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Startpaket für Gemeindepolitiker

Ein Leitfaden
Startpaket für Gemeindepolitiker
Ein Leitfaden

Impressum
Europäische Akademie Bozen (EURAC research) /
Institut für Public Management
Südtiroler Gemeindenverband

Leitung:
Prof. Kurt Promberger / Josef Bernhart

Autorenteam:
Peter Decarli / Andreas Januth (EURAC)
Hansjörg Rainer (Gemeindenverband)

Fotos:
Thinkstock: 8, 21, 27, 34, 39, 40, 42, 43, 44, 45, 47, 48
Inhalt

7 Vorwort
10 Bürgermeister
12 Gemeinderat
18 Gemeindeausschuss
22 Gemeindeverwaltung
27 Planungs- und Managementinstrumente
32 Rechtliche Rahmenbedingungen
35 Gemeindesatzung
36 Finanzierung der Gemeinden
36 Aufgaben der Gemeinden
37 Aufgaben der Bezirksgemeinschaften
37 Gemeindenverband
38 Rat der Gemeinden
39 Modernes Gemeindemanagement
45 Managementkonzepte für Gemeinden
51 Nachhaltige Entwicklung als Aufgabe der Gemeindeführung

5
Vorwort

Sehr geehrte Damen und Herren,

herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Wahl als Gemeindevertreterin und Gemeindevertreter! Manche unter
Ihnen sind zum ersten Mal gewählt worden, andere haben bereits Erfahrung in Ihrem Amt. Für beide soll
dieser ­Leitfaden eine zusätzliche Orientierung für ihre Arbeit in der Gemeinde bieten.
Die wichtigsten Aufgaben der politischen Organe und der Gemeinde, aber auch die Aufgaben des Gemeinde­
sekretärs bzw. der Gemeindesekretärin und der leitenden Beamtinnen und Beamten, werden aufgezeigt.
Zudem werden die zentralen Planungs- und Managementinstrumente, die Aufgaben der Bezirksgemeinschaf-
ten, des Gemeindenverbandes und des Rates der Gemeinden kurz erläutert. Auch die rechtlichen Rahmen­
bedingungen und Überlegungen zu einem modernen Gemeindemanagement sind in dieser Broschüre über-
sichtlich dargestellt.
Als Politikerinnen und Politiker stehen Sie vor zahlreichen Herausforderungen. Wichtige Aufgaben und auch
einige drängende Probleme sind zu meistern. So gibt es vermutlich wenig „Schonfrist“ für alle Neugewählten.
Es gilt Ziele umzusetzen und Impulsgeber zu sein. In dieser Situation können eine strategische Sichtweise und
eine stärkere Managementorientierung hilfreich sein.
Deshalb hoffen wir, Sie mit diesem Leitfaden in Ihrer politischen Arbeit unterstützen zu können und
wünschen Ihnen dabei viel Erfolg und alles Gute!

EURAC-Institut für Public Management Südtiroler Gemeindenverband

6 7
Aufbau der Gemeinden

Jede Gemeinde in Südtirol hat ihre eigene Verwal-


Bürger wählen
tungsautonomie und als autonome Verwaltungskör-
perschaft ihre eigenen Organe: den Bürgermeister*
schlägt vor wählt
als Oberhaupt und Vertreter der Gemeinde nach au-

Politik
ßen, den Gemeinderat als politisch-administratives
Leitungs- und Kontrollorgan und den Gemeindeaus-
schuss als ausführendes Organ. Bürgermeister Gemeindeausschuss Gemeinderat

Verwaltung
Gemeindesekretär Gemeindemitarbeiter

*  In den folgenden Abschnitten werden aus Gründen der


Lesbarkeit die männlichen Formen von Personenbezeichnungen
für beide Geschlechter gleichermaßen verwendet.

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Bürgermeister

Amtsperiode Aufgaben, Rechte und Pflichten


• 5 Jahre. Repräsentations­ • Der Bürgermeister repräsentiert die Gemeinde nach außen und vertritt diese
• 3 unmittelbar aufeinanderfolgende Amtsperi- funktion vor Gericht.
Bürger wählen
oden möglich.
Bildung des • Der Bürgermeister schlägt die Ausschussmitglieder vor und der Gemeinderat
schlägt vor wählt Gemeindeaus­ wählt den Gemeindeausschuss „im Block“.
Wahl schusses und • Der Bürgermeister fördert die Zusammenarbeit der Ausschussmitglieder, ver-
Politik

• Direkt durch die Bürger. Ressortsystem teilt die Amtsgeschäfte auf diese, koordiniert und kontrolliert deren Tätigkei-
ten. Dabei kann er den Mitgliedern bestimmte Aufgaben delegieren.
Bürgermeister Gemeindeausschuss Gemeinderat
Vorsitz im Gemeinderat Programmatische • Die programmatische Erklärung (Regierungsprogramm) wird vom Bürger-
Erklärung (Regie­ meister nach Anhören des Gemeindeausschusses, dem Gemeinderat zur
• In Gemeinden unter 15.000 Einwohner rungsprogramm) ­Genehmigung vorgelegt.
Verwaltung

führt der Bürgermeister den Vorsitz im • Sie beinhaltet die zu realisierenden Ziele, Initiativen und Projekte und ist
­Gemeinderat. ein zentrales Planungsinstrument.
• Er erstellt die Tagesordnung der Gemeinde-
Gemeindesekretär Gemeindemitarbeiter
Amtswalter der • Als Amtswalter der Regierung erlässt der Bürgermeister Rechtsakte, die ihm
ratssitzungen, vielfach in Zusammenarbeit
Zentralregierung im Bereich der öffentlichen Ordnung und Sicherheit durch Gesetze und Ver­
mit dem Ausschuss und sorgt für die Ein­
ordnungen zugewiesen sind.
Der Bürgermeister ist das Oberhaupt der Gemeinde berufung.
und das für die Verwaltung der Gemeinde verant- Er trägt zudem Sorge für folgende demografische Dienste:
wortliche Organ. Er ist Mitglied des Gemeinderates – Führung der Personenstandsregister und der Einwohnerkartei,
Vorsitz im Gemeindeausschuss
und des Ausschusses. – Erfüllung der Aufgaben im Bereich der Wahlen, der Erfassung der Wehr-
• Der Bürgermeister führt den Vorsitz, erstellt pflichtigen und der Statistik.
die Tagesordnung und beruft die Sitzungen
Verantwortlich­ • Der Bürgermeister (und der Gemeindeausschuss) sind für die Erfüllung ihrer
ein.
keiten vor dem Aufgaben dem Gemeinderat gegenüber politisch verantwortlich.
­Gemeinderat
Proporzregelung des Vizebürgermeisters
Verwaltung der • Der Bürgermeister ist das für die Verwaltung der Gemeinde verantwortliche
• In Gemeinden mit mehr als 13.000 Ein- Gemeinde Organ.
wohnern, in deren Gemeinderat mehrere • Er überwacht die Tätigkeit der Dienste und Ämter sowie die Ausführung der
Sprachgruppen vertreten sind, darf der Rechtsakte. Er übt die Funktionen aus, die ihm durch die Gesetze, die Satzung
­Vizebürgermeister nicht der Sprachgruppe und die Verordnungen zugewiesen worden sind.
des Bürgermeisters angehören. • Er koordiniert die Öffnungszeiten der Geschäfte und der öffentlichen Dienste
im Rahmen der rechtlichen Bestimmungen und vom Gemeinderat festgeleg-
ten Richtlinien.
Weitere Aufgaben • Der Bürgermeister überwacht die Ausübung jener Aufgaben, die der Staat, die
Region oder die Provinz der Gemeinde übertragen haben.
• Der Bürgermeister ergreift die notwendigen und dringenden Maßnahmen auf
dem Gebiet der öffentlichen Gesundheit und Hygiene, des Bauwesens sowie
Der Bürgermeister ist das Oberhaupt der Gemeinde und der örtlichen Polizei zur Verhütung und Beseitigung ernster Gefahren für die
Unversehrtheit der Bürger.
der politische Verantwortliche für die Verwaltung der Gemeinde. • Der Bürgermeister ist auf Gemeindeebene die Behörde für den Zivilschutz.
Er ergreift die vom Gesetz vorgesehenen Maßnahmen zur Bewältigung
schwerwiegender Gefahrensituationen und von Notständen zugunsten der
betroffenen Bevölkerung und koordiniert die Einsätze.

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Gemeinderat

Der Gemeinderat ist das politisch-administrative Amtsperiode Ablaufmodalitäten einer Gemeinderatssitzung


Leitungs- und Kontrollorgan der Gemeinde. Seine
wichtigsten Leitungsaufgaben sind die Wahl des • 5 Jahre. • Der Bürgermeister oder Ratsvorsitzende
Gemeindeausschusses, die Genehmigung der pro- erstellt die Tagesordnung, vielfach in Zusam-
Bürger wählen
grammatischen Erklärung (Regierungsprogramm) menarbeit mit dem Gemeindeausschuss.
Wahl
des Bürgermeisters und die Entscheidungen über die • Die Gemeinderatsmitglieder können Ange-
schlägt vor wählt
allgemeinen Grundsätze, nach denen die Verwaltung • Direkt durch die Bürger. legenheiten auf die Tagesordnung setzen,
indem sie entsprechende Beschlussanträge
Politik

geführt wird. Zu den wichtigsten Kontrollaufgaben


des Gemeinderates gehören die Überwachung der einbringen.
Vorsitz im Gemeinderat
Bürgermeister Gemeindeausschuss Gemeinderat Verwaltung der Gemeinde und die Überprüfung der • Die Gemeindesatzung und die Geschäftsord-
Durchführung der programmatischen Erklärung. • In Gemeinden unter 15.000 Einwohner führt nung des Gemeinderates legen die Regeln
der Bürgermeister den Vorsitz im Gemeinde- für die Beschlussfähigkeit (Gültigkeit) einer
rat. Gemeinderatssitzung fest. Meistens ist der
Verwaltung

• In den anderen Gemeinden muss die Gemein- Gemeinderat beschlussfähig, falls mehr als
desatzung einen eigenen Gemeinderatsvorsit- die Hälfte der Gesamtanzahl der Gemeinde-
zenden vorsehen. ratsmitglieder anwesend ist.
Gemeindesekretär Gemeindemitarbeiter • Der Vorsitzende leitet die Gemeinderatssit- • Die Abstimmung erfolgt meist durch Hand-
zungen. Er leitet die Debatten, erteilt das heben oder Namensaufruf. Es ist auch eine
Wort und sorgt für die Beachtung der Ge- geheime Abstimmung möglich.
schäftsordnung. • Für die Beschlussfassung gelten die vom
Gesetz, von der Gemeindesatzung und von der
Geschäftsordnung vorgeschriebenen Mehr-
Gemeinderatssitzung
heiten.
• Die Einberufung erfolgt durch den Bürger- • Für besonders wichtige Akte, wie die Gemein-
meister oder Ratsvorsitzenden. desatzung und die Geschäftsordnung des
• In der jeweiligen Geschäftsordnung des Gemeinderates, sind eigene Genehmigungs-
Gemeinderates sind die genauen Bestimmun- verfahren vorgesehen. Diese können nur mit
gen und Fristen für die Einberufung geregelt. einem breiten Konsens genehmigt werden.
Zusammensetzung der Gemeinderäte in Südtirols Gemeinden:
• Ein Fünftel der Gemeinderatsmitglieder kann
auf Verlangen eine Sitzung bewirken.
Öffentlichkeit der Sitzungen
45 * Diese muss innerhalb von 15 Tagen ein­
36 berufen werden. • Die Sitzungen des Gemeinderates und
27 der Ratskommissionen sind grundsätzlich
öffentlich.
18
15 • In der Geschäftsordnung des Gemeinderates
12
kann in Ausnahmefällen der Ausschluss der
Öffentlichkeit vorgesehen werden. Beispiels-
weise bei Personalangelegenheiten oder wenn
> 100.000** 30.001 10.001 3.001 1.001 < 1.000
– – – – Werturteile über Personen in die Tages­
100.000 30.000 10.000 3.000 ordnungspunkte einfließen.

* Anzahl der Mitglieder des Gemeinderates ** Einwohner der Gemeinden

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Aufgaben, Rechte und Pflichten Prinzipien für die • Die Beschlüsse, welche laut Gesetz vom Gemeinderat zu fassen sind,
Beschlussfassung können nicht von anderen Organen der Gemeinde gefasst werden (auch nicht
Wahl des Gemeinde­ • Der Gemeinderat wählt den Gemeindeausschuss „im Block“. im Dringlichkeitswege).
ausschusses • Der Gemeindeausschuss muss als Gesamtheit gewählt werden, es wird nicht • Ausnahmen bilden dabei:
einzeln über die Mitglieder abgestimmt. – Änderungen des Haushaltsvoranschlages durch den Gemeindeausschuss,
welche dem Gemeinderat in den nächsten 60 Tagen zur Ratifizierung
Programmatische • Der Gemeinderat behandelt und genehmigt die programmatische Erklärung
vorzulegen sind.
Erklärung (Regierungsprogramm) des neugewählten Bürgermeisters.
– Ernennungen von Vertretern bei Körperschaften, Betrieben und Einrichtun-
(Regierungs­ • Der Gemeinderat überprüft regelmäßig die Durchführung und Anpassung
gen durch den Bürgermeister, wenn der Gemeinderat untätig bleibt und die
programm) der programmatischen Erklärung.
ihm vom Gesetz zugewiesene Frist ungenützt verstreichen lässt.
Haushalt und • Der Gemeinderat beschließt und genehmigt den vom Gemeindeausschuss
Misstrauensantrag • Der Gemeinderat kann einen begründeten Misstrauensantrag gegen den
­Abschlussrechnung erstellten Haushaltsvoranschlag sowie die Abschlussrechnung.
Bürgermeister und Ausschuss genehmigen, indem die absolute Mehrheit der
• Er beschließt den Mehrjahreshaushaltsplan, das Leitbild und die Planungs­
Ratsmitglieder durch Namensaufruf für einen solchen stimmt.
dokumente.
• Bei Genehmigung des Misstrauensantrages verfallen Bürgermeister und der
Beschlüsse • Der Gemeinderat beschließt unter anderem: Gemeindeausschuss ihres Amtes, der Gemeinderat wird aufgelöst und ein
• die Gemeindesatzung, Kommissär wird ernannt. Es kommt zu Neuwahlen.
• die Satzung der Sonderbetriebe und der Gesellschaften mit Mehrheits­ • Ein Misstrauensantrag muss von mindestens einem Viertel der Ratsmitglieder
beteiligung der Gemeinde, eingebracht werden.
• Verordnungen,
Informations- und • Die Gemeinderatsmitglieder haben Recht auf Akteneinsicht und das Recht
• die Ordnung der Ämter und Dienste,
Mitbestimmungs­ alle verfügbaren Auskünfte und Informationen zu bekommen, die ihnen zur
• die Personalordnung und die Stellenpläne,
recht der Gemeinde­ Ausübung ihres Mandates hilfreich sind.
• die Programme für öffentliche Arbeiten und die entsprechenden
ratsmitglieder • Die Gemeinderatsmitglieder haben das Initiativrecht in jeder dem Rat zur
Finanzierungspläne, die Raumordnungs- und Bauleitpläne, die Fachpläne,
Beschlussfassung unterbreiteten Angelegenheit. Zudem sind sie berechtigt,
• Gutachten zu den Fachplänen des Landes,
Anfragen, Interpellationen, Beschlussanträge und Tagesordnungsanträge
• die Bildung und Änderung von Formen der zwischengemeindlichen
einzubringen.
Zusammenarbeit,
• Anfragen und Anträge der Ratsmitglieder, die im Rahmen ihrer Aufsichts-
• die Errichtung der dezentralen Stellen und Einrichtungen der Bürger­
befugnis eingebracht werden, müssen innerhalb von 30 Tagen beantwortet
beteiligung,
werden. Die Modalitäten der Einreichung und der Beantwortung werden in der
• die allgemeinen Regelungen, Übernahme und Aufgabe der örtlichen öffentli-
Geschäftsordnung des Gemeinderates festgelegt.
chen Dienstleistungen sowie die Wahl der jeweiligen Verwaltungsformen,
• Der Gemeinderat hat das Recht auf jährliche Berichterstattung über die Tä-
• die Einführung und Regelung der gemeindeeigenen Abgaben und Steuern
tigkeiten des Gemeindeausschusses. Die Gemeindesatzung kann auch eine
sowie die Festsetzung der Tarife (Hebesätze),
regelmäßigere Berichterstattung vorsehen.
• den Erwerb und die Veräußerung von Liegenschaften,
• Bei einem Antrag von einem Viertel der Gemeinderatsmitglieder kann der
• Auftrags- und Konzessionsvergaben betreffend Arbeiten,
Gemeinderat, für besonders komplexe oder politisch bedeutende Angelegen­
• die Ernennung, Namhaftmachung und Abberufung der eigenen Vertreter bei
heiten, Fachleute und Experten anhören.
Körperschaften, Betrieben und Einrichtungen, die im Rahmen der Gemeinde
• Die jeweilige Geschäftsordnung des Gemeinderates regelt die konkrete
tätig sind, von dieser abhängen oder deren Aufsicht unterliegen,
Ausübung der Initiativ-, Kontroll- und Mitbeteiligungsrechte der Gemeinde-
• Gegenstände, die vom Ausschuss zum Beschließen vorgelegt werden,
ratsmitglieder.
• Maßnahmen im Verfahren zur Aufnahme des Gemeindesekretärs sowie die
Ernennung desselben und
• Vorprojekte von öffentlichen Arbeiten in den von der Satzung vorgesehenen
Fällen.

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Kontrollfunktion • Der Gemeinderat überwacht die gesamte Verwaltung der Gemeinde. Funktionsweise • Der Gemeinderat verfügt über eine funktionelle und organisatorische
• Als Kontrollorgan wacht der Gemeinderat darüber, dass die Unparteilichkeit, und Ressourcen des Autonomie.
Transparenz, Bürgernähe, Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Korrektheit der Gemeinderates • Mittels Verordnung legt der Gemeinderat selbst die Modalitäten fest, nach
Verwaltung gewährleistet werden. denen ihm Dienstleistungen, Ausrüstungen und finanzielle Mittel zur
• Zudem wacht der Gemeinderat über die Durchführung der programmatischen Verfügung gestellt werden.
Erklärungen. • Die Geschäftsordnung regelt die Gebarung sämtlicher Ressourcen, die
dem Gemeinderat und den Ratsfraktionen zugewiesen werden.
Ratskommissionen • Jede Gemeinde kann über die Satzung für einzelne Sachgebiete eigene ständige
• In Gemeinden über 15.000 Einwohner können eigene Strukturen für die
und Kommissionen Ratskommissionen einführen. Diesen gehören nur Ratsmitglieder an. Deren
Tätigkeit des Gemeinderates vorgesehen werden. Den Ratsfraktionen wird zur
Aufgabe besteht darin, Vorab-Gutachten für die politischen Organe zu erstel-
Abwicklung der eigenen Funktionen auf Antrag - einzeln oder zusammen mit
len.
anderen Ratsfraktionen - ein angemessener Raum zur Verfügung gestellt, der
• Ebenso kann die Satzung für einzelne Angelegenheiten zeitweilige Kommis-
technologisch und mit EDV-Geräten ausgestattet ist.
sionen vorsehen, in die auch nicht dem Gemeinderat angehörende Fachleute
berufen werden können.
• Der Gemeinderat regelt in der Geschäftsordnung, die Zusammensetzung und
Befugnisse der Ratskommissionen und Kommissionen.
• Bei der Zusammensetzung der Ratskommissionen und Kommissionen muss
das Stärkeverhältnis der einzelnen Sprachgruppen gemäß ihrer Vertretung im
Gemeinderat und die Vertretung der politischen Minderheiten gewährleistet
werden.
• In jeder Gemeinde gesetzlich vorgeschrieben ist die Baukommission. Diese ist
jedoch keine Ratskommission und unterliegt einer eigenen Regelung.
Aufgaben einzelner • Die Gemeindesatzung kann vorsehen, dass einzelne Ratsmitglieder mit be-
Gemeinderatsmit­ sonderen Funktionen betraut werden. Beispielsweise als Kontaktperson zur
glieder Bevölkerung (eines Teilgebietes) der Gemeinde, zu Vereinen, Verbänden und
sonstigen Organisationen und Einrichtungen auf Gemeindeebene.
• Einzelne Ratsmitglieder können beauftragt werden, konkrete Programme oder
Projekte zu verfolgen bzw. die Oberaufsicht und Koordinierung zu überneh-
men.

Der Gemeinderat ist das oberstes politisch-administrative


Leitungs- und Kontrollorgan der Gemeinde.

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Gemeindeausschuss

Der Gemeindeausschuss ist das ausführende Organ Amtsperiode Externe Referenten


der Gemeinde. Er besteht aus dem Bürgermeister
als Vorsitzendem und aus den Gemeindereferenten, • 5 Jahre. • Die Gemeindesatzung kann die Wahl oder
deren Anzahl in der Satzung unter Berücksichtigung • 3 unmittelbar aufeinanderfolgende Amtsperi- Ernennung von Nicht-Gemeinderatsmit­
Bürger wählen
gesetzlich festgelegter Grenzen bestimmt wird. oden möglich. gliedern zu Gemeindereferenten vorsehen.
• In jedem Fall muss mindestens die Hälfte
schlägt vor wählt der Ausschussmitglieder dem Gemeinderat
Wahl des Gemeindeausschusses
angehören.
Politik

• Der Bürgermeister hat das Vorschlagsrecht • Externe Referenten müssen die Voraussetzun-
Bürgermeister Gemeindeausschuss Gemeinderat
und der Gemeinderat wählt „im Block“. gen für die Wählbarkeit als Gemeinderatsmit-
glied erfüllen.
• Sie haben das Recht, an den Sitzungen des Ge-
Sprachgruppen im Ausschuss
meinderates ohne Stimmrecht teilzunehmen.
Verwaltung

• Jede Sprachgruppe hat das Recht im Ge- • Sie haben die Pflicht, an den Sitzungen des
meindeausschuss vertreten zu sein, falls sie Gemeinderates teilzunehmen, wenn auf der
mit mindestens zwei Räten im Gemeinderat Tagesordnung Beschlussanträge, Anfragen
Gemeindesekretär Gemeindemitarbeiter vertreten ist. oder Interpellationen stehen, welche die
­ihnen vom Bürgermeister übertragenen
Befugnisse betreffen.
Chancengleichheit

• Im Gemeindeausschuss müssen beide Ge-


Ausschusssitzungen
schlechter vertreten sein. Der Anteil des un-
terrepräsentierten Geschlechts muss mindes- • Die Sitzungen finden in der Regel wöchentlich
tens im Verhältnis zur Stärke im Gemeinderat unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
garantiert werden. • Die Gemeinde könnte in Verordnungsbestim-
• Die Vertretung beider Geschlechter kann laut mungen die eventuelle Anwesenheit von
Gesetz durch die Wahl oder Ernennung einer Außenstehenden an den Sitzungen vorsehen.
Anzahl der Gemeindereferenten in Südtirols Gemeinden: Person gewährleistet werden, welche dem Rat
nicht angehört, auch wenn diese Möglichkeit
in der Gemeindesatzung nicht vorgesehen ist.
7 *
6
5
4
3

> 100.000** 30.001 10.001 3.001 < 3.000


– – –
100.000 30.000 10.000

* Anzahl der Referenten (ohne Bürgermeister) ** Einwohner der Gemeinden

In der Gemeindesatzung kann eine Anzahl an Gemeindereferenten vorgesehen werden,


welche die Höchstgrenze laut Gemeindeordnung um einen Referenten übersteigt. Damit
dadurch der Gemeinde keine Mehrausgabe entsteht, ist die Kürzung der monatlichen
Amtsentschädigung der einzelnen Gemeindereferenten im gleichen Ausmaß vorgesehen.
Die dem Vizebürgermeister zustehende Erhöhung ist von der Kürzung nicht betroffen.

18 19
Aufgaben, Rechte und Pflichten
Der Gemeindeausschuss ist das ausführende Organ der Gemeinde.
Zentrale • Der Gemeindeausschuss ist mit der sogenannten Residualkompetenz aus- Das Kollegialorgan, bestehend aus Bürgermeister und Referenten,
Funktionen & gestattet. Er führt alle Akte aus, die nicht durch Gesetz oder Satzung dem
Aufgaben Gemeinderat, dem Bürgermeister, den Organen der dezentralen Stellen, dem ist entscheidend für die erfolgreiche Führung der Gemeinde.
Gemeindesekretär oder den leitenden Beamten vorbehalten sind.
• Der Gemeindeausschuss arbeitet mit dem Bürgermeister zusammen und übt
seine Tätigkeit aufgrund gemeinsamer Beschlussfassung aus.
• Die Gemeindereferenten geben Richtlinien zur Zielerreichung, aber auch Auf-
träge vor, die von den Verwaltungseinheiten zu befolgen sind.
• Der Ausschuss ist an der strategischen und operativen Planung der Gemeinde
beteiligt. Er wird zur programmatischen Erklärung des Bürgermeisters ange-
hört, deren Genehmigung steht dem Gemeinderat zu.
• Der Gemeindeausschuss erstellt den Entwurf des jährlichen Haushaltsvoran-
schlags, den entsprechenden Begleitbericht und den Entwurf der Abschluss-
rechnung. Ebenso erstellt er den Entwurf des mehrjährigen Haushaltsvoran-
schlags mit den Anlagen und legt diese Planungsdokumente dem Gemeinderat
zur Genehmigung vor.
• Der Ausschuss verabschiedet den Haushaltsvollzugsplan/Arbeitsplan mit dem
die Ziele, Aktivitäten, Ressourcen, Finanzen und Verantwortlichkeiten defi-
niert werden, um die jährlichen Aufgabenziele zu erreichen.
Durchführung der • Der Gemeindeausschuss führt die allgemeinen Anweisungen des Gemeindera-
Beschlüsse des tes aus und legt dem Rat eigene Vorschläge und Anregungen vor. Er ist für die
Gemeinderates und Abwicklung der Projekte und die Umsetzung der Investitionsentscheidungen
Verantwortlichkeit des Rates zuständig.
gegenüber dem Rat • Während der Gemeinderat die generellen Entscheidungen trifft, befasst sich
der Ausschuss in Zusammenarbeit mit der Verwaltung mit den Details der
Durchführung.
• Der Gemeindeausschuss ist dem Gemeinderat gegenüber verantwortlich und
erstattet jährlich Bericht über seine Tätigkeiten.
Personalaufnahme • Während der Gemeinderat die Anzahl der Stellen im Stellenplan festlegt, ent-
scheidet der Gemeindeausschuss über die Personalaufnahmen. Der Gemein-
deausschuss bestellt bzw. beendet alle befristeten und unbefristeten Dienst-,
Arbeits- und Ausbildungsverhältnisse.
Dringlichkeits­ • Bei großer Dringlichkeit kann der Gemeindeausschuss Beschlüsse zur Än-
beschlüsse derung des Haushaltsvoranschlages der Gemeinde fassen. Diese müssen
innerhalb 60 Tagen dem Gemeinderat zur nachträglichen Genehmigung
­(Ratifizierung) vorgelegt werden, ansonsten verfallen sie.

20 21
Gemeindeverwaltung

Gemeindesekretär Dienstverhältnis Aufgaben, Rechte und Pflichten

Der Gemeindesekretär stellt das wichtige Bindeglied • Bediensteter der Gemeinde.


zwischen Politik (politische Organe) und Verwal- • Zeitlich unbefristet. Stellung und • Der Gemeindesekretär untersteht funktionsmäßig (also hinsichtlich seiner Tä-
tung (Gemeindebedienstete) dar. Er ist der Garant für Entscheidungs­ tigkeiten und Aufgaben) dem Bürgermeister, ist der Vorgesetzte des Personals
Legalität und Unparteilichkeit und für die Verwal- Auswahlverfahren kompetenzen und hat gesetzlich selbstständige Entscheidungskompetenzen.
tungsführung verantwortlich. Der Gemeindese- Verantwortlichkeit • Der Gemeindesekretär ist verantwortlich für die Gesetzmäßigkeit und Trans-
kretär ist der ranghöchste Beamte und die oberste • Erfolgt durch öffentlichen Wettbewerb.
parenz des Verwaltungshandelns der Gemeindeorgane.
Führungskraft der Gemeinde. In Gemeinden ohne • Je nach Gemeindegröße gibt es vier verschie-
• Es gilt die Führungshaftung des Gemeindesekretärs für die Erreichung der von
leitende Beamte (mit weniger als 10.000 Einwohnern) dene Klassen.
den Gemeindeorganen festgelegten Ziele.
übernimmt der Gemeindesekretär auch die Aufgaben • Es existieren unterschiedliche Auswahlkri-
terien mit genauen gesetzlichen Regelungen, Aufgaben als Garant • Funktion des Notars: Der Gemeindesekretär verfasst Verträge und Akte
der leitenden Führungskräfte.
wer für welche Klasse qualifiziert ist (z.B. für Legalität und (= öffentliche Urkunden) und haftet persönlich für den Inhalt.
vorgeschriebene Anzahl an Dienstjahren). Unparteilichkeit • Vorbereitung der Beschlüsse: Er ist verantwortlich für die Vorbereitung der
• Eine Bewertungskommission beurteilt nach Beschlüsse und für Rechtsakte, welche zur Durchführung von Beschlüssen
gesetzlich festgelegten Kriterien. Der Be- notwendig sind und veranlasst deren Veröffentlichung.
werber mit der besten Beurteilung erhält die • Teilnahme an den Sitzungen des Gemeinderates und Ausschusses mit Erstel-
Stelle. lung des Sitzungsprotokolls. Die Unterschrift macht die Beschlüsse formell
Bürger wählen
rechtlich gültig.
• Führung des Repertoriums: Er führt das Verzeichnis (Repertorium) sowie die
Vizegemeindesekretär
schlägt vor wählt Akten- und Vertragssammlung in chronologischer Reihenfolge.
• Gemeinden mit mehr als 2.000 Einwohnern
Politik

Führungsaufgaben • Beaufsichtigung der Gemeindeämter: Der Gemeindesekretär sorgt für einen


können einen Vizegemeindesekretär vorse-
geregelten Ablauf in der Gemeinde.
Bürgermeister Gemeindeausschuss Gemeinderat
hen.
• In Gemeinden mit leitenden Beamten (Gemeinden mit mehr als 10.000 Ein-
wohnern) überwacht er die Ausübung der Befugnisse der leitenden Beamten
Ausbildung und koordiniert deren Tätigkeit. Er ist der Vorgesetzte des Personals und koor-
diniert die Ämter und Dienste und ist für die Organisation und Führung der
Verwaltung

• Voraussetzung für die Teilnahme am Wettbe-


Gemeindebediensteten verantwortlich.
werb und Eintragung ins Berufsverzeichnis
• In Gemeinden ohne leitende Beamte ist der Gemeindesekretär der einzige
sind ein Universitätsstudium und ein Befähi-
leitende Beamte, der die Ämter und Dienste leitet und der für die Organisation
Gemeindesekretär Gemeindemitarbeiter gungslehrgang.
und Führung der Gemeindebediensteten verantwortlich ist.
• Die Führungsaufgaben führt er unter Beachtung der Richtlinien des Bürger-
meisters aus, dem er funktionsmäßig untersteht.
• Dabei entscheidet er beispielsweise über die laufenden Geschäfte, über Ar-
beitsverteilung und Personalmaßnahmen. Bei der Personalauswahl wird der
Gemeindesekretär mit dem Wettbewerbsprozedere beauftragt.
• Er trifft alle Entscheidungen über das Personal in Eigenverantwortung und
kann bei Bedarf Disziplinarstrafen verhängen. Der Bürgermeister hat aus-
schließlich die politische Verantwortung über das Personal.

22 23
Ausführende • Der Gemeindesekretär führt die Maßnahmen aus. Leitende Beamte Ausbildung
­Aufgaben • Er übt jede Obliegenheit aus, die ihm durch Gesetz, Satzung und Verordnung
zugewiesen wird und erledigt die Aufgaben, die ihm vom Bürgermeister über- Gemeinden mit über 10.000 Einwohnern können • Universitätsstudium wird in der Regel
tragen werden. leitende Beamte zur Führung von Organisationsein- ­verlangt.
heiten einsetzen.
Haftung • Der Gemeindesekretär haftet, so wie alle leitenden Führungskräfte und poli-
tischen Organe, zivilrechtlich, strafrechtlich und vermögensrechtlich für die Bewertung der Führungskräfte
Ausübung seiner Tätigkeiten. Deshalb schließen die Gemeindesekretäre (z.B. • Gesetzlich vorgeschrieben und im
über den Verband der Gemeindesekretäre) Versicherungen ab, deren Kosten die Dienstverhältnis
­Kollektivvertrag geregelt.
Gemeinde trägt. • Befristet auf 5 Jahre. • Erfolgt durch den jeweiligen Vorgesetzen.

Auswahlverfahren Verantwortlichkeit

• Durch öffentlichen Wettbewerb. • Führungskräfte sind für ihre Tätigkeiten und


• Die Leitung kann mit Begründung jederzeit für die Erreichung der von den Organen der
widerrufen werden (z.B. wegen Untätigkeit, Gemeinde festgelegten Ziele verantwortlich.
Unfähigkeit, nicht erreichter Ziele oder grober
Fahrlässigkeit).
Aufgaben
• Wird der Leitungsauftrag nicht verlängert,
reiht sich die Führungskraft wieder als „nor- • Verwaltungsmäßige, finanzielle und tech-
maler“ Bediensteter in die Reihe der Gemein- nische Führung der Organisationseinheiten
debediensteten ein. und Dienste.
• Somit entscheiden die politischen Organe • Erlass von Rechtsakten und Verwaltungs-
ob bzw. in welchem Ausmaß und in welcher maßnahmen, die die Verwaltung gegenüber
Form, Befugnisse den leitenden Beamten Außenstehenden binden.
übertragen werden. • Ausarbeitung der Beschlüsse und Abschluss
• Der Gemeindeausschuss legt die Kompetenz- von Verträgen.
bereiche der leitenden Beamten mit eigenen • Erfüllung der Aufgaben, die ihnen durch
Beschlüssen fest und hat somit eine Ermes- Gesetz, Satzung oder Verordnung auferlegt
sensfreiheit in der Wahl der Zuordnung der oder von den politisch zuständigen Organen
Verwaltungsfunktionen. zugeteilt werden.
• Vorsitz in Kommissionen (z.B. für Auftrags-
und Stellenausschreibungen).
Sprachenproporz
• Sonstige Aufgaben sind beispielsweise Maß-
• Bei der Bestellung der leitenden Beamten nahmen im Rahmen der Finanzgebarung,
muss laut Regionalgesetz der Sprachenpro- Handlungen zur Verwaltung und Führung
porz berücksichtigt werden. des Personals, sowie öffentliche Arbeiten.

24 25
Planungs- und
Managementinstrumente

Ämter und Personal Für die Gemeinden in Südtirol sind einige Planungs-
und Managementinstrumente vorgesehen:
Die Gemeinden regeln durch eigene Verordnungen Die wichtigsten Regelungen sind:
(im Einklang mit der Satzung und der regionalen • Die programmatische Erklärung
Gemeindeordnung) die Planstellen des Personals Dienstverhältnis (Regierungsprogramm) des Bürgermeisters.
und den Aufbau der Ämter und Dienste. Gemeinden
dürfen nur bis zu einem bestimmten Verhältnis von • Privatrechtliche Dienstverträge. • Der Mehrjahreshaushalt.
Bediensteten zu Einwohnern eine Erhöhungen der
geltenden Stellenpläne vornehmen (Ausnahmen Auswahl des Personals • Der Haushaltsvoranschlag.
bei objektiv nachgewiesenen Erfordernissen sind
möglich): • Erfolgt durch den Gemeindeausschuss nach • Der Begleitbericht zum Haushaltsvoranschlag.
Abwicklung eines öffentlichen Wettbewerbs.

Höchstgrenze der Anzahl an


• Der Haushaltsvollzugsplan
Bediensteten nach Gemeindegröße Anzahl der Bediensteten (PEG – piano esecutivo di gestione; verpflichtend
für Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohner).
Höchstanzahl der • Jede Gemeinde regelt selbstständig die Art
Einwohner der Gemeinden
Bediensteten
und Anzahl der Bediensteten.
1 Bediensteter auf
bis 5.000
150 Einwohner
Vorgesetzter des Personals
1 Bediensteter auf
5.001 – 65.000
130 Einwohner • Gemeindesekretär.
1 Bediensteter auf
mehr als 65.000
120 Einwohner
Zielvereinbarungen

• Gesetzlich vorgeschrieben.

Einteilung der Gemeindebediensteten nach


Ausbildung / Funktionsebene

• Die Gemeindebediensteten werden nach Aus-


bildung (z.B. Schul- oder Studienabschluss)
und Tätigkeiten in neun Funktionsebenen
eingeteilt.

26 27
Programmatische Erklärung des Mehrjahreshaushalt
Gemeinderat Bürgermeisters Der Mehrjahreshaushalt ist für die Programmierung
Zu Beginn der fünfjährigen Amtsperiode legt der der Haushaltswirtschaft der Gemeinde wesentlich.
Programmatische Erklärung Bürgermeister dem Gemeinderat die programmati- Er ist ein Instrument zur mittelfristigen Finanz-
Leitlinien, Initiativen, Projekte
5 Jahre (Amtsperiode)
sche Erklärung zur Behandlung und Genehmigung planung, das die finanziellen Mittel für jedes der
vor. Dies muss nach Anhören des Gemeindeaus- betreffenden Jahre beinhaltet. Der Zeitraum darf
Mehrjahreshaushalt Jährlicher Haushalts­ schusses innerhalb einer bestimmten Frist erfolgen, nicht kürzer als drei und nicht länger als fünf Jahre
——3 bis 5 Jahre voranschlag (HHV) welche in der Gemeindesatzung festgelegt ist. In (Dauer der Amtszeit) sein. Der Mehrjahreshaus-
——Jährliche Aktualisierung ——Voraussichtliche
——1.Jahr = Haushaltsvoranschlag Einnahmen und Ausgaben
der programmatischen Erklärung sind die im Laufe haltsplan muss jährlich aktualisiert werden. Dies ist
——Gliederung entspricht dem ——Erstellt vom Gemeinde‑ des Mandats zu erreichende Ziele, Initiativen und auch während des Haushaltsjahres möglich. Er hat
jährlichen HHV ausschuss Projekte enthalten. Ermächtigungscharakter, das heißt auf mehrjähri-
——Bezugnahme auf ——Genehmigung durch
Die Satzung bestimmt, wie der Gemeinderat an der ge Ausgabeverpflichtungen darf nur eingegangen
erstellt

Programmatische Erklärung Gemeinderat

genehmigt
Strategische Ziele Anpassung und regelmäßigen Überprüfung der pro- werden, wenn im Mehrjahreshaushalt der entspre-
Begleitbericht zum HHV Abschlussrechnung grammatischen Erklärung teilnimmt. Meist erfolgt chende Ausgabenvoranschlag mit der erforderlichen
——Allgemeinen und nicht ——Haushalts-, Erfolgs- und dies im Zusammenhang mit der Genehmigung des Verfügbarkeit vorgesehen ist. Auf dem Mehrjahres-
bindenden Charakter Vermögensrechnung
Haushaltsvoranschlages und des Rechnungsab- haushalt aufbauend, werden die Haushaltsvoran-
——Strukturinformationen ——Begleitbericht
——Analyse der Einnahmen schlusses. schläge der einzelnen Jahre erstellt.
——Programme, Projekte
(Ausgaben)
——Stand Durchführung
Programme
——Konsolidierung der
öffentlichen Konten

Bürgermeister und
Gemeindeausschuss
Politik

Haushaltsvollzugsplan PEG
——Analytischer Haushaltsplan, wird vom Ausschuss genehmigt
——Zuständigkeit beim Ausschuss
Operative Ziele
Verwaltung

——Ziele, Ressourcen und Verantwortung


——Verpflichtend in Gemeinden über 10.000 Einwohner
——Unter 10.000 Einwohner: operativer Plan

Administratives Ausführungssystem
Gemeindesekretär Individualziele,
Leiter Dienststelle Mitarbeiterziele
Mitarbeiter

28 29
Haushaltsvoranschlag Begleitbericht zum Haushaltsvollzugsplan (PEG)
Alle voraussichtlichen Einnahmen und Ausgaben Haushaltsvoranschlag Der Haushaltsvollzugsplan (PEG: piano esecuti- – Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohner
für das Haushaltsjahr sind im Haushaltsvoranschlag Der Begleitbericht macht den Haushaltsvoranschlag vo di gestione) dient einer klaren Arbeitsteilung Die Erstellung und Führung des Haushaltvollzugs-
anzugeben. Er kann als eine Art Finanzierungsplan und den verbundenen Mehrjahreshaushaltsplan les- von Politik (politischen Organen) und Verwaltung planes ist für Gemeinden mit mehr als 10.000 Ein-
gesehen werden, der erstellt werden muss, um die bar und transparent. Der Gemeindeausschuss erstellt (Gemeindebedienstete). Das ausführende Organ wohnern verpflichtend. Er muss durch Beschluss
Ausgaben der Gemeinde tätigen zu können. Das den Bericht und kann wichtige Aspekte der Finanz- (Gemeindeausschuss) verabschiedet ihn vor Beginn des Gemeindeausschusses genehmigt werden und
ausführende politische Organ (Gemeindeausschuss) wirtschaft der Gemeinde beleuchten. Der Begleit- des Haushaltsjahres auf Grundlage des Haushalts- gilt damit als offizielles Dokument. Entsprechende
erstellt den Haushaltsvoranschlag und legt ihn dem bericht gibt auch Aufschluss über die Bevölkerung voranschlages. Der Haushaltsvollzugsplan definiert Änderungen können während des Jahres mittels
beschlussfassenden Organ (Gemeinderat) zur Geneh- und das Gemeindegebiet, sowie über die Wirtschaft die erforderlichen Aktivitäten, Ressourcen, Finanzen Beschluss des Gemeindeausschusses durchgeführt
migung vor. Der Haushalt ist somit ein Leitungs- und die Dienstleistungen der Gemeinde. Zudem wird und Verantwortlichkeiten, um die jährlichen Aufga- werden.
und Kontrollinstrument des Gemeinderates gegen- über den Personaleinsatz und den Einsatz der techni- benziele zu erreichen. Der Gemeindeausschuss als
über dem Gemeindeausschuss. Die Bestimmung der schen Mittel berichtet. Hinsichtlich der Einnahmen politisches Organ legt die Ziele fest, trifft Entschei-
Einnahmen und Ausgaben für den Haushaltsvoran- wird eine Beurteilung der finanziellen Mittel und dungen über die Verteilung der finanziellen Mittel – Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohner
schlag zeigt auch die politische Willensbildung auf. deren Herkunft gegeben. Bei den Ausgaben wird der und kontrolliert deren Einhaltung. So werden die Für die Gemeinden mit weniger als 10.000 Ein-
Grundlage dafür ist die programmatische Erklärung Bericht nach Programmen und eventuellen Projek- Programmierung und Planung für die Gemeinde ent- wohnern ist die Erstellung und Führung eines
des Bürgermeisters. Der Haushaltsvoranschlag ten erstellt. Aufgezeigt werden die haushaltsbezoge- scheidend. Dem Gemeindesekretär und den Verant- Haushaltsvollzugsplans freiwillig. Falls kein
besitzt als Grundlage der Verwaltungstätigkeit eine nen Ziele und Ziele bezüglich Wirkung, Leistungsfä- wortlichen der Dienste werden zusammen mit den Haushaltsvollzugsplan erstellt wird, erlässt der
„administrative Lenkungsfunktion“, da die einzel- higkeit und Wirtschaftlichkeit der Dienstleistungen. Zielvorgaben die notwendigen Mittel zur Umsetzung Gemeindeausschuss programmatische Richtlinien
nen Dienststellen, Aufgaben und die dazu notwendi- des Haushaltsvoranschlages übertragen. zur Durchführung des Haushaltsvoranschlags und
gen Einnahmen zugeteilt bekommen. Dem Haus- des entsprechenden Berichts. Die Gemeinde ist ver-
haltsvoranschlag müssen im Sinne der Transparenz pflichtet, den Vollzug des Haushaltsvoranschlags
und Öffentlichkeit einige Anlagen beigelegt werden. zu dokumentieren. Es macht Sinn, dass kleinere
Dazu zählen ein Begleitbericht und der Mehrjahres- Gemeinden einen Arbeitsplan (operativen Plan)
haushalt. erstellen, der im Gegensatz zum Haushaltsvoran-
schlag kein offizielles Dokument darstellt.

30 31
Rechtliche Rahmenbedingungen

Autonomie und Befugnisse der Gemeinden Zentralstaatliche Rechtsnormen Übertragene Aufgaben des Staates an die Landesgesetze
Die Gemeinde ist eine lokale autonome Körper- Die italienische Verfassung enthält verschiedene Gemeinden Das Land Südtirol hat die Gesetzgebungs- und Ver-
schaft. Sie vertritt die örtliche Gemeinschaft, Bestimmungen, welche die Gemeinden betreffen. Neben der Realisierung gemeindeeigener Aufgaben waltungszuständigkeit für eine Vielzahl von Sach-
nimmt deren Interessen wahr und fördert ihre Am bedeutsamsten sind: verwaltet die Gemeinde auch Dienste, die in die gebieten, welche im Autonomiestatut (Art. 8 und 9)
Entwicklung. Die Gemeinde hat nach itali- staatliche Zuständigkeit fallen. Dabei wird der Bür- aufgezählt sind. Das Land kann einige seiner Aufga-
enischer Verfassung Satzungs-, Ordnungs-, • Der Art. 114, demzufolge Gemeinden, Provinzen, germeister zum Amtswalter der Regierung und ist ben und Verwaltungsbefugnisse an die Gemeinden
­Organisations- und Verwaltungsbefugnis. Großstädte mit besonderem Status, Regionen für die Ausführung dieser vom Staat übertragenen übertragen.
Zudem besitzt sie Finanzhoheit. Ihr obliegen und Staat die Republik bilden und der die Ge- Aufgaben verantwortlich. Dies sind beispielsweise
sämtliche Verwaltungsfunktionen örtlichen meinden als autonome Körperschaften anführt. die sogenannten demografischen Dienste.
Belanges in Bezug auf kulturelle, soziale und • Der Art. 116, in dem die Sonderautonomie der Verordnungsgewalt der Gemeinden
wirtschaftliche Entwicklung der Bevölkerung, Region Trentino-Südtirol fixiert ist. Im Art. 117 der Italienischen Verfassung ist geregelt,
sofern dies nicht ausdrücklich anderen Rechts- Regionale Gesetze dass die Gemeinden Verordnungsgewalt in Bezug
subjekten übertragen ist. Zudem wird auf zentralstaatlicher Ebene die Ord- In der Region Trentino-Südtirol ist der Regionalrat auf die Regelung des Aufbaus und der Ausübung der
nung der italienischen Gemeinden durch das geset- gesetzgeberisch zuständig für: ihnen übertragenden Funktionen besitzen. Auch in
zesvertretende Dekret Nr. 267/2000 geregelt. der Gemeindeordnung ist die Verordnungsgewalt der
Dieser Einheitstext der Gesetze über die Ordnung der • die Gemeindeordnung (sie regelt Aufbau und Gemeinden geregelt. Demnach erlässt die Gemein-
Lokalkörperschaften (testo unico) gilt nicht für die Tätigkeit der Gemeinde); de unter Beachtung der Gesetze und der Satzung,
Region Trentino-Südtirol, da sie durch die italieni- • die Gemeindewahlordnung (sie regelt das Verordnungen auf den in ihre Zuständigkeit fallende
sche Verfassung und durch das Autonomiestatut Wahlverfahren für die Bestellung der Gemein- Bereiche. Im Besonderen über den Aufbau und die
über besondere Formen und Arten der Autonomie deorgane); Tätigkeit der Einrichtungen, der Mitbestimmungs-
verfügt. • das Haushaltsrecht und die Ordnung des kom- gremien, der Organe, Ämter, Gemeindebetriebe und
munalen Rechnungswesens; abhängigen Körperschaften und über die Ausübung
• das Dienstrecht für das Gemeindepersonal. der Befugnisse.

Gemeindeordnung und Gemeindewahlordnung sind


in den Regionalgesetzen Nr. 1/1993 und Nr. 3/1994
enthalten, an denen im Laufe der Zeit verschiedene
Änderungen vorgenommen worden sind. So ge-
schehen im Jahr 2004 mit Regionalgesetz Nr. 7 und
zuletzt 2013 mit den Regionalgesetzen Nr. 1 und Nr.
3. Um diese Texte in eine übersichtliche Form zu
bringen, hat der Präsident der Regionalregierung
entsprechende Einheitstexte verfasst.

32 33
Gemeindesatzung

Kontrollen durch den Rechnungshof Aufsicht und Kontrolle innerhalb der Gemeinde Die Gemeindesatzung, das sogenannte Gemeinde­ • Anzahl der Mitglieder des Gemeinde­
Laut Rechtsordnung kommen dem Rechnungshof, Das Gesetz sieht die Kontrolle durch Rechnungs­ statut, hat in Südtirol eine zentrale Bedeutung für ausschusses;
der eine staatliche Einrichtung ist und der Gemein- prüfer vor. Darüber hinaus sind die Gemeinden die Gemeindeautonomie. Jede Gemeinde erstellt ihre • Ordnung der Ämter und der öffentlichen
deaufsicht des Landes bestimmte Kontrollfunktio- ­angehalten, in ihren Satzungen weitere Formen eigene Satzung unter Einhaltung der gesetzlichen Dienste;
nen zu. Der Rechnungshof hat auch Aufgaben der von internen Kontrollen vorzusehen. Bestimmungen. Sie bestimmt, wie die Gemeinde • Formen der Bürgerbeteiligung,
Rechtsprechung. Seiner Rechtsprechung unterliegen verwaltet wird und wie die Demokratie vor Ort der Dezentralisierung sowie des Zugangs
öffentliche Verwalter und Bedienstete im Falle von funktionieren soll. Die Gemeindesatzung regelt die der Bürger zu den Informationen und zu
Schäden, welche einer öffentlichen Verwaltung zuge- grundlegende Tätigkeit und den Aufbau der Gemein- den ­Verwaltungsverfahren;
fügt werden und auf vorsätzliche oder grob fahrläs- de. • Formen der Zusammenarbeit unter den
sige Handlungen oder Unterlassungen der Verwalter Gemeinden;
bzw. Bediensteten zurückzuführen sind. Genehmigung der Satzung • Besondere Bestimmungen zum Schutz der
Sprachgruppen;
• Zweidrittel-Mehrheit der Gemeinderats­ • Festsetzung des Mindestbetrages der Vorprojek-
Gemeindeaufsicht der Landesregierung mitglieder. te von öffentlichen Arbeiten, die vom Gemeinde-
Die Aufsichtskontrolle des Landes spielt seit der Ver- • Falls diese Mehrheit nicht erreicht wird, rat zu genehmigen sind;
fassungsreform Nr. 3 vom Jahr 2001 für die Gemein- muss in zwei aufeinanderfolgenden Sitzun- • Festlegung der Verwaltungsform unter Einhal-
den eine untergeordnete Rolle. Aufrecht geblieben gen, die in den nächsten 30 Tagen stattfinden tung des Grundsatzes der Trennung zwischen
hingegen ist die Befugnis des Landes zur gesetzlich müssen, die absolute Mehrheit der Gemeinde- den Aufgaben der politischen Leitung und den
begründeten Suspendierung und Auflösung der Ge- ratsmitglieder die Satzung genehmigen. Aufgaben der Leitung der Verwaltung;
meindeorgane: Falls die Gemeinde nicht in der Lage • Frist, innerhalb der der Bürgermeister nach
ist, ihre Tätigkeit auszuüben, steht der Landesregie- Veröffentlichung Anhören des Gemeindeausschusses dem
rung die Ernennung eines Kommissärs zu. Zu den ­Gemeinderat die programmatische Erklärung
verbleibenden Aufgaben des Aufsichtsamtes in den • Amtsblatt der Region. vorlegen muss;
Gemeinden und Bezirksgemeinschaften zählen u.a. • Festlegung der entsprechenden Verfahren im
folgende Tätigkeiten: In Kraft treten der Satzung Falle des Amtsverlustes eines Ratsmitglieds
(z.B. wegen nicht erfolgter Teilnahme an den
• Beistands- und Beratungstätigkeit: Beratung • Am dreißigsten Tage nach ihrer Veröffent­ Gemeinderatssitzungen);
über Sachthemen für politische Organe, Gemein- lichung auf der Amtstafel der Gemeinde. • Festlegung der Formen für den Schutz und die
desekretäre und Bedienstete, Erstellung von Beteiligung der Minderheiten;
Rechtsgutachten, Behandlung von Beschwer- • Vorsehung von internen Kontrollsystemen, um
den, usw. In der Gemeindesatzung wird u.a. Leistungsfähigkeit, Effektivität und Effizienz der
• Untersuchungen: Es wird geprüft, ob die Ge- Verwaltungstätigkeit zu gewährleisten;
meinde in bestimmten Fällen gegen die Gesetz- Folgendes geregelt: • Formen der Beteiligung minderjähriger Jugend­
mäßigkeit verstoßen hat. licher;
• Kontrolle über die politischen Organe: Prü- • Bestimmungen über den Aufbau der Gemeinde; • Formen der Beteiligung von Personen über 65;
fung von Vorkommnissen oder Gesetzesbrü- • Regelung der Zuständigkeitsbereiche • Ergänzung der Funktionen, die dem Bürger-
chen, die zur vorzeitigen Auflösung des Gemein- der Organe; meister durch Staatsgesetze und Verordnungen
derates führen (z.B. Rücktritt des Bürgermeisters • Allgemeine Grundsätze für ein Funktionieren übertragen sind;
oder nicht rechtzeitige Wahl des Ausschusses des Gemeinderates; • Aufbau und Zuständigkeit der Stadt- und
innerhalb 30 Tagen). • Initiativ-, Kontroll- und Mitbeteiligungsrechte ­Ortsviertelräte.
der Ratsmitglieder und Ratsfraktionen;

34 35
Finanzierung Aufgaben der Aufgaben Gemeinden­
der Gemeinden Gemeinden der Bezirks­ verband
gemeinschaften

Die gesetzgeberische Zuständigkeit für die Gemein- Die Südtiroler Gemeinden erbringen für ihre Bürger Die Bezirksgemeinschaften sind Körperschaften des Der Südtiroler Gemeindenverband ist die Interes-
denfinanzierung liegt beim Südtiroler Landtag. Die eine Vielzahl von Dienstleistungen. Die wichtigsten öffentlichen Rechts. Ihr Ziel ist es, die kulturelle, so- sensvertretung der Gemeinden und Bezirksgemein-
Gemeinden in Südtirol beziehen ihre finanziellen Aufgaben sind: ziale, wirtschaftliche und ökologische Entwicklung schaften Südtirols und vertritt diese bei anderen
Mittel aus: im jeweiligen Bezirk zu fördern. Das Land und die Körperschaften (z. B. Region, Staat). Bei den Kollek-
• Organisation der Gemeinde, wirtschaftliche und Gemeinden können den Bezirksgemeinschaften Auf- tivvertragsverhandlungen vertritt er die Arbeitge-
• Eigenen Einnahmen: Hauptsächlich sind dies finanzielle Verwaltung und Gebarungskontrolle, gaben „übergemeindlichen Charakters“ übertragen. berseite, also die Gemeinden und Bezirksgemein-
Einnahmen aus Gemeindesteuern (v.a. die • Organisation der örtlichen lokalen Dienste, Werden Aufgaben und Befugnisse an eine Bezirks- schaften. Der Gemeindenverband erbringt für seine
Gemeindeimmobiliensteuer GIS) und Gebühren • urbanistische Planung des Gemeindegebietes, gemeinschaft übertragen, müssen ihr die nötigen Mitglieder zudem folgende Dienstleistungen:
(z.B. Müllgebühren, Kindergartengebühren, Genehmigung und Kontrolle der Bautätigkeit, Finanzmittel bereitgestellt werden. Beispielsweise
usw.). Beteiligung an der übergemeindlichen Planung, wurden sämtliche Aufgaben im Bereich der Sozial- • EDV-Dienstleistungen für Netz-, Hardware- und
• Zuweisungen des Landes gemäß Landesgesetz, • Baulandbeschaffung und Zuweisung von dienste übertragen, wie die finanzielle Sozialhilfe, Softwarelösungen, sowie zentrale Datenhal-
welches folgende Fonds vorsieht: ­gefördertem Baugrund, Hauspflegedienste, Errichtung und Führung von tungsdienste.
– ordentlicher Fonds, • Bau und Instandhaltung der Verkehrsflächen im Tagesstätten. Auch im Umweltbereich nehmen die • Rechtsberatung.
– Investitionsfonds, Gemeindegebiet, Bezirksgemeinschaften im Fall der Übertragung der • Lohnbuchhaltung: die Gemeinden können ihre
– Fonds zur Amortisierung der Darlehen, • Parkanlagen und Dienste für den Schutz der entsprechenden Zuständigkeit von den Gemeinden Lohnbuchhaltung über den Gemeindenverband
– Ausgleichsfonds. Grünflächen, sonstige Dienste betreffend Raum- verschiedene Aufgaben wahr. Die laufenden Ausga- abwickeln.
ordnung und Umwelt, ben der Bezirksgemeinschaften werden durch Mittel • Verwaltungsschule: sie organisiert Aus- und
Die Ausstattung der Fonds und ihre Aufteilung auf • Kindergarten- und Schulbau, soweit nicht das des ordentlichen Fonds gedeckt. Weiterbildungsveranstaltungen für die Organe
die einzelnen Gemeinden werden jährlich zwischen Land zuständig ist, sowie Beteiligung an den und Bediensteten der Verwaltung.
dem Landeshauptmann und einer Vertretung der Betriebsspesen,
Gemeinden vereinbart. Dabei werden die gesamten • Mitfinanzierung Kindertagesstätten und Der Südtiroler Gemeindenverband ist als Genos-
Einkünfte sowie die Gebühren- und Steuerpolitik der Tarifergänzung für Altersheimgäste, senschaft organisiert. Die Bürgermeister aller 116
Gemeinden berücksichtigt, die nach dem gesetzlich • Bau, Führung und Instandhaltung der Sport­ Südtiroler Gemeinden und die Präsidenten der sieben
festgelegten Minimalsatz oder nach dem gesetzlich anlagen, Bezirksgemeinschaften bilden die Vollversammlung
festgelegten Maß berechnet werden. Die Funktionen • Zivilschutzplanung und –aufgaben im Notfall, des Gemeindenverbandes. Die Vollversammlung
der Vertretung der Gemeinden werden vom Rat der • Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, wählt den Verwaltungsrat und den Aufsichtsrat
Gemeinden wahrgenommen. • Müllentsorgung, und beschließt über alle in der Satzung vorgesehe-
• Führung der demografischen und statistischen nen ­Gegenstände. Zudem erbringt der Gemeinden-
Dienste. verband dem Rat der Gemeinden, im Auftrag des
Südtiroler Landtages, Verwaltungs- und Rechts­
Die Aufgaben finden ihren Niederschlag im Haus- beratungsdienste bzw. stellt hierfür Personalres-
haltsvoranschlag, in welchem die Ausgabetitel in sourcen bereit.
Aufgabenbereiche unterteilt und diese in Dienste
gegliedert werden.

36 37
Rat der Modernes
Gemeinden Gemeindemanagement

Der Rat der Gemeinden ist ein Beratungsorgan zwi- Gemeinden müssen sich den zahlreichen Herausfor- Eine erfolgreiche Gemeindeführung schafft es,
schen den Gemeinden und dem Südtiroler Landtag derungen vor Ort stellen. Die Bürger erwarten sich folgende Anforderungen zu erfüllen:
bzw. der Südtiroler Landesregierung. Er besteht immer bessere Leistungen und das bei knapperen
aus 17 Mitgliedern, die von der Versammlung der finanziellen Mitteln. Die Themen der Gemeinden
Gemeindemanagement
Bürgermeister der Gemeinden gewählt werden. reichen beispielsweise von der lokalen Infrastruktur
Die Hauptaufgabe des Rates der Gemeinden besteht über die Schulausspeisungen und Kinderkrippen bis
in der Begutachtung der Entwürfe von Gesetzen hin zu den Bereichen Sport, Kultur und Soziales. Eine Zufriedene Bürger

und Verordnungen, welche für die Gemeinden von leistungsfähige und moderne Verwaltung ist wichtig
Interesse sind, bevor sie vom Landtag bzw. von der für die Standortattraktivität der Gemeinden. Funk-
Gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen
Landesregierung verabschiedet werden. Außerdem tioniert die Verwaltung gut, erhöht dies auch die Politik und Verwaltung
schließt er mit dem Landeshauptmann die Verein­ Lebensqualität der Bürger.
barungen über die Gemeindenfinanzierung ab.
Motivierte Mitarbeiter

Die Gemeinde muss zum


„bürgerorientierten Dienstleis­ Kostengünstige und wirksame Leistungen
tungsunternehmen“ werden. Damit
dies gelingt, müssen Politik und Ver-
Management über Ziele und Ergebnisse
waltung managementorientierter
denken und handeln.

38 39
Zufriedene Bürger Gemeindemanagement
Gut funktionierende Zusammenarbeit Gemeindemanagement
zwischen Politik und Verwaltung
Bürger- bzw. Kundenorientierung führt zu Kun-
Zufriedene Bürger Zufriedene Bürger
denzufriedenheit. Gemeinden erreichen dies durch:
Politik (Gemeindeausschuss) und Verwaltung (Ge-
Gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen
meindebedienstete) müssen gut zusammenarbeiten. Gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen
Politik und Verwaltung Eine klare Verteilung der Aufgaben und Kompeten- Politik und Verwaltung
zen ist aus Managementsicht sinnvoll und hilft bei
der Abgrenzung der Zuständigkeiten und Verantwor-
Motivierte Mitarbeiter Motivierte Mitarbeiter
tung.

Kostengünstige und wirksame Leistungen Kostengünstige und wirksame Leistungen

Management über Ziele und Ergebnisse Management über Ziele und Ergebnisse

Bürgeraktivierung und Die örtliche Demokratie wird bereichert durch:


Bürgerbeteiligung • Einbeziehung junger Menschen (z.B. Jugendbeirat, Kindergemeinderat),
• Bürgerbeteiligung (z.B. Volksbefragungen, öffentliche Debatten,
Fokusgruppen, Bürgerversammlungen),
• Innovative Instrumente wie etwa den Bürgerhaushalt (Bürger beraten
oder entscheiden über einen bestimmen Teil der Haushaltsmittel).
Verbesserte • E-Government (z.B. Online-Bürgerschalter).
Zugänglichkeit • Flexible und abgestimmte Öffnungszeiten von Ämtern,
Schulen, Geschäften usw. („Zeitpolitik“).
Stärkere • Was erwarten sich die Bürger?
Bedürfnisorientierung
Transparente • Offenheit und Transparenz des Verwaltungshandelns
Entscheidungen, (z.B. Online-Verfügbarkeit der Protokolle und Entscheidungen).
Haushalte und Kosten • Die Gemeinde erstellt einen „Leistungskatalog“ und listet auf,
welche Leistungen zu welchen Kosten und in welcher Qualität
erbracht werden.
• Vergleiche zwischen den Diensten in der Gemeinde und mit
anderen Gemeinden.

40 41
Motivierte Mitarbeiter Gemeindemanagement
Kostengünstige und wirksame Gemeindemanagement
Leistungen
Engagement, Einstellungen und Fähigkeiten der
Zufriedene Bürger Zufriedene Bürger
Mitarbeiter prägen die Leistungsfähigkeit und
Qualität der Gemeindeverwaltung. Kontinuierliche Kostengünstige Leistungen sind allerorts ein Thema,
Aus- und Weiterbildung der Führungskräfte und Gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen
nicht zuletzt auch für Gemeinden deren Haushalts- Gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen
Mitarbeiter sind hierzu wichtig. Die Gemeindebe- Politik und Verwaltung mittel knapper werden. Das Leistungsangebot der Politik und Verwaltung
diensteten müssen wissen, welche Aufgaben, Kom- Gemeindeverwaltung ist sehr vielfältig und muss
petenzen und Verantwortlichkeiten sie haben. Der aktiv gesteuert werden:
Motivierte Mitarbeiter Motivierte Mitarbeiter
Gemeindesekretär ist der Vorgesetzte des Personals.
Aber auch Politiker sollten danach trachten, moti- • Die Leistungen einer Gemeinde müssen genau-
vierte Mitarbeiter für die Gemeinde – und somit für so wie Produkte eines Unternehmens struktu­
Kostengünstige und wirksame Leistungen Kostengünstige und wirksame Leistungen
die Bürger – zu gewinnen. riert und hinterfragt werden.
• Leistungen müssen ständig optimiert werden
(z.B. welche Leistungen können an Private aus-
Management über Ziele und Ergebnisse Management über Ziele und Ergebnisse
gelagert oder mit privater Beteiligung angeboten
werden?).
• Die Kosten müssen transparent gemacht
werden. Die angebotenen Dienstleistungen sind
kritisch zu beleuchten („spending review“).
• Ohne transparente Kosten gibt es kein Kosten­
bewusstsein und eine Kostenverantwortung
ist nicht realisierbar.

42 43
Managementkonzepte
für Gemeinden

Management über Ziele und Ergebnisse Gemeindemanagement


Bedeutung einer guten Führung
(Leadership)
Auch Gemeinden müssen ihre Ziele und Visionen
Zufriedene Bürger
transparent machen. Was ist unser Auftrag und
wie wollen wir diesen erfüllen, lautet die zentrale Dieses Zitat wird häufig verwendet, um eine „gute
strategische Frage. Strategisches Management in der Gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen
Führung“ zu beschreiben. Es beschreibt sehr tref-
Gemeinde heißt, Leitbilder zu entwickeln und lang- Politik und Verwaltung fend die Macht von Visionen. Eine moderne Führung
fristig zu denken. Ausgehend von den allgemeinen benötigt sogenannte „Public Leaders“: Führungs-
Zielen (z.B. in einem Leitbild) sind konkrete Ziele und kräfte, die ambitionierte Anliegen verfolgen und ihre
Motivierte Mitarbeiter
Ergebnisse festzulegen. Die Ziele sollten „SMART“ Mitarbeiter motivieren. Dabei ist eine positive Ein-
sein, das bedeutet: stellung zu Veränderungen notwendig. Ein aktives
Handeln der Verwaltung ist gefordert.
Kostengünstige und wirksame Leistungen

S Spezifisch Eindeutig und klar


Management über Ziele und Ergebnisse

Quantifizierbar und
M Messbar
kontrollierbar „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann
trommele nicht Männer zusammen, um
A
Aktiv Angemessen, attraktiv und
Holz zu beschaffen, Aufgaben zu verge-
beeinflussbar ausführbar
ben und die Arbeit einzuteilen, sondern
lehre die Männer die Sehnsucht nach
R Realistisch Ziele müssen möglich sein
dem weiten, endlosen Meer.“
Für jedes Ziel muss klar sein, Antoine de Saint-Exùpery
T Terminiert bis wann das Ziel erreicht sein
muss

44 45
Managementkonzepte Qualitätsmanagement Personalmanagement
Die Messung und Verbesserung der Qualität der Motivierte und qualifizierte Mitarbeiter werden im-
Damit Gemeinden zu einem bürgerorientierten Dienste und Leistungen einer Gemeinde ist von zen- mer mehr zum Erfolgsfaktor für Gemeinden. Die Ge-
Dienstleistungsunternehmen werden, ist eine stär- traler Bedeutung. Qualitätsziele und Qualitätsstan- meinden benötigen ein modernes Personalmanage-
kere Managementorientierung nötig. Es braucht dards sind klar zu definieren. Gemeinden können ment. Instrumente der Mitarbeiterführung sind:
ein an die jeweiligen Rahmenbedingungen von Ge- verschiedenste Verfahren, Instrumente und Konzep-
meinden angepasstes Managementkonzept. Baustei- te des Qualitätsmanagements einsetzen.
ne eines solchen Managementkonzeptes sind:

Beispiele Beispiele

Dienstleistungscharters Personalentwicklungsplanung
Vergleich mit Leistungskatalog (z.B. richtige Stellenbesetzung, Nachfolge-
Qualitäts- Personal-
anderen und Leistungs-
Die Gemeinde
Organisation
Finanz- Dienstleistungscharters sind Dokumente, in
management management als Marke management planung, Karriereplanung)
­Gemeinden vereinbarungen denen die Gemeinde festlegt, welche Qualität
die Bürger (Nutzer von Leistungen) erwarten
können (z.B. meldeamtliche Änderung inner- Fortbildungen
Bausteine des Managementkonzeptes halb von drei Tagen). Werden die versproche- (z.B. Kurse, Seminare, Praktika)
nen Standards nicht erfüllt, können Entschädi-
gungen angeboten werden (z.B. Eintrittskarte
für eine kulturelle Veranstaltung der Gemein- Personal-, Leistungsbeurteilungen und
de). Zielvereinbarungen
(z.B. Mitarbeitergespräche über erreichte Ziele)

Qualitätsbewertung mit „CAF“


Leistungsgerechte Entlohnung
CAF (Common Assessment Framework) ist ein
(z.B. Leistungsprämie als Teil des Gehalts)
EU-weit anerkanntes Qualitätsbewertungssys-
tem im öffentlichen Sektor. Der strukturierte
Bewertungsraster ermöglicht es einer Gemein-
de selbst zu erkennen, wie gut die Organisation
ist und welche Verbesserungsmöglichkeiten es
gibt. Bewertet werden die Führung, Strategie,
Mitarbeiter, Partnerschaften und Ressourcen,
Prozesse und Ergebnisse (z.B. Zufriedenheit der
Mitarbeiter und Bürger).

46 47
Vergleich mit anderen Gemeinden Leistungskatalog und Leistungsvereinbarungen Die Gemeinde als Marke Organisation
(Benchmarking) (Kontraktmanagement) Markenentwicklung ist der Prozess, sich auf die Eine gut funktionierende Organisation zeigt eine
Der Vergleich mit anderen Gemeinden ist für eine Die vielen Einzeltätigkeiten der Gemeindeverwal- eigenen Stärken zu besinnen. Marke ist nicht mit klare Verteilung der Aufgaben, Kompetenzen und
kontinuierliche Verbesserung der Leistungen einer tung müssen zu einer überschaubaren Anzahl von Marketing und Werbung zu verwechseln und schon Verantwortlichkeiten. Deshalb sollte die Aufbauorga-
Gemeinde notwendig. Den Vergleich von Organisa- Leistungen zusammengefasst werden. Dies ist die gar nicht mit einem Logo. Damit etwas überhaupt nisation einer Gemeinde folgende Prinzipien verfol-
tionen, Arbeitsvorgängen, Leistungen usw., um die Voraussetzung für eine ergebnisorientierte Steue- glaubhaft beworben werden kann, braucht es zu- gen:
jeweils „beste Lösung“ für konkrete Aufgaben und rung. Für jede Leistung sind Ziele, Leistungsmenge, nächst eine Markenentwicklung.
Tätigkeiten zu finden, nennt man „Benchmarking“. Qualität und Kosten der Leistungen zu ermitteln. Der Prozess der Identitätsfindung und ein gezielter • Wer für eine Aufgabe zuständig ist, dem sind
strategischer Markenaufbau kann den Gemeinden, auch die Kompetenzen und die Verantwortung
die sich im Standortwettbewerb befinden, großen zuzuweisen („Kongruenzprinzip“).
Beispiele Beispiele Mehrwert bringen. Eine Gemeinde mit einer klaren • Der Haushaltsplan sollte mit der Gliederung
Identität kann ihre Attraktivität steigern und die der Aufbauorganisation übereinstimmen
Identifikation der Bürger mit der Gemeinde erhöhen. („Konsistenzprinzip“).
Haushaltsanalysen Leistungskatalog Dadurch engagieren sich die Bürger auch stärker im • Für jedes Verfahren bzw. für jeden Dienst
(z.B. Vergleich der laufenden Ausgaben, Welche Leistungen werden zu welchen Kosten sozialen, kulturellen und politischen Bereich. Eine sollte ein Verantwortlicher bestimmt werden
Investitionsausgaben und eigenen Einnahmen) und in welcher Qualität erbracht? starke Marke macht klar, wofür eine Gemeinde steht („Transparenzprinzip“).
und was sie nach innen und außen spürbar verkör- • Jeder Dienst sollte nur einem politischen
Kennzahlenvergleiche pert. Referenten zugeordnet werden. Ein politischer
(z.B. Vergleich der Personalausgaben und Referent kann für mehrere Dienste verantwort-
Ausgaben pro Einwohner) lich sein („Linearitätsprinzip“).
Durch Kennzahlen werden den Führungskräf-
ten einer Gemeinde Informationen über die Beispiele
finanzielle und wirtschaftliche Situation der
Gemeinde in strukturierter Form zur Verfü-
Entwicklung eines
gung gestellt.
Leistungskatalog strategischen Markenprofils

Ortsmarketing

48 49
Nachhaltige Entwicklung als
Aufgabe der Gemeindeführung

Finanzmanagement In der Verwirklichung der Nachhaltigkeit (Handeln,


Verantwortungsbewusste Gemeindepolitiker welches nicht zu Lasten zukünftiger Generationen
keitsbericht
schenken den Kosten der Gemeindedienstleistungen geht) kommt den Gemeinden eine große Bedeutung
besondere Beachtung. zu. Dies beginnt schon bei der Festlegung strate-
gischer Ziele. Instrumente dafür sind die Ausar-
beitung von Nachhaltigkeitsindikatoren und eines
Nachhaltig­keitsberichtes. Eine geeignete, auf Nach-
Beispiele haltigkeit ausgerichtete Gemeindeführung erscheint
somit für die eigene Zukunft wesentlich. Während
die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unter-
Transparenz der Kosten um das nehmen heute bereits Gang und Gebe ist, ist dies auf
Kostenbewusstsein zu erhöhen Gemeinde­ebene häufig noch nicht der Fall.
(z.B. was kostet der Gemeinde die Ausstellung
MARKTGEMEINDE

einer Baugenehmigung?) NATURNS

Nachhaltigkeits-Check: Einen wichtigen


Einführung einer betriebswirtschaftlichen Beitrag zur Verbesserung der Effizienz, Trans-
Kosten- und Leistungsrechnung parenz und Qualität von Gemeinden ermöglicht
(z.B. Kosten pro Kinderhortplatz, Kosten pro der Nachhaltigkeits-Check. Es handelt sich um
Stunde Schneeräumung) ein Instrument, das ursprünglich zur Messung
der Nachhaltigkeit von Unternehmen entwi-
Strategische Planung und Haushalts­ ckelt und in Folge für Gemeinden angepasst
entscheidungen sind zu verknüpfen wurde. Durch ausgewählte Indikatoren werden
(z.B. Bereitstellung der Mittel für einen die Nachhaltigkeitsleistungen von Gemeinden
Kunstrasenplatz in einer Gemeinde die sich überprüft und Verbesserungsmaßnahmen
als Sportzentrum definiert) möglich.

Resümee: Politiker und Mitarbeiter müssen sich ihrer


Verantwortung für den Erfolg der Gemeinde bewusst werden
und die Fähigkeiten zur Verbesserung erkennen. Ständige
Verbesserung ist notwendig, denn „wer aufhört besser
zu werden, hat bereits aufgehört gut zu sein“.

50 51
Ausgewählte Publikationen des EURAC-Institutes für Public Managements Rechtsquellen: Literaturquellen:

Einheitstext der Regionalgesetze über die Zusam- Hötger Damian (2012). Gute Verwaltung – eine
mensetzung und Wahl der Gemeindeorgane, DPReg. immerwährende neue Herausforderung. In: Hill
vom 1. Februar 2005, Nr. 1/L (geändert durch das Hermann (Hrsg.). Verwaltungsmodernisierung 2012.
DPReg. vom 1. Juli 2008, Nr. 5/L, das DPReg. 18. März Verwaltungsressourcen und Verwaltungsstruktu-
2013, Nr. 17 und das DPReg. 22 Dezember 2014, Nr. 85). ren. Band 21. 1. Auflage.
Unione europea
Chancen kennen keine Grenzen. Fondo europeo di sviluppo regionale

Istituto per il Management Pubblico

nella Bassa Atesina


La Lunga Notte delle Imprese

Lange Nacht der Betriebe Einheitstext der Regionalgesetze über die Ordnung Just Dominik, Januth Andreas, Bernhart Josef,
Zusammenarbeit zwischen des Personals der Gemeinden der Autonomen Region Niedermüller Katharina, Promberger Kurt (2012).
Innovatives Ehrenamt Gemeindepolitik und Wirt- Trentino-Südtirol, DPReg. vom 1. Februar 2005, Nr. Gemeindeführung im Alpenraum. Ergebnisse einer
InnovatIves ehrenamt
Atz H., Bernhart J., Just D., Januth A., Promberger K., Vanzo E.
Leitfaden zur Förderung der Die Lange Nacht der Betriebe
im Südtiroler Unterland
Institut für Public Management
schaft zur Förderung der 2/L (geändert durch das DPReg. vom 11. Mai 2010, komparativen Studie in Italien und der Schweiz.
Freiwilligenarbeit in der Unternehmen und Arbeits- Nr. 8/L und das DPReg. vom 11. Juli 2012, Nr. 8/L), Südostschweiz Buchverlag.
Gemeinde plätze koordiniert mit den Bestimmungen, die durch das
Regionalgesetz vom 9. Dezember 2014, Nr. 11 einge- Negri Giuseppe (2011). Leitfaden für den Gemein-
führt wurden. deverwalter in der Autonomen Region Trenti-
no-Südtirol. Funktionen und Zuständigkeiten der
Einheitstext der Regionalgesetze betreffend die Gemeindeorgane. Status der örtlichen Verwalter,
Die Südtiroler Gemeinden sind dazu verpflichtet einen Aktionsplan zur Anpassung der öffentlichen
Istituto per il Management Pubblico
Beleuchtungsanlagen an neue Landeskriterien zu verfassen, welche im Einklang mit Europäischen
Richtlinien sind. Optimierungen in diesem Bereich ermöglichen nicht nur die Eindämmung der Licht-
L’esperienza del Giro Lago di Resia verschmutzung und die Reduzierung des Energieverbrauchs, sie verbessern auch die Verkehrssi-
Management della sostenibilità degl cherheit und das Stadtbild. Diese Leitlinien, die in Zusammenarbeit zwischen dem Amt für Energie-
einsparung der Landesagentur für Umwelt, dem EURAC Institut für Public Management sowie sechs

Buchhaltungs- und Finanzordnung in den Gemein- Nichtaufstellbarkeit, Nichtwählbarkeit und Unver-


Pilotgemeinden entstanden sind, geben konkrete Anleitungen für die wirkungsvolle Planung und Um-
setzung von Energieeffizienzzielen im Rahmen der Einschränkungen und verfügbaren Ressourcen.

Management der den der Autonomen Region Trentino-Südtirol, DPRA einbarkeit mit den Ämtern, EDK Editore s. r. l. Verlag,
Management der Nachhaltigkeit von Sportveranstaltungen
Nachhaltigkeit ISBN 978-88-88906-98-0
Kommunale Lichtpläne vom 28. Mai 1999, Nr. 4/L (geändert durch das DPReg. Torriana.
Messung der Nachhaltig- Reduzierung der Lichtver- vom 1. Februar 2005, Nr. 4/L), koordiniert mit den
am Beispiel Reschenseelauf
Leitfaden
Institut für Public Management
für die erstellung von kommunalen Lichtplänen in Südtirol

eURaC - institut für Public Management

keitsleistung für Gemein- Landesagentur für Umwelt - amt für energieeinsparung

schmutzung und des Ener- Bestimmungen, die durch das Regionalgesetz vom Promberger Kurt, Bernhart Josef (Hrsg.) (2004). Leitli-
den und Veranstaltungen gieverbrauchs 5. Februar 2013, Nr. 1 und das Regionalgesetz vom 9. nien der kommunalen Verwaltungsentwicklung.
Dezember 2014, Nr. 11 eingeführt wurden. Management und Unternehmenskultur. Schriften-
reihe der Europäischen Akademie Bozen. Band 9.
Sviluppo innovativo dei centri abitati – Una guida per i comuni

AUTONOME PROVINZ PROVINCIA AUTONOMA


BOZEN - SÜDTIROL DI BOLZANO - ALTO ADIGE
Abteilung Natur, Landschaft Ripartizione Natura, paesaggio

Satzungen der Gemeinden Südtirols. Linde Verlag.


und Raumentwicklung e sviluppo del territorio

Bernhart J., Niedermüller K., Promberger K.

Una guida per i comuni


Sviluppo innovativo dei centri abitati

Innovative Landesgesetz vom 14. Februar 1992, Nr. 6 - Bestim-


Ortskernentwicklung mungen hinsichtlich der Finanzen der Gebietskör-
ISBN 978-88-88906-95-9

Carsharing Südtirol
Carsharing Südtirol Leitfaden für Gemeinden perschaften.
Nutzen und Möglichkeiten zur Belebung der Ortskerne
Innovative Ortskernentwicklung – Ein Leitfaden für Gemeinden

Eine wissenschaftliche Begleitstudie


Innovative Ortskernentwicklung
Institut für Public Management
Ein Leitfaden für Gemeinden

Bernhart J., Niedermüller K., Promberger K.

von Carsharing für Süd-


e sviluppo del territorio
Ripartizione Natura, paesaggio

DI BOLZANO - ALTO ADIGE


und Raumentwicklung
Abteilung Natur, Landschaft

BOZEN - SÜDTIROL
und Erhalt der historischen Landesgesetz vom 11. August 1994, Nr. 6, Art. 7, ver-
tirols Gemeinden Bausubstanz öffentlicht im Beiblatt Nr. 1 zum Amtsblatt vom 23.
PROVINCIA AUTONOMA AUTONOME PROVINZ

August 1994, Nr. 38 (Höhe des Personalschlüssels).


Landesgesetz vom 20. März 1991, Nr. 7, veröffentlicht
K. Walter, J. Bernhart, S. Boscolo, K. Promberger

K. Walter, J. Bernhart, S. Boscolo, K. Promberger


im Amtsblatt vom 2. April 1991, Nr. 14. (Bezirksge-
Strategisches Sviluppi di politiche temporali urbane
Tempi migliori per la città meinschaften).
Marke
Martelltal Markenprofil
Tempi migliori per la città

Die Gemeinde als Marke – Ordnung der Gemeinden der Autonomen Region
Lokale Zeitpolitik

mehr als ein Logo: ein Pro- Zeitpolitik Trentino-Südtirol, DPReg. vom 1. Februar 2005, Nr.
zess der Identitätsfindung Die Zeiten der Gemeinde 3/L (geändert durch das DPReg. vom 3. April 2013, Nr.
Lokale Zeitpolitik
Die Zeiten der Stadt besser managen

K. Walter, J. Bernhart, S. Boscolo, K. Promberger

und strategische Positionie- besser managen und bürge- 25), koordiniert mit den Bestimmungen, die durch
rung rorientierter gestalten das Regionalgesetz vom 2. Mai 2013, Nr. 3 und das
Regionalgesetz vom 9. Dezember 2014, Nr. 11 einge-
führt wurden.

Die Publikationen sind kostenlos erhältlich unter:


www.eurac.edu/en/research/autonomies/pubman/publications oder unter 0471/055 415

Institut für Public Management


EURAC research
Drususallee 1, I-39100 Bozen

52 53

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