeit ſeyn: aber es werden doch alle darauffwan
tenmüſſen welchen der Fried und Wolfarth der Kirchen angelegen. Denn
hie iſt eine gute Hoffnung zu ſchöpffenldaßwenndas Jahr Chriſti 1663. her
bey kommt das Evangelium/imgeſchwindem Laufdurch alle Königreiche der
Gogiten lauffen und gehen werde: und nach Verbrennung und Ausrottung
alles Mahometiſchen Greuelslam ſelbigen Ortlkurz vor dem jüngſten Tag
hell und klar zum Zeugfuß allen Völckern gepredigt und verkündigt werden
wird: aufdaß alſo alle Entſchuldigung der Unwiſſenheit den Unbußfertigen
benommen werde; und ſie nichts haben das ſie vorwenden, wenn der Richter
kommt als wenn die Lehr deßheiligen Evangelii ihnen nicht wäre verkündige
undgepredigt worden. -
Und werde ich in dieſer Hoffnung nicht wenig confirmirt durch die Bes
trachtung deſ geſchwinden Untergangs der Gogiten wenn man denſelbenene
gegenſetzt und conferirt mit dem geſchwinden unverſehenem Anfang und Auf
ſteigendeß GogitiſchenReichs. Denn der ander Caliphashachdem Mahu
meth&omargenant hat das Reich dieſes falſchen Prophetenwelches damals
ganz gering und unanſehnlich war und in wenig Arabiſchen Orten oder Win
ckelnvielmehr ſich aufhielt in kurzer Zeitſofaſterweitert, daß es innerhalb 7.
Jahren ſich weit und breit über Oricñterſtreckt und ergoſſen hat. Dann wie
Crantzhemiusin ſeiner Chronologiabezeuget; ſe ſeyn die Saracener im
Jahr Chriſt 634 in Syriengefallen und haben die Römergeſchlagen: Anno
635. haben ſie Damaſcum und Syriam bezwungen. Anno 636. haben ſie
Egypten und Jeruſalemsinbekommen: Anno 638. Haben ſie Autochamund
Syriam erlanget: Anno 639. haben ſie Meſopotamamunter ſich bracht:
und Anno 64o. Aſam und das Reich der Perſer erobert: daß alſo in kurzer
Zeit deſ Mahomets Reichfaſtſehr geſtiegenundzugroſſem Gewalt kommen.
iſt. Gleichwie es aber in7. Jahren faſt ganz Drient wie eine Sündflur
eſäuffeund überſchwemmet hat alſo iſt zu hoffeneoſoll endlich nachdem der
ZornGOttes über die Sündeder Chriſten geſtillet innerhalb ſieben Jahren
wiederum vergehen und zerfallen:ſ
; -
sºg me - Mf
-
- –4 - FSF(H) Sß
meſo kurze Zeit nennetſetzet und deputiret in welcherdic Waffendeß Maho
mets ſollen verbrandt und verzehret werden. -

Bißher gedachter D.Ph. N. Welcher wieausbßher Angezogenen zu


erſehenlalles geiſtlichdeutet und faſt keiner leiblichen Uberwindung deß Tür
cken und Mahometiſchen Hauffens ſtattgiebt. Wiewol nun hierunter viel
merckwürdiges; und zwar inſonderheitſdaßer eben um dieſes Jahr darinn wir
jetzt lebenden Anfang deß Türckiſchen Falls rechnet: Ä doch ſolche ſei
tie allegoriſche Auslegung die in vielen Sachen zimlichſübtiliſiretl gar nicht
die Prophecey drß Gogitiſchen Untergangs auch leiblich zu deuten und eine
äaſſerliche Stürzungdeß Türckiſchen Reichs durch Wehr und Waffenda
nebenzu hoffen; obgleich ſolches vorher noch manchen Kopffkoſten und da
Türck grauſamlich wüten und tyranniſiren möchte.
- Dann beedes kam wohlbeyeinander beſtehen ; allermaſſen wie es dieſer
Theologus, etliche Blätter hernach ſelbſten zuläſſt, da er die Wortdeß Pro
pheten wie GOttdenGog richten werde nacheinander ausleget. Welche
weil ſiezubeſſeren Beweißthum deſſen was jetzt gemeldet dienen; ich folgen
deshicher ſetzen will. W

S.
Jchwillaber doch (alſo lauten ferner deßvorigen Authoris Worte)
meine Chriſten in dieſer Angſt nicht ſterben noch verderben laſſen: ſondern
wann es aufs höchſtekommen und es ſich anſehen läſtl alsſeyes nun ganz und
gar um ſie geſchehen; ſo will ich mich kräftigerzeigen ihnen zu Hülff kommen
indes mit dem Gogein Ende machen.
Und ich will über ihnrufſen auſ allen meinen Bergen in der ganzen
Chriſtenheit wilich widerihnaufmahnendas Schwertſpricht der HERR:
memlichſ das geiſtliche Schwert deß WortsGottes ſo den Dienernder Kirs
ehen befohlen:und (NB) dann auch das weltliche Schwert ſo die Fürſten
und Herrenführen; wiewol ſolcher Sieg nicht von ihrem Schwert, ſondern
von Mir vornemlichherrühren ſoll der ich meinen ganzen Ä
und Grimm
über die Gogiten ausſchütten will daß eines jeglichen Schwert ſoll wider
den andern ſeyn. Sie ſollen untereinander ſich födten und würgen wie die
Äs durch einheimiſche Kriege einander aufgerieben haben Ju
dic.7. M. 9- -

*. Undichwilihnrichten: Mit dieſen ſechs Straffen will ich ihnheim


ſuchen: Erſtlich mit Peſtilenz I mit böſem Gewiſſen als wie mit gifftigen
ſchädlichen und tödtlichen Schwären ſo aus Betrachtung der vielfältigen
GottsläſterungTyranney und Bübereyerwachſen und auffahrenſollen TA
- POc.
-

- «FS (c) SZ
poc. 6. Und Blut: mit greulichem Blutvergieſſen laufdaßerempfange
was er an andern Leuten gethan hat. Dann deß Mahomets Reich iſt durch
Schwerd Mord/Todtſchlag und Blutvergieſſenſerbauetſerweitert undbiß
her Ä worden: derhalben ſoll es nun auch durch Krieg und Blutvergicſ
ºſen ſeine Endſchafft nehmen; alſo daß ſie einander ſelbſt erwürgen und hin
richten werden.
ſ Und will regnen laſſen Platzregen: will einen unruhigen Wirbelgeiſt
unterſiekommen der ſie wie ein wildes Meer/bewege und nimmermehr zuRu
hekommen laſſe.
f" trit Schloſſen: unverſehener Uberfallungund Bedrengung mancher
leyVölckerlſo dem Gogzugehörigſeyn: daßnemlich die 6eruli/von denGo
then/die Gothen von Saracenen/ die Saracenerin Egypten von den Mame
lücken/die Mamelucken von den Türcken unterdrückt und geſchlagen werden:
gleichwievorzeiten die plötzliche unverſehene Uberfallung deß Salmanaſſaris
W den Schloſſen verglichen worden ſo vom Himmel herunterfallen. Eſa. 28.
Feuer: Ich will ein Feuer allerhand Uneinigkeit unter ihnenanrichten!
ſo zum the von der Ungleichheit der Ketzer zum the aus dem Alcoranoder
Mahumetiſchem Geſetz entſtehen und ſchrumſichfreſſenwird.
* - Und Schwefel über ihn und ſein Seer/und über das groſſe Volck
das mit ihm iſt: Endlich will Jch die Gogiten heimſuchen und ſtraffen mit
ihrer eigenen Unfäterey und wüſtem ſtinckendem Lebenoder Sitten; daß ſie
mit allerhand SündSchand und Laſter mit Unzucht.HurereyundEhebruch
mit Blutſchanden vielen Weiber-nehmen Raub Mord Todſchlag Dieb
ſtall:ä. und was deß Unflats mehr ſeynkanals wie mit Schwefel überſchütz
tet und ſtinckendgemacht worden.ä.ä. Und wie die Worte alldaferner lau
ten: aus welchen zuſehendaß D.Ph. N. unterweilen wiewolgar ſelten auch
der leiblichen Uberwindung der Gogitengedcickt.
- - - - IX.

Eben derſelbige über das 12. Capitel


- - Danielis. - -

8A ſtehet
-
Ufdaßcrs (nemlich der Prophet Daniel) deſto beſſer verſtehen möchte,
der HEr Chriſtus am Ufer deß Fluſſes auf der andern Seitenſ
entdecket etwas vollkömmlicher ſeine Meinung und ſchreibt dem Gog
zu 1 290. Tageſ das iſt ſoviel Jahr auf Engliſche Weiſe zurechnen: nicht
zwar als wenn nach dieſer Zeit das Wütender
- - - -

aufhören ſoll;
j -
Ä ſ
-

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- "FSF(It)?&# -

dern daß der Gogvielleicht zur ſelben Zeit je mehr und mehr ſich herfürthun
würde und da er ſich deß künftigen beſorget / ſonſt anderswo allerhand neue
Hülffeerdencken und aufbringen werde ſich damit aufzuhalten: welchen allen
aber doch ein Ende gemacht werden ſoll nach Vollendung ) 3 35. Jahren
Hie mußieh den Chriſtlichen Leſer erinnern daß er nicht die letzte Zahl
mit der erſten in eine Summa zuſammen bringen muß / daher 262 $. Tage
entſtehen würden, welche Jahrzahl länger und gröſſer wäre als daß ſie könte
auf dieſe unſere Zeit gebracht werden, da der Jüngſte Tag ſchon für der Thür
iſt. Derhalbenmuß die kleine Zahl als 1290. in die groſſe Zahl der 13F5.
Tage eingeſchloſſen werden, daß es einen ſolchen Verſtand gewinne I daß die
Gogiten 1 290. Jahr regieren und herſchen werden; darnach werde ein ans
der Unglück darzukomunen/welches der Chriſtlichen Kirchen nicht wenig wird
zuſetzen: aber die Chriſten ſollen nicht verzweiffeln ſondern alles gedultig lei
denund mit Gedult erwartenbißdaß noch 45. Jahr fürübergehen und alſo
die Zahl der 1335. Jahr vollwerden: nach welcher Vollendung alsdann die
ganze Herſchafft und Tyranneyder Gogiten werde aufgehoben werden.
So machen nun die 13 z$. Tage 1 335. Jahre: welche I wenn ſie
Anno 1670. ihre Endſchafft erreichen ſollen ſich anfangen müſſen im Jahr
Chriſti 335. in welchem Jahr die abſcheuliche gottsläſterliche Ketzerey der
Arrianer eine Mutter und Gebärerin deß Mahumetiſmilda ſie zuvor im Nis
ceniſchen Concilio verdamt und alſo eingetricben worden daß ſie ſich nicht
mercken dörffte laſſen; jetzund zu Jeruſalem in groſſer Verſamlung vieler
Biſchoffe ihre Patronen gefunden durch welcher Liſt die andern Vätterbe
trogen worden alſodaßſie den KetzerArumlaufden Befehl deß Käſers Con
ſtantin Magniwelchendie Widerſacher mit Liſt herausbracht hatten in h
eBrüderſchafft aufgenommen 1 und mit ſolcher Unbedachtſamkeit der vºr
damten Ketzereyen ein weitFenſter aufgethanhaben l daß ſich der Arius von
Tag zu Tag wieder hat ſtärcken können: wie er dann nichtgefeyret ſondern je
länger je mehr getobet und alſo in ganz Orient dem Greuel deß Mahumets
den Wegbereitet hat.
Hie iſt fleiſſig zumercken ! daß der Engel den Anfang dieſer Tagen
macht von der Zeitſdadas täglich Opfer abgethan undder Greuel der Ver
wüſtungeingeſetzet worden. Durch das tägliche Opfer verſtehet der Pro
phet Danieldastägliche aufopfern oder ſchlachten und würgen der Chriſten
von den heydniſchen Käiſern geſchehen davon der Apoſtel Rom. §. ſage:
Esſehetgeſchrieben umdeinetwillen werden wir getödtet den ganzen Tag
-
«H (E) ºß“
und ſind geachtet für Schlachtſchafe:c. Jader Prophet Daniel nennetdiß
tägliche Opfferkurz zuvor die Zerſtreuung deßheiligen Volcks GOttes
da er ſagt: Es ſoll alles erfüllet werden / wenn die Zerſtreuung deß heiligen
Volcksein Ende hat. Das iſt; es werde der Gogitiſche Greuel und Tyran
ney ſich anfangenſwann das vielfältige Schlachten und hinrichten der Chris
ſtenein Ende haben wird.
- Durch das Wort der Verwüſtung/ wird die Stadt Jeruſalem ver
ſtanden; welche wie der Prophet im 9. Capitel anzeigt 1 biß an das Ende der
Welt ſollverwüſtet bleiben. Der Greuel aber iſt eine Ketzereyl oder verfluch
teabſcheuliche Lehrdadurch der Nahm GOttesgeſchändet unddie Lehrdeß
„H. Evangelii vertunckelt wird:c.
Iſt derhalben diß die Meinung/und Verſtand der Worte deſ Prophez
ten, daß der Anfang derGogitiſchen Zeit alsdenn zumachenſey I wann das
tägliche Opffer oder greuliche Schlachten der Chriſten I aufhören werde;
und wenn um dieſelbe Zeit der Antichriſt Gogalsein Affe G Ottes, der das
Zepter ſeiner Macht aus Zion geſandt hat 1 ſeine Greuel in der verwüſten
Stadt Jeruſalem wird anrichten einſetzen und beſtetigen. -

Dieſes iſt nun alles geſchehen/unter dem Käiſer ConſtantinoMagno,


welcher dißtägliche Opffer abgethau und den Verfolgungen ein Ende ge
macht. Darnach hat er eine ſehr köſtliche ſchöne Kirch zu Jeruſalem ge
bauettnd daſelbſt einen groſſen Synodum und Zuſammenkunfft vieler vor
trefflicher Biſchöffel ſo aus vielen Orten zuſammen kommen angericht und
gehalten im Jahr Chriſti335. Da iſt der Antichriſt Gogherfür gebrochen!
und hat durchgetreucn Fleiß feiner Vorläuffer / und Bewilligung der Bis
ſchöffeiſen Reich erhalten: und daer zuvor das Geheimnißder Boheit noch
heimlich gehalten und nicht öffentlich getrieben hatte; iſt er damals erſt recht
Herfür gebrochen/und hat angefangen den Heiligen anzuſiegen und ſie zu i
ertrinden. Denn der Erzkczer Arius als ein Fendrich oder Oberſter deß
Gogitiſchen Greuels der die ewige Geburt deſ HErºn Chriſti verläugnet!
und ſeite Gottheit mit greulichen Läſterwortenverunehret und alſo den Sa
men ausgeſäet hat daraus hernach der Aleorg: erwachſen war zwar im Ni»
ceniſchen Concilio/öffentlich als ein faul abgeſchnitten Glied der Kirchen in
den Banngethanºe. Aber allhie in dieſem Synodo, zu Jeruſalem gehal
en/wird er die Kirch wieder ein- und aufgenommen von ſo vielen Biſchofs
fen:welchefürwandten ſie hätten hieriñdem Schreibendeß Käiſers Glauben
geben und Folge geleiſtetſºc. Aber Knterdeſſen als der Käiſer von
-

Oüf
*
_-8-Go) ##-
ſiowelchergen Conſtantinopelzoge der BoßheideßAri recht berichtet war;
ſchrieber wieder an das Concilium I und citirte oder erforderte alle Biſchoffe
von dannen gen Conſtantinopelaufdaß er ſelbſt zugegen ſeyn die Sachepers
ſönlich hören und davon urtheilen möchte. Uber welchem Schreiben l die
Biſchöffe uneins und ſchamroth gemacht worden 1 daß ein jeglicher wieder
heim an ſeinen Ort zog; ausgenommen etliche wenig ſo dem Ario zugethan
und gewogen waren: dieſelben ſeyn gen Conſtantinopel gezogen und daſelbſt
beym Käiſer durch Lügen und Verleumden ſoviel erlanget daß der Arius
aus dem Exiliomit groſſer Solennität beruffen; Athanaſius aber ins Elend
verſtoſſenſundgen Trier in Franckreich verwieſen wordentc.cº. -

Von der Zeit anhaben die Arianer angefangengargrobherauszufah


renlund ihre abſcheuliche Gottsläſterung nicht mehr heimlich wie zuvorſon
dcrn öffentlich mit ganzer Macht zu treiben und in der Welt auszubreiten.
Wann man nun dieſe ) 3 35. Jahr deß Gogitiſchen Greuelsl nach vollends
tem dieſem 335. Jahr anfängt zu zehlen, werden ſie gar gerad das geſetzte
670. Jahr zu Ende lauffen:c.:c. -

Und von der Zeitanwenn das tägliche Opfferabgethan/wenn die


Verfolgung und das greuliche Schlachten/und würgen der Chriſten / wel
ches täglich von den heydniſchen Käſern getrieben wird ein Gd.de haben wirdi
und ein Greuel der Verwüſtung dargeſetzet wird; wenn in der verwüſteten
und zerſtöreten Stadt Jeruſalem eine greuliche und abſcheuliche Gogitiſche
Lehre wird beſtetiget und bekräfftiget werden; von der Zeitanſag ich ſollen
verlaufen tauſendzweyhundert nndneunzig Tage: nemlich ſo viel Jahr.
Nicht zwar daß nach Vollendung dieſer Jahre alles Unglück ein Endeha
ben werde: ſondern es wird ſich noch etwas anders zutragen welches auf die
45. Jahr währen wird. Und werden alſo die 45- Jahr zu den andern ge
rechnet machen in einer Summa 133 5. Jahr oder Engliſche Tage. Des
rohalben wohl dem der da erwartet und erreichet; der gedultig iſt und mit
Stillſchweigen und hoffen alles Unglück überwindet und erwartet dreyhunz.
der fünfunddreiſſig Tage: alsdenn wirddie Zeit dieſer Tyranney zum En:
De# die Kirche ohn Zweiffelerlöſet 1 und das Gogitiſche Reich zerſtöret
PrOf. - -

Du aber Daniel/ gehe hin/biß das Ende komme: Beſchreib dieſe


Wort/die ich zu dir geredthabeldaß ſie behalten werden auf die letzte Zeit der
Welt: und ruhe: mittler Weile wirſtu unverſtändlich ſeyn 1 und gleichſam
verborgen bleiben: daß duaufſteheſt in deinem Theil; deine Wort werden
- PMß
-$(E)--
etwas gelten und ſehr lieb und angenehm ſeyn wenn man endlich derſelben
Verſtand wird erforſchen und erfahren können am Ende der Tage, wenn
faſt alles wird vollendet ſeyn. Oiß iſt die Auslegung der Wort deſ Prophe
tenſohicher gehören.
Nun laſſt uns die ganze Zahl der 1335. Jahr / nach Anleitung deß
Propheten inzwey Theil theilen, alſo daß das eine Theil die groſſe Zahl der
1290. Jahr; das andre aber die 45. Jahr begreiffe: ſo wird man von vielen
zukünfftigen Sachen vermuthlich ſchlieſſen und abnehmen können. Denn
nach unſer Rechnung I werden die 129o. Jahr welche ſich anfangen l nach
Vollendung deß 335. Ä Endeauffenkünfftig wenn man
ſchreiben wird 1 625. Deßgleichen werden 45. Jahr 1 bald auf die Endung
der erſten Jahr angehen und ſicherſtrecken in das Jahr 1670.Kanderhalben
wol geſchehen, daß Anno 625. nach Vollendung der vielen Jahren eine
neue Verfolgung in der Kirchenentſtehe. Wie die aber beſchaffen ſeyn wird
ſaget Daniel nicht; ohndaßer höret den glückſelig rühmen der da erwartet
und mit Gedultüberwindet noch45-Jahr. Nun geht aber die Chriſtliche
Gedult mitnichts anders als Creutz und Leiden um: derhalben kam man ver
muthlich ſchlieſſendaß im Jahr 1625. noch ein ſehr gifftig bös Geſchwür
ſich werdemercken laſſen. von teufliſcher Liſt und Boßheitlic. Derohalben
wann vielleicht zur ſelbigen Zeit dahin wir über 29.Jahr ohngefehr von dies.
ſem 1597.Jahr nicht haben ſolchesgeſchicht: ſo ſollen ſich fromme Gottſeli
ge Herzen nach der Vermahnung Danielis/zur Chriſtlichen Gedultſchis
dEen/zä. - - - -

- - X. - -

D.G. in ſeinen Anno 1 97. gedruckten Türs


- cken-Predigten. - -

Amache ihm einer nun die Rechnungſob nicht die beſtimmte 1290. Ta
geoder Jahr faſt zum Ende gelauffen ſind. Inmaſſen die Zeit und
zwo Zeiten und eine halbe Zeit entweder etwas geraumer müſſen ge--
nommen oder gar genau und praecisègerechnet werden. Suchen wir es nicht
ſogar genau: ſo ſind es tauſend Jahr welche von dem ſechshunderſtem Jahr
nach Chriſti Geburt 1 auf das ſchier künfftige tauſendſechshunderſte Jahr
Everſtehe nach ſelbiger Zeit /darinn D. G. dieſe Predigten ausge
hen) zu Ende laufen. So wir es aber ja genau rechnen; wird es doch eine
ereffen. Denn ſeitdem Jahr nach Chriſ Geburts67. da das edle Blut
Mahoº
–-- -
- Ä(S). In
Mahomet in Arabia jung worden und da der hölliſche Drach dieſen Lind?
wurm und Baſilisken ausgebrütet hat, ſind ja nun in dieſem gegenwärtigem
159 $ Jahr verfloſſen tauſend acht- und zwanzig Jahr. Mangeln aſol
zu vollkommener Erfüllung der obgedachten I 290. Jahren noch zweyhun
dertzwey-und-ſechszig Jahre. -
Es iſt auch gleichermaſſen in acht zu nehmen I daß da in der Teutſchen
Bibel ſtehet; es werde die Verfolgung deß Türckiſchen Läſterhorns währen
eine Zeitſundzwd Zeiten und eine halbe Zeit: da ſtehet in der Hebreiſchen
Bibel ein Wörtlein Peleg, das heiſſt nicht eben eine halbe Zeit oder ein halb
Jahr für voll; ſondern es heiſſt nur ein Stück und Theil von der Zeit. Gie
bet demnach der H. Geiſt zu verſtehen daß das Reich Mahumets nicht viel
länger denn drey Zeiten oder wie der Prophet redet eine Zeit und zwo Zeiten
ſolle wären: das würden tauſend Jahre ohngefehrſeyn: denn wir müſſen nicht
alles nach der Arithmetic und Aſtronomia ausecken : ſondern wir nohmen
hier dreyhundert und etliche dreiſſig Jahr für eine Zeit; wie ſonſten ein Jahr
365 Tage lang wäret. Soſaget auch der HEr ChriſtusMatth-24.daſſ
um der Auserwählten willenſdie Tage ſollen verkürzt werden. -

XI.
Herz J. LI1. D. aus einem PWelt-berühmten
Theologo. s
L wird die Macht ſolches Türckens Horns auch nicht ewig / ſondern
Snur eine Zeit etliche Zeit wären und eine halbe Zeit. Welche Wort
ſehr tunckelſind. Als wenn uns der Engel der ſie zudem Propheten
Daniel geredet damit hätte anzeigen wollen, daß es G Ott ſeiner Allwiſſen
# vorbehalten: wie lange Er den Türcken wolle regieren und graſſiren
M (ſ, - -

d“ Etliche verſtehen/durch eine Zeit ein Jahr: aber nicht ein geringes
Jahr welchesdreyhundertfünf- und ſechszig Tage hat, ſondern nach Pro
Tphetiſcher Schrifft-Artleingroſſes Jahr welches ſo viel Jahre hat als ein
gemeines Jahr Tage in ſich begreifft nemlich auch dreyhundert fünf und
ſechszig. Soll demnach ſolcher Geſtalt I dieſes die Meinung ſeyn: Das
Türckiſche Reichſunddeſſelben Streit wider die Heiligen ſolle währen eine
Zeit etliche Zeitundeine halbe : das iſt ein Jahrzwey Jahr undein hal
bes Jahr: welche vierthalbgroſſe Jahrzuſammengerechnetmachen beytau
ſendzweyhundert und acht und ſchenzig Jahr.; wie lang das
-
Ä - -
– - FS(Hº). --
Fon ſeinem erſten Anfang biſ zu ſeinem Untergangſehenſolº. Doch
ſprechen ſie werde GOttſblche Zeit abbrechen und verkürzen,
LEben derſelbige/am 645. Blat ſeienr P. Sch. -

Chhabe mit meinen eigenen Ohrenallhief vor zwölff Jahren von Hn.
CG-F.cinem Weltberühmten Feldherren gehöret; daß als über
Tafel/von dem Türcken-Krieg geredet und geſagt wurde: Er ſolte ſich
billich wider denſelbigen brauchen laſſen; Er geantwortet: Wenn ich einen
rechtmäſſigen Beruf dazu eine gute Artollerylgenugſam Proviant zwan
zigtauſend Reuter/zehentauſend Fußknecht und deroſelben richtige Bezah
lung hätte : ſo wolte ich den Türcken zwey oder dreymal hunderttauſend
Manñhaben laſſen; und mich nichtsdeſtoweniger in dem Nahmen GOttes
#Of.
ihm ohn einige Furcht herumſchlagen / daß die Stücke davon fliegen
Und warum ſolte der Türck ſchlechter Dings und ohn alles Bedingf
unüberwindlich ſeyn? Da wir aus GOttes Wort wiſſenſdaß das Römi
ſcheReichſbißanden Jüngſten Tag beſtehen werde. Wiewol ſolches auch
erfülletbleibenkan; wenngleich dem Römiſchen Reich noch mehr ſolte abges
nommen werden. Damit aber allem Unheilmöchte abgewehret werden:ſols
len wir deß Gebets nicht vergeſſen.
Am 6; 3. Blat ſeiner Propheten-Schulzeucht er/
unter andern/aus vorigem Theologo an:
WFEFF Iſrael nicht die Berge bey Jeruſalem
verſtehen da Gog ſoll erſchlagen werden: Es ſind dieChriſtliche Kir
“chen hinundwieder. Unter den Chriſten ſoll er danider liegen: aber
nicht mit dem Schwert, ſondern mit Blitz, Donner hölliſchem Feuer vom
Himmel herab. Denn unſere Fürſten die lieben Apoſtel ſindder rechtenas
türliche Iſrael: ſo ſind wir Chriſten unter ihrem Panier / das iſt unter dem
Evangeloºk. -- -

- Idemams,7. Blat. -
ÄÄt/undwolmachen
haben unſre Sünden den Türcken groß und mächtig ges
# länger je mächtiger: damiterlohnegroſ - -

ſe Mühe in dieſer letzten Zeit auf die Berge Iſrael kommen möge,
Denn daß er kurz vor der Welt ndel in die Chriſtenheit noch einengroſſen
P und
- SS(S)EE
und ſchädlichen Einfalthun werde hat auch der uralte heilige Märtyrer Cy
ÄÄ. Ä Ä Ä & Ä -

graſſaruracſaevitinimicus; ſed ſtacimſèquicurDominus, paſſiones no


ſtras & vulneravindicaturus. Das iſt: Es iſt da der Türckiſche Anti
Chriſtseskomtaber auch darzu der HEr Chriſtus: es wütet und tobet der
Feind; aber es folget bald darauf der HErt, der unſer Leiden und Wunden
rächen wird,
XII.
Türckiſchen Reichs Untergang ſo durch Antonium Tor
quarum wen Ferrar/berühmten Medicum und Aſtrologum / in ſeinem
dem Aönig Matthiae in Ungarn/angezeigtemPrognoſticogeſtelletwor
den: deſſen auch die Türcken ſelbſt in dem 18. Buch der Muſils
manniſchen Geſchicht gedencken/daß die Ungarn ſich damit
rühmeren. Selbiges lautet von Wort zu Wort -

alſo/wiefolger: -

Er Türcken Herſchafft wird großreichlſ ieghafft und berühmt wer


den und ſie ſomuthig machen I daß ſie auch den Himmel ſelbſt ſchier
nicht mächtig gnug achten werden ihnen zu widerſtehen. Darum
werden ſie trachtenüberdie ganze Welt zu herrſchen; die Aſſyrer und Egypter
in groſſen Schlachten überwinden; die Armenier Parther und Perſer mit
vielen Feldzügen verunruhigen; offt den Sieg über ſie erhalten; zuweilen
aber auchwolunten liegen. Mit groſſem Verluſt ihrer Mannſchafft wer
den ſie die Chriſten angreifens den Venetianernam erſten viel Schadens zu
fügen; hernach ſich mit ihnen vertragen und Belgrad (das iſt Griechiſch
Weiſſenburg) einnehmen; Rhodis beſiegen; Ober- und Nieder-Ungarn mit
vielfältigen Niederlagen betrüben. Endlich / nachdem ſie das Königreich
Ungarn zerriſſen und mit gewaltigem Orohen das Römiſch-Teutſche Reich
( (f,.
sºſich unterſtanden, werden ſie in ihre (der Teutſchen) Hände
-

Vorher aber kommen ſie in Apulien und werden die Seliſchen Fran
zöſiſche und Hiſpaniſche wie auch Welſchlands Meer-Geſtade mit ihren
Schiff-Armeen hefftig anfechten; den Chriſten groſſe Furcht und Schre
cken einjagen. Aber Chriſtus den die Niederlage der Seinigen wird erbar
men; wirdwiderſie den Muth der Teutſchen und Ungarn die Militie der
- - -

- - - - - -
- * Cyprianus lib. IV, Epiſt. 6.
«FIF(S) kß.“
SpanierTund den Wider Welſchenerwecken und aufbringen. Da wird
dann zuletzt ihr Käiſer überwunden und getödtet werden: in welcher Action
oder Schlacht der Ungariſche König das beſte Lob davon trägt. Denn ſo
vieldas Geſtirnpropheeeyet; wird durchbeſagten Königs Anführung Vers
ſtand und Geſchicklichkeit alles vollendet werden ? was von dem Todedeß
grauſamen Ottomanniſchen Käiſerslund von dem Sieg wider ihn zuvor vers
kündigt wird. Das Ottomanniſche Haus wird fallen mit dem drey- oder
vierzehenden Haupt ſeines Reichs und dieſe Zahl nicht überſchreiten/auch
nicht über das tauſendfünfhundertſechs-undneunzigſte Jahr ſtehen. Maſ
ſenes alsdenn einen erſchrecklichen Fallthun 1 und über dem Tode deſ Suls
tans ein ſolcher Streit und Zwitracht zwiſchen denen Türckiſchen Oberſten
und den Ottomanniſchen entſtehen wird./daß ſie ſich untereinander ſelbſt aufs
reiben und auch von Ausländern vertilget werden.
Ganz Griechenland wird durch innerliche Ruin und äuſſerliche Krie
gel dazu mit Peſtilenz und ſcharffen Hunger verheeret werden: auch kein
Stillſtand noch Verweilungſbißes ganz untergehe.
Dann werden die Chriſtenhurtig und einträchtig hinüber ſchiffen und
miteiner groſſen Menge/nach Orient vielmehr fliegen als gehen. Ehe und
bevor aber dißgeſchicht werden die Venetianer gewaltig einbüſſen. Nach
ſolchem allen wird man endlich ſehen l wie Hauffenweiſe die Türcken zum
Chriſtlichen Glauben ſich Ä Alsdenn werden auch diejenigen Chris
ſten die Chriſtum verläugnet; ſein ſanfftes Joch wieder auf ſich nehmen; und
beede Reiche an einen Käiſerkommen. *

In Summal die Creutz-Fahne unſers HErºn JEſu Chriſti wird mit


groſſer Glorin die Morgenländer gebracht werden die Mahometiſche Sect
aufhören, und allenthalben beedes Mahometaner und Juden zuder Tauffe
Chriſtieilen: demſeyEhrund.Herzlichkeit in Ewigkeit! -

XIII,
Hngefehr um das Jahr Chriſti $13. wenigeroder mehr ſoll Lauren
Sº zºliniata deſſen Diſcipul Johannes JovianusPontanus geweſt
ſowol von andern Veränderungen als wegendeßTürcken etwas gepro
pheeeyethabenſoindieſen Lateiniſchen Verſenenthalten
AEras, quaenoſtrisjamjamventuraſübannis,
Eſtmelior:noſtrae legisnonpaucarefringet, -

Aſperaque nimiümäcris&duraſerendis: - - - - -

-
P Er FC
"- - - _s.FS(S)##“
Etgenusomnemalitollet, pompascß ſacrorum:
AcRegem dabit innocuum, quitemperet orbcm.
Hicregetegregièpopulos, gentemcß rebellem
- Imperio ſubdet, toti & dominabitur Orbi
Das iſt:
Die Zeit/ſobaldhernach wird folgen unſren Jahren
Jſt beſſer: denn man wird erleben und erfahren/
Daß ſie die Sagungen/undgar zu ſchwere Laſt -

Der Ceremonien/die überprächtig faſt/


Und was deß Ubels mehr; wird abthun und verſtören:
Sie wird den Königſehn/dergern das Recht wirdhören/
. Und alles Volck/auch das ſo ſicbzuwidern ſtellt
Bezwingen/jao gar die gantze weite Welt.
Unter obgeſetzten Lateiniſchen Verſen werden die Worte: Gentemcß
rebellem Imperioſübdet, auf die Türckenſo dem HERRN Chriſtow,
derſtrebengedeutet und daß ſelbige ſollengedämpffet werden angezeiget.
- XIV.
Threſor de l'Hiſtoire M. Claude Duret Bourbonnois,
Chap. 46.p.419. De la Prediction ou Prophetie de Maho
» meth , touchant la durce de ſa Religion &
Empire-». -

Je Türcken und andre Mahometiſtenhalten und glauben insgemein


daßihre Religion und Regiment nicht länger währen werde Tals tau
- ſend Jahr: und ſprechen ſolchesſeyihnen durch ihren Propheten Ma
homet kurz vor ſeinem Todeloffenbaretſdurchgewiſſe Zeichen: Nemlichdaß
alsermitden Seinigen von der Daurhaſftigkeit dieſer Religion und Reich
darandurch ihn das Fundament gelegtSprache gehaltener ſeine beede Hän
dehoch emporgehaben/unddie zehen Finger ausgeſtrecket habe. Welches ſeine
fürnehmſte Lehr-Jünger erſtlich auf 10.Jahr; aber nach Verflieſſung des
renaufhundert gedeutet: und wie dieſe hundert Jahr auch vorbey hätte man
geurtheiletleinjeglicher Finger bedeutete hundert Jahr. Viel Armenianer
haben dieſes von den Türckenund Mahometanern ſelbſten gehört und es an
dren Chriſtenoffenbaret:wie P. Camerarius imandren Theil 2. Buch3o.
Capitel ſeiner hiſtoriſchen Betrachtungen und Leunclaviusin der Vorrede
ſeiner Muſulmanniſchen Türckiſchen Hiſtory berichten. - -
- : XV.Weiſ
-33(Z) Eß
- - XV.
Weiſſagung der Ungläubigen in Türckiſcher
Sprache.
Atiſlahomosghelur Cſapherunmemleketalur: ken
PÄ almai, alur: Kapzeilerjediyladegh, Gyaur,kele
cieſikmaſſionikiyladegh onlarun Beghligh eder: efija
parbaghi, dikerbaheſaibaglar,oglikeziolur,onichiy
Jenſora (yldcuſſoralegunt alü) Chriſtianonkeleci, eſkar
olTurchighereſſinetuschure_.
ſ Diß hat B. Georgievitz aus Perſiſcher Sprach alſo in Latein ver
eßt: *

Imperator noſterveniet, Gentilium Regnum capiet: rubrumma


Jum capiet, ſübjugabit Septem usque ad annos Echnicorum gladiusſi
non inſurrexerit duodecim usque ad annos eorum dominabitur, do
mosaedificabit, vineamplantabit, hortos muniet ſepibus, filium & fi
liam habebit. Duodecim poſt annos Chriſtianorum gladius inſürger,
qui& Turcam retrorſumprofligabit . -

JQat inunſrer Mutter Sprach ſo viel zu bedeuten:


Unſer Kaiſer wird kommen und das Reich der Heyden ein
nehmen; einen rothen Apffel bekommen/undin ſeine Gewalt brin
gen. Dafern der Chriſten Schwert im ſiebenden Jahr ſich nicht
erheben wird: wird er/ bißins zwölffte Jahr / über ſie herſchen/
Häuſerbauen/Weinbergepflanzen/Zäune umdie Gärten führen/
Kinder zeugen: Und nachdemzwölfften Jahr (von der Zeit deßer
obertenrothen Apffels anzurechnen) wird der Chriſten Schwert
erſcheinen/und die Türcken allenthalben in die Flucht ſchlagen.
Obgemeldte Türckiſche Weiſſagung 1 findet man bey einem Lateinis
ſchem Autore faſt von Wort zu Wort erkläret: will demnachdem Leſer zu
Liebe ſolcheauch verteutſchetHinzu thun, -- -

- - -- - - - - -- - - - . Pij Patilla
. .
- - - Z(0) 25- - - -

Patiſſahomoziſt ein Namhoher Würde und bedeutet ſoviel als Uns


ſer Räiſer.- Denndie Türckenpflegen dem Römiſchen Käſer und andern
Chriſtlichen Königen dieſen Nahmen zu geben. Als Urum Patiſſah, das iſt
Römiſcher Käiſer: UngruzPatiſſah, Königin Ungarn: Frank Patiſſah,
Königin Franckreich. Wird alſo keinen geringen noch mittelmäſſigen Fürs
en/ſondern Käiſern und Königen der Titul Patiſlah ertheilet und hat der
ürckiſche Warſager allhie damit einen ſehrmächtigen Tyrannenandeuten
wollen welcher die Ehriſten würde unterdrücken. Uberdaspflegen ſie auch
den König von Perſien alſo zu nennen; wiewoldicſer ins gemein bey ihnch
Sultanheiſt, welcher Nahm einen Prinzenbedeutet. Sie haben auch noch
einander Wort einen König anzuzeigen; nemlich Hunker: Welches ſie aber
keinem weder Chriſt noch unchriſtlichem Fürſtenbeſondern einig und allein ih
rem Könige oder Sultan zulegen. Soll vielleicht ſoviel heiſſen als Ein Herz
der Hunen. Denn das erſcheinet faſt aus dem Teutſchen Wort Hungheer
das iſt Herr der Hunnen. - -

Ghelur, heiſt: Er wirdkommen. Cſiaferun: Bedeutet einen Heiden.


Undpflegen ſie mit dieſem Wort alle Chriſten ingeſamt zu nennen: wiewol
auchandre Wörterbeyihnen vorhanden die Chriſten anzudeuten als Gyaur
und Kaur. Aber dieſe Wort bedeuten nur einen Chriſten allein; esſey dann
daß man die Syllbe Lar hinzuſetzel als Gyaurlar, Kaular, da heiſtes: die
Chriſten: Cſafer hingegen bedeutetrine Menge vieler Nationen.
Memleketheiſt ein Reich; und zwar nicht einſchlechtes Königreichlſon
dern eine mächtige Herrſchafft. -

Alcur. Bedutet: Er wird empfahen I nehmen.


Kuzulalmi. Iſt ein Nahm I. ſo einen roten Apffel bedeutet: denn Ku
zulheiſt rote Farbfundalma einen Apffel. Solcher rother Apffel bedeutet
– nach ihrer Meinung eine berühmte Käiſerliche Reichs und ReſidenzStadt.
Ihre Schriftgelehrtenſtimmen in dieſem Fall nicht allerdings überein: denn
etliche wollen dadurch die Stadt Conſtantinopel; andre die Stadt Buda/
wiederumandre/ einen Griechiſchen Großprieſter und Patriarchen/verſtan
den wiſſen. Ä in ihren Büchern aufzweyerley Artlgeleſen wird;
memlich Kululalmai und Urumpapai. Urum bedeutet ſoviel als Griechiſchi
weilvormalen Griechenland unter dem Römiſchen Reich war. Dieſes Wort
Urum ſtnar mit derZeitrorrumpirt und Ä worden durch Vor
ſetzungdeſvördern Buchſtabens U. Thutmandißvörderell davonfundvers
wandelt das mittlere U. ineinO. kommt heraus Rom. wº f
- - - - - «&SF(H) EF
üleudunkleAusredevon ihnen alſo verdorben worden. Sehen demnach
# Ä- Jes bedeute das Conſtantinopolitaniſche; anöre das Rös
M ei
Kapzeiler Heiſt einen mit dem Joch der Dienſtbarkeit unterdrücken.
Undzweiffelt zwar Niemand daran daß der Türcken Tyranneyeine grau
ſame Unterdruckungſey: welches diejenigen zu erweiſen wiſſen l diebeyihnen
gefangen oder ſonſt unterworffen: als die Griechen Armenier und Bul
8aren
lediyladegh: das ſiebende Jahr. -
2. Gyaur Kelecieſichmaſſe, das iſt: So das heidniſche oder unglaubige
Schwert nicht wird erſcheinen und wider ihnnicht aufſtehen. Dß Ver
hengmißdeßſiebenden Jahres meinen ſie ſtehe in der Chriſten Macht: welche
dafern ſie geſamter Hand zum Degen greiffen; ohnzweiffel ihrer Meiſter
werden und den völligen Sieg erlangen werden: aber unſre Nachläſſigkeit
verhindere ſolches;indem wir entweder durch innerliche Kriegel oder ſchändli
chen Friedenermatteten.
Önychygyledech: das iſt; Bißandas zwölfſte Jahr.
Onarum begligheder: wird ſie (nemlich die Heiden)beherrſchen.
Weil aber weder nachdem ſiebenden noch nachdem zwölfftenJahr (von
Ä der eroberten Stadt Conſtantinoplan) der Chriſten Schwertſieg“
hafft wider ſie gefochten: Ä
ſie es werde unter dem Nahmendeß
roten Apffels noch ein andrer Reichs-Sitzverſtanden.
Eufiapar: das iſt, wird ein Hausbauen.
Ichverwunderemich (ſinddeß Autoris Worte gleich wie alles vorher
gehende)woher #
das in den Sinn kommen ſolte oder wie dieſeszuverſtes
henſey. Denn ſie ſeyndin Erbauung der Häuſer ſoeuriöß nicht wie die uns
ſerigen: befleiſſen ſich vielmehr die erbaute zu erobern, welches ihnen auch
bißdato zimlich angangen. nn ſie wenden ihre Schätze auf keine Gebäu
ſozur Welluſt oder privat-Nutzgereichen; ſondern erhalten ſie vielmehr zum
allgemeinen Beſten. Iſt demnach dieſes ihrer Meinung: daß ihrFürſtoder
König unſre Kirchendem Mahumetweihen werde. Undförchteich, daß wir
ſolches mit der ſchlechten Ehrerbietigkeit ſo man den Kirchen erweiſt wol
verdienen: indem hieeiner wie ein Jäger mit einem Hauffen Hundelinder Kir
chen herumſpazirt dort ein andrer von Wuchereinanderer von ſeiner Buhl
ſchafft ſchwätzt: ein anderer an der Kirchen Wände (S. V.) ſeinen
" - - -
u Ä ffa
- ---
* - - -
-

«Z?(E) SZ. –-
- Unfa tausſchüttet Tuuddie Kirchhöffe zur Cloac machet: welches auch bey
den Ungläubigen nicht eins geſpühret wird.
- [Auf Veranlaſſung dieſer letzten Worte; daßnemlich/bey den Ungläu
bigen dergleichen Verunehrung der Kirchhöfe und andrer ihrer vermeintlich
heiligen Plätze nicht geſpührct werde;kanich nicht umhin hiebeyeine Erzehr
lungeinzuſchalten womit der Leſer ſich verhoffentlich nicht ungernein wenig
aufwird halten laſſen.
Der trefflich - beriſte Vincent le Blancvermeldet im 16. Capitel ſeiner
andern Reiſe nachfolgendes was ihm ſelbſten wegen Verunehrung eines
Mahometiſchen Kirchhofs begegnet undich aus dem Niderländiſchen vers
teutſchet allhie in unſrer Mutterſprach ſetzen will, wie es gemeldter Autor
ſelbſt beſchrieben. - -
Nachdem (alſofängetohngefähr im Holländiſchen deß Autoris Re
dean) wir die Stadt Miguine wolbeſehen; giengen wir hinaus: da wir einen
Freitoder Kirchhof/den Mahometanern zuſtändig antraffen; daraufich und
meine Geſellen traten unſere Urinabzuſchlagen. Welches zu unſerm Urte
glücklaufeines Marabouten,oder eines ihrer Heiligen Grab geſchahe. Diß
erblickten etliche Moren und wolten uns fangen: aber wir entrunnen. Es
wärete aber nicht lange/dafand ich mich mit 5.Schützen von der Wachtum
geben: die mir nicht geringen Schrecken einjagten und die Stöſſel ſo ich den
Morengegeben reichlich bezahlten. Denn ſie führten mich fort und rauffs
fen mich im hinweg ſchleppen/ohn unterlaß. Alle die uns begegneten und
dieUrſachdieſes Karnüffel-Spiels vernahmen;ſchlugen gleichfalls auf mich
zu. Ja die kleine Buben und Kinder auf der Gaſſen ſchrien: Schlagt tod
ſchlagt todden Chriſten! (Taraſli Nazarani) und nenneten mich ohnunter
laßlquelbequel oder Hund. - -

Jchward für den Richter gebracht; dem ich die Beine küſſete. Er hin
gegenließ mich auf die Erdenlegen mir miteiner Ochſen-Sehnen dreiſſig
Streiche auf den Rücken geben und miteinem Indianiſchem Rietebenſo viel
Schläge auf den Bauch. Dißmachtemichbey nahe ganz Sinnloßund aller
Empfindung verluſtig: als der vorhin allbereit weitlich abgeprügelt war.
Nach dieſen ſechzig Streichenmuſte ich noch ſo viel angüldnen Miticalen bei
enl und darnach ins Gefängnißgehen. Mein Gefärt empfingebenein
ſolches Tractament. - -

Hierauf brauchten ſie mancherley Liſt mich zum Abfall vom Glauben
zubewegen. Einer in rot Scharlach gekleidet kam zumirins Gefängniſ
zuld
«ZS (S)S?“
ºrdctegantzleiſeunter dem Fürwandeines Mitleidensmitmir folgender
Maſſenm Hiſpaniſcher Sprach: Ich ſolte doch meine Seelewolbcdencken:
Esjammereihn meine Jugendgarſehr. Uber das ſchickten ſie eine Spani
lhe Jungfrau zumir die ganz weiß gekleidet und einen Manteltrug der ihr
Anganzen Leibbedeckte. Dieſe grüſte mich und beklagte ſehr mein Unglück;
bezeugtedaneben ihr groſſes Mitleiden: tröſtetemich/undſprach ſie wäre kom
ſie mir Mittelan die Hand zu geben./dadurch ichmein Leben retten und zu?
gleich ſie invorige Freyheitſtellen könte. '- -

Jchſaheſieankuntenicht verſtehenſwas ihre Meinung. Daraufließ


ſeſchvernehmen: dafernichſieheirathen und meinen Glauben aufeine Zeit
erläugnen wolte; könnten wir beede Gelegenheit überkommen wieder in
Chriſtliche Länder zu gelangen: zumal wamder König von Portugal die
Schlacht ſodamals gegen dem König von Maroccoſolte geliefert werden.
gewºnne; könnte dieſesgar füglich geſchehen. Ich bekenne/ daß die Worte
UndGeſtalt dieſer Jungfrau mich ſehr bewogen und fleiſſig zu bedenckenange
trebenſwasmir wäre zuthun. Aber Gott ſey gelobt, der mir eingegeben ihr
Wantworten: daß ich weder um ihrent noch einiges irdiſchen Dingeswillen.
begehrtemeinen Glauben an Jeſum Chriſtum zuverläugnen.
... Als dieſe derwegen unverrichteter Sachen ihren Abſchied genommen;
kam das Gericht und der Scharffrichter der ſein Schwert an der Seiten
atte. Unter dieſenfeng einer anzueraminiren und ſagen, ich hätte einen groß
MFehler begangen; und weil wir alle nur einen Gott einen Schöpffer und
Erhalter aller Dinge hätten der doch unterſchiedliche Propheten ausgeſandt
ſouns den Weg zur Seeligkeit ſolten zeigen; ſie aber den allerherlichſten
Propheten vor allen andern hätten; ſo wären ſie verbunden ſo viel müglich
die Zahl ſeiner Nachfolger zu mehren: zumal dieweil keinander Mittel vor
anden mein Leben zu ſalviren, denn daß ich Jeſum Chriſtum verläugnete.
Nicht eben darum als wann ſie ſeine Lehrvor unrecht hielten; als der auch ein
groſſer Prophet Gottes Athem und Mahomets groſſer Freund geweſen
wäre:ſondern weil ihr Geſetzdasallervollenkomneſie und beſte. GOtt der
mir unmittelbare Kräffteund Muthertheilte; gab daß ich/ mit unerſchrock
tem Gemüthantwortete: Meine Reſolution wärelehtauſend Leben, da ich ſo
viel hätte zu verlaſſen als einmal meinen Glauben zu verlaſſen. -,

Nach Anhörung dieſer meiner ſtandhaften Erklärung gaben ſie zur


Antwort: Ich hätte mich gar übel beſonnen: damit ſie aber mir bezeugen möch
tenwieſehr ſie
- -- - - -
sºenssºnga tºt *

-
----- -

-#3#(GHz
dem Ende einGeſchenk mitgebracht Tdaßich beſſere Lebensmittel möchten
den. Siebreiteten einen köſtlichen Teppicht auf der Erden von Türckiſcher
Arbeit nebens köſtlichen Armbändern und Ohrengehängen; Jchnammich
deſſelben gar nichts an. Weil ſie nun ſahen daß alle ihre Verſuchungen an
mirgantznichts gewönnen: ſo ſprach endlich der Richter das Urtheil wider
mich ausdaß ich ſterben müſte. -

Balddraufgriff mich der Henckeranließmir das Hauptaufden Block


legen ohne weitere Ceremonien namauchſein Schwert zur Hand mir den
Streichzu geben. Indem er aber geſchäfftig war mir mein Wamß auszuz
ziehen damit ihm der Kragen keine Hindernißbrächtes und nun ſchieran dem
warſdaß er ſchier den Hiebthun wolte: erweckte Gott einen unter der Zahl
der ihnen andeutete l ſie dörfften ſich vielleicht verſündigen da ſie einen noch
ſo jungen Menſchen tödteten: inmaſſen auch ihr Geſetz/einenumdergleichen
Urſachen willen hinzurichten nicht geſtattete welcher nicht älter wäre weder
ich und die gewiſſe Jahrzahlannochnicht hätte erreicht. Denn im Alcoran
ſteht dißſtrenge Gebot: daß derjenige der einen heiligen Ort verunehret hat
nicht getödtet, ſondern wol geprügelt und hernachfrey gelaſſen werden ſoll.
Aber ich muſte den Zorn deßganzen Volckesausſtehen. Denn ſobald einer
gefragt: was hat dieſer Chriſtverſchuldet und die Urſachvernommen: fielen
ſie auf mich zuuud ſchlugen.
Zuletzt kommt einalt häß und ſcheußlich Weib / die manchem durch ihre
abſcheuliche Geſtalt einen Schrecken ſolte verurſachen : dieſe alte Vet
telſchmiß gleichfals auf mich zu nicht allein mit ihren Fäuſten, ſondern auch
mit der ſchändlichen Läſterzungen; indem ſie ſagte: Weil ichauf das Haupt
eines derenſdiebeyihrem groſſen Prophetenſtehen hättedorffenpiſſen, daßdeß
wegen nach meinem Tode 1 alle Heiligen kommenfolten 1 auf meine Seele
(S.V.)zuhofirenzunddaß meine Seele 1 mit dieſem Unflatſoltegeſpeiſetwer
denſbißanden Tag deß groſſen Gerichts an welchem ich mit allen meinesglei
ehen verbrandt werden ſolte. Solcher zierlicher Raht und Ausſpruch der
Ä alten Sibyllenwardvon allenbeliebt und dannenherodas Urtheilauf
geſchoben.
Meine Cameradenriſſen unterdeſſen aus einerhiederander dorthin ver
ſteckten ſich in die Hölen und Klüffte: darinnen unter andern einer drey Tag
-verbliebenundnichtsdennwaserin der HölengefundennemlichetchUnge
ziefer gefreſſenderhalbenich keinen Succurs zu hoffen hatte. Aber etliche
Chriſtliche Kaufleutegiengennachdem ſie meinen Zuſtand vernommen zum
Richter
„F3Z(o) SF
Richter und baten daß er doch meine Jugendanſehen wolte; mit Berichtlich
wäre deß Franzöſiſchen Geſandtens Edelleuten einer der ſolche Schmach
nicht würde ungerochen laſſen beſondern es ſeinem König zuſchreiben: welches
ihnen hernach nicht wohl bekommendörffte. Dennoch haben ihn dieſe Reden
ſo ſehr nicht geſchreckt als viel die Geſchenckebey ihm verfangen. Dann die
Kauffleute löſeten mich aus der Gefängniß und wurden Bürgevor eine groſſe
: SummaGeldes:verobligirtenſichdanebenwannes die Notherfordern ſolte
y mich wieder zuſtellen. Unter allendenen ſo Bürge für mich wurden war
keiner mein Landsmann oder Bekandter.
Alſo kam ichloß und wardin eines reichen Portugiſen Haus gebracht
der nach aller Möglichkeit mich aus der Gefahr zuerretten/ſuchte. Dieſer
Kauffmann hießAndrietto Gaſparo,geborninderInſel Corſica, hatte zween
Brüder zu Marſilien und kante meinen Vatter ganz wol: dem er dieſe Poſt
zu wiſſen machte und antwortlichen Befehl von dannen bekam; es gienge wie
es wolte/ſoſolte er mich löſen. Dieſe gute Leute rahtſchlagten miteinander
und beſchloſſen alsbalden zween Männer auf Dromedariſſengen Hofzuſen
den. Solche Thier ſind ſo ſchnell im Lauffenſdaß ſie gar leichtlich 50. Ä
in einem Tage lauffen (der Authorverſteht vielleicht Franzöſiſche Meilen
und daneben deß Reiſenden und ihre eigene Nothdurfft zur Reiſemitführen
können: wer ſie aber reiten will, muß ſein. Hauptund Leibwoldiſpoſt haben;
weil ſie ſchwere Stöſſe geben: man muß auch die Ohren zuſtopffendaß man
nichttaub werde; weil ſie im Rennen groß Geruffmachen.
Sie ſandten zween Poſten; eine nach Marocco da der Könighin reiſete;
die andre an den Seeſtrand nach Alcaſſur, da der Muley Malucco zu finden
war;dender Abgeordnete wolkennetel für ihm auf die Knie fiel und die ganze
Sache erzehlte. »

Der Königſchicktedem Franzöſiſchem Abgeſandten der da war die Poſt


eilends zurück mit Befehl daß man mich alſobaldfreyundlediglaſſenſolte
und ſeiner Ankunft erwarten. Dieſer kehrte damit geſchwinde wieder heim;
zeigte dem Richter und ganzem Gericht den Brieff: welchen ſie mit groſſer
Ehrerbietigkeit empfiengenundzum Zeichen ihres Gehorſamslauf ihr Haupt
legten. Darauf kam ich alſobaldloßerhielt meine Freyheit/und Leben; wies
wol mit guten Gedenckzeichen mich hinfürobeſſerfürzuſehen: maſſenich dieſes
Tractement noch lang hernach an mir empfunden.
Hierausſhtman wie ſehr die Mººg Es sei "# f
*
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Nun wollen wir mit deß Leſers Belieben / dem Ausleger der Türckiſchen
Wahrſagereyferner zuhören. - -

Baghidiker: er wird den Weinbergpflanzen. Durch Bepflanzung deſ


Weinbergsverſtehen ſie die Ausſchickung ihrer Völcker und Nachkommen in
fremde Länder und Ausbreitung ihrer Herſchafft.
Baheſai: die Gärtenzuzäunen ſoll ſo vielſeyn / daß er viel Städte und
Schlöſſer erobern und die eroberten befeſtigen werde. Maſſendas Wort
Baglar. Er wird befeſtigen ſolchesanzeigt: neinlich die einbekommene Plä
zedermaſſen zu fortificiren, daß man ſie ſchwerlich wieder einnehmen möge.
Und das iſt eben zuverwundern(ſchreibt der Ausleger) daßvon ſo vielen Ja
renher/ſeytdem er angefangenzuwüten Erinder That ſo ſtarck alles
getſdaß wir nichteinmaleinbloſſes Dorff ihn wiederhabenabnehmen können.
Ä
Oglukeziolur: das iſt; Er wird einen Sohn und Tochter haben. Wo
durch die Fortpflanzung deß Mahometſchen Volcksverſtanden wird: wie
dann leider Weltkündig. daß diß Geſchmeiß ſich ſo häufig ausgebreitet und
vermehrethatſdaßnichts drüber. Iſt alſo nunmehr weiter nichts übrig als
der Untergang und die Abnehmung beedes ihrer Religion und Geſchlechts.
Onikiydenſſora: Wachdem zwölften Jahr. - -

Chriſtianon: Chriſtlich.
Keleci: das Schwert. Cſicar: wirdaufſtehen oder erſcheinen. Die
ſes iſt gleichfallsſtrittigbeyihnen: Ob das Schwert I wodurch das Volck der
Chriſtenheit wirdfrey werdenden Mahomctanerngleich mit gleichem vergel
teñundein Chriſtlicher König mit einem groſſem Kriegsheer das ganze Reich
der Türckenerobern; oder etwan ein Chriſtlicher Lehrer mit ſeinem Unterricht
die Türcken zu unſrer Religionbefchren werde. Derwegen fangen beydenleg
ten Worten dieſes Draculs die Männer anzuſeufzen die Knaben zu weinen
die Weiberzuheulenundwehklagen. Wolte GOtt! die Welſchen Spa
nier FranzoſenEngelländerTeutſche und Ungarnzuckteneinmal widerdieſe
wütendeungläubigeverfluchte Hunde den Degen; aber die Uneinigkeit unſerer
ZeitenhalteinigundallendenſieghafftenProgreßunſerer Waffenauf.
Laſtunsaberdieübrigen Wort ihrer Weiſſagung vorunsnehmen.
Turchi: das iſt den Türckenſelbſtderbißauf die Zeitregieren wird.
Ghereffine: das iſt: wieder zurückdaer herausgangen iſt: alſo daß das
Chriſtliche Schwertlentweder in Bithynien/daſie anfangs erſt hervorgebro
ehen oder in Scythien daher ſie entſproſſen die Türcken wieder zu Winckel
treiben werde. V

Taſchure
" -

- - FS (-)S-
Taſchure heiſſt: wirdtreibenſwegjagenſchlagen.
Weil aber ihnen nicht wiſſendwoher diß Rachſchwert der Chriſten entſte
henwerde; oder weil ſich die Türcken ſonſt vorihnenfürchten: ſo geſtattenſte
den Chriſten beyihnen keine Wehr und Waffen: wiewol ſie darum nicht aller
dings für ihnen ſicher; indem dieſe gern ihre Tyranniſche Heran mit einem
Pflug-EiſenSpaten oder Prügeldanderſchlagen, wann ihnen nur die Gelr
genheit dazufuget. Ach wolte GOtt! die Chriſtliche Potentaten rüſteten
ſich alleſamt zu dieſem Fatal-Sieg und verhinderten, daß die Macht der Ma
humetiſten nicht höher wachſe die leider bißher mehr dann allzu mächtig wor
den! Zweiffelsohne würde alsdann daſſelbe Chriſtliche Schwert / davon
der Türckiſche Wahrſager redet ſoviel Verfolgungen und Tyranney redlich
rächendiß Sataniſche Regiment ruiniren und unſre mit harter Dienſtbarkeit
bedrückte Chriſtliche Brüder ja die ganzen groſſer Gefahrſtehende Chriſten
heitltnſichere RuheFriede und Freyheit ſetzen; und nachdem die verteuffelte
Seetevernichtet viel verlorne arme Seelen zu dem einigen Erzhirten Chris
Ä kurzer Zeit durch Krafft der Heiligen Evangeliſchen Predigt wieder
ringen!c. -
Her: D.Tobias Wagnerus legt eben die Türckiſche Weiſſagung wiewol
etwas veränder-undfüglicher folgender Geſtalt aus:
Durch den roten Apffel (alſo ſchreibt erhievon Hinſeinem Türckenbüch?
lein) wird das Orientaliſche oder Conſtantinopolitaniſche Käiſerhumver
ſtanden: weilnder Orientaliſche Apfel längſt vorhin verblichen. Durch die
zwölff Jahre werden zwölff Zeiten unter zwölffTürcken-Häupternange
zeigt die nach Einnehmung der Stadt Conſtantinopel regiert: unter welchen
der jetzt regierende Achmer, nachdem mans berechnet 1 wolderzwolfftemag
ſeyn. Durch die Wort: Wann die Chriſten im ſiebenden Jahr nicht
werden ihr Schwertzucken?c. wird angedeutet/daßlwann unterm ſiebendem
Käiſerals Mahomet dieſes Nahmens dem Dritten welcher Anno 1595. ins
Regiment kommen die Chriſten damals die Zeit nicht werden in acht nehmen!
und mit Gewaltdarauf gehen; ſo werde das Türckiſche Reich die zwölffte Zeit
erreichen. Dannenherder jetzt regierende Achmer, vom Ottomanniſchem
Hausander Zahl der Zwölffiederletzte Türckiſche Käſerſeyn müſie. Was
nun GOtt ihmenach ſeiner Fürſehungzuverhengen oder mit ihme fürzuneh
men willens; wird der Ausgang unddie Zeit eröffnen. -

O. iii - xv.
« S(S) er
XVI.
M. Claude Duret Desmoeurs & Religion des
AEchyopiens & Abyſſins. p.575.
Lºmprº ou Roy des Ethopypiens envoye touslesansquelque nom
bre d'Eveſques, ou Archeveſques audit Hieruſalem, avec forcebeaux
dons,& richespreſents, pourlavie&ſouſtien des Religieux, quigardentle
ſainčtſèpulchre: läoüilentretientpluſieursperſonnes, pourprier Dieu, tant
pour luy, quaepourlesſens: eſtantàce faireinduits &perſüadezparlaPro
phetie d'ungrand & ſäinčt Perſonnage deleur pays, gardée comme choſetres
precieuſe,danslethreſordeleurspays,dontlaſubſtance eſttelle: Qu'ilſeraun
temps,que lesvilles delaMecque,Medine,Caras,Sicabé, Iambut, Zidem, Fa
ra,Aden, & autres, quiſontenl'Arabie heureuſe, ſeroient deſtruičtes, nede
meurant en icelles pierre ſurpierre. Que le tombeau de Mahometſervit
deſmoly defonds encomble, &lapouldrede ſesoseſparſe, & queautanten.
avien droità Oclan,Homar, Hubachar,Zeid,Abdalla,MotulifAſſerus, alean
ſerus,Huphea & Alitouscompaignonsoudiſciples du ſüſäit Mahomet Ad
jouſtantpourlafin,que tout celaſeferaparlaforce&vaillance d'ungrandRoy
ou Prince Chreſtien, natifdesparties Septentrionales,entrelesmains &öubs
Ä Gm,ÖYC.
duquel demeurerala Iudée, Egypte,& Royaume & ville.de Hieru
Das iſt aufTeutſch:
SÄ König aus Morenland ſendet alle Jahr eine Anzahl Biſchöffe und Erzbi,
ſchöffe nach beſagtem Jeruſalem/ mit ſehr ſchönen Gaben und reichen Preſen
ken/zu Unterhaltung der Religioſen/oder Ordensleute/diedeßheiligen Grabes hü,
ten: woſelbſt er viel Perſonen unterhält die für ihn und die Seinigen beten müſſen
Hiezu hat ihn bewogen und überredt die Propheceyung eines fürnehmen und heil
gen Manns aus ſeinem Lande die man wie eine hochſchätzbare Sache unter den treff
lichſten Schätzen deß Reichs/wolverwarlich aufhebt und folgendes in ſich hält: Es
werde dermaleins geſchehen/daß die Städte Mecha/Medina/Caras/SicabeJam
but/Zdem Fara/Aden/undandre/ſo in dem fruchtbaren Arabialiegen/zerſtört wer
den/und kein Stein davon aufdem andern bleibe: Auch das Grab Mahomets wer
de Grundaus demolirt/über einen Hauffen geworffen/ und die Aſche oder Staub
ſeiner Gebein zerſtreuet werden/:c.
Schließlich wird hinbey gefügt, daß ſolches alles ſolle ausgerichtet wer
den durch Krafft und Tapfferkeit eines groſſen KönigsoderCÄ
ens aus einem Mitternächtigem Theil der Welt geboren in deſſen Hand
und Gewaltganz JudacalEgyptenunddas Königreichſamt der Stadt Jer
ſalem bleiben werden.
An
Anhang
Das iſt:
Erſtlicßzwohertrau-underbauliche Send
ſchreiben zweyer guter Freunde/von den erfor
drenden Eigenſchafften eines Kriegsvolcks wider
den Türcken.

Hernach
Das hochvernünfftige Bedencken und Kriegsrath/deß
weilandtapffernundglückſeligen Kriegs-Oberſten
Lazarus von Schwendt:
Wie man dem Türcken aus Ungarn und Teutſchland
widerſtehen möge:
Welches letzte aus dem Lateiniſchen überſetzt.
«Hº (S) ZF

IEEE. Ä E GHS Gº
Ä Sº

Tit. Geehrter Herº Vetter.


- -

Zºº sº Aß deſſen Freundlichkeit mir/bey jüngſter Poſt/die


Ä erfreuliche Zeitung 1 von dem glücklichen Chargiren deß
BSE tapfren Ungariſchen Cavalliers und Grafen von Serin, wi
ÄK der den Feind der Chriſtenheitlmittheilen wollen; hat mich nicht
* wenigobligirt und ſowoi als alle diejenigen/denen ich ſelbige
gleichfalls entdeckt, mit beſonderer Freude und Frolockung erfüllet: Alſogarl
daß/bey dieſen kurzen und tunckeln Tagen bey dem ſtets anhaltendem unge
ſundem Nebel / kein Blick der lieben Sonnenmag angenehmer ſeyn; weder
uns nach ſo vielenbißher Spornſtreichs einander Ä traurigen Re
lationen dieſe letztere lieb und anmuthig geweſt. Der Allmächtige erhalte
unslang bey dieſer Freude und laſſe aus einem nur noch kleinem Füncklein
deß Glücks eine groſſe helleuchtende Flamme werden ſo das ganze Türckiſche
Läger ergreiffen und gänzlich verzehren möge. Zu welchem Ende ich an
meinem Ort und Zweiffelsfreymit mir alle die ihre ſelbſtrigene Wohlfart in
Der # und in der Ehredcß Nahmens Chriſti gründenden Waffen
Käſerlicher Majeſtät Göttlichen Segenallendero Generalen und Oberſten
ſcharff undfürſichtigeAdler AugenlauterLöwen-Herzen und Bären-Klauen
wünſche, um der gewaltigen Menge dieſer Mahometiſchen Wölffe unver
zagt zu begegnen und rechtſchaffenen Widerſtand zu thun. Geſtaltſam ich
dann ebenſolchen Seriniſchen Sieg nicht anders deute weder ein gutes Zei
chen das Kriegs-Glückſey faſt überdrüſſig bey ſolchen Türckiſchen Unflä
tern länger zuſtehen und nunmehr begierigChriſtlichzuwerden.
. . . In dieſer Hoffnungſtärckt mich nicht wenig der Röm. Käiſerl. Ma
jeſtätGegenwart in hoher ſelbſteigener Perſon zu Regenſpurg: als deren
Glanz vermuthlich auch die Churfürſten und andre fürnehme Stände deß
Reichsdahinziehen wird und wie vor allen andern Planeten das Herz derſel
ben nemlich die herbeynahende Sonne dem Wachsthum der Blumen und
Früchten; alſodißhohe Regiments-Geſtirnden Reichs2 Anſchlägen guten
Flor und erſprießlichesGedeyenbringen möge.
Der Her! Vetter aber wolle ſeine Gunſt ºwºsti Ä
Flire
-
-
– «&s§(S)?Sß
2
---
pirenindbeynächſtkünftigerPoſt neben dem was irgend in Ungarnfer
ſer paſſirt atch ſeine Gedancken von dieſem Kriege mir eröffnen, was es
femlich für ein Ausſehen damit habe wie es ſeinem Vermuthen nach ergehen
werde und was er doch vermietic die tauglichſten Mittel zu ſeyn entweder ei
nenreputirlichen Frieden / oder herzlichen Haupt-Sieg von dem Erbfeinde
zuerhalten. Unterdeſſen will ich mich heute in Geſellſchafft etlicher guter
ÄG guten Zeitungſluſtig machen und auf deß Herºn Vettern
ſundheit ein Glaßverbringen , Erbietemich auch ſonſt mit Gegenerthei
lugdeſſen was dieſer Orten vorläufft und andern angenehmen Dienſten (ne
eſ Göttlicher Empfehlung) zuerweſen
Deß Herrn Vettern.
: . . Dienſtergebenen

-
Antwort.
Tit. Oielgeliebter Her: Oetter.
As vorige Wochen allhie eingeloffen und durch mich demſelben übers
ſchrieben; das haben die jüngſt eingehändigte Brieffe nicht allein beſte
tiget beſondern anchmit noch einer andern ſieghafften Rencontre, die
ebenderſelbige Serini mit den Türcken gehalten vermehret: wiewol noch zur
keine eigentliche ſpecification dieſes letzteren vorhanden; anders dem
. Vettern ſolches zugleich hiemitzuzufertigenlich nicht Ä unterlaſſen.
Daß er auf meine Geſundheit ein Glaß verſpricht; ſchätze ich zwar vor
ein Zeichen ſeiner gewöhnlichen Huld möchte aber lieber vernehmen der H.
Vetter und ſeine bey ſich gehabte Gäſte ſchüttetenden Wein ihrer Freuden zu
Gott aus undopfferten ihm ein angenehmes Lob und Danckopfer; wann der
gleichen wol- und ſüßlautende Relationen erſchallen. Dann iſt es billig und
rathſam daß wir Jhmunſre Thränen und Seufftzter opfern warum nicht
auch unſren Wein? Iſt es recht und nöthig daß wir um Beyſtand und Ret
tung bitten: ſo wird nicht weniger vonnöthenſeyn daß wir der verſpühren
den Hälffe wegen ſeine Gnade von Herzen dancken und ſie zu fernern
Walhaien/Schutz und Schirmhaltungreiten. Jawolte Gottſdaßgleich
ſº
s
-

-------**-sººoº "sº ſten


HS(S)ºk
enheit zuſtatten kommt; alſo nicht nur inſonderheit von etlichen beſondern
Ä nÄ der Göttlichen Güteinallen Kirchenund Bets
häuſern ſowofür guten Fortgang lobgeſaget als um Abwendungfernerer
Niderlagegeſupplicirt würde.
- In weltlichen Sachen heiſt es zwar manchesmal wie bey dem Taeiro
zudem Hauptmann Clemente geſagt wird: Tarda fünt, quaeincommune
poſtulantur: privatamgraciam ſtatim mereare; ſtacim recipias. Was
man von Fürſten und Herningemein begehrt, das geht langſam vonſtat
ºten; durch abſonderlichen privat Dienſt verdient man alſobald Gnade
und Vergeltung. Aber mit der Göttlichen Anruffung und Gebete hates
weit andre Beſchaffenheit: denn je mehr daſelbſt ihrerbeten; jekräfftiger und
zeitiger das Gebet würcket. Denngleich wie in einer Kriegs? Schlacht eine
Compagnimehr weder eine Corporalſchafft eine Squadron mehr dann eine
Compagny/undeinganzes Regiment weder eine Squadron ausrichtet: alſo
dringen die wolgeordnete Heerſpitzender Chriſtlichen ſtreitenden Kirchenſw
der die Feinde derſelben viel ſtärcker durchl mit ihren flehenden Seuffzern
wann ſolche von ganzen Gemeinen einmüthigl und zu einer Zeit hinaufgen
Himmel ſteigen; und nicht nur dieſer heut deranderander morgen ſein Gebet
A hhUſ»Wäre demnach zu wünſchen./daß von der höchſten Obrigkeit in dieſem
-

Falllzugottſeliger Nachfolge Käiſers Rudolphideß II. die allgemeine Bet


glockewider den Türcken durch das ganze Reich authoſiriſirt würde; damit
man fein ordentlich und zugleich an allen Orten ſowol Catholiſchen als
Evangeliſchen den erzörnten Himmel um Barmherzigkeit um Schirm
„Heil und Sieg demütigſt begrüſſete.
- Was vermeinct mein Her: Vetter ſoltenicht von unſrem gegenwärti
gem Reichstage zu hoffenſeyn; dafern man von der Pietät einen ſo ſchönenAn
fang machte undin Beobachtungdieſer Sachei dem König aller Könige die
Praecedenz lieſſe? Dennwarlichmanberathe ſich ſo weißlich wie man immer
wolle man mache ſo gute Anſtaltlalomenſch- und möglich;ſo wird der Rath
doch umſonſt geſchloſſen und nichts daraus werden dafern dieallwiſſende
Weißheit ſelbſt nicht zuforderſt ihre gebührliche Pflicht und Schuldigkeit
empfängt. Thorheit wäre es ja einem Starckenindiezweyſchneidige ſcharf
fe Klingelund nicht vielmehr in die Arme fallen: aber noch viel gröſſere/dem
barbariſchen Sebel welcher ohnzweiffel von dem ſchrecklichen ergrimme
ten Macht-Armdeß Allmächtigen widerdieſündige Chriſtenheit gechtpun
„e -
Ä
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-
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- -

geſchwungen ch begegnen, bevor man die Hand Gottesſelbſt zworm TV


r mütiger Bitte und Buſſe begriffen und gläubig benöthigt hat von ſolchem
Welt- Hammer ſich abzuziehen, damit man deſto leichter mit ihm zu recht
komme und ihn zerbreche.
Hißkias laß den Qohn Brief deſ Aſſyrers nicht zuerſt in ſeinem
Kriegsrathoder Verſamlung der älteſten:ſondern breitete ihn vor dem Herrn
º
aus. Daoid Ä ſich, daß er könte Thatenthun; aber mit Gott. Moſes
F
aufgehabene Hände richteten faſt mehrlja alles aus wider den Amaleck weder
die Fäuſte der Hauenden und Stechenden. Und damit ich nicht die Abgötterey
der blinden Heidenhicher ziehe beſondern beyC Ä Perſonen bleibe; ſo
iſt aus den Hiſtorienwiſſend daß Theodoſius ſeine Krieg und Schlachten
- von dem Gebet angefangen und durchs Gebet geſiegt.
Solchen Nachdruck der geiſtlichen Waffen deſto kündiger zumachen;
'', ordnete wie obvermeldet Käiſer Rudolphus der II. hochchriſtlichſten Anden
ckensaufdem Reichstage nicht alleindieoffentliche Andacht widerdenErb
feind: beſondern ließ auch aufgedachtem Reichstage zu Regenſpurgleine Mün
ze ſchlagen darauf ein ſchcußlicher mißgeſtalter Wolff I mit einem über den
Rücken gehenden Schlangenſchwanz ſtunde: gegenüber ein Schild und
Schwert; mit einer Wolckenumfangen: züzeigen durch Wehr und Waffen
würdedas Römiſche Reichalsdennbeſchirmetſwenn ſievonobenherabgeſeg
net und dirigirt würden.
Alexander Farneſius Herzog von Parmaließauf ſeinen Schlagl ein
muthiges Pferdpregenſdem aus den Wolcken Flügel und daran etliche Hans
gende Kronen wurdengereicht: OhnZweiffelkeiner andern Bedeutung denn
der Obſieg werde durch unverzagten friſchen Muth welchen das Pferd für
bildete und durch unverdroſſene ſchnelle Beforderung der militariſchen Entre
priſen,ſodie Flügelbemerckten/ zuwegengebracht: dieſes aberſey alles um
ſonſtwo nicht der Himmel ſeine Gunſt dazu verleihe.
Solche Schau-Kriegs-und Gedencks-Pfenningel werden gemeinlich
von deß CraſſusCameraden denen waſſerſüchtigen Goldgurgeln derer Hers
und Seele an den Goldeklebt und mit dem Golde auch verderben wirdlallein
aufgewechſelt; ſie demÄ wenig ins Geſicht folgendes
alſo nicht zuſtatten kommen: Chriſtliche Bet-und Bußtage aber dievonho
her Autoritet entſtehen haben durchgehends in demgantem Lande beyalen
ihren Nutzen; unddringen nicht wiedas vergängliche Goldindie Augenſon
dern ins Herz durch die Seelejadurch die Wolcken
-
Jch
-
„.“
- - - - (A) Sº.:
Ich mache mir ſchon die Rechnung/ daßleicht etlichelaus Unverſtand
ieraufeinwerffen möchten: Ein ſolchallgemeines Gebet gebe Anlaß zum
erdachtgleich ſuchte man eine Mengung der Religion.Andredsrfften gar
picuriſchundatheiſtiſcher Weiſe ihr Geſpött damit treiben und es für eine
leinmüthigkeit rechnen oder vor ein Werck.dasman alten abgelebtenGrey
ſenWäiſen/Witwen und unmündigen Kindern zu überlaſſen und nicht jeder
mann/viel weniger beherzten Kriegslenten aufzubürden habe.
Aber ſolchen ungeſchickten Richtern und Urtheilernderer leider heut die
Welt zimlich voll ſchreib ich hiemit zur Antwort: daß ob ich zwar von Her
zen wünſche wir alle die wir uns von Chriſto Chriſten nennen würden in
und mit Chriſto ein Leib; dennoch aus dieſem allgemeinen Gebet darum keine
Mengereyder Religion folgete. Angeſehen nach wie vor ein jeder defwe
gen wolbey ſeiner Religion würde bleiben und G Dtt gleichwol achbepe
ner irrenden(chrede von denen ſo die Hochheilige Dreyfaltigkeit bekennen
und weder Chriſti Gott- noch Menſchheit verlängnen) wie tauſend entweder
einfältig oder unmündig - gläubende erhören würde: nicht um ihres Jr
thums; ſondern um deß wºllen / weil diß Gebet wider den Türcken an ihm
ſelbſt recht billig und Chriſtlich und ohnZweiffel kräfftig dafern es mir in
einfältigem Glauben geſchicht. Daßſich aber unter denen Chriſtlichen Re
ligionen die mit Jrthumen befleckt ſolcher einfältig - gläubigen Beter viel
tauſend finden: wird mir kein Catholiſcher nochEvangeliſcher noch Refor
mirter verneinen. Woraus ſchließlich erhelletl daß ein allgemeines Beten
(wodurch ich jedoch kein gewiſſes Formulardeß Gebets verſtehe; maſſen ſol
ches jede Religion und Land nach ihrem Belieben richtete) keine vermengte
Religion mit ſich führe. . .
Was aber die Verächter und Spötter betrifft: ſind ſolche der Beant
wortung ja ſo wenig als deß Nahmenstapferer und ſtreitbarer Soldatenviel,
weniger Chriſtenwerth. - - -**

Im Fall nun berangezeigtermaſſen durch dieſe und dergleichen heil


ſame Anordnungen, GOtt mit auf den Reichstag berufen wird; (wie denn
nicht zweifelſdaß weilen unter denen ſich daſelbſt einſpenden Häuptj
viel geſtiche hohe Perſonen anzutreffen dieſe auch mit geiſtlichen GOttaj
gene Wahlgender Chriſtenheit vorleuchten werden) ſteht zufoffj
Ä
#eichs ÄÄ auch andren I die Beſchirmung deſ Römiſchen
und gemeiner CHriſtenheit antreffenden Conſlisu
KraffundGedeyengeben neantreffe den Conſisund Verfaſſungen -

-- - - Und
- Ä(A) Sß"______
Und alſo ſind meine werden auch woleines jeden Vermünfftigen Ge
danckenſeyn von dem was wir zu forchten oder zu hoffen haben. Denn oh
ne Bedingung zu ſchreiben wie es gehen werde; das ſteht keinem verſtändis
gem Metſchengeſchweige dann einem Chriſtenzu: in Betrachtung niemand
unter uns in der geheimen Rahtſtuben und Cancelley der ewigen und allwiſ
ſenden Verſehung geſeſſenſdaßergewiß wiſſen ſolte was der Kriegſoinder
Hand deſſenſ der den Streit regiert für einen Ausgang gewinne. Vers
nünfftige und bedungene Muthmaſſungen aber kan man leichtlich ihm ſelbe
ſten machen l ob Verluſt oder Sieg zugewartenſey: nachdem man nemlich
ſich dazu angeſchºckt und gefaſſt macht. Welche kluge Anſtellung wie ſie allein
von der Inſpiration deß Allmächtigen dependirt; alſo ſetze ich nach wie vor
die ernſt und öffentliche allgemeine Anruffung GOttes vor die fürnehmſte
kinderſte Bedingung. Nächſt und aus dieſer flieſſen allerhand verſtändige
weiſe Rath- und Anſchläge Tapferkeit Fürſichtigkeit. Stärcke Macht /
Hrdnung und Einigkeit wie die Flüſſe oder Bächlein aus dem tieffen uner
gründlichem Meer. Welche bedingende Eigenſchafften ſo ſie ſich insge
ſambey unſerer Kriegs-Anſtalt einfinden: darff der Her: Vetter keckliches
nengewiſſen Sieg und der Feinde Niederlage vermuthen. *

Soltees nun in allen dieſen bevorab die Bekehrung zu GOtt belangen


den Sachen künfftig nicht beſſer und eiferiger ſich mit uns anlaſſen I weder
bißhero geſchehen: kan einer leicht die Rechnung machen, was zu beſorgen:
nemlich daß wir wider einen zornigen Gott ſtreiten und demnach grauſamen
Einkßerleidendörfften. Worinnaber ſolcher Einbußbeſtehe; möchte ich
faſt ſicher ſchweigen und beſeuffzen weder gedencken und erörtern. Will
doch dem Heran Vettern zu Liebe mit wenigem davon berichten und durch
das Wort Einbußſo viel verſtehen als alle oder aufs wenigſte die ſchwerſten
und härteſten Calamitäten/welche Teutſchland an einem überaus ſchwachem
und gebrechlichem Faden I über dem Kopfhangenl zum Theilauchallbereit
würcklich daſſelbe plagen. . . . –
Erſtlich iſt bekandt wie leider in Deutſchlandl an etlichen Orten der
WürgEngel viel Leichen gemacht hie durch rothe Ruhr dort durch Peſti
lentzlanderswodurch gifftige Blattern und hitzige Fieber : und mußmanja
leider in Forchtenſtehen daß ſolche Ruthen mit dem künfftigen Lenzen aller
erſt recht angehen und dermaſſen die Häuſer auskehrendörfften1 daßmital
lem Fug und Recht unſer liebes Vatterland ihm deſ Propheten Klagworte
- - - - - - Riij - -zueignen
ſ
- -$ (E). - -

zueignen möchte : Auſſen hat mich das Schwerttroffen und inwendigde


Tod zur Witwen gemacht. '

Hernach kannani allem vernünfftigem Anſehen nach nicht viel al


ders als groſſe Theurungen und Hungersnoth beſorgen : und zwar kei
neunnöthige Geiztheurung wie in etlichen verwichenen Jahren vor ihrer
vielen gar Gott-und Gewiſſenloß angerichtet worden; die GOtt zu ſeiner
Zeit ihrem Verdienſtnachrichten und ihnen ſeine Gnade und Erbarmenhºv
wiederum theur gnugmachen ja wo ſie es nicht herzlich allhie bereuen it!
lauter Ungnade und Verdammniß verwandlen wird.
Endlich und fürs Dritteliſt ja nichts gewiſſers weder dasallbereit in den
Blut vieler Chriſtengefärbte TürckenSchwert(Gottbehüte auch vorinne
liche Unruh)vorhanden. Was dieſes Mord-und Würge-Schwert ſchon voº
Schaden gethan; kan dem Heran Vettern als eine Weltkündige Sache
allein nicht unbekant ſeyn : Wases ferner für Verwüſtung Blutvergieſſen
und andern Jammer mehr künfftigen Sommer werde anrichten dafür ſei
gen einem der es überlegt die Haar billig gen Berg : wofern man nicht.
durchgebührliche Mittel/ſolches verhütet.
Dieſe Mittelhatdeß HernVettern Brieff von mir zuwiſſen begehrt:
ich aber remittire ſolche Fragen billig auf die Cantzeln und auf den Reichstag;
um daſelbſt ſich einer Antwortzuerholen oder zu erwarten. Denn wie man
von Herzen Buſſe thun ſolle welches das geiſtliche Mittel 5 das lehren uns
die Kirchen : wie dem Erbfeinde mit Waffenzubegegnen; iſt eigentlich eine
Sorge der hohen Häupter und Stände ſo jetziger Zeit aufgedachtem Reichs
tag/inhochanſehnlicher Verſamlung beyeinander: und ſolte billig niemand
davon lehren oder ſchreiben weder diejenigen, denenes Amtshalber gebührte
oder von höhern Perſonenauferlegt/unddeß Statsſowolder Türcken als
Teutſchlandes und Ungarn nicht bloß nur aus den Büchern/ ſondern auch
vielfältiger Handlung und Erfahrung kündig. Aber da will gleich ein jeder
und zwar in praeliononauſuri, der ſein Lebtage keinen Türcken geſehen und
ſo viel Herz als Witz und Erfahrung hat vor Tapfferkeit und Weißheit
berſten und ungefordert einen Rath und Bedencken ſchreiben; klaubt bald aus
dieſem bald jenem Griechiſchen Lateiniſchen Franzöſiſchen und Teutſchen
Scribenten ein Sprüch- oder Wörtlein;flickt aus ſo mancherley Lappen ein
Kleidzuſammen ſo gut als erkan; es klappeimübrigen, wie es wolleſund tref,
femit geſunder Vernunft und Erpertentzübereinſoguteskönne.
Esgemahnt mich dieſe unſre vonlauterm wºgroſſ
Thor
- -Fs (G): DF"
Thorheitengebiert)Anſchlägen und Rathertheilungen ſchwangere Zeit an
die Auſſage deß Bonella, deß. Derzogen ÄÄ Ä POR
gemeltem Perzog gefragt: welcher Leute in ſeinem Lande die meiſten Fant
wortete: der Aerzte. Denn als ihn der Herzog hierüber verlachte/undweis
ter fragte, ob ihm dann nicht wiſſendl wie viel Kauffleute Handwercker und
Bauren im Lande befindlich; gegen derer hundert kaum ein Arzt anzutreffen:
rbottſich Bonella ſeine Meinung zu erweiſenlundgieng mit dem Herzogein
Wetten ein. Nach etlichen Tagen verband der Nar das Angeſichtſ und
klagte hefftiges Zahnſchmerzen; ſetzte ſich endlich auch gar gleich einem Bet»
lerfür die Kirchtür und ſchrie jämmerlich über ſeineertichtete Schmerzen.
Dalehrt ihn ein jeder der vorübergiengl was er brauchen müſte. Allerderer
Nahmenundgegebenen Rathſchrieb Bonellaauf:ſummirtehernach ihrer bey
dreyhundert in wenig Tagen zuſammen; worunter auch der Herzog ſelbſt
war: dem er nachmals die Verzeichniß gewieſen; und alſo das Geld ge
PP1 ff. -

Jchzweifflenicht ſolte man einen ſolchen Bonellam heutigsTagsan


die Buchlädenſtellen; und durch ihn ſowol die umſtehenden Leute als die feil
liegende Authoresfragen laſſen wie man dem Türcken müſſe begegnen: kei
ner würde ſich am Verſtande ſo arm und gering beduncken laſſen, daß er nicht
ein Räthlein im Vorrath und zum beſten hättes und dörffte der Erſuchende
in wenig Tagen kein geringere Anzahl ſolcher Rathgeber überkommen. Das
runter gleichwol ihrer viele kecklich ihren Rath und Bedencken ſowol zwiſchen
den Zähnen als in der Feder behalten und Gott und die liebe Obrigkeit ra
henlaſſen
Doch
mögen. - -

will ich hiemit nicht geſcholten oder verworffen haben wenn zu


weilen auch Privatperſonen aus Liebe und Begierdgemeiner Wolfahrt ihr
BedenckenDiſcursweiſe ans Liecht geben: dafern es anders mit guterraiſön
geſchicht ihre Meinungen aufguten Gründen beruhen und mit ſolcher wol
gemoderirten Beſcheidenheit hervorgegeben werden, daß ſie offentlichen dazu
beſtimmtenhohen Würdenund Ehren-Aemtern nicht vorgreiffen noch Maß
oder Zielzuſteckenſicherkühnen. Dennesheiſt wie Saluſtius in ſeiner Vor
redeſagt: Etiam benedicere haudabſurdum. Das iſt: Auch mit Wort
oder Schrifftendem Regiment oder Vatterland darinuman lebt zum beſten
etwas vorbringen; ob man gleich in der That durch würckliches Hand ans
ſchlagen zu leiſten nichtsvermag; iſt nicht uneben. -.. "
. . In ſolcher Meinung ſeynd vor dieſem nicht wenig ConſiliaÄ
- - - Kriegs
«F: (o) SF- 6- -

Kriegs-Belehrungen wie die Waffen wider den Türcken zuergreiffen und


zu führen von gelehrten und vornehmenlauchwol Privat-Leuten aufgezeich?
net und der Nachweltbiß auf dieſen Tag zur Informationhinterlaſſen wor
den. Darunter zwar viel überflüſſiges/und zuweilen mehr eine Rhetoricais
geſunde Politicſ oder rechte Stats-Klugheit manchesmal aber doch auch
gar heilſameundmutzliche Erinnerungen befindlich
Etliche derſelben machen/durch allerhand redneriſche Verkleinerungen
die Important deß Türcken-Kriegsgar zu gering und zeigen uns Deutſchen
ſeine Machtgleichſam durchein Perſpectivl das alles ſubtil und gering pra
ſentiret : unſerem Römiſchen Reich und geliebtem Vatterland legen ſichtv
gegenofft vermeſſentlicher Weiſe gar zuviel zu; wollende Schuhder Al
wätter den jungen Kindern anziehen : reden nicht anders von der Sache!
als ſtünden ſie mitten in dem alten Römiſchen Rathhauſe/ und wolten das zu
Land und Waſſer allermächtigſte Römiſche Reich irgend wider einen latroci
nirenden und flüchtigen Africaniſchen oder Aſiatiſchen Königl in den Har
Miſchſchwätzen.
Andreſündigen indem widrigem Theil; indem der Türck gar alsun
überwindlich von ihnen/beſchrieben wird: worinnen ſonderlich die Venetia
niſchen Scribenten zuweilen ihre Kleinmüthigkeit am Tag geben. - -

So viel das ſchwache Augen-mas meines Verſtandes erreichen kant


dunckt mich, es habe noch keiner bißhero vernünftiger und nützlicher von der
Sachegeſchrieben weder der tapffere Baron von Suendil der zu den Zeiten
Caroli V. und Guilielmus Bruſlius Scotus, ſo bey dem Leben der Königin
Eliſabeth von Engelland gelebt. Wiewoldieſer letzter/gleichwie ihrer viel
andre ſeinen Rath auf einen allgemeinen Krieg aller Potentaten gegen den
Türckengerichtet; ſobeyjetzigen Leufften annoch nit wolzuhoffen, obgleich
einer oder andrer König dem Römiſchen Reich mit einiger Dülſfund Succurs
an die Hand ſtehen möchte. Uberdas treibt er in ſeinem Conſilio ein Parado
xon, welchem die Experienz ſchwerlich würde beyfallen : nemlich / daß alle
Potentaten den Türcken mit einhelliger Hülſfleiſtung leicht dämpffen und
tilgen könten, obſchon innerlich der Krieg unter unſren chriſtlichen Königen
ortgienge. Denn in dieſer Grundſupp und letzten Hefender Welt ſind die
müther dermaſſen verderbt auch die Art der einheimiſchen Krieg leider als
- Ä daßmontauſendmal lieber ſeines Gegen-Epfters Hoheit wederdeß
bfeindesRegiment deſtruirtl ja vielmehr ausgroſſer Vºrsº
- --

- -
Ä(A/SF
viellieber den Türcken als Chriſten um ſich ſehen wollen; aus groſſem Ned
und blindem Eifer.
Nichtsdeſtoweniger macht ſich dennoch dieſer Bruſius mit ſeinem dabey
gebenem Anſchlag wie man Remlich ohne Verringerung öffentlicher Zölle und
Einkünften dißtyranniſche Reich ſtürzen köntelzimlichconſiderabel.
Jch will/dem Herºn Vettern zu Dienſte mit wenigem den Kern dies
Ks Conſilii hiermit überſchreiben: weil mir nicht zweiffelt es ſtünde, wann
gleichnicht alles dennoch viel oder etwas davon zu practiciren; da wir löbzund
chriſtlich handeln wolten.
Vors erſte bemühet er ſich zu beweiſen und führt es auch zimlichen
maſſen hinaus, daß kein chriſtlicher Potentat Iober gleich mit dem Türcken in
Alliance, ihm ein Gewiſſen drübermachendörffe dem Römiſchen Reich zu
ſuccurriren. Angeſehn keine Urſach ſo wichtig ſeyn könne daß man ſeinen
Neben Chriſten verlaſſe c. und wie die Beweißthümer allda weiter lauten.
. Zum andern erfordertor zu ſolcher Bekriegung deßErbfeindeslaesin
allem zweymalhundert tauſend Mann/ und zu Unterhaltung derer fünff
undzwanzighunderttauſend Goldgülden. Hiezu vermißter ſich aus dem
Fico und Cammern der Welſchen und Teutſchen Fürſten keinen Heller zu
begehren: in Betrachtungſdaß die Italiäniſchen Fürſten ihre Zölle wol brau
n/zu Beſchirmung ihrer Hafen und deß Meers; die Teutſchen aber an
eichthum keinen ſonderlichen Uberflußhätten; weilbeyihnen viel von einer
Familiihre Fürſtliche Hoheit und Nahmen erhalten und den Stand führen
niſten: weil auch die Biſchöffe [NB. Der Autor dieſes Conſilii ſcheint/
ſo viel aus dieſer Schrift erhellet/ Römiſch-Catholiſcher Religion ge
weſen zu ſeyn, die zwar ein herzliches Vermögen und viel Landes hätten
der Evangeliſchen Anſchläge allzeit dergeſtalt verdächtig hielten daß ihnen
faſt keine Schätze wider beſorgende Gewaltthätigkeiten erklecklich nug
ſchicnen. Wiewoldennoch gleichwollſeines Bedunckens wann es um aller
Chriſten Wohlfart und Freyheit zu thun und die Chriſtliche Religion nicht
ſowol Privatperſonen als die Fürſten angienge; allen denjenigen die dem
HErren Chriſtoinder H. Tauffeſich verſchrieben zuſtünde demſelben auch
einen Theil ihrer Güter zuallgemeiner Chriſtenheit Wolfahrt gottſelig und
chriſtlich zu geloben. Und zwar will er ihnen nicht anmuthen viel zugelo
ben: ſondern nur daß Welſchlandſoviel ſteurel als die Privatperſonen/nur
beyangehender Faſten im Bret oder Würffeln verſpielen: und vermeintles
werdeeinjederſorrItaliengeſchn geſehen daß ſichºsº gern allein #
- -

- «FSF(CH)SkF
die achtzehnhundert tauſend würde belaufen. Damit aber eine gewiſſe
Quantitet würde beſtimmet ; müſtemans dahin bringen, daß jeder von ſeinen
Gütern nur den hunderſten Pfenning dazu deputirte. Welche Steur als
dann nach eines jeden welcher der Privat-Leute in Italien Vermögen ken?
nete Gezeugniß der gedachten Summleicht gleichkäme.
Teutſchland (fährt er fort)habe zwar ſo groſſen Reichthum nicht, aber
dochin Banqueten und Gaſtereyen keinen geringen Uberfluß; alſo daß ihrer
wenig würden gefundenl die nicht den zehenden ihrer Einkünfften Früchten
oder Beſoldungen und verdienten Lohns im Wein nicht zu Stillung deßDur
ſtes ſondern zumſfarcken Trincken (Geſöff mag ich nicht ſchreibenſ wie zwar
der Autor es nennet; weil es etwas unhöflich lautet/ ob es gleich die lautere
Warheit)conſumirt. Aus dieſem könne ebenermaſſen keine geringere Suiſi
zur offentlichen Beyſteur und allgemeinem Nutzerſpahrt werden. Hiezu nur
allein die überflüſſige neue Zeitungen gerechnet dadurch nur wenig Privat
Leute ihren Profit haben Thergegen dem Lande mancher Pfenning aus dem
Ä gelocket wird; ſolte deßJahrs ſchier wol eine Türcken-Steur allein
traget. -

Hiernechſtkommt er auf die Polen, welches ich aber jetzo vorübergehe:


angeſehen dieſe Nation zu dieſer Zeit mit ſich ſelbſten ſo viel zuthun, daß ſie vör
andre wenig Geld-Hülffe übrig haben kan. Von den Polen auf die Spa
nier: die er ihrer Religion und Chriſtlichen Eifers halben um die Ä
gemeiner Chriſtenheit rühmet und nicht ſorget wenn die Prieſter eineEr
mahnungthätendaß man ſowol aus Hiſpanien als andern ſelbiger Cron
unterworffeyen weit entlegenen Ländern und Provinzen bey funfzehnhun
derttauſenderlangen möchte, ſofern ein jeder wolhabender und vermögender
Mann nur fünff Goldgülden dazu contribuire.
Zur Franzöſiſchen Nationverſihter ſich nicht geringerer Willfährig
keit und guten Willens: alſodaß wenn nicht ſovielfältige Auflagen/Städt
Verheerungen und dergleichen Unfugen unter ihnen anzutreffen; ebenſoviel
Hülffevon ihnen/wie aus Spanien zu hoffen wäre. Aber deſſen ungeachtet
könte man ſich zu beeden (damals noch Kriegführenden) Theilen nemlich des
rer Proteſttrenden und Catholiſchen in Franckreich vergleichen, daß man uns
gefährden ſiebenden Theil der Beute ſo man vom Feinde 1 oder Plünderung
der Städte überkommen I beederſeits zum Türcken-Krieg anwendete.
ſy. Gleiche Gutwilligkeit wil er auch den Holländern und Engelländern
anſinnen. Dafern aber weder Franckreich Eug noch Holland zu Ä ON
«FICo)FSF- -

Contribution ſich verſtehen wolte : hoffter aus DennemarckTNorwegen und


Schweden unſchwer den Abgang zu erſtatten.
Der Papſt zu Rom könte (ſeinem Beduncken nach ) da es je mit den
Privat-Perſonen nichts, ſich ſeines Rechtens gebrauchen/eine gute Summa
Geldes zu dieſem Krieg von den Kirchen-Gütern aufzubringengebieten und
irgend den vierdten Theilgeiſtlicher Gefälle dazu deputiren: welchen die alten
Canonesden Armen auszutheilen pflegenLºc.
Da die Evangeliſche Fürſten in die alte Austheilung der Kirchen-Ge
fälle nicht wolteneinwilligen ; will er daß ſie nur die ſtrittigen Kirchen-Zöll
und Gefälldamit aller Zanckdeſto leichter würdeaufgehoben auf Unterhalt
derer durch Wunden oder Kranckheit gebrechlichen und nunmehr unvermög
lichen alten Soldaten verwenden.
Beruhet demnach dieſes Brusſi Vorſchlag auf lauter willkührliche
Gutwilligkeit: welche weil ſie nichts als Tugend und Chriſtlichen Eifer
zum Fundament hat die zu dieſer # wenn kein Gewinn dabey bey vielen
erfroren: ſcheintespracticabler/ſolche Freywilligkeit mit einer höhern und
offentlichen Autoritet in etwas zu temperiren und dergeſtaltzu miſchen, daß es
einefreywillige Nothwendigkeit und nothwendige Freywilligkeitſey. Undob
gleich leider ein allgemeiner Aufſtand aller chriſtlichen Herzſchafften wider den
Türcken/beyjetzigen Conjuncturen nicht zu hoffen; ſcheint doch dieſe Artlein
Türcken-Steur zuſammeln, einem undandrem Stande zimlichapplicabei.
Die übrigen Vor- und Anſchläge dieſes Autoris; wie er nemlich den
Krieg und die Schlachtordnungendiſponirel und dergleichen; laß ich ungemels
det : weil es alles auf einen univerſal Krieg meiſtens gerichtet. Eines aber
ſetzter unter andern das nieht zu verſchweigen, und vor unſer Teutſchlandci
ne herrliche Sache wäre da mans in die Gewonheit brächte. Will dem
Heran Vettern hievonſeine eigne Worte aus dem Lateiniſchen geben.
Wann/(ſpricht er) deß Geldes wegen Rath geſchafft: wird man et
fahren/daß es/Völcker zu überkommen nichr ſchwer falle. Denn der
Geldmangeliſt/im Kriegsweſen der härteſte Knoten. Aber bey Vers
ſamlung derſelben muß man wolachtung geben, daßntan keine Zärtlins
ge/verzagte/undaurhaffte/und zum Kriegsweſen untaugliche zulaſſe.
als daher uns diegröſſeſten Wiederlagen entſtehen pflegen, weil nemlich
unſre Armeen nicht aus alten verſichten/ noch ſtarcken neuen Kriegern;
ſondern ausfäigenverwehnten Leurlein/und Handwercks-Verlauffernf
werdengeworben; die zum Kriege/
- –
sºgSº y er sº
133
-

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- «Fê(R) &#“
und Licantz/eilen: beywelchem ſie hernach./wann es an eintravailliren
geht dergeſtaltermatten/daß ſie kaum das Geraſſelfeindlicher Waffen/
kaum eines Tags Hunger/und Waffen ertragen mögen. Daher entſtes
henaksdenn2Rranckheiten/und anklebende Seuchen/WTiderlagen / und
Raubereyen. Solche Leute gedencken weder an Religion und Gottes
furcht/noch Tugend Ehre und Ruhm.
Unglaublich iſt es (ſeynd noch ſeine Worte) was ich ſelbſt mit mei
nen Augen geſehen; daßnemlich ihrer viele lange Jahr im Krieg und im
Lägerzt gebracht/und dennoch aller Waffen- Handlung ſo unerfahren
und unwiſſend geweſt, daſſ ſie ihre Büchſen und andre Wehren nichtein
unalrecht zu gebrauchen; keine Ordnung zu halten/keine Compagnie zu
ſtellen; keine Wache zu verſehen noch die im Lager/bey dem Commanz
dogebräuchliche Wort vorzubringen gewuſt.
Wolte Gott!wolte Gott dieſe Klage wäre mit dem Bruſſiogeſtorben!
Denn ich beſorge ſie finde noch leider biß auf dieſe Stunde beymanchen
Kriegs-Regimentern ſtatt: derwegen kein groſſes Wunder iſt wenn man mit
dergleichen ungeübtem-Völcklein anders nichts als NiderlageJammer und
Elendanrichtet und mit ihrem Blut die Aeckertünget. -

Jeh erinnere mich dergleichen Erempel ſehr wol. Als die Schweden
in Preuſſen vor die Stadt W. giengen und etliche Regiment zum Sturm
angeführt wurden: ergab ſich der darinn liegende Commendant ſoein Nie
derländer war auf Diſcretion; und muſte ſich die 600. Mann ſtarcke Guar
niſon laſſen unterſtellen. Wie ſie nun der König Carl Guſtav ſelbſt beſa
el und ihre Geſchicklichkeit probirenwolte; fandſichs I daß der zehende kein
euer in die Pfanne zu bringen noch rechtloß zu brennenwuſte; maſſen auch
nur faſt die Officirer allein zuvor in der Stadt Feuer Ä Sol
che ſchändliche Unwiſſenheit bewegte den König 1 in dieſe Wort herauszu
brechen: Sihe da! das iſt die erſte Cujonerey/ ſo die Wiederländer mei
nem deran Vettern erwieſen! Wit welchen Worten er deß Commendan
ten ſowie gemeldtlein Holländer war groſſe Nachläſſigkeit ſtraffte.
WolteG Ott ſag ich abermals l unſre Teutſchen hätten ſolcher Bes
ſtraffung nicht vonnöthen: aber ichförchte es gebe ſolcher Oberſten auchun
er ihnen ſehr viel die ſich nur um koſtbareFederbüſche Liberey und Einneh
mung der Contribution bemühen; an den Soldaten wenig gedenckenoberge
übtſey oder nicht; obereine Muſqueten oder einen Stecken; ober im ganzen
Kleideloder bloſſemundnoch dazu zerriſſenem Hemde daher lauffelden Feind.
"FSF(-s)?èF
oder Läuſe zu ſchlagen geſchickter ſeyn möge. Aber vielleicht wird die Gele
genheit hernach hievon etwas mehr zu melden an die Hand geben. Jetzo
will ich vor den Bruſſium weiter reden und dieſem Ubel einen Raht ertheiten
laſen.
Aber(ſchreibterferner) die Fürſten könten ſolchem Ubelgar leicht
lich abhelffen: ſo nur ein jeder in ſeinem Lande eine Unterſuchung und
2lusſchuſſ von ſolchen Lenten machen läſt /die Alters Leibes Stärcke/
und Verſtandes wegen/zum Kriegsweſen amtauglichſten zu ſeyn ſchei
nen. Und damit dieſe nicht l wider ihren Willen ihren Kindern oder
Eltern gleichſam werden entriſſen; müſte man in jeglichen Dörffern
vielausleſen und denen erlauben unter ſich zuloſen/welche am erſten in
den Krieg ziehen ſollen: und dieſe muß man über den monatlichen richs
tig und zurechter Zeit bezahlten Sold/auch daheim aller Contribution
und Auflagen erlaſſen. -

Scheinet in Warheit kein ſo unebner Färſchlag 1 und der noch wohl


werthldaß man ihm in etwas nachdächte; bevorab zu dieſer Zeit damaneinen
ſchweren und gefährlichen langen Krieg zu förehten hat: Und hoffe icht der
Herr Vetter werde ſich um dißeinige willen alles dasjenige nicht verdrieſſen
laſſen, was ich bißher von dieſem Conſilioſchrifftlich angezeigt. Im übri
geniſtmchrangedeutetermaſſen ſein Conſilium demjetzigen Zuſtand nicht als
lerdingsgemäß. -

Unlängſt hab ich auch dem Herrn Vettern eine gedruckte Oration zur
geſandt die dem von Touraine zugeſchrieben wird: Selbige Rede habe nun
gleich beſagter Tourain gehalten oder ein andrer 1 unter ſeinen Nahmen vera
fertiget; ſo lobt doch das Werck den Meiſter und zeigt, daß der Erfinder kein
ſtumpfſinniger geweſen: wiewol auch viel Dinges darinnl welches mehr ad
votum (wie die Politici redcn) nach Wunſchl wederad ſtatum & praxin,
nach Gelegenheit und Zuſtand jetziger Läufftenfürgeſchlagen. -

Wer aber ein rechtſchaffenes Conſilium leſen will; der feſ dasjenige -

welches der Freyher: Lazarus von Suend, weiland Römiſcher Käiſerl. Ma


jeſtät Kriegseberſter aufgeſetzt: ſo wird er ſeine Zeit nichtübc anlegen. Denn
ſelbiges Bedencken iſt auf den damaligen uſtand deß Römiſchen Reichs und
Äron Ungarn gar ſtattlich gerichtet und ſtünde auch noch heutigs Ta
ges in vielen Dingen I ohnangeſehn ſchon ſeit der Zeit viel Veränderungen
vorgeloffenlauf den jetzigen Zuſtand zu bequemen. Hätte man von der Zeit
an ſolcher hochverſtändigen Unterrichtung dieſes
- »
Fºtº:
i ,

--
- „FSF(H) SZ- -

nen Raht wie bekannt mit glücklicher That und Erfahrung bewehret hat f
treulich Folge geleiſtet: Camiſcha / Waradeim und MTeuhäuſel wären jetzt
keine Behauſung der Drachen und unreinen Mahometiſchen Geiſter worden.
Aber das groſſe feindſelige Mßtrauen unter uns ſelbſt welches nach gerade
inſoviel blutige innerliche Kriege ausgebrochen; hat ſolche heilſame und ſchö
ne Ordonnance nimmer völlig ins Werck kommen laſſen wollen.
Uberſende diß Conſilium dem Herºn Vettern hiemitbeygefügter maſ
ſen/von mir verteutſchet: um ſein Verlangen wie dem Türcken am glücklich
undrahtſamſten zu widerſtehen ſeyl aus einem andren zu vergnügen der nicht
allein wider denErbfeinddicbloſſe Feder ſondern auch den Degen geführt und
mit groſſer Reputation wiederum eingeſteckt. -

Im übrigen beliebe dem Herºn Vettern mit der ganzen Welt linbc
ſcheidener Zuchtzuerharren, was ſoviel vornehmer Prinzen und gleichſam
die fürſichtigſte Augendeß H. Römiſchen Reichslanjezo zu Regenſpurg(mit.
GOtt)beſchlieſſen werden: welches uns die ZeitſodaRoſen bringt (GOtt
behüte uns aber um die künfftige Roſen Zeit vor ſcharffen blutritzenden Dör
nern) eröffnen wird. Wir wollen gar nicht zweifeln/es werde alles dem all
gemeinen Warten gemäß der Verſamlung ſo hoher Perſonen würdig und.
bevorſtehender groſſer Gefahr und Noth abhelfflich ſeyn was künftig ein
mal herauskomt. Wirbeede der Her Vetter und meine Wenigkeit blei
benkühnlich darum unbekümmert wie die Verfaſſung gegen dem Türckenan
zuſtellen, woher man Volck und Geld nehmen, wen man zum Beyſtand ſolli-,
citiren müſſe oder nicht; und laſſen dieſe Löwendavor rathen und wachen.
Jedoch/deß Herºn Vettern Curioſitet in etwas zubefriedigen, ſollmei
ne Feder von einer und andrernothwendig erfordrenden EigenſchafftdeßTür
ckenkriegsl wiewolnur ingemein(in Genere) etwas diſcurriren und zuweis
lenwann es die Gelegenheit veranláſt auf die jetzige Noth dabeyzugleich eine
Reflexionhaben.
Der HerVettermerckemichaberwol daß ich nicht Maßund Weiſe
einer gewiſſen Anſtalt zuſchreiben verſpreche; denn das erfordert bevorabbey
jetzigen Conjuncturen ein auserleſenes Staats-Gehirn: auch nicht die Völ
cker und Schlachtenzuordonniren; welches Kriegserfahrnen Cavallierenob
liegt: ſondern nur wenig wiegeſagt. Eigenſchafften daran es vordieſemge
fehltkünfftig aber nicht ermangelnmußſda man anſtatt deſ Sieges keine gez
wiſſeNichts
Miderlagewerben
iſt kündigen underwerben willzuberühren.
wederdoßmanzum Krieg inſonderheit zum e, Y

- - -- chem
------ _ FÄ(IE) ºß
lichem Völcker und Geldmittel benöthigt: und dennoch lauffen mirgendgröſſe
re Mängel und Fehler gemeinglich beydenen Türcken-Kriegen vor als eben
indieſenbecden Puncten,
Sovieldiß letztere betrifft / welches in der Verfaſſung woldaserſteſeyn
muß/iſt vor dieſem kein geringer Fehler darinnvorgangen/daß es nicht allemal
der Billigkeit nach fürnemlich in den letzten Teutſchen Kriegen geſamlet wor
den: indem die niedrigen Stände die gröſſeſten Bürden faſt allein tragen müſs
ſen; die Fürſten undandre groſſe Herren ſich zimlich Ä geſchonet. Sols
te es künfftig eben alſo daher gehen: bilde ihm nur keiner einigen Stern oder
Segen ein; da man gleich hundert-tauſend Millionen aufbrächte: denn die
Thränen der ungleichbedrangten ſchlügen ſich auch wider ihren Willen alle
zum Türcken und dörfften wie die ſchwerſte Cartaun-kugeln wider uns fech
tenWiewolich bekenneſdaßbeyſoſchleuniger Noth-Hülff als jetzo erheiſchet
wird nicht alles ſchnurgeradund ebenſeynkönne: bevorabweil noch zur Zeit
keine Veränderung der Matriculgeſchehen: wann man nur dennoch ſoviel
möglich der Billigkeit nachgeht/unddie groſſe Herren I zu Hebung allgemeis
ner Laſt ihre vermögliche Hand nicht entziehen ſonderntreulich mitanſchlagens
es geſchehegleichnach dem Tar der Matriculloder nach dem Tax Chriſtlicher
Licbeund Billigkeit.
Im übrigen kanmanmit Warheit nicht ſagen, daß vor dieſem das Reich
wider den Chriſtenfeind nicht ein ehrliches geſeuret : ob es aber auch nicht in
Auszahlung ſolcher geſteurten Gelder damit auf gleichen Schlagwiehernach
in dem dreiſſig Jährigen bürgerlichem Krieg hergangen, ob es an behörige
Ort verwandt gnugſame Mannſchaft darvor geworben die Geworbene ſo
wol als die alten in Beſatzung liegende davon richtig ausgezahlt: darüm bea
frage man die Hiſtorien. Soltemanbey dem Türckiſchen Tyrannen Solyz
man deßwegennachforſchen können, würde er ohnzweiffelzeugen und antwor
ten, daß nichts wenigers als richtige Bezahlung unter den Chriſtlichen Völ
ckern erfolget und hätte er unterſchiedliche Teutſche und Ungariſche Beſa
zungs-Völcker mit Erlegung derer ihnen reſirenden Monat-Geldern aus
den ſchönſten und feſteſten Plätzen herausgekaufft. Steht demnach zubcſor
gen das Geld der Römer-Monaten undandre extraordinar Hülffleiſtungen
ſey vor dieſem gewaltigextra,undthelsdene Generalen Oberſten und andern
Officiren und Commſſarien in die geheime Seckelſpazirt. Derwegen unſer
Chriſtliches Teutſches Eiſenwellesſenengebührlichenſilberne Handgriffnit
gehabtlindie Türcken auch nicht glücklicher ſchneiden können.
-
wºgº (Mt
X
hiemitſnachwievor nach der alten Weiſe gehen: ſoblde ihm der Per Vetter
auch keinen andern weder den alten Progreß ein; das iſt Meutenirungen der
Soldatenhalbcomplete Regimenter Niderlage allerley Unglück und endlich
(davor unsGOttin Gnaden behüte!) womcht die Dienſtbarkeit ſelbſt doch
den ſchändlichſten Frieden von der Welt.
Wird es aber beykünfftigem Kriege durch Behutſamkeit vermittelt
getreuelaufrichtige Commiſſarien und redliche Seckelmeiſter geſetzet; ſo kan
man auch gute Hoffnung eines erſprießlichen Fortgangs haben. -

Wannjaeines wegen einigen Mangels warten ſoll; ſo iſt es beſſer man


laſſe die Generalen und Officireralswelche Löcher mit Geringem ſoleichtlich
nicht zuſtopffen; weder den Lantzknecht warten: alsbeywelchem deſto weniger
Gedult und Diſcretionvorhandenje gröſſer gemeinglich ſeine Nothdurfft zu
ſeynpflegt. Stünde auch unſern Potentatenzurathen die Monatsgelder für
das Volckkeinem Feldhercnnoch Kriegs Oberſten ſondern abſonderlichda
zu Deputirten (welche hinwiederum ihre ſcharfe Aufſeher haben müſten) an
zuvertrauen; wie bißheroihrer viel mit groſſen ihrem Schadengethan. Weiß
man doch/daß in dieſen Jahren (doch nicht in Teutſchland) ein grcſſer Gene
rall in einer Nacht alles Geld auf einmal verſpielt habe was ihn vorigen
Tags zu Befriedigung ſeiner übelcontanten ſehr ſchlecht mundirten und ſchier
halberhungerten Armee von hoher Hand war zugeſchickt.
Beyangehendem jüngſten Polniſch-Schwediſchem Krieg ließ die König
liche Polniſche Majeſtät einem vornehmenCavallier eine gute Summ Gel
deszehlen zu dem Ende daß er davonzu deſſelben damals äuſſerſt bedrengten
Königs Dienſten etlich Volck an andern Orten würbe: aber der Cavallier
ſchiebdie Gelder in ſeinen Seckel; und begab ſich damit in eines andern Poten
taten Dienſten:fürwendenderbehalte diß Geldmit Fug und Rechtſanſtat ſei
ner reſtirenden Beſoldung.
Ebenumdieſelbige Zeit machte es einem andren Prinzen eine Perſon von
nicht geringer Conditionſaufgleiche Manier; indem er die ihm zurBeſoldung
unterſchiedlicher Regimenter deſtartel und eingehändigte Arinatos I für
ſeine von langen Jahren her reſtrende Wartgelder fein glat hinweg nahm
undverrechnete. -

Ungleich anders handelte der berühmte General Leva/beyſeinem Herrn


Käſer Ä dem Fünfften als er zu Pavia in Welſchlandcemmendirte.
Denn als die Beſatzung mit Ungeſtüm ihren Soldforderte und von den Bes
ligrenden die Belohnungen der Untreuhingegen überflüſſig würden gezeigt:
ließ
-32(S)? -
ließ er alles ſein Silbergeſcher ſchmelzenIMünze davon ſchlagen und der
Soldateſca reichen: verſchaffte auch daßſie durch die Kauffleute gekleidet
wurde. Nichts deſto weniger wurden ſie zum andern mal ſchwierig 1 und
heiſchtenabereins Geld. Damuſten die HernCanoniciden Seckel ziehen:
und weil derſelben Verlag nicht woltekkecken;nahmer von allen Spazier-und
Regiment-Stäben das Silber mit zu Hülffl und vermünztees. Als ſie
zum drittenmal auf ein neues anhielten: riß dieſer Kern-treue Cavallier ſeine
Ketten und koſtbares Hals-Geſchmeidherab/machte Münz daraus und ſtille
tedie Beſatzung.
IſtgewißlicheinErempellſounſterblicher Erinnerung wolwerth und zu
dieſer Zeit damanhöher achtet was den Seckelfälletweder die Ohren wenig
Nachfolge hat! Darum meines unvorgreifflichen Bedünckenslam ſicherſten ,
zu dieſer ſo hochimportirenden Verrichtung andregewiſſe und tugendhaffte
Perſonen zu deputiren ſtünden. Weil aber bey Gold und Silber in der Er
denſvon den Geſpenſtern; auſſer der Erden von allerhand Reizungen viel An
fechtung: müſte man auch dieſen nicht unnachgeforſcheklaſſenlundbey ſo groſs
ſer Gefahr durch Conniventzlbey Lebe kein Auge zudrücken, ſondern/Legem
Repecundarum dißfalls aufgewiſſe Maß und Weiß wieder in den Gang
und Schwangbringen und in Beobachtung der Foucquettiſirenden dem vor
leuchtenden Erempel der Königlichen Franzöſiſchen Änachgehen.
Geſchichtſolches nicht;habich Sorge man werde mehr dann zu oft hö
ren/wiebaldhiebalddort Meütcnirung und Untreuvorgangen; oder Pulver/
Bley/Munition und Vivers gemangelt.
Die Völckerbelangendund zwar erſtlich die Anzahl derſelben; können
wir nicht läugnen daß der Erzfeind an groſſer Menge uns damit faſt jedes
mal überlegen geweſt. Denn obzwar die Käufer Marimilianus und Carolus
V. gewaltige Armeen wider ihn aufgebracht; hat er nichtsdeſtoweniger wol
vier auf einen Chriſten-mann gehabt; wiewolers gleichwol mit ihnenſonders
lich mit dieſem letzten zu fechten keinen beſondern Luſten gehabt. Denn das
mals könte das Römiſche Reichweiles mit innerlichen Ä noch nicht ſo
ſehr geſchwächtleine Mannſchafft ins Feldliefern die ſich noch wolſchen ließ
und billig den Ottomanniſchen Tyrannen ein Bedencken machtel ob das
Spiel mit ihnen zu wagen.
PVor Ä ſoll ſofernden Scribenten zu trauen mit
- - -

9oooo. zu Fuß und 3 sooo:


-
ºserder Fünffte aber mit j
- - - - - - z!
«FT(E)Fer
zu Pferd und zu Fuß/wider ihn ſeyn zu Feldegangen. Wer aber verſtehet
was eine ſolche Menge auszumundiren mit Teutſcher Rüſtung und zu unter
halten koſte; der wird leichtlich erkennen daß dieſe Geſchichtſchreiberinetwas
zumilde ihre Zahlen flieſſen iaſſen. Laßes 50. oder 6otauſend geweſtſeyn;
ſo iſt es eine herzliche Armade geweſt, welche daſie jetzt oder künftiges Vor
Jahr in Ungarncampirte; beyden Türcken ohnZweiffelingroſſe Conſiderat
tion kommen würde. -

Warum ſolche ſtattliche Mannſchafft zuder und andrer Zeit nicht viel
beſonders ausgerichtet;mag ich jetzonicht melden: weil ctwan hernacheinal
dre Materymich dazu wird veranlaſſen. Wieftarck aber dieſesmal dcnbc
vorſtehenden Sommer / wir Teutſchen dem Türcken (dae/dem drohendem
Gerüchtnachmiteiner ſo erſchreckliche Macht von zwey oder dreyhunderttau
ſendheran zögelbegegnen mögen davon kannanwie erachtlich noch der Zeit
keine gewiſſe Mutmaſſung oder Rechnungſchlieſſen; angeſehen man noch nicht
wiſſen kan I wie ſtarck und auf was Weiſe ſich die erſuchte ausländiſche Po
tentaten mit der Aſſiſtenz werden herauslaſſen: ohnderen hülfflichen Bey
ſtand das Römiſche Reich einen ſo ſchweren Kriegslaſt nicht wol alleinertra?
genkan. Unterdeſſen bleibt ein und allemal gewiß; will man einen ſomächti
gen Feind abtreiben und den freyen Teutſchen Halß ſeinem herandringenden
Jochentziehen; ſo muß man ihm nicht wie unlängſt mit einem Häuflein
ſondern einem gnugfamen Hauffen unter Augen tretenſes komme auch woher
es wolle. -

Werden ſich unſre Teutſche Fürſten und Hernmit beyſtändiger Aus


rüſtung guter Kriegs-Völckerſotapffer angreifſenwieſe ſowoldaheim als
inſonderhett auf den Reichstägen/ umihren Ä anſehnlich zu machen
aufkoſtbare Banquetenſtolze Libereyen überhäuffte volckreiche Suiten und
andren groſſen Hofpracht ſpendirenpflegen: ſo dörffte noch woleine zimliche
Anzahl Volcks zu vermuthen ſeyn; dafern nur nicht bey manchen ſolcher her.
licher Pracht den Succurß conſumirt eher jemals ans Liechtgekommen.
Denn was vorher verſtolzirt /gaſterirt und ſonſt verſpendirt wird skanher
nach dem Türcken welcher ohnallen Zweiffel 1 unſers eitlen Prangensins
Fäuſtlein lacht/wenig ſchaden aber wol guten Vortheil geben.
In Warheit wenn ich die Sachenbeymir recht betrachte/und den heu
tigen Stand und Manier der CÄ Europiſchen Potentaten natürli
cher Geſtalt und Farben nach beſchaue: kan ich mich oft nicht gnug verwun
dern, wie es doch immermeh zugeheſdaß nirgends in der Welt weder in gedach
eſ
*.

-&-YS)?éß- -

enEuropiſchen Chriſtlichen Reichen vom HoffwºRegiments und Seats


raiſon mehr Weſens und rühmenslmehr leſens und ſchreibens mehr tichtens
undtrachtens gemacht und dennoch in der That und würcklicher Ubungnir
gends weniger von derwahren und rechten Statiſtereygefunden wird als e
bendaſelbſt. Jaesbedünckt mich (ich rede aber von Niemand inſonderheit)
unſer Stats- Witzſey zwar zuweilen ausdermaſſen künſtlich ſcharfſinnig
undſubtil; aber doch kein Pallas-ſondern rechtes Arachnen-Gewebeſdas durch
Spinnen und ſpintiſiren ſeines ſelbſt eignen Meiſters vermögenconſumirt/
undvielmals lauter corrumpirten Lufft und giftige Dünſte an ſich ziehe; von
feindlichem Gewalt endlich leicht zerriſſen und ausgekehrt werde! Eine Arach
nen-Arbeit ſprechichderenmeiſte Erfindungenund Mühe aufbloſſes äuſſers
iches Prangengerichtet und dasjenige was den Grund der Königreiche und
Republicenpflegt zu befeſtigen im wenigſten berührt. Beyden Regimentern
und Hofhaltungen jetziger Zeit ſihet man überaus viel ſchöner Figuren und
Hyperbolen: hergegen wurden beyunſrenVorfahren die Arithmetic und Ge
ometry fleiſſiger getrieben. -

Jedoch will ich diß von dem Herºn Vettern nicht auf den jetzt zurüſten
den Türcken-Krieg eigentlich accomodirt wiſſen: man es allerdings auf den
Uberfußder Chriſtlichen Höfen und Aufzügen insgemeinſein Abſehen hat;
und zu hoffenſteht die vor Augen ſchwebende Noth werde unsanjezound nach
dieſem zu einer eingezogenern und Gott wolgefälligern Stats- und Grandets
Führung anweiſen und allen Uberfluß auf guteverſuchte Soldaten welchene
benſt guten Geſetzen einesFürſtenrechte Stats-Zier undConſervation ſind zu
employren. Denn(damit wir weiterſchreiten) das Kriegs-Volck requirrt
vors andre wie ſich an ihm ſelbſt verſtehen läſt
- Gebührliche Ausrüſtung und Mundirung. Sehr ſchlecht undach
loßiſt man in abgewichenen nechſten Kriegen damit verfahren. Ich habe lmie
meinen eignen Augenunterſchiedliche Armeenmarchiren ſehen davon der drit
teTheil nicht rechtbewehrt geweſen: fürnemlich die Infantery (dennunſre
Reuter haben ſich ſelbſtläus ihrer Herten Landenmundirengelernet und viel
aus den Ställen der armen Bauren beritten gemacht)oder Fuß-Völcker: der
Eine hatte eine Mußquete; aber keinen Degender Ander einen Degenaberkei
ne Mußquet: der Dritte weder eines noch anders; ſondern irgendeinenStock.
Und ſolcher Armeen ſorgich habe man eine Zeither wolmehr gehabt; daher
auch manchesmal ſo ſchlechte Verrichtung erfolgt. -

Es iſt nicht genug nur über Halß über Kopff erhand ºrneº
.. - & J.
- FS (S) &#-
kein zuſammenraffen und kaumhalb mundirt dem Feind entgegen führen; ge
radals wären es lauter Baſiliſken die mit dem bloſſen Anſchauen ihren Feind
könten ertödten: nein; wann ſolche Wölffelauffen und vor uns fliehen ſollen;
müſſen ſie Lunten und Pulver riechen. Verhoffentlich werden aber unſre
Teutſche Fürſtenbeyjetziger Armatur hieran keinen Mangelſpührenlaſſen
ſondern dem hochchriſtlichen Erempel Römiſch-Käiſerlicher Majeſtät und
SchleſiſcherStändenacheifren, und ſowolihre gegen den Feindmarchirende
als daheim zu Beſchirmung deß Landes vor den künftig beſorgenden Einfall
der ſtreiffenden Tartarn hin und wieder in Quartirenliegende Troppen mit
behörigen Waffen verſehen. -

Willmich demnach hiebey nicht aufhalten ſondern zu der dritten Eigen


ſchafft eines guten Kriegs-Volcks wenden; welche iſt, daß es wolgeübtſey
und der Art mit einem wildfremden Feinde zu ſtreiten fleiſſig werde unterrich
tet. Ein unerfahrhes Volckerfährt nichts gewiſſers als ſeine Niderlage;
und iſt nie keine gröſſere Avankage für dem Feind dann ein Soldat der weder
ſeine eigne I noch ſeines Widerſachers Waffen recht kennt/ oder zu führen
weiß. Die Erfahrung hatesgnugſaminverwichenen Teutſchen Kriege erwie
ſen, daß unterweilen ein einzige wolerercirie Compagnie auchwoleingaßes
ungeübtes Regiment Ä der Nothlgechargirt und in Confuſion gebracht.
Die alten Römer haben ihr Kriegs- Heer darum Exercitum genennt;
daß ſie damit andeuteten ein ungeexercirtes Volckſey vor kein Kriegs Heer
eigentlich zu halten. So war auch die Hoffnung und das Vertrauen zu die
ſer oder jener Armeenie ſchlechter/alswañſie ſprachen:Erführt einCorpovon
kauterTyronibus,das iſt unerfahrnen Lehſchülern.Deñdißmartialiſche Volck
erzog ſeine Soldaten von Jugendauf und übteſie in allerley Waffen-Hand
lung; ſobald ihnennur die Gliedmaſſenein wenigerſtarcket. Lieſſensauchob
ſie ſchonviel Jahr allbereit gute Kriegs-Dienſtengethan dabey nicht bewen
den : denn der Soldat muſte obgleich kein Feind vorhanden im Lagerſeite
Zeit nicht müſſigſendern durch allerhand travaillen paſſiren;Schanzen
graben in voller Rüſtung einen Lauff verrichten und was dergleichen mehr
war:damit er der ArbeitſeigkeitGedult und Daurhafftigkeitſfeingewohnte
oder in der Gewonheit bliebe.. -

Höchlichzubeklagenſtsdaß hingegen viel unſrer Chriſtlichen Poten


tatenleinegeraume Zeitherlindieſer Sache ihre Feld- und Kriegs Oberſten
aufs allernachläſſigſte ſchalten und walten laſſen und allerdings ſich geberdet
als ginge ſie ſelbſten die Armee nichts an ſondern gehörte nur alleinden
- -
ºalſ
- - FS(C) er -

ºralnund Oberſten zu: da dochbeydieſer mißtraulichenZeitſda einer dem andern


mehr durch Gewalt als Recht beyzu kommen trachtet die Kronen eineiſernes
Fundament/das iſt ein wolerercirtes Schwert bedürfen ſich vor dem Fall und
Zerſchmetterung zu bewahren. Wie aber ſolche ohne ober aufſicht commen
örende Feldhern ihren Völckern vorgeſtanden wie ſchändlich ſie offt ganze
Armeen in Abgang Ruin und Verderben gerathen laſſen; iſt aller Welt be
kandt. Manhatſchnurzuerſt umgeſehenlobmanauch prächtigund zierlich
: gmugzu Felde ziehen und bravirenkönte: als ob man den Feind (oder Thor
ſº heit!)mit lauter ſchönrn Federpüſchen Iſtolzen Gezelten I oder dergleichens
undnicht vielmehr mit recht abgerichteten Soldaten ſchlagen müſte. Alſo daß
die Türcken ſchon zu den Zeiten Käiſer Friedrich deß III. ſogar ungereimt
nichtgeſprochen; Sieförchteten ſich voruns Teutſchen unterandernvierer
reyUrſachen auch darum nicht; weil unſre Officirer ſich mehr um prächtige
Mº Federſträuſſe und ſtolzen Kleider-Schmuckl als gute Mundirung und Ubung
ºr ihrer Soldateſca bekümmerten - - -* = - -

Dafern wir nun hierinn künftiger Zeit keine beſſere Verſehung thun:
- wird auch ſchwerlichein beſſeres Glück zugewartenſeyn weder uns vor dies
- ſembegegnet; fürnemlich von den Türcken/die von Kindheit auf ihrer Art
s und Weiſenach zum Kriege werde gewehre
Vielleicht möchte aber jemand hiegegen einſtreuen. Erſtlich daß man
g gleichwolvormals wider die Türckenlauchwol mit ungeübten neugeworbe
enVolckern jemanglücklich getroffen. Antwort: Jeman aber gewiß
ich nichtofft: und zwariſtes nur darumohngefehr ſo gelungen weil man das
mitaufebenſoungeübte dazuübelbewehrte hieunddalmehraufeinen Raub/
- als ernſtlich gemeinten Krieg zuſammengeraffte Purſch geſtoſſen und keine
rechte Türckiſche Kriegsleute vor ſich gehabt. Anjezo iſt es ihnen aber ein:
- echter Ernſtundwerden gewißlich mit keinen unverſuchten Kindern aufges
ſ zogen kommen.“ - - . - -AT * –
Vorsandreſmöchteiner nochmals einwenden: Die Zeitfalle nunmehr“
zukimtz, daß man keine verſuchte und geübte ſo leichtlich möge bey der Hand."
g haben..
Daraufſteht zu antworten: Verſuchte und geübte Soldatenſeyn nicht
Ms allemal einerley. Ein jeder der verſucht;iſtauch geübt und zwar durch die
º Erfahrung ſelbſt welches die beſte Kriegs-Academiiſt da nemlich der Lands
knechtbeedes unterdentodten und lebendigen Lehrern/auf der Wahlſtatt ſtus
Ä dirt und durch viele durch Blut und
-
w-Tr Cº. reß64
ſeine
|,
«FSF(H) EF
Kriegs-Lection erlernet: aber nicht ein jeder der geübt ſey auch darum gleich
verſucht. Der Verſuchten dürfften wol ſehr wenig mehr vorhanden und
mehrentheils neugeworbnes Volckſeynſoman widerſdenFeindſchicken wird;
das geſtehe ich: aber deſwegen kan man dennoch wol etlicher maſſen geübte
Ä aufs wenigſtein kurzer Zeit dazumachen. Denn das iſt eine Ar
eit der Trillmeiſter der Corporals der Lieutenants Capitains Rittmeiſterl
Majoren und Oberſten: welche in den Quartieren I oder wo ſie nur im
mermehr etliche Tage ruhen oder auch im Läger ſelbſt I ſolche neugeworbne
ſolteninder Zeit abrichten wie man mladen loßbrennen anſetzen retirien
ſchwingen wenden und dergleichen hurtig und fürſichtig ſeyn uüſſe. Zu
dem Ende ſolte jede Compagni in der erſt alle Woche einmal aufs wenigſt
blind geladen gegen einer andern treffen und chargiren: und von den ſpielen
den Buben das Muſter nehmen; das iſt die eine nach Türckiſcher Weiſe mit
betrieglicher Fluchtfechten; die andre auf Chriſtliche Teutſche Manier: da
mitbeede Theile der Liſt und Bchutſamkeit gewehnten I und unter ſich ohne
Schaden/lug würden.
Dabeyes dennlanVerweißund Ruhm nichtermangeln müſte; nach
detuder Officirer ſeinen Soldaten träg oder faul befünde. Ja es ſtünde zu
wünſchen man brächte die alte Römiſche Manier wieder in den Schwang
daßbeyjedem RegimentSquadron Compagni Corporalſchafft der Offi
cirerlkurz vor dem Treffen eine ernſthaffte Vermahnung auf gut Solda
tiſch/fein kurzundrundthäteſden Landsknecht mit allerhand zur Tapfferkeit
Muthl und Beſtändigkeit im Fechten reizenden Worten couragirte; ihm
die Herrlichkeit und den Nutzen der Victori vor Augen ſtellete; vor Confu
ſion und ſchnelle Begebung auf den Raub warnete; die Hoffnung der Flucht
benähme/unddaßfür einem ſo ſchnell nachſetzendem Feindeflichen ein gewiſſer
Tododer Dienſtbarkeit/hergegen in voller Schlachtordnung diegröſſeſte Si
cherheit und Victoryſey:c. anzudeuten. -

Das alles nennichübenabrichten/undererciren: und ſtünde füglich/da


zu weit rühmlicher unter der Zeitlzupracticirenda man ſonſt auf andre ſo wol
dem ganzen Land als der Armee ſchädliche Dinge ſpintiſirtt wie man nem
lich dieſes oder jenes Städtlein in höhere Contribution ſetzen den Bauren
was abtribuliren und gute Beuten nicht vom Feinde ſondern von Freunden
machen wolle.
Biſher gemeldtedrey Eigenſchafften deſtofüglicher zuerlangen; will
vors vierdtel ein Kriegsvolckfleiſſig gemuſtert ſeyn. Was die Augen deſ
- - -- - * - Land
- - FS(S). --
andhern ſeinen Aeckern/ die Augen deſ Stallmeiſters den Pferden; die
Algendeß Königs der Ritterſchafft das thut die Muſterungder ganzen Ar
le. Dieſe macht Regimenter und Compagnien complet; dieſe ſchafft dem
Soldatengute Wehr und Waffenindie Handlkleidet und mundirtihn; die
ſºweißihnfeinabzurichten damit er den Augen ſeines General- Oberſten ja
den Augen ſeines Feindes ſelbſtenwann dieſer anders einestapfren Gemüths/
vol gefalle: allermaſſen wie König Pyrrhus mit Luſt und Verwundrung
Ä ordinirte Kriegslager der Römer/vdnfernenſchaute, ob er gleich
'khd Var.
„ Da fragt ſichs nun wer damuſtern ſoll? Jchfrage wiederum: Weß
iſt das Bild und die Uberſchrifft der Münze damit man den Landsknecht be
ſoldet? Antwort: Deß Käſersdeß Churfürſten deß Fürſten dieſer oder je
ner Reichs- Stadt / und aller die zu dieſem Türcken Kriege Auriliar-Völ
cker ſchicken und unterhalten. Alle dieſe müſſen entweder perſönlich oder
durch deputirte und ungezweifelt ihnen Getreue ſolches verrichten.
In den nächſtverwichenen Jahren iſt dieſe Gewonheit aufkommen:
Sobald ein Volck verſamlet; hat man Rendez-vous gehalten: dabeyſel
tender Prinz oder Potentatlwelchem die Armee gehörte zugegen geweſt; ſons
dern entweder andern, denen man leicht eine Blendung für die Augen machen
können oder irgendeinem Oberſten committirt worden dieſes oder jenes D
berſten Regiment zumuſtern. Da hat dann eine Rabe der andern kein Au
ge aushecken ein Camerad und Dutzbruder mit dem andern ungern. Händel
Und Ä wollen ſeinem Herºn Principaln die Warheit zu
hinterbringen. Deßwegen kein Wunder daß aus vielen mitgerechneten
Nullen hernach auch viel Nullitäten und mancher Potentat um Geld Sieg.
Landund Leute gebracht. Sonderlich haben ſich an theils Orten diejeni
gen Officirerlſo da irgendadeliche Güter gehabt gar baldbey ſolcher Muſte
rungſcomplet machen können: indem ſie wann irgend eine ernſtliche Muſte-,
rung zu beſorgen geweſtlihre Baurenvon dem Pflug hergenommen und ſo
lange untergeſtellt biß die Muſterung vorüber 1 nachmals wiederum ihres
Wegesheim lauffen laſſen. Andere haben ihren Cameraden ein hunderto
der etliche abgeliehen: undihm ein andersmal wieder ausgeholfen. Welche
Kunſt bey den Polniſchen Teutſchen Völckern eine Weil her zimlich im
Brauch geweſt : und ob es gleich der dem die Muſterung aufgetragenge
merckt;hat er doch mit ſehenden Augen müſſenblindſeyn und ſich aus gewiſ
ſen Urſachen nicht merckenlaſſendörffen was er merckte.. W a
- - - H

-“
-

-33(0)? - - -

Woher aber iſt ſolches gekommen? Daher daß die Principalen in ans
drenhochwichtigen Geſchäfften (wiewol die Verſehung deß Kriegsvolcks
eines von den allerangelegenſten ſeyn ſolte) verwickelt wedcrſclbſt dabey ſeyn
können noch andrendarauf ſich zu verlaſſen ſolches anzubefehlen nicht gnug
ſamgevigilirt. Nun kan man nicht läugnen ein hoher Regent hat mehr zu
hun(alsdaß er allenthalbenkönne ſeine Gegenwart leiſten und perſönlichmut
ſtern. Aber ich ſpreche: daß unter allen ſeinen Verrichtungen keine höher
importire als eben dieſe; die billich allen andren Audienzen/AbfertigungenCe.
remonien und Complementen vorgeht. Selbſt kaner nicht alleweil zugegen
ſeynſdas iſt wahr: aber wie ein Prinz Ä
Hände als zwo braucht alſo muß
er auch mehr Augen und Ohren als zwo brauchen; und zwar ſolche die er ſo
reingewißuñunbetrüglich ſchätzt wie ſeine ſelbſteigene mit ſolchen mußermu
ſtern; doch wohl obſervirendaßes ſolche Augen ſeyn, die ſich weder um deßei
nen noch andern Gunſt oder Ungunſtſaur oder ſüß-ſehen annehmen ſondern
von ſeiner Majeſtät und Gnade allein dependiren 1 und ihre Wolhfart oder
Verderben mit ſeinem Aufnehmen oder Ruin gemeinhalten.
Dazu kan man wolFavoriten brauchen; ſo ſie treu erfunden worden
und den Krieg gleichwol auch etlicher maſſen verſtehen. Aber es iſt nicht
gnuggeweſdaßſietreugeweſen, ihre Treumußſdurchfleiſſige Aufſicht und
Befragung/in gewöhnlichem Flor und Vigor zu bleiben l auch beurſachet
werden. Ich will ſo viel ſagen: der Prinz ſoll ſich derweil nehmen ihre ein
gebrachte Relationen angeſichts ihrer fleiſſig durchzugehen ſeine Curioſität
merckenlaſſen auch beyandern zuweilen inquiriren:damit der Referent ſpühre/
daß der Fürſtalle Actiones wolbeobachte. Denn ſolche Verfahrung ſchärft
fet den Fleiß und Eifer eines Miniſters/ſeinem Hernallzeit redlich und treu
zu dicnen.
Auf dieſe Kunſt verſtundſich König Carolus Guſtavus der nunmehr
vor etlichen Jahren verblichen trefflichwohl: denn als er wider Polen Krieg
führtelmuſten ihm alle Ordres durchſeine Hände lauffen und ſahe er auch ſo
gar die allergeringſte Salvaguardi durchlalſodaß ihn manchesmal über dem
durchleſen revidiren und nachſehen die Mitternacht überfiel wenn mancher
Oberſter und Generalallbereit in der Ruhe war; und man das Omnia mea
mecumporto, wiewol einer andren Meinung weder es Rias verſtanden wol
von ihm Ä können: nemlich daß er ſeiner Armee Stärcke und Mundirung
in ſeinem Kopffeund in der Gedächtnißallenthalben mit ſich herumgetragen.
Wäre das nicht beſchehenz hätten ihn gewißlich die ſich unter dem tapfren
Genc
«Fºº(o) SF
ſ General Charnezky wieder ſamlende Polen ſehr übel wieder heraus nach
Preuſſenconvoyrer: in Ermeſſung ſeine Armee ohnangeſehn das betrügli
che Gerücht Forcht und Schrecken dieſelbe ſehr mächtig und groß ausge
Ä dennoch ſo übrig ſtarck nicht geweſt und dafern die damals in groſſer
onfuſion ſchwebende Polen ſtracks anfangs ſo wollals hernach I ihm mit
einer Volckreichen Reutereybegegnen können die Sachenallanders ſchwürs
dengeſchickthaben.
v Nichtsdeſtoweniger verurſachte ſeine groſſe Vigilanz, die auch andreſeine
Leute allart machte ſdaß er mit ſolchen wenigen aber ſcharffen Pfeffer-Kör
nern das iſt einem Kern guter und verſuchter Soldaten groſſe undgeſchwin
beprogreſſenthat und ſichendlich mit guter Manier nach Preuſſen retirirte:
woſelbſtmanwolmit Warheit ſagenkandaßdie (zwar kurze)Alliance zwi
ſchen der Cron Schwedenſ und das Churfürſtl.Haus Brandenburg/mehr
durch die Perſondieſes Königsſelbſt und durchſeine vorthelhaffte Geſchwin
digkeitſbredesinErnſt undcareſſen, weder durchbeſondere Kriegsmachtfa
cilitirtund zuwegengebracht ſey.
Was bahnte dem ſtreitbaren Engliſchen Helden-König Eduardoden
Weg durch Franckreich? Die Franzoſen ſelbſt. Womit ? durch Nachläſ
ſigkeit ihrer Könige und Obercommendanten. Was lieferte ihm ſo manchen
Sieg in die Hand ? Abermal die ſchlechte Mundirung der Franzöſiſchen
Armee und weil ihnen die damalige Könige die HofcourtoiſienallerhandGal
anterien und Bedienung deßFrauenzimmers mehr angelegenſeynlieſſenwes
der die Sorgen für das Kriegsheer wie ſchwach oder ſtarck erfahren oder un
geſchicktes wäre. Daher gieng ein Platz nach dem andern weg: das König
reichenpfiengeine Wunde über die andre: und gewann gänzlich das Anſehn
daßgleich wie die Tapferkeit und andre Kriegs-Tugenden alſo auch ganz
Franckreich nachgerade Engliſch werden wolte. Sintemal der Feind deſto
munterer und wachſamer ſeiner Furun und Gelegenheit nachſetzte 3 je tieffer
am Franzöſiſchem Hofe alles im Schlaffe lag. Und warlich dieſe hätten
reCron Regiment und Freyheit verſchaffen da nicht eine eingeredliche
frey und treuherzige Stimme den König geweckt.
- Es war unter den Franzöſiſchem Kriegheer ein Cavallier/der ſahemſt
ſeinem groſſen Leidweſen an wie alles in Confuſion giengeder Krieg ohnbe
hörige Mittel und ohnalle Ordre wie ein Steurloſes Schiff mitten auf dem
weiten Meer unter den wütenden Wellen und Sturmſchlagenden Winden
in der Irre herum ſchwebte und ſeinem endlichen ºsº näherte j
.. Ph!'
-
«FSF(E) Sß -

oberſte Schiffher aber in Wollüſten berauſchet wenig beobachtete das oberſte


untengehen lieſſe und ſeiner Hofkurzweil Ringelrennens Jagens Balleti
rens und Spielens aller ſorglos abwartete: niemand der Katzen die Schellen
anzuhenckenbegehrte noch zu fragen: König was machſtu ? ſondern der ganz
ze Hof mit Fuchspelzen ſogar überzogen wäre; daß man die Warheit davor
nicht ſehen fönte. - -

Dißgteng ihm ſehr zuhcrßen: ermannte ſich derwegen reiſte eiliggen


Hof; um ſeinem Kötzig mit recht gründlicher Relation/von der ſchlechten Brº
ſchaffenheit ſeiner Armee aufzuwarten und die ſchleunige Notturfft derſel
ben unterthänigſt vorzutragen. Weil er aber wie einwachender zu den ſchlum
mernden wie ein nüchterner zu den trunckenen wie ein redender zudentauben
fam: lieffenvieltage vorbeylehman ihn zur Audienz kommen ließ. Als er
nun endlich aufvielfältigesſollicitirenf einmal dieſelbe erlangt und zum Kö
nige hineingelaſſen; der ebendamals mitten unter dem Frauenzimmer ſaß und
ſamt ſeiner ganzen Hofſtat zierlichen Balleten und anderer Ergetzlichkeitzu
ſahe fragte ihn der König über eine Weile; ob ihm diß alles nicht luſtig und
herlich daugte ? - -

Er antwortete: Ja; in höchſter Warheit mein Her König alle mein


Lebtage hab ich nie einen Prinzen mit gröſſerm Prangen und Jubliren ſehen
zu Grundegehen weder dich. Erzehlte drauff folgends allen Zuſtand der
<AMC.
Der König erſchrack nam die treuherzige Warnung/dergleichen erutz
ter allen ſein Brod umſonſt freſſenden Hofſchranzen keine gefunden vor bcs
kandt an: legte die ſchädliche wollüſtige Manirab: ſetzte ſich früh und ſpat
nieder/und ſchrieb bald dieſem baldjenem alle Ordre I und gemeſſene Inſtru
rtion; ſaheundlaß ſelbſt alle Relationen/Verrichtungen Rollen und Ver
zeichniſſen: und ward kurz zu melden/ gleichſam in einen andern Menſchen
verwandelt: alſo daß das Engliſche blinde Glück ſich gleichſam entfärbte ei
ner ſolchen eifrigen Vorſichtigkeit länger zu widerſtehen; und König Eduard
ſelber ſagen muſte: dieſer Franzöſiſche König ſitzet den ganzen Tag über
und ſchreibt fleiſſigbald hiebalddorthin ſetzet gute Generalen und Oberſten
bewirbt ſichumerfahrneSoldaten: und richtet durchſolchen ſeinen Fleißab
weſend mehr wider mich aus weder ſeiner Vorfahren nachläſſige Gegen
wart / mit dem Degen. -

Aus dieſen und vielfältigen andern Erempeln mehr dieichnichtweit


leufftig anziehenmag ſcheinet hell und klar daß der rechte und beſte Ä
- platz/
«F:(o)?TZ
Wahl mitten in den Augen deß Prinzen ſey; wann er wie geſagt entweder
ſelbſtperſönlich oder durch wolvertraute kerntreue Leute den Zuſtand ſeiner
Armeeerplorirt die Wagſchaleſeiner Macht und Kräffteoffers zur Hand
Ä nach Befindung der Sachen
M º.
die Verſehung und Anſtallung
Dieſer Meinung ſchreibt derweiſe Spanier Saavedra denenlöblich-rez ,
gierenden Prinzen einen ſchlaffenden Leuen zum Symbolo: nicht zwar wie
jener Türckiſcher Groß- Vezier 1 ſeinen Soldan | den Suleimann ſeinen
ſchlaffenden Leuen welchen die chriſtliche Potentaten ja nicht aufwecken ſol
en/nannte; wie Bußbequius berichtet: ſondern daßer nicht zutieffſchlaffen
nicht ſicher noch um die Kriegs- und Regiments- Händel unbekümmert ſey;
gleichwie die Leuen. . Allermaſſen dieſem Thier darum die Natur keine be
ſchloſſene Augbraunen mitgetheilet damit ſie an ihm als einem Könige der
andern Thier die Eigenſchafft eines rechtſchaffenen Regenten fürbildete.
Vielleicht habendeß Königs Salomons zwölff Leuenauf den Stuffen
ſeines königlichen Throns unter andern auchhierauf ihr Abſehn gehabt und
dieſes Prinzen obliegende groſſe Fürſorge für die 12. Stämme Iſrael und
wie die Wachſamſamkeit aller königlichen Thronen rechte Stärcke ſeylbee
Metcken wollen.
Stephanus Bathor/der ſieghaffte Polniſche König ſchlug die Mo
ſowiter und kriegtemit ihnen ganz glücklich; alſo daß er einen ſehr vortheil
hafften Frieden erlangte. Dieſer Frieden ſchläfferte ihn aber nicht ein: als
derda wolwuſte die Früchte deß Sieges würden durch gleiche Mittel erhal
ten und bewahret, wodurch ſie erworben: ſondern er ließ die Augen ſeiner
Hurtigkeit und fleiſſigen Sorgfalt bald nach ſeinen neuen (gezwungenen)
Freunden den Moſcowitern baldnachdem Türcken bald nach dem Haus A,
Deſterreich ſchieſſen: und ſolches anzudeuten, ſchlug er eine Gedächtniß
Münze ſo billig in aller hohen Prinzen Gedächtnißſolte gepregt ſeyn; nem /

lich eine Crone über etliche Monſaan Blumen ſchwebend; mit dieſer Uber
ſchrifft : PER NON DORM IRE. Kürzlich zu melden: Um den Kö
nig müſſen ihrer viel wachen; der König aber vor alle.
Iſt aber jemals eine ſolche Wachſamkeit chriſtlicher Potentaten vonnö
then geweſt; ſo wird es warlich anjetzoſeyn: da wir mit einem Feinde zuſchaffen
haben der über alle maſſen verſchmitzt und fürſichtiggeht und dannenhero
auch ſeine Machtund Herzſchafft in heiliger Schrifft ein Horn das Augen
hat/genennet wird; darum laſt uns alle von »
ij
beten und Fºs D
- - »FSF(E) SF- -

daß Gott unſre Fürſten und Herºn alleſamt ermuntre damit ſie den politiſchen
Schlaff aus den Augenwiſchen und ihrer Schanze anjczowol warnehmen
mögen; die Augen der Fürſichtigkeit ja nicht laſſen zufallen I wenn der Feind
diejenige aufthut. Denn auf dieſem Spiel das nicht mit Würffeln oder
Picquet ſondern mit Picquen Kugeln Scbeln Schwertern Karabinern
Mºſqueten Earthaunen geſpiclet werden mußſteht warlichanjezo ein groſs
ſes Labit; kein Dorff keine Stadt nicht nur etliche Meilen Land: nein; es
gilt ganze Cronen und Königreiche/wann dieſer mächtiger Erbfeind auszu
trumphen beginnet : und wer ihm ſeine Trümphe nicht recht zu beſetzen weiß,
der kommt leichtlich um das Seinige/ und muß dem Tyrannen zu einem Triº
umph gedeycn. n

Schet da liebſter Her: Vetter wie viel andre Worte uns das einige
Wörtlein Wachen verurſachet: im Wercke ſelbſtenl zeucht es noch eine uns
gleich weitläufftigere Eonſequenz nach ſich I nachdem mansthut oder läſſt;
ſintemal durch dieſes königliche Wachen alle vorher gemeldte Eigenſchafften
cines Kriegsheersbefordert werden. -

Aber doch ſoller nicht meinen, daß meine Federl welche bißherein wenig
ausgeſchweiffetl und denen in der Nacht groſſer Sicherheit wandlenden Po
tentaten mit einer Latern etlicher rühmlichen Exempel und denckwürdigen IRcº
den aufgewartet, darum allbereit von dem Muſterplatzihren Abſchied ge
nommen: Nein; denn es iſt noch übrig: wie offt dann die Muſterung müſſe
geſchchen? Soofft als menſch- und müglich; bevorab die Particular-WRz
ſterung eines jeden Regiments. Bey den Römern zehlte man alle Abend
das Volck über: und muſten die Ritter (Equites Romani) ſo hiezu deputirt
waren/der durch dieſes I jener durch jencs Regiment umhergehen lalleſo wol
an- als abweſende aufzeichnen) und dieZahl irgend einem Hauptmann über
liefern; dieſer dem Oberſten der Oberſte dem General der Generaldem Ge
neral-Lieutenantl und der General, Lieutenant dem Feldherren: alſo wuſte
dieſer alle Abend und Morgen wie ſtarck oder ſchwach ſein führendes Corpo
ſich befünde. -

Hätten die Spanierneulich dieſe Manier der täglichen Muſterung


auch gebraucht würden ſie ſchwerlich mit Ausſchickung einer Menge von
6ooo. ſich ſo ſehr entkräftet und den Portugeſiſchen Gelegenheit und Vor
theil zu einer Victori eingeraumt haben. Was ſeh ich aber die Splitter in
den Spaniſchen Augen und werdenicht gewar der Balcken in unſren Teut
ſchen? Denn wieofft hat ſichs doch zugetragen daß unſre «T:TcFer
ſich
Fºo) SZ
ſtärcker ſchätzend weder ſie geweſenhäßlich darüber angeloffen ſind? Oie Ers
fahrung und Exempel mag ich nicht beybringen, noch durchBeſichtigungder
alten Wunden-Narben eine ſchmerzliche Erinnerung erwecken.
Nachdem nun die Soldatencomplet/gemundirt/erercirt und gemu
ſtert: müſſen ſie auch fünftens haben ihren gebührlichen richtigen Sold und
ſechſtens Proviant und Lebens-mittel. Sind dieſe beeden Stücke vormals
auch behöriger Weiſeinachtgenommen? Einmal beſſer weder das andre.
Und zwar von den Monatgeldern iſtallbereitobenbeyErwehnung der Geld
mittel, Meldung geſchehen. Wie übclund nachläſſig auch das andrel nem
lich Viverß/vorzeitenſey herbey geſchafft: iſt ebenfalls gmugſam am Tage
und in den Geſchichten zu finden. Wie viel hundert ſind durch das Schwert
deß Hungers getilget worden, ehe ſie ihr Lebtage das Schwert ihres Feindes
Ä
müſſen!
Wie mancher hat an den Zäunen ſeinematte Seele aufgeben
-

Solches wird gemeiniglichlaufdrcyerley Weiſe verurſacher. Wenn


nemlich 1. die unvorſichtige Generalen und Oberº Officirer / die Völcker an
ſoungelegene Oerter geführt und gelägertl da wenig Lebens-mittel vorhan,
den die Zufuhr ſehr unbequem loder durch den Feindleicht abgeſchnitten wird.
Zum 2. wann zwar von der hohen Obrigkeit Befehl und Gelder 1 zu Eins -
kauffung der Viverß erfolgt, aber durch Verabſäumung der dazu deputirs
ten Commiſſarien nicht zurechter Zeit geliefert noch ausgetheilet oder hals
# und das Geld davor zimlichen Theils von ihnen in ihren eignen Beutel
geſchoben. - -

„. Dieſe andre Weiſe iſt leider mehr als zu viel in den nächſten hundert
Jahren von den ungetreuen geizigen Befehlhabern practſirt. Andrer zu
geſchweigen; wird ſich der Per? Vetter annoch gutermaſſen zu erinnern wiſ
ſenwie wir beederſeitsverdieſem an einer vornehmen Tafelſaſſen woſelbſt
die friſch herumgehende Gläſer unter etichen N. N.Generals- und Stats
perſonen allerhand verträuliche offenherzige Diſcurshcrfür brachten: daß
unter andren ein Oberſter klagte/ihm wäre ſeine neugeworbne Compagny
mehr dennhalbzutodgehungert: wers nicht glauben woltesſote kommen und
die Leichnam annoch auf den Stroh liegen ſehen. Nun wuſke man gleich
woldaß von Vietualienim ganzen Lande und ſonderlich der Orten noch ein
ſtattlicher Vorrathlfadeß Kriegs halben dieſelbige als eine Hauptſtadt mit
Getreidevonden herein geſicheren Landleutenfaſüberſchüttet überdas von
dem Prinzen reichlich dazu das Geld
- - -
sei. J
º auch die Reuterey
ſolchen
ſolchen Uberfluß hatte, daß ſie ein Brod/etlicher Groſchen werth um ein
paar Pfenning den Bürgern und Bauren verkauften: nichts deſtoweniger
muſtedie inundbeyſelbiger Stadtligende Infantereylwelchedeß in der Nähe“
campirenden Feindes wegen auf alle Poſtenverthelet lag und nicht von den
Wällen dürfte ſchändlichen Hunger leiden und ihrer theils in etlichen Ta
genkein Stücklein Brod ſehen. -,

Der Her! Vetter weißdaß diß kein Gedicht, ſondern wirs beederſeits mit
unſerm Ohren gehört und in unſern Quartieren Gott Lob alles vollauf ge
weſt. Hätte man da nicht die Herren Kriegsz Commiſſarien und Proviant
meiſter hernehmen und das: ThuRechnung von deinem Haushalten/ih
- nenwürcklicherklären ſollen. Aber allda hießesredlich: Man will den Fuchs
nicht beiſſen. Es kam dem Prinzenober gleich ebenan dem Ort perſönlich
reſidirte nicht einmal zu Ohrengeſchweige denn zu Herzen; ſondern wardal
les mit verſchwiegenen Fuchsbälgen und die groben Fehler der Deputirten!
das iſt die erkranckte und geſtorbene Cörper/bey Mandeln l nicht anders als
wäre die Peſt unter ſie kommen von der Erden bedeckt.
- Die dritte Urſachdeß Proviant-Mangelspflegt zu ſeyn: daß die Of
ficirer den Soldaten allen Muthwillen geſtatten das Getreide und Futter
becdes im Feldeundin den Scheurenmuthwillig zertrettenverbrennen/und
auf allerhand Art und Weiſe verderben; in dem Quartier auf einmal alles
durch die Gurgel jagen laſſen: daher denn hernach ſo ſtrenge Faſtenfolgen I
daß ihnen das Gedärm davoneinſchrumfft und die wilden Schlucker endlich
gar Erdekäuen müſſen. -
Deſſen Erempelund Beyſpielanzuführen/hab ich Bedencken: ſie ſind
leider ohne das gnug bißhero an den Tag geſetzt. Wer weiß nicht, daßtn
dem dreiſſigjährigem Teutſchen Krieg I etliche Generalen ſtattliche Ar
maden in freund- und feindliche Oerter hinab jawolfunffzigtauſend hin
ein und nicht 6000. wieder herausgeführt. Wo ſind ſie blieben? Kein
Schwertſondernder Hunger hat ſie maſſacrirt; und zwar dermuthwillig
durch übergroſſe Licenz verurſachte Hunger hat es gethan: indem man alle
Oerterwohin man kammenfeinglattgebalbiretſdaßauf etliche Meilenofft
weder KatzeRazoder Mäuſe anzutreffengeweſt: daher kein Wunder, wenn
ſolche Meiſter ihres Handwercksmitgenoſſen den eingeführten Hunger und
Kummermit erleiden müſſen. s
Dieſe und dergleichen Unfugen veranlaſſen mich zu berühren die Sie»
bende Eigenſchaffe eineswogeordneten Kriegsnemlich die gute Difepin
Und
- -
- „S(Ö). -
und Ordre; welche billicheite von den Erſtenſeynfavor die Seele deß Kriegs
geachtet werden ſollen. Hie möchte ich meiner Feder gern einen Stillſtand
oder andre Mater wünſchen: maſſen ſie bey dieſer faſt nicht wolanders als
unſer eigne Schande beſchreiben kan. Schandelſprech ich. Denn ſolte eine
ſo berühmteiſo ſtreitbareſomännliche Nation, welche die Ehre und Praeroga
tiv hat dem höchſtgeſalbten Haupt der Chriſtenheit die Crone aufzuſetzen und
denherlichen Welt durchſchallenden TituldeßRömiſchen Reichsführet:dieſe
Nationſprech ich I ſolte die nicht billigl vor allen andern Völckern der ganzen
Welt auch die Tugend der guten Kriegs-Diſciplin ſo eine leibliche Schwes
ſterder wahren Dapfferkeit iſt in ſtetem unabläßlichem Brauch und Obſer
vanz führen? Aberach! wie iſt ſie eine Zeitlanggeführt worden ? Sodaß
mich daran zu denckenſchaudert. Man darf nicht Welſch-oder Ungerland
herumfragen: Teutſchlandmußesleider ſelbſt mehr dannzuviel hin und wie
der bekennen, daß ſeine Teutſchen ſchier alle Diſciplin und ſamt dieſer faſt alles
Glück zugleich mit aus der Handfallenlaſſen.
t aber jemand wollen wiſſen was das Wort Diſciplin begreiffe?
Allerhand gute Kriegszucht: Zwang und im Zaumhaltung der Soldaten;
Gewehnung derſelben an ArbeitſeligkeitDaurhäfftigkeit Mäſſigkeit Spar
ſamkeit; und zu unverzöglichem Gehorſam in allem Commando. Welches
alles durch zweyerley Mittel zuerhalten ſteht: Zu forderſt muß man wie vor
hinerwehnt zurechter Zeit dem Soldaten ſeinen Sold zahlen. Das iſt die
allerbeſte Praeſervativ davor: den unter vorerzehlten und folgenden Eigen
: ſchafften reicht eine der andern die Hand. Wildas nicht helffen und der Lands
„. knecht mit der ſich nicht regierenlaſſen: ſo ſoll mandem Profoß ein Strick
oder etliche zahlen: das wird bald Obeiflance und Folge durcheremplariſche
Forcht und Schreckeneffečtuiren. - - - -
„ Hiebeymuß ich einem raiſonnablen Einwurff begegnen. Denn der Gf
ficirer kam mir widerſprechen und ſagen: Eine lange Gewonheit läſt ſich übel
abbringen. Der Teutſche wil nicht zuſcharffgehalten ſeyn; ſondern dörffte
meuteniren oder ausreiſſendamanallezeitſtreng mit ihm geberden wolte ſo oft
TB verdient. -

Jchverſetze: die gute Gewonheiten ſind von Natur älter weder die böſen
undliegen durch das Liecht natürlicher Vernunfft in unſrem Herzen wie ein
Füncklein im Feuerſtein verborgen. Darum muß man hart daran ſchlagen,
bißſie ihre Flämmlein wiederhervorgeben; das iſtdieböſe Gewonheit durch
ſcharffen Ernſt mit Gewalt abgetrieben l hingegen die gute wiederum#
- -
--
– «FI (-) SZ- -

gelockt und eingeführet werden. Die Vernunfft und Erfahrung gibt es wahn
mandie Böſenſtrafft;dasgedeyet den andernde gleicher Haargemeinlich zur
Beſſerung den Frommen aber zur Beſtetigung im Guten.
Wo Belohnung und Straffe recht getemperirt 1 und nach Verº
dienſt gleich ausgethelet werden: da hat man ſich keiner Meuterey noch Aus
reiſſensdeßletzterniemlich der Diſciplin halbenſoleichtlich zubefahren Zahl
duredlich und zu rechter Zeitaus; ſihe zudaß deine Kinder ihre Notdurftal
Eſſen, Trincken und Kleider bekommen; denn alſo ſolt dubillig deine Solda
ten wie ein leibliches Kindverſorgen. G.A. der großmüthige Königundſch
glückliche Kriegs-Held/hat beedes ſolchen Nahmen und # an ſeinen Vol
ckernerwieſen. Denn als die Ständelim ChurfürſtenthumPreuſſen ihn auf
ſein Begehren um Geld Proviant folgenzulaſſenbißauf eingeholtenChur
fürſtl. Befehl Bedencken trugen und gleichwoldieſen Leuen nicht gernirr
tiren noch von der Neutralität zwiſchen Polen und Schweden weichenwo
ten:traffen ſie dißkluge Mittelſdaßſiedenen Haußleuten und Bauren welch
dem Schwediſchen Lager etwas zuführen wolten ſolches erlaubten jedoch auf
ihre ſelbſteigene Gefahr und Koſten es möchte ihnen von den ſtreffenden Pº
lackengenommen werden oder nicht. Die Profit-Suchttrieb heraufbad
eine gute Anzahl Wägen mit Brodund Bier nach dem Schwediſchen Lage
zu. Wann ſie denn ankamen; ſtundgedachter König; und fragte: Bring
ihr auch was/für meine Rinder: Zahlte das Proviantalsdenndoppelt;und
ließdie Leute mit ſo freundlichen Worten und einer ſicheren Convoyewede
zurück gehen; daß er ihnen das Herz damit abgewann und die ganze Zeit
# daſelbſt logirenden Armee überin dem Lager an Lebensmitteln ein Ube“
U; PM.
Alſovcitterlich ſorgte dieſer Nordiſche Blitz vor ſeine Donners-Kinder
und hielt dennoch dabeyſonderlich unter ſeinen National- Völckernſo ſtreng
„Ordre daßes zu verwundern. Etliche überlieferte er mit eigenen Hände
dem Profoß; und hießſiedoch ſeine Söhne. Gleichwolhat manfichterfah
renſdaß ihm derentwegen einer wäre ausgeriſſen; ober zwar den Teutſchen ſo
wol mit manchem ſcharffem Capitel-leſen als würcklicher Abſtraffungſ
offtermalenhart genugerzeigt. Denn die Vernunft giebt es auch einem Bº
wicht andie Hand und lehrt ihn baldden Unterſcheid machen ob die Strafft
aus einem Eiffer der Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit herrühre.
Thududeßgleichen meinguter Teutſcher Officirerin dieſem Tärcke
Krieg;tractire deine unterhäbendr Völcker auf gleichen Schlag ſº
- - SF(CHFss- -

zur Tafelundlaßſie die Hungerpfoten ſaugen, ſondern rede für ſie zurechter
fit und zur Unzeit (denn einem Soldaten muß in dieſem Fall zuweilen eine
'-
rtunitet bey.Hofenicht verarget werden) und züchtige ſie alsdenn/ wenn
W esverdicnen: was gultslob die übrigen ausreiſſen?
. ... Ich will direinander Erempel geben. Wer hat jemalnſchärffer mit,
ſeinen Soldatenprocedirt als der weiland Käſerliche General von Wallen
ſein? Nur ein geringes durffteder Landsknecht impºngiren; ſo war er ein
oder Menſch. Und gleichwol weiß mandaß weder vor noch nach ihm einiger
General einen ſo geſchwinden Zuflußvon Volckern bekommen als ebendieſer
Soldaten harter Feldoberſter. - " . . .)
Jedoch muß man fleiſſig unterſcheiden zwiſchen Diſciplin und Tyran
ey/und ja dieſe Nahmen nicht miteinander vermiſchen: denn auf ſolchen Fall
kanendlich ein allgemeiner Aufſtand/ode.andreUntreuunter den Völckendar
ausentſtehen. Im Kriege irret man zwar nicht gern zweimal; das iſt nicht ohns
ber darum ſoll man dennoch einenjeden geringen Fehler nichtſtracksmutdem
Henckerſtraffen; viel weniger einohngefähr wegen nicht bezalten Monatgel
der/dem Soldaten entfahrendes ungedultiges Wort: denn dadurch kommet
. ºft eine Blutſchuld über die ganze Armee wenn mandemverdroſſenen lang
ergebens ſtrapeztrenden Landsknecht ſeine Dienſte endlich mit dem Galget
ff. . . . . . . - „ . . . ii
EinſchrecklichesErempelerzehleehievon das Manualepoliticum Gui
emiFerdinandiabEfferen, Käiſerlicher MajeſtätFerdinand II. Weit
andgeheimen Raths. Als im Jahr 1606. ein Teutſcher Soldat der von Na
tretwas poſſirlich und kurzweilig war auf die Wachtberaffen;ſagteerlas
chendes Mundes widerſeinen Spießgeſellen: Die Wacht kommt wieder an
"s wie ich ſehe: wann doch auch einseiner käme / der uns Geld zu ems
Pſangen berieffe. Diß Wort iſt gleich aufgefangen unddem Oberſtenhintere
acht worden: welcher alſofort den Regimens-Auditorn zuſicherfordert und
dieſenKerlsſoaufrühriſcherReden halbenſernſtlich abzuſtraffenbefiehlt. Hier
aufwirdderarme Tropfins Gefängnißund auf die Foltergeworffen; endlich
8ar zum Tod verurtheilet.
Der Landsknecht ſoeingut Gewiſſenhatte hat ſich auf Anhörung ſei
fºr Todes-Sentenz in etwas entſetzt: erholtſich aber bald wieder und ſchreie
den Oberſten mit einer erſchrecklichenStimme alſo an: NachdrepenWochen
en in dieſer Nacht Stunde ſoltdu GOtt Rechenſchafft geben von meinem
uf. Der Oberſte lachthiezulundantwortet: ergdu dieſedeine Prophes
Cey
--- -

- «FSF(E). Fr. - -

cey den forchtſamen Narren vor: ein beherzter Soldat läſt ſich dergleichen
Weiſſagungen nicht ſchrecken. Gehdu an den Galgenſdu Meutmacher!
Alſo wird der Lands-Knecht unerwartet deß Tag-Lichts mitten in der
Nachtumzwölff Uhrweggeführt undaufgeknüpfft. Morgends frühheng
erda den andern zum Spectackul und Abſcheu mit dieſem auf der Bruſthaff
tendem Titul: Ein aufrüriſcher Soldat -

Der Oberſtezogihm die letzte Rede deßGchengten in etwas zu Herzen


mit Beſtürzung, daß ihn derſelbe gleichwolſo keck vors Göttliche Gerichta
den dörffen: ſchlug es doch allgemähtich ganz und gar aus dem Sinn. Aber
als die vorverkündigte Friſt bißauf etliche Minuten vorüberlunderumzwölff
Schlägen zu Nacht / die Wache zu beſuchen I ausgegangen;iſt er von der
Schiffbruckengefallen underſoffen. (. . .“
O wie viel ſind aufgleiche Weißunſchuldig oder liederlicher Urſachen
wegenlindenmechſten Kriegen hingewürgt; davon GOtt am letzten Gericht
gleichfalsſchwere Rechnung wird fordern:damanum Verheerung Landund
Leutewillendenböſenraubriſchen Vögeln kein Haar gekrümmet. Das heiſt
warlich nicht Diſciplin;ſondern FrevelTyranney und Ungerechtigkeit deren
Handhabergemeinlich den Soldder Soldaten für ſich behalten ihnenhing
gendas Land zur Beuteſdurchſchädliche Connivenzſtillſchweigendsanweiſen,
und alſo ſelbſtamallerwürdigſten wärenden Raben-Thron zubeſteigen.
ſolcher Geſtalt der Ausreiſſer und Meutemrer viel werden; davor willich nicht
bürgen. Halt aber nur Ordre und vernünfftig-ſcharffeDiſciplin : ſo wird
es keine Nothhaben. * *

Aus dieſem folgt die achte Eigenſchaft eines guten Kriegs-Volckswi


der den Türcken: das iſt die Beſtellung guter Generaln/ Oberſten unday
drer Officirer. Von einem General erfordert der Romuſche Redner Tulli
usviererley: daßergerecht tapferlklug (oder erfahren; denn aus der Er
perienz muß ein ſolcher Cavallier ſeine Klugheiterſtudiren) und glückſeligſey.
Die Gerechtigkeitdeß Feld-Oberſten beſtehtmchrentheils inobbeſagter Diſcº
plin/undlöblicher Kriegszucht. Die Tapferkeit mußwarlich keine gemeint
oder privat-Muthigkeit ſeyn. Zwiſchender Tapfferkeit eines guten Hazard
Reuters und guten Generalns iſt ein groſſer Unterſcheid: denn jenes ſeine geht
auf ein blindes Glück/gleichſam mit wider alle Gefahr verbundenen Augen
auf ihren Feind oß; dieſes deß Feldherºn aber mußausdem Stamm deßArº
gosſ das iſt hundertäugigſeyn; jedoch durch keine Mercurialiſche Lockpfeiffe
ne Sicherheit ſich laſſen einſchläffern. Und zwar brauchendieT#
- -- üge
-FSF(B)?-F. -

Tvor allen Kriegen eineſolche offenzäugige Reſolution: weil mit dieſem


Feinde ungleich anders als mit andern umzugehen. Deßwegen kan und muß
ſolche Tapferkeit von der Klugheit und Fürſichtigkeit nimmermehr geſondert
werden. Der Türcken Krieg erfordert nicht nur einen ſolchen Feldoberſten
der bey guter Gelegenheit und mit gnugſamer Mannſchaft zu ſiegen; ſondern
der ſich auch mitten in einem (wider ſeinen Willen und Verſchulden) geſchehes
nem Verluſt alſo zu halten weiß/daßer zwar könne geſchlagen, aber doch nicht
überwunden werden.
... Dieſer Kunſt waren vor Zeitentrefflicherfahrender Heldenmüthige Kö
nigPyrrhus der Carthaginenſiſche Hannibal, der Spartaniſche WTicanor
undandre. Robertus Bruſius,der Scoten König ſchlug 12mal aneinander
mit den Engelländern, und zog allemal den Kürzern : jedoch mit ſolcher be
hutſamen Großmüthigkeit, daß er nimmer an der endlichen Uberwindung vers
zagte; die ihm auch zuletzt zutheil worden: denn er befreyte ſeinganzes Vat
terland/und ſchlug die Engelländer aufs Haupt; daß ſie durch Interpoſition
deß Papſtseinen Frieden bitten muſten. Die beeden Herzogen von Guiſein
Franckreich/Ducd' Alba in Spanien, MauritiusChurfürſt von Sachſen
Marggraff Albrecht von Brandenburg/und unlängſt der Gravvon Manns
feld (weichen letzten etliche ſeiner Kriegs-Liſthalben den Teutſchen Lyſander/
und Waffen-Sophiſten nennenlich aber wegen der böſenDiſciplin/gar nicht
loben kan) haben in dergleichen Klugheit auch ercellirt. Der tapffre Herº
von Suendiführte darum zu einem Sinnbilde in ſeiner Gedächtniß-Müntz
den brennenden Berg Actna : mit dem Spruch: Durat & lucet. Das iſt; er
daurtaus und ſcheitet doch: beedes mit dieſer Erfindung und ſeinem Erems
pel/alle Feldherrn unterrichtend ſich einer ſolchen ſtandweſten Tapfferkeit zu
befleiſſen welche / gleichwie genamter Berg/durch viel Widerwertigkeiten
Türckiſche Aus- und Anfälle 1 zwar angefochten aber doch nicht verzehrt
würde.
:: . . Hierunter will ich aberkeines Wegs ſolche Generalen verſtanden w
ſen1 die nur durch bloſſes continuirliches Weichen/ ſich vor Verluſt beſchir
men/und nimmer zu fechten begehren / wenn es die Gelegenheit gibt (wiewol
eine gute Retiradel zu ſeiner Zeit nicht ſträff, ſondern löblich) unterdeſſena
ber den Feind ſeines Gefallens wüten und einbrechen laſſen ſoviel und weit
er will; nichts anders unterdeſſen verrichtende als daß ſie ihrer HernLänder
durch eigene im Luder liegende Völcker auffreſſen die Contribution-Gelder
fleiſſig einfordern unddenarmen Baurenweitlich ſchinden. Neinbeyleibe
- ZE. ii ... ... nichts
-
«SZGG)EFF
nicht; das ſind keine unüberwindlich-tapffre Kriegs- Oberſten; beſondern
vielmehr Ducesfugaciſſimi, wie beim Livioetliche Africaniſche Oberſtent
tulirt werden. Was ſolchen Geſellen die Franzoſen und wir Deutſchen vor
Namen zugeben pflegen; mag ich nicht ſchreiben noch das Papir damitbeſ.“
deln. Eraſmus von Reterdam“gibt ihnen zum Wapendreygüldene Gänſe
köpffein einem roten Feldefundeinen ſchwarzen Hundskopffauf den Helm:
zu bemerckenſdaß ihre Soldaten nur den Bauren die Gänſe und Hünergº
köpfft. Fürfichtig und Ä ſicherzeigen iſt nicht einerley Ding.
Darum will der Römiſche Redner haben, daß ſein tapffrer und kluger
General auch glücklichſey: keinen ſolchen mager der nichts als einenbloſſen
Titulaufzuweiſen; und anders nichts verrichtet weder daßer ſeinem Prinzen
irgendein paar Armeen durch Hunger oder Verlauffung der Völckerherun
tergebracht im übrigenmitdeß Aeſopiſeinem Geyßbockdem Feind vom Dach
Herunter getrutzet oder hinter dem Ofen die warmen Brat-öpffel gewechſelt
wann der Feind mit Kartaunengeſpielt. Hat man LandCron und Stepter
zu verlieren Luſt; ſo darf man ſie vor andern wolnehmen: denn dazu ſind ſie
erefflich gut. Lieber was dann vor einen ºder ſich beyandernetwas gerin
gern oder gleichmäſſigen Chargen wolgehalten und entweder unterſeinen
ähnlein und Standartende Fahneguter Fortun das iſt Glück und guten
ögreß mit ſich geführt oder doch einem widerſpenſtigem Glückſdurchſein
erfahrne Klugheit und travallieuſen FleißeinGebißangelegt/undſo kräff
# widerſtanden, daß es ſeinen völligen Grimmwiderihn nicht vollbringen
können. - - - - -

Das Volck und die Generalen haben wir beſehen: aber eines hätteich
ſchier vergeſſen; daran beyden vorigen Türcken-Kriegen viel gefehlet. Das
iſt die wolverträuliche Einigkeit unter denen Kriegs- und Feldoberſten. Denn
weil ſothane Generalen unterſchiedlicher Nation ſind, findet der Mißver
ſtand Ehrgeiz Neid und Uneinigkeitindem jeder den Fürzug haben will und
deß andern gute Progreſſen mit ſehielenden Augen anſhet leichtlich. Statt
folgends der gemeine Verluſt einen offenen Zutritt. . . -

Dieſer Ürſachen wegenrathenäle Türckiſche Kriegs-Bedenckenſoauf


den Ungariſchen und Teutſchen Zuſtand gerichtet/gemeinlich zu einem Gene
raliſſimorder entweder der Römiſche Käiſer ſelbſt oder ſonſt ein von deſſen
WN jeſtät und dem Reich dazudeputirter vornehmerKrieg verſtändiger Prin
Ky eſſen AutoritätundObercommandodenandern. . Fel.. . Oberſtenäleº
. . . ccdenz
*** incolouis de Nobil. “ . . v
- - -– - - - -- - - - z§(S)Feß-* * *
“ IT - - - - - - - - -
--
redenz-Streit abſchneide und mit ſeiner Reſolution in dem Kriegsrath einen
kräftigen Ausſchlag gebe. Es hat dennoch ſo zuthun 1 daß man Einigkeit
erhalte. Man erinnere ſich nur was vor hundert und etlich Jahren nicht allein
demtapffren Churfürſten und Marchgraffen zu Brandenburg Joachimſon
der auch dem Prinzen tToritz/Churfürſten zu Sachſen als Generalendeß
Römiſchen Reichswider den Erbfeindl die Welſche Generalen vor wunder
liche Bocksſprünge und Widerwertigkeiten erwieſen haben, wannjeneagiren
und angreifen wollen : alſo daß aller aufgewandter Koſten und gehoffter
Progreß drüber zu Waſſer worden und hochgemeldte Churfürſten mehrers
nicht verrichten können als nur einem ſo mächtigen Feind ferneren Einbruch
verwehren. Hätten damals ſelbige HochChurfürſtl. Perſonen ein abſoluters
Coſſiando geführt; wäre ohnzweiffelwas nützlich und wichtigers verrichtet.
- Wie künfftig ſolches Unheil abzuwenden; darinnſollenwirbilligunſre
Curioſitet einer weit höhern Vernunft nemlich der RömiſchKäiſerlichen
Majeſtät und der Herzen Vätter deß Vatterlands demüthigſt ſubmittiren/
undruhenlaſſen:maſſen unſer als Privatleuten/RuhminunterthänigſtemGe
Ä gleichwie jener ihre Zier und Herzlichkeit in klüglichſter Anſtalt und
ochverſtändigem Gebieten beſtehet.
.. Meines Theils wünſch ich unterdeſſen von Herzen: daß dieſe verlangte Einigkeit
nicht unter denen Generalmund im Kriege nur ſondern auchin dem ganzenRömiſchen
Reich/zwiſchen Ä und Gliedern/als die Seele gemeiner Wolfahrt/ſich liebreich
undvertreulich inſinuire: und gleichwie der Stamm Juda zu ſeinem König Davidſag
k: Der Rönig gehört uns nahezu; Item: Du biſt unſer Bein und Fleiſch:
alſo zu der Röm. Käiſerl. Majeſtät alle Reichs-Glieder/inunterthänigſt-liebreich
Devotion/beyallen dero Handlungen und Rathſchlägen/ reden/und gleichſam dieſe
Stimme führen mögen: Glorwürdigſter Leopold! Du biſt unſer Fleiſch und Bein;
keinAusländer ſondernein Teutſcher: Dubiſt unſer HauptunſreKrone; wie wir deine
etreue Glieder: Haltedichzu uns und wir uns zu dir:laßdeineKäiſerliche Gnade und
Ä mit unſrer Liebe und Zuverſicht ſich küſſen:damit deine erwünſchende Vi
etorien durch unſre/inſehrwoldevotionirter Aufrichtigkeit und beederſeits gutem Ver
trauen/dir gewidmete Fäuſte befordert/das Reich gemehret/deine Majeſtät herzlicher
werde; und unter deinen weit-ausgebreiteten Adler Fittichen/wir nebenſt andern dei
uen Königreichen dem Erbfeinde die Augen glücklich voll Büchſen-Staub und Bley
Ä und endlich zu Gottes Ehre und gemeiner Chriſtenheit Wolfahrt über ſeine
ranney triumphirenmögen, - - - - - -
Solche Einigkeit aber muß von GOtt (mit dem dieſer Epiſtoliſcßer Diſcurs.
ſch wie angefangen/alſo auch endigen ſoll) erbeten werden: welchem den-HerznVetter
hiemitzugnädigem Schutzempfehle. – -

Deß ern weg Dienſtgefliſſener


- -
#########################
Ariegsraht und Bedencken
deß Freyhern »

Gazarus von Schwendi. -


Weiland Römiſcher Käiſ SYNajeſtät tapfern und
. glückſeligen Kriegs-Oberſten.
Sº Intemaldas Türckiſche Reichungezweiffelteine Ruthe und Geiſ
Ä. ſel Gottes iſt die Sündender Chriſtenzurächen;undſolchesbiß
- S chen
- Dherunerhörten
E>>
Fortgang
Succeſſion und Wachsthum
und Stamm-liny unter der wunderbarli
deß Ottemanniſchen Hauſes
ehabt; auch bißanherokein Volck kein Käſer Königenoch Fürſten ſeiner
Machtwiderſtehen können; ſondern entweder in der Zeit gewiſſe Bündniß-und
Friedens-Bedingungen vermittelſteiniger Submiſſion und Tribut-Erlegung
anzunehmen oderdas harte Joch der Dienſtbarkeit und Tyranney mit gänzli--
chem Untergang ihres Standes und Policey-Weſenszuertragen gezwungen
worden; und nunmehr wir in dem Teutſchen Reich täglich je mehr und mehr
# Gefahr und Stürzung müſſen beſorgen; deß Feindes Gewalt ſo groß
*>-
einReichſofeſt; hergegen unſre Uneinigkeit ſo ſorgſam iſt daß wir keineswcº
ges ihnzubekriegenbeſtand und gmugſam gerüſtet ſeynkönnen; ja vielmehr wis
drigen Theilsunsgar ſchwerfällt uns und das Unſrige vor ſeiner herandrin
genden Tyranneyzuerhaltenundbeſchirmèbevorabweileine ſolche Kriegs-laſt
für uns allein zu groß, von den übrigen Chriſtlichen Nationen aber beydieſen
verkehrten Zeiten wir entweder keinen oder doch ſehr geringen Beyſtandzuhof
fen haben: als ſteht hieraus unſchwer abzunehmen, was für Anſchläge wirer
reffen und wohin unſre Kriegs-Unterfahungen oder Gedancken ihr Ziel und
bſehcn nehmen müſſen um eine mügliche und heilſame Endſchafft und guten
AusſchlagſdurchGöttliche Verleihung zugewinnen.
Demnach vermeine ich nicht rahtſam, daß wir den Türcken von freyen
Stücken mit Krieg angreiffen: in Betrachtung er unsan Macht an den Nerº
vendeß Kriegsſdas iſt Geldmitteln an Beyſpring vieler Völckerlanvortheil
haffter Gelegenheit an Feldoberſten an Ordnung und Kriegszucht an conti
nuirlicher Ubung in Waffen I ſehr überlegen - und wir nicht allein mit dieſes
Erbfeindes Gewalt ſondern auch mit dem Göttlichen Zorn und Rache
A- -- - -
sº A
- -- - -
-
-

-
/
-33 FGG)388" __
ſamſelbſten zuthun haben müſſen: damauch weilvon vielen Jahrenher ſoviel
kläglicher Erempel ſovieler Käiſer Könige IFürſten/Völcker und Städte .
welchem Kriege überwundcnobſie gleich mit einer groſſen Macht und vielen
andern Commoditeten aufsbeſte ausgerüſtet waren für Augen ſtehen; und
Ä beydieſer klemmen Zeit ein ſolcher Rathſchlag nicht vergeblich anzu
ney.
*## gleich wie alle erſchaffene und natürliche Dinge nachgewiſſer Ord
nung und Göttlicher Fürſchung werden regiert und ihren Abwechſlungen
unterworffen: alſo iſt kein Zweiffel, daß der Menſchen und ſonderlichder Re
gimenter Gubernirungen nach der Göttlichen Providenzallerweiſeſter Maß
gebung wachſen wurzeln erhalten und hinwiederum durch ihre Verän
drungen. corrumpirt geſchwächt hinfällig verwandelt werden und unterge
#n. Noch zur Zeit nemlichbey etlich hundert Jahren heroiſt der TürckenZu
in immerwärendemund Göttlich-verhcngten Flor und Aufnehmenge
weſt: darum haben die benachbarte Käſer Könige und Fürſten umſonſt ſichbc
mühet ſie mit Gewalt zu unterdrücken und den Lauffºhrer Glückſeligkeit zu
hemmen. Weil dann nun auch/jetziger Zent/ihre Macht Ordnung Kriegs
und Staats- Tugenden 1 mehr als vor jemals I blühen; und keine Schwä
chung noch innerliche Baufälligkeit ſich läſt ſpühren;weilſiebey nahe den ganz
zen Orient I und den gröſſern Theil von Europa mit einem harten Joch der
Dienſtbarkeit unterdruckt oder inihrer Verbündnßund Contribution haben:
weil hingegen die übrige Chriſten jetzoweniger weder zuvor jemals durchei
nenfeſten Band der Einigkeit unterſchverbunden: was wäre es für eineün
ſinnigkeit daß bey ſolchem Zuſtande I die Teutſchen allein dem Türckeneinen
Krieg anböten ? Gewißlich die Vernunft und unſre Nothwendigkeit erfor
dern vielmehrſdaß wir in alle Weiß und Wege den Frieden ergreiffen: und den
ſchlaffenden Hund zu unſremohnfehlbarem Untergang ja nicht aufweckenbc
ſondern vielmehr alle Urſachenund Gelegenheit vermeiden dadurchein ſolcher
mächtiger Feind zum Kriege dörffte erregt werden.
Wiewolmanmun zwar mußbekennen daßbeydieſen tyranniſchem und
unſrer Religion ganz gehäſſigem Feinde keine gewiſſe zuverläſſige Beobach
tung deßFriedens und Vertrags anzutreffen: ſehen wir doch gleichwoll daß
viel Königreiche und Chriſtliche Nationen mit ihm einen langen und ruhigen
Frieden durch Bündniß oder Steuroder einigeSubmiſſion gemeſſen: als die
Polen/Perſer Moldauer Walachen Armenier Georgianer:é, Hernach/
ſo wir mit den Türcken beſtändigen Frieden halten; geht unſern *#
- - - - chutz
- «FSF(H)SF
Schutz und Erhaltung nichts daran ab: da wir anders nur rechtſchaffene Len
teund Männer ſeyn und unſre Sacheninacht Ä wollen. Ja je zweifels
hafftiger der Friede iſt jegewiſſer uns die Gefahr deß Kriegs über dem Halſe
ſchwebt; deſtomchr ſollen wir nach dem Friedenſtrachten und ihn ergreiffen.
damit wir unterdeſſen, daß man ſolches Fridensgeneuſt, weil unſre Sachen ſo
übel beſtellt unſere Defenſion beſſer anſchicken und die Verſehung thun, daß
wann jeder Türck mtGewalt an uns ſetzeter uns nicht auf eins unterdrücken
ſondern durch gute Fortificirung der Grenzen und weißliche Gegenbereit
ſchafft verhindert und zerbrochen werden möge. -

Erfahrung hat es bißher gelehrt I daß durch offenbare Feldſchlachta


man die Türcken nicht überwindennoch ſchwächen können: und ob ſie zwar je
maln eine Niderlage von den Chriſten erlitten; ſie dennoch bald hernach/mt
einer weit gröſſern Macht den Krieg erneuert haben : ja daß mehrentheils
Reiche und Nationen deſwegen weil ſie ihreWoifahrt unbedachtſamaufeinen
Schwert und Feldſtreich geſetztlgar erbärmlich zu Grundundunterdas Tür“
afiſche Dienſt-Jochgangen.
So ſteht auch leicht zu erachten und erkennen, daß unſers Theils die
Teutſche Nationalleinaus eigenen Kräfften nicht gemugſamgerüſtet ſey einen
ſo gewaltigen und verſchmitzten Feind inoffentlicher Schlacht zu bekriegen
oder daſolches gleich geſchehen könte (wie dann der SiegbeyGOtt alleinſte
het) es dennochmcht anders weder aus höchſt dringender Noth oder einer von
GOtt verlichenenvortheilhafften Gelegenheit zu wagenſey. Denn wiewo
wir an Reuterey und guter Mundirung oder Waffen vielvermögen: ſeynd
wir doch den Türckenſan Menge / an Diſciplin Hurtigkeitſdaurhafftcr Gr
dultſwolgeordneter Schlachtundverſchlagener Behutſamkeit im Treffenbey
weiten nicht zu vergleichen. Und da es ſich zutrügeſdaßinder Schlachtſunſt
Reutereybey dem erſten Anſatz die Türckiſchen Reuter in die Flucht ſchlüge
(maſſen schwannes anders Gottes Willen nicht zuwider daran nicht zweif
fele) iſt dennoch der Sieg noch ſehr ferne von uns: angeſehen ihre Reutercy
vier oder fünffmal ſtärcker dann die unſrige: und weil bey ihnen die einander
ſecundrende Geſchwader nicht zugleich an die Spitzeder Schlachtordnung
kommen und obzwar ihre Heerſpitzen getrennet I dennoch darum nicht völlig
zur Flucht gebracht werden ſondern ihre Hauffen bald wieder in die Ordnung
bringen undvonfriſchen an den Feindführen, oder ſich an die Befeſtigungh
rcs Fuß-Volcks gleich wie nach einer verbolwerckten Stadt reteriren: da
Mit ſie daſelbſtgeſamter Handwann irgend der Feind nachſetzenſolte sº
«FIF(R) Sº
und zwar viel hefftiger ſtreiten. Solche Türckiſche Infantery oder Fuß
Volck aber iſt alſo geordnet I mit Stücken/Wagen Camelen und da es die
Noth erfordert mit einem Wall und Graben verſchanzet; und ſo wolmitden
ſtreitbarſten Janitſaren als mit dem Kern der beſten Reuter verſehen: daheres
gleichſam unmüglich durch dieſe Infanterey zu brechen oder ſie zuſchlagen: gc
ſaltſam ſiebßherlin vielen Schlachtenlauch unbeſiegt verblieben.
Die Erempelbezeugen es auch ſo wolbeyden Chriſten als Perſianernf
und andern Völckern; daß obgleich ſelbige Nationenanfänglich oft gewictoris
ſiret;dennoch aber zuletzt wann der Streit biß an beſagte Wagenburg und vers
ſchanztes Fuß-Volckgekoſfien ſie wiederumzurück und von den Türckenindie
Flucht geſchlagen. Solcher MaſſenſeynvormalsKönig Uladislaus und
der unntadesalſo KäiſSigismundus/alſoSophiderPerſianiſche König
der Egyptiſche Sultan und König Ludwig von Ungarn überwunden worde.
Unſre heutige Manier zutreffen aber iſt umſo viel deſto heilloſerweilesuns
anleichter Reutereydiebeyden Alten vollauf war faſt gänzlich mangelt und
die Teutſchen Reuter den Feind zuverfolgen ganz undienlich: weilauchfers
ner/die Erneurung deſ Streits und Ä wann dieſe einmal in
der Schlacht oder Nachſatz getrennet beyden unſrigen ſehr ſchwerfället: ins
ſonderheit damangegen einen ſoleichtgewandten Feindzufechten aufunſrer
Seiten wenig oder gar nicht gewohnt. Endlich iſt diß das allergefährlichſtel
daßbeyunſrer Manier zu kriegen niemandeFüßvölckerinſolche Diſciplin
und Ordnung gebracht wordendaß ſie zugleich mit der Reutereyfortmachirenl
undchargiren 1 und wenn die feindlichen Reuter weichen bißanmehrgedachte
Wagenburg der Türckiſchen Fußgänger mit durchdringen könfe:welches doch
gleichwolumumgänglichvonnöthen ſo wir über die Türcken einen Sieg zuer
halten gedencken. -

Hiezuſtoſt noch etwas anders dadurch unſre Art zu ſtreiten ſehr gefährt
und beſchwert wird. Die Türckenfechten mit ſehr verwunderlicher und ſchnellen
Behendigkeit ſetzenanweichen zurück wie und wann ſie wollen; ſchlagenund
verändern ihr Lager gar leicht; ſtreiffen Tag und Nachtheraus; und gebricht
ihnen faſt nimmcr Proviand. Hingegen kan unſer Kriegsheer ſich nicht ſo
leichterhebenfortrücken/Lager nehmenundverändern noch wann der Feindin
der Nähe auf die Futteragereiten und ſo ihnen Proviand Pferdeträncken
undfutteragirenabgeſchnitten; ſoſieviel Tage nacheinander zu Pferdeſten
Hit und Durſt Hunger und Kummerleiden müſſen: ermatten alſo a Reß
und Mann: welches unſren Feinden von uns ſehr z bekalif. e
** - « - - -- - - - -- -- - - - - - b?
S.
«Sº(º) e.“ ------- --

reben ſie alſ TöähmTw|TſeinsäföÄschen Feldſocken Ägſſc FA


tion dazuwirſielwider ihren Willenkaum zwingen könnenanbieten; mitſtes
ten Anfällen und Scharmützeln unsbefehden;undnachdem wir ermüdetaller
Lebensmittelberaubt und geſchwächt endlich deſtofüglicher überwinden möge.
Dieſes hat verurſachtſdaßinden nechſtverwichenen Jahren nachdem Ko
nig Ludewig im Treffen überwunden ſo oft der Türckiſche Käſerperſönlich
mit aufgezogen unſre Armee niemals ſicherkühnen dürfen ihm zu begegnen
und Gelegenheit zu einer offenbaren Feldſchlachtzuſuchen; ſondern allemal
genöthigt worden ſich an einem befeſtigten und zur Proviantirung bequemen
Ort beyeinander zühalten und von dannen dem Feinde fernernfreyen Fort
gang zu wehren/verhindern und aufzuhalten: weil ncmlich die Vernunfft und
Ä ſolches erzwingen und unſrer Einbildung gnugſam eindrucken, daß
inſre Erhaltung jetziger unſrerGelegenheit nach mehrde-weder offenſivézu
zchef erheiſche. Wir habenauch mit unſern Augen geſehen nachdem die Teut
chende Vertheidigung deßnoch übrigen Ungerlandsaufſichgenommen und
am allermeiſten defenſivègefochten, wie dieTürckenſohnangeſehen ſie oft mit
einem mächtigen Kriegsheer Ä dennoch nun ſo viel Jahr lang
Ä ar überwinden können; ſondern genötigt worden/Stückweiſe
bald dieſe bald jene angrenzende Plätze nicht ohne groſſen Verluſt der Zeit
und Armee zuerobern und hernach wiederum nach Hauſe zugehen. *

Ausobgemeldten Urſachen und vielen andern Gründen die Kürzehal


ben unterlaſſen werden erhelletmehr dann zu viel Idaßaufeinen offenſiv-oder
ſelbſt angefangenen Krieg wider die TürckenitztgeſtaltenSachen nachgarnit
rath- oder heilſam zugedencken ſondern vielmehr auf den Frieden nach aller
Mögligkeit zudringen und gleichwolfürſichtig unterdeſſen zuverhütenſey/da
mit nicht der Feindl durch einen plötzlichen Friedens-Bruch uns nicht über
eile noch berücke, welches er ſich nicht unterſtehen wird da er uns zur Ge
genwchrwol gerüſtet und fertig ſihct. -
Weil auch leicht zu ſpührendaß die ausländiſche Nationenanigo damit
iſtig umgehen, wie ſie den Türcken-Krieg von ſich ab und uns auf den Hals
kehren müſſen wir gewißlichdeſto emſiger darnachſtrebenden Frieden mit dem
Türckenzuerhalten: damit ſie alſo ihre MachtaufFortſetzungdeß Kriegs zu
Waſſeranwenden und jemehrund Ä verwickelt werden. Denn alſo
- Ä wraunſerer Seiten deſto ſichererbleiben und mitlerweilezu unſerer
Defenſion deſto beſſere Vorbereitungen machen:
Die Art und Weiſeaber den Frieden zuerhalten wird fürnemlich dieſe
- - - - ſeyn:
- “FS (S)FFF"
Erſtſch die ordentliche und rechtzeitige Erlegung deß Tributs oder
ehrung: Hernach die friedliche Bewahrung der Grenzen durch gute
iplin und ame Beſatzungen: jedoch alſoldaß die feindliche ſtreiffen
de yenfeinds und männlich zuruckgetrieben werden: Alsdann die auf
richtige Betrachtung der übrigen Friedens-Bedingungen: Uberdas die Ver
hütung alles deſſen/was die Türcken irritiret und reizet: Endlich die Ent
haltung oder Abſtinenz von dem Königreich Polen mit ſolcher Unterhandlung
und Accord weiche eine immerwärende Freundſchafft und Verbünduß mit
dem Haus Oeſterreich unddem Römiſchen Reich können unterhalten. Dia
ſes wird ohne Zweifel der Stephanus Bathor frepwillig anbieten und gelo
ben: angemerckter nichts hefftiger begehren kanl als die ruhige Behaltung
deß Königreichs: und ſo unverſtändig nicht iſt, daß er nicht mercken ſolte die
Türckiſche Oüffeſey ihm viel gefährlicher weder unſere Anfeindung.
. Ferner ſo iſt die Art deß Defenſiv- oder Schirm-Kriegs gegen die Türe
cken/zwiefältig: Erſtlich erfordert die Noth die Grenzen gnugſam zu befe
ſtigen mit nöthiger Beſatzung zu bewahren; auch mit Artillcry und Proviant
zuverſehen. mandern: wenn eine gröſſere Kriegslaſtobhanden; muß man
auch mit gröſſerer Hülff und ſtärckerem Succurs die Grenzen entſetzen und
da es vonnöthen durch einen offenbaren Krieg Widerſtandthun. Welches
abermal auf zweyerley Weiſe geſchehen ſoll: ncmlich durch die ordinar-Kriegs
Völcker oder Defenſions Ordnung ſo unter den Provincialen angeſtellet/
und zu unterhalten; und dann durch den von denen Ständen deß Reichs ge
ſchickten Succumrs.
- Was die Grenzen betrifft ſteht zuforderſt dieſes wol zubeobachten
und reifflich zu erwegen wiees dem Teutſchlande daran gelegen, daß die übris
gen Grentz-Plätze in Ungarn aufs äuſſerſte verheidiget werden: damit der
Feind nicht auf Teutſchland ſelbſt herein dringen könne ; wodurch uns eine
weitbeſchwer und gefährlichere NothwendigkeitÄ friegen würde aufgebürt
det f weder die gegenwärtige in Ungarn. Denn allda (fnUngarn) die
Grenzen guten Theilsſchon befeſtiget das Volck zum Streitgewehnt und
# allerley Drangſal Widerwertigkeit und Noth gleichſam gehärtet ſeynd.
Jch geſchweige tauſendandre Unfugen Schäden/und Niderlagen Roth und
;fo daraus erfolgen und einem jeden für Augen ſtehen. Qerngchſt
iſt auch gewiß und klar, daß der Käiſerl, Majeſtet Erblande allein die gewöhn
lichenobwendige Unterhaltung deßGren Schutzesinger zu ertragen
nicht gnugſam: und wegen ſolcher unriss
- - -
-
viel Verluſtund Sº
- . .

- -
--(3). - - -

den 7anden Grenzenbißherogeſchehen; weil nemlich die Grenzen ihrer nothi


gen Beſatzung und behörigen Proviſionermangelt; der Soldaten wenig und
darzunichtbeſoldet kaum halbgemundirt oder zur Stelle; die Oerter nicht
zur Gnüge befeſtigt oder fortificirt noch mit Proviant und Artillery verſe
ſehen; überdasſ beyentſtehender Gefahr und Noth keinSuccurs vorhanden/
keine Hülffe noch erklecklicher Entſatz in Bereitſchaft geweſen.
Wird demnach höchſtnöthig und unumgänglich auf Mittel und Wege
müſſen gedacht werden, wie man die Grenzen ſicherer und beſſer conſervire und
unterhalte. Erſtlich damit man deſto mehr für Beſchirmung und Conſer
vation gedachter Grenzenlwache und zurechter Zeit und mit einer guten Or
dre alles angeſchafft und verrichtet werde und die Gemüther der Unterthanen
deſto mehr aufgemuntert und gereizet werden zur Vorſorge undK:iegszübung:
wird gänzlichſeyn vonnöthen die Ordinar-Militieſ.oder die unter den Provin
etalenneulich angerichtete Defenſions-Verfaſſung gar genau und ſtreng zu
halten. Darnachiſtamrathſamſten die Grenzen unter ſelbige Provinzien
auszutheilen und einem jeden gewiſſe Oerter zu aſſigniren dafür er Sorge
trage: nemlich den Soldaten ihre ordentliche Monatgelder zu entrichten; ih
nen von Proviant und andrer ZugehöriVorſehung zu thun; die Völcker zu
muſtern/ob auch allezeit deren Anzahl völlig; die nothwendige Fortificirun
genzubefördern; die von Käiſerlicher Majeſtet dazu vorgeſchriebene und be
ſtimmte Unkoſten herzureichen; und darobzuſeyndaß alles gebürendermaß
ſenbeſtellet und unnützliche Ausgaben verhütet werden. Im Gegenteil
müſte man einer jeden Provinz vergönnen, daß ſie die auf ihre Grenz-Plätze
anwendende und aus Käiſerlicher Verordnung deputirte Unkoſten von ih
renContribution Geldern welche ſonſt in die Cammer werden eingebracht
nehmen und einbehalten möchte.
Weil auch/zum andern zudieſem Ende der Teutſche Ordengeſtifftet
(NB)undmitſö groſſen Gütern und Einkünfften vorſehen / daßer wider die
Unglaubigen immerwärenden Beyſtand leiſte und ſtreite; nunmehroaber von
langer Zeit hero ſelbiger müſſigdaheim ſitzt und nurdeß.Hausweſens oder der
Güter wartet : werde derſelbige in ſolcher Noth und offentlichen Gefahr
reformirt und an die Ungariſche Grenzen verlegt und dahingehalten da
ſelbſt etliche Feſtungenzubeſchirmen; auf gleichen Schlagund Ordnung wie
die Malteſer Ritter in Italien ſtreiten und die Inſul Malta vertheidigen:
man vermehreihnen ihre Einkünfften man richteneue und mehr Comtereyen
»- - - - - - - - - - auf
A - «
«F: (3) DZ
aufTaus den Klöſtern und fälligen Kirchen-GüternTwelche ſonſt weltlicher
Herſchafft in die Hände kommen.
Vors dritte weil auch durch vorerzehlte Mittel nemlich durch die
Kriegs-verfaſſung der Provincialen und durch die Reformation und Verſes
zung deſ Teutſchen Ordens die Grenzen dennoch nicht gnugſamlich befeſti
get und geſichert ſeyn: muß man nothwendigſt verſchaffen, daß die Stände
deß Reichs unausbleiblich/auch ihre ordentliche Hülffe hinzu thun/ und ſo
wol den Provincialen als dem Teutſchen Orden mit einer gewiſſen Sum
ma Geldes jährlichenandie Handgehen. Darum ſo berathe man ſich auf
eine gewiſſe Art einer immerwärenden Contribution; nachdem es die Reichs
ſtändeamfüglichſtenbeduncken wird: Das Reich habe ſeine eigne Rentmei
ſter und Commiſſarien die das Geld austheilen und auszahlen zu ſolchem
Gebrauchl wozu es beſtimmet: man berechne die Unkoſten jeglicher Grens
zcn: und nach gemachter Rechnung nehme die Käiſerliche Majeſtät mit
deroProvincialen und Unterthanen den halben Theilaufſich; den andern
die Stände deß Reichs,
* Endlich muß eine gewiſſe Austheilung und Anweiſung der Grenzen
und zwar alles mit guter Ordre und Manier geſchehen. Oeſterreich verpfle4
ge die Beſatzungen zu RabTockay/Comorren/Veſprin: Böhmen/Schle
ſien und Mähren die in Ober- Ungarn und den Berg- Städten: der
Erzherzog Carolus mit ſeinen Ländern ſorge für Croatien und Dalmatien;
und ſpringe ihm hiezu das Reich mit einer gewiſſen Suſfienbey: der Teutſche
„Ordennehmeaufſich die Defenſion Camichaund der benachbarten Gegend.
Uber dieſes verordne man an jeglichem Ort eine gnugſame Anzahl:
nemlich/wenn die Beſatzungſoallbereit gegenwärtig dahin verlegt beſtand;
ſoll man ſie alſo laſſen: wo nicht; ſo werde ſie geſtärckt und completgemacht.
An alle die fürnehmſte Oerter lege man Teutſche Beſatzung; und die ſollen
die ihnen anbefohlene Defenſion ihnen aufs höchſte laſſen angelegen ſeyn: das
zu thue man etliche Ungariſche Fußgänger wie auch Ungariſche Reuter;
deßgleichen an den Haupt-Plätzen eine gewiſſe Anzahl Teutſcher Reuter.
Weil man aber der Ungariſchen Reuter keine groſſe Anzahl findet: ſo un
terhalte man einen gewiſſen Hauffen Tragoner aus allerhand Natio
nengeſamlet. Auf jeden Platz deputire man Capitaine (Commendanten)
aus den Provincien ſelbſt deren Aufſicht die Oerter anzuvertrauen; dafern
ſie dazu tüchtig werden erfunden. Gleicher Geſtalt ſoll man aus ſolchen
Provincien/die Teutſchen Fußknechte und sag zur Beſatzung erleſeno
fij dey
-FSF(3) DZ
oder nachgerade completmachen alſo daßanStelle der Verſtorbeneſoder ſonſt
abgehendenallezeit etliche zum Krieg taugliche aus jeglicher Provinz treten;
und mit ſolchem Beding dahingelegt werden, daß ſie zwcy oder drey Jahr
lang daſelbſt verbleiben und Kriegsdienſte thun; auch nicht eherlaſſen noch
abgewechſelt werden: damit allgemählich mit der Weiſe die Gewonheit Und
Ubungdeß Kriegs unter die Provincialen eingeführt werde; jedoch alſo daß
denen Soldaten aus dem Reich ſowol edlen alsuncdlen, welche in Ungarn
zu denen Luſt haben einfreyer Zutritt zu ſolchen Kriegsdienſten offenziehe,
Die Beſatzungen deß Teutſchen Ordens müſſen nach gleicher Manier
und Ordnung angerichtet werden derer ſich die Johanniter Ritterin der In
ſel Malta gebrauchen. Man halte auch einen Uberſchuß von etlichen Squa
dronen und verlege ſein beſtimten unterſchiedlichen Grenzplätzen: damit ſie
beyallenfeindlichen Einfallen bereit ſtehen ſichconjungtrenlund von den Pro
vincialen nach Ordnung deſ Defenſion- Weſens mit gröſſerer Hülff vers
ſtärckt 1 und in der Eilvermehrt werden mögen. Oder /ſoes thunlicher
Ä man ſolchen Uber- oder Ausſchus von Soldaten der atts
gefügten Defenſions-Ordnung aus der Zahl der Fußknechten; nemlich aus
allen den dreiſſigſten; und aus denen Reutern/ ſo die Ritterſchafft nach der
Quantität ihres Vermögensunterhalten und auf alle gähe Fälle und ges
fährliche Nothwendigkeiten fertig und bereit ſtellen muß: alſo daß ſie in
gnugſamer Anzahl wechſelsweiſe zu den Grenzen erwählet/ und geſandt
auchdrey Monat lang daſelbſt behalten bißſie nemlich durch andre abgelöſct
würden; und alſo alle Provincialen nacheinander den Krieg verſtehen lernen
und erfahren.
Warlichdie Natur Vernunfftſdie gegenwärtige NothundallerVöl
cker Erempel von allen Lebzeiten lehren uns; man müſſe fürs Vatterland
für ſeine Kinder für ſein Hab und Gutfund für GOtt und ſein Wort tapfer
ſtreiten. Darum ſo rüſtemuſtreund übe man alle der Käiſerl. Majeſtät Unº
terthanen die zum Kriege geſchickt in allen dero Erblanden: bevorab werde
der Adel dahingehalten/nach jedes Kräften und Vermögen ſich auf eine
gute Reuterey zuſchicken und rüſten. Käſer- und Königliche Majeſtät
und die jungen Prinzrn müſſen an ihren Höfen unterihren Adel und Höfin
gen ein und helleuchtendes Exempel geben. Gute Kriegsleute Ä
man in Ehrenmanbefördre ſie zu Würden und reputirlichen Chargen;
ſcharffeKriegs- und Koſten-Geſetzean (Sumpruarixleges) die --
--
"
- -
–-------- <FS (o) ##-_ –- -

und fertige Aufforderung der dreiſſiger Landsknechte und Reuter nach den
Grenzen (nach der hunderſten Anlage) werde ernſtlich und genau obſervirt.
In einem gröſſerm Nothfall muß der ganze Adel aufſitzen und der
zehnde oder fünfte Mann von den Unterthanen folgen: wie ſolches in der Oe
fenſions-Ordnung ausführlicher wird erklärt.
Weil denn anchje länger je bekannter wird was die Türcken für Ge
walt und Fleiß brauchen I in Eroberung feſter Oerter; und hingegen obge
melder Geſtalt das fürnehmſte Mittel Ä und Erhaltung in
Brſchirmung der Grenzen beſtehet: werden Käiſerliche Majeſtät und die
Reichs-Stände höchſtmöthigdahin müſſen ſtreben, daß die Veſtungen ſo vor
andrennöthig beſchleunigt und vollends verfertigt dazu mit allerhand Noth
durfft verſehen werden: zuvoraus die Fortification zu Caniſcha:- zumalen
weil alldader Feind einen freycn Paß auf Oeſterreich und Steyrmarck hat
und ihm weiter nichts im Wege ſtehet. Die Fortifierung zu Gomorra muß
auchgebeſſert underweitert werden; geſtaltſam vielmals alldereit darüber des
liberirt: weil der jetzige Bauund Schanzedenfeindlichen Gewalt in die Län
ge mit nichten ertragen kan. Wien miß zu völliger Perfection gebracht
werden: weil nicht wenig zu beſorgen der Feind möchte darauf einen Ä
thundaferner perſönlich ſolte herausgehen. Vor allen Dingen aber mu
man jederzeit die Vorſtädte abbrechen oder ſo viel ſiche thun läſſt verſe
zen; daß alldacineneue Stadt angerichtet und beveſtiget werde. Denn um
dieſer Urſach willen war Wien ſo ſchwer zu erobert undkörte man allzeit.
Hülſfehneinſchicken. -
Schleſien/M1ären/und die Provincien in Böhmenthclien weislich da
ſie die Fortificirung Tyrnau auf ſich nähmen: weiln daſelbſt auch der Ein
falldeſ Feindes höchlich zu beſorgen und keine andre Vorwehr vorhanden.
Zudeſto vollkommener Befeſtigung Rab/muß man an der andren Seiten
der Donau etliche Schanzen oder Bollwercke aufwerffen; Agriam (oder
Erla)vollends und eiligſt fertigmachen; auch die BefeſtigungCaſchau nicht
verabſäumen weil es die Hauptſtadt deß ganzen Septſii (oder der Graff
ſchafft Zips) und der andren feſten Plätze Schutz Ä iſt: auch
zur Niederlage deß Proviants der Artillery unddeß Uberſchuſſes von Sol
datenbequem. Zu der Arbeit an den Schanzen und Veſtungen muß man
allſtets ſichder Einwohner und Hausleute umgewechſeltbedienen und inkeis
nem Wegeſiedamitverſchonen. -

» -- *
Die Unkoſten ſo aufdie Fortification gehen wieauchandre Kriegs-# i
*- - *
-

- - - - -
º S. (E). Sº
ſten müſten zum halben Theil von Käiſerlicher Majeſtät dero Untertanen
und Erblanden die übrige.Helffte von den StändendeßReichslerlegt werden.
Es muß auch eine Beſichtigung und Schätzung aller Wercke undnothwen
digen Arbeitlan jeder Grenze geſchehen und ſoviel müglich ein richtiger Us
berſchlag der Unkoſten; worauf zwiſchen Käiſerlicher Majeſtät und denen
Reichs-Ständen oder deren Abgeordneten und Commiſſariis ein Ver
gleichzutreffenwievieljährlichſey aufzuwenden und was für Plätze am er
ſten und forderſamſten zu beſtellen. -

Proviant zu verſchaffen und ſo wolſatt- als heilſam an jeder Grenze


zuvertheilen wird kein beſſer Mittel ſeyn; weder daßlandenfürnehmſten Oer
ternetliche Ackersleute zum Feldbau beſtimmet und der nächſten Ä
oder Gebiet 1 ſo viel durch Verkauf und richtige Rechnung fangeſchc
henzugeeignet werden; damit ſie alſo ihr gewiſſes Einkommen und Frohn
dienſte haben: hernach/daß alle Zehenden an die benachbaree Oerter we
geführt und den Soldaten auf Abrechnung ihres Kriegsſolds ausgetheile. ---

wie jetztſchon in Ungarn/ in etlichen Beſatzungen der Brauch. Man ver.


ordne gewiſſe und wohlgelegene Oerter I dahin ein guter Vorrath von Vis
ctualien/zu Unterhaltung eines Kriegsheers werde gelegt; wann irgend die
Notherforderte eine Armeeheraus- und Krieg zu führen. Den Koſten I ſo
auf die Proviſion dcß Proviants lauffen würde, müſte die Käſerliche Ma
jeſtät ertragen; und hingegen den Nutzen dabey genieſſen welcher aus rechte
zeitiger Vorſehung und Austheilung der Zölle und Fuhrunter die Soldaten
oder aus dem Verkauf erfolgt und zu gewinnen ſteht. -

Die Stärcke Wehren Pulverſundandre zur Munition gehörige Sa


chenlreiche die Käſerliche MajeſtätlanetlicheFeſtungen von dem Jhrigen
undlaſſe Ihr von den Reichs-Ständen mit einer Ä.
zu an die Handgehen. -

Folgt jetzoder anderTheil deß Defenſion-Kriegs: wie man neinlich die


Grenzenl beyanſtoſſender Gefahr/ſuccurriren und mit offenbarem Kriege
Widerſtand thun ſolle. - - -

Die Grenzen mögenaufdreyerley Weiſegefährt werden; obſchon jetzt


angegebenerMaſſen die Beſatzungengnugſamlich angeſtellet: Erſtlich/wann
die Türckenlanden Grenzen ſich verſamlen und unſre Grenzen unverſchens
überfallen; wie voriges Jahr beſchehen: Zum andern ſo neue Völckerund
Verſtärckungen ihnen aus der Türckey zukommen, als wenn ncmlichen
Baſſa oder Beglerbegüber Griechenland herausgehet: Zum drittenſoder
Türckiſche Käſer perſönlich heraufzeucht, "Derhals
2: GE)FSF -

ben mußunſers Theilsl auch aufdreyerley Art Widerſtand und


den Grenzen. Hülffe geſchehen. Erſtlich daß nachobangezogener Defens
ſons? Or lindenmechſten Grenz Ländern als Oeſterreich / Steyer
«marck. Schleſien. Böhmen l und den Provinzien der Erzherzogs Ca
roli/deßgleichen in Ungarn ſelbſten in Bereitſchaft gehalten werden Völcker
zu Roß und Fußldiemaneilig an die Grenzen ſchicken könne und beſtandſeyn
die Türckiſche Beſatzungs-Rottenabzutreiben und zurückzuſchlagen und im
Gegentheilwiderdieſe wiederum etwas zutentiren beyvorfallender Gelegen
Vorsandte; dafern neue Völcker aus der Türckeyanlangen; daß die
Grem bepguter Zeit wo die gröſte Gefahr obhanden zu ſeyn ſcheint mie
gntgſamerBeſatzung und anderer Notturfft werde verſtärckt. Hiernechſt
daßmorgemeldte Völcker und benachbarte Länder nach Ausweiſung der an
guardneten Kriegs-Verfaſſung hinwiederum mit einer grºſſern Anzahl Reu
tºr und Fußgängern nach Beſchaffenheit der Gefahr zuſammenziehen und
an die Grenzeneiten: deßgleichenldaß inſolchem Fall / vom Reichgewi
Hälffe vorhandenſey; nemlichldaßlauf allgemeinen Koſten etliche
Reuterſud Fußknechtemerdengeworben und Käiſerl. Majeſt
andt. Zuwelchem Ende man eine gewiſſe Summa
ſiemitteiDertern im Reich/niederlegen müſie..
teauch um Ä -

berbeedes zu Roßund Fußwelchestapffre -- - - - -

getreue liebhaber; dielbeyerſcheinender Roehlgeſchwinde Völcker aufbrin


genundau die Grenzen * Dizargen und Aemterdeßgan
en Kriegshers thrile unn | und nach Merºnaue untertauglich
Perſonen ausdem Rachausd nlund Unterhanen Kät #
toritet; nachdem Nothwendigkeit und Gelegenheiten erfordern es Ä -
Ä Alſ
endlich mit dem Feinde zutreffen. Die Stände deſ Reich Ä
Ä oder
pure Eommiſſarenund Mehdie Ihrer Maicßefandie Handſehen
dew Feldhern und Generaliſſimofeyſtändig ſeyn, --
Ä sdenn
- dafpanfºn sºndern „6qfB

ÄTTF .
sºalºger
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Y A ..." . - -

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skanundmag und dann am allermeiſten der Krieg mit guter Manier und
Ordregeführt der Feind von den Grenzen abgehalten hinter ſich getrieben
und gezwungen werde endlich unverrichter Sachen, weil er übrig lange nicht
bleiben kan wiederheimÄ 3 undnan alſo etwas wichtiges vermittelſt
Eörtlichen Beyſtands Ä ugen-Eröffnung ausrichte.
Die Art aber und einen ſolchen Krieg auszuſtehen und abzutreie
benkj ErſtejdeßÄärkſjºn Käyſers Zurüſtung und
Aufbruch ſogar heimlich und ſchleunig nichtkangeſchehenſdaßmans nichtet,
Wochen vorher durch die Kundſchaffter ſolches wiſſen möge: muß man
Ä befliſſenſeynfdaß an den Kundſchafftern kein Mangelſey.
Darnach muß man rathſchlagen und dahin trachten daßentweder den vorhe
# Winter/welches am allerrathſamſten wäre oder nur iman
dem Lenzenlein Theiluhſers Kriegsheers aus den GrenzenundErbländern,
gleichen aus dem Reichlmitgnugſamer Mannſchafftherausgeführt und
dem Feinde der vor dem Mitteldeß Sommers nicht kanheraufkommenden
Vortheit abgerannt werd mit Verſuch und Beſtreitung eines oder andren
Türckiſchen Platzes und Veſtung: welches deſto leichterſeyn wird welthre
Befeſtigungen nicht weither noch der Gewalt der Artilleryſodieſe recht geſtel
fet und gebraucht wird lange widerſtehen können. Man erobere und des
molireafleihrekleine Caſtellund Veſtungen in Ungarnſwoſelbſtunſre Armee
dieſelbe nur immermehrkanberühren. Man brenne und verwüſte die ganze
Ungariſche Provinz diß- und jenſeits Buda: damit den ankommenden Fein
den die Lebens-Mittelfundandre Commoditeten deſto mehr gebrechen. Die
jenigen Oerter 1 darauf er am erſten zuſtoſſt und ſeine Intention genchtet
zuhaben ſcheinetbefeſtige undbeſezeman mit ſehr ſtarcker Beſatzung. Das
Lager ſchlage man in einem benachbarten und ſicherem Orte der zum Suc
eurs für den belagerten Platz bequem ſoes die Gelegenheitleidet; von dan
nenmandenFeindverhindern, daß er ſeines Gefallensnichtweitergehefund
daerherbeynahenſolte Ifreymit ihm ſchlagen oder die unſrigenſicheröaſelbſt
enthalten oder zurückweichen könne. -"

Allenthalben ſoll man eine gewiſſe Manier das Lägerzuformiren und


befeſtigen nacht nehmen: damit uns kein Proviant und Wäſſerungabgehe
Ä uns der Feind mit ſchneller Uberfallung über die Haubenkommen
E. - - - - - - " - "

Gleich anfangs ſtelle man harte und ſcharffe Diſciplin und Krieges
Ordnungen an. Man verbiete ernßlich die gar zu vielen Gaßs Ä
*- gereyenſ
KSF(o); F- 1- =

gereyenf Banqueten und Geſöffe: wovon in dem Lagerf(NB) allerhand


Kranckheiten entſtehen und keine Menge erklecken kan. Scharmützel hals
entausſtreiffamifütteragiren laſſeman jedoch mit guter Ordnung und Sie
cherheit zu; alſoldaß unſre Soldaten nicht unbedachtſam dem Feinde vorges
worffen oder in unnöthige Gefahr geſtürzt werden,
Man mache eine gewiſſe Ordnung und Weiſel mit dem Feinde zutreffen;
wenn es die Noth und Gelegenheit alſomitbringen und unterrichte die Kriegs
leute ſolche zu obſerviren: nemlich Erſtlichdaßmanmit ganzen Compagnien
und unzertrennten Gltedern fechtel und die Squadronen ſowolderer Reuter
als Fußknechtenfminmer vonander laſſe obgleich der Feind die Flucht nehme.
Darnach, daß nur allezeit der vordere Hauff den Feind verfolge und anders
nicht als mit ganzen Geſchwadern. Zum drittendaßmitten inder Schlacht
Ordnung beedes Fußknechte und Reuter allezeitbeyeinander fortſchreiten und
bleiben. Zum vierdtendaß die Infanterey mit kleinen aneinander gekette
ten Feldſtücklein rings umſchanzet ſey dazu mit Wagen ſo mit Muſquetis
rern und Doppelhackenirern beſetzt. Zum fünften/ſo die Türckiſche Reute
rey von unſrem vorderſten Dauffen zurück geſchlagen; daß die Unſrigen
nicht gar zu weit nachſetzennoch ſich von der mittelern Schlacht-Ordnung zu
weitabreiſſen:angeſehender Feindeine groſſe Menge und ſie leicht wiederum
zum Streit umwenden; beſondern vielmehr ſich an das mittelſte Corpo retie
siren: um nebenſt demſelben / geſamter Hand auf die feindliche Reuterey und
Fußknechtelundderoganzes Corpo/ferner anzumarchiren. m ſechſten/
folge drauf alſofort die letzte Schlachtordnung oder Reſerve; ſecundire da es
nöthig die vorhergangene zubecden Seiten und halte den von hinten zukom
menden Feindauf. Zum ſiebenden wird den Chriſten Occaſion zum Tref
fengegeben werden./ſoder Feindin Beſtürmung eines Platzes lang abgearbei
tet und müde; ſo eine Seuche Peſtilenz oder Hunger unter ſein Kriegsheer
gekommen: ſo erwegen ermatteter Schwachheit gezwungen wirdl zurückzus.
gehen. Solteſichs dann (achtens) begeben, daß er durch Göttliche Ver
leihung auch ungeſchlagenumkehrte; wäre dasrathſamſte den ganzen Win
er überſden Krieg mit geſamter Macht und der ganzen Armeelzucontinuiren -
und die gänzliche Eroberung der Grentzenzuverſuchen die wiedereingenom
mene Oerter ſinhöchſter Eilezubefeſtigen damit dergeſtalt der Feind von den
ºnenweitwerbeabunddurchgre e Beſchwerlichkeit inkünfftigaufge
halten. - * *. - - -
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Was
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zZ(S)FSF" - --

- - Fas Ärg ünd mehr allhiebcyzubringenſtände werdende Zeit


GelegenheitNothwendigkeit Erfahrungundder
eröffnen. Die # deſ Fußvolcks und der Reuter item der Unterſcheid
Ä
der Rationen und ausländiſchen Soldaten derenmanzuſolchem Krieg Ä
ſehr benöth geiſt ;kan ſolches in einer abſonderlichen Schrifft angezeigt u
den Ständen propohrt werden: wahn man in den Tractaten biß dahin ge
kömmiert. . . . . . . . . --- --
Ferner ſofortificirtmandie Grenzen umſonſt und vergeblich vergebli
legtj Beſatzung mit aller Zubehörhineinumſonſundſchädf#
Ä Kriegs; dafern nichtgute (NB2Generaln mit guter Ordre da?
rüberkommendiren. Den Königen und Fürſten aber ſtehet diß Amt eigent
Ä"
irmen.
rieg recht zu behandeln und beſtellen und ihre Unterthanen zube
eydemnach der Käſerſelbſt General Ä
aus ſeinen Herrn Söhnen dem die Kriegs-Verwaltung anbefohlen ſey; auf
welchen nach Seiner Majeſtetalle andre Generalen und Hauptleute ſehen
iſſen und heydem alle Krie Ä
gen. Dieſem gehe man den Kriegrathzuwiewir baldſagen wÄ ollen: welcher
iegrath die ſonderlich importirenden und nöthigſten Geſchäffte der Reſolu
tion Käſerl. Majeſtet unterwerffe. Unter demſelben # OberUngarn
ſeinen Oberſten Feldheren degleichen die Vorberg-Plätze 1 Raab und
andre benachbarte Oerter, # anſchaſey der Teutſche Ordensmeiſter
- Ä einereier
Carolus. Ä
ñCärnten Steyr Croatien der Erzherzo
edem Kriegsweſenjahſeiner Grenze #
vor und dependite von Käſerlicher Majeſte
º)Oré« - - -- - - - -”. . -:- –
und deſ General
----
Ä eitzichen entweder wider eine Beg
Muß man in eine
Ä kiſchen Kä Ä iche der Generaliſſimus.
oder deſſen Unter-FeldherundGeneral Leutenamtperſönlich mit nachdem
es die Zeit Gelegenheit und Motherheiſchen. Ä. . .
- er Kriegerathſozu Wienreſidirſollſolche Sachen die täglich von
den Grenzen einlauffen und nicht von beſonderer Wichtigkeitſeyndſbehand
Ä erpediren: damit Käſerliche Majeſtät oder der Generaliſſimusnt
adurch allzuvielbeſchwert undobruiret werden: jedoch dergeſtalt, daß von
len und jedenlanden Generaliſſimum werde referrt möorm Draha
gung ſchwerer Sachen zugegenſey. -- - -

---- z E.

- * * - Des
«FIGS) KH
TDer Kriegraſol macht mit höchſter Sorgfältigkeit InTarge
legenſeyndaßjede Generalen Oberſten Hauptleute uñandere Officirer ihr
Amtſnach Ausweiſung ihres Werb-und BeſtallungsBriefswolausrichten:
daß allenthalbendie Grenzen ihre Notturft und Succurszurechter Zeit ü
berkommen: daß die Einſpännier oder Soldaten ſo von Hauptleutengen
Hofgeſchickt werden oder um Privat-Geſchäfte kommen willfährig und
freundlich gehaltenundabgefertiget werden auch man vielmehr münd- weder
ſchrifftlich mit ihnen handle: daß man den feindlichen Speonen fleiſſig nach
ſtrebe: daß die Streit und Zanckhändel der Soldaten nach Recht und Bil
ligkeit werden verglichen: daß man das verwegene und unnöthige Ausſtreif
femand hazardirungen der Unſrigen nicht geſtatte; noch dem Feindedadu
Fug und Anlaß zu klagen gebe, ſondern vielmehr die Friedens-Ve
nacht nehme und halte: jedoch alſo daßdenTürckrndas feindliche Streiffen
reſolutverhindert und ſie zurückgetrieben werden: und da es ſich begäbe daß
die Türcken von den Unſrigen eine Niderlage litten; daß man alſobald an die
nechſtangrenzende Baſſen ſchreibe die Handlung der Unſrigen entſchuldi.
geundrechtfertige : damit nicht gen Conſtantinopel an den Türckiſchen Käf
ſer falſcher Bericht und Klagen werden überſchrieben, die ihn leichtlich irrs
tiren könten. - , - - . . . !
r. Die Muſterung und der Völcker werde wohl nachtge
nommen/daß ſie mit beſondrer chtigkeitund Sorgfalt geſchehe: nemlich
daß man redliche/treueumdfleiſſige Männer zu Commiſſarien und Muſterern
erwähle I und dieſemit einenEydt verbindezdaß Wiedernachſehungen und
heimlicheInquiſitionengeſchehen über die Muſterungen über der Commiſſa
rien Handlungen und Verrichtungen; damit die Nerven deß Kriegs nicht bes
betrieglich und übelverzehrt werden: daß man auch erfahrne getreue Bau
meiſter und Ingenieurs vermittelſt milder Beſoldung an der Hand has
be I durch deren Raht und Fl Ä Fortification recht angeſtellet before
dert undvollenbracht Tund nicht umſonſt noch unnützlich aufgewandt werde:
daßofftermals etliche aus den Kriegsrähten die Wercke in Augenſchein neh
men damit kein Jrthum oder Fehler vorgehe und das was nöthigiſt zurech
ter Zeit werde herbey geſchafft: daß ſie auch den Zuſtand der Grenzen be
ſichtigen und nachforſchen, ob der Hauptleute Commendanten Soldatenf -
deß Proviants/der Artillerylgenug oder zuwenig; und ſolchem allen ſchleunig
remeduren oder darüber beyder Käſer. Majeſtät oder dem Generaliſſimo
ſchriftlich einkommen: daß
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Hºwºge- ºsº
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woldem Ä als der Cammer; damit eins mit dem andern über
täglich vorfallende Geſchäffte und Benöthigung beſcheidentlich ohne Zanck
und Neidhandle: jedes ſich ſeiner Pflicht gemäß erzeige und auf den allge
meinen Nutzen ſehe. -
- --

Zudem Kriegs-Rahtziehemanallezeit und zwaralsdenn inſonderheit


wann von Sachen ſo ihres Amtseigentlich wird gehandeltnachfolgende Bes
fehlhaber: Den General-Feldzeugmeiſter und Ober-Aufſeher über das For
tification Weſenſden General-Proviantmeiſter den Oberſten Commiſſarium
über die Muſterung den Commendanten von Wien. Zu ſolchen Chargener
wähle man vornehme anſehnliche erfahrne und treue Männer; ohne einigen
Aufzug und Scheuder Beſoldung: weil ſonſt die Ordnung und Handlung
deſ Kriegsticht beſtehen kan.
Letzlich weil die Stände deßReichsdenhalben Koſten zu Unterhaltung
der Grenzen herſchieſſen;undbeyeiner gröſſern Kriegs gefahrdiefürnehmſte
Macht an Volck und Soldaten verſchaffen müſſen: iſt esauch billigfdäß al
esmitgemeiner Berathſchlagung allgemeinem Fleißgleichem Verſtand und
Unterhaltung dirigirtundverrichtet werde. Derhalbenverordnemangewiſ
ſeRentmeiſter und Commiſſarien die mit dem Geldumgehen; die das Volck
bezahlen; die Muſterungen beſchauen; die Fortificationen fördern undnoth
wendige Unkoſten dazu reichen; mit und nebenſt denen Commiſſarien und
Miniſtern Kaiſerlicher Majeſtät und der Provinzen. Esdeputire auch das
Reicheine und andere Perſonen die dem Kriegs-Raht bepwohnen
und die rechte und **Waffenhandlungen helffen
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