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Rhetorische Figuren

Akkumulation

Anhäufung von ähnlichen Begriffen oder Wörtern

Beispiele: Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne; Nun ruhen alle Wälder, Vieh,
Menschen, Städt und Felder; Quadratisch, praktisch, gut;

Allegorie

Erweiterte Metapher und auch erweiterte Personifikation mit einer meist kulturellen
und gesellschaftlichen Bedeutung

Beispiele: Justitia steht mit Waage und Schwert in der Hand für Gerechtigkeit; der
Sensenmann als Skelett in schwarzer Kutte mit Sense in der Hand steht für den
Tod; Amor (Liebe); weiße Taube (Frieden);

Alliteration

Mindestens zwei benachbarte oder aufeinanderfolgende Wörter mit demselben


Anfangslaut (Gleichklang der Anlaute); Stabreim

Beispiele: Mensch Meier, Kind und Kegel, sieben Siegel, samt und sonders, Dick
und Doof; durch Dick und Dünn; bei Nacht und Nebel; Mann und Maus; zickzack;
Küche und Keller; bei Wind und Wetter; der Rubel rollt; Haus und Hof; gut und
gern; klipp und klar; mit Schimpf und Schande; mit Zittern und Zagen; nicht wanken
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und nicht weichen; null und nichtig; von Pontios zu Pilatus; Fischers Fritz fischt
frische

Epipher

Wiederholung ganzer Wörter oder Wortbestandteile am Ende eines Verses, Satzes


oder einer Strophe (Gegenstück zur Anapher)

Beispiel: Sie wollten Krieg, sie bekamen Krieg; Ende gut, alles gut;

Euphemismus

Beschönigung von etwas, beschönigender Ausdruck; etwas Negatives wird durch


eine positive Bezeichnung beschönigt

Beispiele: entschlafen/ das Zeitliche segnen (statt sterben); Nullwachstum (statt


Stillstand, Stagnation); Seniorenresidenz (statt Altersheim); das Weite suchen (statt
fliehen); stilles Örtchen (statt Toilette); in anderen Umständen (statt schwanger);
dritte Zähne (statt künstliches Gebiss); Mitbewerber (statt Konkurrent);

Hendiadyoin

Zwei Begriffe, die dasselbe meinen bzw. zwei Wörter werden zu einem Begriff
zusammengeführt, eine Gesamtbedeutung wird durch zwei Wörter ausgedrückt

Beispiele: mit Stock und Hut; in Grund und Boden; Hab und Gut; in Saus uns
Braus; Feuer und Flamme;
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Hyperbel

Starke Übertreibung, sodass die Aussage wörtlich genommen nicht mehr zutreffend
ist

Beispiele: Schneckentempo, todmüde, stinksauer, himmelhoch jauchzend, zu Tode


betrübt; Das habe ich dir doch schon hundertmal erzählt; Musst du immer im
Schneckentempo gehen?; Ich bin so müde, dass ich im Stehen einschlafen könnte;
Vor Ärger hat sie Gift und Galle gespuckt; Wäscht nicht nur sauber, sondern rein;
Unendlich genießen; Fahren in seiner schönsten Form; das hab ich dir schon
tausendmal gesagt;

Interjektion

kurzer Ausruf, Gefühlsausdruck

Beispiele: Oh!, Ah!, Ich!, Hey!, Aha!, Okay!, Ey! Hallo!

Inversion

Veränderung der Wortstellung durch Vertauschen der Satzglieder, Hervorheben


des Umgestellten

Beispiele: Ein Betrüger ist er!; Mit mir können Sie das nicht machen!

Ironie (nicht zu verwechseln mit Sarkasmus)


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Verkehrung des Sinns ins Gegenteil; Aussage, die eigentlich etwas anderes meint
als das tatsächlich Gesagte, und auch so verstanden wird; Ironie ist zunächst
wertneutral und nicht herabwürdigend (im Gegensatz zum Sarkasmus)

Beispiele: Schöne Bescherung!; Toll gemacht!; Ich liebe dich auch! (als Antwort auf
eine Beleidigung); der Abend mit ihm war echt aufregend (= langweilig); du bist mir
aber ein schöner Freund

Klimax

Dreigliedrige Steigerung bzw. Steigerung von einer schwächeren Aussage

Beispiele: Er ist fleißig, er arbeitet acht, neun, zehn Stunden am Tag. / Ich kam, sah
und siegte; Ich habe gebeten, gebettelt, auf Knien gefleht; Die Nachricht verbreitete
sich in jedem Dorf, jeder Stadt, jedem Land; Alle waren an diesem Tag voller
Freude, ob Bettler, Bauer oder Edelmann;

Antiklimax (Gegenstück zur Klimax)

Eine Erweiterung, die als Abschwächung in Erscheinung tritt

Beispiele: Jakob liebte die gesamte Natur, Bäume, Sträucher und Grashalme; Sie
ist doch bloß neidisch, auf mein Haus, meine Küche, sogar auf meine
Kaffeemaschine;

Metapher

Bildlicher Vergleich und gleichzeitige Bedeutungsübertragung auf einen fremden


Zusammenhang; sprachliche Verknüpfung zweier Wörter, die gewöhnlich nicht
miteinander verbunden sind
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Beispiele: Warteschlange; Menschentraube; ein Meer von Menschen; in die Hose


machen; eine Glückssträhne haben; Eselei (für Dummheit); einschlafen/ heimgehen
(für sterben); Lebensuhr (hier wird die Uhr auf den Verlauf des menschlichen
Lebens übertragen; ein gebrochenes Herz (für Liebeskummer); Frühlingsgefühle
(für Verliebtheit); Glimmstängel (Zigarette); Gesang der Wellen (Geräusch des
Wassers erinnert an Musik); Kaderschmiede (Eliteuniversität); rauschendes Fest
(ausgelassene Feier); Adleraugen (sehr gutes Sehvermögen); Katerfrühstück
(Mahlzeit, die die Folgen von zu viel Alkoholgenuss vertreiben soll); die Weichen für
einen Wechsel sind gestellt; das Koalitionsklima ist gut; Red Bull verleiht Flügel;
kreativer Kopf; Mauer des Schweigens; Faust im Nacken (unausweichliche
Bedrohung); Wüstenschiff (Kamel); etwas durch die rosarote Brille sehen (etwas
allzu positiv beurteilen); hässliches Entlein (unattraktive Person mit Potenzial);
Macht der Finsternis (Kräfte des Bösen);

Metonymie/ Synekdoche

Ersetzen eines Ausdrucks durch einen anderen, der mit dem ersten in realer
Beziehung steht, die gemeinten Begriffe werden durch andere ersetzt, die
uneigentlichen Gegenstände befinden sich dabei in unmittelbarer, realer Nähe zu
den eigentlich gemeinten, die Grenze des gemeinten Gegenstands wird somit
verschoben.

Beispiele: Ich lese Goethe (= seine Werke); Lass uns ein Glas trinken! (= den Inhalt
des Glases); der Schnurrbart kommt (= der Mann mit Schnurrbart); weiche Knie
haben (für Verliebtheit); Hirnlosigkeit (für Dummheit); ins Grab steigen (sterben);
Wien wählt eine neue Regierung (= die Bürger Wiens); die Nachkriegszeit ist mit
Wiederaufbau beschäftigt (= Menschen der Nachkriegszeit/ Überlebende des
Krieges); der Winter lässt die Heizkosten steigen (= die Kälte); der bleiche Tod (=
der bleiche Tote); die blasse Angst (= der Ängstliche ist blass); die Jugend
interessiert sich … (= junge Menschen); der gute Geschmack ist in Rom zu Hause
(= Menschen mit gutem Geschmack); ich trage lieber Wolle als Synthetik (=
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Kleidung aus Wolle); er las das Papier (= Schriftstück); sie zählte 20 Lenze (=
Jahre); hungrige Mäuler (= Kinder); unser tägliches Brot gib und heute (= das
Notwendige zum Essen