Sie sind auf Seite 1von 287

Über dieses Buch

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Regalen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfügbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde.
Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch,
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist.
Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei – eine Erin-
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat.

Nutzungsrichtlinien

Google ist stolz, mit Bibliotheken in partnerschaftlicher Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nichtsdestotrotz ist diese
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch
kommerzielle Parteien zu verhindern. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen.
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien:

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden.
+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen
unter Umständen helfen.
+ Beibehaltung von Google-Markenelementen Das "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht.
+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein,
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben.

Über Google Buchsuche

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser Welt zu entdecken, und unterstützt Autoren und Verleger dabei, neue Zielgruppen zu erreichen.
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter http://books.google.com durchsuchen.
5.KON.HOF BIBLIOTHEK

84036 -B
Neu
Österreichische Nationalbibliothek

+Z256622703
3 6
840 -B .
M . TULLII CICERONIS

DE NATURA DEORUM

LIBRI TRES.

ERKLÆRT

VỐN

G . F . SCHOEMANN.

VIERTE VERBESSERTE AUFLAGE.

BERLIN ,
WEIDMANNSCHE BUCHHANDLUNG .
1876 .
-
- -
-
al,
ion
Vorwort.
Als ich vor mehreren Jahren aufgefordert wurde, Cicero's
Bücher de natura deorum für die Weidmannsche Sammlung
classischer Autoren zu bearbeiten, glaubte ich , dem Plane jener
Sammlung gemäss, beimeiner Arbeit namentlich das Bedürfniss
der Gymnasien , auf denen etwa diese Bücher gelesen würden,
ins Auge fassen zu müssen , um theils den Schülern , theils na
mentlich auch den Lehrern die erforderliche Hülfe für das rich
tige Verständniss zu gewähren . Indessen habe ich Gelegenheit
genug gehabt mich zu überzeugen , dass diese Bücher doch
nur höchst selten und ausnahmsweise in den Kreis der Gym
nasiallectüre gezogen werden , was ich denn auch aus nahe
liegenden Gründen nicht anders als begreiflich finde.
Als nun doch die beiden ersten Ausgaben meiner Bear
beitung , früher als ich erwartet hatte , vergriffen waren und
eine dritte verlangt wurde, so glaubte ich dies als ein Zeichen
ansehen zu dürfen , dass meine Arbeit auch wohl ausserhalb
des Kreises , für den ich sie anfangs bestimmt hatte , manchen
Anderen nicht unwillkommen gewesen sei, denen es um ein
Hülfsmittel zu thun wäre , diese für die Kenntniss der alten
Religionsphilosophie so wichtige Schrift leichter und besser
verstehn zu können . Deswegen habe ich denn auch in der
dritten , und ebenso in der gegenwärtigen vierten Ausgabe
vorzugsweise die Sacherklärung im Auge gehabt, und dass ich
für diese etwas mehr gethan habe, als irgend welche frühere
Herausgeber, glaube ich ohne Anmaassung sagen zu dürfen , so
sehr ich auch die anderweitigen Verdienste meiner Vorgänger
anerkenne. Zu ausführlicher und erschöpfender Erörterung
mancher Gegenstände war mir freilich, bei dem beschränkten
Raume dieser Ausgabe , nur selten die Möglichkeit gewährt:
ich musste mich meistens nur mit kurzgefassten Andeutungen
begnügen , und dabei den Leser auf andere Schriften verweisen ,
aus denen er sich genauer unterrichten könnte . Da aber kurz
vor dem Erscheinen meiner dritten Ausgabe eine mit zahlrei
chen Anmerkungen ausgestattete Uebersetzung von der Hand
eines verdienstvollen und hochachtbaren Philologen erschienen
war, die für eine gleiche Classe von Lesern , wie ich sie vor
Augen hatte , bestimmt zu sein schien , so veranlasste mich
dieser Umstand denn auch mitunter diese Arbeit zu berück
sichtigen und dem , was mir als Irrthum oder Missverständniss
vorkam , entgegen zu treten. Auch jetzt ist kurz vor dem Er
IV VORWORT .

scheinen dieser vierten Auflage eine neue mit Erläuterungen


versehene Uebersetzung hervorgetreten im 63. Bande von
J. H . v. Kirchmanns Philosophischer Bibliothek (Berlin 1874 ) :
über diese aber habe ich hier nichts weiter zu sagen, als dass
ich mich nicht veranlasst gefunden habe irgend welche Rück
sicht auf sie zu nehmen . Wo also von mir die neueste oder
jüngste Uebersetzung angeführt wird , ist immer nur an die
im J. 1863 erschienene von R . Kühner zu denken .
Hinsichtlich der Textkritik wiederhole ich was ich schon
früher gesagt habe, dass eine derartige kritische Recension ,
mit minutiöser Berücksichtigung auch der unbedeutendsten
Varianten , wie man sie heutzutage wohl zu fordern pflegt, mir
gar nicht in den Sinn gekommen ist. Das aber freilich ver
steht sich von selbst , dass ich nicht habe unterlassen dürfen ,
an manchen Stellen, wo ich die überlieferte Lesart aus sach
lichen oder sprachlichen Gründen als falsch erkannte , die mir
nöthig scheinenden Veränderungen des Textes vorzunehmen .
Deswegen sind manche Coniecturen, bald eigene bald fremde,
aufgenommen, deren Begründung, wo der untere Rand keinen
Raum dafür bot, theils im Anhange zu dieser Ausgabe, theils
in einer Anzahlakademischer Gelegenheitsschriften gegeben ist,
die im dritten Bande meiner Opuscula abgedruckt sind , und
auf die ich deswegen , wo es nöthig schien , verwiesen habe.
Schliesslich will icht nicht unterlassen ein Paar kleine
Fehler anzuzeigen , die bei der Correctur des Druckes übersehen
worden sind. S . 18 Z . 8 ist gründete zu lesen für grün
det. S . 26 in den Anmerk . Z . 3 ist das v nach Arist. zu
streichen . S . 36 Anmerk . 6 . Z . 3 ist er für 'es zu lesen .
S . 101 Z. 10 ad deos für ad eos. S. 107 unten Z . 1 allge
mein für allein. Mehr habe ich jetzt nicht gefunden ; denn
dass an einigen Stellen der accus. plur. es stehen geblieben
ist, wo der Consequenz wegen is hätte gesetzt werden müssen,
ist wohl nicht der Rede werth . Wegen des S . 154 Z. 7
stillschweigend in den Text gesetzten arbitrato , statt des ar
bitrator aller Ausgaben , begnüge ich mich auf Neue's Formen
lehre II S . 199 zu verweisen . Sollte aber vielleicht Jemand
auch daran Anstoss nehmen , dass ich an dem altherkömm
lichen Titel dieser Bücher de natura deorum festgehalten und
die von Baiter gewählte Form de deorum natura verschmäht
habe, so hatmich Vahlen in d . Zeitschr. f. d. österr.Gymn. XXIV
(1873) S. 241der Nothwendigkeit dies zu rechtfertigen überhoben .
Greifswald im August 1876 .
EINLEITUNG.

Cicero's Schrift vom Wesen der Götter ist, wie das zu


gänglichste, so auch das vollständigste der auf uns gekommenen
Denkmale der antiken Religionsphilosophie, indem sie uns theils
die Ansichten der älteren Denker auf diesem Gebiete in kurzen
Zügen wenigstens andeutet , theils die Lehren derjenigen philo
sophischen Schulen, zu denen in späterer Zeit die grosse Mehr
zahl der wissenschaftlich Gebildeten sich bekannte, in vollständi
gerer Auseinandersetzung darlegt. Es ist deswegen zweckmässig
zur besseren Auffassung dieser Schrift den Leser zunächst durch
einige einleitende Bemerkungen über die Religionsphilosophie
der Alten überhaupt, und ihre verschiedenen Richtungen , vorzu
bereiten .
Die Religionsphilosophie geht auf Beantwortung der wich
tigsten Fragen aus , die den menschlichen Geist beschäftigen ,
der Fragen über das Dasein und die Beschaffenheit der höheren
unsichtbaren Mächte, von denen der Mensch , wie sich selbst und
sein ganzes inneres und äusseres Leben , so die sichtbare ihn
umgebende Welt abhängig und beherrscht fühlt. Sie findet frei
lich eine gewisse Antwort aufdiese Fragen überall schon gegeben :
die Religion , älter als alle Philosophie , kommt ihr mit einer
Summemehr oder weniger ausgebildeter Vorstellungen über jene
höheren Mächte entgegen, an welche das Volk glaubt und seinen
Glauben durch den Cultus, den es ihnen widmet, und durch das
ganze Verhalten , zu dem es sich durch sie verpflichtet achtet,
bethätigt. Aber wie überall, so auch auf diesem Gebiete , tritt in
der geistigen Entwickelung der Völker eine Epoche ein , wo in
den weiter vorgeschrittenen Geistern das Bedürfniss erwacht,
welches der Anfangs- und Ausgangspunkt aller Philosophie ist,
das Bedürfniss des Wissens. Man vermag den überlieferten In
halt der Religion nicht mehr blos auf Glauben anzunehmen ,
sich nicht bei den herrschenden Vorstellungen zu beruhigen :
Cic . de nat. deor. 4 . Aufl.
EINLEITUNG .

man fragt nach dem Grunde des Glaubens, nach der Berechti
gung der Vorstellungen : und wenn sich die Religion dem den
kenden Geiste nicht durch eine höhere Auctorität, durch eine
keinen Einspruch leidende Berufung auf eine göttliche Offenba
rung gleichsam zu legitimiren und ihren Inhalt als ein über Zwei
feln und Anfechtungen erhabenes Gebiet zu behaupten vermag,
was die Religionen des Alterthums weder vermochten noch be
anspruchten , so ist die nothwendige Folge, dass die Vernunft den
Versuch macht, über jene Fragen die Antwort auf ihrem eigenen
Wege zu gewinnen , und dass sie dem überlieferten Glauben keine
andere Gültigkeit zuerkennt, als insofern die wirklichen oder ver
meintlichen Ergebnisse der vernünftigen Forschung mit ihm zu
sammentreffen oder wenigstens ihm nicht widersprechen .
Hiemit ist das Verhältniss der Religionsphilosophie gegen
die Volksreligion im Allgemeinen bezeichnet: im Besonderen wird
dasselbe nothwendig mannichfaltigen Modificationen unterliegen ,
je nach dem Maasse, wie sich die philosophirende Vernunft von
dem Einfluss des Volksglaubens losgemacht hat oder nicht.
Denn eine vollkommen freie und selbständige Stellung gegen ihn
zu behaupten war jedenfalls nicht leicht. Der Glaube , in dem
man erwachsen war und den man rings um sich her herrschend
fand , musste seine Macht auch auf die Philosophie ausüben ,
und diese, statt selbständig ihren eigenen Weg zu gehen, unbe
kümmert , zu welchem Ziele sie geführt werden würde , ward
bei Vielen vielmehr durch den Einfluss des Glaubens und durch
den Wunsch , sich mit ihm zu verständigen , auf ein schon im
Voraus bestimmtes Ziel hingerichtet. Gab es im Alterthum auch
keinen katechetischen Religionsunterricht, so wirkte doch nichts
destoweniger der allgemeine Glaube mit der Kraft einer Kate
chesis , und pflanzte dem Geist, bevor er selbst prüfen und ur
theilen konnte, gewisse Vorstellungsformen und Vorurtheile ein ,
von deren Herrschaft späterhin sich loszumachen schwer war .
Und auch da , wo die speculirende Vernunft sich am wenigsten
durch derartige Einflüsse bestimmen liess , waren doch die Vor
aussetzungen , von denen man ausging , und die Factoren , mit
denen man rechnete , nach der gesammten Bildung und Einsicht
der Individuen verschieden , und auf einem Gebiete , wo es so
wenig unumstösslich gewisse Voraussetzungen und so wenig
allgemein anerkannte Grundsätze gab , konnte es nicht ausblei
ben , dass man , anstatt zu sichern und erweislichen Resultaten
am Ende doch nur zu Meinungen und Ansichten gelangte , die
dem Einen genügen mochten , dem Andern nicht, und deren
EINLEITUNG.
verwirrende Mannichfaltigkeit es wohl rechtfertigte , wenn die
Gewissenhaftesten geradezu dasGeständniss ablegten , wie an zwei
fellose Erkenntniss auf diesem Gebiete nicht zu denken sei und
Jeder sich an das zu halten habe, was seiner Vernunft und seinem
Gemüthe am meisten zusage : ein Geständniss, welches auch in
dieser Schrift Cicero's uns als das Endergebniss entgegentritt.
Es besteht aber Cicero's Schrift aus vier verschiedenen Par
tien : erstens , einer skizzirten Uebersicht der merkwürdigsten
religionsphilosophischen Ansichten von den ersten Anfängen
philosophischer Speculation bis auf die Ausbildung des Epiku
reischen und des Stoischen Systemes: zweitens der specielleren
Darstellung der Epikureischen , und drittens der Stoischen Reli
gionsphilosophie; viertens endlich der Kritik , welche vom Stand
punkte der Akademischen Skepsis gegen beide geübt wird.
Was nun die erste dieser Partien betrifft , so haben wir zu
bedauern , dass sie uns nicht mehr als einige unvollständige , oft
. unverständliche und überall wenig zuverlässige Andeutungen
giebt ') , die dem Zweck des Epikureers, dem Cicero sie in den
Mund legt, vielleicht entsprechen mögen , aber durchaus nichtda
zu angethan sind , uns eine wirkliche Einsicht in den Entwicke
lungsgang der Religionsphilosophie und in ihre verschiedenen
Richtungen zu geben . Diesem Mangel auf eine befriedigendeWeise
abzuhelfen fehlt es leider gar sehr an den erforderlichen Hülfs
mitteln ?), und am wenigsten können wir an diesem Orte es ver
suchen wollen , eine vollständigere und richtigere Darstellung der
älteren religionsphilosophischen Ansichten zu geben ; doch dürf
1) Man vergleiche die ähnliche , aber noch kürzere Uebersicht in
den Academ . II c. 37, wo Manches ganz anders erscheint.
2) Man braucht nur die Schriften der namhaftesten Forscher über
die Geschichte der alten Philosophie unter einander zu vergleichen, um
zu sehen , wie die zerstreuten , dürftigen , unzuverlässigen Angaben der
Späteren, aus denen allein wir schöpfen können, von dem Einen so von
dem Andern anders aufgefasst und gedeutet werden, und Jeder sich gegen
seine Vorgänger mehr oder weniger zu polemisiren veranlasst findet, so
dass die vermeintlichen Ergebnisse, die uns geboten werden , nicht selten
in den Hauptpunkten weit auseinander gehen, als allgemein anerkanntes
und gewisses aber nicht viel übrig bleibt. Aus diesem Grunde ist es
mir auch nicht rathsam erschienen , auf einen oder den andern neueren
Geschichtschreiber der alten Philosophie als auf einen zuverlässigen Führer
zu verweisen und so gewissermaassen dafür einzustehen , dass der Leser
hier das Richtige finden werde. Dass ich selbst die Arbeiten dieser
Männer nicht unbenutzt gelassen habe versteht sich ; wem es aber darum
zu thun ist, zu erfahren, wie z. B. Krische oder Zeller oder sonst Jemand
über dies oder jenes gedacht haben , der wird ihre Bücher von selbst
nachzusehen nicht unterlassen .
1*
4 EINLEITUNG
ten einige allgemeinere Bemerkungen, zu denen die Noten unter
dem Texte keinen Platz boten , nicht unangemessen sein .
Die älteste Philosophie der Griechen , die über die Entste
hung der Welt und die weltbildenden Kräfte zu speculiren be
gann , - obgleich sie in der That ebensosehr oder auch noch
mehr phantasirte als speculirte, — trifft in ihren Ansichten zum
Theil wenigstensmit dem zusammen , was schon die älteste Poesie
Homers und Hesiods ausgesprochen oder angedeutet hatte . Das
Urwasser des Thales kann man in dem Homerischen Okeanos,
dem Ursprung aller Dinge, wiederfinden, und die Urluft des Ana
ximenes mag dem Hesiodischen Chaos entsprechen ). Aber
Ansichten über den Ursprung der Dinge haben bei den Griechen
niemals zum Inhalte der Volksreligion gehört , die jene vielmehr
ganz auf sich beruhen liess , und zufrieden mit dem Dasein der
Welt und der Götter, ohne zu forschen , woher sie gekommen
seien , nur daran festhielt, die Götter als die Inhaber der Weltre
gierung , als die über der Natur und dem menschlichen Leben ,.
jeden in seinem Kreise und Amte waltenden Gebieter zu vereh
ren. Und diesem Glauben im Allgemeinen zu widersprechen
konnte schwerlich Einer jener alten Naturphilosophen sich ver
- anlasst finden , wenn auch ihre eigene Speculation sie nicht zu
ihm hinführte. Sie liessen ihn entweder lediglich auf sich beru
hen , oder sie wurden durch den Einfluss, den der allgemeine
Glaube auch auf sie auszuüben nicht umhin konnte, wohl selbst
bewogen ihn anzuerkennen und so die Religion und die Specu
lation auseinander zu halten . Beispiele , dass wirklich Einer je
nen allgemeinen Glaubensinhalt angegriffen und bekämpft hätte ,
giebt es nicht: nur gegen gewisse Vorstellungen des Volkes und
der Mythologie erhoben sie Widerspruch und erregten dadurch
mitunter auch Anstoss , der ihnen Verfolgungen zuzog ?). Im
Ganzen jedoch ist von einem anstössigen Widerspruch der älte
ren Philosophen gegen die Volksreligion höchst selten die Rede ;
ja selbst von Aeusserungen gleichgültiger Verachtung derselben
hören wir wenig . Der Grund liegt darin , dass in der That die
Volksreligion sehr wenig eigentlich Positives hatte , indem es re
ligiöse Dogmen und eine vom Staat oder von der Priesterschaft
1) Ueber das Chaos und die verschiedenen Deutungen desselben
vgl. meine Opusc. acad. II p . 29 u . 68 ff.
2) Anaxagoras wurde der Gottlosigkeit angeklagt, weil er die Sonne
für eine glühende Steinmasse erklärte, also den Sonnengott zu leugnen
schien . Diog . L . II, 12. Doch war dies gewiss nicht der einzige Grund
der Anklage. Vgl. Gr. Alterth . II3 S. 585.
EINLEITUNG.
autorisirte und überwachte Lehre gar nicht gab , und nur der
Cultus das Feststehende und Unverbrüchliche war , in welchem
aber nicht Belehrung und Ueberlieferung von Glaubenssätzen ,
sondern nur symbolische Handlungen vorkamen , die ihrer Be
schaffenheit nach nicht geeignet waren , gerade diese oder jene
bestimmte Vorstellung von den Göttern ausschliesslich zu er
wecken und zu unterhalten , sondern von Verschiedenen auf ver
schiedene Weise gefasst und gedeutet werden mochten , so dass ,
auch wer die herrschende Vorstellungsform nicht theilte , und in
seinen philosophischen Speculationen sich gänzlich von ihnen
emancipirte , sich dennoch der herrschenden Cultusform wohl
anschliessen und somit jeden Anstoss beim Volke oder bei der
Priesterschaft vermeiden konnte. Wenn also Xenophanes er
klärte, dass der Mensch von den Göttern kein Wissen , sondern
nur Meinungen habe , so hat ihm daraus gewiss Niemand ein
Verbrechen gemacht, weil er durch solche Erklärung die Götter
selbst nicht antastete : noch weniger, wenn er die Fabeln , welche
Homer , Hesiod und andere Dichter von den Göttern vorgetragen
hatten , verwarf und für lächerlich und unwürdig, zum Theil ge
radezu für gotteslästerlich erklärte. Denn in diesen Fabeln etwas
mehr zu sehen , als entweder unterhaltende Märchen oder etwa
auch verhüllte und bildliche Andeutungen , die nicht buchstäblich
zu nehmen seien , sie als wirkliche Geschichten der Götter zu
betrachten , von welchen die Dichter durch irgend welche Offen
barung Kunde erhalten hätten , und an welche nicht zu glauben
sündlich sei, das dürfen wir zu keiner Zeit als die herrschende
Meinung weder der Priester noch auch des Volkes ansehn ').
Nicht zu leugnen aber ist es, dass jene Fabeln wirklich von Ein
fluss auf den Glauben des grossen Haufens waren und Vorstel
lungen von den Göttern nährten , die im höchsten Grade unwür
dig und verkehrt waren , aber bei den anthropomorphisch d. h .
menschenähnlich gedachten Gottheiten nur allzuleicht gefasst
und festgehalten wurden . Die Einsichtsvolleren aber , auch wenn
sie selbst jene anthropomorphische Vorstellungsart nicht theilten ,
sahen doch ohne Zweifel wohl ein , dass dem Volk diese ausre
den zu wollen ein eitles und missliches Unternehmen sei, und
dass man zufrieden sein könne, wenn es gelänge, sie nur von
· 1) Einzelne Fabeln mochten freilich aus diesem oder jenem Grunde
beim Volke in besonderem Ansehn stehn , so dass , wer diese leugnete,
den Gläubigen für einen gottlosen Freigeist galt. S . Lucian . Philops. c. 3.
Sonst aber war der Satz , πολλά ψεύδονται αοιδοί, selbst zum Sprish
wort geworden. Aristot. Metaph . A . 2 p . 983.
EINLEITUNG

dem Unsittlichen und Unwürdigen zu reinigen , was ihr beige


mischt war. Fehlt es nun gleich an specielleren Notizen über
das in dieser Hinsicht beobachtete Verhalten der älteren Philo
sophen , so steht doch , was wir darüber hören , mit der eben
ausgeprochenen Ansicht durchaus im Einklange. Xenophanes
z. B . und Parmenides, obgleich ihr philosophisches System nur
Einen wahren Gott anerkannte, und die Volksgötter ihnen gar nicht
als Götter im eigentlichen Sinne des Wortes, sondern nur als eine
Art von Mittelwesen zwischen Gottheit und Menschheit gelten
konnten , bequemten sich im Ausdruck dennoch dem herrschen
den Sprachgebrauch, und bezeichneten demgemäss auch jene als
Götter ). Dass auch Pythagoras den Volksgöttern fromme Ver
ehrung erwies, wird uns ausdrücklich bezeugt?), und des entgegen
gesetzten Verhaltens wird , so viel ich mich erinnere, Keiner jener
älteren bezüchtigt. — Dem Sokrates warfen freilich seine An
kläger vor, dass er die Götter des Volksglaubens leugne und an
dere neue Gottheiten einführe ; aber dieser Vorwurf war in der
That mehr eine von ihnen selbst aus gewissen Aeusserungen
des Sokrates gezogene Consequenz , als dass jener durch sein
wirkliches Verhalten ihn verdient hätte . Wir wissen vielmehr
aus den unverdächtigsten Zeugnissen ) , dass er sich dem her
kömmlichen Cultus keinesweges entzogen , also die Götter, denen
dieser galt, nicht verleugnet habe, wenn er sie auch freilich an
ders dachte als der grosse Haufe : und was die mythologischen
Fabeln betrifft, so hielt er es für das Räthlichste, sich nicht ohne
Noth auf sie einzulassen “). Ebensowenig als Sokrates fanden
seine Schüler sich veranlasst, den Göttern des Volksglaubens ihre
Existenz abzusprechen, obgleich Plato einen höheren Gott über
ihnen annimmt, zu dem sie sich als Geschöpfe und Diener ver
halten : und wir finden nicht, dass er deswegen als ein Veräch
ter der Volksreligion angefochten sei. Wie er aber über die my
thologischen Fabeln dachte, ergiebt sich hinlänglich daraus, dass
er die Dichter, von denen diese vorgetragen und verbreitet waren ,
aus seinem Staate verbannt wissen will ; obgleich er einer my
thologischen Vortragsart göttlicher Dinge an sich keinesweges
abgeneigt ist, vielmehr sich selbst derselben vielfach bedient, um
1) S . Xenophanis carm . reliquiae ed. Karsten . p. 103 u. 113 f. 1 1
2) S. Iamblich. vit. Pyth . 5. 100. 122. 144. 155. Vgl. Cic. de
Legg. 11, 11.
3) Xenoph . Mem . I, 1, 2. II, 6, 8. IV , 3, 12. 7, 10. Anab . II, 1, 5.
Plat. Phaed. p. 118 A .
4) Vgl. Plat. Phaedr. p. 229G. Republ. III, 378 D .
EINLEITUNG

bildlich auszudrücken was er nicht eigentlich auszudrücken ver


mochte . Auch Antisthenes nahm , wie Plato , nur einen höch
sten Gott an , dem er aber die Menge der Volksgötter als unter
geordnete hinzuzufügen kein Bedenken trug. Die mythologischen
Fabeln behandelte er, wenigstens zum Theil , als Allegorien und
sprach über die Vorstellungen von den Göttern , wie sie dem buch
stäblichen Sinn der Fabeln entsprachen , seine Missbilligung auf
die derbste Weise aus '). Nicht anders verhielt sich Aristoteles
zum Volksglauben ?) : und was wir von seinen Schülern , wie
dem Pontischen Heraklides oder Theophrast lesen (Cic. N . D . I,
13 , 34 . 35 ), verräth nur Ansichten , die der Volksreligion zwar
fremd , aber doch nicht unverträglich mit ihr sind . Ebenso
wenig trat Strato , wenn er , nach Cicero und Andern, als das
Uranfängliche eine blinde, bewusstlose Naturkraft annahm , da
durch in Widerspruch mit dem Volksglauben : denn er konnte
aus diesem Uranfänglichen nachher auch die Götter werden lassen ,
ebenso wie z. B. die Hesiodische Theogonie sie aus dem Chaos
werden lässt.
Zwischen den bis jetzt betrachteten Philosophen und der
Volksreligion fand also ein zum mindesten friedliches Verhält
niss statt : die Volksreligion ward von ihnen , wenn auch nicht
ausdrücklich vertheidigt und geschützt, so doch auch nicht an
gegriffen ; man verständigte sich ohne Schwierigkeitmit ihr, und
liess sie gelten soviel sie gelten konnte. Dagegen aber war ein
polemisches Verhalten der Philosophie gegen die Volksreligion
durch die Sophistik begonnen , deren namhafteste Vertreter , bei
aller sonstigen Verschiedenheit, dies mit einander gemein hatten ,
dass sie, wie Protagoras sich ausdrückte, den Menschen zum
Maass aller Dinge machten , d . h . dem menschlichen Geiste das
Vermögen absprachen, über die Dinge anders als nach subjectiver
Auffassung zu urtheilen , und eine über subjectives Dafürhalten
erhabene objective Wahrheit für unerreichbar hielten . Für diese
also konnte am allerwenigsten der Inhalt des religiösen Glaubens
Anspruch daraufmachen, für etwas mehr als blos subjective Vor
stellung zu gelten , und in diesem Sinne sprach sich denn auch
Protagoras aus: ob Götter seien oder nicht, d . h . ob den religiösen
Vorstellungen irgend ein Reales entspreche , lasse er lediglich
dahin gestellt sein . In gleichem Sinne scheint Prodikus den
1) Iulian. orat. VII, p. 209 A. 215 C . 217 A. Clem . Alex, Strom . II, 20,
107. Vgl. auch Lobeck . Aglaoph. p. 159.
2 ) Darüber vgl. G . Zell, de Aristotele patriarum religionum aesti
matore. Heidelb. 1847.
8 EINLEITUNG .
Götterglauben betrachtetzu haben , indem ermeinte, dieMenschen
hätten die ihrem Leben wohlthätigsten und unentbehrlichsten Ge
genstände, wie Sonne, Mond, Gestirne, das Feuer, die Gewässer
und dergl. verehrt, angebetet und vergöttert. Noch Andere erklär
ten die Religion für eine blosse Erfindung klugerGesetzgeber, die
durch die Furcht vor überirdischen Mächten die Leidenschaften
der Menschen zu bändigen und ihre Wildheit zu zügeln gesucht
hätten ). Endlich noch Andere erklärten die vermeintlichen
Götter für nichts anders als Menschen der Vorzeit, alte Herrscher
und Helden , die man vergöttert habe , und die Mythen für ent
stellte Geschichten ihrer Thaten und Schicksale . Man nennt diese
letzte Ansicht die historische oder pragmatische, weil sie
ngáyuata d. h . wirkliche Begebenheiten , wenn auch nicht un
verfälscht, in den Mythen zu finden meinte ; auch die Euheme
ristische, nach dem zu I, 42, 119 besprochenen Euhemerus
aus Messana, welcher sie namentlich durchgeführt und auf alle
oder fast alle Götter des Volksglaubens angewandt hatte , wenn
auch manche Mythendeutungen dieser Art schon vor ihm ver
sucht waren. Von einem bestimmten philosophischen System
und einer darin begründeten positiven Ansicht über die Gottheit
scheint Euhemerus nicht ausgegangen zu sein ; der Umstand
aber , dass er als Atheist bezeichnet wird , darf nicht als Beweis
gelten , dass er das Dasein einer Gottheit überhaupt geleugnet
habe. Denn jener Nameward nicht selten auch solchen beigelegt,
die sich nur gegen die Volksgötter erklärten. Es fand übrigens
Euhemerus manche Nachfolger. Zu diesen gehören die theologi,
die Cicero III, 21,53 erwähnt, auswelcher Stelle wir auch lernen ,
dass man durch die vielen und unvereinbaren Fabeln , die über
jeden Gott erzählt wurden, sich veranlasst fand , mehrere Perso
nen gleiches Namens zu unterscheiden , um so die Widersprüche
der Fabeln zu heben . Deswegen nennt Johannes der Lydier (de
mensibus IV , 48 ) diese Ansicht auch die heroische und son
dernde, tòv ňowixòv xaiuEQLOTIXÒV hóyov : ersteres, weil sie
die Götter für Heroen der Vorzeit ausgab, das andere , weil sie
die Fabeln auf die angegebene Weise sonderte .
.. Noch andere philosophische Gegner des Volksglaubens
richteten ihre Polemik nicht gegen das Dasein von Göttern über
haupt, sondern nur gegen das Dasein solcher Götter wie das Volk
sie sich vorstellte. Hieher gehören namentlich Demokrit und Epi
1) S. Cic. I, 42, 118. Plat. Legg. X p. 889 E. Critiae fr. ap. Sext.
Emp. adv. math . IX , 54. Auch Polyb . VI, 56 .
EINLEITUNG .

kur, welche dem Volksglauben nur insofern eine Berechtigung


zugestanden , als sie annahmen , dass ein so allgemein verbreite
ter und so fest in den Seelen der Menschen gewurzelter Glaube
etwas mehr als ein blosser Wahn sein , dass ihm nothwendig
eine Realität zu Grunde liegen müsse . Aber weiter als bis zu
dieser Einräumung gingen sie nicht: über das Wesen derGötter,
über ihr Walten und ihre Einwirkung auf die Welt und die Men
schen gestanden sie dem Volksglauben keine Stimme zu ; dar
über dürfe nur die Speculation gehört werden . Demnach er
klärte Demokrit die Götter für Atomengebilde, Ausflüsse aus einer
allgemeinen göttlichen Substanz, von den Göttern des Volksglau
bens offenbar ganz verschiedene Wesen , doch nicht ohne Ein
fluss auf das Leben der Menschen, denen sie sich theils wohl
thätig theils auch feindlich erwiesen '). Noch weiter ging aber
Epikur. Seine Götter , Atomengebilde wie die Demokritischen,
verharrten in seliger Musse , ohne die mindeste Einwirkung auf
die Welt, ohne erweisliche Beziehung zum menschlichen Leben :
und wenn er dessenungeachtet von einer religiösen Verehrung
redete , die man diesen Göttern , in Betracht ihrer Seligkeit und
Erhabenheit , zu zollen geneigt und verbunden sein sollte , so
war dies offenbar nur eine Redensart ohne rechte Ueberzeugung,
obgleich man wohl zu weit geat, wenn man meint, dass Epikur
in der That auch nicht einmal an die Existenz von Göttern ge
glaubt, sondern diesen Glauben nur vorgegeben habe aus Furcht
vor Verfolgungen , die ihm als Gottesleugner gedroht haben
möchten. DieGründe gegen diese Meinung findetman am Schluss
der Inhaltsangabe des ersten Buches.
Eine ganz andere Stellung aber zum Volksglauben behaupte
ten die Stoiker, indem sie denselben, wenigstens bis auf einen ge
wissen Grad, zu stützen und zu vertheidigen unternahmen . Sie
unterschieden zunächst eine dreifache Theologie, die politische,
die mythische oder poetische, und die philosophische oder phy
sische ?). Unter der ersten verstanden sie die in den Staaten an
erkannten und unter öffentliche Auctorität gestellten Religions
satzungen , d. h . die herkömmlichen oder gesetzlich festgestellten
Anordnungen über die Gottheiten , welche im Staate zu verehren ,
und über die Art und Weise, wie sie zu verehren seien . Die
zweite begriff die Fabeln in sich , die von den Dichtern über die
1) S. die Anmerk . zu I, 43, 120 .
2) Vgl. Ps. Plutarch . de plac. phil. I, 6, 8 . Ebenso unterschieden
Varro und Scaevola. S. Augustin . d . C . D . IV , 27. VI, 5 . Vgl. auch
Euseb. pr. euang. IV , 1 p. 138 Heinich.
10 EINLE .
ITUNG
Götter und deren Thaten und Ereignisse erzählt wurden . Diese,
insofern sie sich als Erzählungen wirklicher Vorgänge ankündig
ten , galten den Stoikern für durchaus verwerflich , weil sie in
gleichem Maasse der äusseren wie der inneren Wahrheit entbehr
ten , d. h .weder Thatsächliches berichteten , noch auch dem Wesen
der Götter angemessen und entsprechend wären . In manchen
Fabeln freilich glaubten sie einen Kern von Wahrheit zu entdecken ,
einen physischen oder ethischen Satz in mythische Form einge
kleidet, aber gewiss nicht in allen : und im Allgemeinen missbillig
ten sie diese mythische Einkleidungsart, weil nur wenige sie ver
ständen , dieMeisten durch sie zu falschen und verkehrten Vorstel
lungen von den Göttern verleitet würden . Den Schlüssel aber zum
Verständniss der bedeutsamen Fabeln meinten sie in der dritten ,
der physischen oder philosophischen Theologie zu haben , welche
nichtnur im Allgemeinen das Dasein göttlicher Wesen und eine
göttliche Ordnung und Regierung der Welt zu erweisen unter
nahm , sondern auch die in der politischen Theologie als Gegen
stände der Verehrung anerkannten Götter ebenfalls anerkannte,
und diese Anerkennung, wenn sie dieselbe auch nicht eigentlich
als nothwendig darzuthun vermochte , doch wenigstens als ver
nünftig und probabel zu rechtfertigen suchte . Da die Hauptsätze
dieser physischen Theologie der Stoiker in Cicero's zweitem
Buche enthalten und in unserer Inhaltsangabe dieses Buches
übersichtlich zusammengestellt sind , so genügt es jetzt nur da
rauf zu verweisen . Doch mögen noch einige Bemerkungen hier
Platz finden .
Man pflegt die Theologie der Stoiker pantheistisch zu
nennen und man hat insofern Recht dazu , als sie die Gottheit
in die Welt verlegt, sie als durch die Welt sich erstreckend und
alle ihre Theile durchdringend annimmt. Die Gottheit der Stoi
ker ist kein rein geistiges , gänzlich immaterielles Wesen, son
dern sie ist beides, Materie und Geist zugleich und ungesondert.
Aber dies ihr geistigmaterielles Wesen manifestirte sich in der
Weltschöpfung auf solche Weise, dass sich zweiSeiten ihrer Wirk
samkeit unterscheiden lassen . Ihr materielles Wesen, welches
als feinster, feuriger Aether vorgestellt wird, verdichtet sich theil
weise zu gröberer Körperlichkeit, und so entsteht der Stoff der
Welt, die an, zunächst nur als eine črtotos ovoia ohne be
stimmt geschiedene Qualitäten “), die sich dann aber stufenweise
in verschiedene Elemente auseinander legt, aus deren beständiger
1) Diog. L . VII, 134. Sext. Emp. adv. math . IX , 11.
EINLEITUNG 11
Wechselwirkung auf einander, unter dem Einfluss des von dem
göttlichen Urwesen her ihnen einwohnenden Gesetzes, ein wohl
geordnetes Ganze, der nóguos, das Weltgebäudehervorgeht. Die
Welt ist mithin eine Emanation aus der Gottheit , die natürlich
nicht aufhört, in Verbindung mit ihr zu bleiben . Wir mögen sie
als einen Leib betrachten , in welchem die Gottheit als belebende
Seele wirksam ist; aber wir dürfen uns nicht verleiten lassen ,
Gott nur als Weltseele zu denken . Es ist vielmehr nur ein Theil
des göttlichen Urwesens, der in die Welt eingeht') ; es selbst aber
hört darum nicht auf auch über ihr erhaben zu bleiben : die Gott
heit ist nicht lediglich immanent, sondern auch transcendent. Der
göttliche mit keinen gröberen Stoffen gemischte Aether umfängt
rings die aus ihm hervorgegangene Welt ; von ihm strömt immer
dar Seele und Leben in sie ein , ohne dass er sich jemals er
schöpfte ; vielmehr werden die gröberen Stoffe , aus denen die
Körperwelt geworden ist , allmählig alle wieder von ihm aufge
löst und in ihn aufgenommen : die Welt kehrt in Gott zurück ,
um dann aufs Neue wieder aus ihm hervorzugehn ? ).
Die uranfängliche Gottheit wird als ein selbstbewusstes,
denkendes, wollendes, weises, also mit andern Worten als ein
persönliches Wesen gedacht; aber in der aus ihr hervorgegan
genen Welt entstehen nun , als inviduelle Besonderung des die
Welt durchdringenden göttlichen Aethers, auch noch andere eben
falls selbstbewusste, denkende,wollende, also persönliche Wesen ,
und zwar von zwiefacher Art: unvollkommenere mit gröberer
Körperlichkeitbehaftete, auf einekurze Lebensdauerbeschränkte,
mit Schwächen und Gebrechen mannichfaltiger Artbelastete , aber
doch der Vervollkommnung und derWeisheit fähige : dies sind die
Menschen ; und vollkommenere, von reinerem ätherischen Stoffe ,
ohne grobe Körperlichkeit , von Hause aus fehlerlos und weise :
dies sind die Götter 3). Von dieser Seite betrachtet kann also die
Theologie der Stoiker als ein mit Polytheismus gepaarter Mono
theismus bezeichnet werden. Denn Gott im wahren Sinne des
Wortes, ungeworden , unvergänglich , unendlich ist nur der Eine
aus welchem Alles hervorgegangen . Die anderen Götter sind end
liche, gewordene und vergängliche Wesen , die bei der allgemei
nen Auflösung aller Dinge wieder in das Urwesen zurückkehren
werden , aus dem sie hervorgegangen sind. Indem ferner die
1) Die Weltseele ist tò uédos toữ Jeoł tò diñxov "did návrov.
Diog. L. VII, 147. Vgl. Ps. Arist. de mund . c. 6 .
2 ) S. die Anmerk . zu II, 46 , 18 .
3) S. II, 13, 35.
NG
12 EINLEITU .

Stoiker verschiedene Arten solcher gewordenen Götter annah


men, erkenntman darin theils allerdings consequente Folgerun
gen ihrer speculativen Physik , theils aber auch nur Accommo
dation an den Volksglauben . Aus ihrer physischen Ansicht von
der Beschaffenheit des feurigen Aethers folgte , dass sie die Ge
stirne, die sie als aus solchem bestehend ansahen , auch für Göt
ter erklären mussten . Aber wenn sie Götter annahmen, die aus
der Menschheit zur Gottheit emporgestiegen seien , oder Götter
als Urheber und Vorsteher bestimmter menschlicher Verhältnisse
und sittlicher Potenzen , oder als Geber dieser oder jener Gaben ,
so folgten sie darin offenbar nur dem Volksglauben , wie denn
auch bei Cicero ^) für das Dasein dieser Götter statt eines Beweises,
wie er bei dem höchsten Gotte und den Gestirnen vorgetragen
wurde, nur die einfache Bemerkung steht, dass solche Götter von
weisen Männern nicht ohne Grund angenommen seien . Nicht
anders verhält es sich mit den Göttern , welche wir als Natur
geister, die in verschiedenen Theilen und Gebieten der Welt,
der Erde, dem Meere, dem Feuer u. s. w . walten, bezeichnen
dürfen . Auch diese nahmen die Stoiker an , weil sie dergleichen
im Volksglauben vorfanden , und weil sie der Ansicht waren , dass
man den Volksglauben, insofern er nichts der Vernunft Wider
sprechendes , offenbar Falsches und Verkehrtes enthielte , nicht
verwerfen, vielmehr in ihm eine Art von natürlicher Offenbarung
erkennen müsse. Aber es lässt sich nicht verkennen , dass doch
alle diese Götter in dem System ihrer Theologie eine schwan
kende und zweideutige Stellung haben , und wäre uns von den
Ansichten einzelner Stoiker mehr erhalten als wirklich auf uns
gekommen ist, wir würden ohne Zweifel sehen, wie über alle
diese Götter nicht nur die Einen so, die Andern anders gedacht
und gesprochen haben , sondern auch ein und derselbe Mann
nicht überall mit sich selbst übereinstimmend und consequent
geblieben sei. Die Gegner der Stoiker werfen ihnen vor , dass
die Volksgötter ihnen nur dem Namen nach , nicht in Wahrheit
Götter seien , theils weil sie dieselben als gewordene und vergäng
liche Wesen darstellten , und die Unsterblichkeit nur dem Einen
Höchsten , den sie freilich auch Zeus nannten , zugeständen ),
theils weil diese Götter, nach den Stoischen Erklärungen über sie,
gar keine Personen, sondern Sachen , Verhältnisse , Fähigkeiten
u . dergl. seien 3); weswegen die Stoiker denn auch wohl als :
1) II, 23 , 60.
2) Plutarch. contra Stoic, c. 31. u. de Stoic. repugn . c. 38 .
3) Plut. de Is. et Osir. c . 40 u. 66 - 68. Amator. c . 12. 13 mit Winckel
EINLEITUNG. 13
Atheisten gescholten worden sind. Hält man aber beide Vorwürfe
gegen einander, so erkennt man leicht, wie der zweite den ersten
aufhebe. Denn waren jene Götter den Stoikern in der That nur
Sachen , Verhältnisse , Fähigkeiten , und wurden sie nur in per
sonificirender Ausdrucksweise Götter genannt , so verdienten ja
die Stoiker , wenn sie sie nicht unsterblich dachten , deswegen
keinen Tadel : sie konnten nicht unsterblicher als die Welt sein .
Offenbar also durfte jener Vorwurf vernünftiger Weise nur von
Solchen erhoben werden , welche die Stoiker von dem andern ,
dass jene Götter ihnen blos in figürlicher Redeweise so hiessen ,
freisprachen und anerkannten , dass ihnen dieselben wirkliche
Personen wären . Und in der That lässt sich auch nicht absehen ,
warum nicht die Stoiker , wenn auch nicht alle , so doch manche
oder auch viele, so gedacht haben sollten . Die Consequenz des
Systemswenigstens verbot ihnen keinesweges, übermenschliche
Wesen anzunehmen , die als Diener und Gehülfen des höchsten
Gottes der Welt und dem Menschenleben in verschiedenen Ge
bieten und Verhältnissen vorständen , und so konnten sie sich
also immer dem Volksglauben , der ihnen solche Götter darbot,
ohne Bedenken anschliessen . Dass sie sie sterblich dachten ,
widersprach allerdings dem Volksglauben , verdiente aber darum
noch nicht getadelt zu werden . An gewordenen Göttern nahm
ja auch der Volksglaube keinen Anstoss: und wenn er die ge
wordenen dennoch unvergänglich dachte , so waren die Stoiker
dagegen consequenter , und der ganze Vorwurf bedeutet genau
besehen nichts anderes als dass, weil zum Begriff der Gottheit
wesentlich die Unsterblichkeit gehöre, ihre Götter, weil nicht un
sterblich, so auch eigentlich gar nichtGötter, sondern nur über
menschliche, dämonische Wesen seien : wofür sie denn aber auch
gleichsam zum Ersatz den Einen höchsten Gott in wahrhaft gött
licher Erhabenheit dachten .
. Ein dritter Vorwurf, der den Stoikern öfters gemacht wird,
ist dieser : sie setzten die Götter herab , indem sie lehrten , dass
es nur untergeordnete Gaben , nur äussere Güter seien , die der
Mensch ihnen zu verdanken hätte , wogegen er zur Tugend und
Weisheit nicht durch sie, sondern lediglich durch sich selbst ge
lange ?) . Auch dieser Vorwurf hat nur dann einen Sinn , wenn
zugestanden wird , dass die Götter den Stoikern nicht blos Na
men , sondern wirkliche Personen waren ; und zweitens trifft er
manns Anmk . p . 158. Vgl. auch das unten S . 18 zu besprechende Herkulan.
Fragm . col. II p. 17. Peters. Cic. III, 24 , 61.
1) Plutarch. adv. Stoic. c. 32.
14 EINLEITUNG

allerdings Manche, selbst Viele, vielleicht die Meisten der Stoiker,


aber doch nicht alle, und nicht das System . Dem System gemäss
war nur dies , dass aller Tugend, aller Weisheit Quell und Ur
sprung in Gott, d . h . in dem Einen Höchsten , dem allein wahren
Gott sei. Der Mensch , dessen Geist ein Ausfluss des göttlichen
Wesens ist ), trägt darum auch die Anlage zur Tugend und Weis
heit in sich , aber sie wird durch die Körperlichkeit, an die er ge
bunden ist, vielfach gehemmt und unterdrückt : es ist Sache des
Menschen , sich durchzuarbeiten . Ob aber bei dieser Arbeit der
Mensch lediglich auf sich selbst gestellt und auf seine eigene
Kraft, d. h . auf die Kraft des ihm selber inwohnenden göttlichen
Wesens verwiesen sei , oder ob er sich dabei des Beistandes
freundlicher Götter zu getrösten habe”), darüber ergab sich in
dem System der Stoischen Theologie durchaus keine bestimmte
Entscheidung weder für die eine noch für die andere Ansicht,
und es mochte mithin darüber ein Jeder so denken wie es ihm
am meisten zusagte. Und nun ist es allerdings wahr , dass sich
bei Stoikern nicht selten stolze,Aeusserungen finden, die eine
anmassliche Ueberhebung, ein selbstgenügsames Vertrauen auf
die eigene Kraft auszusprechen scheinen , welches nicht blos von
der christlichen Demuth , sondern auch von heidnischer Selbst
erkenntniss und Bescheidenheit gar weit entfernt ist ; aber wir
dürfen dabei nicht übersehen , dass solche Aeusserungen doch
immer nur von dem Gott im Menschen reden , d . h. von dem ihm
inwohnenden Theil des göttlichen Wesens, und nur auf dem Be
wusstsein der wahren , höheren Natur desMenschen und der ihr
geziemenden Haltung gegen die Aussendinge beruhen . Wenn
der Stoiker dies Bewusstsein aufruft , thut er es in keinem we
sentlich andern Sinn , als in dem der christliche Lehrer die Men
schen erinnert, dass sie Gottes Kinder seien und der Geist Got
tes in ihnen wohne 3). Auch das dürfen wir nicht vergessen ,
dass bei solchen Aeusserungen immer nur von dem Weisen
die Rede ist , d. h . von demjenigen , in dem das Idealmensch
licher Vollkommenheit verwirklicht ist; ein Ideal, welches zu er
reichen dem Einzelnen selten oder nie gelingt. Dass aber in
dem Streben nach Vollkommenheit der Mensch auch wohl der
Hülfe jener höheren Wesen , die ihm freundlich gesinnt und von
1 ) 'Arbonao ua Toù Jeoữ : divinae particula aurae. Hor.Sat. II,2 ,79,
Upton zu Epiktet I, 14 , 6 . II, 8, 11. Gataker zu Antonin. II, 1 p . 58.
2) Vgl. Antonin. IX , 40 mit den Anmk. v. Gataker.
3) Aehnlich urtheilt auch Fleury , in seinem Buche Saint Paul et
Seneque, I p. 93. Vgl. auch Upton zu Epiktet I, 14, 6. II, 8, 11. 16 ,42.
EINLEITUNG 15

den Mängeln und Gebrechen der menschlichen Natur frei sind ,


bedürfe und ihrer sich getrösten könne , spricht ja der Stoiker
Balbus bei Cic. II , 66 deutlich genug aus , und die rne eigenes
seBehauptung,
ausseiner
dassman Weisheit und Tugend nur sich selbst und eigenen
Kraft verdanke, von den Göttern abern nur tdie äussern Güter zu
erbitten und zu erwarten habe , wird nich von dem Stoiker,
nike nicht
e benso wie ich in dele Ansicht als 37
sondern wider ihn von dem Akademiker aufgestellt , III , 36 ,87.
So wenig nun dieser Recht hat , wenn er diese Ansicht als die
allgemein herrschende hinstellt , (wie ich in der Anmerkung zu
jener Stelle gezeigt habe,) ebensowenig haben auch diejenigen
n defe ssieie ffürür ddieie alleinige der Stoischen Philosophie aus
n,iwelche
Recht,
geben, in deren System vielmehr nichts war, womit nicht die ganz
entgegengesetzte Ansicht sich gar wohl vertragen hätte .
Während nun die Stoische Theologie in der angegebenen
Weise die Volksreligion theils zu berichtigen und zu ergänzen
theils zu erklären und dadurch zu stützen meinte, so trat ihr
nicht weniger als der Epikureischen Irreligiosität, die in der That
wenig besser als Atheismus war, die kritische Skepsis der neue
ren Akademie entgegen , die jedeGewissheit des Wissens bestritt,
überall nur grössere oder geringere Wahrscheinlichkeit gelten
liess, und deswegen einen beständigen Kampf gegen den Dogma
tismus anderer Schulen führte . Arkesilas , der Stifter dieser
neueren Akademie , wiederholte nicht blos den schon von Sokra
tes ausgesprochenen Satz, er wisse nichts als nur dies , dass er
Nichts wisse , sondern er überbot ihn noch : auch dies, dass er
Nichts wisse, wisse er nicht, sondern meine es nur ). Als Festes
und Gewisses galt ihm und seinen Nachfolgern nur die Vernunft
und die Gesetzmässigkeit des Denkens ; aber zu einer gewissen
Erkenntniss der Dinge könne uns das Denken doch nicht ver
helfen . Alles Denken , so argumentirten sie etwa , kann nur an
einem Gegebenen vor sich gehen : gegeben aber ist uns von den
Dingen die Erfahrung, die aus sinnlichen Eindrücken entspringt:
diese Eindrücke aber sind unzuverlässig , sie sind unleugbar oft
mals falsch , und es giebt kein vollkommen sicheres Kriterium ,
die wahren von den falschen zu unterscheiden . Deswegen ist
vollkommene Gewissheit von den Dingen unmöglich : alles , was
wir erreichen können , sind nurMeinungen . Diese können wahr,
sie können aber auch falsch sein , und wir können durch alles
Prüfen und Vergleichen nicht weiter kommen , als dass wir ver
1) Cic. Acad . I, 12 ,45. — Wegen Sokrates vgl. jedoch Plat.Men .
p. 98 B .
16 EINLEITUNG .

schiedene Gradeder Wahrscheinlichkeit unterscheiden , und müs


sen uns , da uns das Wissen versagt ist , mit dem vernünftigen
Meinen und Glauben begnügen . Deswegen liebten sie auch bei
allen Gegenständen , über welche irgend eine bestimmte Ansicht
aufgestellt wurde , Gründe für die entgegengesetzte Ansicht auf
B.1 .ensichtlichen dem Weisha
zusuchen, um zu zeigen, dass es Nichts gebe, worüber sich nicht
dafür und dawider streiten lasse , und dass es dem Weisen ge
bühre , sich eines bestimmten zuversichtlichen Urtheils zu ent
halten : assensionem cohibere, B . I c . 1 . — Cicero selbst bekannte
sich zu dieser Lehre , wie er es auch in unserer Schrift I, 5 ,
10 — 12 ausspricht, und dabei zugleich seine Freiheit wahrt, bei
aller Verzichtleistung auf das Gewisse sich an dasjenige zu halten ,
was ihm jedesmal als das Wahrscheinlichste erscheine. Von
dieser Freiheit sehen wir ihn denn auch am Schlusse des dritten
Buches Gebrauch machen. Während Velleius sich mit der blos
negativen Kritik , welche Cotta gegen den Vortrag des Balbus
vorgebracht hatte , vollkommen einverstanden erklärte , sei ihm
selbst vielmehr die positive Ansicht des Balbus probabler vor
gekommen : und es ist kein Grund zu bezweifeln , dass er damit
seine wirkliche Meinung ausgesprochen habe. Denn so sehr er
auch die wissenschaftliche Schwäche des Stoischen Dogmatismus
erkennen , und so treffend ihm manche der von dem Akademiker
vorgetragenen Gegengründe erscheinen mochten , so lebendig
konnte doch in ihm der Glaube an höhere Wesen und an eine
göttliche Vorsehung und Weltregierung sein . Damit ist keines
weges gesagt, dass ihm alles Einzelne, was die Stoiker zu begrün
den versuchten , alle Arten von Göttern , die sie annahmen , und
alles , was sie von der Wirksamkeit der Götter in Erscheinungen
und Offenbarungen behaupten , in gleichem Maasse Gegenstand
des Glaubens gewesen sei. Nur das Allgemeine, das Dasein gött
licher Wesen und die göttliche Weltregierung ist es, woran er
sich hält ') ; und weil die Stoiker dies behaupteten , deswegen
scheint ibm ihre Lehre der Wahrheit näher zu kommen als die
Akademische Verneinung, die übrigens, wie Cotta ausdrücklich
genug bemerkt, nicht sowohl eine Verneinung der Religion selbst,
als nur eine Verneinung der von den Stoikern versuchten Be
gründung sein soll. Die Akademische Denkart verträgt sich sehr
gutmit einem gewissen Eklekticismus , welcher gerade auf die
sem Gebiete , wo dem Menschen die Schranken seiner Natur das
Wissen versagen , das Einzige zu sein scheint, was dem Heiden
1) Vgl. de divin . II, 72, 148.
EINLEITUNG . 17
von zugleich religiösem Sinn und denkendem Geist übrig bleiben
konnte . — Wenn übrigens Einige der Meinung sind, dass Cicero
dem Vortrage des Balbus Manches beigemischt habe , was nicht
aus Stoischen Vorgängern, sondern anderswoher genommen sei,
so kann ich diese Meinung nicht für begründet halten . Dass in
dem Systeme der Stoiker , unbeschadet der Consequenz , ver
schiedene Ansichten über die Götter und göttlichen Dinge Raum
hatten, ist schon oben bemerkt, und es lässt sich beweisen , dass
wirklich die namhaftesten Stoiker über Manches verschiedene
Ansichten gehabt haben . Deswegen ist kein hinreichender Grund,
anzunehmen , dass Cicero nicht wirklich Alles, was er den Balbus
sagen lässt, aus irgend einem Stoischen Vorgänger genommen
haben sollte.
Wer dieser Vorgänger gewesen sei, lässt sich zwar nicht
mit Gewissheit angeben ; doch manche Gründe, deren Auseinan
dersetzung nicht dieses Ortes ist , führen auf den Rhodier Posi
donius, über den die Anmerk. zu I, 3, 6 zu vergleichen ist , und
der , wie Cicero dort angiebt, sein Lehrer, ohne Zweifel aber auch
Lehrer des Balbus gewesen war , da er vom Cotta I, 44 , 123 fa
miliaris omnium nostrum genannt wird. Sein Werk ztepi 98 v
war von bedeutendem Umfange: Diogenes von Laerte führt VII ,
138 das dreizehnte Buch an, Cicero gab also nur einen kurzen
Auszug. Dass er daneben noch andere StoischeSchriften benutzt
habe, ist freilich wohlmöglich, doch aber nicht erweislich . Denn
was er aus Zeno, Kleanthes, Chrysippus, Panaetius anführt, dazu
brauchte er , wenn er auch jene allerdings früher gelesen hatte ,
doch bei der Abfassung dieser Bücher sie nicht nachzulesen ; er
konnte dies Alles auch beim Posidonius finden ; und selbst was II,
34 von der Sphaera des Posidonius gesagt wird, kann immerhin
aus diesem selbst entnommen sein . Doch weicht er allerdings in
Einzelheiten von ihm ab , z. B . über die Grösse des Mondes II,
40 , 103 , wie denn überhaupt die ganze astronomische Partie von
$ 104 an sich als selbständig gearbeitet erweist. Dass ferner
die Etymologien der Lateinischen Götternamen , II , 26 27 , eben
so wie die Beispiele aus der römischen Geschichte von ihm selbst
herrühren , vielleicht an die Stelle anderer von Posidonius ge
brauchter gesetzt sind , versteht sich von selbst.^) Uebrigens
führt er selbst I, 44 , 123 das fünfte Buch des Posidonius de
natura deorum an .
Hinsichtlich der Darstellung der Epikureischen Lehre ist
1) Vgl. de divin . II,3. 8.
2

Cic. de nat. deor.4. Aufl.


18 EINLEI
TUNG
vermuthet worden, dass Cicero sie einer Schrift des Epikureers
Phaedrus nepi Jeov entlehnt haben möge, die er sich in einem
Briefe an Atticus (XIII, 39) von diesem erbittet"); und da sich in den
zu Herculaneum aufgefundenen Ueberresten einer epikureischen
Schrift theologischen Inhaltes eine Partie findet, mit welcher das
von Cicero im ersten Buche c. 15 , 39 - 41 Vorgetragene, wenn
auch viel kürzer gefasst, doch im Wesentlichen übereinstimmt, so
gründet man darauf den Schluss , dass jene Ueberreste eben
jener Schrift des Phaedrus angehörten. 2) Es ist aber jetzt aner
kannt, dass die Herculanischen Fragmente, die späterhin in der
Herculanensium collectio altera , Neap. 1862 , tom . II. sämmtlich
bekannt gemacht worden sind , vielmehr einer Schrift des Phi
lodemus ztepi Evo Ebelas angehören . Dass aber Cicero diese be
nutzt habe, ist aus der erwähnten Uebereinstimmung einigerStellen
wenn auch sehr wahrscheinlich, doch nicht mit voller Sicherheit
zu folgern ; denn ähnliche Angaben und Urtheile, wie dort, kamen
ohne allen Zweifel in gar manchen anderen epikureischen Schrif
ten ebenfalls vor. 3)
Was endlich Cicero den Akademiker im ersten Buche ge
gen die Epikureische und im dritten gegen die Stoische Lehre
vortragen lässt, ist ohne Zweifel aus einer der vielen Schriften
des Klitomachus genommen . Es gab von diesem nicht weniger
als vierhundert Bücher , in denen er die von seinem Lehrer
Karneades nur mündlich mitgetheilten Lehren aufgezeichnet
hatte . Auf Karneades aber beruft nicht nur Cicero selbst
sich mehrmals , sondern manche der von ihm vorgetragenen
Einwendungen gegen die Stoiker stehen auch ganz ebenso
beim Sextus Empiricus im neunten Buche der Schrift gegen die
Mathematiker , d . h . gegen die Dogmatiker, und werden hier dem
Karneades zugeschrieben . Sie sind , wenn gleich zum Theil of
fenbar sophistisch , doch im Allgemeinen wohl geeignet , um zu
zeigen , was Cicero auch den Cotta aussprechen lässt , dass zwi
schen religiösem Glauben und wissenschaftlicher Erkenntniss
1) Die Hdschr. haben dort freilich neQLOOőv; indessen scheint die
Verbesserung nepi Jeñv keinem Zweifel unterworfen .
2) Unter dem Titel Phaedri Epicurei, vulgo anonymi Herculanensis,
de natura deorum fragmentum instauratum et illustratum wurde im
J. 1833 das bis dahin Bekannte von Chr. Petersen in dem Progr. Zum
Lectionsverzeichniss des Hamburg. akad .Gymnasiums herausgegeben und .
commentirt.
3) So urtheilt auch der Recens. der von Drummond und Walpole
herausgegebenen Herculanensia (Lond. 1810), im Quarterly Review vol. III
No. 5 p . 15 .
EINLEITUNG. 19

ein grosser Unterschied sei; dass der Glaube auf etwas Ande
rem als auf dialektischen Argumenten beruhe, und dass , wer
ihn durch solche begründen will, Gefahr laufe, ihn vielmehr zu
schwächen . Aber wir dürfen auch wohl annehmen , dass unter
den Alten Viele verständig genug gewesen seien , um mit Cotta
einzusehen , dass mit der Widerlegung unzureichender Ver
nunftgründe nicht auch zugleich schon die Sache selbst wider
legt sei, und dass es eine unmittelbare Gewissheit des Glau
bens gebe, unabhängig von der Stärke oder Schwäche logischer
Argumente.“).
1) A te enim philosopho rationem accipere debeo religionis, ma
ioribus etiam nulla ratione reddita credere, sagt Cotta III, 2 , 6. Es ist
nun freilich ausser allem Zweifel, dass es zu jener Zeit einem denkenden
Manne ganz unmöglich war, sich wirklich gegen alle Satzungen der
überlieferten Volksreligion so gläubig zu verhalten, als es Cotta in jener
Stelle von sich versichert, und dass Vieles, ja das Meiste davon nur aus
Politik als Mittel zu nichts weniger als religiösen Zwecken festgehalten
wurde ; aber den Denkenden jener Zeit darum allen religiösen Glauben
überhaupt absprechen zu wollen , wie man wohl gethan hat, dürfte sich
doch nicht rechtfertigen lassen . Was ist des Philosophen unwür
diger als die Götter zu leugnen ? sagt Cotta III, 17, 44 ; gewiss
meinte er es auch so. Die Berufung aber auf die von den Vorfahren
überkommene Ueberlieferung deutet im Allgemeinen auf das Bewusstsein ;
dass ein eigentliches Wissen von den göttlichen Dingen dem Menschen
nicht möglich sei, und dass mithin die Religion , die ja doch thatsächlich
überall vorhanden war, eine andere Quelle als das Wissen haben müsse.
Darum dürfen wir uns nicht wundern , wenn man auf den Gedanken kam ,
dass die Götter selbst es seien , die einstmals den Menschen etwas über
sich und ihr Verhältniss zu ihnen und zur Welt offenbart hätten , mehr
oder weniger, je nachdem jene der Offenbarung bedürftig oder empfänglich
gewesen . Dass solche ursprüngliche Offenbarung in der Folge vielfältig
gemissdeutet und verfälscht und bald durch Leichtfertigkeit bald durch
Schlechtigkeit entstellt und verunreinigt worden sei, sprang denn freilich
so sehr in die Augen, dass kein Verständiger sich dagegen verschliessen
konnte; wie weit aber nun in der Unterscheidung des Wahren von dem
Falschen , der Offenbarung von der Menschensatzung gegangen werden
könne oder müsse , was man festzuhalten , was man zu verwerfen habe,
darüber waren natürlich die Ansichten gar mannichfaltig . Es gab Gläu
bige und Freigeister in allen möglichen Abstufungen : aber dass der Frei
geist nothwendig und unbedingt auch glaubenslos gewesen sein müsse,
lässt sich doch ebensowenig behaupten , als dass der Gläubige nothwendig
Alles geglaubt habe. —- Wegen jener Berufung auf eine den Menschen
der Vorzeit gewordene Offenbarung, eine Berufung, die unzählige Male,
bald mehr bald weniger ernsthaft gemeint, bei den Alten vorkommt, darf
ich auf meine Abhandlung über das sittlich -religiöse Verhalten der Grie
chen (Greifswald 1848) S. 35 verweisen. Denn wenn ich auch dem dort
Angeführten noch viel mehr hinzufügen könnte, so kann doch auch das
Gegebene schon genügen. Es fehlt übrigens nicht an neueren bekannten
und vielgelesenen Schilderungen des religiösen Verhaltens der Denkenden
2*
20 EINLEITUNG

. Es ist jetzt noch Einiges über die Personen zu sagen ,


welche Cicero zu Sprechern der drei philosophischen Schulen
gemacht hat. Von dem Epikureer Velleius, wahrscheinlich aus
Lanuvium (s . Orelli zu I, 29, 82), ist uns wenig mehr bekannt,
als dass er im J. 664 das Volkstribunat bekleidet habe. Cicero
nennt ihn de Orat. III, 21, 78 einen familiaris des berühmten
Redners L . Licinius Crassus, selbst aber rudem in dicendi exer
citatione. Dass er für den ausgezeichnetsten Vertreter der Epi
kureischen Schule unter den Römern seiner Zeit gegolten habe,
ist eine Artigkeit, deren Wahrheit wir dahin gestellt sein lassen
müssen . Lucretius, von dem wir ein in seiner Art vortreffliches
Lehrgedicht über die Epikureische Philosophie haben, war be
deutend jünger als Velleius, lebte aber nicht mehr, als Cicero je
nes schrieb .
". Auch der Sprecher der Stoischen Schule , Q . Lucilius Bal
bus, ist uns nur aus dem bekannt, was wir bei Cicero über ihn
lesen. Ein Fragment des Ciceronischen Hortensius, bei Orelli
p . 484, lehrt uns, dass er auch in dieser Schrift als einer der
Unterredenden aufgeführt worden sei.
C . Aurelius Cotta , der Akademiker, geb. 630, also achtzehn
Jahre älter als Cicero , war einer von denen , die in Folge der
lex Varia (s. zu III, 33, 81) maiestatis angeklagt wurden. Er
ging ins Exil, kehrte aber im J. 672 mit Sulla nach Rom zurück,
wo er zum Pontificat und im J. 679 zum Consulat gelangte.
Als Consul setzte er eine lex tribunicia durch : ut tribunis plebis
liceret postea alios magistratus capere, quod lege Sullae iis erat
ademptum . Ascon . in Cornel. p. 78 Or. Nach dem Consulate
ging er nach Gallien und erwarb sich , ungewiss durch welche
Thaten, Ansprüche auf die Ehre des Triumphes, der ihm auch
zuerkannt wurde , den er jedoch nicht erlebte , sondern wenige
Tage vor dem dazu anberaumten starb . Ascon . in Pison . p . 14 .
Er wird nicht blos als ein genauer Kenner der Philosophie ,
sondern auch als Redner sehr gerühmt, und hatte schon als
Jüngling seinen mütterlichen Oheim Rutilius (s. zu III, 32, 80)
vor Gericht wacker vertheidigt. Offenbar war er in jeder Bezie
jener Zeit, die sich darin gefallen , vorzugsweise nur die Schwächen und
Irrthümer , von denen freilich Wenige frei waren , hervorzuheben , von
wirklich religiösem Sinn aber nichts wissen wollen , ganz besonders aber
die stoische Religionsphilosophie als leeres Gerede zu verspotten lieben .
Das ist sehr erklärlich. Die Urheber jener Schilderungen stehen ja auf
einem viel höheren Standpunkt, und vermögen einen religiösen Sinn, über
den sie selber weit hinaus sind, auch bei Andern nicht leicht anzuerkennen .
EINLEITUNG 21

hung ein geeigneter Repräsentant, unter dessen Person Cicero,


der sich bei der Unterredung nur die Rolle des stummen Zuhö
rers zutheilt, sich selbst darstellen konnte .
Diese drei Männer lässt Cicero einst während der Latini
schen Ferien beim Cotta , wohl in einem Landhause desselben ,
versammelt sein und ihre verschiedenen Ansichten über das
Wesen der Götter in einer Unterredung vortragen , welcher er
selbst, der sich ebenfalls zum Besuch beim Cotta eingefunden ,
als Zuhörer beigewohnt habe. Die Zeit dieser fingirten Unter
redung ist zwischen dem J. 679 , wo Cotta das Consulat beklei
dete , und 676 anzusetzen , in welchem Jahre Cicero nach länge
rer Abwesenheit in Griechenland , wo er sich besonders mit
philosophischen Studien beschäftigt hatte, worauf wohl I, 6 , 15
anspielt, wieder nach Rom zurückgekehrt war.
Vorangeschickt ist ein Zuschrift an M . Junius Brutus, den
nachherigen Mörder Caesars , einen Mann , dessen gediegene
philosophische Bildung und schriftstellerische Leistungen in der
Philosophie der um 21 Jahre ältere Cicero mehrmals mit der
grössten Achtung erwähnt. Excellens omni genere laudis , sagt
er von ihm Acad. I, 3 , 12 , sic philosophiam Latinis litteris per
sequitur, nihil ut iisdem de rebus Graecia desideret. Er bekannte
sich übrigens zu der Antiochischen Akademie , über welche die
Anmk. zu I, 3, 6 zu vergleichen ist. Von seinen Schriften ist
Nichts erhalten ; doch führt Seneca, Consol. ad Helv. c. 9 Eini
ges aus seinem Buch de Virtute, und epist. 95 aus dem B . nepi
xa Ińkovtos (de officiis) 1) an , Quintilian aber sagt X , 1, 123,
er sei in seinen philosophischen Schriften egregiusci multoque
r u tin Orator die Tuscm auch cero hat isuffe
quam in orationibus praestantior , und weiter , suffecit ponderi
rerum : scias eum sentire quae dicit. Cicero hat ihm ausser die
sen Büchern de Nátura deorum auch noch die B . de Finibus
bonorum et malorum , die Tusculanischen Disputationes, die Pa
radoxa und den Orator zugeeignet , auch das B . de claris orato
ribus, wo Brutus einer der Unterredner ist, nach ihm benannt.
Die Zeit der Abfassung unserer Schriſt ist, wenn nicht mit
voller Gewissheit , doch mit grösster Wahrscheinlichkeit zu be:
stimmen. Dass sie vor Caesars Ermordung, also vor den Iden
des März 710 geschrieben sei, erhellt unzweifelhaft aus der Art,
wie I, 4, 7 von Caesars Alleinherrschaft gesprochen wird , und
dass Cicero im Sommer des J. 709 mit ihr beschäftigt gewesen
1) Vgl. Charis. p. 83. Priscian. p. 679 Putsch. - Diomed. p. 378 führt
auch die Schrift des Brutus de Patientia an .
22 EINLEITUNG

sei, ist aus dem im Junius dieses Jahres geschriebenen ') Briefe
an Atticus, XIII, 39, 2 , zu schliessen , wo er sich von diesem
die Bücher des Phaedrus repà JEūv erbittet, wohl um auch sie
bei dieser Schrift zu benutzen . — Ueberhaupt sind die meisten
der philosophischen Werke Cicero's , von den ganz oder zum
Theil erhaltenen die Academica , de Finibus, Disputationes Tu
sculanae, de Divinatione, de Fato, de Senectute, de Officiis , de
Amicitia , und die kaum zum vierten Theil erhaltene Schr. de
universo oder Timaeus (Uebersetzung des Platonischen ), von den
bis auf wenige Fragmente verlorenen die Schrift de Consolatione,
Hortensius, de Gloria und vielleicht de Virtutibus in dem kur
zen Zeitraum vom Frühling des J. 709 bis zum Herbst 710 in
Cicero's 62. u . 63. Lebensjahre verfasst, und wenn wir uns über
eine schriftstellerische Thätigkeit solches Umfanges wundern,
so belehren uns theils die Vorreden dieser Schriften , theils die
Briefe an Atticus über die Veranlassung dazu und über die Stim
mung, in welcher sich Cicero dabei befand. Hortata est, sagt er
de N . d . I, 4 , 9, ut me ad haec conferrem , animi aegritudo, for
tunae magna et gravi commota iniuria , cuius si maiorem aliquam
levationem reperire potuissem , non ad hanc potissimum confu
gissem . Dieser harte Schicksalsschlag ist der im März 709 erfolgte
Tod der Tullia, seines Lieblingskindes, an der ermit der gröss
ten Zärtlichkeit hing , und deren Verlust ihn aufs Tiefste ver
wundete. Seine Stimmung spricht u . a. ein Brief an Atticus aus,
XII, 14, 3, geschrieben im März 709 : Nihil de moerore minuendo
scriptum ab ullo est, quod ego non legerim ; sed omnem consola
tionem vincit dolor. Quin etiam feci, quod profecto ante menemo,
ut ipse me per litteras consolarer.2) Affirmo tibi nullam conso
lationem esse talem . Totos dies scribo , non quo proficiam aliquid ;
sed tantisper impedior , non equidem satis, – vis enim urget , -
sed relaxor tamen enitorque ad animum reficiendum . Was zu
anderer Zeit ihn von seinem Schmerz hätte abziehen können ,
eine würdige und erfolgreiche öffentliche Thätigkeit, dazu war bei
der damaligen Lage des Staates keineGelegenheit : und eben diese
Lage des Staates war für einen Mann wie Cicero eine nicht gerin
gere Quelle des Schmerzes , als sein eigenes häusliches Unglück.
Bedenktman diese Umstände, so wird man wohl geneigt
1) S . J . de Gruber, Quaest. de tempore atque serie epist. Cic. Sund.
1836 . p . 26 . 27. – Ueber die bezügliche Stelle des Briefes vgl. Orelli
Onomast. Cic . II p. 218b.
2) Dies bezieht sich auf die verlorene Schrift de Consolatione, deren
Fragmente bei Orelli IV , 2 , p . 489 ff. stehen .
EINLEITUNG 23
sein , bei Beurtheilung der philosophischen Schriften Cicero's
nicht das strengste Maass anzulegen , und manche Mängel, die
sich nicht ableugnen lassen , dem von Gram und Sorgen gefol
terten und tiefgebeugten alten Manne zu Gute halten . Selbst
ein Philosoph von Profession würde in solcher Stimmung und
in so kurzer Zeit schwerlich über alle schwierigsten Probleme
der Philosophie befriedigende Werke in solcher Anzahl zu schrei
ben im Stande gewesen sein : wie viel weniger ein Mann, der, so
eifrig er auch philosophische Studien getrieben , doch eigentlich
nur ein Dilettant auf diesem Gebiete war, und den grössten und
besten Theil seines Lebens hindurch sich mit staatsmännischer
und gerichtlicher Thätigkeit im weitesten Umfange und mit glän
zender Auszeichnung beschäftigt hatte. Seine philosophischen
Schriften sind in der That wenig anders als Uebersetzungen oder
Auszüge aus Griechischen Vorgängern ') , und man darf sich
ebensowenig über manche Missverständnisse als über sonstige
Spuren von Flüchtigkeit und Unachtsamkeit verwundern, auf die
auch in den Anmerkungen zu den vorliegenden Büchern einige
Male aufmerksam gemacht worden ist, und welche corrigierlu
stigen Kritikern die willkommene Gelegenheit bieten , ihr Licht
leuchten zu lassen . Eine besonders auffallende Spur von Flüch
tigkeit ist das hesterno die, II, 29, 73, und nudius tertius, III,
7 , 18 , als ob das Gespräch auf drei Tage vertheilt sei, wogegen
der Anfang des zweiten wie der des dritten Buches uns nöthigt,
es an einem und demselben Tage begonnen und vollendet zu
denken .2) - Dergleichen Mängel dürfen uns indessen nicht
hindern , Cicero's Verdienste auch als philosophischen Schrift
stellers dankbar anzuerkennen . Er vor Allen hat die Lateinische
Sprache zur Behandlung philosophischer Gegenstände ausgebil
det: er hat mehr als Andere die Beschäftigung mit der Philoso
phie unter seinen Landsleuten befördert und erleichtert: ihm
endlich verdanken wir die Kenntniss vieler Partien der antiken
Philosophie, die uns ohne ihn gänzlich unbekannt sein würden ,
und so geringschätzig auch Dieser oder Jener heutzutage über
Cicero's philosophische Schriften zu urtheilen sich beeifert, ihre
bedeutende und für die Geschichte der Philosophie einflussreiche
Wirksamkeit wird sich doch nicht in Abrede stellen lassen.
1) Er selbst nennt sie einmal arróyoaga. Ad Attic . XII ep . 52: 'Aró
yoaga sunt: minore labore fiunt: verba tantum affero, quibus abundo.
2) Auch bei einer Vertheilung auf drei Tage würde das nudius
tertius falsch sein , da in jenem Falle der Vortrag des Balbus, auf den
es sich bezieht, am nächstvorhergegangenen , nicht am vorvorigen Tage
stattgefunden haben würde.
ERSTES BUCH .
INHALT.
Das erste Buch wird durch eine an M . Brutus gerichtete
Vorrede eröffnet, welche den Gegenstand der vorliegenden Schrift
bezeichnet, seine Wichtigkeit in theoretischer und praktischer
Beziehung andeutet, zugleich aber auch auf die grosse Verschie
denheit aufmerksam macht, welche in den Ansichten der Denker
über ihn von jeher stattgefunden habe ($ 1 – 5 ). Dann recht
fertigt Cicero sein Vorhaben, einen Gegenstand solcher Art zu
behandeln, gegen diejenigen , welchen theils seine in so spätem
Alter begonnene philosophische Schriftstellerei überhaupt, theils
besonders seine Vorliebe für die Akademische Philosophie auffiel,
und schliesst diese Rechtfertigung mit der allerdings sehr wah
ren Bemerkung, wie gerade bei der Frage über das Wesen der
Götter das Verhalten der Akademiker, die auf dogmatische Ge
wissheit verzichteten und sich mit Wahrscheinlichkeit begnügten ,
schon durch jene unendliche Verschiedenheit der Ansichten ge
rechtfertigt erscheinen müsse ( 5 14). Hieran knüpft er dann
die Erzählung von einer angeblichen Unterredung über diesen
Gegenstand zwischen Cotta , Velleius und Balbus, welcher er bei
gewohnt habe, und deren Relation eben den Inhalt der folgen
den Bücher bilden soll (8 15 — 17) , und zwar referirt er zuerst
den Vortrag des Epikureers Velleius.
Dieser Vortrag beginnt mit einigen vorläufigen Ausfällen
gegen Plato und gegen die Stoiker , deren Ansichten über die
Gottheit als Weltschöpfer und über die Göttlichkeit der Welt
selbst als ungereimt und willkürlich verspottet werden (§ 18
24 ), und wendet sich dann zu einer kritischen Musterung sämmt
licher von Thales an bis auf den Stoiker Diogenes den Babylo
nier vorgebrachten Meinungen (§ 25 - 41 )'); eineMusterung,
die freilich sowohl in der Relation dieser Meinungen als in den
1) Dass die Epikureer gewohnt waren , eine Kritik gegen andere
naturphilosophische Ansichten der Darstellung ihres eigenen Systems vor
INHALT DES ERSTEN BUCHES. 25
Gründen , die dagegen vorgebracht werden , sehr ungründlich
und unbefriedigend, dennoch aber für die Geschichte der Philo
sophie deswegen nicht ohne Werth ist, weil keine vollständigere
Zusammenstellung dieser Art aus dem Alterthum auf uns gekom
men ist. — Nach einem flüchtigen Seitenblick auf die Götterfa
beln der Dichter und die abenteuerlichen Vorstellungen einiger
ausländischer Völker ( § 42. 43) folgt nun die Darstellung der
Lehre Epikur's , als der ersten befriedigenden Lösung nach so
vielen verfehlten Versuchen .
Epikur geht aus von dem natürlichen und allgemeinen Got
tesbewusstsein , als dem einzig sichern und unzweifelhaften Be
weise für das Dasein der Götter . Eben dies Bewusstsein zeugt
auch für die Seligkeit und Unsterblichkeit der Götter , woraus
denn weiter folgt, dass sie weder selbst etwas zu schaffen haben ,
noch Andern etwas zu schaffen machen , und von keinen Affecten
wie Liebe oder Hass beunruhigt werden, und darum zwar wegen
der Erhabenheit und Vortrefflichkeit ihres Wesens Gegenstände
der Verehrung, aber nicht Gegenstände der Furcht sein können
(§ 44 . 45 ). Ueber ihre Gestalt und sonstiges Verhalten lehrt
aber ebenfalls das natürliche Bewusstsein in Verbindung mit
vernunftgemässen Folgerungen : erstens, dass die Götter mensch
liche Gestalt haben , weil Keiner sie sich unter einer andern Ge
stalt vorstellt, keine Gestalt schöner und der Götter würdiger ,
mit keiner andern endlich Vernunft verbunden ist (§ 46 . 47);
zweitens aber , dass dieselben keinen grob materiellen Körper,
gleich den irdischen und sinnlich wahrnehmbaren , haben , son
dern dass sie aus einer unendlich feineren Substanz bestehen ,
die nur gleichsam Körper und gleichsam Blutzu nennen,
und nicht durch die Sinne sondern nur durch den Geist wahr
zunehmen sei, aufwelchen beständig von den Göttern ausströ
mende Bilder unmittelbar einwirken (§ 48. 49). Durch weiteres
Nachdenken , zu welchem der Geist sich durch sie angeregt fin
det, gelangt er denn dahin , sich die Götter als selige und unsterb
liche Wesen zu denken , gemäss dem Gesetze der Isonomie oder
der gleichmässigen Vertheilung '), welches zu der Folgerung
aufzuschicken, ergiebt sich auch aus dem Hercul. Fragm . (s. die Einleit.
S . 18 ) und aus Lucret. I, 635 — 920.
1) Dies Gesetz der Isonomie finden wir nur bei C . erwähnt; Andere
gedenken seiner nicht, auch wo die Veranlassung dazu sehr nahe lag,
wie z. B . Sext. Emp. adv. math . IX , 46 . Es erinnert uns aber an das
Gesetz vom Gleichgewicht der Elemente, von dem wir bei Orig. ctr. Cels.
IV , 63 lesen : Tò ioootóolov täiv oroixelov árò rñs repovolas ylvetat
N S
26 INHALT DES ERSTE BUCHE .
nöthigt,dass,wie es eine unendlicheMenge von zerstörenden Kräf
ten giebt, es ebenso auch eine unendlicheMenge von erhaltenden
geben müsse , und dass mithin der Menge von sterblichen We
sen auch eine ebenso grosse Menge von Unsterblichen gegen
überstehen müsse , als welche nur allein die Götter sich denken
lassen ) ($ 50 ). Mit den Stoikern aber die Welt selbst für Gott
erklären oder in der Welt einen dieselbe regierenden Gott an
nehmen , heisst die Gottheit mit Last und Mühe überhäufen, was
dem Begriff der Seligkeit widerspricht ($ 51. 52). Auch bedarf
es keines göttlichen Regierers oder Schöpfers der Welt, da die
Entstehung derselben aus den Atomen durch Naturkraft erfolgt
ist, ja nicht blos Eine, sondern unzählige Welten auf diese Weise
entstanden sind , entstehen , und entstehen werden ($ 53 . 54 .).
Die Stoische Ansicht bürdet den Menschen Gebieter auf, vor
denen sie in beständiger Furcht sein müssten : sie führt zu dem
Glauben an nothwendige Schicksalsbestimmung, an Wahrsagun
gen und dgl., wogegen Epikur's Lehre die Menschen frei macht,
und ihnen zwar Verehrung aber keine Furcht vor den Göttern
einflösst ($ 55 . 56 ).
Hierauf nimmt Cotta das Wort , um die eben vorgetragene
Lehre zu bekämpfen. Er beginnt, nach einigen Artigkeiten ge
gen Velleius, mit der den Grundsätzen seiner Schule entsprechen
den Erklärung, dass er leichter das Falsche zu erkennen als das
Wahre zu ermitteln im Stande sei, und sich hinsichtlich der
vorliegenden Frage in gleichem Falle mit dem Dichter Simonides
befinde , dass ihm nämlich die Sache um so dunkler erscheine,
je länger er darüber nachdenke ($ 57 — 60 ). Davon zwar, das
Dasein der Götter zu bestreiten , sei er weit entfernt; er glaube
vielmehr selbst von Herzen daran : sollte aber an die Stelle die
o 'x' ÉTUITpenoions reovexteTv rò v, iva un ó róquos ggaoñ . Cf. Plut.
def. orac. c. 34, Heraclid . p. 444 Gal. Diese Lehre war gewiss älter als
Epikur, vid . Ps. Arist. v . de mundo c. 5 ., und ihr steht seine Isonomie
offenbar weit näher, als dem Platonischen Satze, Phaed. p. 70E: yiyvetai
πάντα ούκ άλλοθεν ή εκ των εναντίων τα ενάντια, mit dem sie von
Wyttenbach in d. Disputat. vor Platons Phaed . p . XXXVII verglichen ist.
1) Die umgekehrte Stellung der beiden Sätze bei Cicero hat das
Missverständniss veranlasst, als ob die Götter als die erhaltenden Kräfte
bezeichnet werden sollten , was natürlich der Epikureischen Ansicht ge
radezu widersprechen würde , weshalb denn auch Zeller, Philos. d. Gr.
III, 1 p. 398 not. 3 ., den Satz von den erhaltenden Kräften als einen
ungehörigen Zusatz Cicero's ansieht. Aber Cicero hat in der That nur,
nachdem er zuerst den Gegensatz von Sterblichen und Unsterblichen
hingestellt, dann auch den Gegensatz der zerstörenden und erhaltenden
Kräfte nachgetragen, welcher eben jenem ersteren zu Grunde liegt.
INHALT DES ERSTEN BUCHES. 27
ses Glaubens eine auf Beweisgründen ruhende Erkenntniss ge
setzt werden, so könne er die von Velleius angeführten Gründe
nicht als beweisend gelten lassen . Denn was dieser behaupte,
dass alle Menschen an Götter glauben , das sei weder ein Beweis
für die Wahrheit, noch als Thatsache richtig (8 61- 64). Eben
sowenig befriedige ihn , was über Wesen und Beschaffenheit der
Götter gesagt sei. Die Lehre von den Atomen , als den Urbe
standtheilen aller Dinge, seiungereimt und unhaltbar ; aber auch
wenn man sie gelten lasse, und also auch die Götter als aus Ato
men entstanden denke , so sei damit ihre Ewigkeit nicht verein
bar ($ 65 – 68). Um nun aber doch diese behaupten zu kön
nen , mache es Epikur , wie auch sonst oft , wenn er den Conse
quenzen seiner Sätze ausweichen wolle : er nehme seine Zuflucht
zu andern willkürlichen und unbegreiflichen Behauptungen . Die
Götter, sage er , sind nicht körperliche, sondern nur gleich
sam körperlicheWesen. ) DieseGleichsamkörperlich
keit sei aber ein Wort ohne Sinn , wobei sich nichts denken lasse,
und wobei auch Epikur selbst und die Seinigen sich nichts den
ken (8 69 – 75 ). Lasse man sich aber auch diese Gleichsam
körperlichkeit gefallen , so stehe es doch nicht weniger schlecht
um die Behauptung von der menschlichen Gestalt der Götter .
Die Gründe , mit welchen die Epikureer diese beweisen wollten ,
werden nun nach der Reihe widerlegt, und namentlich wird
die Behauptung, dass Keiner sich die Götter unter einer andern
Gestalt vorstelle, als factisch unrichtig zurückgewiesen , da Manche
sich dieselben auch unter Thiergestalten vorstellten (8 76 – 82).
Es sei aber überhaupt eines Philosophen unwürdig , sich auf
dergleichen Vorstellungen zu berufen . Mit demselben Rechte
würde man auch behaupten können , dass die Götter diejenigen
Namen trügen , mit denen man sie herkömmlich benenne, was
sich sogleich als ungereimt erweise , da dieselben Götter bei ver
schiedenen Völkern auch verschieden benannt würden. ) Wenn
1) Dass Cotta so redet, als habe Epikur die feinere Leiblichkeit,
die Gleichsamkörperlichkeit der Götter nur angenommen um daraus ihre
Unsterblichkeit zu erklären , ist gewiss entweder Missverständniss oder
absichtliche Verdrehung. Die Unsterblichkeit konnte nach Epikur nur
durch das Gesetz der Isonomie erklärt werden ; daneben mochte er denn
behaupten , dass die feinere Körperlichkeit der Götter auch an sich schon
weniger leicht der Auflösung und Zerstörung unterläge, als die gröberen
Körper anderer Dinge. - Ueber eine andere Verdrehung, als habe Epikur
die Unsterblichkeit aus der unendlichen Menge der Atome erklärt, s. die
Anm . zu c . 39, 109.
2) Was Epikur hierauf hätte antworten können liegt so nahe, dass
28 INHALT DES ERSTEN BUCHES .
nun den Göttern weder die menschliche Gestalt beigelegt werden
dürfe , wie es erwiesen sei , noch irgend eine andere , was Epi
kur selbst nicht wolle, so wäre es nicht zuviel gewagt, auch ihro
Existenz ganz und gar in Abrede zu stellen , was aber die Epi
kureer doch nicht wagen , und zwar aus Furcht, nicht blos vor
den Leuten , sondern wohl auch vor den Göttern selbst ($ 83
86 ). Wenn aber behauptet werde, dass nur mit menschlicher
Gestalt Vernunft vereinigt sein könne, weil die Erfahrung sie uns
überall nur in dieser Gestalt zeige, so sei es ganz unphiloso
phisch , zu behaupten , dass , was man nicht erfahrungsmässig
kenne, auch überhaupt nicht sei (8 87. 88 ). Uebrigens hätte
Epikur eigentlich sagen sollen, nicht, die Götter hätten mensch
liche, sondern umgekehrt, die Menschen hätten göttliche Gestalt,
da die Götter, weil ewig, vor den Menschen dagewesen seien.")
Es müsse also angenommen werden , dass bei der Entstehung
des Menschengeschlechts der Zufall , der die Atome zusammen
führte, so wunderbar gespielt habe , dass Menschen den Göttern
ähnlich entstanden seien : wogegen denn mit Gründen zu streiten
gar nicht der Mühe werth sei ($ 89. 90). Ferner aber würde
offenbar die Menschengestalt den Göttern ganz unnütz sein , da
die Bedürfnisse und Verrichtungen , zu welchen dem Menschen
die Glieder und Organe des Körpers dienen , bei jenen gar nicht
stattfinden (§ 91 - 94). Und wenn nun dennoch auf der Men
ein denkender Leser es wohl von selbst finden wird : für andere es nach
zuweisen scheint mir nicht derMühe werth ; indessen will ich doch auf
den Brief an Herodot bei Diog. L. X , 75 . 76 aufmerksam machen.
1) Der Akademiker nimmt hier ewig (aeterni) in dem Sinne, dass
es nicht blos endlos sondern auch anfangslos bedeute. Epikur hat
aber nur von der Endlosigkeit und Unvergänglichkeit der Götter geredet,
die ja auch der Volksglaube annahm , obgleich er die Götter nicht als
anfangslose sondern als gewordene Wesen dachte. Um ihre Unvergäng
lichkeit, wenn auch nicht eigentlich zu beweisen , doch wenigstens als
möglich und glaublich darzuthun, berief Epikur sich auf das Gesetz der
Isonomie, welches unsterbliche Wesen den sterblichen gegenüber verlangte,
Waren aber die Götter nicht anfangslos, so nöthigte ihn auch nichts zu
der Annahme, dass sie früher dagewesen seien als dasMenschengeschlecht.
Uebrigens lag ja auch in dem Ausspruch , dass die Götter menschliche
Gestalt hätten, gar nicht dies, dass ihre Gestalt der menschlichen nach
gebildet, sondern nur dass sie dermenschlichen ähnlich sei. Diese Aehn
lichkeit behauptete er als Thatsache des allgemeinen Bewusstseins in
Folge der durch die von den Göttern ausströmenden Bilder entstandenen
noólnyus , und fügte nur daneben auch noch andere Gründe dafür an .
Und wenn seine Gegner diese Aehnlichkeit als ein wunderbares Spiel
des Zufalls betrachteten, so konnte er sich das immerhin gefallen lassen .
da ihm ja nicht zugemuthet werden konnte , eine Erklärung über das
Warum zu geben , sobald die Thatsache selbst einmal fest stand .
INHALT DES ERSTEN BUCHES . 29
schengestalt bestanden werde, weil ohne diese die Götter nicht
vernünftig , also auch nicht selig gedachtwerden könnten , so sei
dagegen zu wiederholen, dass es thöricht sei zu behaupten , dass
Vernunft nur mit menschlicher Gestalt verbunden sein könne,
weil man sie nie mit einer andern verbunden gesehen habe, und
dagegen nicht einzusehen , wie abgeschmackt man den Göttern
Glieder und Organe andichte , die keinen Zweck und Nutzen für sie
haben könnten , da Epikur sie ja gänzlich unthätig sein lasse ;
eine Ansicht übrigens , die die Götter gerade dessen entkleide ,
ohne welches in Wahrheit keine Seligkeit gedacht werden könne
(§ 95 — 102). Doch zugegeben , die Götter haben menschliche
Gestalt : wo wohnen sie denn ? verändern sie ihren Ort, und wa
rum ? haben sie irgend welche Triebe ? gebrauchen sie zu irgend
etwas ihre Vernunft ? endlich mit welchem Rechte heissen sie
ewig und selig ? — Die Epikureer wissen auf alle diese Fragen
nichts anders zu antworten , als dass sie von Bildern reden , die
von den Göttern zu uns strömen , und indem sie , nicht von den
Sinnen , sondern vom Geiste aufgefasst werden , in diesem die
Vorstellung eines seligen und ewigen Wesens bewirken (§ 103
- 105 ). Dergleichen Bilder aber , die lediglich der Vorstellung
angehören , nennt man mit Recht vielmehr Träume und Hirn
gespinste, und jene ganze Theorie ist ein abgeschmacktes Gerede
( § 106 - 108 ). Wenn aber die Unsterblichkeit der Götter aus dem
Gesetz der Isonomie folgen solle , so würde mit gleichem Rechte
eben daraus auch gefolgert werden können , dass es unsterbliche
Menschen geben müsse, weil es sterbliche giebt, und im Wasser
lebende, weil es aufdem Lande lebende giebt. ") Endlich , wie jene
Bilder ausden Atomen entstehen können , bleibt unerklärt, und die
unsterblichen Götter sind also auf diesem Wege durchaus uner
weislich (§ 109. 110). — Nichtbesser steht es um die göttliche Se
ligkeit. Denn diese kann ohne Tugend nicht bestehen , Tugend
aber ohne Thätigkeit ist undenkbar. Setzt man abermit den Epi
kureern die Seligkeit in sinnlicheGenüsse , so sind ja auch derglei
chen bei jenen Göttern nicht denkbar (8 111. 112). Es bleibt
also nur die Schmerzlosigkeit übrig und das Bewusstsein ewigen ,
unaufhörlichen Wohlseins. Aber auch selbst darum steht es
misslich . Denn man begreift nicht, wie die Götter bei dem be
1) Darauf würde Epikur antworten können , der Begriff Mensch
sei ein nur aus der Erfahrung abgezogener, und schliesse als solcher
nothwendig die Unsterblichkeit und das Leben im Wasser aus. Unsterb
liche, im Wasser lebende Wesen könnten, auch wenn sie etwaAehnlichkeit
mit Menschen hätten , doch eben deswegen nichtmehr Menschen heissen ,
30 INHALT DES ERSTEN BUCHES .
ständigen Strom der auf sie eindringenden und (zu Bildern ge
staltet) wieder von ihnen ausfliessenden Atome die Gewissheit
haben können , niemals vernichtet zu werden . Also ist der Epi
kureische Gott ebensowenig selig als ewig. Wenn nun Epikur
dennoch von Frömmigkeit und Verehrung der Götter redet , so
sind das eben nur Redensarten ohne Wahrheit : denn Verehrung
vor solchen Göttern kann Niemand hegen (§ 113 – 116 ). Und
wenn er sich rühmt, die Menschen vom Aberglauben frei zu
machen , so ist das freilich sehr leicht, wenn man zugleich den
Glauben an die Götter im Wesentlichen aufhebt ; und denselbeni
Ruhm können sich alle Gottesleugner züeignen (8 117 - 119). .
- Auch Demokrit, von dem Epikur das Meiste entlehnt hat,
befriedigt nicht in seiner Lehre von den Göttern , obgleich er
ihnen doch wenigstens eine wohlthätige oder schädliche Einwir
kung auf die Menschen zuschreibt: Epikur aber vernichtet ge
radezu alle Religion , und Posidonius hat wohl Recht, wenn er
sagt , dass Epikur in der That gar nicht an die Götter glaube,
sondern diesen Glauben nur vorgebe, um keinen Unwillen gegen
sich zu erregen ($ 120 — 124 ).
Dies ist der Inhalt des ersten Buches : über die von dem
Akademiker gegen Epikurs Theologie geübte Kritik habe ich zwar
ein Paar Anmerkungen schon unter den Text gesetzt; doch
scheint es nicht überflüssig , sie hier noch etwas genauer zu
prüfen . Wer nur einigermaassen mit der Geschichte der alten
Philosophie und der Kämpfe der verschiedenen Schulen bekannt
ist , der weiss auch , dass hier nicht immer mit ganz redlichen
Waffen gestritten wurde , sondern vielfältig auch Verdrehung,
Entstellung und unberechtigte Consequenzmacherei aus den
Sätzen der Gegner vorkam . Daran fehlt es denn auch in dem
Vortrage Cotta's nicht. Den Vorwurf freilich , dass Epikur's
Theologie alle Religion, die wirklich so zu heissen verdiente,
interakound
untergrabe und vernichte
vernichte , misse
müssen wir als gegründet anerkennen ,
und wenn Epikur dennoch von frommer Verehrung der Götter
wegen der Vortrefflichkeit ihres Wesens redete , so kann man
allerdings bezweifeln , ob es ihm wirklich Ernst damit gewesen
sei. Soviel sich aus dem , was von seinen oder seiner Anhänger
Schriften übrig ist, erkennen lässt, beschränkte sich der Begriff
der sigépela lediglich auf den Glauben an die Unsterblichkeit
und vollkommene Seligkeit der Götter, und die Verwerfung aller
solcher Vorstellungen, welche damit nicht vereinbar wären , wo
hin denn nicht blos die mythologischen Fabeln und viele ver
kehrte und widerspruchsvolle Meinungen des grossen Haufens
INHALT DES ERSTEN BUCHES. 31
gehörten, sondern auch die Lehren anderer Philosophen, welche
den Göttern die Regierung der Welt und die Fürsorge für die
irdischen und menschlichen Dinge zuschrieben : denn damit,
meinte Epikur, würde den Göttern ein so mübevolles, beschwer
liches und verdriessliches Geschäft aufgebürdet, dass ihre Selig
keit unmöglich dabei bestehen könnte . Wenn sich die Epikureer
den herkömmlichen Cultusgebräuchen nicht ganz entzogen , so
thaten sie diesmeistens wohl nur um kein Aergerniss zu geben ,
was ihnen vielleicht hätte gefährlich werden können (Plutarch .
non posse suav. vivi etc. c. 21) ; ja selbst Priesterämter zu be
kleiden verschmähten sie nicht (Lucian conviv . s . Lapith . c. 9 ,
und dass Manche, so freigeisterisch sie in der Theorie waren ,
doch praktisch höchst abergläubisch gewesen seien , wie uns Ci
cero c. 30, 85 versichert, ist gar nicht unglaublich . Dergleichen
Widersprüche zwischen Theorie und Praxis hat es auf diesem
Gebiete zu allen Zeiten gegeben . ') — Der andere Vorwurf aber,
den man dem Epikur machte , er glaube in der That auch nicht
einmal an das Dasein der Götter, darf, so scheinbar er auch sein
mag , doch wohl als unbegründet zurückgewiesen werden . Das
freilich ist gewiss , in seiner atomistischen Physik war für die
Götter kein Platz , und hätte er sich begnügt, nur die Entstehung
der Welt und die Naturerscheinungen erklären zu wollen, so konn
te oder musste er die Götter mit Stillschweigen übergehen , wie
er ihrer denn auch wirklich in dem Briefe an Herodotus, bei
Diog . L . X , 45 ff., der einen kurzen Abriss seiner Physik enthält,
gar nicht gedenkt, und nur am Schluss den Gedanken an eine
Regierung der Welt durch selige und unsterbliche Wesen als un
zulässig bezeichnet. Aber er wollte auch die psychologischen
Erscheinungen , die Phänomene des Geistes erklären , und da er
nun den Glauben an Gotter als eine κοινή έννοια oder πρόληψις
(s. zu c. 16 , 43), d. h. als eine allgemein verbreitete und, wie es
schien , natürlich gegebene Vorstellung vorfand , so musste er
auch hierauf eingehen. Sein System aber erkannte leere und
rein subjective Phantasiegebilde gar nicht an : jede Vorstellung
der Seele musste von Aussen her in sie gekommen sein und
1) Vom Epikur selbst dürfen wir zuversichtlich annehmen , dass
trotz aller Lossagung von der Religion in seiner philosophischen Specu
lation dennoch seinem Herzen ein religiöser Zug nicht gefehlt habe, wo
von manche Zeugnisse theils in Briefen theils anderswo sich finden ;
ja auch seine letztwillige Anordnung wegen der évaylouato (Diog. L.
X , 18) zeigt wohl, wie er seinen philosophischen Lehren doch nicht so
unbedingt vertraut habe, um die einmal herkömmlichen Religionsgebräuche
ganz unstatthaft zu finden . Vgl. auch Gr. Alterth . II 3, S. 582.
32 INHALT DES ERSTEN BUCHES .
zwar so , dass Atomengebilde entweder mittelbar, durch die Sin
neswerkzeuge, oder unmittelbar und ohne Vermittelung der Sinne
die Seele afficirten . Also konnte er auch die Vorstellung von
Göttern nicht für ein leeres Spiel der Phantasie erklären ; es
mussten auch sie durch Atomengebilde , die die Seele afficirten ,
bewirkt sein , und da pun offenbar die Götter nicht mit den kör
perlichen Sinnen wahrgenommen werden , so musste die Seele
selbst unmittelbar durch jene Bilder afficirt werden . Diese aber
etwa nur für zufällig entstandene Atomgebilde zu erklären -
dergleichen es allerdings auch gab '), - hinderte ihn ihre immer
gleichmässige ununterbrochene Wiederholung , die sich nur er
klären liess, wenn sie von einem wirklich vorhandenen Gegen
stande ausgingen. Folglich musste es wirklich Götter geben.
Und da nun ferner die xouvÝ Ěvvola die Götter als selig und un
sterblich vorstellte, und diese Vorstellung sich durch das Gesetz
der Isonomie rechtfertigen liess, so mussten sie auch wirklich so
sein . Weil sie aber nicht nur durch ihre Unsterblichkeit von allen
übrigen Wesen in der Welt verschieden waren, sondern auch ihrer
Seligkeit wegen unmöglich etwas mit der Welt und den Mühen
und Sorgen um weltliche Dinge zu schaffen haben durften , so
war es auch ganz consequent, wenn ihnen ein ganz abgesonder
ter Sitz in den Intermundien (s. zu c . 8 , 18) angewiesen wurde.
Ueber ihre Lebensweise in diesen Intermundien aber hat sich
Epikur wahrscheinlich nicht näher ausgelassen, sondern sich be
goügt ihnen den ungetrübten Genuss der höchsten Seligkeit zu
zuschreiben , ohne speciellere Angaben über ihr Thun und Trei
ben , weil er wohl verständig genug war , um einzusehen , dass
es unmöglich sei darüber etwas zu wissen , und dass es mithin
Jedem überlassen bleiben müsse, es sich vorzustellen wie es ihm
am meisten probabel erscheine , unter der Voraussetzung , wie
sich versteht, dass es der Seligkeit und Unsterblichkeit nicht
widerspreche. Seine Gegner spotteten zunächst über die von ihm
behauptete Gleichsamkörperlichkeit der Götter, die doch in Wahr
heit diesen Spott nicht verdiente (s. d. Anmk. zu c. 18, 49). Die
Menschenähnlichkeit der göttlichen Leiber, die Epikur aus den
von Velleius angedeuteten Gründen annahm , erklärten sie na
mentlich auch deswegen für lächerlich, weil den Göttern ja doch
bei der gänzlichen Ruhe und Unthätigkeit ihres Lebens die Organe
und Glieder desmenschenähnlichen Leibes von gar keinem Nutzen
sein könnten : als ob Epikur unter der Ruhe und Unthätigkeit
1) S . Lucret. IV , 130 ff.
INHALT DES ERSTEN BUCHES . 33
wirklich ein absolutes völlig unbewegtes Nichtsthun (S. 67. 102),
und nicht vielmehr nur Freiheit von allem , was Arbeit und Mühsal
heissen könne, verstanden hätte, wobei sich denn immerhin ein
in Freuden und Genüssen , nur von anderer und feinerer Art als
die irdischen und menschlichen (8 111. 112) , geführtes Leben
denken liess , auch Tugenden nicht fehlen konnten , wenn auch
freilich nicht gerade dieselben , wie die irdischen und mensch
lichen Verhältnisse sie fordern, sondern andere, den Bedingungen
des göttlichen Daseins entsprechende. Wenn ferner die Gegner
darüber spotteten , dass Epikur männliche und weibliche Götter
statuirte , womit denn natürlich auch wohl geschlechtliche Ver
mischungen und Zeugungen verbunden sein müssten '), anderswo
aber darüber , dass nach ihm die Götter sich alle untereinander
gleich und deswegen ausser Stande sein müssten sich von ein
ander zu unterscheiden ($ 80 . 84 ), so ist wohl klar, dass Beides
einander widerspreche und also nothwendig einsvon beiden falsch
sein müsse. Die Wahrheit , denke ich , wird wohl diese sein :
Epikur lehrte , dass durch die Bilder , welche von den Göttern
aus in die Seele der Menschen dringen , nur eine allgemeine Vor
stellung von menschenähnlichen Göttern, nicht aber von einzeln
unterscheidbaren göttlichen Persönlichkeiten bewirktwürde, wo
raus denn aber doch keineswegs folgte , dass solche auch gar
nicht wirklich existirten : und wenn er von geschlechtlichen und
andern Unterschieden unter den Göttern sprach , so wird er diese
nur als nicht unmöglich und undenkbar zugegeben , sicherlich
aber wohl nicht als gewiss behauptet haben . Was endlich Cotta
($ 82 u. 100) dem Velleius vorhält , dass ihm doch diese oder
jene Gottheit immer unter bestimmter Gestalt und mit bestimm
ten Attributen vorschwebe , würde dieser sehr leicht haben zu
rückweisen können durch die Entgegnung , dass ihm allerdings
wohl dergleichen vorschwebe, aber nur in Folge des täglichen
Anblicks von Statuen oder Gemälden , die man für Abbildungen
von Göttern ausgebe, die er selbst aber weit entfernt sei, für et
was anders als für Phantasiegebilde zu halten , die keinen An
spruch darauf hätten für wahr zu gelten .
1) Aehnliche Bedenken, wie sie von Cotta gegen die leibliche Be
schaffenheit der Götter Epikurs vorgebracht werden , haben vor Zeiten
diesem und jenem christlichen Theologen gegen die Leiblichkeit der vom
Tode auferstandenen Menschen sich aufgedrängt. Darüber, und wie man
sich damit abgefunden habe, mag , wen dergleichen interessirt , Strauss'
christl. Glaubenslehre, Th . IÍ Abschn. III c. 1 $ 103 nachlesen.
Cic . de nat. deor. 4. Aufl.
DE NATURA DEORUM

1 Quum multae res in philosophia nequaquam satis adhuc


1 explicatae sint, tum perdifficilis , Brute , (quod tu minime igno
ras ,) et perobscura quaestio est de natura deorum , quae et ad
agnitionem animi pulcherrima est et ad moderandam religionem
necessaria. De qua tam variae sunt doctissimorum hominum
tamque discrepantes sententiae, ut magno argumento esse de
beat, causam et principium philosophiae esse inscientiam , pru
denterque Academicos a rebus incertis assensionem cohibuisse.
Quid est enim temeritate turpius ? aut quid tam temerarium
tamque indignum sapientis gravitate atque constantia , quam aut
falsum sentire, aut, quod non satis explorate perceptum sit et
2 cognitum , sine ulla dubitationedefendere ? Velutin hac quaestione
plerique , quod maxime verisimile est et quo omnes duce natura
venimus, deos esse dixerunt: dubitare se Protagoras: nullos esse
omnino Diagoras Melius et Theodorus Cyrenaicus putaverunt.
Qui vero deos esse dixerunt, tanta sunt in varietate ac dissensio
1. 1. ad agnitionem animi. Durch des Nichtwissens, durch wel
die Erkenntniss der Gottheit ge- ches man zum Philosophiren über
winnt der Geist auch an Erkennt sie gereizt und zur Aufstellung so
niss seiner selbst, insofern auch er mannichfaltiger Meinungen geführt
göttlichen Wesens theilhaftig ist : worden ist,kann als ein gewichtiger
Gotteserkenntniss und Selbster- Beleg, magnum argumentum , für
kenntniss stehen in Wechselwir den Satz dienen , dass das Philoso
kung. Vgl. Tuscul. V , 25 , 70 : Ut phiren , d. h . das Streben nach Wis
ipsa se mens agnoscat coniunctam - sen , seinen Grund und Ausgangs
que cum divina mente se sentiat. punkt überall in dem Nichtwissen
de Legg. I, 8, 25 : ut is agnoscat habe. Arist.Met. 1, 2: Sià tò peú
deum , qui unde ortus sit quasi re- yelv TÌv äyvolavépiloooonoav.
cordetur ac noscat. Darum ist auch În gleichem Sinne heisst bei Plato,
die Beschäftigung mit diesem Ge- Theaet. p. 155 D., das Javuáceiv,
genstande ad agnitionem animipul- d. h. die Verwunderung über das
cherrima, weil sie hinsichtlich der Unerklärte und der daraus entsprin
Selbsterkenntniss zu einem schönen gende Drang nach Verständniss, die
und würdigen Ergebniss führt. åox pilooogias. — Für debeat
admoderandam religionem . Weil im Vorher. ist wohl debeant zu
erst die richtige Gotteserkenntniss lesen , oder es ist id nach ut ein
unserer Gottesverehrung die rechte zuschieben. - Vor principium fehlt
Haltung und Richtung giebt. Vgl. in einigen Hdschr. die copula, an
unten II , 61, 153. dere haben dafür id est und man
De qua. Das Relativ nicht auf chen Kritikern ist deswegen das
das nächstvorhergehendereligionem principium selbst als ein unechter
sondern auf das entferntere quae- Zusatz vorgekommen .
stio zu beziehen . Academicos. S. d . Einl. S. 15 .
inscientiam . DieMannichfaltigkeit 2. Protagoras, Diagoras, Theo
und der Widerspruch in den Mei- dorus: S. unten zu c. 12, 29 u .
nungen über die Gottheit, eine Folge 23, 63.
LIB . I. CAP. 1. 2. 35
ne , ut eorum molestum sit dinumerare sententias. Nam et de
figuris deorum et de locis atque sedibus et actione vitae multa
dicuntur, deque iis summa philosophorum dissensione certatur :
quod vero maxime rem causamque continet , utrum nihil agant,
nihilmoliantur, omni curatione et administratione rerum vacent,
an contra ab iis et a principio omnia facta et constituta sint et
ad infinitum tempus regantur atquemoveantur, in primis magna
dissensio est, eaque nisi diiudicatur , in summo errore necesse
est homines atque in maximarum rerum ignoratione versari.
Sunt enim philosophi et fuerunt, qui omnino nullam habere 2
censerent humanarum rerum procurationem deos. Quorum si 3
vera sententia est, quae potest esse pietas , quae sanctitas, quae
religio ? Haec enim omnia pure atque caste tribuenda deorum
numini ita sunt, si animadvertuntur ab iis et si est aliquid a
deis immortalibus hominum generi tributum . Sin autem dei nec
possunt nos iuvare nec volunt, nec omnino curant , nec quid
agamus animadvertunt, nec est quod ab iis ad hominum vitam
permanare possit, quid est , quod ullos deis immortalibus cultus,
honores , preces adhibeamus ? In specie autem fictae simulatio
rem causamque. Der allgemeine Pietas, reine, pflichtgetreue Gesin
Ausdruck wird durch den specielle- nung gegen diejenigen ,mit welchen
ren näher bestimmt: denn causa est man in näherer Beziehung steht, wie
res quae habet in se controversiam Verwandte, Amtsgenossen , Vorge
(de Invent. I, 6 , 8.) setzte : namentlich also auch gegen
in summo errore. Nicht immer die Götter als Obwalter und Wohl
ist error ganz mit Irrthum gleich- thäter. Unten c. 41, 116 wird sie als
bedeutend : oft ist es nur die Unsi- iustitia adversum deos bezeichnet;
cherheit unddas unstäte Schwanken , und ebendort sanctitas als scientia
was aus der Ungewissheit über das colendorum deorum , worüber das
Rechte entspringt. So wird errare Nähere in d . Anmk. Eigentlich ist
oft ganz als synonym von ambigere, sanctitas das vorwurfsfreie , unbe
incertum esse gebraucht, wie Plaut. scholtene Verhalten gegen die Göt
Mil. gl. III, I, 197: erro, quam in - ter: religio aber die Anerkennung
sistas viam . Senec. Agam . 144: ubi der Verpflichtung , wodurchman sich
animus errat, optimum est casum gebunden fühlt, (quae superioris
sequi. Vgl. de Offic, II, 2, 7 : non cuiusdam naturae, quam divinam
sumus ii, quorum vagetur animus vocant, curam caerimoniamqueaf
errore, nec habeatunquam quid se- fert. De Invent. II, 53, 161.) wel
quatur . und unten II, 1, 2 : non er- chem Begriff die Ableitung von re
rantem et vagam , sed stabilem cer ligare bei Lactant. IV , 28 besser zu
tamque sententiam . entsprechen scheint, als die von Ci
2. 3. Wenn die Götter sich gar cero II, 28, 72 vorgetragene von re
nicht um die menschlichen Angele- legere.
genheiten bekümmern , so können fictae simulationis. Freilich ver
auch die Menschen gegen die Götter steht es sich von der simulatio von
nicht die durch pietas, sanctitas, re- selbst, dass sie ficta sei: daskonnte
ligio bezeichnete Gesinnung hegen . aber den Cic. nicht hindern , diesen
3*
36 DE NATURA DEORUM
nis , sicut reliquae virtutes , item pietas inesse non potest , cum
qua simul sanctitatem et religionem tolli necesse est , quibus
4 sublatis perturbatio vitae sequitur et magna confusio ; atque haud
scio an pietate adversus deos sublata fides etiam et societas ge
neris humani et una excellentissima virtus, iustitia, tollatur. Sunt
autem alii philosophi, et ii quidem magni atque nobiles, qui
deorum mente atque ratione omnem mundum administrari et
regi censeant, neque vero id solum , sed etiam ab isdem homi
num vitae consuli et provideri: nam et fruges et reliqua quae
terra pariat, et tempestates ac temporum varietates caelique mu
tationes, quibus omnia quae terra gignat maturata pubescant, a
dis immortalibus tribui generi humano putant, multaque, quae
dicentur in his libris, colligunt, quae talia sunt, ut ea ipsa dei im
mortales ad usum hominum fabricati paene videantur. Contra
Begriff durch das Epitheton noch richtigeren Platz vor dem vorauf
besonders hervorzuheben . - Ve- gehenden quibus sublatis haben
brigens geht diese Aeusserung na- würde. Jetzt erscheint es nur als
mentlich auf die Epikureer, die, ob eine nachträgliche Erinnerung, um
gleich sie in der That an keine welt die vorhergehende allgemein gehal
regierende Gottheit glaubten, doch tene Behauptung noch besonders
einen Schein von Gottesverehrung in Beziehung auf das gesellschaft
zu behaupten suchten . S . unten c. liche Zusammenleben der Menschen
17, 45 . 21, 56 und dagegen 41, 115 . geltend zu machen . Eine heroische
4 . fides - - iustitia tollatur. Kritik könnte wohl versucht wer
Den Zusammenhang der Pflichten den , den ganzen Zusatz als unech
gegen die Menschen mit den Pflich tes Einschiebsel zu verwerfen ; eine
ten gegen die Gottheit deutet Cicero glimpflichere namque für atque
auch II, 61, 153 an : an den innern zu schreiben.
Grund dieses Zusammenhanges aber quae dicentur in his libris. S . II,
erinnert eine von Lactantius V, 8 62, 156 ff. - Ea ipsa : Diese Dinge
aus dem B. de Legibus angeführte gerade so wie sie da sind.
Stelle : dass nämlich das Bewusst fabricati paene d.i. paene fabrili
sein , wie alle Menschen gleichen opera effecisse : mit künstlerischer
(göttlichen ) Geschlechtes und auf Planmässigkeit und Sorgfalt.
gleiche Weise Gegenstand der gött Carneades aus Cyrene , um die
lichen Liebe und Fürsorge seien , Mitte des zweiten Jahrh . v. Chr.
auch unter ihnen selbst gegensei Haupt der Akademie zu Athen . Seine
tige Zuneigung und Liebe bewir- negative Kritik , über welche es hier
ken müsse. So wird auch de offic. genügen kann , auf c. 5 , 11 zu ver
III, 6 , 28 die Nichtachtung der weisen , bekämpfte vorzüglich die
Pflichten gegen die Mitmenschen Stoiker und deren Haupt, Chrysip
als ein Beweis von Impietät ge pus. Vgl. auch II, 65 , 162 u. III,
gen die Götter dargestellt. Vgl. 17, 44 . Schriften von ihm gab es
auch unten II, 61, 153 u. Gataker nicht, ausser einigen Briefen an
zu Antonin . II, 1. p. 48 . Nicht den Kappadokischen König Ariara
ohne Grund übrigens hat Wytten- thes ; aber seine Vorträge waren
bach bemerkt, dass dieser mit atque von Zuhörern aufgezeichnet und
haud scio beginnende Satz seinen herausgegeben .
LIB . I. CAP. 2. 3. 37
quos Carneades ita multa disseruit, ut excitaret homines non so
cordes ad veri investigandi cupiditatem . Res enim nulla est, de 5
qua tanto opere non solum indocti , sed etiam docti dissentiant,
quorum opiniones quum tam variae sint' tamque inter se dissi
dentes, alterum fieri profecto potest, ut earum nulla, alterum certe
non potest, ut plus una vera sit. Qua quidem in causa et bene- 3
volos obiurgatores placare et invidos vituperatores confutare
possumus, ut alteros reprehendisse poeniteat , alteri didicisse se
gaudeant. Nam qui admonent amice , docendi sunt; qui inimice
insectantur , repellendi. Multum autem fluxisse video de libris
nostris, quos compluris brevi tempore edidimus, variumque ser
monem partim admirantium , unde hoc philosophandi nobis su
bito studium extitisset, partim , quid quaque de re certihaberemus,
scire cupientium . Multis etiam sensi mirabile videri eam nobis
potissimum probatam esse philosophiam , quae lucem eriperet et
quasi noctem quandam rebus offunderet, desertaeque disciplinae
et iam pridem relictae patrocinium necopinatum a nobis esse
susceptum . Nos autem nec subito coepimus philosophari , nec
mediocrem a primo tempore aetatis in eo studio operam curam
que consumpsimus, et , quum minime videbamur , tum maxime
philosophabamur ; quod et orationes declarant refertae philo - 6
sophorum sententiis , et doctissimorum hominum familiaritates,
ita ,mit disseruit, nichtmitmulta 6. eam - philosophiam , nämlich
zu verbinden , deutet auf die Be- Academicam . Aehnlich lässt Cic.
schaffenheit der Einreden des C., Acad . II, 19, 61 den Lucull zu sich
welche den mitut angegebenen Er sagen : Tune eam philosophiam se
folg beabsichtigte oder herbeiführte. quere, quae confundit vera cum
Wegen der Wortstellung vgl. Verr . falsis, spoliat nos iudicio , privat
II, 3, 8 : magistratuum nostrorum approbatione , omnibus orbat sen
iniurias ita multorum tulerunt, ut sibus? - Zu den Worten quae
nunquam ante hoc tempusad aram lucem eriperet den Dativ rebus im
legum — confugerint. Folgenden zu ziehen , verbietet
3 . 5 . Qua quidem in causa . schon die Wortstellung . Vielmehr
Man kann sich durch ein hinzuge ist der Dativ eines persönlichen
dachtes tractanda den kurz ange Objects , nobis oder hominibus,
deuteten Gedanken verdeutlichen . hinzuzudenken . Vgl. Acad. II, 10,
Indem ich nun , will C. sagen, 30 : quid eum facturum putem de
diese Streitfrage zu behan abditis rebus et obscuris , qui lu
deln unternehme,bin ich wohl cem eripere conetur ? ib . c. 32,
im Stande, mich deswegen ge 105 : non enim lucem eripimus :
gen etwanige Tadler zu recht sed ea , quae vos percipi, eadem
fertigen . Unter den beiden nun nos videri dicimus. u. 103 : ab
bezeichneten Classen von Tadlern Academia sensus eripi. cf. Liv. X ,
die Stoiker und die Epikureer zu 32 : nebula erat – densa adeo, ut
verstehen , wie Manche gewollt ha lucis usum eriperet.
ben, ist offenbar verkehrt. desertaeque disciplinae. S. unten
38 DE NATURA DEORUM
quibus semper domus nostra floruit , et principes illi , Diodotus,
7 Philo , Antiochus, Posidonius , a quibus instituti sumus. Et si
omnia philosophiae praecepta referuntur ad vitam , arbitramur
nos et publicis et privatis in rebus ea praestitisse , quae ratio et
4 doctrina praescripserit. Sin autem quis requirit, quae causa nos
impulerit , ut haec tam sero litteris mandaremus , nihil est quod
expedire tam facile possimus. Nam quum otio langueremus et
is esset rei publicae status , ut eam unius consilio atque cura
gubernari necesse esset: primum ipsius reipublicae causa philo
sophiam nostris hominibus explicandam putavi,magni existimans
interesse ad decus et ad laudem civitatis , res tam gravis tamque
8 praeclaras Latinis etiam litteris contineri. Eoque me minus in
stituti nei poenitet, quod facile sentio , quam multorum non mo
do discendi sed etiam scribendi studia commoverim . Complures
enim Graecis institutionibus eruditi ea, quae didicerant, cum civi
c. 5, 11. Als ein desertor der Ac. Was von seinen zahlreichen Schrif
ist der gleich unten genannte An- ten an Fragmenten und Erwähnun
tiochus anzusehen . -- gen vorhanden ist, findet man in
Diodotus, Stoiker, lebte mehrere Posidonië reliquiae doctrinae. Coll.
Jahre im Hause des Cicero, den er atq . illustr . İ. Bake. Lugd. B .
auch zum Erben seines nicht unbe 1810. 8.
deutenden Nachlasses einsetzte. 4. 7. ad decus et ad laud. civ.
Philo aus Larissa , Akademiker, Vgl. de Divin . II, 2, 5 : magnificum
flüchtete im Mithridatischen Kriege, illud etiam Romanisque hominibus
666, aus Athen nach Rom , wo Ci- gloriosum , ut Graecis de philoso
cero , wie er selbst Brut. 89, 306 phia litteris non egeant.
sagt, totum se ei tradidit. Er ist 8. multorum – scribendi studia .
der letzte namhafte Vertreter der Vgl. de Offic . II, 1, 2. Von den Vie
Akademischen Philosophie . Philone len , die C . hier bezeichnet, ist keine
vivo patrocinium Academiae non Kunde aufuns gekommen . Wir wis
defuit, sagt Cic. Acad. II, 6 , 17. sen allerdings von mehreren seiner
Antiochus, aus Ascalon , zwar Zeitgenossen , dass sie über philo
Schüler des Philo, aber nicht sein sophische Gegenstände in Lateini
Nachfolger. Denn er verliess den scher Sprache schrieben , wie , um
Akademischen Skepticismus und bil des Dichters Lucretius nicht zu ge
dete sich ein eklektisches, aus Pla- denken , P. Nigidius Figulus und M .
tonischen, Aristotelischen, und Stoi- Terentius Varro : aber diese waren
schen Lehren gemischtes dogmati- wohl nicht erst durch C .'s Beispiel
sches System . Vgl. Acad. II, 22, angeregt, ebensowenig wie die mit
69 u . bes.Madvig Vorr. zu Cic. de Geringschätzung von ihm erwähn
Finn . p. 61 ff. ten Epikureer Amafinius, Rabirius
Posidonius aus Apamea in Syrien und Catius. Acad. I, 1, 5. Tuscul.
Schüler des Rhodiers Panaetius, der IV , 3, 6. ad Famil. XV, 16 , 1. 19, 1.
bedeutendste unter den Stoikern je- Vielleicht aber mögen Brutus und
ner Zeit. Er lebte und lehrte meist der von Quintilian X , 1, 123 erwähnte
zu Rhodus, weswegen er auch Rho- Plancus, vielleicht auch C . Asinius
dus genannt wird, hielt sich aber Pollio zu den von C. angeregten zu
eine Zeit lang auch in Rom auf. rechnen sein .
LIB. I. CAP . 3. 4. 5. 39
bus suis communicare non poterant, quod illa quae a Graecis
accepissent Latine dici posse diffiderent; quo in genere tantum
profecisse videmur, ut a Graecis ne verborum quidem copia
vinceremur. Hortata est etiam , ut me ad haec conferrem , animi 9
aegritudo , fortunae magna et gravi commota iniuria , cuius si
maiorem aliquam levationem reperire potuissem , non ad hanc
potissimum confugissem . Ea vero ipsa nulla ratione melius frui
potui, quam si me non modo ad legendos libros, sed etiam ad
totam philosophiam pertractandam dedissem . Omnes autem eius
partes atque omnia membra tum facillimenoscuntur, quum totae
quaestiones scribendo explicantur. Est enim admirabilis quaedam
continuatio seriesque rerum , ut alia ex alia nexa et omnes inter
se aptae colligataeque videantur. Qui autem requirunt, quid 5
quaque de re ipsi sentiamus, curiosius id faciunt quam necesse 10
est. Non enim tam auctores in disputando , quam rationis mo
menta quaerenda sunt. Quin etiam obest plerumque iis, qui di
scere volunt, auctoritas eorum , qui se docere profitentur : desinunt
enim suum iudicium adhibere; id habent ratum , quod ab eo, quem
probant, iudicatum vident. Nec vero probare soleo id , quod de
Pythagoreis accepimus, quos ferunt, si quid affirmarent in dis
putando , quum ex iis quaereretur, quare ita esset , respondere
solitos Ipse dixit : ipse autem erat Pythagoras. Tantum opinio
praeiudicata poterat, ut etiam sine ratione valeret auctoritas. Qui 11
vinceremur, nicht vincamur. Das ganzen Umfange, vereinzelten , apho
Imperf. beschränkt den Ausspruch ristischen Betrachtungen entgegen
auf die bisherigen Leistungen Cice- gesetzt.
ro's, und der Sinn ist nur dieser : alia ex alia : nicht bloss distri
Es sei ihm gelungen , in entspre butiv , wie sonstmeistens, sondern
chender Bezeichnung philosophi- zugleich reciprok , éš alanlar,
scher Begriffe nicht hinter den grie wie unten c. 43 extr. Vgl. de Finn.
chischen Vorbildern zurückzublei IV , 17, 47 :nihil differe aliud ab alio.
ben . Anderswobehauptet er freilich de Legg. 1, 19 , 52: videtisne quanta
in patriotischem Eifer ganz im All- series rerum sententiarumque sit,
gemeinen : Latinam linguam non atqueutex alio alia nectantur. und
modo non inopem , ut vulgo pu mehr bei Drakenb . zu Liv. IV , 22,
tant, sed locupletiorem etiam esse 5, und Schneid . zu Caesar. B . G . VI,
quam Graecam . De Finn. I, 3 , 37, 6. – Auch im Griech . äkkos
10. vgl. III, 2 , 5 . wogegen er Tuscul. ałkov für àdanhovs. S. Bekk . Anecd .
II, 15 , 35 den grösseren Reichthum p . 81, 8 u . 379, 9.
der Griechischen Sprache einge 5 . 10. ipse dixit.Schol.Aristoph .
steht. Nub . 196 : Tapà Ivfayopelous
9. fortunae iniuria . Er meint Tò avròs éga ,' TOUT ÉOTIV Ö TIv
den Tod seiner Tochter. Vgl. die Jayópas. Der Ausdruck wurde spä
Einl. S . 22. ter sprüchwörtlich gebraucht von
totae quaestiones. Untersuchun - dem unbedingten Auctoritätsglau
gen über philos. Materien in ihrem ben, dem iurare in verba magistris
40 DE NATURA DEORUM
autem admirantur nos hanc potissimum disciplinam secutos, his
quattuor Academicis libris satis responsum videtur. Nec vero
desertarum relictarumque rerum patrocinium suscepimus: non
enim hominum interitu sententiae quoque occidunt, sed lucem
auctoris fortasse desiderant: ut haec in philosophia ratio contra
omnia disserendi nullamque rem aperte iudicandi, profecta a
Socrate , repetita ab Arcesila , confirmata a Carneade, usque ad
nostram viguit aetatem ; quam nunc propemodum orbam esse in
ipsa Graecia intelligo . Quod non Academiae vitio , sed tarditate
hominum arbitror contigisse. Nam si singulas disciplinas per
cipere magnum est, quanto maius omnis ? quod facere iis necesse
est, quibus propositum est veri reperiendi causa et contra
11. quattuor Academicis libris. Cicero, dass sie propemodum orba
Cicero hatte anfangs zwei Bücher sei.
akademischer Untersuchungen ge profecta a Socrate. Sokrates galt
schrieben , das eine Catulus, das an als Vorgänger des Akademischen
dere Lucullus benannt , nach den Skepticismusund der Polemik gegen
beiden Hauptpersonen , denen der den Dogmatismus der andern Schu
Vortrag in den Mund gelegt war. len , wegen seines Ausspruches er
Nachher verwarf er diese , und wisse Nichts als eben dies,
schrieb statt ihrer vier an Varro dass er Nichts wisse , und we
gerichtete Bücher . Von dieser gen der Dialektik die er anwandte,
zweiten Bearbeitung ist der An um Andere, die sich etwaszu wissen
fang des ersten Buches, von jener rühmten , ihresNichtwissenszu über
früheren aber das zweite Buch führen. - Arcesilas, aus Pitane in
oder Lucullus vorhanden . Aeolis , von 316 — 241, ging aber
lucem auctoris. Auctor, von glei noch weiter als Sokrates. Denn,
chem Stamme mit aio und autumo, wie Cicero sagt Acad . I, 12, 45 ,
(s. Opusc. ac. III, p. 407.) ist ur- negabat esse quidquam quod sciri
sprünglich , der etwas wirksam posset,ne illud quidem ipsum , quod
ausspricht,mit Versicherung, Be- Socrates sibi reliquisset : sic omnia
kräftigung , Gewährleistung , Ver- latere in occulto. - Ueber Carnea
tretung des Ausgesprochenen gegen des s. c. 2, 4 .
Andere. Aus dieser Grundbedeu veri reperiendi causa . Aller
tung lassen alle verschiedenen An- dings war es ihnen um die Wahrheit
wendungen des Wortes sich leicht zu thun , wenn sie auch am Ende
erklären. Auctor einer Lehre nur zu dem Resultat gelangten ,
ist also keineswegs bloss ihr erster dass, in Ermangelung eines sicheren
Urheber, sondern ihr jedesmaliger Kriteriums, ein sicheres und gewis
Vertreter (wie z. B . Chrysippus ses Wissen der Wahrheit uner
divinationis auctor heisst, de Divin . reichbar sei, und man sich mit
II, 28, 61 ;) und lux auctoris ist das Wahrscheinlichkeit begnügen müs
von einem tüchtigen Vertreter aus- se. De Finn. II, 14 , 43 : Quasi de
gehende Licht, wodurch die Lehre sperata cognitione certa id sequi
andern einleuchtend wird und An- volunt, quod veri simile videtur .
sehen gewinnt. Ein solcher Ver- Acad. II, 3, 7 : nihil aliud agunt,
treter fehlte seit Philo 's Tode der nisi ut in utramque partem dispu
Akademischen Schule . Daher klagt tando eliciant aliquid, quod autve
LIB . I. CAP. 5. 6. 41
omnis philosophos et pro omnibus dicere. Cuius rei tantae 12
tamque difficilis facultatem consecutum esse me non profiteor,
secutum esse prae mefero. Nec tamen fieri potest, ut, qui hac
ratione philosophentur, ii nihil habeant quod sequantur. Dictum
est omnino hac de re alio loco diligentius: sed , quia nimis in
dociles quidam tardique sunt, admonendi videntur saepius. Non
enim sumus ii, quibus nihil verum esse videatur, sed ii, qui om
nibus veris fàlsa quaedam adiuncta esse dicamus, tanta simi
litudine, ut in iis nulla insit certa iudicandi et assentiendi nota : ex
quo extitit illud,multa esse probabilia, quae quamquam non per
ciperentur, tamen , quia visum quendam haberent insignem et
illustrem , ijs sapientis vita regeretur.
Sed iam , ut omnime invidia liberem , ponam in medio sen - 6
tentias phịlosophorum de natura deorum : quo quidem loco con - 13
vocandi omnes videntur , qui, quae sit earum vera , iudicent.
Tum demum mihi procax Academia videbitur , si aut consen
rum sit aut ad id quam proxime 17, 45 . – Die Structur am Ende
accedat. Vgl. ib . 24, 76 . des Satzes ist zwar nicht streng
12 . alio loco . Nämlich in den regelrecht. Correcter würde es
Academicis. Zum Folgenden vgl. sein , wenn geschrieben wäre, ent
auch de Offic. II, 2, 7. weder quae - - sapientis vi
iudicandietassentiendinota : ein tam regerent, oder quibus ~
Kriterium , wonach man sich beim Ur sapientis vita regeretur. Jetzt, wo
theilen richten und demgemäss für quae quamquam nur als gleich
dies oder jenes entscheiden könne. geltend mit et quamquam haec zu
extitit. Es hat sich daraus uns, nehmen ist, erwartete man vielmehr
den Akademikern , die Folgerung iis sapientis vitam regi,sodassbeide
ergeben , wir haben diese Folgerung Glieder, multa esse probabilia und
daraus gezogen . In dem folgen dieses durch quae (für et haec) mit
den Satz wollen die Worte : multa jenem copulirte gleichmässig von
esse probabilia offenbar nichts an - extitit abħingen. Doch ist derglei
ders sagen als dass es viele zwar chen Unregelmässigkeit wohl zu
probable aber doch nichtgewisse erklären und zu entschuldigen .
Dinge gebe, die indessen immerhin perciperentur. Der Ausdruck be
genügende Motive für den Verstän zeichnet, wie comprehendere , mit
digen enthielten , um seine Hand dem er häufig , namentlich im Lu
lungen darnach zu regeln . Visum , cullus, verbunden wird , die voll
acc. von dem Subst. verb . visus, kommen gewisse und zweifellose
synonym von visio, bezeichnet ei Erkenntniss und Erfassung eines
gentlich den Geistesact des an Gegenstandes, die ao paans xai Be
schauenden Subjects, kann aber βαία και αμετάθετος κατάληψις
auch von dem Objecte gesagt wer der Stoiker.
den , welches die Anschauung in 6 . 13. omnes , qui – iudicent,
dem Subjecte bewirkt: also hier d . h. alle Solche, die ein bestimmtes
visum insignem et illustrem ha- Urtheil aussprechen : die Dogmati
bere: eine bestimmte und klare ker, im Gegensatz gegen die Aka
Anschauung bewirken . Vgl. zu c. demiker, die sich eines bestimmten
42 DE NATURA DEORUM

serint omnes , aut erit inventus aliquis, qui quid verum sit inve
nerit. Itaquemihi libet exclamare, ut in Synephebis (est]:
Pró ! deûm , populárinm omnium , omnium adolescentium
clámo, postulo, obsecro, oro, plóro atque imploró fidem :
non levissima de re, ut queritur ille,
in civitate fieri facinora capitalia :
ab amico amante argentum accipere meretrix nevolt;
14 sed , ut adsint, cognoscant, animadvertant, quid de religione,
pietate , sanctitate, caerimoniis, fide, iure iurando, quid de tem
plis, delubris sacrificiisque sollemnibus, quid de ipsis auspiciis,
quibus nos praesumus, existimandum sit. Haec enim omnia ad
hanc de dis immortalibus quaestionem referenda sunt. Profecto
eos ipsos , qui se aliquid certi habere arbitrantur, addubitare co
get doctissimorum hominum de maxima re tanta dissensio .
15 Quod quum saepe alias, tum maxime animadverti, quum apud
C . Cottam , familiarem meum , accurate sane et diligenter de dis
immortalibus disputatum est. Nam quum feriis Latinis ad eum
ipsius rogatu arcessituque venissem , offendi eum sedentem in
exedra et cum C . Velleio senatore disputantem , ad quem tum
Urtheils enthalten : nullam rem wurde , auch nachdem der Bund
aperte iudicant, § 11. Vgl. III. 40, längst aufgehört hatte , alljährlich
95 : ea quae disputavi disserere auf dem Albanischen Berge unter
malui quam iudicare. dem Vorsitz der Römischen Consuln
in Synephebis ſest]. Das Verbum begangen . Es war an keine be
fehlt in den Hdschr. Synephebi war stimmte Zeit gebunden , sondern
der Titel einer fabula palliata des wurde von den Consuln jedesmal
Caecilius Statius, eines etwas jün anberaumt (feriae conceptivae).
geren Zeitgenossen des Plautus. Die Dauer war in Cicero's Zeit vier
Das griechische Original war vom Tage, während welcher die öffent
Menander. — Von den angeführten lichen Geschäfte ruhten , und Staats
Versen sind die beiden ersten regel- männer daherMusse hatten, sich auf
rechte trochäische Tetrameter: das- ihren Landsitzen zu erholen .
selbe Mass haben ohne Zweifel auch exedra oder exhedra, ein geräu
die beiden andern gehabt; es istaber miger, erhöhter Saal, dessen beide
hier, sei es durch Cicero selbst, sei Enden in einen Halbkreis ausliefen
es durch die Abschreiber, zerstört. mit einer an der Wand umherlaufen
14 . auspiciis, quibus nos praesu den Bank zum Sitzen , in dem man
mus. Cicero war seit dem J. d. St. sich zur Unterhaltung versammelte.
700, dem 54. seines Alters, in das S. Mazois der Palast des Scaurus,
Collegium der Augurn cooptirt. Es übers. von Wüstemann. S. 119 und
gab auch eine Schrift von ihm de 126 . - Die Bezeichnung der Inter
Auguriis, die vermuthlich nach den aspiration , die hier die Handschrif
B . de nat.deor. u. de divin . verfasst ten darbieten , ward in ähnlichen
war. S. die Fragmente bei Orelli Zusammensetzungen , wie ééoin,
IV , 2 p . 478 . diéne u . dgl. von den Griechischen
15 . ^ feriis Latinis. Das uralte Grammatikern wohl nur dann ange
Bundesfest der Latinischen Völkerwandt, wenn esdarauf ankam , eine
LIB . I. CAP. 6. 7. 43
Epicurei primas ex nostris hominibus deferebant. Aderat etiam
Q . Lucilius Balbus , qui tantos progressus habebat in Stoicis , ut
cum excellentibus in eo genere Graecis compararetur. Tum , ut
me Cotta vidit, Peropportune, inquit, venis : oritur enim mihi
magna de re altercatio cum Velleio , cui pro tuo studio non est
alienum te interesse. Atquemihi quoque videor, inquam , venisse 7
ut dicis , opportune. Tres enim trium disciplinarum principes 16 .
convenistis. M . enim Piso si adesset, nullius philosophiae, earum
quidem , quae in honore sunt, vacaret locus. Tum Cotta, Si, in
quit, liber Antiochi nostri, qui ab eo nuper ad hunc Balbum
missus est, vera loquitur , nihil est quod Pisonem , familiarem
tuum , desideres. Antiocho enim Stoici cum Peripateticis re con
cinere videntur, verbis discrepare : quo de libro , Balbe, velim
scire quid sentias. Egone? inquit ille. Miror Antiochum , ho
minem in primis acutum , non vidisse interesse plurimum inter
zweifelhafte Etymologie kenntlich einen eifrigen und gelehrten Ver
zu machen . Vgl. Lehrs de Aristar- treter, fand aber sonst wenig An
chi stud . Hom . p . 316 . Die Latei- klang. Von der Akademischen s.
nische Schreibung solcher Wörter oben c. 5 , 11.
ist schwankend und ungleich . Vgl. Antiochi. S. zu c. 3, 6 .
Schneider Elementarlehre I S . 192. ad hunc B.missus. d. h , ihm zu
Nach Bücheler im N . Rhein . Mus. geeignet. Vgl. de senect. I, 3 : hunc
XIV , 3 p. 429 wurde in Cicero's
Zeitalter die Interaspiration nicht librum ad te,de senectute misimus.
re concinere, verbis discrepare.
bezeichnet. Vgl. de Legg. I , 21, 55 : (Ženo)
altercatio bezeichnet immer einen quum
lebhaften , nicht ohne Leidenschaft bonum decus, quod antiqui summum
esse dixerant, solum bonum
geführten Wortwechsel. dicat, itemque dedecus quod illi
7. 16 . M . Piso. Gemeint ist M . summum malum , hic solum ; divi
Pupius Piso Calpurnianus , Ado tias, valetudinem , pulchritudinem
ptivsohn eines M . Pupius, Consul im commodas res appellet, non bonas;
J. 693 , von Cicero öfters als ein paupertatem , debilitatem , dolorem
praktisch untüchtiger und eitler incommodas, non malas: sentit
Mann getadelt, anderswo jedoch idem quod Xenocrates, quod Ari
wegen seiner Unbescholtenheit , Be stoteles, loquitur alio modo. Ex
redsamkeit und Gelehrsamkeit ge hac autem non rerum sed verbo
rühmt. Er war der Peripatetischen rum discordia controversia nata
Schule zugethan , und Cicero lässt est de finibus etc.
ihn im 5 . Buche de Finibus die Lehre Egone? Ebenso unten III, 3, 8.
dieser Schule über das höchste Gut, Vgl. de Legg. I, 4, 14 : sed iam
nach Antiochus' Auffassung, vor ordire explicare, quaeso , de iure
tragen . civili quid sentias. Egone? summos
earum quidem quae in honore fuisse in civitate viros etc., wo
sunt. Dies waren damals nur die Goerenz mehr Beispiele giebt. Voll
Epikureische, die Stoische und die ständiger de Finn . III, 3, 11: de qui
Peripatetische: die Pythagoreische bus cupio scire quid sentias. Ego
hatte zwar an P. Nigidius Figulus ne, quaeris, inquit, quid sentiam ?
44 DE NATURA DEORUM
Stoicos , qui honesta a commodis non nomine, sed genere toto
diungerent, et Peripateticos , qui honesta commiscerent cum
commodis, ut ea inter se magnitudine et quasi gradibus, non
genere differrent. Haec enim est non verborum parva , sed rerum
17 permagna dissensio. Verum hoc alias : nunc quod coepimus, si
videtur. Mihi vero , inquit Cotta , videtur. Sed ut hic qui inter
venit , (me intuens,) ne ignoret quae res agatur : de natura age
bamus deorum ; quae quum mihi videretur perobscura , ut sem
per videri solet, Epicuri ex Velleio sciscitabar sententiam . Quam
obrem , inquit , Vellei, nisi molestum est, repete quae coeperas.
- Repetam vero , quamquam non mihi, sed tibi hic venit adiu
tor. Ambo enim , inquit arridens , ab eodem Philone nihil scire
didicistis. Tum ego , Quid didicerimus, Cotta viderit : tu autem
nolo existimes me adiutorem huic venisse , sed auditorem , et
quidem aequum , libero iudicio, nulla eiusmodi adstrictum necessi
tate, ut mihi, velim nolim , sit certa quaedam tuenda sententia .
8 Tum Velleius fidenter sane , ut solent isti, nihil tam verens
18 quam ne dubitare aliqua de re videretur, tamquam modo ex de
orum concilio et ex Epicuri intermundiis descendisset, Audite,
non verborum parva , sed rerum ab eodem Philone. Weil beide
permagna dissensio . Ueber diesen einen und denselben zum Lehrer
Streitpunkt, der hier nicht weiter gehabt : eodem uterque magistro
erörtert zu werden braucht, ist na usi. Ueber Philo s. zu c. 3, 6 .
mentlich das dritte und vierte Buch nihil scire didicistis. Weil näm
de Finibus nachzulesen : besonders lich der Akademiker sie gelehrt
IV , 22 ff. u. III, 15 mit Madvig's An - hatte , dass es überhaupt gar kein
merkung. Wissen gebe. Wohl in Erinnerung
17.meintuens. „ Ilapevtýrn est: an diese Stelle sagt auch Seneca
mit einem Blicke aufmich .“ Wolf. epist. 88 : Academici novam indu
Ebenso II, 41, 104 . u . Brut. c. 72, xerunt scientiam , nihil scire: und
253. Aehnlich Acad. I, 1, 2 : iam Lactant. III, 14 . Haec (Academia )
pridem ad hunc ipsum (meautem nihil docet, nisi ut scias te nihil
dicebat) quaedam institui. De Finn. scire.
V , 3, 7 : hoc, inquit,non poterit sic adiutorem – auditorem . Eine
abire, quum hic adsit: me autem Paronomasie , dergleichen , wo es
dicebat. Isocrat. Panath . c. 85 : où sich ungesucht darbietet, Keinerver
uèv Trentoinooi rojs kóyovs (èuè schmäht. Beispiele aus Cicero giebt
λέγων) ως άν απαντ' αποδεχομέ Jul. Theobald, de annominat. et alli
vov nov taxelvwv. Mehr dergl. s. terat. ap. Cic. Bonn. 1852. - Ueber
zu Isaeus p. 207. — Vor dem folgen- nolo - sed vgl. Madvig Emend. Li
den de nat. ageb. deor . versteht vian . p. 77. Heindorf zu Hor. Sat.
sich ein dicam ei od. dgl. von selbst. I, 1, 3.
Vgl. Heindorf zu Hor. Sat. II, 1, 80. 8. 18. et ex Epicuri intermun
Ochsner, Cicer.Eclog. p. 339. Solche diis. Die Copula fügt eine speciel
Auslassung ist auch im Griechischen lere Bezeichnung zu dem vorher
gewöhnlich . S . Heindorf, zu Plat. gehenden allgemeinern Ausdruck ex
Gorg. $ 21. deorum concilio. Denn in den in
LIB . I. CAP. 7. 8 . 45
inquit, non futilis commenticiasque sententias, non opificem ae
dificatoremque mundi, Platonis de Timaeo deum : nec anum
fatidicam , Stoicorum reóvolav , quam Latine licet providentiam
dicere , neque vero mundum ipsum , animo et sensibus praedi
tum , rotundum , ardentem , volubilem deum , portenta et miracula
non disserentium philosophorum , sed somniantium . Quibus 19
enim oculis animi intueri potuit vester Plato fabricam illam tanti
operis, qua construi a deo atque aedificari mundum facit ? Quae
molitio ? quae ferramenta ? qui vectes ? quae machinae? qui mi
nistri tanti muneris fuerunt? Quemadmodum autem obedire
termundiis wohnten nach Epikur die Pronoea als eine eigene Person
die Götter. Mit jenem Namen aber behandelt , weswegen er denn auch
übersetzt Cicero hier und de Finn. unten II, 29, 73 vom Balbus zurecht
II, 23 , 75 wie auch nachher de gewiesen wird .
Divin . II , 17 , 40 das Griechische mundum ipsum . Die Welt hiess
BETcóơ qua , d. h. Ta ueTabù xó den Stoikern Gott, insofern sie die
quwv diaothuata (Diog. L . X ,89), selbe beseelt, von einem zwar nicht
die Zwischenräume zwischen den immateriellen, doch denkenden und
von ihm angenommenen unendlich wollenden Princip , dem feurigen
vielen Welten . S . unten c. 20, 53. Aether durchdrungen und belebt
· Platonis de Timaeo deum . Ti dachten, wie den menschlichen Leib
maeus aus Locri in Unteritalien , von der Seele; was im zweiten Buche
ein Pythagoreer, dessen Unterricht C. 8 ff. näher auseinandergesetzt
auch Plato genossen haben soll, wird. Vgl. zu c. 14 , 37.
nach Cic. de Republ. I, 10 , 16 . ardentem , wegen des eben er
Plato lässt ihn in dem nach ihm wähnten feurigen Aethers. Ardor
benannten Dialog seine Ansichten caelestis, vgl. c. 14, 37. II, 15, 41.
über Gott und die Erschaffung der ib . 11, 30. 31. 12, 32.
Welt vortragen ; und dass in der ? 19. quibus enim oculis animi.
That viel Pythagoreisches, was Velleius will der vorauszusehenden
Timaeus wirklich gelehrt haben Einrede, dass dergleichen zwarnicht
mag, in jenem Dialog enthalten sei, mit leiblichem , aber wohl mit gei
ist unleugbar. Daher hier Pl. de stigem Auge erkannt worden , zu
Timaeo deum s. v. als de Timaeo vorkommen. Mit was für Gei
acceptum : „ den Gott Plato's, den stesaugen ? sagt er, weil er eben
dieser vom T . hat.“ Dass die unter von diesen Geistesaugen nichts
dem Namen des Timaeus vorhan wissen will. Vgl. mentis oculi. de
dene Schrift a . yuxas xóojov xai Orat. III , 41, 163. u. Orat. c. 29,
púolos ein untergeschobenes Mach 10.1. pectoris oculi. Ovid .Met. XV,
werk aus ziemlich später Zeit sei, 64. poevòs õuna Aristoph . Av.
ist allgemein anerkannt. v. 1376. Tò rñs yuxñs õuna. Plat.
anum fatidicam . Den spöttischen Republ. VII p.533 D . u. das. Stallb.
Ausdruck hat C . ohne Zweifel bei An unserer Stelle fehlt übrigens
Griechischen Vorgängern gefunden. animiin mehreren Hdschr., und ist,
Aus solchen wiederholt ihn auch wie sich versteht, auch von Kriti
Plutarch de nobil. c. 13 : xelvn kern verdächtigt worden .
η υμετέρα πρόνοια , χρησμολόγος tanti muneris, d. h . tanti operis.
ypaūs. Velleius entstellt übrigens Beide Ausdrücke verbindet C . Tusc.
die Meinung der Stoiker, wenn er 1, 28, 70 : moderator tanti operis et
46 DE NATURA DEORUM
et parere voluntati architecti aër, ignis, aqua, terra potuerunt ?
Unde vero ortae illae quinque formae, ex quibus reliqua forman
tur, apte cadentes ad animum afficiendum pariendosque sensus ?
Longum est ad omnia , quae talia sunt, ut optata magis quam
20 inventa videantur. Sed illa palmaris, quod, quinon modo natum
mundum introduxerit, sed etiam manu paene factum , is eum di
xerit fore sempiternum . Hunc censes primis, ut dicitur , labris
muneris, und unten II, 35, 90 : ar- dum vorgebracht haben, ist durch
chitectum tanti operis tantiquemu - aus haltlos. Das richtige ist affi
neris. Speciell wird munus von öf- ciendum . Denn Plato setzt p. 64
fentlichen Bauten gesagt, wie Tem A - 68 C ausführlich auseinander,
pel oder Theater, die Einer auf seine wie die verschiedenen Modificatio
Kosten zum allgemeinen Besten stif- nen und Mischungen der Elemente
tete. geeignet werden , die Sinnesorgane
illae quinque formae. Plato im und mittels dieser die Seele (tè
Timaeus p. 53C $. 107ff. lässt in poóviuov p. 64 B ) zu afficiren und
Uebereinstimmung mit den Pytha sensus, d. h. Empfindungen hervor
goreern , (vgl. Plutarch. plac. phil. zubringen . - Sensus nicht Sinne,
II, 6.) die sog . vier Elemente aus sondern Empfindungen hier wie
geometrischer Gestaltung des form oft, vgl. Acad. I, 11, 40 : Zeno sen
losen stofflichen Princips entstehen , SUS esse censuit a quadam impul
für welches er übrigens nicht den sione oblata extrinsecus. — Sensus
Namen van sondern nur xoga hat, parere wie dolorem parere. de Finn.
die Erde aus dem Cubus,dasWasser Í, 15 extr. Fastidium parere. Plin.
aus dem Ikosaëder , die Luft aus
dem Oktaëder, das Feuer aus dem longum est ad omnia . Die Aus
Tetraëder, zu denen dann noch ein lassung von dicere , wie Tusc. III,
fünftes aus dem Dodekaëder hinzu - 18, 40: sed non necesse est nunc
kommt, über dessen Beschaffenheit omnia . Ib . IV, 20, 46 : expecto, quid
er sich nicht deutlich erklärt. Spä - ad ista . scil. dicturus sis, und sonst
terenennen alsTéunTnovoia , quinta öfter. - ad aliquid dicere gegen
natura oder quinta essentia (Ma etwas sprechen . de Divin. II, 3, 8 :
crob . in Somn. Scip. I, 14, 20), den dicendum est mihi ad ea , quae a
Aether , d. h. den feineren ätheri te dicta sunt. Vgl. unten II, 1, 1.
schen Stoff , aus welchem , nach 20 . sed illa palmaris: der Palme,
Aristoteles, die Himmelskörper be- d. h . des Siegspreises werth ; iro
standen , der das Ganze der Welt nisch , wie sich versteht. — Ob übri
umfasste und durchdrang, Manchen gens C .wirklich so geschrieben und
auch als die Substanz der Seele dabei sententia, aus § 18, oder res,
galt. Dem Plato aber, bei welchem wie Zumpt ad Verrin . p. 297 u. p .
ailne nur die obere feinere Luft 700 meint, hinzugedacht habe, ist
ist (p. 58 . D .), entsteht die Seele sehr zweifelhaft. Vielleicht schrieb
weder aus diesem Stoff , noch aus er: sed illud palmare est, oder auch
irgend einer Mischung und Verbin illa palmaria, wie Baiter und Mad
dung der fünf Gestaltungen der Ma vig wollen . Denn obgleich die Be
terie (vgl. Trendelenburg zu Aristot. hauptung Plato's nur eine ist, so
de anim . I, 2, 7 p. 228.): und was konnte sie doch als mehrmals und
die früheren Ausleger zur Erklärung in mehreren Sätzen vorgetragen
der herkömmlichen Schreibung in (p. 32 C . 33 A . 41 A .) auch plura
unserem Text ad animum efficien - lisch bezeichnet werden .
LIB . I. CAP. 8. 9. 47
gustasse physiologiam , id est naturae rationem , qui quidquam ,
quod ortum sit , putet aeternum esse posse ? Quae est enim co
agmentatio non dissolubilis ? aut quid est , cuius principium ali
quod sit, nibil sit extremum ? Pronoea vero vestra si eadem
est, Lucili, eadem requiro quae paullo ante, ministros, machinas,
omnem totius operis designationem atque apparatum : sin alia
est , cur mortalem fecerit mundum , non , quemadmodum Plato
nicus deus , sempiternum . Ab utroque autem sciscitor, cur 9
mundi aedificatores repente extiterint, innumerabilia saecula 21
dormierint. Non enim , simundus nullus erat, saecula non erant.
Saecula nunc dico non ea , quae dierum noctiumque numero an
nuis cursibus conficiuntur ; nam fateor , ea sine mundi conver
sione effici non potuisse ; sed fuit quaedam ab infinito tempore
physiologiam . Nicht was jetzt extiterint: prodierint ad aedifi
so genannt wird , sondern die Na- candum .
turphilosophie. Vgl. de Divin. I, nam fateor etc. Vgl. Plat. Timae.
41, 90 : naturae rationem , quam p. 39 E : toas vào xau vucas
physiologiam Graeci appellant. – και μήνας και ενιαυτούς ουκ όν
Uebrigens erkennt Plato Timae. p. τας πρίν ουρανόν γενέσθαι, τότε
41 A das Gesetz , dessen Unkunde άμα εκείνω ξυνισταμένη την γέ
Velleius ihm vorwirft, ausdrücklich νεσιν αυτών μηχανάται (ο δη
an ; aber er schreibt dem höchsten μιουργός). ταύτα δε πάντα μέρη
Gott, dem Weltschöpfer, die Macht zoóvov. Saeculum ist, nach Censo
zu, dem Geschaffenen dennoch ewige rin d. die nat. c. 17, spatium vitae
Fortdauer zu gewähren . humanae longissimum , partu et
quid est — nihil sit extremum ? morte definitum . Ursprünglich also
Die Frage , einer Negation gleich Lebenszeit; später ein bestimm
galtend , geht eigentlich nur auf das ter Zeitraum von 100 oder 110 Jah
zweite cuius nihil sit extremum : ren ; aber auch ein langer Zeitraum
das erste, cuius principium aliquod überhaupt, ohne bestimmte Zahl von
sit, giebt den Fall an , in welchem Jahren .
jene Frage stattfinde. Es könnte sed fuit -- - intelliginon potest.
also auch geschrieben sein : quid Der, obgleich dem Verständigen un
est, cuius, quum principium ali verkennbare, doch vonManchen ver
quod sit, nihil sit extremum ? Ueber kannte Gedankenzusammenhang ist
diese ganze Art von Satzbildung s. dieser : Es gab vor der Erschaf
unten zu c. 9 , 23. fung der Welt und der Him
si eadem est. scil. ac Platonicus melskörper, eine anfangslo
deus. Die herkömmliche Lesart: se und durch keine Zeitab
Pronoea vero si vestra est giebt schnitte gemessene und ab
keinen richtigen Sinn , hat aber getheilte Ewigkeit : doch von
freilich doch ihre Vertheidiger ge ihrer Dauer (eigentlich : wie sie
funden . an Dauer gewesen sei), kann
mortalem mundum . Vgl. zu II, man sich freilich gar keine
46 , 118. Vorstellung machen. Denn
9 . 21. Ab utroque, d. h . a te, vorstellen können wir unsnur
Lucili, et a Platone. — Zur Sache die messbare und begrenzte
vgl. Lucret. V , 169 ff. Zeit: eine solche gab esaber
DE NATURA DEORUM
aeternitas, quam nulla circumscriptio temporum metiebatur ;
spatio tamen qualis ea fuerit intelligi non potest, quod ne in
cogitationem quidem cadit , ut fuerit tempus aliquod , nullum
22 quum tempus esset. Isto igitur tam immenso spatio , quaero,
Balbe , cur Pronoea vestra cessaverit. Laboremne fugiebat ? At
iste nec attingit deum nec erat ullus , quum omnes naturae nu
mini divino , caelum , ignes , terrae , maria parerent. Quid autem
erat , quod concupisceret deus mundum signis et luminibus
tamquam aedilis ornare ? Si, ut deus ipse melius habitaret, antea
videlicet tempore infinito in tenebris , tamquam in gurgustio,
habitaverat. Post autem varietatene eum delectari putamus, qua
caelum et terras exornatas videmus ? Quae ista potest esse ob
23 lectatio deo ? quae si esset, non ea tam diu carere potuisset. An
haec , ut fere dicitis , hominum causa a deo constituta sunt ?
Sapientiumne ? Propter paucos igitur tanta est facta rerum
molitio. An stultorum ? At primum causa non fuit , cur de im
nicht, ehe die Himmelskörper wie eine factische, s. bei Madvig
da waren, nach deren Be - zur obigen Stelle de Finn. u. Haase
wegungen die Zeit gemessen zu Reisigs Vorles. S . 557. Vgl.
und abgetheilt wird . Es ist auch unten c. 27 , 75 . u. 34, 45 .
also die Negation vor potest unent- 22. signis et luminibus. Das zwei
behrlich . Dass vielleicht Jemand be- te Wort dient gewissermassen zur
hauptet , er könne sich doch eine Erklärung des ersten : denn signa
Vorstellung von der unbegrenzten sind hier die Gestirne , gleichsam
Ewigkeit machen , kann uns nur als Himmelslichter, wie unten c. 13, 35 .
Beleg zu dem Satze dienen , dass Lucret. I, 1088 : atque ideo lotum
wo Begriffe fehlen , es doch an circumtremere aethera signis. Be
Worten nichtgebricht; es kann uns sonders die Sternbilder des Thier
aber nicht als Grund gelten , das kreises, wie II, 20,52.
non in diesem Contexte aufzugeben, tamquam aedilis. Weil die Aedi
obgleich es in einigen Hdschr. fehlt. len bei festlichen Gelegenheiten für
Vgl. übrigens Aristot. Phys. IV , 11, die Verzierung der öffentlichen Plätze
Sext. Emp. Pyrrh. hypot. III, 140f. zu sorgen hatten . Dass auch Er
und Victorin. ad Cic. de Invent. I, leuchtung dazu gehöre, wird zwar
p. 79 Orell. sonst nicht ausdrücklich bezeugt,
ut fuerit. Man sollte erwarten lässt sich aber auch ohne Zeug
ut fuisse intelligamus : Es ist aber nisse wohl annehmen.
diese gekürzte Ausdrucksweise gar u t fere dicitis. Vgl. II, 53, 133.
nicht selten . Vgl. de Finn. I, 5, 14 : u . 62, 154 .
adduci vix possum , ut ea tibi non 13. an stultorum ? Dieselben wer
vera videantur, für ut ea tibi non den gleich nachher als improbi be
vera esse credam . de Legg . III, 15 , zeichnet, weil die improbilas eben
33 : ego in ista sum sententia, nihil aus der stultitia ader insipientia, d.
ut fuerit in suffragiis vocemelius, h . dem Mangel an richtiger Einsicht
für ut fuisse putem . Mehr dergl. und an sittlicher Consequenz im
Beispiele, wo eine nur gedachte Handeln entspringt, welche nur Ei
Folge geradeso ausgedrückt wird, genthum des Weisen ist. Nach den
LIB . I. CAP. 9. 10 . 49
probis bene mereretur : deinde quid est assecutus? quum omnes
stulti sint sine dubio miserrimi, maxime quod stulti sunt: mi
serius enim stultitia quid possumus dicere ? deinde quod ita
multa sunt incommoda in vita , ut ea sapientes commodorum
compensatione leniant, stulti nec vitare venientia possint nec
ferre praesentia. Qui vero mundum ipsum animantem sapien - 10
temque esse dixerunt, nullo modo viderunt, animinatura et in
telligentia in quam figuram cadere posset: de quo dicam equidem
paullo post. Nunc autem hactenus: admirabor eorum tardita - 24
tem , qui animantem , immortalem et eundem beatum , rotundum
Stoikern giebt es kein Mittleres 34, 87. III, 13, 32. Vgl. Hand Tur
zwischen sapientia und stultitia (vgl. sellin. I, p . 349. Mathiae , verm .
de Finn. IV , 19) : da aber die Weis Schr. p . 52. Griechische, wo aber
heit von gar Wenigen erreicht wird, dann die beiden Sätze durch uév u .
so besteht die grosse Mehrheit der dé gegenübergestellt werden, s. zu
Menschen aus stultis oder improbis. Isaeus p . 195 .
- Zum folgenden quum omnes stulti 10 . animinatura et intelligentia ,
sint miserrimi vgl. III, 32, 79 . nach der wahrscheinlichsten Verbes
. ut ea sapientes etc. Der Folge serung der in den Hdschr. verdor
satz zu dem obigen ita multa sunt benen Stelle. Das speciellere und
incommoda ist in Wahrheit nur der bestimmtere wird dem allgemeineren
zweite der beiden durch ut ange und unbestimmteren durch die Co
knüpften Sätze, stulti nec vitare ve pula angefügt. — Dass die Epikureer
nientia possint etc., nicht aber der sich Intelligenz nurmitmenschlicher
erste sapientes ea commodorum Gestalt verbunden denken konnten ,
comp. leniant, der vielmehr eine werden wir unten sehen , c. 18, 48 .
Einräumung enthält, die nur des 24 . Nunc autem hactenus. Das
wegen eingeschoben ist, um durch Adverb. ist schwerlich mit admira
den darin liegenden Gegensatz das bor zu verbinden , was keinen rech
Folgende , den eigentlichen Folge ten Sinn geben würde, sondern el
satz , desto mehr hervorzuheben. liptisch zu erklären , so dass ein Ver
Diesem Gedankenverhältniss gemäss bum hinzugedachtwird , etwadicam .
hätte Cicero also schreiben können : Jetzt will ich nur soweit re
ita multa sunt incommoda in vita , den , d . h . nicht mehr als dies
ut, etsi (oder quum ) ea sapientes - noch sagen. Vgl. de Divin. II,
- leniant, stulti nec vitare venien - 36 , 76 .
tia possint nec ferre praesentia . admirabor : ich will meine Ver
Diese Eigenheit, dergleichen Ein wunderung aussprechen . Vgl. de
räumungen oder Annahmen , ohne Divin.1,58, 131 : Haec habui de divi
entsprechende, d . h. sie als Einräu - natione quae dicerem ; nunc illud
mungen oder Annahmen bezeichnen testabor etc.
de Conjunction, demjenigen Satz,auf rotundum . Nur dies ist das Prä
welchen es eigentlich ankommt, ein dicat; die drei vorhergehenden Ad
fach vorauszuschicken , ist in beiden jective dienen zur attributiven Be
alten Sprachen sehr häufig , und Bei- stimmung des aus dem vorhergehen
spiele derselben sind in diesen Bü - den Satz bekannten Subjectesmun
chern ausser dem oben angemerkten dum . Dass die als beseelt, unsterb
e. 8. 20 noch I. 26 . 74 . 31. 86 . II. lich und dazu noch selig gedachte
Cic. de nat. deor. 4. Aufl.
50 DE NATURA DEORUM
esse velint, quod ea forma neget ullam esse pulchriorem Plato.
At mihi vel cylindri vel quadrati vel coni vel pyramidis videtur
esse formosior. Quae vero vita tribuitur isti rotundo deo ? Nempe
ut ea celeritate contorqueatur , cui par nulla ne cogitari quidem
possit , in qua non video ubinam mens constans et vita beata
possit insistere. Quodque in nostro corpore, si minima ex parte
sic afficiatur, molestum sit, cur hoc idem non habeatur mole
stum in deo ? Terra enim profecto , quoniam mundi pars est,
pars est etiam dei. Atqui terrae maximas regiones inhabitabiles
atque incultas videmus, quod pars earum appulsu solis exarserit,
pars obriguerit nive pruinaque , longinquo solis abscessu ; quae,
si mundus est deus , quoniam mundi partes sunt, dei membra
partim ardentia partim refrigerata dicenda sunt.
25 Atque haec quidem vestra , Lucili ; qualia vero [cetera) sint,
ab ultimo repetam superiorum . Thales enim Milesius , qui pri
mus de talibus rebus quaesivit , aquam dixit esse initium rerum ,
deum autem eam mentem , quae ex aqua cuncta fingeret. Si di
Welt von runder Gestalt sein solle, Rede ; jetzt wird zur Erde überge
kommt dem Epikureer ganz beson - gangen , die sich nicht umdreht, da
ders ungereimt vor. Warum unter für aber von Frost und Hitze leidet.
jenen attributiven Bestimmungen das Der Zusammenhang des Raisonne
beatum durch das vorausgeschickte ments ist kürzlich dieser: Die Erde,
eteundem besonders hervorgehoben als ein Theil der Welt, ist auch ein
sei, wird aus dem gleich folgenden Theil Gottes; nun leidet aber die
klar. Denn mit der angeblichen Se Erde theils an Frost, theils an Hitze :
ligkeit steht des runden Gottes folglich auch Gott. Wie aber Frost
Umdrehung im schneidendsten Wi und Hitze zu leiden dem Menschen
derspruch . sehr unangenehm ist, so ist nicht zu
Plato . Im Timaeus p. 33 B . Eben- bezweifeln, dass es nicht auch Gott
so hatte früher schon Pythagorasge- unangenehm sei: was denn mit der
urtheilt, nach Diog .Laert. VIII, 105. Seligkeit Gottes sich nichtwohlver
ea celeritate contorqueatur.Man trägt. Vgl. Matthiae, Verm . Schr.
muss sich der alten Vorstellung er- S . 54.
innern, wonach die Erde stille steht, sic afficiatur – für das signifi
das ganze übrige Weltgebäude sich cetur der Handschr., was man ver
täglich um sie herum dreht. gebens zu erklären gesucht hat –
Quodque. Die Conjunction que deutet auf die gleich nachher anzu
macht sehr häufig den Uebergang zu gebenden Affectionen von Frost und
etwasNeuem , von dem , was vorher Hitze.
ging, ganz Verschiedenen , so dass quae, si mundus est deus. Rich
statt ihrer auch porro, deinde, iam tiger würden die Satzglieder so ge
vero oder dergl. hätte stehen kön- stellt sein , quae quoniam partes
nen . Beispiele, die hier zu viel Raum mundi sunt, si mundus est deus etc.
kosten würden , geben Goerenz zu Doch sind dergleichen Nachlässig
de Legg. p. 47 u .Madvig zu de Finn . keiten wohl zu entschuldigen .
p . 476 . — Im Vorübergehenden war 2 5 . deum autem eam mentem etc.
von der Umdrehung der Welt die Das klingtalsob Thales schon , gleich
LIB . I. CAP. 10. 11. 51
possunt esse sine sensu et mente , cur aquae [mentem , menti
autem cur aquam ) adiunxit, si ipsa mens constare potest vacans
corpore ? Anaximandri autem opinio est, nativos esse deos, lon
gis intervallis orientis occidentisque, eosque innumerabilis esse
mundos. Sed nos deum nisi sempiternum intelligere qui pos
sumus ? Post Anaximenes aëra deum statuit , eumque gigni es- 26
seque immensum et infinitum et semper in motu : quasi aut aër
sine ulla forma deus esse possit, quum praesertim deum non
modo aliqua, sed pulcherrima specie deceat esse, autnon omne,
quod ortum sit , mortalitas consequatur. Inde Anaxagoras , qui 11
dem Anaxagoras (c. 11, 26 ), ein gei- sog. vier Elemente gleichende Ur
stiges, schöpferisches Urwesen ne materie an , die er als ätteloov be
ben und ausser der Materie ange- zeichnete. Aus dieser qualitativ un
nommen habe , was ohne Zweifel bestimmbaren Urmaterie habe sich ,
falsch ist. Thales nahm als Urwe- vermöge der ihr einwohnenden le
sen ein Flüssiges an , welches er bendigen Kraft, Alles entwickelt .
Edwo nannte, aber nicht leblos, son - Vgl. Schwegler zu Arist. Metaph .
dern lebendig , mit einer dúvauis XII, 2, 5 p . 239.
XiVntixń versehen dachte : Kraft innumerabilis mundos. Damit
und Materie zugleich und in Eins. scheinen nicht blos die Gestirne ge
Μίαν και κινουμένην αρχήν sagt meint zu sein, die, wie wir wissen,
Simplic. ad Ar. Phys. f. 6, 18 . Jene A . allerdings auch für Götter er
dúvãuis rivntirń nennt Stobaeus klärte, sondern ganze Welten, ähn
Ecl. phys. I p. 56 göttlich : ob lich den unserigen . Vgl. Stobae.
Thales selbst sie so genannt, ist un - Eclog. I p. 496 . August. de civ. d.
gewiss ; als mens, d . h . als bewuss- VIII, 2.
ten , denkenden Geist hat er sie ge intelligere. S . c. 14 , 36 .
wiss nicht gedacht. Nihil huic 26 . Anaximenes , ebenfalls aus
operi ex divina mente praeposuit. Milet, wie Thales und Anaximander,
Augustin . d. civ. dei VIII, 2 . dessen Schüler er gewesen sein soll.
Ši di possunt esse etc. Die Ein aėra. A . nahm ein luftförmiges
wendungen des V . treffen in der Urwesen an , welches er übrigens
That nicht jene von ihm selbst dem ebensowenig wie Thales das Was
Th. zugeschriebene Ansicht, sondern ser, Anaximander das äneloov, als
nur jene innige Vereinigung von blosse , leblose Materie, sondern als
Geist und Materie in dem Urwesen , erfüllt mit lebendiger Kraft dachte.
so dass wir in der voraufgehenden Dass er es Gott genannt, sagt auch
Relation der Ansicht wohl nur ei- Stobaeus I p. 56 .
ne, vielleicht von Cicero verschul eumque gigni. Dass A . das luft
dete Ungenauigkeit des Ausdrucks, förmige Urwesen nicht für ein uran
wodurch der wahre Sinn entstellt fängliches, sondern für ein gewor
wird , anzunehmen haben . denes erklärt habe, ist ohne Zweifel
Anaximander, Landsmann und ein Irrthum , der sich weder ent
jüngerer Zeitgenosse des Thales. schuldigen noch begreifen lässt.
nativos esse deos, d. h. die Göt- ex eoque omnia gigni würde rich
ter seien nicht von jeher dagewesen , tiger sein. Stobae. p. 296 . Daran
sondern im Laufe derWeltentwicke ist aber hier gar nicht zu denken.
lung erst entstanden . - Als das 11. Anaxagoras aus Klazomenae,
Urwesen nahm An, eine, keinem der geb . 500 v. Chr. lebte und lehrte
4 *
52 DE NATURA DEORUM
accepit ab Anaximene disciplinam , primus omnium rerum discrip
tionem et motum mentis infinitae vi ac ratione designari et con
fici voluit: in quo non vidit neque motum sensui iunctum et con
tinentem in infinito ullum esse posse, neque sensum omnino,
quo non ipsa natura pulsa sentiret. Deinde si mentem istam
quasi animal aliquod esse voluit, erit aliquid interius, ex quo
illud animal nominetur. Quid autem interius mente ? Cingatur
27 igitur corpore externo. Quod quoniam non placet , aperta sim
geraume Zeit zu Athen . Ob er mit ausdrücklich gesagtzu sein , daraus,
Recht von C . und Andern Schüler dassihm ratio , Vernunft, zugeschrie
des Vorherg. genannt werde , ist ben ist. Nach Epikur ist nun aber
sehr zweifelhaft. weder solche auf die Materie ein
- primus - voluit. A . gilt für den wirkende und sie bewegende Thä
Ersten , der sich zur Idee des reinen , tigkeit eines Unendlichen , Körper
körperlosen Geistes erhob. Gewiss losen möglich , weil nur Körper auf
ist, dass er den vous, den er als Körper einwirken kann , noch über
denkendes,bewegendesund ordnen haupt Empfindung, weil auch diese
des Princip der ursprünglichen , alle nur durch Einwirkung von Körper
Bestandtheile der Körperwelt in sich aufKörper entsteht. In den folgen
enthaltenden Urmaterie , den sog. den Worten : neque sensum omnino,
Homoeomerien , entgegensetzte, als quo non ipsa natura pulsa sentiret,
etwas von diesen wesentlich Ver darf man schwerlich ipsa natura
schiedenes dachte. Er nannte ihn als Nominativ, also nur als andern
dentóTatov návrov xonuátwv xai Ausdruck für das Infinitum nehmen ,
nafaoátatov , welche Ausdrücke wie Jemand jüngst gemeint hat. Es
sich freilich auf Rechnung eines ist vielmehr Ablat. absol. Eine Em
Mangels an treffenderer Bezeichnung pfindung, will C . sagen , wieman sie
für das rein Körperlose (àođuatov bei dem unendlichen körperlosen
s. zu c. 12, 30) schreiben lassen ; Geist würde annehmen müssen , dass
aber doch nur insofern , als man es er nämlich empfinde,ohne dass doch
für gewiss annimmt, das A . wirk - sein Wesen einen Eindruck von Aus
lich den vows nicht blos von ande- sen empfinge (naturá non pulsá ) ist
rem feinerem und reinerem Stoff undenkbar. Für ipsa ist aber wohl
als alles Andere, sondern gänzlich ipsius zu lesen .
stofflos gedacht habe. Ist das aber simentem quasi animal - Zum
auch wirklich so gewiss ? Wesen des animal gehört dem Epi
.. discriptionem et motum . Vgl. kureer nothwendig zweierlei , ein
Aristot. Phys. Ausc. VIII, 1: gnoi Inneres, die anima, wonach es
γάρ (ο 'Αν.) ομου πάντων όντων eben animal heisst, und ein Aeus
και ήρεμούντων τον άπειρον χρέ seres, der Leib. Ist nun der Geist
νον, κίνησιν έμποιήσαι τον νούν des A . ein animal, so muss er auch
και διακρίναι. eben so beschaffen sein , und folglich ,
motum sensui iunctum et conti da der eigentlich sogenannte Geist
nentem : „ eine mit Empfindung und nur das Innere sein kann ,muss man
Bewusstsein (denn sensus vereinigt ihn mit einem Aeussern , einem um
beide Begriffe in sich) verbundene gebenden Leibe verbunden denken .
und zusammenhängende bewegende · 27. Quod quoniam non placet,
Thätigkeit.“ Dass die Thätigkeit des scil. Anaxagorae.
Geistes mit Empfindung und Be- aperta, d.h.nullo corpore cincta.
wusstsein verbunden sei, folgt, ohne - Ebendies sagt das Folgende nulla
LIB. I. CAP. 11. 53
plexque mens, nulla re adiuncta qua sentire possit, fugere intel
ligentiae nostrae vim et notionem videtur. Crotoniates autem
Alcmaeo , qui soli et lunae reliquisque sideribus animoque prae
terea divinitatem dedit , non sensit sese mortalibus rebus im
mortalitatem dare. Nam Pythagoras , qui censuit, animum esse
per naturam rerum omnem intentum et commeantem , ex quo
nostri animi carperentur , non vidit distractione humanorum
animorum discerpi et lacerari deum , et, quum miseri animi es
sent, quod plerisque contingeret , tum dei partem esse miseram :
quod fieri non potest. Cur autem quicquam ignoraret animus 28
hominis, si esset deus ? Quomodo porro deus iste , si nihil es
set nisi animus , aut infixus aut infusus esset in mundo ? Tum
Xenophanes, quimente adiuncta Omne, praeterea quod esset in
readiuncta, qua sentire possit, weil Toónov , Sext. Empir. adv. Math .
nach Epikur Empfindung nur ver- IX , 127, nicht immateriell, sondern
mittels des Leibes möglich ist. ein feinster, feuriger Aether. Dass
intelligentiae nostrae vim et no- Pythag. diese Weltseele Gott ge
tionem : es geht dies über das Ver nannt habe, sagt zwar C . nicht aus
mögen und die Fassungskraft unse drücklich : es verstand sich aber in
res Verstandes. Das allgemeine diesem Zusammenhange von selbst,
intelligentiae vim wird durch das und man hat deswegen nicht nöthig
folg.notionem näherbestimmt: un deum , etwa vor animum , einzu
ser Begreifen. rücken .
Alcmaeon aus Kroton , ein jünge ex quo nostri animicarperentur.
rer Zeitgenosse des Pythagoras, Diog. L . VIII, 28 : eivoi de Trw wv
zu dessen Schule er von Einigen xvv aroonagua . ail'épos. Cic.
gerechnet wird . Von seinen An Cat.mai. 21, 78 : Pythagoras Pytha
sichten ist wenig bekannt: ob er goreiquenunquam dubitarunt,quin
blos die Gestirne für Götter erklärt ex universa mente divina delibatos
oder ausser ihnen noch andere gött- animos haberemus.
liche Wesen angenommen , lässt sich 28. nihil nisi animus, d. h. gänz
nicht ermitteln . lich körperlos u . immateriell. Wenn
Pythagoras aus Samos lebte und aber die Weltseele ein feuriger Ae
lehrte in Unteritalien , und starb zu ther war, so war sie ja auch nicht
Kroton hochbejahrt im J. 497 . - immateriell, und das hier vorgetra
Nam nicht causal, sondern Ueber gene Bedenken des Velleius wäre
gangspartikel, wie oft , wenn man also grundlos.
zu etwas übergeht, was man mit Xenophanes, aus Kolophon ge
lebhafter Versicherung hinstellt, wie bürtig , aber verbannt und in die
im Deutschen auch wohl Ja ge Phokäische Colonie Elea in Unter
braucht wird . Nam ist ursprünglich italien eingewandert, Zeitgenosse
asseverativ ; die Causalbedeutung der Perserkriege und Stifter der
ist nur eine Folge der assevera Eleatischen Schule.
tiven. mente adiuncta Omne praeterea -
· animum – commeantem , d. h . Die Worte so construirt, können
eine Alles durchdringende und be schwerlich anders verstanden wer
lebende Weltseele: πνεύμα το δια den , als dass Xen, den Geist und
navròs toũ xóo uov Siñzov 'yuxñs daneben (praeterea ) das unbe
54 DE NATURA DEORUM
finitum , deum voluit esse, de ipsa mente item reprehenditur, ut
ceteri; de infinitate autem vehementius , in qua nihil neque sen
tiens neque coniunctum potest esse . Nam Parmenides quidem
commenticium quiddam coronae simile efficit : Stephanen appellat,
continente ardore lucis orbem , qui cingat caelum ; quem appellat
deum : in quo neque figuram divinam neque sensum quisquam
suspicari potest: multaque eiusdem monstra ; quippe qui bellum ,
qui discordiam , qui cupiditatem ceteraque generis eiusdem ad
deum revocet, quae velmorbo vel somno veloblivione vel vetustate
delentur : eademque de sideribus ; quae, reprehensa iam in alio,
grenzte All als zwei verschie-philosophischer Dogmatik (tà noos
dene , doch aber mit einander ver-
Sófav) aufstellte.
bundene Dinge gedacht und das socoronae simile . In der aus dem
Verbundene Gott genannt habe. Urwesen gewordenen Welt nahm
Wollte Velleius das wirklich sa P . eine Anzahl von mehreren con
gen , so wäre es entschieden ver- centrischen Sphären an , die er
kehrt und dem , was wir anders Otepávas nannte: tnv de usoaitá
woher über Xen . wissen , wider την απάσαις τοκέα και κληδούχον
sprechend. Ich habe mir darum επονομάζει, δίκην τε και ανάγκην.
erlaubt, die herkömmliche Inter Stobae. Ecl. I p. 482. womit der von
punction zu ändern. Dass prae Simplicius Phys. f. 9 a. erhaltene
terea quod = praeterquam quod ha Vers aus dem Lehrgedicht des P . zu
be gesagt werden können , ist wohl vergl.: Év dè ułoQ TOÚtov daiuwv,
gewiss, wenn sich auch sonst kein û návra xvßeovõ. Wenn Velleius
Beispiel davon finden sollte. Der dafür die äusserste umgebende
Sinn der Stelle wird also dieser Sphäre nennt, so beruht dies wohl
sein : Xenoph . habe das mit Intelli- auf einer Verwechselung mit Stoi
genz versehene All nicht allein für schen Ansichten , worüber c. 14, 37 ,
unendlich erklärt, sondern ausser- vgl. Somn. Scip. c. 4 .
dem auch Gott genannt. continente ardore, d. h. continuo
item ut ceteri, nämlich wie Tha perpetuo. Vgl. Curt. VII, 20, 2 :
les (c. 10, 25 ) und Anaxagoras (c. continenti incendio cuncta torren
11, 26 ). tur. — lucis orbem s. v. a. orbem
nequesentiensnequeconiunctum . lucidum .
Was unendlich ist, kann nicht von monstra von abenteuerlichen An
Etwas ausser ihm angeregt wer sichten , Absurditäten auch III, 17,
den , also auch nicht empfinden (s. 44, wie portenta I, 8, 18. 16 , 43 u.
zu $ 26 ), noch mit Etwas verbun III, 38 , 91.
den sein , weil ausser ihm selbst ad deum revocet: auf die Gottheit
nichts ist. zurückführt, d. h . als Aeusserungen
- Parmenides aus Elea , Schüler und Wirkungen der Gottheit dar
des Xenophanes, trug Sätze wie stellt. Parm . hat in seiner poeti
sie hier angeführt werden im zwei- schen Sprache die anziehenden u.ab
ten Theil seines Lehrgedichtes vor, stossenden Kräfte unter den Namen
in welchem er nicht, wie im ersten , nóleuos,veixos,oT6OIS, Éowsu.dergl.
Tepi Toð övros d. h . über das wahr- behandelt, wovon sich in den Frag
haft Seiende, sondern repi Tõv ai- menten noch Andeutungen finden. -
oontõv, über die Erscheinungswelt iam in alio : näml, in Alcmaeone,
handelte und eine Art von natur- $ 27 .
LIB. I. CAP. 11. 12.
in hoc omittantur. Empedocles autem , multa alia peccans, in 90
deorum opinione turpissime labitur. Quattuor enim naturas, ex
quibus omnia constare censet, divinas esse vult, quas et nasci
et extingui perspicuum est, et sensu omni carere. Nec vero
Protagoras, qui sese negat omnino de dis habere quod liqueat,
sint, non sint, qualesve sint, quicquam videtur de natura deorum
suspicari. Quid ? Democritus, qui tum imagines earumque cir
cuitus in deorum numero refert , tum illam naturam , quae ima
gines fundat ac mittat, tum scientiam intelligentiamque nostram ,
nonne in maximo errore versatur ? Quum idem omnino , quia
nihil semper suo statu maneat, neget esse quicquam sempiter
num , nonne deum omnino ita tollit , ut nullam opinionem eius
reliquam faciat ? Quid ? aër , quo Diogenes Apolloniates utitur
deo , quem sensum habere potest aut quam formam dei? lam 30
12. 29. Empedocles aus Agri- Lehrer der Wissenschaft umherrei
gent, um die Mitte des 5. Jahrh ., send , ihren Unterricht für Geld feil
trug seine naturphilosophischen An boten. Er behauptete, dass es über
sichten ebenso wie Xenophanes und all keine objectiv sichere Erkennt
Parmenides in einem Lehrgedichte niss, keine allgemein gültige Wahr
vor, von welchem manche nicht heit für den Menschen gebe , son
unbedeutende Bruchstücke erhalten dern nur subjective Vorstellungen
sind . und Ansichten ; und in diesem Sinne
in deorum opinione für in opini sprach er denn auch über den Glau
one de dis, wie unten nullam opi- ben an Götter. Vgl. c. 23, 63.
nionem eius. So coniectura pro Democritus, ebenfalls ausAbdera,
vinciae Verr. III, 52, 121. dubitatio etwas jüngerer Zeitgenosse des Vo
iuris pr. Caecin. c. 4 . oratio falsae rigen. Ueber seine hier berührten
legationis u. dgl. mehrbei Heinrich Lehren s. das Nähere zu c. 43, 120.
ad Cic. fr. or. pr. Flacc. p. 94 u . imagines earumque circuitus für
Haase zu Reisigs Vorles. S . 650. imagines circumeuntes: eine'aller
quattuor enim naturis. Gemeint dings befremdliche Hendiadys, aber
sind die sog . vier Elemente, seit wohl absichtlich gewählt, um durch
Aristoteles otoixeia genannt, von den wunderlichen Ausdruck die
Emped. aber in seinem Lehrgedicht Wunderlichkeit der Sache noch
περί φύσεως als τέσσαρα των greller hervorzuheben . Ebenso ab
Távrov biçõuata bezeichnet, auch sichtlich nachher scientiam intelli
alsgöttlicheWesen personificirt,und gentiamque nostram , abstr. p .
mit mythologischen Götternamen concr.für animum nostrum scientem
benannt, was wir aber nur für eine et intelligentem . Ueber die natura
poetischeAusdrucksweisezunehmen quae imagines fundat s. zu c. 24 ,
haben , wie sich solcher auch Lucre- 66 u . 43, 120 .
tius öfters bedient. Velleius nimmt Diogenes Apolloniates, aus der
es offenbar ernstlicher als es vom Kretischen Stadt Apollonia , Zeitge
Empedokles gemeint war. nosse des Anaxagoras. - Das luft
Protagoras aus Abdera, Zeitge förmige Urwesen , das er mit Ana
nosse des Sokrates, war einer der ximenes (c. 10 , 26 ) annahm , war
ausgezeichnetsten unter den sog. ihm nicht blos mit lebendiger Kraft
Sophisten , die zu jener Zeit, als erfüllt, sondern auch compos di
56 DE NATURA DEORUM
de Platonis inconstantia longum est dicere: qui in Timaeo pa
trem huiusmundi nominari neget posse , in legum autem libris
quid sit omnino deus, anquiri oportere non censeat. Quod vero
sine corpore ullo deum vult esse , ut Graeci dicunt douatov,
id quale esse possit intelligi non potest : careat enim sensu ne
cesse est, careat etiam prudentia , careat voluptate : quae omnia
una cum deorum notione comprehendimus. Idem et in Timaeo
dicit et in legibus , et mundum deum esse et caelum et astra et
terram et animos et eos , quos maiorum institutis accepimus;
quae et per se sunt falsa perspicue et inter se vehementer re
31 pugnantia . Atque etiam Xenophon paucioribus verbis eadem
fere peccat : facit enim in iis , quae a Socrate dicta rettulit, So
cratem disputantem , formam dei quaeri non oportere : eundem
vinae rationis (Augustin . d . civ. d. ten , wie Baiter und Heindorf, trage
VIII, 2), rollà sidós. (Simplic . in ich Bedenken . Der entsprechende
Ar. Phys. f. 33 a.) Lateinische incorporeus ist dem Ci
30. Platonis inconstantia . Diese cero noch fremd. Vgl.Gell. V , 15 , 1.
Inconsequenz kann offenbar nicht in careat etiam prudentia : insofern
den beiden Aeusserungen bestehen nämlich diese nur das Ergebniss der
sollen , die der folgende Relativsatz Erfahrung, Erfahrung aber nur das
enthält : denn diese passen ja ganz Ergebniss sinnlicher Wahrnehmun
gut zu einander: sondern in den gen sein kann, dergleichen bei einem
trotz jener Aeusserungen dennoch unkörperlichen Wesen unmöglich
anderswo vorgetragenen positiven sind.
Ansichten , die nachher erwähnt mundum deum esse. Timae. p.
werden . Diesem Gedankenverhält- 34 B . 68 E . 92 C . Der Gott in der
niss gemäss hätte Cicero nun aber Welt, weswegen sie auch selbst
auch die Sätze, in denen er diese Gott heisst, ist die von dem höch
Ansichten erwähnt, ebenfalls von sten Gott, dem Demiurgen, ihr ein
dem Relativ qui abhängig machen, gegebeneWeltseele. Vgl. zu 14 , 37.
den vorhergehenden aber durch caelum , astra , terram . Legg.
tamen entgegensetzen sollen : also VII, 22 p. 821 u. X, 8 p. 896 f.
qui in Timaeo (od. auch qui, quum Auch diese sind göttliche Wesen
in Tim .) -- - censeat, alibi tamen nur weil die göttliche Weltseele
sine corp . etc. in ihnen wohnt.
in Timaeo nominari neget posse. animos. Die Seele nennt Plato
Plat. Tim . p. 28 C. und Cicero's Ue nicht Gott, sondern nur göttlich , in
bersetzung des Tim . c. 2 . sofern auch ihr etwas von der gött
in legum libris. Nämlich VII, c. lichen Weltseele zugemischt ist.
22 p. 821 A . Der Tadler hat übri Timae. p . 41 C .
gens Plato's wahre Meinung ent .. quos maiorum inst. acc. Timae.
weder absichtlich oder aus Flüch - p. 40 D fg. Plato liess die Götter
tigkeit verkannt. des Volksglaubens, da er ihre Exi
aoduatov. Plato selbst bedient stenz zu leugnen keinen Grund hatte,
sich im Timaeus dieses Ausdruckes als Geschöpfe und Diener des höch
nicht, obgleich er ihn anderswo ge- sten Gottes gelten .
braucht. Hier diesen Zusatz für 31. formam dei quaeri n . 0. Xe
ein unechtes Einschiebsel zu hal- nophon Memor. IV , 3, 13.
LIB. I. CAP. 12. 13 . 57
que et solem et animum deum dicere : et modo unum , tum au
tem pluris deos ; quae sunt iisdem in erratis fere, quibus ea quae 12
de Platone diximus. Atque etiam Antisthenes in eo libro , qui. 20
physicus inscribitur , popularis deos multos, naturalem unum
esse dicens, tollit vim et naturam deorum . Nec multo secus
Speusippus , Platonem avunculum subsequens, et vim quandam
dicens , qua omnia regantur , eamque animalem , evellere ex ani
mis conatur cognitionem deorum . Aristotelesque in tertio de 33
philosophia libro multa turbat, a magistro suo Platone non dis
sentiens. Modo enim menti tribuit omnem divinitatem : modo
· mundum ipsum deum dicit esse : modo alium quendam praeficit
solem et animum deum . Die vim et nat. deor., nicht als be
Sonne wird in den Memorabilien gründet angenommen werden.
nirgends Gott genannt: von der Speusippus, ebenfalls aus Athen
Seele heisst es nur 1. 1. toð gelov und Nachfolger seines Oheims Plato
METÉZEL. in der Akademie .
modo unum , tum autem plures. vim quandam — eamque anima
Freilich gebraucht Xen. bald den lem . Eine animalische 'd. h. leben
Pural oí Teoi, bald den Singular dige Kraft, eine Weltseele. Aus
• Jeos, TÒ Detov , auch to datuó- Stobae. Ecl. I p . 58 vgl. mit Arist.
Viov : aber diesen Numerus nur, Metaph . XII, 7. $ 19 p. 1072 lernen
wie alle andern Schriftsteller auch , wir, dass er diese voðs genannt, aber
wenn er die Gottheit im Allgemei- die höchste intellectuelle und mora
nen ,nichtdiesen oderjenen bestimm lische Vollkommenheit noch nicht
ten Gott meint. Ausdrückliche Be ihr, sondern erst einer späteren
zeichnung eines höchsten die Welt Entwickelungsstufe zugeschrieben
ordnenden und zusammenhaltenden habe. Näheres über seine Ansichten
Gottes, den andern Göttern gegen- ist nicht bekannt, und es ist also
über, findet sich nur IV , 3, 13 in auch nicht mit Sicherheit zu ent
einer Stelle , die von Einigen für scheiden,ob dasqua omnia regantur
eine, wenn gleich alte, Interpola wirklich in seinem Sinne gesagt ist.
tion gehalten wird , ohne triftige 33. in tertio de phil. libro. Diese
Gründe. Schrift ist nicht vorhanden . Sie ge
13 . 32. Antisthenes aus Athen, hörte zu den populären in dialogi
Zuhörer des Sokrates, Stifter der scher Form abgefassten . S. Bernays,
cynischen Schule. In dem Herculan . die Dialoge des Aristot. S . 95 11. 99.
Fr,des Philodemus p.21 (72Gomp.): menti. Nämlich der höchsten In
παρ' Αντισθένει δ ' εν τω φυσικα telligenz, dem reinen , körperlosen
lévetai tò xarà vóuov kivai nol- Geiste, voðs. Metaph. XII, 6 . 7. 9.
hoùs geous , xarà de púolv Éva , mundum ipsum deum esse. Dass
Seine naturphilosophische Specu - die Welt Gott sei, steht nirgends
lation führte ihn nur auf Einen bei Aristoteles: wohl aber nennt er
Gott, wobei er doch immerhin auch den Himmel αθάνατόν τι και θ εί
die Götterdes herkömmlichen Volks - ovi De Caelo II, 1. 3.
glaubens als Geschöpfe und unter alium quendam . Wahrscheinlich
geordnete Diener des Einen gelten ist das von Aristot. Meteor. I, 3.
lassen konnte, wie es andere Phi- de Caelo II, 4 sogenannte noôtov
losophen ebenfalls thaten. Es kann στοιχείον , πρώτον των σωμάτων
daher das folgende Urtheil, tollit gemeint, eine ovoia ouatos aan
58 DE NATUR DEORU
A M
mundo , eique eas partis tribuit, ut replicatione quadam mundi
motum regat atque tueatur; tum caeli ardorem deum dicit esse,
non intelligens caelum mundi esse partem , quem alio loco ipse
designarit deum . Quomodo autem caeli divinus ille sensus in
celeritate tanta conservari potest ? ubi deinde illi tot di, si nu
meramus etiam caelum deum ? Quum autem sine corpore idem
vult esse deum , omni illum sensu privat, etiam prudentia . Quo
porro modo mundum movere carens corpore , aut quomodo,
34 semper se movens, esse quietus et beatus potest ? Nec vero eius
condiscipulus Xenocrates in hoc genere prudentior ; cuius in li
bris, qui sunt de natura deorum , nulla species divina describitur .
Deos enim octo esse dicit : quinque eos , qui in stellis vagis no
minantur ; unum , quiex omnibus sideribus, quae infixa caelo sunt,
ex dispersis quasi membris simplex sit putandus deus: septi
mum solem adiungit octavamque lunam : qui quo sensu beati
napà ràs évtaūga (d. h . &v tñ yn det, auch selbst göttlich (Deia ,
ovotégers 9810TÉo a xai rootÉoa Saluóvic ) heissen durften. Vgl.
(de Cael. I, 2), die oben zu c. 8, Stob. Ecl. phys. I p. 486 , wo sie
19bespr. quinta natura ,welche den ebenfalls geoi genannt werden,
Weltraum oberhalb des Mondes ein semper se movens. Nach Aristo
nimmt, und aus welcher auch die teles ist der höchste Gott selbst un
Gestirne und deren Sphären ge bewegt, aber die Ursache der Be
bildet sind. Diesem edleren, gött wegung der Welt. Dem Epikureer
lichen Stoff ist eine kreisförmige war wohl ein bewegendes, das doch
Bewegung eigen , woraus sich die selbst unbewegt sei, nicht recht
Umdrehung des Himmels und der denkbar; daher sagt er se movens.
Gestirne erklärt: und diese Bewe- 34. Xenocrates aus Chalcedon ,
gung ist es, die hierdurch replicatio, Schüler des Plato (daher condisci
in sich selbst zurückkehrende Be pulus Ar.) und Nachfolger des Speu
wegung,bezeichnet wird . Vgl. übri- sippus auf dem Lehrstuhle der Aka
gens Stob. Ecl. phys. I p. 64 u. bes. demie, seit d. J. 339.
Plut. plac. phil. I, 7. Deos en . octo esse d . Der Bericht
caeli ardorem . Nichts als ein an - ist sehr unvollständig . Vollständi
derer Name für die eben bespro- ger skizzirt. Stobae. Écl. I p .62 die
chene Materie, die Arist. selbst de Theologie des Xen. An die Spitze
Caelo I, 3 für den von Andern so stellte er die Monas und die Dyas,
genannten Aether erklärt. Ueber d. h. die Einheit und die Ent
jenen Ausdruck s. zu c. 8, 18 . zweiung : jene nannte er auch
Zeus und Geist, vows , diese be
illi tot di. Unmöglich können da .
mit die drei vorhergenannten , der zeichnete er als weibliches Princip
maindus, der Regent des mundus und nannte sie Göttermutter,
und der caeli ardor gemeint sein : Herrscherin der sublunari
Darum muss eine Lücke angenom - schen Welt, Weltseele. Ge
men werden . Wahrscheinlich war wordene Götter waren der Him
in den ausgefallenen Worten von mel und die Gestirne; ausser
den Gestirnen die Rede , die , als dem noch Elementargeister,
aus einem göttlichen Stoffe gebil- die in Luft , Wasser, Erde walteten ,
LIB . I. CAP. 13. 14 . 59

esse possint intelligi non potest. Ex eadem Platonis schola Pon


ticus Heraclides puerilibus fabulis refersit libros, et modomundum
tum mentem divinam esse putat: errantibus etiam stellis divini
tatem tribuit , sensuque deum privat et eius formam mutabilem
esse vult: eodemque in libro rursus terram et caelum refert in
deos. Nec vero Theophrasti inconstantia ferenda est : modo enim 35
menti divinum tribuit principatum , modo caelo , tum autem si
gnis sideribusque caelestibus. Nec audiendus eius auditor Strato,
is qui physicus appellatur: qui omnem vim divinam in natura
sitam esse censet, quae causas gignendi, augendi, minuendiha
beat, sed careat omnisensu et figura . Zeno autem (ut iam ad 36
vestros, Balbe , veniam ) naturalem legem divinam esse censet,
eamque vim obtinere recta imperantem , prohibentem contraria .
Quam legem quomodo efficiat animantem intelligere non pos
sumus. Deum autem animantem certe volumus esse. Atque
hic idem alio loco aethera deum dicit, si intelligi potest nihil
sentiens deus , qui numquam nobis occurrit neque in preci
busneque in optatis neque in votis. Aliis autem libris rationem
und die er mit den Namen der Volks- uti ad fabricandum mundum : quae
götter Here , Poseidon , Deme- cumque sint, omnia effecta esse
ter benannte. natura. Ueber natura als blinde,
Ponticus Heraclides : aus Hera- bewusstlose Naturkraft (natura
clea am Pontus, Schüler des Plato nesciens quid faciat bei Seneca
und Speusippus und später des Ari quaestt. nat. 1 princ.) s. II, 32, 81.
stoteles. Als einen vielseitigen 14 . 36 . Zeno aus Kittion einer
Schriftsteller , der auch manches Cyprischen Stadt, Zuhörer theils
Wunderbare und Fabelhafte zu er des Cynikers Krates, theils des
wähnen nicht verschmähte , lassen Akademikers Xenocrates, Stifter
auch andere Angaben ihn erkennen . der Stoischen Schule , starb hoch
sensuque deum privat. Offenbar betagt zu Athen um d. J. 260.
nur eine Folgerung des Epikureers, naturalem legem . Diog. L. VII,
der nach seinen Ansichten Göttern 88 : xoivòs vóuos, OOTEO Èotiv ó
der angegebenen Art keine Empfin- ofòs kóyos did távtov toxóue
dung und kein Bewusstsein zuge vos, ở độcòn ồn Thọ đi.
stehen konnte . quomodo efficiantanimantem etc.
35 . Theophrastus aus Eresus auf Ein absichtliches Missverstehen der
Lesbos, Schüler und Nachfolger des Meinung des Z., ähnlich dem obigen
Aristoteles. über die Vorsehung c. 8, 18.
Strato aus Lampsacus, avna aethera . S . unten B . II, 9, 23 ff.
λογιμώτατος και φυσικός επι nihil sentiens. So sagt der Epi
xin geis. Diog. L. V, 2. Das we kureer , weil ein empfindender, ver
nige, was sonst über ihn vorkommt, nünftiger Aether, wie Zeno ihn
ist von Nauwerck , de Stratone dachte , ihm ganz undenkbar ist.
Lampsaceno. Berol. 1836 . zusam Ueber intelligi vgl. III, 15 , 39 und
mengestellt. über si - potest Opusc. ac. III p. 311.
in natura sitam . Vgl. Cic. Acad. rationem quandam : lóyov, nichts
II, 38, 121 : negat opera deorum se anders als die o. g. lex . — Das hier
60 DE NATURA DEORUM
quandam , per omnem naturam rerum pertinentem , vi divina esse
[affectam putat. Idem astris hoc idem tribuit, tum annis, men
sibus annorumque mutationibus. Quum vero Hesiodi theogo
niam interpretatur , tollit omnino usitatas perceptasque cogniti
ones deorum . Neque enim Iovem neque lunonem neque Ve
stam neque quemquam , qui ita appellatur , in deorum habet
numero , sed rebus inanimis atque mutis per quandam significa
37 tionem haec docet tributa nomina. Cuius discipuli Aristonis
non minus magno in errore sententia est : qui neque formam dei
intelligi posse censeat, neque in deis sensum esse dicat, dubitet
que omnino, deus animans necne sit. Cleanthes autem , qui Ze
nonem audivit una cum eo, quem proxime nominavi, tum ipsum
mundum deum dicit esse , tum totius naturae menti atque animo
tribuit hoc nomen , tum ultimum et altissimum atque undique
circumfusum et extremum omnia cingentem atque complexum
ardorem , qui aether nominetur, certissimum deum iudicat. Idem
que quasi delirans in iis libris , quos scripsit contra voluptatem ,
tum fingit formam quandam et speciem deorum , tum divinita
tem omnem tribuit astris, tum nihil ratione censet esse divinius.
kaum passende und gewiss entbehr- Chios: nichtzu verwechseln mitdem
liche affectam ist schwerlich von gleichnamigen Peripatetiker aus Ce
Cic. selbst geschrieben . Vgl. Opusc. os. Von seinen naturphilosophischen
ac. III p. 313. Oder sollen wir an und theologischen Ansichten wird
nehmen , dass Cic. dem Epikureer anderswo nichtsberichtet,weswegen
auch wohl einen weniger angemes- wir nicht urtheilen können , ob die
senen Ausdruck in den Mund legen gegenwärtige Relation getreu sei.
zu dürfen geglaubt habe? Cleanthes, aus Assus in Lycien ,
astris. S . B . II, 15 . Zeno'sNachfolger auf dem Stoischen
annis,mensibusetc. Offenbar Ver Lehrstuhle.
drehung,zu der vielleicht Zeno's all ipsum mundum . Dies hatte schon
legorische Erklärungen der mytho Zeno gethan. S. II, 8, 21.
logischen Götter Veranlassung ge tot, naturae menti atque animo,
ben konnten . d. h . der Weltseele. Dies fällt aber
Hesiodi theog. interpr. Gewiss mit dem Obigen zusammen ; denn
schrieb Z . keinen eigentlichen Com nur weil sie von der Weltseele er
mentar über die Th ., sondern nahm füllt und belebt ist, heisst auch die
nur in naturphilosophischen Schrif Welt Gott. Vgl. Varro bei Augu
ten , wie neoi xóo uov , Bezug dar- stin . de C . D . VII, 6 : Hunc ipsum
auf, und erklärte die theogonischen mundum esse deum : sed sicut ho
Fabeln seinem System gemäss alle minem sapientem , quum sit ex cor
gorisch , per quandam significatio - pore et animo, tamen ab animo dici
nem , wie es unten heisst. · sapientem , ita mundum deum dici
usitatas perceptasque. S . zu II, ab animo , quum sit ex animo et
39, 91. — Cognitiones = notiones, corpore.
wie unten c. 17, 44 . ultimum — ardorem . Ebenfalls
37. Aristonis. Dieser war aus mit dem Obigen zusammenfallend.
LIB . I. CAP. 14. 15 .
Ita fit , ut deus ille , quem mente noscimus atque in animino
tione tamquam in vestigio volumus reponere, nusquam prorsus -
appareat. At Persaeus , eiusdem Zenonis auditor , eos dixit esse 40
habitos deos , a quibus magna utilitas ad vitae cultum esset in
venta , ipsasque res utilis et salutaris deorum esse vocabulis
nuncupatas: ut ne hoc quidem diceret, illa inventa esse deorum ,
sed ipsa divina. Quo quid absurdius, quam aut res sordidas
atque deformis deorum honore afficere, aut homines iam morte
deletos reponere in deos, quorum omnis cultus esset futurus in
luctu ? lam vero Chrysippus , qui Stoicorum somniorum va -. 39
ferrimus habetur interpres, magnam turbam congregat ignoto
rum deorum , atque ita ignotorum , ut eos ne coniectura quidem
informare possimus , quum mens nostra quidvis videatur cogi
tatione posse depingere. Ait enim vim divinam in ratione esse
Denn der feurige Aether ist es, wel ipsasque res utilis. Hierüber s.
cher das All theils umfasst theils II,23, 60.62 u. 31, 80.
als Weltseele durchdringt. quo — quam - Eine Art von
in animi notione – reponere. Epexegem , indem der Begriff, auf
Epikur nahm einen natürlich gege den das Relativ als aus dem Vor
benen Begriff, eine sog. noongis herg. zu entnehmen hindeutet, nach
der Gottheit an (s. c. 16, 43): ein her doch noch, aber anders gefasst
Gott, an den wir glauben sollen , und näher bestimmt, ausgesprochen
muss in diesen Begriff hineinpassen , wird. Vgl. de Finn . I, 6 : ait enim
und dies ist die Probe, ob er wirk declinare atomos sine caussa : quo
lich ein Gott sei; wie wir etwa, um nihil turpius physico , quam fieri
zu ermitteln , ob ein Fuss der ist, sine caussa quidquam dicere : wo
für den er ausgegeben wird, ihn in Madvig mehr Beispiele giebt. Auch
die uns vorliegende Spur von die- die Griechen reden oft ebenso. S .
sem hineinsetzen, und darnach ur- Matthiae gr. Gr. $ 450 , 2 u. Anm . 2.
theilen . Vgl. Plat. Republ. p . 462 A : 39. Chrysippus, aus Soli in Cili
άρα & νυν διήλθομεν εις το του cien , Schüler und Nachfolger des
åya foũ izvos nuīv åquórtet; Aehn Kleanthes, als Lehrer und Schrift
lich auch Cic. Orat. c. 38 , 133: steller ungemein thätig , und als der
ea oratio (die R . desDemosth . f. d. eigentliche Vollender des Stoischen
Krone) in eam formam , quae est Systems angesehn , was der Vers bei
insita in mentibus nostris, includi Diog . L. VII, 183 ausspricht : si un
sic potest, utmaior eloquentia non γαρ ήν Χρύσιππος, ουκ αν ήν
requiratur, wo die Idee gleichsam Stoá. Darum wird auch der Ueber
der Rahmen ist, in den das Kunst gang zu ihm durch iam vero beson
werk hineinpasst. Ebenso ib .c. 5 , 15 . ders markirt.
15 . 39. Persaeus war nicht blos in ratione et — mente. Auch
Schüler, sondern auch Landsmann hier fügt die Copula dem allge
des Zeno . meineren Ausdruck die bestimmtere
a quibus - esset inventa. Es Bezeichnung hinzu. Gemeint ist die
versteht sich , dass P . nicht alle, Weltseele. The goéva návrov
sondern nur einige Götter so er και - - λόγον και την του όλου
klärte, wie Bacchus, Ceres, Aescu yuxúv, heisst es in der den Chr.
lap. S. II, 24,62. betreffenden Stelle des in der Einl.
62 DE NATURA DEORUM
positam et universae naturae animo atque mente ; ipsumquemun
dum deum dicit esse , et eius animi fusionem universam ; tum
eius ipsius principatum , qui in mente et ratione versetur, com
munemque rerum naturam universitatemque omnia continentem ;
tum fatalem vim et necessitatem rerum futurarum ; ignem prae
terea et eum , quem ante dixi, aethera; tum ea , quae natura flu
erent atque manarent, ut et aquam et terram et aëra ; solem , lu
nam , sidera , universitatemque rerum , qua omnia continerentur,
atque etiam homines eos , qui immortalitatem essent consecuti.
40 Idemque disputat aethera esse eum , quem homines Iovem appel
larent; quique aër per maria manaret, eum esse Neptunum : ter
ramque eam esse , quae Ceres diceretur ; similique ratione per
S . 18 erwähnten Herkulanischen solem , lunam , sidera, terram etc.
Fragmentes. Die Worte qua omnia contineren
eius animi fusionem universam tur sind ein überflüssiger, wahr
für: eius animum ubique fusum . scheinlich wegen des obigen omnia
Abstr. pr. concr. Es ist klar, dass continentem von einem alten Leser
dies nur ein anderer Ausdruck für beigeschriebener Zusatz.
die Weltseele ist. homines etiam - Die Seelen ge
eius ipsius principatum . Wieder wöhnlicher Menschen verlieren sich
nur ein anderer Ausdruck für die- mit dem Tode in die allgemeine Na
selbe. Zur Sache vgl. II, 11, 29. tur ; die der besseren behaupten
fatalem necessitatem etc. Die sich in persönlicher Existenz und
Eluaquévn (c. 20, 55), das ewige führen ein göttliches Leben bis zu
Gesetz, vermöge dessen , in zusam dem allgemeinen Weltbrande: einige
menhängender Reihe von Ursachen besonders ausgezeichnete werden
und Wirkungen , die Ereignisse mit ganz den Göttern zugesellt. S . II,
Nothwendigkeit erfolgen .
ignem – et - aethera . Der spe - 24 , 62. u . Ps.- Plut. de plac. phil.
IV , 7. Diog. L. VII, 157 u. Aa.
ciellere Ausdruck dem generellen
hinzugefügt, bei dem man sonst nur 40. aethera – lovem . S. II, 2,
an das gemeine irdische Feuer zu 4 u. 25, 65.
denken geneigt sein möchte. Vgl. Neptunum . S. II, 26 , 66 u. 28 , 71.
zu II, 15 , 41. u . über das et Hand Für aèr wäre vielleicht aether rich
Tursell. II p. 477. tiger: doch der Epikureer nimmt
quae n . fluerent atque manarent es nicht so genau. Der Verf. des
Correcter wäre fluant,manent. Doch Herkul. Fr. col. 3, 2 (p . 80 Gomp.)
S. Zu c. 22, 61. Ueber die Sache braucht dépa selbst vom Zeus ; und
vgl. II, 33 , 84 u . Ps.-Plutarch. de 8, 3 (p. 85) nennt er die Stoischen
plac. phil. Í, 9: oí Stwixoi TpenTİV Götter đéoas xai aveúuata nai
και άλλοιωτών και μεταβλητών και aitépas. Auch bei Empedokles
ρευστήν όλην δι' όλου την ύλην. übrigens waren beide Ausdrücke
Doch hat Bouhier das manarent, nicht streng unterschieden . S . Kar
namentlich wegen terram ,beanstan sten , Empedocl. p. 217, und mehr
det und dafür manerent vorgeschla - bei Schneider, Callimach . 1 p . 293,
gen . Dies ist freilich nicht annehm - u . Munro zu Lucret. II, 1115 .
lich ; annehmlicherist Heindorfs Vor terramque — quae Ceres. S. II,
schlag : ut aquam et aera : tum 26 , 67 u. 28, 71.
LIB. I. CAP. 15. 16 . 63
sequitur vocabula reliquorum deorum . Idemque etiam legis per
petuae et aeternae vim , quae quasi dux vitae et magistra officio
rum sit, lovem dicit esse, eandemque fatalem necessitatem appel
lat , sempiternam rerum futurarum veritatem ; quorum nihil tale
est, ut in eo vis divina inesse videatur. Et haec quidem in primo 41
libro de natura deorum : in secundo autem vult Orphei , Musaei,
Hesiodi Homerique fabellas accommodare ad ea, quae ipse primo
libro de deis immortalibus dixerat: ut etiam veterrimi poetae,
qui haec ne suspicati quidem sunt, Stoici fuisse videantur. Quem
Diogenes Babylonius consequens in eo libro , qui inscribitur de
Minerva, partum Iovis ortumque virginis ad physiologiam tradu
cens deiungit a fabula.
- Exposui fere non philosophorum iudicia , sed delirantium
somnia. Nec enim multo absurdiora sunt ea, quae poetarum
vocibus fusa ipsa suavitate nocuerunt, qui et ira inflammatos et
libidine furentis induxerunt deos, feceruntque ut eorum bella,
proelia , pugnas, vulnera videremus, odia praeterea, discidia , dis
cordias, ortus, interitus, querellas, lamentationes, effusas in omni
intemperantia libidines, adulteria , vincula , cum humano genere
concubitus , mortalisque ex immortali procreatos. Cum poeta - 43
rum autem errore coniungere licet portenta magorum , Aegy
ptiorumque in eodem genere dementiam , tum etiam vulgi opini
sempiternam — veritatem . Eu- der Unbedachtsamkeit. Vgl. c. 24,
seb. pr. evang. XV, 14 : åłńDelav 66 . de Finn . IV , 4, 10 : poetarum
και νόμον των όντων αδιάδραστον more verba fundere. de Divin . II,
και αφυκτον. 11, 27 : concitatione mentis edi et
41. Orphei. Die angebl. Orphische quasi fundi.
Theogonie. S. zu c. 38, 107. 43. portenta magorum d. h . die
Musaei. Auch diesem , der des Abenteuerlichkeiten des Persischen
Orpheus Freund und Schüler ge- undMedischen Götterglaubens. (Vgl.
nannt wird , schrieb man ein theogo - c. 8 , 18 u . 11, 28 ). Denn magi hies
nisches Gedicht zu . Was davon an - sen die Priester dieser Völker. Was
geführt wird habe ich in den Opusc. . von ihrer Religion bei Griechen und
ac. II p . 6 zusammengestellt. Römern vorkommt, ist vollständig
Diogenes Babylonius. Er war zusammengestellt von Thom .Hyde :
ein Schüler des Chrysippus, aus Hist. relig. vett. Persar. eorumque
Seleucia in Syrien , wołoúuevos dè magorum . Oxon. 1700. Weitere Be
Baßvkovios dià Thu yetoviav, lehrung findet man bei Duncker,
wie Diog. L . sagt VII, 81. Seines Gesch. d . Alterth. II ? S. 369 ff.
Buches περί της Αθηνάς gedenkt Aegyptiorumque – dementiam .
auch das Herkul. Fr. 5 , 15 . (82Gomp.) Velleius denkt namentlich an die
16 . 42. fusa. Der eigentl. Aus- Verehrung der heiligen Thiere und
druck von Ergiessungen der poeti- der in Thiergestalt erscheinenden
schen oder prophetischen Begeiste- Götter. S. c. 29, 81. 36 , 101. III,
rung, aber auch des Wahnsinns oder 19, 47.
64 i DE NATURA DEORUM
ones, quae in maxima inconstantia veritatis ignoratione versan
tur. Ea qui consideret quam inconsulte ac temere dicantur,
venerari Epicurum et in eorum ipsorum numero, de quibus haec
quaestio est, habere debeat. Solus enim vidit, primum esse deos,
quod in omnium animis eorum notionem impressisset ipsa na
tura . Quae est enim gens aut quod genus hominum , quod non
habeat sine doctrina anticipationem quandam deorum ? quam
appellat ngólnyiv Epicurus, id est anteceptam animo rei quan
dam informationem , sine qua nec intelligi quicquam nec quaeri
nec disputari potest. Cuius rationis vim atque utilitatem ex illo
caelesti Epicuri de regula et iudicio volumine accepimus. Quod
igitur fundamentum huius quaestionis est , id praeclare iactum
videtis. Quum enim non instituto aliquo aut more aut lege sit
opinio constituta , maneatque ad unum omnium firma consensio ,
intelliginecesse est esse deos, quoniam insitas eorum vel potius
innatas cognitiones habemus. De quo autem omnium natura
consentit, id verum esse necesse est. Esse igitur deos confiten
dum est. Quod quoniam fere constat inter omnis non philoso
phos solum , sed etiam indoctos , fateamur constare illud etiam ,
hanc nos habere sive anticipationem , ut ante dixi, sive praeno
tionem deorum : (sunt enim rebus novis nova ponenda nomina,
ut Epicurus ipse ngónviv appellavit, quam antea nemo eo verbo
venerai Epicurum etc. Dies ist L . X , 27 περί κριτηρίου ή κανών
charakteristisch . Aehnliche über- d. h . über das Kennzeichen der
triebene Aeusserungen der Vereh - Wahrheit oder Richtschnur,
rung der Epikureer gegen ihren nämlich des Urtheilens. In diesem
Meister finden sich häufig , und sie Buch trug Epik. seine Logik vor.
werden deswegen von ihren Geg 17. 44. innatas cognitiones. Dass
nern verspottet. Vgl. Plutarch. g. nach E . die noóanyus nicht ange
Colot. c. 17. boren sondern auf die oben angege
anticipationem — noónyiv. Mit bene Weise entstanden sei, wes
diesem Namen bezeichnete Epikur wegen sie auch bei Diog . L. X , 33
die allgemeinen, aus Erinnerung an als μνήμη του πολλάκις φανέντος
wiederholte Wahrnehmung und Ver- bezeichnet wird, konnte dem Cicero
gleichung der dadurch der Seele ein- unmöglich entgehen. Indem er inna
geprägten Vorstellungen gewonne tas sagt, will er blos die naturge
nen Begriffe, weil sie jedem Urtheil mässe Entstehung in der Seele, das
über Wahres und Falsches und je in animo natum , bezeichnen , was
der ferneren Denkoperation voran durch insitas nicht deutlich aus
gehn und zu Grunde liegen , was gedrückt wird . Vgl. zu II, 4 12 u .
auch die folg . Worte , sine qua — 17, 45 .
- potest besagen . Vgl. Sext. Emp. id verum esse necesse est. Vgl.
adv. Math . I, 57 : Úte Snteīv oŰTE II, 2, 5. 4, 12 ;dagegen aber I, 23,62.
απορείν έστι κατά τον σοφόν quam antea memo. Die Stoiker,
'Enixovoov avev roońwews. deren erster , Zeno , Epikur's Zeit
de regula et iudicio . Nach Diog. genosse war , brauchten das Wort
LIB . I. CAP. 17. 18. 65
nominarat:) hanc igitur habemus, ut deos beatos et immortalis 45
putemus. Quae enim nobis natura informationem deorum ipso
rum dedit, eadem insculpsit in mentibus, ut eos aeternos et bea
tos haberemus. Quod si ita est, vere exposita illa sententia est
ab Epicuro : quod beatum aeternumque sit, id nec habere ipsum
negotii quicquam nec exhibere alteri: itaquè neque ira neque
gratia teneri, quod , quae talia essent, imbecilla essent omnia .
Si nihil aliud quaereremus, nisi ut deos pie coleremus et ut
superstitione liberaremur, satis erat dictum ; nam et praestans
deorum natura hominum pietate coleretur, quum et aeterna esset
et beatissima: habet enim venerationem iustam quicquid excellit ;
et metus omnis a vi atque ira deorum pulsus esset: intelligitur
enim , a beata immortalique natura et iram et gratiam segregari;
quibus remotis nullos a superis impenderemetus. Sed ad hanc
confirmandam opinionem anquirit animus et formam et vitae
actionem mentisque agitationem in deo . Ac de forma quidem 18
partim 'natura nos admonet , partim ratio docet. Nam a natura
habemus omnes omnium gentium speciem nullam aliam nisi hu
manam deorum . Quae enim forma alia occurrit umquam aut
vigilanti cuiquam aut dormienti ? Sed , ne omnia revocentur ad
primas notiones, ratio hoc idem ipsa declarat. Nam quum prae- 47
stantissimam naturam , vel quia beata est vel quia sempiterna,
in ähnlicher Bedeutung , haben es tionem , admirationem , expectatio
also wohl von E . angenommen . S. nem , laetitiam , spem , timorem ha
Diog. L. VII, 54 . bere (ad Famil. V , 12 , 18 ) u . dgl.
45. hanc igitur habemus. Die mehr , von Dingen die dergleichen
durch die Parenthese unterbrochene Affectionen zur Folge haben und
und mitigiturwieder aufgenommene erregen. Vgl. Beier zu de Offic.
Structur sollte nun , in Ueberein II, 6, 19. — Im Folg. verbinde man
stimmung mit dem vorangegangenen metus a vi; wie metuere ab aliquo ,
Satztheil, ebenfalls den Inf. habere vor Jemand Furcht haben .
setzen ; aber dergleichen Abwei- vitae actionem , wie I, 1, 2 u. 37,
chungen nach Parenthesen sind 103 blos Lebensweise.
ebenso häufig als erklärlich . 18 . 46. occurrit. Wie dies zu
ab Epicuro. In den sog. xvpiais verstehen sei, wird § 49 zeigen .
Sófais (s. c. 30 , 85 ) d. h . Haupt ne omnia revocentur ad prim ,no
sätzen seiner Lehre, die Diog . L . tiones, d . h. um nichtAlles nur durch
X , 139 ff. aufbewahrt hat. Gleich Berufung auf die ersten Begriffe zu
der erste von diesen lautet: tò ua begründen . Die ersten Begriffe
Kápov xai äpaorov oŰte avto sind die oben bespr. ToolÝWels.
rtpayuata ÉZEL OÛTE alag nao Velleius will nun , was in diesen
έχει, ώστε ούτε οργαΐς ούτε χάρισι gegeben ist,auch in dialektischer
συνέχεται έν ασθενεϊ γαρ παν Weise durch Vernunftschlüsse und
το τοιούτον. Folgerungen darthun , 47 , 48 , da
habet venerationem . So luctum mit aus der noóanyes durch yvãous
habere (de Legg. II, 26, 65 ), delecta- eine xatáhnuis werde, wie es bei
Cic. de nat. deor. 4. Aufl.
66 DE NATURA DEORUM
convenire videatur eandem esse pulcherrimam , quae compositio
membrorum , quae conformatio lineamentorum , quae figura, quae
species humanâ potest esse pulchrior ? Vos quidem , Lucili , so
letis , ( nam Cotta meus modo hoc modo illud ,) quum artificium
effingitis fabricamquedivinam , quam sint omnia in hominis figura
non modo ad usum , verum etiam ad venustatem apta, describere.
48 Quod si omnium animantium formam vincit hominis figura, deus
autem animans est , ea figura profecto est , quae pulcherrima est
omnium ; quoniamque deos beatissimos esse constat, beatus
autem esse sine virtute nemo potest, nec virtus sine ratione
constare, nec ratio usquam inesse nisi in hominis figura : hominis
49 esse specie deos confitendum est. Nec tamen ea species corpus
est, sed quasi corpus, nec habet sanguinem , sed quasi sanguinem .
19 Haec quamquam et inventa sunt acutius et dicta subtilius ab Epi
curo , quam ut quivis ea possit agnoscere , tamen fretus intelli
gentia vestra dissero brevius quam causa desiderat. Epicurus
autem , qui res occultas et penitus abditas non modo viderit animo,
sed etiam sic tractet ut manu , docet eam esse vim et naturam
deorum , ut primum non sensu , sed mente cernantur, nec solidi
Theodoret. Therap . P. 42 Gaisf. welcher die Vorstellungen von Göt
heisst. Die Schwäche seiner Beweis- tern in ihm entstehen, von materiel
führung zeigt Cotta c. 32, 89. 90. len Wesen herrühren, d. h. die Göt
47. eandem esse pulch. s. v. als ter müssen materiell sein. Aber ihre
item pulcherrimam esse : wie Brut. Materialität muss doch von anderer
84, 290 : Non omnesquiattice. iidem und feinerer Art sein , als die der
bene dicunt. Diese Anwendung des jenigen jenige Dinge, von welchen die kör
Pron .ist häufig und leicht zu erklä perlichen Sinneswerkzeuge afficirt
ren. Vgl. Reisig $ 210. werden : denn sonst würden wir ja
vos quidem , L ., soletis — Dies auch die Götter mit diesen wahrneh
thut Balbus auch II, 54 ff. Zu dem men müssen , was doch nicht der Fall
folg . modo hoc modo illud vgl. de ist. Cf. Lucret. V, 149. Diese an
divin . I, 30, 62 : Namque Carnea dere , feinere Materialität der Göt
des concertationis studio modo hoc ter, von der, ohne Dazwischenkunft
modo illud ait. ad Attic . XIII, 25 , 3 : der körperlichen Sinneswerkzeuge,
O academiam volaticam et sui simider Geist selbst unmittelbar afficirt
lem : modo huc modo illuc. wird , ist das durch quasi corpus,
49. quasi corpus – quasi san quasi sanguis Bezeichnete.
guinem . Nach Epikur ist auch der 19. agnoscere : als wahr aner
Geistmateriell und besteht wie alle kennen .
andere Dinge aus Atomen , aber aus primum . Das entsprechende de
Atomen von ganz besonderer Fein inde hat G. vergessen: es könnte
heit. Diog . L . X , 63. 66 . 67 . Lu aber zu Anf. des nächsten § vor
cret. III, 178 ff. Da nun aufMate- quum stehen , wo das que in den
rielles nur Materielles einwirken Handschr. fehlt.
kann , so muss auch diejenige Ein non sensu sed mente. S . oben zu
wirkung auf den Geist, in Folge quasi corp. - Hiernach ist auch
LIB. I. CAP. 18. 19. 67
tate quadam nec ad numerum , ut ea quae ille propter firmitatem
OTEDéuvia appellat, sed imaginibus, similitudine et transitione
perceptis ; quum [que] infinita simillimarum imaginum species ex
innumerabilibus individuis existat et ad nos affluat, cum maximis
voluptatibus in eas imagines mentem intentam infixamque no
stram intelligentiam capere, quae sit etbeatae naturae et aeternae.
das obige occurrit § 46 zu fassen , dieZählbarkeit setztUnterscheidung
von Vorstellungen , die uns im wa- von Einzelnen voraus.
chen Zustande oder im Traum vor imaginibus, similit. et trans. per
die Seele treten. Vgl. Sext. Empir. ceptis. d. h . propter similit. et
IX , 25 . trans. Die transitio ist offenbar der
nec soliditate quadam etc. Die Uebergang der Bilder von den Göt
festen und sinnlich wahrnehmba tern zu den Menschen . Bei der si
ren Körper nannte Epikur στερέμ militudo aber denken wir an den
via, im Gegensatz gegen die εidw Satz der alten Naturphilosophie :
la , d. h . lockere Atomengebilde, similia similibus percipiuntur. Die
dergleichen von diesen festen Kör- göttlichen Bilder sind von ähnlicher
pern gleichgestaltet mit ihnen aus Beschaffenheit wie der von ihnen
strömen : dróóóolai tnv éñs géolv afficirte Theil der Seele, die mens
και τάξιν διατηρούσαι, ηνπερ και animi (Lucret. V , 150). Darum ,
Év Tols Otepeuvious eixov . Diog. werden sie von der Seele wahr
L . X , 46 . "Die göttlichen Leiber
sind keine Otepéuvia, und die von
genommen , ohne Vermittelung der
Augen .
ihnen ausfliessenden Atomengebilde Quumque ---. Nachdem zuerst ge
sind , wie Lucret. IV , 732 lehrt, zeigt worden , wie die Seele zur
multo magis tenuia textu , quam Vorstellung der Gottheit überhaupt
quae percutiunt oculos visumque komme, folgt nun zweitens, wie sie
lacessunt. Diese letzteren haben dazu komme, sich die Gottheit als
eine gröbere Beschaffenheit, die von ein seliges und unvergängliches We
C . als soliditas bezeichnet wird ; sen zu denken . - Ueber que was
solche soliditas haben die gött- hier zwar in den Hdschr, fehlt, aber
lichen Atome nicht, können also nicht zu entbehren ist, s. zuc. 10 , 24 .
nicht soliditate quadam cerni, wie infinita species. Warum der Sin
die OTERÉuvia . gular gewählt sei, kann c. 36 , 109
ad numerum . Unten c. 39, 109 zeigen : fluentium frequenter trans
heisst es von den in die Seele ge- itio fit visionum , ut e multis una
langenden göttlichen Bildern : Flu videatur.
entium frequenter transitio fitvisio ex innumer . individuis, d. h , ato
num ,ut e multis una videatur, wor- mis. Vgl. c. 39, 109 : innumerabili
aus zu schliessen , Epikur habe ge- tas suppeditat atomorum .
lehrt, dass diese Bilder in der Seele intelligentiam d. h . vernunftmäs
nur eine allgemeine Gesammtvor- sige, durch Nachdenken gewonnene
stellung erzeugen , ohne dass sich Erkenntniss. Die durch die imagines
einzelne Individuen unterscheiden bewirkte praenotio oder ngólnyes
liessen : womit es denn auch über- (c. 17 , 44) erregt den Geist sein
einstimmt, wenn c. 29, 80 von un - Nachdenken auf das Wesen der
unterscheidbarer Gleichheit der Göt- Gottheit zu richten (gr. Enißá leiv
ter die Rede ist. So ist denn ad érißoań), und dies führt ihn denn
numerum cerniwohl = ita cerni ut darauf, den Begriff der Gottheit als
numerari singillatim possint. Denn eines seligen und unsterblichen We
5*
U RA UM
68 DE NAT DEOR
50 Summa vero vis infinitatis et magna ac diligenti contemplatione
dignissima est; in qua intelligi necesse est eam esse naturam , ut
omnia omnibus paribus paria respondeant. Hanc ioovoulav ap
pellat Epicurus , id est aequabilem tributionem . Ex hac igitur
illud efficitur, simortalium tanta multitudo sit, esse immortalium
non minorem , et si , quae interimant, innumerabilia sint, etiam
ea , quae conservent , infinita esse debere. Et quaerere a nobis ,
Balbe, soletis, quae vita deorum sit quaeque ab iis degatur aetas.
Ea videlicet, qua nihil beatius, nihil omnibus bonis affluentius
51 cogitari potest. Nihil enim agit : nullis occupationibus est im
plicatus, nulla opera molitur, sua sapientia et virtute gaudet ; ha
bet exploratum , fore se semper quum in maximis tum in aeternis
59 voluptatibus. Hunc deum rite beatum dixerimus, vestrum vero
laboriosissimum . Sive enim ipse mundus deus est , quid potest
esse minus quietum , quam nullo puncto temporis intermisso
versari circum axem caeli admirabili celeritate ? (nisi quietum
autem , nihil beatum est:) sive in [ipso)mundo deus inest aliquis,
qui regat, qui gubernet, qui cursus astrorum , mutationes tempo
rum , rerum vicissitudines ordinesque conservet , terras et maria
contemplans hominum commoda vitasque tueatur , ne ille est
53 implicatus molestis negotiis et operosis ! Nos autem beatam
vitam in animi securitate et in omnium vacatione munerum po
nimus. Docuit enim nos idem qui cetera , natura effectum esse
mundum : nihil opus fuisse fabrica, tamque eam rem esse facilem ,
quam vos effici negatis sine divina posse sollertia , ut innumera
bilis natura mundos effectura sit , efficiat, effecerit. Quod quia
quemadmodum natura efficere sine aliqua mente possit non vi
sens zu fassen , nämlich in Folge tungen die Rede ist, ebenso wie der
des Gesetzes der Isonomie. Vgl. umgekehrte vom Singular zum Plu
oben S . 26 f. und mehr im Anhange. ral, ist häufig und leicht begreiflich .
50. si mortalium - et si quae S . unten c. 36, 101. 38, 106 . 41,
interimant. Ueber das durch die 113 . 114 .
Stellung dieser beiden Sätze ver 20. 52. vicissitudines ordines
anlasste Missverständniss S. oben que , s. v. als earumque ordines,
S . 26 . Anm . oder vicissitudines ordinatas, als
Balbe, soletis, d. h . Du und die Hendiadys.
Deinigen : wie de Or. I, 35 , 160 : 53. natura, blinde bewusstlose
Quid est? Cotta, quid tacetis? Virg. Naturkraft, wie c. 13, 35. Uebrigens
Aen . IX , 525 : Vos, o Calliope, pre vgl. die Anm . zu c. 24,67.
cor, aspirate canenti. Tibull. 1, 3, innumerabilis mundos. Die Grün
1: Ibilis Aegaeas sine me, Mes de, weswegen Epikur eine Menge
salla , per undas. von Welten annahm , kann man bei
nihil enim agit. Man erwartete Lucretius lesen II, 1052 ff. Sie lau
agunt. Aber solcher Uebergang vom fen am Ende aber nur darauf hin
Plural zum Singular, wenn von Gat- aus, dass sich das Gegentheil nicht
LIB . I. CAP. 19. 20. 69
detis, ut tragici poetae , quum explicare argumenti exitum non
potestis , confugitis ad deum ; cuius operam profecto non desi- 54
deraretis , si immensam et interminatam in omnis partis magni
tudinem regionum videretis, in quam se iniiciens animus et in
tendens ita late longeque peregrinatur , ut nullam tamen oram
ultimi videat, in qua possit insistere. In hac igitur immensitate
latitudinum , longitudinum , altitudinum infinita vis innumerabi
lium volitat atomorum , quae interiecto inani cohaerescunt tamen
inter se et aliae alias apprehendentes continuantur: ex quo effi
ciuntur eae rerum formae atque figurae, quas vos effici posse
sine follibus et incudibus non putatis . Itaque imposuistis in cer
vicibus nostris sempiternum dominum , quem dies et noctes ti
meremus. Quis enim non timeat omnia providentem et cogi
tantem et animadvertentem et omnia ad se pertinere putantem ,
curiosum et plenum negotii deum ? Hinc vobis extitit primum 55
erweisen lässt. Uebrigens war Epi- 54. Ita nicht mit late sondern mit
kur nicht der erste , der mehrere peregrinatur zu verbinden . Das
Welten annahm . Vgl. ob . c. 10, 25 . Satzverhältniss ist, wie das folgende
u . Stobae. Ecl. I p. 496 . tamen zeigt, ein concessives: das
ut tragici poetae etc. Wohl Ausgesagte gilt ita, so, d. h. unter
Nachahmung einer Platonischen dieser Einschränkung. Vgl. or. pro
Stelle, Cratyl. p. 425 D : DONEO Sest. c. 5 , 13 : verum hoc ita prae
οι τραγωδοποιοί, επειδάν τι απο tereamus,uttamen intuentes et re
ρωσιν, επί τας μηχανής καταφεύ spectantes relinquamus. de prov.
yovoi, geoùs aſoovtes. Die unge cons. c. 17 : ita dissensi ab eo, ut
schickte Anwendung eines deus ex coniuncti tamen amicitia manere
machina misbilligt auch Horaz A . mus. Suet. Oct. 56 : amicos ita
P. 191. magnos et potentes in civitate esse
explicare argumenti exitum :den voluit, ut tamen pari iure essent.
Ausgang der Fabel, d. h. der dar Auch ohne tamen , ad Attic. XIII,
gestellten Handlung, herauswickeln , 27, 1 : ita multa mutari volunt,
d. h. aus den Verwickelungen her utmihi de integro scribendi causa
vorgehen lassen, ist Sache der Dich non sit.
ter : und man sollte deswegen non nullam oram ultimi. Der Geni
possunt erwarten . Aber Cic. hat, tiv dient zur Begriffsbestimmung :
wie es oft geschieht, das Vergli keine in einem Aeussersten
chene und den Gegenstand der Ver bestehende Grenze: wie man
gleichung kurz zusammengefasst, sagt fines montium et fluviorum ,
anstatt, wie es die strengste Genau Grenzen durch Berge und Flüsse
igkeit erforderte , etwa zu sagen : gebildet, exitusmortis, wie dasHo
quum explicare argumenti exitum mer. τέλος θανάτοιο ( Ruhnken zu
non possunt, sic vos, quum dispu et Vellei.II, 7, 1),urbes municipiorum
tando efficere quod vultis non po coloniarum , arbor abietis u. dgl.
testis. Vgl. Horat. Ep. I, 10, 42 : Svig.Haase zu Reisig Anm . 523 u .Mad
cui non conveniet sua res, ut cal epist. ad Orell. p. 79.
ceus olim si pede maior erit sub cohaerescunt tamen inter se. Dar
vertet, si minor, uret. über s. unten c. 25 , 69.
70 · DE NATURA DEORUM
illa fatalis necessitas, quam eiuaquévny dicitis, ut quicquid acci
dat, id ex aeterna veritate causarumque continuatione fluxisse
dicatis. Quanti autem haec philosophia aestimanda est, cui tam
quam aniculis, et iis quidem indoctis, fato fieri videantur omnia ?
Sequitur uavtixỳ vestra, quae Latine divinatio dicitur, qua tanta
imbueremur superstitione, si vos audire vellemus, utharuspices,
56 augures, harioli, vates, coniectores nobis essent colendi. His
terroribus ab Epicuro soluti et in libertatem vindicati nec metui
mus eos , quos intelligimus nec sibi fingere ullam molestiam nec
alteri quaerere , et pie sancteque colimus naturam excellentem
atque praestantem . Sed elatus studio vereor ne longior fuerim .
Erat autem difficile rem tantam tamque praeclaram inchoatam
relinquere. Quamquam non tam dicendi ratio mihi habenda fuit,
21 quam audiendi.
5 Tum Cotta comiter, ut solebat, Atqui, inquit, Vellei, nisitu
aliquid dixisses, nihil sane ex me quidem audire potuisses. Mihi
enim non tam facile in mentem venire solet, quare verum sit
aliquid , quam quare falsum . Idque quum saepe , tum , quum te
audirem paullo ante contigit. Roges me, qualem naturam deo
rum esse ducam : nihil fortasse respondeam . Quaeras , putemne
talem esse, qualis modo a te sit exposita : nihil dicam mihi videri
minus. Sed ante quam aggrediar ad ea, quae a te disputata sunt,
55. fatalis necessitas. Vgl. c. 15, sehenen Bürgern bestehendes Be
40. III, 6, 14. De Divin. I, 55 , 125 : amtencollegium waren, und die Ha
Fatum id appello, quod Graeci ei ruspices, wenn gleich Etrusker, also
Maquévnv, id est ordinem seriem Fremde, (II, 4, 11) doch auch ein
que causarum , quum causa causae Collegium bildeten und oft von
nexa rem ex se gignat. Ea est ex Staatswegen befragt worden . Va
omni aeternitate fluens veritassem - tes, begeisterte Seher, Propheten :
piterna . coniectores, Traumdeuter.
Haruspices, Zeichendeuter, deren 56. His terroribus etc. Auch diese
Kunst sich namentlich auf die Ein Aeusserung, wie die oben c. 16 ,
geweideschau bei Opfern und auf 43 bemerkte , ist charakteristisch
Wunderzeichen von mancherlei Art, für die Schule. Denn nichts rech
prodigia,portenta,ostenta,monstra neten die Epikureer ihrem Meister
(II, 3, 7) bezog. Augures, Beobach zum grösseren Verdienst an , als
ter und Deuter der Zeichen , die die dass er sie nicht nur von Aberglau
Götter besonders durch Vögel, doch ben , sondern überhaupt von jeder
auch durch andere Thiere , durch Art von Götterfurcht frei gemacht
Himmelserscheinungen , namentlich habe. Man vgl. Lucret. B . V zu Anf.
Blitze u . dgl. mehr gaben. Harioli, u . Plutarch . Non posse suaviter vivi
Wahrsager, die für Geld aus irgend etc. c . 8 .
welchen Anzeichen die Zukunft vor non tam - audiendi. d . h . es kam
herzusagen verhiessen , immer mit für mich nicht sowohl darauf an ,
Geringschätzung genannt, während dass ich Euch einen Vortrag hielte,
die Augurn in Rom ein aus ange- als vielmehr darauf, dass ich zu hö
LIB . I. CAP. 20. 21. 22. 71
de te ipso dicam quid sentiam . Saepe enim de [L . Crasso) fami- 58
liare illo tuo videor audisse, quum te togatis omnibus sine dubio
anteferret , et paucos tecum Epicureos e Graecia compararet:
sed , quod ab eo te mirifice diligi intelligebam , arbitrabar illum
propter benevolentiam uberius id dicere. Ego autem , etsi vereor
laudare praesentem , iudico tamen dere obscura atque difficillimaa
te dictum esse dilucide, neque sententiis solum copiose, sed verbis
etiam ornatius quam solent vestri. Zenonem , quem Philo noster 59
coryphaeum appellare Epicureorum solebat, quum Athenis essem ,
audiebam frequenter, et quidem ipso auctore Philone: credo, ut
facilius iudicarem , quam illa bene refellerentur, quum a principe
Epicureorum accepissem quemadmodum dicerentur. Non igitur
ille ut plerique , sed isto modo ut tu , distincte , graviter , ornate .
Sed quod in illo mihi usu saepe venit , idem modo , quum te au
direm , accidebat, ut moleste ferrem tantum ingenium (bona venia
me audies ) in tam levis , ne dicam in tam ineptas sententias in
cidisse. Nec ego nunc ipse aliquid afferam melius. Ut enim 60
modo dixi, omnibus fere in rebus, sed maxime in physicis , quid
non sit citius quam quid sit dixerim . Roges me, quid aut quale 22
ren bekäme, was Ihr darauf zu ent- berufen können . Lieber denken wir
gegnen hättet. deswegen mit Madvig zu Cic. de
21. 58. de familiare illo tuo. Es Finn . I, 5 , 16 an den Epikureer
istwohl irgend ein den Anwesenden Phaedrus, der vielleicht in ähnli
allen hinlänglich bekannter Mann chem näheren Verhältniss zu Vel
gemeint, der deswegen gar nicht ge leius gestanden hatte, wie Diodotus
nannt zu werden brauchte. Weil zu Cicero. S . c . 3, 6 .
de Or. III, 21, 78 der Redner L . videor audisse. Vollständig mihi
Crassus ein Familiaris des Velleius videor ; aber das Pronomen wird ,
heisst, so scheint dies irgend einen wie es sich von selbst versteht, oft
alten Kritiker veranlasst zu haben , ausgelassen . Vgl. II, 46 , 117. 61,
auch hier den Namen desselben ein 153. Mehr Beisp. giebt Beier zu de
zurücken , den wir daher in einigen Offic. I, 1, 1.
Handschriften finden . Die Bezeich quam solent vestri. Dass die Epi
nung der Römer nach der National kureer auf die Form der Darstellung
tracht (togatis), die man angemes
eher im wenig Werth legten , wird oft be
Munde eines Nichtrömers zeugt, und die erhaltenen Stücke
sen finden könnte, lässt sich freilich des Philodemus wie des Epikur
durch ähnliche Stellen, wie de orat. · selbst bestätigen es. Minime ap
1, 24, 111. III, 11, 43 'vertheidigen : tum ad dicendum genus heissen sie
aber vom L. Crassus ist nicht be- bei Cic. Brut. c. 35 , 131.
kannt, dass er ein besonderer Ken 59. Zenonem . Znvwv ó Sudá
ner der Philosophie, speciell der vios, axpoarns 'Ano dodapov, ro
Epikureischen , und ihrer damaligen ävypágos ávne , xai vono au mai
Vertreter gewesen sei, was er doch éounveŪooi ooons. Diog . L. X , 25
hätte sein müssen, wenn sich Cotta u. VII, 36 . Vgl. unten c. 33, 93.
so wie er thutauf sein Urtheil sollte Philo noster. S. c. 3, 6 . — Dass
A M
72 · DE NATUR DEORU
sit deus: auctore utar Simonide ,.de quo quum quaesivisset hoc
idem tyrannus Hiero , deliberandi sibi unum diem postulavit.
Quum idem ex eo postridie quaereret, biduum petivit. Quum
saepius duplicaret numerum dierum admiransque Hiero requi
reret, cur ita faceret; quia quanto diutius considero, inquit, tanto
mihi res videtur obscurior. Sed Simonidem arbitror , non enim
poeta solum suavis , verum etiam ceteroqui doctus sapiensque
traditur,) quia multa venirent in mentem acuta atque subtilia,
dubitantem , quid eorum esset verissimum , desperasse omnem
61 veritatem . Epicurus vero tuus (nam cum illo malo disserere,
quam tecum ) quid dicit , quod non modo philosophia dignum
esset, sed mediocri prudentia ?
Quaeritur primum in ea quaestione , quae est de natura
deorum , sintne di necne sint. Difficile est negare. Credo , si in
contione quaeratur ; sed in huiusmodi sermone et [in ] consessu
facillimum . Itaque ego ipse pontifex, qui caerimonias religiones
que publicas sanctissime tuendas arbitror , is hoc , quod primum
est, esse deos, persuaderi mihi non opinione solum , sed etiam
ad veritatem plane velim . Multa enim occurrunt quae conturbent,
62 ut interdum nulli esse videantur. Sed vide , quam tecum agam
liberaliter : quae communia sunt vobis cum ceteris philosophis,
übrigens Cicero hier den Cotta habe ten oder in der Ueberlieferung noch
sagen lassen , was eigentlich nicht gegenwärtig und fortbestehend be
von diesem , sondern von ihm selber trachtet werden können, obwohl sie
eigentlich der Vergangenheit ange
galt, ist allerdings wahrscheinlich ,
wenn auch nicht mit voller Gewiss hören, so konnte sich Cicero erlau
heit zu behaupten. Ebenso c. 28, ben, diesem Sachverhältniss gemäss
79. 33, 93. das Tempus im Relativsatz so zu
22. 60. Simonide. Gemeint ist setzen , als wäre nicht dicit, sondern
der berühmte Lyriker aus Ceos, der, dixitvorhergegangen. Beispiele ähn
gleich seinen etwas jüngeren Zeit licher Art sind oben c. 15 , 39 ( flue
genossen , Pindar und Aeschylus, rentatquemanarent.) ib .40 (appel
und seinem Neffen Bacchylides, oft larent) III, 28, 70 (uterentur) ; an
und lange am Hofe des älteren Hiero dere geben Haase zu Reisig Anm .
zu Syrakus lebte. — Mit dem was 500 u .Madvig zu Cic . de Finn. p . 464.
hier von ihm erzählt wird vgl. was in consessu . Wenn die Praeposi
Tertullian ad nat. II, 2 p. 183 Oehl. tion richtig sein sollte , so müsste
von Thales angiebt: Thales Mile man annehmen , dass ein Wort wie
sius Croeso sciscitanti, quid dedeis hoc od. tali od. dgl. vor consessu
arbitraretur , post aliquot delibe- ausgefallen sei.
randi commeatus nihil renuntiavit. ego ipse - is. Die wiederholte
61. quid dicit, quod esset. Cor Bezeichnung durch das Demonstra
recter wäre sit: aber da das vor tiv dient den Gegensatz hervorzu
herg. Praesens dicit in der That nur heben . Vgl. zu Iil, 39, 93.
uneigentlich gesagt ist, weil nämlich ad veritatem plane, ganz nach der
E .'s Aussprüche als in seinen Schrif- Wahrheit, d . h . so wie es der Wahr
LIB . I. CAP. 22. 23. 73
non attingam , ut hoc ipsum : placet enim omnibus fere, mihique
ipsi in primis , deos esse. Itaque non pugno. Rationem tamen
eam , quae a te affertur, non satis firmam puto. Quod enim om - 23
nium gentium generumque hominibus ita videretur, id satis ma
gnum argumentum esse dixisti, cur esse deos confiteremur. Quod
quum leve per se, tum etiam falsum est. Primum enim unde
tibi notae sunt opiniones nationum ? Equidem arbitror multas
esse gentes sic immanitate efferatas , ut apud eas nulla suspitio
deorum sit. Quid ? Diagoras , a Deos qui dictus est , posteaque 63
Theodorus nonne aperte deorum naturam sustulerunt ? Nam
Abderites quidem Protagoras, cuius a te modo mentio facta est,
sophistes temporibus illis vel maximus, quum in principio libri
sic posuisset, De divis neque ut sint neque ut non sint habeo di
cere, Atheniensium iussu urbe atque agro est exterminatus, libri
que eius in contione combusti. Ex quo equidem existimo tardio
res ad hanc sententiam profitendam multos esse factos, quippe
quum poenam ne dubitatio quidem effugere potuisset. Quid de
sacrilegis, quid de impiis periurisque dicemus ?
heit angemessen ist, dass man von die Götter , sondern auch die Wahr
ihr überzeugt werde, nämlich durch heit der sittlichen Begriffe , die er
einleuchtende Beweise, non opini nur als durch Uebereinkunft, um die
one, nicht durch eine mir eingere- Menge zu zügeln , eingeführtbetrach
deté Meinung. tete. S. Diog. L. II, 99.
23 . 62. nulla suspit. deor. Die Protagoras. S. zu c. 12, 29.
entgegengesetzte Ansicht s, bei Cic. neque ut sint neque utnon sint.
de legg. I, 8, 24. Tuscul. I, 13, 30. Die eigenen Worte des Protagoras
Vgl. Fabric. Bibliograph, antiquar. hat Diog . L . IX , 51 aufbewahrt: ite
p. 304 u. B . Constant de la religion ei uêv feõv oux &xw eidévai oŭg'
I p. 4 . ws sioivog' os oux εio iv . Andere
63. Diagoras aus Melos , einer geben sie in etwas anderer Fassung .
der Cykladen , Zeitgenosse von De- S . Frey , Quaestt. Protag. p. 98 . Ci
mokrit, Protagoras , Sokrates. Er cero's Uebersetzung hat, um wörtlich
war auch lyrischer Dichter, nnd zu sein , den Latein . Sprachgebrauch
einige aus seinen Gedichten erhal verlassen . Uebrigens war nach
tene Verse athmen eine dorchausre Diog.54 des Prot. Ankläger Pytho
ligiöse Gesinnung. Sein mehrfach dorus einer der Vierhundert (im J.
bezeugter Atheismusmag einer Ver 411) und wenn damals die Anklage
irrung naturphilosophischer Specu erfolgte , so kann man annehmen ,
lationen zuzuschreiben sein , zu de- dass die Männer , die jetzt an der
nen er durch Demokrit, dessen Schü Spitze standen , als Gegner der
ler er auch gewesen sein soll , und schrankenlosen Demokratie auch
durch Protagoras angeregt war; ob - solche freigeisterische Lehren , als
gleich auch andere Ursachen ange Protagoras vortrug, nicht dulden zu
geben werden . S . Meier in Ersch ' dürfen meinten . Sonst waren die
und Gruber's Encyklopädie. Athener gegen theoretische Ansich
Theodorus aus Cyrene, unter Pto - ten in der Regel sehr tolerant, und
lemaeus Lagi, leugnete nicht blos pflegten strafend nur da einzuschrei
DE NATURA DEORUM
Tubulus si Lucius umquam ,
si Lupus aut Carbo [aut] Neptuni filius, –
ut ait Lucilius, putasset esse deos , tam periurus aut tam impu
64 rus fuisset ? Non est igitur tam explorata ista ratio ad id quod
vultis confirmandum , quam videtur. Sed quia commune est hoc
argumentum aliorum etiam philosophorum , omittam hoc tem
65 pore: ad vestra propria venire malo. Concedo esse deos: doce
me igitur, unde sint, ubi sint, quales sint corpore, animo, vita.
Haec enim scire desidero. Abuteris ad omnia atomorum regno
et licentia: hinc quodcumque in solum venit, ut dicitur , effingis
atque efficis. Quae primum nullae sunt. Nihil est enim * , quod
24 vacet corpore ; corporibus autem omnis obsidetur locus; ita nul
66 lum inane , nihil esse individuum potest. Haec ego nunc physi
ten, wo die Götter ausdrücklich ge- Mythus vom Neptun entsprossen
leugnet oder die bestehenden Sat- nannte. Das aut der Handschr. ist
zungen und Gebräuche angegriffen wahrscheinlich zu tilgen , und der
und verletzt wurden . Vgl. Griech. Bezeichnete kein Anderer als Carbo.
Alterth . II S . 161 u . 587. u. Naegels Denn der Einfall, dass an einen my
bachs nachhom . Theol.des gr. Volks- thischen Heroen, etwa den Kerkyon,
glaubens. S . 435 . zu denken sei, verdient nur als ein
Tubulus (L . Hostilius) „ quum Curiosum erwähnt zu werden .
praetor questionem inter sicarios 65. atomorum - licentia : wegen
exercuisset, ita aperte cepit pecu- der von E . angenommenen willkür
nias ob rem iudicandam , ut anno lichen Declination der Atome, worü
proximo P . Scaevola tr. pl. ferret ber c. 25, 69.
ad plebem , velletne de ea re quaeri. quodcumque in solum venit:was
Quo plebiscito decreta a senatu est dir in den Wurf kommt, ein
consuli quaestio Cn. Caepioni (ann . fällt. Der Ursprung des Ausdrucks
613); profectus in exilium Tubulus ist dunkel. S. Wolf Litt. Anal. IV ,
statim , nec respondere ausus: erat 347 ff.
enim res aperta.“ Cic . de Finn. II, quae primum nullae sunt. Das
16, 54. primum lässt eine zweite Behaup
Lupus. Vielleicht L . Cornelius tung über die Atome erwarten , die
Lentulus Lupus, der im J. 579 das aber fehlt: auch ist klar, dass der
Consulat bekleidete . Dass er von nächste Satz nicht, wie das enim
dem SatirikerLucilius gegeisselt sei, andeutet, einen Grund für die Nicht
bezeugen auch Horat. Sat. II, 1, 68 existenz der Atome enthält. Die
u. Pers. I, 114 ; über den Grund ist Stelle ist lückenhaft : der Gedanke
nichts bekannt. lässt sich muthmasslich , zum Theil
Carbo (C . Papirius), der bekannte nach Cicero selbst Acad . I, 7, 27, so
Demagog, und wegen seines dema ergänzen : quae primum nullae
gogischen Treibens ohne ZweifelGe sunt: nihil est enim ſin rerum na
genstand der Geissel des Satirikers. tura minimum , quod dividi ne
Neptuni filius s. v. als homo sae queat; deinde, ut sint, moveri per
vus et immanis, nach Gellius N . A . inane non possunt,siquidemid dicis
XV, 21 wegen des Polyphem , des inane, quod vacet corpore : cor
Kerkyon , des Skiron, der Laestrygo- poribus autem omnis obsidetur lo
nen und ähnlicher Unholde, die der cus. Vgl. Opusc. ac. III p. 287. —
LIB . I. CAP. 23. 24. 75
corum oracula fundo : vera an falsa, nescio ; sed veri tamen simi
liora quam vestra. Ista enim flagitia Democriti sive etiam ante
Leucippi, esse corpuscula quaedam levia , alia aspera , rotunda
alia, partim autem angulata, hamata quaedam et quasi adunca ,
ex his effectum esse caelum atque terram , nulla cogente natura,
sed concursu quodam fortuito , hanc tu opinionem , C . Vellei,
usque ad hanc aetatem perduxisti, priusque te quis de omni vitae
statu quam de ista auctoritate deiecerit. Ante enim iudicasti
Epicureum te esse oportere quam ista cognovisti. Ita necesse
fuit aut haec flagitia concipere animo aut susceptae philosophiae
nomen amittere. Quid enim mereas, utEpicureus esse desinas ? 67
Nihil equidem , inquis , ut rationem vitae beatae veritatemque de
seram . Ista igitur est veritas ? Nam de vita beata nihil repugno ,
quam tu ne in deo quidem esse censes , nisi plane otio langueat .
Sed ubi est veritas ? In mundis, credo, innumerabilibus, omni
bus minimis temporum punctis, alijs nascentibus, aliis cadenti
bus. An in individuis corpusculis , tam praeclara opera nulla
moderante natura, pulla ratione fingentibus ? Sed oblitus libera
litatis meae, qua tecum paullo ante uti coeperam , plura comple
ctor. Concedam igitur ex individuis constare omnia . Quid ad 68
rem ? deorum enim natura quaeritur. Sint sane ex atomis : non
igitur aeterni. Quod enim ex atomis, id natum aliquando est: si
natum , nulli dei ante quam nati : et si ortus est deorum , interitus
Epikur setzte als Erstes den leeren adiaioeta , ärelda tó atlīgos sai
Raum und die in ihm sich bewe- đóoata dià quixoórnta Tõv õy
genden Atome. Diog. L. X , 40 u . xwv. Aristot.de gen. et corr. I, 8.
bes. Lucret. I, 500 ff. Andere Phi - L. war übrigens nur wenig äl
losophen stellten einen leeren Raum ter als Demokrit.
ganz und gar in Abrede. Stobae. 67 . Quid enim mereas ? Wel
Ecl. I, 19. Plut. plac. phil. I, 18. chen Preis möchtest du dir
24 . 66 . oracula fundo. S . zu c. damit verdienen ? d. h.welcher
16 , 42 . Preis könnte dich dazu bewe
flagitia für opiniones flagitiosas, gen ? Vgl. de Finn. II, 22, 74 : Quid
contemptu et vituperatione dignas. enim mereri velis — quid merearis
So auch III, 38 , 91. Nach der nun igitur, utdicas te omnia voluptatis
angehängten Angabe dieser Ansich causa facturum ? Verr. IV , 60, 135 :
ten nimmtdas folgende hanc tu opi qnid arbitramini Rheginos merere
nionem den Faden der Rede wieder velle ut ab iis marmorea illa Venus
auf. auferatur ?
Leucippus, plenum et inane dixit nulla moderante natura . Dies wi
esse, unde omnia gignerentnr.“ Cic. derspricht dem , was Velleius oben
Acad . II , 37 , 118. Das plenum , c. 20, 53 gesagt hat. Aber gewis
naunangés, eine Unendlichkeit von sermassen ist beides wahr. Die
unendlich kleinen unsichtbaren und Atome, indem sie sich in der Rich
untheilbaren Körperchen , Oteped , tung von oben nach unten bewegen ,
76 DE NATURA DEORUM
sit necesse est , ut tu paullo ante de Platonis mundo disputabas.
Ubi igitur illud vestrum beatum et aeternum , quibus duobus
verbis significatis deum ? quod quum efficere vultis, in dumeta
95 correpitis. Ita enim dicebas, non corpus esse in deo , sed quasi
69 corpus, nec sanguinem , sed tamquam sanguinem . Hoc persaepe
facitis, ut, quum aliquid non verisimile dicatis et effugere repre
hensionem velitis, afferatis aliquid , quod omnino ne fieri qui
dem possit ; ut satius fuerit illud ipsum , de quo ambigebatur,
concedere, quam tam impudenter resistere. Velut Epicurus quum
videret, si atomiferrentur in locum inferiorem suopte pondere,
nihil fore in nostra potestate , quod esset earum motus certus et
necessarius ; invenit, quo modo necessitatem effugeret , quod vj
delicet Democritum fugerat: ait atomum , quum pondere et gra
70 vitate directo deorsus feratur , declinare paullulum . Hoc dicere
turpius est , quam illud quod vult non posse defendere. Idem
facit contra dialecticos: a quibus quum traditum sit, in omnibus
diiunctionibus, in quibus aut etiam aut non poneretur, alteru
trum verum esse , pertimuit , ne , si concessum esset huiusmodi
aliquid , 'aut vivet cras aut non vivet Epicurus', alterutrum fieret
necessarium : totum hoc aut etiam aut non negavit esse necessa
folgen offenbar einem Naturgesetz ; gesetz erfolgen, und freie Selbstbe
aber sie weichen ohne bestimmtes stimmungwäreausgeschlossen. Des
Gesetz von dieser Richtung ab, und wegen verlieh Epikur den Atomen
diese Abweichung macht erst die auch eine gewisse willkürliche Be
Entstehung der Welt möglich . S . wegung,wodurch er sowohldieMög
zu c. 25 , 69. lichkeit der Weltentstehung durch
68. ut tu paulo ante. Oben c.8 , 20. Zusammentreffen der von der gra
in dumeta correpitis . Das Bild den Linie abweichenden Atome, als
ist von verfolgtem Wilde entlehnt, auch die Freiheit des menschlichen
das sich ins Dickicht flüchtet, wo- Willens erklären zu können meinte.
hin ihm der Jäger nicht leicht fol- Vgl. Cic. de Fato c. 10 , 22, beson
gen kann : so die Epikureer zu un - ders aber Lucret. II, 217 ff. u. 251 ft.
verständlichen und eben deswegen quod Democritum fugerat. Weil
schwer zu widerlegenden Behaup- nämlich D.nicht eine gradlinige Be
tungen . – Dies wird im folg . Ka wegung mit willkürlicher Declina
pitel an zwei Beispielen gezeigt, tion , sondern einen im Wesen der
die dem Hauptgegenstande fremd Atome begründeten und mit Noth
sind , zu welchem erst c. 26 , 73 zu- wendigkeit vor sich gehenden Wir
rückgekehrt wird. bel derselben angenommen hatte.
25 . 69. nihil fore in nostra po Diog . L . IX , 45 .
testate. Weil nämlich die Seele auch 70 . aut etiam autnon : entwe
nur aus Atomen besteht, so müss- der Ja oder Nein . Vgl. de Fato
ten, wenn die Atome nicht ein Ver C. 10 , 21 u. Acad. II, 30, 97 , wo
mögen hätten vom Naturgesetz ab dasselbe über Epikur gesagt wird ;
zuweichen , auch die Seelenthätig- und wegen etiam als Bejahung Hein
keiten alle nur nach einem Natur- dorfzu Hor. Sat. II, 3, 97. Ganz so,
LIB . I. CAP . 24. 25. 26 . 77
rium . Quo quid dici potuit obtusius ? Urgebat Arcesilas Zeno
nem , quum ipse falsa omnia diceret, quae sensibus viderentur :
Zeno autem , nonnulla visa esse falsa , non omnia. Timuit Epi
curus , ne , si unum visum esset falsum , nullum esset verum ;
omnis sensus veri nuntios dixit esse. Nihil horum nimis callide:
graviorem enim plagam accipiebat, ut leviorem repelleret. Idem 71
facit in natura deorum . Dum individuorum corporum concretio - .
nem fugit, ne interitus et dissipatio consequatur, negat esse cor
pus deorum , sed tamquam corpus, nec sanguinem , sed tamquam
sanguinem . Mirabile videtur, quod non rideat haruspex , quum 26
haruspicem viderit : hoc mirabilius, quod vos inter vos risum
tenere possitis. Non est corpus, sed quasi corpus. Hoc intelli
gerem quale esset, si in ceris fingeretur aut fictilibus figuris. In
deo quid sit quasi corpus aut quasi sanguis , intelligere non
possum . Ne tu quidem , Vellei , sed non vis fateri. Ista enim a 72
wie Cic. berichtet, wird übrigens beständen, sondern nur die concre
Epikur wohl nicht gesagt, sondern tio , d . h . die dichtere, compactere
nur behauptet haben, dass das sog. Beschaffenheit der göttlichen Leiber
Princip des exclusi tertii keine un - stellte er in Abrede. Vgl. 27, 75 .
bedingte Geltung habe, indem bei So ist z. B. concretus aer II, 39, 101
Aufstellung von Gegensätzen , die dem fusus et extenuatus entgegen
auf Zukünftiges gehen , möglicher gesetzt. So crassum caelum atque
Weise keins von beiden wahr sein concretum II, 16 in. pingue et con
könne. Vgl. Prantl, Gesch . d. Lo - cretum caelum de Divin. I, 57, 130.
gik I p. 403. u.Zeller III 2, 1 p. 391. nimis concreti humores d . n . d . II,
omnes sensus veri nuntios. Epi- 23,59. terrena concretaque corpora
kurs Gründe dafür setzt Lucretius Tusc. I, 18, 42. Dass aber Epikur
auseinander IV , 480 ff. Was man den Göttern diese feinere subtilere
Sinnentäuschung nenne, sei nicht Körperlichkeit nuraus dem hier von
Schuld der Sinne selbst, sondern Cotta angegebenen Grunde zuge
Schuld einer unrichtigen Beurthei- schrieben habe , ist gewiss falsch .
lung des sinnlichen Eindruckes, v. S . d. Einleit. S. 27. und über den
464 ff. wahren Grund die Anm . zu c . 18,
nihil — nimis callide für admo 49.
dum od . valde callide. So auch non sed tamquam corpusscil. esse ait,
nimis für nichtsonderlich. Cic. was aus dem vorherg . negat zu ent
div. in Caecil. c. 22, 71: Hoc sta nehmen , wie de Finn . V , 29 , 88 :
tuere , iudices, debetis, Caecilium Ille Metelli vitam negat beatiorem
non nimis hanc causam severe, non quam Reguli , praeponendam ta
nimis accurate,non nimisdiligenter men : u .sonst häufig . Ebenso nolo -
acturum . Tuscul. V , 33 , 93 : non sed c. 7, 17.
nimis fortasse subtiliter , utiliter 26. Mirabile videtur etc. Vgl. de
tamen Ac. II, 47 , 146 : nec tamen Div. II, 24 , wo dies als Ausspruch
nimis eleganter. des älteren Cato angeführt wird .
71. dum individ . corp. concr. fu siin ceris fingeretur : wenn Einer
git. Nichtdas leugnete Epikur, dass diesen Einfall in Bez. auf Wachs
die Körper der Götter aus Atomen oder Thonbilder hätte.
DE NATURA DEORUM
vobis quasi dictata redduntur, quae Epicurus oscitans hallucina
tus est, quum quidem gloriaretur, ut videmus in scriptis, se ma
gistrum habuisse nullum . Quod et non praedicanti tamen fa
cile equidem crederem , sicut mali aedificii domino glorianti se
architectum non habuisse. Nihil enim olet ex Academia, nihil
ex Lyceo, nihil ne e puerilibus quidem disciplinis. Xenocratem
audire potuit : quem virum , di immortales ! et sunt, qui putent
audivisse : ipse non vult : credo plus nemini. Pamphilum quen
dam , Platonis auditorem , ait a se Sami auditum : ibi enim ado
lescens habitabat cum patre et fratribus, quod in cam pater eius
Neocles agripeta venerat; sed quum agellus eum non satis aleret,
73 ut opinor , ludi magister fuit. Sed hunc Platonicum mirifice
contemnit Epicurus: ita metuit , ne quid umquam didicisse vi
deatur. In Nausiphane Democriteo tenetur, quem quum a se non
neget auditum , vexat tamen omnibus contumeliis. Atqui si haec
72. dictata, Stellen, bes. ausDich- Verfasser einer Téxvn Åntoo., ist
tern, die den Schülern zum Auswen nicht zu sagen . Vgl. Spalding zu
diglernen dictirt wurden. Vgl.Hor. Quintil. III, 6 , 34 .
Ep. I, 18 , 13 : puerum saevo credas agripeta d . h. als Colonist, gr.
dictata magistro reddere. xanpoūzos, da die Athener im J.
in scriptis. Einer Aeusserung die- 351 v. Chr. die vom Staate einge
ser Art in einem Briefe Epikurs er- zogenen Ländereien auf Samos , in
wähnt auch Diog. L. X , 13. Derselbe 2000 Antheile (rañooi) vertheilt, är
citirt aus einem andern Br. § 6 die meren Bürgern verliehen.
Worte: Taidelav dè não av , ua 73. In Nausiphane – tenetur:
rapie, gevya. In Betreff des N . kann er sich nicht
ex Academia — ex Lyceo : d. h. losreden ; er wird überwiesen etwas
er verräth keine Bekanntschaft mit von ihm gelernt zu haben, was er
der Platonischen oder Aristoteli hinsichtlich des Pamphilus, den er
schen Schule, von denen jene ihren doch auch gehört zu haben gestand ,
Sitz in der Ak., diese im Lyceum nicht zugeben wollte. Vgl. or. pr.
hatte. Beides sind Namen von Gy- Caec. c. Ž : facile honestissimis te
mnasien zu Athen . — Nihil olet = stibus in reperspicua teneretur d .h .
nullum odorem olet: er hat keinen convinceretur u. mehr bei Ernesti
Geruch davon an sich . Ad Attic. II, Clav. C . u. d. W . Nausiphanes aus
1, 1: ideo bene olere, quia nihil Teos war nach Sext. Emp. Math . I,
olebant, videbantur. 2 p . 599 Bekk . u . Diog . L . IX , 69
e puerilibus disciplinis. Damit ist ein Schüler desSkeptikers Pyrrhon ,
die sog. Éyxúxhosrodela gemeint, wird aber vom Diog. praef. 15 auch
d . h. der herkömmliche Unterricht, als Anhänger Demokrits genannt.
namentlich in Grammatik u. Rheto- Dass Epikur etwas von ihm gelernt
torik bestehend. habe, sagt Cotta auch unten c. 33,
Xenocratem . S . zu c. 13, 34. 93. Man behauptete dass er nament
Pamphilum . Diesen nennt auch lich seine Logik oder Kanonik (s. zu
Diog. L . X , 14. Sonst ist er unbe- c. 16 , 43) ihm verdanke. Diog. L .
kannt. Ob er derselbe sei mit dem X , 14. und dazu 7. 8. wo einige
von Aristot. Rhet. II , 23 genannten Aeusserungen Ep. über ihn .
LIB. I. CAP. 26. 27. 79
Democritea non audisset, quid audierat ? quid est in physicis
Epicuri non a Democrito ? Nam etsi quaedam commutavit, ut
quod paullo ante de inclinatione atomorum dixi, tamen pleraque
dicit eadem , atomos , inane, imagines, infinitatem locorum innu
merabilitatemque mundorum , eorum ortus, interitus, omnia fere,
quibus naturae ratio continetur. Nunc istuc quasi corpus et
quasi sanguinem quid intelligis ? Ego enim te scire ista melius 74
quam me non fateor solum , sed etiam facile patiar; quum qui
dem semel dicta sunt , quid est, quod Velleius intelligere possit
Cotta non possit ? Itaque corpus quid sit, sanguis quid sit, in
telligo : quasi corpus et quasi sanguis quid sit , nullo prorsus
modo intelligo. Neque tu me celas, ut Pythagoras solebat alie
nos , nec consulto dicis occulte , tamquam Heraclitus , sed , quod 9
inter nos liceat, ne tu quidem intelligis. Mud video pugnare te, 75
species ut quaedam sit deorum , quae nihil concreti habeat, nihil
solidi, nihil expressi, nihil eminentis , sitque pura, levis perluci
da. Dicemus igitur idem , quod in Venere Coa : corpus illud non
est, sed simile corporis : nec ille fusus et candore mixtus rubor
sanguis est , sed quaedam sanguinis similitudo: sic in Epicureo
deo non res , sed similitudines rerum esse . Fac id , quod ne in
telligi quidem potest, mihi esse persuasum : cedo mihi istorum
adumbratorum deorum lineamenta atque formas, Non deest hoc 76
quid audierat? Epikur schalt auf IX , 6. - Quod inter nos liceat.
den N ., als verdanke er ihm gar Vollständiger ad Attic. II, 4 , 1 : quod
nichts . Und doch , wenn er nichtvon inter nos liceat dicere.
diesem Etwas gelernt hätte, was 27. 75. species ut sit für ut esse
hätte er sonst gelernt? d. h . dann statuatur. 'Vgl. zu 9, 21.
wäre er durchaus ungelehrt und nihil concreti etc., nichts Festes
kennte auch nicht einmal die Demo im Gegensatz gegen Flüssiges , s.
kritischen Sätze , auf denen seine concrescere II, 10 , 26 ); n . solidi,
ganze Physik beruht. nichts Massives (im Gegensatz gegen
istud quasi corpus - quid intel das Lockere); n . expressi, nichts in
ligis? d. h . was verstehst du unter fass- und greifbaren Formen Aus
jenem qu . corp.? Vgl. de Finn . II, geprägtes; n . eminentis, nichts Her
15 ,50 : Quid ergo hoc loco intelligit vortretendes. Ueb . den letzten Ge
honestum ? Paradox. VI, 1 : quem nitiv. s. Zumpt Gr. § 433.
enim intelligimus divitem , aut hoc in Venere Coa, d. h . dem berühm
verbum in quo homine ponimus? ten Gemälde des Apelles, welches
naturae ratio . Vgl. c. 8, 20. die Göttin als Anadyomene dar
74.tamquam Heraclitus.Dass H.'s stellte.
Dunkelheit, weshalb er ó OXOTELVÓS similitudines r. esse . Für sunt.
hiess, absichtlich gewesen , deutet Uebergang von der or. recta zur or.
C . auch unten an III, 14 , 35. Die- obliqua. So konnte auch § 76 nec
selbe wunderliche Meinung findet sit, abhängig von quod, für nec esse
sich auch bei Andern, wie Diog. L . gesagt werden .
80 DE NATURA DEORUM
loco copia rationum , quibus docere velitis humanas esse formas
deorum : primum quod ita sit informatum anticipatumque men
tibus nostris , ut homini , quum de deo cogitet, forma occurrat
humana: deinde quod , quoniam rebus omnibus excellat natura
divina, forma quoque esse pulcherrima debeat, nec esse humana
ullam pulchriorem : tertiam rationem affertis , quod nulla alia
77 figura domicilium mentis esse possit. Primum igitur quidque
considera , quale sit. Arripere enim mihi videmini, quasi vestro
iure , rem nullo modo probabilem . Omnino quis tam caecus in
contemplandis rebus umquam fuit , ut non videret, species istas
hominum collatas in deos aut consilio quodam sapientium , quo
facilius animos imperitorum ad deorum cultum a vitae pravitate
converterent, aut superstitione, ut essent simulacra, quae vene
rantes deos ipsos se adire crederent? Auxerunt autem haec
eadem poetae, pictores, opifices. Erat enim non facile, agentis
aliquid et molientis deos in aliarum formarum imitatione ser
vare . Accessit etiam ista opinio fortasse, quod homini homine
pulchrius nihil videbatur. Sed tu hoc, physice, non vides, quam
blanda conciliatrix et quasi sui sit lena natura ? An putas ullam
esse terra marique beluam , quae non sui generis belua maxime
delectetur ? Quod ni ita esset , cur non gestiret taurus equae
contrectatione , equus vaccae ? An tu aquilam aut leonem aut
delphinum ullam anteferre censes figuram suae ?. Quid igitur
mirum , si hoc eodem modo homini natura praescripsit, ut nibil
pulchrius quam hominem putaret, [eam esse causam , cur deos
77. Primum quidque: Jedes videbatur. Ueber das Imperfect.
nach der Reihe. Denn dies liegt S . Opusc. ac. III p . 309.
nothwendig darin, wenn man immer physice, mit einer unverkennba
denjenigen Gegenstand nimmt, der ren Ironie, wie II, 18, 48 . Vgl. c .
jedesmal den übrigen voran steht. 30, 83.
Die richtige Deutung des von Man - quasi sui lena. Die Natur, d . h .
chen missverstandenen Ausdrucks die eigene natürliche Beschaffenheit
geben Giese zu Cic. de Div . I, 57, eines Jeden , empfiehlt sich selber
127 und Madvig zu de Finn . p. 321. diesem als das Schönste, wie eine
deos ipsos. Vgl. Plut. de Is. et lena die Schönheiten, die sie feil hat,
Osir . C. 71 : oi và xaux @ waì cà den Liebhabern .
γραπτά και λίθινα μη μαθόντες eam esse causam etc. Dieser
μήδ ' εθισθέντες αγάλματα και Satztheil kann nur von quid mirum
τιμάς θεών, αλλά θεούς καλεϊν. abhängen , und nöthigt daher den
So klagen bei Cic. Div. in Caec. c. Leser, das vorhergehende si — pu
1, 3 die Siculer: sese iam ne deos taret nicht, wie es das Natürlichste
quidem in suis urbibusad quos con und Zunächstliegende schien , mit
fugiant habere, quod eorum simu- jenem quid mirum zu verbinden ,
lacra sanctissima C . Verres e delu sondern als einen conditionalen Zwi
bris religiosissimis abstulisset. schensatz zu nehmen. Ausserdem
LIB . I. CAP. 27. 28. 29. 81
hominum similis putaremus ?] Quid censes , si ratio esset in be- 28
luis, non suo quasque generi plurimum tributuras fuisse ? At 78
mehercule ego , (dicam enim , ut sentio ,) quamvis amem ipse
me, tamen non audeo dicere pulchriorem esse me quam ille fue
rit taurus, qui vexit Europam . Non enim hoc loco de ingeniis
aut de orationibus nostris , sed de specie figuraque quaeritur.
Quodsi fingere nobis et iungere formas velimus, qualis ille mari
timus Triton pingitur, natantibus invehens beluis adiunctis hu
mano corpori, nolis esse ? Difficili in loco versor. Est enim vis
tanta naturae , ut homo nemo velit nisi hominis similis esse. Et 79
quidem formica formicae. Sed tamen cuius hominis ? Quotus
enim quisque formosus est ? Athenis quum essem , e gregibus
epheborum vix singuli reperiebantur. Video, quid arriseris ; sed
ita tamen se res habet. Deinde nobis , qui, concedentibus phi
losophis antiquis, adolescentulis delectamur, etiam vitia saepe iu
cunda sunt. Naevus in articulo pueri delectat Alcaeum . At est
corporis macula naevus. Mi tamen hoc lumen videbatur. Q . !
Catulus, huius collegae et familiaris nostri pater , dilexit munici
pem tuum Roscium ; in quem etiam illud est eius:
Constiteram excorientem Auroram forte salutans,
quum subito a laeva Roscius exoritur.
Pace mihi liceat, caelestes , dicere vestra ,
mortalis visust pulchrior esse deo.
Huic pulchrior deo : at erat , sicut hodie est, perversissimis ocu
lis . Quid refert, sihoc ipsum salsum illi et venustum videbatur ?
enthält er einen in diesem Con - tius IV , 1154 ff. Vgl. auch Horat.
texte schwer zu erklärenden Ver- Sat. 1, 3, 40.
stossgegen die consecutio temporum . Alcaeum , den Lesbischen Lyri
Endlich ist es offenbar vollkommen ker, von dessen erotischen Gedich
überflüssig ; Cicero , wenn er ihn ten theils Zeugnisse reden , z. B .
wirklich geschrieben , hätte besser Cic . Tusc. IV , 33, 71, theils einige
gethan ,ihn wegzulassen . Vgl.Opusc. Fragmente erhalten sind.
ac. III, 317. 18 . huius coll. et fam . nostri : des
28. 78 . Triton , ein Meergott, noch jetzt lebenden und uns wohl
Sohn des Poseidon und der Amphi bekannten. Vgl. II, 2, 6. de Off.
trite, ward mit zwei Fischleibern III, 16, 26 : Cato, huius nostri Ca
statt der Füsse dargestellt; deshalb : tonis pater. Gemeint ist Q . Luta
natantibus invehens beluis. tius Q . F. Q . N . Catulus, Consul des
79. e gregibus epheborum . Dar- J. 676 und College des Cotta im
unter sind die in den Gymnasien Pontificat. Sein gleichnamiger Va
zu gemeinschaftlichen Uebungen in ter war Consul d. J. 652, und ein
Genossenschaften vereinigten Jüng Epigramm desselben , ebenfalls auf
linge zu verstehen. ' einen schönen Jüngling, lesen wir
vitia saepe iucunda. S. die Aus- bei Gellius N . A . XIX , 9.
führung desselben Satzes beiLucre- munic. tuum Roscium : den be
Cic. de nat. deor. 4. Aufl.
82 DE NATURA DEORUM
29 Redeo ad deos. Ecquos, si non tam strabones, at paetulos esse
80 arbitramur ? ecquos naevum habere ? ecquos silos, flaccos, fron
tones , capitones, quae sunt in nobis ? An omnia emendata in
illis ? Detur id vobis. Num etiam est una omnium facies ? Nam
si plures, aliam esse alia pulchriorem necesse est. Igitur aliquis
non pulcherrimus deus. Si una omnium facies est, florere in
caelo Academiam necesse est. Si enim nihil inter deum et deum
81 differt , nulla est apud deos cognitio , nulla perceptio. Quid ? si
etiam , Vellei, falsum illud omnino est, nullam aliam nobis de deo
cogitantibus speciem nisi hominis occurrere, tamenne ista tam
absurda defendes ? Nobis fortasse sic occurrit, ut dicis : a parvis
enim Jovem , Iunonem , Minervam , Neptunum , Vulcanum , Apolli
nem reliquosque deos ea facie novimus, qua pictores fictoresque
voluerunt, neque solum facie, sed etiam ornatu , aetate , vestitu :
at non Aegyptii nec Syrinec fere cuncta barbaria ; firmiores enim
videas apud eos opiniones esse de bestiis quibusdam , quam apud
82 nos de sanctissimis templis et simulacris deorum . Etenim fana
multa spoliata et simulacra deorum de locis sanctissimis ablata
videmus a nostris ; at vero ne fando quidem auditum est , croco
dilum aut ibim aut felem violatum ab Aegyptio . Quid igitur
censes ? Apim illum sanctum Aegyptiorum bovem , nopne deum
videri Aegyptiis ? Tam hercle, quam tibi illam vestram Sospitam ,
rühmten Komiker Q. Roscius, für 82. crocodilum etc. Nicht in al
den noch eine Vertheidigungsrede len Theilen Aegyptens galten die
Cicero's vorhanden ist, und der, wie selben Thiere für heilig ;die in einem
Velleius, aus dem Municipium La Theile verehrten konnten in einem
nuvium gebürtig war. andern unbedenklich getödtet wer
29. 80. strabones – paetulos. den , wie namentlich von den Kro
Schol. Cruq, zu Hor. Sat. I, 3, 44 : kodilen Herodot II, 69 ausdrücklich
strabo dicitur quiestdetortis oculis, bemerkt, und nach Plutarch d. Is. et
paetusautem , qui est oculis leniter Os. c. 72 meinte man , diese Ver
declinatis, cuique huc atque illuc schiedenheit sei von alten Regenten
celeriter volvuntur. - Beidem folg . absichtlich angeordnet, um eine der
quae sunt in nobis werden die durch Regierung willkommene Spaltung
die vorhergegangenen Worte be der Unterthanen zu befördern .
zeichneten Eigenschaften (vitia) ver Ibisse freilich und Katzen waren im
standen. Vgl. II, 8, 21. " ganzen Lande gleich heilig , ausser
nulla apud deos cognitio etc. diesen aber noch einige andere, die
Mit solchem Scherz darf man es na Strabo XVII p. 812 aufzählt.
türlich nicht allzugenau nehmen . illam vestram Sospitam , d. h . die
Wenn die Götter auch sich unter luno mit dem Beinamen Sospita,
einander nicht unterscheiden kön- welche , ursprünglich den Lanuvi
nen , so können siedoch andere Dinge nern eigen (daher vestram ), seit dem
wohl unterscheiden . J.416 auch Römisch geworden war:
81. sic - ut dicis. Oben c. 18, s. Liv . VIII, 14, 2. Ihre Gestalt,
46 . mit Ziegenfell und Schnabelschu
LIB. I. CAP. 29. 30. 83
quam tu numquam ne in somnis quidem vides nisi cum pelle
caprina, cum hasta, cum scutulo, cum calceolis repandis. Atnon
est talis Argiva nec Romana luno. Ergo alia species Iunonis
Argivis , alia Lanuvinis, alia nobis. Et quidem alia nobis Capitoli
ni, alia Afris Ammonis Iovis. Non pudet igitur physicum , id est 30
speculatorem venatoremque naturae, ab animis consuetudine im - 83
butis petere testimonium veritatis ? Isto enim modo dicere licebit
lovem semper barbatum , Apollinem semper imberbem , caesios
oculos Minervae , caeruleos esse Neptuni. Et quidem laudamus
Athenis Volcanum eum , quem fecit Alcamenes, in quo stante at
que vestito leviter apparet claudicatio non deformis. Claudum
igitur habebimus deum , quoniam de Vulcano sic accepimus. Age, 84 .
et his vocabulis esse deos facimus, quibus a nobis nominantur ?
At primum , quot hominum linguae , tot nomina deorum . Non
enim , ut tu Velleius, quocumque veneris , sic idem in Italia Vol
canus , idem in Africa , idem in Hispania. Deinde nominum non
magnus numerus , ne in pontificiis quidem nostris , deorum
autem innumerabilis. An sine nominibus sunt? Istud quidem
hen, Spiess und Schild zeigen eine verbunden . Vgl. unten II, 47, 120.
erhaltene Statue im Vatican (Mül- III, 17, 43. Hand Turs. Í p. 208 .
ler Archaeol. $ 353, 3) und Münzen , Dass et in dieser Verbindung nicht
am besten die der gens Procilia bei schlicht copulativ , sondern dem
Patin , Famil. Rom . p . 234 . -- Die etiam entsprechend sei, ist klar,
Constructionsform , statt quam tibi wie denn auch sonst et für etiam
illa vestra Sopista videtur, ist eine dem Cicero wenigstens in den phi
bei solchen Vergleichungssätzen los. Schriften und in den Briefen
ganz gewöhnliche Attraction. Eben keineswegs abzusprechen ist. Vgl.
so unten c. 31, 86 u. II, 11, 29. Hand II, 513. 517 u. Kühner zu
Mehr Beisp. bei Wunder zu Cic. pr. Tusc. III, 13, 28. Nachdem vorher
Planc. p. 103 u. Madvig zu Cic. de von der Gestalt, unter der man
Finn. p. 150 u . 294. - Wegen des die Götter denke, gesprochen wor
quam tibi verweise ich auf die Be den , sollen nun auch ihre Benen
merkung zu Ende der Inhaltsangabe. nungen in Betracht gezogen wer
30 . 83. Alcamenes, ein berühm den. Wegen des Indicativ in die
ter Bildhauer des Perikleischen ser Frageform vgl. oben c. 29, 80
Zeitalters. Von seinem Vulkan s. (arbitramur), unten c. 32, 90 (pu
Valer. Max. VIII, 11 ext. 2 : stat tamus) u . mehr bei Madvig zu de
dissimulatae claudicationis sub ve Finn . II, 23, 76 u . Opusc. ac. alt.
ste leviter vestigium repraesentans, p. 41.
ut non tamquam exprobratum vi in potificiis, sc. libris. Dies sind
tium , ita tamquam certam pro die sog. Indigitamenta, quae et no
priamque dei notam decore signifi mina deorum et rationes ipsorum
cans. nominum continent. Serv. ad Virg .
84 . Age et — facimus? Age Georg. I, 21. Vgl. Preller, Röm .
beim Uebergange zu etwas Anderm , Mythol. S. 119.
oft auch mit porro (Verr. II, 5 , 22), istud - ita. Vgl. de Div. II, 8,
nunc (pr. Rosc. Am . 27, 108 ) u. dgl. 21 :quod certe vobis ita dicendum
6*
84 DE NATURA DEORUM
ita vobis dicere necesse est. Quid enim attinet, quum una facies
sit, plura esse nomina ? Quam bellum erat, Vellei, confiteri potius
nescire quod nescires, quam ista effutientem nauseare atque
ipsum sibi displicere ? An tu mei similem putas esse aut tui
deum ? Profecto non putas. Quid ergo ? solem dicam aut lunam
aut caelum deum ? Ergo etiam beatum ? quibus fruentem volup
tatibus ? Et sapientem ? qui potest esse in eiusmodi trunco
85 sapientia ? Haec vestra sunt. Si igitur nec humano (visu ,] quod
docui, nec tali aliquo, quod tibi persuasum est : quid dubitas ne
gare deos esse ? Non audes. Sapienter id quidem . Etsi hoc loco
non populum metuis, sed ipsos deos. Novi ego Epicureos omnia
sigilla venerantes : quamquam video nonnullis videri Epicurum ,
ne in offensionem Atheniensium caderet , verbis reliquisse deos,
re sustulisse . Itaque in illis selectis eius brevibusque sententiis,
quas appellatis xvpias dógas, haec , ut opinor, prima sententia
est : Quod beatum et immortale est , id nec habet nec exhibet cui
31 quam negotium . In hac ita exposita sententia sunt qui existiment,
quod ille inscitia plane loquendi fecerat, fecisse consulto ; de ho
86 mine minime vafro male existimant. Dubium est enim , utrum
dicat aliquid esse beatum et immortale , an , si quid sit . Non ani
madvertunt hic eum ambigue locutum esse, sed multis aliis locis
et illum etMetrodorum tam aperte, quam paullo ante te. Ille
est, u. mehr bei Hand Tursellin . III cher nachher die Rede ist. Dies
p . 485 . Gedankenverhältniss würde ent
ipsum sibi displicere. Genauer sprechender ausgedrücktsein, wenn
freilich wäre tibi: aber da in der Cic.geschrieben hätte: Itaque quum
That das Vorhergehende nicht so in ill. sel. ei, br . sent. — - pri
wohlden Vell.speciell, als die Epiku ma sent. sit, - - in huc ita exp.
reer überhaupt trifft, so ist jene Un- sent. etc. — Ueber die xúo. dół. s.
genauigkeit leicht zu entschuldigen . zu c. 17, 45 .
85 . humano visu = humana spe 31. 86 . an , si quid sit. Die
cie. Doch da die Handschr. hier eine Apodosis konnte Cic. unbedenklich
Lücke haben, ist die Ergänzung kei- auslassen , weil jeder verständige
neswegs sicher, und auch corpore Leser sie aus dem Vorhergehenden
wäre möglich . Sicher aber ist die zu ergänzen im Stande ist, nämlich
Besserung venerantes für numeran id nec habere nec exhibere cuiquam
tes, was Verehrer der Abschreiber negotium . Unverständige Leser ha
doch zu retten versucht haben . ben ergänzt id esse immortale , was
Itaque etc. Es ist klar, dass die sich jetzt fast in allen Handschriften
schlichte Angabe in diesem Satze findet.
noch nicht eigentlich dasjenige ist, Non animadvertunt etc . Ueber
was als Beleg der im Vorhergehen - das Verhältniss der Glieder in die
den erwähnten Ansichtdienen sollte, sem Satze s. oben zu c. 9, 23.
sondern dass der Beleg erst in der quam - te. S . c . 28 , 82. ,
vermeintlich beabsichtigten Zwei- Metrodorum . Dieser war Epi
deutigkeit Epikurs liegt, von wel- kurs nächster Freund und Schüler,
LIB . I. CAP. 30. 31. 85
vero deos esse putat, nec quemquam vidi qui magis ea, quae ti
menda esse negaret, timeret , mortem dico et deos. Quibusme
diocres homines non ita valde moventur, his ille clamat omnium
mortalium mentis esse perterritas. Tot milia latrocinantur morte
proposita : alii omnia, quae possunt, fana compilant. Credo, aut
illos mortis timor terret aut hos religionis.
Sed quoniam non audes ( iam enim cum ipso Epicuro 87
loquar) negare esse deos : quid est , quod te impediat aut solem
autmundum aut mentem aliquam sempiternam in deorum natura
ponere ? Numquam vidi, inquis , animam rationis consiliique
participem in ulla alia nisi humana figura . Quid ? solis numquid
nam aut lunae aut quinque errantium siderum simile vidisti ? Sol
duabus unius orbis ultimis partibus definiens motum cursus
annuos conficit. Huius hanc lustrationem eiusdem incensa radiis
menstruo spatio luna complet. Quinque autem stellae eundem
orbem tenentes , aliae propius a terris , aliae remotius, ab isdem
principiis disparibus temporibus eadem spatia conficiunt. Num
quid tale, Epicure, vidisti ? Ne sit igitur sol, ne luna, ne stellae :
quoniam nihil esse potest , nisi quod attigimus aut vidimus.
Quid ? deum ipsum numne vidisti ? Cur igitur credis esse ? Om - 88
nia tollamus ergo quae aut historia nobis aut ratio nova affert. Ita
fit, utmediterranei mare esse non credant. Quae sunt tantae animi
angustiae ? Ut, si Seriphi natus esses nec umquam egressus ex
insula, in qua lepusculos vulpeculasque saepe vidisses, non cre
deres leones et pantheras esse, quum tibi quales essent diceretur,
paene alter Epicurus, de Finn . II, ab iisdem principiis, d . h. wenn
28, 92, und Verfasser einer beträcht- man ihren Lauf von denselben Aus
lichen Zahl von Schriften . gangspunkten an berechnet, so ge
87. in deorum natura ponere ist brauchen sie verschiedene Zeiten um
ein kaụm zu rechtfertigender Aus- den gleichen Raum zurückzulegen .
druck, u.wahrscheinlich nurSchreib 88. Ita fit : Dann ist die Folge :
fehler für in d. numero p. für ita fiet, was eigentlich richtiger
duabus unius orbis ultimis par wäre. Vgl. Kühner zu Tuscul. II,
tibus. Der unus orbis ist die Ekli 7, 16 . u. unten c. 43, 121.
ptik, und die beiden ultimae partes Seriphus, jetzt Servino, eine der
derselben sind da, wo sie sich im Cykladen , klein und unfruchtbar,
Norden mit dem Wendekreis des und in mehrfacher sprüchwörtlicher
Krebses, im Süden mit dem des Anwendung als Typus der Be
Steinbocks berührt. schränktheit dienend . Unter den
lustrationem für circuitum , weil Kaisern war sie auch Verbannungs
bei religiösen Reinigungen , welche ort. - Das Ut zu Anf. des Satzes
das Wort eigentlich bedeutet, die = velut „ wie zum Beispiel.“
Reinigungsopfer rings umher getra Vgl. II, 33, 86 . Mehr dergl.ºs. bei
gen wurden. So steht lustrare un Giese zu C . de Div. I, 39, 86 u .
ten II, 20, 53 u . 41, 106 . Madvig zu de Finn. IV , 12, 30.
86 DE NATURA DEORUM
si vero de elephanto quis diceret, etiam rideri te putares. Et tu
quidem , Vellei, non vestro more, sed dialecticorum , (quaefunditus
gens vestra non novit,) argumenta sententiae conclusisti: beatos
32 esse deos sumpsisti. Concedimus. Beatum autem sine virtute
89 neminem esse posse. Id quodque damus , et libenter quidem .
Virtutem autem sine ratione constare non posse. Conveniat id
quoque necesse est. Adiungis , nec rationem esse nisi in hominis
figura. Quem tibi hoc daturum putas ? Si enim ita esset , quid
opus erat te gradatim istuc pervenire ? sumpsisses tuo iure. Qui
autem est istuc gradatim ? Nam a beatis ad virtutem , a virtute
ad rationem video te venisse gradibus. A ratione ad humanam
figuram quo modo accedis ? Paecipitare istuc quidem est, non
90 descendere. Nec vero intelligo , cur maluerit Epicurus deos ho
minum similis dicere quam homines deorum . Quaeres , quid in
tersit: si enim hoc illi simile sit, esse illud huic. Video ; sed hoc
dico, non ab hominibus formae figuram venisse ad deos : di enim
semper fuerunt ; nati numquam sunt, si quidem aeterni sunt fu
turi ; at homines nati : ante igitur humana forma quam homines,
quae, in Folge einer oúveois oder unten III, 31, 76 dedisses. S. Zumpt
oúvtatis noòs tò vooýuevov auf Gr. $ 529 Anm . Madvig zu Cic. de
den im Vorhergehenden mitgedach Finn . II, 12, 35. Naeke zu Valer.
ten Begriff von praecepta dialectica Cato p. 161. Wagner zu Virg. Aen .
bezogen . Vgl. Tuscul. I, 2, 4 : ergo IV , 678. — Für das folgende quíha
in Graecia musici floruerunt disce- ben die Handschr. quid ; aber nicht
bantque id omnes. was das gradatim bedeute, sondern
argumenta sententiae conclusisti: mit welchem Rechte es von der Fol
„ Du hast die Gründe deiner Ansicht gerung des Velleius gesagt werden
in syllogistischer Form , zu einem könne , wird gefragt. Ueber die
Schluss zusammengestellt. „ Vgl. häufige Verwechselung vgl. Opusc .
de Finn . II, 8, 27 : concluduntur igi- ac. III p. 305 u . 325.
tur eorum argumenta sic. Acad. 90. formae figuram : die Bildung
II, 9, 27 : quae esset conclusi argu der Gestalt, wie Lucret. IV , 67 :
menti fides. Den Schluss des Vell. veterem formae servare figuram .
s . ob . c. 18 , 48. Uebrigens ist die Jenes bedeutet wohl die Gestalt
Lesart dieser Stelle nicht sicher. nach dem Gesammteindruck, den sie
Die Hdschr. haben argumenti sen macht, dieses die Bildung und Ver
tentiam , was vielleicht aus argu hältnisse der Theile ; die forma
menti summam verschrieben ist. tritt sichtbar hervor : zur figura
So steht summam rationis in glei gehört auch der innere Bau. Daher
cher Bed . de Or. II, 38, 158 und Cic. de off. I, 35 , 126 : formam
summa u, sententiae sind auch an ceteramque figuram , und
derswo von den Abschreibern ver nostram
zur forma kann auch die Farbe bei
wechselt.
II, 31, 100.
S. Madvig zu de Finn . tragen , ib . 36 , 130 : formae digni
tas coloris bonitate tuenda. — Ueber
32. 89. sumpsisses S. v. als das folgende di semper fuerunt
sumere poteras oder debebas, wie s. d. Inhaltsangabe S. 28.
LIB. I. CAP. 31. 32. 33. 87
ea qua erant forma di immortales. Non ergo illorum humana
forma, sed nostra divina dicenda est. Verum hoc quidem , ut vo
letis : illud quaero, quae fuerit tanta fortuna — nihil enim ratione
in rerum natura factum esse vultis - sed tamen quis iste tantus
casus ? unde tam felix concursus atomorum , ut repente homines 91
deorum forma nascerentur ? Semina deorum decidisse de caelo
putamus in terras et sic homines patrum similis extitisse ?
Vellem diceretis ; deorum cognationem agnoscerem non invitus.
Nihil tale dicitis, sed casu esse factum , ut essemus similes deorum .
Et nunc argumenta quaerenda sunt, quibus hoc refellatur ?
Utinam tam facile vera invenire possem , quam falsa convincere.
Etenim enumerasti memoriter et copiose (utmihi quidem admi- 33
rari liberet, in homine esse Romano tantam scientiam , usque a
Thale Milesio de deorum natura philosophorum sententias. Om - 92
nesne tibi illi delirare visi sunt, qui sine manibus et pedibus con
stare deum posse decreverunt ? Ne hoc quidem vos movet con
siderantis, quae sit utilitas quaeque opportunitas in hominemem
brorum , ut iudicetis membris humanis deos non egere ? Quid
enim pedibus opus est sine ingressu ? quid manibus , si nihil
comprehendendum est ? quid reliqua descriptione omnium cor
poris partium , in qua nihil inane, nihil sine causa , nihil super
vacaneum est ? Itaque nulla ars imitari sollertiam naturae potest.
Habebit igitur linguam deus , et non loquetur: dentis, palatum ,
faucis nullum ad usum : quaeque procreationis causa natura
corpori affinxit, ea frustra habebit deus; nec externa magis quam
interiora , cor, pulmones, iecur, cetera, quae detracta ulilitate quid
habent venustatis ? quandoquidem haec esse in deo propter pul
chritudinem voltis. Istisne fidentes somniis non modo Epicurus 93
et Metrodorus et Hermarchus contra Pythagoram , Platonem
ea qua erant forma di. Das vor 91. putamus? Sollen wir etwa
hergegangene forma wird im Rela - glauben ? Ueber den Indicativ in der
tivsatz der grösseren Deutlichkeit gleichen Fragen s. zu § 84.
wegen wiederholt, wie häufig : und 33. memoriter nicht , wie
dass vorher auch das Demonstr. ea häufig erklärt wird, aus dem Ge
steht, hindert solche Wiederholung dächtniss , sondern mit treuem
nicht, wie Jemand gemeint hat. Vgl. Gedächtniss, ohne Etwas ver
Caes. B .G . 1, 49, 1 : ultra eum locum ,gessen zuhaben , welche Beden
quo in loco Germani consederant. tung Madvig zu Cic. de Finn . p. 74
Cic . in Catil. III, 10 , 25 : in hoc au -
erwiesen hat.
tem uno bello , quale bellum .pr. Glu 93. Hermarchus aus Mitylene,
ent. c. 54 in . lex ea, qua lege. Eben - Epikurs Schüler und Nachfolger.
so ib. 57, 166. de re publ. 1, 26 : Unter seinen von Diog. L . X , 25
ad eam causam referendam est, aufgeführten Schriften waren Ti
quae causa genuit civitatem . στολικά περί ' Εμπεδοκλέους είκο
88 DE NATURA DEORUM
Empedoclemquedixerunt, sed meretricula etiam Leontium contra
Theophrastum scribere ausa est ? scito illa quidem sermone et
Attico , sed tamen - tantum Epicuri hortus habuit licentiae. Et
soletis queri ? Zeno quidem etiam litigabat. Quid dicam Albuci
um ? Nam Phaedro nihil elegantius, nihil humanius; sed sto
machabatur senex , si quid asperius dixeram ; quum Epicurus
Aristotelem vexarit contumeliosissime, Phaedoni Socratico tur
pissimemaledixerit,Metrodori, sodalis sui, fratrem , Timocratem ,
quia nescio quid in philosophia dissentiret, totis voluminibus
conciderit , in Democritum ipsum , quem secutus est, fuerit in
gratus,Nausiphanem ,magistrum suum , a quo non nihil didicerat,
ou 'xai dúo und eine Schrift noos vom Lucilius wegen seiner Graeco
IIlátova , und seiner Schrift gegen manie verspottet. S . de Finn . I, 3,
Pythagoras, namentlich hinsichtlich 9. Als Propraetor von Sardinien im
der Enthaltung von thierischer Nah - J. 650 liess er sich Erpressungen
rung, gedenkt Porphyr. de abstin. zu Schulden kommen, weswegen er
I, 26 . später vor Gericht gezogen und ver
Leontium . 'AtTixò étaioa heisst urtheilt wurde.
sie bei Diog. L . X , 23 und rallax Phaedrus, der in der Einleitung
Epikurs. Ein paar Worte aus einem erwähnte Epikureer, dessen Vor
Briefe desselben an sie stehen ib. träge auch Cicero gehört zu haben
§ 5 , und eines Bildnisses der Le angiebt de Finn . I, 5, 16 . ad Famil.
ontion mit der Miene tiefen Nach XIII, 1, 2.
denkens, von dem Maler Theodorus, Phaedon aus Elis ward in Athen ,
erwähnt Plinius H . N . XXXV, 11. wohin er in Folge von Kriegsge
Mehr über sie s. bei Menage Hi fangenschaft als Sklave gekommen
storia mulierum philosopharum hin war, mit Sokrates bekannt und auf
ter der Ausg. des Diog. L . II p. 618 dessen Betrieb losgekauft. Nach
Hüb . und über ihre Identität mit ihm hat Plato den bekannten Dia
der Leontion des Hermesianax log über die Unsterblichkeit be
Schulze, quaestt. Hermes. (Lips. nannt. Von ihm selbst gab es eben
1856 ) p. 22. falls einige Dialoge. Diog . L. II ,
sed tamen scil.meretricula : aber 105 .
doch nur eine Person , die trotz ihrer Timocratem . Was auch E. gegen
geistreichen und attischen Schreib diesen geschrieben haben mag , so
art, sich doch dergleichen nichthätte hegte er doch schwerlich Feind
unterstehen dürfen . schaft gegen ihn. Wenigstens setzt
Epicuri hortus , weil E . in der er in seinem noch vorhandenen Te
Nähe von Athen in seinem Garten stamente ihn und einen gewissen
lebte und lehrte. Diesen Garten Amynomachos zu Erben seines Ver
vermachte er im Testamente dem mögens ein. Diog. L. X , 16.
Hermarchus und dessen künftigen in Democritum — ingratus. Vgl.
Nachfolgern auf seinem Lehrstuhle. de Finn . I, 6, 21 : Democritum , lau
Diog . L . X , 17 . datum a ceteris, ab hoc, qui eum
Zeno. Der oben c. 21,59 erwähn- unum secutus est, nollem vitupe
te Epikureer. ratum . E . verdrehte seinen Namen
T. Albucius heisst dem Cicero spottend in Anpóroutos. Diog. L .
Brut.c. 35, 131 perfectus Epicureus. X , 8.
Er lebte lange in Athen und wurde Nausiphanem . S. c. 26, 73, aus
LIB . I. CAP. 33. 34 . 89
tam male acceperit. Zeno quidem non eos solum , qui tum erant, 34
Apollodorum , Syllum , ceteros , figebat maledictis, sed Socratem
ipsum , parentem philosophiae, Latino verbo utens, scurram Atti
cum fuisse dicebat, Chrysippum numquam nisi Chrysippam vo
cabat. Tu ipse paullo ante , quum tamquam senatum philoso - 94
phorum recitares, summos viros desipere, delirare, dementis esse
dicebas. Quorum si nemo verum vidit de natura deorum , ve
rendum est , ne nulla sit omnino. Nam ista , quae vos dicitis,
sunt tota commenticia , vix digna lucubratione anicularum . Non
enim sentitis , quam multa vobis suscipienda sint, si impetra
ritis , ut concedamus eandem hominum esse et deorum figuram .
Omnis cultus et curatio corporis erit eadem adhibenda deo , quae
adhibetur homini: ingressus, cursus, accubitio , inclinatio, sessio,
comprehensio , ad extremum etiam sermo et oratio . Nam quod 95
et maris deos et feminas esse dicitis , quid sequatur, videtis .
Equidem mirari satis non possum , unde ad istas opiniones vester
ille princeps venerit. Sed clamare non desinitis retinendum hoc
esse , deus ut beatus immortalisque sit. Quid autem obstat, quo
welcher Stelle sich auch der Zusatz ten. πτωχός αδολέσχης hiess die
des in den meisten Hdschr. fehlen - ser auch bei dem Komiker Eupo
den non vor nihil rechtfertigt. lis. Meineke Fragm . com . V , 1 p.
34 . Apollodorus u . Syllus, Silus) LXXXVIII.
zwei sonst nicht bekannte Philoso- Chrysippam . Wahrscheinlich
phen : denn an den Epikureer Apollo - wollte er damit die wortreiche Red
dorus, der nach Diog . L . X , 2 und seligkeit, wie eines geschwätzigen
25 Zeno 's Lehrer war, ist wohl alten Weibes , verspotten . Denn
kaum zu denken . Eher an den Stoi- allerdings war Chr. ein sehr wort
ker, dessen Diog. L . VII, 39 erwähnt, reicher Vielschreiber, und redselige
wo man auch den anderen Namen Geschwätzigkeit heisst yoaohoyia .
Syllus nach Coniectur hergestellt Sext. Emp. adv. gramm . § 141.
hat. Andere Vermuthungen zu er- 94 , senatum — recitares. Wie
wähnen ist nicht der Mühe werth. ein Censor. Vgl. Liv. XXIII, 23, 5
Latino verbo utens. Das ist gar XXIX, 37, 1. or. pr.dom . c.32, 84 .
nichtunglaublich , da einige Bekannt lucubratione anicularum . Nicht
schaft mit der Lateinischen Sprache blos Studien , sondern auch Handar
bei jenen Philosophen, deren Audi- beiten der Weiber bei Licht heissen
torien grossentheils von Römern be lucubrationes : bei Livius I, 57 fin
sucht wurden , gewiss anzunehmen det S . Tarquinius die Lucretia inter
ist. Des Lateinischen Wortes moch lucubrantes ancillas sitzend. -
te sich Z . deswegen bedienen, weil Cotta sagt also , Epikurs Einfälle
es ihm besser als irgend ein Grie über die Götter seien kaum für
chisches das bezeichnete , was er Spinnstuben alterWeiber gut genug .
meinte : jenes geschäftslose Umher 95 . Nam quod – dicitis. Wie
treiben und die nie ermüdende Red - dies zu beurtheilen sei, ist am
seligkeit, die den scurra charakteri- Schluss der Inhaltsangabe gesagt.
siren , und von Uebelwollenden auch deus ut — sit s. v. als ut esse
am Sokrates getadelt werden konn - statuatur. S. zu c. 9, 21. 27, 75.
90 DE NATURA DEORUM
minus sit beatus, si non sit bipes ? aut ista , sive beatitas sive
beatitudo dicenda est, (utrumque omnino durum , sed usu mol
lienda nobis verba sunt) verum ea , quaecumque est, cur aut in
solem illum aut in hunc mundum aut in aliquam mentem aeter
nam , figura membrisque corporis vacuam , cadere non potest ?
96 Nihil aliud dicis nisi , numquam vidi solem autmundum beatum .
Quid ? mundum praeter hunc umquamne vidisti ? Negabis. Cur
igitur non sexcenta milia esse mundorum , sed innumerabilia
ausus es dicere ? Ratio , inquis , docuit. Ergo hoc te ratio non
docebat, quum praestantissima natura quaeratur , eaque beata et
aeterna , quae sola divina natura est , ut immortalitate vincamur
ab ea natura , sic animipraestantia vinci , atque ut animi, item
corporis ? Cur igitur, quum ceteris rebus inferiores simus , for
35 ma pares sumus ? Ad similitudinem enim dei propius accedebat
97 humana virtus quam figura. An quicquam tam puerile dici pot
est, (ut eundem locum diutius urgeam ,) quam si ea genera belu
arum , quae in rubro mari Indiave gignuntur, nulla esse dicamus?
Atqui ne curiosissimi quidem homines exquirendo audire tam
multa possunt, quam sunt multa , quae terra, mari , paludibus,
fluminibus existunt: quae negemus esse, quia numquam vidi
durum ,nurweilnoch ungebräuch - tamen erat ille sapiens: quis enim
lich , vgl. Quintil. VIII, 3 , 32 : sonst hoc? Vgl. Liv. XXX , 30 : Quod
ist die Bildung beider Formen ganz enim ego fui ad Trasimenum , id
unanstössig, wie necessitas und ne- tu hodie es. – Die herkömmliche
cessitudo, claritas und claritudo, Lesart unserer Stelle, sunt für est,
und die von Gellius XIII , 3 ange- ist keiner vernünftigen , d. h . dem
führten ,suavitudo, sanctitudo, acer- Gedankenzusammenhangeangemes
bitudo, acritudo,neben suavitas etc. senen Erklärung fähig .
Auch duritudo , planitudo , saevi accedebat. Das Imperf. in Be
tudo, tarditudo , vaslitudo. S . ziehung auf die schon angestellte
Ritschl de fictil. litter. (Berolin . Betrachtung (ratio docuit), die auch
1853) p . 20 .
96 . innumerabilia . S . oben c. dies erkennen musste, was ja nicht
erst jetzt, sondern schon damals
20 , 53. sich so verhielt. Aehnlich ist unten
quae sola divina natura est: was c. 35 , 98 das Imperf. videbas u . 36 ,
- nämlich selig und unvergänglich 100 habebam zu beurtheilen . -- Für
- nur das göttliche Wesen , kein ' dei haben die Hdschr. deo . Vgl.
anderes , ist. Das Neutrum quae darüber Opusc. ac. III. p. 321. Auch
bezieht sich auf die beiden Praedi deorum wäre wohl möglich .
cate beata et aeterna. Stände nur
eines von beiden , etwa aeterna, so 35 . 97. in rubro mari.'Equipà
würde es heissen : quod sola divina Jóhaood, dasMeer im Süden von
natura est, wie de Finn . IV , 24, 66 : Asien und Libyen, mit dem Persi
utiam omnes insipientes sintmise- schen und Arabischen Meerbusen .
ri, quod profecto sunt, und ebenso . S. Ps. Arist. de mund . c. 3. u. dort
das Demonstr. hoc , ib . $ 65 : non Kapp. und die Ausl. zu Herod. I, 1.
LIB. I. CAP. 34. 35 . 91
mus ? Ipsa vero quam nihil ad rem pertinet , quae vos delectat
maxime similitudo ! Quid ? canis nonne similis lupo ? Atque, ut
Ennius ,
simia quam similis turpissima bestia nobis!
At mores in utroque dispares. Elephanto beluarum nulla pru
dentior. At figura quae vastior ? De bestiis loquor. Quid ? inter 98
ipsos homines nonne et simillimis formis dispares mores, et
moribus simillimis figura dissimilis ? Etenim si semel, Vellei,
suscipimus genus hoc argumenti, attende quo serpat. Tu enim
sumebas nisi in hominis figura rationem inesse non posse : su
met alius , nisi in terrestri, nisi in eo , qui natus sit, nisi in eo,
qui adoleverit, nisi in eo , qui didicerit , nisi in eo , qui ex animo
constet et corpore caduco et infirmo, postremo nisi in homine
atque mortali. Quodsi in omnibus his rebus obsistis , quid est,
quod te una forma conturbet ? His enim omnibus , quae propo
sui, adiunctis in homine rationem esse et mentem videbas. Qui
bus detractis deum tamen nosse te dicis , modo lineamenta ma
neant. Hoc est non considerare, sed quasi sortiri, quid loquare.
Nisi forte ne hoc quidem attendis , non modo in homine, sed 99
etiam in arbore , quicquid supervacaneum sit aut usum non ha
beat, obstare. Quam molestum est uno digito plus habere ! Quid
ita ? Quia nec ad speciem nec ad usum alium quinque deside
rant. Tuus autem deus non digito uno redundat , sed capite,
collo , cervicibus, lateribus, alvo , tergo, poplitibus,manibus, pedi
bus, feminibus, cruribus. Si ut immortalis sit , quid haec ad
vitam membra pertinent ? quid ipsa facies ? Magis illa, cerebrum ,
cor, pulmones, iecur. Haec enim sunt domicilia vitae ; oris qui- 36
dem habitus ad vitae firmitatem nihil pertinet. Et eos vitupera-100
bas , qui ex operibus magnificis atque praeclaris, quum ipsum
98. quid est conturbet ?schen nichtweniger bei, als die Ver
Wie kann die Gestalt allein dich nunft ihm beiwohnt.
so verwirrt machen ? d. h. das Vor- 99. uno digito plus: um einen
urtheil oder die vermeintliche πρό Finger zu viel, eigentlich mehr als
anuis von der Gestalt der Götter, es sein sollten . Der Ablat. nicht
wie kann das dir so sehr die Beson desVergleichungsgegenstandes, son
nenheit rauben , dass du daran fest dern des Masses, wie sol multis
hältst, während du doch anderen partibus maior quam terra (II, 36 ,
nicht eben willkürlicheren Annah 92), Siculi nonnumquam uno die
men dich widersetzest? Ueber con longiorem mensem faciunt aut bi
turbare vgl. Beier zu de Offic. III, duo. Verr. II,52, 129. Orat. 51, 173 :
10, 40. versusuna syllaba brevior aut lon
his adiunctis rationem ist s. v. als gior . -
haec una cum ratione: alle diese 36 . 100. Et eos vituperabas.
Eigenschaften wohnen dem Men - Oben c. 20 , 53 sq. - Et für et
92 DE NATURA DEORUM
mundum , quum eius membra, caelum , terras, maria , quumque
horum insignia , solem , lunam stellasque vidissent, quumque tem
porum maturitates, mutationes vicissitudinesque cognovissent,
suspicati essent aliquam excellentem esse praestantemque natu
ram , quae haec fecisset,moveret, regeret, gubernaret. Qui etiamsi
aberrant coniectura , video tamen , quid sequantur. Tu quod
opus tandem magnum et egregium habes, quod effectum divina
mente videatur , ex quo esse deos suspicere ? Habebam , inquis,
in animo insitam informationem quandam dei. Et barbati qui
101 dem Iovis, galeataeMinervae : num igitur esse talis putas ? Quanto
melius haec vulgus imperitorum , qui non membra solum homi
nis deo tribuunt, sed usum etiam membrorum . Dant enim ar
cum , sagittas, hastam , clipeum , fuscinam , fulmen , et si, actiones
quae sint deorum non vident , nihil agentem tamen deum non
queunt cogitare. Ipsi, qui irridentur, Aegyptii nullam beluam
nisi ob aliquam utilitatem , quam ex ea caperent, consecraverunt;
velut ibes maximam vim serpentium conficiunt, quum sint aves
excelsae , cruribus rigidis , corneo proceroque rostro : avertunt
pestem ab Aegypto , quum volucris angues ex vastitate Libyae
tamen oder wie čita im Gr., mit auch von einem bärtigen Jup. .
dem Ausdruck unwilliger Verwun Dem Vorhergehenden gegenüberge
derung. Phil. I, 8, 19 : Quid ? lege, stellt als ebenso gewiss, und doch
quae promulgata est de tertia de geeignet, die Beweiskraft desselben
curia, nonne omnes iudiciariae le zu schwächen oder aufzuheben . S .
ges Caesaris dissolvuntur ? Et vos Schwarz zu Hor. Tursell. p . 284 ,
acta Caesaris defenditis, qui leges Jahn zu Cic. or. c. 50, 168, u . be
eius evertitis ? Mehr dergl. s. bei sonders Madvig . Emend. in Cic . libr.
Horat. Tursellin. de partic. p. 286 phil. p. 91.
Schwarz u .Hand Turs. II p. 492. 101. ob aliquam utilitatem . Eine
aberrant coniectura . Vgl. Verr. häufig vorkommende Behauptung ,
III, 67, 156 . hic vehementer errat die indessen, wenigstens in dieser
Timarchides, sed errat domestica Allgemeinheit, schwerlich richtig ist.
coniectura. ad Attic. XIV , 22 , 1: Der Thierdienst ist eine Art von
vereor nenihil coniectura aberrem Fetischismus, beruhend auf dunkler
Bei dem aberrare ist natürlich a Ahnung einer in den Thieren sich
vero, a proposito oder dergl. hinzu offenbarenden übermenschlichen Na
zudenken . Grober Missverstand des turkraft, die der rohe Mensch an
Ausdrucks hat veranlasst, die Prae staunte und verehrte. So wird auch
position a vor coniectura hinzuzu bei Plut. de Is. et Os. c. 74 neben
setzen, wobei man sich denn einbil- dem xoslodes auch das ovußołıxóv
det, coniectura könneauch wohldie hervorgehoben und c. 77 heissen die
gesuchte Wahrheit selbst, Thiere aiviyuata toð geoũ. Vgl.
wie der neueste Vertheidiger die- die geistreichen Bemerk. v. J. A .
ser Meinung sagt, coniectura cum Kanne in der Einl. zu seinerMytho
effectu oder finis quo tendimus logie d . Griechen , u . Duncker Gesch .
sein . - d. Alterth. I S . 53 d. zweiten Ausg.
Et quidem barb. lov. Freilich volucres angues. Dasselbe sagen
LIB. I. CAP. 36. 37.
vento Africo invectas interficiunt atque consumunt; ex quo fit,
ut illae nec morsu vivae noceant nec odore mortuae. Possum
de ichneumonum utilitate, de crocodilorum , de felium dicere: sed
nolo esse longus: ita concludam , tamen beluas a barbaris pro
pter beneficium consecratas; vestrorum deorum non modo be
neficium nullum extare, sed ne factum quidem omnino. Nihil 102
habet, inquit, negotii. Profecto Epicurus, quasi pueri delicati, .
nihil cessatione melius existimat. At ipsi tamen pueri, etiam 37
quum cessant, exercitatione aliqua ludicra delectantur: deum sic
feriatum volumus cessatione torpere, ut, si se commoverit, verea
mur ne beatus esse non possit. Haec oratio non modo deos
spoliatmotu et actionedivina , sed etiam homines inertis efficit,
si quidem agens aliquid ne deus quidem esse beatus potest.
Verum sit sane, ut vultis , deus effigies hominis et imago :103
quod eius est domicilium ? quae sedes ? qui locus ? quae deinde
actio vitae ? quibus rebus, id quod vultis , beatus est ? Utatur
auch Andere, lassen aber zum Theil menhange leicht zu ergänzenden
diese geflügelten Schlangen nichtaus Gedanken , wie dergleichen Auslas
Libyen, sondern aus Arabien kom - sungen besonders im Gespräch über
men , wie Herod. II, 75 . III, 107. all vorkommen . Obgleich man
Ammian . Marc. XXII, 15 , 26. die Aegypter wegen ihres
Schneider zu Aelian . H . An. II, 38 Thierdienstes verlacht, so
meint, dass fliegende Eidechsen sind doch – was zu ihrer
(Linné's draco volans) zu verstehen Entschuldigung dienen kann
seien . Die ganze Sache ist aber - die Thiere wenigstens
ohne Zweifel übertrieben und fa nicht ohne einigen Grund
belhaft . heilig geachtet. - Ueber ta
vento Africo . Den Italienern ist men f. saltem , certe vgl. Giese zu
Africus der West-Süd -Westwind , C . de divin. II, 38 , 80 . Vorange
aboccidente hiberno, quiapudGrae stellt in diesem Sinne auch in Verr.
cos iiy dicitur (Seneca Qu . nat. lib . I, 1, 21: si reticeat et absit, ta
V , 16 ) weil dieser ihnen aus der men impudentiae suae pudentem
Provinz Africa wehte. An einen exitum quaesisse videatur. ad Fa
westlichen Wind ist auch hier zu mil. XV, 17 , 2 : Nos hic - tamen
denken, da Libyen den Aegyptern ad te scribam aliquid - Sullam
in dieser Richtung liegt. , patrem mortuum habebamus.
tamen beluas etc. Dass so zu 102 habet für habent. S. zu c.
verbinden sei, nicht concludam ta 19 , 51.
men , lehrt das Gedankenverhältniss 37. Haec oratio – spoliat, d.
der Sätze, da das ita concludam etc. h . dies, was du sagst, spricht den
dem vorhergehenden nicht entge Göttern Bewegung u . S. W . ab .
gensteht, sondern vielmehr aus ihm Aehnlich de Legg. 1, 3, 10 : Lega
folgt: nicht obgleich , sondern tionem aliquam nimirum ista oratio
weil Cotta kurz sein will, schliesst postulat: dies, was du sagst, deutet
er hiermit. - Das tamen deutet auf das Verlangen nach einer Lega
auf einen nicht ausdrücklich ausge tion. Vgl. II, 1, 3. u. 10 in.
sprochenen , weil aus dem Zusam - 103. actio vitae S . zu c. 17, 45 . .
94 DE NATURA DEORUM
enim suis bonis oportet et fruatur, qui beatus futurus est. Nam
locus quidem iis etiam naturis , quae sine animis sunt, suus est
cuique proprius , ut terra infimum teneat , hanc inundet aqua;
superior aëri , ignibus altissima ora reddatur. Bestiarum autem
terrenae sunt aliae, partim aquatiles , aliae quasi ancipites , in
utraque sede viventes ; sunt quaedam etiam , quae igni nasci pu
tentur appareantque in ardentibus fornacibus saepe volitantes.
104 Quaero igitur, vester deus primum ubihabitet; deinde quae causa
eum loco moveat , si modo movetur aliquando ; porro, quum hoc
proprium sit animantium , ut aliquid appetant quod sit naturae
accommodatum , deus quid appetat; ad quam denique rem motu
mentis ac ratione utatur; postremo quo modo beatus sit , quo
modo aeternus. Quicquid enim horum attigeris, ulcus est. Ita
105male instituta ratio exitum reperire non potest. Sic enim dice
bas , speciem dei percipi cogitatione, non sensu , nec esse in ea
ullam soliditatem , neque eandem ad numerum permanere, eam
que esse eius visionem , ut similitudine et transitione cernatur,
quae igni nasci putentur : näm - ihreGestalt aus den Bildern erkannt,
lich durch eine sog. generatio ori- sondern nur durch die Vernunft er
ginaria , dergleichen die alten Na- schlossen werden , mente oder cogi
turforscher als unzweifelhaft an - tatione cerni: sie sind, nach Epikur,
nahmen. Von den hier erwähnten nur kóyw gewontoi.
Thieren sagt Seneca Qu . nat. V . 6 : . neque eandem ad numerum per
ignis, qui omnia consumit , quae - manere. Dies könnte nur bedeuten ,
dam etiam creat, et quod videri dass die göttlicheGestalt in Hinsicht
potest non simile veri, tamen verum der Zahl nicht dieselbe bleibe, son
est; animalia igne generari. und dern wandelbar sei, also bald in grös
Plinius H . N . XI, 36 : In Cypri aer a - serer bald in geringererZahl erschei
riis fornacibus ex medio ignima ne. Aber nach Epikur kann wohl
ioris muscae magnitudine volat überhaupt von Zahl und Zählbarkeit
pennatum quadrupes : appellatur der Götter nicht die Rede sein .
pyralis, a quibusdam pyrausta. Vielleicht schrieb aber Cicero neque
Quamdiu est in igni, vivit: quum eam ad numerum permanare, wo
evasit longiore paullo volatu , emo- denn ad numerum in der zu § 49
ritur. Sonst heissen pyraustae die angegebenen Bedeutung = sic ut
Lichtmotten . numerari possit, permanare aber
von dem Zuströmen , der transitio
105 . Sic enim dicebas. Nämlich der Bilder zu nehmen sein würde,
oben c. 19, 49 ; doch sagt Velleius wogegen sich sprachlich nichts ein
dort nicht speciem dei, sondern vim wenden liesse. Auch steht wirklich
et naturam deorum , was wesent- in einer Hdschr. permanare, wor
lich verschieden ist. Die species auf freilich kein Gewicht zu legen ,
wird mittels der die Seele afficiren wenn nicht die Sache selbst dafür
den imagines erkannt, wenn auch spricht. Eam für eandem schreibt
nachher noch weitere Gründe dafür auch Lachmann zu Lucret. p. 24,
gefunden werden ; das Wesen der behält jedoch permanere bei.
Götter aber kann nicht ebenso wie similitudine et transitione. Wie
LIB . I. CAP. 37 . 38. 95
neque deficiat umquam ex infinitis corporibus similium accessio,
ex eoque fieri, ut in haec intenta mens nostra beatam illam na
turam et sempiternam putet. Hoc , per ipsos deos, de quibus 38
loquimur , quale tandem est ? Nam si tantummodo ad cogitatio
nem valent nec ullam habent soliditatem nec eminentiam , quid
interest, utrum de hippocentauro an de deo cogitemus ? omnem
enim talem conformationem animi ceteri philosophi motum
inanem vocant, vos autem adventum in animos et introitum
imaginum dicitis : ut Ti. Gracchum quum videor contionantem 106
in Capitolio videre de M . Octavio deferentem sitellam , tum eum
motum animi dico esse inanem , tu autem , et Gracchi et Octavii
imagines remanere , quae in Capitolium quum pervenerint , tum
ad animum meum referantur: hoc idem fieri in deo, cuius crebra
facie pellantur animi, ex quo esse beati atque aeterni intelligantur.
Fac imagines esse , quibus pulsentur animi: species dumtaxat 107
obiicitur quaedam ;num etiam cur ea beata sit, curaeterna ? Quae
autem istae,imagines vestrae aut unde ? A Democrito omnino haec
licentia. Sed et ille reprehensus a multis est , nec vos exitum
reperitis, totaque res vacillat et claudicat. Nam quid est quod
dies zu verstehen sei ist zu § 49 an - dern auch feinere, welche unmittel
gegeben . bar in die Seele dringen . Lucret.
ex eoque fieri. S. zu § 109. IV , 726 ff. Solche Bilder dauern
38. tantummodo ad cogitationem fort, auch wenn die Dinge, von
valent, weil sie keinen Eindruck auf welchen sie herrühren , nicht mehr
die Sinne, sondern nur auf die vorhanden sind; woher es kommt,
Seele zu machen vermögen , also dass der Seele sich auch Bilder von
lediglich für die Vorstellung wirk längst Verstorbenen darstellen kön
lich sind. nen, z. B. in Träumen , Lucret. V,63.
talem conformationem animi, d. Remanere ist von zeitlicher Fort
h . eine solche,ohne sinnliche Wahr dauer , nicht vom Verharren an
nehmung , allein durch die Thätig einem Orte zu verstehen , denn
keit der Seele entstandene Vorstel wie Lucret. IV, 728 sagt, simulacra
lung. Animi, genit. subiect., nicht vagantur in cunctas undique
obiect. partis. Vgl. Cic. de div. II,67, 137.
106 . Ti. Gracchum etc. Bezie Darum ist die Lesart der meisten
hung auf die bekannte Geschichte, Hdschr.pervenerintmir wahrschein
wie Ti. Gracchus als Volkstribun licher , als pervenerim , was von
die Absetzung seines ihm Wider neueren Herausg. aus vier Hdsch .
stand leistenden Collegen M . Octa- aufgenommen worden . Vgl. Jahrb.
vius beantragte, und das Volk dar f. Philol. 1875 S . 691.
über abstimmen liess. — Ueber ut, 107. a Democrito haec licentia .
= wie z. B . s. zu c . 31, 88. Diese willkürlicheAnnahme ist dem
imagines remanere. Nach Epikur Demokrit entlehnt.
strömen von den Dingen nicht blos omnium in me incidere imagines
Bilder gröberer Beschaffenheit aus, etc. Bilder von allen, wie es sich
welche das Auge aufnimmt, son - jedesmal trifft oder mir beliebt. Vgl.
96 DE NATURA DEORUM
minus probari possit , quam omnium in me incidere imagines,
Homeri, Archilochi, Romuli , Numae, Pythagorae, Platonis, nec
ea forma, qua illi fuerunt ? Quo modo illi ergo ? et quorum
imagines ? Orpheum poetam docet Aristoteles numquam fuisse,
et hoc Orphicum carmen Pythagorei ferunt cuiusdam fuisse Cer
copis. At Orpheus , id est imago eius , ut vos vultis , in animum
108 meum saepe incurrit. Quid , quod eiusdem hominis in meum aliae,
aliae in tuum ? quid , quod earum rerum , quae numquam om
nino fuerunt neque esse potuerunt, ut Scyllae , ut Chimaerae ?
quid , quod hominum , locorum , urbium earum , quas numquam
vidimus ? quid , quod , simulac mihi collibitum est , praesto est
imago ? quid , quod etiam ad dormientem veniunt invocatae ?
Tota res, Vellei, nugatoria est : vos autem non modo oculis ima
gines, sed etiam animis inculcatis : tanta est impunitas garriendi.
de divin . II, 67, 139 , wo es von erwähnt werden , beweist nichts
dieser Epikureischen Bildertheorie gegen unsere Stelle. Der Name
heisst: omnia igitur, quae volumus, diente als bequeme, traditionelle
nota nobis esse possunt; nihil est Bezeichnung gewisser theologischer
enim de quo cogitare nequeamus. Ansichten . Die hier von Cic. er
Auch ad Fam . XV, 16 , I spottet wähnte Ansicht kam wahrscheinlich
Cic. darüber. Was ein Epikureer in dem Dialog r . pihooogías vor.
etwa auf diesen und auf die nächst- S . darüber Bernays , Dialoge des
folgenden Einwürfe zu antworten Arist. S. 96 .
gehabt hätte, wird ein aufmerksa hoc Orphicum carmen — Cerco
mer Leser des vierten Buches des pis. Der Pythagoreer Kerkops,
Lucretius v. 726 ff. bei einigem über den es übrigens an genauerer
Nachdenken selbst finden können . Kunde fehlt, galt einigen , z. B. dem
nec ea forma s. v. als non tamen Epigenes in der Schr. περί της εις
ea forma. — Für illi ergo im folgen - Oopea nouoews bei Clem . Alex.
den Satzewäre freilich illae richti- Strom . I p. 397 Pott, für den Ver
ger ; weil aber die Bilder eben die fasser zweier Orphischer Gedichte,
Personen darstellen , So lässt sich der (Θησέως) κατάβασις εις άδου
auch das Masculin entschuldigen. und des iepos lóyos. Das letztere,
Auch nachher heisst es ja : Orpheus, oft auch pluralisch íepoi łóyou ge
id est imago eius. nannt, bestand aus 24 Rhapsodien,
Orpheum poetam etc. Die von und enthielt eine sehr ausführliché
Einigen gemissdeuteten Worte wol Theogonie : ein anderes, ebenfalls
len offenbar sagen , dass Aristoteles iepos Tóyos genanntes, war ethi
die Existenz des Orpheus überhaupt schen und ascetischen Inhaltes. -
geleugnet habe. Denn nur wenn Einem Kerkops aus Milet ward
Orpheus als Beispiel eines non - ens auch ein Hesiodisches Epos, Aigi
aufgeführt wird , passt seine Erwäh mios, zugeschrieben ; ob er derselbe
mit dem Pythagoreer gewesen oder
nung in diesen Zusammenhang der
Argumentation . Vgl. LobeckºAgl. nicht, lässt sich nichtmit Sicherheit
p . 349 f. Dass übrigens in den ermitteln .
vorhandenen Aristotelischen Schrif 108. Scyllae, Chimaerae. Diesen
ten Orphische Lehren mehrmals Einwurf beantwortet Lucret. IV ,
LIB . I. CAP. 38. 39. 40. 97
At quam licenter! Fluentium frequenter transitio fit visionum , 39
ut e multis una videatur. Puderet me dicere non intelligere , si109
vos ipsi intelligeretis , qui ista defenditis. Quo modo enim pro
bas continenter imagines ferri ? aut, si continenter , quo modo
aeternae ? Innumerabilitas, inquis , suppeditat atomorum . Num
eadem ergo ista faciet, ut sint omnia sempiterna ? Confugis ad
aequilibritatem ( sic enim loovoulav, si placet , appellemus:) et
ais , quoniam sit natura mortalis, immortalem etiam esse opor
tere. Isto modo, quoniam homines mortales sunt, sint aliqui
immortales: et quoniam nascuntur in terra , nascantur in aqua.
,,Et quia sunt quae interimant, suntquae conservent.“ Sint sane;
sed ea conservent, quae sunt: deos istos esse non sentio. 110
Omnis tamen ista rerum effigies ex individuis quo modo corpo
ribus oritur ? quae etiamsi essent, (quae nulla sunt,] pellere se
ipsa et agitari inter se concursu fortasse possent: formare , figu
rare, colorare, animare non possent. Nullo igitur modo immor
talem deum efficitis . Videamus nuncde beato. Sine virtute certe 40
nullo modo : virtus autem actuosa , et deus vester nihil agens,
736 ff. Der nächstfolgende wäre sterblich und vergänglich sind , so
besser gespart worden , da er von bleiben nur die Götterals diejenigen
Epikurs Standpunktaus gar zu leicht übrig , denen wir Unsterblichkeit
zu beseitigen ist; auf den dritten zuschreiben können oder müssen.
wird geantwortet von Lucret. IV , Das Argument mag schwach sein ;
780 ff.; auf den vierten IV , 761 ff. besser ist es jedenfalls als jene vom
39. 109. Num eadem – omnia Cotta vorher ihm zugeschriebenen .
sempiterna ? Die unendliche Menge Wegen der folgenden Einreden des
der Atome diente dem Epikur blos, Cotta s. die Anm . zur Inhaltsang .
die angenommene ewige Strömung S. 27 ff.
der göttlichen Bilder zu erklären . sint aliqui immortales. Der Con
Cotta aber redethier so, alsob Epikur junctiv als modus potentialis: Elev
aus der unerschöpflichen Menge der av .
Atome, und § 105 — 107 als ob er suntquae - conservent. Der Geg
aus der unaufhörlichen Strömung ner wird direct redend eingeführt.
der göttlichen Bilder die Unsterb ea conservent, quae sunt. Esmag
lichkeit der Götter hätte erweisen allerdings gewisse erhaltende Kräfte
wollen . Das ist gewiss entweder geben ; aber sie können doch nur
Missverständniss oder absichtliche wirklich Daseiendes erhalten . Dass
Verdrehung. Die Unsterblichkeit eure Götter aber wirklich seien
der Götter nahm Epikur zunächst glaube ich nicht.
wegen der noóanwis an , und suchte 40. 110. et deus vester. Da dies
dann den Glauben an sie durch Be dem Vorigen entgegengesetzt ist,
rufung auf das Gesetz der Isonomie so konnte auch sed stehen : aber alle
zu begründen . Nach diesem Gesetz Sprachen bedienen sich oft der
musste es nothwendig den sterbli schlichten Copula, wo es nicht er
chen Wesen gegenüber auch un forderlich ist, die Entgegensetzung
sterbliche geben, und da alle andern besonders zu bezeichnen. Cic. de
Wesen , von denen wir wissen , Legg. II, 21, 53: hoc vero nihil ad.
Cic. de nat. deor. 4. Aufl.
98 DE NATURA DEORUM
111 expers virtutis igitur : ita ne beatus quidem . Quae ergo vita ?
Suppeditatio , inquis, bonorum , nullo malorum interventu. Quo
rum tandem bonorum ? Voluptatum , credo ; nempe ad corpus
pertinentium : nullam enim novistis nisi profectam a corpore et
redeuntem ad corpus animi voluptatem . Non arbitror te, Vellei,
similem esse Epicureorum reliquorum , quos non pudeat qua
rundam Epicuri vocum , quibus ille testatur se ne intelligere qui
dem ullum bonum , quod sit seiunctum a delicatis et obscenis
voluptatibus: quas quidem non erubescens persequitur omnis
112 nominatim . Quem cibum igitur aut quas potiones aut quas vo
cum aut colorum varietates aut quos tactus , quos odores adhi
bebis ad deos , ut eos perfundas voluptatibus? Ac poetae qui
dem nectar ambrosiamque epulas comparant et aut Iuventatem
aut Ganymedem pocula ministrantem ; tu autem , Epicure , quid
facies ? Neque enim , unde habeat ista deus tuus, video, nec quo
modo utatur. Locupletior igitur hominum natura ad beate vi
vendum est , quam deorum , quod pluribus generibus fruitur
113 voluptatum . At has leviores dicis voluptates , quibus quasi titil
latio (Epicuri enim hoc verbum est) adhibetur sensibus. Quous
pontificium ius, etemedio est iure ci- quae aliaevoluptates in toto homine
vili. Mehr dergl. Hand Turs. II p. 495. gignuntur quolibet sensu . Doch hat
ne beatus quidem : „ auch nicht Cicero in der Uebers, dasjenige aus
selig" : ohne Steigerung , wie dort, gelassen , worauf sich der hier aus
wo es durch selbst nicht oder gesprochene Tadel obscenis ganz be
nicht einmal wiederzugeben ist. sonders bezieht, tàs di agoodu
Vgl. III, 17, 43. 26 , 68 und mehr olov ndovás : quae si appelles ho
bei Madvig zu C. de Finn. p. 816. nos praefandus sit, sagt er de Finn .
111. quosnon pudeat. Die Hdschr. II, 10 , 29.
lassen die Negation weg , so dass der 113. At has leviores ducis .
Sinn sein würde : Die übrigen Ein Einwurf, den Cotta sich selbst
Epikureer schämen sich ihres zu Gunsten Epikurs macht, um ihn
Meisters: du allein theilst dann sogleich zu widerlegen ; eben
diese Scham nicht. Wie wahr- so wie c. 41 in, At dolore vacant,
scheinlich ein solches Compliment - Dass Epikur in seinen Aeusse
gegen Velleius im Munde des Cotta rungen über die Lust nicht conse
sei, bedarf keiner Erörterung. quent gewesen sei, und während er
persequitur omnisnominatim , z. an vielen Stellen nur die Sinnenlust
B . in der Schr. nepi Télous, woraus als das höchste Gut darstellte, an
eine Stelle von Athenaeus VII p. derswo dagegen diese herabgesetzt
280 A excerpirt, von Cicero Tusc. und geistige Genüsse höher gestellt
III, 18, 41 übersetzt ist: Nec equi habe, wird ihm oft vorgerückt. Vgl.
dem habeo quod intelligam bonum Tusc. III, 20, 46 . Das folg. quous
illud, detrahenseasvoluptates, quae que ludis ? deutet an , dass es ihm
sapore percipiuntur, detrahens eas, damit doch kaum recht Ernst sein
quae auditu et cantibus, detrahens könne.
eas etiam , quae ex formis perci- titillatio . Ep. sagte yaqyahouós
piuntur oculissuavesmotiones sive, und yaoyalileiv. Athen . XII, 546
LIB. I. CAP. 40. 41. 99
que ludis ? Nam etiam Philo noster ferre non poterat, aspernari
Epicureos mollis et delicatas voluptates: summa enim memoria
pronuntiabat plurimas Epicuri sententias his ipsis verbis, quibus
erant scriptae. Metrodori vero , qui est Epicuri collega sapien
tiae, multa impudentiora recitabat. Accusat enim Timocratem ,
fratrem suum , Metrodorus, quod dubitet omnia , quae ad beatam
vitam pertineant, ventre metiri: neque id semel dicit, sed saepius.
Annuere te video : nota enim tibi sunt. Proferrem libros, si ne
gares . Neque nunc reprehendo , quod ad voluptatem omnia re
ferantur: alia est ea quaestio : sed doceo deos vestros esse vo
luptatis expertes , ita vestro iudicio ne beatos quidem . At dolore 41
vacant. Satin ' est id ad illam abundantem bonis vitam beatissi- 114
mam ? Cogitat, inquiunt, assidue beatum esse se: habet enim
nihil aliud , quod agitet in mente. Comprehende igitur animo et
propone ante oculos deum nihil aliud in omni aeternitate nisi
Mihi pulchre est et Ego beatus sum cogitantem . Nec tamen vi
deo , quo modo non vereatur iste deus beatus, ne intereat, quum
sine ulla intermissione pulsetur agiteturque incursione atomo
rum sempiterna, quumque ex ipso imagines semper affluant.
Ita nec beatus est vester deus nec aeternus.
At etiam de sanctitate , de pietate adversus deos libros 115
scripsit Epicurus. At quo modo in his loquitur ? Ut Ti. Corun
E . Plutarch, non posse suav. vivi c. II p. 267 ed. Basil. 1569. Sie zu
3 u. Aa. Cicero, wo er sonst dafür streichen und für non vereatur ent
titillare und titillatio sagt (de Finn . weder non pereat oder non contera
I, 11, 39. Tuscul, III, 20, 47, de tur zu lesen, ist nichtrathsam . Der
Offic. II, 18, 63 . Cat. mai. 14 , 4 ) Seligkeit der Götter thut eben
setzt immer ein den uneigentlichen die beständige Furcht vor dem
Ausdruck milderndes quasi hinzu. Untergange Eintrag .
Metrodorus. Als besonders eifri affluant scil. ad nos, was sich so
ger Vertheidiger der sinnlichen Lust sehr von selbst versteht , dass es
erscheint dieser auch bei Plutarch füglich ausgelassen werden konnte.
a. a. 0 .: olovrai dè nepi yaotéoa Vgl. c. 19, 49.
τάγαθον είναι και τους άλλους πό 115 . de sanctitate. Vgl. c. 44 ,
ρους της σαρκός άπαντας, δι' ων η 122. Unter den von Diog . L . X , 27
δονή επεισέρχεται, και πάντα καλά aufgeführten Schriften Epikurs ist
και σοφα εξευρήματα της περίγαστε eine neoi doubtntos. Ob es auch
ρα ηδονής ένεκα γεγονέναι και της eine besondere π . ευσεβείας von
υπέρ ταύτης ελπίδος αγαθής, ως ο ihm gegeben, ist nicht zu sagen.
σοφός είρηκε Μητρόδωρος. Ti. Coruncanius war der erste
41. 114. Cogitat. Ueber den Nu- plebeiische Pontifex maximus. Als
merus s. zu c. 19, 51. einen von den Göttern wegen seiner
ne intereat. Diese Worte fehlen Trefflichkeit geliebten Mann nennt
zwar in den Hdschr., sind aber er - ihn Cicero auch II, 66 , 165 ; als
halten in der Anführung dieser Auctorität in Religionssachen III, 2,
Stelle bei Augustin. Epist. 56. tom . 5, ebenso wie den folgenden
7*
100 DE NATURA DEORUM
canium aut P. Scaevolam , pontificesmaximos, te audire dicas, non
eum qui sustulerit omnem funditus religionem , nec manibus, ut
Xerxes, sed rationibus deorum immortalium templa et aras ever
terit. Quid est enim , cur deos ab hominibus colendos dicas,
quum dei non modo homines non colant , sed omnino nihil cu
116 rent, nihil agant ? At est eorum eximia quaedam praestansque
natura , ut ea debeat ipsa per se ad se colendam allicere sapien
tem . An quicquam eximium potest esse in ea natura , quae sua
voluptate laetans nihil nec actura sit umquam , neque agat, neque
egerit ? Quae porro pietas ei debetur , a quo nihil acceperis ?
aut quid omnino , cuius nullum meritum sit , ei deberi potest ?
Est enjm pietas iustitia adversum deos ; cum quibus quid potest
nobis esse iuris , quum homini nulla cum deo sit communitas ?
Sanctitas autem est scientia colendorum deorum : qui quamob
rem colendi sint non intelligo, nullo nec accepto ab eis nec spe
42 rato bono. Quid est autem , quod deos veneremur propter ad
117mirationem eius naturae , in qua egregium nihil videmus? Nam
superstitione, quod gloriari soletis, facile est liberari, quum sus
tuleris omnem vim deorum : nisi forte Diagoram aut Theodo
rum , qui omnino deos esse negabant, censes superstitiosos esse
potuisse. Ego ne Protagoram quidem , cui neutrum licuerit, nec
Scaevolam , d . i. P. Mucium P. pars est (virtutis), iustitia dicitur,
F . l. N ., der um 631 die Würde eaqueergadeosreligio, erga paren
des Pontifex max. bekleidete. tes pietas, vulgo autem bonitas. C .
ut Xerxes. Dass dieser auf sei- partit. or. c. 22, 78 . De iustitia
nem Zuge in Griechenland die Tem - veniunt innocentia , amicitia , con
pel und Heiligthümer zerstört habe cordia , pietas, religio. Macrob . in
bezeugen Herod. VIII, 109 u . viele somn. Scip. I, 8, 7. Primum iusti
Andere. tiae officium est coniungi cum deo ,
homines non colant. Vgl. Plaut. secundum cum homine. Lact. div .
Poen . V, 4, 14 : Iuppiter qui genus inst. VI, 10.
colis alisque hominum . — Hier ist sanctitas, scientia colendorum
das Wort offenbar vorzugsweise deorum . Dies entspricht der Stoi
wegen des vorherg. colendos ge schen Definition der evo Bela bei
wählt, wie ähnlich von Ovid. Met. Diog . L . VII, 119 : Elvai dè tùy
VIII, 724 : Cura pii dis sunt, et qui ευσέβειαν επιστήμην θεών θερα
coluere coluntur. Telas. vgl. Xenoph. Mem . IV, 6, 4
116. At est eorum etc. Mit Be u . Sext. Emp. IX , 123. – Dass
ziehung auf das von Velleius c. 17, übrigens Ausdrücke dieser Art
45 Gesagte. keine scharf abgegrenzte Bedeu
pietas, iustitia adv. deos. Inso tung haben und deswegen nicht
fern nämlich die Gerechtigkeit Je- überall auf gleiche Weise gebraucht
dem erweist, was ihm gebührt, ist und erklärt werden , wird keinen
auch das gebührende Verhalten ge- befremden.
gen die Götter darunter begriffen . Diagoram aut Theod . S. zu c.
În communione autem quae posita 23, 63. — Protagoram zu c. 12, 29.
LIB . I. CAP. 41. 42. . 101
esse deos nec non esse. Horum enim sententiae omnium non
modo superstitionem tollunt, in qua inest timor inanis deorum ,
sed etiam religionem , quae deorum cultu pio continetur. Quid ? 118
ii, qui dixerunt, totam de dis immortalibus opinionem fictam
esse ab hominibus sapientibus rei publicae causa , ut quos ratio
non posset, eos ad officium religio duceret, nonne omnem reli
gionem funditus sustulerunt ? Quid ? Prodicus Ceus, qui ea, quae
prodessent hominum vitae , deorum in numero habita esse dixit,
quam tandem religionem reliquit ? Quid ? qui aut fortis aut cla - 119
ros aut potentis viros tradunt post mortem ad eos pervenisse,
eosque esse ipsos , quos nos colere , precari venerarique solea
mus, nonne expertes sunt religionum omnium ? quae ratio ma
xime tractata ab Euhemero est: quem noster et interpretatus et
secutus est praeter ceteros Ennius. Ab Euhemero autem et
mortes et sepulturae demonstrantur deorum . Utrum igitur hic
confirmasse videtur religionem , an penitus totam sustulisse ?
Omitto Eleusinem , sanctam illam et augustam ,
- ubi initiantur géntes orarum últimae.
praetereo Samothraciam , eaque quae Lemni
42. 118. totam de d. i, opin . schen Messana zu Ende des 4. Jahrh .
fictam . Diese Behauptung wurde v . Chr., Freund des Macedonischen
namentlich im Zeitalter der Sophi- Kassander , schrieb eine isoà áva
stik von Manchen ausgesprochen, yoach, angeblich nach Urkunden ,
und das älteste Zeugniss dafür sind die er im Tempel des Zeus Triphy
einige Verse, die Plutarch de plac. lios auf einer Insel des südlichen
phil. I, 7 aus dem Euripideischen Oceans, Namens Panchaia , gefunden
Sisyphus anführt, Andere dem Kri- haben wollte, und nach welchen die
tias zuschreiben . Vgl. die Einleit. sämmtlichen Götter des Volksglau
p. 7. bens vom Uranus an nichts als ver
Prodicus Ceus, ein Sophist des götterte Könige und Helden der Vor
Sokratischen Zeitalters, und in man - zeit gewesen wären. Auszüge aus
cherBeziehung höchstachtungswür- seinem Buche geben bes. Diodor. V ,
dig . Die hier vorgetragene Ansicht 42 ff. und Eusebius Praep. evang . II,
schreibt ihm auch Sext. Empir . adv. 4. Ennius übersetzte es ins Latei
Phys. c. 2 p. 522 zu : Tloodixos ó nische, aus welcher Uebers. eine
Keños dióv gnou xai oekývnv xai Anzahl von Stellen bei Lactant. inst.
ποταμούς και κρήνας και καθόλου div. I, 11, deren Echtheit indessen
Távta rà apeloīvta Tòv Biov zweifelhaft ist. — Ausführlich han
uñv oi rahatoi fecùs évóuloav deln über Euhemerus Hoeck Kreta
dià tnv år avtõv wpékelav, xa - III, 326 ff. und Gerlach in den histor.
θάπερ Αιγύπτιοι τον Νεϊλον και Studien S. 137 ff.
δια τούτο τον μεν άρτον Δήμη ubi initiantur etc. Die Verse sind
τραν κληθήναι, τον δέ οίνον Διο aus einer nichtnäher zu bezeichnen
νυσον, το δε πυρ “Ηφαιστον, και den Tragödie. - Für orarum ist
dn Tõv EvxonOTOÚvtov Exaotov. entweder mit Bentley zu Horat. od.
119. Euhemerus aus dem Sicili- I, 35, 29 orai zu schreiben , oder
102 DE NATURA DEORUM
nocturno aditu occultá coluntur, i
silvéstribu' saepibu' densa .
Quibus explicatis ad rationemque revocatis rerum magis natura
cognoscitur quam deorum .
43 Mihi quidem etiam Democritus, vir magnus in primis, cuius
120 fontibus Epicurus hortulos suos irrigavit, nutare videtur in na
tura deorum . Tum enim censet imagines divinitate praeditas in
esse in universitate rerum ; tum principia mentis , quae sint in
eodem universo , deos esse dicit ; tum animantis imagines , quae
vel prodesse nobis soleant vel nocere ; tum ingentis quasdam
orarum als Gen. partitiv. zu neh - de Finn. II, 2, 6 : Nunc autem dico
men, abhängig von ultimae. Ultima ipsum Epicurum nescire (quid sit
orarum die äusserste der Gren voluptas), in eoque nutare.
zen.“ – Die folgenden anapästi Tum enim censet - Soviel sich
schen Verse sind vielleicht aus dem überDemokrits theologische Ansich
Philoktet des Attius und beziehen ten ermitteln lässt, nahm er erstens
sich auf den Geheimdienst der Ka eine in der ganzen Welt verbreitete
biren auf Lemnus. Vorher gingen göttliche Substanz an , bestehend
wahrscheinlich die von Varro L. L. aus besonders gearteten Atomen von
VII, 11 angeführten Verse: der subtilsten Beschaffenheit. Dies
Lemnia praesto ist die geia ovoia bei Clem . Alex.
littora rara et celsa Cabirum Strom . V § 88. p. 698 Pott., die
delubra tenes, mysteria queis xóouou yoxń bei Plut. plac. phil. I,
pristina castis concepta sacris. 7. Von ihr stammen nicht blos die
S. Hermann. Opusc. III p. 120. einzelnen Götter, sondern auch die
quibus explicatis etc., d . h . die in Seelen Einathmen
der lebenden Wesen, denen
den Mysterien vorgetragenen und durch beständig Theile
dargestellten Thaten und Schicksale dieser in der Luft verbreiteten Sub
stanz als Nahrung zugeführt wer
der Götter haben eine allegorische den.
Bedeutung : wenn man sie auf ihren es dennAristot. de resp. c. 4 . Sie ist
ohne Zweifel auch , die Ci
wahren Sinn reducirt (ad rationem
revoc.) , so erkennt man in den Göt cero hier und als principia mentis be
tern personificirte Naturkräfte , in zeichnet, die er auch oben c. 12,
ihren Thaten und Schicksalen Na 29 unter der natura quae imagines
fundat versteht. Denn aus ihr flies
turereignisse. Dies war die Ansicht sen die Göttergebilde, Eidwła oder
denkender Köpfe; aber man darf Schemen genannt, wegen ihrer
nichtglauben , dass dergleichen Deu feinen, von gröberer Körperlichkeit
tungen in den Mysterien selbst von weit entfernten , ätherischen Be
den Priestern den Eingeweihten schaffenheit: dúog tapta uév , oùx
vorgetragen seien. - Vgl. übrigens άφθαρτα δε. και τούτων τα μεν
die ähnlichen Ausdrücke über die
allegorischen Deutungen der Stoi είναι αγαθοποιά, τα δε κακοποιά.
Sext. Emp. IX , 19 p.553. Dies sind
ker III, 24, 63. Cicero's animantes imagines, quae
43 . 120. hortulos suos irriga velprodesse nobis soleant velnoce
vit. Anspielung auf den Garten, in re
dem E . wohnte . S . zu c. 33, 93. fel;die eben dies aber auch ohne Zwei
zu Anfang erwähnten imagi
nutare: schwanken , keine feste nes divinitate praeditae. Die zuletzt
und haltbare Ansicht haben. Vgl. genannten ingentes imagines aber,
LIB . I. CAP. 42. 43. 44. 103
imagines, tantasque , ut universum mundum complectantur ex
trinsecus. Quae quidem omnia sunt patriâ Democriti quam De
mocrito digniora . Quis enim istas imagines comprehendere animo
potest ? quis admirari ? quis aut cultu aut religione dignas iudi- 121
care ? Epicurus vero ex animis hominum extraxit radicitus reli
gionem , quum dis immortalibus et opem et gratiam sustulit.
Quum enim optimam et praestantissimam naturam dei dicat esse .
negat idem esse in deo gratiam : tollit id , quod maxime proprium
est optimae praestantissimaeque naturae. Quid enim est melius
aut quid praestantius bonitate et beneficentia ? Qua quum carere
deum vultis, neminem deo nec deum nec hominem carum , nemi
nem ab eo amari, neminem diligi vultis. Ita fit, ut non modo ho
mines a dis, sed ipsi di inter se ab aliis alii negligantur. Quanto
Stoici melius , qui a vobis reprehenduntur ! Censent autem sa- 44
pientis sapientibus etiam ignotis esse amicos. Nihil est enim vir
tute amabilius , quam qui adeptus erit, ubicumque erit gentium ,
a nobis diligetur. Vos autem quid mali datis , quum in imbe
cillitate gratificationem et benevolentiam ponitis ! Ut enim omit- 122
tam vim et naturam deorum : ne homines quidem censetis , nisi
imbecilli essent, futuros beneficos et benignos fuisse ? Nulla est
caritas naturalis inter bonos ? Carum ipsum verbum est amoris,
ex quo amicitiae nomen est ductum ; quam si ad fructum nostrum
welche von aussen die ganze Welt menschlichen Geschlecht zu fühlen :
umfassen , werden in dieser Weise diligunt di homines, indem sie den
sonst von Keinem erwähnt, und be Frommen und Tugendhaften ihre be
ruhen wohl nur auf einem Missver- sondere Gunst zuwenden .
ständnisse. 44. nihil est en . virt. amab. Vgl.
patria Democriti. Die Stadt Ab- de Amic. c. 8, 28 : nihil est enim
dera stand bekanntlich im Rufe der amabilius virtute , nihil quod magis
Narrheit, worüber C . F . Hermanns alliciat ad diligendum , quippe quum
urkundl. Gesch . v. Abd. zu vergl., propter virtutem et probitatem eos
in dessen Abh. u . Beitr. zur class. etiam , quos nunquam vidimus, quo
Literatur S . 106 ff. dammodo diligamus. — Für censent
121. negatidem esse in deo gra autem ist aber wohl censent enim
tiam . S . d . 'oben c. 17, 45 . angef. zu lesen . Dass beide Partikeln von
xvpia doča. Ueber idem vgl. zu III, den Abschreibern öfters verwech
39, 93 . selt sind ist gewiss. S. Opusc, ac.
amari — diligi. Beide Ausdrücke III p. 355.
werden häufig verbunden : der erste quid mali datis? In der Spra
gehtauf eine von Herzen kommende che des gemeinen Lebens ist dare in
und gewissermassen unwillkürliche manchen Redensarten s. v. als ver
Herzensneigung, der andere auf ursachen, anrichten , zu Wege brin
eine begründete Werthschätzung . gen , w . z. B . malum dare häufig
Amant di homines, weil es in der bei den Komikern .
göttlichen Natur liegt, Liebe zum in imbecillitate. Vgl. de Amic. C .
104 DE NATURA DEORUM
referemus, non ad illius commoda quem diligemus , non erit ista
amicitia, sed mercatura quaedam utilitatum suarum . Prata et
arva et pecudum greges diliguntur isto modo , quod fructus ex
eis capiuntur : hominum caritas et amicitia gratuita est. Quanto
igitur magis deorum , qui nulla re egentes et inter se diligunt et
hominibus consulunt. Quod ni ita sit , quid veneramur, quid
precamur deos ? cur sacris pontifices, cur auspiciis augures prae
sunt? quid optamus a dis immortalibus ? quid vovemus ? At
123 etiam liber est Epicuri de sanctitate. Ludimur ab homine non
tam faceto quam ad scribendi licentiam libero. Quae enim po
test esse sanctitas , si di humana non curant ? quae autem ani
mans natura , nihil curans ? Verius est igitur nimirum illud, quod
familiaris omnium nostrum Posidonius disseruit in libro quinto
de natura deorum , nullos esse deos Epicuro videri , quaeque is
de dis immortalibus dixerit , invidiae detestandae gratia dixisse :
neque enim tam desipiens fuisset, ut homunculi similem deum
fingeret, lineamentis dumtaxat extremis , non habitu solido,
membris hominis praeditum omnibus, usu membrorum ne mi
nimo quidem , exilem quendam atque perlucidum , nihil cuiquam
tribuentem , nihil gratificantem , omnino nihil curantem , nihil
agentem . Quae natura primum nulla esse potest: idque videns
124 Epicurus re tollit, oratione relinquit deos. Deinde si maxime
talis est deus , ut nulla gratia , nulla hominum caritate teneatur,
valeat: quid enim dicam , propitius sit ? Esse enim propitius po
test nemini, quoniam , ut dicitis, omnis in imbecillitate est et gra
tia et caritas.
9 , 29: quam (benevolentiam ) si qui Ernst damit ist. Vgl. .c. 40, 113 u.
putant ab imbecillitate proficisci,ut III, 1, 3.
sit, per quem assequatur quod quis- Posidonius. S . c. 3, 6 .
que desideret, humilem sane relin 124. Valeat wie Gr. XOLQÉTW ,
quunt etminime generosum , ut ita yaioelv édomuev aútóv, Ausdruck
dicam , ortum amicitiae. des gemeinen Lebens, um anzudeu
utilitatum suarum . Genauer wäre ten , dass man mit Jemand nichts
nostrarum . Aber da im Vorherg . weiter zu schaffen haben wolle . Re
die erste Person nur das allgemeine nuntiationis verbum nennt es Do
u . unbestimmte Subject aliquis ver natus zu Terent. Andr. IV , 2, 13 . .
tritt, so ist der Uebergang zum Pos propitius sit: eine gewöhnliche
..sessivum der dritten Pers. leicht erFormel in Anrufungen der Götter.
klärlich . S . Brisson . de Form . I, 184. Daher
auch das Verbum propitiare deos s.
123. Ludimur : weil es ihm nicht v. als placare.
ZWEITES BUCH .
INHALT.
Nachdem Cotta die Widerlegung der Epikureischen Ansich
ten über die Götter geendigt , beginnt Balbus seine Darstellung
der Stoischen Theologie. Er theilt (§ 3 ) seinen Vortrag, der bei
den Stoikern hergebrachten Weise gemäss , in folgende vier
Hauptstücke: 1 . Beweis des Daseins der Götter. 2 . Darlegung
ihres Wesens und ihrer verschiedenen Arten . 3 . Beweis , dass
die Welt von ihnen regiert werde. 4 . Beweis, dass im besondern
die Menschen sich ihrer Fürsorge zu erfreuen haben . Diesen
vierten Theil hielten die Stoiker deswegen für nöthig , weil sich
ja wohl eine göttliche Weltregierung denken lässt , die zwar das
Ganze nach allgemeinen Gesetzen ordnet und lenkt , in der aber
die Menschen nicht gerade besonders von den Göttern berück
sichtigt werden , noch weniger selbst in einzelnen Fällen um ihret
willen unmittelbar eingeschritten, ihnen Offenbarungen gewährt,
Unterstützung und Beistand geleistet wird u. dgl., was die Stoi
ker in Uebereinstimmung mit dem Volksglauben annahmen. -
Der Beweis für das Dasein der Götter wird von verschiedenen
Standpunkten aus auf verschiedene Art geführt . Zuerst wird auf
die Allgemeinheit desGötterglaubens bei allen Menschen verwie
sen, und auf die Bestätigung, die dieser Glaube theils durch ein
zelne sichtbare Erscheinungen göttlicher Wesen , theils durch
die Offenbarungen der Götter vermittelst der Divination und Au
spicien erhalte (4 – 12 ). Hieran schliesst sich die Relation , aus
welchen Gründen Kleanth diese Allgemeinheit des Glaubens an
Götter erklärt habe, nämlich erstens: aus den Offenbarungen zu
künftiger Dinge ; zweitens aus der Betrachtung der vielen Wohl
thaten , welche die Einrichtung der Welt den Menschen gewähre ;
drittens aus dem Eindruck grossartiger, gewaltiger, schreckener
regender Naturerscheinungen ; viertens endlich aus der Betrach
tung der wunderbaren Ordnung und Schönheit der Himmels
körper und ihrer Bewegungen , welche zur Anerkennung ord
106 INHALT DES ZWEITEN BUCHES.
nender und lenkender Wesen geführt haben (13 — 15 )*). -- Es
folgt Chrysipps Rechtfertigung des Götterglaubens in einer ge
drängten Argumentation : So gewiss das Weltgebäude und seine
ewige Ordnung nicht durch Menschenkraft und Menschenweis
heit hervorgebracht ist, so gewiss muss das Wesen, welches dies
hervorgebracht, von höherer Art als der Mensch sein. Höhere
Wesen als der Mensch können aber nur Götter sein : denn ausser
diesen lässt sich nichts anders denken , was höher als der Mensch
wäre, weil nur derMeusch vernünftig , Vernunft aber der höchste
Vorzug ist. Wenn es also etwas Höheres als den Menschen giebt,
was zu leugnen die aberwitzigste Anmassung sein würde, so folgt
dass esGötter geben müsse ( 16 ). An diese Argumentation , die, wie
man sieht, den Begriff der Götter als übermenschlicher vernünf
tiger Wesen voraussetzt und nur darthun soll, dass es solche Wesen
auch wirklich geben müsse, schliessen sich nun einige weitere Aus
führungen. Es wäre thöricht zu glauben, dass die Welt nur allein
den Menschen, nichtauch höheren Wesen zum Wohnsitz bestimmt
sei. — Die menschliche Vernunft selbst, beschränkt und unvoll
kommen wie sie ist, lässt eine vollkommnere, also göttliche Ver
nunft voraussetzen , von der sie abstamme. Wie Alles , was zur
Leiblichkeit desMenschen gehört, ausden in der Welt vorhandenen
Elementen herstammt, so muss auch das Beste im Menschen , der
denkende Geist, von einem in der Welt vorhandenen denkenden
Wesen herstammen ; und es wäre ungereimt, wenn man alles
Uebrige der Welt zuschreiben , das Höchste und Beste aber ihr
absprechen wollte (17. 18). Endlich die weise Einrichtung der
Welt , der Zusammenhang und das Ineinandergreifen aller ihrer
Theile führen nothwendig zur Anerkennung eines göttlichen in
dem Ganzen waltenden und es zusammenhaltenden Geistes ( 19 ).
- Es folgen noch ein paar kurze Sätze des Zeno , welche den
wesentlichen Inhalt der bisherigen Beweisführung in syllogisti
scher Form zusammenfassen ( 20 - 22 ), und darauf eine aus
führliche Deduction aus der speculativen Physik der Stoiker ,
während die bisherigen Beweise alle nur vom Standpunkte des
gemeinen Menschenverstandes geführt waren . Alles vegetabili
sche und animalische Leben in der Welt beruht auf einem war
men feurigen Principe : denn nur dem Warmen und Feurigen
*) Aehnlich hatte schon früher Aristoteles die Entstehung des Götter
glaubens erklärt, nämlich erstens årò tõv Tepi yuxna ovußaivóvtov,
wohin er Traumgesichte und Offenbarungen rechnete , zweitens anò tõv
METEOOwv, aus der Betrachtung des Himmels und der Himmelserscheinun
gen. S. Sext. Empir, adv. Phys. I, 20.
INHALT DES ZWEITEN BUCHES. 107
wohnt selbsteigene Bewegung und Thätigkeit bei : das Leben ist
nichts als ein bestimmter, gleichmässiger Thätigkeitsprocess, der
von dem in dem Lebenden enthaltenen Wärmeprincip ausgeht,
welches sich mithin als durch die ganze Welt verbreitet darstellt
(23. 24). Die allgemeine Verbreitung dieses Principes erhellt
ferner daraus, dass wir es in allen vier Hauptformen der Materie,
den sogenannten vier Elementen, der Erde, dem Wasser, der
Luft, dem Feuer finden . Folglich ist die Wärme als das Lebens
princip der ganzen Welt anzuerkennen (25 -- 28 ). Dieses Prin
cip muss aber als ein Bewusstes und Vernünftiges gedacht wer
den . Denn da es in jedem nicht einfachen , sondern zusammen
gesetzten Naturwesen ein Oberstes , Vorherrschendes ( yeuOVI
xov ) giebt, dem das Uebrige untergeordnet ist , so muss es ein
Oberstes auch in dem Weltall geben : und weil einzelnen unter
geordneten Theilen der Welt Vernunft beiwohnt, so muss sie
auch dem Obersten beiwohnen , folglich das Weltall und das die
ses All durchdringende und belebende Princip vernünftig , die
Welt also , insofern sie von diesem Princip durchdrungen und
belebt ist, ein vernünftiges , göttliches, von göttlicher Kraft erfüll
tes Wesen sein (29. 30 ). Dieses Princip ist nun , wie gesagt, die
Wärme* ), und zwar eine viel reinere, kräftigere als die irdische in
*) Das Wärmeprincip im Allgemeinen , totum hoc genus igneum , wie
es 25 heisst, oder calidum illud atque igneum § 28, ist zwar in allen drei
Elementen, der Erde, dem Wasser, der Luft wirksam , aber auch ausser
ihnen als quarta pars mundi oder als viertes Element im Aether vorhanden ,
§ 27. Das gemeine irdische Feuer, hic noster ignis, quem usus vitae re
quirit, confector consumptorqueomnium (8 41), erscheint dagegen nichtals
ein besonderes Element, sondern ist nur gleichsam als eine Abart oder
Ausartung von jenem anzusehen. Es sind demnach bei Cicero drei Abstu
fungen jenes genus igneum zu unterscheiden : erstens jener ardor caelestis,
qui aether vel caelum nominatur (8 41) ; zweitens die Lebenswärme in
Thieren und Pflanzen , ignis corporeus (8 41) oder hic noster calor, quo
haec quae nota nobis suntretinentur et vigent($ 30); drittens das gemeine
Feuer, welches nur brennt, zerstört, auflöst, confector consumptorque om
nium (8 41). BeiAndern, wie Stobaeus Eclog.I, 36 p.538,werden nur zwei
Arten unterschieden , Tõe TEXvixóv u. não atexvov, dieses das gemeine
Feuer, jenes die andern beiden bei Cic. unterschiedenen Arten , die freilich
die belebende und erhaltende Kraft gemein haben . Dass die Stoiker den
Einen Namen nữo von dem himmlischen Aether und dem gemeinen Feuer
gebrauchten - was übrigens auch schon Andere vor ihnen gethan hatten -
wurde von den Peripatetikern getadelt, die vielmehr den Aether als ein be
sonderes Wesen, ein fünftes Elementneben den bekannten vieren , ansehen .
S . Cic. Acad. I, 11, 39. Ps. Aristot. de mund. c. 2, 5 mit d. Anführ. bei
Kapp. p . 28 u Ídeler zu Arist.Meteor. I p. 335 . Wenn ferner die Stoiker
den Satz, dass kein Feuer ohne Nahrung bestehen könne (Cic. § 40 ), als
ganz allein gültig aussprechen , so dass er auch auf das Urfeuer, aus
108 INHALT DES ZWEITEN BUCHES.
den irdischen Dingen vorhandene und in Menschen und Thieren
Leben und Bewusstsein bewirkende Wärme, und deswegen auch
um so vielmehr empfindend , bewusst und denkend . Und da es
die Anregung seiner Thätigkeit nicht von Etwas ausser ihm , son
dern von sich selbst hat, das aber , was sich von selbst in Thä
tigkeit setzt , Seele ist, wie Plato lehrt, so ist das Wärmeprincip
als die Seele der Welt, die Welt also als ein beseeltes Wesen an
zusehen ( 31. 32 ), zugleich aber auch als ein vernünftiges und
weises, weil doch ohne Zweifel die Welt besser als die einzelnen
in ihr enthaltenen Wesen sein muss , wenn sie aber nicht ver
nünftig und weise wäre , der Mensch , weil er Vernunft besitzt,
hierdurch einen Vorrang vor der Welt haben würde (32). –
Ein fernerer Beweis für das Dasein der Gottheit wird hergenom
men von der erfahrungsmässigen Stufenfolge der Wesen , indem
immer Höheres auf Niederes , Vollkommneres auf Unvollkomm
neres folgt: das empfindende, von Trieben und Begierden be
wegte Thier auf die blos wachsende und sich nährende Pflanze,
der vernunftbegabte Mensch auf das Thier . So muss es nun auch
über dem Menschen eine höhere Wesenstufe geben, der die Ver
nunft, die im Menschen nur unvollkommen ist, in höchster Voll
kommenheit beiwohnt. Diese Stufe aber ist die der Gottheit,
folglich der Welt , die ja Gott ist , und deren Vollkommenheit
nicht, wie die der untergeordneten Naturen , durch irgend welche
Hemmnisse und Mängel beeinträchtigt werden kann (33 — 36 ).
Zur Verstärkung dieser Argumentation wird nun noch darauf
hingewiesen , wie das Gegentheil abgeschmackt und unmöglich
sei (36 ), und wie die Welt, als das Alles umfassende Ganze ,
nothwendig auch in jeder Hinsicht vollkommen , mithin auch
vernünftig und weise , folglich göttlich sein müsse (37 – 39).
. Nachdem auf solche Weise die Göttlichkeit der Welt er
wiesen ist , folgt nun der Beweis , dass auch die Gestirne gött
lich seien. Denn diese bestehen ganz aus dem feinsten Aether ,
d . h . aus dem warmen , feurigen Princip , müssen folglich leben
dige, empfindende, denkende Wesen sein. Dies gilt zunächst
welchem Alles hervorgegangen, gedeutet werden konnte, so gaben sie da
mit allerdings den Angriffen der Gegner eine Blösse, die wir auch B . III,
14, 37 von dem Akademiker benutzt sehen zu dem Beweise dass das Ur
feuer (oder die uranfängliche Gottheit der Stoiker ) nicht ewig sein könne.
Es ist zu vermuthen , dass jene in der That den Satz nur auf die aus dem
Urfeuer hervorgegangenen Arten des Feuers, wie sie in den Himmelskör
pern und in den irdischen Dingen vorhanden sind, beschränkthaben werden .
Bestimmteres darüber lässt sich aus unsern Quellen nicht nachweisen.
INHALT DES ZWEITEN BUCHES. 109
von der Sonne, deren ätherische, feurige Natur nicht bezwei
felt werden kann (40. 41); aber auch die übrigen Gestirne sind
ätherischen Wesens, also empfindend und denkend (42) . Dies
geht aber auch aus der Ordnung und Regelmässigkeit ihrer Be
wegungen hervor , die nur als eine freiwillige , nach Wahl und
Plan vor sich gehende, folglich als ein Beweis ihrer Göttlichkeit
zu betrachten ist (43. 44 ).
. So ist also das Dasein der Götter bewiesen : es folgt jetzt
der zweite Theil, oder die Frage nach ihrer Beschaffenheit. Diese
ist aber wenigstens zum Theil schon in dem vorigen Abschnitte
mit beantwortet; denn indem das Vorhandensein des belebenden
und erhaltenden Wärmeprincipes in der Welt erwiesen , diesem
aber Bewusstsein und Vernunft zugesprochen und das Prädikat
der Gottheit vindicirt wurde, ist ja damit schon ausgesprochen ,
dass die Gottheit eben ein solches durch die ganze Welt sich
verbreitendes, belebendes , erhaltendes, vernünftiges Wärmeprin
cip sei, sowie dass die Welt, insofern sie von diesem Princip er
füllt und beseelt ist, selbst auch Gott zu nennen sei. * ) Wenn also
Balbus damit beginnt, eben den Satz , dass die Welt Gott sei,
an die Spitze zu stellen , und diesen dadurch begründet, weil dem
allgemeinen natürlichen Bewusstsein zufolge die Gottheit ein le
bendiges und das vollkommenste Wesen sein müsse , diesem Be
griffe aber Nichts mehr als die Welt entspreche (45), so wieder
holt er damit nur , was er schon oben vorgetragen hat. Er
schliesst aber hieran jetzt eine polemische Abfertigung der Epi
kureer, welche einerseits über diesen kugelrunden Gott - denn
die Kugelform der Welt ward von den Stoikern wie von den
Meisten angenommen , — sich lustig machten , andererseits aber
auch selbst diese Kugelform in Zweifel zogen (46 – 48) : wes
wegen die Gründe für diese Gestalt der Welt sowohl, als auch
der Gestirne aus den Bewegungen des Himmels und der Him
melskörper hergeleitet werden (49 — 53) , wobei ebenfalls schon
früher Dagewesenes, nämlich der Beweis der Gottheit der Ge
stirneaus der Regelmässigkeit ihrer Bewegungen ,wiederholt wird
* ) Diog. L. VII, 137 : déyovoi dè xóouov Torxãs• aúróv te Tòv feòv
τον εκ της απάσης ουσίας ιδίως ποιόν, δς δή άφθαρτός έστι και αγέννητος,
δημιουργός ών της διακοσμήσεως κατά χρόνων ποιας περιόδους ανα
λίσκων είς εαυτόν την απασαν ουσίαν και πάλιν εξ εαυτού γέννων (Also
das schöpferische Urwesen , welches aus der Fülle seines Wesens alle be
sondern Wesen hervorgehen lässt und sie wieder in sich aufnimmt.) Kai
αυτήν δε την διακόσμησιν των αστέρων κόσμον είναι λέγουσι, και τρί
TOV TÒ OVVEOTnxòs å ugotv. Vgl. dazu Stobae. Ecl. I p . 324 u . 444.
110 INHALT DES ZWEITEN BUCHES.
(54 – 56). Jetzt aber dienen diese Sätze dem Balbus, um durch
sie die Stoische , von Zeno aufgestellte Definition der Natur zu
rechtfertigen , dass sie nämlich ein kunstbegabtes Feuer sei, wel
ches in verständiger , planmässiger Weise schöpferisch wirke,
d . h . mit andern Worten eben jenes oben besprochene belebende
und denkende Wärmeprincip . Diese Natur nun , insofern sie in
dem Weltall wirkt, kann man auch Weltseele oder Vorsehung,
nennen , weil sie die verständige , überall für Zweckmässigkeit,
Bestand und Schönheit fürsorgende Kraft ist (57. 58) — Ausser
den bisher nachgewiesenen Göttern aber, nämlich der Welt und
den Gestirnen , haben weise Männer aus guten Gründen noch
manche andere angenommen . Theils nämlich hat man er
wünschte und nützliche Dinge als Gaben göttlicher Geber ange
sehen , und deswegen auch selbst nach diesen Gebern benannt,
wie den Wein und das Getraide Liber und Ceres , theils beson
ders wichtige und einflussreiche sittliche Potenzen oder Ver
hältnisse, die man auf besondern göttlichen Einfluss zurückführte ,
wie Treue , Tugend , Ehre , Eintracht, Freiheit u . dgl. (59 - 61).
Auch ausgezeichneteMenschen sind wegen ihrer Verdienste ver
göttert worden (62). Endlich aber hat man Naturkräfte perso
nificirt und Naturereignisse in Allegorien eingekleidet , woraus
eine grosse Anzahl von Göttern und von Götterfabeln hervorge
gangen ist (62 — 70) , welche buchstäblich zu verstehen und da
ran zu glauben höchst thöricht ist , die aber der Verständige in
ihrem wahren Sinne nehmen und jene Götter für nichts Anders
ansehen wird, als für das in den verschiedenen Theilen der Welt
wirkende göttliche Wesen , welchem Verehrungmit reinem , un
verfälschtem Herzen zu zollen ist (71. 72 ).
Es folgt jetzt der dritte Theil oder der Beweis , dass die
Welt von der göttlichen Vorsehung regiert werde. Man kann
sagen , dass auch dies in dem vorigen Theile gewissermassen
anticipirt sei, indem hier die das Weltall durchdringende schaf
fende und erhaltende Kraft als vernünftige, Alles zweckmässig
ordnende und regierende Weltseele und Vorsehung dargestellt
worden ist (57. 58) ; es schien indessen den Stoikern zweck
mässig , diesen Punkt noch besonders zu erweisen , wenn auch
dabei vieles schon vorher Gesagte nur zu wiederholen war . Der
Beweis aber wird auf dreierlei Arten geführt. Erstens, wenn
man überhaupt das Dasein von Göttern zugesteht , so muss man
sie auch als Regierer der Welt denken , weil sie , wenn sie das
nicht wären , gar nichtGötter zu heissen verdienen würden. Denn
aus dem wahren und allgemeinen Begriff der Götter folgt, dass
INHALT DES ZWEITEN BUCHES. 111

sie nicht etwas Anderem ausser sich unterworfen seien , dass sie *
weise , dass sie unter einander zu gemeinsamer, vernünftiger ,
gesetzmässiger Thätigkeit verbunden sein , und dass sie diese
Thätigkeit an dem höchsten und wichtigsten Gegenstande aus
üben müssen . Dies ist aber die Weltregierung (75 — 80). Die
zweite Art der Beweisführung geht von der Betrachtung der Ord
nung und des Zusammenhanges der Welt aus. Alle einzelnen Dinge
und Theile der Welt sind der Natur unterworfen , worunter aber
keine blinde und bewusstlose, sondern eine vernünftige, mit der
höchsten Kunst und Weisheit wirkende Kraft zu verstehen ist.
Also ist auch das Ganze der Welt solcher Kraft unterworfen (81
- 86 ). Dass aber diese die ganze Welt beherrschende Natur
wirklich im höchsten Grade vernünftig und weise sei, kann Kei
ner, der die Welt und ihre Einrichtung betrachtet , in Zweifel
ziehen ; man wird vielmehr nothwendig zu der Anerkennung
eines (mit Weisheit) waltenden und regierenden Wesens gezwun
gen (87 — 90 ). — Hieran schliesst sich nun aufs engste die dritte
Form der Beweisführung . Die Betrachtung des Himmels und
der Himmelskörper in ihrer wundervollen Ordnung , Zweckmäs
sigkeit und Schönheit (91 - 129), der irdischen Geschöpfe aus
dem Pflanzen - und Thierreichemit so bewundernswürdig zweck
mässiger Einrichtung und Ausstattung (121), der mannichfachen
zum Wohlsein der Geschöpfe dienenden Erzeugnisse der Erde
und dergleichen mehr , was alles mit grosser Weitläufigkeit be
sprochen wird (122 — 132), worüber dann aber Cicero versäumt
hat, nun auch am Schluss die Folgerung , dass es eine göttliche
weltregierende Vorsehung geben müsse, ausdrücklich hieraus ab
zuleiten . Er nimmt es vielmehr als sich von selbst verstehend
an , dass dies alles ein Werk der Götter sei, und stellt als Folge
rung nur den Satz auf, dass die Götter die Welt nur um denken
der , vernünftiger Wesen willen, also nur für sich selbst und für
die Menschen eingerichtet haben können (122), woran sich denn
unmittelbar der Beweis der besondern Fürsorge der Götter für
die Menschen anschliesst. Dieser wird zunächst geführt durch
eine sehr ins Einzelne gehende Darstellung der weisen und zweck
mässigen Einrichtung des menschlichen Körpers (134 — 149),
und der Mittel, welche dadurch den Menschen gewährt sind, sich
Genüsse jeglicher Art zu verschaffen und ihre Bedürfnisse zu be
friedigen ( 150 — 152) , besonders aber der den Menschen vor
allen andern irdischen Wesen auszeichnenden Vernunft , die ihn
zur Betrachtung des Himmels und zur Erkenntniss der Götter
befähigt , woraus Frömmigkeit und alle andern Tugenden ent
112 INHALT DES ZWEITEN BUCHES.
springen, durch die er den Göttern so ähnlich zu werden vermag,
dass diesen kaum etwa Anders als der Vorzug der Unsterblich
keit vor ihm bleibt. Alles dies aber kann der Mensch unmög
lich dem Zufall zu verdanken haben . — Hier erst kündigt nun
Balbus den Beginn des vierten Theils oder des Beweises an , dass
die Menschen sich der besondern Fürsorge der Götter zu er
freuen haben , obgleich in der That auch schon das Vorherge
hende mit eben so gutem Rechte, als das zunächst Folgende , zu
diesem Beweise dienen konnte. Es schloss aber jenes sich so
eng an den dritten Theil an, dass es auch gleich mit in ihn hin
ein gezogen worden ist. Jetzt wird nun noch gezeigt , wie die
ganze Einrichtung der Welt , von den Himmelskörpern an und
von dem durch ihre Bewegung bedingten Wechsel der Jahres
zeiten und der Witterung bis zur Erde und allen ihren Erzeug
nissen offenbar darauf angelegt sei, dem Menschen zum Besten
zu dienen (154 — 162). Schliesslich wird die dem Menschen ge
wäbrte Offenbarung durch die verschiedenen Arten der Divination ,
wie sie vorher als ein Beweis für das Dasein der Götter gebraucht
war (7 - 12), so jetzt als ein Beweis der göttlichen Fürsorge für
die Menschen geltend gemacht ( 162. 163 ) '), und dann diese
Fürsorge als eine solche dargestellt , die sich nicht blos auf das
Menschengeschlecht im Ganzen, sondern aufdie einzelnen Theile
desselben bis auf die Individuen hinab erstrecke, indem einzelne,
durch besondere Trefflichkeit vor Andern Ausgezeichnete diese
Auszeichnung hauptsächlich der Unterstützung gütiger Götter zu
verdanken hätten (164 – 167). Balbusbeschliesst endlich seinen
Vortrag mit der Aufforderung an Cotta , dass auch er seine dia
lektische Gewandtheit und Beredsamkeit lieber dazu anwenden
möge , diese Ansichten zu vertheidigen , als den Glauben an die
Götter zu bekämpfen (168).
*) Da dieser Punkt hier nur kurz berührt wird, so hat ihn Cic. in den
B . de divinatione ausführlich behandelt, wo sein Bruder Quintus die An
sicht der Stoiker vorträgt, er selbst als Akademiker sie bekämpft .
LIB . II. CAP. 1. 113

Quae quum Cotta dixisset , tum Velleius, Ne ego , inquit, 1


incautus, qui cum Academico et eodem rhetore congredi conatus 1
sim ! Nam neque indisertum Academicum pertimuissem , nec
sine ista philosophia rhetorem quamvis eloquentem : neque enim
flumine conturbor inanium verborum nec subtilitate sententiarum
si orationis est siccitas. Tu autem , Cotta , utraque re valuisti: 11
corona tibi et iudices defuerunt. Sed ad ista alias: nunc Luci
lium , si ipsi commodum est , audiamus. Tum Balbus, Eundem 2
equidem mallem audire Cottam , dum , qua eloquentia falsos deos
sustulit , eadem veros inducat. Est enim et philosophi et ponti- .
ficis et Cottaé de dis immortalibus habere non errantem et va- 1
gam , ut Academici, sed , utnostri, stabilem certamque sententiam .
Nam contra Epicurum satis superque dictum est , sed aveo au
dire , tu ipse , Cotta , quid sentias. An , inquit , oblitus es , quid
initio dixerim , facilius me, talibus praesertim de rebus, quid non
sentirem quam quid sentirem , posse dicere ? Quodsi haberem 3
aliquid , quod liqueret, tamen te vicissim audire vellem , quum her
ipse tam multa dixissem . Tum Balbus , Geram tibi morem , et
1. 1. rhetore für oratore, in der 2.mallem . So, nichtmalim , weil
Absicht, den Cotta als schulmässig der Redende selbst auf den Wunsch
gebildeten Redner zu bezeichnen , Verzicht leistet, da er weiss, dass
was in orator nicht liegt. In glei Cotta doch schwerlich in seinem ,
chem Sinne wird das Wort Brut. des Redenden, Sinne über die Göt
c . 76 , 265 vom L. Torquatus gesagt. ter sprechen werde. Dass er nach
Sonst ist rhetor ein Lehrer der Rhe her doch aveo audire sagt, kann
torik . Vgl. Plin. Ep. IV, 11: eo de- uns nicht irre machen : denn wir
cidit, ut rhetor de oratore fieret. dürfen das als eine Art von Zurück
In späterer Zeit jedoch heissen auch nahmeder früheren Verzichtleistung
die Rhetoren gewöhnlich oratores. ansehen . Ebensowenig, dass dum
S . Ruhnken praef. ad Rutil. Lup. p. - inducat, nicht dum - induce
XXVI u . Cramer ad Schol. luven. ret aufmallem folgt: denn derglei
P. 550. chen kleine Inconsequenzen sind in
corona., ein zahlreicher Zuhörer der familiären Unterhaltungssprache
kreis , wie er bei gerichtlichen Ver wohl verzeihlich . Vgl. de Finn . I,
handlungen umherzustehen pflegte. 7 , 25 : si concederetur, etiamsi ad
Vgl. de Finn . II, 22, 74 : at tu ea corpus nihil referatur, ista per se
esse iucunda . de Div. II, 59, 122 :
dem dic in iudicio, aut, si coronam ne si navigare quidem velim , ita
times, dic in senatu . Brut.51, 192 :
in eis etiam causis, in quibus omnis gubernarem , ut somniaverim . Plin .
Ep. X , 115 : Lege Pompeia per
res nobis cum iudicibus est, non missum Bithynicis civitatibus ad
cum populo, tamen, si a corona re scribere sibi quos vellent cives, dum
lictus sim , non queam dicere. civitatis non sint alienae. — Dum
ad ista alias scil. dicam . Vgl. zu hier dummodo, ebenso wie in un
1, 8, 19. serer Stelle.
Cic. de nat. deor. 4. Aufl.
114 DE NATURA DEORUM
agam quam brevissime potero ; etenim convictis Epicuri errori
bus longa de mea disputatione detracta oratio est. Omnino divi
dunt nostri totam istam de dis immortalibus quaestionem in
partis quattuor. Primum docent esse deos ; deinde , quales sint;
tum , mundum ,ab iis administrari; postremo, consulere eos rebus
humanis. Nos autem hoc sermone, quae priora duo sunt, suma
mus : tertium et quartum , quia maiora sunt, puto esse in aliud
tempus differenda. Minime vero , inquit Cotta : nam et otiosi
sumus et iis de rebus agimus , quae sunt etiam negotiis antepo
2 nendae. Tum Lucilius, Ne egere quidem videtur, inquit, oratione
4 prima pars. Quid enim potest esse tam apertum tamque per
spicuum , quum caelum suspeximus caelestiaque contemplati su :
mus, quam esse aliquod numen praestantissimae mentis , quo
haec regantur ? Quod ni ita esset, qui potuisset assensu omnium
dicere Ennius:
'Aspice hoc sublimen candens, quem invocant omnés lovem :
illum vero et lovem et dominatorem rerum et omnia putu re
gentem et, ut idem Ennius,
- patrem divumque hominumque,
3. istam — quaestionem . Dies bedeute, erkannten schon die Alten
Pronomen wohldeswegen gebraucht, (Varro de L . L. V , 66 ), und die
weil der Angeredete es ist, der die neuere vergleichende Sprachkunde
Untersuchung zuerst angeregt und hat es bestätigt. So ist auch dium
auch zuletzt darübergesprochen hat. der Himmel, die lichte Höhe, welche
Ueber iste in Bez, auf die angere das Tageslicht (dies) über die Erde
dete Person vergl. Reisig Vorl. § verbreitet. Desselben Stammes sind
209 . Zeús, Ateus, deus, geós: und der
sumamus. Von Gegenständen , die Höchste trägt den Namen des himm
man vornimmt, um sie zu behandeln . lischen Vaters Dius pater, Diuspi
de Or. II, 90, 366 : quis Antonio ter, Diespiter , Iupiter vorzugsweise
permisit, ut et partis faceret et als Eigennamen. Der Stoiker iden
utram vellet prior ipse sumeret? tificirt nun aber den Gott ganz mit
2 . 4. Ennius , der vor Andern dem Himmel, macht den Himmels
die Bekanntschaft mit den Werken äther selbst zum Gott, was auch
und Formen der Griechischen Poesie schon ältere Philosophen gethan
bei den Römern vermittelte, arbei- hatten , deren Ansichten Euripides
tete seine Tragödien vorzugsweise in einigen Tragödien seinen Helden
nach Euripideischen Originalen . Der lieh . – Bei dem folgenden illum ve
hier angef. Vers ist aus dem Thy- ro et Iovem denktBalbus an die ver
estes. Andere ähnlichen Inhaltes meintliche Ableitung des Namens
S. unten c. 25 , 65. - Die Form von iuvare, cap. 25 , 64.
sublimen (subst.) scheint Festus p. patrem divumque etc. Nach dem
306 M . als von Ennius gebraucht Homerischen natha avdgav TE
zu bezeugen : doch ist dies freilich geñv Te. Der Stoiker denkt aber
nicht ganz sicher. ' dabei an den Schöpfer, während bei
· Iovem . Dass der Name lovis (ei Homer und den übrigen Dichtern
gentlich Diovis)den Himmlischen Zeus nicht Schöpfer ist, sondern
e neration * LIB . II. CAP. 1. 2. 115
G
et praesentem ac praepotentem deum ? Quod qui dubitet , haud
sane intelligo, cur non idem , sol sit an nullus sit, dubitare possit.
Qui enim est hoc illo evidentius ? Quod nisi cognitum compre- 5
hensumque animis haberemus , non tam stabilis opinio perma
neret, nec confirmaretur diuturnitate temporis, nec una cum
saeculis aetatibusque hominum inveterari potuisset. Etenim vi
demus ceteras opiniones fictas atque vanas diuturnitate extabu
isse. Quis enim hippocentaurum fuisse aut chimaeram putat ?
quaeve anuş tam excors inveniri potest, quae illa, quae quondam
credebantur, apud inferos portenta extimescat ? Opiniopum enim
commenta delet dies, naturae iudicia confirmat. Itaque et in no
stro populo et in ceteris deorum cultus religionumque sancti
tates existunt in diesmaiores atque meliores. Idque evenit non 67 ,
temere nec casu , sed quod et praesentes saepe di vim suam de
clarant; ut et apud Regillum bello Latinorum , quum A . Postu
durch jene Benennung nur als väter- religionum sanctitates s. v. als
licher Herrscher bezeichnet wird , religiones sancte habitau et obser :
was schon Aristoteles bemerkt, Po vatae. Dass es aber damit in jener
lít. I, 12. Vgl. Dio Chrys. or. XII, Zeit immer besser geworden sei,
75 : marne de (Zeus) naheitai dià ist eine Behauptung ,mit der man es
τε την κηδεμονίαν και το πράον, nicht allzugenau nehmen muss, and
5. cognitum comprehensumque. welcher vielfältige Klagen über den
Der zweite Ausdruck dient zur ge immer mehr um sich greifenden Ver
naueren Bestimmung des ersten, und fall der Religiosität bei Cicero selbst
ist in der Stoischen Bedeutung von und Andern widersprechen . Auch
sicherer mit fester Ueberzeugung widerlegt C . selbst sich bald nach
verbundener Erkenntniss zu ver her durch das, was er den B. c. 3, 9
stehen . Vgl. zu I, 5 , 12 und Acad . über die Vernachlässigung der Au
1, 11, 41. spicien sagen lässt.
inveterari für das handschriftliche 6. quod et praesentes - decla
inveterare. S. Opusc, ac. III p. 383 rant. Das et ist hier nicht = etiam ,
u. Neue, Formenlehre p . 260 . sondern deutet auf ein Anderes ger
ceteras opiniones extabuisse. genüberzustellendes, etwa et prae
Man erwartete nun sofort den Ge dictionibus ac praesensionibus fu
gensatz naturae autem iudicia - tura significant (c. 3 in .), was Ci
confirmari od. dergl. Aber der Re cero schon hier im Sinn hatte, aber
dende versäumt diese Entgegenstel über den anzuführenden Beispielen
lung, um noch etwas zur Bestäti von Göttererscheinungen vergass.
gung der ersten Behauptung anzu Es ist also eine Anakoluthie, aber
fügen , und wiederholt deswegen eine leicht zu entschuldigende, der
nachher die Behauptung noch ein gleichen häufig vorkommen . Bei
mal mit anderen Worten : opinio spiele geben Matthiä de anacoluthis
num commenta delet dies, denen er ap. Ciceronem in Wolfs Litt. Ana
dann den Gegensatz gegenüber stellt. lect. III. p . 5 oder A . M . Vermischte
apud inferos portenta. Ein Hy- Schr. S. 56 und Madvig zu Cic. de
phen wie c. 3, 7: P. Claudii bello Finn . p . 804.
Punico primo temeritas und 5 , 14 : apud Regillum . Als die Latiner
praeter naturam portentis . unter OctaviusMamilius zu Gunsten
8*
116 DE NATURA DEORUM
mius dictator cum Octavio Mamilio Tusculano proelio dimicaret,
in nostra acie Castor et Pollux ex equis pugnare visi sunt, et
recentiore memoria iidem Tyndaridae Persem victum nuntia
verunt. P. enim Vatinius, avus huius adolescentis, quum e prae
fectura Reatina Romam venienti noctu duo iuvenes cum equis
albis dixissent, regem Persem illo die captum , senatui nuntiavit,
et primo quasi temere de re publica locutus in carcerem coniec
tus est, post a Paulo litteris allatis, quum idem dies constitisset,
et agro a senatu et vacatione donatus est. Atque etiam quum ad
fluvium Sagram Crotoniatas Locri maximo proelio devicissent,
eo ipso die auditam esse eam pugnam ludis Olympiae memoriae
proditum est. Saepe Faunorum voces exauditae, saepe visae for
3 mae deorum quemvis non authebetem aut impium deos praesen
7 tis esse confiteri coegerunt. Praedictiones vero et praesensiones
rerum futurarum quid aliud declarant, nisi hominibus ea ostendi,
derverjagten Tarquinier die Waffen naten S. 666 und Preller, Röm .
gegen Rom ergriffen hatten , wurden Mythol. S . 659.
sie von dem Dictator A . Postumius Fauni, Feld - und Waldgötter nie
Albus am See Regillus im Tuscula derer Ordnung, denen man allerlei
nischen Gebiete geschlagen , a. 259 gespenstische Erscheinungen und
a. U . C. Der Erscheinung der Dios- Rufe zuschrieb . Ursprünglich kannte
kuren erwähnen Dionys. A . R . VI, der Volksglaube nur Einen Faunus,
13 und Andere. Livius schweigt der einst auch als König in Latium
darüber. geherrscht haben sollte : später re
Persem victum nunt. d. h . sie be dete man von mehreren. Vgl. de
richteten den Sieg , den L. Aemilius Div. I, 45 , 101 u. unten III, 6 , 15 .
Paulus im J. 586 bei Pydna über 3 . 7. ea ostendi für eas. Vgl. zu
den König Perseus (od. Perses) von C. 5, 15. Die Hdsch . setzen quae
Macedonien erfochten hatte. sint od. quae suntoder quae futura
huius adolescentis. Ueber das sunt hinzu : offenbar Ergänzungen
Pronomen s. zu I, 28 , 79. Der be Unwissender, die an dem Neutrum
zeichnete ist P . Vatinius, gegen den Anstoss nahmen . Für das offenbar
eine Rede Cicero's erhalten ist. entbehrliche hominibusmöchteman
etwa divinitus wünschen . – Die
praefectura: ein Municipium , in folgendeZusammenstellung der syn
welches von Rom ein praefectus iuri onymen Ausdrücke findet man auch
dicundo als oberster Magistrat ge de Div. I, 42, 93. Scharfe Abgren
schickt wurde. zung der Begriffe ist schwierig . Doch
ad fluvium Sagram . Das Flüss kann man wohlmit Doederlein Syn .
chen schied die Gebiete von Kroton Th. 5 S . 174 sagen , dass in prodi
und dem Epizephyrischen Locri. Das gium das Bedeutungsvolle und Fol
Gefecht,welches mitgänzlicherNie genreiche, in ostentum dasWunder
derlage der Krotoniaten endigte, bare und Ausserordentliche, in por
fand etwa 580 v. Chr. statt. S . tentum das Schreckliche und Ge
Heyne opusc. ac. II p. 185, und über fahrdrohende, in monstrum das Un
die Theilnahme der Dioskuren be natürliche und Hässliche der Er
sonders Klausen Aeneas u . d. Pe scheinung besonders hervortrete.
LIB . II. CAP. 2. 3. 117
monstrari, portendi, praedici ? ex quo illa ostenta , monstra, por
tenta, prodigia dicuntur. Quodsi ea ficta credimus licentia fabu
larum , Mopsum , Tiresiam , Amphiaraum , Calchantem , Helenum ,
quos tamen augures ne ipsae quidem fabulae ascivissent, si res
omnino repudiaret: ne domesticis quidem exemplis docti numen
deorum comprobabimus ? Nihil nos P . Claudii bello Punico pri
mo temeritas movebit , qui etiam per iocum deos irridens, quum
cavea liberati pulli non pascerentur , mergi eos in aquam iussit,
ut biberent, quoniam esse nollent ? Qui risus classe devicta mul
tas ipsi lacrimas, magnam populo Romano cladem attulit. Quid ?
collega eius Iunius eodem bello nonne tempestate classem amisit, 8
quum auspiciis non paruisset ? Itaque Claudius a populo con
demnatus est , Iunius necem sibi ipse conscivit. C. Flaminium
Caelius religioneneglecta cecidisse apud Trasumenum scribitcum
magno rei publicae vulnere. Quorum exitio intelligi potest , eo
rum imperiis rem publicam amplificatam , qui religionibus paru
issent. Et si conferre volumus nostra cum externis, ceteris rebus
aut pares aut etiam inferiores reperiemur, religione, id est cultu
deorum , multo superiores. An Atti Navii lituus ille , quo ad in - 9
Das Pron. illa , ohne grammat. Be- I, 16, 29), d. h. contra auspicia od.
ziehung auf das vorherg. ea ; viel- avibus non addicentibus.
mehr illa quae nobis res fut. osten C. Flaminius (Nepos), „ contra
dunt etc. auspicia profectus, signis militari
quodsi ea ficta credimus. Es buseffossis, quaetolli non potuerant,
sollte folgen quae deMopso etc. tra et ab equo , quem conscenderat, per
duntur : statt dessen setzt Cicero in caput devolutus, - ab Annibale ad
freierer Redewendung blos die Na Trasimenum lacum caesus est.“
men . - Alle fünf Namen bezeichnen Epitom . Liv. lib. XXII. - Der von
berühmte Seher des heroischen Zeit Cic. genannte Caelius ist C . Caelius
alters, über welche das Nähere aus Antipater, ein Annalist aus der er
irgend einem mythologischen Wör sten Hälfte des 7. Jahrh ., der die
terbuch zu entnehmen ist. Geschichte des zweiten Punischen
si res — repudiaret. Vgl. Verr. Krieges geschrieben hatte.
religione — multo superiores.
II, 55 , 138 : ut, etiamsi homines ta Sallust. Catil. c. 12 : nostrimaiores
cerent, res tamen ipsa illum censum religiosissimi mortales. Vgl. Prel
repudiaret. ler, Röm . Myth . S . 113. Boissier,
P. Claudii ( Pulchri) temeritas. études sur Varron p. 297.
Die Geschichte fiel im J. d. St.505 9. Atti Navii. Vgl. Liv. I, 36 , wo
vor : die Schlacht war bei Drepanum er inclitus ea tempestate augur
gegen den Punischen Feldherrn Ad heisst, d. h . zur Zeit des Tarquinius
herbal. Priscus. Dass hier Cicero den Ho
8. Iunius (L . Pullus). Der Unfall stilius nennt, ist ein Gedächtniss
traf ihn bei dem Vorgebirge Pachy fehler. Anderswo, de Republ. II,
num : sein Fehler bestand darin , 20, 36 u. de Divin. I, 17, 31,I(wo
quod vitio navigasset (Cic. de Div. die hier berührte Geschichte aus
118 DE NATURA DEORUM
vestigandum suem regiones vineae terminavit,contemnendus est ?
Crederem , nisi eius augurio rex Hostilius maxima bella gessisset.
Sed negligentia nobilitatis augurii disciplina omissa , veritas au
spiciorum spreta est, species tantum retenta . Itaque maximae rei
publicae partes, in his bella , quibus rei publicae salus contine
tur, nullis auspiciis administrantur ; nulla peremnia servantur,
nulla ex acuminibus ; nulla quum viri vocantur , ex quo in pro
cinctu testamenta perierunt. Tum enim bella gerere nostri duces
10 incipiunt, quum auspicia posuerunt. At vero apudmaiores tanta
religionis vis fuit, ut quidam imperatores etiam se ipsos dis im
mortalibus capite velato verbis certis pro re publica devoverent.
Multa ex Sibyllinis vaticinationibus, multa ex haruspicum respon
sis commemorare possum , quibus ea confirmentur , quae dubia
4 nemini debent esse. Atqui et nostrorum augurum et Etruscorum
führlicher erzählt wird), hat er das Feldherr auspicirte, dazu, um ihren
Richtige. letzten Willen vor dreien oder vie
peremnia, Auspicien beim Ueber ren ihrer Nebenmänner zu erklären :
gange über einen Fluss. interim ea mora utebantur qui te
ex acuminibus. „ auspicium to stamenta in procinctu facere vole
tum militare“ , sagt Cic. de Div. II, bant, sagt Sabid. 1. 1. Eine solche
36 , 77. Was aber für acumina zu letztwillige Verfügung ohne weitere
verstehen seien , ist nichtmit Sicher Formalitäten (sine libra atque tabu
heit zu ermitteln, ob Lanzenspitzen , lis. de Or. I,53, 228.) hatte gesetz
an denen sich bisweilen elektrische liche Gültigkeit. Als aber die Au
Flämmchen zeigten , oder die sich spicienbeobachtung aufhörte, kamen
zuspitzenden Flammen des Opfer auch die testamenta in procinctu ab,
feuers, oder gar die Spitzen der weil keine Zeit dazu mehr war.
Vogelschnäbel, oder was sonst. S . Diese beiläufige Bemerkung war hier
die Anführungen bei Giese und Mo freilich überflüssig , verdiente aber
ser zu Cic. de Div. p. 293. darum doch nicht von Kritikern ver
dächtigt zu werden . Sie istaus dem
nulla quum virivocantur. So ist selben Gesichtspunkt zu beurthei
dasnulli viri vocantur der Hdschr., len , wie die ähnlichen II, 36, 91.43,
was man vergebens zu erklären ge- 111. III, 10 , 25. Auch die Meinung
sucht hat (vgl. Opusc. ac. III p. Einiger, dass die testam . in pro
275 ), nothwendig zu verbessern . cinctu zu C .'s Zeit noch nicht abge
Vollständiger sagt Gellius XV, 27, kommen wären, ist ohne Grund.
3: quum viri ad praelium facien 10. quum auspicia posuerunt:
dum in aciem vocabantur. Wäh nämlich als Proconsuln oder Pro
rend das Heer sich aufstellte, be prätoren , wenn ihre auspicia, d. h .
obachtete der Feldherr die Auspi- die Befugniss rei publicae causa
cien : is apud quem in exercitu au auspicandi, schon an ihre Nachfol
spicium imperiumque erat, in ta - ger im Consulat oder in der Prätur
bernaculo in sella sedensauspicaba- übergegangen sind. Vgl. de divin .
tur. Sabidius bei dem Schol, Veron . II, 36 , 76 .
zu Virg .Aen . X , 241. Die in Schlacht- imperatores – devoverent. Die
ordnung , in procinctu , stehenden beiden P. Decii Mures , Vater und
Soldaten benutzten die Zeit, wo der Sohn , jener im Latinischen Kriege,
LIB . II. CAP. 3. 4 . 119
baruspicum disciplinam P. Scipione , C. Figulo consulibus res
ipsa probavit : quos quum Ti. Gracchus, consul iterum , crearet,
primus rogator , ut eos rettulit, ibidem est repente mortuus.
Gracchus quum comitia nihilo minus peregisset, remque illam
in religionem populo venisse sentiret , ad senatum rettulit. Se
natus , quos ad soleret , referendum censuit. Haruspices intro
ducti responderunt non fuisse iustum comitiorum rogatorem .
Tum Gracchus , ut e patre audiebam , incensus ira , Itane vero ? 11
ego non iustus, qui et consul rogavi et augur et auspicato ? an
vos , Tusci ac barbari , auspiciorum populi Romaniius tenetis
et interpretes esse comitiorum potestis ? Itaque tum illos exire
iussit. Post autem ex provincia litteras ad collegium misit, se,
quum legeret libros , recordatum esse , vitio sibi tabernaculum
a. 415 , dieser im Gallischen , a. 457. quos ad soleret. Eine nicht sel
S . Liv. VIII, 8 u. X , 28. tene Anastrophe der Praeposition
4. P.(Cornelio )Scipione, C.(Mar beim Relativpronomen , wie quem
cio ) Figulo coss., d. h . im J. 592 per , quem contra, quos adversus
a . u . c. und dergl., wovon Ciceronische
Ti. (Sempronius) Gracchus, der Beisp. bei Beier ad fr. or. pr. Tull.
Vater der bekannten beiden Volks- p.57 u. Madvig zu de Finn . p. 549.
tribunen . -- Er war zum ersten 11. ex provincia : aus Sardinien ,
Male Consul im J. 577 mit C . Clau- wohin er als Proconsol geschickt
dius Pulcher, zum zweiten Male 591 war.
mit M . Iuventius Thalna . ad collegium scil.augurum ,wozu
crearet. Der Ausdruck wird ganz er selbst gehörte. de Div. I, 17 , 33.
gewöhnlich von dem die Wahl lei ep. ad Q . fratr. II, 2. — libros sc.
tenden Magistrate gebraucht, qui augurales, die wahrscheinlich eine
comitia consulibus(praetoribus,ae Zusammenstellung der alten Regeln
dilibus etc.) rogandis habet. und Formeln mit Erklärungen ein
primus rogator , d . h . rogator zelner gelehrter Mitglieder enthiel
primae centuriae oder praerogati ten . Commentarii heissen sie de
vae: derjenige, welcher die Stim - Div . II, 18 , 42.
men der ersten Centuria einsammel vitio sibi tabernaculum captum .
te , und dem Vorsitzenden hinter Um die Auspicien für die bevorste
brachte, für wen sich die Mehrheit hende Wahlversammlung zu beob
entschieden . Das heisst referre achten , begab sich der vorsitzende
praerogativam bei Cic. de Div . II, Magistrat bald nach Mitternacht auf
35 , 75 , wo dieselbe Geschichte, oder einen passenden frei gelegenen Platz
nomina referre ; hier : ut eos, d. h . vor der Stadt in ein zu diesem Zweck
eorum nomina rettulit. - Rogator aufgeschlagenes Zelt: tabernaculum
comitiorum dagegen heisst der in capere. Aber es bedurfte, wenn er
der Versammlung vorsitzende Ma sich dahin begab, bei Ueberschrei
gistratus, weil sein Geschäft ist, das tung des pomoerium oder des Be
Volk zu fragen , wem es seine Stim - reiches der Stadtmauer, gewähren
megeben, oder bei Gesetzvorschlä der Zeichen ; und ohne diese konnte
gen, ob es sie genehmigen oder ver er das tabernaculum nicht rite be
werfen wolle : populum rogare ma ziehen . Vgl. Lange, Röm . Alterth .
gistratus oder leges. I S. 413. Nun hatte Gracchus, als
120 DE NATURA DEORUM
captum fuisse (ad ]hortos Scipionis, quod, quum pomoerium post
ea intrasset habendi senatus causa , in redeundo , quum idem
pomoerium transiret, auspicari esset oblitus: itaque vitio creatos
consules esse. Augures rem ad senatum : senatus ut abdicarent
consules: abdicaverunt. Quae quaerimus exempla maiora ? Vir sa
pientissimus atque haud scio an omnium praestantissimus pecca
tum suum , quod celari posset, confiteri maluit, quam haerere
in re publica religionem : consules summum imperium statim
deponere , quam id tenere punctum temporis contra religionem .
12 Magna augurum auctoritas. Quid ? Haruspicum ars nonne di
vina? Haec et innumerabilia ex eodem genere qui videat, nonne1
cogatur confiteri deos esse ? Quorum enim interpretes sunt, eos
ipsos esse certe necesse est : deorum autem interpretes sunt: deos
igitur esse fateamur. At fortasse non omnia eveniunt, quae prae
dicta sunt. Ne aegri quidem quia non omnes convalescunt, id
circo ars nulla medicinae est. Signa ostenduntur a dis rerum fu
turarum . In his si qui erraverunt, non deorum natura , sed ho
minum coniectura peccavit. Itaque inter omnis omnium gentium
summa constat: omnibus enim innatum est et in animo quasi in
sculptum , esse deos. Quales sint, varium est ; esse , nemo negat.
Cleanthes quidem noster quattuor de causis dixit in ani
er nach der ersten Beziehung des natura wohl nach der de divin . I,
tabernaculum in die Stadt zurück - 49, 110 gegebenen Andeutung zu
gegangen war, nachher bei aberma fassen .
liger Ueberschreitung des pomoe omnes omnium gentium ohne
rium gewährende Zeichen abzu ein zu omnes gehöriges Substantiv
warten versäumt: daher war jetzt steht ebenso I, 18, 46. — Summa,
das tabernaculum vitio captum . die Hauptsache. Cic. Acad . II, 9,
Vgl. de Divin. II, 17, 33. – Die 29 : Non debere eos in suo decreto
Praepos. vor hortos fehlt in d. fluctuare, praesertim quum in eo
Hdschr.; einige haben in hortos, wo- summa consisteret.de Finn. V ,5 , 12 :
bei wohl auch horto od. hortis ge nec in summa tamen ipsa aut va
schrieben werden sollte ; (in villa rietas est ulla aut dissensio . ad
Scipionis heisst es beiGranius Licin . Fam . XIII, 75 , 2 : Summa est, in
p . 10 ed . Bonn.) Hortos als Appo quo mihi gratificari possis, si cu
sition zu tabernaculum zu nehmen , raris, ut Avianus me a te amari
wie jüngst Jemand gewollt hat, ist sciat.
unmöglich . Lieber könnte man die innatum , „ naturgemäss entstan
Worte ganz ausstreichen. den “ , nicht aber „angeborne Ue
12. non deorum natura. Richti berzeugung“. Denn angeborne Be
ger würde der coniectura nicht na griffe statuirten die Stoiker ebenso
tura sondern etwa numen entgegen wenig als die Epikureer. S . oben
gesetzt sein . Vgl. Opusc . ac. III p. zu I, 17, 44 u . Plut. de plac. phil.
327. Dass aber C. wirklich numen IV, 11.
geschrieben habe, soll damit nicht 5 . 13. Cleanthes. S. I, 14 , 37.
behauptet werden ; vielmehr ist das Mit den vier nun folgenden
LIB. II. CAP . 4. 5 . 121
mis hominum informatas deorum esse notiones. Primam posuit
eam , de qua modo dixi, quae orta esset ex praesensione rerum
futurarum : alteram , quam ceperimus ex magnitudine commodo
rum , quae percipiuntur caeli temperatione, fecunditate terrarum
aliarumque commoditatum complurium copia : tertiam , quae ter- 14
reret animos fulminibus, tempestatibus, nimbis, nivibus , grandi
nibus , vastitate , pestilentia , terrae motibus et saepe fremitibus
lapideisque imbribus et guttis imbrium quasi cruentis ; tum labi
bus aut repentinis terrarum hiatibus; tum praeter naturam ho
minum pecudumque portentis ; tum facibus visis caelestibus: tum
stellis iis quasGraeci cometas , nostri cincinnatas vocant, quae
nuper bello Octaviano magnarum fuerunt calamitatum praenun
tiae; tum sole geminato , quod , ut e patre audivi, Tuditano et
Aquillio consulibus evenerat, quo quidem anno P. Africanus sol
alter extinctus est; quibus exterriti homines vim quandam esse
caelestem et divinam suspicati sunt. Quartam causam esse, 15
eamque vel maximam , aequabilitatem motus conversionum [que]
caeli; solis, lunae siderumque omnium distinctioner , varietatem ,
pulchritudinem , ordinem ; quarum rerum adspectus ipse satis
indicaret, non esse ea fortuita . Ut, si quis in domum aliquam
Gründen will Cleanthes noch nicht besiegt und getödtet. Bellum Octa
einen eigentlichen, speculativen Be- vianum auch de Div. I, 2, 4 . Philipp.
weis für das Dasein der Götter XIV , 8, 23. Florus III, 21, 9. Das
geben , sondern er will nur das in - Adv. nuper kann anzudeuten schei
nasci, die natürliche Entstehung des nen , dass wir uns die Zeit dieser
Glaubensan Götter nachweisen . Unterredung als nicht viel später
Deswegen sagt er auch nicht argu- . denken sollen. Doch ist die Bedeu
mentis oder rationibus, sondern tung von nuper sehr relativ, und es
causis, d. h. Veranlassungen ; denn wird daher auch von ziemlich ent
dies ist der eigentliche Begriff des fernten Zeiten gesagt, wie de Div.
Wortes, daher causam capere : und I, 39, 85 : ante philosophiam pate
so ist auch § 14 : tertiam causam , factam quae nuper inventa est, und
quae terreret animos fulminibus C. 50, 126 lesen wir sogar: quae
etc. wenn auch auffallend , doch nuper, id est paucis ante saeculis,
nicht geradezu verwerflich . Die reperta sunt : wo nur die neuere
Veranlassung schrecktdenMenschen, der gegenwärtigen Bildungsperiode
insofern sie eben in den schrecken angehörige Zeit derdunkeln und un
den Naturerscheinungen besteht. gebildeten Vorzeit entgegengesetzt
14 . praeter naturam portentis : wird.
ein Hyphen , wie oben c. 2, 5 . Tuditano (C . Sempronio) et M .
nuper bello Octaviano. Im J. 667. Aquillio coss. Im j. 625. Ueber den
Der Consul Cn. Octavius, Anhänger Tod des P . Scipio Africanus s. III,
des Sulla , ward , als dieser gegen 32, 80. Von der Nebensonne in
Mithridat kriegte, von seinem čoln jenem Jahr ist auch de Republ. I,
legen L . Cornelius Cinna und dem 10 , 15 die Rede.
aus Africa zurückgekehrten Marius 15 . non esse ea fortuita für eas
122 DE NATURA DEORUM

aut in gymnasium aut in forum venerit, quum videat omnium


rerum rationem , modum , disciplinam , non possit ea sine causa
fieri iudicare , sed esse aliquem intelligat, qui praesit et cui pa
reatur : multo magis in tantis motionibus tantisque vicissitudini
bus , tam multarum rerum atque tantarum ordinibus, in quibus
nihil umquam immensa et infinita vetustas mentita sit, statuat
necesse est, ab aliqua mente tantos naturae motus gubernari.
6 Chrysippus quidem , quamquam est acerrimo ingenio , tamen
16 ea dicit, ut ab ipsa natura didicisse, non ut ipse repperisse videa
tur. Si enim , inquit , est aliquid in rerum natura , quod hominis
mens, quod ratio , quod vis , quod potestas humana efficere non
possit ; est certe id , quod illud efficit , homine melius. Atqui res
caelestes omnesque eae , quarum est ordo sempiternus, ab homine
confici non possunt. Est igitur id , [a ] quo illa conficiuntur , ho
mine melius. Id autem quid potius dixeris , quam deum ? Etenim
fortuitas. Vgl. oben c. 3, 7 und doch noch scharfsinniger sei, als
unten 7, 18 extr. auch 34, 87 u. man sie ihm zugetraut hätte, so ist
35 , 88. de Legg. II, 11, 28 : Bene dieser Gedanke nicht ganz entspre
vero quod mens, pietas, virtus, fi- chend ausgedrückt. Denn nicht
des consecratur – ut, illa qui ha - trotz des Scharfsinnes , den er
beant - deos ipsos in animis suis wirklich besitzt, hat er den
collocalos putent. Diese Anwen - noch einen solchen Beweis aufge
dung des Neutrums darf nicht be- stellt , sondern weil sein Scharf
fremden , da die Gegenstände , auf sinn, so hoch man ihn auch schätzte,
die das Pronomen sich bezieht, nur doch in der That noch grösser war
ein grammatisches Geschlecht ha- als man dachte. Also nicht seinem
ben , in der That aber geschlecht- Scharfsinn selbst, sondern nur der
los sind. Meinung von seinem Scharfsinn
nihil - vetustas mentita sit, d. durfte die gepriesene Vortrefflich
h . die unendliche lange Zeit hat nie keit seiner Argumentation entge
die Erwartungen getäuscht: die Er- gengestellt werden , etwa: quam
scheinungen und Ereignisse sind quam acerrimo esse ingenio creda
immer so eingetreten , wie sie nach tur, tamen , quae dicit , eiusmodi
der von den Menschen erkannten sunt etc . Ob übrigens zu dieser
Regel eintreten mussten und erwar- Argumentation wirklich ein so gar
tet wurden. Vgl. c. 21, 56 . Tis grosser Scharfsinn erforderlich ge
yévoit äv aweudela toráde ; heisst wesen , ist eine andere Frage. Šie
es in ähnlicher Beziehung in der war aber schon vor Chr. vom Cle
Schr. de mundo, c. 5 , die fälschlich anthes aufgestellt, wie wir aus
dem Aristoteles zugeschrieben wird, Sext. Emp. IX , 88 sehen .
aber wohl irgend einen späteren [a ] quo illa conficiuntur. Die fast
Peripatetiker zum Verfasser hat. in allen Hdschr. fehlende Praeposi
. 6. 16 . Chrysippus quidem . S. zu tion ist hier ebenso unentbehrlich,
I, 15 , 39. als vorher vor homine. Vgl. Hand
: quamquam est acerrimo ingenio, Tursell. I p . 31 f. und dazu unten
tamen Wenn Cic. sagen wollte , III, 10, 25 , wo dieselbe Argumenta
dass, so scharfsinnig auch Chr. tion in etwas anderen Worten vor
sei, die folgende Argumentation getragen wird .
LIB . II. CAP. 5. 6. 123
si di non sunt, quid esse potest in rerum natura homine melius ?
In eo enim solo est ratio , qua nihil potest esse praestantius. Esse :
autem hominem , qui nihil in omni mundo melius esse quam se
putet, desipientis arrogantiae est. Ergo est aliquid melius. Est
igitur profecto deus. An vero , si domum magnam pulchramque 17 .
videris, non possis adduci, ut, etiamsi dominum non videas, mu
ribus illam et mustelis aedificatam putes ? tantum ergo ornatum
mundi, tantam varietatem pulchritudinemque rerum caelestium ,
tantam vim et magnitudinem maris atque terrarum si tuum ac
non deorum immortalium domicilium putes, nonne plane desi
pere videare ? An ne hoc quidem intelligimus, omnia supera esse
meliora, terram autem esse infimam , quam crassissimus circum
fundat aer ?, ut ob eam ipsam causam , quod etiam quibusdam 6
i regionibus atque urbibus contingere videmus , hebetiora ut sint
hominum ingenia propter caeli pleniorem naturam , hoc idem ge -
neri humano evenerit , quod in terra , hoc est in crassissima re
gione mundi, collocati sint. Et tamen ex ipsa hominum sollertia, 18 ,
esse aliquam mentem , et eam quidem acriorem et divinam , exi
stimare debemus. Unde enim hanc homo arripuit ? ut ait apud
Xenophontem Socrates. Quin et humorem et calorem , qui est
fusus in corpore , et terrenam ipsam viscerum soliditatem , ani
desipientis arrogantiae. Vgl. de nunft unsnöthige, ein vernünftiges
legg. II, 7, 16 : quid est enim ve Princip auch in der Welt anzuer
rius, quam neminem esse oportere kennen , woher eben die mensch
tam stulte arrogantem , ut in se ra liche Vernunft stamme. Es scheint,
tionem et mentem putet inesse, in dass Cicero hier sein Original etwas
caelo mundoque non putet ? flüchtig excerpirt habe.
17. et mustelis. Wiesel wurden quibusdam reg .atqueurbibus. S .
von den Alten als Hausthiere ge unten c. 16 , 42.
halten gleich den Katzen , zur Ver 18 . et tamen , d . h . bei aller ihrer
tilgung der Mäuse. Vgl. Phaedr. fab. Unvollkommenheit ist die mensch
I, 22. Perizon. zu Aelian. V. H . liche Vernunft doch von der Art,
XIV , 4, dass wir sie nur als Ausfluss einer
omnia supera esse meliora. Die höheren göttlichen Vernunft erklä
ser Satz scheint eine derartige Ar ren können . Vgl. c. 31, 79. Für
gumentation anzukündigen , wie sie aliquam dürfte aliam quam zu le
Sextus Emp. IX , 86 ff. referirt: sen sein. Denn mit den Stellen,
dass nämlich die in den oberen wo aliquis = alius quis zu sein
Regionen der Welt lebenden We scheint, hat es doch eine andere
sen von höherer, übermenschlicher Bewandtniss, worüb. zu vgl. Haase
Natur, also Götter sein müssen . zu Reisig S . 338.
Statt dessen aber folgt etwas, was apud Xenophontem .Memor. I, 4, 8.
mit dem vorangestellten Satze in terrenam viscerum soliditatem
gar keinem nothwendigen Zusam - viscera solida et terrena. Viscera
menhang steht, nämlich dass die bedeutet nicht bloss die Eingeweide
dem Menschen inwohnende Ver- (intestina), sondern Alleswas nicht
124 ; js DE NATURA DEORUM
mum denique illum spirabilem , si quis quaerat, unde babeamus,
apparet: quod aliud a terra sumpsimus, aliud ab humore , aliud
7 ab igne , aliud ab aëre eo quem spiritu ducimus. Illud autem ,
quoli vincit haec omnia, rationem dico et, si placet pluribus ver
bis , mentem , consilium , cogitationem , prudentiam , ubi inveni
mus ? unde sustulimus ? An cetera mundus habebit omnia, hoc
unum , quod plurimi est, non habebit ? Atqui certe nihil omnium
rerum melius est mundo, nihil praestabilius , nihil pulchrius,
nec solum nihil est, sed ne cogitari quidem quicquam melius
potest. Et si ratione et sapientia nihil estmelius , necesse est
19 baec inesse in eo, quod optimum esse concedimus. Quid vero ? 66
tanta rerum consentiens , conspirans, continuata cognatio quem
e ! non coget ea , quae dicuntur a me, comprobare ? Possetne uno
tempore florere , deinde vicissim horrere terra ? aut tot rebus Sing
ipsis se immutantibus solis accessus discessusque solstitiis bru-
misque cognosci? aut aęstus maritimi fretorumque angustiae
Haut oder Knochen oder Blut ist. ren vorgehenden Veränderungen
Vgl. unten c. 63 extr. Tusc. II, 14, die genau mit bestimmten Jahres
34 : Spartae pueriad aram sic ver- zeiten zusammenhängen , derglei
beribus accipiuntur, ut mullus e chen Cic. de Divin . I, 9, 16 . II, 14,
visceribus sanguis exeat. Lactant. 33, Theophrast. Hist. plant. I, 16 ,
de opif. dei c. 7 : deus ossa visceri- Gellius N . A . IX , 7, í u. Andere
bus operuit. Daher visceratio,xoea erwähnen. Die Ablative solstitiis
vouia . – Dass nachher für das brumisque sind nicht mit cognosci
von den Hdschr. gebotene animum zu verbinden , sondern dienen nur
illum vielmehr animam illam rich - als nähere Bestimmung für solis
tiger sein würde, hat schon Ochs- accessus discessusque. - Solsti
ner, Ecl. Cic. p. 22 angemerkt. tium , obgleich eigentlich sowohl
7. 19. tot rebus ipsis se immu - die Winter- als die Sommersonnen
tantibus ; „ indem so viele Dinge sich wende bezeichnend , wird doch re
selbst umwandeln “ , d . h. einer in gelmässig von der letztern gesagt,
ihnen selbst vorgehenden , durch und der bruma oder hiems entge
einen in ihnen selbst und in ihrer gengesetzt. Iuven. IV , 92 : sic
Natur begründeten Process bewirk - multas hiemes atque octogesima
ten Umwandelung unterliegen . Of vidit solstitia. Vgl. Gesn . zu Varro
fenbar sind damit namentlich die R . R . I, 46 .
Umwandelungen der Gewächse ge aestus maritimi: die Ebbe und
meint, wo aus dem Samen die Fluth des Weltmeeres, s. III, 10, 24 .
Pflanze, aus der Blüthe die Frucht Aehnliche Bewegungen finden in ei
u. S. w . entsteht, und die allerdings nigen Engen des Mittelmeeres statt,
mit der Annäherung oder Entfer- wie im Euripus und im Fretum
nung der Sonne in so engem Zu - Siculum , auch im Adriatischen
sammenhange stehen , dass man an Meer nach Strab. V, I, 5 p. 212.
ihnen auch diese wahrnehmen kann . Daher hier fretorum angustiae.
Vgl. Plin . H . N . XVIII, 27 . Die Al Dass diese Bewegungen von der
ten reden aber auch noch von man - Einwirkung desMondes herrührten ,
chen andern in Pflanzen und Thie. war die herrschende Ansicht der
LIB . II. CAP. 6. 7. 8. 125
ortu aut obitu lunae commoveri ? aut una totius caeli conver
sione cursus astrorum dispares conservari ? Haec ita fieri omni
bus inter se concinentibus mundi partibus profecto non possent,
nisi ea uno divino et continuato spiritu continerentur. Atque 20
haec quum uberius disputantur et fusius , ut mihi est in animo
facere , facilius effugiunt Academicorum calumniam . Quum
autem , utZeno solebat, brevius angustiusque concluduntur, tum
apertiora sunt ad reprehendendum . Nam ut profluens amnis aut
vix aut nullo modo , conclusa autem aqua facile corrumpitur:
sic orationis flumine reprehensoris convicia diluuntur ; angu
stia autem conclusae orationis non facile se ipsa tutatur. Haec 8
enim , quae dilatantur a nobis , Zeno sic premebat: Quod ratione 21
utitur , id melius est quam id , quod ratione non utitur. Nihil
autem mundo melius. Ratione igitur mundus utitur. Similiter
effici potest sapientem essemundum : similiter, beatum : simili
ter, aeternum . Omnia enim haec meliora sunt quam ea quae
sunt his carentia , nec mundo quicquam melius ; ex quo efficitur
esse mundum deum . Idemque hoc modo : Nullius sensu caren - 22
tis pars aliqua potest esse sentiens. Mundi autem partes sentien
alten Physiker: Tõvnepi Tòv axed- zuheben, dass die Weltseele als ein
νον πλημμυρίδων και αμπώτεων Zusammenhängendes, ungetheiltes
avtn ý celývn ) aitla xoti , sagt Ganze zu denken sei.
Cleomedes in der Schr. über die fusius übersetztman falsch aus
Himmelsersch . II, 1 p. 105 , wozu führlicher. Es heisst in freiem
Bake p. 416 Mehrere anführt. an keine strengeOrdnung und
una t. c. conversione cursus astr. Eintheilung gebundenem Re
dispares. Die Sterne bewegen sich defluss. Cic. de Legg. I, 13, 36 :
scheinbar mit dem ganzen Himmel quae fuse olim disputabantur ac
um die Erde , aber nicht alle auf libere, ea nuncarticulatim dissecta
gleiche Weise. Einige , und die dicuntur. Vgl. Bake's Anm .
meisten , so , dass sie immer den ut profluens amnis. Eine ähn
selben Platz am Himmel behaupten, liche Vergleichung s. bei Quintil.
also nur mit ihm zugleich sich be XII , 2, 11.
wegen, und diese heissen deswegen
stellae fixae; andere so , dass sie, 8. 21. Zeno. Die eigenen Worte
während sie sich mit dem Himmel desselben führt Sext. Emp. IX ,
zugleich um die Erde bewegen, schreibt104 an . Die gleiche Argumentation
doch auch am Himmel selbst ihren Diog. L . VII, 143 dem Chry
Platz verändern , also bald hier bald sippus, Apollodorus und Posidonius
dort stehen : daher st. errantes, zu .
Planeten. Aber auch diese cur quae sunt his carentia. Eine
SUS dispares folgen doch einer fe structura ad sensum : denn das De
sten Regel: daher conservari. Vgl. monstrativum geht auf die aus den
c. 20, 51. vorherg . Adjectiven zu entnehmen
et continuato , so hinterherge- den Begriffe sapientia , beatitudo,
stellt, um desto merklicher hervor- aeternitas. S. ob . I, 29, 80 .
126 DE NATURA DEORUM
tes sunt. Non igitur caret sensu mundus. Pergit idem et urguet
angustius: Nihil, inquit , quod animi quodque rationis est expers,
id generare ex se potest animantem compotemque rationis. Mun
dus autem generat animantis compotesque rationis. Animans
est igitnr mundus composque rationis. Idemque similitudine , ut
saepe solet, rationem conclusit hocmodo : Si ex oliva modulate
canentes tibiae nascerentur , num dubitares quin inesset in oliva
tibicinië quaedam scientia ? Quid , si platani fidiculas ferrent
numerose sonantis & idem scilicet censeres, in platanis inesse mu
sicam ? Cur igitur mundus non animans sapiensque iudicetur,
quum ex se procreet animantis atque sapientis ?
Sed quoniam coepi secus agere atque initio dixeram (ne
23 garam enim hanc primam partem egere oratione , quod esset
omnibus perspicuum deos esse :) tamen id ipsum rationibus
physicis confirmare volo . Sic enim res se habet, ut omnia, quae
aluntur atque crescunt, contineant in se vim caloris , sine qua
neque ali possent neque crescere. Nam omne, quod est calidum
H e t igneum , cietur et agitur motu suo; quod autem alitur et cre
scit, motu quodam utitur certo et aequabili, qui quamdiu remanet
in nobis , tamdiu sensus et vita remanet ; refrigerato autem et
24 extincto calore occidimus ipsi et extinguimur. Quod quidem
Cleanthes his etiam argumentis docet, quanta vis insit caloris in
22. urguet angustius: „dringt von aussen her Einwirkendes in Be
in knapper, gedrängter Fol . wegung oder Thätigkeit versetzt.
gerung auf sein Resultat.“ 24. quod qu . Cl. — docet, quanta
Þenn urgueredrücktdas nachdrück - vis insit. Eine Art von Epexegem ,
liche Beharren in einer Behauptung ähnlich dem zu I, 15, 38 besproche
oder Argumentation aus, wodurch nen. Denn auch hier deutet das
man Andern die Zustimmung gleich Relativ auf das Vorhergehende als
sam abdringt. So de Finn . IV , 48, Object von docet, worauf dasselbe
77 : urguent tamen et nihil remit nun doch in anderer Form nachge
tunt: wo von der Argumentation bracht wird. Vgl. de Finn. II, 4 ,
der Stoiker die Rede ist, durch die 12 : Quod vestri quidem vel optime
sie die Zustimmung zu ihrem Satz : disputant, nihil opus esse eum , qui
omnia peccata paria erzwingen futurus sit philosophus, scire lite
wollten . Auch die folgende ras. Corn . Nep. Attic. c. 18 : ma
Argumentation des Z. steht mit sei gistratus eorum non ampliusquinis
nen eigenen Worten bei Sext. Em versibus descripsit, quod vix crer
pir. IX , 101. dendum sit, tantasres tam breviter
modulate : „melodisch“ ; nume potuisse declarari. Vgl. unten c.
rose: „ rhythmisch“ . 37, 93 u . mehr bei Jahn zu Orat. C.
9. 23. dixeram . Ueber das Plus 16 , 52. Auch die häufigen Verbin
quampf, s. Haase zu Reisig 's Vorl. dungen quod si (oben c. 1 , 3, unten
p. 504. Jahn zu Orat. 29, 107. motu II, 38, 96 ), quod quum , quod quo
suo, d . h . motu proprio : es ist au- niam und dergl. sind aus dieser Aus
toxívntov, wird nicht durch etwas drucksweise entsprungen , obgleich
LIB. II. CAP. 8. 9. 10. 127
omni corpore : negat enim ullum esse cibum tam gravem , quin
is nocte et die concoquatur ; cuius etiam in reliquiis inest calor
iis, quas natura respuerit. lam vero venae et arteriaemicare non .
desinunt, quasi quodam igneo motu , animadversumque saepe est,
quum cor animantis alicuius evulsum ita mobiliter palpitaret,l
ut imitaretur igneam celeritatem . Omne igitur quod vivit , sive
animal sive terra editum , id vivit propter inclusum in eo calorem .
Ex quo intelligi debet , eam caloris naturam vim habere in se vi
talem per omnem mundum pertinentem . Atque id facilius cer- 25
nemus toto genere hoc igneo , quod tranat omnia , subtilius ex
plicato . Omnes igitur partes mundi (tangam autem maximas )
calore fultae sustinentur ; quod primum in terrena natura per
spici potest. Nam et lapidum conflictu atque tritu elici ignem
videmus, et recenti fossione terram fumare calentem , atque etiam
ex puteis iugibus aquam calidam trahi, et id maxime fieri tempo
ribus hibernis, quod magna vis caloris terrae cavernis continetur,
eaque hieme fit densior', ob eamque causam calorem insitum in
terris continet arctius. Longa est oratio multaeque rationes, 10
quibus doceri possit, omnia quae terra concipiat semina , quae- 26
que ipsa ex se generata stirpibus infixa contineat, ea temperatione
die freiere Anwendung derselben eines Hexameters. Dass aber Ci
diesen Ursprung sehr oft kaum noch cero für eine so alltägliche Bemer
erkennen lässt. kung eine Dichterstelle angeführt
quin is. Vgl. zu III, 13, 34. haben sollte, ist kaum zu glauben ;
venae et arteriae. Der zweite der Halbvers ist ihm nur zufällig in
Ausdruck dient zur nähern Bestim die Feder gekommen . Wie leicht
mung oder Berichtigung des ersten. dergleichen geschehen könne , be
Denn nur die Arterien , nicht die merkt er selbst Orat. c. 56 , 189, und
Venen pulsiren : obgleich oft genug Beispiele der Art aus den besten
vena auch wie Ader als Gattungs Schriftstellern sind von Vielen ge
name gebraucht wird , so dass es die sammelt. Vgl. zu C. 60 , 151 u .
Arterien mit in sich begreift, wo Wolf zu Tacit. Ann . I, 1.'
denn unbedenklich auch venae mi : eaque d.h .terra, nicht, wie Einige
cant, venas tangere u. dgl. gesagt gemeint haben , vis caloris. Vgl.
werden kann, obgleichGelliusXVIII, Opusc, ac. III p . 329. Dass nachher
10 dies als eine loquendi imperitiastatt des Pron. refl. in sese doch
tadelt. Vgl. zu c. 52, 138 . das Nomen in terris gesetzt ist, darf
eam caloris naturam : „ dieser nicht irre machen. Vgl. gleich un
Wärmestoff“. Denn als ein Stoff ten § 26 atque aquae etc. III, 11,
wird die Wärme von der Stoischen 28 illa (natura ) cohaeret naturae
Physik betrachtet: natura aber, in viribus. de republ. II, 40, 67 : im
concreter Bedeutung , ist jedes submani et vastae insidens beluae
stantielle Naturwesen , wie gleich coercet et regit beluam . - Ueber
unten das Erdelement terrena na die physicalische Thatsache s. Ide
tura heisst. ler zu Aristot. Meteor. I p. 440 .
25 . terram fumare calentem , 10. 26 . ex se generata , d. h .
Die Worte bilden die zweite Hälfte ohne Samen , also durch eine soge
128 DE NATURA DEORUM
caloris et oriri et augescere. Atque aquae etiam admixtum esse
calorem , primum ipse liquor aquae declarat et fusio, quae neque
conglaciaret frigoribus neque nive pruinaque concresceret , nisi
eadem se admixto calore liquefacta et dilapsa diffunderet. Ita
que etaquilonibus reliquisque frigoribus adiectis durescit humor,
et idem vicissim mollitur tepefactus et tabescit calore. Atque
etiam maria agitata ventis ita tepescunt, ut intelligi facile possit
in tantis illis humoribus inclusum esse calorem . Nec enim ille
externus et adventicius habendus est tepor , sed ex intimis maris
partibus agitatione excitatus, quod nostris quoque corporibus
contingit, quum motu atque exercitatione recalescunt. Ipse vero
aer , qui natura est maxime frigidus , minime est expers caloris .
27 Ille vero et multo quidem calore admixtus est. Ipse enim oritur .
ex respiratione aquarum : earum enim quasi vapor quidam aer
nannte generatio originaria. S. zu recalescunt. Man denke hinzu :
I, 37, 103. — Stirpibus infixa heis- si quando perfrixerunt.
sen die Gewächse, weil sie mittels aer – maxime frigidus. Plut.
der stirpes , worunter der untere de primo frig. c. 9 : oí uèv Etwixol
Theil des Stammes sammt der Wur το αέρι το πρώτως ψυχρoν απο
zel zu verstehen ist, in der Erde haf didóaoiv . Vgl. Diog . L. VII, 137.
ten und von ihr gehalten werden . Die Stoiker sahen wie die Wärme
Vgl. § 28 extr. Temperatio ist das so auch die Kälte als ein substan
rechte Maass, die gehörige Tempe zielles Wesen , einen Stoff an und
ratur der Wärme, wie oben c. 5 , 13 meinten, dass dieser seinen eigent
caeli temperatione. Dass ea nicht lichen Sitz in der Luft habe. Natura
zu temperatione gehöre, sondern aeris gelida est. Senec. qu. nat. II,
Accusativ sei und den Subjectsbe 10. Mehr s. bei Ideler a. a. 0 . II p .
griff wiederhole, wie c. 9 § 24 id 390. Die Erkältung anderer Dinge
vivit, u. § 27 ea et ipsa , versteht erfolgt durch das Hinzutreten dieses
sich wohl von selbst. Kältestoffes, woraus sich das oben
fusio , die Fähigkeit oder Nei vom Gefrieren des WassersGesagte
gung des Wassers, sich überall, wo erklärt:aquilonibus reliquisquefri
es nicht eingeschlossen ist, nach goribus adiectis durescit humor :
allen Seiten hin zu ergiessen . Der d. h. „,wenn der in den Nordwinden
Ausdruck dient also den vorherge und sonstwo enthaltene Kältestoff
henden , liquor, zu verdeutlichen. hinzutritt und sich dem Wasser zu
Die Hdschr. haben effusio ohne et. mischt.“ Ebenso geht das gleich
Statt des dem primum entsprechen Folgende von der Luftmulto calore
den deinde folgt nachher Atque admixtus, wie oben admixtum esse
etiam maria – calorem , auf die Zumischung des
maria - tepescunt. Plutarch .
Quaest.nat. c. 8 : TÌv rīs faháttns Wärmestoffs , welcher der Ae
σύμφυτον ούσαν θερμότητα έκρι ther ist.
πίζουσι μάλλον οι άνεμοι και 27. oritur ex respiratione aqua
τρέφουσιν. rum . S. c. 33, 84. - Unten , c. 45 ,
excitatus : entbundene oder 117, wird aber die Wärme der Luft
frei gewordene Wärme nennt auch aus der Nähe des Aethers er
dies die neuere Physik. klärt.
LIB . II. CAP. 10. 11. . 129
enim - m
habendus est. Is autem existit“motu eius caloris, qui aquis
continetur. Quam similitudinem cernere possumus in iis aquis,
quae effervescunt súbditis ignibus. Iam vero reliqua quarta pars
mundi, ea et ipsa tota natura fervida est et ceteris naturis omni
bus salutarem impertit et vitalem calorem . Ex quo concluditur, 280
For quum omnes mundi partes sustineantur calore , mundum etiam
ipsum simili parique natura in tanta diuturnitate servari : eoque non
magis , quod intelligi debet calidum illud atque igneum ita in
omni fusum esse natura , ut in eo insit procreandi vis et causa
gignendi, a quo et animantia omnia et ea, quorum stirpes terra
continentur, et nasci sit necesse et augescere. Natura est igitur, 11
quae contineat mundum omnem eumque tueatur, et ea quidem 29
non sine sensu atque ratione. Omnem enim naturam necesse est, '016
quae non solitaria sit neque simplex , sed cum alio iuncta atque
conexa , habere aliquem in se principatum , ut in homine men
tem , in belua quiddam simile mentis , unde oriantur rerum ap
petitus. In arborum autem et earum rerum , quae gignuntur e
terra , radicibus inesse principatus putatur. Principatum autem
id dico , quod Graeci nyeuovixóv vocant, quo nihil in quoque
genere nec potest nec debet esse praestantius. Itaque necesse
est illud etiam , in quo sit totius naturae principatus,, esse omnium they
optimum omniumque rerum potestate dominatuque dignissimum .
Videmus autem in partibus mundi (nihil est enim in omni mun - 30
do , quod non pars universi sit ,) inesse sensum et rationen ). In

Quam similitudinem = cuius rei feurige Principistein Wesen ,


similitudinem oder c. r.simile quid. welches u . s. w . Ueber seine Ver
Vgl. de Finn. V, 15 , 42: ea sequi- schiedenheit von dem irdischen , im
mur, ad quae nati sumus. Quam engeren Sinne sogenannten Feuer
similitudinem videmus in bestiis, u . s. unten c. 15 , 40 .
ibid.: suam cuique rei naturam esse cum alio iuncta atque conexa .
ad vivendum ducem : quae similitu - Richtiger hätte Cicero gesagt: ex
do in genere etiam humano apparet. pluribus iuncta et composita. 'Ev
28 . mundum ipsum : die Welt navti nohvuepɛt ouati heisst
selbst, im Gegensatz zu ihren ein es bei Sext. Emp. IX , 119, wo die
zelnen Theilen , d. h. die Welt im se Stoische Argumentation referirt
Ganzen . Vgl. c. 12, 32 : nulla pars wird .
corporis est, quae non minoris sit, ut in hominementem für ut oder
quam nosmetipsi sumus. So ipsius qualis in homine mens est. Vgl.zu
mundi c .22, 58 und mundum ipsum Î, 29, 82.
c . 31, 80 . 34 , 86 . ' in arborum — radicibus.Genauer
11. 29. Natura est igitur. Na- bei Sext. l. I. éri dè tõv guteV
tura nicht Subject, sondern Prädi- oj xarà ròv avròv tportov , all'
cat zu dem aus dem Vorigen zu ver- & Q ' wv uèv xata tos digas, ég ' wv
stehenden Subject calidum illud at- Sê xatà tù xóunv, ég óv dåsot,
que igneum : dieses warme und Tò éynáodiov.
Cic. de nat. deor. 4. Aufl.
130 DE NATURA DEORUM
ea parte igitur, in qua mundi inest principatus , haec inesse ne
cesse est, et acriora quidem atque maiora. Quocirca sapientem
esse mundum necesse est, naturamque eam , quae res omnis
complexa teneat, perfectione rationis excellere, eoque deum esse
mundum omnemque vim mundi natura divina contineri. Atque
etiam mundi ille fervor purior, perlucidior mobiliorque multo,
ob easque causas aptior [est ] ad sensus commovendos quam
hic noster calor , quo haec, quae nota nobis sunt, retinentur et
31 vigent. Absurdum est igitur dicere , quum homines bestiaeque
hoc calore teneantur , et propterea moveantur ac sentiant, mun
dum esse sine sensu , qui integro et puro et libero eodemque
acerrimo et mobilissimo ardore teneatur; praesertim quum is
ardor , qui est mundi, non agitatus ab alio neque externo pulsu ,
sed per se ipse ac sua sponte moveatur. Nam quid potest esse
mundo valentius, quod pellat atque moveat calorem eum , quo ille
12 teneatur ? Audiamus enim Platonem , quasi quendam deum phi
32 losophorum : cui duos placet esse motus , unum suum , alterum
30. omnem vim mundinat. div. bung der Dinge dient, die gequórns
cont. „ Die Welt mit Allem was zu Wuxixń , wie Aristoteles sie nennt,
ihrem Wesen und Begriff gehört be- de gen . anim . III, 11. Vgl. oben
ruht in ihrem Dasein und Bestehen S. 107 Anm .
auf einem göttlichen in ihr walten 31. mundo valentius. Vgl. Ps.
den Wesen.“ Zu contineri vgl. § 29 Arist. de mundo c. 5 . tis yao av
in. Dafür sustineri ş 28 in., unten ein qúous Toīdɛ (Toð nóguov)
retineri, u. § 31 teneri: welche κρείττων.
Ausdrücke alle auf dasselbe hinaus 12 . 32. Audiamus enim Pl. Der
laufen . folgendePlatonische Satz dientnicht
ad sensus commovendos. In dem zur Begründung des zunächst vor
griech . Original stand vielleicht hergegangenen nam quid - - -
npòs xivnoiv aio Inoems od . ai- teneatur, der als eine Art von Ein
ontixnv, d. h. zur Thätigkeit schiebselzu betrachten , sondern er
des Empfindens u. Bewusst- soll das vorhergesagte praesertim
seins, wogegen Cicero's Worte quum - - moveatur rechtfertigen
vielmehr an die Einwirkung auf und den Grund angeben , weswegen
die Sinne denken lassen , worauf dies als Hauptmoment für die vor
es doch hier nicht ankommt. angegangene Behauptung geltend
hic noster calor : d. h. die in der gemacht worden , dass der mundi
uns zunächst umgebenden Welt, in ardor (ailne) ein empfindendesund
den irdischen Wesen , wirkende na denkendes Wesen sei. – Die Stelle
türliche Wärme, nicht aber das ge Plato 's, worauf sich Cic. bezieht,
meine Feuer im Gegensatz gegen steht im Phaedr. p. 245 C $ 51 vnd
das Urfeuer, wie ein neuester Er ist übersetzt Tuscul. I, 23. — We
klärer sich einbildet. Denn dies ge gen des esse bei ponit, was Einigen
meine Feuer ist ja nach § 41 con anstössig gewesen, vgl. Acad . I, 5 ,
fector consumptorque omnium , wo- 19 : corporis autem alia ponebant
gegen hic noster calor die Wärme essein toto, alia in partibus. u . mehr
heisst, die zur Erhaltung und Bele- bei Madvig zu de Finn . V, 25, 73.
LIB. II. CAP. 11. 12. 13. 131
externum : esse autem divinius, quod ipsum ex se sua sponte
moveatur, quam quod pulsu agitetur alieno . Hunc autem motum
in solis animis esse ponit , ab hisque principium motus esse du
ctum putat. Quapropter, quoniam ex mundi ardore motus
omnis oritur, is autem ardor non alieno impulsu , sed sua sponte
movetur , animus sit necesse est. Ex quo efficitur animantem i yle bir
esse mundum . Atque ex hoc quoque intelligi poterit in eo in
esse intelligentiam , quod certe est mundus melior quam ulla na
tura. Ut enim nulla pars est corporis nostri, quae non sit
minoris quam nosmetipsi sumus , sic mundum universum pluris
esse necesse est quam partem aliquam universi. Quod si ita
est, sapiens sit mundus necesse est. Nam ni-ita esset, hominem ,
qui est mundi pars , quoniam rationis est particeps, pluris esse
quam mundum omnem oporteret. Atque etiam si a primis in - 33
choatisque naturis ad ultimas perfectasque volumus procedere,
ad deorum naturam perveniamus necesse est. Primo enim ani
madvertimus a natura sustineri ea quae gignuntur e terra , qui
bus natura nihil tribuit amplius, quam ut ea alendo atque augendo
tueretur. Bestiis autem et sensum et motum dedit, et cum quo - 34
dam appetitu accessum ad res salutaris , a pestiferis recessum :
hoc homini amplius, quod addidit rationem , qua regerentur
animiappetitus, quitum remitterentur,tum continerentur. Quar- 13
tus autem gradus et altissimus est eorum , qui natura bonisa- ***
pientesque gignuntur; quibus a principio innascitur ratio recta
33. inchoatis = imperfectis. Vgl. sind, dieser vierte blos der Conse
de Legg.I, 9, 27: prima et inchoata quenz wegen angenommen wird ,
intelligentia. Offic. I, 43, 153 : co weil sonst die Stufenfolge nicht bis
gnitio manca atque inchoata . . zum Vollkommensten hinauf reichen
Primo enim . Statt des entspre würde, was $ 35 zeigt.
chenden secundo oder deinde folgt natura boni sapientesque. Vgl.
§ 34 autem , wie es sehr häufig ist. Senec. epist. 95 : di immortales
- Die Stufenfolge der Wesen be nullam didicerevirtutem , cum omni
ruht auf den verschiedenen Graden editi, etparsnaturae eorum est esse
der Beseelung, die die Stoiker, in bonos. Púoel xafapoi xai axňoa
Uebereinstimmung mit Aristoteles, tou bei Epict. IV , 11, 3. Deorum
unterschieden. Den Gewächsen virtus natura excellit, hominum
wohnt blos eine wuxi putixń oder autem industria. Cic. Top. c. 20 , 76 .
θρεπτική, den Thieren ausserdem
eine ψ. αισθητική , den Menschen ratio recta constansque: die im
eine koyexń bei. Vgl. Arist. de an. mer das Rechte treffende, stets sich
II, 3. Macrob . in Somn. Scip . I, 14 , selbst treu bleibende, nie in Wider
7 u. 19, 23. spruch mit sich selbst gerathende
13 . Quartus autem gradus. Es Vernunft : lóyos bofòs xai Quolo
ist offenbar, dass, während die vo - youuevos rai Bépalos xai auetá
rigen drei Grade erfahrungsmässig TTATOS (Plut. de virt. mor. c. 3)
9*
132 DE NATURA DEORUM

constansque, quae supra hominem putanda est deoque tribuenda,


av id est mundo; in quo necesse est perfectam illam atque absolu
35 tam inesse rationem . Neque enim dici potest in ulla rerum in
stitutione non esse aliquid extremum atque perfectum . Ut enim
et in vite, ut in pecude, nisi quae vis obstitit, videmus naturam suo
quodam itinere ad ultimum pervenire, atque ut pictura et fabrica
Mur ceteraeque artes habent quendam absoluti operis effectum , sic in
omni natura ac multo etiam magis necesse est absolvi aliquid ac
perfici. Etenim ceteris naturis multa externa , quo minus perfi
ciantur, possunt obsistere : universam autem naturam nulla res
potest impedire , propterea quod omnis naturas ipsa cohibet et
continet. Quocirca necesse est esse quartum illum et altissimum
36 gradum , quo nulla vis possit accedere. Is autem est gradus , in
quo rerum omnium natura ponitur; quae quoniam talis est, ut
et praesit omnibus et eam nulla res possit impedire , necesse est
intelligentem esse mundum et quidem etiam sapientem . Quid
autem est inscitius , quam eam naturam , quae omnis res sit
complexa, non optimam dici, aut, quum sit optima, non primum m
animantem esse, deinde rationis et consilii compotem , postremo 2
sapientem ? Qui enim potest aliter esse optima? Neque enim ,
si stirpium similis sit aut etiam bestiarum , optima putanda sit
potius quam deterrima: nec vero, si rationis particeps sit nec sit
tamen a principio sapiens , non sit deterior mundi potius quam o
humana conditio ; homo enim sapiens fieri potest, mundus l au
tem , si in aeterno praeteriti temporis spatio fuit insipiens, num
quam profecto sapientiam consequetur: ita erit homine deterior .
Quod quoniam absurdum est, et sapiens a principio mundus et
37 deus habendus est. Neque enim est quicquam aliud praeter
der gemäss gesinnt zu sein und zu d . h . bei irgend welchen Dingen, die
handeln Weisheit und Tugend ist. von der Natur oder von Menschen
supra hominem putanda ist die angelegt und unternommen werden .
recta ratio nur insofern , als von in omni natura d. h . in universa
einer angeborenen , nicht allmälig n . oder rerum omnium n ., also in
erst entwickelten und vervollkomm - mundo. - Ueber rerum omnium
neten Vernunft die Rede ist. Denn natura, was hierwenigstens ebenso
wenn auch der Mensch sehr sel- passend ist, als das dafür vorge
ten wirklich dazu gelangen mag, schlagene r. omnis n ., vgl. Opusc.
für ganz unmöglich wenigstens ist ac. III p. 362.
es nicht zu halten : homo enim sa 36 . deterior potius. Man würde
piens fieri potest, heisst es auch sehr irren , wenn man potius für
unten § 36 . Vgl. aber auch de überflüssig und für eine blosse Ver
Offic . III, 4, 16 . de amic. c. 5, 18. stärkung von deterior hielte. Viel
35 . in ulla rerum institutione, mehr nur potius allein dient eigent
bei irgend einer Anlage von Dingen, lich zur Vergleichung der beiden
LIB . II. CAP. 13. 14. 133
mundum , cui nihil absit , quodque undique aptum atque perfe- 01
ctum expletumque sit omnibus suis numeris et partibus. Scite 14
enim Chrysippus , ut clipei causa involucrum , vaginam autem ' dy
gladii, sic praeter mundum cetera omnia aliorum causa esse ge
nerata, ut eas fruges atque fructus, quos terra gignit, animantium
causa , animantis autem hominum , ut equum vehendi causa,
arandi bovem , venandi et custodiendi canem . Ipse autem homo
ortus est ad mundum contemplandum et imitandum , nullo modo
perfectus, sed est quaedam particula perfecti. Sed mundus quo- 386
niam omnia complexus est, neque est quicquam , quod non insit
in eo, perfectus undique est. Qui igitur potest ei deesse id quod
est optimum ? Nihil est autem mente et ratione melius. Ergo
haec mundo deesse non possunt. Bene igitur idem Chrysippus,
qui similitudines adiungens omnia in perfectis et maturis docet
esse meliora , ut in equo quam in equuleo , 'in cane quam in ca
tulo , in viro quam in puero : item , quod in omnimundo opti
mum sit, id in perfecto aliquo atque absoluto esse debere. Est 39
autem nibil mundo perfectius, nihil virtute melius : igitur mundi
Glieder und sagt aus, dass das Prä- tiv vollkommen . Die Welt allein,
dicat deterior eher dem Zustande da sie Alles in sich fasst, also kei
der Welt als dem des Menschen zu - nem Andern als Mittel dient, ist
kommen würde. Die Vergleichung Selbstzweck und absolut vollkom
aber, auf welche der Comparativ men . Folglich kann ihr auch das
deterior deutet, ist in der Satzform nicht fehlen , ohne welches sie nicht
nicht weiter ausgeführt , weil sie absolutvollkommen sein würde, d.h.
sich ohnehin von selbst versteht. die Vernunft. — Ueber enim s. zu
Man denke etwadeterior de duabus. C. 16 in.
37. undique aptum : „ von allen ad mundum – imitandum . Dies
Seiten , d. h . in jederHinsichtzweck geht nicht etwa auf künstliche oder
mässig und schicklich eingerichtet.“ künstlerische Nachahmung der Na
- omnibus s. numeris et partibus. tur, sondern auf Uebereinstimmung
Der zweite Ausdruck könnte auch im Wollen und Handeln mit dem in
fehlen : denn mit numeri allein wer der Welt waltenden vernünftigen
den oft die wesentlichen zur Voll und sittlichen Gesetz , das čuolo
zähligkeit und Vollständigkeit einer youtuevos em poet km . Vgl. de
Sache erforderlichen Stücke bezeich Senect. c. 21, 77: Sed credo deos
net, dem griech . Sprachgebr, ent- immortales sparsisse animos in cor
sprechend, z. B . Diog. L . VII, 100 : pora humana, ut essent qui terras
το τέλειον αγαθόν παρά το πάν tuerentur, quique caelestium ordi
tas antéxeiv tous émientovuévous nem contemplantes imitarentur eum
αριθμούς υπό της φύσεως. vitae modo atque constantia. Senec.
14 . Scite enim Chrysippus. Der de vit. beat. c. 3: a natura non de
Sinn des von Cicero nicht ganz klar errare et ad illius legem exemplum
vorgetragenen Beweises ist wohl que formari, sapientia est. Mehr s.
dieser : Alles, was nur als Mittel bei Beier zu de Offic. I p. 325.
zum Zweck für ein Anderes dient, 38. similitudines adiungens. Dass
ist nicht absolut, sondern nur rela - Chr.dergleichen liebte s. ob. c. 8, 22.
134 DE NATURA DEORUM
est propria virtus. Nec vero hominis natura perfecta est : et effi
citur tamen in homine virtus. Quanto igitur in mundo faci
lius ? Est ergo in eo virtus. Sapiens est igitur, et propterea deus.
15 Atque hac mundi divinitate perspecta , tribuenda est sideri
bus eadem divinitas, quae ex mobilissima purissimaque aetheris
a parte gignuntur, neque ulla praeterea sunt admixta natura, tota
que sunt calida atque perlucida ; ut ea quoque rectissime et ani
ob mantia esse , et sentire atque intelligere dicantur. Atque ea qui
dem tota esse ignea duorum sensuum testimonio confirmari
40 Cleanthes putat, tactus et oculorum . Nam solis et candor illu
strior est quam ullius ignis, quippe qui immenso mundo tam
longe lateque colluceat , et is eius tactus est, non ut tepefaciat
Para solum , sed etiam saepe comburat, quorum neutrum faceret, nisi
- esset igneus. „Ergo“ inquit, „ quum sol igneus sit oceanique ala
tur humoribus, quia nullus ignis sine pastu aliquo possit perma
41, nere: necesse est aut ei similis sit igni, quem adhibemus ad usum
atque ad victum , aut ei , qui corporibus animantium continetur. 0
Atqui hic noster ignis, quem usus vitae requirit, confector est et
consumptor omnium , idemque, quocumque invasit, cuncta distur
Chen
39. efficitur tamen in hom , vir- 40. immenso mundo . Cleomed.
tus. Der allgemeine Begriff von II, 84 : Távta Tòv xóo uov putiset
virtus ist, nach de Legg. I, 8 , 22, oxedòv amteloouevéln övra. Im
nihil aliud quam in se perfecta et menso mundo ist Dativ comm .
ad summum perducta natura, also is eius tactus est: „ ihre Einwir
die vollständige Entfaltung dessen kung auf das Gefühl“ — ; während
worauf jedes Wesen von Natur an - vorher tactus den Sinn des Gefühls
gelegt ist: tò ti nu εivai, bei Ari bedeutete . Vgl. de Div. II, 46 , 97 :
stoteles. Solche virtus gelangt ex quo intelligitur, plus terrarum
auch im Menschen zur Verwirk situs quam lunae tactus (die Ein
lichung (efficitur = ad effectum wirkungen des Mondes) ad nascen
perducitur ), nämlich im Weisen dum valere. Vgl. de or. II, 14, 60 .
(8 36 ), obgleich schwer und selten , oceaniquealatur humoribus. Vgl.
wegen der Hindernisse die ihm ent- c. 33, 83 u. 46, 118. Diog . L. VII,
gegenstehn . In dem göttlichen Welt- 145 : Toémeo fai dè - Tòv uÈV
ganzen aber, dem kein Hinderniss . Macov Éx tñs usyans faháttns,
entgegensteht (8 .35), verwirklicht voepòv övra ävauna , tnv Sè ge
sie sich immer. λήνην έκ ποτίμων υδάτων, αερο
15 . quae - gignuntur. Vgl. μιγή τυγχάνουσαν και πρόσγειον
c. 36 , 92. — Dass übrigens auch äl ovoav. " Vgl. Ideler zu Arist. Me
tere Philosophen vor den Stoikern teor. II, 2, 6. — Possit = dúvait'
die Gestirne für Götter erklärten , äv , modus potent. Die Protasis
haben wir I, 10, 25. 11, 27. 12, 30 steckt in sine pastu = nisi pasca
gesehn. tur.
animantia. Vgl. Somn. Scip. c.3: 41. confector consumptorque.
ex illis sempiternis ignibus, quae Das zweite Wort zur Verdeutli
sidera et stellas vocatis, quae — di- chung des ersten , welches für sich
vinis animatae mentibus etc. allein zweideutig sein könnte. -
LIB . II. CAP. 15. 16 . 135
bat ac dissipat. Contra ille corporeus, vitalis et salutaris omnia
conservat, alit, auget, sustinet sensuque afficit.“ Negat ergo esse
dubium, horum ignium sol utri similis sit,quum is quoqueefficiat,
ut omnia floreant et in suo quaeque genere pubescant. Quare
quum solis ignis similis eorum ignium sit , qui sunt in corpori
bus animantium , solem quoque animantem esse oportet, et qui
dem reliqua astra, quae oriantur in ardore caelesti, quiaether vel
caelum nominatur. Quum enim aliorum animantium ortus in 42
terra sit , aliorum in aqua , in aëre aliorum , absurdum esse Ari
stoteli videtur, in ea parte, quae sit ad gignenda animantia aptis
sima, animal gigni nullum putare. Sidera autem aetherium lo
cum obtinent ; qui quoniam tenuissimus est et semper agitatur
et viget, necesse est, quod animal in eo gignatur, id et sensu
acerrimo et mobilitate celerrima esse. Quare quum in aethere
astra gignantur, consentaneum est in iis sensum inesse et intelli
gentiam ; ex quo efficitur in deorum numero astra esse ducenda.
Etenim licet videre acutiora ingenia et ad intelligendum aptiora 16
eorum , qui terras incolant eas, in quibus aer sit purus ac tenuis,
quam illorum , qui utantur crasso caelo atque concreto . Quin 43
etiam cibo quo utare interesse aliquid ad mentis aciem putant. ,
Probabile est igitur praestantem intelligentiam in sideribus esse,
articles
Confectrix rerum omnium vetustas bus einer Art von Entschuldigung
führt Lactant. VII, 11, 5 aus Cicero zu bedürfen scheint.
an . et quidem hier soviel als etpro- l,
ille corporeus, d. h. quiest in cor- fecto : Hinzufügung mit Assevera
poribus ; obgleich anderswo das tion.
Wort vielmehr körperhaft, cor- 42. Aristoteli videtur. In den
pore praeditus, zu bedeuten pflegt, vorhandenen Aristotelischen Schrift
auch bei Cicero im Timae, c. 4 u. 8. ten kommt solche Aeusserung nicht
Dagegen de Finn . III, 14, 45 sind vor ; doch sagt auch Ps. Plutarch .
res corporeae die körperlichen Gü- plac. phil. V , 20 : Éoti noayuateia
ter, wie Gesundheit , Schönheit u . 'Αριστοτέλους , έν ή τέσσαρα γένη
dgl. – Uebrigens ist wohl kaum wav gnoi, xepoaia , Évvdoa , irn
nöthig zu bemerken, dass mit die- vo , ovoavia .'Uebrigens vgl. zu I,
sem ignis coporeus eben dasselbe 13, 33 und Bernays p . 102.
gemeint sei, was oben § 30 hic no- in iis sensum inesse etc. Richti
ster calor hiess, die allen irdischen ger und dem Zweck dieses Räson
Geschöpfen Leben und Gedeihen ge- nements entsprechender hätte Cic.
bende Wärme. Diese entspringt aus schreiben müssen : in iis sensum
dem ardor caelestis, dem Aether acerrimum inesse et intelligen
im obersten Weltraum , wo er rein tiam celerrimam .
und ungemischtmitgröberen Stoffen 16 . Etenim licet videre. Das
ist. Ardor sagt C . für das griech . etenim kündigt nicht sowohl eine
aiono (von aito ), dessen Anwen Begründung des zunächst vor
dung, als im Lat, noch weniger ge herg . Satzes an, der, als Folgerung
bräuchlich, unten c. 36 , 91dem Bal- aus unbezweifelten Prämissen, einer
136 DE NATURA DEORUM
quae et aetheriam partem mundi incolant, etmarinis terrenisque
humoribus longo intervallo extenuatis alantur. Sensum autem
astrorum atque intelligentiam maxime declarat ordo eorum atque
constantia , (nihil est enim , quod ratione et numero moveri pos
sit sine consilio :) in quo nihil est temerarium , nihil varium , vlevo
nihil fortuitum . Ordo autem siderum et in omni aeternitate
Iconstantia neque naturam significat, (est enim plena rationis:)
neque fortunam , quae amica varietati constantiam respuit. Se
quitur ergo, ut ipsa sua sponte, suo sensu ac divinitate movean
44 tur. Nec vero Aristoteles non laudandus in eo , quod omnia ,
quae moventur , aut natura moveri censuit aut vi aut voluntate :
moveri autem solem et lunam et sidera omnia : quae autem na
tura moverentur, haec aut pondere deorsum aut levitate [in ] sub
lime ferri, quorum neutrum astris contingeret , propterea quod
eorum motus in orbem circumferretur. Nec vero dici potest vi
quadam maiore fieri , ut contra naturam astra moveantur. Quae
Begründung nicht mehr bedurfte ; Naturkraft, vis aber eine von aussen
sondern vielmehr einen ferneren her einwirkende Kraft bedeute ; bei
Grund zu den schon angeführten , den entgegen steht die Bewegung
also einen Fortschritt in der Argu mit freiem Willen und aus eigener
mentation, wo uns ein porro oder Kraft. Uebrigens kain der Aus
praeterea wenigstens ebenso pass- spruch des Arist. wohl ebenso wie
lich scheinen würde. So braucht Cic. der oben § 42 angeführte in dem
etenim und enim häufig. Vgl.Mad Dialog n . pilooogias vor. In den
vig zu de Finn . I, 1 , 3 . Die Recht erhaltenen Schriften findet sich
fertigung dieses Gebrauches ist aber eineganz entsprechendeStelle nicht;
aus der eigentlichen Bedeutung doch de Caelo III, 2 sagt er : aváyun
des enim zu entnehmen , welches ur γαρ ή βίαιον είναι την κίνησιν ή
sprünglich gar nichtbegründend, sarà qúoiv. Er unterscheidet aber
sondern nur asseverirend ist. ib. I, 2 eine dreifache Bewegung,
uzơ , an toũ
43. neque naturam significat: #eiTrì tòtòvédov. , TC8
„ deutet nicht auf eine blosse Kreisbewegung,Dieistletztere, d. h. die
Naturkraft“ , d . h . eine blind und dem von ihm so
bewusstlos wirkende. Ueber diesen genannten πρώτον στοιχείον, was
Sinn des Wortes, den hier der Zu Ăndere Aether nennen , von Natur
sammenhang nothwendig fordert, eigen : und aus diesem ToðTOV OTOL
xežov besteht der Himmel und die
vgl. c. 32, 81, auch I, 13, 35 u. III, Gestirne, Bewegung in sofern
ii, 27. Significare steht ebenso auch einederen aber
c. 22, 54 : significant eandem men doch eine freigewählte, dabei
natürliche
ist; wobei
tem atque prudentiam , und c. 33, wir an die Planeten zu denken
85: tantam naturae sollertiam si haben .
gnificat, und in ähnlichem Sinn de [in ] sublime. Die Präposition
clarare c. 32, 81. rührt wahrscheinlich von Abschrei
44. autnatura aut vi aut volun bern her, die den adverbialen Ge
tate. Es ist klar, dass hiernatura die brauch von sublime nicht kannten.
in jedem Dinge bewusstlos wirkende Vgl. Priscian. XVII, 1, 11 u . die von
LIB . II. CAP. 16. 17. 137
enim potest maior esse ? Restat igitur, ut motus astrorum sit
voluntarius. Quae qui videat , non indocte solum , verum etiam
impie faciat, si deos esse neget. Nec sanemultum interest, utrum
id neget an eos omni procuratione atque actione privet : mihi
enim , qui nihil agit, esse omnino non videtur. Esse igitur deos
ita perspicuum est, ut, id quineget, vix eum sanae mentis exi
stimem .
Restat, ut, qualis eorum natura sit, consideremus. In quo 17
nihil est difficilius, quam a consuetudine oculorum aciem mentis 45
abducere. Ea difficultas induxit et vulgo imperitos et similis -
philosophos imperitorum , ut, nisi figuris hominum constitutis,
nihil possent de dis immortalibus cogitare : cuius opinionis
levitas confutata a Cotla non desiderat orationem meam . Sed
quum talem esse deum certa notione animi praesentiamus , pri
mum ut sit animans , deinde ut in omni natura nihil eo sit prae
stantius: ad hanc praesensionem notionemque nostram nihil
video quod potius accommodem , quam ut primum hunc ipsum
mundum , quo nihil excellentius fieri potest , animantem esse et
deum iudicem . Hic quam volet Epicurus iocelur, homo non 46
aptissimus ad iocandum minimeque resipiens patriam , et dicat
se non posse intelligere , qualis sit volubilis et rotundus deus :
Kühner zu Tuscul. I, 17, 40 ange- heit aber kann er nur insofern gel
führten . ten lassen , als er ihn jenem Vor
17. 45. certa notione an . prae begriffe entsprechend findet, ihn
sentiamus. Dieser Ausdruck , wie damit vereinigen kann , was Cic.
die folgenden praesensionem nolio nachher durch accommodare aus
nemque nostram geht auf die noó - drückt, womit zu vgl. orat. c. 7, 23 :
angis, welche die Stoiker ähnlich unum (Demosthenem ) accommodare
wie die Epikureer annahmen . S . zu ad eam , quam sentiam ,eloquentiam .
1, 17, 44 und 16 , 37. Sie ist eine primum hunc ips. mund. Das
quoian Évvoia , Diog . L . VII, 54, entsprechende deinde fehlt. Als
die in der Seele ohne besondere Zweites sollten offenbar die Gestir
Unterweisung oder Nachdenken ,
άνευ διδασκαλίας και επιμελείας, ne folgen ; aber über der hier ein
auf natürliche und kunstlose Weise, geschobenen Expectoration gegen
åvertiteXVÝTws, entsteht. Plut. plac. Epikur hat Cic. die Form der Auf
phil. IV , 11. Anderswo, de Stoic. zählung so ganz aus den Augen ver
rep. c. 17, heissen diese roolňwels loren, dass sich nachher, wo er auf
auch éugutoi, in demselben Sinne die Gestirne kommt, gar nicht ein
wie Cic. sie innatas nennt c. 4, 12. - mal ein schicklicher Platz für das
Solchen natürlichen Vorbegriff hat deinde findet.
nun der Mensch auch von der Gott 46 .minimeque resipienspatriam ,
heit und ist von der Richtigkeit d. h . Atticam . Denn Attici praeter
desselben unmittelbar und ohne ceteros in facetiis excellunt, Cic. de
Beweis überzeugt; jeden ferneren Or. II, 54, 217. Ueber resipere vgl.
wissenschaftlichen Begriff der Gott- Gell. III, 3 : Non dubium est, quin
138 DE NATURA DEORUM
a tamen ex hoc , quod etiam ipse probat, numquam memovebit.
praestantem esse ali
bi l Placet 11111illi esse deos , quia necesse sit
lacou enim
quam naturam , qua nihil sit melius. Mundo autem certe nihil
estmelius. Nec dubium , quin , quod animans sit habeatque sen
sum et rationem et mentem , id sit melius quam id , quod his
47 careat. Ita efficitur animantem , sensus, mentis, rationis mundum
esse compotem : qua ratione deum esse mundum concluditur.
Sed haec paullo post facilius cognoscentur ex iis rebus ipsis, quas
18 mundus efficit. Interea , Vellei, noli , quaeso , prae te ferre vos
plane expertis esse doctrinae. Conum tibi ais et cylindrum et
pyramidem pulchriorem quam sphaeram videri; novum etiam
oculorum iudicium habetis. Sed sint ista pulchriora , dumtaxat
adspectu : quod mihi tamen ipsum non videtur : quid enim pul
chrius ea figura, quae sola omnis alias figuras complexa continet
quaeque nihil asperitatis habere, nihil offensionis potest, nihil in
cisum angulis, nihil amfractibus, nihil eminens, nihil lacunosum ?
quumque duae formae praestantes sint, ex solidis globus, (sic
enim opažgav interpretari placet;) ex planis autem circulus
aut orbis, quinúxhos Graece dicitur : his duabus formis contingit
solis , ut omnes earum partes sint inter se simillimae , a medio
que tantum absit extremum , quantum idem a summo; quo nihil
istae fabulae resipiantstilum Plau - globus, sic enim op . int.placet.
tinum . Die Worte deuten an, dass globus
47. paulo post. Nämlich c. 22, in diesermathematischen Bedeutung
58 ff. zu Cicero's Zeit noch nicht allge
18. noli prae te ferre: „ trag' es mein gebräuchlich gewesen sei. Von
nicht so sichtbar zur Schau“ , als sei den Himmelssphären braucht er es
es etwas Rühmliches und nicht viel ibim . Som . Scip. c. 4, von der Erde
c. 6 und Tusc. I, 28, 69. Ur
mehr Schimpfliches. sprünglich ist es offenbar nur ein
Conum tibi ais etc. S. I, 10 , 24 . Klumpen , verwandt mit glomus,
Sed sint ista pulchriora — . Der wie schon Priscian . I, 8, 44 bemerkt.
Gegensatz gegen diese Concession Seneca qu. nat. IV , 11 u . öfter sagt
ist durch eingeschobene Zwischen pila , wie auch Plinius mehrmals, von
sätze weiter hinaus geschoben , und der Erde.
folgt erst § 48 , aber in anderer
Form . Ohne die Zwischensätze a medioque — a summo. Das
würde Cic. etwa so fortgefahren Aeusserste (extremum ) der Kugel
haben : illud tamen certe manife- oder des Kreises ist die ganze Ober
stum est, hanc aequabilitatem mo fläche oder der ganze Umkreis , und
tus etc. wenn man irgend einen Punkt als
dumtaxat adspectu : „ nur le - Oberstes (summum ) bezeichnen
diglich von Ansehen“ , d. h. in- will, so muss dieser nothwendig auf
sofern man blos dies in Betracht der Oberfläche der Kugel oder in
zieht. Vgl. Madvig zu de Fin. II, dem Umkreis des Kreises liegen,
7 , 21. kann also nicht, wie hier offenbar
LIB. II. CAP. 17. 18. 19. 139
fieri potest aptius. Sed si haec non videtis, quia numquam eru- 48
ditum illum pulverem attigistis : ne hoc quidem physici intelli
gere potuistis , hanc aequabilitatem motus constantiamque ordi
num in alia figura non potuisse servari? Itaque nihil potest esse n t
indoctius, quam quod a vobis affirmari solet. Nec enim hunc
ipsum mundum pro certo rotundum esse dicitis ; nam posse fieri,
ut sit alia figura : innumerabilisque mundos alios aliarum esse
formarum . Quae , si bis bina quot essent didicisset Epicurus, 49
certe non diceret. Sed dum palato , quid sit optimum , iudicat,
caeli palatum (ut ait Ennius) non suspexit. Nam quum duo sint 19
genera siderum , quorum alterum , spatiis immutabilibus ab ortu - -
ad occasum commeans, nullum umquam cursus sui vestigium
inflectat, alterum autem continuas conversiones duas iisdem spa
tiis cursibusque conficiat: ex utraque re et mundi volubilitas,
quae nisi in globosa forma esse non posset, et stellarum rotundi
ambitus cognoscuntur. Primusque sol, qui astrorum tenet prin
cipatum , ita movetur ut, quum terras larga luce compleverit,
easdem modo his modo illis ex partibus opacet. Ipsa enim um
geschieht,dem extremum entgegen-' de und konnte deswegen von dem
gesetzt werden . Ist die Stelle ge- die Erde überwölbenden und decken
sund, so muss man annehmen , dass den Himmel ebenso wie vom Gaumen
Cicero extremum nicht für die ganze gesagt werden , der den Mund über
Oberfläche oder den ganzen Umkreis wölbt und deckt. Auch das Grie
genommen , sondern sich zweidiame chische où oavós bedeutetGaumen
tral entgegengesetzte Punkte ge und Himmel: und dieselbe Homony
dacht habe, den einen oberhalb des mie findetsich auch in anderen Spra
Mittelpunkts, daher summum ge chen , wie J. Grimm bemerkt in
nannt, den andern unterhalb , der Haupts Zeitschr, für deutsches Al
dann aber richtiger imum , nicht terthum . VI p. 541.
extremum heissen würde. Dann 19. conversiones duas : zweier
wäre der Fehler nur dieser , dass lei Umläufe, nämlich einen täglichen
der Kugel oder dem Kreise allein um die Erde, in der Richtung von
zugeschrieben wird ,wasauch beian Osten nach Westen , wie die Fix
dern Körpern oder Figuren statt sterne , und einen andern um die
finden kann , je nachdem man das Sonne in der Richtung von Westen
imum und summum bestimmt. nach Osten , über dessen bei den
48. eruditum illum pulverem : d. einzelnen verschiedene Dauer c. 20
h . mathematische Studien : weil die gesprochen wird. — iisdem spatiis
alten Mathematiker sich eines mit scil. utramque: jeder von beiden
feinem Sande bestreuten Tischesbe- Umläufen geht immer in denselben
dienten , um geometrische Figuren Bahnen vor sich. Denn dies be
darauf zu zeichuen . – physici, mit deutet spatium eigentlich. Vgl. c.
Ironie . Vgl. I, 27, 77. 40, 103.
49. caeli palatum . Wahrschein easdem -- opacet. Dass die Sonne
lich ist palatum ursprünglich das die Länder beschatte, ist sehr un
Ueberwölbende und Decken - eigentlich gesagt. Sie lässt sie im
hij ze of I 565 . hva
140 DE NATURA DEORUM
bra terrae soli officiens noctem efficit. Nocturnorum autem spa
tiorum eadem est aequabilitas quae diurnorum , eiusdemque solis
tum accessus modici tum recessus et frigoris et caloris modum
temperant: circuitus enim solis orbium v et lx et ccc , quarta
fere diei parte addita, conversionem conficiuntannuam : inflectens
autem sol cursum tum ad septemtriones , tum ad meridiem ae
states et hiemes efficit, et ea duo tempora , quorum alterum
hiemi senescenti adiunctum est, alterum aestati. Ita ex quattuor
temporum mutationibus omnium , quae terra marique gignuntur,
50 initia causaeque ducuntur. Iam solis annuos cursus spatiis
menstruis luna consequitur : cuius tenuissimum lumen facit
proximus accessus ad solem , digressus autem longissimus quis , fete
que plenissimum . Neque solum eius species ac formamutatur
tum crescendo , tum defectibus in initia recurrendo , sed etiam
regio , quae tum est aquilonia tum australis. [Ita ) in lunae quo
que cursu est et brumae quaedam et solstitii similitudo, multaque
ab ea manant et fluunt , quibus et animantes alantur augescant
que , et pubescantmaturitatemque assequantur quae oriuntur e
Schatten , indem sie sich von ihnen Nacht: daher umbra terrae meta
weg zu der entgegengesetzten Seite noctis. de Div. II, 6, 17 .
der Erde wendet. Ebenso uneigent circuitus orbium = circuitus in
lich sagt Horat. carm . saec. 9 : alme orbem , Kreisumläufe. Vgl. Timae.
sol, curru nitido diem qui promis et c. 9 : nox et dies — unum circui
celas, und wenn Plinius H . N . II, tum orbis efficit. - Während die
5 , 4 sagt, hic (sol) reliqua sidera Sonne 365 Mal und etwas darüber
occultat, illustrat, so geschieht dies in der Richtung von Osten nach
letztere doch nur dadurch , dass die Westen um die Erde läuft, rückt sie
Sonne, wenn sie nach ihrem Unter zugleich in der Ekliptik durch alle
gange zu scheinen aufgehört, die zwölf Zeichen von Westen nach
Šterne sichtbar werden lässt. Aehn Osten , wobei sie sich bald unserem
lich bei Livius, XXXIII, 7, 9 : iuga orbis terrarum nähert, indem sie bis
montium detexerat nebula , der Ne zum Zeichen des Krebses nach Nor
bel, indem er sich verzog. Vgl. un den hinaufrückt, bald sich entfernt,
ten c. 40 , 102. Mehr dergl. s. bei indem sie bis zum Zeichen des Stein
Reisig Vorl. S. 306 mit Haase's bocks nach Süden hinab steigt. —
Anm . u . Lobeck . Paralip. p. 559. Die Berechnung des tropischen Son
auch Kühner, gr. Gr. §. 597 r. nenjahres zu 3651 Tagen ist übri
p . 1074 . gens weit älter, als die darauf be
umbra terrae soli officiens. Der ruhende Einführung des Julianischen
Schatten der Erde, welcher der Jahres bei den Römern .
Sonne, d . h. dem Sonnenlicht, ent 50 . solis annuos cursus, d. h . den
gegenwirktund es ausschliesst. Denn Lauf durch die zwölf Zeichen des
indem der Schattenkegel der Erde Thierkreises, den die Sonne in ei
in einen Theil des Himmels hinein - nem Jahre vollendet, macht der
fällt, verdrängt er hier gewisser- Mond in einem Monate .
massen das Licht, und bewirkt die Ita vor in lunae ist in den Hdschr.
LIB . II. CAP. 19. 20. 141
terra.Maxime vero sunt admirabiles ti dmiearum
occultanmotus abi suerrat, quodstel-iinn 2051
squinque
larum , quae falso vocantur terrantes. a renim
Nihil reliquod
omni aeternitate conservat progressus et regressus reliquosque
motus constantis et ratos. Quod eo est admirabilius in his stel
lis quas dicimus, quia tum occultantur tum rursus aperiuntur, v
tum adeunt tum recedunt, tum antecedunt tum subsequuntur,
tum celerius moventur tum tardius , tum omnino ne moventur ,
quidem , sed ad quoddam tempus insistunt. Quarum ex dispa- *
ribus motionibus magnum annum mathematici nominaverunt,
qui tum efficitur , quum solis et lunae et quinque errantium ad
eandem inter se comparationem confectis omnium spatiis est
facta conversio. Quae quam longa sit , magna quaestio est: esse 52
vero certam et definitam necesse est. Nam ea, quae Saturni
stella dicitur Qaivwvque a Graecis nominatur, quae a terra abest
ausgefallen . Es könnte auch Inde de Legg. 1, 8, 24 : ex quo vere vel
gestanden haben . agnatio nobis cnm caelestibus vel
20. 51. earum quinque stella genus vel stirps appellari potest,
rum . Dass die Alten nur fünf, oder für ex quo extitit quae – appellari
wenn Sonne und Mond mitgezählt potest. Invent. IV , 12, 27 : ex quo
werden sieben Planeten kannten , in aliis anxietas, in aliis iracundia
ist bekannt. Doch vermutheten dicitur fürVgl. ex quo existit quae —
Manche, dass es wohl noch mehrere dicitur. Hand zu Wopkens
geben möchte, die wir nur wegen Lectt. Tull. p . 126 .Madvig. Emend.
ihres schwachen Lichtes nicht sä Liv. p. 367.
hen . Senec. Nat.et qu.regressus.
VII, 13, 1. Die ad eandem inter se comparatio
progressus nem . ,,Zu derselben Stellung gegen
Planeten scheinen bald vorwärts einander.“ Denn comparatio be
bald rückwärts zu gehen , was die deutet ursprünglich Zusammen
heutige Astronomie dnrch recht stellung, zunächst von Paaren ,
läufig und rückgängig bezeich dann aber auch von Mehreren.
net. 52. quae quam longa sit — . Die
tum adeunt tum recedunt. Dies Länge dieses sog. grossen Jahres,
ist, vie nachher § 52 antecedendopéyas èviautós , in welchem die
etretardando, in Beziehung auf die
artoxatáOTAOIS oder die Rückkehr
Sonne zu verstehen . Alle Planeten
der Sonne, des Mondes und der Pla
durchlaufen , wie die Sonne, den neten in die vorige Stellung gegen
Thierkreis , wo sie denn sich der
einander erfolge , ward nach dem
selben bald nähern bald von ihr ent
Dial. de causs. corr. eloqu. c. 16
fernen , bald ihr vorauf sind baldvon Cicero im Hortensius zu 12954
hinter ihr zurückbleiben . Dass übri
Jahren angegeben. Andere theils
gens alles dies nur von ihrer schein
kleinere theils grössere Zahlen kann
baren , nicht von ihrer wirklichen
man bei Lindenbrog zu Censorin
Bewegung gilt, versteht sich von C. 18 oder bei Voss zu Virgil. Ecl.
selbst. IV, 5 finden. Einige nahmen an ,
magnum annum - nominave- dass mit dem Ablauf dieses grossen
runt. Gekürzt für constituerunt Jahres auch die Verzehrung der
quem magn. ann .nomin . Aehnlich Welt durch das Feuer , (die Extú
142 DE NATURA DEORUM
plurimum , xxx fere annis cursum conficit : in quo cursu multa
mirabiliter efficiens , tum antecedendo tum retardando , tum
vespertinis temporibus delitescendo tum matutinis rursum se
aperiendo, nihil immutat sempiternis saeculorum aetatibus, quin
eadem iisdem temporibus efficiat Infra autem hanc propius a
terra Iovis stella fertur , quae défwv dicitur , eaque eundem
XI signorum orbem annis xii conficit , easdemque quas Saturni
53 stella efficit in cursu varietates. Huic autem proximum inferio
rem orbem tenet IIvpósis , quae stella Martis appellatur , eaque
IV et xx mensibus , vi, ut opinor, diebus minus, eundem lustrat
orbem , quem duae superiores. Infra autem hanc stella Mercurii
est : ea Etißwv apellatur a Graecis ; quae anno fere vertente
signiferum lustrat orbem neque a sole longius umquam unius
signi intervallo discedit tum antevertens tum subsequens. In
fima est quinque errantium terraeque proxima stella Veneris,
quae Owocópos Graece , Latine dicitur Lucifer, quum antegre
ditur solem , quum subsequitur autem , "EOTEQOS. Ea cursum
anno conficit et latitudinem lustrans signiferi orbis et longi
tudinem : quod idem faciunt stellae superiores: neque umquam
ab sole duorum signorum intervallo longius discedit tum ante
21 cedens tum subsequens. Hanc igitur in stellis constantiam , hanc
54 tantam tam variis cursibus in omni aeternitate convenientiam
temporum non possumus intelligere sinemente, ratione, consilio .
Owois s. C. 46, 118) eintreten und unius singni interv. Es sind nicht
dann eine neue Weltentstehung er- mehr als 28 Grade.
folgen würde. Nemes. de nat. hom . Lucifer - Hesperus. Dass Mor
c. 38. Thomasius de exustione genstern und Abendstern derselbe
mundi $ 7 ff. Planet sei, soll nach Einigen zuerst
XXX fere annis. Es sind 29 Jah- Pythagoras, nach Andern Parmeni
re, 164 Tage und etwas darüber. des entdeckt haben. S. Diog. L .
annis XII. Genauer in 11 Jahren , VIII, 14 . IX , 23 .
315 Tagen und 14 Stunden. cursum anno conficit. In 224 Ta
53. Das Jahr des Mars dauert gen und 16 Stunden .
686 Tage und 23 Stunden. Ueber et latitudinem - Die Planeten
lustrat vgl. zu 1, 31, 87. bahnen durchschneiden den , einen
anno fere vertente. Ebenso Cleo breiten Gürtel bildenden, Thierkreis
med. I, 3 p. 23. — Plinus H . N . II, in schräger Richtung , so dass sie
sich bald dem obern oder nördlichen,
8 p. 16 Gron. giebt 339 Tage an : bald
es sind aber in Wahrheit nur 87 dem untern oder südlichen ,
Tage und 23 Stunden . – annus Rande desselben nähern .
vertens, wie mensis vertens bei duorum sign , interv. Höchstens
Plaut. Pers. IV , 4, 76, mit reflexiver 48 Grade.
Bedeutung des Part., entsprichtdem 21. 54. non possum intelligere :
Gr. Tepindóuevos oder TEpitel ich kann sie mir nicht denken .“
λόμενος ενιαυτός. Vgl. III, 15 38. Dass sine mente
LIB . II. CAP. 20. 21. 143
Quae quum in sideribus inesse videamus, non possumus ea ipsa
non in deorum numero reponere. Nec vero stellae eae, quae
inerrantes vocantur, non significant eandem mentem atque pru
dentiam , quarum est quotidiana conveniens constansque con
versio , nec habent aetherios cursus neque caelo inhaerentis , ut
plerique dicunt physicae rationis ignari. Non est enim aetheris
ea natura, ut vi sua stellas complexa contorqueat. Nam tenuis ac
perlucens et aequabili calore suffusus aether non satis aptus ad
stellas continendas videtur. Habent igitur suam sphaeram stel- 55
lae inerrantes , ab aetheria conjunctione secretam et liberam .
Earum autem perennes cursus atque perpetui cum admirabili
incredibilique constantia declarant in his vim et mentem esse
divinam : ut, haec ipsa qui non sentiat deorum vim habere , is
nihil omnino sensurus esse videatur. Nulla igitur in caelo nec 56
fortuna nec temeritas nec erratio nec vanitas inest , contraque
omnis ordo , veritas , ratio , constantia. Quaeque his vacant,
ementita et falsa plenaque erroris, ea circum terras infra lunam ,
quae omnium ultima est , in terrisque versantur. Caelestium
ergo admirabilem ordinem incredibilemque constantiam , ex qua
conservatio et salus omnium omnis oritur , qui vacare mente
putat, is ipse mentis expers habendus est. Haud ergo, ut opinor, 57
erravero , si a principe investigandae veritatis huius disputationis
principium duxero .

etc . nicht zu intelligere als adver- Sphaere zu, in und mit welcher er
biale Bestimmung, sondern zum Ob- sich bewege. Die lichtvollste Dar
ject gehöre, bedarf kaum der Erin- stellung dieser Ansicht giebt
nerung . Schwegler zu Aristot.Metaph . XII,
cursus - caelo inhaerentes. 8, 12 S. 274f. Vgl. auch Ideler zu
Streng genommen könnte man dies Arist.Meteor. I p. 418 .
eine contradictio in adiecto nennen ; . 56. nec vanitas: „keine Unzu
was gemeint sei, zeigt dasFolgende, verlässigkeit,“ Sie täuschen
nämlich der Kreislauf der Fixsterne niemals die Berechnung, wie es oben
sei nicht an die Bewegung des um - c. 5, 15 hiess: in quibus nunquam
kreisenden Himmels oder Aethers immensa et infinila vetustas men
gebunden und durch sie bewirkt, tita sit.
sondern sie hätten ihre eigene vom omnis ordo :„ lauterOrdnung“ .
Aether verschiedene Sphaere : orbis wie c. 22. extr.: omnis ornatus.
in quo infixi sunt--- stellarum cur - 57. Haud ergo etc . Ich werde
sus sempiterni , wie es im Somn. nicht fehlen , wenn ich , gestützt auf
Scip. c. 4, 17 heisst. Man dachte solche Wahrnehmungen , mit fol
sich diese als aus festem krystall- gendem Satz des Zeno die Ausein
artigen Stoff bestehend. Auch je- andersetzung über die Beschaffen
dem der fünf oder, wenn Sonne und heit der Gottheit oder der Natur,
Mond zugezählt werden , sieben Pla- was im Sinne der Stoiker Eins ist,
neten schrieb man eine solche beginne.
144 DE NATURA DEORUM
22 Zeno igitur naturam ita definit , ut eam dicat ignem esse
artificiosum , ad gignendum progredientem via. Censet enim ar
tis maxime proprium esse creare et gignere , quodque in operi-.
bus nostrarum artium manus efficiat, id multo artificiosius natu
ram efficere , id est , ut dixi, ignem artificiosum , magistrum
artium reliquarum . Atque hac quidem ratione omnis natura
artificiosa est, quod habet quasi viam quandam et sectam , quam
58 sequatur. Ipsius vero mundi, qui omnia complexu suo coercet
et continet, natura non artificiosa solum , sed plane artifex ab .
eodem Zenone dicitur , consultrix et provida utilitatum opportu
nitatumque omnium . Atque ut ceterae naturae suis seminibus
quaeque gignuntur, augescunt, continentur , sic natura mundi
omnis motus habet voluntarios conatusque et appetitiones , quas
oguás Graeci vocant, et his consentaneas actiones sic adhibet
ut nosmetipsi, qui animis movemur et sensibus. Talis igitur
mens mundi quum sit ob eamque causam vel prudentia vel pro
videntia appellari recte possit, (Graece enim apóvoca dicitur: )
haec potissimum providet et in his maxime est occupata , pri
mum ut mundus quam aptissimus sit ad permanendum , deinde
ut nulla re egeat, maxime autem ut in eo eximia pulchritudo sit
atque omnis ornatus.
22. ignem esse artificiosum etc. ist ein vernünftiges , planmässiges
Diog. L. VII, 156 : Sovet dè avtots Schaffen, nach dem Vorbilde der
(tois Erwirots) TÌv prov &ival vernünftig und planmässig schaffen
πυρ τεχνικών οδώ βαδίζον είς γε- den Natur. Omnis ans est imitatio
VEOIV. Durch odo ' Bad . wird ein naturae. Senec. ep. 65.
planmässiges, eine bestimmte Rich omnis natura : jede in irgend ei
tung fest verfolgendes Verfahren nem Theile der Welt oder in irgend
bezeichnet, wie auch unten c. 32, einem Einzelwesen wirkende Na
81. Im Gegensatz gegen dies rõe turkraft, im Gegensatz gegen die
TEXvixòv nannte Zeno das irdische natura ipsius mundi, die im Welt
Feuer, was dem Balbus, oben c. 15 , all wirkende Gesammtnatur. vgl.
41 confector et consumptor omnium c. 10, 28 .
hiess , nõe äteyvov. Stobae. Ecl. I 58. non artificiosus sol. s. plane
p. 358. In anderer Beziehung heisst artifex . Jenes ist also weniger als
es bei Aeschylus návmeyvov (Prom . dieses: artificiosus ist auch , wer
v . 7 ), nämlich wegen seiner An viel Kunstfertigkeit besitzt ohne
wendbarkeit zu vielen Künsten . gerade ein vollendeter Künstler, ein
magistrum artium reliquarum . Künstler von Profession zu sein ,
Den zu Grunde liegenden Gedanken was vielmehr der artifex ist, der
drückt Apulei. de mundo , Tom . II in Allem , was er macht, sich als
p. 134 Altenb . so aus: Nam quid, Künstler bewährt.
oro te, ornatum atque ordinatum ut ceterae naturae - - sic na
videri potest, quod non ab ipsius tura mundi. Ut - sic dienen nicht
(mundi) exemplo imitalura sit ra - blos Gleiches, sondern auch Ent
tio ? Alle künstlerische Thätigkeit gegengesetztes zusammenzustellen.
LIB. II. CAP. 22. 23. 145
Dictum est de universo mundo , dictum est etiam de sideri- 23
bus , ut iam propemodum appareat multitudo nec cessantium 59
deorum nec ea , quae agant , molientium cum labore operoso ac
molesto . Non enim venis et nervis et ossibus continentur , nec
jis escis aut potionibus vescuntur , ut aut nimis acris aut nimis
concretos humores colligant, nec iis corporibus sunt , ut casus
aut ictus extimescant, aut morbos metuant ex defetigationemem
brorum : quae verens Epicurus monogrammos deos et nihil
agentis commentus est. Illi autem pulcherrima forma praediti 60
purissimaque in regione caeli collocati ita feruntur moderantur
que cursus , ut ad omnia conservanda et tuenda consensisse
videantur .
Multae autem aliae naturae deorum ex magnis beneficiis
eorum non sine causa et a Graeciae sapientissimis et a maioribus
nostris constitutae nominataeque sunt. Quicquid enim magnam
utilitatem generi afferret humano, id non sine divina bonitate
erga homines fieri arbitrabantur. Itaque tum illud, quod erat a
deo natum , nomine ipsius dei nuncupabant: ut quum fruges
(S . Goerenz zu de Finn. I, 1, 3.) giebt ihr allein schon Anspruch auf
Wie die Natur der Einzelwesen Anerkennung. Und wenn er sie auch
gebunden und bedingt ist durch ihre nur von Einzelnen , den Weisesten ,
semina, ihre Keime, in denen schon zuerst ausgesprochen werden lässt,
das Gesetz ihrer Entwickelung ge- so beweist ihm doch der Glaube,
geben ist (in seminibus vis inest den sie bei Allen fand , dass eine
earum rerum , quae ex iis progi Ahnung davon schon in den Seelen
gnuntur. de Divin . I, 56, 128.), so der Menschen vorhanden gewesen
folgt dagegen die Gesammtnatur ih - sein müsse.
rer eigenen freien und vernünftigen quod erat a deo natum . Vgl. un
Selbstbestimmung . ten 8 62 : qui utilitates quasque gi
23. 59. monogrammos deos. gnebant. u . de Offic . II, 5 , 16 : nulla
Götter, die nur die Umrisse einer tam detestabilis pestis est, quae non
Gestalt haben , lineamentis dumta homini ab homine nascatur.
wat extremis, wie es oben I, 44, nomine ipsius dei : also nur me
123 hiess. Aehnlich nannte Lucilius tonymisch , die Gaben nach den
einen blassen und abgemagerten Gebern benannt, aber nicht selbst
Menschen , der gleichsam nur noch vergöttert, wie es manche verdreh
ein Schatten war, vix vivum homi ten . S, I, 14 , 38 u . III, 16 , 41. Vgl.
nem ac monogrammum . Nonius Plutarch de Is. et Os. c. 70 : HOTTED
p. 37 Merc. ημεϊς τον ωνούμενον βιβλία Πλά
60. non sine causa . Diese Worte tuvos wveto fai pauev Tilátova ,
sprechen eine Anerkennung aus. και Μένανδρον υποκρίνεσθαι τον
Der Stoiker verwirft die in Rede τα Μενάνδρου ποιήματα υποτι
stehende Ansicht nicht, wenn er es θέμενον , ούτως εκείνοι τοίς των
auch nicht unternimmt, sie mit Jeñv ovouaoi tà tõv fevdãou
Gründen zu beweisen, weil er das και ποιήματα καλείν ουκ έφείδου
nicht kann. Ihre Allgemeinheit TO. Dazu Opusc. ac. II p. 56. –
Cic. de nat. deor. 4. Aufl 10
1 146, DE NATURA DEORUM
Cererem appellamus,vinum autem Liberum ; ex quo illud Terenti,
- sine Cerere et Libero frigét Venus
61 tum autem res ipsa , in qua vis inest maior aliqua, sic appellatur,
ut ea ipsa nominetur deus , ut Fides, ut Mens, quas in Capitolio
dedicatas videmus proxime a M . Aemilio Scauro , ante autem ab
A . Atilio Calatino eratFides consecrata . Vides Virtutis templum ,
vides Honoris a M . Marcello renovatum ; quod multis ante annis
erat bello Ligustico a Q. Maximo dedicatum . Quid Opis ? quid
Salutis ? quid Concordiae, Libertatis, Victoriae ? quarum omnis
um rerum quia vis erat tanta , ut sine deo regi non posset, ipsa
res deorum nomen obtinuit. Quo ex genere Cupidinis et Volup
tatis et Lubentinae Veneris vocabula consecrata sunt, vitiosarum
rerum neque naturalium , quamquam Velleius aliter existimat ; sed
62 tamen ea ipsa vitia naturam vehementius saepe pulsant. Utili
tatum igitur magnitudine constituti sunt ei di, qui utilitates
quasque gignebant. Atque his quidem nominibus , quae paullo
24 ante dicta sunt, quae vis sit in quoque declaratur deo. Suscepit
autem vita hominum consuetudoque communis, utbeneficiis ex
cellentis viros in caelum fama ac voluntate tollerent. Hinc Her
cules, hinc Castor et Pollux, hinc Aesculapius, hinc Liber etiam ;
Der folgende Vers ist aus Terent war Consul 496 und 500, Dictator
Eun. IV, 5, 6. 505 . Eines von ihm der Spes ge
61. res ipsa etc. In Ermangelung weihten Tempels gedenkt Cic. de
eines bezeichnenderen Ausdruckes Legg. II, 11, 28. Die göttliche Ver
bedient sich Cic. des unbestimmten ehrung der Fides soll aber schon
und allgemeinen res. Ein gewisses Numa angeordnet haben . Liv . I, 21.
Etwas, worin sich eine grössere aM . (Claudio) Marcello : im zwei
Kraft offenbart , und worin der ten Punischen Kriege. Der nachher
Mensch , obwohl es in ihm ist, doch erwähnte l. Maximus ist der be
ein von höheren Mächten stammen - kannte Fabius Cunctator , der die
des, ihm mitgetheiltes oder einge- Ligurier im J. 521 besiegte. Vor
flösstes zu erkennen glaubt. Vgl. multis ist wahrscheinlich non aus
c. 31, 79. – Nach ut ea ipsa steht * gefallen . Denn zwischen Fabius
in den meisten Hdschr. vis, offenbar Max, und M . Marcellus sind höch
verkehrt, wie die Erwägung des stens 29 Jahre.
Zusammenhanges zeigt. Hätte Cic. Voluptatis. Der im Cultus ge
ein Nomen hinzuzufügen für nöthig bräuchliche Name war Volupia, und
gefunden , so würde er res gesetzt für Lubentina Venus vielmehr Li
haben, wie gleich nachher: ipsa res bitina .- Vocabula consecrata sunt:
deorum nomen obtinuit. die Namen sind zu Benennun
a M . Aemilio Scauro : etwa um gen göttlicher Wesen ge
das J. 645 , wo er Censor war. Ue- macht, für: man hat die mit
brigens hatten Fides und Mens auch jenen Namen bezeichneten
früher schon Tempel in Rom , wie Dinge vergöttert.
von der ersteren Cicero sogleich sed tamen . Obgleich die Wollust
selbst angiebt. A. Atilius Calatinus nach den Stoikern nicht unter die
LIB . II. CAP. 23. 24. 25. 147
hunc dico Liberum Semela natum , non eum , quem nostri ma
iores auguste sancteque cum Cerere et Libera consecraverunt:
quod quale sit , ex mysteriis intelligi potest. Sed quod ex nobis
natos liberos appellamus, idcirco Cerere nati nominatisunt Liber
et Libera : quod in Libera servant, in Libero non item . Hinc
etiam Romulus, quem quidem eundem esse Quirinum putant:
quorum quum remanerent animi atque aeternitate fruerentur, di
rite sunt habiti, quum et optimi essent et aeterni.
Alia quoque ex ratione et quidem physica magna fluxit mul- 63
titudo deorum , qui induti specie humana fabulas poetis suppe
ditaverunt, hominum autem vitam superstitione omni referse
runt. Atque hic locus a Zenone tractatus, post a Cleanthe et
Chrysippo pluribus verbis explicatus est. Nam vetus haec opi
nio Graeciam opplevit, exsectum Caelum a filio Saturno, vinctum
autem Saturnum ipsum a filio love. Physica ratio non inelegans 64
inclusa est in impias fabulas; caelestem enim , altissimam aethe
riamque naturam , id est igneam , quae per sese omnia gigneret,
vacare voluerunt ea parte corporis , quae coniunctione alterius
egeret ad procreandum . Saturnum autem eum esse voluerunt, 25
Dinge gehört; welche die Natur ver- schieden von dem mythologischen
langt (res naturales), so erregt sie Sohn der Semele, dass Cic .kein Be
doch die Natur gar sehr, und gehört denken trägt, ihn für denselben mit
also zu den Dingen , in quibus vis jenem altitalischen Liber zu erklä
inest maior aliqua. ren .
24 . 62. hunc Liberum Semela in Libero non item , d. h . während
natum , d. h . den Griechischen Dio - Libera allgemein für die Tochter
nysus, aufwelchen wegen gewisser der Ceres gilt und der Name dar
Aehnlichkeiten der Name des alt aus erklärt wird , gilt doch Liber
italischen Naturgottes Liber über- nicht für den Sohn der Ceres. -
tragen wurde. Aber während jener Für wessen Sohn aber er gegolten ,
Dionysus, wenigstens nach Cicero's wissen wir nicht.
Meinung , ein vergötterter ' Sterb quorum quum remanerent animi.
licher war, galt Liber für einen ge- Vgl. zu I, 15 , 39.
borenen Gott. Vgl. Preller , Röm . 63. induti specie humana, d . h .
Myth . S . 440 ff. weil man diese göttlichen Wesen ,
Libera, ebenfalls altitalischeGöt die in der That nichts als Natur
tin , wie ihre Mutter Ceres: beide kräfte oder Naturgeister sind , nicht
aber nachher mitGriechischen Gott blos personificirte , sondern auch
heiten, der Persephone und De menschenähnlich dachte, so gab dies
meter, identificirt. - Die My dann Veranlassung zu den mytho
sterien , die Cic.meint, sind ohne logischen Fabeleien der Dichter.
Zweifel die Eleusinischen, in denen 64. id est igneam . Dies setzt der
neben Demeter und Persephone Stoiker hinzu um anzudeuten , wie
oder Kore auch Dionysus (Iakchos) die Ansicht der Alten den Ansichten
verehrt wurde : aber dieser mysti- seiner Schule gemäss zu verstehen
sche Dionysus erschien so ver- sei.
10 *
148 DE NATURA DEORUM
qui cursum et conversionem spatiorum ac temporum contineret,
qui deus Graece id ipsum nomen habet ; Kpóvos enim dicitur,
qui est idem xeóvos, id est spatium temporis. Saturnus autem
est appellatus, quod saturaretur annis : ex se enim natos comesse
fingitur solitus , quia consumit aetas temporum spatia annisque
praeteritis insaturabiliter expletur: vinctus autem a love ne im
moderatos cursus haberet atque ut eum siderum vinculis alli
garet. Sed ipse lupiter , id est iuvans pater, quem conversis
casibus appellamus a iuvando Jovem , a poetis pater divumque
hominumque dicitur, a maioribus autem nostris optimus maxi
mus: et quidem ante optimus , id est beneficentissimus , quam
maximus, quia maius est certeque .gratius , prodesse omnibus
65 quam opes magnas habere. Hunc igitur Ennius, ut supra dixi,
nuncupat ita dicens:
"Aspice hoc sublimen candens, quem invocant omnés Iovem :
planius, quam alio loco idem ,
· cui, quod in me est, exsecrabor , hóc, quod lucet, quicquid est:
hunc etiam augures nostri, quum dicunt Iove fulgente, tonante:
25 . spatiorum ac temporum . lauf gleichsam an ein gewissesMaass
Auch hier, wie oft schon bemerkt, gebunden ist, welches der Lauf der
das zweite Wort zu Erklärung des Gestirne giebt, nach dem die Zeit
ersten . — Gegen die vorgetragene abschnitte, Jahre,Monate, Tage be
Erklärung des Namens und Begrif- stimmt werden . Die plötzliche
fes des Kronos, so sehr, wenn auch Aenderung des Subjects durfte sich
nicht allgemein verbreitet sie bei Cic. unbedenklich erlauben, da sie
den alten Allegorikern war, liessen keinen Leser irre machen konnte.
sich doch nicht unerhebliche Be- Aehnliche Beisp. s. bei «Wopkens
denken vorbringen , wenn zu der- Lectt. Tull. p. 264.
gleichen hier Raum wäre . Ueber Iupiter - iuvans pater. Dagegen
die Etymologie von Saturnus und $. zu c. 2, 4 . Doch lag allerdings
die meisten der übrigen , die hier die von Cic. vorgetr. Ableitung sehr
folgen , spricht Cotta III, 24, 62 das nahe, und empfahl sich dem religiö
verdiente Verwerfungsurtheil. Eine sen Sinn der Alten ganz besonders
probablere, Saturnus a satu , geben aus dem von Cic. angedeuteten
Varro L . L. V, 64 u. Aa. Die ältere Grunde, aus welchem auch das opti
Form des Namens war Saëturnus mus dem maximus vorangestellt
d. i. Saiturnus, woher sich denn wird. Vgl. or. pr. dom . c. 57, 144:
auch die Länge der ersten Sylbe in quem propter beneficia P. R . opti
Saturnus erklärt. S. Ritschl de mum , propter vim maximum no
fictil. litt. (Berol. 1853) p. 7 sqq. minavit. - Canversis casibus =
Andere leiten auch diesen Namen obliquis cas.
aus dem Skr. ab, von Savitar, was 65. exsecrabor in dem zweiten
den Erzeuger bedeute und auch Ennianischen Verse scheint für con
ein Beiname der Sonne sei. So secrabo gesagt, eine zwar sonst
Schweizer, in d. Ztschr. f. vgl. nicht nachweisbare, aber doch der
Sprachwiss. IV , 68. Etymologie und der darauf beruhen
ut eum alligaret. Weil der Zeit- den Grundbedeutung nicht wider
LIB. II. CAP. 25. 26. 149
dicunt enim caelo fulgente, tonante. Euripides autem , utmulta
praeclare , sic hoc [breviter ]:
Vidés sublime fúsum , immoderatum aéthera ,
qui ténero terram circumiectu amplectitur ?
Hunc súmmum habeto divôm , hunc perhibetó Iovem .
Aer autem , ut Stoici disputant, interiectus inter mare et caelum , 26
Iunonis nomine consecratur; quae est soror et coniux Iovis. 66
quod ei similitudo est aetheris et cum eo summa coniunctio.
Effeminarunt autem eum Iunonique tribuerunt , quod nihil est
eo mollius. Sed Iunonem a iuvando credo nominatam . Aqua
restabat et terra, ut essent ex fabulis tria regna divisa. Datum
est igitur Neptuno , altero Iovis ut volunt fratri, maritimum omne
regnum , nomenque productum , ut Portunus a portu , sic Neptu
nus a nando , paullum primis litteris immutatis. Terrena autem
vis omnis atque natura Diti patri dedicata est, qui dives, ut apud
sprechende Anwendung: etwas aus me ist vielmehr von demselben
der Zahl anderer Dinge als sacrum Stamme wie lovis, und mit dem Gr.
(gottgeweiht) aussondern . Weit 41ovn zu vergleichen .
weniger wahrscheinlich ist Hein ex fabulis: der mythologischen
dorfs Erklärung , der exsecrabor Dichtung gemäss , über die es ge
hoc quod lucet für iram caeli impre- nügt auf Hom . 11. XV, 187 ff. zu
cabor nimmt, und cuiauf irgend eine verweisen .
Person bezieht, welcherder Redende altero, alte Form füralteri. Vgl.
den Zorn des Himmels anwünsche. Reisig Vorles. § 121.
- Die Euripideischen Verse, unge Neptunus. Die Vergleichung der
wiss aus welcher Tragödie , viel- Etymologie mit der von Portunus
leicht aus der Antiope , lauten bei ist wunderlich genug . Dass aber
Stobae. Ecl. I, 3 , 2. Lucian. Iup. der Name mit nare verwandt sei,
trag. 41 und Andern also : ooõs tòv ist wohl möglich , nur muss man da
vyoũ tóvd ' antelpov ailéoa , xai beian die Bedeutung des Fliessens
yñv TÉOLÉ Éxovg" vyoais &v dyxá- denken , die das Verbum im Lateini
Nais. Toûtov vóuica zñva , tóvd' schen zwar verloren hat, die aber
vyoù geóv . Die Uebersetzung ist vow und véw im Gr. bewahren . Für
wahrscheinlich von Cicero selbst. -
ein Digamma in diesen Wörtern
Das in den Hdsch . vorangehende Zeugen die Formen ναύω (für νάω),
breviter ist entweder in graviter zu das Fut. vetoouar oder Vevogūnai,
ändern oder auch ganz zu streichen. und vaūs, navis. Also wäre Nevi
26 . 66 . inter mare et caelum tunus, Nevtunus, Neptunus nicht
„Zwischen Meer und Himmel", unglaublich, und der Name gleichen
d . h. Aether, sagt der Stoiker lie- Stammes mit dem Gr. Nnoeus. An
ber , als zwischen Erde und Him - dere freilich wollen ihn mit dem
mel“ , weil er so zugleich die mitt- Skr. Naupati vergleichen , wie im
lere Beschaffenheit der Luft zwi- Rigveda der Gott des bedeckenden
schen Wasser und Aether andeutet. Wolkenhimmels heisse.
Vgl. c. 39, 101. 45 , 117. Ps. Ari Diti. Die Vergleichung mit IToú
stot. de mund. c. 3 u. mehr bei Bal- tov ist sehr nahe liegend und be
four zu Cleomed . p. 315 Bak. liebt; ob aber auch richtig, muss da
a iuvando. Schwerlich . Der Na- hin gestellt bleiben .
150 DE NATURA DEORUM
Graecos II.oúrov, quia et recidunt omnia in terras et oriuntur
e terris. Cui [nuptam dicunt] Proserpinam , quod Graecorum
nomen est; ea enim est, quae IIepoegóvn Graece nominatur,
quam frugum semen esse volunt absconditamque quaeri a matre
67 fingunt. Mater autem est a gerendis frugibus Ceres tamquam
- Geres, casuque prima littera itidem immutata ut a Graecis : nam
ab illis quoque Anuntue quasi Inuntne nominata est . Iam qui
magna vorteretMavors, Minerva autem quae velminueret vel mi
27 naretur. Quumque in omnibus rebus vim haberent maximam
prima et extrema, principem in sacrificando lanum esse volue
Proserpina mag immerhin durch vterMavers,
Corruption des Gr. llepoegóvn ent-
Vertauschung
durch Mavors des m mit
geworden . Der
standen sein , die um só leichter Name bedeutet also den Mann
Eingang fand , weil in dieser Gestalt haften , Starken . In den Gebe
der Name an proserpere erinnerte, ten der Arvalbrüder Marmar und
und auf das Hervorspriessen Marmor . Vgl. Corssen in d . Ztschr.
der Gewächse zu deuten schien. f. vgl. Sprachk. II, 1. Doch fehlt
Die Deutung des Gr. Namens ist es auch nicht an anderen Ablei
unsicher und misslich. Die in den tungen und Deutungen , worauf in
besseren Hdschr. ausgefallenen dessen hier nicht eingegangen wer
Worte nuptam dicunt stehen in ei den kann .
nigen nach nomen est. Minerva, alt Menerva (Quintil. I,
67 . a gerendis frugibus Ceres. 4 , 17), von dem Stammemen , wozu
So meint auch Varro L . L . V , 64. mens, memini, uévos gehören , be
Es ist aber falsch. Der Namescheint deutet die Verständige, Den
vielmehr mit dem aus den Saliari- kende.
schen Liedern angeführten Cerus 27. lanum - ab eundo. Der
manus, was durch creator bonus Stamm des Verbi ist allerdings i,
erklärt wird, zusammen zu hängen , was nur in einigen Formen den Um
von dem Stamme cer, aus dem auch laut erfährt, weshalb es nicht nöthig
creo geworden . Vgl. Corssen, Krit. ist mit Cornificius, bei Macrob. Sa
Beitr. z. röm . Lautlehre S. 342. — turn , 1, 9 dem Cicero die Form Ea
Dass Δημήτηρ gleich Γη μήτηρ sei, nus unterzuschieben ; und weil ia
ist ein auch bei gelehrten Griechen nua die Thür, der Eingang
herrschender und von Neueren hart- heisst, so liegt es nahe, den Ianus
näckig festgehaltener Irrthum . Vgl. als Gott des Einganges, der Thüren
Ahrens dial. dor. p. 80, auch Küh und Thore zu fassen . Vgl. bes. K .
ner, gr. Gr. 12 p. 122. Es ist viel- Boethke, Ueb. d. Wesen des Janus.
mehr = Aéa urine Göttin Mut- Progr. des Gymn. zu Thorn 1863.
ter. 4éa , was Hesych. als den Doch bleibt es immer noch dahin
wirklich der wahre
tyrrhenischen Namen der Rhea an gestellt, ob diesBegriff
führt, wie das gleichlautende dea. ursprüngliche desGottes ge
Auch im dorischen Dialectkam diese wesen , und ob nicht auch der Name
Dianus ge
Form vor. S. d . Grammat. Vatic. hin ursprünglich vielmehr denn
ter Gregor. Cor. p. 692 Schaef. lautet habe, woraus Janus
Mavors ist wohlmit mas, maris ebenso wie aus Diovis lovis , aus
zu verbinden , was ursprünglich Diuno Juno geworden.
mars gelautet haben wird, woraus principem in sacrificando. Dass
mit Reduplication Mamers, und wei- bei feierlichen Opfern und Anrufun
LIB . II. CAP. 26. 27. 151
runt: quod ab eundo nomen est ductum : ex quo transitiones
perviae lani, foresque in liminibus profanarum aedium ianuae
nominantur. Nam Vestae nomen a Graecis est : ea est enim , quae
ab illis ‘Eotia dicitur, Vis autem eius ad aras et focos pertinet.
Itaque in ea dea, quae est rerum custos intimarum , omnis et pre
catio et sacrificatio extrema est. Nec longe absunt ab hac vi di 68
Penates, sive a penu ducto nomine, (est enim omne, quo ve
scuntur homines , penus:) sive ab eo , quod penitus insident: ex
quo etiam penetrales a poetis vocantur. Iam Apollinis nomen
est Graecum , quem Solem esse volunt. Dianam autem et Lunam
eandem esse putant: quum Sol dictus sit, vel quia solus ex omni
bus sideribus est tantus, vel quia, quum est exortus, obscuratis
omnibus solus apparet; Luna a lucendo nominata sit: eadem
est enim Lucina. Itaque ut apud Graecos Dianam eamque Luci
feram , sic apud nostros Iunonem Lucinam in pariendo invocant:
quae eadem Diana omnivaga dicitur , non a venando , sed quod
in septem numeratur tamquam vagantibus. Diana dicta , quia 69
gen der Götter Ianus zuerst ge- untergeordneterGötter ausmachten ,
nannt zu werden pflegte, zeigen die sondern aus dem Kreise der höch
Beispiele und Zeugnisse bei Brisson . sten Götter waren. Die Verwandt
de Formul. I, 75 . schaft des Namensmit penitus und
in ea dea — sacrif. extrema est. penus ist klar.
Das Adjectiv ist Apposition, nicht Sol quia solus. So meint auch
Prädicat zu prec. et sacr. Es be Varro L . L . V, 68. Der Name
deutet so viel als extrema pars od. stammt aber vielmehr von dersel
exitus prec. et sacrificationis. — ben Wurzel, von welcher im Gr.
Est in ea dea = versatur in ea dea , σέλας und σελήνη, in den Nordi
d . h . in eius deae veneratione. Die schen Sprachen Solen (goth. Sauil,
Angabe selbst wird hinsichtlich der litth. Saule die Sonne) stammt.
Römer anderweitig wenigstens nicht Vgl. Corssen , Beitr. S . 386 .
ausdrücklich bestätigt: vielmehr sa Dianam eamque Luciferam : 'A0
gen Andere , z. B . Ovid. Fast. VI, Teulv pwogógov oder gelaopopov .
298. 303, dass Vesta zu Anfange In Cicero's Zeit allerdings galt Arte
angerufen sei; was mit Griechi mis bei den Griechen als Geburts
schen Cultgebräuchen überein - göttin , eine Function , die ihr als
stimmt. Denn bei den Griechen Mondgöttin zugeschrieben wurde.
wurde der ‘Eotia zuerst, was Viele, Als Mondgöttin aber stellen schon
aber auch zuletzt gedacht, was we die Tragiker sie dar.
nigsten Einige bezeugen. Vgl. vagantibus, scil. stellis d . h. den
Griech . Alterthüm . II: S . 258 u . be Planeten . Vaga luna heisst der
sonders A . Preuner , Hestia -Vesta Mond bei Horat. Sat. I, 8, 21, wo
( Tübing. 1864) S . 9 — 29. .. Heindorf zu vgl. Omnivaga findet
68. di Penates : allgemeine Be- sich sonst nicht. In der That aber
nennung der Götter, die als Beschir- stellt sich der Mond vorzugsweise
mer des Hauswesens im Innern des als hin und herschweifend dar.
Hauses verehrt wurden , aber nicht 69. Diana - quia n . q. diem eff.
wie die Laren eine eigene Classé Darin liegt gewissermassen etwas
152 DE NATURA DEORUM
noctu quasi diem efficeret. Adhibetur autem ad partus, quod ii
maturescunt aut septem nonnumquam aut, ut plerumque, novem
lunae cursibus, qui, quia mensa spatia conficiunt, menses nomi
nantur. Concinneque, utmulta, Timaeus, qui quum in historia
dixisset , qua nocte natus Alexander esset , eadem Dianae Ephe
siae templum deflagravisse, adiunxit minime id esse mirandum ,
quod Diana , quum in partu Olympiadis adesse voluisset , afuis
set domo. Quae autem dea ad res omnes veniret, Venerem no
stri nominaverunt, atque ex ea potius venustas, quam Venus ex
28 venustate. Videtisne igitur, ut a physicis rebus bene atque utili
70 ter inventis tracta ratio sit ad commenticios et fictos deos? quae
res genuit falsas opiniones erroresque turbulentos et supersti
tiones paene anilis . Et formae enim nobis deorum et aetates
et vestitus ornatusque noti sunt, genera praeterea, coniugia , co
gnationes, omniaque traducta ad similitudinem imbecillitatis hu
manae : nam et perturbatis animis inducuntur : accepimus enim
deorum cupiditates, aegritudines, iracundias : nec vero , ut fabu
lae ferunt, bellis proeliisque caruerunt ; nec solum , ut apud
Homerum , quum duos exercitus contrarios alii dei ex alia parte
defenderent, sed etiam , ut cum Titanis, ut cum Gigantibus, sua
propria bella gesserunt. Haec et dicuntur et creduntur stultis
Wahres. Diana heisst soviel als Venerem . Dass der Name nicht
himml. Lichtgöttin , von dem von venire stamme, ist ebenso ge
zu c. 2, 4 besprochenen Wortstamm . wiss, als es ungewiss ist, woher er
menses. Dass der Name des wirklich stamme. Nach Pictet, Ori
Mondes, uñon , wie andere in den gines Indo-Europ. II p. 692 von
verwandten Sprachen , wirklich den dem Skr, van : colere, servire, ama
Begriff des Messens enthalte und re, wovon auch veneror, das altd .
den Mond als Zeitmesser bezeichne, win : Freund, und nord. vän .
ist nicht zu bezweifeln . Vgl. Las 28 . 70. a physicis rebus - in
sen , Ind . Alterth. I, 765 . II, 1118. - ventis : „ von guten oder richtigen
So ist also diese Bedeutung auch in und nützlichen Wahrnehmungen
uhv und mensis anzuerkennen. - physischer Gegenstände.“ – Ueber
Ueber die Ansichten quoto post videtisne s. zu III, 27, 69.
conceptionem mense infantes edi noti sunt, mit Íronie : wir thun
soleant, mag Censorin d. die nat. als kennten wir sie.
c. 7 verglichen werden . apud Homerum . II. XX , 67 ff.
Timaeus aus Tauromenium auf cum Titanis für Titanibus. Die
Sicilien , Geschichtschreiber zu Anf. ser Metaplasmus findet sich nament
des 3. Jahrh. v. Chr. - Der Tem - lich in den Auszügen aus Ennius bei
pel zu Ephesus wurde von dem Lactant. lib . I, obgleich im Nomina
Ephesier Herostrat angezündet, tiv. Sing. nur Titan vorkommt.
der sich auf diese Weise einen uns Doch stellt Priscian V, 4, 26 auch
vergänglichen Namen sichern wollte, Titanus auf, der Ablat. Titano
was ihm denn auch gelungen ist. steht bei Varro L . L . VII, 16 und
Vgl. Solin . c. 40. den Nom . Plur. Titani, den Prisc.
LIB. II. CAP. 27. 28. 29. 153
sime et plena sunt futilitatis summaeque levitatis. Sed tamen, 71
his fabulis spretis ac repudiatis , deus pertinens per naturam
cuiusque rei, per terras Ceres, per maria Neptunus, alii per alia ,
poterunt intelligi qui qualesque sint, quoque eos nomine con
suetudo nuncupaverit, hoc eos et venerari et colere debemus. i
Cultus autem deorum est optimus idemque castissimus atque
sanctissimus plenissimusque pietatis , ut eos semper pura , inte
gra , incorrupta et mente et voce veneremur. Non enim philo
sophi solum , verum etiam maiores nostri superstitionem a reli
gione separaverunt. Nam qui totos dies precabantur et immo- 72
labant, ut sibi sui liberi superstites essent, superstitiosi sunt
appellati: quod nomen patuit postea latius. Qui autem omnia ,
quae ad cultum deorum pertinerent, diligenter retractarent et
tamquam relegerent, sunt dicti religiosi ex relegendo, ut elegan
tes ex eligendo, itemque ex diligendo diligentes, ex intelligendo
intelligentes. His enim in verbis omnibus inest vis legendi ea
dem quae in religioso. Ita factum est in superstitioso et reli- ;
gioso alterum vitji nomen , alterum laudis . Ac mihi videor satis ,
et esse deos et quales essent, ostendisse.
: Proximum est ut doceam deorum providentia mundum 29
administrari. Magnus sane locus et a vestris, Cotta , vexatus ; ac 73
nimirum vobiscum omne certamen est. Nam vobis, Vellei, minus
notum est, quemadmodum quidque dicatur. Vestra enim solum
legitis, vestra amatis, ceteros causa incognita condemnatis. Velut
aus Naevius belegt, hat auch Lac ten , welche die Mehrzahl der Ver
tant. ständigen fahren lässt.“
71. Sed tamen – . Obgleich die - religiosi a relegendo. S . zu I, 2 ,
se Fabeln abgeschmackt sind , so 3. Der von Gellius IV , 9 angeführte
sind doch, wenn man sie verwirft, Vers : religentem te oportet esse,
darum auch nicht die Volksgötter religiosus ne fuas , (denn so ist
selbst zu verwerfen , sondern man wohl zu lesen ), darf nicht als be
muss sie sich nur auf die rechte weisend für die von Cic. gebilligte
Art vorstellen . Ableitung angesehen werden, da re
72. superstitiosi. Dass die hier ligens kein sprachübliches, sondern
vorgetragene Ableitung des Wortes ein nur eben jener Ableitung zu
gar keine Beachtung verdiene, ist Liebe von dem Dichter selbst ge
klar: aber ebensowenig beachtens- machtes Wort ist. Dass der Ablei
werth sind alle andern von Alten tung von religare keine grammati
und Neueren darüber vorgebrach - schen Bedenken entgegen stehen, ist
ten Meinungen mit Ausnahme viel längst von Einsichtigen anerkannt,
leicht der einen von J.Grimm , Deut- zumal wenn man erwägt, dass es
sche Mythol. II S. 1059 : „ supersti für ligare eine ältere Form ligěre
tio, aus superstes, bezeichnet ein in gegeben haben wird. Vgl. Ebel in
einzelnen Menschen fortbeste - d . Zeitschr. f. vgl. Sprachk. IV ,
hendes Verharren bei Ansich - p. 449.
154 DE NATURA DEORUM
a te ipso hesterno die dictum est anum fatidicam neóvoiav a
Stoicis induci, id est providentiam . Quod eo errore dixisti, quia
existimas ab his providentiam fingi quasi quandam deam singu
larem , quae mundum omnem gubernet et regat : sed id praecise
74 dicitur. Ut, si quis dicat Atheniensium rempublicam consilio regi,
desit illud Ariopagi, sic, quum dicimus providentia mundum ad
ministrari, deesse arbitrato deorum ; plene autem et perfecte sic
dici existimato , providentia deorum mundum administrari. Ita sa
lem istum , quo caret vestra natio , in irridendis nobis nolitote
consumere, et mehercle, si me audiatis, ne experiamini quidem .
Non decet, non datum est, non potestis. Nec vero hoc in te
convenit, unum moribus domesticis ac nostrorum hominum ur
banitate limatum , sed quum in reliquos vestros, tum in eum
maxime, qui ista peperit, hominem sine arte, sine litteris, in
sultantem in omnis, sine acumine ullo , sine auctoritate , sine
lepore.
30 Dico igitur providentia deorum mundum et omnis mundi
75 partis et initio constitutas esse et omni tempore administrari;
29. 73. dictum est. S. I, 8, 18. pere unum aerumnabile erat. Hor.
Ueber hesterno die vgl. das in der Sat. I, 10, 40 : potes - comis gar
Einleitung S . 23 Gesagte. rire libellosUnusvivorum ,Fundani.
praecise dicitur : „ es ist ein ab II, 6 , 57 : me mirantur ut unum
gekürzter Ausdruck “ , wobei etwas egregii mortalem altique silenti.
weggeschnitten ist wasman hinzu Epod . XII, 4 : sagacius unus odo
denken muss. Vgl. ad Herenn . IV, ror. In unserer Stelle haben die
30, 31 : praecisio est quum , dictis Hdschr. das Wort aus Versehen
quibusdam , reliquum relinquitur vor convenit gesetzt, wo es kei
inchoatum in auditoris iudicio. nen schicklichen Sinn giebt.
74. Ariopagi. In Cicero's Zeit 30. 75. constitutas: „ eingerich
hatte der Areopag , als Staatsrath, tet, geordnet.“ Denn eine eigent
einen weit grösseren Wirkungskreis liche Schöpfung der Welt durch die
und bedeutenderen Einfluss auf die Götter, d. h. eine Hervorbringung
Staatsangelegenheiten als in der aus Nichts, nahmen die Stoiker so
Blüthezeit Athens , wo namentlich wenig wie andere alte Philosophen
seit Perikles seine Bedeutung sehr an. Vgl. zu c. 35, 88. Wenn es
beschränkt war. Vgl. Ahrens de weiter unten heisst: ab animanti
Athen . statu inde ab Achaici foed . bus principiis ea esse generata , so
inter. Götting . 1829 S . 34 ff. und ist auch hier nur dies gemeint, dass
Philippi, der Areopag u . de Ephe die vorhandenen göttlichen ,übrigens
ten S . 314. selbst erst aus dem uranfänglichen
unum - limatum , d. h. praeter Aether hervorgegangenen Factoren
ceteros oder in paucis limatum . der Weltbildung, die Wóyou one
Denn nicht blos mit Superlativen uatixoi (Plut. de plac. phil. 1, 7 ,
verbunden dient unus zur Auszeich - 17. Diog . L . VII, 148) oder duvá
nung . Vgl. Lucret. VI, 1229 : illud aeis yóviuot, wie M . Aurel. IX , 1 ,
in his rebusmiserandum etmagno - extr. sie nennt, die Geist und Mate
LIB . II. CAP. 29. 30. 155
eamque disputationem tris in partes nostri fere dividunt: qua
rum prima pars est, quae ducitur ab ea ratione, quae docet esse
deos ; quo concesso confitendum est eorum consilio mundum
administrari. Secunda est autem , quae docet omnis res sub
iectas esse naturae sentienti, ab eaque omnia pulcherrime geri.
Quo constituto sequitur ab animantibus principiis ea esse gene
rata. Tertius est locus, qui ducitur ex admiratione rerum cae
lestium atque terrestrium .
Primum igitur autnegandum est esse deos, quod et Demo- 76
critus simulacra et Epicurus imagines inducens quodam pacto
negat; aut, qui deos esse concedant, iis fatendum est eos aliquid
agere idque praeclarum . Nihil est autem praeclarius mundi ad
ministratione: deorum igitur consilio administratur. Quod si
aliter est, aliquid profecto sit necesse est melius et maiore vi
praeditum quam deos, quale id cumque est, sive inanima natura
sive necessitas, vimagna incitata haec pulcherrima opera efficiens,
rie zugleich und in Einem sind, die Demokritischen eidwa von den
später gewordenen Dinge aus sich Epikurischen insofern verschieden ,
haben hervorgehen lassen. Doch ist als diese von den in den Intermun
einzugestehen , dass dieser Satz ei dien vorhandenen göttlichen Wesen
gentlich gar nichthierhergehöre, wo ausströmen , jene aber aus den von
nicht von der Entstehung der Din der formlosen göttlichen Substanz
ge, sondern nur von der Regierung (s. zu I, 43, 120) ausfliessenden Ato
der Welt die Rede sollte. men entstehen , die sich von selbst
ea esse generata. Die Hdschr. zu Gestalten bilden. Vgl. Papen
haben eam — generatam , was sich cordt de atomic. doctr. (Berol. 1832)
also auf die sentiens natura bezie- p. 70 u . meine Abh . de Epicuri theo
hen würde. Aber unter dieser kann , log. in Opusc. ac. IV p. 353.
wie die folgende Auseinander quodam pacto negat. Das giltmit
setzung 81 - 86 zeigt, nur die grösserem Rechte vom Epikur, des
Weltseele verstanden werden , d. h. sen sogenannte Götter gar nicht des
der in die Welt eingehende Theil Namens werth waren, als vom De
des uranfänglichen Gottes (s. d. Ein mokrit, dessen Götter doch nicht
leit. S. 11) der sich dann zunächst ganz ohne Einwirkung auf die Men
in den λόγοις σπερματικούς, Cice schen waren . S. ob. I, 43, 120 .
ro's animantibus principiis, manife
stirt,mitnichten aber durch sie her vi magna incitata. Eine als ur
vorgebracht wird. sprünglich gesetzte Nothwendig
76 . simulacra - imagines. Die keit, die doch durch irgend eine
verschiedenen Ausdrücke sollen hier andere Gewalt in Wirksamkeit ge
nicht eine Verschiedenheit in den setzt würde, wäre ein Widerspruch .
Annahmen beider Philosophen be Es ist also vi magna nicht zu über
zeichnen , sondern sind nur zur Ab setzen „durch eine gewaltige
wechselung gebrauchte Synonyme. Kraft“, sondern mit gewalti
Vgl. I, 12, 29, wo auch Demokrits ger Kraft“, und incitata in me
Götter imagines heissen , u. I, 26, dialer, nicht in passiver Bedeutung
74 . Uebrigens sind allerdings die zu nehmen .
156 DE NATURA DEORUM
77 quae videmus. Non est igitur natura deorum praepotens neque
excellens, si quidem ea subiecta est ei vel necessitati vel naturae,
qua caelum , terrae, maria regantur. Nihil est autem praestantius
deo . Ab eo igitur necesse est mundum regi. Nulli est igitur
naturae obediens aut subiectus deus. Omnem ergo regit ipse
naturam . Etenim si concedimus intelligentis esse deos, conce
dimus etiam providentis, et rerum quidem maximarum . Ergo
utrum ignorant, quae res maximae sint, quoque eae modo trac
tandae et tuendae, an vim non habent, qua tantas res sustineant
et gerant? At et ignoratio rerum aliena naturae deorum est, et
sustinendi muneris propter imbecillitatem difficultas minime
cadit in maiestatem deorum . Ex quo efficitur id , quod volumus,
31 deorum providentia mundum administrari. Atqui necesse est,
78 quum sint di, si modo sunt, ut profecto sunt, animantis esse,
nec solum animantis, sed etiam rationis compotes inter seque
quasi civili conciliatione et societate coniunctos , unum mundum
79 ut communem rempublicam atque urbem aliquam regentis. Se
quitur ut eadem sit in iis quae humano in genere ratio , eadem
veritas utrobique sit eademque lex , quae est recti praeceptio pra
vique depulsio. Ex quo intelligitur prudentiam quoque etmentem
a deis ad homines pervenisse ; ob eamque causam maiorum in
stitutis mens, fides, virtus, concordia consecratae et publice de
dicatae sunt. Quae qui convenit penes deos esse negare , quum
eorum augusta et sancta simulacra veneremur ? Quodsi inest in
hominum genere mens, fides, virtus, concordia , unde haec in
terram nisi a superis defluere potuerunt ? Quumque sint in nobis
consilium , ratio , prudentia , necesse est deos haec ipsa habere
maiora, nec habere solum , sed etiam his uti in maximis et opti
80 mis rebus. Nihil autem nec maius nec melius mundo : necesse
est ergo eum deorum consilio et providentia administrari. Po
77. Etenim . S. zu c. 16 in. ib . 7, 23: inter quos autem ratio ,
31. 78. inter seque - coniunc inter eos etiam recta ratio commu
tos. S. zu c. 62, 154. nis est: quae quum sit lex , lege
79. eadem - ratio. Natürlich : quoque conciliati homines cum deis
weil dasGegentheil, d. h . eine spe putandi sumus.
cifische Verschiedenheit zwischen quae quí conv. für quas. Vgl. zu
göttlicher und menschlicher Ver c. 5, 15 .
nunft undenkbar ist, so gross man nisi a superis. Vgl. c. 6, 18. Bei
auch den quantitativen Unterschied den superis ist besonders an die
annehmen mag. Gestirne zu denken. Somn. Scip . c.
eademque lex . Vgl. de Legg. I, 3, 15 : hominibus animus datus est
6, 18 : Lex est ratio summa, insita ex illis sempiternisignibus, quae si
in natura, quae iubet ea, quae fa- dera et stellas vocatis. Mit dem
cienda sunt, prohibetque contraria . Geiste zugleich natürlich auch die
LIB . II. CAP. 31. 32. 157
stremo, quum satis docuerimus hos esse deos, quorum insignem
vim et illustrem faciem videremus, solem dico et lunam et vagas
stellas et inerrantis et caelum et mundum ipsum et earum rerum
vim , quae inessent in omni mundo cum magno usu et commo
ditate generis humani: efficitur omnia regi divina mente atque
prudentia . Ac de prima quidem parte satis dictum est.
Sequitur ut doceam omnia subiecta esse naturae, eaque ab 32
ea pulcherrime geri. Sed quid sit ipsa natura explicandum est 81
ante breviter, quo facilius id, quod docere volumus, intelligipossit.
Namque alii naturam censent esse vim quandam sine ratione, cien
tem motus in corporibus necessarios; alii autem vim participem
rationis atque ordinis, tamquam via progredientem declarantem
que quid cuiusque rei causa efficiat, quid sequatur, cuius sol
lertiam nulla ars, nulla manus, nemo opifex consequi possit
imitando : seminis enim vim esse tantam , ut id , quamquam sit
perexiguum , tamen , si inciderit in concipientem comprehenden
temquenaturam nactumque sitmateriam , qua ali augeriquepossit,
ita effingat et efficiat in suo quidque genere, partim ut tantum
modo per stirpis alantur suas, partim utmoveri etiam et sentire
et appetere possint et ex sese similia sui gignere. Sunt autem , 82
qui omnia naturae nomine appellent, ut Epicurus, qui ita dividit,
Anlage zur Vernunft und zu allen tem sapientiamqueperfectam :quem
Tugenden . . deum appellant, omniumquererum ,
480. quum satis docuerimus. Näm - quae sunt ei subiectae, quasi pru
lich c. 15 . 16 . — et caelum = et dentiam quandam .
aethera. S . c. 36 , 91. — mundum declarantem - quid sequatur :
ipsum die Welt im Ganzen . S . zu d . h . sie lässt ihre jedesmaligen Ab
c. 10 , 28 . sichten und Zwecke erkennen . Se
32 . 81. naturae. Oben c. 30, qui aliquid, „ etwas als Zweck ver
75 hiess es naturae sentienti. Hier folgen.“ - Ueber via progr. vgl.
aber ist das Epith . weggelassen, c . 22, 57.
weil der Stoische Begriff der natu Seminis enim - Ein bestätigen
ra, welcherwegen der inwohnenden des Beispiel für die obige Behaup
Weltseele das Attribut sentiens zu tung.
kommt, gegen Andere, die den Be : 82 . ut Epicurus. Die eigenen
griff natura anders fassten , erst dar Ausdrücke desselben giebt Sext.
zuthun ist. Vgl. c. 33, 85. Emp. IX, 333 : " Tô 60 pónts
: vim quandam sine ratione. Vgl. cóuata kott kan 482 69. Vgl. Lu
I, 13, 35 . II, 16 , 43. III, 11, 27. cret. I, 413 : Omnis ut est igitur
i alii autem . Dass dazu nament per se natura duabus consistit re
lich die Stoiker gehören, haben wir bus : nam corpora sunt et inane.
oben c. 22, 57 gesehn . Vgl. Acad . Unter dem folg. quae his accidant,
1, 7, 28 : natura sentiens, in qua ra - d. h. ihre Accidentien , ist die
tio perfecta insit, quae sit eadem Bewegung der Atome im Leeren
sempiterna : quam vim animum esse und die dadurch bewirkte Entste
dicuntmundi, eandemqueessemen - hung der Dinge zu verstehen .
158 DE NATURA DEORUM
omnium quae sint naturam esse corpora et inane quaeque his
accidant. Sed nos quum dicimus natura constare administrari
que mundum , non ita dicimus, ut glebam aut fragmentum lapi
dis aut aliquid eiusmodi nulla cohaerendi natura ; sed ut arbo
rem , ut animal, in quibus nulla temeritas, sed ordo apparet et
33 artis quaedem similitudo. Quodsi ea , quae a terra stirpibus con
83 tinentur, arte naturae vivunt et vigent, profecto ipsa terra eadem
vi continetur et arte naturae, quippe quae gravidata seminibus
omnia pariat et fundat ex sese , stirpis amplexa alat et augeat,
ipsaque alatur vicissim a superis externisque naturis. Eiusdem
que exspirationibus et aer alitur et aether et omnia supera. Ita ,
si terra natura tenetur et viget, eadem ratio in reliquo mundo
est: stirpes enim terrae inhaerent; animantes autem aspiratione
aëris sustinentur , ipseque aer nobiscum videt, nobiscum audit ,
nobiscum sonat: nihil enim eorum sine eo fieri potest. Quin
etiam movetur nobiscum : quacumque enim imus , quacumque
nalura constare - mundum etc. sammengesetzten . Ueber die Sache
Der Sinn : „ Wir wollen damit sa- verdient Sext. Emp. IX , 78 – 84
gen , dass die Welt nicht ein blos nachgelesen zu werden.
mechanisches, lebloses Aggregat 33 . 83. eiusdemque exspiratio
wie ein Felsstück oder eine Erd- nibus etc. Vgl. c. 15 , 40 u . 46 , 118 ,
scholle , sondern ein lebendiges, or- wo jedoch nur von den Gestirnen
ganisch verbundenes Ganze sei wie die Rede ist. Dass auch die Luft
ein Thier oder eine Pflanze.“ und der Aether von den wässrigen
nulla cohaerendi natura : ohne Ausdünstungen der Erde genährt
eine darin wirkende Kraft organi werden , gehört zu der § 84 vorge
schen Zusammenhanges. Denn na tragenen Ansicht von dem Ueber
tura wie quous heisst auch die dú gange der Elemente in einander.
ναμις ένοικούσα τοϊς σώμασι, wie aspiratione aerris. S. unten zu
Galen sagt Comm. in Hipp. Ep. 6 s. c. 55 , 136 .
5 in. ; cohaerere aber braucht Cic. aer nobiscum videt etc. d . h . un
auch anderswo von der organischen ser Sehen , Hören , Lauten geht mit
Verbindung zu einem Ganzen . Vgl. Hülfe der Luft vor sich . Den Schall
c. 34 , 87. 45, 115 . 62, 155 . Acad. erklärten die Stoiker aus den wel
1, 7, 28 : omni natura cohaerente lenförmigen Schwingungen der er
et continuata . de Legg . I, 8, 24 : schütterten Luſt : wir hören , wenn
alia quibus cohaererent homines. das Ohr diese Schwingungen auf
de Or. II, 80, 325 : ut non adfictum fängt. Das Sehen erfolgt, indem
aliquod sed cohaerens cum omni sich in der Luft zwischen dem Auge
corpore membrum esse videatur. und dem Gegenstande ein Strahlen
Sen . Qu . nat. II, 2 extr.: naturam kegel bildet, dessen Spitze in das
corporis nulla ope externa sed uni- Auge fällt. Plut. plac. Phil. IV , 19.
tate sua cohaerentis. Derselbe nennt Diog . L . VII, 157, 158. Doch wa
ep . 102 die so organisch zusammen - ren die Meinungen der Alten hier
hängenden Körper continua, im Ge- über sehr verschieden . Vgl. Gell.
gensatz gegen die composita , die V, 16 und Schneider zu seinen Ecl.
durch äussere Mittel künstlich zu- phys. II p. 245 ff.
LIB . II. CAP. 32. 33. 159
movemur, videtur quasi locum dare et cedere. Quaeque in me- 84
dium locum mundi, qui est infimus, et quae a medio in superum ,
quaeque conversione rotunda circum medium feruntur, ea con
tinentem mundi efficiunt unamque naturam . Et quum quattuor
sint genera corporum , vicissitudine eorum mundi continuata
natura est. Nam ex terra aqua, ex aqua oritur aer , ex aëre ae
ther : deinde retrorsum vicissim ex aethere aer, inde aqua, ex
aqua terra infima. Sic naturis his , ex quibus omnia constant,
sursum deorsum , ultro citro commeantibus mundi partium con
iunctio continetur. Quae aut sempiterna sit necesse est hoc 85
eodem ornatu quem videmus, aut certe perdiuturna, permanens
ad bonginquum et immensum paene tempus. Quorum utrumvis
ut sit, sequitur natura mundum administrari. Quae enim clas - :
sium navigatio aut quae instructio exercitus aut (rursus ut ea,
quae natura efficit, conferamus) quae procreatio vitis aut arboris,
quae porro animantis figura conformatioque membrorum tantam
naturae sollertiam significat, quantam ipse mundus ? Aut igitur
nihil est, quod sentiente natura regatur, autmundum regi con
fitendum est. Etenim qui reliquas naturas omnis earumque se - 86
mina contineat, qui potest ipse non natura administrari? ut, si
qui dentis et pubertatem natura dicat existere , ipsum autem
84 . quaeque in med. loc. mundi, verdichtet sich zur Luft , die Luft
qui est infimus etc. Den medius lo -
zum Wasser, das Wasser gerinnt
cus der Welt, der eben deswegen zur Erde, die Erde löst sich wieder
auch der unterste ist (s. C. 45 , 116 ), auf in Wasser u . S. w . Senec.
nimmt die Erde ein , c. 36 in . Was quaest. nat. III, 10 . Plutarch de
von oben auf sie niederfällt, sind prim . frig. c. 14. Diog . L . IX , 9.
die verschiedenen Arten der atmo vgl. unten III, 12, 31. Aehnliches
sphärischen Niederschläge ; was von trugen Viele vor, worüber s. Ideler
ihr nach oben steigt, sind ihre Aus- zu Arist. Meteor. I p. 426. Schweg
dünstungen ; was sich um sie herum ler zu Arist. Metaph . I p. 72.
bewegt, ist der Himmel mit den Ge 85. utrumvis ut sit. S. c. 46,
stirnen : und eben in diesen von dem 118 .
gemeinsamen Mittelpunkt ausgehen natura mund. administrari, Den
den oder zu ihm hinstrebenden oder Zusatz sentiente durfte Cicero hier
ihn umkreisenden Bewegungen er
scheint die Welt als ein zusammen mit Recht sparen , weil er den Stoi
schen Begriff der Natur schon vor
hängendes und einiges Wesen, eine her
continens unaque natura . dargelegt hat,auch das Verbum
vicissitudine eorum . Den hier be administrari schon auf ein plan
sprochenen Uebergang der Elemente mässiges, vernünftiges Walten deu
ineinander hatten schon ältere Na tet. So sehen wir auch im Folgen
turphilosophen angenommen , wie den das Epithet bald zugesetzt bald
Heraklit, dem er eine odòs ävw ró gespart.
TW , ein Auf- und Niedersteigen 86 . Etenim - Auch hier giltdie
hiess : das Feuer (oder der Aether) zu c. 16 in. gemachte Bemerkung.
160 DE NATURA DEORUM
hominem , cui ea existant, non constare natura , non intelligat
ea , quae efferant aliquid ex sese, perfectiores habere naturas
34 quam ea , quae ex iis efferantur. Omnium autem rerum , quae
natura administrantur, seminator et sator et parens, ut ita dicam ,
atque educator et altor est mundus, omniaque sicutmembra et
partis suas nutricatur et continet. Quodsi mundi partes natura
administrantur, necesse est mundum ipsum natura administrari:
cuius quidem administratio nihil habet in se , quod reprehendi
possit: ex iis enim naturis, quae erant, quod effici optimum po
87 tuit effectum est. Doceat ergo aliquis potuisse melius. Sed nemo
umquam docebit, et, si quis corrigere aliquid volet, aut deterius
faciet aut id , quod fieri non potuerit, desiderabit. Quodsi omnes
mundi partes ita constitutae sunt, ut neque ad usum meliores
potuerint esse neque ad speciem pulchriores, videamus, utrum
ea fortuitane sint, an eo statu, quo cohaerere nullo modo po
tuerint nisi sensu moderante divinaque providentia . Si ergo
meliora sunt ea quae natura, quam illa quae arte perfecta sunt,
nec ars efficit quicquam sine ratione, ne natura quidem rationis
expers est habenda. Qui igitur convenit, signum aut tabulam
pictam quum aspexeris, scire adhibitam esse artem , quumque
procul cursum navigii videris, non dubitare, quin id ratione at
que arte moveatur, et quum solarium aut discriptum autex aqua
contemplere, intelligere declarari horas arte , non casu : mundum
autem , qui et has ipsas artes et earum artifices et cuncta com
89 plectatur , consilii et rationis esse expertem putare ? Quodsi in
34 . seminator et sator. Den sche Bedeutung ausser Augen ge
Stoikern heissen die verschiedenen setzt ist. Jene wird auch mit dem
Manifestationen der Gottheit in den Gr. Namen sciotherum oder scio
-verschiedenen Partien der Schöpf- thericon bezeichnet; die Wasseruhr
ung hóyou onequatixoi (s. zu c. 30, heisst auch clepsydra und war ur
75 ), aber auch die Einheit, die allen sprünglich höchst einfach , seit dem
diesen zu Grunde liegt und sich in Alexandrinischen Mechaniker Kte
ihnen manifestirt, wird als schöpfe- sibios aber eine künstlich zusam
rische Vernunft im Singular, lóyos mengesetzte hydraulischeMaschine.
OTEQUATıxós, bezeichnet. Diog. L . Von der Einführung beider in Rom
* VII, 136 . Dies Ortequatıxós drückt sagt Censorin d. d. nat. c. 23 : Illud
nun Cic. durch seminator et sator satis constat, nullum (solarium di
aus. scr .) in foro prius fuisse quam id ,
87. ea fortuita. Ueb. das Neu quod M . Valerius ex Sicilia adve
trum s . zu c . 5 , 15. ctum ad rostra in columna posuit
solarium discriptum : eine ei - (a 481): deinde aliquanto post P.
gentliche Sonnenuhr, wegen der Cornelius Nasica censor ex aqua
darauf gezeichneten Linien, im Ge- fecit horarium (a . 595 ), quod et
gensatz gegen solarium ex aqua ipsum ex consuetudine noscendi a
eine Wasseruhr, wo die etymologi. solehoras solarium coeptum vocari.
LIB . II. CAP. 34. 35. 161
Scythiam aut in Britanniam sphaeram aliquis tulerit hanc , quam
nuper familiaris noster effecit Posidonius, cuius singulae con
versiones idem efficiunt in sole et in luna et in quinque stellis
errantibus, quod efficitur in caelo singulis diebus et noctibus;
quis in illa barbaria dubitet, quin ea sphaera sit perfecta ratione ?
Hi autem dubitant de mundo , ex quo et oriuntur et fiunt omnia , 35
casune ipse sit effectusaut necessitate aliqua, an ratione ac mente
divina , et Archimedem arbitrantur plus valuisse in imitandis
sphaerae conversionibus quam naturam in efficiendis, praesertim
quum multis partibus sint illa perfecta quam haec simulata sol
Tertius. Atqui ille apud Attium pastor , qui navem numquam 89
antè vidisset, ut procul divinum et novum vehiculum Argonau
tarum e monte conspexit , primo admirans et perterritus hoc
modo loquitur :
88 . sphaeram : ein sog. Planeta - Ideler zu Arist. Meteor. 1 p. 325 .
rium zur Veranschaulichung des Die Substanz der Welt ist auch nach
Planetensystems und der Bewegun den Stoikern nicht erschaffen
gen desselben , mit ineinandergrei (s. zu c. 30, 75 ), sondern aus dem
fendem Räderwerk , freilich nicht Urwesen ,welcheszugleich der höch
wie die neuern nach Art eines Uhr ste Gott ist, hervorgegangen , eben
werkes , doch aber wie es scheint so wie alle in der Welt waltenden
durch einen sinnreichen hydrauli einzelnen Götter aus ihm hervorge
schen Mechanismus in Bewegung ge gangen sind. Bei der Einrichtung
setzt: machinatione quadam , wie und Ordnung der Welt aber sind
es unten c. 38 , 97 heisst. Eines sol diese gewordenen Götter mit be
chen von Archimedes erwähnt Cic. theiligt: die werdende, allmälig sich
Tusc. I, 25 , 63: Archimedes quum entwickelnde Welt ist unter ihrer
lunae, solis, quinque errantiummo Mitwirkung gestaltet und geordnet,
tus in sphaeram illigavit, effecit u. so ein mundus oder soguos, ein
ut tarditate et celeritate dissimilli wohlgeordnetes Ganzes geworden .
mos motus una regeret conversio . Der höchste Gott ist der architectus
Vgl. Fabric. zu Sext. Empir. p. 577 (8 90); die unteren sind seine Die
und Biblioth . Gr. IV , 14 , 16 . ner und Gehülfen.
Posidonius. S . zu I, 3, 6 . Archimedem . Von seiner Sphaera
35 . Hi autem . Die Epikureer. S. zu c. 34, 88. Sie war auf der
– Um das Folgende richtig zu ver Burg zu Syrakus aufgestellt (Ovid .
stehn , muss man sich erinnern , dass Fast. VI, 279), und in eine gläserne
mundus wie das Gr. κόσμος die Kapsel oder Kugel eingeschlossen ,
Welt eigentlich nicht von der sub wie man aus der Beschreibung bei
stantiellen, sondern von der formel Claudian . epigr. 18 (68) erkennt.
len Seite bezeichnet. Nam quem Marcellus brachte sie nach Rom
xóquov Graeci nomine ornamenti und stellte sie im Tempel der Vir
appellaverunt, eum nos a perfecta tus auf. C. de re publ. I, 14 .
absolutaque elegantia mundum . 89. apud Attium . In dessen Me
Plin. H. Ñ . II, 4. Tv9ayógas no dea, wie Nonius p. 90 zeigt, wo der
TOS ovouage TNV Tav hav ne neunte der folgenden Verse ange
QLOXov xóouovém rñs év avtố tác führt wird. - V . 4. reflat. Der
EEws. Plut. plac. phil. II, 1. Vgl. Hirte hält das Schiff für ein Unge
Cic. de nat. deor. 4. Aufl. ,
162 DE NATURA DEORUM
- tanta moles lábitur ,
fremebúnda ex alto , ingénti sonitu et spiritu :
prae se úndas volvit, vórtices vi súscitat;
ruit prolapsa ; pelagus respergit, reflat.
Ita dum interruptum crédas nimbum vólvier ,
dum quod sublime véntis expulsúm rapi
saxum aút procellis , vél globosos túrbines
existere ictos úndis concursantibus:
nisi quás terrestris Pontus strages conciet ,
aut fórte Triton , fúscina everténs specus,
subtér radices pénitus undanti in freto
molem éx profundo sáceam ad caelum éruit.
Dubitat primo, quae sit ea natura, quam cernit ignotam ; idem
que iuvenibus visis auditoque nautico cantu :
sic incitati et álacres rostris pérfremunt
delphini. —
Item alia multa :
- - Silvanímelo
consimilem ad auris cántum et auditum refert.
90 Ergo ut hic primo adspectu inanimum quiddam sensuque va
cuum se putat cernere, post autem signis certioribus quale sit id
de quo dubitaverat incipit suspicari, sic philosophi debuerunt, si
forte eos primus adspectus mundi conturbaverat, postea , quum
vidissent motus eius finitos et aequabilis , omniaque ratis ordi
nibus moderata immutabilique constantia , intelligere inesse ali
quem non solum habitatorem in hac caelesti ac divina domo,
sed etiam rectorem et moderatorem et tamquam architectum
36 tanti operis tantique muneris. Nunc autem mihi videntur ne
suspicari quidem , quanta sit admirabilitas caelestium rerum at
91 que terrestrium . Principio enim terra , sita in media parte mundi,
thüm , das schnaubend (spiritu v. 2) Drakenborch zu Liv. XL, 42, 7 u.
die Wellen vor sich weg bläst. - Arntzen zu Aurel. Vict. 89. – V .
V . 5 . interruptum nimbum : „ eine 10 . Triton , der dem Poseidon un
berstende Regenwolke“ dum - tergeordnete Meergott (S. I, 28, 78 )
dum scheint alterthümlich = tum der namentlich in den Strömungen
- tum zu sein . Bei Catull. LXII, waltet. - Für eruit im letzten
45 steht sic virgo dum intacta ma Verse ist vielleicht erigit zu lesen ,
net, dum cara suis est für cum - mit Lachm . z. Lucret. p. 346 .
tum (oder für dum — usque eo , wie 90. tantique muneris. S. zu I, 8,
Quintil. IX , 3, 16 es fasst). vgl. Sa 19.
velsberg in N . Rhein . Mus. XXVI 36 . 91. in media parte mundi.
p. 135 . Dass übrigens nicht sel- Vgl. c . 39, 98. Dies meinten nicht
ten dum und tum von den Ab blos die Stoiker, sondern es war seit
schreibern verwechselt sind zeigen alter Zeit die herrschende. Ansicht
LIB . II. CAP. 35. 36. 163
circumfusa undique est hac animabili spirabilique natura, cui
nomen est aer, Graecum illud quidem , sed perceptum iam tamen
usu a nostris : tritum est enim pro Latino. Hunc rursus ample
ctitur immensus aether , qui constat ex altissimis ignibus. Mu
luemur hoc quoque verbum dicaturque tam aether Latine quam
dicitur aer , etsi interpretatur Pacuvius:
Hóc, quod memoro, nóstri caelum , Gráii perhibent aéthera .
quasi vero non Graius hoc dicat. At Latine loquitur. Si qui
dem nos non quasi Graece loquentem audiamus. Docet idem
alio loco :
Graiúgena de istoc áperit ipsa orátio .
Sed ad maiora redeamus. Ex aethere igitur innumerabiles flam - 92
mae siderum existunt, quorum est princeps sol, omnia claris
sima luce collustrans, multis partibus maior atque amplior quam
terra universa : deinde reliqua sidera magnitudinibus immensis.
Atque hi tanti ignes tamque multi non modo nihil nocent terris
der Meisten , ausdrücklich bezeugt Lucret. IV , 133 : caelum qui dicitur
von Thales (Plut.plac. phil. III, 11), aër. - Ob die angef. Verse aus
Anaximander (Diog. L. II, 1), Py dem Dulorestes des Pacuvius sind ,
thagoras (Id. VIII, 25) Leucippus ist sehr ungewiss. Vgl. Jahn im
(IX , 30), Diogenes v . Apollonia (IX , Hermes II S . 230.
52) u . Aa. quasi vero non Graius h . dicat.
animabili, „belebend“ ; weil sie, Da die Rolle einen Griechen dar
wie es c. 45, 117 heisst, vitalem et stellte, so fehlte allerdings der Dich
salutarem spiritum praebetaniman ter, indem er den Redenden die Rö
tibus. Die Adj. auf bilis haben oft mer als nostri, und damit also die
active Bedeutung. S. unten zu c. Griechen als Fremde bezeichnen
39, 98 . liess. Dies tadelt also Cic.mit Recht.
perceptum - usu : durch den Ge Die nächsten Worte at Latine lo
brauch gefasst und begriffen. Vgl. quitur enthalten eine Einrede gegen
de Finn. III, 2, 5 : rhetorica, diale diesen Tadel, die aber dann sofort
ctica , grammatica , geometria , mu wieder zurückgewiesen wird . Diese
sica , quamquam Latine ea dici po Einrede, sagt Cic., würde nur dann
terant,tamen , quoniam usu percepta triftig sein , wenn wir uns den Re
sunt, nostra ducamus. Quintil. V , denden nicht wirklich als Griechen
12 , 1 : vel ab aliis tradita vel usu zu denken hätten ; dazu giebt uns ja
percepta. Vgl. oben I, 14 , 36 : usi aber der Dichter selbst in dem fol
tatas perceptasque notiones.- Dass genden Verse desselben Stückes
ausdrücklich Anweisung . - Diese
aer aus dem Gr. entlehnt sei, meint ganze Abschweifung soll offenbar
Cic. auch Acad. I, 7, 26. Die älte dazu beitragen, die freie Form einer
ren Römer sagten spiritus oder auch mündlichen , freundschaftlichen Un
caelum . S . Plin. H . N . II, 5 : spiri
tus, quem Graeci nostrique eodem terhaltung zu vergegenwärtigen ,
vocabulo aëra appellant, ib. c. 38 : wie die ähnliche III, 10, 25 .
namque et hoc caelum appellavere 92. ex aethere - existunt. Vgl.
maiores, quod alio nomine aèra . c. 15 in .
11 *
164 DE NATURA DEORUM
rebusque terrestribus, sed ita prosunt, ut, simota loco sint, con
flagrare terras necesse sit a tantis ardoribus, moderatione et tem
37 peratione sublata. Hic ego non mirer esse quemquam , qui sibi
93 persuadeat corpora quaedam solida atque individua vi et gravitate
ferri, mundumque effici ornatissimum et pulcherrimum ex eorum
corporum concursione fortuita ? Hoc quiexistimat fieri potuisse,
non intelligo cur non idem putet , si innumerabiles unius et vi
ginti formae litterarum , vel aureae vel qualeslibet, aliquo conii
ciantur , posse ex his in terram excussis annalis Ennii , ut dein
ceps legi possint, effici; quod nescio an ne in uno quidem versu
94 possit tantum valere fortuna. Isti autem quemadmodum asse
verant , ex corpusculis non colore , non qualitate aliqua , quam
Troubtrta Graeci vocant, non sensu praeditis , sed concurrentibus
temere atque casu mundum esse perfectum ? vel innumerabilis
potius in omnipuncto temporis alios nasci, alios interire ? Quodsi
mundum efficere potest concursus atomorum , cur porticum , cur
templum , cur domum , cur urbem non potest ? quae sunt minus
operosa et multo quidem (faciliora ). Certe ila temere de mundo
effutiunt, utmihi quidem numquam hunc admirabilem caeli orna
tum , qui locus est proximus, suspexisse videantur.
mota loco fürmoti, weil das vor- posse -- ann . Enn . effici auf und
hergehende sidera im Sinn lag. der Satz würde grammatisch voll
conflagrare — Cic. hat flüchtig ständig sein, auch ohne die folgen
geschrieben, und den andern mög den Worte tantum valere fortuna,
lichen Fall, dass die Erde auch er welche nichts anders als den wieder
frieren könne, wenn nämlich die zu vergegenwärtigenden Begriff in
Sonne sich zu weit entfernte, uner anderer Form und Fassung enthal
wähnt gelassen . ten . Vgl. zu c. 9. 24 .
37. 93. unius et viginti - litte 94 . quam nolórnta Gr. vocant.
rarum . Nur soviel nämlich hat das Dies setzt Cic. hinzu , weil seinen
Lateinische Alphabet, indem Y und Lesern das Griechische Wort ge
Z der lateinischen Sprache fremd läufig , das Lateinische aber erst
sind und nur in Griechischen Wör- von ihm selbst gebildet war, wie er
tern gebraucht werden , weshalb Acad. I, 6, 24 sagt, wo er es zu den
auch Quintil. I, 4 , 9 das X als letz verbis inauditis rechnet. Auch das
ten Lateinischen Buchstaben be Griechische rolórns ist von Plato
zeichnet. Vgl. Priscian . I, 15 und zuerst gebildet , wie u . a. die Le
Corssen, üb . Aussprache u. s. w . I bensbeschr. in Westermann's Biogr.
S . 7. p. 393 bemerkt. Es kommt Theaet.
annalis Ennii. Ein episches Ge- p. 182 A vor, wo es Pl. selbst als
dicht, die Römische Geschichte bis ein adlóxotov ovoua bezeichnet.
zum Zeitalter des Dichters , Anfang qui locus est proximus. Nach der
des 6 . Jahrh., umfassend. oben c. 30, 75 angegebenen Dispo
quod nescio. Das Pron . relat. sition. Weil Balbus in der That
fordert zur Wiedervergegenwärti schon seit c. 36 in diesen Theil hin
gung des Vorherg., also hier des eingerathen ist, so 'erinnert er nun
LIB . II. CAP. 37. 38. 165
Praeclare ergo Aristoteles, si essent, inquit, qui sub terra 95
semper habitavissent bonis et illustribus domiciliis , quae essent
ornata signis atque picturis instructaque rebus iis omnibus, qui
bus abundant ii , qui beati putantur , nec tamen exissent umquam
supra terram , accepissent autem fama et auditione , esse quoddam
numen et vim deorum ; deinde aliquo tempore patefactis terrae
faucibus ex illis abditis sedibus evadere in haec loca , quae nos
incolimus , atque exire potuissent : quum repente terram et maria
caelumque vidissent, nubium magnitudinem ventorumque vim
cognovissent, aspexissentque solem eiusque quum magnitudinem
pulchritudinemque, tum etiam efficientiam cognovissent, quod is
diem efficeret toto caelo luce diffusa , quum autem terras nos
opacasset , tum caelum totum cernerent astris distinctum et orna
tum , lunaeque luminum varietatem tum crescentis tum senescentis,
eorumque omnium ortus et occasus atque in omni aeternitate ra
tos immutabilisque cursus: haec quum viderent, profecto et esse
deos et haec tanta opera deorum esse arbitrarentur. Atque haec 38
quidem ille. Nos autem tenebras cogitemus tantas, quantae quon - 96
dam eruptione Aetnaeorum ignium finitimas regiones obscura
visse dicuntur, ut per biduum nemo hominem homo agnosceret,
quum autem tertio die sol illuxisset, tum ut revixisse sibi vide
rentur. Quodsi hoc idem ex aeternis tenebris contingeret , ut
subito lucem aspiceremus, quaenam species caeli videretur ? Sed
assiduitate quotidiana et consuetudine oculorum assuescunt animi
neque admirantur neque requirunt rationes earum rerum , quas
semper vident; proinde quasi novitas nos magis quam magnitudo
gleichsam nachträglich daran . Auch erwähnten . dialogischen Schr. nt .
dies ist nicht als Fehler Cicero 's zu φιλοσοφίας.
betrachten , sondern gehört zur haec quum viderent. Die Hdschr.
Nachahmung des extemporirten Vor alle haben quae qu . vid. Hat Cic.
trages , dem das fusius disputare wirklich so geschrieben , so hat er
(s. zu c. 7, 20 ) wohl ansteht. aus Fluchtigkeit den richtigen Zu
95.Aristoteles.In den vorhandenen sammenhang der Constr. ausser
Aristotelischen Schriften findet sich Acht gelassen , was allerdings nicht
eine solche Stelle wie die folgende unmöglich ist. Doch ebenso möglich
nicht: doch führt Sext. Empir. IX , ist es auch , dass er weder haec noch
22 diese Worte aus ihm an : Jea quae geschrieben habe, und dass die
σάμενοι γαρ μεθ ' ημέραν μεν Worte quum viderentmit dem vor
ήλιον περιπολούντα , νύκτωρ δε herg. immut. cursus zusammenhän
την εύτακτον των άλλων αστέρων gen , der Nachsatz also erst mit pro
κίνησιν, ενόμισαν είναι τινα θεον fecto beginne. Someint Madvig.
τον της τοιαύτης κινήσεως και 38. 96 . quondam eruptione Aetn .
Eurasias aitiov . Wahrscheinlich ign . Bei welchem der verschiede
aus der oben I, 13, 33. II, 15, 42. 44 nen Ausbrüche des Aetna, überwel
166 DE NATURA DEORUM
97 rerum debeat ad exquirendas causas excitare. Quis enim hunc
hominem dixerit , qui, quum tam certos caelimotus, tam ratos
astrorum ordines, tamque inter se omnia connexa et apta viderit,
neget in his ullam inesse rationem , eaque casu fieri dicat, quae
quanto consilio gerantur, nullo consilio assequi possumus? An
quum machinatione quadam moveri aliquid videmus , ut sphae
ram , ut horas , ut alia permulta , non dubitamus , quin illa opera
sint rationis: quum autem impetum caeli admirabili cum celeri
tate moveri vertique videamus, constantissime conficientem
vicissitudines anniversarias cum summa salute et conservatione
rerum omnium , dubitamus, quin ea non solum ratione fiant, sed
98 etiam 'excellenti divinaque ratione ? Licet enim iam , remota sub
tilitate disputandi, oculis quodammodo contemplari pulchritudi
39
nem rerum earum , quas divina providentia dicimus constitutas.
Ac principio terra universa cernatur , locata in media sede
mundi , solida et globosa et undique ipsa in sese nutibus suis
conglobata , vestita floribus , herbis, arboribus, frugibus, quorum
omnium incredibilis multitudo insatiabili varietate distingui
tur. Adde huc fontium gelidas peremnitates , liquores perlu
cidos amnium , riparum vestitus viridissimos , speluncarum con
cavas altitudines , saxorum asperitates , impendentium montium
altitudines immensitatesque camporum ; adde etiam recondi
che die Angaben der Alten von Clu- sich auch anderswo öfter, z. B . bei
ver. Sicil. ant. I, 8 p. 104 ff. zusam - Aristot. de caelo II c. 14 . Andere
mengestellt sind , die von Cic. er- leiteten sie von der Umdrehung des
wähnte Verfinsterung stattgefunden Himmels um die Erde ab , immensum
habe, ist nicht zu ermitteln . eius globum in formam orbis assi
97. horas d . h . horarium oder dua circa cum mundi volubilitate
horologium . Andere Beispiele von cogente . Plin . H . N . II, 64. Vgl.
horae in dieser Bedeutung finden Bake zu Cleomed. p. 276 u. Ideler
sich schwerlich, ausser etwa in dem
zu Arist. Meteor. I p. 497.
Ausdruck ad horas mittere , Cic. insatiabili varietate, d. h. quae
Brut. c.54, 200 : Einen abschick nunquam nos satiat: die niemals
ken , um nach der Uhr zu sehn. Sättigung und Ueberdruss hervor
Horas inspicere. Petron. c. 71. Dass bringt. Ébenso c. 62. 155 : insatia
an eine hydraulische Uhr zu denken, bilior species. Fr. Hortens. Orell.
zeigen die Worte machinatione qua- IV , 2 p. 482: caeli signorum admi
dam . rabilem ordinem insatiabilemque
39. 98. ipsa in sese nutibus suis pulchritudinem magis spectat. An
conglobata : in Kugelform zusam - dere Beispiele von Adj. dieser Bil
mengeballt durch das Streben aller dung mit activer Bedeutung sind
ihrer Theile zum Mittelpunkt. Vgl. animabilis oben c. 36 , 91 u. patibin
C , 45 , 116 : omnibus eius partibus lis III, 12, 27 und mehr bei Perizon .
in medium vergentibus. Dieselbe zu Sanct. Min , I, 15 , 4. und Lorenz
Erklärung der Kugelform findet zu Plaut. Mostell. V, 1147.
LIB . II. CAP. 38. 39. 40. 167
tas auri argentique venas infinitamque vim marmoris. Quae 99
vero et quam varia genera bestiarum vel cicurum vel ferarum !
qui volucrum lapsus atque cantus ! qui pecudum pastus ! quae
vita silvestrium ! Quid iam de hominum genere dicam ? qui quasi
cultores terrae constituti non patiuntur eam nec immanitate be
luarum efferari nec stirpium asperitate vastari , quorumque ope
ribus agri, insulae littoraque collucent, distincta tectis et urbibus.
Quae si , ut animis , sic oculis videre possemus , nemo cunctam
intuens terram de divina ratione dubitaret. At vero quanta maris 100
est pulchritudo ! quae species universi ! quae multitudo et varietas
insularum ! quae amoenitates orarum ac littorum ! quot genera
quamque disparia partim submersarum , partim fluitantium et
innantium beluarum , partim ad saxa nativis testis inhaerentium !
Ipsum autem mare sic terram appetens littoribus alludit , ut una
ex duabus naturis conflata videatur. Exinde mari finitimus aer 101
die et nocte distinguitur , isque tum fusus et extenuatus sublime
fertur , tum autem concretus in nubis cogitur humoremque col
ligens terram auget imbribus, tum effluens huc et illuc ventos
efficit. Idem annuas frigorum et calorum facit varietates , idem
que et volatus alitum sustinet et spiritu ductus alit et sustentat
animantis. Restat ultimus et a domiciliis nostris altissimus 40
omnia cingens et coercens caeli complexus, qui idem aether vo
catur , extrema ora et determinatio mundi; in quo cum admira
bilitate maxima igneae formae cursusordinatos definiunt. E qui- 102
bus sol, cuiusmagnitudinemultis partibus terra superatur, circum
eam ipsam volvilur , isque oriens et occidens diem noctemque
99. lapsus, von jeder gleitenden zum Lande, noch das seichte Was
Bewegung , also auch von dem durch ser, aus dem das Land so deutlich
die Luft dahin gleitenden Fluge. hervorsieht, ganz zum Wasser zu ge
100. alludit: der ansprechendste hören, sondern eine Art von Mittel
Ausdruck von den das Ufer bespü wesen zwischen beiden zu sein .
lenden , gleichsam spielend berüh 101.mari finitimus aer . S. zu c.
renden Wellen . Catull. LXIV , 67.
ipsius ante pedes fluctus salis allu 26 , 66sie
. — die et nocte distinguitur :
debant. Cic. Topic . 7, 32 : solebat weil am Tage erhellt, bei Nacht
verdunkelt, also gleichsam verschie
Aquilius quaerentibus quid esset den
litus ita definire : qua fluctus allu 189 gefärbterscheint. Ovid .Met. XV,
: Nec color est idem caelo quum
deret. (al. eluderet, wie auch an lassa quiete Cuncta iacent media,
unserer Stelle die Hdschr. eludit quumque albo Lucifer exit Clarus
oder cludit verschrieben haben , dies equo.
vielleicht aus accludit, da , nach
Fleckeisen , im Philol. XI p. 189, 40. 101. omnia cingens - aether .
die alte Form cludo für ludo war). Vgl. I, 14 , 37 u . unten c. 45 , 115 . De
-- Am Ufer scheint weder das vom div . II, 43, 91. caelum , extremum
Wasser überfluthete Land ganzmehr atque ultimum mundi.
168 DE NATURA DEORUM
conficit , et modo accedens tum autem recedens binas in singulis
annis reversiones ab extremo contrarias facit , quarum intervallo
tum quasi tristitia quadam contrahit terram , tum vicissim laeti
103 ficat, ut cum caelo hilarata videatur. Luna autem , quae est, ut
ostendunt mathematici , maior quam dimidia pars terrae, iisdem
spatiis vagatur , quibus sol: sed tum congrediens cum sole tum
degrediens et eam lucem , quam a sole accepit, mittit in terras, et
varias ipsa lucis mutationes habet ; atque etiam tum subiecta
atque opposita soli radios eius et lumen obscurat, tum ipsa inci
dens in umbram terrae, quum est e regione solis , interpositu
interiectuque terrae repente deficit. Iisdemque spatiis eae stellae,
quas vagas dicimus, circum terram feruntur eodemque modo
oriuntur et occidunt, quarum motus tum incitantur , tum retar
104 dantur, saepe etiam insistunt. Quo spectaculo nihil potest admi
rabilius esse , nihil pulchrius. Sequitur stellarum inerrantium
maxima multitudo, quarum ita descripta distinctio est, ut ex no
41 tata figurarum similitudine nomina invenerint. Atque hoc loco
102. binas – reversiones. Vgl. e regione solis : der Sonne gegen
das zu c. 19, 49 extr. Gesagte. Die über oder, astronomisch ausge
eine reversio ist, wenn die Sonne drückt, in Opposition mitder Sonne,
den äussersten Punkt, das extre- über der Erde, während die Sonne
mum ihrer Bahn im Norden erreicht unter ihr ist. Was dagegen Cicero
hat und von da sich wieder südwärts durch opposita ausdrückt, heisst
wendet; die andere, wenn sie von astronomisch Coniunction , oúvo
dem äussersten südlichen Punkte dos, wenn Mond und Sonne zugleich
wieder nach Norden geht. und nahe bei einander am Himmel
( sol) tristitia quadam contrahit stehn, folglich der Mond zwischen
terram , für : efficit ut terra contra Erde und Sonne und in sofern für uns
hatur quadam tristitia. Eine ähn vor dieser, opposita , bisweilen auch
liche Ausdrucksweise wie die oben gerade unter ihr, supposita, wo er sie
bespr. c. 19, 49 : sol terras opacat. denn für uns ganz oder zum Theil
103 . luna - maior quam dimidia verdeckt und unsichtbar macht.
pars terrae. Nicht Alle waren der Die Ursachen der Sonnen - und Mond
Meinung : Einige, unter denen selbst finsternisse kannte schon Thales so
Posidonius (Plut. plac. phil. II, 27), gut, dass er eine Sonnenfinsterniss
und noch später Plinius, H . N . II, vorhersagen konnte. S . Diog . L . I,
11 p. 20 Gr., hielten den Mond für 23 mit d. Anm . von Menage. Doch
grösser oder wenigstens nicht klei wird dies von neueren Geschicht
ner als die Erde. Andere Ansichten schreibern der Astronomie bezwei
s. bei Forbiger Handb . der alt.Geo felt. S. Philol. XXII S. 550 .
graphie I p.524 und Ideler zu Arist. 104 . notata - similitudine.
Meteor. I p. 332. Die Hdschr. haben theils nota
iisdem spatiis : in derselben Bahn. theils notarum , letzteres wohl nur
Denn die Mondbahn ebenso wie die als Coniectur, die grammatisch al
Bahnen der sämmtlichen Planeten lerdings sehr zulässig, auch diplo
liegen, gleich der Sonnenbahn , in matisch nicht unwahrscheinlich ist,
nerhalb des Thierkreises. aber doch nicht wahrscheinlicher als
LIB . II. CAP. 40. 41. 169
me intuens, Utar, inquit, carminibus Arateis, quae a te admodum
adolescentulo conversa ita me delectant, quia Latina sunt , ut
multa ex iis memoria teneam . Ergo , ut oculis assidue videmus,
sine ulla mutatione aut varietate
cetera labuntur celeri caelestia motu ,
cum caeloque simul noctisque diesque feruntur ,
quorum contemplatione nullius expleri potest animus, naturae 105
constantiam videre cupientis .
Extremusque adeo duplici de cardine vertes
dicitur esse polus.
Hunc circum äoxtou duae feruntur , numquam occidentes.
Ex his altera apud Graios Cynosura vocatur ,
altera dicitur esse Helice ,
cuius quidem clarissimas stellas totis noctibus cernimus ,
quas nostri septem soliti vocitare Triones.
Paribusque stellis similiter distinctis eundem caeli verticem lu - 106
strat parva Cynosura.
Hac fidunt duce nocturna Phoenices in alto .
· Sed prior illa magis stellis distincta refulget,
die meinigenotata d. h. animadver- von einem Uebersetzer fordert,
sa et consignata , wobei man sich nicht für nöthig hielten .
als Subj. die Einbildungskraft der cetera. Die übrigen Himmels
Beobachter zu denken hat. körper, im Gegensatz gegen die un
41. 104. Aratus aus Soli in Ci bewegte Achse.
licien , um 275 v. Chr., schrieb ein 105 . duplici de cardine: an der
Lehrgedicht in zwei Abtheilungen , zwiefachen Weltachse. Zwie
Daivóuevo,Sternenerscheinun fach nennt Cicero (denn bei Aratus
gen , und Aloonueña (4100nuiai), fand er dies nicht) die Weltachse
Wetterzeichen, welches von deswegen , weil er sie sich durch
Cicero und später vom Caesar Ger die in der Mitte des Weltalls
manicus, d. h . wohl vom Domitian , schwebende Erde,durch welche also
nicht wie man sonst gemeint hat, dieAchse nothwendig hindurchgeht,
von dem Sohne des Drusus, Adop in zwei Theile , einen nördlichen
tivsohn des Tiberius , übersetzt und einen südlichen, getheilt denkt.
wurde. Von Cicero's Uebersetzung - Der Pol, den er meint, ist der
haben wir nur Fragmente, obwohl nördliche, uns allein sichtbare.
ziemlich beträchtliche; von der des , Cynosura, der kleine Bär, eigent
Germanicus ist der erste Theil voll lich nur der Polarstern , dann aber
ständig, vom zweiten nur ein Paar auch das ganze Sternbild ; Helice,
Verse erhalten . Ausserdem giebt es der grosse, auch wegen der sieben
eine Uebersetzung von Rufus Festus sich besonders auszeichnendenStern
Avienus aus dem 4. Jahrhundert, ne in ihm septem triones, die sie
viel freier als die beiden andern ; ben Pflugstiere, und singularisch
obgleich auch diese, wie die alten septentrio genannt, welcher Name
Uebersetzer alle, eine so gewissen , dann auch auf den kleinen Bär, die
hafte Treue, als man heutzutage Cynosura , übertragen wurde. S .
170 DE NATURA DEORUM
et late prima confestim a nocte videtur :
haec vero parva est , sed nautis usus in hac est.
Nam cursu interiore brevi convertitur orbe.
42 Et quo sit earum stellarum admirabilior adspectus,
has inter , veluti rapido cum gurgite flumen ,
torvii Draco serpit, subter superaque revolvens
sese conficiensque sinus e corpore flexos.
107 Eius quum totius sit praeclara species, (tum ) in primis adspi
cienda est figura capitis atque ardor oculorum .
Huic non una modo caput ornans stella relucet ,
verum tempora sunt duplici fulgore notata ,
e trucibusque oculis duo fervida lumina flagrant ,
atque uno mentum radianti sidere lucet :
obstipum caput ac tereti cervice reflexum
obtutum in cauda maioris figere dicas.
108 Et reliquum quidem corpus Draconis totis noctibus cernimus ;
hoc caput hic paullum sese subitoque recondit ,
ortus ubi atque obitus partem admiscentur in unam .
Id autem caput
attingens defessa velutmaerentis imago
vertitur ,
quam quidem Graeci
Engonasin vocitant, genibus quia nixa feratur.
Hic illa eximio posita est fulgore Corona.
unten c. 43, 111 und Heyne zu Virg. wo der durch unseren Zenith gezo
Georg. III, 381. gene Meridian, über den Pol hinaus
42. 106 . superaque. Priscian . verlängert, den Horizont trifft, und
XIV , 2, 11.p. 980 Putsch.: Quaedam die Ost- und Westseite des Him
praepositiones etiam syncopam pas mels von einander abgrenzt. Vgl.
sae sunt, ut supra pro supera et Opusc. ac. II p . 336 . — Für das
infra pro infera et extra pro verdorbene subitoque recondit ist
extera. Nam antiqui trisyllaba ea wahrscheinlich mit Grotius subito
proferebant, ut Cicero in Arato : aequore condit zu schreiben . Subito
Torvu draco etc. part. perf . pass. V . subire.
107. quum tot. sit. Die Hdschr.est, Engonasin : év yóvaoiv, ein knie
was unbedenklich zu ändern war. ender, bewaffneter Mann, hart ne
Auch das folg. tum ist in den Hdschr. ben dem Kopf des Drachen : daher
ausgefallen. Vgl. Op. ac. III p . 335 . id caput attingens. Der Knieende,
non una modo. Nach der älteren Lat. Ingeniculus , auch Nixus
iambischen Messung des später als (Gnixus Fleckeisen im N . Rh .Mus.
Pyrrhich . gebrauchten modo. Vgl. 1852 S. 230) genannt, ward von
Lachmann zu Lucret. II, 1135 . Einigen auf Hercules , von Andern
108. ortus ubi atque obitus etc.: auf Theseus, von Andern noch an
wo Osten und Westen sich vereini- ders gedeutet. $ . Voss zu Arat. v .
gen , d. h . unterhalb des Nordpols, 63. - Die gleich nachher erwähnte
LIB . II. CAP. 42. 43. 171
Atque haec quidem a tergo : propter caput autem Anguitenens:
quem claro perhibent Ophiuchum nomine Graii. 109
Hic pressu duplici palmarum continet anguem ,
atque eius ipse manet religatus corpore torto :
namque virum medium serpens sub pectora cingit.
Ille tamen nitens graviter vestigia ponit ,
atque oculos urguet pedibus pectusque Nepai.
Septem triones autem sequitur
Arctophylax , vulgo qui dicitur esse Bootes,
quod quasi temoni adiunctam prae se quatit Arctum .
Dein quae sequuntur : huic enim Booti 110
– subter praecordia fixa videtur
stella micans radiis, Arcturus nomine claro ,
cuius (pedibus subiecta fertur
Spicum illustre tenens splendenti corpore Virgo.
Atque ita demetata signa sunt, ut in tantis discriptionibus divina 43
sollertia appareat.
Et natos Geminos invises sub caput Arcti.
Subiectus mediae est Cancer , pedibusque tenetur
magnu ' Leo , tremulam quatiens e corpore flammam .
Auriga
sub laeva Geminorum obductus parte feretur.
Adversum caput huic Helicae truculenta tuetur.
At Capra laevum humerum clara obtinet. - .
Corona erklärte man für den vom pedibus war nach Arat. v. 96 her
Dionysus an den Himmel versetzten zustellen .
Kranz der Ariadne. Arat. v. 71. 43. pedibusque tenetur , d . h .
109. Anguitenens, quoõ xos, calcatur. - Die tremula flamma im
der Schlangenhalter, war nach folgenden Verse bezeichnet den
den sog. Eratosthenischen Kataste- flimmernden Schein der Sterne.
rismen der vom Jupiter mit dem obductus = obiectus oder obver
Blitz erschlagene und dann an den sus.
Himmel versetzte Aesculap: Andere truculenta tuetur. Das Neutr. des
deuteten aber anders. S . Hygin . P . Adj. vertritt die Stelle eines Ad
astr. II, 14. - Das eius v. 3 ist ein verbii , wie insueta rudens, Virg.
Aen. VIII, 248. crebra ferit, Georg.
sylbig zu lesen , wie cuius unten c.
44, 112. - Nepai v. 6 „des Scor II, 500, acerba ruens, Lucret. Ý ,
pions“ . 34 und häufiger im Singular, wie
110 . Spicum gen. neutr., wie .acutum cernere, Hor. Sat. 1, 3, 26 .
Varro ap. Non . p. 225 Merc.: Ne torvum clamare, Virg.Aen .VII, 287.
que in bona segrete nullam est spi- laetum fremere. Stat. Theb. III,618.
cum nequam , neque ine mala non Das Meiste dieser Art gehört nur
aliquod bonum . Vgl. C . de Senect. der Dichtersprache an ; Einiges in
c. 15, 51: fundit frug'em spici. — dessen ist auch in der Prosa ge
Das in den Hdschr, ausgefallene wöhnlich , wie das oben mehrmals
172 DE NATURA DEORUM
Tum quae sequuntur :
Verum haec est magno atque illustri praedita signo:
contra Haedi exiguum iaciuntmortalibus ignem ,
cuius sub pedibus
111 corniger est valido connixus corpore Taurus.
Eius caput stellis conspersum est frequentibus.
Has Graeci stellas Hyadas vocitare suërunt ,
a pluendo , velv enim est pluere ; nostri imperite suculas, quasi
a subus essent , non ab imbribus nominatae. Minorem autem
Septemtrionem Cepheus passis palmis a tergo subsequitur.
Namque ipsum ad tergum Cynosurae vertitur Arcti.
Hunc antecedit
obscura specie stellarum Cassiepea .
Hanc autem illustri versatur corpore propter
Andromeda , aufugiens adspectum maesta parentis.
Huic Equus ille , iubam quatiens fulgore micanti,
summum contingit caput alvo , stellaque iungens
una tenet duplicis communi lumine formas ,
aeternum ex astris cupiens connectere nodum .
Exin contortis Aries cum cornibus haeret;
quem propter
Pisces, quorum alter paullum praelabitur ante ,
et magis horriferis aquilonis tangitur auris.
44 Ad pedes Andromedae Perseus describitur,
112 quem summa ab regione aquilonis flamina pulsant.
vorkommende sublime II, 16 , 44. bild stellt nicht die ganze Gestalt
37, 89. 39, 101. directum c. 57, 144 . eines Pferdes, sondern nur den Vor
111.Hyadas – a pluendo : weil zur dertheil bis zum Bauche dar : und
Zeitihres Frühaufganges,im Mai,ge dieser ist dicht über dem Kopf der
wöhnlich Regen einzutreten pflegte. Andromeda. Das Pferd deutete man
S. jedoch Göttling , Ges. Abhdi. I auf den Pegasus. Arat. v. 213 - 223 .
S . 179, der gegen diese Erklärung - Die stella iungens ist ein Stern
des Namens Bedenken hegt, und die zwischen dem Bauche des Pferdes
auch von Gellius XIII, 9, 4 für irrig und dem Kopfe der Andromeda, der
gehaltene Uebersetzung Suculae in ebensogut zu dem einen als zu dem
Schutz nimmt. andern gerechnet werden kann : da
Cynosurae – arcti : der Bärin her Evvòs kothe bei Arat. v. 205 .
Cynosura ; zum Unterschiede der - Zu duplices formas vgl. Vergil.
andern Bärin , Helice. S . c. 41, 105 . Aen . I, 93 : Duplices tendens ad
adspectum - parentis: ihrerMut sidera palmas. Cic. de prov. cons.
ter, der oben genannten Cassiepea. c. 6 , 13 : has duplices pestes so
Die Constr. von aufugere mit dem ciorum . .
Acc. wird zwar angezweifelt , ist aquilonis tangiturauris :dervom
aber doch nicht unglaublich. Pol herwehende Nordwind trifft ihn
contingit caput alvo . Das Stern - mehr , als den andern südlicheren ,
LIB . II. CAP. 43. 44. 173
Cuius propter laevum genus omni ex parte locatas
Parvas Vergilias tenui cum luce videbis.
Inde Fides posita et leviter convexa videtur.
Inde est ales avis lato sub tegmine caeli.
Capiti autem Equiproxima est Aquarii dextra, totusque deinceps
Aquarius.
Tum gelidum valido de pectore frigus anhelans
corpore semifero magno Capricornus in orbe.
Quem quum perpetuo vestivit lumine Titan ,
brumali flectens contorquet tempore currum .
Hinc autem adspicitur , 113
ut sese ostendens emergit Scorpios alte ,
posteriore trahens flexum vi corporis arcum ,
quem propter nitens pinnis convolvitur Ales.
At propter se Aquila ardenti cum corpore portat.
Deinde Delphinus;
Exinde Orion obliquo corpore nitens.
Quem subsequens 114
fervidus ille Canis stellarum luce refulget.
Post Lepus sequitur ,
curriculum numquam defesso corpore sedans.
44 . 112. Cuius, einsylbig , wie Fides, die Lyra, nach Aratus von
eiusoben c . 42, 109. – genus alte ihrem Erfinder Hermes an den Him
Form für genu . Vgl. Priscian . VI, mel versetzt.
4, 19. - omni ex parte : die Ver Capricornus: das Sternbild , wel
gilien stehen ganz und gar, sammt ches jetzt Steinbock genannt
und sonders am linken Knie des wird . Der alte Name Alyóx8 o ws
Perseus, indem sie alle auf einen
kleinen Raum zusammengedrängt bedeutet nur einen Geishörnigen
sind : ñhega não at, sagt Arat. v. und geht, nach der wahrschein
251 : brevis locus occupat omnes. lichsten Ansicht, auf den gehörnten
und bockfüssigen Pan . S. Voss zu
German. v, 255. — Vergiliae, Früh Arat. v. 285. Daher corpore se
lingsgestirn, sollen sie, nach Festus, mifero. Kälte haucht er, weil
heissen , quia earum ortu ver finitur. bei ihm das Wintersolstitium ist,
Doch wird diese Deutung bezwei wie es auch die folgenden Verse
felt. Gr. Therádes , Schiffsterne, besagen.
weil mit ihrem Aufgange die Schiff
fahrt wieder begann; nach Andern 113. posteriore vi corporis : mit
von Theños , als dichtgedrängte dem kräftigen Hinterleibe zieht er
Sterngruppe. Vgl. Rivola, Ueb. d. gleichsam den Bogen hinter sich
griech. Sternbilder, Progr. d.Gymn. her , weil nämlich dieser unmittel
zu Bruchsal v. 1861. u . M . Müller, bar nach ihm folgt. Geführt wird
Vorles. üb. Sprachwiss. S. 6 u. 339 der Bogen vom Schützen.
d . deutsch, Uebers. Noch Andere ha Ales. Der von Andern so genannte
ben an relaiádes gedacht, welcher Schwan , neben welchem dann der
Name eine Taubenart bedeutete. Adler.
174 DE NATURA DEORUM
At Canis ad caudam serpens prolabitur Argo. - -
Hanc Aries tegit et squamoso corpore Pisces,
fluminis illustri tangentes corpore ripas.
Quem longe serpentem et manantem adspicies ,
- - proceraque Vincla videbis,
quae retinent Pisces caudarum a parte locata. - -
Inde Nepae cernes propter fulgentis acumen
Aram , quam flatu permulcet spiritus austri.
Propterque Centaurus
cedit, Equi partis properans subiungere Chelis.
Hic dextram porgens, quadrupes qua vasta tenetur ,
tendit et illustrem truculentus cedit ad Aram ;
hic sese infernis de partibus erigit Hydra :
cuius longe corpus est fusum ;
in medioque sinu fulgens Cratera relucet.
Extremam nitens plumato corpore Corvus
rostro tundit ; et hic Geminis est ille sub ipsis
Ante Canem , IIpoxówv Graio qui nomine fertur.
115 Haec omnis discriptio siderum atque hic tantus caeli ornatus
ex corporibus huc et illuc casu et temere cursantibus potuisse
effici cuiquam sano videri potest ? aut vero alia quae natura,
mentis et rationis expers, haec efficere potuit, quae non modo,
ut fierent, ratione eguerunt, sed intelligi, qualia sint, sine summa
45 ratione non possunt ? Nec vero haec solum admirabilia , sed ni
114 . Für Aries tegit ist vielleicht sich unter die Chelae , d. h . die
tagit zu lesen, d. h . tangit. s. Lo Scheeren des Scorpions. In der
renz zu Plaut. Mostell. v. 453 u. Hand hält er ein erlegtes Wild, hier
Neue , Formenlehre S . 315 . Flu als quadrupes vasta bezeichnet.
minis -- . Das Sternbild des Stro Dass nachher cedit d . h . accedit dem
mes , von Einigen , wie Arat. v. von einigen Hdschr.gebotenen caedit
360, Eridanus, von Andern Nil vorzuziehen sei, ist schon allein aus
genannt. - quem , als ob vorher dem Grunde klar, weil der Centaur
fluvii, nicht fluminis gesagt wäre. das Thier unmöglich zugleich in der
procera Vincla : das Band, wel . Rechten tragen und schlachten kann.
ches die Schwänze der beiden Fi Ille - Ante Canem : der Ilgozówv,
sche umschlingt. - Nepae , des Vorhund , Vorläufer des grossen
Scorpions. S . 42, 109. - Neben Hundes, d. h. des Sirius. Beide
diesem der Altar , welchen der wurden als Jagdhunde des Orion
Hauch des Südwindes fächelt, weil gedeutet. Geminis sub ipsis: unmit
er nämlich im Süden steht , wie telbar unter den Zw . S. Wagner,
oben $. 111 der nördliche Fisch Quaest. Virgil. p. 468. – Das ex
vom Nordwinde getroffen ward . tremam im vorherg. Verse ist auf
Centaurus, auf den Chiron gedeu Hydra zu beziehen , wie sich aus
tet. - Mit dem Rosstheil seines Arat. v. 448 ergiebt.
zwiegestalteten Leibes drängt er intelligi - non possunt. Vgl.
LIB . II. CAP. 44. 45. 46. 175
hil maius quam quod ita stabilis est mundus atque ita cohaeret
ad permanendum , ut nihil ne excogitari quidem possit aptius.
Omnes enim partes eius undiquemedium locum capessentes ni
tuntur aequaliter. Maxime autem corpora inter se iuncta perma
nent, quum quasi quodam vinculo circumdato colligantur ; quod
facit ea natura, quae per omnem mundum omnia mente et ra
tione conficiens funditur , et ad medium rapit et convertit ex
trema. Quocirca , si mundus globosus est ob eamque causam 116
omnes eius partes undique aequabiles ipsae per se atque inter
se continentur, contingere idem terrae necesse est , ut omnibus
eius partibus in medium vergentibus , (id autem medium infi
mum in sphaera est,) nihil interrumpat, quo labefactari possit
tanta contentio gravitatis et ponderum . Eademque rationemare,
quum supra terram sit , medium tamen terrae locum expetens
conglobatur undique aequabiliter neque redundat umquam neque
effunditur. Huic autem continens aer fertur ille quidem levitate 117
sublimis , sed tamen in omnis partis se ipse fundit : itaque et
mari continuatus et iunctus est, et natura fertur ad caelum , cuius
tenuitate et calore temperatus vitalem et salutarem spiritum prae
bet animantibus. Quem complexa summa pars caeli , quae ae
theria dicitur , et suum retinet ardorem tenuem et nulla admix
tione concretum , et cum aëris extremitate coniungitur. In ae- 46
there autem astra volvuntur; quae se et nixu suo conglobata
continent, et forma ipsa figuraque sua momenta sustentant : sunt
enim rotunda: quibus formis, ut ante dixisse videor, minime no
de legg. II, 7, 16 : quid est enim 116 .medium infimum in sphaera
verius quam neminem esse opor- est. Vgl. c. 33, 84 . Tusc. V, 24
tere tam stulte arrogantem , ut extr. Sallust de deis et mundo c.
in se rationem et mentem putet 7 extr.: paipas tảơng cò xác
inesse, in caelo mundoque non pu μέσον εστίν .
tet, aut ut ea, quae vix summa in 117. huic continens aer. Vgl. c.
genii ratione comprehendat, nul 26 , 66 .
la ratione moveri putet ? 46 . nixu suo conglobata. Das
45 . 115. quasi quodam vinculo. selbe, was oben c. 39, 98 von der
Solchem umgebenden Bande ist der Erde : in sese nutibus suis conglo
feurige Aether zu vergleichen , der bata .
das Weltall rings umfasst (c. 40, sua momenta sustentant: sie hal
101) und alle Theile desselben ten sich im Gleichgewicht, indem ,
durchdringt, das lebendige und gött- bei der Kugelgestalt , das Gewicht
liche Princip (animans et deus c. 46, (momentum ) der einen Seite immer
118 ), der Urquell aller in der Welt von dem der andern aufgewogen
wirkenden Kräfte , also auch der wird (sustentatur) .
Schwer- oder Centripetalkraft, quae ut ante dixisse videor. Nämlich
ad medium rapit et convertit ex - C. 18 , 47 . Ueber videor vgl. zu I,
trema. 21, 58.
176 DE NATURA DEORUM
118 ceri potest. Sunt autem stellae natura flammeae ; quocirca terrae ,
maris , aquarum vaporibus aluntur iis , qui a sole ex agris tepe
factis et ex aquis excitantur ; quibus altae renovataeque stellae
atque omnis aether refundunt eadem et rursum trahunt indidem ,
nihil ut fere intereat aut admodum paulum , quod astrorum ignis
et aetheris flamma consumit. Ex quo eventurum nostri putant
id , de quo Panaetium addubitare dicebant, ut ad extremum omnis
mundus ignesceret, quum humore consumpto neque terra ali
posset neque remearet aer , cuius ortus aqua omni exhausta esse
non posset ; ita relinqui nihil praeter ignem , a quo rursum , ani
mante ac deo , renovatio mundi fieret atque idem ornatus oriretur.
119Nolo in stellarum ratione multus vobis videri, maximeque earum ,
quae errare dicuntur : quarum tantus est concentus ex dissimilli
mis motibus, ut, quum summa Saturni refrigeret , media Martis
incendat, his interiecta Iovis illustret et temperet, infraque Martem
duae Soli obediant, ipse Sol mundum omnem sua luce compleat,
118. vaporibus aluntur. Vgl. c. abermals aus ihm hervorzugehen .
15 , 40 u . 33, 83. Vgl. Diog. L . VII, 141, der auch die
refundunt eadem für eosdem . S. entgegengesetzte Meinung des Pan
zu c. 5 , 15 . aetius angiebt, nämlich dass die
Panaetius, aus Rhodus, der an - Welt unvergänglich sei. — Für das
gesehenste unter den Stoikern sei- Impf. ignesceret sollte, wegen des
ner Zeit, vel princeps disciplinae vorherg.putant, eigentlich ignescat
Stoicae (de Div. I, 3, 4 ), blühte um stehen. Die Abweichung, worüber
140 v. Chr. - Dass er in manchen zu I, 22, 61, lag hier um so näher,
Stücken von den Ansichten der äl- wegen des zwischentretenden dubi
teren Häupter der Schule abge- tare dicebant.
wichen sei, ist aus mehreren An- 119. quum summa Saturnirefrig .
gaben ersichtlich . Der Stern des Saturnus heisst sum
ut omnis mundus ignesceret. ma, weil er der äusserste in dem
Schon Heraklit hatte angenommen , System ist, soweit die Alten es
Eva sivai xóopov , yevvão fai té kannten . Ueber die den einzelnen
autóv éx nupòs sai ráhev éxTtv- Planeten zugeschriebenen Wirkun
poữofai xató tivas neolódous gen vgl. Plin.H . N .II,8 p.14 Gr.: Sa
švallas Tòv oturavta aiờva - turni sidus gelidae ac rigentis esse
Diog. L. IX , 8. Die Stoiker, wie sie naturae,multoque eo inferiorem lo
gleich jenem ein feuriges Urelement vis circulum - ;tertium Martis,quod
(das Otocxétov xat' doxnv nach quidam Herculis vocant, ignei, ar
Chrysipp. bei Stob . Ecl. I p. 312) an dentis a Solis vicinitate — ; huius
nahmen, den Aether, den sie auch ardore nimio et rigore Saturni in
Feuer nannten , obgleich sie ihn teriectum ambobus ex utroque tem
von dem gröberen irdischen Feuer perari Iovem , salutaremque fieri.
unterschieden (s. c. 15 ,41), so mein - duae Soli obediunt: nämlich Ve
ten sie auch , dass die aus diesem nus und Mercurius, die als der
Urelement hervorgegangene Welt Sonne zunächst stehend auch in
allmälig wieder in dasselbe zurück - ihren Wirkungen durch diese be
kehren werde, um dann aufs Neue dingt, ihr unterworfen sind.
LIB . II. CAP. 46. 47. 177
ab eoque Luna illuminata graviditates et partus afferat maturita
tesque gignendi. Quae copulatio rerum et quasi consentiens ad
mundi incolumitatem coagmentatio naturae quem non movet,
hunc horum nihil umquam reputavisse certo scio. Age, uta cae- 47
lestibus rebus ad terrestres veniamus, quid est in his, in quo non 120
naturae ratio intelligentis appareat ? Principio eorum quae gi
gnuntur e terra stirpes et stabilitatem dant iis , quae susti
nent, el ex terra sucum trahunt, quo alantur ea , quae radicibus
continentur, obducunturque libro aut cortice trunci, quo sint a
frigoribus et caloribus tutiores. Iam vero vites sic claviculis ad
minicula tamquam manibus apprehendunt atque se ita erigunt,
ut animantes. Quin etiam a caulibus , si propter sati sint , ut a
pestiferis et nocentibus refugere dicuntur nec eos ulla ex parte
contingere. Animantium vero quanta varietas est . quanta ad eam 121
rem vis , ut in suo quaeque genere permaneat! Quarum aliae
coriis tectae sunt, aliae villis vestitae, aliae spinis hirsutae ; pluma
alias , alias squama videmus obductas; alias esse cornibus arma
tas , alias habere effugia pinnarum . Pastum autem animantibus
large et copiose natura eum , qui cuique aptus erat, comparavit.
Enumerare possum , ad eum pastum capessendum conficiendum
que quae sit in figuris animantium et quam sollers subtilisque
discriptio partium , quamque admirabilis fabrica membrorum .
Omnia enim , quae quidem intus inclusa sunt, ita nata atque ita
locata sunt, ut nihil eorum supervacaneum sit , nihil ad vitam
retinendam non necessarium . Dedit autem eadem natura beluis 122
et sensum et appetilum , ut altero conatum haberent ad naturalis
pastus capessendos , altero secernerent pestifera a salutaribus.
Luna etc. Ueber den Einfluss des S.Geopon. V, 11. Plin . H . N . XX ,
Mondes auf Gewächse und Thiere 9 p. 618. XXIV , 1 p. 860. Gr.
handelt ebenfalls Plin. H . N . II, 99 121. coriis tectae. Damit sind die
u . 101 p. 106 sq . sog. Dickhäuter (Pachydermen) ge
47. 120. Age. S. zu I, 30, 84. meint, zu denen der Élephant, das
a caulibus, d. h. a brassicis. Nashorn, das Nilpferd,das Schwein,
Denn in dieser speciellen Bedeu - u. aa. gehören .
tung kommt caules häufig vor. S . squama, wie pluma, in Collectiv
Heindorf zu Hor. Sat. II, 4, 15 . Da- bedeutung , in welcher Art pluma
her haben hier auch mehrere Hand (Gefieder) häufig , squama selten
schriften brassicis als Glossema, vorkommt. Doch hat Iuvenal IV ,
was denn später durch ein ange 25 : hoc pretium squamae für squa
hängtes que in den Context einge marum , d . h . piscis squamosi.
fügt ist. Die Abneigung des Wei 122 . altero conatum hab. - - al
nes gegen den Kohl wird öfters er tero secern . Ein sogenannter Chia
wähnt,und Kohl zu essen galt daher smus; denn das erste altero gehtauf
auch als Mittel gegen den Rausch . das zuletztgenannte appetitum , das
Cic. de nat. deor. 4. Aufl. 12
178 . DE NATURA DEORUM

Iam vero alia animalia gradiendo, alia serpendo ad pastum acce


dunt, alia volando, alia nando ; cibumque partim oris biatu et
dentibus ipsis capessunt, partim unguium tenacitate arripiunt,
partim aduncitate rostrorum ; alia sugunt, alia carpunt, alia vorant,
alia mandunt. Atque etiam aliorum ea est humilitas, ut cibum
terrestrem rostris facile contingant: quae autem altiora sunt, ut
anseres, ut cygni, ut grues, ut cameli, adiuvantur proceritate col
lorum . Manus etiam data elephantis, quia propter magnitudinem
48 corporis difficilis aditus habebant ad pastum . At quibus bestiis
123 erat is cibus, ut alius generis bestiis vescerentur , aut viris na
tura dedit aut celeritatem . Data est quibusdam etiam machinatio
quaedam atque sollertia : ut in araneolis aliae quasi rete texunt,
ut, si quid inhaeserit, conficiant, aliae autem ex inopinato obser
vant et , si quid incidit , arripiunt idque consumunt. Pina vero ,
( sic enim Graece dicitur,) duabus grandibus patula conchis, cum
parva squilla quasi societatem coit comparandi cibi: itaque quum
pisciculi parvi in concham hiantem innataverunt, tum admonita
squillae (pina] morsu comprimit conchas. Sic dissimillimis
zweite aufdas zuerst genannte sen Künstler, ein Stück dem andern ,
sum . jeden Theil dem Ganzen anpasste.
atque etiam aliorum - Da eine Auch im folgenden Kapitel sind die
Gegenüberstellung der niedrigeren Imperfecte so zu erklären .
oder kurzbeinigeren und der höhe 48. 123. si quid incidit: wenn
ren Thiere stattfindet, so sollte man etwas in ihren Bereich kommt. Denn
nach diesem auf die ersteren bezüg offenbar sind hier diejenigen Spin
lichen aliorum nuit auch die andern nen gemeint, die kein Netz weben .
in entsprechender Form erwarten , wohin z. B . die sog . Wolfspinnen
etwa : alia autem , quae altiora gehören , im Gegensatz gegen die
sunt - Es ist hier also das Gesetz netzwebenden Kunstspinnen . Ueber
der strengen Concinnität vernach d. versch. Arten s. Plin. H . N . XI,
lässigt, wie es nicht selten vernach 24 . Arist. H . A . IX , 39.
lässigt wird. Vgl. Madvig zu de Pina vero - Gr. nivn oder
Finn . p. 809. nivvn : Steck - oder Stech
manus vom Rüssel des Elephan muschel.
Finn. III, 19,
Was hier , wie de
63, von ihrer Ver
ten ist häufig, und bei Lucretius bindung mit der squilla , einem
heisst der Elephant deswegen auch kleinen Seekrebs, der wegen seines
anguimanus. Man muss sich dabei Verhältnisses zu der Muschel auch
erinnern, dass manus oft, wie auch Nivvotnens, Pinnenwächter
xelo , von dem Arm sammt der Hand heisst, angegeben wird , berichten
gebraucht wird , wie z. B. Plaut. auch Plinius H . N . IX , 42 p. 635 ,
Mil. II, 4, 7 : dispessis manibus pa Plutarch . de sollert. an . c. 30 und
tibulum quum habebis. mehrere Andere. Nach neueren Na
habebant. Der Redende versetzt turforschern ist es indessen sehr
sich in Gedanken in die Zeit , wo zweifelhaft. - pina in d. Hdschr.
die Natur die Thiere zuerst hervor- ohne Zweifel zu tilgen : morsu ge
brachte , und , wie ein bildender hört zu squillae.
LIB . II. CAP. 47. 48. 49. 179
bestiolis communiter cibus quaeritur. In quo admirandum est,124
congressure aliquo inter se, an iam inde ab ortu natura ipsa con
gregatae sint. Est etiam admiratio nonnulla in bestiis aquatilibus
iis, quae gignuntur in terra : veluti crocodili fluviatilesque lestu
dines quaedamque serpentes ortae extra aquam , simul ac primum
niti possunt, aquam persequuntur. Quin etiam anitum ova galli
nis saepe supponimus; e quibus pulli orti primum aluntur ab iis,
ut a matribus, a quibus exclusi fotique sunt; deinde eas relin
quunt et effugiunt sequentis , quum primum aquam quasi natu
ralem domum videre potuerunt. Tantam ingenuit animantibus
conservandi sui natura custodiam . Legi etiam scriptum , esse 49
avem quandam , quae platalea nominaretur ; eam sibi cibum quae
rere advolantem ad eas avis, quae se in mari mergerent; quae
quum emersissent piscemque cepissent, usque eo premere eorum
capita mordicus, dum illae captum amitterent, in quod ipsa inva
deret. Eademque haec avis scribitur conchis se solere complere
easque, quum stomachi calore concoxerit , evomere atque ita eli
gere ex iis quae sunt esculenta. Rapae autem marinae dicuntur 125
124. admirandum est, congres- 10 wird von einem nelexãs erzählt,
sune etc. Mirari und admirari sind dass er die Muscheln , die er leben
nicht ganz gleichbedeutend mit be dig undmit geschlossenen Schalen
wundern oder sich verwun - verschlungen , nachher wieder aus
dern , sondern in beiden wird zu speie und nun, da sie todt und ge
gleich auch das mit der Verwunde- öffnet seien , das Fleisch heraushole,
rung verbundene und ihr zu Grun die Schalen aber liegen lasse. Das
de liegende Nichtbegreifen aus Fleisch bezeichnet hier Cic. durch
gesprochen : und weil dies eine Un ea quae sunt esculenta . Was er und
gewissheit, ein Nichtwissen Plinius von dem Abjagen der Beute
in sich schliesst, so können des erzählen , berichten neuere Natur
wegen beiden Verbis auch indirecte forscher von einer Möwenart, Le
Fragesätze folgen . stris parasitica oder Larus parasi
anitum für anatum . S . Lachmann ticus. — Für in quod ips. inv. haben
zu Lucret. p. 16 . . die Hdschr. id quod, offenbar unrich
exclusi fotique ist nicht als hy tig, da der Relativsatz hier keines
steron proteron zu betrachten ; son weges zur genaueren Begriffsbe
dern das fovere findet in der That stimmungdes vorherg.captum dient.
noch nach dem excludere statt, wenn Vgl. Opusc. ac. III, 337 .
die Jungen noch eine Zeitlang von 125 . Ranae marinae. Das hier
der Mutter unter die Flügel genom gemeinte Thier heisst bei Plin . H . N .
men und gewärmt und gehegt wer IX , 42 rana piscatrix , adieus bei
den, wie es Cic. selbst unten c.52, Plút. d . sollert. an c. 27 u. Antig .
129 angiebt. hist. mir. p. 74. West. Es ist
49.platalea. Dieser Namekommt aber eigentlich kein Frosch , son
sonst nicht vor. Plin. H . N . X , 40. dern ein Fisch , der indessen einige
p . 700 nennt den Vogel, von dem er Aehnlichkeit mit einem Frosche
dasselbe berichtet was hier Cicero, hat: jetzt Lonchus piscatorius.
platea . Bei Aristoteles H . An, IX , Er hat am Kopfe ein Paar faden
12 *
180 DE NATURA DEORUM
obruere sese arena solere et moveri prope aquam , ad quas quasi
ad escam pisces quum accesserint, confici a ranis atque consumi.
Miluo est quoddam bellum quasi naturale cum corvo . Ergo alter
alterius ubicumque nactus est ova frangit. Illud vero ab Aristotele
animadversum , a quo pleraque , quis potest non mirari ? grues,
quum loca calidiora petentes maria transmittant, trianguli effi
cere formam ; eius autem summo angulo aer ab iis adversus pel
litur; deinde sensim ab utroque latere tamquam remis, ita pinnis
cursus avium levatur. Basis autem trianguli , quem grues effi
ciunt, ea tamquam a puppi ventis adiuvatur , eaeque in tergo
praevolantium colla et capita reponunt ; quod quia ipse dux facere
non potest, quia non habet cui innitatur, revolat, ut ipse quoque
quiescat : in eius locum una succedit ex iis, quae acquierunt, ea
que vicissitudo in omni cursu conservatur. Multa eiusmodi pro
126 ferre possum , sed genus ipsum videtis. Iam vero illa etiam no
tiora , quanto se opere custodiant bestiae, ut in pastu circum
50 spectent, ut in cubilibus delitescant. At quam illa mirabilia , quod
ea , quae nuper , id est paucis ante saeculis , medicorum ingeniis
reperta sunt, vomitione canes, purgationeautem alvos ibes Aegyp
förmige Verlängerungen mit rund - sunt. Was von den Aerzten erfun
lichen Enden , deren er sich gleich- den , ist nicht, dass die Hunde sich
sam als eines Köders bedient. Vgl. durch Erbrechen , die Ibis durch
Oppian. Halieut. II, 86. Klystiren mittels des Schnabels cu
illud - animadversum : „ die von riren , sondern die Anwendung von
Arist. wahrgenommene Thatsache.“ Vomitiven und Klystiren bei Men
- a quo pleraque scil. animadversa schen . Cicero 's Ausdruck ist abge
sunt. Uebrigens findet sich in den kürzt : vollständig würde der Ge
erhaltenen Aristotelischen Schriften danke etwa so ausgedrückt sein :
diese Wahrnehmung nicht. quae – reperta sunt, haec a be
ea -- adiuvatur. Nämlich dann , stiis quoque fieri videmus: nam
wenn sie mit dem Winde fliegen, vomitione canes etc. Vgl. Plin . H .
also dieser ihnen von hinten kommt, N . XXIX , 4 : vomitiones quoque
wogegen das vorherg . aer adversus hoc animal hominibus monstrasse
pellitur auf einen Flug gegen den videtur. auch Plutarch. c. 20 . —
Wind deutet, wo die trianguläre Ueber At quam wofür in den mei
Form des Zuges ihnen den Flug er sten Hdschr. Atque vgl. Opusc . ac.
leichtert. Vgl. Plut. a. 0 . c. 10. — III, p. 339 ; über illa - quod s.
Was nachber gesagt wird , dass die zu III, 7, 17, und über nuper oben
hinteren im Zuge ihre Köpfe und C. 5, 14 . - Dass übrigens die
Hälse auf die vorderen legen , wird Hunde durch Erbrechen , welches
bestritten . Anerkannt aber ist, dass sie durch Grasfressen bewirken ,
in der Führung des Zuges mehrere sich den Magen curiren , wird ziem
sich ablösen. — In den Hdschr. ist lich allgemein angenommen. Ueber
una wegen des vorherg. um ausge- haupt besitzen viele Thiere den In
fallen . Dass C . selbst das Subject stinct , bei Krankheiten oder Ver
ausgelassen , ist schwer zu glauben . wundungen das zu geniessen oder
50. 126 . ea quae - reperta zu thun , was ihnen heilsam ist; und
LIB . II. CAP. 50. 51. 181
itae curant. Auditum est pantheras, quae in barbaria venenata
carne caperentur , remedium quoddam habere, quo quum essent
usae non morerentur ; capras autem in Creta feras , quum essent
confixae venenatis sagittis, herbam quaerere, quae dictamnus vo
caretur ; quam quum gustavissent, sagittas excidere dicunt e cor- 127
pore. Cervaeque paullo ante partum perpurgant se quadam her
bula , quae seselis dicitur. Iam illa cernimus , ut contra vim et
metum suis se armis quaeque defendat. Cornibus tauri, apri
dentibus, morsu leones, aliae fuga se, aliae occultatione tutantur,
atramenti effusione sepiae , torpore torpedines : multae etiam in - 51
sectantis odoris intolerabili foeditate depellunt. Ut vero perpe
tuus mundi esset ornatus , magna adhibita cura est a providentia
deorum , ut semper essent et bestiarum genera et arborum
omniumque rerum , quae a terra stirpibus continerentur. Quae
quidem omnia eam vim seminis habent in se, ut ex uno plura
generentur, idque semen inclusum est in intima parte earum ba
carum , quae ex quaque stirpe funduntur ; iisdemque seminibus
et homines affatim vescuntur et terrae eiusdem generis stirpium 128
renovatione complentur. Quid loquar, quanta ratio in bestiis ad
perpetuam conservationem earum generis appareat? Nam pri
mum aliae mares, aliae feminae sunt, quod perpetuitatis causa
machinata natura est. Deinde partes corporis et ad procreandum
et ad concipiendum aptissimae , et in mare et in femina com
miscendorum corporum mirae libidines. Quum autem in locis
semen insedit , rapit omnem fere cibum ad sese , eoque saeptum
so mögen auch die Purganzen des der Species das Genus ohne Weite
Ibis ihre Richtigkeit haben , wenn res durch die blosse Copula zuge
auch das nachher von den Panthern fügt, wie Pindarus novemque lyrici
und wilden Ziegen Erzählte nicht - magni Iovis et deorum nuntius
zu glauben ist, namentlich das Her u . dgl. S . Burmann zu Petron . c. 2 .
ausfallen der Pfeile nach dem Ge Für Gewächse sagt Cic . in Er
nuss des Dictamnus. Erzählt wird mangelung eines die ganze Gattung
übrigens beides von mehreren alten bezeichnenden Namens - dennplan
Schriftstellern . ta bedeutet Setzling oder Wur
127. odoris foeditate. Das jetzt zelschössling - entweder stir
so genannte Stinkthier kann hier pes, was aber eigentlich nur einen
nicht gemeint sein , da dies nur in Theil des Gewächses, den unteren
Amerika lebt. Aber es besitzen auch Theildes Stammes, bezeichnet, oder
mehrere Europäische Thiere die er bedient sich einer Umschreibung .
Eigenschaft,bei grosser Angst einen Wie hier, so c. 33, 83 und ähnlich
sehr üblen Geruch zu verbreiten . c. 10, 26 und 28 . Vgl. ad Famil. VII,
51. arborum omniumque rerum 26 , 2 : terra nata , und mehr bei
etc. ,,der Bäume und aller übrigen Madvig zu de Finn. IV , 5 , 13.
Gewächse.“ So wird in beiden Spra - 128. eoque, nämlich cibo, fingit
chen gewöhnlich dem Einzelnen oder animal: der Same verwendet alle
182 DE NATURA DEORUM

fingit animal: quod quum ex utero elapsum excidit , in iis ani


mantibus, quae lacte aluntur, omnis fere cibus matrum lactescere
incipit: eaque , quae paulo ante nata sunt, sine magistro , duce
natura mammas appetunt earumque ubertate saturantur. Atque
ut intelligamus , nihil horum esse fortuitum et haec omnia esse
opera providae sollertisque naturae : quae multiplices fetus pro
creant, ut sues, ut canes,his mammarum data estmultitudo ; quas
129 easdem paucas habent eae bestiae , quae pauca gigpunt. Quid
dicam , quantus amor bestiarum sit in educandis custodiendisque
iis, quae procreaverunt, usque ad eum finem dum possint se ipsa
defendere ? Etsipisces, utaiunt, ova quum genuerunt, relinquunt :
52 facile enim illa aqua et sustinentur et fetum fundunt. Testudines
autem et crocodilos dicunt, quum in terra partum ediderint, ob
ruere ova , deinde discedere : ita et nascuntur et educantur ipsa
per sese. Iam gallinae avesque reliquae et quietum requirunt ad
pariendum locum , et cubilia sibi nidosque construunt eosque
quam possunt mollissime substernunt , ut quam facillime ova
serventur: ex quibus pullos quum excuderunt, ita tuentur, ut et
pinnis foveant, ne frigore laedantur, et, si est calor a sole , se
opponant. Quum autem pulli pinnulis uti possunt, tum volatus
130 eorum matres prosequuntur, reliqua cura liberantur. Accedit ad
nonnullorum animantium et earum rerum , quas terra gignit, con
servationem et salutem hominum etiam sollertia et diligentia .
Nam multae et pecudes et stirpes sunt, quae sine procuratione
hominum salvae esse non possunt. Magnae etiam opportunitates
ad cultum hominum atque abundantiam aliae aliis in locis repe
riuntur. Aegyptum Nilus irrigat, et, quum tota aestate obrutam
oppletamque tenuit , tum recedit mollitosque et oblimatos agros
ad serendum relinquit. Mesopotamiam fertilem efficit Euphrates,
Nahrung , die er an sich gezogen , 130. tota aestate : hundert Tage,
aufdie Ausbildung desin ihm schon die drei Sommermonate durch. Plin .
präformirten Thierchens. - sae H . N . V , 9 p. 269: Incipit (Nilus)
ptum scil. locis, d . h . utero . . crescere luna nova, quae post sol
129. aqua et sustinentur et fetum stitium est, sensim modiceque, can
fundunt. Eine Art Zeugma. Denn crum sole transeunte ; abundantis
derblosse Ablativ aqua passt eigent- sime autem , leonem ; et residit in
lich nur zu sustinentur ; bei fetum virgine iisdem quibus accrevitmo
funduntmüsste es in aqua heissen . dis. In totum autem , revocatur
52. nascuntur et educantur. intra ripas in libra, ut tradit He
Grammatisch kann freilich nur rodotus, centesimo die. Die Stelle
ova als Subject genommen werden ; Herodot's ist II, 19.
der verständige Leser denkt aber Mesopotamiam - Euphrates. Der
natürlich an die aus den Eiern aus- Euphrat trat jährlich , wenn der
kriechenden Jungen . Schnee auf den Armenischen Gebir
LIB . II. CAP. 51. 52. 53. 183
in quam quot annos quasi novos agros invehit. Indus vero , qui
est omnium fluminum maximus, non aqua solum agros laetificat
et mitigati, sed eos etiam conserit : magnam enim vim seminum
secum frumenti similium dicitur deportare. Multaque alia in aliis 131
locis commemorabilia proferre possum , multos fertilis agros,
alios aliorum fructuum . Sed illa quarta benignitas naturae, quod 53
tam multa ad vescendum , tam varia tamque iucunda gignit, neque
ea uno tempore anni, ut semper et novitate delectemur et copia !
Quam tempestivos autem dedit , quam salutaris non modo homi
num , sed etiam pecudum generi, iis denique omnibus , quae
oriuntur e terra , ventos Etesias, quorum flatu nimii temperantur
calores ! Ab iisdem etiam maritimi cursus celeres et certi diri
guntur. Multa praetereunda sunt, et tamen multa dicuntur. Enu - 132
merari enim non possunt fluminum opportunitates , aestus ma
ritimimutuo accedentes et recedentes , montes vestiti atque sil
vestres , salinae ab ora maritima remotissimae , medicamentorum
salutarium plenissimae terrae, dotes denique innumerabiles ad
gen schmolz, wo er seinen Ursprung pois xai rais nougais : und nachher
nimmt, auf ahnliche Weise wie der γένος αγρίων κριθων εξ ων και
Nil über seine flachen Ufer. Dämme άρτοι ηδείς και χονδρός καλός. und
und Kanäle dienten die Ueber Plin . H . N . XVÜL, 7' p. 431 : hor
schwemmung zu regeln . S . Arrian . deum silvestre, ex quo panis apud
Exp. Al. VII, 21, 3. Heeren Ideen eos praecipuus.
etc. 2. Ausg. (1805) I S. 772. 53 . 131. ventos Etesias. So
Indus - maximus. Dass der nannte man die Winde, die zu be
Ganges doch noch grösser als der In - stimmten Zeiten eintreten und dann
dus sei, bemerken mehrere der Al- eine Zeitlang immer aus derselben
ten ausdrücklich , wie Arrian . Ind. Gegend zu wehen fortfahren ; beson
c. 4 ; aber die grössten Flüsse Eu ders die Nordwestwinde , die vom
ropa's und Africa's, die Donau und Sommersolstitium bis zu den Hunds
der Nil, werden vom Indus über- tagen zu herrschen pflegen. S . For
troffen. Id. ib. c. 3. — Von seinen biger Handb . der alten Geogr. I
und seiner Nebenflüsse jährlichen p. 619.
Ueberschwemmungen redet Strabo 132 . aestus maritimi. S . zu c.
XV, 1 p. 692 ; was aber Cicero 7, 19. - Für mutuo ist vielleicht
von der dadurch bewirkten Besa- mutuum zu lesen : d . Hdschr. ha
mung sagt , finde ich sonst nicht. ben multum .
Auch was die semina frumenti si montes vestiti atque silvestres :
milia seien, ist nicht bestimmt zu das zweite zur Verdeutlichung und
ermitteln . Eines weizenähnlichen nähern Bestimmung des ersten . Vgl.
wildwachsenden Getraides im Musi- c. 64, 161: vestitusque densissimos
kanischen Lande , östlich vom In- montium .
dus, erwähnt Strab . ib . p. 694. dotes denique innumerab .: „ kurz
Dazu vgl. Theophr. hist. pl. IV , 5 : Gaben ohne Zahl“ , mit denen die
gépel dè 'Ivdia) rai oréQuata Erde ausgestattet ist, und die den
idia , tà uèv tots med porots (Hül- Menschen theils zur Nahrung theils
senfrüchten) öuola, Tà dè tots av- zu sonstigen Lebensbedürfnissen
184 DE NATURA DEORUM
victum et ad vitam necessariae. Iam diei noctisque vicissitudo
conservat animantis , tribueps aliud agendi tempus, aliud quie
scendi. Sic undique omniratione concluditur, mente consilioque
divino omnia in hoc mundo ad salutem omnium conservationem
133 que admirabiliter administrari. Hic quaerat quispiam , cuiusnam
causa tantarum rerum molitio facta sit; arborumne et herba
rum ? quae quamquam sine sensu sunt, tamen a natura susti
nentur. At id quidem absurdum est. An bestiarum ? Nihilo pro
babilius , deos mutorum et nihil intelligentium causa tantum
laborasse. Quorum igitur causa quis dixerit effectum esse mun
dum ? Eorum scilicet animantium , quae ratione utuntur. Hi sunt
di et homines , quibus profecto nihil est melius: ratio est enim ,
quae praestet omnibus. Ita fit credibile deorum et hominum
54 causa factum esse mundum quaeque in eo sint omnia. Facilius
que intelligetur, a dis immortalibus hominibus esse provisum ,
si erit tota hominis fabricatio perspecta , omnisque humanae
134naturae figura atque perfectio. Nam quum tribus rebus ani
mantium vita teneatur , cibo , potione, spiritu , ad haec omnia
percipienda os est aptissimum , quod adiunctis naribus spiritu
augetur ; dentibus autem in ore constructis manditur ab his atque
extenuatur et molitur cibus. Eorum adversi acuti morsu divi
dunt escas , intimi autem conficiunt, qui genuini vocantur ; quae
(ad victum et ad vitam ) unentbehr- Platze gedacht. Dotes aber in dem
lich sind. Denique dient regelmäs- hier erforderlichen Sinn ist grade
sig, um nach Aufzählung von meh - das rechte Wort.
reren Einzelheiten mit einer allge 54. 134. os — spiritu augetur :
meinen und umfassenden Angabe zu „ der Mund wird mit Odem begabt. “
schliessen . -- artes, was die Hdschr. Denn augeri aliqua re wird immer
für dotes haben , ist nur ein auch nur von Dingen gesagt, die Einem
sonst yorkommender Schreibfehler ; zu Gute kommen und nützlich oder
s. Opusc. ac. III, 340 ; hätte Cic. erfreulich sind. Dass übrigens der
hier der Künste erwähnt, so hätte Odem dem Munde vorzugsweise zu
er einen Fehler begangen und Gute komme, würden selbst die al
Verschiedenartiges ungehörig ver ten Physiologen schwerlich zugege
mischt. Denn die Künste erfindet ben haben ; vielmehr, wie Cic. selbst
der Mensch , die Natur hat ihm nur c. 55 , 136 sagt, der Odem ist der
die Fähigkeit zu ihrer Erfindung cibus animalis, quo maxime alun
gegeben ; sie durften also nicht mit tur animantes .
den heilsamen und nützlichen Na manditur ab his. Das ab his
turerscheinungen und Producten
zusammengeworfen werden , die konnte hier freilich fehlen ; doch ist
durch ihre dotes, die Eigenschaften , es auch zu vertheidigen . S. Opusc .
mit denen die Natur sie ausgestattet ac. III p. 372.
hat, den Menschen nützlich und adversi dentes sind die Vorder
schätzbar sind . Auch wird ihrer zähne , wie adversum corpus der
nachher c. 59, 148 am schicklichen Vorderkörper.
LIB. II. CAP. 53. 54. 185
confectio etiam a lingua adiuvari videtur. Linguam autem ad 135
radices eius haerens excipit stomachus , quo primum illabuntur
ea, quae accepta sunt ore. Is utraque ex parte tonsillas attingens
palato extremo atque intimo terminatur. Atque is , agitatione et
motibus linguae quum depulsum et quasi detrusum cibum acce
pit , depellit. Ipsius autem partes eae , quae sunt infra quam id
quod devoratur , dilatantur, quae autem supra , contrahuntur.
Sed quum aspera arteria (sic enim a medicis appellatur) ostium 136
habeat adiunctum linguae radicibus, paulo supra quam ad lin
guam stomachus annectitur , eaque ad pulmones usque pertineat
excipiatque animam eam quae ducta est spiritu , eandemque a
pulmonibus respiret et reddat: tegitur quodam quasi operculo ,
quod ob eam causam datum est, ne, si quid in eam cibi forte
incidisset , spiritus impediretur. Sed quum alvi natura , subiecta
stomacho , cibi et potionis sit receptaculum , pulmones autem et
cor extrinsecus spiritum adducant: in alvo multa suntmirabiliter
effecta: quae constat fere e nervis. Est autem multiplex et tor
tuosa arcetque et continet, sive illud aridum est sive humidum ,
135 . stomachus, die Speiseröhre, yattis. S . Gell. XVII, 11, wo ver
nicht der Magen, sondern der Weg schiedene Ansichten über seine Be
zu ihm . Celsus IV , 1 : deinde duo stimmung berichtet werden .
itinera incipiunt: alterum asperam alvi natura. Vgl. de Finn . V , 11,
arteriam nominant, alterum stoma- 33 : hoc intelligant, si quando natu
chum : arteria exterior ad pulmo- ram hominis dicam , hominem di
nem , stomachus interior ad ventri- cere me; nihil enim hoc differt
culum fertur. Lucret. I, 276 : quum mollis aquae
· tonsillas : Drüsen hinten im Ra- fertur natura repente flumineabun
chen , am Eingang der Speiseröhre, danti. Dass indessen solche Um
von unsMandeln genannt. Colles schreibung nicht überall zulässig sei,
faucium spectantesuvam (das Zäpf- erkennt man leicht : sie passt nur
chen) Lact. de opif. dei c. 11, 9. da, wo der Gegenstand gerade von
:- depulsum - - depellit. Dass Seiten seiner natürlichen Beschaf
Cic. dasselbe Verbum zweimal ge- fenheit oder Bestimmung in Betracht
braucht, da es doch leicht gewesen kommt. — Uebrigensbedeutet alvus
wäre, für depellit einen andern Aus hier den Magen , nachher aber (mul
druck , etwa deglutit, oder auch für tipl. et tort.) den Unterleib . Der
depulsum etwadepressum zu setzen , Name umfasst also beides, den ven
wie Bünemann zu Lact. de opif. dei triculus und die intestina . Alvus
c. 10, 16 vorschlug , ist offenbar ein superior heisst der Magen auch bei
Uebelstand , der sich nur aus der Cato R. R. 156. Griech. ñ áva
Eilfertigkeit und Flüchtigkeit er κοιλία und ή κάτω κολία.
klärt , mit der Cic. diese anatomi pulmones et cor — spiritum ad
sche Partie geschrieben , und die ducunt. Welchen Theil das Herz
auch noch manche andere Spuren vermeintlich am Athmungsprocesse
beweisen . Vgl. zu c. 58, 145. nehme, wird unten c. 55, 138 näher
| 136. quodam — operculo. Ge angegeben. Es ist übrigens irrig,
meint ist der Kehldeckel, gr. ene- wie vieles Andere in dieser Partie,
186 DE NATURA DEORUM
quod recepit, ut id mutari et concoqui possit; eaque tum adstrin
gitur tum relaxatur, atque omne quod accepit cogit et confundit;
ut facile et calore, quem multum habet , et terendo cibo et prae
terea spiritu omnia cocta atque confecta in reliquum corpus di
55 vidantur. In pulmunibus autem inest raritas quaedam et assi
milis spongiis mollitudo ad hauriendum spiritum aptissima, qui
tum se contrahunt adspirantes tum in respiratu dilatant , ut fre
quenter ducatur cibus animalis , quo maxime aluntur animantes.
137 Ex intestinis autem secretus a reliquo cibo sucus is , quo ali
mur , permanat ad iecur per quasdam a medio intestino usque
ad portas iecoris (sic enim appellantur) ductas et directas vias,
quae pertinent ad iecur eique adhaerent. Atque inde aliae [alio ]
pertinentes sunt, per quas cadit cibus a iecore dilapsus. Ab eo
cibo quum est secreta bilis iique humores, qui e renibus profun
duntur, reliqua se in sanguinem vertunt ad easdemque portas
iecoris confluunt, ad quas omnes eius viae pertinent : per quas
was einzeln zu bemerken und zu be- 4), bei welchem jenes Beides ab
richtigen viel Raum fordern und wechselt; oder es bedeutet wie
wenig nützen würde. der Athem schöpfen , nachdem
55 . tum se contrahunt adspiran - das Athmen eine Zeitlang unter
tes, tum in respiratu dilatant. Oben brochen oder gestört worden ist.
c. 54, 136 steht respiret deutlich In der vorliegenden Stelle hat C .
fürausathmen , den eingezogenen bei adspirantes nur an das Anhau
Athem wieder von sich geben , und chen gedacht, wo die ausgeathmete
ebenso unten § 138. Durch adspi Luft auf einen Gegenstand hin ge
rare aber wo es so zu stehen richtet wird. Expirantes zu sa
scheint, wird in der That nur das gen hat er wohl darum vermieden ,
A nhauchen , Anwehen , ad weil dies Wort gewöhnlich nur von
flare , adhalare , die Richtung des Sterbenden vorkommt. Respiratus
Athems, des Hauches, der Ausdün kann also hier nur Einathmung
stung auf einen Gegenstand be bedeuten , nicht wie respirare in
zeichnet, wie de Div. I, 36 , 79, den 0. a. Stellen verstanden wer
wo von den Einflüssen die Rede den . Die Form respiratus findet
ist, quae fiunt ex disparili adspi sich übrigens wohl nur noch bei
ratione terrarum . Vgl. ib . 57, Apulei. Met. IV , 15 .: parvis re
130 und dazu oben c. 33, 83, wo spiratui circa nares et oculos da
man bei adspiratio aeris nicht so tis foraminibus; wo , wie man
wohl an das Einathmen als an sieht, das Athmen überhaupt
die Einwirkung der theils durch bezeichnet wird , wie gr. avanvon.
den Athem theils auch anderwei- Ueber Madvig's Coniectur intranie
tig das Gedeihen bedingenden spiritu für in respiratu s. d. An
Luft zu denken hat. Ebenso steht hang .
auch respirare niemals eigentlich 137. ad quasomnes eius viae per
vom Einathmen im Gegensatz tinent, d . h . omnes sanguinis viae.
zum Ausath men , sondern nur Dass die Leber das Centralorgan
vom Athmen überhaupt, der spi- für die Venen sei, und dass sie den
. ritus reciprocatio (Geil. XVII, 11, ihr zugeführten Speisebrei , chylus
LIB. II. CAP. 54. 55. 56. 187
lapsus cibus in hoc ipso loco in eam venam , quae cava appella
tur, confunditur perque eam ad cor confectus iam coctusque per
labitur ; a corde autem in totum corpus distribuitur per venas
admodum multas in omnes partis corporis pertinentis. Quem - 138
admodum autem reliquiae cibi depellantur tum adstringentibus se
intestinis tum relaxantibus, haud sane difficile dictu est, sed
tamen praetereundum est, ne quid habeat iniucunditatis oratio .
Illa potius explicetur incredibilis fabrica naturae. Nam quae spi
ritu in pulmones anima ducitur , ea calescit primum ipso ab spi
ritu , deinde contagione pulmonum : ex eaque pars redditur re
spirando, pars concipitur cordis parte quadam , quem ventriculum
cordis appellant, cui similis alter adiunctus est, in quem sanguis
a iecore per venam illam cavami influit. Eoque modo ex his par
tibus et sanguis per venas in omne corpus diffunditur , et spiri
tus per arterias. Utraeque autem crebraemultaeque toto corpore
intextae vim quandam incredibilem artificiosi operis divinique
testantur. Quid dicam de ossibus, quae subiecta corporimira- 139
bilis commissuras habent , et ad stabilitatem aptas et ad artus
finiendos accommodatas et ad motum et ad omnem corporis
actionem . Huc adde nervos, a quibus artus continentur, eorum
que implicationem toto corpore pertinentem : qui sicut venae et
arteriae a corde tracti et profecti in corpus omne ducuntur. Ad 56
hanc providentiam naturae tam diligentem tamque sollertem ad - 140
iungi multa possunt, e quibus intelligatur , quantae res homini
bus [a dis ,] quamque eximiae tributae sint; quae primum eos
in Blut verwandelt den Venen über - Nerven vom Herzen ausgingen , wi
gebe, war die herrschende Ansicht derlegt ebenfalls Galen als einen
der alten Physiologen. Vgl. Galen. . von Vielen, auch von Aristoteles
de usu part. XVI, 1. 10 . 14 . gehegten Irrthum , in der Schr. de
per quas lapsus cibus, d . h . die Hippocr. et Plat. dogm . lib. I. Es
in Blut verwandelte Speise, der zu heissen aber nervi, wie veŭpa , auch
Blut gewordene Speisebrei. die von den Neueren tendines ge
spiritus per arterias. Diese An - nannten Flechsen und Sehnen , ovv.
sicht war bis auf Galen die herr Sesua, und in diesem Sinne sagt
schende. Man meinte, dass die ein Cic.: nervos, a quibus artus conti
geathmete Luft nicht blos in die nentur. Vgl. Philipson . Úan av
Lungen , sondern auch in die linke Joan . p. 12. und Anke im Philol.
Herzkammer dringe und von hier XXXII p. 590.
aus in die Arterien. Galen bewies 56. 140. ad hanc providentiam .
in einer besonderen Schrift , dass Abgekürzter Ausdruck für: ad haec,
auch die Arterien Blut enthielten . quae de providentia dixi. - Das
139. toto corpore = per totum folg. a dis (od. a deo in älteren
corpus. vgl. § 141 toto corpore - Ausg .) ist ein unechter Zusatz.
fusus. Hätte Cic. so geschrieben, so wür
qui - a corde tracti. Dass die de er gewiss auch nicht quae -
188 DE NATURA DEORUM

humo excitatos celsos et erectos constituit , ut deorum cognitio


nem caelum intuentes capere possent. Sunt enim e terra homi
nes , non ut incolae atque habitatores, sed quasi spectatores
superarum rerum atque caelestium , quarum spectaculum ad nul
lum aliud genus animantium pertinet. Sensus autem , interpretes
ac nuntii rerum , in capite tamquam in arce mirifice ad usus ne
cessarios et facti et collocati sunt. Nam oculi tamquam specula
tores altissimum locum obtinent, ex quo plurima conspicientes
141 fungantur suomunere. Etaures, quum sonum percipere debeant,
qui natura ſin sublime fertur , recte in altis corporum partibus
collocatae sunt. Itemque nares, eo quod omnis odor ad supera
fertur , recte sursum sunt, et quod cibi et potionis iudicium ma
gnum earum est, non sine causa vicinitatem oris secutae sunt.
Iam gustatus , qui sentire eorum quibus vescimur genera debet,
habitat in ea parte oris , qua esculentis et potulentis iter natura
patefecit. Tactus autem toto corpore aequabiliter fusus est, ut
omnis ictus omnisque minimos et frigoris et caloris appulsus
sentire possimus. Atque, ut in aedificiis architecti avertunt
ab oculis et naribus dominorum ea , quae profluentia necessario
taetri essent aliquid habitura , sic natura res similis procul
57 amandavit a sensibus. Quis vero opifex praeter naturam , qua
142 nihil potest esse callidius, tantam sollertiam persequi potuisset
in sensibus ? quae primum oculos membranis tenuissimis vesti
vit et saepsit : quas primum perlucidas fecit , ut per eas cerni
constituit, sondern qui constitue- „ Ihr Urtheil ist von grosser Wich
runt geschrieben haben . Vielleicht tigkeit.“ Vgl. c. 58 , 146 . de orat.
aber hat er ab ea geschrieben , d. h. III, 59, 222: oculorum magna est
a naturae providentia . moderatio : ist von grosser Bedeu
humo excitatos etc. Vgl. de Legg tung.
I, 9, 26 : nam quum ceteras animan omnesqueminimos - appulsus.
tes " (natura ) abiecisset ad pastum , „ alle, selbst die kleinsten Ein
solum hominem erexit, ad caelique drücke.“ Vgl. oben I, 24, 67 : omni
quasi cognationis domiciliique pri bus minimis temporum punctis. III ,
stini conspectum excitavit. 35 , 86 : omnia minima curant. de
e terra homines — Das an die Finn. V, 29, 88 : nec ullo minimo
Spitze gestellte e terra passt eigent- momento .
lich nur zu dem im zweiten Gliede 57. 142. primum - saepsit,
folgenden spectatores, was dem Ci- quas primum perluc. fec. Dem er
cero, als er den Satz begann, schon sten primum entsprichtsed lubricos
vorschwebte , vor welches er aber oc. fec., dem zweiten aber firmas
dann, des Gegensatzes wegen , noch autem . Dass Cicero zweimal pri
das negative Glied non ut incolae mum gebraucht, ist allerdings ein
- einschob . Uebelstand , den er bei etwas weni
141. [in ] sublime s. zu c. 16 , 44. ger Flüchtigkeit leicht hätte ver
iudicium magnum earum est. meiden können .
LIB . II. CAP. 56 . 57. 189
posset, firmas autem , ut continerentur. Sed lubricos oculos fe
cit et mobilis, ut et declinarent si quid noceret, et adspectum
quo vellent facile converterent ; aciesque ipsa qua cernimus,
quae pupula vocatur , ita parva est, ut ea quae nocere possint
facile vitet: palpebraeque, quae sunt tegmenta oculorum , mol
lissimae tactu , ne laederent aciem , aptissime factae et ad clau
dendas pupulas , ne quid incideret, et ad aperiendas : idque pro
vidit ut identidem fieri posset cum maxima celeritate. Munitae- 143
que sunt palpebrae tamquam vallo pilorum , quibus et apertis
oculis , si quid incideret , repelleretur , et somno coniventibus,
quum oculis ad cernendum non egeremus , (utque) tamquam in
voluti quiescerent. Latent praeterea utiliter , et excelsis undique
partibus saepiuntur. Primum enim superiora , superciliis obducta,
sudorem a capite et a fronte defluentem repellunt. Genae deinde
ab inferiore parte tutantur subiectae leniterque eminentes. Na
susque ita locatus est , ut quasi murus oculis interiectus esse
videatur. Auditus autem semper patet ; eius enim sensu etiam 144
dormientes egemus: a quo quum sonus est acceptus, etiam e
somno excitamur. Flexuosum iter habet , ne quid intrare possit,
si simplex et directum pateret; provisum etiam , ut, si qua mi
ut contineretur. Man kann zwei- folgen , in welchem ein anderer Sub
felhaft sein, was das Subject zu die ject als oculi wäre ; ein solches
sem Verbo sei, oculi odermembra folgt aber nicht, sondern statt des
nae. Es kommt aber Beides auf Eins sen utque quiscerent. Mit diesem
heraus ; denn die Haut, die Cicero utque oder wie einige Hdschr. ha
meint, ist eben der äusserste Theil ben ut qui, ist durchaus nichts an
des Auges selbst, die Hornhaut, cor- zufangen : es kann nur durch irgend
nea. Durch ihre Härte und Stei- ein Versehen hierher gerathen sein ,
figkeit hält und behauptet sie sich worüber man dies oder jenes ver
in ihrer Gestalt (continetur), dass muthen mag. Coniventibus aber
sie nicht auseinandergeht oder ver haben Abschreiber, durch das vor
schoben wird . hergehende apertis verleitet, ge
pupula, auch pupilla, das Püpp - schrieben für das von C . gesetzte
chen , Gr.xóon, von dem Bilde, was coniventes (coniventeis), scil. oculi,
sich uns darin darstellt: év a tò womit wir nun das erforderliche
είδωλον αντιλάμπει τού βλέπον Subject zu quiescerent gewonnen
tos. Plut. de fac. in orb. Lun. c. haben. In dem Zwischensatz quum
27 . - egeremus wäre das Pronom , eis
143. et somno coniventibus etc. genügend gewesen . Dass dafür
Die Handschriftl. Lesart dieses Sa- doch das Nomen selbst, oculis,
tzes enthält einen argen Verstoss gesetzt ist, mögen wir mit ähn
gegen die Construction, wie wir lichen Beispielen vergleichen , wie
ihn dem Cic. kaum zutrauen dür- sie zu c. 9, 25 angeführt sind.
fen . Nach coniventibus, mag man 144 . ne quid intrare possit , si
es nun als absol. Ablat. oder als pateret. Der abgekürzte Ausdruck
Dativ nehmen,müsste ein Satzglied ist zu ergänzen , etwa durch quod
190 DE NATURA DEORUM
nima bestiola conaretur irrumpere, in sordibus aurium tamquam
in visco inhaeresceret. Extra autem eminent quae appellantur
aures, et tegendi causa factae tutandique sensus, et ne adiectae
voces laberentur atque errarent priusquam sensus ab his pulsus
esset. Sed duros et quasi corneolos habent introitus multisque
cum flexibus, quod his naturis relatus amplificatur sonus. Quo
circa et in fidibus testudine resonatur aut corpu , et ex lortuosis
115 locis et inclusis soni referuntur ampliores. Similiter nares, quae
semper propter necessarias utilitates patent, contractiores habent
introitus, ne quid in eas, quod noceat , possit pervadere , humo
remque semper habent, ad pulverem multaque alia depellenda
non inutilem . Gustatus praeclare saeptus est : ore enim con
tinetur , et ad usum apte et ad incolumitatis custodiam . Omnis
58 que sensus hominum multo antecellit sensibus bestiarum . Pri
mum enim oculi in iis artibus , quarum iudicium est oculorum ,
in pictis , fictis caelatisque formis , in corporum etiam motione
atque gestu multa cernunt subtilius; colorum etiam et figurarum
[tum ] venustatem atque ordinem et, ut ita dicam , decentiam oculi
iudicant; atque etiam alia maiora. Nam et virtutes et vitia co
gnoscunt: iratum propitium , laetantem dolentem , fortem igna
146 vum , audacem timidumque cognoscunt. Auriumque item est ad
fieret oder fieri posset, si pat. bestiae, quae nihil subtiliter cer
Aehnlich Gell. V , 19 : tam iure le- nunt.
geque filius siet, quam si ex eo pa tum venustatem - Das tum
tre natus esset, d . h . quam esset fi- ist anstössig , da ihm weder ein
lius, si -- . Vgl. Kühner zu Tuscul. entsprechendes tum folgt, noch es
V , 33, 96 . selbst als dem voraufgehenden pri
his naturis = rebus huius natu mum entsprechend angesehen wer
rae. den kann , falls man nicht etwa
testudine -- aut cornu. Bei den mit Hand , Tursell. I p. 766 die
Saiteninstrumenten sind die Saiten Worte colorum etiam et figura
theils über einen hohlen Körper, rum als unechten Zusatz streicht.
testudo, gespannt, wie bei der ci Vielleicht aber hatte ein alter Le
thara (Guitarre), theils zwischen ser tum für das folgende atque an
zwei hohlen Armen , wie bei der Ly - den Rand geschrieben , und es ist
ra. Diese heissen cornua . S . dann von Abschreibern an unrech
$ 149. ter Stelle in den Text gesetzt.
58 . 145. multa cernunt subti- Das Wort decentia ist übrigens
lius. Man darf sich nicht scheuen, ein ungebräuchliches und von Cic .
quam bestiae hinzuzudenken . Der selbst gemachtes, wie auch das ut
Comparativ wird in allen Sprachen ita dicam andeutet , um den Be
oft so gebraucht, dass ihm auf der griff der EUT DÉTELA entsprechender
andern Seite nicht ein Positiv, son - auszudrücken , als er durch venu
dern eine Negation gegenüber ge- stas et ordo auszudrücken war.
dacht wird. Š. Nitzsch zu Plato's timidumque cognoscunt. Man
Ion p. 66. Also hier subtilius quam möchte das Verbum hier oder kurz
LIB . II. CAP. 57. 58. 59. 191
mirabile quoddam artificiosumque iudicium , quo iudicatur et in
vocis et in tibiarum nervorumque cantibus varietas sonorum ,
intervalla , distinctio et vocis genera permulta ; canorum fuscum ,
leve asperum , grave acutum , flexibile durum ; quae hominum
solum auribus iudicantur. Nariumque item et guslandi pariter
et tangendi magna iudicia sunt. Ad quos sensus capiendos et
perfruendos plures etiam , quam vellem , artes repertae sunt. Per
spicuum est enim , quo compositiones unguentorum , quo cibo
rum conditiones , quo corporum lenocinia processerint. Iam 59
vero animum ipsum mentemque hominis , rationem , consilium , 147
prudentiam qui non divina cura perfecta esse perspicit , is his
ipsis rebus mihi videtur carere . De quo dum disputarem , tuam
mihi dari vellem , Cotta , eloquentiam . Quo enim tu illa modo
diceres / quanta primum intelligentia , deinde consequentium
rerum cum primis coniunctio et comprehensio esset in nobis ,
ex quo videlicet, quid ex quibusque rebus efficiatur, [idque ra
vorher gespart oder mit einem an - men und ungefügigen . Die andern
dern , etwa dignoscunt, vertauscht beiden Bezeichnungen grave acu
wünschen ; aber ich denke , auch tum gehen auf die Tonhöhe : eine
in dieser Wiederholung verräth Bass- und eine Discantstimme.
sich Cicero 's Flüchtigkeit. . gustandi et tangendi für gustus
et tactus. Das Gerundium statt des
146 . intervalla, distinctio. Jenes
bezeichnet die Unterschiede der Verbalsubstantivs. Ueber magna
Töne nach Höhe oder Tiefe , dia iudicia vgl. c. 56, 141.
στήματα οξύτητός τε περί και βα ciborum conditiones = conditu
Cúrntos , (Schneider Ecl. phys. rae, von condire.
p. 310) dieses wahrscheinlich den 59. 147 . mentem , die Denkkraft
specifischen Unterschied der Töne überhaupt: rationem , die Fähigkeit
verschiedener Stimmen oder Instru zu beurtheilen und zu schliessen :
mente, die Tonfarbe. - Cano consilium das Vermögen , die jedes
rum bezeichnet die klangreiche mal zweckmässigen Mittel zu fin
Stimme, dem fuscum , der dumpfen den : prudentiam , die durch Beob
Stimme entgegengesetzt: anderswo achtung und Erfahrung gewonnene
wird auch jene mit einer von der Einsicht, was von jedem Dinge zu
Farbe übertragenen Bezeichnung halten sei. — Weiterhin intelligen
vox candida, eine helle, klare tia : die Auffassungsgabe, die Fähig
Stimme genannt, serena bei Pers. keit zu begreifen ; consequentium
sat. I, 9, wo Heinrich zu vergl. rerum coniunctio et comprehensio :
Leve, asperum : die weiche, das das Vermögen , Zusammengehöriges
Ohr linde berührende (sonst auch zu verbinden und zusammenzufas
lene) entgegengesetzt der rauhen sen ; also comprehensio hier anders
und unangenehmen. Flexibile, du als in der sonst vorkommenden Be
rum : die geschmeidige, mit Leich deutung, wo es , wie perceptio, die
tigkeit sich durch die verschie Stoische xatálnyis ausdrückt: wie
denen Abstufungen und Modifica gleich unten comprehendimus.
tionen des Tones bewegende Stim idque ratione: ein verdächtiger
me, entgegengesetzt der unbiegsa- Zusatz . Die Bedeutung kann nur
192 DE NATURA DEORUM
tione, concludimus, singulasque res definimus circumscripteque
complectimur: ex quo scientia intelligitur quam vim habeat [et]
qualis sit, qua ne in deo quidem est res ulla praestantior. Quanta
vero illa sunt , quae vos Academici infirmatis et tollitis , quod et
sensibus et animo ea , quae extra sunt, percipimus atque com
148prehendimus ! Ex quibus collatis inter se et comparatis artis
quoque efficimus, partim ad usum vitae, partim ad oblectationem
necessarias. Iam vero domina rerum , ut vos soletis dicere , elo
quendi vis quam est praeclara quamque divina! quae primum
efficit, ut et ea , quae ignoramus, discere et ea, quae scimus, alios
docere possimus. Deinde hac cohortamur , hac persuademus,
hac consolamur afflictos , hac deducimus perterritos a timore,
hac gestientis comprimimus, hac cupiditates iracundiasque re
stinguimus ; haec nos iuris , legum , urbium societate devinxit,
149 haec a vita immani et fera segregavit. Ad usum autem orationis,
incredibile est , si diligenter attenderis , quanta opera machinata
natura sit. Primum enim a pulmonibus arteria usque ad os in
timum pertinet , per quam vox , principium a mente ducens,
percietur et funditur. Deinde in ore sita lingua est, finita den
tibus. Ea vocem immoderate profusam fingit et terminat, atque
sonos vocis distinctos et pressos efficit , quum et ad dentis et

sein : „ und zwar mittels der Ver- cens . Um dies ganz im Sinne des
nunft“, die eben das Vermögen zu Stoikers zu verstehen , muss man
schliessen ist; oder: „ und zwar sich erinnern,dass nach Chrysippus,
vernunftgemäss“, d. h. richtig, fol- aus dem diese Partie ohne Zweifel
gerecht. Vielleicht schrieb Cicero : mittelbar oder unmittelbar geschöpft
et qua ratione: „ wir schliessen ist, die Denkkraft ihren Sitz in der
mittels der Verbindung und Zusam - Brust, und zwar im Herzen , also
menfassung des Zusammengehöri- dicht neben den Lungen hat. S .
gen, was aus jedem Dinge und in Galen , de Hippocr. et Plat. dogm .
wiefern es daraus folge.“ II, 3 ff. und III, 8. Hier wird der Ge
quae vos - infirmatis. Mit Be danke als λόγος ενδιάθετος gebil
ziehung auf den Skepticismus der det und tritt als Rede, kóyos roo
Akademiker s . d. Einleit. s. 15 f gooixós, durch die Sprachorgane
Der Plural, weil nicht blos das eine hervor. — Für percietur haben die
mit quod eingeführte, sondern auch Hdschr. percipitur.
die weiterhin folgenden Argumente finita dentibus ist schwerlich das
gemeint sind. Vgl. III, 7, 17 . rechte. Wahrscheinlich munita d .
148. ut vos soletis dicere: d. h . S. Opusc. ac. III p. 377.
du und deine Kunstgenossen , die . vox immoderate profusa heisst
Redner. Ueber Cotta als Redner s. der unarticulirte Laut, wie umge
d. Einl. S . 20, und zu dem folgenden kehrt moderatio vocis von der Ar
Lobe der Beredsamkeit vgl. de Orat. ticulation steht de Legg . I, 9, 27 .
I, 8. de Invent. I, 2. Durch die Articulation werden deut
149. vox principium a mente du lich von einander unterschiedene
LIB . II. CAP. 59. 60. 193
ad alias partis pellit oris. Itaque plectri similem linguam nostri
solent dicere , chordarum dentis , naris cornibus iis , qui ad ner
vos resonant in cantibus. Quam vero aptas quamque multarum 60
artium ministras manus natura homini dedit! Digitorum enim 150
contractio facilis facilisque porrectio propter mollis commis
suras et artus nullo in motu laborat. Itaque ad pingendum , ad
fingendum , ad scalpendum , ad nervorum eliciendos sonos ac
tibiarum apta manus est admotione digitorum . Atque haec ob
lectationis : illa necessitatis, cultus dico agrorum extructionesque
tectorum , tegumenta corporum vel texta vel suta , omnemque
fabricam aeris et ferri : ex quo intelligitur ad inventa apimo, per
cepta sensibus, adhibitis opificum manibus omnia nos conse
cutos , ut tecti , ut vestiti, ut salvi esse possemus, urbis, muros,
domicilia , delubra haberemus. Iam vero operibus hominum , id 151
est manibus , cibi etiam varietas invenitur et copia. Nam et agri
multa efferunt manu quaesita , quae vel statim consumantur vel
mandentur condita vetustati, et praeterea vescimur bestiis et ter
renis et aquatilibus et volatilibus partim capiendo, partim alendo.
Efficimus etiam domitu nostro quadrupedum vectiones ; quorum
celeritasatque vis nobis ipsis affert vim et celeritatem . Nos onera
quibusdam bestiis, nos iuga imponimus ; nos elephantorum acu
tissimis sensibus , nos sagacitate canum ad utilitatem nostram
abutimur ; nos e terrae cavernis ferrum elicimus, rem ad colen
dos agros necessariam ; nos aeris , argenti, auri venas penitus
und bestimmt begrenzte Laute ge- abzuleiten . Denn dieses einsalzen
bildet, sonivocis distincti et pressi, und überhaupt einmachen findet
die eigenthümliche Gabe der ué 00 doch nur bei einigen, jenes aber bei
T86 äv9 puoi , wodurch sie sich allen Nahrungsmitteln statt, dieman
von den Thieren unterscheiden, de aufbewahrt, und von denen gerade
ren vox eine immoderate profusa die wichtigsten , wie das Getraide,
ist. die Hülsenfrüchte und dergl., des
60. 150. mollis commissuras et Einmachens nicht bedürfen. Vgl.
artus, „ die beweglichen , geschmei auch c. 62, 156 u . 63, 157.
digen Verbindungen und Gelenke“ , vescimur - capiendo, alendo ist
wofür auch commissuras artuum eine bemerkenswerthe Ungenauig
gesagt werden konnte. Artus sind keit des Ausdruckes, für quas capi
eigentlich dasselbe wie articuli, Gr. mus, alimus oder quae capiuntur,
ão9oa, obgleich nachher auch die aluntur.
Gliedmassen selbst so genanntwer venas penitus abditas. Diese
den : mollis aber ist ursprünglich = Worte bilden die zweite Hälfte
mobilis, aus dem es auch entstan eines trochäischen Tetrameters, und
den ; und die Bedeutung weich ist es ist allerdings möglich , dass dem
nur eine abgeleitete. Cicero hier wie in der ähnlichen
151. condita ist hier wahrschein Stelle de Offic. II, 3, 13, eine Dich
licher von condere als von condire terstelle vorgeschwebt habe. Doch
Cic. de nat. deor . 4. Aufl . 13
194 DE NATURA DEORUM
abditas invenimus et ad usum aptas et ad ornatum decoras : ar
borum autem consectione omnique materia et culta et silvestri
partim ad calefaciendum corpus igni adhibito et ad mitigandum
cibum utimur , partim ad aedificandum , ut tectis saepti frigora
152 caloresque pellamus. Magnos vero usus affert ad navigia facien
da , quorum cursibus suppeditantur omnes undique ad vitam
copiae : quasque res violentissimas natura genuit , earum mode
rationem nos soli habemus , maris atque ventorum , propter nau
ticarum rerum scientiam , plurimisque maritimis rebus fruimur
atque utimur. Terrenorum item commodorum omnis est in
homine dominatus. Nos campis , nos montibus fruimur; nostri
sunt amnes , nostri lacus; nos fruges serimus , nos arbores ; nos
aquarum inductionibus terris fecunditatem damus; nos flumina
arcemus , dirigimus, avertimus ; nostris denique manibus in re
61 rum natura quasi alteram naturam efficere conamur. Quid vero ?
153hominum ratio non in caelum usque penetravit ? Soli enim ex
animantibus nos astrorum ortus, obitus cursusque cognovimus;
ab hominum genere finitus est dies , mensis , annus; defectiones
solis et lunae cognitae praedictaeque in omne posterum tempus,
quae, quantae, quando futurae sint. Quae contuens animus acci
pit ab his cognitionem deorum , ex qua oritur pietas, cui con
iuncta iustitia est reliquaeque virtutes, e quibus vita beata existit
ebenso möglich auch, dass der Nu- avtaxohov9€īv ålandais, xai Tòv
merus blos zufällig sei. Vgl. zu c. ulav éxovta náoas éxelv.
9, 25 . Auch die Worte I, 19, 49 : par et similis. Beide Ausdrücke
Epicurus autem quí res occultas et werden häufig verbunden , um die
penitus ábditas, könnte Einer allen vollkommene Aehnlichkeit in jeder
falls für einen' iambischen Tetra Beziehung auszusprechen. Unter
meter erklären . schieden sind beide so , dass par
152. affert. Das Subject arborum mehr auf den Werth, die Bedeutung
consectio omnisque materia ist aus oder die Kraft, similis auf die Be
dem vorhergegangenen Satze zu schaffenheit, sei es äusserliche sei
suppliren . es innere, geht. So sagt Quintilian
61. 153. pietas cui coniuncta X , 1, 102 vom Sallust und Livius,
iustitia est. Nach der oben I, 41, sie seien paresmagis quam similes,
116 gegebenen Definition ist pietas d. h. ungleicher
von gleich hohem Werthe, aber
selbst iustitia adversum deos. Das Seneca de ira I,Beschaffenheit
von ; und
9 von den Leiden
folgendereliquaeque virtutes deutet
auf den Zusammenhang aller Tugen schaften : quos (affectus) nunquam
deprimere possis, nisipares illis si
den unter einander, die coniunctio milesque opposueris , d. h . gleich
confusioque virtutum , wie Cicero
sagt de Finn . V , 23 , 67, welche als starke und ähnliche.
ein Grundsatz der Stoischen Ethik deorum für vitae deorum : eine in
häufig erwähnt wird. Vgl. Diog. L. solchen Vergleichungssätzen ganz
VII, 125 : Tàs dè à perds héyovou gewöhnliche Abkürzung, dass, wenn
LIB . II. CAP. 60. 61, 62. 195
par et similis deorum , nulla alia re nisi immortalitate , quae
nihil ad bene vivendum pertinet, cedens caelestibus. Quibus re
bus expositis satis docuisse videor, hominis natura quanto om
nis anteiret animantis. Ex quo debet intelligi, nec figuram si
tumque membrorum nec ingenii mentisque vim talem effici po
tuisse fortuna.
Restat ut doceam atque aliquando perorem , omnia quae 154
sint in hoc mundo, quibus utantur homines, hominum causa
facta esse et parata. Principio ipse mundus deorum hominum - 62
que causa factus est [quaeque in eo sunt, ea parata ad fructum
hominum et inventa sunt]. Est enim mundus quasi communis
deorum atque hominum domus aut urbs utrorumque. Soli enim
ratione utentes iure ac lege vivunt. Ut igitur Athenas et Lace
daemonem Atheniensium Lacedaemoniorumque causa putandum
est conditas esse , omniaque quae sint in his urbibus eorum po
pulorum recte esse dicuntur , sic , quaecumque sunt in omni
mundo , deorum atque hominum putanda sunt. Iam vero cir-155
Attribnte zweier Gegenstände ver- 154. omnia hominum cau
glichen werden, im zweiten Gliede sa - . Auch dieser Satz ist echt
statt des Attributes der Gegenstand Stoisch. Vgl. Cic. de Finn. III, 20,
selbst gesetzt wird. Vgl. Cic. pr. 67. de Offic. I, 7, 22, de Legg. 1, 8 ,
Flacc. c. 26 : cuius ego civitatis di 25 u.mehr bei Upton zu Epiktet I,
sciplinam atque gravitatem non so- 6 , 1. Auch Plinius, obgleich kein
lum Graeciae, sed haud scio an cun Stoiker, sagt H . N . VII prooem .:
ctis gentibus anteponam . Derepubl. Hominis causa videtur cuncta alia
II, 1: praestare nostrae civitatis genuisse natura , und der Christ
statum ceteris civitatibus de Or. I, Lactant.de Ira dei c. 14 : vera est
4 : ingenia nostrorum hominum sententia Stoicorum , qui aiuntno
multum ceteris hominibus omnium stra causa mundum esse constru
gentium praestiterunt. — Der Satz, ctum : omnia enim , quibus constat
dass der Weise – und diesem all- mundus, ad utilitatem hominis ac
lein kann ja eine vita beata zukom commodata sunt, wogegen Seneca
men - den Göttern nicht nachstehe bescheidener und richtiger de Ira
ausser hinsichtlich der Dauer seiner II, 27 : nimis nos suspicimus, si
Glückseligkeit, ist echt Stoisch . digninobis videmur, propter quos
Senec. epist. 73 : Jupiter quo ante tanta moveantur.
cedit virum bonum ? diutius bonus 62. deorum hominumque causa.
est. Sapiens nihilo se minoris ae- Vgl. oben c. 6 , 16 . Der folgende
stimat, quod virtutes eius spatio eingeklammerte Satz ist wahrschein
breviore clauduntur. Vgl. ep. 77: lich unecht. Denn er enthält nichts
quomodo fabula , sicvita : non quam als eine müssige und den Zusam
diu , sed quam bene acta sit, refert. menhang unterbrechende Wieder
Cic. de Finn. III, 14 , 46 : Stoicis holung des kurz vorher Gesagten ;
non videtur optabilior nec magis und dazu ist inventa , was doch nur
expetenda beata vita, si sit longa auf Entdeckungen der Menschen
quam si brevis. Mehr dergl. s. bei gehen kann , hier weniger angemes
Gataker zu Anton. III, 7. sen, wo nur von der Fürsorge der
13 *
196 DE NATURA DEORUM
cuitus solis et lunae reliquorumque siderum , quamquam etiam
ad mundi cohaerentiam pertinent, tamen et spectaculum homi
nibus praebent: nulla est enim insatiabilior species, nulla pul
chrior et ad rationem sollertiamque praestantior ; eorum enim
cursus dimetati maturitates temporum et varietates mutationes
que cognovimus. Quae si hominibus solis nota sunt, hominum
156 causa facta esse iudicandum est. Terra vero feta frugibus et
vario leguminum genere , quae cum maxima largitate fundit , ea
ferarumne an hominum causa gignere videtur ? Quid de vitibus
olivetisque dicam ? quarum uberrimi laetissimique fructus nihil
omnino ad bestias pertinent. Neque enim serendi neque co
lendi, nec tempestive demetendi percipiendique fructus , neque
condendi ac reponendi ulla pecudum scientia est, earumque om
63 nium rerum hominum est et usus et cura. Ut fidis igitur et
157
schaffenden Natur die Rede sein Regelmässigkeit und Vernünftigkeit
durfte. — Der nächste Satz, von der Gesagte an . Denn diese eben hat es
Welt als einem den Göttern und möglich gemacht, dass die Men
Menschen gemeinsamen Staate, war schen nach dem Lauf der Gestirne
ein Lieblingssatz der Stoiker, und die Zeit richtig bestimmt und abge
wird unendlich oft wiederholt. S. messen haben . Die Worte ad ra
besondersArius beiEuseb. pr. evang. tionem sollertiamque praestantior
XV, 15 : ó xóquos oiovei nódis darf man nicht durch ein hinzu
totiv ér geñv xai avtoorov, Tây zudenkendes incitandam ergänzen
θεών μεν την ηγεμονίαν εχόντων, wollen , als ob von Erweckung des
Tõv so avtoorov Únotetayué Nachdenkens und der Erfindungs
vwv. xoivoviav ináoxelv soos kraft der Menschen durch die Beob
adanovs dià tò lóyov METÉZELV, achtung derGestirne die Rede wäre .
ös oti qúoei vóuos. Vgl. Cic. de Praestans ad aliquam rem heisst :
Legg . I, 7 , 23. de Finn. III, 19, 64. ausgezeichnet hinsichtlich
In dem Herculanischen Fragmente (wegen ) einer Sache, wie de
col. IV , 22 wird er namentlich dem Legg . II, 13, 33 : multa ad verita
Chrysippus, im dritten B . neoi tem admirabilia :Weissagungen,be
quoews, zugeschrieben. wundernswürdig hinsichtlich ihrer
155 . ad mundi cohaerentiam . S . Wahrhaftigkeit. pr. Fontei. 15 : vir
zu c. 32, 82. — tamen et spectacu ad usum et disciplinam peritus, ad
lum - steht wohl nicht für etiam casum fortunamque felix : hinsicht
spect., sondern deutet an , dass Ci lich seiner Uebung und Kenntniss
cero noch ein Zweites habe gegen ein erfahrener, hinsichtlich des Zu
überstellen wollen , was er aber falles und der Fügung ein glück
nachher vergessen oder wenigstens licher Mann . — Ueber insatiabilior
nicht in der entsprechenden Form S. Zu c. 39, 98 .
angebracht hat. Er hätte sagen 156 . vario leguminum genere.
können : etmagnam hominum vitae Darunter sind besonders die Hül
utilitatem afferunt: eorum enim senfrüchte zu verstehen ; doch nicht
cursus dimetati etc. Jetzt aber diese ausschliesslich , sondern nach
schliesst sich dieser letztere Satz Varro R . R . I, 23, 2 alle, quae vel
durch enim als Beleg an das vorher luntur e terra, non subsecantur ;
über die in den Gestirnen waltende quae quod ita leguntur, leguminá
LIB . II. CAP. 62. 63. 197
tibias eorum causa factas dicendum est, qui illis uti possent, sic
ea , quae dixi, iis solis confitendum est esse parata , qui utuntur;
nec si quae bestiae furantur aliquid ex iis aut rapiunt , illarum
quoque causa ea nata esse dicemus. Neque enim homines mu
rum aut formicarum causa frumentum condunt , sed coniugum
et liberorum et familiarum suarum . Itaque bestiae furtim , ut
dixi, fruuntur, domini palam et libere. Hominum igitur causa 158
eas rerum copias comparatas esse fatendum est: nisi forte tanta
ubertas et varietas pomorum , eorumque iucundus non gustatus
solum , sed odoratus etiam et adspectus dubitationem affert, quin
hominibus solis ea natura donaverit. Tantumque abest, ut haec
bestiarum etiam causa parata sint, ut ipsas bestias hominum
gratia generatas esse videamus. Quid enim oves aliud afferunt,
nisi ut earum villis confectis atque contextis homines vestiantur ?
Quae quidem neque ali neque sustentari neque ullum fructum
edere ex se sine cultu hominum et curatione potuissent. Capum
vero tam fida custodia tamque amans dominorum adulatio , tan
tumque odium in externos et tam incredibilis ad investigandum
sagacitas narium , tanta alacritas in venando quid significat aliud ,
nisi se ad hominum commoditates esse generatos ? Quid de bu- 159
bus loquar ? quorum ipsa terga declarant non esse se ad onus
accipiendum figurata ; cervices autem natae ad iugum , tum vires
dicta, u. 32, 2: dicta a legendo, was Origenes ctr. Cels. IV , 74 ge
quod ea non secantur sed vellendo gen diesen einwendet, verdient
leguntur. Gr. xéd ponou , xédoona nachgelesen zu werden .
od . XÉDOOTES, was man als corrum neque ali — potuissent. So wird
pirt aus xéodoortou ansieht, von dies Plsqf. häufig statt des Impf.
zelo u . doéto . Vgl. Nicand. The gesetzt, indem die Möglichkeit der
riac. 652.' Ideler zu Arist. Meteor. Šache als die Bedingung erscheint,
Il p . 526 . die erfüllt sein musste , bevor die
63. 157. familiarum suarum : Sache selbst eintreten konnte. Vgl.
„ ihres Gesindes“. de Offic . II, 3, 12 : neque enim vale
158. nisi forte – dubitationem tudinis curatio neque agri cultura
affert, quin - Um das quin zu er - sine hominum opera ulla esse
klären , muss man bedenken , dass potuisset. ib . c. 4 , 15 : quid enu
in dem vorherg. Ausdruck der Sinn merem artium multitudinem , sine
liegt: nam non sane dubitationem quibus vita omnino nulla esse po
affert. tuisset. Auch das audire potuisses
bestias hominum gratia. Was oben I, 21, 57 gehört hieher ; und
der Akademiker hiergegen habe ein das oft vorkommende si potuero für
wenden können , mag man , da die si potero ist aus demselben Ge
hierauf bezügliche Stelle im dritten sichtspunkt zu betrachten .
Buche verloren ist, aus Porphyrius se esse generatos. Correcter wäre
de abstin . III, 20 entnehmen . Auch eos; aber se zu setzen lag deswe
was Celsus darüber gesagt , sowie gen so nahe, weil in den vorherg .
198 DE NATURA DEORUM
humerorum et latitudines ad aratra trahenda. Quibus , quum
terrae subigerentur fissione glebarum , ab illo aureo genere , ut
poetae loquuntur, vis nulla umquam afferebatur.
Ferrea tum vero proles exorta repente est,
ausaque funestum prima est fabricarier ensem ,
et gustare manu vinctum domitumque iuvencum .
Tanta putabatur utilitas percipi ex bubus, ut eorum visceribus
64 vesci scelus haberetur. Longum est mulorum persequi utilitates
160 et asinorum , quae certe ad hominum usum paratae sunt. Sus
vero quid habet praeter escam ? Cui quidem , neputesceret, ani
mam ipsam pro sale datam dicit esse Chrysippus. Qua pecude,
quod erat ad vescendum hominibus apta , nihil genuit natura fe
cundius. Quid multitudinem suavitatemque piscium dicam ? quid
avium ? ex quibus tanta percipitur voluptas, ut interdum Pronoea
nostra Epicurea fuisse videatur. Atque hae ne caperentur qui
dem , nisi hominum ratione atque sollertia ; quamquam avis
quasdam , et alites et oscines , ut nostri augures appellant , rerum
161 augurandarum causa esse natas putamus. Iam vero immanis et
Ausdrücken canum custodia u. S. W . II, 5. Aelian . V. H . V , 14 u. Aa.
die Hunde wenn auch nicht gram - und bei Plin . H . N . VIII, 45 p. 556
matisch doch dem Gedanken nach wird erzählt, wie einst Jemand in
das eigentliche Subject sind. Rom wegen dieses Verbrechens mit
159. ab illo aureo genere. Ara dem Exil bestraft sei. Auch als
tus, den Cicero hier vor Augen hat Opfer den Göttern dargebracht
und aus dem auch die folgenden wurde der Pflugstier nur ausnahms
die folgenden
Verse , bei ihm 130 ff., übersetzt weise in bestimmten Fällen . S .
sind, sagt allerdings von dem gol Hermann gottesd. Alterth . $ 26 , 20
denen Zeitalter v. 110 : autos odermeine griech. Alterth .113 S : 245 .
έζωον, χαλεπή δ' άπέκειτο θά Dies 64. 160. animam pro sale etc.
λασσα, και βίον ούπω νήες από wird als Ausspruch des Klean
προθεν ήγίνεσκον, αλλά βόες και thes von Clemens Alex. Strom . VII
Zootoa u . s. W .; aber bei Andern p. 304 Sylb ., als Ausspruch einiger
(wie Hesiod W . u . T. v. 117. Ver- Stoiker von Plutarch . Sympos. V .
gil. Georg . I. 125. Ovid. Met. I, 101) 10, 3 und von vielen Andern ange
bringt in jenem Zeitalter die Erde führt. S. Villoison .theol. phys.Stoic .
freiwillig und ohne Bestellung alle hinter Osanns Ausg. des Cornutus
Früchte reichlich hervor, und die p. 396 .
Nothwendigkeit der Bearbeitung alites et oscines. Festus p . 3
tritt erst in einer späteren Periode Muell.: alites volatu auspicia fa
ein . cientes. Id . p. 196 : oscines aves ore
eorum visceribus. S. zu c. 6 , 18 . auspicium facientes.
- Dass den Pflugstier zu schlach res augurare entweder von Ge
ten vor Alters in Italien wie in genständen, die man mittels der Au
Griechenland für sündlich gehalten gurienbeobachtung unter die Obhut
und bei schwerer Strafe verboten der Götter stellt und einweiht; oder
gewesen sei, bezeugen Varro R . R . von Unternehmungen , für die man
LIB. II. CAP. 64. 65 . 199
feras beluas nanciscimur venando , ut et vescamur iis et exer
ceamur in venando ad similitudinem bellicae disciplinae , et uta
mur domitis et condocefactis, ut elephantis , multaque ex earum
corporibus remedia morbis et vulneribus eliciamus, sicut ex qui
busdam stirpibus et herbis, quarum utilitates longinqui temporis
usu et periclitatione percepimus. Totam licet animis , tamquam
oculis, lustrare terram mariaque omnia ; cernes iam spatia fru
gifera atque immensa camporum vestitusque densissimos mon
tium , pecudum pastus, tum incredibili cursus maritimos cele
ritate. Nec vero supra terram , sed etiam in intimis eius tene- 162
bris plurimarum rerum latet utilitas , quae , ad usum hominum
orta , ab hominibus solis invenitur. Illud vero , quod uterque 65
vestrum fortasse arripiet ad reprehendendum , Cotta , quia Car
neades libenter in Stoicos invehebatur , Velleius , quia nihil tam
irridet Epicurus quam praedictionem rerum futurarum , mihi
videtur velmaxime confirmare deorum providentia consuli rebus
humanis. Est enim profecto divinatio , quae multis locis , rebus,
temporibus apparet, quum in privatis tum maxime in publicis.
Multa cernunt haruspices, multa augures provident,multa oracu - 163
sich durch Augurien der gött 163. multa augures provident.
lichen Genehmigung (auctoritas)ver- Die von Manchen gebilligte Lesart
sichert. einiger Handschriften , praevident,
. 161. exerceamur in venando etc. halte ich für falsch , nicht als ob
Dieselbe Ansicht von der Jagd spre dem Cic. dies Compositum überall
chen auch Andere aus, z. B. Xeno fremd wäre, wie man wohl allzu
phon de ven . 1, 18 u. bes. 12, 1 : vorschnell angenommen hat, sondern
το δε προς τον πόλεμον μάλιστα weil es hier der Sache nichtgemäss
παιδεύει: was dann im Einzelnen ist. Weissager waren die Augurn
ausgeführt wird . in Rom nicht : non enim sumus ii
remedia - eliciamus: Wir ge- nos augures, sagt Cic. de Div. II,
winnen ihnen Heilmittel ab , durch 33, 70 , qui avium reliquorumque
Nachforschung und Bemühung, wie signorum observatione futura dica
oben c . 60, 151 : e terrae cavernis mus. Die Zeichen , die sie beobach
ferrum eliciamus. Das eligamus ten, gelten nur als Andeutungen ob
der Hdschr. ist weit weniger pas die Götter dem jedesmaligen Vor
send , und gewiss nur Schreibfehler. haben geneigt oder zuwider sind :
65 . 162. Cotta quia Carneades sie sollen , wie es in der Rede de
etc. S. zu I, 2, 4. Harusp. resp. c. 9 ausgedrückt wird ,
nihil tam irridet Epicurus. S . rerum bene gerendarum auctorita
oben I, 20, 55. Diog . L. X , 135 : tem , eine Gewähr des glücklichen
Mavtixnv dñ aradav avaipei, xal Ausganges verschaffen ; und wenn
onor uavtixn os dvúrtapxtos. von praedictis augurum die Rede
Dass er in Uebereinstimmung mit ist, so sind keine Vorhersagungen
seiner Ansicht von den Göttern zukünftiger Vorgänge, sondern nur
nicht anders urtheilen konnte , ist im Allgemeinen Versicherungen
klar. eines zu erwartenden guten oder
200 DE NATURA DEORUM
lis declarantur, multa vaticinationibus, multa somniis,multa por
tentis ; quibus cognitis multae saepe res ex hominum sententia
atque utilitates partae , multa etiam pericula depulsa sunt. Haec
igitur sive vis sive ars sive natura ad scientiam rerum futurarum
homini profecto est , nec alii cuiquam , a dis immortalibus data .
Quae si singula vos forte non movent, universa certe tamen
164 inter se conexa atque coniuncta movere debebunt. Nec vero
universo generi hominum solum , sed etiam singulis a dis im
mortalibus consuli et provideri solet. Licet enim contrahere
universitatem generis humani eamque gradatim ad pauciores ,
66 postremo deducere ad singulos. Nam si omnibus hominibus
qui ubique sunt, quacumque in ora ac parte terrarum , ab huiusce
terrae quam nos incolimus continuatione distantium , deos con
sulere censemus ob eas causas , quas ante diximus , his quoque
hominibus consulunt, qui has nobiscum terras ab oriente ad oc
165 cidentem colunt. Sin autem his consulunt, qui quasi magnam
quandam insulam incolunt, quam nos orbem terrae vocamus,
etiam illis consulunt, qui partis eius insulae tenent, Europam ,
Asiam , Africam . Ergo et earum partis diligunt, ut Romam ,
Athenas, Spartam , Rhodum , et earum urbium separatim ab uni
versis singulos diligunt, ut Pyrrhi bello Curium , Fabricium , Co
Warnungen eines zu befürchtenden allgem . res genauer zu bestimmen .
schlimmen Ausganges zu verstehn . Die hdschrftl. Lesart hominum sent.
Aves eventus significant aut adver- (ohne ex ) atque utilitate ist ebenso
sos aut secundos. de Div. II, 37 , 79. offenbar fehlerhaft, als die Besserung
Demnach ist auch hier provident evident. Vgl. Opusc. ac. III p . 378 .
nur von der Vorsorge der Augurn sive vis sive ars sive natura : eine
zu erklären , dass nichts gegen den von den Göttern verliehene Kraft,
durch Auspicien erforschten Willen oder eine durch Beobachtungen er
der Götter vorgenommen werde. worbene Kunst , oder eine Natur
Wie bedeutend ihr Wirkungskreis gabe. Vgl. de Div. I, 6, 11 : duo
sei, schildert Cic. de Legg. II, 12, sunt divinandigenera , quorum al
31 terum artis est , alterum naturae .
vaticinationes sind Aussprüche Zu 'dem ersten gehört die Divina
begeisterter Seher, wie die Sibylli tion aus Zeichen , wie die Aruspices ,
nischen Sprüche , die zu Rom als die Augurn , die Astrologen und die
Staatsorakel galten, die Sprüche der aus sortibus Weissagenden (s. Zu
alten Marcii fratres u. andere. S . III, 6 , 14 ) sie üben ; zu der andern
de Div. I, 2, 4. 40, 89. die Traumgesichte und die göttliche
multae s. res — partae. Durch Inspiration , instinctus inflatusque
dergleichen Mahnungen und Vor- divinus, welche letztere hier durch
zeichen wird es den Menschen mög - vis bezeichnet scheint.
lich, Vieles nach Wunsch (ex sen 66 . 164. ab huiusce terrae con
tentia ) zu erreichen , und ihre Inter- tinuatione distantium , d . h . ab hoc
essen (utilitates) zu fördern . Das orbe terrarum , von diesem Länder
nachgestellte utilitates dient das kreise den wir bewohnen und der ,
LIB. II. CAP. 65. 66. 201
runcanium , primo Punico Calatinum , Duellium , Metellum , Luta
tium , secundo Maximum , Marcellum , Africanum ; post hos Pau
lum ,Gracchum , Catonem , patrumve memoria Scipionem ,Laelium ;
multosque praeterea et nostra civitas et Graecia tulit singularis
viros, quorum neminem nisi iuvante deo talem fuisse creden
dum est. Quae ratio poetas maximeque Homerum impulit, ut 166
principibus heroum , Ulixi, Diomedi, Agamemnoni, Achilli, cer
tos deos discriminum et periculorum comites adiungeret. Prae
terea ipsorum deorum saepe praesentiae , quales supra comme
moravi, declarant ab his et civitatibus et singulis hominibus con
suli : quod quidem intelligitur etiam significationibus rerum futu
rarum , quae tum dormientibus tum vigilantibus portenduntur.
Multa praeterea ostentis , multa extis admonemur multisque re
bus aliis , quas diuturnus usus ita notavit , ut artem divinationis
efficeret. Nemo igitur vir magnus sine aliquo afflatu divino um - 167
quam fuit. Nec vero [id] ita refellendum est, ut, si segetibus
aut vinetis cuiuspiam tempestas nocuerit , aut si quid e vitae
commodis casus abstulerit, eum , cui quid horum acciderit , aut
invisum deo aut neglectum a deo iudicemus. Magna di curant,
wie es im folg. $ heisst, eine grosse den Göttern nichts als etwa nur
Insel darstellt. Solcher durch das die äussern Guter zu danken haben
Weltmeer geschiedenen Inseln, or wollten , in welchem Sinne Cic. un
bes terrarum , oixov uevai , nahm ten III, 36 den Cotta reden lässt.
man vier an : eine, die von uns und 166 . quales supra comm . c. 2, 5 .
unsern ouvoixols bewohnte , die - saepe praesentiae, Hyphen .
zweite in derselben Hemisphäre mit 167. [id ] ita refell. Das Prono
uns, aber in ihrer südlichen Hälfte, men ist von den Abschr. ausgelas
deren Bewohner unsere ÖvroixOL sen , durfte aber hier nicht fehlen .
heissen , die dritte und vierte in der Refellendum bezieht sich auf die
nördlichen und südlichen Hälfte der vorhergehende Behauptungder gött
andern Hemisphäre, deren Bewoh - lichen Fürsorge für die Menschen.
ner unsere Tepioixou und unsere Diese, sagt B., darf man nicht da
ivrirodes sind. S. Cleomed. I p. 16 durch widerlegen wollen, dass man
u . Bake's Anmk. p . 291 ff. dergleichen Unfälle wie die gleich
165. neminem nisi iuvante deo - erwähnten anführt und nun sagt,
Dass die Menschen zu ausgezeich dass solche entweder als Beweise
neter Tugend desgöttlichen Beistan göttlichen Zornes, oder, wenn die
des bedürften , und dass die Götter Guten davon betroffen werden , ge
den Guten ihren Beistand gerne ge gen welche die Götter ja keinen
währten , war die Ueberzeugung der Žorn hegen können , als Beweise da
Weisesten und Besten im Alterthum für angesehen werden müssen , dass
zu jeder Zeit, obgleich es freilich die Götter sich gar nicht um die
namentlich seit den Sophisten auch Menschen bekümmern .
an solchen nicht fehlte, die in stol- magna di curant, parva negli
zer Selbstgenügsamkeit und Ueber- gunt. Derselbe Gedanke in einem
schätzung der menschlichen Natur Euripideischen von Plutarch . Praec.
202 DE NATURA DEORUM
parva negligunt. Magnis autem viris prospere semper eveniunt
omnes res , si quidem satis a nostris et a principe philosophiae
Socrate dictum est de ubertatibus virtutis et copiis.
67 Haecmihi fere in mentem veniebant, quae dicenda putarem
168 de natura deorum . Tu autem , Cotta , si me audias, eandem cau
sam ages teque et principem civem et pontificem esse cogites et,
quoniam in utramique partem vobis licet disputare , hanc potius
sumas, eamque facultatem disserendi, quam tibi a rhetoricis ex
ercitationibus acceptam amplificavit Academia , huc potius confe
ras. Mala enim et impia consuetudo est contra deos disputandi,
sive ex animo id fit sive simulate.
pol. c. 15 angef. Verse: Tõv öyay dern nur die Berechtigung des Re
uèv & Tetai Oxós, tè uixoà deis denden , sie zu behaupten ,begründet
Túynu áveis éą . Vgl. Antonin. VII, werden soll : wenn nicht wirklich
75. Upton zu Epiktet I, 12, 1. dies von Einigen verkannt wäre.
magnis viris prospere eveniunt 67. 168. in utramque partem
omnes res, d. h. den Weisen , Tu - disp . Vgl. Tuscul. II, 3, 9: Peri
gendhaften : weil nämlich nach den pateticorum Academiaeque consue
Stoikern diesen die Tugend allein tudo, de omnibus rebus in contra
zur Glückseligkeit genügt, und äus- rias partes disserendi.
sere Dinge sie weder glücklicher amplificavit Academia . Wie för
noch unglücklicher machen können . derlich gerade die academische Phi
Diesen Grund deutet der folgende losophie dem Redner besonders da
Satz an : si quidem satis dictum est durch sei, dass sie ihn anleite bei
etc., von dem es kaum nöthig sein jeder Sache sowohl was sich dafür
würde zu bemerken , dass er soviel als was sich . dawider sagen lasse
bedeute als: ad hanc rem demon - ins Auge zu fassen , spricht Cicero
strandam satis dictum est: und dass an mehreren Stellen aus. Vgl. Orat.
damit nicht die Sache selbst, son - 3, 12. 21, 80 u. de Fato 2 , 3.
DRITTES BUCH .
INHA L T .
Cotta , bevor er seine Einwendungen gegen die von Balbus
vorgetragenen Stoischen Ansichten beginnt , verwahrt sich aus
drücklich gegen den Verdacht , als ob der von den Vorfahren
überkommene religiöse Glaube nichtauch von ihm getheilt werde.
Er theile ihn , sagt er , von ganzem Herzen ; aber die Religion sei
ihm eben nur Sache des Glaubens, nicht des Wissens, und seine
Einwendungen seien deswegen auch nur gegen den Versuch des
Stoikers gerichtet, diesen Glauben durch Vernunftgründe in Wis
sen zu verwandeln . Er könne den Gründen , die Balbus vorge
tragen , durchaus keine Beweiskraft zugestehn (8 1 ~ 5 ). -
Hierauf wendet er sich zur Beleuchtung des Einzelnen, und zwar
zunächst der Beweise für das Dasein der Götter. Dafür habe
es , nach Balbus' Aeusserung , eigentlich gar keiner Beweise be
durft , dennoch habe er solche zu geben versucht, in der That
aber dadurch die Sache vielmehr zweifelhaft gemacht. Er berufe
sich auf den Volksglauben ; aber weder stimme er selbst mit
diesem wirklich überein , noch könne überhaupt eine solche Be
rufung als wissenschaftliche Begründung gelten (6 — 10). An
gebliche Beispiele von Göttererscheinungen , und was über Offen
barung durch Divination gesagt worden , dürfen ebenfalls keinen
Anspruch auf Gewissheit und Beweiskraft machen ( 11 - 15 ).
Und damit sei denn auch der erste Theil der Kleanthischen Ar
gumentation , der sich ebenfalls auf Offenbarung berufe , beseitigt.
Der zweite Theil, der sich auf den Eindruck grosser und ge
waltiger Naturerscheinungen berufe, wird durch die Bemerkung
zurückgewiesen , dass allerdings das Volk dergleichen als Wir
kungen göttlicher Wesen ansehe, daraus aber doch keineswegs
folge , dass sie dies auch wirklich seien (16 . 17), Die beiden
übrigen Theile sollen später , bei dem Abschnitt über die gött
liche Vorsehung , zur Sprache kommen : dieser ist aber nicht
mehr vorhanden . Für eben diesen Abschnitt wird auch die Be
204 INHALT DES DRITTEN BUCHES .
leuchtung der Argumentation des Chrysippus und der Syllogis
men des Zeno, sowie der aus der Physik beigebrachten Sätze
über das schöpferische Wärmeprincip , die Weltseele , die Gott
heit der Welt und der Gestirne aufgeschoben (18). Was aber
zweitens Balbus über die Beschaffenheit der Götter gesagt , das
sei vielmehr geeignet, selbst ihr Dasein zweifelhaft zu machen .
Die Welt solle Gott sein , weil es nichts Vollkommneres als die
Welt gebe. Aber wenn dies Letztere auch wahr sei, so folge aus
der Vollkommenheit der Welt doch keineswegs nothwendig , dass
sie auch beseelt, vernunftbegabt und weise, also auch nicht, dass
sie Gott sei (21 - 23). Ebensowenig könne ein Beweis für die
Gottheit der Gestirne in der Regelmässigkeit ihrer Bewegungen
gefunden werden ; sonst müsste man auch Ebbe und Fluth , ja
das Wechselfieber, wegen ihrer Regelmässigkeit für Götter halten
(24). Die Folgerung ferner , dass , weil das Weltgebäude nicht
durch Menschenkraft und Menschenweisheit hervorgebracht sei,
es Wesen von höherer Art als der Mensch , also Götter geben
müsse, beruhe auf einem willkürlichen und irrigen Begriff des
Höheren und einer Verwechselung von Vernunft und Naturkraft
(25. 26 ). Auch das sei ein Vorurtheil, dass diemenschliche ver
nünftige Seele von einer in der Welt vorhandenen vernünftigen
Seele herstammen müsste . Sie sei ein Erzeugniss der Naturkraft,
ebenso wie der harmonische Zusammenhang der Welt, zu dessen
Erklärung es keiner Götter bedürfe (27. 28 ). — Es folgt hierauf
die Argumentation des Karneades , dass kein körperliches, kein
lebendes und empfindendes Wesen ewig und unsterblich sein
könne (29 – 34 ) , und der Beweis , dass auch das feurige oder
Wärmeprincip , welches die Stoiker als lebendig und als die Quelle
alles Lebens ansehen , nicht unvergänglich sein könne , weil es
nach ihrer eigenen Ansicht der Nahrung bedürfe (35 - 37). Die
weitere Folgerung hieraus zu ziehen unterlässt Cotta . Sie ergiebt
sich aber von selbst : denn wenn es nichts Unsterbliches giebt,
zum Begriff der Gottheit aber die Unsterblichkeit wesentlich ge
hört, so giebt es auch keine Götter . – Endlich aber schliesse der
Begriff der Gottheit den Begriff der Tugend aus , der nur für
menschliche Verhältnisse passe ; und doch sei andererseits auch
wieder ein Gott ohne Tugend nicht denkbar (38. 39).
Zugestanden aber auch , dass die Welt Gott sei: wie recht
fertigt sich denn die Annahme noch mehrerer Götter ? Und ge
setzt , man liesse sich die Gottheit der Gestirne gefallen : essbare
Dinge für Götter zu halten ist doch offenbar ungereimt, und wie
aus Menschen Götter haben werden können, ist ganz undenkbar
INHALT DES DRITTEN BUCHES. 205
(40 — 42). Soll uns der Volksglaube und die Ueberlieferung
lehren, wen wir als Gott anzuerkennen haben , so werden wir uns
keiner, auch der abenteuerlichsten und lächerlichsten Götter nicht
erwehren können (43 — 50): und sind die GestirneGötter, so
ist kein Grund , nicht auch Regenbogen , Wolken , Winde für
Götter zu halten : gelten Erde undMeer für Gottheiten, dann auch
Flüsse und Quellen : kurz es ist hier keineGrenze zu finden (51.
52). — Die gelehrten Forscher glauben ermittelt zu haben , dass
alle Hauptgötter des Volksglaubens nur Menschen der Vorzeit
seien , die nicht in der That zu Gottern geworden , sondern nur
vom Volkswahp für Götter gehalten worden . Solcher Ansicht
müsse man sich nothwendig im Interesse der Religion selbst
widersetzen "); die Stoiker aber geben durch ihre allegorischen
Erklärungen jener angeblichen Götter und Göttergeschichten den
Fabeln , statt sie zu verwerfen, vielmehr ein gewissesAnsehn wie
der (53 - 60). Doch alle ihre Ansichten sind nicht schwer zu
widerlegen . Einige der fürGötter erklärten Wesen sind offenbar
unpersönliche Dinge, Eigenschaften und Verhältnisse; und alle
übrigen werden durch die Stoischen Erklärungen aus Göttern
vielmehr zu Naturkräften (61 - 64 ).
Es folgte nun der dritte Theil, oder die Widerlegung des
Satzes, dass die Welt von der göttlichen Vorsehung regiertwerde ;
aber dieser ganze Theil ist verloren ?). Ebenso ein grosses Stück
des vierten , welcher die specielle Fürsorge der Götter für die
Menschen zu widerlegen hatte . Das Erhaltene (v. $ 66 ) bezieht
sich zunächst auf den Preis der Vernunft als der vorzüglichsten
1) Ueber die Verwerfung des Euhemerismus s. d. Anm . zu c. 23, 60.
Offenbar aber macht sich Cotta hier einer Inconsequenz schuldig. Denn
wenn er im Interesse der Religion , um dem Volke die Götter an die es
glaubte nicht nehmen zu lassen , die Éuhemeristische Vermenschlichung der
selben verwarf, so musste dasselbe Interesse ihn auch abhalten , irgend
welche der vom Volke verehrten Götter anzutasten , was er doch im Vor
hergehenden mit manchen derselben gethan hat. Ich glaube , dass diese In
consequenz allein auf Cicero's Rechnung komme, die echten Akademiker
aber es keinesweges verschmäht haben, sich auch des Euhemerismus als
einer Waffe gegen den Volksglauben zu bedienen , ebenso wie späterhin die
christlichen Bekämpfer des Polytheismus sich seiner zu bedienen liebten .
Und dass Cicero selbst dem Euhemerismus seine Berechtigung nicht be
stritten, ist aych Tusc. I, 13, 28 u . V , 3, 8 wohl zu ersehen.
2 ) Ob absichtlich vertilgt, weil man Gefahr für den Glauben und die
Frömmigkeit davon befürchtete, lassen wir dahin gestellt sein . Dass wirk
lich Manche auch unter den Heiden an diesen B. d. n. d. Anstoss nahmen
und sie der Vernichtung werth hielten , bezeugt Arnobius III, 7, und nach
Lactant. D . I. II, 3, 2 sprach Cotta selbst (im 3. B .) aus: non esse illa vulgo
disputanda , ne susceptas publice religiones disputatio talis extingueret.
206 INHALT DES DRITTEN BUCHES.
Gabe der Götter an die Menschen (B . Il c. 61). Cotta sucht da
gegen zu zeigen, dass die Vernunft, die so vielfältig zum Schlech
ten angewandt werde und so viel Unheil stifte , unmöglich als
eine göttliche Gabe angesehen werden könne, daman doch nicht
annehmen dürfe , die Götter hätten entweder den Menschen ein
schädliches Geschenk machen wollen oder sie hätten den Miss
brauch , den die Menschen von der Vernunft machen würden ,
nicht verhüten können oder nicht vorausgesehn (66 – 78) . Göt
ter, die es gut mit den Menschen meinten , hätten diese vielmehr
gut und weise machen müssen : und wenn nicht dies, so müssten
sie doch wenigstens für das Wohl der Guten und Weisen sorgen
(79. 80 .). Aber auch das sei nicht der Fall ; den Besten gebe
es oft am schlechtesten , und den Schlechtesten am besten : von
einer göttlichen Gerechtigkeit, die die Tugend belohne , das Ver
brechen bestrafe, gebe die Erfahrung keine Beweise , und es wür
de hierin eine Ermunterung zur Sünde liegen , wenn nicht das
Gewissen wäre , welches , auch ohne Rücksicht auf die Gottheit ,
dem Leben der Menschen Halt und Richtschnur gebe (81 , 85 ) .
Ein göttliches Walten aber sei darin nicht zu erkennen , und die
Ausrede , dass die Götter sich nur um das Grosse, nicht um Klei
nes bekümmern , sei nicht zulässig , da es keineswegs nur Klei
nigkeiten seien , in denen die göttliche Gerechtigkeit vermisst
werde (86 ). Der allgemeine Glaube sehe gerade die äusseren
Glücksgüter, nicht die inneren Güter, Tugend und Weisheit, als
Gaben der Götter an , und so sei denn auch das Glück , dessen
die Schlechten sich erfreuen, ein Beweis gegen die göttlicheWelt
regierung (87. 88 ). Einzelne Beispiele , wo es den Guten auch
gut ergehe , seien von keinem Gewichte gegen die Mehrzahl der
entgegengesetzten , die man weder mit dem Satze , dass die Götter
nicht alles Einzelne wahrnehmen , noch mit ihrer Unwissenheit
entschuldigen könne (89. 90). Und sagen , dass die Götter die
Strafe böser Thaten , wenn nicht an den Thätern selbst, so doch
an ihren Kindern und Nachkommen vollstrecken , hiesse ihnen
gerade die grösste Ungerechtigkeit zuschreiben . Aber auch Lei
den und Unglück rührt nicht von einer Gottheit, sondern von den
Menschen her. Die Gottheit schützt dagegen nicht , auch wo sie
es billig sollte , wenn sie , wie die Stoiker sagen, Alles kann was
sie will. Also entweder weiss sie selbst nicht, was sie kann , oder
sie bekümmert sich nicht um die Menschen , oder sie versteht
nicht zu beurtheilen , was gut sei (91. 92). Die Stoiker aber
widersprechen sich selbst, wenn sie sagen , dass die Gottheit sich
nicht um Einzelnes bekümmere , und doch behaupten , dass die
LIB . III. CAP. 1. 207
Träume den Einzelnen von den Göttern zugesandt werden , und
Jeden zur Gottheit zu beten ermahnen , die also doch auch die
Einzelnen hören muss (93).
Cotta schliesst mit der Versicherung, dass sein ganzer Vor
trag durchaus nicht die Absicht habe , die Götter zu leugnen ,
sondern nur darzuthun , wie schwierig es sei, über das göttliche
Wesen zu einer deutlichen Erkenntniss zu gelangen . Cicero aber
fügt hinzu, dass, während Velleius die Auseinandersetzung Cotta's
für wahr und überzeugend erklärt , ihm selbst vielmehr die An
sicht des Balbus probabler vorgekommen sei.

Quae quum Balbus dixisset, tum arridens Cotta , Sero , in - 1


quit, mihi, Balbe, praecipis, quid defendam . Ego enim , te dispu - 1
tante , quid contra dicerem mecum ipse meditabar , neque tam
refellendi tui causa , quam ea quae minus intelligebam requiren
di. Quum autem suo cuique iudicio sit utendum , difficile factu
est me id sentire , quod tu velis. Hic Velleius , Nescis , inquit, 2
quanta cum expectatione, Cotta , sim te auditurus. Iucundus
enim Balbo nostro sermo tuus contra Epicurum fuit. Praebebo
igitur ego me tibi vicissim attentum contra Stoicos auditorem .
Spero enim , te , ut soles , bene paratum venire . Tum Cotta, Sic 3
mehercule, inquit, Vellei. Neque enim mihi par ratio cum Luci
lio est, ac tecum fuit. Qui tandem , inquit ille ? Quia mihi, in
quit , videtur Epicurus vester de dis immortalibus non magno
opere pugnare. Tantummodo negare deos esse non audet , ne
1. 3. Sic mehercule. „ Ja aller- neben der Akademischen Ver
dings“, d . h. ich habe mich aller - zichtleistung auf eigenes Besser
dings gut vorbereitet, wie es einem wissen zugleich die Artigkeit des
solchen Gegner gegenüber nothwen Mannes von Welt, und wohl auch
dig war, während es, um einen Epi- etwas Ironie , die denn auch dem
kureer zu bekämpfen , eben keiner Balbus nicht entgeht da er sagt:
sonderlichen Vorbereitung bedurfte. sin me interrogare voles non
Auch vorher hat Cotta erklärt, dass tam intelligendi causa quam re
er sich während des Vortrages des fellendi - Sic, wofür die Ab
Balbus schon zur Entgegnung vor- schreiber si verschrieben , braucht
bereitet habe, $ 1 : quid contra di- Cicero ähnlich wie hier auch de
cerem , meditabar ; und wenn er Finn. III , 2, 9 : iam infici debet
dort, wie auch weiter unten § 4 hin iis artibus , quas si, dum est te
zufügt, er gedenke nicht sowohl den ner, combiberit, ad maiora veni
Balbus zu widerlegen , als sich über et paratior. - Sic; et quidem
Manches noch genauere Erklärung diligentius saepiusque ista loque
zu erbitten , so erkennt man darin mur inter nos etc. wo Madvig zu
208 DE NATURA DEORUM
quid invidiae subeat aut criminis. Quum vero deos nihil agere ,
nihil curare confirmat, membrisque humanis esse praeditos , sed
eorum membrorum usum habere nullum , ludere videtur satisque
putare , si dixerit esse quandam beatam naturam et aeternam .
4 A Balbo autem animadvertisti, credo, quam multa dicta sint quam
que, etiamsi minus vera , tamen apta inter se et cohaerentia . Ita
que cogito , ut dixi, non tam refellere eius orationem , quam ea
quae minus intellexi requirere. Quare, Balbe , tibi permitto , re
sponderene mihi malis de singulis rebus quaerenti ex te ea quae
parum accepi, an universam audire orationem meam . Tum Bal
bus : Ego vero, si quid explanari tibi voles, responderemalo ; sin
me interrogare non tam intelligendi causa quam refellendi, utrum
voles faciam : vel ad singula , quae requires, statim respondebo,
5 vel, quum peroraris, ad omnia. Tum Cotta ,Optime, inquit : quam
2 obrem sic agamus, ut nos ipsa ducet oratio. Sed ante quam de
re , pauca de me. Non enim mediocriter moveor auctoritate tua ,
Balbe , orationeque ea , quae me in perorando cohortabatur , ut
meminissem me et Cottam esse et pontificem : quod eo , credo ,
valebat, ut opiniones , quas a maioribus accepimus de dis im
mortalibus , sacra , caerimonias religionesque defenderem . Ego
vero eas defendam semper semperque defendi , nec me ex ea
opinione, quam amaioribus accepide cultu deorum immortalium ,
ullius umquam oratio aut docti aut indoctimovebit. Sed quum
de religione agitur , Ti. Coruncanium , P . Scipionem , P . Scaevo
lam , pontifices maximos, non Zenonem aut Cleanthem aut Chry
sippum sequor, habeoque C. Laelium , augurem eundemque sa
vergleichen . S. auch Hand zu canus, dem daher Cicero auch seinen
Wopkens Lectt. Tull. p . 171. Vortrag über die Freundschaft in
ludere videtur. Vgl. I, 44, 123. den Mund gelegt hat. Von seinen
ducet oratio. Vgl. c. 17 in. Auch Zeitgenossen ward er der Weise ,
pergit oratio de Legg . I, 13, 37 und sapiens, genannt u. oben II, 66 , 166
ebend. iter sermonis. ist er mit Coruncanius, Scipio und
2. 5. Ti. Coruncanium etc. Ue Andern als Einer der von den Göt
ber diesen und über P . Scaevola s. tern besonders geliebten trefflichen
zu I, 41, 115 . Der neben ihnen ge Menschen aufgeführt. Seine hier er
wähnte oratio nobiliswurdeim J.600
nannte Scipio ist P . Cornelius Cn . f.
gehalten und bekämpfte den Gesetz
L . n . Scipio Nasica , der Pontifex
maximus und im j. 563 Consul war vorschlag des Volkstribunen L . Li
und einst öffentlich , d . h. durch ei- cinius Crassus, der die Cooptation
nen Senatsbeschluss, für den besten der priesterlichen Collegien der Pon
Mann in Rom erklärt wurde. S . Cic. tifices , Augures u . X viri sacris
de Finn . V, 22 , 64. Liv. XXIX , fac. abschaffen und statt ihrer die
14, 8. Volkswahl einführen wollte. Vgl.
C. Laelium , den bekannten Bu- Cic . Lael. c . 25 , 96 und unten zu
senfreund des jüngeren Scipio Afri- c. 17, 43.
LIB . III. CAP. 2. 3. 209
pientem , quem potius audiam dicentem de religione in illa ora
tione nobili , quam quemquam principem Stoicorum . Quumque
omnis populi Romani religio in sacra et in auspicia divisa sit,
et tertium adiunctum sit , si quid praedictionis causa ex por
tentis et monstris Sibyllae interpretes haruspicesve monuerunt:
harum ego religionum nullam umquam contemnendam putavi,
mihique ita persuasi, Romulum auspiciis , Numam sacris consti
tutis fundamenta iecisse nostrae civitatis , quae numquam profe
cto sine summa placatione deorum immortalium tanta esse po
tuisset. Habes , Balbe, quid Cotta , quid pontifex sentiat: fac nunc
ego intelligam , tu quid sentias . A te enim philosopho rationem 6
accipere debeo religionis , maioribus autem nostris etiam nulla
ratione reddita credere. Tum Balbus , Quam igitur a me ratio - 3
nem , inquit, Cotta, desideras ? Et ille, Quadripertita, inquit, fuit
divisio tua : primum ut velles docere , deos esse ; deinde, quales
essent; tum , ab his mundum regi; postremo, consulere eos re
bus humanis . Haec , si recte memini, partitio fuit. Rectissime,
inquit Balbus, sed expecto quid requiras. Tum Cotta , Primum 7
quidque videamus, inquit : et si id est primum , quod inter omnis
Sibyllae interpretes d. h. die XV der sacra , d. h. der gottesdienst
viri sacris faciundis , ein Collegium , lichen Handlungen , durch die man
welches die Sibyllinischen Bücher den Göttern die schuldige Ehre er
zu bewahren , sie auf Befehl des Se- weist, und der zu ihrer Besorgung
nates zu befragen und darüber zu eingesetzten Priesterthümer dem
berichten , auch die nach dem Aus. Numa zugeschrieben (de Republ.
spruch derselben erforderlichen sa II, 14).
cra zu besorgen hatte, woher auch
der Name zu erklären . XV viri seit 27,3.77.7. Primum quidque. S . zu I,
d . J. 673 (wahrscheinlich ); früher
Xviri, seit d . J. 378 ; noch früher et si id est primum etc. Der Zu
Ilviri. sammenhang ist dieser: si id est
Romulum auspiciis, Numam sa primum , esse deos, id ipsum cur ita
cris. Nichts ist häufiger als dass sit,nihil tu me doces. Da aber nach
das Römische Auspicienwesen auf dem ersten Gliede noch der zwei--
den Stifter Romulus zurückgeführt theilige Relativsatz quod - - exi
wird , der, sowie er selbst ein treff- minon potest eingeschoben ist, so
licher Augur war (de Divin. II, 33, hat dies veranlasst des Gegensatzes
70. 38 , 90) und die Stadt auspicato wegen ein tamen dem nächsten
gegründet hatte (de Republ. II, 9 , Gliede einzufügen ; und um recht
16 ), so auch das durch diese Grün - ausdrücklich den Unterschied zwi
dungsauspicien angeknüpfte Ver- schen Glauben und Wissen hervor
hältniss des Staates zu den auf ge- zuheben , ist auch hier wieder der
bührendes Befragen warnenden und Relativsatz eingeschoben, quod -
mahnenden Göttern auf die Nach - auctoritate maiorum , der das schon
kommen vererbte. Ebenso häufig vorher Gesagte eigentlich nur, ob
wird die bestimmtere Einrichtung gleich mit einem Zusatze , wieder
Cic. de nat. deor. 4. Aufl. 14
210 DE NATURA DEORUM
nisi admodum impios convenit, mihi quidem ex animo eximi
non potest, esse deos, id tamen ipsum , quod mihi persuasum
est auctoritatemaiorum , cur ita sit, nihil tu medoces. Quid est,
inquit Balbus , si tibi persuasum est , cur a me velis discere ?
Tum Cotta , Quia sic aggredior, inquit, ad hanc disputationem ,
quasi nihil umquam audierim de dis immortalibus, nihil cogita
verim ; rudem me et integrum discipulum accipe, et ea quae re
8 quiro doce. Dic igitur , inquit , quid requiras. Egone ? primum
illud , cur , quod in ista partitione ne egere quidem oratione di
xisses , quod esset perspicuum et inter omnis constaret, de eo
ipso tam multa dixeris . Quia te quoque, inquit , animadverti,
Cotta , saepe , quum in foro diceres, quam plurimis posses argu
mentis onerare iudicem , si modo eam facultatem tibi daret causa .
Atque hoc idem et philosophi faciunt et ego , ut potui, feci. Tu
autem , qui id quaeris , similiter facis ac sime roges , cur te duo
bus contuear .oculis et non altero coniveam , quum idem uno
4 assequi possim . Tum Cotta , Quam simile istud sit , inquit, tu
9 videris. Nam ego neque in causis , si quid est evidens, de quo
inter omnis conveniat, argumentari soleo : perspicuitas enim ar
gumentatione elevatur : nec , si id facerem in causis forensibus,
idem facerem in hac subtilitate sermonis. Cur coniveres autem
altero oculo , causa non esset, quum idem obtutus esset ambo
rum , et quum rerum natura , quam tu sapientem esse vis , duo
lumina ab animo ad oculos perforata nos habere voluisset. Sed
quia non confidebas tam esse id perspicuum quam tu velles,
propterea multis argumentis deos esse docere voluisti. Mihi enim
unum sat erat, ita nobis maiores nostros tradidisse. Sed tu
10 auctoritates contemnis , ratione pugnas. Patere igitur rationem
meam cum tua ratione contendere . Affers haec omnia argu
menta , cur di sint, remque mea sententia minime dubiam argu
mentando dubiam facis. Mandavi enim memoriae non numerum
holt. — Ueber eximi s. Opusc. ac. duo lumina: zwei Lichtöffnungen
III p . 378 sp . oder Sehelöcher; wie nicht selten
8. Egone ? S. zu I, 7, 16 . lumina auch für fenestrae gesagt
4 . Quam simile illud sit, tu wird .
videris. EineWendung, die zu ver ab animo ad oculos. Tusc. I, 20,
stehn giebt, dass der Gegner bei ge- 46 : viae quasi quaedam sunt ad
nauerer Erwägung sich wohl selbst oculos, ad aures, ad nares a sede
von dem Unpassenden des Verglei- animiperforatae. und ebend. auch
ches überzeugen werde. Aehnlich fenestrae animi wie bei Lactant.
Acad. II, 7, 19 : Epicurus hoc vide de opif. d. c. 9, 2 : mens oculis
rit et multa alia. de Divin . II, 53, tanquam fenestris utitur.
108 : vide, quaeso, quam sint ista 10 . argumentando dubiam facis.
similia ; nam mihi non videntur. Procl. zu Plut. Tim . p. 416 Schn .:
LIB . III. CAP. 3. 4. 5. 211
solum , sed etiam ordinem argumentorum tuorum . Primum fuit,
quum caelum suspexissemus , statim nos intelligere esse aliquod
numen , quo haec regantur. Ex hoc illud etiam ,
Adspice hoc sublimen candens, quem invocant omnés lovem .
Quasi vero quisquam nostrum istum potius quam Capitolinum 11
Iovem appellet, aut hoc perspicuum sit constetque inter omnis,
eos esse deos, quos tibi Velleius multique praeterea ne animan
tis quidem esse concedant. Grave etiam argumentum tibi vide
batur, quod opinio de dis immortalibus et omnium esset et quo
tidie cresceret. Placet igitur tantas res opinione stultorum iu
dicare, vobis praesertim , qui illos insanos esse dicatis ? At enim 5
praesentis videmus deos, ut apud Regillum Postumius, in Salaria
ó návra anodelxtirà vevouixos wenn sie auch nicht die Ansichten
αυτήν μάλιστα την απόδειξιν der Philosophen theilten, doch eben
αναιρεϊ. sowenig dem grossen Haufen sich
quo haec regantur. Das Pronom ., anschlossen und, wenn sie auch al
ohne grammatische Beziehung auf lerdings die Götter sich menschen
caelum , bezeichnet dies alles, ähnlich und in menschlicher Gestalt
dih. diese ganze Welt, woran man dachten , doch ihr eigentliches We
bei der Betrachtung des Himmels zu sen und ihre göttliche Kraft, ihre
denken nicht umhin kann. Vgl. II, ÊVÉgyeld , ihr numen , nicht auf diese
2, 4, wo ebenfalls haec nicht blos Gestalt eingeschränkt und in ihrbe
auf das vorhergen . caelum caele schlossen, sondern in weiterem Um
stiaque allein zu beziehen ist. fange , je nach dem Gebiete und
11. istum potius quam Capitoli Wirkungskreise eines jeden , gegen
num . Allerdings hat Cotta darin wärtig dachten , das numen des Iu
Recht: die gedankenlose Mehrzahl piter also im Aether und , wie die
stellte sich die Götter nicht anders sen , sich durch die verschiedenen
als ihren hier und dortaufgestellten Theile des Weltalls verbreitend:
Bildern gemäss, ja mit diesen auf's τοπικώς μεν ούν πανταχού το
Engste verbunden vor ; und dies θείον υπονοείν άτοπον ταϊς μέν
ging so weit, dass man selbst Eine του ενεργείαις πανταχού είναι
Gottheit nach ihren verschiedenen aváyun , " Diese Worte des Philo
Tempeln und Bildern gewissermas- ponus (bei Lobeck Agl. p. 913) dürf
sen in verschiedene Personen spal- ten so ziemlich der allgemeinen
tete , die auch wohl eifersüchtig auf Vorstellung der Denkenden ent
einander sein konnten, wie es selbst sprechen. Vgl. auch Senec. qu.na
dem Kaiser Augustus einmal, doch tur. II, 45 .
nur im Traume vorkam , dass der quos -- ne animantis quidem .
Iupiter Capitolinus sich über die Dies gehtnamentlich auf die von den
eifrigere Verehrung beschwerte, die Stoikern für Götter erklärten Ge
dem Iupiter Tonans zu Theil würde. stirne II, 15 .
Sueton. Aug. c. 91. Dio Cass. LIV , opinio - quotidie cresceret. II,2,5.
4. Catull. XIX , 20 lässt einen Pria - stultorum . S . zu I, 9, 23 : und
pus dem andern Vorwürfe machen . für das Folgende: qui illos insanos
– Mit dem quisquam nostrum sagt esse d. vgl. Cic. Paradox. IV.
aber Cotta ohne Zweifel etwas zu 5 . videmus. Das Präsens, für
viel. Es gab doch wohlManche, die, videre nonnumquam solemus, hier
14 *
212 DE NATURA DEORUM
Vatinius: nescio quid etiam de Locrorum apud Sagram proelio.
Quos igitur tu Tyndaridas appellabas, id est homines homine
natos, et quos Homerus, quirecens ab illorum aetate fuit, sepul
tos esse dicit Lacedaemone, eos tu cantheriis albis , nullis calo
nibus, obviam Vatinio venisse existimas et victoriam populi Ro
mani Vatinio potius , homini rustico , quam M . Catoni, qui tum
erat princeps , nuntiavisse ? Ergo et illud in silice , quod hodie
apparet apud Regillum , tamquam vestigium ungulae, Castoris
12 equi credis esse ? Nonne mavis illud credere , quod probari po
test, animos praeclarorum hominum , quales isti Tyndaridae fue
runt, divinos esse et aeternos, quam eos qui semel cremati essent
equitare et in acie pugnare potuisse ? aut si hoc fieri potuisse
13 dicis, doceas oportet, quo modo, nec fabellas anilis proferas. Tum
Lucilius, An tibi, inquit, fabellae videntur ? Nonne ab A .Postumio
so wenig anstössig als oben II, 2, 6, anderswo (de Republ. II, 10, 18) die
wo von derselben Sache die Rede entgegengesetzte Meinung Anderer
war, praesentiam saepe divi suam an , nach denen Homer etwa 30 Jahre
declarant. vor dem Spartanischen Lykurg ge
in Salaria, scil. via . So hiess die lebt habe: diesen aber setzt er 108
Landstrasse, die von Rom ins Sabi- Jahre vor die erste Olympiade d . h .
nische nach Reate führte, quia per um 885, u . Tuscul. V , 3, 7 macht er
eam Sabini sal a mari(d. h . aus den Homer und Lykurg zu Zeitgenossen .
Salinen beiOstia) deferebant. Fest. Den Grund , warum er jetzt den
Paul. p. 327 Müll. - Auch das · Cotta der andern Ansicht folgen
Stadtthor, von wosie ausging, hiess lässt, erkennt man leicht. - Die
früher porta Salaria, später porta Homerische Stelle, auf die er Bezug
Collina. Fest. p. 326 . - Nescio nimmt, ist II. III, 243.
quid,Ausdruck derGeringschätzung. cantheriis albis . Balbus sagte II,
homines hominenalos. Nach der 2, 6 cum equis albis. Der jetzt da
poetischen Mythologie haben beide für gesetzte Ausdruck enthält einen
eine Sterbliche zur Mutter, die Le- Spott: denn cantherius, oder can
da; der eine, Castor, auch einen terius, eigentlich Wallach, wird
sterblichen Vater, den Tyndarus, auch von schlechten Mähren gesagt
während Pollux ein Sohn des Iupiter wie caballus. Ebenso spöttisch ist
heisst. das folgendenullis calonibus, ohne
Homerus - recens ab illorum Reitknechte.
aetate. Die Tyndariden waren , als M . Catoni, dem alten Censorius.
Brüder der Helena und Klytämnestra, 12. quod probari potest, d. h .
Zeitgenossen der vor Troia käm - was wenigstens als wahrscheinlich
pfenden Helden , obgleich sie selbst gelten darf. Wir wissen übrigens,
schon vor dem Kriege, noch in der wie die Akademiker überall keine
Blüthe der Jahre, starben . Homer Gewissheit, sondern nur Wahr
aber ward von Manchen , wie von scheinlichkeit anerkannten . S . d .
Krates und seinen Anhängern , in Einleit. S. 15 fg.
die nächste Zeit nach dem Troi. divinos esse et aeternos. S . zu I,
Kriege versetzt, s . Procl. Chrestom . 15 , 39.
in Bekkers Ausg . der Scholien zur 13. ab A . Postumio aedem -
Ilias p. I. Cicero selbst führt aber dedicatam . Der Tempel war vom Di
LIB . III. CAP. 5. 6. 213
aedem Castori et Polluci in foro dedicatam , nonne senatus con
sultum de Vatinio vides ? Nam de Sagra Graecorum etiam est
vulgare proverbium , qui, quae affirmant, certiora esse dicuntquam
illa quae apud Sagram . His igitur auctoribus nonne debes mo
veri? Tum Cotta, Rumoribus , inquit, mecum pugnas , Balbe ;
ego autem a te rationes requiro. ( Desunt nonnulla .)
Sequuntur, quae futura sunt: effugere enim nemo id potest, 6
quod futurum est. Saepe autem ne utile quidem est scire, quid 14
futurum sit; miserum est enim nihil proficientem angi , nec ha
bere ne spei quidem extremum et tamen commune solatium ,
praesertim quum vos iidem fato fieri dicatis omnia , quod autem
semper ex omni aeternitate verum fuerit , id esse fatum . Quid
igitur iuvat aut quid affert ad cavendum , scire aliquid futurum ,
quum id certe futurum sit ? Unde porro ista divinatio ? Quis
invenit fissum iecoris ? quis cornicis cantum notavit ? quis sor
ctator A . Postumius in der Schlacht id esse fatum . Vgl. zu I, 20, 55 .
am Regillus gelobt : dedicirt ward Chrysipps Definition bei Euseb . pr.
er später von dessen Sohne. So be ev. VI, 7, 13 lautet: tò dnapáßa
richtet Liv. II, 20 , 12 u . 42 , 5 , ob - tov xai és aiôvos vagnxov tõv
gleich er der Erscheinung in der aitav, ioa outooi xarnvayxáo on
Schlacht keine Erwähnung thut. yevéolai, rai ooa alos ÉXELV
κεκώλυται.
Graecorum - proverbium .Suid.:
αληθέστερα των επί Σάγρα παρ fissum iecoris : wahrscheinlich
Spalte oder ein Einschnitt, der
οιμία επί των αληθών μέν , ου eine verschiedenen
riotevouévov dé. Das Sprichwort die Lappen der Le
kam u. a. bei Menander vor. S . ber trennt, bei Seneca Oedip . 365
Meineke zu dessen Fragm . p. 17. auch limes genannt. Je nach Um
Ueber die Schlacht an der Sagra s. ständen bedeutet das fissum bald
Glück , bald Unglück , es giebt ein
zu II, 2, 6. fissum vitale und ein fissum fami
6 . 14. Nächst den Göttererschei- liare u . dergl. mehr. S. de Div. II,
nungen waren von Balbus II, 3, 7 6 , 12. 13. Brisson. de Form . I, 31.
die Weissagungen als Beweis für Müller, Etrusk . II, 182.
das Dasein der Götter angeführt. sortis, dergleichen namentlich im
Der Anfang der dagegen gerichteten Tempel der Fortuna zu Präneste
Widerlegung ist verloren : die er zur Weissagung gebraucht wurden ,
haltenen Worte gehören zu der Ar waren Täfelchen , die gleichmässig
gumentation , dass die Weissagun gemischt, etwa wie ein Spiel Kar
gen, selbst wenn sie mehr als ein ten, in ein Gefäss gethan und von
blosses Hirngespinnst wären , doch welchen dann eines oder mehrere
den Menschen nichts nützen wür ausgezogen wurden . Daher die Aus
den , weil, was einmal bestimmt sei drücke sortes aequare, sortem du
zu geschehen , jedenfalls erfolge, cere oder trahere. Vgl. de Div. I,
und auch wenn man es vorher wisse, 18, 34. II, 33, 70 . 41, 96 . Suet.
doch nicht abgewendet werden Tiber. 14 . Indessen waren die sor
könne. Diese Argumentation s. de tes nicht alle von einer Art, und
Divin. II, 8, 20. jene Ausdrücke bezeichnen deswe
214 DE NATURA DEORUM
tis ? quibus ego credo, nec possum Atti Navii, quem commemo
rabas, lituum contemnere. Sed , qui ista intellecta sint, a philo
sophis debeo discere, praesertim quum plurimis de rebus divini
15 isti mentiantur. At medici quoque (ita enim dicebas) saepe fal
luntur. Quid simile medicina, cuius ego rationem video , et divi
natio ? quae unde oriatur non intelligo. Tum autem etiam Decio
rum devotionibus placatos deos esse censes. Quae fuit eorum
tanta iniquitas , ut placari populo Romano non possent nisi viri
tales occidissent? Consilium illud imperatorium fuit, quodGraeci
otpatńynua appellant, sed eorum imperatorum , quipatriae con
sulerent , vitae non parcerent; rebantur enim fore , ut exercitus
imperatorem , equo incitato se in hostem immittentem , perseque
retur; id quod evenit. Nam Fauni vocem equidem numquam
audivi. Tibi, si audisse te dicis , credam : etsi Faunus omnino
7 quid sit , nescio . Non igitur adhuc, quantum quidem in te est ,
Balbe, intelligo deos esse : quos equidem credo esse , sed nibil
16 docent Stoici. Nam Cleanthes , ut dicebas, quattuor modis for
matas in animis hominum putat deorum esse notiones . Unus
is modus est , de quo satis dixi , qui est susceptus ex praesensio
ne rerum futurarum ; alter ex perturbationibus tempestatum et
reliquis motibus; tertius ex commoditate rerum , quas percipi
mus, et copia ; quartus ex astrorum ordine caelique constantia .
De praesensione diximus. De perturbationibus caelestibus et
gen auch nicht das gleiche Verfah tas, welches auch oben II, 5, 13 ge
ren bei allen . braucht worden ist. — Die folgende
15. Deciorum devotionibus. S. II, Wiederholung der von Cleanth an
3, 10 . geführten Gründe ändert die dort
Faunus omnino quid sit nescio, befolgte vorOrdnung , indem sie den
d. h. als Philosoph, zumals als Aka dritten den zweiten stellt : of
fenbar weil Cotta nach Beseitigung
demiker, weiss Cotta das nicht: als des ersten von der Divination her
Pontifex kennt er den Faunus aller genommenen
dings, wenigstens insofern , dass er auf den drittensich jetzt nur noch
, von den Staunen
weiss, welche Anrufungen und Ge und Furcht , erregenden
bete an ihn zu richten sind, welche Naturer
Machterweisungen man von ihm er scheinungen , einlassen , die Wider
wartet, welche Heiligthümer und legung des zweiten aber gleich der
Feste ihm geweiht sind : über wel des vierten für einen späteren Theil
seines Vortrages aufsparen will, wo
ches Alles die von Merkel zu Ovid. er der göttlichen Vorsehung
Fast. prolegg. p. CCII angeführten redenvonwird
Stellen uns Auskunft geben . - Gründe ebenfalls , für welche dieselben
Ueber das den Uebergang machende angeführt waren .
nam s . c . 24 , 61. Er vermeidet auf diese Weise die
Nothwendigkeit , dasselbe zweimal
7 . 16 . formatas für das in die- zu sagen, wie es vom Balbus aller
sem Sinne gewöhnlichere informa dings geschehen ist. Jener Theil
LIB. III. CAP. 6. 7. 8. 215
maritimis et terrenis non possumus dicere, quum ea fiant, non
esse multos, qui illa metuant et a dis immortalibus fieri existi
ment. Sed non id quaeritur, sintne aliqui, qui deos esse putent: 17
di utrum sint necne sint, quaeritur. Nam reliquae causae , quas
Cleanthes affert, quarum una est de commodorum quae capimus
copia , altera de temporum ordine caelique constantia , tum tra
ctabuntur a nobis , quum disputabimus de providentia deorum ,
de qua plurima a te, Balbe, dicta sunt; eodemque illa etiam dif
feremus, quod Chrysippum dicere aiebas , quoniam esset aliquid
in rerum natura quod ab homine effici non posset , esse homine
aliquid melius: quaeque in domo pulchra cum pulchritudine 18
mundi comparabas , et quum totius mundi convenientiam con
sensumque afferebas , Zenonisque brevis et acutulas conclusio
nes in eam partem sermonis, quam modo dixi, differemus, eodem
que tempore illa omnia, quae a te physice dicta sunt de vi ignea
deque eo calore, ex quo omnia generari dicebas , loco suo quae
rentur: omniaque, quae a te nudius tertius dicta sunt, - quum
docere velles deos esse , - quare et mundus universus et sol et
luna et stellae sensum ac mentem haberent, in idem tempus re
servabo. A te autem idem illud etiam atque etiam quaeram , qui- 19
bus rationibus tibi persuadeas deos esse. Tum Balbus, Equidem 8
attulisse rationes mihi videor; sed eas tu ita refellis, ut, quum
me interrogaturus esse videare, et ego me ad respondendum
compararim , repente avertas orationem nec des respondendi lo
cum . Itaque maximae res tacitae praeterierunt, de divinatione,
de fato : quibus de quaestionibus tu quidem strictim , nostri autem
von Cotta's Vortrage ist aber ver versteht sich das ergänzende quae
loren. dicebas von selbst.
17. illa etiam differemus. Der physice. Vgl. I, 27, 77 und II,
Plural, weil das Pronomen nicht 18, 48. Eine leise Ironie ist auch
blos auf das zunächstfolgende quod hier wohl anzunehmen, da dem Aka
Chrys. dicere aiebas, sondern auch demiker die Stoische Physik ohne
auf das fernere quae - compara Zweifel nicht viel galt.
bas, et quum – afferebas deutet.
Vgl. II, 50, 126 . 59, 147. Die Worte quum docere velles deos esse,
quae in domo pulchra cum pulchri- d . h . in dem Theile deines Vortra
tudine mundi comparabas sind als ges, wo du das Dasein der Götter
abgekürzter Ausdruck zu verstehen, erweisen wolltest. Die folgenden
etwa für quae in domo pulchra cum Worte quare etmundos etc. zu ver
pulchritudine mundi comparandá binden mit quae a te nudius tertius
dicebas: denn wörtlich verstanden dicta sunt: „ die Gründe, die von
würden sie etwas Anderes aussagen, dir angeführt sind für die Beseelt
als was Balbus II, 6, 17 gethan hat heit der Welt und der Gestirne.“
und Cotta sagen konnte . - Auch - Ueber nudius tertius s. die Ein
vor dem folg . quum – afferebas leitung S. 23.
216 DE NATURA DEORUM
multa solent dicere; sed ab hac ea quaestione, quae nunc in ma
nibus est, separantur. Quare, si videtur, noli agere confuse , ut
hoc explicemus hac disputatione, quod quaeritur.
20 Optime, inquit Cotta. Itaque quoniam quattuor in partis
totam quaestionem divisisti de primaque diximus , consideremus
secundam : quae mihi talis videtur fuisse , ut, quum ostendere
velles , quales di essent, ostenderes nullos esse. A consuetudine
enim oculorum animum abducere difficillimum dicebas, sed , quum
deo nihil praestantius esset , non dubitabas quin mundus esset
deus , quo nihil in rerum natura melius esset. Modo possemus
eum animantem cogitare , vel potius ut cetera oculis , sic animo
21 hoc cernere. Sed quum mundo negas quicquam esse melius,
quid dicis melius ? Si pulchrius, assentior ; si aptius ad utilitates
nostras, id quoque assentior ; sin autem id dicis, nihil essemun
do sapientius, nullo modo prorsus assentior : non quod difficile
sit mentem ab oculis sevocare; sed quo magis sevoco , eo minus
9 id , quod tu vis, possum mente comprehendere. Nihil est mundo
8. 19. sed ab hac quaestione — aber erkennen , cernere, nur
separantur , d. h. der vollständige Wahres und Wirkliches.
Beweis für die Realität der Divi- 21.nullo modo prorsus für pror
nation wird anderswo geführt; in sus nullo modo. Das Adverb. dient
der Untersuchung über das Dasein also zur Verstärkung der Negation,
und Wesen der Götter wird sie als nicht aber die Negation zur Vernei
erwiesen angenommen . nung des Adverbiums. Ebenso wird
20. modo possemus eum animan das die Negation verstärkende pror
tem cogitare. Dies ist nicht mit sus auch nach non gesetzt, de Finn .
dem vorhergehenden dicebas und II, 5, 17 : Non ' prorsus, inquit.
non dubitabas zusammen zu con - „Ganz und gar nicht“ , nicht aber
struiren , als gehöre es ebenfalls zu
soviel als: „ nicht gänzlich “. Vgl.
der Relation des von Balbus Gesag-Madvigs Anmerk. Nicht anders ver
ten ; denn Balbus hat diese Bedin -
hält es sich mit dem gewöhnlich
gung gar nicht gemacht, sondern le-vorkommenden non omnino, woge
diglich die Beseeltheit der Welt aus
gen omnino non seltener ist. Auch
dem Satze, dass sie das Beste und im Gr. oft où návu , our ayav in
Vollkommenste sei, alsnothwendige gleicher Weise, worüber zu vergl.
Folgerung abgeleitet. Gegen diese die Anmerk . zu Plut. Agis p. 98 .
Folgerung macht nun Cotta den Ein 9. Nihil estmundo melius in re
wurf, dass sie etwas Undenkbares rum natura. Balbus sagt II, 12, 32 :
enthalte. Man kann also vor dem mundus melior est quam ulla na
modo possemus etwa ein reçte oder tura und mundum universum pluris
non intercederem oder dgl. hinzu esse necesse est quam partem ali
denken . Ueber modo vgl. Hand quam universi, bedient sich aber
Tursell. III p . 638. niemals jenes von Cotta gewählten
cogitare vel potius - cernere. Ausdrucks, der in der That nichts
Denken, cogitare , im weitern anders sagt als nihil estmundome
Sinne des Wortes, kann man sich lius in mundo , worin allerdings
mancherlei, auch ' Hirngespinnste ; auch eben dies liegt: nulla pars
LIB. III. CAP. 8. 9. 217
melius in rerum natura ; ne in terris quidem urbe nostra. Num
igitur idcirco in urbe esse rationem , cogitationem , mentem pu
tas ? aut , quoniam non sit, num idcirco existimas formicam an
teponendam esse huic pulcherrimae urbi, quod in urbe sensus
sit nullus, in formica non modo sensus, sed etiam mens, ratio ,
memoria ? Videre oportet , Balbe, quid tibi concedatur , non te
ipsum , quod velis , sumere. Istum enim locum totum illa vetus 22
Zenonis brevis et , ut tibi videbatur, acuta conclusio dilatabit.
Zeno enim ita concludit: Quod ratione utitur, id melius est quam
id , quod ratione non utitur ; nihil autem mundo melius: ratione
igitur mundus utitur. Hoc si placet, iam efficies, ut mundus 23
optime librum legere videatur. Zenonis enim vestigiis hoc modo
rationem poteris concludere : Quod litteratum est, id est melius
quam quod non est litteratum ; nihil autem mundo melius: littera
tus igitur est mundus. Isto modo etiam disertus, atque idem ma
thematicus, musicus, omni denique doctrina eruditus, postremo
philosophus (erit mundus). Saepe dixti nihil fieri sine deo , nec
mundi est mundo melior, der aber nen in der Bedeutung fasst, in wel
von Cotta offenbar nur in der Ab- cher die Stoiker ihn verstanden .
sicht gewählt ist, um ihm den sei. Vgl. Prantl, Gesch. der Logik I
nigen als einen entsprechenden ge- S . 44.
genüber stellen zu können : ne in 22. istum locum Zenonis con
terris quidem urbe nostra , scil. clusio dilatabit: Zeno's Schlussfol
quicquam melius est, obgleich das gerung wird jenen Satz weiter aus
Verhältniss der verglichenen Ge dehnen “ : d. h . mittels jener Zeno
genstände zu einander in den bei nischen Schlussfolgerung wird man
den Sätzen , mundus zu rerum na jenen Satz viel weiter ausdehnen
tura und urbs nostra zu terrae, ein können als ihr es wollt : man wird
wesentlich verschiedenes ist. Die ihn nicht blos zu dem Beweise be
folgende Argumentation, die völlig nutzen können , dass die Welt weise
mit der von Sext. Emp. IX , 108 sei, sondern auch dass sie lesen
referirten des Alexinus überein - könne u. s. w . Die Bedeutung jenes
stimmt, verdient mit Recht den Ausdrucks zu vergl. mit I, 35, 98 :
Namen einer calumnia , womit si semel susceperimusgenus hoc ar
Balbus II, 7, 20 dergleichen be gumenti, attende quo serpat. Dila
legt. Denn sie missbraucht auf tare = „ in weiterem Umfange gel
calumniöse Weise das Wort me- tend machen “ auch de Legg. III, 14 ,
lius, welches freilich nach Ver 32 : lex dilatata in ordinem cun
schiedenheit der Gegenstände und ctum . Dass das handschriftliche di
Verhältnisse auch ganz Verschie latavit falsch sei bedarf wohlkeines
denesbedeuten kann, und indem sie Beweises. Denn dass Z . den Satz
es in einzelnen relativen Bedeutun wirklich so angewandt habe wird
gen nimmt, und so auf die Welt Niemand sich einbilden . Ebenso
anwendet, gelingt es ihr allerdings, wenig ist zu glauben, dass dilatavit
auf den Stoischen Satz einen Schein soviel bedeuten könne als effecit ut
des Lächerlichen zu werfen , der dilatari possit.
aber verschwindet, sobald man je 23. saepe dixti. Die synkopirte
218 DE NATURA DEORUM
ullam vim esse naturae , ut sui dissimilia posset effingere. Con
cedam non modo animantem et sapientem esse mundum , sed
fidicinem etiam et tibicinem , quoniam earum quoque artium ho
mines ex eo procreantur ? Nihil igitur affert pater iste Stoico
rum , quare mundum ratione uti putemus , ne cur animantem
quidem esse. Non est igitur mundus deus, et tamen nihil est eo
melius; nihil est enim eo pulchrius, nihil nobis salutarius , nihil
ornatius adspectu motuque constantius. Quodsi mundus univer
sus non est deus, ne stellae quidem , quas tu innumerabilis in
deorum numero reponebas , quarum te cursus aequabiles aeter
nique delectabant : nec mehercule iniuria , sunt enim admirabili
24 incredibilique constantia . Sed non omnia , Balbe, quae cursus
certos et constantis habent , ea deo potius tribuenda sunt quam
naturae. Quid Chalcidico Euripo in motu identidem reciprocan
10 do putas fieri posse constantius ? quid freto Siciliensi ? quid
Oceani fervore illis in locis , '
Europam Libyamque rapax ubi dividit unda ?
Quid ? aestus maritimi, vel Hispanienses vel Britannici, eorum
que certis temporibus vel accessus vel recessus sine deo fieri
non possunt? Vide , quaeso , si omnis motus omniaque , quae
certis temporibus ordinem suum conservant , divina dicimus , ne
tertianas quoque febris et quartanas divinas esse dicendum sit,
quarum reversione et motu quid potest esse constantius ? Sed
Form dixti bieten die Handschr. sigkeit der Strömungen des Euri
bei Cicero noch de Finn. II, 3, 10. pus war sprüchwörtlich . Vgl. Plat.
ad Att. XIII, 32. pr. Caecin . 29, Phaed. p. 90 C. Diogenian . Prov. III,
82 . Vgl. Madvig zu Cic. de Finn . 39, IV , 72. Doch findet allerdings
p . 153, auch Bücheler im N . Rhein . auch in dieser Unregelmässigkeit
Mus. XI S. 59. — Ueber den Sinn doch wieder ein regelmässiger
des Satzes s. d. Anhang. Wechsel statt, wie Babin in einem
fidicinem etiam ettibicinem . Eine Schreiben auseinandersetztbeiSpon
ganz ähnliche calumnia wie die obi Reisen u. s. w . übers. von Menudier
ge. Cotta stellt sich , als ob er nicht II S . 62. Vgl. Ideler zu Aristot.Me
wisse , dass alle einzelnen Künste teor. I p . 599 und Ulrichs Reis, in
nur specielle Richtungen oder An- Griechenl. II S. 220.
wendungen der allgemeinen Kraft freto Siciliensi. Pomp. Mel. II, 7 :
sind, die die Stoiker der Welt bei id angustum et anceps alterno cursu
legen , und dass es unlogisch sei, modo in Tuscum modo in Ionium
auf das Allgemeine etwas übertra - pelagus perfluit.
gen zu wollen , was nur in der Be- Europam Libyamque -- . Aus ei
sonderung erst entstehen kann. nem unbekannten Dichter, vielleicht
10. 24 . Quid Chalcidico Euripo aus Ennius in den Annalen , auch
- constantius? Darüber möchte Tuscul.1, 20, 45 angeführt. Gemeint
wohlMancher anderer Ansicht ge- ist das fretum Gaditanum .
wesen sein : denn die Unregelmäs aestusmaritimi — . S. zu II, 7, 19.
LIB. III. CAP. 9. 10. 11. 219
omnium talium rerum ratio reddenda est. Quod vos quum fa - 25
cere non potestis , tamquam in aram confugitis ad deum . Et
Chrysippus tibi acute dicere videbatur, homo sinedubio versutus
et callidus: (versutos eos appello , quorum celeriter mens versa
tur ; callidos autem , quorum tamquam manus opere , sic animus
usu concalluit :) is igitur , si aliquid est , inquit , quod homo effi
cere non possit, qui id efficit, melior est homine. Homo autem
haec, quae in mundo sunt, efficere non potest : qui potuit igitur,
is praestat homini. Hominiautem praestare quis possit, nisi deus ?
Est igitur deus. Haec omnia in eodem , quo illa Zenonis , errore
versantur. Quid enim sit melius , quid praestabilius, quid inter 26
naturam et rationem intersit, non distinguitur. Idemque , si dei
non sint, negat esse in omni natura quicquam homine melius ;
id autem putare quemquam hominem , nihil homine esse melius,
summae arrogantiae censet esse. Sit sane arrogantis , pluris se
putare quam mundum . At illud non modo non arrogantis , sed
potius prudentis, intelligere, se habere sensum et rationem , haec
eadem Orionem et Caniculam non habere. Et, si domus pulchra
sit , intelligamus eam dominis, inquit, aedificatam esse , non muri
bus: sic igitur mundum deorum domum existimare debemus. Ita
prorsus existimarem , si illum aedificatum esse, non, quemadmo
dum docebo , a natura conformatum putarem . At enim quaerit 11
apud Xenophontem Socrates, unde animum arripuerimus, si nul- 27
lus fuerit in mundo. Et ego quaero , unde orationem , unde nu
meros , unde cantus. Nisi vero loqui solem cum luna putamus,
quum propius accesserit, aut ad harmoniam canere mundum , ut
25 . confugitis ad deum . Wer in eodem – errore versantur :
aber sagt, dass dergleichen von der es beruht auf demselben Irrthum .
blind und bewusstlos schaffenden Tusc. I, 44 , 107 : vides quanto haec
Natur (s. zu II, 32, 81) so eingerich - in errore versentur . Vgl. Wopkens
tet sei, der giebt nicht um ein Haar Lect. Tull. p. 77. Sonst gewöhn
breit mehr Rechenschaft davon , als lich von den Menschen , die sich im
wer die Wirkung eines göttlichen Irrthum befinden .
Gesetzes darin findet. Lässt sich 11. At enim quaerit – Socrates.
denn etwa jenes besser beweisen als S . II, 6 , 17.
dieses ? Cotta verheisst zwar am 27. Et ego quaero, unde oratio
Schluss dieses Kapitels den Beweis nem — Zur Beurtheilung dieses
zu führen (quemadmodum docebo); Einwandes genügt es auf das zu
die Stelle, wo er es versuchte, ist c. 9, 23 Gesagte zu verweisen .
verloren ; dass er ihn aber nicht ad harmoniam canere mundum .
wirklich habe führen können , ist Die Pythagoreische Ansicht von der
ohne Weiteres klar. Wegen der fol- Harmonie der Sphären wird vom
genden etymologischen Abschwei Cotta spasshaft travestirt. Was
fung über versutus und callidus s. Pythagoras meinte , kann man im
zu II, 36 , 91. Somn. Scip. c. 5 lesen : Quis hic,
220 DE NATURA DEORUM
Pythagoras existimat. Naturae ista sunt, Balbe, naturae non arti
ficiose ambulantis, ut ait Zeno, quod quidem quale sit, iam vide
bimus, sed omnia cientis et agitantis motibus et mutationibus
28 suis. Itaque illa mihi placebat oratio de convenientia consensu
que naturae, quam quasi cognatione continuata conspirare dice - .
bas. lllud non probabam , quod negabas id accidere potuisse ,
nisi ea uno divino spiritu contineretur. Illa vero cohaeret et per
manet naturae viribus, non deorum : estque in ea iste quasi con
sensus, quam ovunáletav Graeci vocant: sed ea, quo sua sponte
12 maior est , eo minus divina ratione fieri existimanda est . Illa
29 autem , quae Carneades afferebat, quemadmodum dissolvitis ? Si
nullum corpus immortale sit , nullum esse corpus sempiternum :
corpus autem immortale nullum esse , ne individuum quidem ,
nec quod dirimi distrahive non possit. Quumque omne animal
patibilem naturam habet , nullum est eorum , quod effugiat acci
piendi aliquid extrinsecus, id est quasi ferendi et patiendi neces
inquam , quis est qui complet auris auch Sext. Emp. IX , 138 ff. Uebri
meas tantus et tam dulcis sonus? gens hat Madvig mit Recht be
Hic est, inquit ille , qui intervallis merkt, dass Cic. im zweiten Gliede
coniunctus imparibus, sed tamen des folgenden Satzes für nullum
pro rata portione distinctis, impulsu esse corpus sempiternum vielmehr
etmotu ipsorum orbium conficitur, nullum esse animal semp. hätte
et acuta cum gravibus temperans schreiben sollen .
varios aequabiliter concentus effi ne individuum quidem . Wahr
cit: nec enim silentio tantimotus scheinlich ist vor diesen Worten
incitari possunt, et natura fert,ut eine Causalconjunction, etwa nam ,
extrema ex altera parte graviter, ausgefallen . Der Satz : kein Kör
ex altera autem acute sonent. Vgl. per sei unvergänglich, war
Martin , Etudes sur le Timée de Pla durch diesen : kein Körper sei
ton II p. 35 ff. untheilbar und unzersetzbar ,
non artificiose ambulantis. S . II, zu begründen , auf den Cotta auch
22, 57. oben I, 24 , 66 als ein .oraculum phy
28. quasi cognatione continuata . sicorum sich beruft. — ne quidem ,
S. II, 7, 19. - Wegen des folg . illa ohne alle Steigerung, ein schlichtes
- naturae viribus vgl. zu II, 9, 25 . auch nicht, wie häufig . Vgl. un
consensus, quam συμπάθειαν ten c. 17, 43.
Gr. voc. Vgl. de Div. II, 14, 34 : ex
coniunctionenaturae et quasi con nullum est eorum , in Beziehung
centu atque consensu , quam ovuntá auf das vorherg . omne animal, was
Jelav Graeci appellant. Ebenso ja soviel ist als omnia animalia :
dort II, 60, 124 u. 66 , 142. also eine Constr. ad sensum . Aehn
12. 29. quae Carneades affere- lich de Finn. IV , 20, 57 : quumque
bat. S. zu I, 2, 4. Einige der fol omnis controversia aut de re
genden Argumentationen des Car - soleat aut denomine esse, utraque
neades, aus dessen von seinen Schü- earum nascitur etc. — Ueber pa
lern , namentlich vom Clitonachus tibilis s. zu II , 39, 98 . In passiver
bekannt gemachten Vorträgen giebt Bedeutung braucht es Cic. Tusc. IV .
LIB. II. CAP. 11. 12. 221
sitatem ; et, si omne animal tale est, immortale nullum est. Ergo
itidem , si omne animal secari ac dividi potest , nullum est eorum
individuum , nullum aeternum . Atqui omne animal ad accipien
dam vim externam et ferendam paratum est:mortale igitur omne
animal et dissolubile et dividuum sit necesse est. Ut enim , si 30
omnis cera commutabilis esset, nihil esset cereum , quod commu
tari non posset; item nihil argenteum , nihil aeneum , si commu
tabilis esset natura argenti et aeris : similiter igitur , si omnia,
quae sunt e quibus cuncta constant, mutabilia sunt, nullum cor
pus esse potest non mutabile. Mutabilia autem sunt illa , ex
quibus omnia constant, ut vobis videtur: omne igitur corpus
mutabile est. At si esset corpus aliquod immortale , non esset
omne mutabile : ita efficitur, ut omne corpusmortale sit. Etenim
23, 51. Sonst kommt es nicht wei- nung Einiger, dass ergo auch gleich
ter bei ihm vor. deinde sei, wird mit Recht verwor
et si omne animal tale est, d. h . fen . S . Hand , Tursell. II p. 464 . —
ferendi et patiendi necessitati ob - Der folgende Satz wäre besser ganz
noxium . Es wird also dieser Satz weggeblieben , da er nur schon Ge
sammt der sich daraus ergebenden sagtes wiederholt.
Folgerung vorläufig in hypotheti 30. similiter igitur. Dies igitur
scher Form hingestellt, um nachher knüpftden Nachsatz,die Conclusion ,
mit atqui noch einmal in apodikti an die mit si vorangegangene Pro
scher Form wiederholt zu werden, tasis an . Ebenso unten § 33. Vgl.
wo denn die Sterblichkeit, Theilbar de Invent. I, 34, 69 : quodsi melius
keit, Zerstörbarkeit alles Lebenden gubernantur ea, quaeconsilio ,quam
sich als nothwendige Folge daraus quae sine consilio administrantur,
ergeben. — Uebrigens scheint in nihil autem omnium rerum melius
dieser Reihe von Argumentationen administratur, quam omnis mun
die erste, si nullum corpus immor - dus: consilio igitur mundus admi
tale sit u. s. w . überflüssig zu sein, nistratur.
insofern keine 'ausdrückliche An omnia quae sunt e quibus cuncta
wendung von ihr auf die Sterblich constant. Wenn Cic. wirklich so
keit der animalia gemacht wird, die schrieb , so ist sunt nicht als das
zwischen die erste und zweite Ar- verbum exsistentiae und als ganzes
gumentation hätte eingeschoben Prädicat zu nehmen : denn omnia
werden müssen , etwa so : ergo. quae sunt würde dann alles Da
quum nullum animal sit nisi cor- seiende bedeuten , was hier offen
poreum , consequitur etiam animal bar nicht gemeint ist; sondern sunt
nullum immortale esse. Indessen ist als Copula anzusehen und der
konnte Cotta diese Anwendung Sinn = omnia quae sunt cunctorum
als sich von selbst verstehend elementa . Doch ist diese wunder
unterlassen . liche Art des Ausdruckes höchst
Ergo itidem . Das ergo scheint unwahrscheinlich ; entweder hat C .
die Theilbarkeit als Folge aus der geschrieben : si omnia , e quibus,
eben erwähnten ferendi et patiendi quae sunt, cuncta constant, oder
necessitasabzuleiten, was doch wohl die Worte quae sunt sind ganz zu
nicht unbedingtzuzugeben sein dürf- streichen .
te. Also hätte Cic. das ergo lieber Etenim omne corpus — Dieser
weglassen sollen. Denn die Mei- Satz enthält nicht den Grund des
222 DE NATURA DEORUM
omne corpus aut aqua aut aer aut ignis aut terra est, aut id ,
quod est concretum ex his aut ex aliqua parte eorum . Horum
autem nihil est, quin intereat. Nam et terrenum omne dividitur,
et humor ita mollis est , ut facile comprimi collidique possit ;
ignis vero etaer omni impulsu facillime pellitur naturaque cedens
est maxime et dissipabilis. Praeterea omnia haec tum intereunt,
quum in naturam aliam convertuntur, quod fit , quum terra in
aquam se vertit, et quum ex aqua oritur aer , et quum ex aëre
aether , quumque eadem vicissim retro commeant. Quodsi ea
intereunt, ex quibus constat omne animal, nullum est animal
13 sempiternum . Et ut haec omittamus, tamen animal nullum in
32 veniri potest, quod neque natum umquam sit et semper sit futu
rum . Omne enim animal sensus habet. Sentit igitur et calida et
frigida , et dulcia et amara , nec potest ullo sensu iucunda acci
pere et non accipere contraria . Si igitur voluptatis sensum ca
pit , doloris etiam capit. Quod autem dolorem accipit , id acci
piat etiam interitum necesse est. Omne igitur animal confiten
33 dum est esse mortale. Praeterea , si quid est quod nec volup
tatem sentiat nec dolorem , id animal esse non potest; sin autem ,
quod animal est, id illa necesse est sentiat, et quod ea sentiat,
non potest esse aeternum , et omne animal sentit : nullum igitur
animal aeternum est. Praeterea nullum potest esse animal, in
quo non et appetitio sit et declinatio naturalis . Appetuntur autem ,
quae secundum naturam sunt, declinantur contraria : et omne
animal appetit quaedam et fugit a quibusdam : quod autem refu
git , id contra naturam est , et quod est contra naturam , id habet
34 vim interimendi: omne ergo animal intereat necesse est. Innu
merabilia sunt, ex quibus effici cogique possit, nihil esse quod
Zunächst Vorhergehenden, sondern ώστε είπερ εισι θεοί, φθαρτοί εί
die Begründung des früher Gesag olvº oux õoa geoi ciớiv. Die glei
ten : mutabilia autem sunt omnia. che Art von Argumentation wird
13 . 32. sensit igitur – dulcia dann durch alle einzelnen Sinne
et amara. Carneades bei Sext.Emp. durchgeführt.
IX, 139; sỉ vào sigì #soi, cõa nec potestullo sensu iucunda ac
είσιν. ει δε ζωά εισιν, αισθάνον cipere et non accipere contraria .
tai. Tõv yào Sãov aiotřoews Das nec potest bezieht sich in der
Metox voeirai Sãov. εi dà ai. That nur auf das letzte Glied : non
σθάνονται, και πικράζονται και accipere contraria , und der Satz
yavrácoutai. -- yavracóuevos dè, konnte auch so geformtwerden :nec
και πικραζόμενος ευαρεστήσει τι- potest ullo sensu, quumiucunda ας
oi roi dvoapeothoai dvondeoTÕV cipiat,non acc. contr . oder :iucunda
dé tuoi, xai oxañoews &otai Sexti quidem acc., non autem acc. contr .
κός και της επί το χείρον μεταβο Ēr gehört also zu der oben I, 9,
añs. εi dè toūTO, q9aotós éotiv , 23 besprochenen Gattung.
LIB . III. CAP. 12. 13. 14. 223
sensum habeat, quin id intereat; etenim ea ipsa quae sentiuntur,
ut frigus, ut calor, ut voluptas, ut dolor, ut cetera, quum ampli
ficata sunt, interimunt, nec ullum animal est sine sensu : nullum
igitur animal est aeternum . Etenim aut simplex est natura ani- 14
mantis, ut vel terrena sit vel ignea vel animalis vel humida ; quod
quale sit, ne intelligi quidem potest: aut concretum est ex pluri
bus naturis , quarum suum quaeque locum habeat , quo naturae
vi feratur , alia infimum , alia summum , alia medium . Haec ad
quoddam tempus cohaerere possunt, semper autem nullo modo
possunt; necesse est enim in suum quaeque locum natura rapia
tur. Nullum igitur animal est sempiternum . Sed omnia vestri, 35
Balbe, solent ad igneam vim referre , Heraclitum , ut opinor, se
quentes: quem ipsum non omnes interpretantur uno modo ; qui
quoniam , quid diceret, intelligi noluit , omittamus: vos autem
ita dicitis , omnem vim esse igneam , itaque et animantis , quum
34 . quin id intereat. Das Prono- auch dieser lehrte, wie Diog . L . IX ,
men konnte ohne Nachtheil gespart 7 sagt: És nupos tà návra ouve
werden ; doch sind ähnliche Stellen στάναι και εις τούτο αναλύεσθαι.
nicht gar selten . Vgl. oben II, 9, oder wie seine eigenen Worte bei
24. Verr. I,59, 154 : Quis in circum Clem . Alex. Strom . V c. 14 § 105
maximum venit, quin is unoquoque lauten : xóo uov Tov avtov anav
gradu de avaritia tua commonere των ούτε τις θεών ούτε ανθρώ
tur? Sallust. Iug. 36 , 7 :novus homo πων εποίησεν, αλλ' ήν αεί και
nemo tam clarus erat, quin is in έστιν και έσται πυρ αείζωον α
dignus illo honore haberetur. πτόμενον μέτρα και αποσβεννύ
14 . Etenim . Vgl. zu II, 16 , 42 . MEVOV Métpa .
- Die Argumentation des Carnea quiquoniam intelliginoluit,omit
des steht bei Sext. Emp. IX , 180 : tamus. Eine Art von Attraction ,
εί έστι θείον , ήτοι σωμά εστιν ή indem das Relativ in die Structur
ασώματος: άλλα ασώματος μεν des Nebensatzes hineingezogen ist
ουκ αν είη δια τας έμπροσθεν statt sich dem Verbo des Haupt
ñuiv eionuevas aitias. εi dè own accommodiren
satzes, omittamus, als Object zu
μά έστιν, ήτοι σύγκριμά εστιν εκ , quem ; so dass nun
των απλώνστοιχειώδες
στοιχείων ή απλούν eum hinzuzudenken ist. Ebenso
εστι και σώμα. και Corn . Nep. Thrasyb . 4 , 1 : huic co
ei uèv ożyxocuá toti, 9 aorov rona data est; quam quod amor
έστι. παν γαρ το κατά σύνοδόν civium ,non vis expresserat, nullam
τινων αποτελεσθέν ανάγκη δια habuit invidiam . DieselbeAttraction
λυόμενον φθείρεσθαι. beim Demonstrantiv, Sallust. Catil.
concretum est scil.animans, was c. 11, 2 : huic quia bonae artes de
aus dem vorherg. natura animantis sunt, dolis atque fallaciis contendit.
zu verstehen ist. Denn dass dies - - Ueber das intelligi noluit vgl. I,
auch als Neutrum singul. auftreten 26 , 74 .
könne, istnichtzu bezweifeln, wenn omnem vim esse igneam . Deut
sich auch sonst bei C. nur Beispiele licher wäre omnem vim vitalem esse
des neutr. plur. finden . igneam : denn dies war die Meinung
35. Heraclitum sequentes. Denn der Stoiker. S . II, 9, 23. 24.
224 DE NATURA DEORUM
calor defecerit, tum interire , et in omni natura rerum id vivere,
id vigere, quod caleat. Ego autem non intelligo, quo modo calore
extincto corpora intereant, non intereant humore aut spiritu
36 amisso , praesertim quum intereant etiam nimio calore. Quam
obrem id quidem commune est de calido ; verumtamen videa
mus exitum . Ita vultis , opinor , nihil esse animal intrinsecus in
patura atque mundo praeter ignem . Qui magis , quam praeter
animam , unde animantium quoque constel animus, ex quo ani
mal dicitur ? Quo modo autem hoc , quasi concedatur , sumitis ,
nihil esse animum nisi ignem ? Probabilius enim videtur tale
quiddam esse animum , ut sit ex igni atque anima temperatum .
Quodsi ignis ex sese ipse animal est nulla se alia admiscente
natura , quoniam is, quum inest in corporibus nostris, efficit , ut
sentiamus , non potest ipse esse sine sensu . Rursus eadem dici
possunt. Quicquid est enim , quod sensum habeat , id necesse
est sentiat et voluptatem et dolorem ; ad quem autem dolor ve
niat , ad eundem etiam interitum venire. Ita fit , ut ne ignem
37 quidem efficere possitis aeternum . Quid enim ? non eisdem
vobis placet omnem ignem pastus indigere nec permanere ullo
modo posse , nisi alatur ; ali autem solem , lunam , reliqua astra
aquis , alia dulcibus , alia marinis ? eamque causam Cleanthes
36. id — de calido, d. h. id quod possuntabhängig denken ; doch ist
de calido dicitis, commune huic estdas weniger wahrscheinlich , und
cum humoreetspiritu , oder: pariterjene Variation der Structur kommt
de humore et spiritu dici polest. auch sonst vor. Vgl. Acad. II, 12,
animal intrinsecus wohl soviel 39: ante videri aliquid quam aga
als nachher ex sese animal, von sich
mus necesse est, eique quod visum
selbst, von Hause aus belebt. sit, assentiatur, für assentiri de
animam , unde - constet animus. Finn. V , 9, 25 : necesse est, finem
Dass die Seele luftartig sei und omnium hunc esse, ut natura ex
durch den Athem erhalten werde, pleatur , sed extrema illa et sum
war eine von Alters her weit ver ma inter animalium genera distin
breitete Meinung. Vgl. Tuscul. I, cta et dispertita sint, für esse.
9 , 19 : Animum autem alii animam , 37. ali autem solem etc. S . II ,
ut fere nostri declarant nomine. 33, 83 und 46, 118.
Nam et agere animam et efflare eamque causum Cleanthes affert.
dicimus — : ipse autem animus ab Als Cleanths Meinung wird dies
anima dictus est. Specielleres bei sonst nicht angegeben, stimmt aber
Lobeck Agl. p . 755 ff. sehr wohl zu der von Diog. L. VII,
ad eundem etiam interitum ve- 145 den Stoikern im Allgemeinen
nire. Im vorigen Gliede hat Cicero zugeschriebenen Ansicht, dass die
den Conjunctiv nach necesse est ge Sonne ihre Nahrung aus dem gros
setzt: warum er jetzt den Infinitiv sen Meere ziehe. Denn das grosse
vorzieht, erkenntman leicht. Allen Meer trennt unsere oixovuévn von
falls könnte man diesen auch von der gegenüber liegenden südlichen
dem vorhergegangenen eadem dici (s. zu II, 66 , 164 ), und ist in der
LIB . III. CAP. 14. 15. 225 .
affert, cur se sol referat, nec longius progrediatur solstitiali orbe
itemque brumali, ne longius discedat a cibo. Hoc totum quale
sit , mox. Nunc autem concludatur illud , quod interire possit ,
id aeternum non esse natura : ignem autem interiturum esse,
nisi alatur ; non esse igitur patura ignem sempiternum . Qualem 15
autem deum intelligere nos possumus nulla virtute praeditum ? 38
Quid enim ? Prudentiamne deo tribuemus, quae constat ex scien
tia rerum bonarum et malarum , et nec bonarum nec malarum ?
Cui mali nibil est nec esse potest, quid huic opus est dilectu
bonorum et malorum ? quid autem ratione ? quid intelligentia ?
quibus utimur ad eam rem , ut apertis obscura assequamur: at
obscurum deo nihil potest esse. Nam iustitia , quae suum cuique
distribuit , quid pertinet ad deos ? Hominum enim societas et
communitas , ut vos dicitis , iustitiam procreavit. Temperantia
autem constat ex praetermittendis voluptatibus corporis , cui si
locus in caelo est, est etiam voluptatibus. Nam fortis deus in
telligi qui potest ? in dolore ? an in labore ? an in periculo ?
quorum deum nihil attingit. Nec ratione igitur utentem nec vir- 39
tute ulla praeditum deum intelligere qui possumus ? Nec vero
vulgi atque imperitorum inscitiam despicere possum , quum ea
considero , quae dicuntur a Stoicis : sunt enim illa imperitorum :
heissen Zone zwischen den beiden wir uns einen Gott vorstellen ohne
Wendekreisen , deren einen Cicero Tugend ?" Ueber intelligere in die
hier durch stolstitialis orbis, den ser Bedeutung vgl.1, 10, 25. 14, 16,
Wendekreis des Krebses, den an - II, 21, 54. Die folgende Argumen
dern durch brumalis , Wendekreis tation ist ebenfalls dem Carneades
des Steinbocks, bezeichnet. — Dass entlehnt. S. Sext. Emp. IX , 152 ff.
die Worte cur se - -- progren Sie zeigt aber nichts weiter, als
diatur einen Hexameter bilden , ist dass Kategorien , die für Menschen
schon von Andern bemerkt wor und menschliche Verhältnisse gel
den . Vgl. zu II, 60, 151. ten , auf die Gottheit keine Anwen
hoc totum quale sit,mox. Balbus dung leiden, was gerade in Bezie
hatte den Satz von der Ernährung hung auf die verschiedenen Tugen
der Gestirne durch wässerige Dün- den schon Aristoteles Ethik. Nic. X ,
ste in dem Abschnitt über die gött- 8 klar gemacht hat. In dieser Er
liche Vorsehung vorgetragen II, 45, kenntniss sagt Arnobius I, 31 von
118 . Also will Cotta seine Prüfung Gott : tu es, de quo nihil dici et eix
desselben bis dahin verschieben , primi mortalium potis est signi
dass er zur Widerlegung dieses Ab ficatione verborum : qui ut intelli
schnittes kommt. Dieser Theil der garis, tacendum est, atque ut per
Widerlegung ist aber verloren . umbram te possit errans investi
Wegen des mit nunc autem fol- gare suspilio, nihil est omnino mu
genden Satzes vgl. das oben S. tiendum . und III, 19 : Quicquid de
108 Anm . Gesagte . deo dixeris, quicquid tacitae men
15 . 38 . Qualem deum intelligere tiscogitatione conceperis, in huma
nos possumus etc. „Wie können num transilit et corrumpitur sen
Cic. de nat. deor. 4. Aufl. 15
226 DE NATURA DEORUM
piscem Syri venerantur : omne fere genus bestiarum Aegyptii
consecraverunt: iam vero in Graecia multos habent ex hominibus
deos: Alabandum Alabandis , Tenedii Tenem ; Leucotheam , quae
fuit Ino , et eius Palaemonem filium cuncta Graecia , Herculem ,
Aesculapium , Tyndaridas; Romulum nostri aliosque compluris,
quos quasi novos et adscripticios civis in caelum receptos pu
16 tant. Haec igitur indocti. Quid vos philosophi ? quimeliora ?
40 Omitto illa , sunt enim praeclara : sit sane deus ipse mundus.
Hoc credo illud esse
- sublimen candens, quem invocant omnés lovem .
Quare igitur pluris adiungimus deos ? Quanta autem est eorum
multitudo ! Mihi quidem sane multi videntur. Singulas enim
stellas numeratis deos, eosque aut beluarum nomine appellatis,
ut Capram , utNepam , ut Taurum , ut Leonem , aut rerum inani
41 marum , ut Argo, ut Aram , ut Coronam . Sed ut haec concedan
tur , reliqua quitandem non modo concedi, sed omnino intelligi
possunt ? Quum fruges Cererem , vinum Liberum dicimus , ge
nere nos quidem sermonis utimur usitato : sed ecquem tam
sum , nec habet propriae significa - Bavdeīs. Vgl. Schneider Formlehre
tionis notam , quod nostris dicitur p. 308 u. Lachmann zu Lucret. p .
verbis atque ad negotia humana 281. Unten c. 19, 50 hat C. d. lat.
compositis. Unus est hominis intel- Form Alabandenses.
lectus de dei natura certissimus, si Leucotheam , quae fuit Ino etc.
scias et sentias nihil de illo posse Ueber die Fabel kann man sich aus
mortali oratione depromi. Klopfer's oder Jacobi's mythologi
39. piscem Syri venerantur. Die schen Wörterbüchern belehren . Hier
Derketo oder Atergatis, eine müt mag nur die Bemerkung stehen , die
terliche Naturgöttin. Sie wurde in von der Ino und vielen anderen an
dessen nicht ganz in Fischgestalt geblich vergötterten Sterblichen gilt,
gebildet, sondern wie Diod. II, 4 dass sie nämlich ursprünglich in der
sagt, có uºp Toán 100% Pet vn That Götter waren , aber später
ναικός , το δ' άλλο σώμα παν durch Umdeutung und Umdichtung
ixtúos. oder nach Lucian . de dea verdunkelter und in den Hintergrund
Syr. C. 14: Yuusen uºn yen, cò
δε οκόσoν εκ μηρών ες ακρους
gedrängter Religionsformen zum
Range vergötterter Heroen herab
nódas irgíos. Auch die Philistaei gesetzt wurden .
scheGottheit Dagon hatte Fischge 16 . 40 . Omitto illa : sunt enim
stalt, aber mit Kopf und Händen ei praeclara. „ Ich schweige von dem
nes Menschen . S. Stark , Gaza S. Nächsten (nämlich dass die Welt
249. oder der Himmel Gott sei), denn
Alabandus und Tenes oder Ten - das ist sehr schön :“ – wenn auch
nes, die mythischen Oekisten und freilich nicht wahr, wie wir im Sinne
Eponymen von Alabanda in Karien des Akademikers hinzudenken müs
und der Insel Tenedus an der Troi- sen, so dass in dem Lobe doch et
schen Küste , wurden als Heroen was von Ironie liegt, was noch mehr
verehrt. Alabandis (od . Alaban - hervortreten würde, wenn Cotta ge
deis), die griechische Form 'Ala sagt hätte : sint etiam praeclara :
LIB . III. CAP. 15. 16. 227
amentem esse putas, qui illud , quo vescatur , deum credat esse ?
Nam quos ab hominibus pervenisse dicis ad deos , tu reddas ra
tionem , quemadmodum id fieri potuerit aut cur fieri desierit , et
ego discam libenter. Quomodo nunc quidem est, non video quo
pacto ille, cui in monte Oetaeo illatae lampades fuerint, ut ait
Attius, in domum aeternam patris ex illo ardore pervenerit: quem
tamen Homerus apud inferos conveniri facit ab Ulixe, sicut cete
ros, qui excesserant vita. Quamquam , quem potissimum Hercu - 42
lem colamus , scire sane velim ; pluris enim tradunt nobis ii, qui
interiores scrutantur et reconditas litteras: antiquissimum love
natum , sed item love antiquissimo — pam loves quoque pluris in
priscis Graecorum litteris invenimus — ex eo igitur et Lysithoë
est is Hercules , quem concertavisse cum Apolline de tripode ac
cepimus. Alter traditur Nilo natus Aegyptius, quem aiunt Phry
„meinetwegen mag es auch sehr Lysithoë wird nur noch von loann .
schön sein .“ Lyd. de mens. IV , 46 p. 82 Bonn .
41. qui illud , quo vescatur , deum erwähnt, wo sie eine Tochter des
credat esse. Das war aber auch Okeanus heisst. Wahrscheinlich ist
nicht die Meinung der Stoiker. S. sie nicht verschieden von der bei
zu II, 23, 60 . demselben c. 38 p . 72 als Mutter
Nam quos — . Das entsprechende des Dionysus genannten Lysithea .
Demonstrativum ist ausgelassen . Dionysus und Herakles wurden von
Man könnte ergänzen : de his tu spätern Deutern oft identificirt.
reddes rationem , concertavisse cum Ap. de tripode.
in monte Oetaeo etc. Die Worte Ueber die Fabel, wie Herakles den
beziehn sich auf den Hercules. In Pythischen Dreifuss geraubt, ist
welcher Tragödie sie vorkamen , vor Allen Müller nachzulesen , Do
lässt sich nicht angeben . In den aus rier B . II, 11, 8.
Sophokles übersetzten Trachinie Nilo natus Aegyptius. In derAe
rinnen schwerlich : eher vielleicht gyptischen Mythologie kam ein Gott
im Philoktet. Namens Som oder Dsom vor, in
Homerus. Od. XI, 600 . Die Stelle welchem die Griechen , wegen ge
gehört zu den interpolirten der Ne wisser Aehnlichkeiten , ihren Hera
kyia. kles zu erkennen meinten . S. Ja
42. ii qui inter. scrut, et rec. litt. blonski Panth . Aeg . I p. 184 ff. Par
Ohne Zweifel dieselben , die c. 17, they zu Plutarchºde Is. et Os. S.
44 genealogi, 21, 53 theologi, 22, 210 ff.
55 antiquihistoricigenanntwerden, Phrygias litteras. Was darunter
d . h . gelehrte Mythenforscher der zu verstehen sei, ist dunkel. Viel
Alexandrinischen Zeit, welche bei leicht wie Wyttenbach meint, zu
der Masse von widersprechenden Plut. de Is. et Os. p. 362, gewisse
und unvereinbaren Fabeln , die sie Schriftzeichen , denen man geheim
über jeden Gott vorfanden , auf den nissvolle Kräfte zuschrieb und sich
allerdings sich leicht darbietenden ihrer, auf Tafeln oder Blättern ge
Gedanken kamen , mehrere Götter schrieben , als Amulet bediente, wie
gleiches Namens zu unterscheiden , dergleichen noch heut zu Tage im
um dadurch jene Widersprüche auf- Orient vorkommt. Oder auch die
zuheben . Vgl. Opusc. ac. I p. 324 . Sonst 'Εφέσια γράμματα genann
15 *
228 DE NATURA DEORUM
gias litteras conscripsisse. Tertius est ex Idaeis Digitis, cui in
ferias afferunt. Quartus Iovis est et Asteriae , Latonae sororis,
qui Tyri maxime colitur, cuiusKarthaginem filiam ferunt. Quin
tus in India , qui Belus dicitur. Sextus hic ex Alcmena , quem
Iuppiter genuit , sed tertius Iuppiter; quoniam , ut iam docebo,
17 pluris loves etiam 'accepimus. Quando enim me in hunc locum
43 deduxit oratio , docebo meliora me didicisse de colendis dis im
· mortalibus iure pontificio et maiorum more capedunculis iis,
quas Numa nobis reliquit, de quibus in illa aureola oratiuncula
dicit Laelius , quam rationibus Stoicorum . Si enim vos sequar,
dic , quid ei respondeam , quime sic roget : Si di sunt, suntne
etiam Nymphae deae ? si Nymphae, Panisci etiam et Satyri? Hi
autem non sunt: ne Nymphae quidem igitur ? At earum templa
sunt publice vota et dedicata. Quid igitur ? Ne ceteri quidem
ergo di, quorum templa sunt dedicata . Age porro : Iovem et
Neptunum deos numeras : ergo etiam Orcus, frater eorum , deus,
ten Beschwörungsformeln, die nach Führung sie ihre Züge und Unter
Einigen von den Phrygischen Dacty - nehmungen vollbracht hätten . Vgl.
len erfunden sein sollten. Clem . Münter Relig. d. Karth. S. 46. Mo
Alex. Strom . I, 15. Vgl. Lobeck vers Phoenic. I S . 637.
Agl. p. 370 u. 1163. in India , qui Belus dicitur. Von
ex Idaeis Digitis,Griech. Dacty - einem Belus in Indien kommt sonst
lis. Diese gehören ursprünglich der nirgends etwas vor: und wenn man
Phrygischen Mythologie an . Es auch mit Einigen annimmt, dass hier
sind dämonische Wesen im Gefolge an das Land um Kolchis zu denken
der Idäischen Berggöttin Kybele, ist, was bisweilen Indien heisse,
zauberischer Künste kundig und Er- so ist auch dort ein Belus nicht
finder der Metallarbeiten , die die glaublich . Eher dürfte mit Gesenius
Menschen von ihnen gelernt haben. in der Hall. allg. Encykl. der W . u .
Später versetzte man sie auch an K . VIII, 401 an Babylonien zu den
den Kretischen Ida. Gewöhnlich ken sein .
werden fünf angegeben und einer 17. 43. iure pont. et maiorum
von ihnen Herakles genannt; doch more. Diese Worte sind nichtmit
herrscht darin keine Uebereinstim didicisse, sondern mit colendis zu
mung. S . Hoeck Kreta I S . 260 ff. verbinden. Cotta will sagen , er
u . Lobeck Agl. 1173. habe über den nach pontificischer
lovis et Asteriae. Ohne Zweifel Ordnung und altväterlichem Brauch
ist die Griechische Asteria (s. He- den Göttern zu erweisenden Cultus,
siod. Theog . 409) von den Theolo zu dem allein er sich verpflichtet
gen , denen Cic. hier folgt, für die bekennt (s. C, 2, 5), bessere Beleh
Phönicische Astarte gesetzt, die rung aus den capedunculis des Nu
Himmelskönigin , die Einige auch für ma, als aus den Stoischen Philoso
die Mondgöttin erklärten . Ihr Sohn , phemen geschöpft. Capedunculae,
der Tyrische Hercules, hiess bei Deminutiv von capedo, ein geringes,
den Phöniciern Melkarth , Stadtkö - wahrscheinlich thönernes Gefäss
nig , und galt für den besonderen zum Gebrauch bei Opfern . Cic . Pa
Schutzgott des Volkes, unter dessen rad. 1, 3 verbindet capedines et ficti
LIB . III. CAP. 16. 17. 18 . 229
et illi, qui fluere apud inferos dicuntur, Acheron , Cocytus, Styx ,
Pyripblegethon , tum Charon , tum Cerberus di putandi. At id 44
quidem repudiandum . Ne Orcus quidem igitur. Quid dicitis ergo
de fratribus ? Haec Carneades aiebat, non ut deos tolleret : (quid
enim philosopho minus conveniens ?) sed ut Stoicos nihil de dis
explicare convinceret. Itaque insequebatur. Quid enim ? aiebat,
si hi fratres sunt in numero deorum , num de patre eorum Sa
turno negari potest, quem vulgo maxime colunt ad Occidentem ?
Qui si est deus, patrem quoque eius Caelum esse deum confiten
dum est. Quod si ita est, Caeli quoque parentes di habendi sunt,
Aether et Dies eorumque fratres et sorores, qui a genealogis anti
quis sic nominantur , Amor , Dolus, Metus, Labor, Invidentia ,
Fatum , Senectus,Mors, Tenebrae,Miseria , Querella,Gratia , Fraus,
Pertinacia , Parcae , Hesperides , Somnia ; quos omnis Erebo et
Nocte natos ferunt. Aut igitur haec monstra probanda sunt, aut
prima illa tollenda. Quid ? Apollinem , Vulcanum , Mercurium , 18
ceteros – deos esse dices : de Hercule , Aesculapio , Libero, Ca- 45
store, Polluce dubitabis ? At hi quidem coluntur aeque atque illi,
apud quosdam etiam multo magis. Ergo hi dei sunt habendi,
les urnulas. Laelius hatte in seiner tige ebenfalls für Götter zu halten,
Rede (vgl. zu c. 2, 5 ) die alte Ein - was am Ende zu den ärgsten Absur
fachheit und Prunklosigkeit des Got ditäten führen müsse. Vgl. c. 19,
tesdienstes gepriesen , wobei weit 47.
mehr echte Gottesfurcht gewesen quem -- colunt ad occidentem .
als bei dem späteren Prunke, und Carneades dachte dabei wohl nicht
dabei denn auch die capedines oder an den altitalischen , mit Koóvos
capedunculae erwähnt, was jetzt identificirten Saturnus, sondern an
den Cotta zu dieser Ausdrucksweise einen oder den andern Iberischen
veranlasst , deren Verständniss er oder Celtischen Gott, in welchem
bei seinen Zuhörern mit Sicherheit man jenen wiederzuerkennen glaub
voraussetzen konnte. Vgl. Non. te. Vgl. Dionys. Ant. Rom . I, 38
Marc..p. 398Merc.: M . Tullius de u. Theopomp. bei Diodor. V, 66.
re publ. lib.VI: oratio extat Laelii, Aether et Dies sind Eltern des
quam omnes habemus in manibus, Uranus oder Caelus nach einer an
quam simpuvia pontificum dis im dern als der gewöhnlichen, von He
mortalibusgrata sint, Samiaeque, siod vorgetragenen Theogonie. Je
ut is scribit, capedines. ner folgt auch Hygin. pr. p. 2, wo
44. Haec Carneades aiebat. Eine auch die nachher genannten Brüder
Reihe ganz ähnlicher Schlüsse des und Schwestern sich grösstentheils
Carneades führt Sext. Emp. an IX , wiederfinden , während bei Hesiod
182. Er wollte dadurch zeigen , die Mehrzahl derselben als Nach
dass der Volksglaube nicht als kommenschaft der Nacht aufgeführt
Grund gelten dürfe, diese oder jene wird , womit auch Cic. überein
Wesen als Götter anzusehn , weil stimmt, da er sie zu Geschwistern
man dann sich nicht weigern könne, des Aether und der Dies macht, die
auch andere wesentlich gleichar bei Hes. Kinder der Nacht sind : nur
230 DE NATURA DEORUM
mortalibus nati matribus ? Quid ? Aristaeus, qui olivae dicitur
inventor , Apollinis filius, TheseusNeptuni, reliqui, quorum pa
tres di, non erunt in deorum numero ? Quid , quorum matres ?
Opinor etiam magis. Ut enim iure civili, qui est matre libera,
liber est, item iure naturae , qui dea matre est, deus sit necesse
est. Itaque Achillem Astypalaeenses insulani sanctissime colunt.
Qui si deus est, et Orpheus et Rhesus di sunt, Musa matre nati :
nisi forte maritimae nuptiae terrenis anteponuntur. Si hi di non
46 sunt, quia nusquam coluntur , quo modo illi sunt ? Vide igitur,
ne virtutibus hominum isti honores habeantur , non immortali
tatibus : quod tu quoque, Balbe, visus es dicere. Quo modo autem
potes, si Latonam deam putas, Hecatam non putare , quae matre
Asteria est, sorore Latonae ? An haec quoque dea est ? Vidimus
enim eius aras delubraque in Graecia. Si haec dea est, cur non
Eumenides ? Quae si deae sunt, quarum et Athenis fanum est,
et apud nos, ut ego interpretor, lucus Furinae: Furiae deae sunt,
dass hier die Nacht sie aus sich al- Luftgöttin war. S. Müller Proleg.
lein gebiert. - Ueber Amor für S . 272.
Cupido vgl. Opusc. ac. II p. 60. iure civili. So heisst das Römi
18. 45. Aristaeus. Nach der sche Recht im Gegensatz gegen das
poetischen Mythologie, von der aber ius naturale und das ius gentium ;
der hier und da herrschende Volks- bisweilen hat der Ausdruck noch
glaube durchaus verschieden war, speciellere Bedeutungen , was in
heisst A . ein Sohn des Apollo und dessen hier gleichgültig ' ist. Vgl.
der Cyrene, die als ein sterbliches de Offic. III, 5 , 23. 17, 69 mit
Weib dargestellt wird, obgleich sie Beiers Anm .
Tochter eines Flussgottes, des Pe- Achillem Astypalaeenses. Die
nëus, und einer Nymphe war. Ihm Bewohner der Insel Astypaläa, einer
ward Erfindung des Anbaues und der Cykladen. Doch fand ein Cult
der Benutzung des Oelbaums, der des Achilles auch noch an manchen
Bienenzucht und der Milchwirth andern Orten statt. S . Jacobi's
schaft zugeschrieben , weswegen er Handwörterb. d.Myth . S . 12. Prel
dann vergöttert sei. ler Griech . Myth . II S. 440 .
Theseus Neptuni. Der pragma Musa matre nati: nicht Musis
tisch umgebildete Mythus nennt ihn matribus. Denn Einige gaben bei
vielmehr Sohn des Athenischen Kö den die Eine Kalliope zur Mutter,
nigs Aegeus und der Trözenischen obwohl sie nach Andern verschie
Königstochter Aethra ; aber, sagt dene Mütter hatten.
Plutarch. Thes. c. 6 : ñ dè lóyos 46. quod tu qu . visus es dicere.
διαδοθείς ως εκ Ποσειδώνος τε S . II, 24 , 62.
xvw gain . In der That ist aber Ae Hecatam . Tochter der Asteria
geus selbst ein Beiname des Po ist sie in der hesiodischen Theogo
seidon , und dieser nur durch die nie. Ueber die sehr verschiedenen
Umgestaltung der echten Fabel zum anderweitigen Angaben S. Opusc.
menschlichen König von Attica ge ac. II p. 240 ff.
worden, wie auch Aethra ursprüng- lucus Furinae. Diesen nennt Plu
lich eine der Athene verwandte tarch . C . Grach . c. 17 ãdoos ’E
LIB. III. CAP. 18. 19. . 231
speculatrices, credo , et vindices facinorum et scelerum . Quodsi 47
tales dei sunt, ut rebus humanis intersint, Natio quoque dea pu
tanda est, cui, quum fana circuimus in agro Ardeati, rem divinam
facere solemus : quae quia partus matronarum tueatur , a na
scentibus Natio nominata est. Ea si dea est, di omnes illi , qui
commemorabantur a te , Honos, Fides , Mens, Concordia : ergo
etiam Spes , Moneta omniaque, quae cogitatione nobismet ipsi
possumus fingere. Quod si veri simile non est, ne illud quidem
est, haec unde fluxerunt. Quid autem dicis , si di sunt illi , quos 19
colimus et accepimus , cur non eodem in genere Serapim Isim
que numeremus? Quod si facimus , cur barbarorum deos repu
diemus ? Boves igitur et equos , ibes, accipitres, aspidas, croco
dilos , pisces, canes , lupos , felis , multas praeterea beluas in
deorum numero reponemus. Quae si reiiciamus, illa quoque,
unde haec nata sunt, reiiciemus. Quid deinde ? Ino dea ducetur, 48
et Leucothea a Graecis , a nobis Matuta dicetur , quum sit Cadmi
filia , Circe autem et Pasiphaë et Aeeta e Perseide , Oceani filia ,
nati, patre Sole , in deorum numero non habebuntur ? Quam
pivúwv, woraus sich seine mit Ci- de Div . I, 45 , 105 , Moneta ein Bei
cero übereinstimmende Ansicht über name der Tuno ist, die Mahnen
die Bedeutung der Gottheit ergiebt, de, den sie bei einer besondern
die nach Varro L . L . V , 84 zu den Veranlassung bekommen haben soll.
wenig bekannten gehörte, obgleich Weil neben ihrem Tempel die
es einen Flamen Furinalis und ein Münzstätte war, so nannte man
Fest Furinalia gab. auch diese nach ihr officina Mone
47. Natio kommt nur hier vor : tae. Liv. VI, 20, 13 ; ja ihr Name
und auch die Form des Namens, ob ging auf das gemünzte Geld selbst
Nascio oder Natio, ist zweifelhaft. über.
Dass ihr von Rom aus im Ardeati 19. Serapim Isimque. Der Dienst
schen Gebiet ein Cult erwiesen wird , dieserAegyptischen Gottheiten hatte
lässt erkennen , dass sie eine den schon im 6. Jahrh. Eingang in Rom
Ardeaten speciell angehörige Gott gefunden (Valer. Max. I, 3, 5 ), und
heit gewesen sei, – vielleicht die obwohl er wiederholentlich verbo
selbe, welche Strabo V , 3 p. 376 ten und verpönt wurde, sich doch
als Aphrodite bezeichnet, — an de immer wieder eingeschlichen , bis er
ren Sacris sich die Römer, nachdem endlich Duldung und bald, seit dem
Ardea ihrem Staate einverleibt war, Anfang des 8. Jahrh ., auch öffent
ebenfalls betheiligten , wie es mit liche Anerkennung fand. S . Orell.
den Culten von einverleibten Staa ad Arnob . II, 73. Preller, Regionen
der Stadt Rom S . 123 u . Röm . My-.
ten zu geschehen pflegte. thol. S. 727 . Den Verboten fremder
Moneta erscheint in dieser Ver Culte lag übrigens wohl nicht eigent
bindung als eine besondere Gott lich eine Leugnung der fremden
heit, der Gr. Mnemosyne entspre Götter, sondern vielmehr die An
chend, deren Namen auch von An sicht zu Grunde, dass gewisse Göt
dern so übersetzt wird ; wogegen ter und Culte nur für gewisse Völ
anderswo , auch bei Cicero selbst ker passten , für andere aber nicht.
232 DE NATURA DEORUM
quam Circen quoque coloni nostri Circeienses religiose colunt.
Ergo hanc deam duces ? quid Medeae respondebis, quae duobus
avis , Sole et Oceano , Aeeta patre, matre Idyia procreata est ?
quid huius Absyrto fratri, qui est apud Pacuvium Aegialeus? Sed
illud nomen veterum litteris usitatius. Qui si di non sunt, vereor
49 quid agat Ino : haec enim omnia ex eodem fonte fluxerunt. An
Amphiaraus erit deus et Trophonius ? Nostri quidem publicani,
quum essent agri in Boeotia deorum immortalium excepti lege
censoria , negabant immortalis esse ullos , qui aliquando homines
fuissent. Sed si sunt hi di , est certe Erechtheus , cuius Athenis
et delubrum vidimus et sacerdotem . Quem si deum facimus,
quid aut de Codro dubitare possumus aut de ceteris , qui pu
gnantes pro patriae libertate ceciderunt ? quod si probabile non
est, ne illa quidem superiora, unde haec manant, probanda sunt.
50 Atque in plerisque civitatibus intelligi potest augendae virtutis
ġratia, quo libentius reipublicae causa periculum adiret optimus
quisque , virorum fortium memoriam honore deorum immor
talium consecratam . Ob eam enim ipsam causam Erechtheus
Athenis filiaeque eius in numero deorum sunt. Itemque Leon
tidum est delubrum Athenis, quod Leocorion nominatur. Ala
bandenses quidem sanctius Alabandum colunt, a quo est urbs
48 . coloni nostri Circeienses. ihn hier Cotta mit dem Codrus zu
Schon unter dem ältern Tarquinius sammen, der ebenfalls den Tod für's
ward Circeii im Volscischen eine Co Vaterland starb. Uebrigens ist ur
lonie Latinischen Rechtes. Von der sprünglich Erechtheus ein Beiname
Circe aber, deren Tempel zu Circeii des Poseidon : wie Aegeus; auch er
Strabo V , 3 p. 232 erwähnt, hat hielt er sich im Culte fortwährend
sich eine Erinnerung noch bis auf so, indem man logaidāv 'Epex . eus
den heutigen Tag im Munde des verband . Der Tempel, das 'Eos
Volkes jener Gegend erhalten , nach x9kov, war auf der Akropolis, und
Westphal die Röm . Campagna S. 60. das Priesterthum erblich in dem
apud Pacuv. in der Tragödie Me Geschlechte der Butaden .
dus. — Aegialeus auch bei Diodor. 50. filiaeque eius. Die in Einzel
IV, 45. Iustin. XLII, 3. heiten sehr widerspruchsvolle Fabel
49. lege censoria : d. h. in dem lässt des Erechtheus Töchter sich
Pachtcontract, den die Censoren mit einem Orakelspruch zufolge den
den publicanis, den Pächtern der Göttern zum Opfer darbieten , um
Böotischen Zölle ,abgeschlossen hat- dem Vaterlande den Sieg über die
,ten. Von den genannten beiden Göt Feinde zu erkaufen , weshalb Cicero
tern oder Heroen hatte Amphiaraus sie mehrmals als Beispiele auf
einen Tempel zu Oropus, Tropho opfernder Vaterlandsliebe nennt.
nius zu Lebadea in Böotien. Tusc. I, 48, 116 . de Finn. V , 22,
Erechtheus kam nach der Fabel 62. pr. Sest. 21, 48.
im Kriege gegen die Eleusinier un - Leontidum , der Töchter des Leos,
ter Eumolpus um , nachdem er selbst eines mythischen Heros in Attika.
diesen erlegthatte . Deswegen stellt die in einer Hungersnoth auf einen
LIB . III. CAP. 19. 20. . 233
illa condita , quam quemquam nobilium deorum ; apud quos non
inurbane Stratonicus , utmulta , quum quidam ei molestus Ala
bandum deum esse confirmaret , Herculem negaret : „ Ergo “,
inquit, „ mihi Alabandus , tibi Hercules sit iratus !" Illa autem , 20
Balbe , quae tu a caelo astrisque ducebas , quam longe serpant 51
non vides ? Solem deum esse Lunamque, quorum alterum Apol
linem Graeci, alteram Dianam putant. Quodsi Luna dea est, ergo
etiam Lucifer ceteraeque errantes numerum deorum obtinebunt;
igitur etiam inerrantes . Cur autem Arqui species non in deorum
numero reponatur ? Est enim pulcher , et ob eam causam , quia
speciem habet admirabilem , Thaumante dicitur (Iris) esse nata.
Cuius si divina natura est, quid facies nubibus ? Arcus enim ipse
ex nubibus efficitur quodam modo coloratis. Quarum una etiam
Centauros peperisse dicitur. Quodsi nubis rettuleris in deos,
referendae certe erunt tempestates, quae populi Romani ritibus
consecratae sunt. Ergo imbres, nimbi, procellae,turbines dei pu
tandi. Nostri quidem duces mare ingredientes immolare hostiam
Spruch des Orakels für die Rettung Theogonie ist Iois, die Göttin des
des Landes den Opfertod erlitten . Regenbogens, Tochter des aúuas,
Nach dem Leos ward eine der zehn eines Sohnes des Meers, von dem
von Klisthenes gestifteten Tribus die staunenerregenden Natur
puan neovtis und die Tribulen erscheinungen , Regenbogen und
1eovtidai genannt (Paus. I, 5, 2. Harpyien d. h. Wirbelwinde, Was
Ps.-Demosth Epitaph . § 29. R . g. serhosen und dergl. abstammen. Der
Theokrin . § 18.), als ob der Name Name Iris ist in den Hdsch . zwi
auch Leon gelautet habe; und nach schen dicitur und esse ausgefallen ;
dieser Analogie konnten denn auch doch stehtin den meisten und besten
die Töchter 1eovtides heissen . nata , nicht'natus. Vgl. Opusc. ac.
cher Ki-
Stratonicus, ein Athenischer Ki III 349
p. .
tharist, berühmtwegen seinerWitz una Centauros peperisse. Näm
worte , von denen Athenaeus VIII lich eine Wolke, der Zeus die Ge
p . 348 f. einige Proben giebt, und stalt der Hera gab, ward vom Ixion
die ihm zuletzt das Leben kosteten , umarmt und gebar einen Centauren ,
da ein kyprischer König , den er von dem dann wieder eine Schaar
durch ein solches verletzt hatte, ihn anderer abstammte. Pindar. Pyth .
vergiften liess . S. Engel Kypros I II, 50 ff.
S. 496 . tempestates. Ein Tempel dersel
20. 51. Arqui, alterthümliche ben, im J. 494 vom Consul L. Cor
Form für arcus, wie senati, tumulti, nelius Scipio gestiftet, war vor der
versi, sumpti u . mehr dergl., worü porta Capena." S.,d. Ausl. zu Ovid.
ber zu vergl. Schneider Gramm . II, Fast. VI, 193. - Der nachher er
1 S . 471. Nach Charisius aber p. 111 wähnten Sitte, bei der Abfahrt einer
Keil., wo unsere Stelle angeführt Flotte zu opfern und die Opfer
wird, hat Cic. Arcuis geschrieben . stücke ins Meer zu werfen , gedenkt
Vergl. Fleckeisen Krit. Miscell. auch Liv. XXIX , 27, 6. Vgl. Prel
(Dresd . 1864) S. 43. In der Hesiod . ler Röm .Myth . S . 293.
234 DE NATURA DEORUM
52 fluctibus consueverunt. Iam si est Ceres a gerendo (ita enim
dicebas): terra ipsa dea est et ita habetur : quae est enim alia
Tellus ? Siterra,mare etiam , quem Neptunum esse dicebas: ergo
et flumina et fontes. Itaque et Fontis delubrum Maso ex Corsica
dedicavit, et in augurum precatione Tiberinum , Spinonem , Al
monem , Nodinum , alia propinquorum fluminum nomina vide
mus. Ergo hoc aut in immensum serpet, aut nihil horum reci
piemus, nec illa infinita ratio superstitionis probabitur. Nihil
21 ergo horum probandum est. Dicamus igitur: Balbe , oportet
53 contra illos etiam , qui hos deos ex hominum genere in caelum
translatos non re, sed opinione esse dicunt, quos auguste omnes
sancteque veneramur. Principio loves tres numerant ii, quiintheo
Ar- .
logi nominantur ; ex quibus primum et secundum natos
cadia , alterum patre Aethere, ex quo etiam Proserpinam natam
ferunt et Liberum , alterum patre Caelo , qui genuisse Minervam
dicitur, quam principem et inventricem belli ferunt; tertium Cre
52. ita enim dicebas. II, 26 , 67. die andern beiden vielleicht nur
Tellus. Ihr Tempel zu Róm wird hier.
öfters erwähnt, und das Fest der 21. 53. qui theologinominantur.
Fordicidia am 15. April, wo ihr S. zu c. 16 , 42. Wir sehen aus die
trächtige Kühe geopfert wurden , ser Stelle , dass jene sogenannten
soll schon Numa gestiftet haben . Theologen dem Euhemerismus an
S . Ovid. Fast. IV , 628 ff. mit den hingen , worüber zu I, 42, 119 ge
Ausl. sprochen ist, d .h . sie bekannten sich
Fontis delubrum Maso - dedic. zu derselben Grundansicht, verfuh
Der Consul C . Papirius Maso, der ren aber bei der Behandlung der
im J. 523 die Corsen besiegte. Der einzelnen Götter und Götterfabeln
Tempel lag vor der porta Capena, und ihrer Umdeutung inmenschliche
wo schon früher ein Altar des Fons Personen und Geschichten selbstän
oder Fontus sich befand, neben wel dig. Den Gegnern des Polytheismus
chem Numa's Grab sein sollte . S . sagte dieser Euhemerismus beson
de Legg. II, 22, 56 . Auch ein Fest, ders zu, und die christlichen Apolo
Fontanalia , ward am 13. October geten machten mit Vorliebe Ge
gefeiert. S . Müller zu Varro L . L . brauch von ihm . Bei Clem . Alex. im
VI, 22. Protrept., bei Arnobius, Lactantius
in augurum precatione: in der u . Aa., auch bei L. Ampelius im
Gebetformel deren sich die Augurn libermemorialis und Ioannes Lydus
beiihren Amtsverrichtungen bedien de menss, findet sich vieles hieher
ten , besonders wohl wenn sie ihren Gehörige theils übereinstimmend
Schaubezirk weihten (in templo ef mit Cicero's Angaben theils abwei
fando. Varro VI,53) und um Au- chend, was einzeln hier anzuführen
spicien baten. Vgl.Brisson .de Form .. nicht nöthig ist. Nur daran mag
1, 106 . - Von den genannten Flüs- noch ausdrücklich erinnert werden ,
sen kommt ausser dem Tiber auch dass man bei allen nachher genann
der Almo öfters vor, noch häufiger ten Namen , selbst bei Aether, Cae
freilich der Anio , dessen Namen lus, Sol u . dgl. der Euhemeristischen
Einige auch hier herstellen wollen ; Ansicht gemäss an Menschen der
LIB . III. CAP. 20. 21. 22. 235
tensem , Saturni filium , cuius in illa insula sepulcrum ostenditur.
Aboxovgou etiam apudGraiosmultis modis nominantur. Primi
tres , qui appellantur Anaces, Athenis ex rege love antiquissimo
et Proserpina nati , Tritopatores, (Zagreus), Eubuleus, Dionysus ;
secundi duo, love tertio pati et Leda , Castor et Pollux ; tertii
dicuntur a nonnullis Alco , Melampus et Tmolus , Atrei filii, qui
Pelope natus fuit. Iam Musae primae quattuor, Iove altero natae, 54
Thelxinoë , Aoede , Arche,Melete ; secundae , love tertio etMne
mosyne procreatae, povem ; tertiae, Piero natae et Antiopa, quas
Pieridas et Pierias solent poetae appellare , iisdem nominibus,
eodem numero , quo proxime superiores. Quumque tu Solem ,
quia solus esset, appellatum esse dicas : Soles ipsi quam
multi a theologis proferuntur ! Unus eorum Iove natus, ne
pos Aetheris ; alter Hyperione , tertius Vulcano, Nili filio , cuius
urbem Aegyptii volunt esse eam quae Heliopolis appellatur ;
quartus is , quem heroicis temporibus Acantho Rhodi pepe
risse dicitur , (pater ] Ialysi , Camiri et Lindi; quintus, qui Col
chis fertur Aeetam et Circam procreavisse. Vulcani item com - 22
plures: primus Caelo natus, ex quo et Minerva Apollinem eum , 55
Vorzeit zu denken habe , welche sichere Erklärung u. Beurtheilung
jene Namen führten . der hier vom Cotta nach seinen
cuius – sepulcrum ostenditur. Theologen vorgetragenen Angaben
Darüber spricht Callimachus seinen ist überhaupt nicht möglich , weil
Unwillen aus, Hymn. in lov. v. 8 : uns die Kunde der Daten , auf wel
Κρήτες αεί ψευσται και γάρ τά che sie ihre Ansichten gründeten ,
φον, ώ άνα, σείο Κρήτες έτεκτή abgeht.
vavto: où d ' où Jáves: gooi yào 54 . quae Heliopolis appellatur .
aiei. Der Aegyptische Name war On, wie
qui appellantur Anaces Athenis. auch der Gott hiess. Nach Jablonski
Der Name bedeutet, wie es scheint, Panth . Aeg. I p. 137 bedeutet er
Licht.
dasselbe wie "Avaxtes. Ihr Tem
pel zu Athen TÒ 'Avaxetov , wird quem Acantho Rhodipep. dic. Der
öfters erwähnt: gewöhnlich aber Name kommt sonst nicht vor; auch
werden sie nicht von den Tynda ist auffallend , dass neben der Mut
riden unterschieden. Vgl. Plut. ter nicht auch der Vater genannt
Thes. C. 33. Num . c. 13. wird. Ohne Zweifel ist die Stelle
Tritopatores, eigentlich Urväter, verdorben ; aber zu ermitteln , was
Ahnen (Pollux III, 7). So scheinen Cicero geschriebeu haben möge, ist
in verschollenen theogonischen Sy unmöglich .
stemen solche Gottheiten benannt 22. 55 . Apollinem eum . Es fehlt
zu sein , von denen man die Entste das Verbum , wovon der Accusativ
hung des Menschengeschlechts ab abhinge : denn das folgende esse vo
leitete. Vgl. Lobeck Agl. p. 754 luerunt gehört lediglich dem Rela
- 765 , auf dessen Rath ich den tivsatz an. Aber eben über diesen
in den Hdschr. fehlenden Namen Relativsatz hat Cicero jenes hinzu
Zagreus zugesetzt habe. Eine zufügen versäumt, was um so leich
236 DE NATURA DEORUM
cuius in tutela Athenas antiqui historici esse voluerunt; secundus
Nilo natus, Phthas,utAegyptii appellant, quem custodem esse Ac
gypti volunt; tertiusex tertio love et Iunone, qui Lemni fabricae
tenuit insulas pro
traditur praefuisse ; quartusMemalio natus, qui
56 pter Siciliam , quae Vulcaniae nominabantur. Mercuriusunus Caelo
patre,Diematre natus, cuius obscenius excitata natura traditur,quod
adspectu Proserpinae commotus sit; alter Valentis et Coronidis fi
lius, is qui sub terris habetur idem Trophonius ; tertius love tertio
natus et Maia , ex quo et Penelopa Pana natum ferunt ; quartus
Nilo patre, quem Aegyptii nefas habent nominare ; quintus, quem
colunt Pheneatae , qui Argum dicitur interemisse ob eamque
causam Aegyptum profugisse atque Aegyptiis leges et litteras
tradidisse. Hunc Aegyptii Theuth appellant, eodemque nomine
57 anni primus mensis apud eos vocatur. Aesculapiorum primus,
Apollinis, quem Arcades colunt, qui specillum invenisse primus
que vulnus dicitur obligavisse ; secundus, secundiMercurii frater :
ter war, da auch das Verbum des lich . Die nachher genannten Inseln
Haupsatzes nur etwa dasselbe wie sind die Liparischen , auch Aeo
jenes würde haben aussagen müs- lischen genannt. Der Name Vul
sen . Nicht unähnlich ist die Ana - caniae gr. Hyaloriádes, war viel
koluthie in Brut. c. 27, 105 : Hunc leicht zu C.'s Zeit ausser Gebrauch
qui audierant prudentes homines, gekommen : daher nominabantur.
in quibus familiaris noster L. Gel 56. Die matre. So ist mit den
lius, qui se illi contubernalem in meisten und besten Hdschr. zu le
consulatu fuisse narrabat , cano- sen , nicht Dia . Denn diesen lat.
rum oratorem et volubilem fuisse Namen einer agrarischen Gottheit
dicebat. Hier fehlt das Prädicats - fand Cic.gewiss nicht in den Schrif
verbum zu dem Subject pruden ten der griechischen Theologen ,
tes homines. Es müsste dicebant denen er hier folgt. Auch Serv.
sein ; aber das dastehende dicebat zu Aen . I, 297. IV , 577. Ampe
gehört nur dem Relativsatz und lius c. 9 stimmen für Die. Vgl.
dem Subject desselben L . Gellius auch unten c. 23, 59. Was Wel
an ; darf auch nicht in dicebant cker, griech . Götterlehre I S. 329
verwandelt werden , wogegen alle für Dia anführt,ist ohne Beweiskraft .
Hdschr. und der fernere Zusammen - Valentis. So übersetzt, wie es
hang der Stelle sprechen . scheint, Cicero den Griech . Namen
cuius in tutela Athenas. Damit "Ioxus. Dieser war nach der Fabel
ist der von den Athenern als na ein Arkadischer Heros, dem die
Toõos, Stammgott, verehrte Apollo Thessalische Koronis sich ergab ,
gemeint, den man später zwar mit nachdem sie vorher vom Apollo um
dem Pythischen, dem Sohn des Zeus armt worden war. Als Ñater des
und der Leto oder Latona identifi- Trophonius wird aber Ischys sonst
cirte , der aber ursprünglich gewiss nicht genannt. Uebrigens vgl. Mül
von diesem verschieden war. S . ler, Orchom . p. 196.
Opusc . ac. I p. 324 u. 347. Hunc Aeg . Theuth app . Vergl.
Memalio. Auch dieser Name ist Parthey zu Plut. de Is. et Os. S. 154 .
ohne Zweifel corrumpirt, eine si- u. R . Pietschmann , Hermes Trisme
chere Emendation aber nicht mög - gistus (Leipz. 1875 ) S. 29 u . 38 ff.
LIB . III. CAP. 22. 23. 237
is fulmine percussus dicitur humatus esse Cynosuris ; tertius,
Arsippi e: Arsinoae, qui primus purgationem alvi dentisque evul
sionem , ut ferunt, invenit: cuius in Arcadia non longe a Lusio
flumine sepulcrum et lucus ostenditur. Apollinum antiquissimus 23
is , quem paulo ante ex Vulcano natum esse dixi custodem Athe
narum ; alter Corybantis filius, natus in Creta, cuiusde illa insula
cum love ipso certamen fuisse traditur ; tertius love tertio patus
et Latona, quem ex Hyperboreis Delphos feruntadvenisse ; quar
tus in Arcadia , quem Arcades Nomion appellant , quod ab eo se
leses ferunt accepisse. Dianae item plures: prima lovis et Pro- 58
serpinae , quae pinnatum Cupidinem genuisse dicitur; secunda
notior, quam love tertio et Latona natam accepimus; tertiae pa
ter Upis traditur, Glauce mater. Eam Graeci saepeUpim paterno
nomine appellant. Dionysos multos habemus : primum love et
Proserpina natum ; secundum Nilo , qui Nysam dicitur intere
misse ; tertium , Cabiro patre , eumque regem Asiae praefuisse
dicunt, cui Sabazia sunt instituta ; quartum love et Luna, cui
sacra Orphica putantur confici; quintum Niso natum et Thyone,
a quo Trieterides constitutae putanlur. Venus prima Caelo et 59
57. Cynosuris. Darunter ist wahr- wird. Vgl. darüber Müllers Dorier
scheinlich entweder der Arkadische B . II K . 4.
Berg Kuvóoovoa , den Steph . Byz. Nomion . Den Beinamen theilt
erwähnt, oder ein Ort in dem Gau Apollo mit dem Hermes. Arist.
der von Paus. VIII, 27, 3 genannten Thesm . v. 977. Er bedeutet aber in
Kynuraeer in Ark . zu verstehen . der That nicht den Gesetzgeber,
23 . Corybantis filius. Sohn des wie Cic. mit Andern ihn hier er
Korybas wird Apollo auch sonst klärt, sondern den Gott der Weiden
bisweilen genannt; seineGeburt auf und Heerden, und der ’An . vóulos
Kreta und sein Streit um diese In ist mit dem c. 18, 45 als Sohn des
sel mit dem Iupiter kommt nur hier Ap. genannten Aristaeus dem Be
vor. Da Korybas und die Koryban griffe nach eigentlich derselbe. Vgl.
ten ursprünglich der phrygischen Pind . Pyth . IX , 65 (115). – Die
Form Nomionem , welche die Hdschr.
Mythologie angehören und von hier hier
aus bei den Griechen , besonders in bieten , ist nur ein Irrthum der
Samothracien und Kreta Aufnahme Abschreiber.
fanden , so verdankt auch dieser 58. Upis als Name einer männ
zweite Apollo seineEntstehung ohne lichen Gottheit kommtnur hier vor;
Zweifel einer Combination phrygi- öfters als Beiname der Diana, wo
scher und griechischer Fabeln ; sein man ihn dann als Nebenform von
Streit mit dem Iupiter mag auf όπις, ώπις ansieht und von der
Kämpfe verschiedener Culte deuten . Aufsicht aufdas Thun derMenschen
Vgl. Hoeck 's Kreta III S . 146 . und der Ahndung der Uebertretun
. ex Hyperboreis d. h. aus dem ge gen zu erklären pflegt.
fabelten Nordlande jenseits des Bo- Dionysos multos. Es ist auffal
reas, von wo bisweilen auch die Her- lend, dass hier gerade der in der ge
kunft der Delpher selbst abgeleitet wöhnlichen Mythologie als Sohn des
238 DE NATURA DEORUM
Die nata , cuius Elide delubrum vidimus; altera spuma procreata,
ex qua etMercurio Cupidinem secundum natum accepimus; tertia
love nata et Diona, quae nupsit Vulcano , sed ex ea et Marte
natus Anteros dicitur; quarta Syria Cyproque concepta , quae
Astarte vocatur , quam Adonidi nupsisse proditum est. Minerva
prima, quam Apollinis matrem supra diximus; secunda orta Nilo ,
quam Aegyptii Saitae colunt; tertia illa , quam Iove generatam
supra diximus; quarta Iove nata et Coryphe, Oceani filia , quam
Arcades Coriam nominant et quadrigarum inventricem ferunt;
quinta Pallantis , quae patrem dicitur interemisse , virginitatem
60 suam violare conantem , cui pinnarum talaria affigunt. Cupido
primus Mercurio et Diana prima natus dicitur ; secundus Mer
curio et Venere secunda; tertius, qui idem est Anteros, Marte et
Venere tertia . Atque haec quidem aliaque eiusmodi ex vetere
Graeciae fama collecta sunt, quibus intelligis resistendum esse .
ne perturbentur religiones. Vestri autem non modo haec non
refellunt, verum etiam confirmant interpretando, quorsum quid
que pertineat. Sed eo iam ,unde huc degressi sumus, revertamur.
Zeus und der Semele vorkommende Wenn Cotta sich hier wie schon
übergangen ist. Die genannten ge-
genannten ge oben c. 21,53 gegen den Euheme
hören alle entweder Orphischen rismus ausspricht, so thut er dies
oder sonstigen uns unbekannten Fa lediglich im Interesse der Religion ,
beln an. – Ueber die Trieterides als deren gläubigen Anhänger er sich
s . Griech. Alterth. II 3 S. 502. an mehreren Stellen , wie I, 22 , 61.
59. orta Nilo. Gemeint ist die 62. III, 2, 5 . 6 , bekannt hat. Er
Aegyptische Neith , die gewöhnlich will also , dass man die Volksgötter
mit der Minerva identificirt wird, nicht für blos irrthümlich vergöt
obgleich sie von Andern nicht Toch terte Menschen , sondern wirklich
ter des Nilus sondern des Zeus für Götter halte. Als Akademiker
konnte ihm hieran nichts gelegen
(Diod . I, 13) oder desHermes (Plut. sein : als solcher konnte er nur die
de Is. et Os. c. 7) genannt wird. Götterfa beln verwerflich finden , in
Nach Jablonski indessen , Panth . A . sofern man sie für wirkliche Göt
I p . 168 , ist Ze
Nilus
us.
eben auch kein tergeschichten nahm , und der Eu
anderer als Zeus. hemerismus , der diesem Glauben
Coryphe verdankt ihren Ursprung entgegentrat und sie für blosseMen
wahrscheinlich nur späteren Mytho schengeschichten erklärte , konnte
logen , welche die Fabel von der Ge ihm eher beifallswerth scheinen . -
burt der Minerva aus dem Haupte Die Stoiker aber konnte Cotta von
(és noovoñs) des Zeus so umdeu beiden Standpunkten austadeln ,weil
teten , dass sie dem Haupte eine sie durch ihre allegorische Erklä
Nymphe , Coryphe , substituirten . rungsart die Fabeln gewissermassen
Vgl. Opusc. ac. II p. 163. Ueber wieder zu Ehren zu bringen schie
die folgende, Tochter des Pallas s. nen , statt sie zu beseitigen. Für
Tzetz. Zu Lycophr. v. 355 u . Mül aliaque eiusmodi haben die Hdschr.
ler, Kl. Schr. II S . 135. atque eiusm . od. et eiusm ., so dass
quibusintelligisresistendum esse. eiusmodi für sich allein das Subject
LIB . III. CAP. 23. 24. 239

Num censes igitur subtiliore ratione opus esse ad haec 24


refellenda ? Nam mentem , fidem , spem , virtutem , honorem , vic- 61
toriam , salutem , concordiam ceteraque huiusmodi rerum vim
habere videmus , non deorum . Aut enim in nobismet insunt
ipsis , utmens, ut fides, ut spes, ut virtus, ut concordia ; aut
optandae nobis sunt, ut honos, ut salus , ut victoria; quarum
rerum utilitatem video , video etiam consecrata simulacra ; quare
autem in his vis deorum insit, tum intelligam quum cognovero.
Quo in genere vel maxime est Fortuna numeranda, quam nemo
ab inconstantia et temeritate seiunget: quae digna cerle non
sunt deo. Iam vero quid vos illa delectat explicatio fabularum
et enodatio nominum ? Exsectum a filio Caelum , vinctum itidem 62
a filio Saturnum , haec et alia generis eiusdem vos ita defenditis,
ut ii qui ista finxerunt non modo non insani, sed etiam fuisse
sapientes videantur. In enodandis autem nominibus quod mise
randum sit laboratis. Saturnus , quia se saturat annis ; Mavors,
quia magna vortit ; Minerva, quia minuit aut quia minatur ; Venus,
quia venit ad omnia ; Ceres a gerendo. Quam periculosa con
suetudo ! In multis enim nominibus haerebitis . Quid Veiovi
facies ? Quid Vulcano ? quamquam , quoniam Neptunum a nando
appellatum putas , nullum erit nomen , quod non possis una lit
tera explicare unde ductum sit. In quo quidem magis tu mihi
vertreten würde, was dem Sprach - erscheine, dies deswegen doch nicht
gebrauch durchaus nicht gemäss ist. auch wirklich sei, sondern nur eine
24 . 61. Nam mentem . Man er- dvgowriva loyiouố ãdnios ai
gänze vorher einen Gedanken wie : tla, nach Plut. de plac. phil. I, 29 u.
idemque de reliquis dicendum est, Stobae. Ecl. I p. 218.
worauf das nam sich beziehe. Denn 62. fuisse sapientes videantur.
dass dies hier nichtzur Begründung Vgl. I, 15 , 41.
des nächstvorhergehenden Satzes quod miserandum sit laboratis =
diene, ist klar. Es erscheint viel laborem , quimiserandus sit, susci
mehr nur als Uebergangspartikel, pitis.
welche Anwendung immer durch quid Veiovi facies? Darauf ant
Ergänzung eines dem jedesmaligen wortet Festus p. 379 : Ve syllabam
Contexte gemäss hinzuzudenkenden reiparvaepraeponebant,undeVeio
Zwischengliedes zu erklären ist. So vem parvum Jovem . Die Richtig
oben c. 6 , 15 undmehr bei Hand Tur- keit der Antwortmüssen wir dahin
sell. III, 147. gestellt sein lassen . Dass aber Viele
in nobismet insunt ipsis. Vgl. die unter dem Veiovis einen kleinen
zu II, 23, 61 gegebene Andeutung. jugendlichen Jupiter dachten , sehen
Wegen honos,salus, victoria würde wir aus Ovid . Fast. III, 445 n . a. m .
sich der Stoiker auch wohl haben - Vom Vulcanus findet sich die
verantworten können, und zu Gun Etymologie bei Isidor. p. 1026 , 32
sten der Fortuna hätte er viel Goth . : dictusVulcanus quasivolans
leicht gesagt, dass, was den Men candor, velquasi volicanus,quod
schen als inconstantia und temeritas per aërem volet, die wenigstens
240 DE NATURA DEORUM
63 natare visus es, quam ipse Neptunus. Magnam molestiam sus
cepit etminime necessariam primus Zeno, post Cleanthes, deinde
Chrysippus, commenticiarum fabularum reddere rationem , voca
bulorum , cur quique ita appellati sint, causas explicare. Quod
quum facitis , illud profecto confitemini , longe aliter se rem ha
bere atque hominum opinio sit ; eos enim , qui di appellantur,
25 rerum naturas esse , non figuras deorum . Qui tantus error fuit,
ut perniciosis etiam rebus non modo nomen deorum tribueretur,
sed etiam sacra constituerentur. Febris enim fanum in Palatio
et Orbonae ad aedem Larum et aram Malae Fortunae Esquiliis
64 consecratam videmus. Omnis igitur talis a philosophia pellatur
error , ut, quum de dis immortalibus disputemus , dicamus in
digna naturis immortalibus, de quibus habeo ipse quod sentiam ,
non habeo autem quod tibi assentiar. Neptunum esse dicis ani
mum cum intelligentia per mare pertinentem ; idem de Cerere.
Istam autem intelligentiam autmaris aut terrae non modo com
prehendere animo, sed ne suspicione quidem possum attingere.
Itaque aliunde mihi quaerendum est, ut et esse deos et quales
65 sint di discere possim ; qualis tu eos esse vis * *
Videamus ea , quae sequuntur : primum deorumne provi
dentia mundus regatur, deinde consulantne rebus humanis . Haec
enim mihi ex tua partitione restant duo, de quibus, si vobis vide
tur, accuratius disserendum puto. Mihi vero , inquit Velleius,
nicht schlechter ist, als die meisten götterung der Febris gedenkt Ci
der oben II, 25 — 27 von Balbus vor- cero missbilligend auch de Legg. I,
getragenen , oder als eine neuere, 11, 28 , wo indessen nur ein Altar
die den Namen aus dem Griechischen genannt wird : ebenso der mala
ableitet, ‘Olxalos = Schlepp Fortuna. Die Orbona nennt Ter
fuss, wegen der Lahmheit. Die tullian . ad nat. II, 15 eine Gottheit,
vergl. Sprachkunde führt den Na- quae in orbitatem semina exstin
men auf einen Skr.-stamm ulka guat. Doch haben die Handschr.
valka zurück , der die Bedeutung des dort Orbana.
Brennens hat. 64. Neptunum dicis animum etc.
natare visus es s. v. als fluctuare, bezieht sich auf II, 28, 71, wo
ohne festen Halt hin und her schwan Dies
ken, titubare. Vgl. Horat. Sat. II, zwar die Worte etwas anders, der
7 , 6 : Pars multa natat, modo re Sinn aber derselbe ist. - Das fol
idem de Cerere ist mit flüch
cta capessens, interdum pravis gende tiger Kürze gesagt, die sich nur an
obnoxia . begnügt, was der verstän
63. figuras deorum : göttliche zudeuten
Personen , Gestalten , in denen die dige Leser selbst vervollständigen
wird.
Götter leiben und leben .
25 . qui tantus error fuit. Die qualis tu eos esse vis. Nach die
Verirrung, natürliche Dinge zu ver- sen Worten ist offenbar etwas aus
göttern , ging soweit. - Der Ver- gefallen : non esse scio oder dgl.
LIB. III. CAP. 24. 25. 26 . 241
valde videtur ; nam etmaiora exspecto et his , quae dicta sunt, vehe
menter assentior. Tum Balbus, Interpellare te , inquit, Cotta, nolo,
sed sumemus tempus aliud ; efficiam profecto , ut fateare. Sed * * *
(Multa desunt.)
Néquaquam istuc istac ibit: magna inest certátio . 26
Nám ut ego illis súpplicarem tanta blandiloquentia ? 66
Parumne ratiocinari videtur et sibi ipsa nefariam pestem machi
nari ? Illud vero quam callida ratione!
Qui volt esse , quód volt: ita dat sé res , ut operam dabit.
Qui est versus omnium seminator malorum .
' Ille traversa ménte mihi hodie tradidit repagula :
quibus ego iram omném recludam atque illi perniciém dabo :
mihi maerores, illi luctum : exitium illi , exiliúm mihi.
Hanc videlicet rationem , quam vos divino beneficio homini so
lum tributam dicitis, bestiae non habent. Videsne igitur, quanto 67
munere deorum simus affecti ? Atque eadem Medea patrem pa
triamque fugiens:
- postquám pater
áppropinquat iámque paene ut comprehendatur parat ,
púerum interea obtruncatmembraque articulatim dividit ,
pérque agros passim dispergit córpus: id ea grátia ,
út, dum nati dissipatos ártus captarét parens,
ipsa interea effugeret ; illum ut maéror tardarét sequi ;
sibi salutem ut familiari pareret parricidio.
Huic , ut scelus, sic ne ratio quidem defuit. Quid ? ille funestas 68
epulas fratri comparans nonne versat huc et illuc cogitatione ra
tionem ?
Maior mihi moles , máius miscendúm 'st malum ,
65 . In der grossen nach Sed fol- die weiterhin folgenden : ille tra
genden Lücke ist der ganze dritte versa mente etc. sind ebendaher
Theil , die Auseinandersetzung der und entsprechen den Euripideischen
Einwürfe gegen die göttliche Vor 371. 398. 9, obwohl sie ebenso
sehung, und ein Stück des vierten , wenig wie die obigen ganz getreu
gegen die besondere Fürsorge der übersetzt sind. Die übrigen Verse
Götter für die Menschen , verloren in $ 66 und 67 haben zwar in der
gegangen . Euripideischen Medea ihre Vorbil
26 . 66. Nequaquam istuc istac der nicht; sie können aber dessen
ibit etc. Aus der Medea exul des ungeachtet in der Ennianischen ge
Ennius, entsprechend den v. 365 ff. standen haben , da die Stücke der
der Euripideischen Tragödie : aal' Römischen Dramatiker nicht blosse
ούτι ταύτη ταύτα, μη δοκείτε πω. Uebersetzungen , sondern mehr oder
έτ' είσ’ αγώνες τοϊς νεωστι νυμ- weniger freie Bearbeitungen der
giois , xai toioi undevo aoiv où Griechischen Originale waren .
quixooí nóvoi. doxɛīs yào äv uz 68 . Maior mihi moles etc. Aus
tóvde 9 wrteñoai not' äv ; – Auch dem Atreus des Attius , auch de
Cic . de nat. deor. 4. Aufl. 16
242 DE NATURA DEORUM
quî illius acerbum cór contundam et comprimam .
27 Nec tamen ille ipse est praetereundus
qui non sat habuit coniugem illexe in stuprum :
de quo recte et verissime loquitur Atreus :
- - quod in re súmma summum esse árbitror
periclum ,matres coinquinari régias,
contamin