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Methodik Klavier - Referat am 07.04.

2014
B. Wiacek

Das Spielapparat beim Klavier sollen wir immer ganzheitlich betrachten. An der Durchführung der einzelnen
Anschlagbewegungen nimmt jedes Gelenk des Körpers teil. Entweder als elastische Stütze oder als aktives
Schwungorgan.

Es ist wichtig zu wissen, welches Gelenk für welche Funktion geeignet ist. Dafür brauchen wir etwas
Grundwissen über Anatomie unserer Gelenke und Muskeln.
Die Muskeln unserer Gliedermaßen (Ärme, Beine) sind in gegeneinander wirkenden Gruppen angeordnet (-
erklären was das bedeutet). Die Muskeln erschlafen nie vollkommen. Wir nennen das Muskeltonus. Je
entwickelter und trainierter der Muskel ist, umso größer der Muskeltonus. Der Muskeltonus bestimmt die
Mittellage der Gelenke. Wenn die beiden Muskelgruppen gleich stark sind, dann werden die Gelenke in der
mittlerer Position. Wenn aber einer Muskel stärker als der andere ist, dann wird er das Gelenk in seine
Richtung ziehen, und den anderen Muskel dadurch noch schwächen (kurzer Muskel - stark, langer Muskel -
schwach). Beim Klavierspielen ist die Arbeit der Beugemuskeln der Finger wesentlich größer als die der
Streckmuskeln. Wir sollen also für entsprechendes Ausgleichsturnen sorgen.

Die Muskeln gehen an ihren Enden in die Sehne über. Die Sehne funktioniert wie ein Riemen der das Gelenk
in die Bewegung zieht. Dort, wo es viele Knochen gibt, die die Sehne reiben (wie z.B. über den vielkantigen
Handwürzelknochen), wird das Hinweggleiten durch die serösen Sehnenscheiden erleichtert. Es ist also
wichtig zu erwähnen, das jede Versteifung die mit gezwungener Bewegung verbunden ist, zu
Sehnenscheidenentzündung führen kann.

Rumpf

Den elastischen Widerstand zum Auffangen des Rückschlages der Tasten vermittelt der ganze Körper. In
dieser Funktion spielt schon der Rumpf - bzw. die Wirbelsäule - eine große Rolle. Bei den aktiven
Schwungbewegungen, wie z.B. beim Oktavenspiel wächst die Funktion des Rumpfes. Von daher ist es
wichtig zu überprüfen, ob die Körperhaltung nicht zu steif ist. Ein sehr schlimmer Fehler bei vielen
Klavierspieler ist wenn sie zu den Schwungbewegungen, anstatt des Oberarmes, die Wirbelsäule beugen.
Man soll nie anstatt des Armes den Rumpf bewegen. Die Wirbelsäule eignet sich für die Funktion der
elastischen Stütze aber nicht für den aktiven Anschlagschwung.
Ein anderer Fehler ist das ständige nach vorn und nach hinten beugen, weil das die Tätigkeit der Wirbelsäule
als elastische Stütze beeinträchtigt. - Diskussion

Oberarm

Die größte Bedeutung für das elastische Spiel hat der Oberarm. Das Schultergelenk spielt die größte Rolle
als Widerstand für den Rückschlag der Tasten, also als Stütze für den von der Taste ankommendem Stoß.
Diese Rolle kann weder das Handgelenk noch der Ellbogen übernehnem - weil sie sich auf einer Ebene mit
den Tasten befinden. Diese Rolle der Schulter als Widerstand muss man sich ganz bewusst machen. Es wird
nämlich sehr oft gefordert, dass der Oberarm und Schulter „locker herunterhängt“. So kann der aber den
Rückschlag der Taste nicht auffangen. Der Rückschlag wir ihn von der Stelle rütteln. Die Tätigkeit des
Schultergelenks ist dann in Ordnung, wenn wir das Gefühl haben, dass der Rumpf förmlich die Fortsetzung
des Armes ist. In diesem Falle gibt das Schultergelenk die Rückschläge glatt weiter, und diese können sich
ungehindert im Rumpf und in den Beinen absorbieren.
Eine ständige, einförmige Haltung des Armes kann leicht einen Krampf verursachen. Der Pianist wird von
daher gezwungen, oft gut sichtbare Bewegungen zu verrichten, um eine Versteifung zu verhindern. Zur
Lockerung und Verstärkung der Muskeln sind gymnastische Übungen sehr empfehlenswert. -Beispiele s 253,
254
Auch damit die Arbeit der Finger in der günstigen Stellung vor sich gehen kann, muss der Arm ständig eine
solche Lage suchen, in der die Arbeit der Finger so einfach und leicht wie möglich ist. Das „Lage Suchen“
nennen wir „anpassende Bewegungen“. Es gibt viele Arten solcher Bewegungen. Z.B. bei gleichmäßig
gespielten, sich wiederholenden gebrochenen Akkorden hilft der Arm durch eine fortwährende senkrechte
Bewegung. Eine am Anfang nach unten, am Ende nach oben gerichtete Bewegung erleichter die Arbeit der
kürzen äußeren Finger, indem sie diese näher an die Tasten heranbringt. Andere Beispiele sind Drehung des
Handgelenkes, Bewegung des Ellbogens, das Heben der Ärme, usw. Erfahrene Pianisten machen diese
Bewegungen ganz intuitiv. Bei Schülern ist es aber oft notwendig sie an diese feine Strukturen aufmerksam
zu machen.
- Diskussion

Der Ellbogen
-BILD
Der Unterarm besteht aus zwei Knochen: der Speiche und Elle. Die Speiche liegt auf der Daumenseite. Wenn
die Handinnenfläche nach oben zeigt, dann liegen Elle und Speiche parallel zueinander. Wird nun der
Unterarm gedreht, so dass die Handinnenfläche nach unten weist, so überkreuzen sich Elle und Speiche. Die
Stellung mit der Innenfläche nach unten heißt Pronation, die Stellung mit der Handinnenfläche nach oben -
Supination.
Beim Klavierspiel ist meistens eine starke Pronation erforderlich. Das ist dem Spieler unbequem, deswegen
will das Kind im Anfang oft den kleinen Finger „hinlegen“, weil es die zum Spiel erforderliche Pronation als
zu straff empfindet.
Einen gewissen Grad der Pronation müssen wir fordern, denn sonst wäre die freie Arbeit der Finger
unmöglich. Aber eine ständige starke Pronation zu verlangen wäre ein schwerer Fehler. Bei der gelockerten
Haltung des Armes gelangen die Konchen in eine halbwegs pronierte Lage. (zeigen). Von dieser
Ruhestellung dürfen wir immer nur so weit abweichen, als das im Interesse der freien Durchführung der
Bewegungen unbedingt erforderlich ist. Der Grad der Pronation ist also beim Klavierspiel nicht immer gleich
hoch. Zum Beispiel brauchen wir zum Oktavenspiel viel weniger Pronation als zur Fingertechnik. Beim
Sextenspiel berührt der kleine Finger die Taste schon von der Seite.

Das Ellbogengelenk ist ein typisch schnelles Gelenk. Aus dem Ellbogen können wir die schnellsten
Bewegungen ausführen. Jeder geschickte Klavierspieler kann pro Sekunde acht Anschläge erreichen. Um so
weniger geeignet ist das Ellbogengelenk zu der Rolle in der Dosierung des Widerstandes. Das
Ellbogengelenk wirkt also nur als Weiterleitungsorgan der Elastizität.

Das Handgelenk

Das Handgelenk verrichtet immer nur ergänzende Bewegungen. Die komplizierte Konstruktion des
Handgelenkes zeigt, dass es nicht für schnelle Bewegungen geeignet ist. Die Muskulatur des Handgelenkes
ist auch sehr schwach. Das Handgelenk dient eher dafür, dass es als Ergänzung der Arbeit anderer Gelenke
eine ausgleichende Wirkung ausübt.
- Diskussion

Die Hand

Wir haben vorher über den Muskeltonus gesprochen. Die Stärke der Muskeln bestimmt den Muskeltonus.
Das Verhältnis zwischen der antagonistischen Muskeln bestimmt die Mittellage des Gelenkes. Das heißt die
Form der Hand hängt sehr vom Entwicklungsgrad der Beuge- und Streckmuskeln ab. (zeigen). Es ist
unrichtig, die Haltung der Finger nach einem vorbestimmten Muster und lediglich durch Einstellung zu
formen. Eine Veränderung in der Form der Hand ist durch Veränderung der Muskelgewichts zu erreichen.
Das ist eine Frage der Erziehung und der Übung.
Die Beugung oder Streckung der Finger verändert sich auch. Je nachdem, ob wir auf den weißen oder
schwarzen Tasten spielen werden die Finger mehr oder weniger gebeugt. Die Haltung des Daumens
verändert sich entsprechend der Größe des Griffes. Beim Klavierspiel können wir also nicht von einer
konstanten Handhaltung sprechen. Deshalb soll man auch beim Anfangsunterricht nicht an nur eine gewisse
Handform binden. Das kann auf lange Jahre das freie, natürliche Spiel behindern.
Stattdessen muss den Schülern als positives Ziel der aktive Gebrauch der Finger gesetzt werden. Die aktive
Arbeit der Finger schafft immer die zweckmäßigste Form der Hand.
- Diskussion

Beschaffenheit der Hand


Für die Pianisten bedeutet eine günstige Beschaffenheit der Hand einen großen Vorteil. Deshalb sind viele
Menschen geneigt, eine bestimmte Größe und Form der Hand als Voraussetzung für das Klavierspielen
anzusehen. Die schlechte Beschaffenheit der Hand ist ein Hemmnis auf dem Weg zur Erlangung der Technik.
Lass uns die Faktoren für die Handbeschaffenheit untersuchen.

1. Die länge des Handrückens

Je länger der Handrücken, um so sicherer und schneller ist die Arbeit der Finger. Beim langen Handrücken
sind die Zwischenknochenmuskeln, die Muskeln der Schnelligkeit, lang.

2. Die länge der Finger

Je weniger die Länge der Finger voneinander abweicht, um so leichter ist es, die Kraft ihres Schlages
auszugleichen. Finger die sehr lang sind, können nur in stark gebeugter Haltung nahe genug zum Daumen
kommen, was vermindert ihre Wirkungsgrad. Die Länge des Daumens kann aber das schlechte Verhältnis
einigermaßen ausgleichen. Von daher ist auch die proportionale Länge des Daumens einer der wichtigsten
Faktoren der schlechten oder guten Beschaffenheit der Hand.

3. Die Stärke der Finger im Verhältnis zu ihrer Länge

Allgemein verbreitet ist die Legende, dass dünne, lange Finger für das Klavierspiel von Vorteil sind. Wenn
wir aber die Hände dejenigen Virtuosen betrachten, die die größte Schnelligkeit und gleichzeitig auch den
schönsten Klang erzielen, so können wir feststellen, dass diese Pianisten überwiegend massive Finger haben.
Allerdings, so dicke Finger, die nicht zwischen die schwarzen Tasten passen, würden das Spiel behindern.

4. Die Form der Fingergelenke

Die Form der Fingergelenke kann die Zuverlässigkeit der Fingerarbeit beeinflussen. Schwache oder stark
zurückgebeugte Fingergelenke verhindern die Arbeit der Finger als Einheit und damit die Sicherheit ihrer
Bewegungen.

Es wäre aber ein Fehler, nur auf Grund der Beschaffenheit der Hand die Schüler abzulehnen. Zu
berücksichtigen sind auch die Schnelligkeit der Nervenreaktion, die Bewegungskoordination usw und vor
allem in welchem Maße der Schüler das Instrument liebt.

Für den Lehrer ist es unerläßlich, die vorteilhaften und nachteiligen Eigenschaften der Hand zu erkennen,
damit er die Schwierigkeiten des Schülers nachvollziehen zu können. Ein Gegengewicht für die Mängel in
der Beschaffenheit der Hand bietet die Entwicklung der Muskeln. Bei schwachen Fingern können wir die
Zwischenknochenmuskeln durch gymnastische Übungen von MacDowell stärken. (32,33,41,42,46,47)
Bei sehr dünnen, zerbrechlichen Fingern können wir ebenso ihre Festigkeit durch Stärkung der Beuge- und
Streckmuskeln steigern. (26,27,28, 48)